Superorgan Schilddrüse – Stoffwechsel, Hormone & Gesundheit - mit Dr. Johannes-Paul RichterSuperorgan Schilddrüse – Stoffwechsel, Hormone & Gesundheit - mit Dr. Johannes-Paul Richter

Superorgan Schilddrüse – Stoffwechsel, Hormone & Gesundheit - mit Dr. Johannes-Paul Richter

Die Schilddrüse ist klein wie eine Säuglingsfaust – und doch ein „Superorgan“ für Energie, Stoffwechsel und unser Stressempfinden Nuklearmediziner Dr. Johannes-Paul Richter, erklärt warum nicht „Schilddrüse = Unterfunktion = Gewichtszunahme“ gilt, welche modernen Verfahren heute zur Verfügung stehen und wie Lebensstil, Ernährung und ausgewählte Mikronährstoffe eine Rolle spielen können.

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Häufige Schilddrüsenthemen – und was dahintersteckt

Knoten sind häufig – und meist harmlos

  • Jeder dritte Mensch entwickelt im Laufe des Lebens Schilddrüsenknoten.
  • Die meisten Knoten sind funktionslos („kalt“) und klinisch unauffällig.
  • Bösartige Veränderungen sind selten; bei Verdacht erfolgt eine gezielte Feinnadelpunktion sowie bildgebende Diagnostik.

„Schilddrüsenknoten und Autoimmunerkrankungen kommen in der Bevölkerung relativ häufig vor; eine ärztliche Abklärung erfolgt bei Beschwerden oder auffälligen Befunden.“


Autoimmunerkrankungen: Hashimoto & Morbus Basedow

  • Hashimoto-Thyreoiditis ist variabel („Chamäleon“): Müdigkeit, Kälteempfindlichkeit, Gewichtsstagnation u. a. können auftreten.
  • Morbus Basedow geht häufig mit Überfunktionssymptomen (z. B. Herzklopfen, Schwitzen) einher.
  • Wichtig: Symptome sind unspezifisch. Diagnose immer durch Labor (TSH, fT3, fT4, Antikörper) und Ultraschall.

Menopause, Kinderwunsch & Schilddrüse

  • Überfunktionssymptome (z. B. Schwitzen, Herzrasen) können Wechseljahresbeschwerden imitieren – ärztlich abgrenzen.
  • Bei Kinderwunsch lohnt die TSH-Optimierung in Abstimmung mit Gynäkologie/Endokrinologie.

Moderne Diagnostik & Therapie – was heute möglich ist

Bildgebung auf dem neuesten Stand

  • Ultraschall mit hoher Auflösung; KI-gestützte Optimierung gewinnt an Bedeutung.
  • Szintigrafie (nuklearmedizinisch) zur Beurteilung von Aktivität („heiß/kalt“) und Wachstumsmustern.
  • Feinnadelpunktion zur Abklärung unklarer Knoten vor minimalinvasiven Eingriffen.

Radiofrequenzablation (RFA) – minimalinvasiv statt OP

  • Was es ist: Wärmeenergie („Heizstab“) verödet gezielt Knotengewebe unter Schonung der übrigen Schilddrüse.
  • Vorteile: kein Schnitt, meist keine lebenslange Hormonsubstitution, rasche Erholung.
  • Grenzen: Nicht für bösartige Knoten; bei sehr großen Volumina kann eine Operation sinnvoller sein.

Lebensstil, Ernährung & Mikronährstoffe – evidenzbasiert & alltagstauglich

1) Stress regulieren – der „Filter“ der Schilddrüse

Die Schilddrüse reagiert sensibel auf Stressachsen (z. B. Hypothalamus-Hypophyse-Schilddrüse).
Praktische Impulse:

  • Schlafhygiene priorisieren (konstante Zeiten, dunkler Raum, Abendroutine).
  • Regelmäßige Bewegung (moderate Ausdauer + sanfte Kraft).
  • Achtsamkeit: 5–10 min Atemfokus/Tag.

2) Ernährung: einfach, nährstoffdicht, individuell

  • Eiweißreich, viel Gemüse und Vollkorn, Omega-3-Quellen (Fisch, Leinsamen).
  • Jod: in vielen Regionen relativ niedrig – Zufuhr bedarfsgerecht mit Fachpersonal abstimmen (insb. bei Autoimmun-Themen).
  • Eisen prüfen (Ferritin): Müdigkeit ist häufig mit Eisenmangel verknüpft – besonders bei prämenopausalen Frauen.

3) Mikronährstoffe – was die EU-Health-Claims erlauben

  • Selen trägt zu einer normalen Schilddrüsenfunktion bei.
  • Jod trägt zur normalen Produktion von Schilddrüsenhormonen und zu einer normalen Schilddrüsenfunktionbei.
  • Zink unterstützt den normalen Kohlenhydrat-, Fettsäure- und Vitamin-A-Stoffwechsel sowie die Funktion des Immunsystems.
  • Magnesium trägt zur Verringerung von Müdigkeit und Ermüdung und zu einem normalen Energiestoffwechsel bei.
  • Vitamin D unterstützt die normale Funktion des Immunsystems und die Knochen-/Muskelfunktion.
  • Eisen unterstützt die Bildung roter Blutkörperchen und die Verringerung von Müdigkeit.

Hinweis: Dosierung & Kombination sollten individuell und ärztlich/therapeutisch begleitet werden – besonders bei Autoimmunerkrankungen, Schwangerschaft/Kinderwunsch und bestehenden Therapien.

Häufige Fragen – kurz & bündig

„Sollte ich meine Schilddrüse präventiv schallen lassen?“

-> Ohne Beschwerden oder Hinweise nicht routinemäßig. Bei Druck-/ Schluck-gefühl, Herzrasen, anhaltendem Schwitzen oder auffälligen Laborwerten: ärztliche Abklärung.

„Hilft mehr Jod/Selen automatisch beim Gewicht?“

-> Nein. Überdosierung vermeiden und bedarfsgerecht dosieren lassen. Gewichtsverlauf ist multifaktoriell (Bewegung, Schlaf, Ernährung, Hormonlage).

Take Aways  

  • Die Schilddrüse ist zentral für Stoffwechsel & Stressempfinden, Beschwerden sind jedoch unspezifisch.
  • Knoten sind häufigmeist harmlos; Bösartigkeit ist selten, wird aber abgeklärt.
  • RFA bietet bei geeigneten Knoten eine schonende Alternative zur OP.
  • Lebensstil (Stress, Schlaf, Bewegung) und ernährungsmedizinische Aspekte sind entscheidend.
  • Selen & Jod haben zugelassene Health-Claims zur Schilddrüsenfunktion; Dosierung individuell abstimmen.
  • Ferritin/Eisen prüfen bei Müdigkeit, besonders vor der Menopause.
  • Kinderwunsch & Menopause: Schilddrüse mitdenken und interdisziplinär betreuen lassen.
  • Keine Selbstdiagnose – bei Verdacht Hausarzt/ Endokrinologie/ Nuklearmedizin einbeziehen

Mehr erfahren im healthwise Podcast von sunday natural

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Dr. Johannes-Paul Richter ist Facharzt für Radiologie und Nuklearmedizin sowie ausgewiesener Experte für minimalinvasive Therapieverfahren der Schilddrüse.

In seiner medizinischen Arbeit verbindet er hochpräzise Diagnostik mit einem patientenzentrierten Ansatz: Er sieht modernste Bildgebung und funktionelle Medizin nicht als Selbstzweck, sondern als Werkzeuge, um individuelle Therapieoptionen zu eröffnen und unnötige Eingriffe zu vermeiden. Dabei legt er besonderen Fokus auf Verfahren wie die Radiofrequenzablation bei Schilddrüsenerkrankungen – eine schonende Alternative zu klassischen Operationen.

Sein Ansatz basiert auf dem Prinzip, dass jede Therapie durch sorgfältige Analyse des Krankheitsbildes, der Laborwerte und der Bildgebung optimiert werden kann. Für Dr. Richter bedeutet dies: Behandlung heißt nicht bloß Eingreifen, sondern gezielt Entscheiden. Dabei setzt er auf evidenzbasierte Technik, Präzision und eine holistische Sicht auf den Patienten – mit dem Ziel, funktionale Gesundheit, Sicherheit und minimalinvasive Wege in den Mittelpunkt zu rücken.

Mehr über Dr. Johannes-Paul Richter: https://www.rfamd.com/johannes-richter/

#003 Superorgan Schilddrüse- Stoffwechsel, Hormone und Gesundheit. Mit Dr. Johannes-Paul Richter


[Dr. Johannes-Paul Richter] (0:00 - 0:20)

Jedoch sollte man nicht jede Unterfunktion behandeln und nicht jede Unterfunktion führt zum Dicksein. Ich glaube, das ist dann auch eher jedem individuell anzulasten, ob er aktiv ist im Alter oder eher weniger. Auch die Ernährung spielt da eine wichtige Rolle.


Also Schilddrüse gleich Unterfunktion gleich Dick ist nicht so ganz richtig.


[Nils Behrens] (0:21 - 1:31)

Herzlich willkommen zu HEALTHWISE, dem Gesundheitspodcast präsentiert von Sunday Natural. Ich bin Nils Behrens und in diesem Podcast erkunden wir gemeinsam, was es bedeutet, gesund zu sein. Wir tauchen ein in Themen wie Medizin, Bewegung, Ernährung und emotionale Gesundheit.


Immer mit einem weisen Blick auf das, was uns wirklich gut tut. Die Schilddrüse ist ein kleines, aber lebenswichtiges Organ, das viele Körperfunktionen beeinflusst. Sie spielt eine entscheidende Rolle im Stoffwechsel und bei der Regulierung von Hormonen.


Schilddrüsenerkrankungen sind weit verbreitet und können erhebliche gesundheitliche Auswirkungen haben. Eine frühzeitige Diagnose und moderne Behandlungsmethoden sind entscheidend, um die Lebensqualität der Betroffenen zu verbessern. Worauf wir achten müssen, weiß mein heutiger Gast.


Dr. Johannes Paul Richter ist ein erfahrener Nuklearmediziner. Ich finde, das klingt schon mal per se sehr fancy und Spezialist für Schilddrüsenerkrankungen. Er leitet das Schilddrüsenzentrum in Berlin, wo er sich auf die Diagnose und Behandlung von Schilddrüsenerkrankungen spezialisiert hat.


Dr. Richter setzt moderne Verfahren wie die Radiofrequenzablation ein, um seine Patienten optimal zu versorgen. Mit seinem umfangreichen Fachwissen und seinen innovativen Herangehensweisen ist er einer der führenden Experten auf diesem Gebiet. Und deswegen sage ich herzlich willkommen Dr. Johannes Paul Richter.


[Dr. Johannes-Paul Richter] (1:32 - 1:33)

Guten Tag. Hallo.


[Nils Behrens] (1:34 - 1:38)

Lieber Johannes, wie sieht denn bei dir so ein Was-machst-du-gern-an-Sonntagen aus?


[Dr. Johannes-Paul Richter] (1:38 - 1:54)

Ja, der Sonntag ist für mich sehr wichtig und heilig und so gut wie immer arbeitsfrei. Der wird natürlich hauptsächlich der Familie gewidmet. Meinen drei kleinen Töchtern und meiner Frau.


Allein mit vier Frauen? Ja, eigentlich sind es sechs, wenn man noch die Hündin mit dazuzählt.


[Nils Behrens] (1:56 - 1:59)

Hättet ihr da nicht wenigstens die männlichen Geschlechter ausdrücken können?


[Dr. Johannes-Paul Richter] (1:59 - 2:06)

Ja, also sechs Frauen sind schon herausfordernd. Aber das Wochenende, vor allen Dingen Sonntag, ist wichtig zu entspannen.


[Nils Behrens] (2:07 - 2:13)

Schön, schön, stelle ich mir sehr schön vor. Was hat dich denn dazu bewogen, dich auf die Schilddrüsenmedizin zu spezialisieren?


[Dr. Johannes-Paul Richter] (2:14 - 2:40)

Ja, das war ein langer, verwobener Weg. Da möchte ich jetzt nicht so genau darauf eingehen. Aber die Schilddrüse ist ein sehr, sehr interessantes, vielfältiges Organ.


Und man hat als nuklearer Mediziner sehr, sehr viele Möglichkeiten. Labor, Bilddiagnostik, Anamnese wie ein allgemeiner Mediziner. Also viele Möglichkeiten, Krankheiten zu diagnostizieren.


Und es ist ein sehr, sehr spannendes Organ, mit doch sehr vielfältigen Einflüssen auf den Organismus.


[Nils Behrens] (2:41 - 2:52)

Ich fand es ganz interessant, in unserem Vorgespräch hatte ich gerade so gesagt, na ja, im Zweifelsfall interessiert das hier in erster Linie die Leute, die auch was mit der Schilddrüse haben. Und dann sagst du gleich so ganz selbstbewusst, na ja, dann ja eigentlich fast alle.


[Dr. Johannes-Paul Richter] (2:52 - 3:07)

Ja, so richtig. Also jeder Dritte hat Knoten. Und die Autoimmunerkrankungen der Schilddrüse wie Hashimoto oder Basedow sind auch sehr häufig verbreitet.


Auch die hat jeder Dritte. Das heißt also zwei von drei haben eine Schilddrüsenerkrankung.


[Nils Behrens] (3:08 - 3:15)

Okay, Wahnsinn, Wahnsinn. Welche Rolle spielt die Schilddrüse denn tatsächlich im menschlichen Körper? Und warum ist denn die Funktion so entscheidend?


[Dr. Johannes-Paul Richter] (3:15 - 3:39)

Die Schilddrüse ist gerade mal so groß wie eine Säuglingsfaust, aber ist ein sehr, sehr vernachlässigtes Organ, obwohl es als Hauptfunktion den Stressfilter hat. Also alles, was mit Stress zu tun hat, kann die Schilddrüse positiv oder negativ beeinflussen und ist so gut wie an jedem Stoffwechselprozess beteiligt, der angepasst wird, je nachdem, ob man eben in Stress- oder in Ruhe-Situationen ist.


[Nils Behrens] (3:39 - 3:50)

Ja, Stoffwechsel ist wirklich insofern nochmal ein sehr interessantes Thema, weil man sagt ja dann immer, ab einem gewissen Alter schläft der Stoffwechsel dann irgendwann ein und deswegen wird man dick.


[Dr. Johannes-Paul Richter] (3:51 - 4:45)

Ist das so? Ja, das muss man so ein bisschen differenzieren. Das ist natürlich nicht ganz so.


Ältere Patienten haben natürlich einen langsameren Stoffwechsel und man kann auch anhand der Schilddrüsenwerte oder Hormone messen, dass die älteren Menschen Richtung Unterfunktion tendieren. Jedoch sollte man nicht jede Unterfunktion behandeln und nicht jede Unterfunktion führt zum Dicksein. Ich glaube, das ist dann auch eher jedem individuell anzulassen, ob er aktiv ist im Alter oder eher weniger.


Auch die Ernährung spielt da eine wichtige Rolle. Also Schilddrüse gleich Unterfunktion gleich dick ist nicht so ganz richtig. Außerdem muss man auch dazu sagen, sehr viele ältere Menschen, die dann zur Unterfunktion neigen, kriegen Schilddrüsenmedikamente.


Und Schilddrüsenmedikamente haben unter anderem auch die Nebenwirkung, dick zu machen in Form von einer Ödemneigung, heißt Wassereinlagerungen.


[Nils Behrens] (4:46 - 4:58)

Wenn wir jetzt mal auf die Erkrankung gehen, du hast es ja eben gerade schon mal so kurz ein paar Prozentzeilen angesprochen, aber lass uns doch noch mal genau reingehen, welches sind die häufigsten Schilddrüsenerkrankungen und wie wirkt sich das aus?


[Dr. Johannes-Paul Richter] (4:58 - 5:47)

Also wie schon angesprochen, jeder Dritte in der Bundesrepublik hat einen Schilddrüsenknoten. Ein Schilddrüsenknoten an sich ist keine Erkrankung, solange er keine Hormone produziert. Das heißt also im Volksmund heißer Knoten sind die meisten Knoten funktionslos und eigentlich auch bedeutungslos.


Bösartigkeit gibt es auch, ist nur sehr, sehr selten. Also wir haben ungefähr 7000 Neuerkrankungen im Jahr bezogen auf die Bevölkerung der gesamten Bundesrepublik Deutschland. Was häufiger ist mit einem Verhältnis von 10 zu 1 und auch genetisch bedingt, sind die sogenannten Autoimmunerkrankungen der Schilddrüse, wie zum Beispiel der Morbus Basedow, bekannt als Krankheit mit den Frosch- oder Glupschaugen und die Hashimoto-Entzündung der Schilddrüse.


[Nils Behrens] (5:47 - 5:59)

Aber Hashimoto, da nur um jetzt quasi auf meinen Punkt von eben zurückzukommen, das ist ja schon sehr häufig, dass die Patienten oder Patientinnen, dass die dann doch schon deutlich an Gewicht zunehmen könnten, oder?


[Dr. Johannes-Paul Richter] (6:00 - 6:30)

Ja, das ist richtig. Die Hashimoto-Erkrankung ist eine Erkrankung, die wir auch Chameleon-Erkrankung der Schilddrüse nennen, weil sie so vielfältig ist und auch vielfältige Symptome verursachen kann, die nicht unbedingt immer von der Schilddrüse kommen müssen, aber worunter die Patienten sehr leiden. Und eines der Hauptthemen ist tatsächlich die ungewollte Gewichtszunahme beziehungsweise die Unmöglichkeit, Gewicht zu verlieren, egal ob man die Ernährung anpasst oder viel Sport macht.


Und darunter leiden die meisten Patienten beziehungsweise Patientinnen.


[Nils Behrens] (6:31 - 6:36)

Und wie entsteht sowas? Ich hatte mal gehört, dass das ein Problem mit der Jodaufnahme ist oder ist das so kurz gesprungen?


[Dr. Johannes-Paul Richter] (6:37 - 7:18)

Das ist sehr kurz gesprungen. Also eine Hashimoto-Tyropathie fängt schon im Darm an, das sogenannte Leaky Gut-Syndrom. Bedeutet also im Jugendalter, meist so zwischen dem 20.


und 30. Lebensjahr, wird dem Immunsystem des Darms, in dem ja 80 Prozent des Immunsystems sitzen, ein Giftstoff oder ein Antibiotikum oder ein Bakterium präsentiert, womit dann nicht so ganz klar kommt. Und als Kreuzreaktionen werden dann Antikörper gebildet, unter anderem gegen die Schilddrüse oder gegen die Bauchspeicheldrüse.


Dann haben diese Patienten Diabetes oder gegen den Magen dann die Gastritis. Also Patienten mit einer Hashimoto haben meistens sehr viele Begleiterkrankungen und im höheren Alter, so ab 50, unter anderem auch rheumatische Erkrankungen.


[Nils Behrens] (7:19 - 7:41)

Wahnsinn, Wahnsinn. Also möchte man ja wirklich nicht haben. Kommen wir vielleicht später nochmal zu dem Thema Prävention.


Aber kommen wir doch jetzt erstmal zu dem Thema der Diagnostik. Das heißt also, ich hatte ja schon das Loblied im Vorwege gesagt, dass du die modernste und tollste Diagnostik hast. Und ich finde ja der Begriff Nuklearmediziner klingt ja sowieso schon mal sehr spektakulär.


Erzähl mir doch mal, wie läuft denn so eine Diagnostik ab?


[Dr. Johannes-Paul Richter] (7:42 - 8:32)

Ja, Nuklearmedizin heißt deswegen so, weil wir mit Radioaktivität arbeiten. Also in der Radiologie zum Beispiel werden ja Bilder gemacht mit Röntgenstrahlen. Wir machen Bilder mit radioaktiven Stoffen, die den Patienten gespritzt werden, aber in so geringer Dosis, dass es der Körper nicht merkt.


Und in gerade ausreichender Menge, dass wir sehr schöne Bilder machen können. Und modern deswegen, die Kameras werden eben immer empfindlicher, sodass wir immer weniger Dosis spritzen müssen, um sehr gute Bildqualität zu erhalten. Andererseits haben wir natürlich auch noch den Ultraschall.


Auch diese Geräte werden immer besser. Die werden jetzt zusammen mit den Entwicklungen der KI auch immer effizienter. Das heißt zum Teil optimieren die die Bilder so, dass man hervorragende Auflösungen hat.


Die Volumetrie wird immer besser. Also man kann mit den neuesten Geräten schon auch bessere, feinere Diagnostik machen.


[Nils Behrens] (8:33 - 8:47)

Was ich aber ganz interessant in dem Zusammenhang finde, ist, für mich ist ja ein Nuklearmediziner jemand, der dann wirklich sich sehr stark auf dem Thema Diagnostik konzentriert hat. Aber ihr macht ja wahrscheinlich dann auch die Therapie oder die Therapieansätze bei euch im Schildhusen Zentrum, oder?


[Dr. Johannes-Paul Richter] (8:47 - 9:22)

Ja, das ist das Spannende an dem Fach Nuklearmedizin. Man ist sozusagen ein Internist mit allen Möglichkeiten der Diagnostik und der Therapie. Das ist richtig.


Also wenn wir jetzt zum Beispiel Knoten haben, können wir, wie wir es am Anfang erwähnt haben, die sogenannte Radiofrequenzablation anwenden. Das ist ein minimalinvasives Verfahren, wo mittels Hitze Knoten gezielt zerstört werden unter Schonung der Restschilddrüse. Also die Restschilddrüse wird gar nicht tangiert.


Man verliert auch die Schilddrüsenfunktion sozusagen. Man braucht dann keine Medikamente, hat keine Narbe. Das ist ein modernes Verfahren zum Beispiel.


[Nils Behrens] (9:22 - 9:27)

Ich stelle mir das so als alter Star Wars Fan so ein bisschen lasermäßig vor, dass so gezielt die Knoten lasermäßig weggeschossen werden.


[Dr. Johannes-Paul Richter] (9:27 - 9:34)

Ja, sowas gab es auch. Laser war leider nicht so effizient, weil die Energie, die der Laser verursacht, einfach nicht so gut kontrollierbar ist.


[Nils Behrens] (9:35 - 9:46)

Ah, wirklich. Das ist interessant. Man stellt sich ja vor, dass so ein Laser viel gezielter sein müsste als jetzt so eine Radiofrequenz.


Ich meine, so eine Frequenz, stelle ich mir vor, ist ja viel breiter gestreut.


[Dr. Johannes-Paul Richter] (9:47 - 10:43)

Im Spektrum liegen die ja nicht so weit auseinander. Das eine ist eben näher am sichtbaren Licht. Das Laser und die Radiofrequenz heißt deswegen so, weil das im Bereich der Radiowellen ist, aber von der Effizienz her ist der Laser durch die Lichtleiter nicht so gut steuerbar wie so ein dünnes Stäbchen, wie so ein Heizstab.


Den kann man natürlich besser durch einen Knoten führen als ein Lichtleitkabel. Das ist der einzige Grund. Und für welche Patienten ist das besonders gut geeignet?


Die Indikationen für eine Radiofrequenzablation sind vielfältig. Eigentlich gibt es keine Begrenzung. Außer in Deutschland dürfen wir bösartige Knoten damit nicht therapieren.


Aber egal welche Zusammensetzung, ob zystisch, ob fest, ob groß, ob klein, ob heiß oder kalt, also heißt, ob es Hormone produziert oder nicht, sind keine Grenzen gesetzt. Natürlich muss man gucken, wenn man jetzt Knoten hat, die 100, 150 Milliliter groß sind, ob es dann überhaupt sinnhaft ist, ein minimalinvasives Verfahren zu nutzen oder dann doch eher die klassische OP.


[Nils Behrens] (10:44 - 11:02)

Ich finde das sehr interessant, weil üblicherweise, wenn man jetzt irgendwelche Zysten oder andere Knoten oder sowas hat, dann geht man ja meistens immer erstmal rein und nimmt eine Gewebeprobe, um zu schauen, ob eine Bösartigkeit vorliegt. Das kann ich mir vorstellen, wird man bei der Schilddrüse ja nicht machen. Wie unterscheidet ihr denn dann die Bösartigen von den Nichtbösartigen?


[Dr. Johannes-Paul Richter] (11:03 - 11:30)

Ja, das ist ein sehr guter Punkt. Also wir müssen es doch machen. Also bevor wir ein minimalinvasives Verfahren anwenden dürfen, müssen wir zu nahezu 100 Prozent ausschließen, dass es bösartig ist.


Und wir haben da zwei Möglichkeiten. Wir haben eine sogenannte Tumorsynthiografie, die kommt aus der damaligen Brust, also Mama-Mama-Diagnostik. Damit können wir schon schauen, ob es Gebiete innerhalb der Schilddrüse oder des Knotens gibt, die ein verstärktes Wachstum anzeigen.


Und dann können wir gezielt mit der Feinnadelpunktion eine Gewebeprobe rausholen.


[Nils Behrens] (11:31 - 11:31)

Tatsächlich?


[Dr. Johannes-Paul Richter] (11:31 - 11:39)

Ja, das ist auch Pflicht, weil Bösartigkeit, wie gesagt, muss klassisch operiert werden.


Und das müssen wir ausschließen, bevor wir ein minimalinvasives Verfahren verwenden.


[Nils Behrens] (11:40 - 11:45)

Und warum muss man das? Also was wäre jetzt sozusagen, wenn jetzt ein bösartigen Knoten beschießt?


[Dr. Johannes-Paul Richter] (11:46 - 12:07)

Naja, bei einer OP sind wir hundertprozentig. Also wenn man jetzt einen Knoten oder die Schilddrüse herausnimmt, dann sind die Zellen weg. Das kann man dann über den Tumormarker auch kontrollieren.


Wenn man jetzt ein minimalinvasives Verfahren wie die Radiofrequenzoperation verwendet, erwischt man nie hundert Prozent der Milliarden Zellen eines Knotens. Das heißt also, ein gewisses Restrisiko besteht dann ja immer noch bei bösartigen Knoten. Deswegen müssen die operiert werden.


[Nils Behrens] (12:08 - 12:25)

Was würdest du sagen, sind denn die häufigsten Symptome, die auf eine Schilddrüsenerkrankung hinweisen? Also wenn jetzt unsere HörerInnen jetzt sagen so, Mensch, der hat gesagt, so viele, jeder Dritte und so. Jetzt sieht man so, wo man die Grunde abnimmt.


Hier gerade so sitzt und denkt so, da könnte ich mit dabei sein. Woran könnte man dann merken, dass man eine Schilddrüsenerkrankung hat?


[Dr. Johannes-Paul Richter] (12:26 - 13:00)

Ja, die Symptome sind leider sehr, sehr unspezifisch, die die Schilddrüse hervorrufen kann. Meistens sind es dann auch andere Erkrankungen. Aber sagen wir mal, die Hauptsymptome, die richtungsweisend sind, sind mechanische Beschwerden.


Das heißt also Schluckbeschwerden, ein Druckgefühl rechts oder links am Hals, was persistiert. Oder wenn man im Liegen mehr Druck entwickelt. Solche Sachen, also mechanisch auf jeden Fall.


Und vom Stoffwechsel her, bei heißen Knoten muss man schauen. Herzrhythmusstörungen, Herzrasen, ein chronisches Schwitzen. So was ist dann schon mal ein Indiz für eine Schilddrüsenerkrankung.


[Nils Behrens] (13:01 - 13:28)

Chronisches Schwitzen, denke ich jetzt gerade an unsere HörerInnen, die sich gerade in der Menopause befinden. Aber vielleicht kommen wir gleich nochmal auf diese Frage. Ja, auch das ist nicht ganz abwegig, ja.


Okay, aber was würdest du sagen, welche Bedeutung hat die Früherkennung denn dabei? Das heißt also, es ist wahrscheinlich wie bei jeder Krankheit, umso später man sie erkennt, umso niedriger sind die Heilungschancen. Aber trotz allem würde man jetzt ja nicht einfach mal, oder würde man einfach mal präventiv sich seine Schilddrüse anschauen lassen?


[Dr. Johannes-Paul Richter] (13:29 - 13:47)

Also das würde ich auf gar keinen Fall machen. Da ja, wie anfangs besprochen, Knoten sehr häufig sind, würde ich meine Schilddrüse präventiv nicht untersuchen oder schallen lassen, wenn man nicht diese erwähnten Probleme hat, wie eben mechanische Probleme oder Stoffwechselprobleme.


[Nils Behrens] (13:49 - 13:57)

Da kommen wir jetzt wieder zurück. Also nur weil man in der letzten Zeit viel zugenommen hat, ist das noch nicht automatisch ein Stoffwechselproblem, ist das nicht automatisch ein Grund, sich die Schilddrüse anschauen zu lassen?


[Dr. Johannes-Paul Richter] (13:57 - 14:09)

Genau, weil das Problem in Deutschland ist leider noch so, dass Knoten gleich Schilddrüsen-OP und das ist nicht ganz richtig. Deswegen würde ich, wenn ich keine Schilddrüsenprobleme habe, sie mir auch primär erstmal nicht untersuchen lassen.


[Nils Behrens] (14:11 - 14:15)

Okay, trotz allem die Frage nochmal zurück. Wie wichtig ist die Früherkennung?


[Dr. Johannes-Paul Richter] (14:17 - 14:33)

Also vergleichbar mit einer Brustkrebsfrüherkennung bei der Frau, Prostatakrebs beim Mann, null. Okay. Schilddrüsenkrebs ist auch sehr, sehr selten, bis auf ganz, ganz geringe Ausnahme auch sehr, sehr langsam fortschreitend und eigentlich zu nahezu 100 Prozent heilbar, wenn es erkannt wird.


[Nils Behrens] (14:34 - 14:46)

Ich habe gelesen, dass es auch eine medikamentöse Therapie gibt, also bevor man eine Operation macht oder sind das einfach zwei völlig verschiedene Indikationen, wann man medikamentös arbeitet und wann man operiert?


[Dr. Johannes-Paul Richter] (14:46 - 15:11)

Genau, das eine hat mit dem anderen nichts zu tun. Es hängt dann tatsächlich vom Krankheitsbild ab. Also wenn man einen heißen Knoten hat, kann man bis zur Therapie Schilddrüsenblocker geben.


Das ist natürlich ein Medikament. Oder wenn Patienten tatsächlich in eine Unterfunktion rutschen, dann gibt man L-Tyroxin, also einen Schilddrüsenersatzhormon, um die Patienten wieder in die Euteriose, also ins Gleichgewicht der Schilddrüsenhormone zu bringen.


[Nils Behrens] (15:11 - 15:27)

Wie hoch ist denn so eine Heilbarkeit? Also ich kenne wirklich ein paar, zunehmendermaßen eigentlich nur Frauen, die einen Hashimoto haben. Und irgendwie habe ich das Gefühl, seitdem die die Diagnose haben, hat sich auch irgendwie nicht viel verändert.


Aber das hoffentlich ist nicht so. Man kann doch wahrscheinlich da schon was machen, oder?


[Dr. Johannes-Paul Richter] (15:28 - 16:41)

Naja, man muss dazu sagen, es ist ein Unikum in Deutschland, dass die Schilddrüse in der Hand der Nuklearmediziner ist. In allen anderen Ländern ist es hauptsächlich der Endokrinologe. Und in der Nuklearmedizin, da sie leider doch nicht nur spezifisch auf die Schilddrüse gerichtet ist, wird die Schilddrüsenerkrankung an sich, egal welches ist, zu lax gehandhabt.


Das heißt, Knoten gleich OP, Schilddrüsenunterfunktion gleich Schilddrüsenmedikament. Aber es wird leider nicht ganzheitlich drauf geschaut. Wie ich eingangs gesagt hatte, ist ja die Schilddrüse schon der Hauptstressfilter.


Auch für Frauen in der Menopause manchmal ein Problem. Also müsste man dann doch eher gezielter, ganzheitlicher drauf gucken. In der Patientenanamnese sollte doch etwas intensiver sein.


Das Labor sollte etwas ausführlicher sein. Der Ultraschall sollte genauer sein. Also man muss bei der Schilddrüse doch sehr genau hinschauen und differenziert, um die Symptome zu unterscheiden und dann auch richtig zu therapieren.


Und ganz wichtig hierbei sind auch die Naturheilstoffe beziehungsweise gewisse Spurenelemente oder Vitamine, die von der Standardmedizin dann doch außer Acht gelassen werden.


[Nils Behrens] (16:41 - 16:49)

Das heißt also, wenn man einen, wie du es beschreibst, einen mehr ganzheitlichen Blick auf dieses ganze Thema hat, dann ist die Heilungswahrscheinlichkeit auch höher?


[Dr. Johannes-Paul Richter] (16:50 - 17:36)

Ja, also man muss fairerweise sagen, dass Hashimoto nicht geheilt werden kann. Aber Hashimoto kann doch sehr gut eingedämmt werden bis hin zur Symptomfreiheit. Und da spielt an allererster Stelle der Lebensstil eine Rolle.


Es ist einfach so, weil die Schilddrüse ist das Stressorgan oder stresssensibel. Gerade wenn man eine Schilddrüsenerkrankung wie Hashimoto hat, ist sie noch mal sensibler als eine gesunde Schilddrüse. Die Ernährung spielt eine sehr wichtige Rolle.


Und als Unterteil der Ernährung natürlich auch die Supplementierung. Selen ist da ein wichtiger Aspekt. Wir haben ja selenarme Böden, genauso wie Jodmangel, relativen Zinkmangel, Magnesiummangel.


Also diese Supplemente kann man mal testen lassen und kann sie dann gegebenenfalls ersetzen.


[Nils Behrens] (17:37 - 17:48)

Aber interessant. Das heißt also, das sind alles Themen, die für die Schilddrüse eine Rolle spielen. Ich hätte jetzt als erstes Selen wahrscheinlich noch gewusst.


Jod hätte ich noch so vermutet. Richtig oder falsch?


[Dr. Johannes-Paul Richter] (17:48 - 18:06)

Ja, das ist richtig. Gerade so in Regionen, wo es doch noch Jodmangel gibt. Also wie in der Schwäbischen Alb oder in Österreich zum Beispiel, in der Steiermark, wo nachgewiesenermaßen sehr wenig Jod ist.


Und auch die Landbevölkerung sehr wenig Jod zu sich nimmt. Da sieht man doch noch öfter die vergrößerten Jodmangelstromen.


[Nils Behrens] (18:06 - 18:08)

Und Zink und Magnesium gehören auch dazu?


[Dr. Johannes-Paul Richter] (18:09 - 18:22)

Zink und Magnesium gehören auch dazu. Das ist dann aber eher ein komplexerer Stoffwechselzusammenhang. Auch im Zusammenhang mit dem Vitamin D, was aber nicht direkt Schilddrüsenthema, sondern eher Nebenschilddrüsenthema ist.


[Nils Behrens] (18:22 - 18:23)

Da sind wir wieder bei der Ganzheitlichkeit.


[Dr. Johannes-Paul Richter] (18:23 - 18:58)

Bei der Ganzheitlichkeit. Und man muss dazu sagen, die Schilddrüse ist ja eines der Primärorgane, der ja die Nebenniere nachgeschaltet ist. Und man muss immer auf die ganze hormonelle Achse schauen.


Also wirklich mit dem endokrinologischen Blick und nicht nur die Schilddrüse für sich betrachten. Das ist ja doch ein sehr komplexer Zusammenhang. Und gerade bei Frauen, wo die Östrogene oder Beta-HCG doch eine Ähnlichkeit hat mit dem TSH, muss man nochmal differenzierter hinschauen.


Das heißt also, bei Frauen sind noch ein bisschen empfänglicher für Störungen des hormonellen Gleichgewichts.


[Nils Behrens] (18:58 - 19:03)

Ist es ja tatsächlich auch so, dass Frauen häufiger dann dementsprechend auch Schilddrüsenerkrankungen haben?


[Dr. Johannes-Paul Richter] (19:04 - 19:13)

Na, das kann man so nicht verallgemeinern. Also der Basedow ist etwas häufiger bei Männern und der Hashimoto ist etwas häufiger bei Frauen. Die Knotenverteilung ist ähnlich.


[Nils Behrens] (19:13 - 19:42)

Okay. Kommen wir aber trotzdem, wir bleiben mal kurz bei den Frauen. Ich habe zumindest die Statistik sagt am Augenblick, dass 70 Prozent unserer HörerInnen weiblich sind.


Also von daher wird es dann vielleicht den ein oder anderen auch betreffen, wenn wir auf die Wechseljahre mal eingehen. Das heißt also, du hattest jetzt schon die ein oder anderen, das Thema der Hormone angesprochen. Ich kann mir gut vorstellen, dass wenn dann insgesamt die Frau in die Menopause kommt, dass man dann in dem Zusammenhang wahrscheinlich sich dann auch eine Auswirkung auf die Schilddrüse ergeben kann.


[Dr. Johannes-Paul Richter] (19:42 - 20:31)

Ja, da gibt es zwei wesentliche Aspekte. Und zwar der wichtigste, oft übersehene Aspekt ist der heiße Knoten. Also ein autonomes Adenom, der bei Frauen die Wechseljahre imitieren kann oder sogar auslösen kann bzw.


vorziehen kann. Also diese ganzen Symptome mit chronischem Schwitzen und Herzrasen, was man in den Wechseljahren bekommen kann, da sollte man dann tatsächlich in Zusammenarbeit mit dem Gynäkologen die Schilddrüse abklären. Das ist Punkt 1.


Und Punkt 2 ist, wenn die Frauen dann tatsächlich in der Menopause sind, kriegen sie ja meistens Hormonersatzprodukte. Und diese Hormonersatzprodukte können indirekt auf die Schilddrüse wirken über die Bindungskapazitäten im Blut und zu Unterfunktionen führen. Also auch das sollte man dann abklären.


Das ist aber kein Problem über das Labor abzuklären.


[Nils Behrens] (20:31 - 20:50)

Ich stelle mir jetzt gerade mal so die ein oder anderen HörerInnen vor, die dann so sagen, naja, aber trotzdem, also wenn die Schilddrüse so wichtig für den Stoffwechsel ist und sie besser funktioniert, wenn ich ordentlich Jod und Selen zu mir nehme, dann nehme ich mal ganz viel davon und dann wird das auch schon wieder was mit dem Gewicht. Ich vermute mal, das ist falsch.


[Dr. Johannes-Paul Richter] (20:51 - 21:35)

Ja, das ist doch leider sehr falsch. Also man muss nicht immer zu einem Arzt gehen. Also man kann auch mit Heilpraktikern zusammenarbeiten, so wie wir das im Berliner Schilddrüsenzentrum machen, die dann doch ein bisschen mehr Erfahrung haben mit Naturheilstoffen oder Spurenelementen und Vitaminen.


Also man muss erstens mal mit der Kombination aufpassen. Also ich bin jetzt nicht immer ein Freund von Multivitaminprodukten, weil dann immer mal eins dabei sein kann, was halt nicht passt oder was eine Stoffwechselstörung dann verursachen kann, sondern eher von Monopräparaten. Aber da ist die Dosierung dann auch sehr wichtig.


Und auch das gehört dann in die Hand eines erfahrenen Mediziners oder Heilberuflers.


[Nils Behrens] (21:36 - 21:55)

Also, dass du sehr erfahren bist, haben wir ja A schon in der Einleitung gesagt und B hören wir es ja auch, dass das eben auch eine große Leidenschaft von dir ist. Wenn du jetzt mal eine von denen, ich sag mal, wo der Behandlungsverlauf vielleicht interessanter ist, einen typischen Behandlungsverlauf beschreiben würdest, einer von diesen Schilddrüsenerkrankungen, ich weiß nicht, was würdest du dann wählen? Vielleicht den Hashimoto?


[Dr. Johannes-Paul Richter] (21:56 - 22:01)

Naja, die Frage muss man, natürlich, jede Erkrankung ist interessant.


[Nils Behrens] (22:01 - 22:03)

Okay, ich wollte damit keine Wertung vornehmen.


[Dr. Johannes-Paul Richter] (22:03 - 22:05)

Nein, nein, es ist richtig.


[Nils Behrens] (22:05 - 22:11)

Ich dachte mir nur, wenn du sagst, okay, bösartige Zelle, gleich Operation, gleich raus, ist ein bisschen kurzer.


[Dr. Johannes-Paul Richter] (22:11 - 22:58)

Das ist richtig. Also für mich ist natürlich ein Knoten ein Segen, da ich mit der Radiofrequenzablation den so zerstören kann, dass die Patienten immer einen Heilungserfolg haben. Das heißt also, ihre Symptome sind danach weg.


Aber deutlich schwieriger ist natürlich, eine nicht heilbare Erkrankung wie die Hashimoto-Erkrankung zu therapieren, weil vor allen Dingen die Frauen sind dann doch sehr frustriert, nachdem sie bei der dritten oder fünften Adresse gewesen sind und ihnen immer das Gleiche erzählt worden ist, dass sie eben entweder nichts tun können oder dass Schilddrüsenmedikamente eingenommen werden müssen. Also eine Hashimoto-Erkrankung ist dann doch eine besondere Herausforderung, weil man bei der Erkrankung jeden individuell betrachten muss. Wie gesagt, Lebensstil, Ernährung und so weiter.


Und in die Richtung beraten wir ja dann auch.


[Nils Behrens] (22:58 - 23:15)

Ich glaube, man kann ja heutzutage keinen Podcast mehr führen, zumindest wenn es um irgendwelche innovativen Themen gibt, ohne das Wort KI nochmal anzusprechen. Du hast es eben schon bei der Bildgebung schon mal kurz so angesprochen. Aber wo würdest du jetzt insgesamt, wenn du mal in die Zukunft schaust, sagen, wo sind wahrscheinlich durch technische Innovation die größten Veränderungen in deinem Fachgebiet?


[Dr. Johannes-Paul Richter] (23:17 - 23:56)

Na, hauptsächlich in der Bildgebung. Also die KI kann, sagen wir mal, Bildfehler, nenne ich es jetzt mal ganz einfach, schon so rausrechnen aus den verschiedenen diagnostischen Verfahren, dass die Bildqualität, die Aussagekraft besser wird. Außerdem gibt es an verschiedenen Universitäten auch Projekte über die KI-Stoffwechselvorhersagen.


Das fand ich ganz interessant. Die TU Graz macht das. Stoffwechselvorhersagen zu treffen anhand des Verlaufs von Blutwerten, also Schilddrüsenwerten, um dann dem Arzt die Dosisentscheidung für L-Tyroxin zum Beispiel oder Thiamazolat, Schilddrüsenblocker zu erleichtern.


[Nils Behrens] (23:57 - 24:19)

Machst du denn, weil du, entschuldige mich, das war jetzt ein kleiner Teamsprung nochmal zurück, aber bei den Blutwerten schaust du dir dann quasi auch, also machst du dann so eine Mikronährstoffanalyse und guckst dann eben halt, wie dann der Selenengehalt im Blut ist und der Jodgehalt etc., PP, Eisen, Magnesium, Zink, you name it. Ist sowas Standard, so ein wirkliches Blutlabor zu machen?


[Dr. Johannes-Paul Richter] (24:20 - 25:31)

Also ein Blutlabor zu machen, ja, was Schilddrüsenhormone angeht oder die Antikörper für Hashimoto oder Basedow oder bei Knoten dann entsprechende Tumormarker. Aber Vitamine und Spurenelemente, bis auf wenige Ausnahmen, gehören da eigentlich nicht dazu. Jod kann man sowieso nur über den Urin richtig bestimmen.


Also da macht eine Jodbestimmung keinen Sinn. Und wir haben in der Anfangsphase des Schilddrüsenzentrums mal tatsächlich Magnesium und Zink und Selen gemessen und dann doch festgestellt, dass die meisten einen Mangel haben oder einen relativen Mangel, das heißt also im unteren Drittel des Referenzbereichs lagen. Also substituieren wir generell bei unserem Hashimoto-Ansatz diese Spurenelemente.


Was aber wirklich immer wichtig ist, das Hauptsymptom der Hashimoto ist zum Beispiel die Müdigkeit. Und in 80% der Fälle ist die Müdigkeit ein Eisenmangel. Vor allen Dingen bei Frauen, die noch ihren Zyklus haben, ist es wichtig den Ferritin bzw.


den Eisenspiegel zu bestimmen. Nummer 1 und Nummer 2 ist das Wohlfühlhormon Vitamin D3. Bestimmen wir natürlich auch immer mit, weil das doch einen sehr großen Einfluss hat auf mindestens 20 hormonelle Prozesse im Körper.


[Nils Behrens] (25:32 - 25:39)

Wahnsinn, wofür D3 doch alles gut ist. Ich habe das Gefühl, das ist ja im wahrsten Sinne des Wortes in aller Munde während Corona gekommen.


[Dr. Johannes-Paul Richter] (25:40 - 25:52)

Ja, das ist richtig. Corona hat natürlich auch noch mal Schilddrüsenerkrankungen getriggert. Vor allen Dingen diese Autoimmunerkrankungen wie Hashimoto und Basedow.


Und da hat Vitamin D natürlich auch eine große Rolle gespielt.


[Nils Behrens] (25:52 - 26:22)

Ich habe so ein bisschen die Angst, dass wir vielleicht unseren HörerInnen jetzt auch Angst gemacht haben. Was wäre so ein abschließender Ratschlag, den du jetzt den Zuhörern geben würdest? Weil du sagtest auf der einen Seite, dass sie nicht präventiv einfach jetzt in den Schilddrüsenzentrum laufen und dann mal gucken, was los ist.


Aber auf der anderen Seite kenne ich ja auch das Thema, dass man dann auf einmal sagt, warte mal, aber das Symptom habe ich und das habe ich und ich weiß genau, ich habe was mit der Schilddrüse. Also was wäre jetzt sozusagen dein Ratschlag, um vielleicht zu sagen, keine Panik?


[Dr. Johannes-Paul Richter] (26:24 - 26:50)

Ja, also vielleicht habe ich das eingangs ein bisschen falsch formuliert. Man sollte jetzt keine Prävention betreiben wie eben beim Brustkrebs oder beim Prostatakrebs. Aber wenn man der Meinung ist, dass es mit der Schilddrüse zu tun haben könnte, geht man ja zuerst zum allgemeinen Mediziner, der differenziert noch mal ein bisschen.


Und wenn der der Meinung ist, dass man zum Schilddrüsenarzt oder Schilddrüsenspezialisten gehen soll, dann ist das auch in Ordnung. Also sich einmal die Schilddrüse durchchecken zu lassen, ist völlig in Ordnung.


[Nils Behrens] (26:51 - 26:56)

Und wenn man das bei dir machen möchte, dann macht man das im Berliner Schilddrüsenzentrum, wenn ich richtig verstanden habe.


[Dr. Johannes-Paul Richter] (26:56 - 27:21)

Genau, wir sind das MVZ Antronuk in Berlin, Berliner Schilddrüsenzentrum. Sind sehr herzlich eingeladen zu kommen. Ja, also wir sind auch darauf spezialisiert, als Zweitmeinungsinstitut der Krankenkassen, zum Teil dort darüber zu befinden, ob eine Schilddrüse operiert werden muss beziehungsweise wie sie alternativ behandelt werden kann.


Und da gehören auch die alternativen Behandlungen der Schilddrüsenentzündung wie Hashimoto dazu.


[Nils Behrens] (27:22 - 27:33)

Wenn ich jetzt von dem Thema Wechseljahren mal kurz so zurückspringe auf das Thema Schwangerschaft, das heißt also Kinderwunschthemen. Ich glaube, da gibt es auch einen Zusammenhang zwischen der Schilddrüse und dem Wunsch, Kinder zu bekommen.


[Dr. Johannes-Paul Richter] (27:34 - 28:01)

Ja, da gibt es einen ganz wesentlichen Zusammenhang, der oft vernachlässigt wird. Also Frauen, die eine nicht richtig funktionierende Schilddrüse haben, egal ob es jetzt Über- oder Unterfunktion ist, sollten schon zusammen mit dem Gynäkologen mal klären lassen, über den Schilddrüsenspezialisten, ob die Schilddrüsenfunktion in Ordnung ist. Das kann man ganz einfach über das Labor machen, weil doch die Abortrate sehr hoch ist bzw.


die Unmöglichkeit schwanger zu werden doch gegeben ist, wenn die Schilddrüse nicht funktioniert.


[Nils Behrens] (28:01 - 28:06)

Okay, also ein unerfüllter Kinderwunsch kann tatsächlich auch mit an der Schilddrüse liegen.


[Dr. Johannes-Paul Richter] (28:07 - 28:22)

Das ist sehr häufig so.


Also wir arbeiten mit Kinderwunschzentren zusammen, auch mit vielen Gynäkologen, die dann zu uns schicken, um die Schilddrüse mal abklären zu lassen. Und es ist dann wirklich tatsächlich so, dass das Schwangerwerden braucht einfach ein gesundes oder optimiertes Schilddrüsenmilieu.


[Nils Behrens] (28:23 - 28:25)

Ich sage herzlichen Dank für das Gespräch.

 


[Dr. Johannes-Paul Richter] (28:25 - 28:27)

Ja, vielen Dank. Hat Spaß gemacht.


[Nils Behrens] (28:30 - 28:38)

Ist Schilddrüse eigentlich so ein Party-Talk? Also wenn die Leute mal dann hören, was du so machst, fängt dann jeder an, mit dir über die Schilddrüse zu reden?


[Dr. Johannes-Paul Richter] (28:39 - 28:53)

Kein Kommentar, sonst reden wir jetzt hier ja auch noch weiter. Nein, Quatsch. Ja, es ist wirklich so.


Also wenn man sagt, dass man auf die Schilddrüse spezialisiert ist, dann hat jeder auf der Party dann auf einmal Schilddrüse. Oder Schilddrüse sind ähnliche Symptome.

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