Informationen zur Podcastfolge Nr. 202 Epigenetik: Der unterschätzte Hebel für gesundes Altern. Mit Dr. Manuel BurzlerInformationen zur Podcastfolge Nr. 202 Epigenetik: Der unterschätzte Hebel für gesundes Altern. Mit Dr. Manuel Burzler

Epigenetik: Der unterschätzte Hebel für gesundes Altern. Mit Dr. Manuel Burzler

Unsere Gene sind kein starres Schicksal, dem wir hilflos ausgeliefert sind. Vielmehr bildet unsere tägliche Lebensweise ein wichtiges Fundament, das unsere Biologie im Alltag positiv beeinflussen kann.

In dieser Folge von HEALTHWISE spricht Host Elisabeth Seidel mit Dr. Manuel Burzler (approbierter Arzt und Mitgründer von Healversity) über die faszinierende Welt der Epigenetik, den Einfluss unseres Lebensstils auf den Körper und ganzheitliche Ansätze für eine gesundheitsbewusste Lebensweise.

Die Folge HEALTHWISE auf YouTube

Das Klavier der Gene: Was ist Epigenetik?

Viele Menschen glauben fälschlicherweise immer noch, dass sie ihrer Genetik komplett ausgeliefert sind. Dr. Manuel Burzler räumt mit diesem alten Mythos gründlich auf. Er definiert das Epigenom als ein dynamisches Gerüst über unseren Genen, das wie ein biologischer An- und Ausschalter funktioniert. Dieses System bestimmt flexibel, welche Erbanlagen abgelesen und in lebenswichtige Proteine übersetzt werden. 

Zur Veranschaulichung nutzt der Experte eine eingängige Metapher. Die Gene stellen dabei die Tastatur eines Klaviers dar. Die Epigenetik wiederum fungiert als der Klavierspieler, der die eigentliche Melodie des Lebens gestaltet. Dr. Manuel Burzler betont, dass wir diesen inneren Spieler durch unseren Lebensstil aktiv beeinflussen können.

Checkliste: Wertvolle Routinen für ein gutes Körpergefühl

  • Tägliche Lichthygiene: Nutzen Sie morgens direkt das natürliche Tageslicht und schützen Sie sich abends mit einer Blaulichtblockerbrille vor künstlichem Blaulicht.
  • Priorisierung des Schlafs: Sichern Sie sich jede Nacht rund acht Stunden Schlaf und beenden Sie die Nahrungsaufnahme drei bis vier Stunden vor dem Schlafen.
  • Bewusste Proteinzufuhr: Kombinieren Sie pflanzliche Proteinquellen klug – nährstoffreiche Optionen wie Sesam sind beispielsweise bei einer veganen Ernährung eine hervorragende Bereicherung für das allgemeine Aminosäurenprofil.
  • Sekundäre Pflanzenstoffe nutzen: Integrieren Sie wertvolle Pflanzenstoffe wie EGCG aus grünem Tee, Resveratrol oder Quercetin als festen Bestandteil in Ihre tägliche, ausgewogene Ernährung.

Genetik versus Epigenetik und die Rolle der SNPs

In der Gesundheitsszene werden genetische Genvarianten, sogenannte SNPs, fälschlicherweise oft als epigenetische Tests verkauft. Die klassische Genetik eines Menschen bleibt jedoch ein Leben lang fix. Sie bestimmt grundlegende biologische Voraussetzungen, wie etwa Veranlagungen im körpereigenen Nährstoffwechsel oder die hauteigene Vitamin-D-Synthese. Echte epigenetische Tests messen hingegen hochdynamische Veränderungen wie Methylierungsmuster im Kapillarblut.

Selbst genetische Voraussetzungen lassen sich durch einen gezielten Lebensstil und die passende Ernährung optimal begleiten. Ein bekanntes Beispiel ist das COMT-Enzym, das im Körper eine Rolle beim Stoffwechsel bestimmter Botenstoffe spielt. Bei einigen Genvarianten arbeitet dieses Enzym langsamer, was die körpereigene Regulation bei Belastungen beeinflussen kann. 

Belastende Formulierung Bewusstere Alternative
„Ich muss das noch erledigen.“ „Ich möchte das jetzt erledigen.“
„Ich muss leider auflegen.“ „Ich möchte jetzt lieber auflegen.“
„Typisch ich.“ „Das kann ich lernen.“
Belastende Formulierung Bewusstere Alternative
„Ich muss das noch erledigen.“ „Ich möchte das jetzt erledigen.“
„Ich muss leider auflegen.“ „Ich möchte jetzt lieber auflegen.“
„Typisch ich.“ „Das kann ich lernen.“

 

Auch langsameres Sprechen kann laut Karin Kuschik helfen, innere Unruhe zu reduzieren, da Körper und Wahrnehmung eng miteinander verbunden sind.

Nahrung als Information und der Methylkreislauf

Mikronährstoffe und sekundäre Pflanzenstoffe sind faszinierende Bestandteile unserer täglichen Ernährung. Experten wie Dr. Manuel Burzler erforschen intensiv, wie Stoffe wie Resveratrol oder EGCG aus ernährungswissenschaftlicher Sicht mit zellulären Prozessen interagieren und einen bewussten Lebensstil begleiten können. Eine naturbelassene, unverarbeitete Ernährung liefert so wertvolle Bausteine für unser allgemeines Wohlbefinden.

Ein wichtiger Schlüssel im zellulären Netzwerk ist der sogenannte Homocystein-Stoffwechsel, der eng mit den zellulären Erneuerungsprozessen verknüpft ist. Damit diese Abläufe reibungslos funktionieren, benötigt der Körper essenzielle Kofaktoren: Die Vitamine B6, B12 und Folat tragen nachweislich zu einem normalen Homocystein-Stoffwechsel bei, während Magnesium eine wichtige Funktion bei der normalen Zellteilung einnimmt. Auch Aminosäuren wie Methionin sind hierbei als natürliche Proteinbausteine von Bedeutung. Um die Versorgung mit diesen wertvollen Elementen bei einer rein veganen Ernährung optimal und genussvoll zu unterstützen, können nährstoffreiche Lebensmittel wie Sesam eine hervorragende Bereicherung des täglichen Speiseplans sein.

Checkliste: Wertvolle Bausteine für Energiestoffwechsel und Zellfunktion

  • Bioaktive B-Vitamine: Bevorzugen Sie methylierte Formen wie Methylfolat und Methylcobalamin. Diese Vitamine leisten einen wichtigen Beitrag zu einem normalen Homocystein-Stoffwechsel.
  • Ausreichend Magnesium: Sorgen Sie für eine gute Magnesiumversorgung, da dieses essenzielle Mineral nachweislich zu einem normalen Energiestoffwechsel sowie zu einer normalen Funktion des Nervensystems beiträgt.
  • Hochwertige Fettsäuren: Nutzen Sie Algenöl als Quelle für Omega-3-Fettsäuren (DHA/EPA) zur Unterstützung einer normalen Herz- und Gehirnfunktion, sowie Olivenöl, dessen Polyphenole dazu beitragen, die Blutfette vor oxidativem Stress zu schützen.
  • Gezielte Ergänzung: Ergänzen Sie Ihre tägliche, bewusste Ernährung in fordernden Lebensphasen mit traditionell geschätzten Stoffen wie Coenzym Q10 und PQQ.

Die Hierarchie der Gesundheit: Schlaf, Licht und Bewegung

Wenn es um die Optimierung des eigenen Wohlbefindens geht, existiert eine klare Hierarchie der Hebel. Dr. Manuel Burzler stellt den Schlaf unmissverständlich auf Platz eins dieses ganzheitlichen Ansatzes. Schlaf bedeutet tiefgreifende Regeneration und ermöglicht essenzielle zelluläre Erholungs- und Aufräumprozesse unseres Nervensystems im Tiefschlaf. Für eine optimale Schlafqualität sollte man acht Stunden einplanen und drei bis vier Stunden vor dem Zubettgehen nichts mehr essen.

Neben dem Schlaf spielen auch die tägliche Lichthygiene und ausreichende Bewegung eine fundamentale Rolle. Morgendliches Tageslicht unterstützt den natürlichen zirkadianen Rhythmus, während abendliches künstliches Blaulicht die körpereigene Freisetzung von Melatonin beeinflussen kann. Dabei ist eine ungestörte Melatoninbildung wichtig für die Nachtruhe, da der Botenstoff nachweislich dazu beiträgt, die Einschlafzeit zu verkürzen. Dr. Manuel Burzler empfiehlt daher das konsequente Tragen einer Blaulichtblockerbrille am Abend. Körperliche Aktivität setzt er auf die gleiche Stufe wie die Ernährung, da aktive Muskeln wichtige Botenstoffe für den gesamten Stoffwechsel und das allgemeine zelluläre Gleichgewicht produzieren.

Mentale Gesundheit bedeutet nicht perfekte Selbstoptimierung

Ein weiterer wichtiger Punkt der Folge: Selbstoptimierung kann laut Karin Kuschik schnell zusätzlichen Druck erzeugen. Sie rät deshalb dazu, nicht permanent nach der „perfekten Lösung“ zu suchen, sondern sich stärker daran zu orientieren, was im Alltag tatsächlich guttut und langfristig entlastet. Gerade kleine Veränderungen in Sprache, Haltung und Routinen können bereits einen Unterschied machen.

TAKE AWAYS

  • Dynamische Biologie: Die Epigenetik zeigt, dass unsere Gene kein starres Schicksal abbilden, sondern ein interaktives System darstellen, das wir über unseren Lebensstil und bewusste tägliche Routinen positiv begleiten können.
  • Ernährung als Fundament: Nahrung liefert wertvolle Impulse für unsere Zellen; eine pflanzen- und nährstoffreiche Kost unterstützt das allgemeine biologische Gleichgewicht und die zelluläre Harmonie.
  • Wichtige Stoffwechselprozesse: Für vitale zelluläre Abläufe benötigt der Körper essenzielle Kofaktoren: Die Vitamine B6, B12 und Folat tragen nachweislich zu einem normalen Homocystein-Stoffwechsel bei, während Magnesium eine Funktion bei der normalen Zellteilung einnimmt. Auch Aminosäuren wie Methionin dienen hierbei als grundlegende Bausteine.
  • Ganzheitliche Hierarchie: In der persönlichen Gesundheitsvorsorge steht erholsamer Schlaf an oberster Stelle, ideal ergänzt durch das gleichwertige Zusammenspiel aus ausgewogener Ernährung und regelmäßiger Bewegung.
  • Zukunftsorientierte Vorsorge: Eine personalisierte, ganzheitliche Gesundheits- und Lebensstilberatung wird in Zukunft vor allem durch die differenzierte Betrachtung genetischer Veranlagungen und epigenetischer Einflüsse an Bedeutung gewinnen.

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Dr. Manuel Burzler ist approbierter Arzt, Buchautor und einer der führenden Experten für Epigenetik, Mitochondrienmedizin und personalisierte Gesundheitsstrategien im deutschsprachigen Raum. Vor sieben Jahren war er Mitgründer des Instituts Healversity, an dem Gesundheitscoaches, Ärzte und Therapeuten im Bereich des Epigenetik-Coachings ausgebildet werden. Er kombiniert medizinisches Fachwissen mit funktioneller Diagnostik und Ansätzen der Persönlichkeitsentwicklung. 

Mehr über Dr. Manuel Burzler erfahren Sie auf seiner Website Healversity oder auf seinem Instagram-Kanal @drepigenetik

[Dr. Manuel Burzler] (0:00 - 0:13) Und Methionin bekomme ich zum Beispiel aus Sesam. Das heißt, 80 Gramm Sesam ist dann Pflicht jeden Tag. Jeder Veganer sollte 80 Gramm Sesam zu sich nehmen. Und das machen viele nicht.

[Elisabeth Seidel] (0:13 - 1:40) Herzlich willkommen zu Healthwise, dem Gesundheitspodcast präsentiert von Sunday Natural. Ich bin Elisabeth Seidel und in diesem Podcast erkunden wir gemeinsam, was es bedeutet, gesund zu sein. Wir tauchen ein in Themen wie Medizin, Bewegung, Ernährung und emotionale Gesundheit. Immer mit einem weisen Blick auf das, was uns wirklich gut tut. Herzlich willkommen zu einer neuen Folge Healthwise. Heute sprechen wir über ein Thema, das unser Verständnis von Gesundheit fundamental verändert. Epigenetik. Also die Wissenschaft, die zeigt, dass unsere Gene kein festes Schicksal sind, sondern ein dynamisches System, das wir aktiv beeinflussen können. Unser heutiger Gast bewegt sich genau an dieser Schnittstelle zwischen klassischer Medizin und modernster Wissenschaft. Dr. Manuel Burzler. Er ist approbierter Arzt, Mitgründer von Healversity und einer der führenden Experten für Epigenetik, Mitochondrienmedizin und personalisierte Gesundheitsstrategien im deutschsprachigen Raum. Was seine Arbeit besonders macht, er betrachtet Gesundheit nicht nur als das Fehlen von Krankheit, sondern als einen aktiv steuerbaren Prozess, der über Lebensstil, Zellenergie und gezielte Nährstoffversorgung beeinflussbar ist. In dieser Folge klären wir, wie viel Kontrolle wir wirklich über unsere Gene haben, warum Energieproduktion in unseren Zellen der Schlüssel zur Gesundheit ist und welche konkreten Hebel wir im Alltag nutzen können, um unsere Biologie zu optimieren. Ich freue mich ganz sehr, herzlich willkommen, Manuel.

[Dr. Manuel Burzler] (1:40 - 1:42) Danke für die Einladung, ich freue mich auch.

[Elisabeth Seidel] (1:43 - 1:59) Manuel, wann in deiner Laufbahn hast du dir gedacht, so die klassische Medizin ist nicht genug, ich muss irgendwie über den Tellerrand hinausschauen, ich will mehr erfahren, ich befasse mich mit Epigenetik oder wie kamst du überhaupt auf das Thema Epigenetik?

[Dr. Manuel Burzler] (1:59 - 3:50) Ich bin schon ein bisschen anders aufgewachsen, meine beiden Eltern sind Heilpraktiker. Und ich durfte sozusagen schon lernen, mit der Muttermilch, was bedeutet gesunde Ernährung, was bedeutet Entgiftung, was ist ein gesunder Darm und was bedeutet es, chronische Erkrankungen auf eine andere Art und Weise zu behandeln. Und schon damals am Küchentisch wurde darüber immer wieder philosophiert, was braucht das Mikrobiom, was braucht es nicht. Das war natürlich dann für mich, als ich Medizin studierte, oder ich hab Medizin anfangen wollen zu studieren, ganz neu, was ich dann eigentlich noch lernen durfte. Und hab dann aber schon auch während Medizinstudium so einen Glaubenssatz entwickelt, ich muss jetzt erst mal ganz fertig die komplette klinische Laufbahn machen. Und erst dann hört mir jemand zu und ich kann all die Dinge miteinander zusammenbringen. Und Mitte meiner 20er bin ich dann auf Epigenetik gestoßen. Auch auf das Thema funktionelle Medizin. Und hab gemerkt, ah, das, was meine Eltern da machen, ist irgendwie auch funktionelle Medizin. Ah, das gibt es in Amerika, ist ziemlich groß mittlerweile schon. Ich hol mir jetzt mal die ganzen Informationen. Und hab dann schon während Medizinstudium mich viel über Epigenetik auseinandergesetzt, aber auch viel über funktionelle Medizin. Und hab dann aber auch gemerkt, als ich mich mit Epigenetik befasst habe, wow, das ist eine Wissenschaft, die Persönlichkeitsentwicklung und funktionelle Medizin und allgemeine Medizin miteinander verbindet. Mein größter Schmerzpunkt war immer zu sehen, dass die Gesellschaft nicht versteht, wie diese Dinge zusammenhängen. Aber die Epigenetik zeigt das. Und mittlerweile sind wir so weit in der Wissenschaft der Epigenetik, dass wir sehen, wie unser Lebensstil und alles Mögliche miteinander zusammenhängt. Und mehr beeinflusst, welche Proteine wir eigentlich produzieren.

[Elisabeth Seidel] (3:52 - 4:05) Wahrscheinlich haben viele von unseren Zuhörerinnen nicht wirklich Ahnung, was Epigenetik bedeutet. Kannst du uns mal erklären, vielleicht auf eine einfache Art und Weise, was Epigenetik ist oder was das bedeutet?

[Dr. Manuel Burzler] (4:06 - 5:41) Epigenetik ist an sich eine Wissenschaft. Aber die Epigenetik oder das Epigenom ist ein Gerüst über unseren Genen, die bestimmen, welche Gene an- und ausgeschaltet werden. Man kann sich das so vorstellen, bildlich als Metapher. Deine Gene sind die Klaviertastatur eines Klaviers. Und der Klavierspieler oder die Klavierspielerin ist die Epigenetik. Und dieser Klavierspieler bestimmt, welche Gene an- und ausgeschaltet sind, welche Gene gerade mal angeschaltet werden. Und das bedeutet, was ist dann ein Gen? Wenn ein Gen abgelesen wird, ist das ein Blueprint oder ein Rezept für ein Protein, das die Zelle dann produziert. Das heißt, ein Gen wird abgelesen, daraus entsteht ein Rezept. Das Rezept wird in der Zelle abgelesen. Und das Rezept ist dann zum Beispiel ein Verdauungsenzym. Ein Immunprotein für irgendetwas oder, oder, oder. Und je nachdem, was ich brauche, wird abgelesen. Aber auch, je nachdem, wie mein Lebensstil ist, wie mein Schlaf ist, wie ich mich ernähre und vieles andere, hat Einfluss darauf, welche Gene abgelesen werden und an- und ausgeschalten sind. Also wieder mit der Metapher. Wir haben das Klavier mit den Klaviertasten. Das sind unsere Gene. Der Klavierspieler macht die Melodie. Und den Klavierspieler, den inneren Klavierspieler, können wir sozusagen beeinflussen über unseren Lebensstil. Wenn es ihm gut geht, schalten wir gute Gene an. Wenn es ihm schlecht geht, schaltet er vielleicht schlechte Gene an und spielt eine schlechte Melodie.

[Elisabeth Seidel] (5:41 - 6:01) Das ist eine schöne Metapher, eine schöne verständliche Metapher. Wie ist das denn, also viele Menschen, glaube ich, sind immer noch der Überzeugung, sie sind ihrer Genetik ausgeliefert. Wie stark ist so diese, wie stark ist diese Macht der Epigenetik, sag ich jetzt einfach mal, wie stark können wir das beeinflussen?

[Dr. Manuel Burzler] (6:01 - 7:29) Ja, die Zahlen variieren zwischen 50 Prozent und 20 Prozent. Also, dass wir 50 Prozent genetisch veranlagt sind und die anderen 50 Prozent können wir beeinflussen. Oder 20 Prozent können wir sozusagen nicht beeinflussen, weil 20 Prozent genetisch bedingt ist. Aber die Prozentzahl ist gar nicht so wichtig. Viel wichtiger ist zu wissen, dass wir Einfluss haben. Und wie viel Prozent spielt eigentlich keine Rolle. Weil es gibt nämlich Unterschiede. Wir haben genetische Genvarianten, die fix sind, die wir messen können. Zum Beispiel bestimmen, wie gut entgiften wir, wie gut können wir bestimmte Stoffe verarbeiten, wie gut können wir Vitamin D bilden und so weiter. Das ist die Genetik. Und die Epigenetik nimmt sozusagen auf, was ich denn über den Lebensstil hier verändern kann und Einfluss nehmen kann. Und wenn ich aber die Genetik weiß und meine Epigenetik, wie es gerade alles abläuft, dann habe ich richtig viel Einfluss. Ja, und da möchte ich auch sagen, es gibt halt da draußen viele sogenannte Snip-Tests. Das sind diese genetischen Tests, wo man diese Genvarianten messen kann. Und die werden häufig als epigenetische Tests verkauft. Das ist aber keine Epigenetik, das ist Genetik. Epigenetische Tests kommen jetzt erst gerade richtig auf den Markt. Und da gibt es auch nicht viele Labore, die das anbieten.

[Elisabeth Seidel] (7:29 - 7:50) Und diese Snip-Tests sind es dann sozusagen, man hört ja immer Polymorphismen, ich habe da einen Polymorphismus, das ist das, womit ich auf die Welt komme. Und es ist nicht so, dass ich vielleicht schon auf so eine Art und Weise auf die Welt komme und es hat sich dann während meines Lebens oder durch meinen Lebensstil verändert, dieser Snip? Oder kann es auch sein, dass das epigenetisch dann passiert ist?

[Dr. Manuel Burzler] (7:51 - 8:22) Genau, also genetisch gesehen, deine Gene bleiben fix. Aber dein Lebensstil hat schon noch Einfluss auf diese Snips. Warum? Weil zum Beispiel Schwermetalle, Quecksilber, Blei, Cadmium, vor allem aber Quecksilber, kann die Enzyme beeinflussen. Das heißt, mal angenommen, du hast einen Snip, einer der bekanntesten Snips ist der COMT-Snip. Für was ist COMT noch mal gut? Vielleicht kannst du es kurz sagen. COMT ist eigentlich ein Enzym, also wenn das COMT-Gen abgelesen wird.

[Elisabeth Seidel] (8:23 - 8:24) COMT, für die, die es googeln wollen.

[Dr. Manuel Burzler] (8:24 - 10:13) Genau, und wenn man da ein Protein sozusagen, daraus entsteht ein Protein und das ist ein Enzym, was Adrenalin, Noradrenalin und Dopamin abbaut. Also an sich Adrenalin, Noradrenalin, unsere Stresshormone. Entweder läuft es schnell oder langsam. Ich habe zum Beispiel ein langsam laufendes. Dadurch habe ich immer hohe Adrenalin-Noradrenalin-Pegel. Bin das gewohnt und habe auch in meiner Persönlichkeit, bin ich sehr, ich halte viel aus, ich kann viel Stress ertragen, habe aber auch immer wieder diese Level und kann auch tatsächlich viel leisten. Aber wenn bei mir eine gewisse Grenze erreicht ist, dann haut es mich richtig um. Und diese körperliche Grenze darf ich erst mal spüren. Ja, genau. Und das ist ein COMT-Snip, den gibt es aber auch zum Beispiel schnell. Und das Schnelle oder der Schnelle kommt bedeutet, das sind dann Leute von der Persönlichkeit, die zum Beispiel eher so entspannt unterwegs sind, weil die einfach Stresshormone sehr schnell abbauen. Und kommen wir auch später noch mal darauf zurück, weil dieses COMT-Enzym braucht zum Beispiel auch Methylgruppen, die auch ganz wichtig sind. Und mal angenommen, wir haben das und kennen das und entsprechend wissen das aus Grund eines genetischen Tests, dann können wir darauf reagieren mit bestimmten Supplements, mit bestimmten Möglichkeiten über den Lebensstil und epigenetisch sozusagen darauf auch reagieren. Und diese beiden Dinge zusammen geben uns sozusagen die Power zurück. Das heißt, wir sind unseren genetischen oder Genen definitiv nicht ausgeliefert, sondern wir dürfen nur wissen, mit ihnen zu arbeiten.

[Elisabeth Seidel] (10:13 - 10:33) Also an deinem Beispiel würde man jetzt zum Beispiel interpretieren, okay, du baust das Adrenalin, Noradrenalin nicht gut ab, du brauchst das Supplement, aber du könntest das auch mit zum Beispiel Achtsamkeitstechniken unterstützen, um deinen Stresspegel so ein bisschen zu balancieren. Weil du hast jetzt so eine Lifestyle-Interpretation.

[Dr. Manuel Burzler] (10:33 - 11:08) Ja, also natürlich ist es wichtig, nicht so viele Stresshormone auszuschütten, Adrenalin, Noradrenalin, also zu verstehen, wie kann ich dann dort weniger in mein System reinschubsen. Und auf der anderen Seite natürlich, wenn man so ein bisschen sagt, okay, ich möchte mehr Richtung Biohacking gehen und mehr Richtung Biochemie, zu sagen, na ja, dieses Enzym braucht Methylgruppen, also gebe ich ihm Methylgruppen, damit es vermehrt arbeiten kann. Man kann Methylgruppen einnehmen als Supplement. Also was heißt Supplement, da gibt es SAMe zum Beispiel, oder SAMe, oder B-Vitamine.

[Elisabeth Seidel] (11:08 - 11:08) Aktive B-Vitamine.

[Dr. Manuel Burzler] (11:08 - 11:17) Oder aktive B-Vitamine kann man einnehmen, damit der Methylkreislauf besser läuft, Biotin, Cholin, die essentielle Aminosäure Methionin mit unter.

[Elisabeth Seidel] (11:17 - 11:19) Kommen wir dann noch mal drauf, was Methylierung bedeutet.

[Dr. Manuel Burzler] (11:20 - 11:20) Ja, gerne.

[Elisabeth Seidel] (11:22 - 11:40) Das hat ja auch Vorstufen, also Vor Noradrenalin, Adrenalin ist ja das Dopamin, da brauchen wir dann wieder Phenylalanin, Tyrosin als Aminosäuren. Wäre es dann auch so, dass man noch ein bisschen eher ansetzt und dann schaut, okay, wie sehen meine Aminosäurespiegel aus und ich gucke mal, ob ich da vielleicht ein bisschen Support brauche?

[Dr. Manuel Burzler] (11:40 - 12:40) Genau, also prinzipiell ist es so, ich gucke immer, wie gut ist denn die Verdauung? Hat derjenige Darmprobleme, und das ist ja häufig so, wenn ja, ist da so ein Teufelskreislauf eigentlich im ganzen System. Die Menschen haben häufig eine stille Entzündung im Darm, dadurch ein Leaky Gut im Darm, dadurch auch ein Problem, nicht genug Verdauungsenzyme zu produzieren, haben einen Mangel an Verdauungsenzymen. Und dann verdauen sie auch Proteine nicht richtig. Wenn sie Proteine nicht richtig verdauen, kommen sie in einen Aminosäuremangel, weil Proteine sozusagen aus Aminosäuren bestehen. Und wenn mir die Aminosäure, z.B. L-Tyrosin fehlt oder Phenylalanin, dann produziere ich nicht genug Dopamin. Wenn ich nicht genug Dopamin produziere, auch Adrenalin und Noradrenalin nicht. Und dann komme ich schon aufgrund dessen irgendwann in einen Mangel, wenn ich zu viel Stress habe, weil ich die Vorstufe nicht habe. Oder ich habe so viel Stress, dass irgendwann meine Nebenniere sagt, ich möchte das Zeug auch nicht mehr produzieren.

[Elisabeth Seidel] (12:42 - 12:46) Spannend. Das untersuchst du dann quasi an Labortests.

[Dr. Manuel Burzler] (12:46 - 12:48) Das machen wir, ja.

[Elisabeth Seidel] (12:48 - 12:58) Jetzt meintest du ja, die Leute verwechseln diese epigenetischen Tests mit genetischen Tests, also diese SNPs oder Polymorphismen. Das ist die Genetik. Was wäre dann ein epigenetischer Test?

[Dr. Manuel Burzler] (12:58 - 16:15) Ein epigenetischer Test ist z.B., dass man sich im Epigenom anschaut. Also wir haben unsere Gene. Und oberhalb unserer Gene sind Methylgruppen. Das kann man sich so vorstellen wie ein An- und Ausschalter für die Gene. Dann weiß der Körper, hier Methylgruppe obendrauf, Gen ist ausgeschalten. Und das kann man messen, die Methylgruppe. Was man auch messen kann, sind sogenannte Mikro-RNAs. Mikro-RNAs sind kleine RNAs, die produziert werden von den Abschnitten auf der DNA, die keine Gene sind. Wir haben Gene und auch Bereiche, die keine Gene sind. Wir haben das noch im Bio-Unterricht gelernt, das ist Müll-DNA gewesen früher. Wir haben gedacht, das ist kodiert für nix. Ist aber nicht so. Also wir haben ja in unserer Zelle, in unserem Zellkern Gene auf unserer DNA. Wir haben aber auch nicht nur Gene. Das sind dann diese Mikro-RNAs, wenn die abgelesen werden. Da gab es übrigens vor zwei Jahren den Nobelpreis dafür. Für die Mikro-RNAs. Man kann die heutzutage im Blut messen, also im Kapillarblut. Das machen wir auch in Wien im Labor. Dort haben wir ein eigenes Labor. Seit 15 Jahren forschen wir nur an Mikro-RNAs. Wir haben einen Test, um das biologische Alter zu messen, die Methylgruppen. Wie alt bin ich? Wie stark werden meine Entzündungsgene an- und ausgeschaltet? Sind sie an- und ausgeschaltet? Wie stabil ist meine DNA? Wie lang sind meine Telomere? Das sind die Schutzkappen der Chromosomen. Und was kann ich tun, personalisiert, auch mit Phytonährstoffen, aber auch mit meinem Lebensstil, damit das besser wird oder vielleicht schon sehr gut ist? Da wirkt dann so was wie Grüntee-Extrakt, EGCG, Resveratrol, Quercetin, solche Sachen wirken dann dort. Oder wir haben andere Tests, wo man sich anschaut, wie gut regulierst du Stress? Hast du akuten oder chronischen Stress? Und wie wahrscheinlich sind Folgeerkrankungen, wenn du so weitermachst, wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen? Wie chronische Autoimmunerkrankungen? Oder auch Diabetes Mellitus zum Beispiel, also Typ 2. Und die Menschen sind irgendwie faul, die wollen Routinen nicht so häufig verändern und wollen eher Sachen zum Beispiel nur einnehmen. Und in der Ernährung ändern sie es schon vermehrt Dinge. Und was wir sehen, und das wissen wir aus Studien, die wir auch teilweise selbst gemacht haben, zu sehen, dass Stoffe, die in unserer Nahrung drinnen sind, wie Resveratrol, wie Quercetin, Knoblauch, Zwiebel, Resveratrol in Traubenhaut. Oder wenn wir Ballaststoffe einnehmen, werden unsere Darmbakterien ernährt und dann entsteht Butyrat. Diese wirken stressregulierend, und zwar epigenetisch. Und verbessern dann unsere Stressregulation. Und wir müssen gar nicht unsere Routinen verändern, sondern unser Körper baut besser Stress ab. Also richtig abgefahren.

[Elisabeth Seidel] (16:15 - 16:30) Also schon die Ernährung beeinflusst unseren Stresslevel. Man kennt es ja so, Magnesium hilft mir, besser mit Stress umzugehen. Oder Omega-3-Fettsäuren für meine Nervenzellen etc. Aber das ist ja noch mal ein anderes Level, super spannend.

[Dr. Manuel Burzler] (16:31 - 17:11) Ja, um zu verstehen, dass Nahrung, wenn wir uns auf Nahrung jetzt hier fokussieren, nicht nur Proteine, Fette und Kohlenhydrate sind, sondern tatsächlich ... Ja, Medizin uns die Möglichkeit gibt, oder Informationen auch. Am Ende ist es Information, die unseren Genen sagt, hey, mach mal das und das. Wenn wir uns also schlecht ernähren, dann regulieren wir Stress zum Beispiel auch anders. D.h., wenn wir die ganze Zeit Pommes essen und in den Burger uns reinpfeifen, dann essen wir auch hier Informationen, was uns dysreguliert und am Ende auch unseren Stress dysreguliert. Das wissen viele nicht. D.h., es hängt alles miteinander zusammen.

[Elisabeth Seidel] (17:12 - 17:26) Wenn wir jetzt gerade beim Thema Ernährung sind, du sagst ja auch, Mikronährstoffe sind nicht nur Brennstoff, sondern Informationen, das hast du ja auch gerade gesagt. Was bedeutet das konkret? Wie kommunizieren diese Stoffe vielleicht auch mit unserer DNA?

[Dr. Manuel Burzler] (17:27 - 18:39) Spannende sind ja sekundäre Pflanzenstoffe allgemein. Die wirken, hab ich erst mal in meiner Medizinwelt erst mal wahrgenommen als Antioxidantien. Resveratrol kennt jeder, EGCG von Grüntee, Quercetin, Kurkuma, ja, kurzes Kurkumin da drin. Und dann hab ich erfahren, wow, die wirken nicht nur antioxidativ, sondern die wirken epigenetisch als Signal. Z.B. um nicht nur Stress zu reduzieren, sondern z.B. auch, um Entzündungen zu reduzieren. Warum wie? Sie sagen z.B. dem Gen IL-6 und TNF-Alpha, das sind Entzündungsproteine, sagen dort genau an dieser Stelle, ah, ich brauch dich nicht so viel, fahr mal runter. Und dadurch wird weniger IL-6 und TNF-Alpha produziert. Und dadurch hab ich weniger Entzündungsproteine. Das heißt, es ist ein Signal. Wenn ich diese Dinge aber auch in meinem Essen habe, ist das ein Signal auf meine Gene, dass weniger Entzündung oder Entzündungsproteine produziert werden.

[Elisabeth Seidel] (18:39 - 18:57) Okay, wäre das dann auch, dass ich zum Beispiel, dass es smarter wäre, wenn ich jetzt mein Vitamin C nicht in sehr, sehr hochdosierter Form einnehme, sondern versuche das zum Beispiel jetzt über Acerola einzunehmen, weil ich da noch mal ein anderes Spektrum hab und Polyphenole.

[Dr. Manuel Burzler] (18:59 - 20:21) Ja, umso unverarbeiteter manche Dinge sind, umso positiver könnte man so sagen. Was wir versuchen, also wir brauchen an unterschiedlichen Stellen diese bestimmten Dinge. Also einmal, wenn ich jetzt sage, Vitamin C z.B., Vitamin C, Magnesium oder die B-Vitamine, die braucht man an unterschiedlichen Stellen für Enzyme und so weiter. Das sind damit die Zellprozesse oder die ganzen Enzyme und so weiter im Körper funktionieren. Die natürlichen Stoffe wie Resveratrol und so weiter, die wirken auch antioxidativ, aber sie sind noch zusätzlichen Signalgeber. Das heißt, es sind unterschiedliche Ebenen. Und umso unverarbeiteter eine Pflanze ist, umso mehr meistens sekundäre Pflanzenstoffe hat sie noch innen drin. Und ja, könnte man so pauschal sagen, ist es wahrscheinlich vorteilhafter, natürliche Stoffe zu nehmen und dadurch bestimmt mehrere Dinge zu bekommen. Aber das andere Nachteil ist halt, manchmal bekommen wir aus diesen natürlichen Stoffen nicht so viel Vitamin C raus, weil wir es nicht so gut aufnehmen können. Oder als Beispiel ist ja Kurkuma. In Kurkuma ist nur ganz, ganz wenig Kurkumin drin.

[Elisabeth Seidel] (20:21 - 20:25) Das ist eine reine Wissenschaft nur zur Kurkuminaufnahme.

[Dr. Manuel Burzler] (20:26 - 20:27) Ja, genau.

[Elisabeth Seidel] (20:27 - 20:42) Das könnte man schon studieren. Ja. Okay, aber gleichzeitig könnte man ja daraus schließen, dass ich vielleicht auch, wenn ich auf einer anderen Ebene eben diese Wirkung noch habe, dass es vielleicht gar nicht nötig wäre, sehr, sehr hohe Dosierungen zu haben.

[Dr. Manuel Burzler] (20:42 - 20:42) Mhm.

[Elisabeth Seidel] (20:43 - 20:53) Also wäre ja dann trotzdem das Vitamin C, was natürlicher wäre, gleich effektiv dem hochdosierten Vitamin C ohne Polyphenole.

[Dr. Manuel Burzler] (20:53 - 20:58) Ja, das wäre sehr schön, wenn man so lebt, dass man nicht so einen hohen Bedarf hatte.

[Elisabeth Seidel] (20:58 - 21:00) Ja, aber hat man natürlich heutzutage.

[Dr. Manuel Burzler] (21:00 - 21:01) Leider, ja.

[Elisabeth Seidel] (21:01 - 21:07) Ja, spannend. Wie siehst du das? Bist du selbst Vegetarier?

[Dr. Manuel Burzler] (21:08 - 21:08) Nein.

[Elisabeth Seidel] (21:08 - 21:09) Nein.

[Dr. Manuel Burzler] (21:09 - 21:10) Mhm.

[Elisabeth Seidel] (21:10 - 21:15) Wie ist das mit den Genen? Also was empfiehlt sich?

[Dr. Manuel Burzler] (21:15 - 21:15) Ja.

[Elisabeth Seidel] (21:16 - 21:31) Es gibt ja nicht so die eine Ernährung, die jeder fahren sollte. Kann man anhand dieser epigenetischen Tests oder auch genetischen Tests sehen? Es gibt ja viele von diesen Tests, wo man sagt, du darfst das und das essen, was hältst du davon?

[Dr. Manuel Burzler] (21:31 - 22:00) Ja, also es gibt genetische Tests, die zeigen, was vertrage ich gut, was vertrage ich nicht so gut. Also bin ich ein Proteintyp, Fetttyp oder ein Kohlenhydrattyp? Das ist durchaus valide. Also brauche ich vermehrt Kohlenhydrate, vermehrt Fette oder vermehrt Proteine. Wo wir schon wissen, auch aus epigenetischer Sicht, und da gibt es auch Studien dazu, wenn ich vermehrt zum Beispiel ... Zu viel Milchprotein ist nicht gut. Wenn ich Milch zu mir nehme, vermehrt fermentiert am besten.

[Elisabeth Seidel] (22:00 - 22:01) Kefir zum Beispiel.

[Dr. Manuel Burzler] (22:01 - 22:14) Zum Beispiel Kefir, ja. Wenn ich nicht vegetarisch unterwegs bin und Fisch esse zum Beispiel, dann zwei- bis dreimal pro Woche Fisch, wäre gar nicht so schlecht. Aber dann nicht belasteten Fisch.

[Elisabeth Seidel] (22:14 - 22:15) Was schwierig ist.

[Dr. Manuel Burzler] (22:15 - 23:19) Ja. Dementsprechend dann eher vielleicht zum Beispiel Süßwasserfische. Ja, Forelle und so weiter. Nicht Lachs zum Beispiel. Wenn ich das dann habe, dann müsste ich vielleicht auch wieder wissen, okay, da habe ich einen Mangel an bestimmten Fetten. Leinöl, Alpha-Linolensäure, Omega-3-Öl. Dann gibt es Algenöl oder auch Fischöle. Ich tendiere zu Algenöl. Genau. Und ... Auch bei tierischen Fetten, tierischen Proteinen, weiß man auch aus Studien, aus epigenetischen Studien, dass einmal pro Woche okay ist. Nicht mehr. Vor allem rotes Fleisch. Ja. Und dann geht es um ganz, ganz, ganz viele Ballaststoffe. Obst und Gemüse fünf Hände voll pro Tag. Wenn nicht, schafft beinahe keiner mehr, macht auch keiner. Dann ernährst du deine Darmbakterien. Deine Darmbakterien bilden gute Fettsäuren, die dann wieder positiv wirken. Auf deine ganze Stressregulation, epigenetisch.

[Elisabeth Seidel] (23:20 - 23:21) Kurzkettige Fettsäuren.

[Dr. Manuel Burzler] (23:21 - 24:22) Genau. Butyrat zum Beispiel. Und das ... Die ganzen Dinge hängen extrem miteinander zusammen. Und einer der wichtigsten Faktoren ist einfach am Ende die Ernährung. So ein grundlegender Pfeiler. Und wenn ich dann aber bestimmte Mängel irgendwo habe, habe ich auch ein Problem. Und heutzutage, wie wir leben, haben wir auch teilweise Mängel. Also, man ist natürlich eine Wissenschaft für sich. Aber am besten ist es natürlich, und das habe ich heute schon viel besprochen, weil ich mich auch mit einem Freund getroffen habe, er hat gesagt, das Beste ist, eigentlich so stressfrei wie möglich zu leben, damit der Körper nicht so viel im Stress ist. Aber so wie wir heutzutage leben, und auch abgeschottet von der Natur, müssen wir gucken, wo wir individuell gerade stehen. Da machen so genetische Tests Sinn, aber auch epigenetische Tests Sinn. Und wenn wir die beide zusammennehmen, dann wissen wir ziemlich genau, wo wir stehen.

[Elisabeth Seidel] (24:23 - 24:41) Okay. Du hast ja jetzt gerade schon das Thema Stress angesprochen. Aber vorher will ich noch zur Methylierung kommen. Weil wir gerade noch bei der Ernährung waren. Und Methylierung hat viel zu tun mit aktiven B-Vitaminen auch. Aber erst mal, was ist Methylierung? Kannst du es einfach erklären?

[Dr. Manuel Burzler] (24:43 - 24:44) Also ...

[Elisabeth Seidel] (24:44 - 24:45) Und warum spielt es eine Rolle bei diesem Thema?

[Dr. Manuel Burzler] (24:46 - 26:31) Methylierung, biochemisch gesehen, das ist einfach, nennt man, das ist eine Methylgruppe. Und diese Methylgruppe ist wichtig, damit wir zum Beispiel entgiften können, damit wir genug Energie bilden, damit ... Es sind unterschiedliche Kreisläufe, ist das wichtig. Und um Gene an- und auszuschalten. Diese Methylgruppe bekommen wir durch ... ... durch einen bestimmten Kreislauf. Methylkreislauf heißt der. Dafür brauchen wir Methionin, dafür brauchen wir Magnesium, dafür brauchen wir die bioaktiven B-Vitamine, wie Methylfolat zum Beispiel, Methylcobalamin B12. Da brauchen wir teilweise Selen, da brauchen wir teilweise Aminosäuren. Und wenn dieser Kreislauf gut läuft, bilde ich genug Methylgruppen, um gut zu entgiften, um Gene an- und auszuschalten, um zum Beispiel aber auch, dass mein COMT, was wir vorhin gehabt haben, gut läuft. COMT ist nämlich eine Methyltransferase. Das ist ein bisschen kompliziert. Wir brauchen eine Methylgruppe, damit die Stresshormone abgebaut werden. Und das heißt auch, weil wir bei Stress sind, wenn ich zu viel Stress habe, muss ich viel Stress abbauen. Habe ich viel Stress und muss viel Stress abbauen, brauche ich viele Methylgruppen, muss ich viel produzieren, damit ich den Stress abbauen kann. Habe ich einen Mangel an Methylgruppen, habe ich ein Problem. Mit einem Mangel an Methylgruppen entgifte ich nicht gut. Schalte ich Gene an und nicht richtig an und aus. Habe sie nicht, um die Stresshormone abzubauen. Jetzt kann man sich vorstellen, wenn ich viel Stress habe, ziehe ich dort Methylgruppen weg und habe ich sie vielleicht fehlend woanders.

[Elisabeth Seidel] (26:32 - 26:36) Okay, wie nehme ich die dann am besten auf, die Methylgruppen?

[Dr. Manuel Burzler] (26:37 - 27:12) Auf der einen Seite produziert der Körper sie selbst. Ich brauche diese Kofaktoren. Und auf der anderen Seite gibt es bestimmte Stoffe, die wir essen, wie Brokkoli, zum Beispiel Sulforaphan. Das hat auch zwei Methylgruppen drinnen. Aber der wichtigste Faktor ist tatsächlich die Eigenproduktion. Und natürlich gibt es heutzutage die Möglichkeit, Methylgruppen über bioaktive Folsäure zu sich zu nehmen. Methylfolat. Aber die Eigenproduktion ist viel bedeutsamer.

[Elisabeth Seidel] (27:13 - 27:27) Würdest du immer diese bioaktiven Formen empfehlen von den B-Vitaminen? Oder ist es so, man hört ja auch von Über- und Unter-Methylierung, dass sich das dann unterscheidet, welche Formen ich geben oder nehmen würde?

[Dr. Manuel Burzler] (27:27 - 28:24) Also, ich empfehle immer bioaktive Formen. Und warum ... Ich kenne eine alte Studie von 2012, die ist schon wieder alt, 14 Jahre her, die gezeigt hat, wenn ich normale Folsäure nehme, dass sich nicht positiv auswirkt auf den Folsäurerezeptor. Und die ... Ich weiß nicht, warum ... Also, warum man nicht dann, wenn man das weiß, und es eventuell die Möglichkeit gibt, dass es so ist, warum man das Ganze dann nicht verändert. Hat wahrscheinlich einen Preisfaktor oder wie auch immer. Aber trotzdem ist es für mich bedeutsam, wenn ich so was weiß, dann nehme ich auch nur das. Das würde ich auch nur Schwangeren empfehlen. Den vielen Schwangeren gibt man ja auch Folsäure zum Beispiel. Und denen wird meistens normale Folsäure gegeben. Warum wird denn nicht bioaktive Folsäure gegeben? Macht ja keinen Unterschied, ist nur ein bisschen teurer. Aber wenigstens sind wir dort auf der sicheren Seite.

[Elisabeth Seidel] (28:24 - 28:29) Aber ist das auch nicht die Welt jetzt an mehr, was man ausgibt?

[Dr. Manuel Burzler] (28:30 - 28:31) Nee, definitiv nicht. Für so ein Folsäure-Supplement.

[Elisabeth Seidel] (28:32 - 28:40) Aber es sind halt meistens diese Basissupplemente, die dann aufgeschrieben werden, die dann vielleicht auch noch irgendwie Cyanokobalamin drin haben.

[Dr. Manuel Burzler] (28:40 - 28:50) Oder halt einfach, es geht mehr um den Hersteller. Warum ändern die das nicht? Warum ändert nicht die Apotheke das? Wenn ich mich informiere, dann weiß ich relativ schnell, warum das wichtig ist, ja.

[Elisabeth Seidel] (28:53 - 29:27) Okay. Thema Stress, du hast es schon angeschnitten. Du meintest ja, wir haben heute mehr Stress als früher. Zum einen interessiert mich, woran liegt das? Dann ist natürlich auch die Frage, okay, wir passen uns ja immer an. Es ist ja irgendwie auch eine Evolution, die stattfindet. Ist es auch so, dass wir mehr tolerieren können? Passen wir uns dem neuen Lebensstil an? Oder ist es schon noch so, dass wir eigentlich, ja, noch die gleiche Biologie haben wie vor 500 Jahren?

[Dr. Manuel Burzler] (29:27 - 29:47) Ja. Wir sind, glaube ich, mittlerweile ... Wir leben nicht mehr als Mensch das Leben, wofür der Körper gemacht ist. Vor 100 Jahren haben wir noch länger geschlafen, über neun Stunden. Wir waren noch mehr an der Sonne, haben uns nicht so viel mit Sonnencreme eingeschmiert.

[Elisabeth Seidel] (29:47 - 29:49) Mehr Erdung gehabt auch wahrscheinlich.

[Dr. Manuel Burzler] (29:49 - 31:39) Ja, waren mehr barfuß unterwegs, mehr Erdung. Und, und, und. Und auch die Nahrung war sauberer. Ja, die Nahrung hat auch noch mehr beinhaltet. Und dementsprechend, so wie wir leben, bilden wir auch mehr Stress, Stresshormone. Und haben einfach mehr chronischen Stress und dadurch auch einen höheren Verbrauch an unterschiedlichen Dingen. Und nicht nur das, sondern auch unser Lebensstil gibt uns nicht mehr so viel wie früher. Das heißt erst mal, es sind so wichtige Dinge wie ... Wenn ich nicht genug rausgehe und an die Sonne gehe, dann bilde ich nicht genug Vitamin D. Auch schon bei den Kindern. Wenn ich nicht genug Fisch esse, hab ich einen Omega-3-Mangel. In unseren Breitengraden sehr häufig. Wenn ich viel Stress habe, hab ich einen hohen Verbrauch an Magnesium. Nicht nur, um den Stress zu verarbeiten, sondern auch Magnesium, haben wir vorhin gelernt gemeinsam, wir brauchen Magnesium, um Methylgruppen zu bilden. Und der Lebensstil, den wir heutzutage führen, führt leider zu diesen Mängeln. Und man muss ganz schön konsequent sein, wenn man nicht supplementiert. Und das sag ich nicht nur, weil ich jetzt hier in diesem Podcast bin, sondern ich supplementier auch super viel. Und das sag ich auch in meiner Ausbildung. Heutzutage kann man gerne mal nachmessen. Und das alles messen lassen und dann am Ende kommt raus, genau diese Dinge, die ich gesagt hab, haben wir, wenn wir sie nicht supplementieren, sowieso Mangel. Und das löst auch wieder Stress aus, das ist ein Teufelskreislauf. Oder weil wir Stress nicht so gut verarbeiten können. D.h. unsere Lebensweise setzt uns schon unter Stress. Und wir kommen in einen Teufelskreislauf, wenn wir es nicht verändern, bleiben wir weiter im Stress.

[Elisabeth Seidel] (31:40 - 32:27) Was sagst du zu Lichthygiene? Wir sitzen jetzt im sehr hellen Licht. Aber das ist ja auch so ein Faktor. Wir sind jetzt hier in Berlin, es gibt natürlich eine unglaubliche Lichtverschmutzung. Es ist super laut, es ist nie wirklich still. Und es sind ja ganz, ganz wichtige Prozesse für unseren Körper, schon irgendwie initial morgens eigentlich das Sonnenlicht zu sehen. Das ist jetzt was, was wahrscheinlich viele kennen. Aber auch abends ein natürliches Licht zu bekommen, Vitamin D zu produzieren, das ist ja wahrscheinlich gar nicht unbedingt für alle möglich in dem Umfeld, wie sie leben. Wie denkst du, wie wichtig ist für diese Stresstoleranz dieser zirkadiane Rhythmus, aber auch der Kontakt zur Natur?

[Dr. Manuel Burzler] (32:30 - 33:43) Also einer der wichtigsten Momente während des Tages ist, in der Früh sich mit Tageslicht zu verbinden. Am besten raus, direkt an die Sonne, egal, ob es bewölkt ist, Augen Richtung Himmel, Richtung Sonne. Wenn die Sonne schon zu weit draußen ist, dann ist es ein bisschen zu viel. Aber normales Tageslicht abzubekommen, damit der zirkadiane Rhythmus wieder in Schwung kommt, sich richtig einstellt, Melatonin, unser Schlafhormon, abgebaut wird. Das passiert durch natürliches Licht. Das Licht, jetzt auch hier in dem Studio, ist Blaulicht oder hat viel Blaulicht. Und das schränkt zum Beispiel am Abend unsere Melatonin, unsere Schlafhormonproduktion ein. Was dazu führt, dass wir am Ende nicht so gut schlafen, nicht so gut einschlafen, schlechteren Schlaf haben, wieder in die Entzündung kommen, weil Melatonin auch ein sehr starkes Antioxidans ist in unserem Körper, unser Gehirn auch entgiften lässt. Und wir dürfen wieder lernen, entweder damit umzugehen und dann zum Beispiel eine Blaulichtbrille zu tragen am Abend. Oder ... Rotlicht. Rotlicht zu haben. Ich hab zum Beispiel zu Hause Rotlicht.

[Elisabeth Seidel] (33:43 - 33:43) Ich auch.

[Dr. Manuel Burzler] (33:43 - 33:46) Ja. Wir Nerds, ja.

[Elisabeth Seidel] (33:46 - 33:47) Die Brille auch.

[Dr. Manuel Burzler] (33:47 - 34:19) Ja. Zum Beispiel, ich hab jetzt die letzten Tage mal die Brille nicht getragen. Und gestern im Hotelzimmer hab ich gesagt, ich muss heute gut schlafen. Das ist so Druck, ja. Wir haben heute einen langen Tag. Und hab die Brille getragen und nach einer halben Stunde hab ich gemerkt, oh, geil, ich werd müde. Und ich werd so müde wie so ein kleines Kind wie früher. Das kennt man gar nicht mehr. Aber durch diese Blaulichtbrille bei mir passiert das. Und das ist einer der wichtigsten Hacks, die man aus diesem Podcast hier rausnehmen kann. Holt euch mal so eine Blaulichtbrille.

[Elisabeth Seidel] (34:20 - 34:31) Ja, das stimmt. Wie steht's um das Thema Bewegung? Gibt's da wichtige Erkenntnisse, was das so für einen Einfluss hat auf unsere Genetik, Epigenetik?

[Dr. Manuel Burzler] (34:32 - 35:10) Bewegung ist beinahe genauso wichtig wie Ernährung. Nicht beinahe. Da würd ich auf die gleiche Stufe setzen. Das wurde lange wahrscheinlich nicht so stark behandelt wie die Ernährung. Jeder hätte gesagt, na ja, wenn ich's einordnen müsste, würd ich sagen, Ernährung ist wichtiger wie Bewegung. Stimmt nicht. Es muss mindestens auf die gleiche Stufe. Weil wenn wir genug Muskulatur bilden, bilden wir auch sehr viel Proteine, bestimmte anti-entzündliche Stoffe, die unsere Muskulatur produziert. Im Alter nehmen wir an Muskulatur ab. Dementsprechend ist es superwichtig, da immer wieder nachzusorgen.

[Elisabeth Seidel] (35:12 - 35:22) Da kommt auch die Proteinversorgung ins Spiel. Jetzt hast du ja gesagt, einmal wöchentlich rotes Fleisch.

[Dr. Manuel Burzler] (35:22 - 35:23) Mhm.

[Elisabeth Seidel] (35:23 - 35:27) Oder weißes geht auch, wenn's kein Schwein ist wahrscheinlich.

[Dr. Manuel Burzler] (35:27 - 35:28) Nein, das würd ich jetzt auch meinten, ja.

[Elisabeth Seidel] (35:30 - 35:32) Welche Proteinquellen empfiehlst du denn?

[Dr. Manuel Burzler] (35:32 - 36:03) Also, ich würd die wichtigsten ... Ganz grundsätzlich nur, weil ich nicht Vegetarier bin, heißt das nicht, dass ich vegan oder vegetarisch lebe und sage, ich esse Fleisch. Da geht's um die Qualität. Das heißt, wenn man das macht, dann eine gute Qualität. Und praktisch nicht so häufig. Die restliche Zeit sollte vor allem vegetarisch sein. Also Bohnen, Linsen, so welche Dinge. Die darf man lange kochen.

[Elisabeth Seidel] (36:04 - 36:05) Und einweichen.

[Dr. Manuel Burzler] (36:05 - 37:28) Und einweichen. Warum lange kochen? Die sollen so richtig matschig sein. Wenn man Linsen und Bohnen zum Beispiel kocht, das dauert eigentlich zwei bis drei Stunden, das macht kaum jemand. Dann kriegst du da deine Proteinquellen raus. Problem ist, dass man dann häufig irgendwann in den Mangel kommt an einzelnen Aminosäuren. Das heißt, man darf sich auseinandersetzen, welche Dinge darf ich miteinander kombinieren, damit ich Proteinquellen habe, die mich auch mit genug Aminosäuren versorgen. Wenn ich kein Fleisch esse oder keinen Fisch esse, dann fehlt mir das. Ei gibt einem noch mal ein ganz gutes Aminosäurespektrum dazu. Aber wenn ich vegan lebe, gar keine tierischen Produkte, wird das schwer. Dann fehlt einem meistens Methionin und Lysin. Und Methionin bekomme ich zum Beispiel aus Sesam. Das heißt, 80 Gramm Sesam ist dann Pflicht jeden Tag. Jeder Veganer sollte 80 Gramm Sesam zu sich nehmen. Und das machen viele nicht. Aber in der indischen Welt, warum gibt es da so viele Sesamsoßen? Oder in der indischen oder in der asiatischen Welt ist sehr häufig Sesam mit dabei. Weil die Menschen dort ja sehr viel vegetarisch leben. Aber Sesam ist so ein Komplimentär dazu. Das ist total spannend. Und wir hier in der westlichen Welt haben das dann verlernt.

[Elisabeth Seidel] (37:29 - 37:40) Das wusste ich eigentlich, dass der Sesam so viel Methionin hat. Aber das ist ja eine leichte Intervention. Das kann man mitnehmen, neben der Blaulichtbrille, Sesam.

[Dr. Manuel Burzler] (37:40 - 37:41) Ja, genau.

[Elisabeth Seidel] (37:42 - 38:03) Du hast ja jetzt gesagt, Bewegung ist genauso wichtig wie Ernährung. Gibt es denn da so eine Hierarchie, wie du sagen würdest? Würde ich erst anfangen, meinen Stress abzubauen und dann meine Ernährung zu optimieren? Obwohl die Ernährung ja eigentlich auch den Stress beeinflusst. Oder würde ich erst anfangen, oder ist das eigentlich alles das Fundament von Gesundheit?

[Dr. Manuel Burzler] (38:04 - 38:19) Wenn ich eine Hierarchie bilden müsste, dann würde ich sagen, Schlaf ist number one. Schlaf ist Heilung. Viele wissen nicht, wie gut eine Schlafqualität sein kann. Und was es bedeutet und was es für ein Change fürs ganze Leben ist.

[Elisabeth Seidel] (38:20 - 38:20) Wie viele Stunden?

[Dr. Manuel Burzler] (38:21 - 38:55) Acht Stunden tatsächlich. Vor Mitternacht? Das ist super individuell, weil da habe ich noch keine abschließende wissenschaftliche Meinung gebildet, weil es viele Menschen gibt, die unterschiedliche, genetisch gesehen, auch andere circadiane Rhythmen haben. Also so eine allgemeine Empfehlung kann man da nicht so geben. Ich glaube, da darf man selber schauen. Was man aber allgemein sagen kann, vom Schlafen gehen nicht mehr so viele Essen. Lieber drei, vier Stunden davor aufhören zu essen. Das hat einen großen Einfluss.

[Elisabeth Seidel] (38:55 - 39:13) Jetzt hatte ich dich unterbrochen. Du hast gemeint, Schlaf ist ganz wichtig. Was ja auch wichtig ist, im Tiefschlaf, also man braucht den Tiefschlaf, um auch das Gehirn richtig entgiften zu können. Also wenn man zu wenig davon abbekommt, ist das auch nicht unbedingt förderlich.

[Dr. Manuel Burzler] (39:14 - 40:39) Nee, vielleicht manche, die mich verfolgen, wir haben vor zwei, drei Jahren bei Healversity mit Unity einen Film rausgebracht, der heißt More Than Genes. Da geht es um die Heilungsgeschichte von meiner damaligen Partnerin Larissa. Und unsere Liebesgeschichte, wie sie heilen konnte. Und es wurden mehrere Menschen interviewt. Joe Dispenza, Mark Hyman, Bruce Lipton, Satguru, Terry Walls, sind auch viele Amerikanische aus der funktionellen Medizin, also Speaker aus der funktionellen medizinischen Szene. Und ... ich habe dort erlebt, mit Larissa noch einmal ganz klar zu sehen, wie bedeutsam in ihrer Heilung der Schlaf war. Den hat sie ganz am Anfang, als wir uns schon kennengelernt hatten, als sie dann krank geworden ist, schwer krank, gesehen, wie sie Schlaf priorisiert hat und was das dann für Auswirkungen hatte. Und da kann ich einfach nur sagen, Schlaf ist Heilung. Schlaf gibt dem Körper die Möglichkeit, es zu regenerieren, aber auch vor allem das Gehirn. Und auch, wenn wir Schlaf nicht priorisieren, kann es sein, dass wir über 20, 30 Jahre hinweg stille Entzündungen im Gehirn produzieren dadurch. Und die Wahrscheinlichkeit vielleicht für Demenz erhöht ist.

[Elisabeth Seidel] (40:40 - 40:54) Also Schlaf auf die Nummer eins. Ja. Große Namen auch, die du gerade genannt hast, für die Leute, die dich kennen. Die Speaker und Mediziner. Könnt ihr gerne mal nachschauen.

[Dr. Manuel Burzler] (40:55 - 40:56) Ja, toller Film geworden, wirklich ganz, ganz toll.

[Elisabeth Seidel] (41:00 - 41:06) Was ist deine Meinung? Wird die Medizin oder muss die Medizin in Zukunft personalisierter werden?

[Dr. Manuel Burzler] (41:07 - 43:38) Ja, leider, nicht leider. Wenn wir uns die genetische SNP-Forschung anschauen und die epigenetische Forschung, dann sehen wir ganz klar, jeder steht an einem anderen Punkt. Wenn wir über Prävention sprechen, dürfen wir personalisiert vorgehen. Und da helfen nur epigenetische Tests. Weil ich ja nicht weiß, ob diese SNPs gerade aktiv sind oder nicht. Oder wie inwieweit die gerade relevant sind. Die epigenetischen Tests zeigen mir, wo stehe ich gerade und wie verändere ich es. Aber da geht's halt erst mal hin. Die genetischen Tests, die SNP-Tests, die machen durchaus auch Sinn, weil sie ja ... seit der Geburt sind und wir mithilfe dieser SNP-Tests und der epigenetischen Tests ein gutes Bild bekommen. Das ist der präventive Teil. Da würde ich sagen, so sieht die Prävention aus. Wenn wir über Therapie sprechen, sehe ich es genauso. Bei Therapie dürfen wir aber noch eine andere Ebene dazunehmen, und zwar funktionell-medizinische Diagnostik. Um auch zu schauen, wo sind meine Mängel, wie funktionieren meine Mitochondrien, meine Energiekraftwerke, wie sieht meine Zellmembran aus. Das sind dann so noch eine andere Ebene. Wo ich dann auch noch mal sagen kann, therapeutisch gesehen, wie kann ich hier noch eingreifen. Das sind diese beiden Ebenen. Und dann geht es noch mal ganz spezifischer. Denn ... mittlerweile, auch dank der Epigenetik, wird in Zukunft eine Sache möglich sein. Zu schauen ... bei Krebs. Habe ich schon ... Krebs, also habe ich Krebs, ja oder nein? Und mithilfe dieser Mikro-RNAs, mit denen ich die genannt habe, könnte man schauen, habe ich eventuell schon ganz spezifische Mikro-RNAs für bestimmte Tumorarten? Wenn ja, wie viel? Und wenn dann was Positives rauskommt, schicke ich denjenigen ins MRT. Und im MRT kommt aber raus, der hat nix. Aber du hast das schon im Blut gesehen, die Mikro-RNAs. Was wäre, wenn man hier noch über den Lebensstil eingreifen könnte? Bevor es wirklich ausbricht, rein klassisch-schulmedizinisch. Und ich denke, dahin wird die Forschung gehen.

[Elisabeth Seidel] (43:39 - 43:43) Das kann man aber noch nicht testen. Oder kann man das jetzt schon testen?

[Dr. Manuel Burzler] (43:43 - 43:44) Nee, das ist noch Stand der Forschung.

[Elisabeth Seidel] (43:44 - 43:49) Aber ihr in Wien, ihr testet schon andere Formen von Mikro-RNA.

[Dr. Manuel Burzler] (43:49 - 44:19) Ja, wir in unserem Labor, Health Biocare heißt es in Wien, ist aus der Uni Wien entstanden. Und gibt es seit über zehn Jahren und ist einer der führenden weltweiten Forschungsgruppen für Epigenetik. Und wir messen diese Dinge, wie stark bist du im Stress epigenetisch, wie ist dein biologisches Alter und wie kannst du personalisiert darauf eingehen? Absolut faszinierend und auch präventiv verändernd für viele.

[Elisabeth Seidel] (44:19 - 44:23) Ist das jetzt auch schon zugänglich für Leute, die das gerne machen wollen?

[Dr. Manuel Burzler] (44:24 - 44:29) Kann man einfach auf die Webseite gehen dort und die Tests buchen und kaufen für sich zu Hause.

[Elisabeth Seidel] (44:29 - 45:11) Okay, Kapillarblut, das heißt im Finger. Du hast jetzt noch mal kurz die Mitochondrien erwähnt. Funktionelle Medizin, Orthomolekulare Medizin, wie sie alle heißen, sie fokussieren sich ja alle auf die Mitochondrien. Also quasi die Kraftwerke unserer Zellen. Würdest du sagen, dass das auch wichtig ist, also die Energieproduktion, wie ich ATP, also Zellenergie, produziere, wie viel davon, um überhaupt fähig zu sein, irgendwie meine DNA vernünftig bilden zu können oder zu heilen? Oder Körperprozesse stattfinden lassen zu können?

[Dr. Manuel Burzler] (45:12 - 46:49) Definitiv, also unsere Mitochondrien sind unsere Energiekraftwerke und die sind ganz speziell aufgebaut. Die sind irgendwann mal in den Organismus hineingekommen zu uns und haben überhaupt das Menschliche im Leben erst möglich gemacht und haben dadurch auch eine Doppelmembran und auch eine eigene DNA. Und die brauchen bestimmte Co-Faktoren, die bilden also sozusagen Energiemoleküle und es läuft ganz speziell in diesen Mitochondrien ab. Und wir haben bestimmte Körperzellen wie Herzzellen, die haben ganz viele Mitochondrien, damit die funktionieren, weil sie viel Energie brauchen. Unser Mitochondrium braucht zum Beispiel auch die Öle, die wir genannt haben, die Fettsäuren, die wir genannt haben, Omega-3, Alpha-Linolen-Säure aus Leinöl und so weiter. Oder auch Ölsäure aus Olivenöl für die Membran. Dann braucht so ein Mitochondrium zum Beispiel auch, um auch richtig Energie zu bilden, Coenzym Q10 oder auch ein anderes starker Elektronentransporter ist, zum Beispiel auch PQQ. Gibt es auch noch nicht so lange, die letzten zehn Jahre ist das immer bekannter geworden. Aber wir brauchen auch die B-Vitamine, wir brauchen Mineralien wie Magnesium dafür, Kupfer dafür. Und wir brauchen auch eine gute Versorgung von Aminosäuren. Eine gute Versorgung von Vitamin D, von Vitamin A, Vitamin K2 teilweise auch, damit das alles funktioniert. Wenn nur ein Teil davon nicht ordentlich abläuft, bildet schon weniger Energie.

[Elisabeth Seidel] (46:51 - 46:55) Man muss ja eigentlich jeden Tag sein Körpergewicht an ATP produzieren.

[Dr. Manuel Burzler] (46:55 - 46:58) Ja, das ist auch Wahnsinn. Das geht kiloweise.

[Elisabeth Seidel] (46:59 - 47:09) Und das durch diese kleinen Zellorganellen. Superspannend. Allein damit könnte man sich schon ähnlich lange beschäftigen wie mit Kurkumin.

[Dr. Manuel Burzler] (47:10 - 47:12) Das ist eine eigene Medizin eigentlich.

[Elisabeth Seidel] (47:13 - 47:29) Aber eigentlich auch die Basis für alles, was da ist, sollte man sich schon mal angucken. Superspannend. Ich würde gerne noch was fragen zu deiner Healversity. Was ist das? Was macht ihr da?

[Dr. Manuel Burzler] (47:30 - 50:56) Healversity haben wir vor sieben Jahren gegründet. Es ist ein Institut, bei dem wir Menschen ausbilden, Gesundheitscoaches, Ärzte, Heilpraktiker, aber auch interessierte Laien oder Menschen, die sich mit Gesundheit beschäftigen wollen im Bereich Epigenetik. Man kann bei uns Epigenetik-Coach werden. Wir waren diejenigen, die in den ganzen Dachraum des Epigenetik-Coaching bekannt gemacht haben. Also all die Faktoren, die auf deine Gene wirken, auf deine Epigenetik wirken, lernt man bei uns. Man lernt diese genetischen Tests. Man lernt, die Epigenetik-Tests zu lesen. Und wie man das mit Klienten machen kann. Also Gesundheitscoaching, Epigenetik-Coaching. Oder das auch in der Therapie anzuwenden für Ärzte, Heilpraktiker. Und es ist so schnell gewachsen in den letzten sieben Jahren, dass wir mittlerweile, wir bieten auch eine funktionelle medizinische Ausbildung an. Wir bilden eine Ausbildung im Traumabereich an. Und sind damit im Moment, ja, führen den kompletten Markt damit an. Und sind super authentisch, Timo und ich. Wir bringen sehr, sehr ehrlich. Wir versuchen, dieses Wissen sehr praxisnah in die Gesellschaft damit zu tragen. Und unsere Vision und Mission ist gewesen, das Gesundheitsbewusstsein der Gesellschaft positiv zu verändern. Wir haben uns damals gefragt, okay, machen Timo und ich das alleine? Also auch mit einer eigenen Praxis oder mit Retreats? Und machen diese Retreats? Und dann ist uns bewusst geworden, Anfang 30 tatsächlich, wow, wie erreicht man denn viele Menschen? Wir brauchen Multiplikatoren. Und dann haben wir damals vor sieben Jahren einfach den Mut gehabt und haben Healversity gegründet und das Epigenetik-Coaching. Das ist die ersten Jahre so durch die Decke gegangen. Ich weiß noch, als der Erste abgeschlossen hatte damals die Ausbildung, also gekauft hatte, hab ich mir gedacht, ich bin 29, was wollen die denn von mir? Ich hab zwar wirklich viel Wissen und bin ein krasser Nerd, ein Wissensnerd, aber der ist 20 Jahre älter und irgendwie seit zehn Jahren Heilpraktiker. Aber das Interessante war, wir haben halt einfach dort neuartiges Wissen gezeigt und die Ausbildung ist immer noch sehr erfolgreich. Und ich hab letztes Mal einen Vortrag gehalten. Ich hab eine Superpower. Und das wurde mir erst die letzten Jahre bewusst, weil ich gedacht hab, das kann jeder. Aber es ist nicht so. Meine Superpower ist, dass ich Dinge aus der Funktionellmedizin, Alternativmedizin und, und, und schon seit meiner Kindheit aufgenommen habe und miteinander kombiniere mit Persönlichkeitsentwicklung und alles und strukturiert weitergeben kann. Und immer wieder, wenn ich neue Dinge erfahre, sie wieder strukturiert einsetze in die unterschiedlichen Dinge oder in das ganze Coaching oder Therapiemaßnahmen. Und ich kombiniere diese Dinge, also ich füge sie in dieses ganze System für mich selber erst mal ein und versuche es dann nach außen zu tragen. Und ich hab immer gedacht, das kann jeder. Aber es ist tatsächlich nicht so. Das musste ich jetzt lernen die letzten Jahre. Und hab halt da gesagt, okay, dazu stehe ich, ist meine Superpower und ich lass euch teilhaben an meiner Superpower.

[Elisabeth Seidel] (50:57 - 51:04) Das ist schön. Du hast auch zwei Bücher geschrieben. Das hast du mal mitgebracht.

[Dr. Manuel Burzler] (51:05 - 51:09) Ich habe das neueste Buch, Epigenetik-Coaching erlernen.

[Elisabeth Seidel] (51:09 - 51:10) Das kam erst raus dieses Jahr.

[Dr. Manuel Burzler] (51:10 - 51:24) Genau, erlernen und gezielt anwenden. Vor allem beim TRIAS-Verlag. Also wissenschaftliche Erkenntnisse und praktische Anleitungen für ein langes, gesundes Leben. Kann man sich echt mal durchlesen. Es steht viel über Epigenetik-Coaching drin.

[Elisabeth Seidel] (51:24 - 51:28) Also auch für Laien geeignet? Oder muss man schon Vorwissen haben?

[Dr. Manuel Burzler] (51:28 - 51:40) Nee, auch für Laien. Aber für absolute Laien ist unser erstes Buch Gute Gene einschalten, schlechte Gene ausschalten. Das ist tatsächlich ein komplettes Laienbuch.

[Elisabeth Seidel] (51:41 - 51:47) Also für Interessierte, wo findet man dich eigentlich? Auf Instagram oder eine Website?

[Dr. Manuel Burzler] (51:47 - 51:56) Also mich findet man unter dr.epigenetik auf Instagram. Oder healiversity.com, dort findet man die ganzen Ausbildungen. Super.

[Elisabeth Seidel] (51:59 - 52:02) Was ist dein Lieblings-Supplement? Hast du eins?

[Dr. Manuel Burzler] (52:03 - 52:04) Ja, Magnesium.

[Elisabeth Seidel] (52:04 - 52:08) Magnesium? Das sage ich auch immer. Sagen viele.

[Dr. Manuel Burzler] (52:09 - 52:25) Ein bestimmtes? Nee, tatsächlich nicht. Ich nehme so eine 7er-Kombination. Und das zweite ist tatsächlich, und das sehe ich, das ist einer der powervollsten Second-Erb-Pflanzenstoffe, das EGCG. Das hört man auch immer wieder, das grüne Tee. Trinke ich ja auch gerade.

[Elisabeth Seidel] (52:25 - 52:26) Katechine.

[Dr. Manuel Burzler] (52:26 - 52:37) Ja, wir sehen das in unseren epigenetischen Tests. Die Menschen, die lange grünen Tee trinken oder EGCG zu sich nehmen, zeigen das beste biologische Alter.

[Elisabeth Seidel] (52:38 - 52:43) Aus welchen Faktoren setzt sich das biologische Alter zusammen?

[Dr. Manuel Burzler] (52:45 - 53:34) Es gibt die sogenannte Horvath-Uhr. Die sagt, an bestimmten Stellen muss eine Methylgruppe sein oder nicht sein. Und dann wird das gemessen, das ist ein Algorithmus. Das ist aber ein altes Messen. Wir bei uns im Labor bei der HealthBioCare in Wien, so heißt auch die Webseite healthbiocare.com, wo es auch die Tests gibt, messen wir zusätzlich die Entzündungsfaktoren, die DNA-Stabilität und die Telomere-Länge. Und machen daraus das Alter. Wie altern wir am schnellsten durch Entzündungen, durch stille Entzündungen in unserem Körper? Das nennt man auch in der Wissenschaft Inflammaging. Wir dürfen die Entzündungen im Körper reduzieren, damit wir nicht mehr so schnell altern. Der Lebensstil, den wir führen, entzündet uns permanent.

[Elisabeth Seidel] (53:35 - 53:57) Also müssen wir ständig gegensteuern. Wobei man natürlich differenzieren muss. In manchen Situationen braucht man natürlich auch die Entzündung. Damit schließen wir jetzt ab. Herzlichen Dank, schön, dass du hier warst. Es war super spannend. Ich freue mich, noch mehr von dir zu hören und mal in dein Buch zu schauen.

[Dr. Manuel Burzler] (53:58 - 54:00) Macht's gut, vielen Dank für die Einladung.

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