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Raus aus der Panikspirale: Wie wir Angst verstehen und kontrollieren können

Angst gehört zum Menschsein – doch für viele Menschen wird sie zur täglichen Belastung. Panikattacken, innere Unruhe oder ein ständiges Gefühl der Bedrohung können das Leben stark einschränken.
Die Psychotherapeutin Klara Hanstein erklärt, wie Angst entsteht, warum sie kein Feind ist – und wie wir lernen können, wieder Vertrauen in unseren Körper und in das Leben zu gewinnen.

Angst verstehen ist der erste Schritt, um die Kontrolle zurückzuerlangen. Und das Gute: Jeder Mensch kann das lernen.

Die Folge HEALTHWISE auf spotify

Was Angst wirklich ist – und warum sie wichtig ist

Angst ist ein Schutzmechanismus. Sie warnt uns vor Gefahr und sorgt dafür, dass wir schnell reagieren können. In akuten Stresssituationen aktiviert der Körper den sogenannten Fight-or-Flight-Response – Herzrasen, flache Atmung, Muskelanspannung.
Diese Reaktionen sind an sich nicht gefährlich, sondern überlebenswichtig.

Problematisch wird Angst dann, wenn sie ohne reale Bedrohung auftritt oder chronisch wird. Die Betroffenen erleben körperliche Symptome, die wie ein echter Notfall wirken – obwohl keiner besteht. Hier entsteht die berüchtigte „Panikspirale“: Angst → Körpersymptome → Bedrohungsempfinden → mehr Angst.

Zitat Klara Hanstein: „Panikattacken sind wie ein Fehlalarm des Körpers – laut, heftig, aber nicht gefährlich.“

Die Panikspirale durchbrechen

Viele Menschen versuchen, ihre Angst zu vermeiden – etwa durch Rückzug oder Kontrolle. Doch das verstärkt die Spirale langfristig.

Ein zentraler Schritt ist daher: Angst aushalten lernen.

Wichtige Strategien, die Klara Hanstein betont:

  • Körperreaktionen zulassen: Panik ist unangenehm, aber ungefährlich. Wer Symptome beobachtet, statt sie zu bekämpfen, unterbricht den Alarmkreislauf.
  • Atmung regulieren: Bewusstes, ruhiges Ausatmen aktiviert das parasympathische Nervensystem und signalisiert dem Körper Sicherheit.
  • Gedanken überprüfen: „Ich sterbe gleich“ ist ein häufiger Gedanke bei Panikattacken – objektiv jedoch falsch.
  • Angst nicht vermeiden: Wer Situationen meidet, verstärkt die Angst. Wer sich ihr stellt, trainiert das Nervensystem um.

Vertrauen in den Körper zurückgewinnen

Viele Betroffene verlieren durch wiederkehrende Panikattacken das Vertrauen in den eigenen Körper. Das Ziel der therapeutischen Arbeit: wieder Sicherheit in sich selbst spüren.

Klara Hanstein beschreibt, dass dies kein schneller Prozess ist – aber ein sehr wirksamer:

  • Verständnis → Sicherheit: Wer versteht, was im Körper passiert, bekommt Kontrolle zurück.
  • Erfahrungen sammeln: Durch bewusstes Durchleben von Angstmomenten entsteht neues Vertrauen.
  • Selbstwirksamkeit stärken: Betroffene merken: „Ich halte das aus.“

Zitat: „Angst ist nicht gefährlich – sie ist ein Signal. Wir dürfen lernen, es zu verstehen, statt davor wegzulaufen.“

Praktische Strategien für den Alltag

  • Atemübungen (z. B. 4-6-8-Atmung)
  • Bewegung & Tageslicht
  • Entspannung durch Meditation oder Musik
  • Angsttagebuch führen
  • Bewusste Konfrontation in kleinen Schritten
  • Professionelle Unterstützung in Anspruch nehmen

Take Aways  

  • Angst ist ein Schutzmechanismus – kein Feind.
  • Panikattacken sind ungefährlich, auch wenn sie sich bedrohlich anfühlen.
  • Verständnis und bewusste Atem- und Konfrontationsübungen helfen, die Spirale zu durchbrechen.
  • Vertrauen in den Körper ist trainierbar.
  • Hilfe anzunehmen ist ein Zeichen von Stärke, nicht von Schwäche.

Mehr erfahren im healthwise Podcast von sunday natural

Rechtlicher Hinweis

Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine medizinische oder psychotherapeutische Beratung. Bei anhaltender oder starker Symptomatik sollte professionelle Hilfe in Anspruch genommen werden.

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Klara Hanstein ist Klinische Psychologin, Gesundheitspsychologin und systemische Psychotherapeutin, die sich intensiv mit Angst- und Panikstörungen beschäftigt. Ihr Ansatz beruht darauf, Betroffenen praxisnahe Werkzeuge an die Hand zu geben, um aus dem Kreislauf von Angst und Überforderung herauszufinden und dauerhaft mehr Ruhe, Klarheit und Selbstbestimmung zu gewinnen.

Im Zentrum ihrer Arbeit steht das Nervensystem: Hanstein erklärt, wie Angst nicht nur „im Kopf“, sondern im Körper ausgelöst wird – durch Gedanken, Körpersignale, Atem und vegetative Erregung. Sie zeigt Wege auf, wie sich dieser Kreislauf unterbrechen lässt – etwa durch gezielte Übungen zur Regulation von Atmung und Körperspannung, durch achtsame Gedankenführung und durch das bewusste Erleben der eigenen inneren Prozesse.

Parallel dazu verfolgt sie einen integrativen Ansatz: Es geht nicht nur darum, Symptome zu lindern, sondern das System „Mensch“ ganzheitlich zu betrachten – mit Blick auf Lebensstil, mentale Gewohnheiten, soziale Faktoren und das Erleben von Sicherheit im Alltag. Hanstein legt Wert darauf, Menschen zu stärken, ihre Angst zu verstehen statt zu verdrängen, und mit kleinen, konsequenten Schritten einen nachhaltigen Weg aus der Angst zu gehen.

Ihr Ziel ist klar: Angst und Panik sollen nicht länger über das Leben bestimmen. Stattdessen möchte Klara Hanstein, dass Menschen Vertrauen in sich selbst gewinnen, wieder in Verbindung mit ihrem Körper kommen und ein Leben führen, das von Mut, Leichtigkeit und innerem Frieden geprägt ist.
 

Mehr über Klara Hanstein: https://klarahanstein.com/

137 Raus aus der Panikspirale - rein ins Leben. Angst & Panik verstehen. Mit Klara Hanstein


[Klara Hanstein] (0:00 - 0:16)

Die Angst ja eben nicht als Feind zu sehen, als ein Gefühl, das wir nie wieder haben möchten, sondern Angst schützt uns. Und Angst ist eigentlich eine ganz lebensnotwendige Funktion, also die löst einfach wichtige Dinge in uns aus.


[Elisabeth Seidel] (0:17 - 1:22)

Herzlich willkommen zu HEALTHWISE, dem Gesundheitspodcast präsentiert von Sunday Natural. Ich bin Elisabeth Seidel und in diesem Podcast erkunden wir gemeinsam, was es bedeutet, gesund zu sein. Wir tauchen ein in Themen wie Medizin, Bewegung, Ernährung und emotionale Gesundheit.


Immer mit einem weisen Blick auf das, was uns wirklich guttut. 


Herzlich willkommen zu einer neuen Folge HEALTHWISE. Heute sprechen wir über ein Thema, das Millionen Menschen betrifft und doch oft noch ein Tabu ist.


Angst und Panik. Unser Gast ist die Psychotherapeutin Klara Hanstein. Viele Jahre arbeitete sie erfolgreich in eigener Praxis, bis sie selbst an einer Angsterkrankung erkrankte.


Aus der Helfenden wurde eine Betroffene und genau diese Erfahrung macht ihre heutige Arbeit so besonders. Klara verbindet ihre professionelle Expertise mit ihrer persönlichen Geschichte. In ihren Büchern, Kursen, Newslettern und auf Instagram inspiriert sie tausende Menschen, einen neuen, mutigen und liebevollen Umgang mit Angst und Panik zu finden.


Ich freue mich ganz sehr. Herzlich willkommen, Klara.


[Klara Hanstein] (1:24 - 1:29)

Hallo Elisabeth und danke für die Einladung in eurem Podcast. Ich freue mich sehr.


[Elisabeth Seidel] (1:30 - 1:40)

Wir uns auch. Als allererstes starten wir immer mit unserer bekannten Frage, einer Sonntagsfrage. Und da interessiert mich natürlich, wie sieht dein perfekter Sonntag aus?


[Klara Hanstein] (1:41 - 2:38)

Ich musste schmunzeln jetzt gerade, weil ich mir dachte, ich hatte letzten Sonntag den perfekten Sonntag und ich kann einfach von meinem letzten Sonntag erzählen. Der letzte Sonntag war bei mir so, dass ich ausschlafen kann. Also ich bin prinzipiell kein Langschläfer, aber das ist dann so 7 Uhr morgens oder so.


Das ist für mich schon eher lange schlafen. Und dann schnappe ich mir meinen Hund und wir joggen eine Runde und dann gibt's lecker Frühstück. Und dann war es tatsächlich letzten Sonntag so, dass ich mir mal wieder ganz viel Zeit genommen habe, ein Buch zu lesen.


Das kommt bei mir ja oft auch viel zu kurz bei so meinem Daily Business. Und ich habe dann echt so den halben Tag gelesen und bin da in der Sonne gesessen. Das Wetter war schön.


Und ich hatte da wirklich so, das habe ich am Abend auch zu meinem Freund gesagt, das war so ein schöner Sonntag wieder mal. Also das ist mein perfekter Sonntag.


[Elisabeth Seidel] (2:38 - 2:53)

Ja, es ist ein schöner Sonntag. Liest du dann auch so Fachliteratur oder eher was Leichteres, einen Roman? Jetzt, wo du dein zweites Buch geschrieben hast, kann ich mir vorstellen, dass man erst mal viel Research gemacht hat.


Und dann ist einem vielleicht nach was Leichterem auch manchmal.


[Klara Hanstein] (2:54 - 3:12)

Genau, also so am perfekten Sonntag, da ist keine Fachliteratur am Start, sondern tatsächlich habe ich einen Roman gelesen und ja, der war ganz witzig. Und das ist für mich auch irgendwie gut, so mal runterzukommen und echt den Fokus einfach mal auf was anderes zu richten.


[Elisabeth Seidel] (3:12 - 3:35)

Ja, die Balance ist ganz wichtig, aber darüber hören wir jetzt sicherlich noch mehr. Genau. Zum aller Anfang möchte ich gerne mal auf deine Geschichte eingehen.


Du warst ja Psychotherapeutin in eigener Praxis, bis dich selbst eine Angsterkrankung getroffen hat. Wie war das für dich? Wie erinnerst du dich an diesen Wendepunkt?


[Klara Hanstein] (3:37 - 4:51)

Ja, das war wirklich so, dass es mich komplett aus dem Leben gerissen hat. Also man kann sich das echt so vorstellen, dass so mein Leben davor irgendwie so, ich war die totale Powerfrau und habe da eben über viele Jahre meine eigene Praxis aufgebaut. Die war monatelang im Voraus aus-, ich war monatelang im Voraus ausgebucht und machte nebenbei auch immer noch Fortbildungen.


Die Freizeit war voll mit irgendwie Urlauben und mit Freunden treffen. Also ich war so mitten im Leben, würde ich jetzt mal so sagen. Und als dann die ersten Panikattacken in mein Leben gedonnert sind, war nichts mehr wie vorher.


Denn Angst schneidet uns ja enorm vom Leben ab. Also es war, plötzlich konnte ich nicht mehr ins Restaurant gehen. Ich konnte kaum mehr ins Auto steigen.


Ich musste meine Praxis schließen, weil ich nicht mehr in den Therapieterminen sitzen bleiben konnte, weil ich ständig so das Gefühl hatte, ich muss hier raus, ich muss hier weg, wenn die Panik eben wieder kam. Also es war wirklich so, nicht schleichend, sondern das ist wirklich so, von einem Tag auf den anderen war das echt, hat das mein Leben von null auf hundert verändert.


[Elisabeth Seidel] (4:53 - 5:03)

Gab es da einen spezifischen Auslöser dafür oder denkst du einfach, das war so die Folge von dem sehr, sehr lang anhaltenden Stress, auch wenn du es vielleicht nicht so empfunden hast?


[Klara Hanstein] (5:05 - 5:46)

Tatsächlich würde ich heute sagen, dass es zwei Dinge waren. Das eine war eben das, was du jetzt ansprichst, dieser lang andauernde, wirklich Stress, beruflich und privat, würde ich jetzt mal so sagen. Und dann hatte ich eine Zahnoperation, die nicht ganz glücklich verlief, die eher traumatisch verlief, wenn man so sagen will.


Und das war dann so der Knackpunkt, wo mein Körper und mein Nervensystem gesagt haben, so zack, jetzt geht gar nichts mehr. Also ich würde sagen, so der Stress war wahrscheinlich das, was irgendwie schon lange so in mir gebrodelt ist. Dann gab es tatsächlich schon diesen einen Auslöser.


[Elisabeth Seidel] (5:48 - 5:52)

Der gute alte Tropfen, der das Fass zum Überlaufen gebracht hat dann schließlich.


[Klara Hanstein] (5:53 - 5:55)

Das war der Tropfen, ganz genau.


[Elisabeth Seidel] (5:56 - 6:04)

Wie war das dann? Hast du dich dann komplett aus der Arbeit rausgenommen, in Therapie begeben, in klassische Therapie wahrscheinlich?


[Klara Hanstein] (6:05 - 7:08)

Genau, also es war so, dass ich das zu Beginn ehrlicherweise noch gar nicht so wahrhaben wollte. Ich, Klara, die Powerfrau, die irgendwie immer für alle da ist und alles stemmt und alles meistert. Also ich wollte am Anfang ja die Praxis gar nicht aufgeben und habe das noch versucht, und versucht habe ich mich aber relativ schnell eben in Therapie begeben, weil ich irgendwie wusste, okay, da kann ich mir jetzt gerade selbst nicht helfen. Und merkte dann aber nach und nach, das mit der Praxis klappt gar nicht mehr. Also so habe dann auch gemerkt, die Verantwortung, die ich da für meine Patienten und Patientinnen habe, das kann ich so auch nicht mehr tragen und möchte ich auch nicht, auch für die Patienten nicht.


Genau, und merkte dann, okay, nee, da braucht es jetzt echt mal so einen starken Stopp. So auch und habe die Praxis dann geschlossen tatsächlich.


[Elisabeth Seidel] (7:10 - 7:14)

Von einem auf den anderen Tag dann, Patienten abgesagt.


[Klara Hanstein] (7:15 - 7:40)

Ja, genau, war schwer. Also es war ja auch so eine totale Leidenschaft. Das Thema an sich oder das Thema Psyche, das ist ja meine Leidenschaft.


Also es war ja gar nicht nur so, dass jetzt, okay, da schließt man die Praxis und macht mal eine Pause, sondern das war ja, viele meiner Patienten kannte ich ja monatelang oder jahrelang zum Teil. Und das war echt, echt schwer damals.


[Elisabeth Seidel] (7:42 - 8:01)

Ja, verständlich. Über Jahre aufgebaut und dann wahrscheinlich auch irgendwie in so einem labilen Zustand macht man sich dann wahrscheinlich auch noch mal Vorwürfe, dass man jetzt nicht weiter da sein kann für die Leute, die man in Betreuung hat und so weiter. 


Aber wichtig, dass du das getan hast.


[Klara Hanstein] (8:02 - 9:33)

Ja, also es wäre erstens damals nicht anders gegangen. Und ich glaube, es war für mich auch ein ganz wichtiges Zugeständnis so, Klara, dir geht es jetzt nicht gut und du darfst da jetzt auf dich schauen. Also so, wo vorher vielleicht immer so noch der Fokus auf den anderen war, so ich möchte da sein, ich möchte das weiterführen, auch was ich mir aufgebaut habe und auch jetzt total doof gesagt, aber auch meinen Ruf da irgendwie als Psychotherapeutin in meiner Stadt nicht verlieren.


Und das war total wichtig, dann mir so einzugestehen. Klara, du brauchst jetzt was anderes. Du musst jetzt auf dich schauen und du musst dich jetzt um dich kümmern.


Und das war tatsächlich nicht so, dass das jetzt so von einem Tag auf den anderen, dass ich so am Tag eins das irgendwie mir noch nicht eingestehen wollte und am Tag zwei war das dann da, sondern das war echt so ein Prozess, würde ich sagen, wie so ein Trennungsprozess. Hört sich das jetzt doof an, wenn ich das so sage, aber das war echt so, mich auch ein bisschen zu verabschieden irgendwie so davon, auch immer die Starke sein zu wollen und zu müssen, sondern einfach auch mal sich eingestehen zu können und zu wollen. Da darf ich jetzt auch mal schwach sein und ich darf um Hilfe bitten und andere Menschen fragen, ob sie mich unterstützen.


[Elisabeth Seidel] (9:35 - 9:49)

Wertvolle Erkenntnis, glaube ich, gerade was das Thema angeht, auch vor allem bei Frauen, Frauen, Powerfrauen, Mütter, die natürlich immer das Gefühl haben, immer stark sein zu müssen.


[Klara Hanstein] (9:50 - 9:52)

Genau, absolut, absolut.


[Elisabeth Seidel] (9:54 - 10:06)

Und wie lange hast du dich dann in Therapie begeben oder wie lange hat es gedauert? Du hast ja auch ganz viel Research gemacht, wie du dir selbst helfen kannst auf dem Weg. Wie ging der Weg dann weiter für dich?


[Klara Hanstein] (10:07 - 13:21)

Genau, der Weg war, muss ich sagen, sehr, sehr holprig, weil zuerst, und das sind auch so die Ansätze, die in meinen Ausbildungen, wo der Fokus drauf lag, so dass zu Beginn und auch in meiner Therapie zu Beginn, der Fokus hauptsächlich auf den Gedanken lag, also dass man sich einerseits die Gedanken, die da auftauchen bei Angst und natürlich schon auch die Ursachen und wo kommt das her und Beziehungsdynamiken, sei es familiäre Dynamiken anzusehen. Und ich habe irgendwie so gemerkt, von Monat zu Monat, ich komme nicht weiter, also ich rutsche eher mehr in diese Panikspirale rein und habe dann noch verschiedene Dinge eigentlich ausprobiert, verschiedene andere Therapieansätze und habe immer wieder gemerkt, ich komme da einfach nicht weiter. Und tatsächlich sind so zwei Punkte dann zusammengeflossen.


Ich bin dann durch Zufall eigentlich zu einer Traumatherapeutin gekommen, deren Fokus auf dem Körper lag, auf dem Nervensystem, auf der Atmung und habe gleichzeitig auch ein bisschen durch Zufall, Online-Seminare besucht, weil ich konnte ja zum Großteil das Haus nicht mehr verlassen, also ich musste auch so, was ich an Fortbildungen oder mir Wissen angeeignet habe, musste ich von zu Hause aus machen und kam da auch immer mehr zum Thema Körper, auch viel das Thema Trauma, weil das Traumatherapeuten auch viel über den Körper arbeiten. Und das war so der erste Punkt dann, als die Therapeutin zu mir in der Praxis sagte, als ich da eben meine Geschichte wieder ausgebreitet habe und auch so mein Ansatz war, na ja, jetzt reden wir mal darüber.


Und sie meinte dann einfach nur, Frau Hanstein, jetzt atmen wir mal. Und wir sind dann einfach gesessen und haben gemeinsam geatmet. Und ich habe da schon so einen kleinen Funken gespürt von, okay, das ist jetzt ganz anders.


Ja, und das macht jetzt gerade was ganz anderes mit mir. Und das ist ja so, was auch dann in den letzten Jahren so, wo ich mich auch ganz viel damit auseinandergesetzt habe, wie kann man in Angst- und Paniksituationen sich selbst beruhigen, das Nervensystem beruhigen, gleichzeitig dadurch auch die Gedanken beruhigen. Und in den folgenden Jahren habe ich mir dann zu einem großen Teil, würde ich jetzt mal sagen, selbst beigebracht, meinen Körper in dieser Mega-Aufregung, wie das ja bei Angst und Panik der Fall ist, selbst herunterzuregulieren wieder.


Und das ist ja so die Quintessenz eigentlich von meiner Arbeit jetzt, die ich eben weitergebe, dass ich all das, was mir in den letzten Jahren aus der Angst geholfen hat, dass ich das anderen Menschen zugänglich machen möchte.


[Elisabeth Seidel] (13:22 - 14:03)

Ja, dieses Zugänglich-Machen. Du hast ja tausende von Follower auf Instagram, du hast Newsletter, Kurse. Wann kam der Punkt, als du gemerkt hast, okay, ich will das anderen Leuten mitteilen, ich habe da irgendwie eine Message, die ich teilen will, ich will anderen Betroffenen helfen, zeigen, dass es einen Weg gibt.


Wann war das und wie war das vielleicht auch für dich? Das ist ja trotzdem ein Thema, ich habe es vorhin schon gesagt, was oft noch so ein bisschen tabu ist, vielleicht jetzt nicht mehr so wie vor ein paar Jahren. Es gibt mehr Awareness, aber trotzdem ist es ja schwierig, mit so etwas Sensiblen auch an die Öffentlichkeit zu gehen.


Wie war das für dich?


[Klara Hanstein] (14:05 - 17:51)

Tatsächlich war es so, und ich sage das jetzt so salopp heraus, also mir ist es ja wirklich so, so, so schlecht gegangen, dass ich an gewissen Tagen nicht wusste, ob ich das noch schaffe. 


Und ich kann mich zurückerinnern, dass ich mir in diesen wirklich aller, aller dunkelsten Stunden meines Lebens geschworen habe, wenn ich das irgendwie schaffe, dann möchte ich das anderen Menschen zeigen, wie das geht. Und tatsächlich war es so, dass ich dann, es muss Dezember 2021 gewesen sein, weil ich jetzt nachverfolgen kann, dass auf Instagram da mein erster Post online gegangen ist.


Ich war ja weder privat noch beruflich früher auf Instagram, also ich hatte irgendwie so einen Mini-Facebook-Account und hatte mal Instagram ja so mal gehört, das gibt es ja, hatte das aber tatsächlich noch nicht. Und habe dann echt so auf meinem Handy diese App dann gesucht, da im Jahr 2021 habe die installiert, habe überlegt, wie nennt man sich da, okay. Und das war eigentlich der Beginn, da kam mein erster Beitrag.


Und weil ich eben so dachte, okay, wenn man da irgendwie viele Menschen erreichen will, wie macht man das heutzutage? So ich hatte ja eben bisher nur meine Praxis gehabt, wo halt ja in meiner Stadt man mich kannte und so vielleicht umliegend ein bisschen. Und ich habe tatsächlich zu Beginn ja noch gar nicht gesagt, dass ich selbst unter Angst leide.


Und das war im Jahr 2021 auch noch so, da war ich noch nicht so angstfrei, sage ich jetzt mal, wie ich es heute bin. Und jetzt habe ich dann am Anfang auch noch so gehadert, sag ich das überhaupt, dass mich das auch, also zu einem Großteil eben betroffen hat. Und den größeren Teil hatte ich da ja schon überwunden.


Und meine ersten Beiträge waren dann, dass ich einfach aufgeklärt habe darüber und aber noch nicht erzählt habe, dass ich selbst darunter leide. Irgendwann habe ich dann mal gedacht, Klara, lass die Katze aus dem Sack, raus jetzt mit dem Thema. Und das Spannende war, ich glaube, das war dann der Beginn, wo immer mehr Menschen auf meinen Kanal dann kamen, denen es ähnlich geht.


Und das ist bis heute so, dass ich von so vielen die Rückmeldung bekomme, Klara, das Thema mit dem Körper, mit dem Nervensystem, das war mein Schlüssel und hat mich jetzt auch weitergebracht. Und das ist so berührend. Aber weil du auch gefragt hast so dieser Schritt, ehrlicherweise war es so, ich habe mich wahnsinnig geschämt, ganz lange für meine Angststörung.


Aus jetziger Sicht, muss ich sagen, verstehe ich es nicht mehr bei mir selbst. Aber ich habe zu Beginn gesagt, ich habe mich selbst immer so gesehen als die Powerfrau, die alles schafft, die für alle da ist, die alles meistert. Und das hat so gar nicht in mein eigenes Konzept gepasst.


Jetzt ist die Klara die mit der Angst oder wie? Jetzt ist die Klara die, die immer für alle da ist, die, die plötzlich das selbst nicht auf die Reihe bekommt, dass sie ihre Gefühle irgendwie da reguliert. Und dieser Schritt heraus, dass ich das dann selbst erzählt habe, dass ich darunter leide und gelitten habe, das war der Schritt eigentlich, wo ich die Scham komplett überwunden habe und mir gedacht habe, ich glaube, es ist für andere ein Gewinn, wenn ich das erzähle.


Und ab diesem Zeitpunkt habe ich mich nicht mehr dafür geschämt, sondern es war ein Teil von mir, ein ganz, ganz großer und wird auch für immer zu meinem Leben dazugehören, dass ich diese Phase hatte.


[Elisabeth Seidel] (17:52 - 17:57)

Hat ja dein Leben auch total verändert, so wie es jetzt ist.


[Klara Hanstein] (17:58 - 18:04)

Absolut, absolut, ja. Es ist komplett anders als vorher. Ja, wirklich.


[Elisabeth Seidel] (18:04 - 18:11)

So von so einem Schmerz zu einer neuen, zu einem neuen Sinn, zu einer neuen Lebensaufgabe eigentlich auch.


[Klara Hanstein] (18:11 - 18:44)

Absolut, absolut. Und ich weiß, das hätte ich mir wahrscheinlich in meine dunkelsten Stunden nicht gedacht. Aber jetzt überkommt mich manchmal auch Dankbarkeit, dass das in meinem Leben war.


So komisch sich das vielleicht anhören mag. Und wenn Menschen zuhören, die gerade mittendrin stecken in dieser Angst, die werden sich wahrscheinlich denken, na ja, kann ich jetzt gerade nicht nachvollziehen, dass ich da dankbar wäre und war ich auch nicht. Also so mein größter Wunsch war, das irgendwie loszubekommen.


Am liebsten von einem Tag auf den anderen.


[Elisabeth Seidel] (18:46 - 19:03)

Wie ist es jetzt für dich? Ich meine, du hast eine riesen Community. Ich meinte schon, dir folgen tausende von Leuten.


Du hast irgendwie so eine Stimme, du lässt oder du gibst Leuten auch eine Stimme und lässt sie gesehen fühlen. Wie fühlt sich das für dich an oder wie ist das für dich heute?


[Klara Hanstein] (19:04 - 20:25)

Schön. Also ich bin wirklich stolz auch auf unsere Community, weil es so ein schöner Zusammenhalt ist. So komisch sich das jetzt vielleicht anhören mag, dass auch mich trägt in Stunden, wo es mir mal nicht so gut geht, aus welchem Grund auch immer, und sich die Community untereinander so viel Kraft gibt.


Und das ist so schön zu lesen, wenn ich auch in den Kommentaren immer mal wieder mitlese oder sehr oft mitlese eigentlich, weil ich da sehr nah dran bin und sich der oder die eine dann der anderen einen Tipp gibt und sagt, ja, versuch doch mal das. Wenn jemand schreibt, naja, und ich habe Probleme da und da, und dann kommen meistens sofort drei, vier Kommentare. Ach, mach doch mal so und versuch doch mal so.


Und da habe ich mal das gehört und schau dir doch das auf YouTube an. Und ich sitze immer nur da und denke mir, es ist auch schön, wie sich die Community selbst trägt. So, weil ich wurde vor kurzem auch mal gefragt so, ja, Klara, ist dir das nicht zu viel Verantwortung für so viele Menschen?


Und da wurde mir irgendwie so bewusst bei dieser Frage, dass die Community auch selbst gegenseitig für sich da ist und das einfach so schön ist, wirklich. Es ist wirklich schön, in dieser Community ein Teil zu sein.


[Elisabeth Seidel] (20:29 - 20:55)

Von der Community möchte ich jetzt mal zu ein paar Fragen zur Angst an sich kommen. Angst und Panik. Man könnte das ja sicherlich noch mal differenzieren.


Vielleicht wollen wir da mit erst mal anfangen. Du hast ja gerade auch ein neues Buch. Das erste war Angst.


Das zweite jetzt, was rauskommen wird, geht um Panik. Lass uns doch erst mal irgendwie die Begriffe klären. Angst und Panik, wie unterscheidet man das?


[Klara Hanstein] (20:58 - 23:03)

Wichtige Frage, weil ich auch immer wieder erlebe, dass der Unterschied hier gar nicht so klar ist. Wenn wir uns jetzt wirklich die klassische Panikattacke ansehen, ist das so, dass das ein Maximum an Angst ist, das innerhalb von Sekunden auftaucht und uns komplett einnimmt. Darum gibt es ja auf meinem neuen Buch so eine Comicfigur drauf.


Das ist der Paniktornado, weil wir eben, als ich das Buch geschrieben habe, so überlegt haben, wie kann man das auch so bildlich greifbar machen für die Menschen? Und für mich war eine Panikattacke ganz oft wirklich wie so ein Tornado, der durch einen hindurchschießt, der den Körper enorm in Aufruhr bringt. Also das heißt, der Puls geht hoch, der Atem wird schneller, wir beginnen zu schwitzen, unser ganzes Nervensystem ist in Aufruhr.


Und wenn dieser Paniktornado dann durch uns hindurch geschossen ist, dann beruhigt sich das auch wieder. Also eine Panikattacke dauert ja in der Regel nicht länger als 30 Minuten, meistens viel kürzer. Und der Unterschied zu, wenn man jetzt als Beispiel hernimmt, die generalisierte Angststörung zum Beispiel, das sind Ängste, die eher sich beziehen auf Sorgen, die so ständig da sind.


Wir grübeln, wir zweifeln, wir machen uns Sorgen, ob unseren Liebsten etwas passiert, ob wir selbst eine Krankheit haben. Also das ist so, im Unterschied zur Panik ist es bei den Angststörungen wie der generalisierten Angststörung so, dass es so wie so eine dauerhafte Stimme ist, die wir so immer hören und die uns immer so ängstlich macht. Und die Panikattacke ist im Gegenzug dazu wirklich mit dieser absoluten Wucht, die auch den Körper massiv beeinflusst und bei vielen Menschen dazu führt, dass sie wirklich Todesängste haben, das Gefühl haben, ich verliere die Kontrolle über meinen Körper, ich bin völlig ausgeliefert.


[Elisabeth Seidel] (23:06 - 23:21)

Es ist wahrscheinlich auch so, dass in beiden Zuständen das sympathische Nervensystem vor allem aktiviert ist. Ist das so? Ist es dann bei der Panikattacke noch mal stärker oder wie soll man sagen, explosiver?


[Klara Hanstein] (23:23 - 24:20)

Genau, du bringst das auf den Punkt. Also das sympathische Nervensystem fährt da in die Höhe. Und genau wie du sagst, also so, um hier auch wieder bildlich zu sprechen, ich sage immer so, bei der Panikattacke erreicht das wirklich das Maximum.


Also so, wenn man sich das so auf einer Skala ansieht, so auf einer Angstskala von 0 bis 10, dann beschreiben ja viele Menschen oder auch bei mir früher in der Praxis war das so, dass Menschen dann beschrieben haben, ja, Frau Hanstein, da bin ich auf 500. Ja, also so, da wird mal deutlich, mit welcher Wucht wirklich so eine Panikattacke in uns hineinfährt. Und natürlich, also nicht nur der Körper beeinflusst wird dadurch, sondern natürlich auch unsere Gedanken, das Gefühl zu haben, ich sterbe, ich habe Todesangst, ich habe einen Herzinfarkt, weil mein Herz so rast.


Das macht natürlich einfach auch etwas mit unseren Gedanken, das beeinflusst wieder den Körper, unsere Gefühle. Also das ist so dieser Panikkreislauf.


[Elisabeth Seidel] (24:22 - 24:34)

Atmung, Herzschlag, alles geht durch die Decke. Und dann ist es natürlich schwer, irgendwie wieder in so einen, entspannt ist man ja eh weit entfernt, aber dann in so einen Zustand zurückzukommen.


[Klara Hanstein] (24:35 - 26:02)

Genau, in einem regulierten Zustand zumindest oder zumindest in einem Zustand, wo ich das Gefühl habe, ich bin wieder handlungsfähig und kann das rationale Denken wieder dazuholen. Denn das Doofe bei Angst und Panik ist ja, dass in unserem Gehirn andere Areale gerade gebraucht werden als die Vernunftzentrale. Und darum beschreiben ja Betroffene auch immer wieder, ich kann in dem Moment gar nicht irgendwie mir sagen, ich habe ja nur eine Panikattacke, ist ja nicht schlimm, weil wir auf unser Vernunftdenken in dem Moment gar keinen Zugriff haben.


Die Angstzentrale ist hoch aktiv, muss sie auch, denn bei Angst ist es ja so, dass unser ganzes System denkt, wir sind in einer Gefahr. Und wenn wir wirklich in Gefahr wären, müsste ja eben die Angstzentrale alles in uns steuern, dass sie die Gefahr abwendet. Und da hat Vernunft erst mal keinen Platz.


Und ich beschreibe sie auch in meinen Büchern immer wieder so, du wirst in einer akuten Angst- oder Paniksituation dir nicht rational überlegen können, ob du dir eine neue Autoversicherung zulegst, weil auch diese Gehirnareale in dem Moment gedrosselt sind. Das Gehirn muss sich gerade um etwas anderes kümmern. Und deswegen sind die Kapazitäten für das Vernunftdenken gerade nicht in dem Ausmaß da, wie wir es eigentlich brauchen würden, um wieder in unseren Ruhemodus zu kommen.


[Elisabeth Seidel] (26:03 - 26:30)

Also es ist quasi ein Überlebensmodus eigentlich. Wie ist das?


Also wie du schon meintest, die Angst ist ja lebensnotwendig. Also wenn du in Gefahr bist, sollst du fliehen, sollst du in diesen Überlebensmodus gehen. Wie merke ich denn jetzt, wenn ich im Alltag Ängste habe, dass das in eine Störung kippt oder mehr ist als jetzt eine Sorge, die ich zum Beispiel habe?


[Klara Hanstein] (26:32 - 28:23)

Genau, also im Prinzip, wie du schon sagst, und das sage ich ja Betroffenen auch immer wieder, die mir sagen, ja, ich möchte überhaupt nie wieder Angst haben und ich möchte für immer angstfrei sein. Also ich glaube, es ist so wichtig, die Angst ja eben nicht als Feind zu sehen, als ein Gefühl, das wir nie wieder haben möchten, sondern Angst schützt uns. Und Angst ist eigentlich eine ganz lebensnotwendige Funktion.


Also die löst einfach wichtige Dinge in uns aus. Aber weil du eben jetzt fragst, wie kann ich erkennen, dass das eher so in Richtung, das ist jetzt nicht mehr so normal, Angst so. Ich würde mal sagen, dass wir uns da eben auch so die gedankliche Ebene ansehen, die Gefühlsebene und die Körperebene.


Wenn ich natürlich körperlich merke, ich merke schon immer wieder mein Herz rast, ich beginne ständig zu schwitzen, mein Atem wird in Situationen schneller, wo ich eigentlich in völliger Sicherheit bin. Dann auf der Gedankenebene, wenn ich merke, ich steige ständig wieder in das Gedankenkarussell ein und komme da einfach selbst nicht mehr heraus, denn hier auch vielleicht wichtig die Unterscheidung, wir alle zweifeln mal. Und wir alle sorgen uns mal um unsere Liebsten.


Und das ist ja auch gut und wichtig so. Und das darf auch so sein. Aber wenn ich selbst bemerke, ich steige in dieses Karussell ein, das belastet mich und ich habe selbst irgendwie keine Möglichkeit mehr, da auszusteigen und wieder in eine ruhigere Verfassung zurückzukommen, dann kann das in eine Richtung gehen, dass man sagt, okay, das sollte man sich mal vielleicht therapeutisch oder von ärztlicher Seite eben ansehen lassen.


[Elisabeth Seidel] (28:24 - 29:07)

Jetzt ist es ja so, dass dies erscheint, als wenn es immer mehr Betroffene gibt, was die Angst angeht. Ich weiß nicht, ob es nur so erscheint oder ob es die Zahlen auch tatsächlich hergeben, das weißt du vielleicht. Kommt es, weil zum einen mehr Leute sich dessen bewusstwerden, wie es ja auch mit manchen anderen Erkrankungen ist, jetzt auf körperlicher Ebene?


Oder gibt es so Einflussfaktoren, die wir einfach heutzutage mehr haben als vielleicht vor 10, 20 Jahren, die dazu beitragen, dass mehr Angsterkrankungen entstehen? Also wenn man sich jetzt die weltpolitische Lage anguckt oder Social Media, einfach ganz, ganz viel Information, die ständig auf uns einprasselt. Was ist deine Meinung dazu?


[Klara Hanstein] (29:09 - 31:46)

Ich denke, du hast da schon ganz, ganz wichtige Punkte angesprochen, dass ich denke, was sich auf jeden Fall in den letzten Jahren verändert hat, ist ja so unser Lebensstil, diese ständige Erreichbarkeit, diese Selbstoptimierung, genauso wie du es sagst, Social Media, wir werden einerseits von Informationen, die prasseln auf uns ein, ob das jetzt gute oder schlechte sind, ganz oft sind es Negativschlagzeilen, die wir da hören und wo wir natürlich in dem Moment, wenn wir das Handy aufmachen, sind meistens schon in den Nachrichten-Apps eben oder auf Social Media, wir erfahren einfach ganz, ganz viele negative Dinge. Und ich glaube, wir dürfen uns schon auch bewusstwerden, was das mit unserem Nervensystem auch macht, immer mit Negativschlagzeilen sich zu befassen.


Ich glaube, dass das ein wichtiger Punkt ist. Ich glaube, dass ich natürlich auch die Punkte, die du ansprichst, so die weltpolitische Lage, gerade wenn wir uns jetzt die letzten Jahre ansehen, Pandemie, Wirtschaftskrise, diese Dinge, viele Kriege, die wir auch sehr, sehr nah erleben und eben auch, weil natürlich der Informationsfluss von so vielen Seiten kommt, wir da viel näher dran sind und das auch vielen Menschen Angst macht. Und das ist tatsächlich etwas, was ich erlebt habe, auch in der Pandemiezeit, dass viele Betroffene beschrieben haben, so mir ist es schon viel, viel besser gegangen mit der Angst und jetzt ist sie wieder da.


Ja, Menschen, die eben abgeschnitten waren vom sozialen Leben, die einfach auch, was ja bei Ängsten oft eine Rolle spielt, auch diese Krankheitsängste. Was, wenn ich eine schwere Krankheit bekomme, das war natürlich in der Pandemie, war das tagtäglich, waren das Themen, die da aufgeploppt sind. Also ich denke so, das sind schon die Dinge eigentlich genau, die du jetzt angesprochen hast, die da dazu führen und natürlich auch, was du gesagt hast, diese schon auch Awareness, die Menschen, das erlebe ich auch auf meinem Kanal, dass Menschen auch sensibler werden für dieses Thema und sagen, Klara, ich habe mich da jahrelang damit herumgeschlagen und dachte irgendwie, das muss für immer so bleiben. Und jetzt habe ich mal gemerkt, okay, da darf ich mir auch Hilfe holen.


Ja, und darf ich auch in Therapie gehen und mir das ansehen. Und das macht sicher auch, das ist vielleicht auch das Positive an Social Media, dass wir auch aufklären können und Menschen auch wertvolle Informationen geben können.


[Elisabeth Seidel] (31:47 - 32:34)

Ja, und das tust du ja schon mit Passion. Ja, wie du schon sagst, es sind halt auch diese Themen, die so eine gewisse, also wenn du jetzt sagst Pandemie oder diese ganzen Kriege und die vielen Informationen dazu, was da ja auch mitschwingt, ist so eine Machtlosigkeit. Gegen gewisse Ängste kann ich vielleicht was machen, indem ich die Situation verändere.


Aber hier ist man ja machtlos quasi, weil man da nicht eingreifen kann, auch wenn man sich Frieden wünscht und so weiter. Man kann auf die Straße gehen, aber das verhindert jetzt trotzdem nicht, dass es gemacht wird. Und diese Machtlosigkeit ist, glaube ich, auch nochmal ein Faktor, der Menschen nicht guttut.


[Klara Hanstein] (32:35 - 33:02)

Absolut. Und der unsicher macht einfach auch eben, weil ein Symptom der Angst ist ja genau diese Machtlosigkeit auch den eigenen Gedanken und dem eigenen Körper gegenüber. Und jetzt bin ich schon machtlos gegenüber dem, was da in der Außenwelt passiert.


Und dann passiert irgendwie mit mir auch was und ich fühle mich da auch machtlos. Das ist wirklich so etwas, wenn das dann zusammenspielt, was das einfach auch schüren kann.


[Elisabeth Seidel] (33:04 - 33:31)

Du hast es ja schon angesprochen, was während so einer Attacke passiert mit dem Nervensystem und im Körper. Welche Rolle spielen hier die Gedanken? Sind solche Attacken oft verknüpft mit gewissen Gedanken und können dadurch auch getriggert werden oder mit gewissen Situationen, die vielleicht vom Gehirn auch falsch bewertet werden?


Also was heißt falsch? Es gibt ja in dem Sinne kein richtig und falsch. Auf eine angstmachende Art und Weise bewertet werden.


[Klara Hanstein] (33:31 - 35:27)

Die Gedanken spielen eine enorm große Rolle, auch wenn mein Fokus in meiner Arbeit eben so viel am Körper liegt, weil das so ein großer Game Changer bei mir war. Spielen die Gedanken und die Vorstellungen, wie wir uns Situationen vorstellen, eine enorm große Rolle und die heizen noch mal das, was da in unserem Körper passiert, enorm an. Und genau, ich habe ja zuerst schon angesprochen, dass viele Menschen in Momenten der Panik und Todesängsten leiden.


Das heißt, wenn zum Beispiel das Herz beginnt zu rasen und die Menschen bewerten das, als, es könnte sein, dass ich einen Herzinfarkt habe und denken dann diese Situationen durch. Oh je, und was passiert dann? Und dann kommt der Krankenwagen und dann also so diese Vorstellungen, die heizen eben dann so diesen Panikkreislauf noch mal enorm an.


Also die Gedanken spielen eine enorm große Rolle. Also ich würde sogar sagen, dass so, wenn man auf der einen Seite das Nervensystem, den Körper sieht und auf der anderen Seite die Gedanken, obwohl man das ja jetzt nie ganz, ganz trennen kann, aber dann spielen beide eine enorm große Rolle bei der Aufrechterhaltung eigentlich von Panikattacken. Also die beeinflussen sich ständig gegenseitig, weil in dem Sinn der Körper, wenn der ja wieder hochfährt, dann denken wir wieder, oh je, oh je, was passiert da mit dem Körper?


Durch diese Aufregung in den Gedanken fährt aber wieder der Körper mehr hoch. Und darum ist es so wichtig, wirklich so an beiden Enden anzusetzen. Also einerseits das Nervensystem, den Körper zu regulieren, aber auch diese Gedanken, diese angstmachenden Gedanken zu entlarven, so dass wir dadurch nicht immer wieder selbst Öl ins Feuer gießen.


[Elisabeth Seidel] (35:29 - 35:39)

Und das beeinflusst sich ja auch wieder, wenn ich jetzt ein entspanntes Nervensystem habe, kann ich ja solche Gedanken auch viel eher hinterfragen oder aus einer anderen Perspektive betrachten.


[Klara Hanstein] (35:40 - 36:40)

Genau, eben der Punkt, den ich ja zuerst schon angesprochen habe, dass wenn wir selbst ruhiger sind, ist ja auch die Vernunftzentrale in unserem Kopf aktiver. Und genau, weil die Angstzentrale gerade nicht so einen großen Job zu tun hat. Und darum können wir auch viel klarer wieder über solche Dinge nachdenken.


Und das war ja bei mir ganz oft dann nach einer Panikattacke auch wieder so, dass als die Vernunft zurückkam, dass ich dann so dachte, ja, aber Klara, wie konntest du denn da? Du warst da im Restaurant, hast irgendwie deine Pizza gegessen, dein Freund saß gegenüber dir, du bist dort schon 2000 Mal in deinem Leben gesessen. Warum?


Was war da los, dass du jetzt dachtest, dein letztes Stündchen hat geschlagen? Aber in dem Moment hat man eben da ganz, ganz wenig Zugriff auf diese Vernunft, die dann eben wiederkommt, wenn wir innerlich wieder ruhiger sind.


[Elisabeth Seidel] (36:41 - 36:53)

Also würdest du auch jetzt Betroffenen empfehlen, immer eine Kombination aus körperbasierten Therapien zu machen, aber auch den klassischen Gesprächstherapien? 


[Klara Hanstein] (36:53 - 38:10)

Unbedingt, genau. Ich glaube, dass beide Teile enorm wichtig sind und dass man keins der beiden Teile auslassen kann. Ich glaube, oder das ist einfach meine Erfahrung, und die vermittle ich ja, dass so ausschließlich auf der Gedankenebene, wenn sich da im Körper so viel tut und so viel los ist und wenn man vielleicht da merkt, okay, man kommt da selbst nicht weiter, dann ist es auf jeden Fall wichtig, da mal den Körper auf jeden Fall auch reinzuholen und zu schauen, was kann ich denn da im Körper auch beruhigen, damit ich überhaupt erst auf der Gedankenebene dann was tun kann. Denn ich bin ja in vielen Therapiesitzungen gesessen und war selbst so massiv beschäftigt mit meinem Körper, das irgendwie unter Kontrolle zu bringen, dass ich mich ehrlicherweise gar nicht so konzentrieren darauf konnte, was mein Gegenüber erzählt hat.


Darum finde ich es so essenziell, Betroffenen Methoden an die Hand zu geben, wie ich mal so zumindest so auf ein Level körperlich und vom Nervensystem her kommen kann, dass ich überhaupt wieder aufnahmefähig bin gegenüber dem, was mein Gegenüber erzählt. Aber es ist auf jeden Fall immer eine Kombination aus beiden.


[Elisabeth Seidel] (38:11 - 38:31)

Wie stehst du in dem Zusammenhang zu zum Beispiel Supplementationen von vielleicht Vitamin D, Magnesium? Man ja auch weiß, okay, das beeinflusst natürlich die Psyche, das Nervensystem. Was hältst du davon, würdest du es dann auch, weil es ja auch eine körperliche Therapie ist dann.


[Klara Hanstein] (38:32 - 38:56)

Absolut wichtig, sich das ansehen zu lassen. Habe ich auch leider zu spät gemacht. Genau.


Aber finde ich absolut wichtig, sich auch das ansehen zu lassen und genau und da auf jeden Fall auch zu ergänzen. Nahrungsmittelergänzungen, sich anzusehen, wenn man so das Gefühl hat oder einfach auch die Werte das ergeben. Also finde ich absolut wichtig.


[Elisabeth Seidel] (38:57 - 39:08)

Das macht dann so ein rundes Ding draus, wenn man diese ganzen Sachen kombiniert. Und das ist ja dann eigentlich auch irgendwie ganzheitlicher, als sich nur auf eine Sache zu beziehen.


[Klara Hanstein] (39:08 - 40:13)

Ich wollte genau den Begriff jetzt gerade sagen, so wirklich einen ganzheitlichen Blick drauf. Das ist ja so, dass auch viele Menschen, die unter Ängsten leiden und das steht ja bei mir, glaube ich, bei fast jedem Beitrag dabei. Bitte lass das aber ärztlich auch abklären.


Ich bekomme immer wieder Nachrichten von Menschen, die jahrelang unter Ängsten gelitten haben, die dann das ärztlich mal checken haben lassen und mir dann schreiben und sagen, Klara, ja, wir sind jetzt wirklich draufgekommen, bei meinem Blutzucker stimmt seit Jahren was nicht. Und als ich da jetzt reguliert habe, geht es mir viel besser. Und wo ich mir denke, wow, die Person schlägt sich seit Jahren mit Ängsten herum und eigentlich hätte man körperlich viel früher etwas tun können.


Genau, also genau, wie du sagst, dieser ganzheitliche Blick drauf auf verschiedenen Ebenen anzusetzen. Und das sehe ich einfach auch als Psychotherapeutin so. Ich bin nicht der Meinung, zu sagen, ja, nur der Psychotherapeut hilft, sondern einfach auch, genau, darf man da an verschiedenen Ecken ansetzen und ist auch absolut wichtig.


[Elisabeth Seidel] (40:14 - 40:35)

Und weil du gerade Blutzucker sagst, auch Hormonsystem, natürlich auch bei Frauen nochmal ganz wichtig. Zyklische Wesen. Frauen leiden ja auch an prämenstruellen Symptomen oder während der Perimenopause merken sie, dass die psychische Gesundheit sich verändert.


Auch da lohnt es sich ja mal drauf zu gucken.


[Klara Hanstein] (40:35 - 41:35)

Absolut so wichtig und ist ein Punkt, der ganz, ganz oft in meiner Community kommt von Menschen, die eben beschreiben, dass sie sagen, ja, ich habe irgendwie lange kein Thema mit Angst mehr gehabt und jetzt komme ich in die Wechseljahre und jetzt merke ich plötzlich, da tut sich plötzlich auf der Angstebene wieder was. Oder zum Beispiel Frauen, die schwanger werden und sagen, ja, da merke ich jetzt irgendwie. Und darum so ein wichtiger Punkt, den du hier auch beschreibst, dass wir die Hormone auch immer im Blick haben dürfen und uns da auch unterstützen lassen dürfen, wenn wir das Gefühl haben, das spielt zusammen.


Und auch so ein wichtiger Punkt, den du angesprochen hast, so zyklusbedingt, dass die Angst einfach auch mal mehr und mal weniger ist. Das beschreiben auch ganz viele Frauen und ist vielen aber auch wiederum nicht bewusst. Darum ist ja Aufklärung auch so wichtig.


Genau.


[Elisabeth Seidel] (41:36 - 41:55)

Das sage ich auch, wenn mir Leute das berichten, wenn mir Frauen das berichten, achte doch mal drauf, wann passiert das? Passiert das immer zyklisch? Passiert das immer in der gleichen Zyklusphase?


Aber viele kennen ihre Zyklusphasen eben gar nicht. Deswegen ist nochmal ein Grund, mal zu tracken. Wie sieht es eigentlich bei mir aus?


[Klara Hanstein] (41:55 - 41:56)

Genau, absolut.


[Elisabeth Seidel] (41:57 - 42:22)

Ich würde gerne noch eingehen auf ein paar Tools. Du hast ja viele Kurse. Du hast den SOS-Plan auch.


Ich würde es gerne einmal unterscheiden in vielleicht eine akute Hilfe und Sachen, die vielleicht die Resilienz auf Dauer stärken, die Resilienz gegen Angst. Was würdest du als Expertin empfehlen?


[Klara Hanstein] (42:23 - 48:04)

Vielleicht schauen wir zuerst auf die Akuthilfe. Und ich glaube, was ganz wichtig mir hier zu Beginn noch zu sagen ist, dass Akuthilfe nicht bedeutet, ich habe jetzt von einem Tag auf den anderen dann keine Panikattacken mehr, weil ich glaube, wir wünschen uns das alle. Aber es ist auch meine Erfahrung so, dass auch als ich die Tools dann schon hatte, war es trotzdem so, und da bringe ich jetzt noch mal den Paniktornado ein, dass manchmal dieser Paniktornado wieder so massiv durch mich hindurchgeschossen ist.


Ich eigentlich diese Tools kannte. Ich dann nach der Panikattacke da saß und mir dachte so, okay, Klara, jetzt bist du da wieder komplett hineingeplumpst und hast dir irgendwie nicht selbst helfen können. Also ich glaube, es ist mir ganz wichtig, hier zu sagen, sei hier wirklich geduldig mit dir und genau, und es ist auch okay, wenn nicht immer alles gleich funktioniert.


Und vielleicht auch gut hier noch zu sagen, dass es auch wichtig sein kann, auch solche Tools zuerst mal mit therapeutischer Hilfe anzuwenden, wenn du dich selbst nicht drüber traust. Genau, also man muss sich da in diese Angstbewältigung auch nicht allein hineinstürzen, sondern darf das auch mit Begleitung machen. Und ein Tool, das mir mit viel Übung dann in Panikattacken immer geholfen hat, war der Atem.


Und unser Atem ist ja deswegen so ein hilfreiches Werkzeug, wenn man so will, weil wir damit direkt Einfluss auf unser Nervensystem haben, weil ich konnte ja in Panikattacken, während Panikattacken nicht beeinflussen, wie schnell mein Herz schlägt oder ob ich zu schwitzen beginne. Das konnte ich nicht beeinflussen. Aber mein Atem, der auch immer komische Sachen machte, den können wir ja direkt beeinflussen.


Und ich habe mir da jetzt, es gibt ja die verschiedensten Atemübungen und meine war komplett unspektakulär. Die war einfach nur ruhig durch die Nase einzuatmen und verlängert durch den Mund wieder auszuatmen. Also bei Atemübungen ist es ja immer wichtig, dieses verlängerte Ausatmen, weil wir dadurch unserem Nervensystem das Signal geben, hey, hier ist alles gut, du darfst entspannen.


So wie wir ja nach einer kniffligen Aufgabe, nach einer Prüfung, ist es ja ganz oft so, dass Menschen dann so dieses, hach, also dieses lange Ausatmen ganz automatisch machen und Anspannung dadurch loslassen. Und mein Tool war eigentlich dann immer das, dass wenn ich gemerkt habe, die Panik kommt wieder, dass ich zu mir gesagt habe, atme, dann habe ich ruhig durch die Nase ein und lange durch den Mund ausgeatmet. Und genau, und so wichtig, das braucht einiges an Übung, weil ja viele Menschen auch unter Atemnot leiden, während der Panikattacke.


Und ich dann oft auch die Rückmeldung bekommen, Klara, ich möchte mich aber gar nicht auf meinen Atem konzentrieren. Alles gut, dann nimm vorher eine andere Übung. Ich war auch eine davon, die unter Atemnot gelitten hat, während meiner Panikattacken.


Darum brauchte ich bei dem Atem viel Übung. Aber es war irgendwann dann wirklich mein großer, großer Helfer. Als nächsten Punkt, den ich so als Akuthilfe sagen würde, ist, lass alle Gefühle durch dich hindurchfließen.


Lass die Panik durch dich hindurchfließen. Ich glaube, das ist einer der schwersten Punkte überhaupt. Weil bei mir war es auch so, ich habe mich so lange gegen die Panik gewehrt.


Ich habe mich gegen diese Gefühle gewehrt. Ich wollte sie weghaben. Ich habe mich dagegengestemmt.


Ich habe mich abgelenkt. Und ich glaube, das hat aber auch dazu geführt, dass ich die Panik so sehr aufrechterhalten habe. Und ich habe mir dann beigebracht und ich nenne das ja radikale Akzeptanz, so wirklich alles, was da an Gefühlen, alles, was da an Gedanken, alles, was da an Körperreaktionen kommt, einfach durch mich hindurch fließen zu lassen, mich nicht dagegen zu wehren.


Ich habe mir das auch bildlich so vorgestellt, wie wenn das durch mich hindurchfließt und unten bei meinen Füßen dann wieder abläuft. Und hier ist vielleicht ein wichtiger Punkt, weil viele Menschen auch mir dann sagen, Klara, ja, aber jetzt habe ich jahrelang versucht, mir die Angst vom Hals zu halten. Und du sagst mir jetzt, ich soll sie jetzt zulassen.


Ich bin ja nicht verrückt. Ich möchte sie ja weghaben und nicht dahaben. Und für mich war das so wichtig zu verstehen, dass in dem Moment, wo ich sie zulasse, kann ich sie kennenlernen.


Merke ich, was sie macht mit mir und dass es sich enorm unangenehm anfühlt, dass es sich wirklich furchteinflößend, schlimm und wirklich grässlich ist, dieses Gefühl. Aber als ich dann so die ersten Male die Angst durch mich hindurchfließen habe lassen, war das so wie eine Befreiung. So, okay, sie kann mir nichts tun.


[Elisabeth Seidel] (48:05 - 48:37)

Genau. Ich kenne das auch aus anderen Therapien oder teilweise kennt man es auch aus der spirituellen Praxis, diese Emotionen wirklich wahrzunehmen, zuzulassen, zu akzeptieren, wie du es ja auch sagst, dass es dann so ein Switch gibt im Kopf, im Nervensystem. Und es ist ganz, ganz spannend, weil man ist ja meistens so, ich will das nicht, ich möchte das nicht, ich möchte das jetzt loswerden und das verstärkt teilweise wahrscheinlich auch noch die Emotionen.


[Klara Hanstein] (48:39 - 50:09)

Genau, also meine Erfahrung war so, dass wirklich diesen Druck, den ich da ausgeübt habe, indem ich mich gegen die Angst gewehrt habe, hat die Angst noch mal stärker gemacht, die hat noch mal mehr Gegendruck ausgeübt. Und erst dieses, wie du es ja jetzt auch so schön gesagt hast, diese Emotion auch zu spüren. Und das braucht echt viel Mut.


Also das möchte ich hier nochmal sagen, das ist jetzt nicht so, dass ich sage, da habe ich mich hingesetzt und nun habe ich die Emotion halt und die Panikattacke jetzt einfach mal so gespürt. Sondern das war echt so viele Wochen und Monate Arbeit, dass ich mich da hingewagt habe. Und ich glaube, dass das bei ganz vielen Menschen so ist, weil das bei der Angst wirklich und bei der Panikattacke eigentlich auch wirklich diese Todesängste.


Man möchte am liebsten davonlaufen und sich eigentlich es zu wagen, stehen zu bleiben, sich umzudrehen und zu sagen: Okay, Angst, dann komm und mach das mit mir, was du machen willst. Und wie gesagt, es braucht viel Übung, aber ich glaube, das war ein wichtiger Punkt neben den Atemübungen. Oder ich habe das ja auch kombiniert.


Ich habe die Angst zugelassen und gleichzeitig geatmet. Und das waren eigentlich zwei Punkte, die, glaube ich, meine Haupt Game Changer aus der Angst waren.


[Elisabeth Seidel] (50:12 - 50:35)

Würdest du auch sagen, dass regelmäßige Atemübungen auch im Generellen die Resilienz stärken können? Oder nicht? Also ja, Atem ist ja natürlich ein ganz kraftvolles Werkzeug.


Meditation, andere Achtsamkeitstechniken. Was würdest du empfehlen für so eine längerfristige oder um eine Resilienz aufzubauen?


[Klara Hanstein] (50:37 - 53:46)

Ich glaube, ich würde gar nicht sagen, mach unbedingt das oder mach unbedingt das, weil ich glaube, Menschen sind sehr unterschiedlich. Und auch wenn ich jetzt natürlich als Psychologin und aus eigener Erfahrung sagen würde, ja, Atemübungen sind wunderbar, aber ich glaube, es gibt auch viele Menschen, die mit Atemübungen überhaupt nichts anfangen können und sagen, ich gehe am Tag eine halbe Stunde im Wald spazieren und das erdet mich und beruhigt mich und reguliert mein Nervensystem dann alles gut. Also dann lass Atemübungen beiseite und mach das.


Also ich glaube, es geht so darum, für sich Methoden oder Momente oder Zeiten zu finden, wo wir einerseits zur Ruhe finden, Kraft tanken, auftanken können. Und ich glaube, es ist so, es geht darum, diese Zeit nicht zu vernachlässigen und was man dann so macht. Also das kann ja einerseits, wie du jetzt beschreibst, können das Achtsamkeitsübungen sein.


Das kann aber auch sein, dass Menschen sagen, ich setze mich aufs Fahrrad und bin da irgendwie unterwegs, beobachte die Natur. Es gibt auch Menschen, die sagen, ich entspanne irgendwie am besten, wenn ich mit meinem Hund zusammen bin und so. Ich glaube, es geht so darum, für sich zu spüren, was tut mir gut.


Und ich glaube, dass das viele Menschen und ich gehöre auch dazu, im Alltag viel zu oft vergessen oder einfach auch im Stress und in der Hektik des Alltags übersehen, dass ich so eben sei es gewisse Routinen, Tools, Momente oder Zeiten habe, wo ich wirklich sage, okay, da komme ich zu Kräften wieder. Und ich meine, ich glaube, das brauchen wir jetzt ja gar nicht ansprechen, dass Schlaf da auch enorm wichtig ist, dass natürlich Bewegung wichtig ist, in welcher Form auch immer. Ja, weil ja viele mich auch fragen dann, ja, Klara, Yoga, muss man das jetzt machen?


Ich mache zum Beispiel kein Yoga, weil ich mich noch nie damit auseinandergesetzt habe. Ich gehe aber jeden Tag eineinhalb Stunden mit meinem Hund spazieren. Und ich glaube, das ist so irgendwie mein.


Drum, ich glaube, es ist so, es geht so darum, so für sich das zu finden, was für einen selbst gut passt und wo ich merke so, da geht es mir gut, da tanke ich auf, da komme ich zu Energie und da geht es mir gut, da bin ich mit mir gut verbunden. Auch vielleicht mit meinen Gefühlen gut verbunden, da kann ich loslassen, da habe ich eine Verbindung zu meinen guten Gefühlen. Aber ich glaube, ich würde jetzt so, wenn ich so überlege, ist wahrscheinlich gar nicht so an jetzt so von der Resilienz her gar nicht so auf ein Tool oder zwei Tools beziehen, wo ich sage, das sollte man unbedingt einbauen, weil ich glaube, da sind wir alle einfach unterschiedlich.


[Elisabeth Seidel] (53:46 - 54:20)

Letztendlich ist auch die Summe draus. Ich kann natürlich viel meditieren oder viel zum Sport gehen. Wenn ich immer meinen Schlaf vernachlässige, dann werde ich auch keine langfristige Resilienz aufbauen.


Denke, man braucht verschiedene Faktoren, die man beachten muss, sollte, aber man sollte natürlich auch nicht von seinen Routinen gestresst sein. Das hat man ja auch, dass das Programm dann voll ist und ich muss noch zum Sport und ich muss noch dahin.


Das hat dann auch nichts mehr mit Achtsamkeit zu tun. Wahrscheinlich.


[Klara Hanstein] (54:21 - 55:23)

Absolut. Und auch denke ich mir so Dinge, die wahrscheinlich eh jetzt für jeden logisch sind. Aber ich ertappe mich leider auch immer, dass ich viel zu wenig auf meine Ernährung achte und dass irgendwie, jetzt muss es schnell gehen und dann mache ich das. Soll man ja eigentlich gar nicht, aber ich esse leider viel zu oft vor dem PC, weil da muss ich noch dieses und ich weiß, dass das komplett Blödsinn eigentlich ist und ich mir dafür Zeit nehme, und ermahne mich auch immer wieder dann.


Aber ich glaube, das sind auch so Punkte, wie du eben sagst. Ich kann die tollsten Achtsamkeitsübungen machen, wenn ich irgendwie die restliche Zeit des Tages nur Stress habe. Wenn ich mich irgendwie ernähre und Stress dabei habe, wenn ich nicht schlafe, dann ist es wunderbar, dass ich in meiner Mittagspause eine halbe Stunde Achtsamkeitsübung gemacht habe und alles andere irgendwie nicht so, genau, nicht so dazu führt, dass es mir, meinem Körper und Kopf gut geht.


[Elisabeth Seidel] (55:26 - 55:43)

Vielen, vielen Dank für die Ausführungen zu deinen Tools, die du anwendest, für dich, aber auch, die du deiner Community empfiehlst. Du hast ja ein Buch, was bald rauskommt, ich weiß nicht, nächste Woche, übernächste Woche?


[Klara Hanstein] (55:44 - 55:46)

Genau, am 24. September kommt es raus, genau.


[Elisabeth Seidel] (55:48 - 55:51)

Magst du uns denn noch mal erzählen, um was es da geht?


[Klara Hanstein] (55:52 - 58:15)

Sehr gerne. Also mein zweites Buch heißt „Hey Panik, komm mal wieder runter. 21 Wege mit Panikattacken umzugehen“.


Und das Buch ist eigentlich so entstanden, weil im ersten Buch, das heißt „Liebe, Angst, halt doch mal die Klappe“, da ging es viel um Ängste, um Angstgedanken, auch ein bisschen um Panikattacken, aber habe ich nur so ein bisschen gestreift. Und Sorgen und Zweifel und so. Und dann kamen so aus der Community immer konkretere Fragen.


Klara, was mache ich, wenn ich Panikattacken auf der Autobahn habe? Was mache ich mit Panik, bei Panikattacken im Flugzeug, an der Supermarktkasse? Was mache ich bei Schwindel und Herzrasen?


Was mache ich, wenn ich das Gefühl habe, ich werde verrückt oder ich habe so schlimme Krankheitsängste und bekomme dadurch immer Panikattacken? Also die Fragen aus der Community wurden sehr konkret und darum wusste ich, okay, da muss es ein Buch dazu geben. Es ist Bedarf da.


Und darum gibt es dieses Buch jetzt, in dem ich eben einerseits ganz konkret auf Situationen eingehe, wie eben Flugzeug, Autobahn, öffentliche Verkehrsmittel, Menschenmenge, wie mitten in einem Konzert stehen und eine Panikattacke bekommen zum Beispiel. Aber eben auch diesen körperlichen Aspekt, also so Herzrasen, Atemnot, Schwindel, Magen-Darm-Probleme, die bei Panikattacken auch ganz oft auftreten.


Und der dritte Bereich sind dann noch so die Vorstellungen, wo wir ja auch schon gesprochen haben, dass Menschen eben dann sich so in diesen Gedanken verheddern, so, oh Gott, ich werde verrückt, weil die Panik eben so massiv uns beeinflusst. Das war auch bei mir so, dass ich dachte, mir brennen die Sicherungen durch. Also ich werde verrückt, weil das so massiv war.


Was man da tun kann oder eben auch Panikattacken bei Krankheitsängsten, wenn ich mir immer wieder vorstelle, was ist, wenn ich eine schlimme Krankheit habe? Genau, und da gehe ich ganz konkret auf diese Themen ein. Und es gibt 21 Tools, die ich alle selbst angewandt habe.


Also das ist ja in meinen Büchern immer so, ich schreibe nur Dinge, die ich selbst an mir, genau, die mir selbst aus der Angst und Panik geholfen haben. Und genau, und das kommt jetzt am 24. September.


[Elisabeth Seidel] (58:16 - 58:28)

Spannend, also für Betroffene dann vor allem, aber sicherlich auch Menschen, die mit Betroffenen zusammenleben oder zu tun haben. Ein ganz interessantes Buch. Was würdest du meinen?


An wen ist das gerichtet?


[Klara Hanstein] (58:29 - 58:56)

Ja, absolut. Also da sprichst du einen wichtigen Punkt an. Das bekomme ich ja auch immer wieder mit, dass Menschen mir schreiben und sagen, dieses Wissen rund um Angst und Panik hat mir so geholfen, dass ich meinen Partner, meine Partnerin besser begleiten kann, auch in dem Moment.


Also das ist, glaube ich, auch ein wichtiger Punkt, den du da ansprichst, dass es nicht nur die Betroffenen sind, sondern auch Menschen, die mit den Betroffenen zu tun haben. Genau.


[Elisabeth Seidel] (58:58 - 59:11)

Vielen, vielen Dank, Klara. Ich möchte gerne noch zum Schluss wissen, für Interessierte, wie erreichen sie dich? Wo finden sie dich am besten?


Hast du eine Website? Du hast eine Website, das weiß ich, und Instagram natürlich.


[Klara Hanstein] (59:12 - 59:54)

Genau, also das sind eh die zwei Dinge, die du jetzt ansprichst. Also es gibt einen ganz, ganz großen Instagram-Kanal unter klarahanstein.fürkopfundherz. Da findet man mich. Da sind wir eine ganz, ganz große Community, die sich immer austauscht.


Genau, dann habe ich eine Website. Findet man mich auch unter klarahanstein.com. Genau, da gibt es alle meine Angebote.


Und genau, es gibt auch einen Podcast von mir, wo ich wöchentlich spreche. Der heißt Gemischte Gefühle. Den gibt es jetzt seit einem Jahr, wo ich auch ausschließlich über Angst und so die Themen rundherum spreche und auch da meine Tools und Gedanken weitergebe.


Genau, ich glaube, so erreicht man mich.


[Elisabeth Seidel] (59:56 - 1:00:28)

Also alle, die interessiert sind, gerne da mal vorbeischauen. Klara, vielen, vielen Dank für heute, für deine Ausführungen, für dein Wissen, für deine Expertise, für deine Erfahrung auch, die du mit uns geteilt hast. Ich glaube, das ist ganz, ganz wertvoll, was du mit uns geshared hast für Betroffene, für Interessierte, für Angehörige.


Und vor allem bringst du das Thema in die Welt und das ist ganz, ganz, ganz, ganz toll. Vielen, vielen Dank. Vielen Dank für deine Zeit.


[Klara Hanstein] (1:00:28 - 1:00:40)

Danke, Elisabeth, für unser Gespräch. Hat mir eine große Freude gemacht und danke auch für die Möglichkeit, hier in eurem Podcast sprechen zu dürfen. War mir eine Freude.


[Elisabeth Seidel] (1:00:40 - 1:00:41)

Gerne.

 

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