

Mundmikrobiom verstehen mit Dr. Katharina Broos
Gesunde Zähne sind wichtig, doch eine umfassende Mundpflege bedeutet noch viel mehr. In dieser HEALTHWISE-Folge spricht Host Nils Behrens mit der Zahnärztin und Expertin für funktionelle Zahnmedizin Dr. Katharina Broos über das Mundmikrobiom, moderne Zahnpflege und die Bedeutung des Zahnfleisch für unser tägliches Wohlbefinden. Im Mittelpunkt steht dabei ein Thema, das oft unterschätzt wird: die natürliche Balance der Bakterien im Mundraum und ihre Rolle für unsere Vitalität.
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Warum das Mundmikrobiom so wichtig ist
Das Mundmikrobiom beschreibt die Gesamtheit der Mikroorganismen, die im Mund leben. Ähnlich wie beim Darmmikrobiom gibt es auch hier eine Vielzahl von Bakterien, die in einem natürlichen Gleichgewicht stehen sollten. Dr. Katharina Broos betont, dass der Mund eine besondere Rolle spielt, da er die erste Kontaktstelle zwischen Umwelt und Körper ist. Das Mundmikrobiom unterstützt verschiedene natürliche Prozesse und spielt eine wichtige Rolle für ein intaktes Milieu im Mundraum. Gerät dieses natürliche Gleichgewicht aus der Balance, können sich bestimmte Bakterien stärker vermehren und das Mundklima ungünstig beeinflussen. Typische Anzeichen hierfür können sein:
- Zahnfleischbluten
- Mundgeruch
- empfindliches Zahnfleisch
- wiederkehrende Entzündungen im Mundraum
Aus Sicht von Dr. Broos lohnt es sich deshalb, diesen feinen Signalen frühzeitig Aufmerksamkeit zu schenken.
Zahnpflege 3.0: Ein neuer Blick auf Mundgesundheit
Ein zentrales Thema der Folge ist die sogenannte „Zahnpflege 3.0“.
Darunter versteht Dr. Katharina Broos einen ganzheitlichen Ansatz, der nicht nur die Zähne betrachtet, sondern das gesamte Mundmilieu berücksichtigt.
Dazu gehören unter anderem:
- eine passende Zahnpflege-Routine
- die Berücksichtigung des Mundmikrobioms
- Ernährung
- Schlaf
- Stressmanagement
- individuelle Bedürfnisse
Statt möglichst viele Bakterien zu entfernen, steht die Unterstützung eines ausgeglichenen Mundmilieus im Vordergrund.
Neue Routinen für die tägliche Mundpflege
Besonders wichtig ist laut Dr. Broos die tägliche Hauspflege.
Zu einer umfassenden Mundpflege können gehören:
- zweimal tägliches Zähneputzen
- Zahnseide oder Interdentalbürsten
- Zungenschaben
- eine individuell passende Zahnpasta
Darüber hinaus beschreibt sie das Ölziehen als Bestandteil ihrer persönlichen Morgenroutine. Beim Ölziehen wird ein Pflanzenöl für einige Minuten im Mund bewegt und anschließend ausgespuckt.
Zusätzlich empfiehlt sie das Zungenschaben, um Beläge zu entfernen, die sich insbesondere über Nacht bilden können.
Ernährung und ein intaktes Mundmilieu
Auch die Ernährung spielt laut Dr. Katharina Broos eine wichtige Rolle für unser Mundklima. Sie erklärt, dass bestimmte Bakterien Zucker als Nahrungsquelle nutzen. Dabei entstehen Stoffwechselprodukte, die das natürliche Gleichgewicht im Mund beeinflussen können. Für ein frisches und ausbalanciertes Mundgefühl können daher hilfreich sein:
-
- eine insgesamt ausgewogene Ernährung
- ein bewusster Umgang mit zuckerreichen Lebensmitteln
- regelmäßige Mahlzeiten statt dauerhaftes Snacken
Dr. Broos betont dabei, dass die Pflege des Mundraums immer im Zusammenspiel verschiedener Faktoren betrachtet werden sollte.
Zahnpasta: Worauf kommt es an?
Ein weiterer Schwerpunkt der Folge sind Zahnpasta-Inhaltsstoffe. Dr. Katharina Broos empfiehlt, die Inhaltsstoffe bewusst auszuwählen, da Zahnpasta täglich verwendet wird und mit der Mundschleimhaut in Kontakt kommt.
Im Podcast werden unter anderem folgende Inhaltsstoffe besprochen:
| Inhaltsstoff | |
| Fluorid | trägt zur Erhaltung der Zahnmineralisierung bei |
| Xylit | trägt zur Erhaltung der Zahnmineralisierung bei |
| Calcium | wird für die Erhaltung normaler Zähne benötigt |
| Hydroxylapatit | wird als ergänzender Inhaltsstoff für die Zahnpflege thematisiert |
Dr. Broos ordnet dabei Fluorid und Hydroxylapatit nicht als Gegensätze ein, sondern beschreibt beide als mögliche Bestandteile moderner Zahnpflege.
Mundgesundheit ist mehr als Zähneputzen
Ein wiederkehrender Gedanke der Folge ist, dass die Pflege unseres Mundraums nicht isoliert betrachtet werden sollte. Dr. Broos nennt verschiedene Lebensstilfaktoren, die ebenfalls eine Rolle spielen können:
- Schlaf
- Stressmanagement
- Ernährung
- regelmäßige Zahnpflege
- professionelle Kontrollen
Ziel ist es, langfristig Bedingungen zu schaffen, die ein ausgewogenes Mundmilieu unterstützen.
Checkliste: Mundgesundheit im Alltag unterstützen
Diese Tipps aus der Folge lassen sich direkt umsetzen:
- Zweimal täglich gründlich Zähne putzen
- Zahnzwischenräume täglich reinigen
- Auf die Signale des Zahnfleisches achten
- Zunge regelmäßig reinigen
- Zahnpasta bewusst auswählen
- Zuckerhaltige Snacks reduzieren
- Regelmäßige Kontrolltermine wahrnehmen
- Schlaf und Stressmanagement nicht vernachlässigen
TAKE AWAYS
- Das Mundmikrobiom spielt eine wichtige Rolle für ein intaktes Mundmilieu.
- Signale des Zahnfleisches und fehlende Atemfrische sollten ernst genommen werden.
- Moderne Zahnpflege berücksichtigt das gesamte Mundmilieu.
- Ernährung kann das Gleichgewicht im Mund beeinflussen.
- Zur täglichen Mundpflege gehören auch Zahnzwischenraumreinigung und Zungenpflege.
- Eine umfassende Mundhygiene steht im Zusammenhang mit verschiedenen Lebensstilfaktoren.
- Eine langfristige Routine ist wichtiger als einzelne Maßnahmen.
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Dr. Katharina Broos ist Zahnärztin und beschäftigt sich intensiv mit moderner, ganzheitlicher Zahnmedizin. In ihrer Arbeit verbindet sie aktuelle wissenschaftliche Erkenntnisse mit einem individuellen Blick auf ihre Patientinnen und Patienten.
Ein besonderer Schwerpunkt ihrer Tätigkeit liegt auf der Mundgesundheit als Teil des gesamten Wohlbefindens. Dabei betrachtet sie nicht nur einzelne Zähne, sondern auch Faktoren wie das Mundmikrobiom, Prävention und langfristige Zahngesundheit.
Mehr Informationen: https://www.zahnarzt-broos.de/
203 Dein Mundmikrobiom – Schlüssel zur Gesundheit & Zahnpflege 3.0. Mit Dr. Katharina Broos
[Dr. Katharina Broos] (0:00 - 0:25)
Es gibt ganz viele verschiedene Krankheiten, die mit einem Mundmikrobiom außer Balance zusammenhängen. Und da ist die Forschung gerade dran, und es ist super spannend und eigentlich total erschreckend, dass so ein bisschen, ja, wenn du jetzt Zahnfleischbluten hast, du denkst dir nichts dabei, du denkst, es geht weg. So einfach ist es nicht.
Das sollte so der erste Punkt sein, wo du sagst, okay, ich möchte mein Zahnfleischbluten und meinen Mundgeruch beseitigen, damit ich meinem Körper helfe, gesund zu bleiben.
[Nils Behrens] (0:26 - 1:31)
Herzlich willkommen zu HEALTHWISE, dem Gesundheitspodcast, präsentiert von Sunday Natural. Ich bin Nils Behrens und in diesem Podcast erkunden wir gemeinsam, was es bedeutet, gesund zu sein. Wir tauchen ein in Themen wie Medizin, Bewegung, Ernährung und emotionale Gesundheit.
Immer mit einem weisen Blick auf das, was uns wirklich gut tut. Wir leben in einer Zeit, in der Gesundheit oft beim Herzen, beim Darm und beim Schlaf beginnt, aber kaum jemand denkt an den Ort, an dem Gesundheit eigentlich anfängt, den Mund. Und je länger man sich damit beschäftigt, desto klarer wird, unsere Zähne sind nicht einfach weiße Möbelstücke im Gesicht, sondern ein komplett unterstütztes Ökosystem.
Dr. Katharina Brose ist Zahnärztin der nächsten Generation, spezialisiert auf Mundmikrobiomen, zertifiziert in funktioneller Medizin und Gründerin einer Praxis, die Zahnmedizin eher wie eine Maßanfertigung behandelt, als wie eine Reparaturwerkstatt. Sie verbindet Hightech-Diagnose mit einem tiefen Verständnis dafür, wie eng Zähne, Immunsystem und allgemeine Gesundheit zusammenhängen und mit ihrer Mission Zahnpflege 3.0 setzt sie ein neues Verständnis von Prävention und Personal Health. Und deswegen sage ich herzlich willkommen, Dr. Katharina Broos.
[Dr. Katharina Broos] (1:31 - 1:35)
Danke Nils, danke für das schöne Intro. Ich freue mich total, hier in Berlin zu sein.
[Nils Behrens] (1:35 - 1:55)
Ich finde es total schön, dass du bei mir bist und ich finde es so witzig, weil du kommst ja aus München und in München habe ich schon mal eine Folge aufgenommen mit einem Orthopäden, der eben halt auch immer von Orthopädie 3.0 gesprochen hat. Du sprichst jetzt von Zahnpflege 3.0, also von daher, das scheint in München so eine 3.0-Welt zu sein.
[Dr. Katharina Broos] (1:55 - 1:56)
Könnte sein.
[Nils Behrens] (1:57 - 2:13)
Ich habe als erste Frage immer eine Sonntagsfrage und wenn du an einen richtig guten Sonntag denkst, wie wichtig ist der Tag für deine Mundgesundheit? Also gibt es da irgendwas, was vielleicht eine Routine beinhaltet, die vielleicht nur an Sonntagen stattfindet oder würdest du sagen, nein, da sind alle Tage gleich?
[Dr. Katharina Broos] (2:14 - 2:25)
Okay, wenn wir ganz ehrlich sind, sind alle Tage gleich, aber der Sonntag ist natürlich so ein Tag zum Runterkommen, zum Stressabbau. Ich starte jeden Tag mit Öl ziehen. Lieben wir.
[Nils Behrens] (2:25 - 2:50)
Lieben wir, lieben wir das. Ich habe das tatsächlich auf meiner Ayurveda-Kur auch geliebt und dann im Alltag wieder verlachlässigt. Aber sag mir mal ganz kurz, jeden Morgen und ich glaube bei Ayurveda war es so, dass sie das morgens sogar als allererstes, bevor du überhaupt was trinkst, damit die Gifte, die sich in deinem Mund gesammelt haben, gebunden werden und rausgehen.
Ist das richtig?
[Dr. Katharina Broos] (2:51 - 3:15)
100 Prozent. Ich stehe auf, im Bad steht so ein Pott Kokosöl. Das ist halt jetzt im Moment fest, weil es ist kalt.
Da habe ich mir noch so ein paar Sachen mit reingemischt, so ein paar Specials. Dann nehme ich einen Löffel, zehn Minuten lasse ich es im Mund. So lange?
Ja, dann ich gehe duschen, ich mache meine Skincare, ich brühe mir schon mal meinen Kaffee auf. Dann spucke ich es aus, immer in den Müll, ganz wichtig. Und dann nehme ich meinen Edelstahl-Zungenschaber und mache noch das Zungenschaben.
[Nils Behrens] (3:16 - 3:40)
Ich habe jetzt einen von Netsch, das ist so mein Neues. Ich liebe ja so Items, die so eine schöne Haptik haben. Und deswegen erwähne ich das, weil der ist aus Kupfer, glaube ich.
Und das Tolle ist, man kann den hinstellen, das finde ich auch so schön. Da liegt nicht noch was weiter oben. Das ist mein absolutes Lieblings-Item neuerdings.
Also das Zungenschaber, da bin ich schon mal dabei. Aber ich habe das Gefühl, wir steigen gleich viel zu sehr ein.
[Dr. Katharina Broos] (3:41 - 3:45)
Also der Sonntag. Die harmlose Sonntagsfrage. Das ist die genau, die geht schon gleich in die Tiefe.
[Nils Behrens] (3:45 - 4:02)
Wir müssen auf jeden Fall, wir dürfen weder Zungenschaben noch das Ölziehen vergessen. Also nur ganz kurz eine letzte Frage, dann schließen wir das Ölziehen zumindest mal ab. Das Thema Ölziehen, würdest du also grundsätzlich allen empfehlen zu tun?
Oder gibt es da, also warum macht man das tatsächlich, um die Giftstoffe zu binden?
[Dr. Katharina Broos] (4:03 - 4:21)
Ja, um die Bakterien, die über Nacht ja im Mund gewachsen sind. Das ist ja ein feuchtes Milieu, das möchten wir so ein bisschen befreien. Genauso wie beim Zungenschaben.
Schützt ja auch total vom Mundgeruch. Und ich bin ja weg von diesen Mundspüllösungen tatsächlich. Wir nehmen stattdessen das Öl zum Ölziehen.
[Nils Behrens] (4:22 - 4:33)
Ja, Mundspüllöl, ich habe ja tatsächlich jetzt hier, ich glaube es ist im Rahmen von Healthwise, mein dritter Zahn-Podcast, den ich jetzt hier aufnehmen darf. Und ich glaube, es gibt keinen seriösen Zahnarzt, der diese Mundspülung für gut hält.
[Dr. Katharina Broos] (4:33 - 4:48)
Das ist so krass, oder? Trotzdem, du gehst in die Drogerie und es ist alles voll. Niemand weiß es.
Das wäre so, wie wenn du hast ein Darm-Mikrobiom und sagst, ich trinke jetzt jeden Tag Desinfektionsmittel, weil ich möchte hier einmal durchdesinfizieren. Es würde ja nie ein Mensch auf die Idee kommen.
[Nils Behrens] (4:48 - 5:14)
Es ist auch so witzig, weil die meisten Leute wissen ja mittlerweile, die aufgeklärt sind, dass Antibiotika erstmal schlecht für den Darm sind. Aber eigentlich machst du ja so einen Mini-Antibiotika für den Mund. Aber deswegen kommen wir ja direkt zu dem Thema, worüber wir eigentlich heute sprechen wollen, das Thema Mundmikrobiom.
Aber deswegen, meine erste Frage, meine ernst gemeinte erste Frage ist in diesem Zusammenhang, viele denken immer noch, dass Mundgesundheit gleich Zähneputzen ist. Warum ist das aus deiner Sicht schon fast eine, ich sag jetzt mal, romantische Vereinfachung?
[Dr. Katharina Broos] (5:15 - 5:28)
Also, ich bin ja so, oder die Folge heißt ja Zahnpflege 3.0. Und es war so lustig, weil ich habe gestern deinen Darm-Mikrobiom-Podcast gehört und da hast du gesagt, das neue Buzzword wird Ballaststoffe.
[Nils Behrens] (5:29 - 5:29)
Ja.
[Dr. Katharina Broos] (5:29 - 5:53)
Habe ich irgendwie auch so das Gefühl, also ich bin jetzt nicht so tief drin in der Materie wie du, aber ich glaube auch, dass eins der neuen Buzzwörter Mundmikrobiom und Zahngesundheit sein werden, 2026, 2027. Das freut uns Zahnärzte natürlich total. Und ich sage dir, auch in meiner Praxis, ich habe ja eine Praxis in München, die Patientinnen setzen sich hin mittlerweile und sagen so, Kati, was kann ich tun, um mein Mundmikrobiom zu unterstützen?
[Nils Behrens] (5:53 - 6:03)
Aber ich muss hier trotzdem an dieser Stelle jetzt einmal, weil ich glaube, sonst schalten alle ab und sind stinksauer. Wir müssen einmal kurz aufklären, was ist eigentlich ein Mikrobiom und warum ist das im Mund?
[Dr. Katharina Broos] (6:04 - 6:15)
Okay, sehr gut. Wir starten beim Mundmikrobiom. Das Mundmikrobiom, das sind Bakterien, die in unserem Mund leben.
Genauso wie die guten Darmbakterien in unserem Darm, gibt es gute Bakterien in unserem Mund.
[Nils Behrens] (6:15 - 6:47)
Und dazu muss ich jetzt mal sagen, ich bin ja dann irgendwie deutlich jünger als du. Früher gab es immer noch tatsächlich solche Zahnfärbtests. Das heißt also, da hat man in der Fernsehwerbung gesehen, dass die Leute dann irgendwelche komischen Tabletten gekaut haben und danach konnte man sehen, wo noch Belege auf den Zähnen sind.
Und das muss ich immer daran denken. Wenn mir jemand erzählt, ich habe Bakterien im Mund, dann muss ich immer an diese lustigen Tabletten denken, die dann alles dann irgendwie so abgezeichnet haben, was auf den Zähnen ist. Dann denke ich mir so, Mensch, wenn ich Bakterien im Mund habe, habe ich scheinbar nicht richtig geputzt.
Aber das ist nicht so.
[Dr. Katharina Broos] (6:48 - 7:20)
Es klingt eklig, es ist aber das komplette Gegenteil. Das ist genauso wie unser Darmmikrobiom. Das Mundmikrobiom hilft uns.
Das, von was du gerade gesprochen hast, dieses rosa Zeug, das da drauf klebt, das sind die Bakterien, die nicht so gut sind. Die wollen wir ja mit unserer Zahnbürste entfernen. Aber unser Mundmikrobiom, das hilft unserem Immunsystem, das hilft uns bei der Verdauung, das hilft beim pH-Wert.
Das ist unfassbar wichtig für unsere Allgemeingesundheit, weil der Mund ist das Tor zum Körper. Da geht es los. Wenn da was nicht stimmt, weißt du, da stimmt wahrscheinlich mit der Allgemeingesundheit auch was nicht.
[Nils Behrens] (7:20 - 7:33)
Okay, also wir haben gute Bakterien im Mund. Und du sagst, dass Entzündungen im Mund häufig auch der Ausgangspunkt für systemische Erkrankungen sind. Wie entsteht denn diese stille Eskalation im Körper?
[Dr. Katharina Broos] (7:34 - 8:57)
Okay, also es gibt da verschiedene Wege, aber im Grunde ist es so, unser Mundmikrobiom ist eigentlich im Balance. Das heißt, dem geht es allen gut, die haben genug zu essen, die freuen sich, die besetzen unsere Zähne, die besetzen unsere Zahnfleischtaschen, die liegen überall auf den Oberflächen. Wenn jetzt ein böses Bakterium reinkommt in den Mund, dann verdrängen die das und dann hat es gar keine Chance.
Das ist eigentlich so das Grundsystem, wie es unserem Immunsystem hilft. Wenn das jetzt außer Balance ist, dann haben wir ein Thema, weil dann kommen Entzündungsmediatoren und dann schlägt unser Immunsystem Alarm. Und dieser Alarm setzt sich natürlich dann in unseren ganzen Körper fort.
Das heißt, wir bekommen dadurch ein erhöhtes Risiko von Herzinfarkt, Schlaganfall, Krebs, kann ich dir später gleich noch, können wir in ein paar Studien reingehen, also Diabetes, Übergewicht. Es gibt ganz viele verschiedene Krankheiten, die mit einem Mundmikrobiom außer Balance zusammenhängen. Und da ist die Forschung gerade dran.
Das ist super spannend und eigentlich total erschreckend, dass so ein bisschen, ja, wenn du jetzt Zahnfleischbluten hast, du denkst dir nichts dabei, du denkst, es geht weg, so einfach ist es nicht. Das sollte so der erste Punkt sein, wo du sagst, okay, ich möchte mein Zahnfleischbluten und meinen Mundgeruch beseitigen, damit ich meinem Körper helfe, gesund zu bleiben.
[Nils Behrens] (8:58 - 9:12)
Dann lass uns doch mal konkret über eine Sache reden, das Thema Immunsystem. Weil das finde ich ja schon wirklich spannend, dass das Immunsystem tatsächlich mit dem Zustand des Mundes auch zusammenhängt. Kannst du uns da vielleicht ein bisschen aufklären, wie das wirklich gemeinsam funktioniert?
[Dr. Katharina Broos] (9:13 - 9:59)
Der Mund ist ein super wichtiges Organ fürs Immunsystem, weil das ist ja so der Einstieg. Wenn Bakterien in unseren Körper kommen, dann meistens erst mal über den Mund. Die können entweder durch die kleinen Zahnfleischtaschen in unsere Blutbahn reinwandern oder eben indirekt so eine chronische Entzündung auslösen.
Und unser Immunsystem schlägt sofort im Mund Alarm. Da sind kleine Marker im Speichel, da sind Marker auf unseren Schleimhäuten. Also sobald ein Bakterium reinkommt, wenn es im Balance ist, kann das Immunsystem so ein bisschen trainieren.
Das ist eigentlich cool. Das ist ein Trainingszentrum, dass wenn es später noch mal reinkommt, kann man sagen, okay, ich habe die Antigene schon parat. Ich kann das gut tacklen.
Wenn es aber im Disbalance ist, dann können die schlechten Bakterien da anfangen zu wachsen und eben chronische Entzündungen auslösen.
[Nils Behrens] (10:00 - 10:08)
Sehr, sehr spannend. Jetzt lass uns doch mal wirklich von Zahnpflege 3.0 sprechen. Was unterscheidet denn diese neue Ära von dem, was wir bisher gelernt haben?
[Dr. Katharina Broos] (10:09 - 10:45)
Also Zahnpflege 1.0 ist eine Zahnbürste und eine Zahnpasta. Zahnpflege 2.0 sind so die elektrischen Zahnbürsten, die Zahnseide, dass du mal eine Interdentalraumbürstchen benutzt und eine Zahnpasta und vielleicht eine Mundspüllösung. Und Zahnpflege 3.0 ist für mich jetzt so eine Zahnpflege, wo du sagst, ich gehe auf das Mundmikrobiom ein. Ich habe eine supergute Zahnpasta mit Top-Inhaltsstoffen. Ich gehe vielleicht weg von der Mundspüllösung und hin zum Ölziehen. Und ich personalisiere das Ganze so ein bisschen.
Auch mit Ernährung, auch mit Stressmanagement, auch mit Schlaf. Hängt ja alles mit der Mundgesundheit zusammen.
[Nils Behrens] (10:45 - 10:56)
Ich finde das ganz witzig, weil du sagst personalisieren. Und du hast ja eben gerade schon darauf angesprochen, das Thema Mikrobiom im Darm. Also das größte Mikrobiom ist, glaube ich, im Darm.
Das zweitgrößte, ich bin mir nicht sicher, ob es auf der Haut oder im Mund ist.
[Dr. Katharina Broos] (10:56 - 10:57)
Ist im Mund.
[Nils Behrens] (10:57 - 11:14)
Ist im Mund, okay. Und da ist es aber auf jeden Fall so, dass beim Darm Bakterien, die brauchen ja auch immer was zu futtern, muss man ja so sagen. Das heißt also, da sind wir dann bei dem Thema Ballaststoffen.
Was gibt man denn dem Mundmikrobiom Bakterien sozusagen? Womit sind die denn glücklich?
[Dr. Katharina Broos] (11:15 - 12:12)
Also es gibt im Mund, du meintest jetzt gerade auch Präbiotika, oder? Im Mund gibt es nicht so richtig die Präbiotika in Form von Nahrung. Da gibt es aber zum Beispiel Arginin.
Das ist so eine Aminosäure. Es gibt aber im Speichel holen die sich alle Nahrungsbestandteile, weil wir essen ja die, die brauchen. Also Proteine, Kohlenhydrate.
Das schwimmt da alles herum und das fressen die dann. Das heißt, wenn wir uns gut ernähren, wenn wir ballaststoffreich, proteinreich, nicht zu viel weißer Zucker, weil dann kippt es, dann rutscht es in so ein saures Milieu, dann entsteht Karies. Das ist so der Klassiker.
Du isst Zucker, der pH-Wert im Mund sinkt, die Bakterien, die schlechten, freuen sich total, fressen den, scheiden dann Milchsäure aus und dann geht diese Säure an den Zahn und macht unsere Zähne kaputt und dann so entsteht Karies und auch eine Parodontitis zum Beispiel, weil die schlechten Bakterien überhand nehmen. Also es kippt alles.
[Nils Behrens] (12:13 - 12:53)
Sehr interessant. Jetzt kommen wir mal zu einem anderen Trend, den ich jetzt wiederum aus einem anderen Podcast-Gespräch auch so habe. Da kommt man ja immer auf dieses Thema Apfelessig.
Das heißt also morgens am besten so ein bisschen Apfelessig zu sich nehmen, damit der Blutzucker stabil ist. Bei Social Media ist es so unfassbar. Da sagen die Leute auf jeden Fall vor dem Zähneputzen und am besten mit einem Strohhalm, damit auf keinen Fall der Apfelessig irgendwie in die Nähe deiner Zähne kommt.
Dann sagt der Nächste, auf keinen Fall direkt hinterher Zähneputzen, weil durch das Apfelessig der Zahnschmelz weich ist und man damit den weichen Zahnschmelz noch weiter runterreiben würde. Dann sagt der Nächste, alles Quatsch.
[Dr. Katharina Broos] (12:56 - 13:44)
Ich stimme dir voll zu. Du hast eigentlich alle Punkte schon perfekt zusammengefasst. Wenn dann durch einen Strohhalm, damit die Säure nicht direkt an die Zähne drankommt.
Da scheiden sich aber die Geister auch bei den Zahnärzten, das sage ich mal mit dazu. Es gab früher Studien, die besagt haben, der Speichel hat eine Pufferfunktion und du musst 20 Minuten warten nach dem Essen, bis du Zähne putzt, damit sich das alles wieder schön neutralisieren kann. Der Meinung bin ich auch.
Da gibt es mittlerweile ein paar neuere Studien, die das nicht so ganz belegen. Aber wir bleiben mal bei der alten Meinung. 20 bis 30 Minuten nach einer Säure oder nach einem Zuckerangriff warten.
Das ist ja auch der Grund, warum du nicht die ganze Zeit snacken sollst. Du sollst einmal am liebsten frühstücken, Mittagessen, Abendessen und dazwischen soll im Mund Ruhe sein. Weil sonst hast du ständig einen Kariesangriff und ständig ein Thema für die Zähne.
Das mögen die nicht.
[Nils Behrens] (13:44 - 13:59)
Okay, ich habe eine Zeitlang früher mal, damit ich nichts mehr snacke, direkt nach dem Abendessen mir die Zähne geputzt. Weil dann dachte ich mir, dann will die Arbeit ja nicht zweimal haben. Aber auch das wäre dann aus der Logik falsch, weil ich ja diese 20 Minuten nicht eingehalten habe.
[Dr. Katharina Broos] (13:59 - 14:11)
Theoretisch ja. Kommt aber auch darauf an, was du snackst. Wenn du jetzt ein Stück Schokolade gegessen hast, ist es natürlich nicht so gut.
Wenn du jetzt einen Gemüsedipp und Karotten, dann ist es was anderes.
[Nils Behrens] (14:13 - 14:19)
Viele Produkte suggerieren ja, weißere Zähne gleich gesund. So. Wie siehst du denn diesen kosmetischen Farbgruß?
[Dr. Katharina Broos] (14:20 - 14:55)
Also die Kosmetik ist für uns Zahnärzte ja die Kirsche auf der Torte. Erstmal ist die Gesundheit. Und bevor die Zahngesundheit nicht stimmt, der Knochen nicht gesund ist und das Zahnfleisch nicht gesund ist, fangen wir nicht mit Ästhetik an.
Das nennt man die Compliance vom Patienten. Wie gut der mitmacht, wie gut der oder diejenige zu Hause putzt. Und ich bin ja auch ein Ästhetikfreak und finde weiße Zähne natürlich schön.
Aber wir haben in Deutschland Gott sei Dank eine ganz konservative, tolle, natürliche Form von Ästhetik. Du weißt, deutsche Zähne versus amerikanische Zähne.
[Nils Behrens] (14:55 - 14:59)
Oder versus englische. Die sind immer ein bisschen kreativer.
[Dr. Katharina Broos] (15:00 - 15:03)
Oder wie sehen die für dich aus? Also so weiße Gartenzäune.
[Nils Behrens] (15:03 - 15:13)
Nein, bei den Amerikanern. Bei den Englischen ist es eher, ich würde sagen, das Gegenteil. Mit einer Linie.
Ich habe eine Zeit lang in London gearbeitet. Ich kann dir sagen, nein.
[Dr. Katharina Broos] (15:14 - 16:03)
Also wir haben eine ganz schöne, natürliche und auch unsere Zahntechniker, wenn wir jetzt Zähne herstellen, wir wollen eine natürliche Zahnästhetik. Das heißt, ich stehe diesem kosmetischen Faktor überhaupt nicht so negativ entgegen. Wir betreiben, wenn wir bleachen, ein schonendes Bleaching.
Und wir klären die Patienten natürlich immer auf, was ein Bleaching ist. Es ist eine Wunschbehandlung. Und was man dazu sagen muss, diese ganzen Aligner-Therapien, diese Schienen und so, das hat nichts mit Ästhetik zu tun.
Das ist ein stabiler Biss. Wir brauchen einen stabilen Biss und wir brauchen eine ordentliche Zahnform, damit die absteigende Kette, Schultern, Beckenschiefstand und so weiter, damit das passt. Deswegen, wir arbeiten mit Osteopathen.
Interdisziplinäre Zusammenarbeit ist key. Und ja, eine schöne Zahnfarbe ist nicht schlecht, wenn es nicht auf Kosten der Zahngesundheit geht.
[Nils Behrens] (16:03 - 16:08)
Okay, nehmen wir mal so mit. Weil ein Bleaching natürlich schon auch den Zahn empfindlicher macht, oder?
[Dr. Katharina Broos] (16:09 - 16:25)
Kurzfristig ja, aber langfristig haben wir, wenn wir es schonend angehen und in einer niedrigen Konzentration rangehen, ich bleache ungefähr einmal im Jahr mit meinem Home-Bleaching-Set, habe ich überhaupt keine Empfindlichkeiten. Ist aber natürlich auch immer personenabhängig.
[Nils Behrens] (16:26 - 16:36)
Gut. Dann hast du das Thema Personalisierung angesprochen. Das ist ja eigentlich auch ein Kernelement deiner Arbeit.
Was bedeutet denn personalisierte Mundmedizin konkret für die Patientinnen?
[Dr. Katharina Broos] (16:37 - 16:57)
Also das würde ich jetzt sagen, mal auf die Praxis bezogen. Wenn eine Patientin zu mir kommt, wir haben verschiedene Möglichkeiten an Tests und diese Tests werden jedes Jahr cooler. Du kannst mit einem Speicheltest oder mit einem Test aus einer Zahnfleischtasche extrem viel rauslesen.
Zum Beispiel, ob der eine akute, aktuelle Parodontitis hat.
[Nils Behrens] (16:57 - 17:01)
Das habe ich schon gelernt. Das ist der A-M-M-P-8.
[Dr. Katharina Broos] (17:01 - 17:07)
Ach, du bist gut. Du bist. Und ich sage dir, das wissen vielleicht viele Zahnärzte, kennen diesen Test noch nicht.
[Nils Behrens] (17:07 - 17:18)
Meinen Zahnarzt auch wirklich noch nie gemacht. Ich habe es auch tatsächlich hier in einer anderen Folge im Podcast gelernt und habe es bisher auch immer noch nicht gemacht. Schöne Grüße an Boris, ich muss da schon mal meinen Test machen.
[Dr. Katharina Broos] (17:19 - 17:37)
Dazu noch kurz, wir denken ja immer, dass Karies das Schlimmste für unsere Zähne ist und ein Zahnverlust. Wir haben jetzt letztes Jahr die sechste deutsche Mundgesundheitsstudie, kam im Frühjahr 25 raus. Die 35-44-jährigen Patienten in Deutschland, 95% davon haben Parodontitis.
[Nils Behrens] (17:37 - 17:37)
Wie viel?
[Dr. Katharina Broos] (17:39 - 17:44)
95%. Das wird viel zu wenig, das spricht niemand an.
[Nils Behrens] (17:44 - 18:00)
Ich erinnere das auch noch so, ich weiß nicht genau, ob er diese Analogie hatte, aber ich finde, das ist ja wirklich wie so ein Schwelbrand oder wie so Würmer, die im Gebälk sind. Dann hat man immer so ein schönes Fachwerkhaus und auf einmal bricht es zusammen. Von außen sah es super aus, aber der Holz war mal drin.
[Dr. Katharina Broos] (18:00 - 18:11)
Du siehst nichts, die Patienten haben vielleicht so ein bisschen Mundgeruch und so leichtes Zahnfleischbluten und denken, mein Gott, es wird schon wieder, ich gehe jetzt wieder zur Zahnreinigung. Aber damit ist es meistens nicht getan.
[Nils Behrens] (18:11 - 18:13)
Einmal ein bisschen Wiggly, Sperment und dann...
[Dr. Katharina Broos] (18:15 - 18:45)
Mundspüllösung. Und da kannst du dann eben Tests machen. Du kannst auch einen Speicheltest machen, der dir so die 15 schlimmsten Bakterien im Mund einmal prozentual anzeigt und der sagt, okay, das ist ein Früh- oder ein Spätbesiedler und folgende Bakterien sind da, dann kriegst du so ein Ampelsystem, sogar von dem Labor schon.
Wenn die Ampel auf Rot ist, weißt du, Patientaparadontitis, die schlagen dir sogar ein Antibiotikum vor, wenn das notwendig wäre. Genau auf diese Bakterien personalisiert. Also es ist schon der Hammer.
[Nils Behrens] (18:45 - 18:55)
Aber es ist schon interessant, ich weiß, du willst jetzt keine Kollegen-Bashing machen, aber warum wird das nicht standardmäßig jetzt eigentlich schon angeboten, wenn tatsächlich das schon so eine Volkskrankheit ist?
[Dr. Katharina Broos] (18:56 - 19:17)
Weil ich glaube eben, dass der Fokus die letzten Jahrzehnte immer auf dieser Karies lag und wir wollen keine Zähne verlieren und du musst, also die Patienten Ü60, da setze ich super viele Implantate und da geht es eher darum, wir haben keine Zähne, wir müssen uns darum kümmern, da sind keine Zähne mehr. Oder so eine Vollprothese, weißt du, so ein...
[Nils Behrens] (19:17 - 19:17)
Die dritten Zähne.
[Dr. Katharina Broos] (19:19 - 19:45)
Zahnmedizin 3.0. Und das, die jungen Patienten, die jetzt zu mir kommen, die haben drei Themen vielleicht. Die haben mal eine kleine Karies, die haben Zahnstellungsproblem, wegen unserer Nahrung, weil wir halt nur weiches, industrielles kauen, die Kiefer werden immer schmaler, die Zähne haben keinen Platz mehr, bisschen Ästhetik, ja, wer es wünscht und Paradontitis. Aber Platz 1 Paradontitis, definitiv.
[Nils Behrens] (19:46 - 20:00)
Ich finde es wirklich so interessant, ich war damals immer so stolz, ich habe das auch in der Folge schon mal gesagt, dass ich, dass meine Tochter noch nie ein Loch hatte. Und dann dachte ich, also die ist jetzt 24 und dann habe ich mir gedacht, da habe ich echt vieles richtig gemacht mit der Zahnmedizin und also mit der Zahnhygiene.
[Dr. Katharina Broos] (20:00 - 20:01)
Ja, hast du.
[Nils Behrens] (20:01 - 20:31)
Ja, aber mich wurde das ein bisschen desillusioniert, es ist ungewöhnlicher geworden. Also während es in meiner Generation noch normal war, dass man ein Loch hatte und irgendwann, also das gab es immer den Spruch, wenn man vom Zahnarzt kam, und er hat gar nicht gebohrt. Und dann ist alles gut gewesen.
Und das ist natürlich heute jetzt anders so. Das heißt also, da ist jetzt, sage ich mal so, bei der Gen Z, dass da noch gebohrt wird, ist ja tendenziell eher seltener der Fall.
[Dr. Katharina Broos] (20:31 - 20:33)
Absolut, da wird nicht mehr viel gebohrt.
[Nils Behrens] (20:33 - 20:38)
Ja. Und deswegen, also da sieht man ja schon, dass die Probleme sich dann ja tatsächlich verlagert haben.
[Dr. Katharina Broos] (20:39 - 20:49)
Schlimm eigentlich. Richtig. Es ist nicht, also klar die Karies, aber ist besser geworden, Kariesprävalenz, aber Parodontitis hat zugenommen.
95 Prozent, das ist eine kranke Zahl.
[Nils Behrens] (20:49 - 20:50)
Was glaubst du, wohin das kommt?
[Dr. Katharina Broos] (20:51 - 21:10)
Ich glaube an der, es liegt viel an der Ernährung und an der Lebensweise. Wirklich. Also weil ansonsten, wie kann es sonst sein?
Industrielle Nahrungsmittel, viel Säuren, viel Säfte, viel säurehaltiges und Stress, Handy.
[Nils Behrens] (21:11 - 21:23)
Ist ganz lustig, weil es tatsächlich genau, jetzt meine nächste Frage ist, wie wir beeinflussen, denn Schlaf, Stress und Ernährung, das Mundmikrobiom und eigentlich hast du mir jetzt sozusagen die Antwort schon vorweg gegeben. Schlaf auch, würdest du sagen?
[Dr. Katharina Broos] (21:23 - 21:50)
Ja, Schlaf auch, weil da hast du ja dann auch indirekt Stress und das Cortisol und das beeinflusst unsere Speicheldrüsen zum Beispiel auch, wir haben dann weniger Speichel, wir haben weniger Immunabwehr und unser Mundmikrobiom lebt vom Speichel, da schwimmen seine Nahrungsmittelchen rum und je weniger Speichel wir haben, desto mehr kippts in eine schlechte Richtung, sage ich jetzt mal. Also Hormone, Stresshormone.
[Nils Behrens] (21:51 - 21:58)
Du hast mein Skript hier vorher, also du spielst hier die ganze Zeit, weil tatsächlich dieses Thema Hormone, insbesondere bei Frauen, spielt auch eine Rolle?
[Dr. Katharina Broos] (21:59 - 23:06)
Ja, total. Unser Zahnfleisch hat Rezeptoren für Östrogen und Progesteron und wenn wir in verschiedenen Phasen sind, dann ist unser Zahnfleisch auch teilweise empfindlicher. Das fängt bei Schwangeren an, das weiß jeder Zahnarzt, das ist die Schwangerschaftsgegengebnis.
Schwangere haben blutenderes, empfindlicheres, entzündeteres Zahnfleisch, wegen diesem Hormonüberschuss und deswegen sagt man da auch, okay, zweites Trimenon, mach bitte zwei Zahnreinigungen, einmal am Anfang, einmal am Ende, damit wir das gut in den Griff kriegen. Da können die nichts dafür, nicht weil sie jetzt zu wenig gereinigt haben, sondern hormonell bedingt. Genau das gleiche in der Pubertät, genau das gleiche so in der Lutealphase, also kurz vor der Menstruation, also monatlich und in den Wechseljahren.
Und da leiden die Frauen richtig drunter, weil da ist das Östrogen ja unten und da hast du einen trockenen Mund und es ist dieses Burning Mouth Syndrome und es ist so unangenehm und es tut weh, du hast zu wenig Speichel. Das, da schicke ich dann aber zum Endokrinologen, weil da muss mit den Hormonen was verändern.
[Nils Behrens] (23:06 - 23:14)
Das wollte ich gerade fragen, also wenn jetzt hier eine von unseren HörerInnen, die in dem Alter sind, jetzt betroffen ist und sagt, ja, das habe ich alles, das habe ich alles, das heißt also, da kannst du nicht helfen?
[Dr. Katharina Broos] (23:15 - 23:31)
Da können wir bedingt helfen mit Hyaluronsäure, da gibt es so Gele, da gibt es so saure Drops, die du lutschen kannst, um Speichel ein bisschen anzuregen, aber das Grundproblem muss ja gelöst werden, dass du zu wenig Östrogen hast, also das muss ein Endokrinologe machen, aber ich weiß dann auf jeden Fall
[Nils Behrens] (23:32 - 23:36)
saure Drops, ich habe hier, ach ne, ich wollte dir gerade Zinkgummis anbieten, aber die sind leer.
[Dr. Katharina Broos] (23:36 - 23:39)
Ah lecker, ich habe diese Schokotrops, die mag ich, die mag ich abends.
[Nils Behrens] (23:39 - 23:44)
Warte mal, ich habe hier Schokotrops mit Kreatin, mit abends, mit Kreatin, magst du Kreatin?
[Dr. Katharina Broos] (23:44 - 23:45)
Ich glaube jetzt auch nicht.
[Nils Behrens] (23:45 - 23:46)
Auch nicht snacken, na gut.
[Dr. Katharina Broos] (23:46 - 23:47)
Snacken zwischendurch.
[Nils Behrens] (23:47 - 23:49)
Zwischendurch snacken, also Nils hast du nicht zugehört.
[Dr. Katharina Broos] (23:49 - 23:52)
Ich habe doch meine Elektrolyte heute früh schon so brav genommen.
[Nils Behrens] (23:52 - 24:04)
Ich auch, ich auch, also von daher, dann lass uns dann, wo wir dann schon bei den braven Routinen sind, das sind die drei täglichen Routinen, die aus deiner Sicht den größten Effekt für eine gesunde Zähne und gesundes Zahnfleisch haben.
[Dr. Katharina Broos] (24:04 - 24:10)
Da haben wir doch vorher schon drüber geredet, also Punkt 1, Öl ziehen, kann man mal ausprobieren. Danach Zungenschaben.
[Nils Behrens] (24:12 - 24:34)
Da sind wir ja nicht vollständig geworden, das heißt also Zungenschaben finde ich ganz interessant, weil ich habe mal so ein Erklärvideo gesehen, ich glaube es war tatsächlich auf der Netsch Seite, wo ich den Schaber her habe, wo die dann so zeigen, wie man so bei einer Wassermelone immer die Kerne wegzieht, dass du meistens nicht mit einmal wegziehen sozusagen alle wegziehst, das heißt also man schabt wahrscheinlich nicht nur einmal, sondern wie oft schabst du so?
[Dr. Katharina Broos] (24:34 - 24:37)
Ich glaube so fünfmal und aber ganz vorsichtig.
[Nils Behrens] (24:37 - 24:48)
Ich mache das ja so, jetzt aber aus meiner Routine, ich mache ja immer so, dass ich einmal schabe, dann halte ich es unter Wasser sozusagen und dann schabe ich neu. Ist das wichtig oder kann ich mir das auch sparen?
[Dr. Katharina Broos] (24:49 - 24:52)
Ich würde es schon machen, weil du merkst ja, was du da für einen Schmodder beim Runterschaben hast.
[Nils Behrens] (24:52 - 24:54)
Schmodder ist schön gesagt, ja vielen Dank.
[Dr. Katharina Broos] (24:55 - 25:08)
Ich habe jetzt von mir gesprochen. Ich finde man sieht dann immer diesen weißen Belag, der da runter kommt und den spüle ich dann auch weg. Aber wie gesagt, ganz vorsichtig, weil die Zunge hat so kleine, wie so Papillen und wenn du da zu fest dran gehst.
[Nils Behrens] (25:08 - 25:20)
Nein, das machen wir nicht, zu fest machen wir auf gar keinen Fall. Und die, dieses vier, fünfmal, okay, verstanden und das idealerweise wann, an welcher Stelle? Also du sagst, du machst es direkt nach dem Ölziehen?
[Dr. Katharina Broos] (25:21 - 25:26)
Ja, weil du da eh schon so einen leichten Ölfilm auf der Zunge hast und den nimmst du dann quasi auch gleich mit weg.
[Nils Behrens] (25:27 - 25:55)
Verstehe. Wenn ich jetzt, nehmen wir mal an, was ja bei mir der Fall ist, nicht Öl ziehe, ich mache das zum Beispiel, ich habe es eine ganze Zeit lang vor dem Zähneputzen gemacht, jetzt habe ich gewechselt mittlerweile. Also ich finde es irgendwie ganz schön, dass nach dem Zähneputzen, wenn noch so ein bisschen Rest Zahnpastaschaum auf der Zunge ist, habe ich das Gefühl, kann ich den Schmodder, wie du ihn nennst, besser abkratzen.
Aber ist da eine priorisierte oder perfektionierte oder ideale Reihenfolge?
[Dr. Katharina Broos] (25:56 - 25:56)
Ehrlich gesagt nein.
[Nils Behrens] (25:57 - 25:57)
Ehrlich gesagt nein.
[Dr. Katharina Broos] (25:57 - 26:06)
Hauptsache man macht es. Viele machen das Ölziehen auch, die sagen, ich packe das morgens nicht, das ist mir zu eklig, dieser ölige, diese Konsistenz. Dann machen sie es abends.
Ist auch okay.
[Nils Behrens] (26:07 - 26:48)
Ich muss ganz ehrlich sagen, ich habe es aus einem, einer meiner Hauptgründe war, ich hatte da so ein Öl beim Ayurveda, das stand immer auf meinem Hotelzimmer und das waren dann irgendwann alle und dann habe ich es halt nicht mehr gemacht, sage ich mal so. Und dann habe ich immer so ein bisschen gegoogelt und dann fand ich das immer so, ja dann brauchst du nochmal so ein extra Öl für, jetzt speziell für Ölziehen sozusagen. Und ich finde es ja ganz beruhigend, wenn ich dich jetzt richtig verstanden habe, dann hast du ja einfach Kokosöl da und das hat mir lustigerweise letzte Woche auch schon jemand erzählt, dass er das damit macht, was ich ja dann ganz gut finde, ehrlich gesagt, weil das ist ja ein Öl, was habe ich sowieso immer im Haus.
Das heißt, selbst wenn ich dann merke, dass ich in meine Ölziehroutine dann doch nicht so Früchte trägt, dann kann ich es immer noch zum Braten verwenden.
[Dr. Katharina Broos] (26:48 - 26:54)
Ganz genau. Ich dachte, du wolltest sagen, dann kann ich in die Küche gehen und mir einen Nachschub holen, wenn ich das Öl abgebraucht habe.
[Nils Behrens] (26:54 - 26:54)
Andersrum, andersrum.
[Dr. Katharina Broos] (26:56 - 26:57)
Ja, absolut.
[Nils Behrens] (26:57 - 27:02)
Okay, sehr gut. Das heißt also, wir brauchen da kein extra ayurvedisches Ölziehöl.
[Dr. Katharina Broos] (27:02 - 27:03)
Nein, nicht zwingend.
[Nils Behrens] (27:04 - 27:11)
Toll, toll, toll. Das heißt aber, haben wir jetzt drei Routinen, weil ich hatte jetzt gerade das Ölziehen, wir hatten das Zungenscham, was ist das dritte?
[Dr. Katharina Broos] (27:12 - 27:15)
Zähneputzen mit einer Zahnpasta, die gute Inhaltsstoffe hat.
[Nils Behrens] (27:15 - 27:27)
Gut, dann lass uns doch mal wirklich jetzt an dieser Stelle Tacheles reden. Du hast ja auch eine Zahnpasta auf den Markt gebracht, hast mir ja auch netterweise zugeschickt. Warum glaubst du, dass die Welt noch eine Zahnpasta brauchte?
[Dr. Katharina Broos] (27:27 - 28:02)
Also, ich bin ja eigentlich nur drauf gekommen, weil ich in der Praxis saß und mich die Patienten immer gefragt haben, was nehme ich denn für eine Zahnpasta, Frau Dr. Broos? Und ich habe halt empfohlen, was wir so da hatten. Und dann habe ich mich mit diesen Inhaltsstofflisten beschäftigt und das war tatsächlich krass, weil Zahnpasta ist ein Kosmetikprodukt.
Du kannst da reintun, was du möchtest, was im Rahmen des Kosmetikgesetzes sozusagen erlaubt ist und eigentlich stecken wir es uns aber in den Mund und schmieren es uns auf die Mundschleimhaut und verschlucken es auch ein bisschen. Das heißt, eigentlich ist es, finde ich, eher als Lebensmittel zu behandeln.
[Nils Behrens] (28:02 - 28:02)
Total.
[Dr. Katharina Broos] (28:03 - 28:28)
Und deswegen wollte ich eine Zahnpasta machen. Also, ich habe dann geguckt, geguckt, geguckt. Ich habe keine gefunden, die ich perfekt fand.
Ich wollte eine Zahnpasta machen, die gut fürs Mundmikrobiom ist und die unterstützt bei sensiblen Zähnen und bei Parodontitis. Und dann habe ich mir die ganzen Inhaltsstoffe zusammengesucht, die ich gut fand und habe mir ein deutsches Labor gesucht, einen Lohnhersteller. Wir haben viermal gewechselt.
Du weißt ja, was ein Lohnhersteller ist. Ich wusste nicht, was ein Lohnhersteller ist.
[Nils Behrens] (28:28 - 28:29)
Lohnhersteller sind Verbrecher.
[Dr. Katharina Broos] (28:30 - 28:33)
Und wir haben jetzt die liebsten...
[Nils Behrens] (28:33 - 28:42)
Nein, Entschuldigung ich nehme das zurück. Es gibt, ich würde sagen, in diesem Bereich gerade bei Herstellern von Nahrungsergänzungsmitteln, sehr viele schwarze Schafe, sage ich mal.
[Dr. Katharina Broos] (28:42 - 28:44)
Du bist der Profi, du musst es wissen.
[Nils Behrens] (28:44 - 28:56)
Ja, also von daher, ich möchte das jetzt aber nicht kategorisieren. Ich will nur einfach sagen, dass man sehr aufpassen muss, weil das, was man bestellt, sehr häufig nicht bekommt. Das heißt also, wir haben hier eine sehr lange Historie bei Sunny Natural.
[Dr. Katharina Broos] (28:57 - 28:58)
Ihr habt ja ein Inhouse, gell?
[Nils Behrens] (28:58 - 29:18)
Wir haben ein Inhouse, ja. Aber wir haben eben tatsächlich einige Produkte, die auch über, also nicht viele, aber ein paar Sachen, die wir nicht Inhouse machen können, wo wir dann auf Lohnhersteller zurückgehen müssen. Und da ist wirklich die Suche nach dem richtigen und dann auch die regelmäßige Kontrolle, dass man auch wirklich immer wieder das Produkt, was man bestellt bekommt, was man bestellt hat, ein langer Weg.
[Dr. Katharina Broos] (29:18 - 29:50)
Und Nils, du bist jetzt gut vernetzt, weißt du? Ich war null vernetzt. Ich hatte überhaupt keine Ahnung.
Wir haben einfach online... Und jetzt haben wir den perfekten Lohnhersteller gefunden. Die waren so nett.
Die haben sich drei Jahre mit mir rumgeschlagen, weil ich immer gesagt... Sie wollten dann halt... Ich wollte keinen Zusatzstoff drin haben, der nicht notwendig ist.
Und das war super schwierig, weil die Zahnpasta sollte schäumen, aber mit einem Kinderschäumer, der sanft zum Zahnfleisch ist. Die sollte präbiotika drin haben. Da haben wir jetzt zwei drin.
Arginin für sensible Zähne und Exylit. Das ist, das kennst du sicher, das empfehle ich.
[Nils Behrens] (29:51 - 29:54)
Und gibt es auch Zahnkaugummis, die im Exylit explizieren? Genau.
[Dr. Katharina Broos] (29:54 - 30:17)
Aber wir haben jetzt zwei pflanzliche Enzyme drin, aus Papaya und Ananas, weil mir ist ja dieses Natürliche sehr wichtig. Und die machen das Whitening über eine Oxidation von den Farbstoffen. Die greifen aber nicht die Zähne an.
Und das fand ich der Hammer. Und dann hab ich gesagt, gut, wir machen eine Whitening-Zahnpasta, eine gute, mit meinen anderen Inhaltsstoffen, die ich drin haben will. Auch Florid.
Können wir auch gerne noch mal kurz...
[Nils Behrens] (30:17 - 30:25)
Ja, das wäre tatsächlich meine nächste Frage gewesen, weil das Thema Florid ist ja wirklich wie so ein... Ja, ich bin mir da immer so ein bisschen unsicher.
[Dr. Katharina Broos] (30:25 - 30:25)
Polarisieren.
[Nils Behrens] (30:26 - 30:53)
Polarisieren, ja. Und ich finde das immer ganz interessant, weil es polarisiert ja unter anderem auch deshalb, weil es ja in sehr vielen anderen Ländern dem Trinkwasser zugefügt ist. Und deswegen tatsächlich wir nicht noch mehr Florid zu uns nehmen sollen.
Also es gibt auch Leute, die sagen, insgesamt gar nicht. Aber es gibt eben halt dann auch ganz viele von den Studien, die auch wiederum zeigen, was das für eine positive Wirkung dann eben halt auch auf die Zähne haben kann. Also von daher, für die Zähne ist es gut, für den Rest des Körpers sozusagen ja nicht.
[Dr. Katharina Broos] (30:54 - 31:24)
Also es ist so, wir haben in Deutschland ja keine Trinkwasser Floridierung. Florid kommt aber natürlich vor überall. Ja, in ganz kleinen Mengen.
Ich empfehle zum Beispiel keine, bei den Babys, den Mamas wird bei den Kinderärzten ganz oft empfohlen, nehmt auch noch Florid-Tabletten zusätzlich. Das braucht es von mir aus nicht. Also da bin ich die Letzte, die sagt, du brauchst noch Florid-Tabletten für dein Kind.
Nimm eine Babyzahnpasta, da ist ein bisschen Florid drin, so für die ersten Zähnchen und das reicht.
[Nils Behrens] (31:24 - 31:34)
Ich habe das damals sogar noch immer so eine extra, ich glaube es war von Elmex, so ein Gel, was ich dann einmal die Woche dann nochmal zusätzlich auf die Zähne aufgeputzt habe.
[Dr. Katharina Broos] (31:34 - 32:59)
Ja, das gibt es auch noch. Ist auch bei manchen, also für mich ist es eine Ernährungssache. Wenn du dich perfekt ernährst, die Steinzeit- Ernährung, da ist nirgendwo Zucker drin, du isst wenig Kohlenhydrate oder Kohlenhydrate in Form von Brokkoli, dann brauchst du kein Florid, weil du hast keine Säuren und keinen Zucker, der auf deine Zähne einwirkt.
Wir leben aber in einer Welt, wo wir gerne mal doch Zucker essen. Ja, genau und es ist auch okay, deswegen sage ich, ein paar Mal die Woche eine Florid-Zahnpasta schadet dir sicher nicht, weil du bekämpfst so, also Florid wirkt chemisch und es gibt ja einen neuen Stoff, Hydroxylapatit, das wirkt physikalisch. Florid bindet an deine, also deine Zähne, da kommt die Säure, die bauen sich so ein bisschen ab und das Florid nutzt diese Chance und baut sich in den Zahn mit ein und macht da eine schöne feste Schutzschicht mit dem Zahn.
Das ist ein physikalisches, ein chemisches Vorgehen. Das ist paar Mal die Woche super, wenn du das machst. Zusätzlich kannst du noch das Hydroxylapatit mit reinnehmen, daraus bestehen deine Zähne.
Das bindet sich physikalisch einfach in diese Kristallstruktur mit rein, in diese Risse, wo es fehlt und dichtet den Zahn sozusagen auch nochmal ab. Haben beide ihre Daseinsberechtigung, würde ich eher in Kombination beide nutzen, als zu sagen, es ist nur Hydroxylapatit oder es ist nur Florid.
[Nils Behrens] (33:00 - 33:07)
Ganz interessanter Punkt, man kennt das ja noch so, dass bei einem großen Hersteller oder die gibt es ja immer noch mit einem morgens Aronal, abends Elmex.
[Dr. Katharina Broos] (33:08 - 33:09)
Supermarketing, oder?
[Nils Behrens] (33:09 - 33:53)
Supermarketing, ja, aber tatsächlich habe ich auch im Laufe meiner vielen Gespräche gelernt, dass das schon grundsätzlich eine gute Idee ist, zwei verschiedene Zahnpasten zu benutzen. So mache ich das auch wirklich, außer wenn ich auf Reisen bin, dann ganz so nerdig bin ich dann nicht, dass ich dann auf Reisen zwei verschiedene mitnehme, aber grundsätzlich bei mir zu Hause gibt es immer zwei verschiedene Sorten. Tatsächlich wechsle ich selbst die manchmal ungern, muss ich sagen, ich finde es immer, dass man sich irgendwie auch an gewisse Rituale und sowas gewöhnt und von daher ich auch häufig dann eben halt so neuere, also insbesondere diese ganz großen Industriebrands, geben mir auch immer so ein trockenes Mundgefühl danach.
[Dr. Katharina Broos] (33:54 - 33:56)
Es ist krass, dass du das aber merkst.
[Nils Behrens] (33:56 - 34:31)
Naja, weil ich halt so viel rumexperimentiere und ich eben halt sehr viel drauf achte, sehr reine Zahnpasten eben halt tatsächlich zu benutzen. Also deswegen, also aber ja. Würdest du sagen, gibt es Menschen oder Identifikationen, für die eine deine Zahnpasta besonders geeignet ist, sage ich mal so, außer dass man, weil ich finde es ja schon, dass dadurch, dass du ich glaube sie heißt ja auch Zahnwhitening oder irgendwie sowas so, gehst du natürlich stark in so eine ästhetische Ecke und denkst erst mal, oh das ist das schlechte Zeug, weil wir wissen ja, wie du gerade gesagt hast, Whitening Zahnpasta sind die Bösen.
[Dr. Katharina Broos] (34:31 - 34:33)
Das ist aber nicht, das ist mein Baby.
[Nils Behrens] (34:33 - 34:38)
Ja, I know, I know, aber deswegen hast du jetzt ja nochmal, du hast jetzt nochmal die Chance, dein Baby zu verteidigen.
[Dr. Katharina Broos] (34:39 - 34:50)
Nein, also die Whitening Wonder ist ausgelegt auf quasi verschiedene Typen. Es gibt jetzt nichts, wo du sagen kannst, die ist nicht geeignet, weil da ist nichts drin.
[Nils Behrens] (34:50 - 35:02)
Aber sagen wir mal andersrum, wenn ich jetzt eine, es gibt ja immer diese Zahnpasta für sensible Zähne, also wenn wir eine Marke nennen, sowas wie sensodyne, die haben sich ja darauf so, glaube ich, spezialisiert und genau.
[Dr. Katharina Broos] (35:03 - 35:11)
Ich schlüssel dir einmal kurz die Inhaltsstoffe aus, welcher für was ist. Also sensible Zähne, das ist das Arginin, von dem ich vorher geredet habe.
[Nils Behrens] (35:11 - 35:12)
Das ist ja Aminosäure letztendlich.
[Dr. Katharina Broos] (35:12 - 35:37)
Genau, die Aminosäure. Die hat so einen Wirkmechanismus, dass die sensible Zähne, dass das so ein bisschen abgemildert wird. Dann haben wir Hyaluronsäure, wiederum fürs Zahnfleisch.
Supergut. Auch Science-Based. Dann haben wir fürs Whitening Bromelain Papain.
Dann haben wir für Karieshemmung das Xylit drin und das Fluorid. Und das sind die Inhaltsstoffe. Dann haben wir noch einen milden Schäumer drin.
Kalzium für starke Zähne.
[Nils Behrens] (35:39 - 35:45)
Gut, das heißt also, sowohl Leute, die Entzündung im Mund haben, als auch die, die sensible Zähne haben, als auch die vielleicht eine Mikrobiomstörung haben.
[Dr. Katharina Broos] (35:45 - 35:47)
Wir wollen keine Heilsversprechen.
[Nils Behrens] (35:47 - 35:49)
Aber können alle damit arbeiten.
[Dr. Katharina Broos] (35:49 - 35:52)
Können alle supergerne zweimal am Tag damit arbeiten.
[Nils Behrens] (35:52 - 36:39)
Dann würde ich nochmal ganz gerne auf etwas anderes eingehen. Wohin entwickelt sich die Zahnmedizin denn deiner Meinung nach in den nächsten 10 Jahren? Das heißt, werden wir bald, sag ich mal, unseren persönlichen Mund-DNA-Report haben und dann gegebenenfalls sogar auch dann passend dazu, ich weiß es nicht, vielleicht, wir haben jetzt die Zahnspülungen so ein bisschen verteufelt, aber vielleicht gibt es ja auch, genauso wie es eine Art von Probiotika für den Darm gibt, vielleicht gibt es ja dann irgendwann auch mal Mundspülungen, die probiotisch sind.
Oder ich hab tatsächlich, ich hab eins meiner Zahnpasta-Produkte, das sind so Zahnpasta-Tabletten, die ich abends immer nehme, da ist zum Beispiel ein Postbiotikum drin. Oder es gibt auch ein anderes Produkt, was ich jetzt nutze, da ist Cystus mit drin, was eben halt nochmal die Abwehrkräfte erhöhen soll. Von daher, also glaubst du, dass das die Zukunft ist?
[Dr. Katharina Broos] (36:40 - 37:32)
100%. Wir sind auch gerade, wir entwickeln dieses Jahr noch drei neue Produkte, ich darf noch nicht sagen was, aber das hat auch ganz viel mit Postbiotika zu tun, auch mit Probiotika zu tun. Wir haben jetzt schon Präbiotika in der Zahnpasta.
Es gibt ganz ganz tolle Tests, wo du so ein, also du kriegst zu Hause so ein Test-Kit, den zeige ich dir später mal, das habe ich jetzt schon gemacht. Das ist eigentlich genau das, was du da gerade gesagt hast. Du machst einen Speicheltest, schickst es ab und kriegst deine genetische Voraussage für was du wahrscheinlich anfällig bist.
Ob du jetzt eher anfällig für Mundgeruch bist oder für Parodontitis oder für Karies. Supergeil, ich habe den schon gemacht, der ist relativ neu und da kannst du deine Routinen halt so ein bisschen anpassen, weil du schon weißt, in welche Richtung du anfälliger bist. Ich habe zum Beispiel kein Problem mit Parodontitis, ich könnte es ein bisschen schleifen lassen.
[Nils Behrens] (37:33 - 37:37)
Toll, toll, wenn man das weiß, dass es so ist, gibt einem vielleicht auch eine gewisse Ruhe.
[Dr. Katharina Broos] (37:37 - 37:38)
Ja, das ist sehr beruhigend.
[Nils Behrens] (37:39 - 38:01)
Aber ich finde, entschuldige mich noch mal darauf an, ich bin jetzt echt ein bisschen irritiert, oder was ist irritiert, aber dass man tatsächlich eine Anfälligkeit für das Thema Mundgeruch hat. Das finde ich wirklich sehr interessant, weil ich kenne tatsächlich Menschen, bei denen ich schon vorher weiß, bevor die, also die sehe ich nicht so oft, aber wenn ich die sehe und wenn die mir ein bisschen näher kommen, dann weiß ich schon immer, dass ich den Atem auch rieche.
[Dr. Katharina Broos] (38:02 - 38:12)
Das ist meistens, 80-90% kommt aus dem Mund, vom Mundgeruch. Wahrscheinlich durch eine Parodontitis oder durch Bakterien hinten auf der Zunge. Das ist echt krass.
[Nils Behrens] (38:12 - 38:32)
Und deswegen, ich hätte jetzt nicht gedacht, dass das eine genetische Prädisposition ist, sondern tatsächlich hätte ich gedacht, dass der genau, also diese Personen, es sind fast immer Männer, denen empfehlen wäre, eben halt so einen Zungenschaber zu benutzen oder ein Öl ziehen oder keine Ahnung, irgendwas in ihrer Mundhygiene zu ändern. Aber du sagst jetzt so, nee, es gibt eben halt auch eine Prädisposition.
[Dr. Katharina Broos] (38:32 - 38:44)
Genau, weil jeder hat ein anderes Mundmikrobiom und andere genetische Faktoren, die bewirken oder die beeinflussen, wie stark sich welche Bakterien da noch mehr vermehren können, jetzt auch ganz einfach gesagt.
[Nils Behrens] (38:44 - 38:52)
Okay, aber nehmen wir jetzt mal an, jemand sagt, okay, ich bin wahrscheinlich betroffen von diesem Mundgeruchsthema. Was wäre jetzt sozusagen deine Empfehlung?
[Dr. Katharina Broos] (38:53 - 38:53)
Zungenschaben?
[Nils Behrens] (38:54 - 38:55)
Also doch, ja.
[Dr. Katharina Broos] (38:55 - 39:30)
Zwei-, dreimal im Jahr wahrscheinlich eine Zahnreinigung, also vielleicht einmal öfter als der normale Mensch gehen würde, ein-, zweimal im Jahr gehst du dreimal. Und wirklich eine ganz peinliche, penible, genaue Mundhygiene und die Ernährung. Also alles drum herum, Ernährung, Stressmanagement, Schlaf, gilt es zu optimieren, dass das nicht sich weiter verschlimmert.
Eigentlich das Mundmikrobiom ist nicht so schwer zu beeinflussen wie der Darm. Wenn du ein paar Sachen einhältst, kann sich das ganz schnell wieder in Balance bringen. Das ist eigentlich das Schöne dran.
Das ist nicht so schwer zu beeinflussen.
[Nils Behrens] (39:31 - 39:39)
Was wünschst du dir als letzte Frage, dass unsere HörerInnen nach dieser Folge heute noch tun, ganz konkret, um ihre Mundgesundheit langfristig zu verbessern?
[Dr. Katharina Broos] (39:40 - 40:03)
Ich wünsche mir, dass sie sich, es ist immer wieder das Gleiche, die Hauspflege ist das Wichtigste, dass man jeden Tag Zwischenraumpflege macht, also Zahnseide oder mit den Interdentalbürstchen, dass man vielleicht mit dem Ölziehen startet, sich einen Zungenschaber zulegt und natürlich zweimal am Tag Zähne putzt, mit einer Zahnbürste, nur mit sensiblen Borsten und bitte mit einem Drucksensor.
[Nils Behrens] (40:04 - 40:39)
Okay, Zahn, jetzt haben wir da doch noch, das war zwar die letzte Frage, aber trotz allem haben wir jetzt ein paar Sachen noch mit rausgenommen. Also ich fang mal ganz hinten an, weil ich mir das dann besser merken kann. Das ist ja wirklich eine ganz interessante Geschichte mit dem Borsten, weil ich bin auch früher jemand, der immer dazu tendierte, zwischen mittel und hart zu wählen.
Und mittlerweile habe ich eben auch durch diese ganzen Gespräche gelernt, nein, umso weicher, desto besser, weil man den Lack ja auch nicht mit einer harten, ich sag mal, Plastikbürste behandeln würde, sondern eben halt eher mit einem feinen Samttuch.
[Dr. Katharina Broos] (40:39 - 41:04)
Ich schwöre es dir, meine Eltern waren ja auch bei, wir sind ja zehn Zahnärzte in der Familie, wir sind ja alle krank eigentlich. Und meine Mama hatte früher immer, die war Kinderzahnärztin, so ein Autolackteil in der Praxis, wo sie dann mal so eine elektrische Zahnbürste mit harten Borsten drangehalten hat und wo man dann so langsam gesehen hat, das mit dem Lack. Und meine Oma hat immer gesagt, weiche Besen kehren besser, weil die biegen sich so schön in alle Räumchen zwischen den Zähnen rein.
[Nils Behrens] (41:04 - 42:01)
Okay, das heißt, wir fangen jetzt schon mal an zu lernen weich. So, dann finde ich es ganz interessant, weil du sagst eben halt Interdentalpflege, das heißt also Zahnzwischenräume. So, da bin ich jetzt mal ursprünglich mit dem Thema Zahnseide gestartet, dann hatte ich, war für mich dann das viel praktischere, war dann tatsächlich die Interdentalbürsten.
Da habe ich zugegebenermaßen dann nämlich zwei gehabt, eine für die größeren Zwischenräume, eine für die kleineren. Aber auch da hatte dann mein Zahnarzt gesagt, ja, aber man sieht da schon auch, dass diese Bösen, gerade weil die also ein Draht auch so haben, auch wiederum zu Abschleifung führen können. Dann sind wir dann irgendwie auf das Thema Gumsticks dann irgendwie gewechselt und da wiederum hat dann, ich habe dann zwischendurch mal die Zahnarzt gewechselt, hat der dann gesagt, Gumsticks bringen nichts.
So, und deswegen, jetzt wieder zurück zur Zahnseide oder was ist jetzt sozusagen deine Empfehlung?
[Dr. Katharina Broos] (42:01 - 42:34)
Zahnseide, aber wir möchten natürlich möglichst Mikroplastik frei. Da kommt jetzt das nächste Thema. Wie wird das eigentlich alles hergestellt, was du dir da in den Mund steckst?
Auch bei den Interdentalbürsten, das ist voller Plastik, das kommt aus irgendeiner Fabrik, das ist, weiß ich nicht, durch welchen Dreck das gezogen wurde. Da ist es mir, also Zahnseide finde ich gut, Interdentalbürsten finde ich auch gut. Da gibt es mittlerweile gute, nachhaltige, weißt du, dass du auch nicht so viel Plastikmüll hast und aus Bambusfaser oder Kokosfaser oder gibt es tolle Zahnseiden, die nicht so Mikroplastik belastet sind.
Also ich nehme Zahnseide.
[Nils Behrens] (42:34 - 42:35)
Du nimmst Zahnseide?
[Dr. Katharina Broos] (42:35 - 42:35)
Ja.
[Nils Behrens] (42:35 - 42:50)
Dann höre ich da raus, du nimmst das, was meine, was ich meiner Tochter, ich glaube, die benutzt sie bis heute wirklich sehr konsequent, die hat immer diese komischen Zahnseidesticks gehabt.
Ja, das ist auch okay. Ja, sind natürlich müllmäßig schwierig.
[Dr. Katharina Broos] (42:50 - 43:02)
Ja, aber es, weißt du, auch für die Kinder, wenn du dir an Zahnseide gewöhnen willst, ist erstmal, oder für ältere Menschen, die von der Motorik her nicht mehr so, da nimmst du die Zahnseidesticks. Das ist absolut in Ordnung.
[Nils Behrens] (43:02 - 43:36)
Aber da habe ich trotzdem noch meine Frage, meine Stammhörer werden jetzt wahrscheinlich sagen, ach, ich stelle die Frage schon wieder, aber ich komme immer wieder drauf, weil ich immer denke, wenn ich da so ein Zahnseidestick habe, das ist ja nur so ein sehr kurzes Stück, wenn ich jetzt was vergleiche mit meiner normalen Zahnseide, wenn ich die nehme, dann mache ich es meistens so, dass ich dann jedes Mal, wenn ich in jeden Zwischenraum gehe, eigentlich so immer einen halben Zentimeter weiter nach vorne gehe.
So, das kann der Zahnseidestick ja nicht. Das heißt also, ich habe ja im Grunde genommen das, was ich als erstes Bakterien aus der ersten Zahnzwischenraum schiebe ich dann hier einmal durch alle anderen Zahnzwischenräume durch.
[Dr. Katharina Broos] (43:37 - 43:39)
Abspülen müsstest du sie eigentlich.
[Nils Behrens] (43:39 - 43:40)
Zwischendurch abspülen.
[Dr. Katharina Broos] (43:40 - 43:45)
Ja, aber das ist natürlich dann nochmal Wasserverbrauch. Also es ist alles...
[Nils Behrens] (43:45 - 43:45)
Okay.
[Dr. Katharina Broos] (43:46 - 44:01)
Aber ja, du müsstest die eigentlich abspülen und am liebsten gehst du von vorne nach hinten, weil in den hinteren Taschen ist natürlich mehr los. Wenn du jetzt hinten anfängst, auch mit der Zahnseide, ich würde immer eher von vorne anfangen, dann verschleppe ich es lieber von vorne nach hinten, als von hinten nach vorne.
[Nils Behrens] (44:02 - 44:29)
Gut. Aber was ja trotzdem, wenn ich oben von Mitte nach hinten gehe und dann wieder nach oben gehe, wieder Mitte nach hinten, ist ja... Naja.
Okay. Gut, wir werden dieses Problem nicht richtig lösen. Das heißt also, idealerweise keine Sticks, sondern lieber die Bambus- handgeflochtene, nachhaltige Zahnseide, die dann immer ein Stück weiter rollt.
Gut. Und das Thema Interdentalbürsten und Abschliff zwischen den Zahnzwischenräumen siehst du nicht ganz so kritisch?
[Dr. Katharina Broos] (44:29 - 44:54)
Doch, sehe ich auch kritisch. Da ist es leider auch so, dass die günstigeren Interdentalbürsten haben mal so einen krassen Draht innen drin verarbeitet und die etwas teureren, das merkst du auch, die tun dir nicht so weh, die haben so einen feineren Draht. Manchmal ist es auch kein Draht, sondern irgendwie...
Also, ist angenehmer. Das heißt, je teurer es wird, desto qualitativ hochwertiger und weniger invasiv für deine Zwischenräume.
[Nils Behrens] (44:54 - 45:16)
Und Gumsticks nur nochmal, weil ich hab das Thema mit den Gumsticks nie so ganz verstanden, weil ich fand ja, ist auch wichtig, dass ich nicht nur sozusagen, weil die Gumsticks können ja nur unten dann sozusagen dann an den Zahnfleischrand ran, während sie ja nicht den wirklichen kompletten Zwischenraum macht. Das finde ich ja eigentlich so ganz gut. Da wurde mir dann gesagt, nein, es geht ja in erster Linie darum, die Bakterien so ein bisschen durcheinander zu bringen und deswegen reicht das?
[Dr. Katharina Broos] (45:17 - 45:49)
Nee, also der Gumstick ist erstens zu hart und hat keine Borstchen, die nochmal mehr Raum einnehmen. Das macht keinen Sinn. Dann nimmst du gleich ein Interdentalbürstchen, bevor du ein Gumstick nimmst.
Und eigentlich stimmt's auch, wir wollen den Zwischenraum abgreifen, wo die Zähne aneinanderstoßen. Das heißt der Aproximalraum. Weil da ist natürlich die Gefahr, da bleiben dann so ein bisschen Essensreste hängen und dann kommt da das Kariesbakterium und frisst es und produziert wieder die Säure.
Und da entstehen meistens, das sind so die ersten Kariesstellen, die im Mund auftauchen.
[Nils Behrens] (45:50 - 46:20)
Okay, dann möchte ich jetzt noch einmal zusammenfassen, weil das war jetzt ja eine sehr lange letzte Frage, aber ich versuch's mal und du korrigierst mich. Also wir fangen mal vorne an. Wir nehmen die Zahnbürste mit möglichst weichen Borsten, gerne auch elektrisch.
Schall meinst du, das ist die, die noch konventionell aussieht, während die elektrische sich dreht. Und dann geht aber auch mit der Hand oder würdest du sagen, ungern?
[Dr. Katharina Broos] (46:21 - 46:30)
Statistisch gesehen besser mit der Schall- oder elektrischen, aber für die peniblen Putzer, die kriegen super Ergebnisse mit der Hand.
[Nils Behrens] (46:30 - 46:56)
Ich reise halt ungern mit der elektrischen, deswegen nehme ich die Hand immer nur für die Reisen, aber ansonsten habe ich elektrisch gut. Dann haben wir da schon mal einen Haken dran. Dann wissen wir eben halt weich.
Dann kommen wir zur Zahnpasta, da eben halt auf die Inhaltsstoffe drauf achten, dass da nicht die bösen Sachen drin sind und gibt es da etwas, wo du wirklich sofort aufschreist, wenn du sagst, wenn du das drin findest, dann sollte man auf gar keinen Fall das benutzen? Was wäre das?
[Dr. Katharina Broos] (46:56 - 47:01)
Ja, das SLS ist Natrium-Larysophat, Titandioxid, Mikroplastik, Farbstoffe.
[Nils Behrens] (47:01 - 47:03)
Aber steht irgendwo drauf Mikroplastik, oder?
[Dr. Katharina Broos] (47:03 - 47:15)
Ja, da steht irgendwie dann PEG oder das ist halt meistens aber es gibt aber tolle Apps, mit denen kannst du die Zahnpasta abfotografieren und dann sagt dir die App, dann stuft dir die auch in so ein Ampelsystem ein, grün.
[Nils Behrens] (47:15 - 47:16)
Das ist wahrscheinlich auch so ein Codecheck, oder?
[Dr. Katharina Broos] (47:16 - 47:24)
Ja, genau, sowas wie Codecheck, das heißt Juka oder so. Also, dann, da siehst du eigentlich sofort, okay, das sind, oder Chat GPT, kannst mittlerweile auch.
[Nils Behrens] (47:25 - 47:25)
Kannst du auch fragen.
[Dr. Katharina Broos] (47:26 - 47:26)
Ja.
[Nils Behrens] (47:26 - 47:49)
Gut, das heißt also, wir nehmen idealerweise zwei verschiedene gute Zahnpasten und wir können dann eben halt auch gerne mal im Wechsel eine mit Florid und eine mit dem anderen Hydroxylapatit nehmen, genau. Hydroxylapatit nehmen und dann sind wir ganz gut aufgestellt, was unsere Zahnpasta betrifft. Dann würdest du sagen, wäre das nächste dann noch eben halt der Zungenschaber.
Einmal am Tag, muss nicht zweimal am Tag.
[Dr. Katharina Broos] (47:49 - 47:50)
Einmal am Tag reicht.
[Nils Behrens] (47:50 - 47:56)
Einmal am Tag reicht. Idealerweise morgens, weil sich eben halt über die Nacht eben halt so ein bisschen was auf der Zunge angesammelt hat, was wir da auch weghaben wollen.
[Dr. Katharina Broos] (47:56 - 47:57)
Absolut, ja.
[Nils Behrens] (47:57 - 48:09)
Gut, und das Ölziehen ist dann die Kür des Ganzen. Ach nee, Moment, jetzt habe ich die Interdentalbürsten. Von der Priorisierung würden wir jetzt, sag ich mal, sowas erst die Zahnzwischenräume machen, dann die Zunge.
[Dr. Katharina Broos] (48:09 - 48:09)
Ja.
[Nils Behrens] (48:09 - 48:11)
Und dann das Ölziehen.
[Dr. Katharina Broos] (48:12 - 48:27)
Und das Zahnseide mache ich gern abends. Die Morgenroutine ist Ölziehen, Zungenschaben, Kaffee, Matcha, Frühstück, 20 Minuten Pause und Zähneputzen. Und Abend ist Abendessen, Zahnseide und dann Zähneputzen.
[Nils Behrens] (48:28 - 48:40)
Ganz wichtiger Punkt, habe ich auch im Rahmen dieses Podcast gelernt, Zahnseide vor dem Zähneputzen. Das finde ich ja tatsächlich etwas, was so ein bisschen Nervt dich das? Ja, weil du natürlich viel mehr rausholst, sag ich mal so.
[Dr. Katharina Broos] (48:41 - 48:41)
Das ist ein bisschen ekliger.
[Nils Behrens] (48:42 - 48:49)
Wollte ich grad sagen. Wenn du auf geputzte Zähne Zahnseide benutzt, ist natürlich viel, viel angenehmer als andersrum.
Warum diese Reihenfolge?
[Dr. Katharina Broos] (48:49 - 49:10)
Ja, weil du damit mehr rausholst und es schwimmt ja dann so im Mund rum. Und wenn du es dann mit der, also wenn du dann den Schaum von der Zahnpasta und den Reinigungseffekt dann spülst und spuckst du es ja nochmal aus. Und wenn du es danach machen würdest, dann hast du es rausgeholt, aber dann schwimmt es da ja vielleicht noch weiter rum, weil du nicht so gründlich ausschäumst und ausbürstest.
[Nils Behrens] (49:10 - 49:31)
Mit diesen wunderschönen Gedanken an den Dingen, die in meinem Mund rumschwimmen, beenden wir dann dieses Gespräch. Ich sage herzlichen Dank und empfehle eben halt wirklich, wer sich tiefer mit dem Katharinas Ansatz eben halt auseinandersetzen möchte, der kann mal eben halt bei ihrer Website schauen oder eben halt sehr auf sehr unterhaltsame Weise eben halt auch in ihrem Instagram Account. Den werden wir natürlich in den Show Notes verlinken.
[Dr. Katharina Broos] (49:31 - 49:32)
Toll, danke Nils.
[Nils Behrens] (49:37 - 49:40)
Hast du eigentlich ein Lieblingssupplement? Jetzt mal losgelöst von den Zähnen.
[Dr. Katharina Broos] (49:41 - 49:51)
Ja, ich habe gerade zwei. Also schon seit Jahren Magnesium abends. Am liebsten Glycinat oder Komplex.
Und gerade die Elektrolyte morgens.
[Nils Behrens] (49:52 - 49:53)
Warum die Elektrolyte?
[Dr. Katharina Broos] (49:54 - 50:25)
Weil ich das Gefühl habe, weil ich arbeite ja am liebsten vormittags und da brauche ich am meisten Power, da mache ich auch meine Operationen und alles, da brauche ich irgendwie Konzentration und Energie und ich mache viel Sport und wir haben in meinem persönlichen Blutbild auch immer so einen leichten Mangel bei Magnesium, bei diesen Elektrolyten und das weiß ich, das muss ich ausgleichen. Und das schaffe ich so am besten und es schmeckt mir. Ich trinke morgens ein Glas Wasser, ich kipp mir die rein, ohne Geschmack.
Schmeckt so ein bisschen nach Kokos, finde ich.
[Nils Behrens] (50:26 - 50:27)
Bisschen salzig halt irgendwie.
[Dr. Katharina Broos] (50:28 - 50:29)
Genau, es tut mir richtig gut.
[Nils Behrens] (50:30 - 50:42)
Ja, das ist für mich auch total überraschend. Ich habe das jetzt auch erst, seit Sunday die Elektrolyte eingeführt hat, wirklich in meine Tagesroutine reingebracht und ich merke einfach, dass es irgendwie mir total gut tut, weil ich einfach das Gefühl habe, dass ich wirklich besser hydriert bin.
[Dr. Katharina Broos] (50:42 - 51:09)
Ja, und Konzentration. Und ich finde, es ist so einfach einzubauen, weil ich tu mir wirklich schwer, was jetzt die Supplements angeht. Ich möchte das so einfach wie möglich haben.
Und ich trinke ein Glas Wasser in der Früh und dann steht das Ding da in der Küche und dann kippe ich mir das rein. Und das gleiche auch mit Magnesium abends. Das steht neben meiner Zahnbürste.
Ich brauche nicht mal ein Glas Wasser, ich trinke dann schnell zwei Schlucke aus dem Wasserhahn und habe mein Magnesium. Das ist Einfachheit ist das Wichtigste.
[Nils Behrens] (51:11 - 51:36)
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