

Wechseljahre: Wie du dich selbst wiederfindest
Die Wechseljahre markieren eine der größten hormonellen Umstellungen im Leben einer Frau. Doch statt diese Phase nur geduldig durchzustehen, bietet sie die Chance, den eigenen Körper endlich grundlegend zu verstehen.
In dieser Folge von HEALTHWISE spricht Host Elisabeth Seidel mit Dr. Mandy Mangler, Chefärztin für Gynäkologie und Geburtshilfe, Autorin, Podcasterin, Professorin und eine der prägendsten Stimmen für moderne, evidenzbasierte Frauengesundheit in Deutschland, über den weiblichen Zyklus, die Phasen der Menopause und Wege zu einer selbstbestimmten Gesundheit.
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Anatomisches Wissen als Basis der Selbstbestimmung
Wer seinen eigenen Körper kennt, dem fällt vieles im Leben deutlich leichter. Professor Dr. Mandy Mangler beschreibt die weibliche Anatomie für viele Frauen bedauerlicherweise immer noch als eine ungelöste Blackbox. Das genaue Wissen über die Vulva, die Vagina oder die Klitoris ist in unserer Gesellschaft oft tief von Scham besetzt. Dr. Mandy Mangler betont jedoch, dass das Becken eine völlig normale Körperregion wie eine Hand oder ein Arm ist und Scham dort nichts zu suchen hat.
Im Medizinstudium wird die Klitoris bis heute kaum thematisiert, was die Expertin gerne ändern möchte. Während in der Urologie sehr peniszentriert gedacht wird, fehlt in der Gynäkologie oft eine klitoriszentrierte Perspektive. Ein fundiertes Wissen über die eigene Lust ist jedoch essenziell für das eigene Wohlbefinden. Nur wer die eigene Anatomie versteht, kann schlussendlich auch in der Partnerschaft offen kommunizieren.
Die sieben Phasen des hormonellen Wandels
Die Wechseljahre brechen keineswegs plötzlich über Nacht über Frauen herein. Professor Dr. Mandy Mangler erklärt, dass es sich um einen graduellen Prozess handelt, der sich insgesamt in sieben verschiedene Phasen unterteilen lässt. Erste feine Veränderungen im Körper lassen sich oft schon ab dem 30. oder 35. Lebensjahr bemerken. Ab dem 40. Lebensjahr werden die Zyklen bei vielen Frauen spürbar länger, bis schließlich nach Jahren die Eisprünge ganz ausbleiben.
Bleibt die Menstruation für drei Monate oder länger komplett aus, sollte dies einmal medizinisch abgeklärt werden. Es kann sich in seltenen Fällen auch um eine vorzeitige Menopause handeln, die sogar Teenager betreffen kann. Leider fehlen in Deutschland verlässliche Bevölkerungsdaten zu diesem Thema, da es bisher kein zentrales Register gibt. Skandinavische Länder sind uns hier dank einer digitalen Gesundheitsnummer bei der Auswertung von Patientendaten Meilen voraus.
Altern oder Wechseljahre? Der Blick auf den Säugetierkörper
Nicht jedes körperliche Symptom um das 50. Lebensjahr ist automatisch auf die Wechseljahre zurückzuführen. Dr. Mandy Mangler erinnert daran, dass der Körper bereits ab dem 25. Lebensjahr Muskel- und Knochenmasse verändert. Ein Teil des Erlebens ist schlicht Teil des normalen Alterungsprozesses oder hängt mit biografischen und sozialen Faktoren zusammen.
In der hormonellen Übergangsphase sinkt typischerweise zuerst das Progesteron, während das Östrogen zeitweise sehr hoch bleibt. Dies führt bei manchen Frauen zu einer Gewichtszunahme oder zu starken Spannungen in den Brüsten. Typische Hauptsymptome der Menopause sind neben Schlafstörungen und Hitzewallungen auch deutliche Antriebsveränderungen. Einige Frauen verspüren eine ausgeprägte Müdigkeit, während andere eher mit Wut und Reizbarkeit reagieren.
Die Wechseljahre als Phase der Selbstermächtigung
Der hormonelle Umschwung kann für Frauen eine enorme Chance zur persönlichen Weiterentwicklung sein. Dr. Mandy Mangler beschreibt, dass die Hormone Progesteron und Östrogen über viele Jahre hinweg ein starkes Gefallenwollen fördern. Fällt diese hormonelle Färbung im Alter weg, beginnen viele Frauen, ihre eigenen Bedürfnisse endlich in den Vordergrund zu stellen. Sie fühlen sich mehr im Einklang mit sich selbst.
Diese neue Klarheit spiegelt sich oft auch in einer veränderten Sexualität und Libido wider. Manche Frauen stellen fest, dass sie jahrelang nur für die Penetration zur Verfügung standen, ohne echte Erfüllung zu finden. Sie fordern nun eine Sexualität ein, die sich für sie gut anfühlt, oder trennen sich konsequent von ihren Partnern. Die Wechseljahre können somit zu einer Selbstermächtigung der Frau führen.
Diagnostik, Lebensstil und das „Window of Opportunity“
Reine Hormonbestimmungen im Labor sind oft nur eine teure Momentaufnahme ohne echten medizinischen Mehrwert. Professor Dr. Mandy Mangler erachtet eine genaue Anamnese und den Ultraschall der Eierstöcke für wesentlich aussagekräftiger. Bei einer geplanten Hormonersatztherapie gilt es zudem, das wissenschaftliche „Window of Opportunity“ zu beachten. Ein Start ist innerhalb der ersten zehn Jahre nach der letzten Menstruation am sinnvollsten.
Die Entscheidung für oder gegen Hormone sollte stets schrittweise und individuell getroffen werden. Vorab führt eine Optimierung des Lebensstils bereits eine erhebliche Verbesserung der inneren Balance herbei. Bewegung und Sport sind dabei besonders wichtig. Auch gezielte Mikropausen und pflanzliche Phytoöstrogene können den Übergang nachweislich erleichtern.
Checkliste: Diagnose und Behandlung der Wechseljahre
- Zyklustagebuch führen: Eine genaue Beobachtung der Menstruation liefert wichtige Hinweise auf den hormonellen Status.
- Ultraschall bevorzugen: Ein vaginaler Ultraschall zeigt verbleibende Follikel weitaus besser als reine Labortests.
- Symptombezogen vorgehen: Eine Hormonersatztherapie sollte primär nach dem Wohlbefinden dosiert werden.
- Zeitfenster nutzen: Das „Window of Opportunity“ für den Start einer Hormontherapie endet meist zehn Jahre nach der letzten Periode.
Checkliste: Natürliche Strategien und Lebensstil-Anpassungen
- Krafttraining integrieren: Gezieltes Training mit Hanteln stärkt die Muskeln und senkt das Osteoporose-Risiko.
- Ernährung umstellen: Ein Verzicht auf Zucker wirkt wie ein präventives Medikament auf den Körper.
- Atemübungen anwenden: Vier Sekunden Einatmung und acht Sekunden Ausatmung aktivieren den Parasympathikus.
- Pflanzenkraft testen: Traubensilberkerze, Rotklee oder Soja enthalten Phytoöstrogene, die Hitzewallungen lindern können.
TAKE AWAYS
- Die Wechseljahre verlaufen graduell über sieben Phasen und beginnen oft schon unbemerkt ab dem 35. Lebensjahr.
- Anatomisches Wissen über die eigene Vulva und Klitoris ist die unverzichtbare Basis für eine selbstbestimmte Sexualität.
- Viele typische Erfahrungen der Menopause überschneiden sich mit ganz normalen, biologischen Alterungsprozessen des Körpers.
- Der Abfall von Progesteron und Östrogen beendet das gelernte Gefallenwollen und eröffnet Frauen eine Phase der Selbstermächtigung.
- Lebensstilfaktoren wie Sport, bewusste Ernährung und gezielte Mikropausen sind hochwirksame Werkzeuge zum Erhalt des Wohlbefindens.
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Professor Dr. Mandy Mangler ist Chefärztin für Gynäkologie und Geburtshilfe, renommierte Buchautorin und Podcasterin. Als eine der prägendsten Stimmen für moderne Frauengesundheit in Deutschland setzt sie sich intensiv für Aufklärung, geschlechtersensible Medizin und die Enttabuisierung des weiblichen Körpers ein.
206 Wechseljahre
[Dr. Mandy Mangler] (0:00 - 0:26) Die Wechseljahre haben dazu geführt, dass ich ich selbst geworden bin und das finde ich richtig ein cooles Zitat aus gynäkologischer Perspektive, weil wir haben diesen Zyklus und der geht über unseren Körper so viele viele Jahre und da ist ja sehr viel Östrogen und Progesteron dabei, was sagen wir mal so, wir sind ein Mensch und dieses Östrogen und Progesteron wird so wie so Gewürz oben rauf getan und verändert uns.
[Elisabeth Seidel] (0:27 - 2:35) Herzlich Willkommen zu Healthwise, dem Gesundheitspodcast präsentiert von Sunday Natural. Ich bin Elisabeth Seidel und in diesem Podcast erkunden wir gemeinsam, was es bedeutet gesund zu sein. Wir tauchen ein in Themen wie Medizin, Bewegung, Ernährung und emotionale Gesundheit. Immer mit einem weisen Blick auf das, was uns wirklich gut tut.
Herzlich Willkommen zu einer neuen Folge Healthwise. Die Wechseljahre sind eine der größten hormonellen Umstellungen im Leben einer Frau und gleichzeitig eine Phase, die viele eher durchstehen als wirklich verstehen. Zwischen Symptomen, widersprüchlichen Informationen und komplexen medizinischen Entscheidungen entsteht oft Unsicherheit. Was passiert eigentlich in meinem Körper und wie gehe ich sinnvoll damit um? Unser heutiger Gast bringt genau hier Klarheit rein. Professor Dr. Mandy Mangler ist Chefärztin für Gynäkologie und Geburtshilfe, Autorin, Podcasterin, Professorin und eine der prägendsten Stimmen für moderne, evidenzbasierte Frauengesundheit in Deutschland. Sie verbindet klinische Erfahrungen mit wissenschaftlicher Arbeit und engagiert sich intensiv für eine bessere Aufklärung, patientenzentrierte Medizin und eine differenziertere Perspektive auf den weiblichen Körper. Sie spricht offen über Wissenslücken in der Medizin, über strukturelle Herausforderungen im Gesundheitssystem und darum, warum wir ein fundiertes Verständnis der eigenen Physiologie als Grundlage für gute Entscheidungen brauchen. Ich freue mich sehr auf unser Gespräch. Herzlich Willkommen, Professor Dr. Mandy Mangler. Liebe Mandy, du bist ja Autorin. In einem deiner Bücher forderst du die Frauen auf Spieglein, Spieglein in der Hand. Da interessiert mich natürlich, warum ist es, genau diese Kenntnis über unsere Anatomie, über die Vulva, die Vagina, auch die Klitoris, warum ist es so wichtig, um selbstbestimmte Entscheidungen zu treffen oder sich erst mal selbst zu begegnen?
[Dr. Mandy Mangler] (2:37 - 2:59) Wenn man seinen Körper kennt, dann fällt vieles leichter, wenn man dann vieles mehr versteht. Sonst ist es irgendwie so ein bisschen so eine Blackbox oder man weiß gar nicht so genau. Ich glaube, so geht es vielen. Auch zum Beispiel an der Vulva, das ist ja alles nicht ganz intuitiv. Wo liegt die Harnröhre, wo liegt die Vagina, wo liegt die Klitoris? Ich glaube, das könnte helfen, wenn man sich die Vulva anguckt.
[Elisabeth Seidel] (3:00 - 3:09) Hast du das oft erfahren, auch mit deinen Patientinnen, dass das ein sehr schambesetztes Thema ist und dass Frauen das eher vermeiden, sich das auch anzugucken?
[Dr. Mandy Mangler] (3:10 - 3:58) Auf jeden Fall. Ich habe neulich auch einen wissenschaftlichen Artikel geschrieben, ich glaube, es war bei DocCheck, ich bin mir nicht mehr sicher, über die Vulva und auch dann gesagt, das ist alles nicht schambehaftet oder sollte es nicht sein, das ist eine normale Körperregion. Unten drunter hat gleich eine Leserin geschrieben, pfui, was soll das denn? Das gucke ich mir nie an und das ist ja eklig und so. Ich finde das so merkwürdige, so eine merkwürdige Herangehensweise, wenn man seine eigenen Körperteile irgendwie als eklig betrachtet und also ich meine, besonders für mich als Gynäkologin, das Becken und die Vulva und so, das sind normale Körperbereiche, genauso wie eine Hand oder ein Arm oder so und ich finde, da hat Scham auch nichts zu suchen.
[Elisabeth Seidel] (3:58 - 4:10) Ja, das ist auch ein kleines bisschen traurig, weil man sich ja gar nicht so richtig begegnen kann, also sich selbst begegnen und anrufen kann. Als wäre das ein abgetrennter Bereich, so ungefähr.
[Dr. Mandy Mangler] (4:12 - 4:43) Ja, genau und das soll es auch, also das gab eine Zeit in unserer Gesellschaft, wo das vielleicht aus irgendeiner Perspektive Sinn ergeben hat. Also das geht ja viel dabei auch um Reglementierung von Sexualität und auch besonders von weiblicher Sexualität und wenn man das alles so ein bisschen schambehaftet und eklig macht, dann ist man natürlich unfreier im Bezug auf seine Sexualität und über weite Teile der Gesellschaft oder der Historie und auch in anderen Gesellschaften ist es heute noch gewünscht auch natürlich.
[Elisabeth Seidel] (4:44 - 4:56) Ja. Dazu hast du ja auch in deinem neuen Buch geschrieben über die Klitoris, die große Unbekannte. Wie kam es dazu, dass du dich, also dass du entschlossen hast, das Buch zu schreiben?
[Dr. Mandy Mangler] (4:58 - 6:01) Ja, wir haben uns, ich habe ja den Podcast Gynkast und da haben wir uns mit der Klitoris beschäftigt und das fand ich, ich hatte mich vorher noch nie so intensiv mit der Klitoris beschäftigt, obwohl ich Gynäkologin bin, es kommt in unserem Medizinstudium nicht vor und wir auch so über die Zeit sozusagen dann, wenn man Frauenärztin wird, spielt die Klitoris quasi keine Rolle und das ist irgendwie ein bisschen witzig, wenn man sich das überlegt, weil zum Beispiel in der Urologie, da spielt der Penis eine zentrale Rolle, ja, also alles wird getan, um dem Penis irgendwie nicht zu schaden, die Nerven schön zu lassen oder nicht zu schädigen und so und es wird sehr Penis-zentriert gedacht und in der Gynäkologie wird überhaupt nicht Klitoris-zentriert gedacht und das ist irgendwie witzig und schlimm gleichzeitig und dann, also eigentlich gar nicht witzig, sondern schlimm, meine ich nur und auffallend und das ist mir dann klar geworden und dann habe ich gemerkt, wie viel, wie wahnsinnig viel in diesem Thema steckt, Klitoris, das fand ich unfassbar interessant und so ist es ein ganzes Buch über Klitoris geworden.
[Elisabeth Seidel] (6:03 - 6:31) Du schreibst ja auch, das kommt in den, oder kam in Anatomiebüchern eigentlich nur so mal als Side-Erwähnung vor, also wurde gar nicht beachtet und dementsprechend ja auch die weibliche Lust, ein ganz wichtiges Thema, dem dann auch eigentlich keine Beachtung zukommt und wenn wir Frauen schon wissen, was da los ist, da unten und wie das funktioniert, dementsprechend können Partner dann wahrscheinlich gar nichts damit anfangen.
[Dr. Mandy Mangler] (6:32 - 6:45) Ja genau, das macht dann vielfältige weitere Probleme, wenn wir sozusagen unsere Sexualität immer nur so als was Abgekapseltes oder als was Unverständliches erleben, dann haben wir natürlich auch Probleme in der Kommunikation miteinander, da hast du völlig recht.
[Elisabeth Seidel] (6:48 - 7:37) Speaking of Unwissenheit, möchte ich gerne zu unserem eigentlichen Thema jetzt überleiten, nämlich der Menopause. Auch ein Thema, was über Jahre eigentlich irgendwie nicht so richtig Beachtung gefunden hat, jetzt habe ich das Gefühl, dringt es so ein bisschen mehr in die Öffentlichkeit, die Frauen empowern sich, empowern sich auch gegenseitig, Hormonersatztherapien werden irgendwie größer, werden mehr diskutiert und dementsprechend würde ich da gerne einsteigen, vielleicht mit dem Thema, wie sieht es aus, welche Phasen gibt es eigentlich, was sind so die frühen Zeichen, wie viele Frauen sind eigentlich betroffen jetzt in Deutschland, du bist da ja quasi an erster Quelle und dir begegnet es ja sicherlich ständig.
[Dr. Mandy Mangler] (7:38 - 8:57) Ja, die Menopause oder die sogenannten Wechseljahre, das ist ein großes Thema und Nina Warken, die Gesundheitsministerin gerade, hat auch eine Expertengruppe dazu einberufen, in der ich bin, deswegen beschäftige ich mich sehr intensiv mit dem Thema und es freut mich auch, dass sowas Wichtiges eben auch wirklich in den Blick genommen wird. In der Expertenkommission soll es darum gehen, dass eine Struktur für Deutschland gefunden wird und etabliert wird für Menschen in der Menopause und Menopause, das ist ja so ein Begriff, man weiß immer noch gar nicht so genau, was soll das eigentlich, wann fängt es an, wann hört es auf und so, letztendlich altern wir alle, so vom Beginn unserer Geburt fangen wir an zu altern und unser Körper verändert sich und Frauen haben regelmäßige Menstruationen über eine Zeit ihres Lebens. Und diese Zeit hört dann irgendwann auf und dieser Übergang sozusagen oder diese ganze Phase der Zyklen und dann, wenn man nicht mehr zyklisch blutet, da verlaufen so verschiedene Zeiträume ab und die Wechseljahre, die sind dann sozusagen gegen Ende und nach der Zeit, wenn die regelmäßigen Zyklen aufgehört haben.
[Elisabeth Seidel] (8:59 - 9:11) Also beginnt es quasi erst mal mit einer hormonellen Veränderung, die so ganz leicht zu spüren ist oder ist es häufig so, dass dann Frauen direkt mit Hitzewallungen rein starten?
[Dr. Mandy Mangler] (9:11 - 10:11) Nein, das ist ganz graduell. Eigentlich, wenn man es sich genau anguckt, gibt es sieben Phasen sozusagen der Menopause, die so alle unterschiedlich deklariert sind. Also man kann grob, ganz grob sagen, dass ab dem 30. oder 35. Lebensjahr merkt man schon dann auch eine Veränderung. Zwischen dem 20. und 35. Lebensjahr ist es ungefähr stabil, also ist natürlich nicht in jeder Frau gleich, aber da hat man regelmäßige Zyklen und das spult sich alles meistens dann oder bei vielen Frauen so nacheinander so ab und dann merkt man aber auch ab 35 wird es schon auch, dauert es länger, bis man schwanger wird, wenn man schwanger werden möchte und oder es klappt vielleicht auch gar nicht mehr so effektiv und dann ab 40 kann es sein, dass die Zyklen dann auch länger werden. Und dann eben Eisprünge ausbleiben und irgendwann hört dann der Zyklus auf nach Jahren. Also das sind alles Prozesse, die über Jahre ablaufen.
[Elisabeth Seidel] (10:13 - 10:30) Oft ist es ja auch so, dass Symptome gar nicht wirklich erkannt werden als eine Perimenopause. Wenn ich jetzt, was weiß ich, nicht mehr richtig schlafen kann mit 35, würde ich ja jetzt nicht irgendwie darauf gehen, dass ich jetzt in einer Perimenopause bin oder die beginnt.
[Dr. Mandy Mangler] (10:30 - 11:58) Ja, es ist ganz wichtig, dass du sagst, immer wenn die Menstruation drei Monate ausbleibt oder länger, sollte man das einmal abklären lassen, weil es gibt natürlich auch vorzeitige Menopause. Also wenn man so ganz, es gibt Teenager, die in die Menopause kommen sozusagen. Also das würde man dann nicht Menopause nennen, weil es ist nicht richtig richtig, aber oder vorzeitige Wechseljahre nennt sich das medizinisch, aber ist eigentlich nicht ganz richtig. Es ist dann, wenn die Menstruation ausbleibt und die Eierstöcke dann nicht mehr arbeiten und man nennt es premature ovarian failure. Also das ist ein vorzeitiges Aufhören der OVAR-Funktion. Ist das relativ häufig? Gott sei Dank ist es nicht so häufig, sondern das betrifft nur ganz wenig Menschen. Aber auch interessant, dass du fragst, weil wir wissen gar nicht, wie viele Menschen in der vorzeitigen Menopause in Deutschland zum Beispiel sind, weil wir haben kein Register oder keine Daten dazu. Deswegen hat die kluge Vorsitzende der Menopausengesellschaft in Deutschland, Katrin Schaudig, jetzt ein Register ins Leben gerufen, wo wir alle unsere Patientinnen melden, die eine vorzeitige Menopause haben, in der Hoffnung, dass wir dann irgendwann ein starkes Register haben, wo wir dann wissen, also wann kommen die Frauen in die Menopause oder wie alt sind sie bei einer frühzeitigen Menopause. Weil letztendlich wissen wir noch nicht mal, und das ist echt traurig, wann die Frauen in Deutschland in die Menopause kommen, weil wir da keine Daten haben, die wir auswerten können.
[Elisabeth Seidel] (12:00 - 12:05) Gibt es das in anderen Ländern, dass es Daten gibt für diese Frauen bei Menopause oder wie viele?
[Dr. Mandy Mangler] (12:06 - 13:12) Genau, das gibt in anderen Ländern super Möglichkeiten. Deutschland ist ja sozusagen föderal aufgebaut. Also wir haben lauter Bundesländer, aus denen sich unser Land zusammensetzt. Und es mag irgendwie Sinn ergeben, auch von der Organisationsstruktur und so, und weil wir so viele Menschen sind, wir sind ja die meisten Menschen sozusagen in einem Land in Europa, aber es macht gewisse Dinge natürlich kleinteiliger und schwieriger. Und zum Beispiel in Skandinavien kriegt jede Person zur Geburt so eine Gesundheitsnummer. Und dadurch kann zum Beispiel die skandinavische Bevölkerung auf Knopfdruck ausgewertet werden. Also man weiß dort auf Knopfdruck alles Mögliche über deren Gesundheitsverhalten und deren Gesundheitssituation. Es gibt andere Länder, wo das auch so ist und wir haben es in Deutschland noch nicht geschafft. Das ist sehr schade, wie ich finde, weil das ist eigentlich nicht so schwer. Ist natürlich ein logistischer Aufwand, aber jetzt mit Digitalisierung und so muss man das eigentlich, also das muss eigentlich klar sein, dass das unser Ziel ist, dass wir unsere Gesundheits- und Bevölkerungsdaten besser auswerten und durchblicken können.
[Elisabeth Seidel] (13:12 - 13:52) Ja, wir sind leider immer noch teilweise im Zeitalter des Faxes. Wenn wir so über diese hormonellen Veränderungen sprechen, auch über die Symptome, dann ist es ja oft so, dass man hauptsächlich von Progesteron und Östrogen spricht. Testosteron spielt natürlich auch eine Rolle und wie ich jetzt kürzlich gelesen habe, auch Melatonin verändert sich. Welche Veränderungen sind denn das und was würde man vielleicht so als erstes bemerken? Weil am Anfang ist es ja so, dass zunächst mal das Progesteron sich so ein bisschen senkt, wie ich das gehört habe.
[Dr. Mandy Mangler] (13:53 - 16:04) Ja, genau. Was man noch grundsätzlich sagen sollte und kann, ist, dass wir durch diesen Alterungsprozess, dem wir alle unterliegen, ändert sich unser Körper die ganze Zeit und ab dem 25. Lebensjahr zum Beispiel wird Muskelmasse und Knochenmasse abgebaut. Schlechte Nachricht, aber so ist das Leben halt. Und diese Alterungsprozesse, die darf man nicht unterschätzen, zum Beispiel auch Schlafstörungen und so, weil viele sagen, ja, alles Wechseljahre, Wechseljahre. Das stimmt natürlich nicht, sondern sagen wir mal, eine Frau, die 50 Jahre alt ist, die Symptome hat, das ist nicht nur Wechseljahre, sondern das ist auch Alterungsprozess und biografische Komponenten, also zum Beispiel auch, wie geht es ihr sozial, psychologisch und in ihrem Umfeld. Das unterschätzen wir manchmal, weil wir denken dann so, naja, und dann geben wir ein paar Pillen und dann ist alles so wie früher. Nein, wir altern halt und sagen wir mal so, das ist auch gut so, sonst die Alternative ist ja jetzt auch nicht so witzig, nicht zu altern. Und das ist in diesem Säugetierkörper, den wir haben, ist es halt so, dass wir ständig Symptome haben. Also wenn man morgens aufwacht und nichts hat, dann muss man sich ja schon fast fragen. Mal tut der Rücken weh, mal tut das weh, der Kopf und so weiter und so fort. Und das ist erst mal normal. Also ich glaube, wir sollten uns ein bisschen von diesem absolutistischen Gesundheit und wir haben alle nichts und wir schweben so wie mit 20 durch die Gegend, bis wir dann irgendwann sterben. So funktioniert es ja nicht. Aber trotzdem ist es so, dass hormonelle Veränderungen der Frau in dieser Lebensphase, also sagen wir mal zwischen dem 40. und 55. Lebensjahr, eben schon da sind. Und da hast du recht, da wird als erstes auch das Progesteron weniger und das Östrogen dann sehr, sehr hoch. Deswegen nehmen ja auch Frauen manchmal zu oder werden rundlicher oder die Brust zum Beispiel wird größer bei manchen Frauen, weil das Östrogen, also das eine Hormon, eben so stark auf den Körper auch wirkt. Und das merkt man manchmal auch mit Zyklen, dass die Zyklen dann erst mal kürzer werden, also häufiger und dann länger und dann vielleicht ausbleiben ab und zu und dann ganz.
[Elisabeth Seidel] (16:06 - 16:19) Wie viele von diesen menopausalen Symptomen gibt es denn? Also gibt es offiziell eine Liste, die sagt, okay, das sind jetzt 30 Symptome, die damit assoziiert sind?
[Dr. Mandy Mangler] (16:19 - 18:20) Ja, das ist eine super spannende Frage, finde ich, die du da stellst. Das gibt, glaube ich, so knapp 60 Symptome, aber es kommt natürlich auch immer darauf an, welche Studie man betrachtet. Und es gibt so eine super witzige Studie, die gerade irgendwie vor ein paar Monaten in den USA durchgeführt wurde und veröffentlicht wurde. Und da hat man irgendwie lauter College-Studentinnen untersucht und hat so erschreckt festgestellt, dass 30 Prozent von denen schwere Menopausen-Symptome haben. Und ich finde die so ein bisschen witzig, die Studie, weil ich mir so denke, hä? Ich meine, das meint ihr doch nicht ernst. Natürlich haben die keine Menopausen-Symptome, sondern die haben einfach Symptome. Weil wie gesagt, Säugetierkörper, der halt irgendwie weh tut ab und zu oder irgendwelche Symptome macht, was komplett normal ist. Und deswegen muss man das auch immer so ein bisschen mit Vorsicht interpretieren. Die Presse hat sich dann auch draufgeworfen und gesagt, 30 Prozent der College-Studentinnen kommen jetzt in die Menopause. Das ist natürlich irgendwie alles nicht haltbar. Nichtsdestotrotz haben wir nicht so eine besonders gesundheitsfördernde Umgebung. Ernährung, Bewegung und so, das fehlt uns alles. Und wir sollten, wenn wir aus der Perspektive der Menopause denken, da kann man sicherlich noch sehr viel machen, auch um zum Beispiel seine Menopause ein bisschen nach hinten zu verschieben oder um gesund zu leben. Oder wenn man dann eine Menopause hat, eben um gesund zu altern. Also um auf deine Frage zurückzukommen, es gibt sehr viele Symptome, aber natürlich gibt es so Hauptsymptome. Zum Beispiel Schlafstörungen sind schon relativ oben mit dabei oder Hitzewallungen oder allgemeine Schwäche, Müdigkeit, Antriebsveränderungen. Also entweder zum Beispiel fehlender Antrieb, also dass man so ein bisschen schlapp sich fühlt und nicht mehr so viel Energie hat, oder dass man so total aggro draufkommt. Ich habe so eine Patientin, die mir erzählt hat, sie wollte sich jetzt gleich von ihrem Mann trennen und eine andere hat gekündigt, weil sie fand alles blöd und so. Das gibt es natürlich auch.
[Elisabeth Seidel] (18:22 - 18:48) Das ist spannend, weil man kann es natürlich aus dieser Hormonschiene betrachten. Okay, die fehlenden Hormone machen jetzt die Symptome, aber vielleicht ist es auch der Übergang in eine Phase, wo man sich irgendwie so ein bisschen selbst ermächtigt und sich denkt, okay, das habe ich jetzt lange genug gemacht. Keinen Bock mehr. Und dieser Hormonumschwung ermächtigt einen irgendwie dazu, diese Änderungen dann durchzuführen.
[Dr. Mandy Mangler] (18:49 - 21:08) Ja, da habe ich ein super Zitat gelesen vor ein paar Tagen. Die Wechseljahre haben dazu geführt, dass ich ich selbst geworden bin. Das finde ich richtig ein cooles Zitat aus gynäkologischer Perspektive, weil wir haben diesen Zyklus und der geht über unseren Körper so viele, viele Jahre. Da ist ja sehr viel Östrogen und Progesteron dabei. Wir sind ein Mensch und dieses Östrogen und Progesteron wird so wie Gewürz oben drauf getan und verändert uns. Und ja, viele Sachen vielleicht zum Guten, aber eben auch manche, besonders bei Frauen, zum Hinterfragen auch. Zum Beispiel dieses Gefallenwollen oder Östrogen und Progesteron, das macht, dass wir gefallen wollen oder dass wir immer so lieb und freundlich vermittelt sind und so. Und das ist natürlich irgendwie auf der einen Seite schön. Auf der anderen Seite kann es dazu führen, dass man immer zu seinen eigenen Bedürfnissen vernachlässigt und sich nicht, wie man selbst fühlt. Und vielleicht, wenn man damit endlich mal aufhört, mit diesem krankhaften Gefallenwollen, dann ist man vielleicht mehr man selbst, der Mensch, der man ist. Und wir sind natürlich in allererster Linie Menschen und wir sind ja nicht Frauen in erster Linie. Neulich habe ich wieder so einen blöden Kommentar bekommen. Ich möchte gerne verstanden werden als Mensch und dann bin ich eine Frau. Ich bin eine Frau, aber wenn man mich anguckt, möchte ich in erster Linie Mensch sein. Und ob ich dann eine Frau bin oder nicht, das geht eigentlich ehrlich gesagt keinem was an oder nur wenige Leuten was an, mit denen mein Frausein wichtig ist. Und deswegen finde ich das immer so ein bisschen, da gibt es auch ganz krasse Studien dazu, dass wenn ein Mann in den Spiegel guckt und man den fragt, was siehst du, dann sagt der Mensch, und wenn eine Frau in den Spiegel guckt und man fragt sie, was siehst du, dann sagt sie eine Frau. Also mit anderen Worten, dieses Frausein macht uns unfrei und zum Beispiel Männer sind viel freier in ihrem Menschsein, weil sie eben nicht mit ihrem Mannsein oft so gegängelt werden und Reproduktion und Kinder kriegen und Kinder betreuen und so. Da würden jetzt viele Männer sagen, ja, aber wir müssen auch immer der starke Mann sein. Ja, aber daran arbeiten wir ja auch.
[Elisabeth Seidel] (21:09 - 21:52) Also du meinst ja, das Progesteron, das Östrogen macht uns so lieb und gefällig so ungefähr. Ist es dann so, dass diese Phase, eigentlich ist es ja der Übergang der fruchtbaren zur nicht fruchtbaren Phase und das hat ja auch einen evolutionsbiologischen Sinn. Irgendwann hast du vielleicht nicht mehr so die Kräfte, die Nerven oder das Risiko für Mutationen wird vielleicht auch größer, wenn du älter bist. Also es ist ja eine sinnvolle Phase, aber das, was du gesagt hast, eben mit dem Progesteron und dem Östrogen, dem Gefälligsein, das finde ich ziemlich spannend, das habe ich noch nicht gehört.
[Dr. Mandy Mangler] (21:53 - 21:56) Ja, das fällt mir so auf an uns Frauen.
[Elisabeth Seidel] (21:57 - 22:08) Also es macht ja Sinn, weil in der Phase, wo du dich irgendwie reproduzieren willst, musst du ja irgendwie wahrscheinlich mehr gefallen, um einen Partner anzuziehen.
[Dr. Mandy Mangler] (22:08 - 23:15) Und müssen Männer das auch? Nämlich nein. Aber ich glaube, das kommt aus der Zeit der Evolution. Die meiste Zeit der Evolution war es ja so, die Männer waren körperlich stärker und wir hatten denen als Frauen nicht viel entgegenzusetzen, außer Schönheit, Gefallen und Lieblichkeit, sage ich mal so. Und jetzt kommen wir in eine Phase der Evolution, wo eben in manchen Ländern nicht mehr das Recht des Stärkeren so richtig zieht, sondern das Recht der Klügeren. Und wir sind natürlich klug, Frauen sind natürlich klug, und da verschiebt sich so ein bisschen die Gemengelage. Und die Frage ist natürlich, muss ich wirklich gefallen und lieblich und so sein, um mich reproduzieren zu können? Ist das wirklich die Währung? Weiß man nicht. Das müsste jede Person natürlich für sich entscheiden und wir als Gesellschaft definieren. Aber in einer idealisierten Welt würde ich mir das nicht wünschen, sondern ich würde mir wünschen, dass wir uns reproduzieren, weil wir uns als Mensch begegnen und gefallen.
[Elisabeth Seidel] (23:16 - 24:01) Danke für die Worte.
Das ist eine schöne Sicht auf diese Thematik. Okay, noch mal zurückzukommen vom Gefallen zu Lust und Libido. Du widmest ja zum einen das Buch der Klitoris, aber jetzt ist es so, in der Menopause oder nach der Menopause entwickeln ja viele Frauen so eine Art eingeschränkte Libido, weniger Lust auf Sex. Was denkst du, das ist primär an den Hormonen festzumachen und man sollte dann Testosteron testen und vielleicht ein bisschen geben? Oder was denkst du, was ist der Grund dafür? Oder dass sie vielleicht noch nie wirklich ein erfülltes Sexleben hatte?
[Dr. Mandy Mangler] (24:02 - 25:07) Ja, es ist interessant, was du für Themen auspackst aus diesem Kreis der Menopause. Ich glaube, beides, was du gesagt hast. Also diese Libido. Libido ist auch so ein Riesenthema. Viele fürchten das ja auch und denken, oh Gott, dann habe ich keine Libido mehr. Das ist nicht so. Es gibt sogar Frauen, die haben mehr Libido. Aber genau wie du sagst, es gibt Frauen, die sich dann denken, Moment mal, ich habe immer für Penetration zur Verfügung gestanden und hatte aber nie eine Sexualität, die ich irgendwie toll fand. Das brauche ich jetzt nicht mehr. Das stelle ich ab. Und dann hören die auf mit Sex. Die haben dann keinen Sex mehr. Und andere denken das vielleicht auch, lösen das aber anders, verwirklichen sich nochmal selber. Es gibt keine Lebensphase, in der es mehr Scheidungen gibt. Es gibt Frauen, die dann auch Frau-Frau-Sexualität entdecken. Oder es gibt Frauen, die sich für jüngere Partner auch interessieren. Oder eben für Menschen, die ihre Sexualität so umsetzen, dass sie sich wohlfühlen. Und das muss man halt ausprobieren.
[Elisabeth Seidel] (25:09 - 25:46) Wie ist es denn, ich habe jetzt gerade schon Testosteron-Messen angesprochen. Das Thema Diagnostik ist ja auch immer heiß diskutiert. Es gibt ja verschiedene Art und Weisen, auch zu testen. Jetzt ist es natürlich sehr, sehr schwierig da. Es ist ja immer schwankend. Manche Gynäkologinnen sagen dann gleich, das bringt nichts, wir testen nichts. Das ist das, was ich häufiger höre. Was hältst du von der Diagnostik oder welche Diagnostik erachtest du für sinnvoll? Erstmal um zu bestimmen, gehe ich auf die Menopause zu?
[Dr. Mandy Mangler] (25:48 - 27:57) Man kann es so pauschal nicht sagen. Hormonbestimmungen haben auf jeden Fall ihren Platz. Je nachdem, was man damit vorhat. Was die Gynäkologen zu Recht kritisieren, ist, dass es manchmal eben so eine Momentaufnahme ist, die sich sofort wieder ändern kann. Das ist wie ein kleines Blitzlicht und dann kann sich die Situation sofort wieder ändern. Deswegen bringt die Bestimmung nichts. Aber das stimmt natürlich so pauschal auch nicht. Was manche machen, ich glaube sogar in manchen Ländern strukturierter, ist so ein AMH-Test zwischen 20 und 30 Jahren, um sich mal die ovarielle Reserve anzugucken. Um mal zu gucken, wie ist das mit meinen Eierstöcken, wie gut funktionieren die? Und welche Zeit habe ich eigentlich noch, wenn ich um Familienplanung nachdenke oder bis zu den Wechseljahren? Das kann man machen. Das sollte man mit seinen Gynäkologen absprechen. Ob das sinnvoll ist, ja oder nein, muss man selber zahlen. Kostet um die 50 Euro, würde ich sagen. Und dann Hormonbestimmung jetzt, zum Beispiel wenn man jetzt 40 ist und man fragt sich, komme ich jetzt in die Wechseljahre? Dann ist eigentlich, und das ist eben auch, warum wir Gynäkologen das so ein bisschen kritisch sehen mit diesem Laborentnehmen, weil meistens ist es dann eben nur für das Labor sinnvoll. Also die Laborärzte oder die großen Labore verdienen daran oder haben Sinn daran und wir nicht. Das, was am besten interpretierbar ist in dieser Lebensphase, ist tatsächlich die Menstruation und der Ultraschall von den Eierstöcken, weil man da nämlich sieht, wie viel Follikel noch da sind. Und die meisten Gynäkologen können das besser im Ultraschall sehen als mit jeder Laborentnahme. Und die Menstruation, wenn die noch regelmäßig ist, dann schafft der Körper das eben, Menstruation hervorzurufen und dann sind die Hormone ausreichend für den Körper. Das kann natürlich trotzdem Symptome ergeben, die lästig sind. Und dann sollte man sich diese Symptome angucken und versuchen, die zu therapieren und die eben wegzubekommen. Und wann eine Hormonbestimmung sinnvoll ist, das kann man dann gemeinsam mit der Ärztin entscheiden, ob das zwischendurch mal sinnvoll ist, sich dann doch eben das Östrogen oder das Testosteron anzugucken und ob das dann einen Mehrwert bietet.
[Elisabeth Seidel] (27:59 - 28:15) Wie ist es, wenn ich unter Hormonersatztherapie bin? Sollten dann die Werte getestet werden, um das anzupassen, gegebenenfalls in gewissen Ratios zu halten, aufs Östrogen und das Progesteron?
[Dr. Mandy Mangler] (28:16 - 28:49) Das kann man machen, vor allem wenn man Symptome immer noch hat oder wenn man denkt, der Körper macht selber noch Hormone und dass man es dann überdosiert. Man merkt es meistens an den Brüsten in dieser Frühphase, dass die Brüste so total anfängt zu spannen und so, dann hat man es vielleicht ein bisschen überdosiert. Prinzipiell muss man das jetzt, wenn das einmal eingestellt ist, nicht ständig kontrollieren. Also man würde eher so symptombezogen vorgehen. Also sich die Symptome angucken, ist es jetzt besser, geht es der Person besser und dann kann man sich so weiter bewegen.
[Elisabeth Seidel] (28:51 - 29:00) Also eine klare Anamnese und ein Ultraschall hältst du für immer noch aussagekräftiger, als jetzt die Hormone zu testen?
[Dr. Mandy Mangler] (29:01 - 29:22) Ja, in den meisten Fällen schon. Ich weiß, dass dann Menschen immer so sagen, meine Ärztin will meine Hormone nicht testen. Man kann das natürlich trotzdem machen. Ich glaube, unser grundsätzliches Verständnis, wenn wir was machen, dann ist es nicht immer zum Guten sozusagen. Wir müssen uns ganz klar fragen, macht es Sinn, was wir da tun? Oder schmeißen wir einfach Geld zum Fenster raus und es bringt nichts.
[Elisabeth Seidel] (29:27 - 29:36) Thema Hormonersatztherapie, auch hier ein ganz wichtiges Thema. Es gibt ja dieses Window of Opportunity, kannst du erklären, was das ist?
[Dr. Mandy Mangler] (29:37 - 32:05) Genau, man hat ja viele Studien gemacht zur Hormonersatztherapie. Interessanterweise haben wir extrem viele Studien dazu. Wir haben sogar eine Studie, die heißt Million Women Study, weil so viele Patientinnen in dieser Studie sind. Und trotzdem wissen wir manche Sachen nicht, ist ein bisschen gemein eigentlich. Und warum ist das so? Weil wir vielleicht manchmal nicht die richtigen Fragen gestellt haben, aus Perspektive der Patientinnen, also was die wirklich wollen und was die wirklich bewegt. Das ist in der Medizin öfter mal so, das ist jetzt nicht in der Menopause besonders. Medizin ist sehr hierarchisch und da fragen wir uns manchmal nicht, was wollen eigentlich die Patientinnen? Sondern wir als Ärzte, Ärztinnen, Wissenschaftlerinnen entscheiden das für die. Und das ist eigentlich natürlich nicht richtig, sondern wir müssen natürlich die Zielgruppe fragen, weil die ist ja betroffen sozusagen. Und genau, also zu der Studienlage mit dem Window of Opportunity ist es so, dass wenn man jetzt menstruiert und die Menstruation aufhört, dann hat man so ein Zeitfenster, sagen Studien, in denen man mit Hormonersatztherapie anfangen sollte oder kann, wenn Symptome bestehen. Und irgendwann ergibt es aber keinen Sinn mehr, weil auch die Rezeptoren und so nicht mehr da sind. Also so zum Beispiel spätestens nach zehn Jahren nach der letzten Menstruation ergibt es eigentlich wissenschaftlich keinen Sinn mehr. Es kann im Einzelfall anders sein, aber so ist die heutige Wissenschaft. Und wenn man früh anfängt, an der Menopause Hormone zu nehmen, dann hat es einerseits Nachteile für die Brustgesundheit, aber Vorteile zum Beispiel für Herz-Kreislauf-Systemen. Und je später man anfängt, desto umgekehrt. Also je später man mit einer Hormonersatztherapie anfängt, wenn man zum Beispiel schon eine Weile nicht menstruiert hat, dann ist es eigentlich ganz gut für die Brust. Oder dann ist es nicht so schädlich für die Brust. Aber dafür ein bisschen schlechter für Herz-Kreislauf. Aber das jetzt nur, da könnte man noch ganz viel dazu sagen, so in aller Kürze, das ist auch ein bisschen traurig, weil bei den Ärzten hat man meistens auch nicht so viel Zeit, darüber zu reden, weil wir Gynäkologinnen für so eine Wechseljahresberatung irgendwie 17 Euro bekommen im Quartal, also in drei Monaten. Und der Berufsverband der Gynäkologie das überhaupt nicht geschafft hat, da eine Struktur hinzubekommen, die uns eine ordentliche Kommunikation mit der Patientin gestattet. Das liegt am Berufsverband, der ist komplett männlich. Das ist richtig schlimm.
[Elisabeth Seidel] (32:07 - 32:15) Es liegt wahrscheinlich auch an der weiblichen Gesundheitsministerin, dass das jetzt mal angegangen ist, was du eingangs erwähnt hast.
[Dr. Mandy Mangler] (32:15 - 33:12) Ja, das ist auch wiederum total spannend. Zum Beispiel Karl Lauterbach war ja davor Gesundheitsminister und der hat es halt gar nicht hinbekommen. Dieses ganze Thema Frauengesundheit, der hat bei der Krankenhausreform einmal komplett die Geburtshilfe und die Hebammen vergessen. Hat er einfach vergessen. Und wenn er eine geburtshilfliche Frage hatte, dann hat er irgendeinen Kumpel angerufen, der Gynäkologe ist. So war das. Also richtig, richtig trist eigentlich, muss man sagen. Der hat gar nichts für Frauengesundheit und Frauenmedizin oder überhaupt mal individualisierte Medizin gemacht. Und das muss ich sagen, ist zum Beispiel Nina Warken, ich kann auch keinen anderen Grund finden, als dass sie eine Frau ist, dass sie dieses Thema aufs Tableau zieht und es verstanden hat. Genauso wie Doro Bär. Ich muss gar nicht mit denen in anderen politischen Dingen übereinstimmen, aber sie ziehen Dinge an das Licht. Und meine einzige Erklärung ist, dass sie eben Frauen sind und dass sie das verstanden haben deswegen.
[Elisabeth Seidel] (33:15 - 33:35) Noch mal zurückzukommen auf die Hormonersatztherapie. Bei welchen Frauen würdest du es empfehlen? Wann würde ich merken, okay, die Symptome sind so doll, dass ich sowas considern sollte oder sowas in Betracht ziehen sollte? Und wann wäre es vielleicht möglich, andere Wege zu gehen?
[Dr. Mandy Mangler] (33:37 - 34:59) Also man würde erst mal immer gucken, wie ist die Menstruation? Hat sie regelmäßig Menstruation, dann sind meistens die Beschwerden noch nicht so stark oder es sind vielleicht andere Gründe. Wenn die Menstruation ausbleibt und die Hitzewallungen und die zum Beispiel Schlafstörungen sehr stark sind, dann würde man immer und idealerweise schon vorher nach so einem Stufenprinzip vorgehen. Also man würde sagen, die Person kann sich einmal ihren Lebensstil angucken und oft ist der natürlich schon optimiert. Also viel Bewegung, gute Ernährung und regelmäßig Schlaf und so. Das hilft dann auf jeden Fall, um einen Teil der Symptome einzufangen. Dann kann man Symptome auch anders therapieren als durch Hormone. Also zum Beispiel gibt es eine nicht-hormonelle Behandlungsmethode für Hitzewallungen und auch andere Symptome kann man eben nicht hormonell einfangen. Und wenn das nicht hilft, dann so. Und oder auch pflanzliche Hormone kann man ausprobieren. Es hilft nicht so wahnsinnig oft, wenn die Beschwerden stärker sind, aber es hilft manchmal. Deswegen lohnt es sich auch darüber nachzudenken. Und dann, wenn das alles nicht geholfen hat, dann kann man eben eine Hormonersatztherapie ausprobieren. Auch das ist oft etwas, was man individuell anpassen muss und sollte und dann gucken kann, geht es mir besser, ja oder nein.
[Elisabeth Seidel] (35:01 - 35:24) Du hast ja jetzt schon Lifestyle erwähnt. Was hältst du da für einen besonders wichtigen Punkt? Also ich weiß, ich habe es schon aus deinen Büchern und Podcasts gehört, jetzt ganz, ganz viel von Krafttraining auch zur Osteoporoseprävention. Aber gibt es noch mehr Sachen, die du empfiehlst, die den Lifestyle betreffen, die du deinen Patientinnen empfiehlst?
[Dr. Mandy Mangler] (35:26 - 37:40) Ich habe gerade so einen ganz interessanten Artikel von einem Internisten gelesen. Und er hat gesagt, stell dir mal vor, es gäbe ein Medikament, was deine Lebenserwartung verlängert, deine Krankheit verringert, deinen Blutdruck senkt, Krebsrisiko senkt, dein Schlaf verbessert und deine Lebensqualität, würdest du es dann nehmen? Und dann alle so, ja. Er hat gesagt, ja, das gibt es, Sport. Und das fand ich irgendwie eine witzige Zusammenfassung, weil das stimmt halt. Also man kann eben durch, muss nicht immer Sport sein, sondern auch sehr viel Bewegung geht auch, kann man eben viele, viele Symptome verbessern. Und das wäre für mich, also wenn ich zwei Ratschläge geben würde, dann wäre das der eine, und der andere wäre, Ernährung als das zu begreifen, was es eigentlich ist, etwas, was total invasiv in unseren Körper hineinkommt, durch unseren Mund auch wiederum wie ein Medikament, und was in unserem Körper unterschiedliche Wirkungen entfalten kann, nämlich gute oder schlechte. Und wenn ich mir da immer so Zucker und ungesunde Dinge reintue, dann sinkt auch meine Lebensqualität und meine Krankheitsrate steigt. Und ich weiß, das ist alles viel, viel einfacher gesagt als getan, weil das muss man halt erst mal schaffen, alles, in dem Alltag, den wir alle haben, irgendwie noch Bewegung und Sport einzuflechten oder halt Stress, du darfst dich nicht stressen, haha. Oder gesunde Ernährung, es ist ja viel, viel leichter, sich ungesund zu ernähren als gesund. Und es ist im Übrigen auch viel teurer, sich gesund zu ernähren, was auch ein bisschen traurig ist. Und deswegen, ja, ich weiß, es ist leichter gesagt als getan, aber das wäre auf jeden Fall eine gute Möglichkeit. Und wenn man Sport, wenn man zufällig eben sich ein paar Hanteln anschafft und seine Muskeln trainiert, dann senkt man auch sein Osteoporose-Risiko und so. Das hängt halt alles miteinander zusammen und es erfordert sehr viel eigene Aktion und Mündigkeit und auch Selbstverständnis für den Körper, dass man selber dafür zuständig ist und sehr viel Prävention. Und das ist natürlich schwierig.
[Elisabeth Seidel] (37:42 - 38:07) Ich hatte ja jetzt schon Stressreduktion angesprochen. Man weiß ja auch, dass das Cortisol bzw. Stress, andauernder Stress die Symptomatik auch ein bisschen verschlechtern kann, gerade was die Stimmung angeht etc. Empfiehlst du deinen Patientinnen irgendwelche Achtsamkeitstechniken oder Atemtechniken oder Strategien, da so ein bisschen in die Entspannung zu kommen hin und wieder?
[Dr. Mandy Mangler] (38:09 - 39:45) Also ja, bin ich nicht die perfekte Ansprechpartnerin, weil ich glaube, Stress ist auch nicht unbedingt immer schlecht. Also wenn wir jetzt nur die ganze Zeit auf der Couch sitzen und Netflix machen, das ist für uns auf jeden Fall auch nicht gut, sondern ein bisschen Stress muss sein. Also unser Körper ist schon gemacht für Stress. Man muss sich das immer so vorstellen. Wir haben halt so einen Steinzeitkörper und der hatte schon Stress. Der musste den ganzen Tag sich Nahrung suchen und durch die Wälder laufen und hat ganz viele Verletzungen an Händen, Armen, am Körper und so gehabt. Das war alles auch Stress. Aber wenn Stress dazu führt, dass man zum Beispiel nicht mehr regelmäßig schläft oder ganz unregelmäßig isst oder viel Alkohol trinkt oder, oder, oder, dann ist natürlich schlechter Stress. Oder wenn der Stress als stressig wahrgenommen wird und nicht als, nicht als bereichernd irgendwo oder wenn man sein Leben nicht mag, weil man so gestresst ist, dann ist es anders. Und dann gibt es natürlich tolle Achtsamkeitsübungen, die zum Beispiel Atemübungen. Atmen wird massiv unterschätzt. Man kann so viel mit Atmen machen. Und wenn man gar keine Zeit hat für nichts, dann kann man diese kleine Atemübung machen, dass man vier Sekunden einatmet und acht Sekunden ausatmet. Und das macht man über zwei, drei Minuten. Und dann aktiviert es den Parasympathikus, also unser Entspannungsnervensystem. Und dann geht es einem gleich wieder ein bisschen besser. Aber es gibt natürlich ganz viele andere Sachen auch. Autogenes Training, Autosuggestion und so weiter und so fort, was es nicht alles gibt. Und das lohnt sich, glaube ich, immer ab und zu mal eine Mikropause zu machen. Total.
[Elisabeth Seidel] (39:45 - 40:20) Ich glaube, da ist die Datenlage auch ganz gut. Meditation auch. Meditation. Genau. Oder progressive Muskelrelaxation. Da gibt es ganz, ganz viele Techniken. Für manche ist es auch Gebet. Es kann alles Mögliche sein. Ich wollte gerne noch mal auf die Hormonersatztherapie zurückkommen. Und das Thema Krebsrisiko. Viele trauen sich ja nicht, weil sie gehört haben, dass das Krebsrisiko steigt. Wie sieht das aus oder was sagen die Daten dazu?
[Dr. Mandy Mangler] (40:21 - 40:52) Ja, man hat da eben so Studien ein bisschen fehlinterpretiert in den 80ern, 90ern. Und deswegen gab es eine große Angst, dass eben Hormonersatztherapie so Brustkrebs macht zum Beispiel. Und dazu kann man sagen, wenn man Hormone nimmt, dann steigt das Risiko ein bisschen, aber nicht so doll, wie wir das bisher dachten. Es ist so oder so gut, seine Brustgesundheit im Blick zu haben und auch alle anderen Vorsorgeuntersuchungen in Bezug auf Darm und Haut zum Beispiel wahrzunehmen.
[Elisabeth Seidel] (40:55 - 41:13) Du meinst ja vorhin, es gibt pflanzliche Präparate, die man versuchen kann. Welche wären denn das? Also wenn ich jetzt erstmal versuchen will, keine Hormone einzunehmen und lieber bei den pflanzlichen Dingen bleiben möchte, was gibt es da für Optionen?
[Dr. Mandy Mangler] (41:13 - 41:40) Da gibt es zum Beispiel Traubensilberkerze oder Rotklee. Übrigens kann man das auch über die Ernährung ein bisschen steuern, zum Beispiel Soja und so. Also asiatische Ernährung ist sehr phytoöstrogenhaltig, also kann zum Beispiel Wechseljahrssymptome vermindern. Auch da gilt es, über ein paar Wochen ausprobieren. Also man könnte sich jetzt zum Beispiel Traubensilberkerze anschaffen und dann mal ein paar Wochen ausprobieren und gucken, wie geht es mir. Geht es mir jetzt besser?
[Elisabeth Seidel] (41:42 - 41:51) Und dann wahrscheinlich auch so ein bisschen symptombezogen. Es gibt ja auch Hopfen, Salbei, solche Geschichten, die bei Hitzewallungen auch helfen können.
[Dr. Mandy Mangler] (41:52 - 41:57) Ja, sehr gut, dass du das sagst. Das ist auch total spannend. Das kann man eben auch ausprobieren.
[Elisabeth Seidel] (42:01 - 42:18) So eine Sache oder vielleicht auch zwei Sachen, die du ändern würdest, wenn du es könntest, jetzt am Gesundheitssystem oder auch am Medizinstudium, wenn es darum geht, dass Frauen besser durch die Menopause, durch die Wechseljahre kommen.
[Dr. Mandy Mangler] (42:18 - 43:59) Oh, ich würde ganz viel ändern. Ich würde ehrlich gesagt das gesamte Gesundheitssystem ändern. Wir haben kein Gesundheitssystem, sondern wir haben ein Krankheitssystem. Also wir kümmern uns um Krankheit, aber wir kümmern uns nicht um Gesundheit. Und das ist ein bisschen traurig, schade. Wir könnten uns viel mehr um Gesundheit kümmern und dass wir alle gesund bleiben, weil das ist nämlich viel, viel besser, einer Erkrankung einen Schritt voraus zu sein, als ihr mühsam hinterher zu rennen. Und deswegen würde ich so einen starken Fokus, besonders auch für Frauen, aber für Männer auch, auf Prävention setzen, also dass man gesund lebt, dass man eine gesunde Umwelt hat, eine gesunde Umgebung, eine gesunde Arbeitswelt, gesundes Essen, gesunde Bewegung und so weiter und so fort. Da kann man extrem viel machen. Das ist so, so, so, so toll und so stark. Und wenn ich etwas aber in dem bestehenden System, was wir haben, ändern könnte, für Frauen und zum Beispiel Menopause, dann würde ich ändern, dass wir Medizin konsequent aus Geschlechterperspektive beziehungsweise aus individualisierter Medizin denken. Also dass wir nicht mehr sagen, das sind alles Menschen und die behandeln wir alle gleich, sondern dass wir uns ganz genau angucken, wen wir da behandeln. Ist es ein Mann? Ist es eine Frau? Wie alt ist die Person? Wie ist ihr Fettgewebe? Wie sind die Vorerkrankungen in der Familie? Was hat sie für ein eigenes Risikoprofil? Trinkt sie Alkohol? Raucht sie? Wie ernährt sie sich und so weiter? Und dann kann man eigentlich erst eine Person gut behandeln medizinisch, weil vorher ist es einfach so eine pauschale Gießkannenmedizin und nicht das Richtige. Also wir bräuchten schon im Studium einen ganz klaren Blick auf geschlechtersensible oder individualisierte Medizin. Und dann wird Medizin für alle, für Männer und für Frauen besser.
[Elisabeth Seidel] (44:01 - 44:12) Vielen, vielen Dank für das Gespräch zur Menopause, aber auch zur Sexualität. Es war super spannend. Ich hatte ein paar neue Erkenntnisse. Das freut mich sehr. Mir hat es auch sehr viel Spaß gemacht.