

Ballaststoffe: Warum dein Darm sie wirklich braucht
Ballaststoffe gelten oft nur als „Verdauungshelfer“ – dabei spielen sie laut Dr. Viola Andresen eine deutlich größere Rolle. In dieser HEALTHWISE-Folge spricht Host Jason Raffington mit der Magen-Darm-Expertin Dr. Viola Andresen über aktuelle wissenschaftliche Erkenntnisse rund um die verschiedenen Ballaststoffarten und ihre Eigenschaften. Im Fokus stehen dabei die Ernährungsgewohnheiten, der Austausch über das Mikrobiom sowie praktische Strategien, wie sich Ballaststoffe alltagstauglich integrieren lassen.
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Warum Ballaststoffe lange unterschätzt wurden
Der Begriff „Ballaststoffe“ wirkt bis heute irreführend. Dr. Viola Andresen erklärt, dass man früher davon ausging, diese Bestandteile der Nahrung seien für den Körper wertlos, weil sie im Dünndarm nicht aufgenommen werden.
Heute zeigt sich jedoch ein anderes Bild: Ballaststoffe übernehmen wichtige Aufgaben im Verdauungssystem und dienen unter anderem als Nahrung für Darmbakterien.
Besonders spannend dabei: Während unsere Vorfahren deutlich mehr Ballaststoffe konsumierten, liegt die durchschnittliche Zufuhr heute häufig deutlich niedriger.
Was Ballaststoffe im Darm bewirken
Ballaststoffe gelangen unverdaut in den Dickdarm. Dr. Andresen erklärt in der Folge, welche verschiedenen Funktionen dort genauer untersucht werden:
- wie bestimmte Ballaststoffarten das Stuhlvolumen erhöhen
- auf welche Weise sie Flüssigkeit binden
- ihren Einfluss auf die Darmmotorik
- ihre Rolle als Nahrungsquelle für Darmbakterien
Sie erläutert, dass die Darmbewegung unter anderem durch Druck auf die Darmwand ausgelöst wird und wie ein größeres Volumen den Weitertransport des Stuhls unterstützen kann. Gleichzeitig wird besprochen, wie Ballaststoffe dazu beitragen können, Flüssigkeit im Stuhl zu halten, wodurch dieser weicher bleibt. Besonders wichtig: Nicht nur die Häufigkeit des Stuhlgangs ist entscheidend, sondern auch die individuelle Verträglichkeit und Konsistenz.
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Mikrobiom: Warum Vielfalt wichtiger ist als Perfektion
Ein weiterer Schwerpunkt der Folge ist das Darmmikrobiom. Dr. Andresen betont, dass jeder Mensch ein sehr individuelles Mikrobiom besitzt und pauschale Aussagen oft schwierig sind. Sie erklärt außerdem, dass viele klassische Stuhlanalysen zur reinen Bestimmung einzelner Bakterien wissenschaftlich nur eingeschränkt aussagekräftig sind. Im Vordergrund steht deshalb weniger die Frage, welche Bakterien exakt vorhanden sind – sondern vielmehr, welche Stoffwechselarbeit sie leisten. Entscheidend scheint dabei vor allem Vielfalt zu sein:
- unterschiedliche pflanzliche Lebensmittel
- verschiedene Ballaststoffquellen
- abwechslungsreiche Ernährung
Je vielfältiger das Angebot an Ballaststoffen, desto vielfältiger können laut Dr. Andresen auch unterschiedliche Bakterienpopulationen reagieren.
Ballaststoffe und Stoffwechsel: Warum sie länger satt machen
Dr. Viola Andresen beschreibt mehrere Mechanismen, über die Ballaststoffe den Alltag beeinflussen können.
Ballaststoffreiche Mahlzeiten können unter anderem dazu beitragen, dass:
- der Magen stärker gefüllt wird
- die Magenentleerung langsamer erfolgt
- Mahlzeiten länger sättigen können
Besonders lösliche Ballaststoffe, etwa Beta-Glucane aus Hafer, werden im Podcast im Zusammenhang mit einem langsameren Blutzuckeranstieg nach Mahlzeiten eingeordnet.
Außerdem entstehen bei der Verarbeitung bestimmter Ballaststoffe durch Darmbakterien sogenannte kurzkettige Fettsäuren wie Butyrat. Diese werden im Gespräch im Zusammenhang mit der Darmbarriere thematisiert.
Resistente Stärke: Der unterschätzte Ballaststoff
Ein besonders praktischer Tipp aus der Folge ist sogenannte resistente Stärke. Dabei handelt es sich um Stärke, die nach dem Kochen und anschließendem Abkühlen teilweise umgewandelt wird und für den Körper nicht mehr vollständig verfügbar ist.
Dr. Andresen nennt als Beispiele:
- Kartoffeln
- Reis
- Nudeln
Werden diese Lebensmittel nach dem Kochen über mehrere Stunden gekühlt, entsteht ein Teil resistenter Stärke. Diese dient wiederum als Nahrung für Darmbakterien und zählt zu den Ballaststoffen, so Dr. Andresen.
Warum Ballaststoffe langsam gesteigert werden sollten
Viele Menschen reagieren empfindlich, wenn sie plötzlich deutlich mehr Ballaststoffe essen.
Typische Reaktionen können sein:
- Blähungen
- Völlegefühl
- Bauchgeräusche
Dr. Andresen empfiehlt deshalb, die Zufuhr schrittweise zu steigern, damit sich Darm und Mikrobiom langsam anpassen können.
Hilfreich können dabei sein:
- eingeweichte Haferflocken
- gekochte Hülsenfrüchte
- pürierte Speisen
- ausreichend kauen
- Vielfalt statt Extreme
Gerade Menschen, die lange sehr ballaststoffarm gegessen haben, profitieren häufig von kleinen Schritten im Alltag.
Praktische Tipps: So gelingt mehr Ballaststoffvielfalt im Alltag
Dr. Viola Andresen empfiehlt vor allem einfache und realistische Veränderungen.
Hilfreiche Strategien können sein:
- jede Mahlzeit mit einer Ballaststoffquelle kombinieren
- Obst und Gemüse möglichst mit Schale essen
- häufiger Vollkornprodukte wählen
- regelmäßig Hülsenfrüchte integrieren
- Nüsse und Samen ergänzen
- Tiefkühlgemüse als praktische Alternative nutzen
- neue Gemüsesorten ausprobieren
Außerdem betont sie, Veränderungen langsam aufzubauen, damit daraus langfristige Routinen entstehen können.
Ballaststoffe in Schwangerschaft und Kindheit
Auch in der Schwangerschaft spielt Ernährung laut Dr. Andresen eine wichtige Rolle. Sie beschreibt, dass das kindliche Mikrobiom eng mit der Ernährung der Mutter verbunden ist. Besonders pflanzliche und ballaststoffreiche Ernährung wird im Podcast im Zusammenhang mit einer vielfältigen Bakterienbesiedlung diskutiert.
Darüber hinaus hebt sie hervor:
- Kinder lernen stark über Vorbilder
- ballaststoffreiche Ernährung sollte selbstverständlich wirken
- Gemüse sollte nicht als „Pflicht“ dargestellt werden
Wichtig sei vor allem, Kindern früh Vielfalt anzubieten und Lebensmittel positiv vorzuleben.
TAKE AWAYS
- Ballaststoffe unterstützen Darmmotorik und Stuhlkonsistenz.
- Sie dienen bestimmten Darmbakterien als Nahrung.
- Vielfalt bei pflanzlichen Lebensmitteln scheint wichtiger zu sein als einzelne „Superfoods“.
- Resistente Stärke kann eine praktische Ballaststoffquelle sein.
- Eine langsame Steigerung verbessert häufig die Verträglichkeit.
- Ernährung in Schwangerschaft und Kindheit kann das Mikrobiom langfristig prägen.
Ballaststoffe im Test: Wir vergleichen unsere Produkte
Welches das beste Ballaststoff-Produkt in unserem Sortiment ist, haben wir in unserem Ballaststoff-Vergleich erläutert. Dafür wurden verschiedene Ballaststoff-Präparate von Sunday Natural miteinander verglichen und ein Testsieger gekürt. Zudem wird erklärt, worin sich die Produkte hinsichtlich Ballaststoffquelle, Dosierung, Darreichungsform, Herstellung und Anwendung unterscheiden.
Mehr erfahren im healthwise Podcast von sunday natural
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Dr. Viola Andresen ist Medizinerin und leitet das Bauchzentrum am Medizinikum Hamburg. Sie gilt als Expertin für funktionelle Magen-Darm-Erkrankungen und arbeitet unter anderem zu Reizdarmsyndrom, Verdauungsbeschwerden und chronischer Verstopfung.
Bekannt ist sie außerdem als Ernährungs-Doc im NDR. Dort vermittelt sie wissenschaftliche Erkenntnisse rund um Ernährung und Darmgesundheit praxisnah und alltagstauglich.
Mehr zu Dr. Viola Andresen hier.
199 Was dein Darm wirklich braucht - und warum du es vermutlich zu wenig isst! Mit Dr. Viola Andresen
[Dr. Viola Andresen] (0:00 - 0:22)
Unsere geliebten Kohlenhydrate aus Kartoffeln, Nudeln und Reis, dass man diese Produkte vorkocht, einmal über 24 Stunden wirklich im Kühlschrank abkühlen lässt, dann verändern sich, man schätzt etwa 20 Prozent der in den Lebensmitteln enthaltenen Stärkemoleküle in eine für uns nicht mehr aufspaltbare Version. Das heißt, diese Stärke ist dann ein natürlicher Ballaststoff.
[Jason Raffington] (0:23 - 1:29)
Herzlich willkommen zu HEALTHWISE, dem Gesundheitspodcast präsentiert von Sunday Natural. Mein Name ist Jason Raffington und in diesem Podcast erkunden wir gemeinsam, was es bedeutet, gesund zu sein. Wir tauchen ein in Themen wie Medizin, Bewegung, Ernährung und emotionale Gesundheit.
Immer mit einem weisen Blick auf das, was uns wirklich gut tut. Die meisten von uns kennen Ballaststoffe lediglich als nützliche Helfer für eine funktionierende Verdauung. Dass sie jedoch das Fundament unserer langfristigen Gesundheit bilden, wird oft unterschätzt.
Während unsere Vorfahren über 100 Gramm Fasern täglich zu sich nahmen, erreichen wir heute oft weniger als 20 Gramm. Ein Mangel, der unsere mikrobiale Vielfalt und damit unsere Gesundheit direkt bedroht. Diese Differenz zu schließen, hat sich zu einer der effektivsten und wichtigsten Maßnahmen der modernen Prävention entwickelt.
Und darüber möchte ich jetzt etwas genauer mit Dr. Viola Andresen sprechen. Sie leitet das Bauchzentrum am Medizinikum Hamburg und ist Expertin für funktionelle Magen-Darm-Erkrankungen. Durch ihre Mitarbeit an den nationalen Leitlinien für Reizdarmsyndrom und chronische Obstipation und ihre Präsenz als NDR Ernährungs-Doc, weiß sie genau, wie man wissenschaftliche Erkenntnisse in echte Lebensqualität übersetzt.
Herzlich willkommen, Frau Dr. Andresen.
[Dr. Viola Andresen] (1:29 - 1:30)
Ich freue mich, dass ich hier sein darf.
[Jason Raffington] (1:31 - 1:36)
Frau Andresen, wie ballaststoffreich war denn Ihr Frühstück letzten Sonntag?
[Dr. Viola Andresen] (1:36 - 1:41)
Oh, letzten Sonntag? Das ist eine gute Frage. Wollen Sie jetzt die Grammzahl wissen?
[Jason Raffington] (1:41 - 1:43)
Nee, aber vielleicht einfach die Zusammensetzung.
[Dr. Viola Andresen] (1:43 - 2:00)
Ja, also ich bin ein totaler Vollkorn-Fan, definitiv. Und gut, am Sonntag gibt es dann auch mal natürlich Butter und Käse da drauf. Und unter der Woche habe ich dann eher das klassische Vollkorn-Müsli mit Samen.
Also insofern muss ich sagen, wahrscheinlich ist das Wochenende weniger ballaststoffreich im Frühstück als die Wochentage.
[Jason Raffington] (2:01 - 2:34)
Okay, alles klar. Sie haben gerade ein neues Buch geschrieben. Mein Ballaststoff-Masterplan.
Ich halte Ihnen mal die Kamera. Ich weiß nicht, ob man es gut sehen kann. Viele von uns kennen das Wort Ballaststoffe.
Wir wissen irgendwo ja, dass sie auch wichtig sind. Aber der Name ist vielleicht ein bisschen irreführend. Ballaststoffe klingt ja eher nach etwas, was wir loswerden wollen, was wir über Bord werfen wollen.
Vor allem wenn man es vergleicht mit Begriffen wie essentielle Fettsäuren oder essentielle Aminosäuren. Da hört man ja schon raus, wie wichtig sie sind. Wie ist das bei Ballaststoffen?
Sind sie genauso wichtig oder was sind sie eigentlich? Wofür brauchen die?
[Dr. Viola Andresen] (2:35 - 3:05)
Also die sind enorm wichtig, aber es ist historisch bedingt lange Zeit überhaupt nicht bekannt gewesen. Und der Begriff Ballaststoff ist natürlich einfach schon sehr alt. Und man hat früher gedacht, das sind alles diese Dinge in der Nahrung, die wir nicht verwerten können.
Das sind keine Nährstoffe für uns. Deswegen ist es Ballast. Und vielleicht hat man sich auch vorgestellt, das beschwert das alles und das füllt den Darm.
Dass das alles genau wesentlich ist, wusste man eben früher gar nicht. Und so entsteht der Name. Im Grunde ist es ein guter Punkt.
Vielleicht sollte man überlegen, das mal umzubenennen in einen positiven Begriff.
[Jason Raffington] (3:07 - 3:12)
Ja, wahrscheinlich wäre das hilfreich, damit die Leute verstehen, dass es doch sehr sinnvoll und sehr wichtig ist.
[Dr. Viola Andresen] (3:12 - 3:21)
Ja, im englischen Sprachenglisch spricht man nur von Fiber. Das ist ja sicherlich zumindest ein neutraler Begriff. Und bei uns ist es irgendwie negativ behaftet, blöderweise.
[Jason Raffington] (3:23 - 3:49)
Wie im Intro schon gesagt, denken die meisten wahrscheinlich, wenn man Ballaststoff hört, an Verdauung, Verdauungsunterstützung. Inwieweit wirkt sich die Einnahme von Ballaststoffen auf unsere Verdauung aus? Und wenn wir über Verdauung sprechen, können wir auch über die Toilette sprechen.
Wie oft sollte man denn auch auf Toilette gehen? Und beziehungsweise, inwieweit beeinflussen die Ballaststoffe denn die Stuhlfrequenz und vielleicht auch die Stuhlkonsistenz?
[Dr. Viola Andresen] (3:49 - 5:33)
Ja, im Grunde genommen ist es so, dass die Ballaststoffe eben Stoffe sind, die von unserem Dünndarm nicht aufgenommen werden. Das sind keine Nährstoffe, die wir verarbeiten. Und die gelangen in den Dickdarm.
Und dort haben sie verschiedene Funktionen. Das eine ist die Ernährung fürs Mikrobiom. Da denke ich, werden wir ja später noch drüber sprechen.
Aber was sie eben natürlich auch haben, sie sind einfach Volumen. Und sie ziehen Flüssigkeit an sich. Das heißt, wir haben eine Vermehrung des Stuhlvolumens.
Und die Darmtätigkeit wird dadurch gesteuert, dass das Stuhlvolumen auf die Darmwand drückt und dort einen Reflex auslöst. Diesen berühmten peristaltischen Reflex. Das heißt, die Darmmotorik wird nur durch den Darminhalt eigentlich gesteuert.
Und je voller der Darm ist, also durch diese Ballaststoffe, desto mehr wird die Darmmotorik angeregt und der Stuhl wird weiter transportiert. Und er wird durch die Bindung von Flüssigkeit eben auch deutlich weicher. Wenn man zu wenig Ballaststoffe hat, die die Flüssigkeit im Stuhl halten können, wird die Flüssigkeit einfach über den Urin ausgeschieden und der Stuhl wird steinhart.
Deswegen sind Ballaststoffe für die Darmtätigkeit und für die Stuhlkonsistenz enorm wichtig. Es gibt aber jetzt zu der Frage noch am Anfang keine klare Regel, wie viel Stuhlgang muss man haben. Das ist sehr individuell unterschiedlich.
Es gab ja mal so die alte Faustregel zwischen dreimal pro Tag und einmal alle drei Tage ist normal. Das haben wir so ein bisschen verlassen, auch in den Leitlinien, sondern es geht auch ein bisschen darum, wie man sich wohl fühlt. Es gibt Menschen, die haben eine Verstopfungsneigung.
Die haben immer ganz, ganz harten Stuhl, aber die gehen dreimal pro Tag auf Toilette, müssen dann immer stark pressen und das ist ganz hart. Das ist natürlich dann eine Verstopfung, obwohl sie dreimal pro Tag gehen. Und umgekehrt gibt es Menschen, die gehen drei- bis viermal pro Tag, unterstürzt sie gar nicht, haben keinen Leidensdruck, dann ist das auch alles völlig normal.
Also insofern, da muss man auch ein bisschen gucken, wie ist die Befindlichkeit dabei.
[Jason Raffington] (5:33 - 5:35)
Also es ist mehr Qualität statt Quantität.
[Dr. Viola Andresen] (5:36 - 5:47)
Genau. Also irgendwann, wenn es ins Extreme geht, also sieben-, achtmal pro Tag oder nur einmal alle sieben bis zehn Tage, dann würde man schon sagen, das ist jetzt nicht mehr normal, aber alles andere ist so im Spektrum.
[Jason Raffington] (5:48 - 6:16)
Ja, wir haben häufig Kunden und Kundinnen, die uns schreiben und Interesse an Darmsanierungen haben. Und die sind dann verständlicherweise manchmal ein bisschen verwirrt, weil es so viele Begriffe da draußen gibt. Präbiotika, Probiotika, Postbiotika.
Die Frage kommt, sind alle Ballaststoffe präbiotisch und ja, wie fange ich denn jetzt an, meinen Darm zu unterstützen? Wie würden Sie da rangehen? Was ist der erste Schritt?
Und macht das einen Unterschied, ob ich jetzt Präbiotika nehme oder Probiotika, Postbiotika?
[Dr. Viola Andresen] (6:17 - 9:14)
Also das sind tatsächlich ganz unterschiedliche Dinge. Vielleicht einmal nochmal zu dem Begriff Darmsanierung. Das ist ja auch so ein Begriff, der sehr modern ist im Moment.
Er ist ja überhaupt nicht geschützt. Keiner weiß genau, was verbindet oder was verbirgt sich dahinter. Und man würde ja sagen, ein gesunder Darm, wenn man sich gesund und vielfältig ernährt, Ballaststoffreich, da kommen wir ja noch drauf, dann brauchen wir nichts extra zur Sanierung.
Häufig ist es ja auch ein Thema, wenn Menschen vor Antibiotika genommen haben, die irgendwie das Gefühl haben, der Darm hat irgendwie was mit abbekommen. Und dann kann man natürlich schon unterstützen, wobei man immer genau wissen muss, man kann es nie gezielt tun. Also es gibt nicht die eine Kur, die gezielt jedem hilft.
Es gibt viele Dinge, die können für den einen wunderbar funktionieren und bei dem anderen lösen sie Beschwerden aus. Und insofern muss man immer sagen, es ist alles individuell. Präbiotika, darunter versteht man ja Nahrungsmittelbestandteile, die als Bakterien Futter dienen.
Das sind eben speziell diese Ballaststoffe, die eben von den Bakterien verstoffwechselt werden. Das sind ja auch nicht alle, aber das wäre sozusagen der Begriff Präbiotika, die in der Nahrung enthalten sind, die es auch als Nahrungsergänzungsmittel vielfach gibt. Probiotika sind die lebenden Bakterien selber sozusagen, erhöht persönlich.
Typischerweise sind es Bakterien. Es gibt auch manche Präparate, die enthalten eher Pilzpräparate, also Pilze. Auch die sind auch Probiotika.
Und auch hier kann man nicht pauschal sagen, dieses Probiotikum ist besser als jenes oder die Multistammmischung ist besser als jene Einzelstammmischung, nicht Mischung, Einzelstammpräparat. Das ist auch sehr individuell. Das liegt wahrscheinlich daran, dass wir alle ein sehr individuelles Mikrobiom haben.
Das heißt, es gibt auch keine klassischen Normwerte. Ich weiß nicht, ob wir noch zum Thema Stuhlzusammensetzungsmessung kommen. Das ist ja auch so ein kritisches Thema.
Es gibt keine Normwerte. Man kann nicht sagen, was man misst, ist für den Menschen, der den Test gemacht hat, normal. Und deswegen kann man auch nicht sagen, dieses Probiotikum muss dieser Mensch unbedingt nehmen.
Man kann alles Verschiedene ausprobieren und immer gucken, verträgt man es? Und ja, das ist so ein bisschen das Dilemma. Postbiotika finde ich ganz interessant.
Das ist auch so etwas, ja, gibt es schon ein bisschen länger, aber den Begriff gibt es, glaube ich, noch nicht so lange. Das sind im Prinzip ursprünglich mal Bakterienpräparate oder Probiotika, die abgetötet oder inaktiviert sind. Wir wissen, dass ein Großteil der hilfreichen Wirkungen von den Probiotika wahrscheinlich gar nicht die lebenden Keime sind, sondern das, was in den Zellwänden dieser Bakterien drin ist, was sie an Botenstoffen produzieren, sodass auch die abgetöteten Bakterien und die Botenstoffe, die vorher in so einem Kulturmedium gewonnen worden sind, dass die das Entscheidende sind.
Und das sind eben die postbiotischen Präparate. Die haben manchmal wirklich große Vorteile, gerade bei Menschen, die vielleicht ein Risiko haben für lebende Bakterien, wenn sie irgendwie Schwierigkeit mit ihrem Immunsystem haben, wenn sie schwere Erkrankungen nebenher haben, wenn sie vielleicht gerade irgendwas saniert haben, eine Fehlbesedelung, eine Dysbiose, dann ist es sinnvoller, tatsächlich eher vielleicht Postbiotika zu nehmen, zumindest aus der Theorie.
[Jason Raffington] (9:15 - 9:47)
Ja, wir können gerade nochmal bei den Stuhlanalysen, die Sie angesprochen haben, direkt einhaken. Also angenommen, jemand hat Beschwerden, wie Sie schon gesagt haben, Darmsanierung ist kein geschützter Begriff, man weiß nicht genau, was jetzt gemeint ist. Ich habe da auch schon mal nachgehakt und gefragt, okay, was meinen Sie jetzt damit?
Darmschleimhautunterstützung, Darmmikrobiomunterstützung, haben Sie Verdauungsbeschwerden oder oder oder, das kann ja alles mögliche sein. Angenommen, jemand hat jetzt Verstopfung oder ständig Übelkeit oder irgendwelche anderen Symptome. Wann macht es denn Sinn, so eine Stuhlanalyse zu machen?
[Dr. Viola Andresen] (9:48 - 13:28)
Also, wenn Sie mich ganz ehrlich fragen, muss ich ganz ehrlich antworten, es macht eigentlich nie Sinn. Also die herkömmlichen Tests, die aktuell angeboten werden, machen aus rein medizinisch-wissenschaftlicher, von der medizinisch-wissenschaftlichen Seite keinen Sinn, aus verschiedenen Gründen. Zumindest nicht, um die Mikrobiomzusammensetzung zu messen.
Viele dieser Stuhltests messen auch noch Parameter, die sinnvoll sind, Entzündungswerte, Darmbarrieremarker, da gibt es schon so ein paar Fettverdauungsgeschichten. Also die Werte sind oft sinnvoll, aber die reine bakterielle Zusammensetzung ist nicht sinnvoll. Ich habe es schon angesprochen, wir haben kein allgemeingültiges Normwertspektrum, sondern jeder hat ein individuelles Mikrobiom.
Wir wissen nicht, wie das Mikrobiom von dem Individuum eigentlich im gesunden Zustand aussehen müsste. Wir messen ein Stuhlmikrobiom, das ist nur ein kleiner Ausschnitt von den wirklich wichtigen Darmbakterien, die in der Schleimschicht leben, die erfassen wir gar nicht. Das Stuhlmikrobiom ist total davon abhängig, was wir vorher gegessen haben.
Das heißt, die Ernährung der paar Tage davor beeinflusst das Messergebnis. Wenn wir jetzt beim selben Menschen viermal nacheinander messen und der hat unterschiedlich gegessen, kommen vier völlig unterschiedliche Werte raus. Das ist eines von vielen.
Es gibt auch eine ganz aktuelle Studie gerade aus den USA. Das ist natürlich nicht unbedingt auf uns übertragbar, aber wahrscheinlich schon. Da gibt es einen normierten Stuhl, der ist extra über Jahre hergestellt worden, also wirklich für die Pharmaindustrie, um wirklich Dinge zu entwickeln, um ein klar definiertes Mikrobiom zu haben.
Das ist an sieben verschiedene Hersteller von Mikrobiom-Tests geschickt worden. Und da kamen sieben unterschiedliche Ergebnisse raus. Und kein einziges Ergebnis passte zu dem, was eigentlich in dem Stuhl drin war.
Das heißt, es gibt auch methodische Themen. Wie wird der Stuhl irgendwo dahin transportiert? Auch natürlich immer die Frage ist, vielfach werden natürlich irgendwelche Datenbanken abgeglichen werden.
Aber wir kennen noch gar nicht alle Bakterien, die dort leben. Also wir können noch und noch darüber reden. Es gibt viele, viele Gründe.
Und die Schwierigkeit, die natürlich sowieso besteht, ist auch, selbst wenn das, was wir messen würden, korrekt wäre, wir können überhaupt keine Konsequenz daraus ziehen, irgendwas gezielt zu machen. Alles, was wir mit dem Mikrobiom machen, ist irgendwie grob. Also wir können das Mikrobiom zwar unterstützen und wir können Dinge tun, die gut fürs Mikrobiom sind, aber wir können jetzt nicht gezielt eine Pille einwerfen und sagen, jetzt werden sich genau diese Bifidobakterien vermehren oder genau diese Lactobacillen.
Es kommt noch hinzu, ich rede auch nicht so viel, es kommt noch hinzu, dass das auch gar nicht unbedingt so wichtig zu sein scheint. Es gibt eine tolle Studie, die ist schon älter, aber da hat man 42 gesunde Menschen analysiert bezüglich ihrer Mikrobiomzusammensetzung. Und dann hat man das Keimspektrum gemessen und die in unterschiedliche Gruppen eingeteilt, also mit viel Firmikuten und wenig Firmikuten und so weiter.
Da würde man sagen, okay, die waren teilweise in einem einen Extrem und in einem anderen Extrem. Was ist jetzt richtig? Das sind alles gesunde.
Und dann ist man einen Schritt weiter gegangen und hat das sogenannte Metabolom gemessen. Das sind nämlich die Stoffwechselaktivitäten des Mikrobioms. Und die waren identisch bei all diesen Menschen.
Das heißt, wie die Bakterien im Einzelfall heißen, ist nicht das Entscheidende, sondern was die Bakterien für eine Arbeit machen. Und wir wissen ja, es gibt ja auch die Fähigkeit von Bakterien einzelne Enzymaktivitäten auf andere Bakterien zu übertragen, diese Plasmidübertragung. Das heißt, das kann sehr gut sein, dass bei dem einen die Lactobacillen die eine Aufgabe übernehmen und beim nächsten sind es die Bifidobakterien.
Das heißt auch da, wie gesagt, das ist ein extrem spannendes Thema. Es wird ganz, ganz viel geforscht. Und ich glaube, wenn wir uns in zehn Jahren wiedersehen, dann kann man schon viel, viel mehr darüber sagen.
[Jason Raffington] (13:28 - 14:05)
Ja, das ist spannend, dass Sie das ansprechen. Ich hatte es jetzt nämlich auch gesagt, weil ich auch gehört habe, dass diese Metabolommessungen wahrscheinlich sinnvoller sind, weil, wie Sie eben sagen, verschiedene, also wir wissen zum einen nicht, welche Zusammensetzung in Anführungszeichen die Optimale ist, denn viele können funktionieren. Und dass eben diese Stoffwechselprodukte, die entstehen, kurzkettige Fettsäuren und so weiter, dass die eigentlich viel wichtiger sind.
Und das ist ja auch, was wir in der Ernährung sehen. Verschiedene Ernährungsweisen können zu Gesundheit führen. Ob es jetzt vegetarisch ist, omnivor oder oder oder.
Je nachdem, wie gut diese Formen dann umgesetzt werden, sage ich mal. Also viele Wege führen zum Ziel.
[Dr. Viola Andresen] (14:05 - 14:05)
Absolut.
[Jason Raffington] (14:06 - 14:25)
Um jetzt nochmal zu den Ballaststoffen zurückzukommen. Welche Ballaststoffe gibt es denn eigentlich? Was sind da die Unterschiede?
Und gibt es jetzt bestimmte Ballaststoffe, die für bestimmte Themen, sage ich mal, besonders hilfreich sind? Also einerseits vielleicht, um das Stuhlvolumen zu erhöhen oder um bestimmte Metabolite herstellen zu lassen, sage ich jetzt mal.
[Dr. Viola Andresen] (14:26 - 14:43)
Ja, es gibt natürlich grob unterscheidende Lösliche und Unlösliche. Also gerade diese unlöslichen Faserstoffe, die sind oft eher geeignet, um das Stuhlvolumen zu erhöhen. Gerade wenn man zum Beispiel jetzt so Zellulosepräparate, das ist teilweise nicht alles aufspaltbar, wenn wir diese Linguine, Linguine heißen die jetzt?
[Jason Raffington] (14:43 - 14:44)
Lignine.
[Dr. Viola Andresen] (14:45 - 14:46)
Lignine, genau.
[Jason Raffington] (14:46 - 14:47)
Linguine waren die Nudeln.
[Dr. Viola Andresen] (14:48 - 15:32)
Wenn man die Lignine nimmt, die sind ja sowieso gar nicht aufspaltbar. Das sind ja quasi so Holzbestandteile. Das heißt, die sind eher geeignet, um das Stuhlvolumen primär mal anzureichern.
Und ansonsten sind fast alle anderen Ballaststoffe tatsächlich Nahrungsgrundlage für die Bakterien. Und auch hier würden wir immer sagen, die Vielfalt ist das Entscheidende. Weil wir einfach immer, und das zeigen ja wirklich die Studien alle einheitlich, dass eine vielfältige Ernährung, ein vielfaches Angebot, ein vielfältiges Angebot auch von Ballaststoffen eben auch verschiedene Bakterienpopulationen fördern kann und dadurch eben die Gesundheit fördern.
Ohne dass man jetzt gezielt sagen kann, ich esse jetzt nur diesen einen Ballaststoff, damit dieses eine Bakterium besser wird. So gezielt können wir das gar nicht machen. Von daher würde ich immer sagen, Vielfalt.
[Jason Raffington] (15:32 - 15:35)
Okay. Also ist den Regenbogen sozusagen.
[Dr. Viola Andresen] (15:35 - 15:35)
Genau.
[Jason Raffington] (15:35 - 15:49)
Das schreiben Sie auch in Ihrem Buch. Das sage ich auch gerne. Ich finde, das ist natürlich eine gute Orientierung.
Auch wenn man in den Supermarkt geht und einkaufen geht, dann einfach versuchen, so viele Farben wie möglich in den Einkaufskorb zu legen. Und nicht immer die rote Paprika, sondern auch mal gelb, grün oder orange.
[Dr. Viola Andresen] (15:50 - 16:19)
Das Tolle ist ja, ich meine, wir gehen jetzt, also das Buch ging um die Ballaststoffe. Aber natürlich, wenn wir pflanzlich essen, und das ist ja, Ballaststoffe sind ja in pflanzlichen Lebensmitteln. Die sind ja nicht in tierischen Produkten.
Dann haben wir ja gleichzeitig auch all die anderen positiven Effekte der pflanzlichen Ernährung. Also eben die ganzen Antioxidantien, die ganzen wunderbaren und deswegen ja die Vielfalt mit den Farben. Das heißt, die gesunde Ernährung ist ja nicht der eine Stoff, sondern es ist eben die Vielfalt und alles, was Pflanzen zu bieten haben.
Das heißt, wir machen gleich, wir schlagen ganz viele Fliegen mit einer Klappe.
[Jason Raffington] (16:19 - 16:50)
Ja, die Polyphenole ja genauso. Die unterstützen das Mikrobiom gleichermaßen. Ja, Sie schreiben auch in Ihrem Buch, dass Ballaststoffe, und dahingehend natürlich auch die anderen Stoffe in diesen frischen Lebensmitteln, die Prävention von Volkskrankheiten unterstützen können.
Also Krebs, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Übergewicht. Vielleicht auch nicht nur die Prävention, sondern auch die Behandlung. Also wenn jemand übergewichtig ist und sich jetzt ballaststoffreicher, gesünder, natürlicher ernährt, dann wirkt sich das natürlich auch direkt positiv aus.
Wie ist denn da der Mechanismus? Wie funktioniert das?
[Dr. Viola Andresen] (16:50 - 18:58)
Das sind verschiedene Mechanismen tatsächlich. Also, wie gesagt, die erste Entdeckung war, okay, wir können den Stuhlgang verbessern mit Ballaststoffen. Und dann hat man erst nach und nach entdeckt, was Ballaststoffe noch alles können.
Es fängt schon mal mit dem Magen an. Auch im Magen sorgen Ballaststoffe erstmal für eine Magenfüllung und es wird Flüssigkeit dort angesammelt. Das heißt schlicht und ergreifend, wir sind schneller satt.
Wir können gar nicht so viel essen. Und das macht natürlich schon mal einen enormen Wert aus, gerade wenn wir sagen Volkskrankheit, Übergewicht. Viele der Volkskrankheiten sind ja in Verbindung mit Übergewicht und schlechter Ernährung.
Das heißt, wenn wir die Ballaststoffe schon mal, wenn wir schon mal einen vollen Magen haben, weniger essen, dann haben wir auch eine verlangsamte Magenentleerung, was dann meistens dazu führt, dass es nicht zu diesen raschen Blutzuckeranstiegen kommt. Jeder kennt, wenn er einfach nur eine Süßigkeit ist, dann zack, gibt es hier Blutzuckerspitzen, den anschließenden Abfall, das ganze Insulinthema. Das ist jetzt, glaube ich, ein großes Fass, was wir jetzt nicht unbedingt noch aufnehmen.
Aber die Ballaststoffe wirken quasi dagegen. Und es gibt ja diese berühmten Haferkuren, auch bei Diabetes. Das sind ja die Beta-Glucane, die im Hafer enthalten sind.
Das sind ja die Ballaststoffe, für die es am besten belegt ist, dass sie eben den Blutzuckerspiegel stabilisieren, nur zu einem langsamen Anstieg nach der Mahlzeit führen und dadurch Insulinbedarf lindern. Und dann haben wir natürlich die nächsten Effekte, sozusagen einen Schritt weiter, die Mikrobiomstoffe, die dann eben positiv auf die Darmbarriere wirken. Wir haben die Butyrate, die entstehende kurzkehrtigen Fettsäuren, die die Darmbarriere stärken.
Wir wissen, dass viele der Volkskrankheiten auch unter anderem dadurch entstehen, dass es Darmbarrierestörungen gibt, dass viel mehr Stoffe in den Organismus gelangen. Es kommt zu Entzündungsreaktionen, also zum Beispiel Herzinfarkt, also die ganzen Arteriosklerose-Dinge. Da ist schon länger bekannt, dass auch entzündliche Mechanismen eine Rolle spielen bei der Arterienverkalkung.
Plus natürlich das Problem des Bauchfetts, wenn wir natürlich Übergewicht haben, dass dann diese Entzündungsstoffe auch, das Übergewicht führt zu mehr Bauchfett. Und das Bauchfett hat diese Entzündungsmediatoren, die eben auch die Volkskrankheiten befeuern. Und ballaststoffreiche Ernährung wirkt halt dem Übergewicht entgegen.
[Jason Raffington] (18:59 - 19:33)
Also wenn jetzt jemand mit Beschwerden, mit Erkrankungen zu Ihnen kommt oder zu allen möglichen Ärzten, zu jedem Arzt, wäre es vielleicht sinnvoll, entweder die Medikamente zu ersetzen, beziehungsweise, wenn sie benötigt werden, natürlich nicht ersetzen, aber zumindest ergänzend auch eine ballaststoffreiche Ernährung zu empfehlen. Also wenn jetzt jemand mit Herz-Kreislauf-Problemen kommt, mit Übergewicht, dann nicht sofort, also bei Übergewicht nicht Statin, aber bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen dann nicht sofort Statine geben oder zumindest Statine plus die Empfehlung, sich entsprechend zu ernähren. Ich weiß nicht, ob das auch gemacht wird.
[Dr. Viola Andresen] (19:33 - 20:42)
Natürlich, es gibt ja immer dieses Hauptstichwort mediterrane Ernährung. Und das ist natürlich eine sehr gemüselastige Ernährung und die ist automatisch ballaststoffreich. Und es gibt aber, jetzt gerade vor kurzem im März erst erschienen, eine große Studie, die mal die unterschiedlichen Ernährungsweisen miteinander verglichen hat und geguckt, okay, welche Ernährungsweise ist besonders gesund, welche ist besonders ungesund.
Und da hat man verschiedene Dinge, also Low-Carb, Low-Fat, Mediteran, alles, aber eben auch die ungesunden. Und dann kamen sozusagen zwei Hauptpunkte raus, einerseits ein Punkt, der extrem gesundheitsfördernd ist und lebensverlängernd ist und einer, der extrem schlecht ist. Der schlechte, kann ich gleich mal vorab sagen, sind süße Getränke.
Das war sozusagen der Faktor aus den Gruppen der schlechten Ernährung, der den größten Einfluss hatte auf eine verkürzte Lebensdauer. Und umgekehrt, bei den gesamten gesunden Ernährungsweisen, die ja unterschiedlich sein können, war der Faktor, der als einziger sozusagen per se genommen der wichtigste war, waren die Ballaststoffe. Das heißt, die Ballaststoffe sind wirklich per se ganz entscheidend und dann ist es im Grunde egal, ob man jetzt eher sagt, ich mache Mediterran oder andere Varianten.
Hauptsache, man hat viel pflanzliche Lebensmittel.
[Jason Raffington] (20:42 - 20:47)
Das ist ja auch was, was man eigentlich schon immer hört, ist viel Obst und Gemüse. Das stimmt einfach.
[Dr. Viola Andresen] (20:47 - 21:24)
Eigentlich wusste man das und Menschen haben sich früher, finde ich, instinktiv viel besser ernährt. Und wir haben natürlich heutzutage einfach auch dieses wahnsinnige Überangebot. Und überall gibt es was zu essen und leider gibt es überall auch viel Ungesundes zu essen.
Und da haben wir uns ja auch schon oft bei den Ernährungs-Docs so ein bisschen ausgetauscht. Man müsste auch mal irgendwie, wenn man jetzt, ich bin ja heute mit der Bahn angereist, dann ist man am Bahnhof, da muss man wirklich suchen. Ich meine, hier in Berlin gibt es ja schon auch mal ein paar Angebote, aber in kleineren Orten gibt es dann meistens nur halt die, ja, den Döner und die Frittenbude so.
Und um ja eben zwischendurch was zu essen zu kaufen. Also da müsste irgendwie noch viel passieren.
[Jason Raffington] (21:25 - 21:37)
Ja, ich denke das auch häufig, wenn ich auf Reisen bin. Es gibt immer irgendwelche Brote oder Sandwiches, die man sich kaufen kann. Aber ich bin dann immer auf der Suche nach irgendwas Proteinreichem, weil das findet man halt selten schnell auf die Hand.
[Dr. Viola Andresen] (21:38 - 22:16)
Ganz schwierig, genau. Aber es ist schon langsam ein Umdenken. Also mein Stammbäcker, bei dem ich am Wochenende die Brötchen hole, die haben wirklich ihr Sortiment umgestellt.
Die haben inzwischen am Wochenende nur noch einen oder zwei Sorten Weißmehlbrötchen. Und alle anderen haben sie rausgeschmissen. Nur noch Vollkorn.
Also verschiedene Vollkornvarianten. Und noch vor ein paar Jahren hatten die all die verschiedenen Weiß, mit Sesam, Mohn, was es alles so gibt, haben die alles nicht mehr. Also von daher, es findet schon, also und das haben die natürlich gemacht, weil die Kunden entsprechend sich verändert haben mit dem Kaufverhalten.
Also ich glaube Steter Tropfen höhlt den Stein. Und gerade solche Podcasts wie ihrer jetzt hilft ja auch ein bisschen.
[Jason Raffington] (22:17 - 22:31)
Ja, man kann nur hoffen, dass es da nicht in die falsche Richtung geht. Weil dieser Protein-Hype, den sieht man jetzt auch in den Supermarktregalen, überall steht High-Protein drauf. Aber das suggeriert, dass es was Gesundes ist.
Aber letztendlich, High-Protein-Pudding ist trotzdem ein Pudding.
[Dr. Viola Andresen] (22:32 - 22:32)
Richtig.
[Jason Raffington] (22:32 - 22:37)
Das sind dann irgendwelche Fertigprodukte und es steht High-Protein drauf und das macht es nicht unbedingt besser.
[Dr. Viola Andresen] (22:37 - 22:48)
Ja, ja. Bei dem Ballaststoff gibt es ja auch das Fiber-Maxing jetzt. Das ist ja auch so ein Trend.
Und da muss man eben auch, aber ich gebe Ihnen völlig recht, man muss genau gucken, es muss am Ende des Tages trotzdem noch was Gesundes sein. Sonst macht das keinen Sinn.
[Jason Raffington] (22:48 - 23:13)
Ja. Was passiert denn jetzt genau, wenn wir zu wenig Ballaststoffe essen? Also merke ich das?
Also in erster Linie vielleicht an der Verdauung. Vielleicht bin ich anfälliger für bestimmte Krankheiten. Wenn jetzt zum Beispiel jemand sich Carnivor ernährt, was zugegebenermaßen jetzt ein sehr geringer Anteil in der Bevölkerung ist.
Aber vielleicht auch jemand, der sich Low-Carb ernährt und es in Anführungszeichen nicht richtig macht, weil Low-Carb heißt ja eigentlich trotzdem auch...
[Dr. Viola Andresen] (23:13 - 23:14)
Wollte ich gerade sagen.
[Jason Raffington] (23:14 - 23:14)
Genau, viel Gemüse und...
[Dr. Viola Andresen] (23:14 - 23:16)
Die Ballaststoffe sind ja eigentlich dabei.
[Jason Raffington] (23:16 - 23:31)
Genau, das sollte eigentlich trotzdem dabei sein. Aber wenn jetzt jemand sagt, okay, ich vermeide Hülsenfrüchte, ich vermeide Vollkorn, Nudeln, was auch immer, Reis, dann kann es ja auch schnell in die Low-Fiber-Richtung, in die Low-Ballaststoff-Richtung abrutschen. Was passiert dann?
[Dr. Viola Andresen] (23:32 - 24:28)
Ja, also es gibt viele Menschen, die merken erst mal so nichts davon. Also es gibt natürlich Menschen, die bekommen davon dann eine Verstopfungsneigung, aber auch nicht alle. Also es ist je nachdem, wie die Darmtätigkeit als solche von Natur aus angelegt ist.
Aber natürlich langfristig würde man schon erwarten, dass man negative Folgen für die Gesundheit hat, wenn man das über Jahre und Jahrzehnte macht. Das sind ja nicht immer Effekte, die jetzt innerhalb von Wochen kommen, sondern einfach, wo man weiß, langfristig ist das Darmmikrobiom einfach essentiell beteiligt an unserer Gesundheit. Es gibt aber, das muss man vielleicht auch nochmal sagen, es gibt natürlich auch Menschen mit Darmerkrankungen, die dürfen gar nicht so viele Ballaststoffe essen.
Also auch da ist ganz klar, es ist nicht für jeden geeignet. Es gibt Menschen, die müssen extra ballaststoffarm essen, weil sie Entzündungen im Darm haben, weil sie vielleicht Engstellen im Magen-Darm-Trakt haben. Die sind dann sozusagen darauf angewiesen, wenig Ballaststoffe zu essen.
Auch das ist manchmal nötig und ist natürlich nicht ideal, aber geht natürlich auch.
[Jason Raffington] (24:29 - 24:54)
Woran merke ich das denn? Also für viele, ich sag mal Beschwerden, ist es ja heutzutage fast schon normalisiert. Leute sind ständig müde und sagen, das ist halt so, alle sind ja ständig müde.
Aber es heißt ja nicht, dass es nur weil es häufig ist, dass es normal ist, und wenn jetzt jemand, sagen wir mal, Hülsenfrüchte isst und danach Blähungen hat, dann ist es ja, würde ich jetzt sagen, ist ja nicht untypisch. Aber ist es so?
[Dr. Viola Andresen] (24:54 - 25:54)
Absolut, ja. Es gibt ja diesen Volksmund, jedes Böhnchen macht ein Tönchen. Das ist natürlich bis zu einem gewissen Grad so.
Was wir aber auch feststellen, ist natürlich, Menschen, die wenig Ballaststoffe essen, die reagieren oft besonders stark dann, wenn sie plötzlich viele Ballaststoffe essen. Deswegen empfehlen wir auch, und das haben wir auch in diesem Masterplan so ein bisschen so strukturiert, dass man das nicht von jetzt auf gleich total anhäuft, sondern dass man es langsam steigert, um das Darmmikrobium auch wieder umzugewöhnen, umzutrainieren. Jemand, der jahrelang kaum Ballaststoffe gegessen hat, der kann nicht von jetzt auf gleich 30 Gramm, der kriegt massiv Bauchprobleme.
Also lieber langsam steigern. Und dann muss man natürlich schon sagen, bis zu einem gewissen Maße sind natürlich auch Blähungen normal. Auch das ist sicherlich auch ein Tabuthema.
Manche Leute denken, oje, oje, es ist normal. Es ist sicherlich nicht in jeder Lebenslage so günstig. Ich habe ja auch viele Lehrer, die sagen, oje, dann stehen sie vor der Klasse.
Das geht irgendwie gar nicht. Es ist natürlich schwierig, aber es ist halt irgendwo auch ein bisschen Natur. Die Gase entstehen und die müssen halt auch irgendwie wieder raus.
[Jason Raffington] (25:54 - 26:01)
Ist ja vielleicht auch irgendwo ein gutes Zeichen. Das zeigt, dass das Mikrobium arbeitet, dass man denen das Futter gegeben hat und dann entsteht eben was daraus.
[Dr. Viola Andresen] (26:01 - 26:34)
Genau. Was natürlich nicht sein sollte, ist, dass es eben Bauchschmerzen macht und da muss man eben gucken, dass man es eben langsam steigert. Und da muss auch jeder individuell gucken, wie ist so die maximale Grenze.
Und natürlich sind auch nicht alle Ballaststoffe für jeden gleichermaßen. Der eine sagt, ich kann wunderbar Kohlgemüse essen, aber ich vertrage keine Zwiebeln. Der nächste sagt, Hülsenfrüchte überhaupt gar kein Problem, aber wenn ich Knoblauch esse oder Schwarzwurzeln.
Also das ist auch sehr individuell manchmal, worauf man dann wie reagiert. Auch da lohnt es sich immer, die Vielfalt auszuprobieren, um zu gucken, was ist jetzt das, was für mich gut geht.
[Jason Raffington] (26:34 - 26:55)
Und für diejenigen, die jetzt wirklich diagnostizierte Erkrankungen haben, sagen wir jetzt, weiß ich nicht, Reizdarmsyndrom, wenn die jetzt versuchen, die Ballaststoffzufuhr langsam wieder zu erhöhen, dann fängt man also mit, sagen wir mal einer Quelle zum Beispiel an und probiert es an einem Tag in geringer Dosis und dann steigert man das nach.
[Dr. Viola Andresen] (26:56 - 27:55)
Also erfahrungsgemäß sind Quellstoffe oft ein bisschen besser verträglich als Faserstoffe, eben weil die halt auch klein gemacht werden von den Bakterien und nicht unbedingt so als grobe Faser dann im Darm verbleiben. Und was zum Beispiel ein Superballaststoff ist, den viele auch gar nicht so richtig kennen, ist ja diese berühmte resistente Stärke. Das ist ja auch etwas, gerade wenn Menschen auch überlegen, sie möchten gerne ein bisschen Gewicht verlieren, wenn man Kohlenhydrate, also unsere geliebten Kohlenhydrate aus Kartoffeln, Nudeln und Reis, dass man diese Produkte vorkocht, einmal über 24 Stunden wirklich im Kühlschrank abkühlen lässt, dann verändern sich, man schätzt etwa 20 Prozent der in den Lebensmitteln enthaltenen Stärkemoleküle in eine für uns nicht mehr aufspaltbare Version.
Das heißt, diese Stärke ist dann ein natürlicher Ballaststoff, der wird von uns nicht verstoffwechselt. Wir haben sozusagen weniger Kalorien im Essen und gleichzeitig haben wir ein Präbiotikum, in dem Fall für die Darmbakterien. Und das ist etwas, was man wirklich nutzen kann und das ist in der Regel gut verträglich.
[Jason Raffington] (27:56 - 28:02)
Funktioniert das nicht auch mit Brot? Also ich glaube, ich habe mal gehört, man kann Brot einfrieren und dann entsteht auch irgendeine resistente Stärke. Ich weiß nicht, ob das stimmt.
[Dr. Viola Andresen] (28:02 - 28:23)
Ja, das wüsste ich jetzt nicht, aber das Entscheidende ist ja eher, dass es beim Kochen aufgelöst werden oder gelockert werden und die sich dann beim Erkalten anders zusammensetzen. Das Brot ist ja schon mal gebacken worden. Ich weiß nicht, wie es ist, vielleicht müsste man es auch nochmal frisch im Backofen legen und dann abkühlen.
Das muss ich gestehen, das weiß ich gar nicht genau.
[Jason Raffington] (28:23 - 28:42)
Okay, vielleicht ist das auch nur ein Mythos aus dem Internet, ich weiß es auch nicht. Wie sieht es aus mit Keimen oder mit Keimen zum Beispiel von Hülsenfrüchten, denn wenn man jetzt zum Beispiel Bohnen erstmal ein bisschen Wasser einlegt und das Wasser dann abtropfen lässt, dann keimen die ja. Ist das dann auch ein Weg, die verträglicher zu machen für Leute, die da Probleme haben?
[Dr. Viola Andresen] (28:42 - 29:10)
Also generell aufweichen hilft, also das ist auf jeden Fall etwas, was die Verträglichkeit verbessern kann und vor allen Dingen natürlich auch kochen. Wenn man jetzt, also die Hülsenfrüchte roh im Salat sind oft deutlich schlechter verträglich, als wenn man sie kocht. Also aufweichen und kochen sind immer Dinge, die helfen können und manchmal hilft es auch, die Sachen einfach schon mal ein bisschen zu pürieren und natürlich auch gut zu kauen.
Das ist ja auch etwas, was wir immer wieder hören, dass wir schon so ein bisschen Vorarbeit leisten, um die Verträglichkeit zu steigern.
[Jason Raffington] (29:10 - 29:19)
Auch so Sachen wie Leute, die gerne Müsli essen, so Overnight Oats, die man dann schon in dem Abend vorher dann einweicht und im Kühlschrank stehen hat.
[Dr. Viola Andresen] (29:19 - 29:26)
Genau, dann sind die schon richtig schön aufgequollen und sind oft besser verträglich und haben trotzdem gleich schon die tolle Wirkung.
[Jason Raffington] (29:27 - 29:48)
Perfekt. Ich würde gerne über Schwangere sprechen, denn wir wissen ja jetzt, dass die Ballaststoffe unser Mikrobiom unterstützen und jetzt denke ich dann, wenn Schwangere geben ja maßgeblich das Mikrobiom für das Kind mit oder vor und sind dadurch Ballaststoffe nicht auch besonders wichtig für Schwangere?
[Dr. Viola Andresen] (29:49 - 31:18)
Absolut. Also es geht auch schon einmal damit los, dass viele Schwangere ja ein Problem mit der Verstopfung haben. Das heißt auch da können wir auf natürliche Weise die Darmtätigkeit antreiben und wie Sie schon sagten, wir wissen, dass die Babys davon abhängig sind, wie die Mütter sich ernähren in der Schwangerschaft tatsächlich.
Also da gibt es ja viele Studien, die das belegen. Und was da ganz spannend ist, ist auch eine Erkenntnis, es gibt spezielle Bakterienpopulationen, die einen bestimmten Zucker in der Muttermilch verstoffwechseln und dieser Zucker ist von der Natur aus so gestaltet, dass die Babys selber den nicht verstoffwechseln können, sondern es ist von der Natur aus angelegt, dass die Babys in der Muttermilch ein Probiotikum aufnehmen, was für ihre Darmbakterien förderlich ist und es ist gezeigt worden, dass die so genannten HMO-metabolisierenden Bakterien Stämme und die sind assoziiert hochsignifikant mit weniger allergischen Erkrankungen, besserem Immunsystem und so weiter.
Das heißt, in unseren Breiten tatsächlich reduziert diese Bakterien und eher in Regionen, wo sehr viel pflanzlich gegessen wird, ist es viel mehr. Das heißt auch hier, man kann es nicht genau beweisen, aber zumindest das Konzept, wenn man sich sehr pflanzlich ernährt, sehr ballaststoffreich sich ernährt, dass man dann auch die Chance hat, den Babys genau diesen wertvollen Bakterienstamm mitzugeben, damit das Immunsystem des Kindes einfach optimal gestärkt wird.
[Jason Raffington] (31:18 - 31:28)
Also sind Ballaststoffe im Grunde auch ein Schwangerschaftsnährstoff? Es gibt die bekannten Schwangerschaftsvitamine, von denen man viel hört, aber soweit ich weiß, spricht keiner von Ballaststoffen in diesem Kontext.
[Dr. Viola Andresen] (31:28 - 31:31)
Nein, aber es ist wirklich auf jeden Fall was super Wichtiges, auch in der Zeit.
[Jason Raffington] (31:31 - 31:37)
Wie früh sollte man dann damit anfangen und wie schnell verändert sich das Mikrobiom denn, wenn man anfängt, mehr Ballaststoffe zu essen?
[Dr. Viola Andresen] (31:38 - 32:19)
Also das Mikrobiom ändert sich relativ schnell, aber es bleibt dann nicht, wenn man nicht dabei bleibt bei der Ernährung sozusagen. Also man muss dann schon dabei bleiben, aber man sagt so nach vier bis sechs Wochen kann sich so ein Mikrobiom auch ändern, manchmal schon kürzer. Also man kann wirklich, wenn Menschen irgendwo in ferne Länder reisen und sich völlig anders ernähren, kann man schon nach einer Woche Veränderung im Mikrobiom sehen.
Also insofern, das kann schnell gehen, aber so eine nachhaltige Geschichte würde mindestens mal vier bis sechs Wochen dauern und dann würde man eben auch dabei bleiben müssen. Und natürlich, idealerweise ernährt man sich schon so, bevor man schwanger wird. Also eigentlich wäre ja die Botschaft, also wenn er nicht gerade ein Gegenargument hat, wie eine Darmerkrankung, sollte möglichst jeder Mensch sich ballaststoffreich ernähren.
[Jason Raffington] (32:19 - 32:39)
Sie hat nebenbei was erwähnt, was ich interessant finde, und zwar, dass verschiedene Stämme auch verloren gehen, je nachdem, wie sich eine Bevölkerung ernährt. Also wenn jetzt die Mutter beispielsweise auch sich sehr ballaststoffarm ernährt hat, dann kriegt das Kind eben entsprechend weniger Bakterienstämme mit und irgendwann geht das natürlich dann über Generationen hinweg verloren.
[Dr. Viola Andresen] (32:39 - 32:50)
Richtig, absolut, ja. Genau, insofern ist es Zeit, dass wir wieder eine insgesamt gesündere und ballaststoffreichere Ernährung in unseren Lebensstil einbauen.
[Jason Raffington] (32:50 - 33:03)
Wie ist das denn bei Kindern, die jetzt, also bekanntermaßen sind Kinder ja oft ein bisschen wählerisch, wenn es ums Essen geht. Wie kriegt man die denn dazu? Was haben Sie für Tipps für Eltern, um den Kindern das näher zu bringen?
[Dr. Viola Andresen] (33:03 - 34:22)
Also es ist ja immer ganz unklar, wie kommt das eigentlich? Und ich glaube ganz, ganz wichtig ist die Vorbildfunktion. Also irgendwie, wenn die Eltern immer schon Gemüse essen, dann wachsen die Kinder damit auf.
Ich halte es auch für einen Fehler, immer zu tun nach dem Motto, oh, iss erst was Gesundes, dann kriegst du anschließend die Süßigkeit oder so. Das suggeriert ja quasi, das Gesunde ist irgendwie so die Pflicht und das Andere ist das Leckere. Gemüse und ballaststoffreiche Ernährung kann so lecker sein, das ist ja überhaupt kein Widerspruch.
Und ich glaube, da ist viel anzusetzen. Und natürlich, ich finde schon, jedes Kind hat das Recht, auch bestimmte Sachen nicht zu mögen. Aber die Kinder, die so gar nichts mögen, da habe ich immer das Gefühl, da ist irgendwas schiefgelaufen.
Das kann eigentlich gar nicht sein. Und da muss man natürlich immer gucken, was ist jetzt das, was geht? Also bei kleinen Kindern, klassisch finde ich immer so Möhren, Gurken und so gehen natürlich immer Gurken, haben jetzt nicht so wahnsinnig viel Ballaststoffe.
Aber im Endeffekt ist es auch was Pflanzliches, wenn man die Schale dran lässt. Also einfach immer wieder anbieten und Gerichte kochen. Man kann ja auch manchmal die Sachen so ein bisschen reinschummeln.
Also man kann jetzt zum Beispiel, wenn man jetzt Kartoffelpüree macht, dann macht man eben eine Hälfte Kartoffeln und eine Hälfte irgendwie Gemüse rein. Das ist ja auch eine Option. Bei den Kindern, die es nun absolut nicht mögen.
Aber ich habe irgendwie immer so den Eindruck, dass viele Kinder auch vieles mögen können, wenn sie es nun mal richtig angeboten bekommen oder wenn es einfach so ganz normal dazu gehört.
[Jason Raffington] (34:22 - 34:28)
Ja, also ich glaube, dieser Reinschmuggeltrick ist wahrscheinlich ganz hilfreich. Hälfte normale Nudeln, Hälfte Vollkornnudeln.
[Dr. Viola Andresen] (34:28 - 34:29)
Zum Beispiel, genau.
[Jason Raffington] (34:29 - 34:45)
Also ich mache das selber auch. Das ist jetzt zwar eine andere Lebensmittelgruppe, aber ich weiß, dass Leber sehr gesund ist und die meisten, inklusive mir, finden den Geschmack jetzt nicht so gut. Trotzdem versuche ich hier nun wieder mal ein bisschen Leber in mein Essen zu schmuggeln und das mache ich dann in Form von Hackfleisch.
Da mische ich es mit rein.
[Dr. Viola Andresen] (34:45 - 34:45)
Ja, zum Beispiel, genau.
[Jason Raffington] (34:45 - 34:52)
Und so merkt man es einfach gar nicht. Also wäre vielleicht auch für Kinder was. Also Leute, die ihren Kindern auch irgendwie Leber nahe bringen wollen.
Das ist noch ein weiterer Tipp.
[Dr. Viola Andresen] (34:52 - 35:04)
Genau, und dann haben wir natürlich das klassische morgendliche Müsli. Da sollte man eben nicht das Zucker oder die Zuckerkornflakes nehmen, sondern man nimmt einfach ein zuckerfreies Müsli und da ist natürlich, mischt da noch ein paar Samen und Körner rein und dann hat man da auch schon Ballaststoffe.
[Jason Raffington] (35:04 - 35:21)
Ja, und in Ihrem Buch sind ja auch sehr viele Rezepte. Da kriegt man auch sehr viel Inspiration und es gibt ja sehr viele verschiedene Ballaststoffe. Also wir reden ja nicht nur von Hülsenfrüchten oder Vollkornnudeln, sondern es könnten auch Blaubeeren sein, es könnten Avocados sein, es könnte jedes mit Gemüse sein.
Also da hat man ja sehr viel Auswahl.
[Dr. Viola Andresen] (35:21 - 36:10)
Das ist es ja. Also es kann eigentlich nicht sein, dass man sagt, ich mag nichts mit Ballaststoffen. Das gibt es eigentlich gar nicht.
Es kommt auf jeden Fall irgendwas dabei. Ja, und es gibt auch wirklich ganz super leckere Sachen. Also ich finde zum Beispiel immer diese abendliche, also alle haben ja diesen abendlichen Snack so gerne mal vom Fernsehen.
Jetzt kommt bald Fußball-WM, dann stellt man sich die Tüte mit Chips in oder Schale. Und da kann man zum Beispiel variieren. Ich meine, heute zum Beispiel Airfryer ist ja auch der totale Renner.
Und da kann man sich wunderbare Gemüseschips machen. Absoluter Top-Lieferant von Ballaststoffen ist zum Beispiel Topinambur. Das ist ja so eine Knolle, die kann man auch im Gemüseladen finden.
Und die kann man ganz, ja, schneiden wie so Kartoffelschips, ganz eng würzen, Öl dran, in Airfryer. Und die sind so lecker, so knusprig. Das heißt, man kann dann statt Kartoffelschips bei den WM-Spielen dann Topinambur-Schips essen.
[Jason Raffington] (36:10 - 36:13)
Das finde ich gut. Ich liebe Topinambur. Das ist ein sehr guter Tipp.
[Dr. Viola Andresen] (36:13 - 36:15)
Ja, und das kennen viele gar nicht, ne?
[Jason Raffington] (36:15 - 36:17)
Ja, gibt's dann halt auch nicht überall.
[Dr. Viola Andresen] (36:17 - 36:31)
Nee, gibt's nicht überall, das stimmt. Aber alternativ, was es wirklich überall gibt, sind Kichererbsen. Kann man einfach aus der Dose, aus dem Glas abtropfen lassen.
Und dann mit Gewürzmischung, Öl in Airfryer, dann hat man so leckere Kichererbsensnacks. Total lecker.
[Jason Raffington] (36:31 - 36:33)
Ja, Airfryer sind schon praktisch.
[Dr. Viola Andresen] (36:33 - 36:36)
Ja, und gerade für solche Varianten.
[Jason Raffington] (36:36 - 36:56)
Ja, total. Kommen wir mal zu den Erwachsenen. Also, wer jetzt zuhört und sich fragt, ässe ich denn überhaupt genug Ballaststoffe?
Also, wie viel brauchen wir denn? Und woher weiß ich denn welche? Also, gibt's eine Orientierung, eine Faustregel, wenn ich jetzt im Supermarkt stehe, ohne jetzt unbedingt aufs Etikett gucken zu müssen, welche Lebensmittel tendenziell mehr haben?
[Dr. Viola Andresen] (36:57 - 38:14)
Also, grundsätzlich kann man sagen, also, wie gesagt, in pflanzlichen Stoffen, wenn Sachen sehr viel Wasser haben, haben sie weniger Ballaststoffe. Ist ja klar, weil es einfach Wasser hat. Man sollte bei Obst und Gemüse immer gucken, dass man es möglichst mit Schale isst.
Da empfiehlt es sich natürlich, wenn es irgendwie geht, Bioprodukte zu kaufen, die man halt gut wäscht, aber wo man die Schale dranlassen kann. Das ist zum Beispiel auch schon mal so ein Weg. Dann haben wir die Vielfalt angesprochen, dass man eben einfach das Spektrum der verschiedenen Ballaststoffe anbietet.
Und wir müssen ja nicht grammweise immer genau nachmessen. Empfohlen sind um die 30 Gramm. Das schaffen viele nicht.
Da ist ja ein bisschen das Ziel mit dem Buch, dass man sich da ein bisschen orientieren kann. Man kann so ein bisschen gucken, wie ernähre ich mich? Habe ich viel Obst und Gemüse an Bord?
Vollkornprodukte? Nüsse? Also, wie ist so meine Verteilung von Ballaststoff?
Und dann empfehlen wir eben auch, dass wirklich jede Mahlzeit Ballaststoffe enthalten sollte. Beim Frühstück sind es dann oft die Körner. Beim Mittagessen der Salat, das Gemüse.
Zum Snack, dann kann man auch mal eine grüne Banane essen, beispielsweise. Die hat auch sehr viel resistente Stärke. Wenn man jetzt beim Obst guckt oder eben Obst mit viel Schale, Äpfel haben Pektine drin.
Also, das sind ja alles Ballaststoffe. Und dann zwischendurch vielleicht mal ein paar Nüsse. Also, dass man einfach guckt.
Jede Mahlzeit sollte irgendwie Ballaststoffe enthalten. Und dann summiert sich das über den Tag.
[Jason Raffington] (38:15 - 38:40)
Ja, das finde ich einen sehr hilfreichen Ansatz. Das war auch oder ist auch, wie ich generell meine Mahlzeiten zusammenstelle. Ich überlege in erster Linie, was ist meine Proteinquelle hier?
Meine Welt geht nicht unter, wenn ich in einer Mahlzeit mal kein Protein habe. Aber trotzdem versuche ich mich so zu orientieren. Was ist meine Proteinquelle?
Was ist mein Gemüse bzw. meine Ballaststoffquelle? Und in der Regel habe ich dann immer noch ein gesundes Fett.
Ich bin ein großer Fan von Olivenöl.
[Dr. Viola Andresen] (38:40 - 38:41)
Absolut, ja.
[Jason Raffington] (38:41 - 38:51)
Und dann habe ich schon einen guten Teller zusammengestellt. Und die Kohlenhydrate, die entweder dann im ballaststoffreichen Lebensmittel schon drin sind oder eben nicht, sind dann eben noch eine Beilage sozusagen. Genau.
[Dr. Viola Andresen] (38:52 - 39:12)
Und es geht hier immer um die Verhältnismäßigkeit. Also die Kohlenhydratmenge sollte halt eher die kleinere sein. Und die anderen Dinge, also gerade Gemüse.
Und wir sagen ja auch im Grunde, Gemüse kann man eigentlich so viel essen, wie man will. Also vor allen Dingen, es macht ja auch eh satt. Also man kann ja gar nicht unendlich viel essen.
Und also sollte eigentlich bei jedem Essen irgendwie was dabei sein.
[Jason Raffington] (39:13 - 39:22)
Gibt es Empfehlungen, gewisse Ballaststoffe nicht vor dem Schlafen gehen zu essen? Also man hört ja manchmal, Rohkost nicht am Abend. Gibt es da bei den Ballaststoffen was ähnliches?
[Dr. Viola Andresen] (39:23 - 40:06)
Ja, natürlich. Also sagen wir mal so, das ist ja genau die Verdauungstätigkeit, die wir ja anregen mit den Ballaststoffen. Und wenn man abends um 22 Uhr noch einen Rohkostteller isst, dann ist der Darm damit natürlich die nächsten Stunden beschäftigt.
Und es gibt Menschen, denen macht das nichts. Aber es gibt auch Menschen, die sind dann wirklich in ihrem Schlaf gestört. Und aus verschiedenen anderen Gründen auch.
Wir haben ja auch diese Insulin-Thematik, dass wir sagen, möglichst nicht so spät abends essen, um einfach lange Insulinpausen zu haben. Menschen, die eine Refluxproblematik haben, also Sodbrennen, auch da würden wir ja sagen, möglichst abends nicht so spät essen. Also es gibt viele Gründe, die auch alle dafür sprechen, dass man abends nicht so spät isst und nicht direkt vorm Schlafen geht.
Und wenn dann auch nicht diese Menge an Ballaststoffen.
[Jason Raffington] (40:07 - 40:18)
Was wären denn Ihre Top-3-Ballaststoff-Lieferanten? Also wir haben jetzt schon ein paar gehört, ein paar Beispiele, Turbinambur, Schwarzwurzel auch. Aber sind die in den Top-3 oder gibt es noch andere?
[Dr. Viola Andresen] (40:19 - 41:03)
Also ich finde ja, wie gesagt, Frühstück finde ich immer die ganzen Körnermischungen toll. Oder es gibt auch so die ganzen Samenbrote, Samenkneckebrote, da ist auch im Buch ein Rezept drin, was man sich wunderbar selber machen kann. Dann hat man auch immer was zum Knabbern zwischendurch, wenn man mal dachte, es muss sich irgendwie doch mal was Trockenes knabbern und nicht kann ich immer nur auf der Möhre rumkauen.
So was finde ich immer super. Ich bin auch großer Fan von Hülsenfrüchten. Da gibt es ja auch die Vielfalt mit Linsen und Erbsen und Bohnen und da gibt es so viele tolle Gerichte.
Das wäre auch bei mir bei den Top-3 dabei. Das ist schwierig, es ist eigentlich so vieles. Dann natürlich Nüsse sind auch super.
Haben die gesunden Öle dabei, haben gleichzeitig die Ballaststoffe. Ja, das wären vielleicht nochmal ein paar Beispiele.
[Jason Raffington] (41:03 - 41:36)
Da haben Sie auch direkt ein Lieblingsrezept. Sie haben es auch schon Saatenbrot genannt. Das ist ehrlich gesagt mein Gamechanger gewesen in den letzten zwei Jahren.
Ich backe ja regelmäßig ein Brot aus Buchweizen. Da braucht man ja eigentlich nur im Grunde drei Zutaten. Wasser, Buchweizen, Körner und Salz.
Aber ich schmeiße dann natürlich noch einen Haufen anderer Sachen rein. Sonnenblumenkerne, Kürbiskerne und das ist so ein reichhaltiges Brot. Ich esse gerne Brot, also auch Sauerteigbrot, aber das ist so meine Basis und am Wochenende hier und da mal ein Sauerteigbrot.
Aber das finde ich super.
[Dr. Viola Andresen] (41:36 - 42:02)
Und man kann damit ja unglaubliche Geschmacksvielfalt herstellen. Je nachdem, welche Samen man da reinschmeißt, dann schmeckt es mal so, mal so. Es ist halt nicht immer dieses Einheitsbrot, was eigentlich immer aus den Ohren rauskommt.
Lieblingsrezept, also das Knäckebrot fände ich auf jeden Fall mit dabei. Wir haben auch viele Rezepte mit roten Linsen noch drin, also rote Linsensuppe zum Beispiel finde ich auch super lecker. Also ich würde mich gar nicht jetzt nur auf das eine Rezept stürzen wollen.
[Jason Raffington] (42:03 - 42:14)
Ja, das ist schwierig. Ja, rote Linsen, wenn Sie das sagen, das ist auch noch eines meiner Favoriten, tatsächlich rote Linsen Pizza. Also den Boden aus roten Linsen.
Und dann kann man natürlich da auch noch einen Haufen gutes Gemüse drauf machen.
[Dr. Viola Andresen] (42:15 - 42:41)
Genau, das ist auch, es gibt so viele Varianten und viele haben einfach auch, die wissen gar nicht, dass es so tolle Ideen gibt. Also man kann sagen, im Internet kursieren auch viele Kochtipps, aber in solche und solche Richtungen, aber da sind auch viele gute Sachen dabei. Und also einfach mal ein bisschen stöbern und recherchieren.
Man kann ja wunderbar Chat GPT auch nutzen und sagen, okay, ich möchte gerne eine ballaststoffreiche Pizza haben. Und dann kriegt man da vielleicht auch mal Tipps.
[Jason Raffington] (42:41 - 42:45)
Ja, es gibt ja auch einen Haufen Rezepte von den Ernährungs-Docs direkt online.
[Dr. Viola Andresen] (42:46 - 42:46)
Absolut, genau.
[Jason Raffington] (42:46 - 42:49)
Das ist eine sehr gute Ressource, würde ich sagen.
[Dr. Viola Andresen] (42:49 - 43:20)
Genau, wir haben ja die verschiedenen Bücher, aber wir haben eben auch den Instagram-Account, Kanal und ich glaube auch WhatsApp und überall werden regelmäßig Rezepte gepostet, die eigentlich alle im Grunde geeignet sind, weil wir reden heute über Ballaststoffe, aber auch die anderen Themen, wenn wir reden über Bauchfett abnehmen, anti-entzündlich, das ist eigentlich immer die gleiche Ernährung, über die wir reden. Es ist immer diese gemüsebasierte ballaststoffreiche Ernährung.
Deswegen sind es die verschiedenen Themen, aber es kommt eigentlich immer auf die gleiche Ernährung.
[Jason Raffington] (43:20 - 43:41)
Sie hatten eben auch erwähnt, als Faustregel, also Lebensmittel, die einen höheren Wassergehalt haben, haben weniger Ballaststoffe wie zum Beispiel Gurken. Und was mir da als Gedanke noch kam, waren Säfte. Also Leute lieben ja einen guten Orangensaft zum Frühstück und viele denken noch immer, das ist gesund und das ist toll.
Was ist Ihre Meinung zu Säften?
[Dr. Viola Andresen] (43:41 - 44:28)
Ja, also man kann sagen, die sind lecker, aber das war es eigentlich auch nicht ganz. Aber es ist eben nicht so gesundheitsfördernd, wie man vielleicht denkt. Also wir haben natürlich meistens gerade den Orangensaft einen hohen Zuckergehalt und alles, was toll ist an der Orange, nämlich die ganzen Faserstoffe aus den Schalen und aus den Hüllen der Schnitze, das geht uns dann verloren.
Also idealerweise hat man zumindest, wenn dann noch den mit den Fruchtstücken drin, da ist zumindest noch ein bisschen was dabei, aber am besten ist es eigentlich immer, die Früchte wirklich selbst direkt zu essen und nicht als Saft. Also natürlich kann man auch mal Saft trinken, weil es lecker schmeckt, aber um jetzt wirklich den vollen Wert der Früchte zu erhalten, sollte man sie einfach als Obst essen und wie gesagt, idealerweise mit Schale. Das fördert die Gesundheit.
[Jason Raffington] (44:28 - 44:32)
Macht das einen Unterschied, wenn ich jetzt Apfelsaft trinke, ob es naturtrüber oder klarer Apfelsaft ist?
[Dr. Viola Andresen] (44:33 - 45:13)
Das ist glaube ich egal, meine ich, das ist ein bisschen das Herstellverfahren, aber ) Ich hätte jetzt gedacht, vielleicht schwimmt da noch mehr von Ja, müsste eigentlich, ich muss gestehen. Also ich glaube, was den Vitamingehalt angeht, ist es auf jeden Fall egal, aber bei den Ballaststoffen müsste im Naturtrüben ein bisschen mehr drin sein. Aber auch hier haben wir viel Zucker.
Also würde ich immer raten, das eher als Schorle zu trinken und nicht pur, weil wir doch relativ viel Zucker und Kalorien mit solchen Säften zu uns nehmen und das sind immer so die versteckten Kalorien, die man nicht so auf Rechnung hat. Ist auch nicht so gut für die Zähne, das wissen wir ja auch, Zahnschmelze wird angegriffen durch die Säuren, also das kann natürlich auf jeden Fall Bestandteil der Ernährung sein, aber sollte jetzt eher ein kleiner Bestandteil sein.
[Jason Raffington] (45:13 - 45:27)
Ja und bei Gemüsesäften ist es dann wahrscheinlich ähnlich, also sie sind weniger süß jetzt als Fruchtsäfte in der Regel, aber wenn ich jetzt in den Supermarkt gehe und mir einen Rote-Bete-Saft kaufe, ist es jetzt auch nicht die beste Quelle für Ballaststoffe, sondern da sind dann auch andere Nährstoffe drin, aber
[Dr. Viola Andresen] (45:27 - 45:45)
Würde ich definitiv auch sagen, lieber auch, manche machen das ja auch für die Saftfasten, das ist natürlich auch mal eine Option, aber dann sind Gemüsesäfte auf jeden Fall besser als Fruchtsäfte, weil die einfach deutlich weniger Zucker haben in der Regel, aber um die volle gesundheitliche Kraft all dieser Gemüsesorten wirklich für sich zu bekommen, muss man das Gemüse so essen.
[Jason Raffington] (45:47 - 46:00)
Wenn unsere ZuhörerInnen jetzt eine Sache ändern sollten, wenn sie was empfehlen würden, wenn unsere ZuhörerInnen jetzt noch in den Supermarkt gehen, das nächste Mal, was würden sie Ihnen ans Herz legen oder worauf man achten sollte vielleicht?
[Dr. Viola Andresen] (46:02 - 46:43)
Naja, ich würde vielleicht meinen Blick in den Einkaufswagen werfen und gucken, okay, habe ich jetzt hier ordentlich Gemüse an Bord, also dass man vielleicht nicht nur das Toastbrot und die Butter und den Käse kauft, sondern auf jeden Fall sich eine Weile in der Gemüseabteilung auffällt, das wäre vielleicht. Und für wen das zu aufwendig ist, frisches Gemüse zu putzen und alles, da kann man ja auch wirklich auf Tiefkühlgemüse mal ausweichen, das sind ja wirklich auch gute Alternativen, nicht so perfekt, aber ehe man jetzt gar kein Gemüse ist aus Zeitgründen, dann das Tiefkühlgemüse ohne Gewürzmischung, alles einfach nur tiefgefroren und da haben wir ja auch viele Vitamine noch, es wird ja in der Regel erntefrisch eingefroren, das ist dann immer noch eine Alternative, also es sollte bei jedem Einkauf Gemüse dabei sein.
[Jason Raffington] (46:44 - 46:53)
Ja, und vielleicht auch einfach mal was Neues ausprobieren, was man noch nicht ausprobiert hat und dann vielleicht entweder vorher schon oder dann eben hinterher googeln, okay, was kann ich denn daraus machen?
[Dr. Viola Andresen] (46:53 - 47:19)
Ja, es gibt ja, glaube ich, die beiden Gruppen. Es gibt die Leute, die sagen, okay, was habe ich da, was kann ich daraus kochen? Und die anderen, die eher sagen, oh, ich muss mir erst mal ein Rezept raussuchen und dann gehe ich mit dem Rezept einkaufen.
Also ich glaube, da muss man gucken, was man für ein Typ ist oder auch vielleicht wie erfahren bei einem Kochen ist. Ich bin auch eher derjenige, der vorher das Rezept sucht und dann einkaufen geht. Jetzt bin ich nicht so kreativ, dass ich aus den Dingen, die ich da habe, immer so was Neues zaubern kann, aber das kommt auch, je mehr man kocht, desto mehr kommt man da auch rein.
[Jason Raffington] (47:19 - 47:29)
Ja, und es gibt auch noch diese Challenge, sage ich mal, wo man sagt, 30 verschiedene Gemüse pro Woche oder 30 verschiedene. Verschiedene, genau.
[Dr. Viola Andresen] (47:29 - 47:49)
Das ist gar nicht einfach, weil man ja doch ein bisschen eingefahren ist und zum Beispiel, ich habe auch eigentlich fast jeden Morgen in meinem Frühstück Blaubeeren. Da muss ich mich auch selber mal sagen, okay, jetzt wechsle ich mal, weil ich esse auch so gerne Blaubeeren und da sind wir alle nicht davor gefeit, dass man so gewisse Routinen hat. Aber die müssen ja auch nicht unbedingt schlecht sein.
[Jason Raffington] (47:50 - 48:01)
Ja, wenn es halt einfach ist und man dann eben weniger Probleme hat, es umzusetzen, als wenn man jetzt sagt, okay, ich kaufe mir jetzt jeden Tag irgendein neues Gemüse und muss erstmal lernen, wie ich es zubereite und mache es am Ende gar nicht.
[Dr. Viola Andresen] (48:01 - 48:22)
Ja, und wir sagen ja immer, man muss die Dinge auch so langsam ändern. Also man kann nie im Leben von jetzt auf gleich sein Leben komplett umschmeißen. Das machen einige und manche halten es doch durch, aber die wenigsten halten das ja langfristig durch.
Sondern wenn, dann geht es ja darum, in kleinen Schritten Dinge zu ändern und dann irgendwann merkt, dann werden diese Dinge nämlich zu den Routinen und plötzlich kann man sich gar nicht mehr vorstellen, dass man das früher mal ganz anders gemacht hat.
[Jason Raffington] (48:23 - 48:31)
Ja, was ich persönlich auch noch ganz hilfreich finde, also für mich, das muss jetzt auch nicht für jeden funktionieren, ist eine Obst- und Gemüsekiste zu abonnieren.
[Dr. Viola Andresen] (48:31 - 48:32)
Das ist super.
[Jason Raffington] (48:32 - 48:49)
Dann kommt das nämlich monatlich und man hat es da und ich habe das Gefühl, okay, jetzt ist es da, jetzt muss ich es auch essen, weil ich will nicht, dass es schlecht wird und dann kommt also das, was ich bestelle, ist dann eben eine saisonale Kiste und dann kommt das jeden Monat und ich bekomme Bio-Lebensmittel saisonal. Das ist eine Mischung aus Obst und Gemüse und das ist super.
[Dr. Viola Andresen] (48:50 - 49:00)
Das ist ganz toll und da hat man auch meistens genug Auswahl, ob man das jetzt kocht oder als Rohkost isst. Das Allermeiste kann man ja auch dann so oder so essen. Das heißt, dann kann man auch wirklich sehr vielfältig damit umgehen.
[Jason Raffington] (49:01 - 49:02)
Und im Notfall kann man es auch noch einfrieren.
[Dr. Viola Andresen] (49:02 - 49:03)
Genau.
[Jason Raffington] (49:04 - 49:10)
Gibt es noch eine Abschluss-Message, die Sie gerne teilen würden oder einen Impuls, den Sie noch mitgeben wollen?
[Dr. Viola Andresen] (49:12 - 49:31)
Nein, vielleicht einfach nochmal den Wert von diesen vielleicht ja unterschätzten oder verkannten Ballaststoffen, weil alle reden immer über Proteine und Zucker und Fett, aber es ist wenig Thema, dass die Ballaststoffe einfach enorm wichtig sind und wie es sich jetzt herausstellt, fast mit am wichtigsten.
[Jason Raffington] (49:32 - 49:34)
Ja, es ist tatsächlich wirklich so ein Longevity-Nährstoff.
[Dr. Viola Andresen] (49:34 - 49:35)
Absolut.
[Jason Raffington] (49:36 - 49:51)
Okay, super. Das Buch heißt Mein Ballaststoff-Masterplan für alle, die noch ein bisschen tiefer einsteigen wollen und die auch Inspiration brauchen, was Rezepte angeht. Wo können unsere ZuhörerInnen noch mehr von Ihnen lernen, vielleicht auch mit Ihnen zusammenarbeiten, weil Sie sehen ja auch Patienten?
[Dr. Viola Andresen] (49:52 - 50:47)
Richtig, also ich bin am Medizinikum in Hamburg tätig, habe dort Sprechstunden für Menschen, die meisten kommen wegen Verdauungsbeschwerden, aber natürlich auch mit Ernährungsthemen. Ansonsten, wie gesagt, zu Ernährungsfragen haben wir ja sehr viele Informationen auf der Ernährungs-Doc-Homepage. Da sind ja sehr viele Informationen zu den verschiedenen Krankheitsbildern, welche Ernährung sich dort eignet.
Da sind jeweils auch immer Rezeptbeispiele. Natürlich kann man auch die Sendungen gucken und einmal jährlich kann man sich auch, zumindest im norddeutschen Raum, natürlich auch bei uns bewerben als Kandidat. Für dieses Jahr haben wir die Kandidaten jetzt alle beisammen, aber das geht dann immer ab Januar wieder neu los.
Wenn man eine bestimmte Erkrankung oder Fragestellung hat, kann man sich dann auch sehr gerne bei den Ernährungs-Docs bewerben. Und ansonsten, wie gesagt, Instagram, YouTube haben wir auch, natürlich die Folgen, aber ein WhatsApp-Kanal, also Instagram und WhatsApp-Kanal, da sind regelmäßig Informationen zu Ernährung und Rezepten.
[Jason Raffington] (50:47 - 50:52)
Das teilen wir dann gerne in den Show Notes auch, dass die ZuhörerInnen wissen, wo sie sie finden können. Sehr gut. Super, vielen Dank.
[Dr. Viola Andresen] (50:52 - 50:53)
Ja, danke auch.
