

Stress: Der stille Dickmacher
Stress ist allgegenwärtig – und wird oft unterschätzt. In dieser Folge von HEALTHWISE spricht Host Nils Behrens mit der Ernährungsmedizinerin Daniela Kielkowski darüber, warum Stress nicht nur ein Gefühl ist, sondern tief in unseren Stoffwechsel eingreift.
Im Fokus steht dabei das Zusammenspiel von Gehirn, Hormonen und Ernährung – und warum klassische Ansätze wie Diäten oder reine Blutzucker-Optimierung oft zu kurz greifen.
Die Folge HEALTHWISE auf YouTube
Warum Stress den Stoffwechsel beeinflusst
Das Gehirn steuert den Stoffwechsel – und reagiert sensibel auf Energiemangel. Daniela Kielkowski beschreibt es anschaulich: „Unser Gehirn ist sozusagen die Geschäftsführung unseres Körpers.“
Sie erklärt, dass das Gehirn konstant Energie benötigt und bei wahrgenommenem Mangel die Stressachse aktiviert. Dabei spielt vor allem das Hormon Cortisol eine wichtige Rolle.
Wird diese Achse dauerhaft aktiviert, kann das Auswirkungen auf verschiedene Prozesse haben:
- veränderte Blutzuckerregulation
- Anpassung des Energiestoffwechsels
- vermehrte Energiespeicherung
Der Körper reagiert dann weniger flexibel – unabhängig davon, wie viel oder was gegessen wird, so Kielkowski.
Stress. Der stille Dickmacher von Daniela Kielkowski
Stress ist kein Gefühl – sondern ein Stoffwechselprozess
Ein häufiges Missverständnis: Stress wird oft als rein emotionales Thema betrachtet. Daniela Kielkowski stellt dazu klar, dass „Stress kein Gefühl ist, sondern ein Stoffwechselvorgang“.
Das bedeutet: Auch ohne bewusstes „Gestresstsein“ kann der Körper im Stressmodus laufen. Besonders relevant wird das bei chronischem Stress – egal ob durch Arbeit, Zeitdruck oder andere Belastungen.
Ein weiterer Punkt aus dem Gespräch:
Der Unterschied zwischen „positivem“ und „negativem“ Stress ist weniger entscheidend, wenn der Zustand dauerhaft anhält.
Warum Diäten unter Stress oft nicht funktionieren
Ein spannender Aspekt der Folge ist der Zusammenhang zwischen Stress und klassischen Diätansätzen. Daniela Kielkowski beschreibt, dass:
- eine zu geringe Energiezufuhr für den Organismus eine zusätzliche Belastung darstellen kann
- der Körper bestrebt ist, seine internen Prozesse an diese Belastung anzupassen
- dies die Aufrechterhaltung eines normalen Energiestoffwechsels fordern kann
Dies kann dazu führen, dass der Körper in intensiven Phasen anders auf eine Ernährungsumstellung reagiert als erhofft, da er primär damit beschäftigt ist, sein natürliches Gleichgewicht zu bewahren.
Der Vagusnerv: Warum Atmung eine Rolle spielt
Ein konkreter Ansatz aus dem Gespräch zur täglichen Stressbewältigung ist die Atemtechnik als einfache, alltagstaugliche Übung. Daniela Kielkowski stellt eine kurze Übung vor:
- Vier Sekunden tief in den Bauch einatmen, zwei Sekunden die Luft anhalten und sechs bis acht Sekunden langsam ausatmen.
Diese Übung kann den Vagusnerv ansprechen – einen zentralen Bestandteil des parasympathischen Nervensystems. Der Vagusnerv ist eine direkte Verbindung zwischen Körper und Gehirn und spielt eine Rolle bei der Regulation von Stressreaktionen.
Wichtig dabei: Der Effekt entsteht laut Kielkowski vor allem durch die regelmäßige Anwendung im Alltag. Sie empfiehlt, die Übung mehrmals täglich – etwa drei- bis viermal für jeweils ein bis zwei Minuten – bewusst einzubauen.
So kann die Atmung zu einem festen Bestandteil im Alltag werden, um gezielt kurze Pausen einzubauen.
Routinen: Warum der Morgen entscheidend ist
Ein weiterer wichtiger Ansatz im Umgang mit Stress sind Alltagsroutinen, insbesondere am Morgen. Daniela Kielkowski erklärt, dass der Körper direkt nach der Nacht bereits Energie verbraucht und mit dem Start in den Tag zusätzliche Anforderungen hinzukommen.
In diesem Zusammenhang betont sie: „Die Nahrung ist das einzige Einkommen, was unser Körper von außen hat".Regelmäßige Mahlzeiten, vor allem am Morgen, können daher eine strukturierende Rolle im Alltag spielen, insbesondere das Frühstück als erste Mahlzeit des Tages.
Neben der Ernährung beschreibt sie weitere Faktoren, die zu einer stabilen Morgenroutine beitragen können:
- bewusstes Essen
- Zeit für einen ruhigen Start in den Tag
- Licht und Bewegung
Diese Elemente können helfen, dem Tag mehr Struktur zu geben und nicht direkt im „Stressmodus“ zu starten.
Ernährung bei Stress: Was der Körper braucht
Im Gespräch wird Ernährung nicht isoliert betrachtet, sondern immer im Zusammenhang mit den körperlichen Reaktionen auf Belastung. Daniela Kielkowski erklärt, dass langanhaltende Belastungsphasen den Umgang des Körpers mit Energie beeinflussen können – unter anderem durch hormonelle Prozesse wie die Aktivierung von Cortisol.
Vor diesem Hintergrund nennt sie mehrere Bausteine, die im Alltag eine Rolle spielen können:
- Komplexe Kohlenhydrate: Sie tragen zur Aufrechterhaltung einer normalen Gehirnfunktion bei und dienen als wichtige Energiequelle, um die Versorgung des Nervensystems auch unter Belastung zu unterstützen.
- Proteine: Da Proteine zur Erhaltung von Muskelmasse beitragen, hebt Kielkowski die Bedeutung einer ausreichenden Proteinzufuhr hervor, um den Körper in intensiven Zeiten optimal zu unterstützen.
- Magnesium: Trägt zu einer normalen Funktion des Nervensystems sowie zur normalen psychischen Funktion bei. Es wird im Podcast im Kontext zahlreicher Stoffwechselprozesse erwähnt, da es an vielen enzymatischen Reaktionen beteiligt ist.
- Omega-3-Fettsäuren: Werden ergänzend als Bestandteil einer ausgewogenen Ernährung genannt (z. B. DHA zur Erhaltung einer normalen Gehirnfunktion).
Wichtig ist dabei die Einordnung: Ernährung ist ein relevanter Baustein, steht aber immer im Zusammenspiel mit anderen Faktoren wie Stressniveau, Routinen und Lebensstil.
Grenzen setzen und soziale Kontakte
Neben Ernährung und Routinen spielt auch der Umgang mit Stress im Alltag eine wichtige Rolle. Daniela Kielkowski betont, dass es dabei nicht nur um äußere Faktoren geht, sondern auch um die eigene Haltung und den Umgang mit Anforderungen.
Ein zentraler Ansatz ist für sie, bewusster mit den eigenen Ressourcen umzugehen. Dazu gehört:
- Nein sagen lernen: Nicht jede Erwartung erfüllen zu müssen, kann helfen, den eigenen Alltag besser zu steuern.
- Eigene Grenzen erkennen und schützen: Zu unterscheiden, welche Aufgaben oder Probleme wirklich die eigenen sind.
- Sich selbst priorisieren: Die eigene Gesundheit und Energie nicht dauerhaft hintenanzustellen.
Darüber hinaus hebt sie die Bedeutung von sozialen Kontakten hervor. Austausch, Unterstützung und stabile Beziehungen beschreibt sie als wichtigen Faktor im Alltag, der dazu beitragen kann, mit Belastungen besser umzugehen.
Checkliste: Erste Schritte im Umgang mit Stress
Diese Impulse aus dem Gespräch lassen sich direkt in den Alltag übertragen:
- Regelmäßig essen: Mahlzeiten nicht dauerhaft auslassen
- Atempausen einbauen: 2 Minuten bewusst atmen (z. B. 4–2–6)
- Morgen strukturieren: Zeit für Frühstück und einen ruhigen Start
- Schlaf priorisieren: klare Abendroutine ohne Dauer-Input
- Grenzen setzen: bewusst entscheiden, wofür Energie eingesetzt wird
- Soziale Kontakte pflegen: Austausch als stabilisierender Faktor
Take Aways
- Stress wirkt nicht nur emotional, sondern auch auf den Stoffwechsel.
- Das Gehirn spielt eine zentrale Rolle in der Regulation von Energieprozessen.
- Chronischer Stress kann klassische Ernährungsstrategien beeinflussen.
- Kleine Interventionen wie Atemtechniken können bewusst eingesetzt werden.
- Routinen, Ernährung und soziale Faktoren greifen ineinander.
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Daniela Kielkowski ist eine sehr erfahrene Ärztin für Ernährungsmedizin, die seit fast 20 Jahren in ihrer eigenen Berliner Privatpraxis "Körperkonzepte" arbeitet. Sie ist dafür bekannt, mit individuellen Stoffwechselmessungen einen ganzheitlichen, evidenzbasierten Ansatz zu verfolgen und hat so bereits über 15.000 Patientinnen und Patienten geholfen, den Teufelskreis aus Diäten zu durchbrechen. Als gefragte Expertin und Autorin des Buches "Stress, der stille Dickmacher" klärt sie umfassend über die komplexen Zusammenhänge von Stoffwechsel, Nervensystem und Ernährung auf.
Mehr über Daniela Kielkowski: https://www.daniela-kielkowski.de
186 Stress. Der stille Dickmacher. Mit Daniela Kielkowski
[Daniela Kielkowski] (0:00 - 0:46)
Vom Frühstück ist noch nie jemand dick geworden. Die Nahrung ist das einzige Einkommen, was unser Körper von außen hat. Und wenn das Gehirn schon morgens Energie zu sich bekommt, was morgens in den Ofen gelegt wird, ist abends immer verbrannt.
Aber ein Stoffwechsel richtet sich nach einem Frühstück aus. Wenn wir nicht frühstücken, ist doch sofort eine Mangelerscheinung da. Und viele Körper können damit hervorragend umgehen.
Es gibt Menschen, die können machen, was sie wollen, und sie werden nie dick. Ja, aber nicht jeder, der ein Gewichtsproblem hat, macht alles falsch. Sondern es ist eine Dysregulation des Stoffwechsels.
Und vom Frühstück kann man nicht dick werden.
[Nils Behrens] (0:47 - 2:09)
Herzlich willkommen zu HEALTHWISE, dem Gesundheitspodcast präsentiert von Sunday Natural. Ich bin Nils Behrens und in diesem Podcast erkunden wir gemeinsam, was es bedeutet, gesund zu sein. Wir tauchen ein an Themen wie Medizin, Bewegung, Ernährung und emotionale Gesundheit.
Immer mit einem weisen Blick auf das, was uns wirklich gut tut. Wir sprechen viel über Ernährung, Training und Hautpflege, aber selten über den unsichtbaren Faktor, der all das beeinflusst. Stress.
Wer verstehen will, warum Körper, Gewicht und Haut manchmal nicht so reagieren, wie wir es erwarten, muss tiefer schauen. In unserem Stoffwechsel und in unserem Nervensystem. Daniela Kielkowski ist erfahrene Ernährungsmedizinerin und begleitet seit fast 20 Jahren in ihrer Berliner Praxis Menschen auf den Weg zu einem gesunden Stoffwechsel.
Über 15.000 PatientInnen hat sie mit ihrem individuellen Stoffwechselmessungen betreut und vielen geholfen, den Teufelskreis aus Diäten und Jo-Jo-Effekten zu durchbrechen. In ihrem neuen Buch Stress, der stille Dickmacher, verbindet sie ihre metabolische Expertise mit dem Wissen um Stresshormone und zeigt, warum nachhaltige Gewichtsregulation ohne Stressregulation kaum möglich ist. Und deswegen sage ich herzlich Willkommen, Daniela Kielkowski.
Und da wir ja heute über das Thema Stress reden, frage ich dich, wie sieht denn ein idealer Sonntag aus, der, ich sag mal, möglichst den Stresslevel nach unten fährt? Und was können wir vielleicht auch für den Alltag daraus lernen?
[Daniela Kielkowski] (2:10 - 2:45)
Also mein typischer Sonntag ist in der Tat komplett unspektakulär. Ich schlafe aus, dann gehe ich immer mit einem sehr engen Freund und unseren Hunden in den Wald, immer zur selben Zeit, zur gleichen Zeit, nicht zur selben natürlich. Und danach gehe ich wieder nach Hause und lese, schaue auch mal eine Netflix-Serie.
Er ist einfach total ruhig. Das heißt, ich komme an dem Tag komplett runter. Ich verabrede mich an dem Tag auch nicht weiter.
[Nils Behrens] (2:46 - 2:56)
Nein, du hast ja schon eine Verabredung, also der erste soziale Kontakt war ja schon da. Du nennst Stress den stillen Dickmacher. Was genau passiert im Körper, wenn wir dauerhaft unter Druck stehen?
[Daniela Kielkowski] (2:57 - 4:55)
Also unser Gehirn, ich sage ja immer, unser Gehirn ist sozusagen die Geschäftsführung unseres Körpers. Und unser Gehirn, wer es noch nicht weiß, verbraucht am Tag mindestens 130 Gramm reinen Zucker. Das Gehirn selber kann nicht direkt Eiweiße oder Fette verstoffwechseln, sondern es benötigt Zucker.
Und das Gehirn ist so egoistisch, dass es sich wirklich jeden Energiemangel nicht gefallen lässt und die sogenannte Stressachse aktiviert über unsere Stresshormone, Adrenalin. Wir haben zwei Stressachsen. Die gefährlichere im Fall des Übergewichtes ist das Cortisol.
Und wenn wir dauerhaft unter Stress sind, dann hat unser Körper, unser Gehirn immer das Gefühl, dass Nahrungsknappheit herrscht. Und wenn wir permanent hohe Cortisol Spiegel haben, dann ist es so, dass wir auch immer wieder hohe Blutzuckerspiegel haben und zwar unabhängig davon, ob wir essen oder ob wir nicht essen. Wir haben eine höhere Fetteinlagerung, weil Cortisol nämlich die Fettverbrennung senkt.
Wir haben eine schlechtere Nahrungsresorption. Also selbst wenn wir super gesund essen, kommt nicht alles an, so wie wir es gerne wollen. Das heißt, der Körper ist auf Energiespeicherung eingestellt.
Und was aber ganz wichtig ist in dem Zusammenhang, dass Cortisol natürlich überhaupt gar nicht unser Feind ist. Cortisol ist mit die beste Erfindung, die Natur je gemacht hat, weil das Cortisol ist der Grund, wie ich immer so schön sage, warum unsere Vorfahren es am Säbelzahntiger vorbeigeschafft haben, an die Spitze der Nahrungskette. Nur ist es so, wenn die Stresshormone dauerhaft im Blut erhöht sind, dann wird eben Cortisol auch zum Saboteur unseres Stoffwechsels.
[Nils Behrens] (4:56 - 5:44)
Du, ich habe gerade mal durchgeschaut. Du hast jetzt, glaube ich, auf alle meine 20 Fragen, die ich vorbereitet habe, geantwortet. Insofern vielen Dank, dass Sie alle da waren.
Nein, vielen Dank für die wirklich gute und ausführliche Antwort. Aber lasst uns doch mal ganz konkret auf das Thema Cortisol gehen. Ich weiß nicht, wer kennt die Glucosegoddess auf Instagram, diese Blutzuckerexpertin?
Doch ein paar, nicht so viele. Ich hätte gedacht, es sind noch mal ein paar mehr. Also auf jeden Fall, das ist eine Dame, die sich eben sehr stark über das Thema Blutzucker, sag ich mal, positioniert hat und redet da eigentlich, sag ich mal, zu 90 Prozent immer über alles, was das Thema Ernährung betrifft.
So, dann kommt ein bisschen Schlaf noch dazu. Ich glaube über Stress, ich habe jetzt nicht ihr komplettes Werk verfolgt, aber hat sie noch nie so gesprochen. Das heißt aber, das Thema Blutzucker und Cortisol hat einen direkten Zusammenhang?
[Daniela Kielkowski] (5:45 - 7:06)
In jedem Fall. Und deswegen bin ich auch, was meine, ich habe ja hauptsächlich Patienten in der Praxis, die schon alles, wirklich alles ausprobiert haben. Sei es Fasten, sei es die Blutzuckerdiät, sei es Low Carb, Low Fat, nur einmal am Tag essen und die einfach nicht weiterkommen und eigentlich immer kränker werden und auch das Gewichtsproblem immer größer wird.
Und etwas, was mich im öffentlichen Diskurs immer wieder sehr stört, ist, dass immer wieder behauptet wird, dass die Ernährung ausschließlich der Blutzucker, Entschuldigung, ausschließlich über die Ernährung gesteuert wird. Und das stimmt so nicht, weil Cortisol zum Beispiel erhöht den Blutzuckerspiegel, selbst wenn wir fasten. Und auch Diabetiker, die wirklich eine sehr hohe Schwankung vom Blutzucker haben können, werden oftmals feststellen, dass sie gerade morgens einen extrem hohen Blutzucker haben, obwohl sie überhaupt nicht gegessen haben.
Deswegen ist es für mich immer wichtig, auch zu betonen, dass die Ernährung ein Teil ist. Die Ernährung ist ein Therapiewerkzeug, um Stoffwechselprobleme zu lösen und sie auch sinnvoll anzugehen. Aber nur über die Ernährung den Blutzuckerspiegel regulieren zu wollen, ist eine Milchmädchenrechnung.
[Nils Behrens] (7:06 - 7:10)
Was würdest du sagen, ist das größte Missverständnis, das Menschen über Stress haben?
[Daniela Kielkowski] (7:11 - 8:45)
Da fallen mir drei ein, wenn ich die sagen kann. Also erst mal das größte Missverständnis ist, dass jemand, dass man denkt, Stress ist ein Gefühl. Es ist in der Tat kein Gefühl, sondern es ist wirklich ein Stoffwechselvorgang.
Das zweite Missverständnis ist, dass Menschen denken, es gibt einen Unterschied zwischen positiven und negativen Stress. Wenn positiver Stress ebenfalls chronisch ist, weil ich ein leidenschaftlicher Workaholiker bin und wirklich nicht runterkomme, dann ist dieser Stress genauso ungesund wie negativer chronischer Stress. Das heißt, wenn die Stressachse nicht zur Ruhe kommt, wenn wir kein Regeneration haben, wenn wir zu viele Diäten machen, zu lange Diäten machen.
Wir können unseren Stoffwechsel aus von ganz vielen Seiten her in einen Stressmodus packen. Also positiver und negativer Stress können gleichmäßig krank machen. Und der dritte, das dritte Missverständnis ist, dass eigentlich ganz viele auch bestimmt hier im Raum wissen, Stress macht dick.
Und trotzdem, wenn sie das dann schon bei sich selber erkannt haben, fangen sie an, zu wenig zu essen, weil sie denken, sie müssen wenig essen, um abzunehmen. Und das ist auch ein riesiges Missverständnis. Weil wenn ich durch Stress dick werde oder Übergewicht entwickle und fange dann an, Diäten zu machen, dann verstärke ich die Stressreaktion meines Körpers.
Und so kann ich auch mit wenig Stress, mit wenig Essen immer dicker werden.
[Nils Behrens] (8:46 - 8:48)
Das heißt also, wir müssen, wenn wir Stress haben, noch mehr essen?
[Daniela Kielkowski] (8:50 - 9:25)
Mitunter ja, auch übrigens, das kann ich aus der Praxis sagen, auch insulinpflichtige Diabetiker müssen, je nachdem, warum sie diese Blutzuckerschwankungen haben, teilweise viel mehr Kohlenhydrate essen. Wir haben das in der Praxis immer wieder, dass auch insulinpflichtige Diabetiker unter High Carb ihre Medikamente um ein Drittel dauerhaft nach unten setzen können. Es ist immer die Frage, woher kommt der Stress und woher kommen die Blutzuckerschwankungen?
[Nils Behrens] (9:26 - 9:34)
Du hattest ja gerade gesagt, Stress wäre kein Gefühl. Woran erkenne ich denn, ob ich jetzt gerade im, ich sage mal, Überlebensmodus bin oder im Regenerationsmodus?
[Daniela Kielkowski] (9:35 - 10:54)
Das ist auch eine interessante Frage, weil das natürlich auch sehr viel Selbstreflektion in Anspruch nimmt. Also was können alles Stressreaktionen sein? Stressreaktionen können sein, ganz klassisch Heißhungerattacken, permanente Schlafstörungen können Stresszeichen sein, dass ich trotz Sport gesunder Ernährung nicht abnehme, sogar eher zunehme, dass ich mehr Körperfett zum Beispiel im Bauchbereich habe, anstatt gut verteilt.
Was ich wiederum unfassbar spannend in der Cortisolfrage finde, ist, dass Cortisol ja auch direkt auf unser Denken einwirkt. Das heißt, wir brauchen auch Cortisol, um denken zu können, auch strukturiert denken zu können. Und ständig erhöhte Cortisol-Werte können auch unsere Persönlichkeit verändern.
Hin zum ängstlich sein, affektiert sein, unsicher sein, gereizt sein, finde ich auch ein wahnsinnig spannenden, ein wahnsinnig spannendes Symptom für chronische Stressreaktionen.
[Nils Behrens] (10:55 - 11:00)
Wenn jetzt jemand sagt, ich habe keine Zeit für Stressmanagement, was wäre dein, ich sage mal, zwei Minuten Intervention?
[Daniela Kielkowski] (11:01 - 12:58)
Da muss ich ganz ehrlich sagen, das ist in der Tat, klingt banal, die Atemtechnik. Und das ist auch mittlerweile wirklich belegt, dass bestimmte Atemtechniken wie zum Beispiel vier Sekunden richtig tief in den Bauch einatmen, zwei Sekunden die Luft anhalten und sechs bis acht Sekunden langsam auszuatmen. Klingt jetzt sehr langweilig, aber wer das wirklich mal konzentriert macht, wird sofort eine Entlastung spüren, weil durch diese Intervention der Vagusnerv, der stärkste Nerv unseres parasympathischen Nervensystems angesprochen wird.
Und obwohl das ein Hirnnerv ist, finde ich das super spannend, hat er nur 20 absteigende Bahnen, sozusagen, aber 80 aufsteigende Bahnen. Das heißt, es ist ein richtiger, erst mal ist es der größte parasympathische Nerv und er hat halt eine direkte Kommunikation vom Körper in das Gehirn. Und du weißt, dass ich immer sehr provokant bin, weil ich natürlich ein Patienten Klientel habe, denen permanent nachgesagt wird.
Sie sind faul, undiszipliniert, haben überhaupt gar keine Ahnung von Ernährung und dabei ist das absolute Gegenteil der Fall. Und du weißt, dass ich auch jemand bin, der sagt Übergewicht hat überhaupt nichts mit Willensschwäche oder Charakterschwäche zu tun, sondern es ist eine Dysregulation des Stoffwechsels. Und die Wissenschaft ist jetzt, was das parasympathische System betrifft, ein ganzes Stück weiter.
Und darauf freue ich mich wirklich. Also merken Sie sich den Vagusnerv, der wird eine große Bedeutung bekommen in Zukunft. Und den kann man eben sehr gut durch diese Atemtechniken ansteuern.
Und wenn man sich daran gewöhnt, kann man das sehr gut drei, vier Mal am Tag machen für zwei Minuten.
[Nils Behrens] (12:59 - 13:03)
Toll, toll. Gibt es auch eine Morgenroutine, die hormonell wirklich einen Unterschied macht?
[Daniela Kielkowski] (13:05 - 14:27)
Ja, auch das, weil wie sieht unser Morgen aus? Ja, es ist so, dass wir irgendwie aufstehen, immer schon im Stress sind, vielleicht gerade noch einen Kaffee haben und dann sofort in den Tag stürzen. Und ich sage immer so schön Wir.
Du kennst den Satz Wir bekommen unsere Lebensenergie nicht aus der Steckdose, sondern unser Körper ist ein selbst finanziertes Unternehmen, was jeden einzelnen Lebensschritt selber mit Energie bezahlen muss. Und ich sage auch immer zu meinen Patienten Morgens ist das Leben einfach am teuersten. Wenn wir aus der Nachtruhe kommen, verbrauchen wir die meiste Energie schon, ohne dass wir in den Alltag starten.
Aber die Energie des Alltags kommt noch dazu. Und trotzdem verzichten wir aus Stress ganz oft aufs Frühstück. Und deswegen ist meine Morgenroutine, die ich mir aber ehrlich gesagt auch hart antrainiert habe, früher aufzustehen, wirklich auch im Sommer auf den Balkon zu gehen, Sonne zu tanken.
Im Winter habe ich zum Beispiel einen Wecker, der mit Sonnenlicht sozusagen mich weckt, also Licht, Wärme, um die Serotonin Produktion anzuregen, ein gutes Frühstück und einfach nochmal so zehn Minuten sitzen, Kakao oder Kaffee trinken und dann in den Tag starten. Das macht, so blöd es klingt, einen riesigen Unterschied.
[Nils Behrens] (14:28 - 14:34)
Jetzt haben wir ein paar gesunde Routinen. Welche drei Routinen würdest du denn streichen, wenn es darum geht, dass man sein Bauchfett reduzieren möchte?
[Daniela Kielkowski] (14:36 - 16:47)
Also ich fange mal mit denen an, die wahrscheinlich die normalsten sind. Das heißt, ich würde streichen, dass ich Mahlzeiten auslasse, sondern frühstücken wie ein Kaiser sozusagen immer darauf achten, dass ich mittags esse, mir schon alleine dafür die Zeit nehme. Ich würde meine Schlafhygiene, wenn sie denn so aussieht, dass ich immer erst ins Bett gehe, wenn ich tot umfalle, vorher vielleicht aufs Sofa gehe, beim Fernsehen einschlafe und mich dann irgendwann ins Bett schleppe oder ins Bett gehe und dann gleich noch das iPad und das Handy mit dabei habe.
Also auch das wäre ein großer Tipp, die Schlafroutine. Und auch moderate Bewegung, nicht jetzt jeden Tag zu denken, ich muss den Supersport machen, wenn ich ihn nicht sowieso mache, weil es gibt ja Menschen, die machen es einfach, sondern moderate Bewegung. Aber ein ganz, ganz wesentlicher Punkt, auf den ich immer wieder bestehe, auch bei meinen Patienten, ist Selbstbewusstsein, wirklich ein Selbstwertgefühl zu entwickeln, sodass man sich priorisiert und nicht permanent.
Man merkt es bei Menschen, die wirklich Gewichtsprobleme haben, Stoffwechselprobleme haben. Das sind meistens Menschen, die permanent diesen Erwartungsdruck haben, für andere da zu sein, alles zu lösen und auf sich selber eigentlich am wenigsten achten. Und deswegen sage ich immer, ein ganz wesentlicher Punkt ist, lernen Nein zu sagen und nicht immer seine eigene Gesundheit als Faustpfand in Dinge schmeißen, sozusagen.
Die wenig mit unserem persönlichen Leben zu tun haben. Das beschreibe ich auch sehr gut in meinem Buch, weil wenn wir wirklich krank werden, dann ist es für unsere Familie die viel größere Katastrophe. Der Chef wird mich nicht mehr anrufen und mich fragen, wie es mir geht.
Ich werde dann irgendwie wahrscheinlich sehr schnell ersetzt, auch wenn es vielleicht eine Person ist, die nicht ganz so gut ist wie ich. Egal. Aber die Familie ist die Leidtragende, wenn wir krank werden.
Und das verändert das Leben von allen. Ja.
[Nils Behrens] (16:48 - 16:52)
Gibt es eigentlich auch Lebensmittel, die das Nervensystem aktiv beruhigen können?
[Daniela Kielkowski] (16:53 - 17:21)
Ja, also das ist ja noch viel mehr dein Thema. Aber ich sage eben zu meinen Patienten, dass man wirklich darauf achten sollte, Magnesium reich zu essen, weil Magnesium ist ein Enzym, was auf mindestens 300 Stoffwechselwege gerade auch, was Zellregeneration betrifft, einwirkt. Dann das viel gelobte, zurecht gelobte Omega-3 und, tja, meine Kohlenhydrate.
[Nils Behrens] (17:23 - 17:29)
Lieben wir, lieben wir ab jetzt ganz viel Kohlenhydrate. Wie wichtig ist denn Protein in stressigen Phasen, insbesondere für Frauen?
[Daniela Kielkowski] (17:29 - 18:05)
Ganz wichtig. Ja, gut, dass du mich daran noch mal erinnerst. Man muss ja wissen, dass Cortisol eine physiologische Insulinresistenz herstellt, weil Cortisol hat die Aufgabe, den Zucker im Körper zu sammeln und ihm diesen Zucker, dem Gehirn, zur Verfügung zu stellen.
Und das Cortisol holt sehr viel Glucose aus der Muskelmasse. Und insofern ist natürlich das Protein eines der wichtigen, wichtigsten Makronährstoffe, die man neben den komplexen Kohlenhydraten essen sollte.
[Nils Behrens] (18:06 - 18:08)
Also das gute Bauernfrühstück sozusagen.
[Daniela Kielkowski] (18:09 - 18:09)
Unbedingt.
[Nils Behrens] (18:09 - 18:22)
Sehr gut. Sehr gut. Es sind ja hier auch, glaube ich, viele erfolgreiche Frauen im Publikum, die mit Sicherheit extrem gut im Alltag funktionieren.
Woran merkt man, dass dieses Funktionieren, ich sage es mal, irgendwann, du hast es formuliert, teuer wird?
[Daniela Kielkowski] (18:24 - 19:28)
Na, man merkt es in der Tat daran, dass man, man spürt das, dass man seine Ressourcen sozusagen verpulvert. Man fühlt sich immer unter Stress. Man fühlt sich müde.
Wie gesagt, man hat sehr oft diese Heißhungerattacken. Man ist unsicher. Man hat Ängste oder ist sehr schnell zu verunsichern, ist vielleicht auch gereizt, hat weniger Geduld, schläft schlecht.
Die Figur verändert sich, obwohl vielleicht das Gewicht stabil bleibt. Der Bauch wird stärker. Andere Sachen werden, die Haut wird schlechter.
Die Haare werden schlechter. Man muss eben wirklich ganz klar sagen, das Gehirn entscheidet über unser Gewicht. Wenn du alle tausend Stoffwechselwege dazwischen mal jetzt passieren lässt, bleibt es am Ende, dass das Gehirn am Ende entscheidet, wie Nahrungsmittel verwertet werden.
Das Gehirn entscheidet, ob eine Tafel Schokolade verbrannt oder gespeichert wird, und zwar über diese Stressachsen.
[Nils Behrens] (19:29 - 19:47)
Wir sind hier auf einer Beauty and Health Messe. Das Wort Beauty steht ja zuerst da. Du sagst es gerade etwas, was alle, die wegen der Beauty-Themen hier sind, vielleicht aufhorchen lässt.
Das heißt also, auf die Haut und die Haare hat Stress auch eine Auswirkung?
[Daniela Kielkowski] (19:48 - 20:39)
Oh ja, weil Stress ist ja ... Stresshormone erhöhen den sogenannten oxidativen Stress. Das heißt, auch freie radikale Stressreaktionen, chronischer Stress erhöht die Entzündungsaktivität in unserem Körper, gerade auch die stillen Entzündungen, die wir ganz lange auch in Laborparametern nicht sehen können.
Allerdings kann man sie sehr gut in Spirometrie sehen, weit vor den Laborwerten. Das heißt, durch diese permanenten stillen Entzündungsreaktionen, durch diese vielen freien oxidativen Stress, wird eben auch die Haut verliert an Flüssigkeit, an Elastizität. Kollagen wird schneller unter Stress abgebaut.
[Nils Behrens] (20:40 - 20:43)
Das heißt also, Stress macht uns nicht nur dick, sondern lässt uns auch noch nicht gut aussehen.
[Daniela Kielkowski] (20:46 - 20:48)
Ja, oder sagen wir mal, nicht mehr so gut manchmal.
[Nils Behrens] (20:48 - 20:51)
Nicht mehr so gut. Natürlich, kommt immer darauf an, von welchem Niveau man kommt.
[Daniela Kielkowski] (20:51 - 21:07)
Genau, und außerdem muss man natürlich auch ganz klar sagen, dass chronischer Stress natürlich nicht bei jedem in den selben Kaskaden abläuft, sondern je nachdem, was im Körper die Schwachstelle ist, wird auch am schnellsten auf chronischen Stress reagieren.
[Nils Behrens] (21:08 - 21:12)
Wie lernt man denn Grenzen zu setzen, ich sage mal, ohne Schuldgefühle zu entwickeln?
[Daniela Kielkowski] (21:16 - 22:42)
Ja, also ich habe das auch in meinem Buch beschrieben. Bei mir war es in der Tat ein sehr schwerer Schicksalsschlag, der mir sozusagen alle Kräfte geraubt hat, sodass ich einfach überhaupt gar nicht mehr auf Menschen achten konnte, die mir nur noch die Energie geraubt haben. Ich musste sozusagen wirklich für meine Familie und für meine Mitarbeiter da sein.
Es ärgert mich bis heute, dass das Leben mich erst vor so eine Prüfung stellen musste, um zu lernen, wirklich Nein zu sagen und mich abzugrenzen. Und möglicherweise, es gibt ganz viele Ansätze dazu, aber schon die Entscheidung, wenn man selber merkt, dass man sich vielleicht nicht gut abgrenzen kann, dass man sich vielleicht sehr schnell verunsichern lässt oder sich sehr schnell schuldig fühlt, wenn Dinge nicht funktionieren, schon alleine, wenn man da auch vielleicht Freunde, also ich kann nur sagen, mich hat mein Freundeskreis aus dieser Situation rausgezogen, mehr als meine Familie, die ja den Schicksalsschlag ebenfalls ertragen haben.
Freunde schauen von außen rauf und mögen einen sehr. Vielleicht auch wirklich mal mit Freunden ein ganz offenes Gespräch darüber führen und dann die Entscheidung treffen, sich jetzt nicht von jedem ausnutzen zu lassen.
[Nils Behrens] (22:43 - 22:49)
Das ist eine sehr gute Einstellung. Und hast du trotzdem einen inneren Satz oder irgendwas gehabt, was dir dabei nochmal besonders geholfen hat?
[Daniela Kielkowski] (22:50 - 23:36)
Ich konnte einfach nicht mehr. Ich musste das, was an Ressourcen da war, wirklich verwenden und war eben wirklich auch darauf angewiesen, dass mir wirklich Menschen, die mir nahestehen, den Rettungsanker zuwerfen. Und heute ist es in der Tat so, ich habe dadurch wirklich geistige Freiheit erleben dürfen.
Ich würde das natürlich heute immer wieder eintauschen, wenn ich diesen Schicksalsschlag rückgängig machen könnte, aber geistige Freiheit, heute kann ich einfach wirklich Nein sagen. Ich erkenne ganz genau, welches Problem ich lösen kann und welches Problem ich nicht lösen kann, weil es nichts mit mir zu tun hat. Und ich glaube, dass das schon mal ein sehr, sehr guter Weg sein könnte.
[Nils Behrens] (23:37 - 23:48)
Wenn so grundsätzlich sich jemand wiedererkennt, ohne so einen harten Schicksalsschlag zu haben, was wäre sozusagen aus deiner Sicht ein erster konkreter Schritt, wirklich ab morgen?
[Daniela Kielkowski] (23:50 - 25:30)
Also meistens ist es so, wer unter Stress steht, isst unregelmäßig, das haben wir schon mal gesagt. Das heißt, ich würde wirklich schauen, wo kann ich in den Tag Situationen einbauen, die nur für mich sind, weil jeder weiß natürlich, was er gerne tut und womit er sich wohlfühlt. Wie kann ich ganz kleine Dinge verändern?
Schon alleine, wenn ich anfange, wirklich regelmäßige Mahlzeiten zu mir zu nehmen, muss ich schon dreimal am Tag mir Zeit nehmen, um mir entweder etwas zu essen, zuzubereiten oder es mir zu besorgen oder in einen Café oder in ein Bistro zu gehen und muss mir einfach Zeit dafür nehmen. Ich kann das nur aus der Perspektive meiner Patienten sagen, dass schon das so viel persönliche Zeit einräumt, ohne dass sie bestimmte Dinge im Alltag nicht mehr schaffen. Wichtig ist die Schlafhygiene, wichtig ist auch die Verfügbarkeit, wirklich zu sagen, ich gucke eben nicht 22 Uhr noch in die Mails, sondern ich setze mir ganz klare Grenzen und sage ab 18 Uhr, die Welt geht ja nicht unter.
Wir sehen es ja. Und eben auch wirklich auf eine wirklich gute und regelmäßige Schlafhygiene zu achten. Und wenn man erstmal so weit ist, dann kommen einem schon die richtigen Gedanken, was ich jetzt auch noch tun könnte, für mich, was mich freut.
Und ganz wichtig sind und bleiben die sozialen Kontakte. Also der soziale Stabilitätsfaktor ist wirklich einer der größten Gesundheitsfaktoren, die wir haben.
[Nils Behrens] (25:32 - 26:38)
Ich finde ganz interessant, was du hinsichtlich des Frühstücks zum Beispiel auch sagst. Und ich kenne das selbst, als meine Tochter noch kleiner war, war es dann immer so, dass ich irgendwie morgens alles so vom Wecker klingeln, bis ich verlasse das Haus, alles komplett durchoptimiert habe. Und ich war jemand, der immer noch gerne gefrühstückt hat.
Ich hatte dann immer so eine Schüssel Müsli und ich würde sagen, ich habe die wahrscheinlich innerhalb von 45 Sekunden inhaliert. Und dann einfach wirklich, war ich dann tatsächlich mal in diesem Lanserhof auch als Gast. Und da muss man ja jeden Bissen 30 bis 50 mal kauen.
Und dann kam ich so wieder zurück, dachte wieder zurück in die alte Routine und hatte dann so diese Schüssel Müsli von mir und merkte auf einmal, das geht jetzt gar nicht mehr so schnell. Und habe dann angefangen, mir wirklich Zeit zu nehmen, auch jeden Bissen da vernünftig zu kauen und alles. Und das, was du sagst, ist total wahr.
Das habe ich so extrem gemerkt, dass dadurch, dass ich jetzt sozusagen nicht mehr quasi den Morgen auf der Flucht begonnen habe, sondern mir tatsächlich diese Zeit genommen habe, diese Schüssel Müsli in, keine Ahnung, dann vielleicht in sechs oder acht Minuten zu essen, ist jetzt vielleicht auch nicht mega viel Zeit, aber trotz allem ist es einfach nicht dieses alles schnell machen und schnell, schnell, schnell.
[Daniela Kielkowski] (26:39 - 26:41)
Bei mir würdest du ja mehr zu essen bekommen, das weißt du.
[Nils Behrens] (26:42 - 26:50)
Aber nächstes Mal, du weißt ja nicht, wie groß meine Schüssel war, ich bitte dich. Aber auf jeden Fall ist es so, dass ich merke, dass mein ganzer Tag sich verändert hat. Also komplett.
[Daniela Kielkowski] (26:51 - 27:55)
Vom Frühstück ist noch nie jemand dick geworden. Die Nahrung ist das einzige Einkommen, was unser Körper von außen hat. Und wenn das Gehirn schon morgens Energie zu sich bekommt, was morgens in den Ofen gelegt wird, ist abends immer verbrannt.
Aber ein Stoffwechsel richtet sich nach einem Frühstück aus. Wenn wir nicht frühstücken, ist doch sofort eine Mangelerscheinung da. Und viele Körper können damit hervorragend umgehen.
Es gibt Menschen, die können machen, was sie wollen. Und sie werden nie dick. Aber nicht jeder, der ein Gewichtsproblem hat, macht alles falsch.
Sondern es ist eine Dysregulation des Stoffwechsels. Und vom Frühstück kann man nicht dick werden. Ich kann das ja mal sagen.
Meine Patienten essen morgens zwischen 150 und 250 Gramm Brot. Mittags zwischen 300 und 400 Gramm Kartoffeln. Nudeln.
Und sie nehmen damit ab.
[Nils Behrens] (27:57 - 28:10)
Klingt doch sehr vielversprechend. Ich kann nur sagen, den letzten Podcast, den wir zusammen gemacht haben, hat Daniela begonnen, dass sie sich als erstes ein überwaltendes Käsebrot irgendwo geholt hat. Zum Frühstück.
Und da dachte ich, jetzt bin ich im richtigen Diät-Podcast.
[Daniela Kielkowski] (28:10 - 28:47)
Man muss aber auch ganz kurz sagen, wenn jemand kein Gewichtsproblem hatte, und er isst morgens nur eine Scheibe Brot, dann würde der Körper die restlichen zwei, drei, die man bräuchte, aus dem Fett bezahlen. Wenn aber Menschen, die Übergewicht haben oder einen chronischen Stoffwechsel und keine Fettverbrennung mehr haben, dann würde der Stoffwechsel bei einer Scheibe Brot sofort seine Leistung auf diese eine Scheibe Brot reduzieren. Und würde sozusagen dann langsamer über den Tag laufen.
Das heißt, ein Stoffwechsel, der nicht mehr diese metabolische Flexibilität hat, der muss das essen, was er verbraucht.
[Nils Behrens] (28:48 - 29:10)
Ich weiß, dass unsere Zeit abgelaufen ist, aber ich muss trotzdem diese metabolische Flexibilität einmal kurz ansprechen, weil ich finde das immer so irre, wenn die Instagramer dann immer so sagen, ja, und wenn du dann irgendwie drei Tage die Kohlenhydrate weglässt, dann schaltet dein Körper um auf Ketose und dann fängt er an, Fette in Energie umzuwandeln. Ich sage jetzt mal nichts dazu. Was sagst du dazu?
[Daniela Kielkowski] (29:11 - 30:48)
Das stimmt. Irgendwann schaltet der Körper in die Ketose. Gott sei Dank.
Das heißt, das Gehirn kann die Glucose verstoffwechseln, das ist sein bevorzugtes Substrat, kann aber im Notfall mit Ketonkörpern überleben. Aber diese Ketose signalisiert dem Gehirn einen Mangel. Und natürlich kann man in der Ketose eine Weile überleben, aber ich habe Hunderttausende von Stoffwechseln spirometrisch vermessen.
Und du kannst dir sicher sein, ich hatte auch Patienten, die ein Jahr und länger die Keto-Diät gemacht haben. Die hatten Muskelschmerzen, die haben sechs Kilo Muskeln verloren, die haben gefroren, die fühlten sich einfach krank, weil die Ketose in der Tat ein Stoffwechsel ist, der dem Gehirn signalisiert, dass wir in einem Mangelzustand sind. Und es gibt in der Ernährung, und das ist vielleicht auch nochmal ganz wichtig, wir haben keine kausalen Daten darüber, welche Ernährung immer schlank macht.
Wir haben noch nicht mal kausale wissenschaftliche Belege dafür, welche Ernährung nie dick machen würde. Und trotzdem wird in diesem Metier immer mit Studien, wir haben einen Haufen Beobachtungsstudien, aber die sind alle im Konjunktiv. Hätte, könnte, sein.
Aber sie werden immer verwendet, um Trends zu verkaufen. Und das finde ich ein ganz großes Problem, weil es zu Lasten unserer Gesundheit geht.
[Nils Behrens] (30:49 - 31:16)
Ich kann mich jetzt outen, ich hatte früher mal so ein Golf 2 und da war das Ersatzrad hinten drin, das war nur halb so dick wie ein normales Rad. Und da muss ich immer so ein bisschen dran denken mit dem Ersatzkörper. Also wenn ich dann diesen Reifen aufgezogen habe, konnte ich ja trotzdem weiterfahren, aber besser war es schon, wenn alle vier Räder gleich sind.
Ich komme zu meiner letzten Frage. Was wünschst du dir, was die überwiegenden Damen, aber auch die Zuhörerinnen des Podcasts jetzt aus diesem Gespräch mitnehmen, wenn wir die Bühne verlassen?
[Daniela Kielkowski] (31:19 - 32:27)
Sich einfach die Frage zu stellen, wenn man, also Stress macht ja auch krank, das heißt man muss ja nicht zwangsläufig davon übergewichtig werden, sondern Stress macht auch schlanke Menschen krank. Und wer darunter leidet, wer das Gefühl hat oder wer einfach nicht weiß, warum komme ich nicht weiter, ich mache schon so viel Sport, ich fühle mich immer schlapper, ich nehme nicht mehr ab, ich fühle mich nicht wohl, ich bin ständig auf der Überholspur, sich einfach selbst reflektiert die Frage zu stellen und sich dann auch das Wissen zu holen. Weil ich glaube, wir leben heute in sehr unsicheren Zeiten.
Auch unsere Sozialsysteme, sage ich ja auch in meinem Buch, sind begrenzt. Und ich finde ein ganz großer Faktor, um gesund zu bleiben, ist, sich Wissen anzueignen und sich selber seinen Stoffwechsel kennenzulernen, zu sehen, wie tickt der eigentlich, um dann auch eine richtige Entscheidung treffen zu können und nicht jeder Sau hinterher zu laufen, die durchs Dorf getrieben wird.
[Nils Behrens] (32:28 - 33:10)
Also ich würde sagen, Wissen aneignen könnt ihr auf jeden Fall alle über dieses fantastische Buch. Ich habe es wirklich schon deutlich vorher lesen dürfen und es steht also wirklich noch viel, viel mehr drin, als wir heute in diesem Gespräch auch irgendwie besprechen konnten. Es ist vor allem, was ich so schön finde, also ich nehme zum Beispiel persönlich noch mal diesen Satz mit, den ich wirklich ja liebe, es ist noch nie einer von einem Frühstück dick geworden.
Und ich liebe Hotelfrühstücks, wenn ich dann eben halt tatsächlich im Hotel bin und möchte dann eigentlich in meinem Liebsten alles essen und das werde ich morgen auch tun. Vielen Dank für das Gespräch. Hast du ein Lieblings Supplement?
[Daniela Kielkowski] (33:11 - 33:47)
Ja, und das hast du mir auch geschenkt. Und zwar ist es in der Tat ein Molkenproteinisolat. Also ich habe das Problem wirklich die Eiweißmengen am Tag zusammen zu bekommen, weil ich eben nicht jeden Tag Fleisch esse und auch nicht jeden Tag Zeit habe, ein halbes Kilo Magerquark zu essen.
Und ich liebe in der Tat das Molkenproteinisolat, weil das lässt sich so herrlich in Milch sofort auflösen, klumpt nicht und geht schnell runter.
[Nils Behrens] (33:47 - 34:15)
Toll. Also nochmal vielen Dank, herzlichen Dank an Daniela Kielkowski. Wenn euch diese Folge gefallen hat, würde es mir sehr helfen, wenn ihr eine Bewertung bei Apple Podcast oder Spotify hinterlasst.
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