

Omega-3. Mit Prof. Dr. Gunter Eckert
Omega-3-Fettsäuren sind in aller Munde – doch wie gut kann unser Körper die verschiedenen Quellen biochemisch verwerten? Wer die normale Funktion seines Gehirns optimal unterstützen möchte, sollte bei der Nährstoffversorgung genauer hinsehen. In dieser Folge von HEALTHWISE spricht Host Jason Raffington mit Professor Dr. Gunter Eckert, Professor für Ernährungswissenschaften und Experte im Bereich der molekularen Ernährungsphysiologie, über die biochemischen Mechanismen von Omega-3, den Unterschied in der Umwandlung von pflanzlichen zu marinen Quellen und wie gezielte Ernährungsstrategien unseren normalen zellulären Energiestoffwechsel unterstützen können.
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wieso ist die Zufuhr langkettiger omega-3-Fettsäuren wichtig?
Prof. Dr. Gunter Eckert erklärt, dass der Körper aus kurzkettigen essentiellen Fettsäuren wie der Alpha-Linolensäure (ALA) zwar langkettige Omega-3-Fettsäuren herstellen kann. Die Umwandlungsrate liegt dabei jedoch bei lediglich ein bis fünf Prozent. Prof. Dr. Gunter Eckert beschreibt, dass Omega-3- und Omega-6-Fettsäuren im Körper um dieselben Enzyme – sogenannte Elongasen und Desaturasen – konkurrieren.
Bei einer einseitigen Ernährung, die reich an Omega-6-Quellen wie Soja- oder Sonnenblumenöl ist, nehmen wir verhältnismäßig viele dieser Fettsäuren auf. Ein starker Überschuss an Omega-6-Fettsäuren kann die ohnehin geringe Umwandlungsrate von ALA in die langkettigen Formen weiter einschränken. Aus diesem Grund empfehlen viele Experten, bei einer solchen unausgewogenen Ernährungsweise auf eine gezielte, direkte Zufuhr der langkettigen Omega-3-Fettsäuren wie DHA und EPA zu achten.
Wieso sollten veganer besonders auf ihre omega-3-versorgung?
Wer sich rein pflanzlich ernährt, nimmt über die Nahrung vor allem die pflanzliche Alpha-Linolensäure (ALA) auf. Zwar sind Personen mit einer pflanzenbetonten Lebensweise oftmals sehr gesundheitsbewusst, wie Prof. Dr. Gunter Eckert ausführt. Betrachtet man jedoch die Blut- und Gewebespiegel, zeigt sich bei einer rein pflanzlichen Ernährung häufig eine geringere Konzentration an den langkettigen Omega-3-Fettsäuren EPA und DHA. Allgemeine nährwertbezogene Angaben wie ‚reich an Omega-3‘ auf pflanzlichen Produkten wie Chiasamen beziehen sich nämlich auf die enthaltene ALA. Hier lohnt sich ein differenzierter Blick auf die verschiedenen Fettsäure-Formen.
Wer keinen Fisch verzehrt, kann laut Prof. Dr. Gunter Eckert hervorragend auf Algenöle ausweichen. Chemisch betrachtet gibt es zwischen EPA und DHA aus Algen oder Fisch keinerlei Unterschied. Prof. Dr. Gunter Eckert merkt an, dass die Fettsäuren im Fisch ohnehin aus den von ihnen gefressenen Mikroalgen stammen. Moderne, hochwertige Algenöle bieten zudem eine ebenso hochkonzentrierte und direkte Quelle für EPA und DHA wie klassische Fischöle – ganz ohne den Umweg über den Fisch.
Checkliste: 4 schritte zur optimalen omega-3-versorgung
- Den Status prüfen: Lassen Sie Ihren Omega-3-Index über die Membranen der roten Blutkörperchen messen, um Ihren individuellen Versorgungsstatus präzise zu bestimmen.
- Langkettige Fettsäuren priorisieren: Ergänzen Sie Ihre Ernährung gezielt mit den langkettigen Fettsäuren EPA und DHA. Während die pflanzliche Alpha-Linolensäure (ALA) zur Aufrechterhaltung eines normalen Cholesterinspiegels beiträgt, ist die körpereigene Umwandlungsrate in die biologisch aktiven Formen EPA und DHA von Natur aus begrenzt.
- Dranbleiben: Führen Sie die Nährstoffe regelmäßig zu, da die Zellmembranen im gesamten Körper für ihre vielfältigen Funktionen – wie etwa DHA zur Erhaltung einer normalen Gehirnfunktion und Sehkraft – auf eine kontinuierliche Versorgung angewiesen sind.
- Qualität riechen: Schneiden Sie eine Kapsel probehalber auf: Wenn sie neutral oder angenehm nach Alge/Fisch riecht, ist das Öl frisch. Ein stark ranziger Geruch deutet hingegen auf ein oxidiertes Öl hin.
supplementierung übre die lebensspanne
Die langkettige Omega-3-Fettsäure Docosahexaensäure (DHA) ist ein essenzieller Baustein für unseren gesamten Organismus. Ihre Bedeutung beginnt bereits im Mutterleib: Die Aufnahme von DHA durch die werdende Mutter trägt zur normalen Entwicklung des Gehirns und der Augen beim Fötus sowie beim gestillten Säugling bei. Doch auch im weiteren Verlauf des Lebens bleibt eine kontinuierliche Zufuhr entscheidend, da DHA maßgeblich zur Erhaltung einer normalen Gehirnfunktion und Sehkraft beiträgt.
Prof. Dr. Gunter Eckert erforscht die biochemischen Mechanismen der zellulären Alterungsprozesse. Aus ernährungswissenschaftlicher Sicht empfiehlt der Experte, sich frühzeitig – idealerweise ab dem mittleren Lebensalter – mit einer bewussten Nährstoffversorgung auseinanderzusetzen, um die kognitive Leistungsfähigkeit und die normale Funktion unserer Nervenzellen langfristig und gezielt zu unterstützen.
EPA VS. DHA UND DIE RICHTIGE DOSIERUNG
Oft wird EPA pauschal für die Herzfunktion und DHA für das Gehirn eingeteilt, doch die physiologischen Wechselwirkungen sind komplexer. Prof. Dr. Gunter Eckert plädiert dafür, bei der täglichen Ernährung stets beide Fettsäuren im Blick zu behalten, da sie im Körper auf vielfältige Weise zusammenwirken und als Bausteine für wichtige körpereigene Botenstoffe dienen. Er vergleicht diesen umfassenden Effekt metaphorisch mit einem breit gefächerten biologischen Netzwerk, das verschiedene zelluläre Prozesse gleichzeitig harmonisiert.
Für eine allgemeine Grundversorgung empfiehlt Prof. Dr. Gunter Eckert als Richtschnur eine tägliche Zufuhr von 500 Milligramm der langkettigen Omega-3-Fettsäuren EPA und DHA. Liegt der persönliche Omega-3-Index unter dem angestrebten Bereich, kann die Zufuhr vorübergehend auf 1,5 Gramm erhöht werden. Laut Prof. Dr. Gunter Eckert lässt sich damit in der Regel nach drei Monaten ein physiologisch optimaler Zielwert von acht bis elf Prozent im Blut erreichen.
CHECKLISTE: SYNERGIEN FÜR DEN SCHUTZ VOR OXIDATIVEM STRESS
Nicht nur auf die Omega-3-Versorgung, auch auf die Zufuhr von ausreichend Vitaminen und regelmäßie Bewegung sollte geachtet werden. Prof. Dr. Gunter Eckert empfiehlt besonders folgende Nährstoffe und Tipps:
- Vitamin E ergänzen: Dieses essenzielle Vitamin leistet einen wichtigen Beitrag im Körper, denn Vitamin E trägt dazu bei, die Zellen vor oxidativem Stress zu schützen. So schützt es auch empfindliche Zellstrukturen und ungesättigte Fettsäuren.
- Vitamin C kombinieren: Nutzen Sie das perfekte Zusammenspiel beider Vitamine: Vitamin C trägt dazu bei, die Zellen vor oxidativem Stress zu schützen, und unterstützt die Regeneration der reduzierten Form von Vitamin E.
- Bunt und mediterran essen: Nutzen Sie eine abwechslungsreiche und ausgewogene Ernährung mit einer Vielfalt an sekundären Pflanzenstoffen als wertvolle Basis für Ihre tägliche Vitalität.
- Aktiv bleiben: Um Ihre Muskeln und Ihren Körper bis ins hohe Alter fit zu halten, kombinieren Sie eine hochwertige Nährstoffversorgung stets mit regelmäßiger Bewegung und gezielten Trainingsreizen.
TAKE AWAYS
- Die körpereigene Umwandlungsrate von pflanzlichem ALA zu langkettigen Omega-3-Fettsäuren liegt bei lediglich ein bis fünf Prozent.
- Vegetarier und Veganer sollten besonders auf ihre Versorgung achten und können auf hochwertige Algenöle zurückgreifen.
- EPA und DHA entfalten im Körper unterschiedliche Wirkungen und sollten für einen optimalen Benefit im Regelfall kombiniert aufgenommen werden.
- Eine Grundversorgung von 500 mg langkettigen Omega-3-Fettsäuren täglich wird empfohlen, bei besonderem Bedarf können vorübergehend 1,5 Gramm sinnvoll sein.
- Nährstoffe ergänzen sich ideal: Kombinieren Sie eine bewusste Versorgung mit Omega-3-Fettsäuren mit regelmäßiger Bewegung und den Vitaminen C und E, die dazu beitragen, die Zellen vor oxidativem Stress zu schützen.
Mehr erfahren im healthwise Podcast von sunday natural
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Professor Dr. Gunter Eckert ist Professor für Ernährungswissenschaften an der Justus-Liebig-Universität Gießen. Als Lebensmittelchemiker und Pharmakologe forscht er an der Schnittstelle von Ernährung, Toxikologie und Medizin. Sein wissenschaftlicher Fokus liegt dabei auf den biochemischen Mechanismen der Gehirnalterung und der Frage, wie gezielte Ernährungsstrategien unsere Mitochondrien vor neurodegenerativen Prozessen schützen können.
Weitere Informationen zu Prof. Dr. Gunter P. Eckert unter https://www.uni-giessen.de/de/fbz/fb09/institute/ernaehrungswissenschaft/prof/nuprevent/team/eckert-gunter-p
[Prof. Dr. Gunter Eckert] (0:00 - 0:21)
Der Fötus, der sich entwickelt, der entwickelt vor allen Dingen auch sein Gehirn und die Gehirnentwicklung, die geht praktisch von Anbeginn der Schwangerschaft bis zur Geburt. Und gerade das Gehirn braucht extrem viel Docosahexaensäure, das ist eine der langkettigen Omega-3-Fettsäuren.
[Jason Raffington] (0:21 - 1:31)
Herzlich willkommen zu HealthWise, dem Gesundheitspodcast präsentiert von Sunday Natural. Mein Name ist Jason Raffington und in diesem Podcast erkunden wir gemeinsam, was es bedeutet, gesund zu sein. Wir tauchen ein in Themen wie Medizin, Bewegung, Ernährung und emotionale Gesundheit – immer mit einem weisen Blick auf das, was uns wirklich gut tut.
Dass Omega-3-Fettsäuren essentiell für uns sind, wissen inzwischen die meisten von uns. Wer sie aber gezielt für Prävention und Gesundheit nutzen möchte, muss etwas genauer hinschauen. Warum stoßen rein pflanzliche Quellen in unserer Biochemie oft an Grenzen?
Wie beeinflussen EPA und DHA Entzündungsprozesse, zelluläre Alterung, Herz- und Gehirngesundheit? Und ab wann sprechen wir nicht mehr nur von Nahrungsergänzung, sondern über eine gezielte nutritive Intervention? Diese und viele weitere Fragen beantwortet uns mein heutiger Gast.
Professor Dr. Gunther Eckert ist Professor für Ernährungswissenschaften an der Justus-Liebig-Universität Gießen und forscht als Lebensmittelchemiker und Pharmakologe an der Schnittstelle von Ernährung, Toxikologie und Medizin. Sein wissenschaftlicher Fokus liegt auf den biochemischen Mechanismen der Gehirnalterung und der Frage, wie gezielte Ernährungsstrategien unsere Mitochondrien und das Gehirn vor neurodegenerativen Prozessen schützen können. Herzlich willkommen, Professor Dr. Eckert.
[Prof. Dr. Gunter Eckert] (1:32 - 1:33)
Ja, schön, dass ich hier sein darf.
[Jason Raffington] (1:34 - 1:47)
Ja, wir fangen einfach mal mit unserer Sonntagsfrage an. Und von Ihnen würde ich gerne wissen, ob Sie beim sonntäglichen Frühstück eigentlich genauso streng auf die Qualität der Fettsäuren achten wie im Labor oder ob Sie am Wochenende etwas entspannter sind, was das angeht.
[Prof. Dr. Gunter Eckert] (1:48 - 2:35)
Ich achte immer auf die gesunde Ernährung. Das heißt nicht, dass ich nicht auch mal was Ungesundes mir gönne, als Genussmoment sozusagen. Dementsprechend ist es ja keine besondere Beachtung, aber sonntags kommt natürlich beim Brunch ein bisschen mehr auf den Tisch.
Manchmal kommt ein Lachs auf den Tisch, also das ist natürlich schon mal ganz gut für langkettige Omega-3-Fettsäuren, aber immer dabei sind natürlich Walnüsse, ein Ei, vielleicht auch ein Spiegelei, dann aber in Olivenöl gebraten oder Rapsöl, Rapsöl auch, können wir nachher nochmal drüber reden, welche Öle da besonders sind. Genau, aber am besten, man vermeidet gesättigte Fettsäuren, Kokosöl und so, Palmöl, dann ist man schon auf der guten Seite.
[Jason Raffington] (2:37 - 3:00)
Okay, sehr gut, da sind wir schon direkt im Thema drin. Sie haben auch schon verschiedene Omega-3-Quellen genannt, Walnüsse, Lachs, da schauen wir uns auch später nochmal an, was hier die Unterschiede genau sind zwischen pflanzlichen und marinen Quellen, aber fangen wir erst mal ganz vorne an, und zwar, also die meisten wissen ja inzwischen, Omega-3s sind wichtig, aber warum genau, warum brauchen wir sie für unsere Gesundheit und was passiert in unserem Körper, wenn wir gut bzw. nicht gut versorgt sind?
[Prof. Dr. Gunter Eckert] (3:02 - 3:57)
Wir haben ja sogenannte essentielle Fettsäuren, Omega-3-Fettsäuren, das ist die essentielle Fettsäure, die wir zuführen müssen, weil der Körper sie nicht herstellen kann, das ist die Alpha-Linolensäure, auf der anderen Seite die Partnerfamilie, das ist die Omega-6-Fettsäurefamilie, das ist die Linolsäure, und die haben ja eben entsprechende Doppelbindungen in ihrem Molekül und die kann der Körper nicht einsetzen, hat er keine Enzyme für, hat aber Enzyme dafür, um diese Fettsäuren zu verlängern, Elongasen, Desaturasen, um praktisch längerkettige, ungesättigte Fettsäuren daraus herzustellen, und im Stoffwechsel entstehen dann viele Intermediärprodukte, die einfach die Körperzelle für ihre Funktion benötigt, und deswegen müssen wir die von außen mit der Nahrung zuführen.
[Jason Raffington] (3:59 - 4:25)
Also was genau sind denn jetzt dann die Unterschiede zwischen diesen verschiedenen Fettsäurearten, also ALA gibt es dann, die wird verändert zu EPA und DHA, und was macht es dann letztendlich im Körper für einen Unterschied? Also Sie haben gesagt, die ALA kann vom Körper nicht direkt genutzt werden, bedeutet das im Umkehrschluss, dass sie eigentlich keine Funktion hat außer der, ja, der Baustoff für die DHA und EPA, oder hat sie an sich tatsächlich auch noch einen Wert für den Körper?
[Prof. Dr. Gunter Eckert] (4:25 - 6:43)
Ja, die kurzkettigen Fettsäuren haben auch für sich einen Wert für den Körper, haben also selbst vielfältige Funktionen und auch auf dem Weg hin zu den langkettigen Omega-3-Fettsäuren entstehen auch nochmal viele Moleküle, die der Stoffwechsel braucht, also ist es so, dass wenn man nur auf langkettige Fettsäuren setzt, man dann mit kurzkettigen Fettsäuren unterversorgt ist, umgekehrt ist es so, der Körper kann zwar aus den kurzkettigen essentiellen Fettsäuren die langkettigen Fettsäuren herstellen, aber, da kommt das große aber, die Umwandlungsrate liegt nur bei 1-5% für die Omega-3-Fettsäuren, deswegen sind die langkettigen Omega-3-Fettsäuren so kritisch. Ich kann auch kurz sagen warum, weil ich hatte eben ja schon von den Desaturasen und Elongasen gesprochen, das sind diese Enzyme, die der Körper braucht, um praktisch die ungesättigten Fettsäuren zu verlängern, aber für alle, ob Omega-6- oder Omega-3-Fettsäuren, sind es die gleichen Enzyme, d.h. die konkurrieren darum und wenn ich jetzt meine Nahrung so gestalte, dass ich überwiegend Omega-3-Fettsäuren zu mir nehme, also überwiegend ALA aus z.B. Leinöl oder Walnussöl, dann habe ich in diesen Ölen ein sehr hohes Verhältnis an Omega-3-Fettsäuren, dann habe ich auch viel Omega-3-Fettsäuren im Körper und die Enzyme haben die Chance, das umzuwandeln, aber in unserer heutigen Ernährung haben wir sehr viele Omega-6-Fettsäuren, das kam nach dem Zweiten Weltkrieg sozusagen über den amerikanischen Markt, wo vor allen Dingen Sojaöl verwendet worden ist, dann sehr viel Sonnenblumenöl, muss man sagen, das war ja lange Zeit eigentlich ein sehr gehyptes Pflanzenöl, weil das sehr Vitamin E reich ist, also auch sehr gesund eigentlich, aber sehr viel Omega-6-Fettsäuren hat und wenn zu viel Omega-6-Fettsäuren sind, die armen wenigen Omega-3-Fettsäuren haben dann nicht die Chance verlängert zu werden und deswegen sind einige Kollegen der Meinung, dass auch die langkettigen Omega-3-Fettsäuren quasi essentiell sind und man die von außen zuführen sollte.
[Jason Raffington] (6:45 - 6:54)
Gibt es dann bestimmte Gruppen, bei denen besonders häufig eine Unterversorgung oder ein schlechtes Verhältnis von Omega-3 zu Omega-6 gesehen wird?
[Prof. Dr. Gunter Eckert] (6:54 - 9:19)
Sie meinen jetzt Bevölkerungsgruppen? Also wer natürlich besonders viel langkettige Omega-3-Fettsäuren braucht, sind die, die eben das als Bausteine nutzen müssen und da fallen mir natürlich als erstes mal Schwangere ein, denn das Wachsende, der Fötus sozusagen, der sich entwickelt, entwickelt vor allen Dingen auch sein Gehirn und die Gehirnentwicklung, die geht praktisch von Anbeginn der Schwangerschaft bis zur Geburt und gerade das Gehirn braucht extrem viel Docosahexaensäure, das ist eine der langkettigen Omega-3-Fettsäuren und auch ein anderes Gewebe ist sehr Omega-3-reich, auch an dieser DHA, Docosahexaensäure, das ist die Retina, also die Netzhaut, da brauchen wir auch sehr viel entsprechend DHA, aber auch andere Körperzellen in unserem Körper brauchen für ihren Aufbau der Zellmembran diese ungesättigten Fettsäuren, die langkettigen Fettsäuren, um vernünftig zu arbeiten. Also das wäre eine Gruppe sozusagen.
Dann haben wir eine weitere Gruppe, die wir identifizieren können, wo man das eben halt auch messen kann, dass sie eben sehr schlecht versorgt sind, das sind die Menschen, die eben sich schlecht mit langkettigen Omega-3-Fettsäuren versorgen, das sind die Menschen, die keinen Fisch essen mögen oder nicht vertragen oder auch keine Fischprodukte oder aus verschiedenen Gründen eine Ernährungsform wählen, die eben rein pflanzlich ist, also VegetarierInnen und VeganerInnen sind per se sehr schlecht natürlich dann versorgt mit den langkettigen Omega-3-Fettsäuren, aber, und das zeigen eben Messungen in der Bevölkerung, und wenn ich in Vorträgen bin oder in der Vorlesung, frage ich, wer isst denn, wie es zum Beispiel empfohlen wird von der Deutschen Gesellschaft für Ernährung, zweimal die Woche Fisch? Und wenn man in Norddeutschland unterwegs ist, gehen mehr Hände hoch, aber generell ist, sagen wir mal, der Verzehr von diesem Lebensmittel eben sehr gering in der Bevölkerung.
[Jason Raffington] (9:21 - 9:55)
Ja, ich glaube, das war auch nochmal ein wichtiger Punkt, vielen ist es schon bekannt, der Unterschied zwischen den marinen Quellen und pflanzlichen Quellen, aber einfach nochmal, Leute, die sich vegetarisch und vegan ernähren, haben dann eben hauptsächlich die ALA als Quelle, eben aus Walnüssen oder aus Chiasamen, das steht ja häufig auch auf den Packungen drauf, reich an Omega-3. Ich finde das ehrlich gesagt ein bisschen irreführend und Sie haben auch schon mehr oder weniger erklärt, warum das eigentlich irreführend ist, denn die Umwandlungsrate ist sehr gering, um die 5 Prozent, und deshalb ist es, also meiner Meinung nach, vielleicht sehen Sie das anders, aber eigentlich ja keine gute Quelle für Omega-3, sondern die marinen Quellen.
[Prof. Dr. Gunter Eckert] (9:55 - 9:56)
Für Langkettige.
[Jason Raffington] (9:56 - 9:58)
Ja, für Langkettige, genau.
[Prof. Dr. Gunter Eckert] (9:58 - 10:01)
Es ist zu wenig differenziert, ja.
[Jason Raffington] (10:03 - 10:12)
Was sind denn noch Gründe, warum die Umwandlung so schlecht ist? Also, soweit ich weiß, spielen da Gene eine Rolle, das FADS1 und 2-Gen, aber gibt es noch andere Gründe?
[Prof. Dr. Gunter Eckert] (10:14 - 13:34)
Das ist im Wesentlichen, also natürlich spielen genetische Prädispositionen eine Rolle auf individueller Ebene, aber der Hauptgrund liegt sehr wahrscheinlich in der Natur. Es gibt auch die Theorie, dass letztendlich das Leben aus dem Meer an Land gekommen ist, und da war eben von Natur aus, gab es immer eine gute Versorgung. Das heißt, es war kein Evolutionsdruck da, um praktisch eine höhere Umwandlungs-, oder nochmal ein paralleles Enzymsystem aufzubauen.
Und das hat wohl auch über die Entwicklung der Menschheit immer sehr gut funktioniert, sodass, sagen wir mal, da nicht der Bedarf war, von der Evolution das anders zu regeln. Also, es ist natürlich effektiv, wenn man ein System für verschiedene biochemische Mechanismen benutzen kann, von der Energetik her. Aber anscheinend ist das, vielleicht ändert sich das noch im Laufe der Generationen, muss man sagen.
Man muss aber auch sagen, zum Beispiel stellt sich ja die Frage, ist jetzt jemand, der sich vegan ernährt, zum Beispiel, hat der mit neurologischen Problemen zu rechnen? Und wenn man sich mal anschaut, die Gesundheitsdaten, was es da an Statistiken und Studien zugibt, also jemand, der sich pflanzenbetont ernährt, ist eher der Gesündere, muss man sagen. Und man empfiehlt ja dem Omnivoren eher die Reduktion des Fleischkonsums hin zu einer mehr pflanzenbetonten Ernährung.
Dennoch, wenn man sich dann die Spiegel entsprechend anschaut, die Blutspiegel oder auch in die Gewebe guckt, ist es so, dass eben die Versorgung mit Omega-3-Fettsäuren deutlich schlechter ist. Ein bisschen das Problem ist, dass das eben, ja, wer ist vegan? Eins bis zwei Prozent der Bevölkerung.
Und dass man eben so bevölkerungsbasierte Studien schlecht durchführen kann, weil eben die Datenbasis da so ein bisschen fehlt, also es gibt kein in dem Sinne, keine Mangelerkrankung. Deswegen ist auch immer die Diskussion, sind denn die langkettigen Omega-3-Fettsäuren sozusagen essentiell gleichgestellt mit Vitaminen? Also wenn ich mich mit einem Vitamin, was der Körper braucht, nicht versorge, dann bekomme ich eine Mangelerkrankung.
Also wenn ich zu wenig Pro-Vitamin A aufnehme oder Vitamin A nicht in meiner Nahrung habe, dann kriege ich irgendwann Nachtblindheit zum Beispiel. Ja, oder wenn ich kein Vitamin C zu mir nehme, das ist ein ganz altes Beispiel, dann bekomme ich Skorbut. Das ist aber bei den langkettigen Omega-3-Fettsäuren nicht der Fall.
Dennoch, wenn man sich anschaut, in Beobachtungsstudien zum Beispiel das Risiko für das Auftreten von Herz-Kreislauf-Erkrankungen, das ist korreliert mit einem niedrigen Omega-3-Index. Also da sind wir so ein bisschen in der Gratwanderung, will ich mal so sagen, um den Mangel wirklich festzustellen.
[Jason Raffington] (13:35 - 14:29)
Ja, das ist natürlich schwierig, wenn man keine direkten Symptome verspürt. Also es gibt wahrscheinlich Menschen, die bestimmte Erkrankungen haben, die sich dann mit der Einnahme von Omega-3s besser fühlen. Ich denke jetzt mal an entzündliche Erkrankungen, sei es irgendwie im Magen-Darm-Trakt oder an den Gelenken.
Da kann ich mir vorstellen, dass die Einnahme von Omega-3 wirklich einen merkbaren Unterschied bringt. Aber Leute, die eben noch keine Probleme haben, wie Sie sagen, dann kriegt man das im Grunde gar nicht mit, dass man so unterversorgt ist.
Also Sie hatten jetzt auch schon angesprochen, die Omega-3s im Rahmen der Herz-Kreislauf-Gesundheit, das wissen viele bestimmt auch. Man teilt das ja gerne so grob ein, EPA für Herz-Kreislauf-Gesundheit und DHA für das Gehirn, für die Gehirngesundheit. Ist das wirklich so einfach in diese zwei Kategorien einzuordnen oder ist es doch ein bisschen komplexer und hilft DHA vielleicht auch für die Herz-Kreislauf-Gesundheit und EPA auch für die Hirngesundheit?
[Prof. Dr. Gunter Eckert] (14:30 - 18:50)
Ja, also als Pharmakologe würde ich sagen, es ist immer gut, wenn man für ein Target einen Wirkstoff identifiziert. Als Ernährungswissenschaftler würde ich dann sagen, dann bleibe ich doch lieber bei der komplexen Matrix des Lebensmittels und zum Beispiel Fischprodukte, die liefern mir eben beides. EPA und DHA und das ist auch der natürliche Zugangsweg.
Wenn man sich in klinischen Studien zum Beispiel anschaut, wo man an den entsprechenden Verhältnissen arbeiten kann, Öle herstellen kann, die eben verschiedene Verhältnisse von EPA zu DHA haben oder reines EPA zum Beispiel enthalten, es gab bis vor einigen Jahren auch ein Arzneimittel, nämlich eine chemisch modifizierte Form von EPA, die als Medikament auf dem Markt war, um Triglyceride zu senken.
Und das macht EPA wunderbar. Also als reines Medikament würde ich sagen, reines EPA unter der Indikation Hypertriglyceridämie, wunderbar. Aber auf Ernährungsseite würde ich dafür plädieren, eben immer beides mitzugucken.
Denn aus beiden entstehen nachher im Körper auch wieder sogenannte Metabolite. Also EPA und DHA werden selbst noch umgewandelt im Gewebe. Zum Beispiel aus DHA entstehen Neuroprotektine und aus EPA Maresine, Resolvine und weitere Stoffe, die alle antientzündlich sind.
Und da ist es so, dass es besser ist, man schießt mit dem Schrotgewehr sozusagen auf das Entzündungsgeschehen, weil die alle auch einen anderen molekularen Angriff haben, um praktisch dann auch eine maximale Wirkung, will ich jetzt nicht sagen, aber einen maximalen Benefit zu haben. Dennoch ist es so, dass eben gerade bei physiologischen Vorgängen, Schwangerschaft hatte ich schon erwähnt, ich hatte schon die Entwicklung der Netzhaut erwähnt. Natürlich brauchen wir die unser Leben lang zum Sehen auch, auch für die Mitochondrienfunktion zum Beispiel wie Kraftwerke der Zellen.
Da ist es wohl so, dass eben gerade DHA besonders wichtig und gebraucht wird. So würde man dann vielleicht eher sagen, wenn man sich das aussuchen kann, dass man dann eben ein Öl wählt, wo eben EPA und DHA im Verhältnis 1 zu 1 oder 1 zu 2 realisiert sind und andere Zustände, auch Krankheitszustände wie zum Beispiel Entzündungen, dann Depressionen zum Beispiel, als adjuvante Therapie wird es auch stark beforscht, Omega-3-Fettsäuren, oder auch um die Durchblutung zu fördern, gerade in kleinen Blutgefäßen, wie zum Beispiel im Gehirn, zerebrale Durchblutung, oder auch die Endothelfunktion, das heißt, um die Funktion unserer Blutgefäße zu verbessern. Da scheint es so zu sein, dass EPA einen größeren Faktor darstellt und da würde man dann vielleicht eher zu einem Öl tendieren, was ein Verhältnis 2 zu 1 hat, also zweifach mehr EPA wie DHA.
Aber man sieht schon, bis auf die Triglycerid-Senkung, also Blutfettsenkung auf Deutsch, wo man auch reines EPA einsetzen kann, um den Effekt zu erzielen, sind es immer Verhältnisse, wo beides dabei ist. Und ich würde sagen, wenn man sich jetzt natürlich, wenn man also omnivor ist und auch Fisch isst und verträgt, dann würde man eben in diesem natürlichen Verhältnis bleiben, wo das auch gar nicht so 100% natürlich festgelegt ist. Da kommt das natürlich auf die Saison an, das kommt darauf an, wie kalt dem Fisch geworden ist und so weiter, was es für ein Fisch ist.
[Jason Raffington] (18:52 - 19:11)
Also bleiben wir im Grunde idealerweise nah an der Natur, benutzen ein Verhältnis oder ein Produkt, wo beide Fettsäuren drin sind bzw. nehmen direkt echte Nahrungsmittel und wenn wir eine bestimmte Indikation haben und wissen, okay, das ist ein Herz-Kreislauf-Thema, dann vielleicht tendenziell etwas mehr EPA als DHA.
[Prof. Dr. Gunter Eckert] (19:12 - 19:15)
Das kann man so zusammenfassen, ja, würde ich auch sagen.
[Jason Raffington] (19:15 - 20:05)
Super. Ja, das ist ein bisschen verwirrend, weil viele Anbieter, auch wir, bieten verschiedene Verhältnisse von DHA zu EPA an und ich habe vor ein paar Monaten mal meinen Fettsäurestatus getestet und habe eben gesehen, dass ich tendenziell weniger EPA habe und dementsprechend habe ich dann ein Produkt gewählt, wo ein bisschen mehr EPA drin ist. Mein Omega-3-Index war ganz gut, aber ich dachte, okay, wenn man dann so eine Aufschlüsselung hat von allen Fettsäuren, dann kann man wirklich gezielt rangehen und dann macht das vielleicht Sinn.
Also dann weiß man, okay, davon brauche ich tendenziell mehr. Aber für jemand, der weder weiß, wie der Fettsäurestatus aussieht, der individuelle, oder keine bestimmte Vorerkrankung oder kein Gesundheitsthema hat, der orientiert sich dann einfach an einem Produkt, das ein 2 zu 1 Verhältnis hat, EPA zu DHA, oder gibt es noch einen anderen Standardwert, der da zu empfehlen wäre?
[Prof. Dr. Gunter Eckert] (20:06 - 21:33)
Ja, also da gibt es je nachdem die großen Anbieter aus dem Norden sozusagen, wo ja die Fischöle herkommen, oder man muss gucken, als Alternative haben wir ja natürlich auch Algenöle heutzutage. Also es ist ja auch so, dass Menschen, die eben vegan oder vegetarisch sich versorgen, auch entsprechend auf Nahrungsergänzungsmittel auf Algenölbasis ausweichen können. Also ich würde mal sagen, Hauptsache man führt die Omega-3-Fettsäuren, die langkettigen zu.
Und der Körper ist da schon so, dass er sich dann entsprechend mit dem System bedient, dem Pool, den er braucht. Und natürlich, wenn man seinen Status gemessen hat, und ich weiß, wenn man den Omega-3-Index bekommt, bekommt man den Indexwert und man bekommt die ganzen Fettsäuren noch dazugeliefert, die werden ja per Gaschromatographie bestimmt aus den Membranen der roten Blutkörperchen. Und wenn man da sieht, okay, da ist wirklich ein Defizit, dann kann man das natürlich nochmal entsprechend ausgleichen.
Wie eben schon gesagt wurde, das ist wunderbar, aber im Generellen würde ich jetzt nochmal diesen einzelnen Verhältnissen gar nicht so viel Gewicht zuordnen, sondern wichtig ist, dass wir die Omega-3-Fettsäuren in die Menschen reinkriegen, dass wir da einen guten Effekt kriegen.
[Jason Raffington] (21:34 - 21:57)
Ja, sehr gut. Manchmal verliert man sich nämlich in den ganzen Details und nimmt dann am Ende gar nichts, weil man verwirrt ist. Also einfach starten ist, denke ich, ein sehr guter Tipp.
Sie haben jetzt auch schon die Algenöle angesprochen. Gibt es denn Vorteile von Algenölen gegenüber Fischölen? Und andersrum, nimmt man manchmal eher Fischöle oder ist es im Grunde egal?
[Prof. Dr. Gunter Eckert] (21:57 - 23:08)
Also ich denke mal, das kommt auf die Ernährungsform an. Wenn ich eben keinen Fisch vertrage oder mag oder essen will aus ethischen Gründen, dann kann ich eigentlich nur auf die Algenöle ausweichen. Sagen wir mal, wenn wir uns chemisch nachher EPA und DHA angucken, da ist kein Fähnchen dran.
Ich bin aus der Alge, ich bin aus dem Fisch. Mal unter uns gesagt, die DHA und EPA im Fisch kommt nicht vom Fisch, der frisst auch vorher das Plankton. Also Algen ist auch pflanzlicher Natur letztendlich und das reichert sich eben dann im Fisch an.
Der Unterschied ist, dass eben in den Fischölen die Fettsäuren wesentlich stärker konzentriert sind als in den Algenölen. So wenn man zum Beispiel höhere Dosierungen wählen möchte an langkettigen Omega-3-Fettsäuren, man dann im Verhältnis viel mehr Algenöl zu sich nehmen muss als wie zum Beispiel in eine Fischölkapsel reingeht.
[Jason Raffington] (23:10 - 23:20)
Tendenziell würde ich aber auch denken, dass bei Fischöl die Wahrscheinlichkeit höher ist, dass es eine Belastung mit Schwermetallen gibt, weil die sich dann ja tendenziell wahrscheinlich auch eher in den Fischen anreichern als in den Algen.
[Prof. Dr. Gunter Eckert] (23:20 - 25:04)
Ja, das ist eine Riesendiskussion. Vor allem Methylquecksilber ist hier ein großes Thema, was ja auch schon seit Jahren oder Jahrzehnten diskutiert wird. Aber die Premiumhersteller erstens mal, die testen da drauf natürlich, haben da ihre entsprechenden Laborkontrollen.
So ein bisschen anekdotisch, das war schon in den 90er Jahren, als das britische Gesundheitsministerium aufgrund der Methylquecksilberbelastung des Nordseefisches empfohlen hat, dass Schwangere eben keinen Fisch mehr essen sollten. Und dann war zum Glück eine Universität in Großbritannien, die das begleitet haben und die haben dann praktisch in der Zeit geborene Kinder bis ins Schulalter verfolgt und konnten dann nachweisen, dass in der Zeit, wo eben die Mütter weniger Fisch verzehrt haben, weil die Empfehlung war, keinen fetten Seefisch zu verzehren, eben halt in der Schule eben den kognitiven Test schlechter abgeschnitten haben.
Das heißt jetzt nicht, dass sie nicht schulfähig oder sonst was waren, aber man hat das messen können sogar funktionell. Und aus toxikologischer Sicht würde man sagen, wenn eine Nutzen-Risiko-Abwägung ist, natürlich, wenn ich jetzt eine Charge habe, die total mit Toxinen belastet wäre, das ist natürlich abträglich. Aber im Generellen sollte man da nicht zu viel Angst vorhaben, zumal das auch von den guten Anbietern, die wirklich Premium-Marke anbieten, auch kontrolliert wird.
[Jason Raffington] (25:05 - 25:26)
Würden Sie also trotzdem die zwei Portionen Fisch pro Woche auch für die allgemeine Bevölkerung empfehlen? Absolut. Okay, sehr gut.
Es scheint nämlich, dass viele jetzt wirklich vom Fisch sich abwenden und sagen, oh, das kann man ja alles gar nicht mehr essen. Und da ist, glaube ich, sehr viel Angst in der Bevölkerung, aber der Nutzen scheint dann ja doch größer zu sein.
[Prof. Dr. Gunter Eckert] (25:26 - 26:48)
Ja, also aus toxikologischer Sicht, wenn man nicht gerade, also das ist mir aber jetzt auch kein Fall bekannt, dass es da wirklich eine Fischintoxikation gab, aufgrund von der Schwermetallbelastung. Also wenn jetzt jemand seinen Fisch nicht ordentlich in der Kühlkette hatte, ist die Chance, dass er sich mit einer Fischvergiftung eine Bakterie dazufügt, wesentlich höher als, wie dass man sich mit irgendwelchen Schwermetallen hier belastet. Also ich würde mal sagen, der Fisch als Lebensmittel, das wird auch von den Behörden entsprechend kontrolliert.
Und auch, wenn wir uns die Siegel anschauen, da gibt es ja auch entsprechend der Fischfangindustrie entsprechende Gütesiegel. Da wird nicht jeder Fisch kontrolliert, aber die kontrollieren schon ihre Chargen. Denn man stellt sich vor, da kommt es wirklich mal zu einer Lebensmittelvergiftung, also einer Schwermetallvergiftung.
Das wäre natürlich wirklich eine Katastrophe für eine ganze Industrie. Also man darf sich blind jetzt solchen Mechanismen vertrauen natürlich, aber ich würde sagen, aus wissenschaftlicher Sicht ist mir da kein außer Einzelfallberichten, die aber nicht in Europa sich abgespielt haben, ist mir da kein Fall von Vergiftung bekannt.
[Jason Raffington] (26:49 - 27:03)
Ja, ich glaube es ist auch oft, macht man es sich dann doch ein bisschen zu einfach und denkt man kann das Lebensmittel jetzt einfach weglassen und einfach nur eine Kapsel einnehmen und hat dann alles, was man durch das Lebensmittel eigentlich bekommen hätte. Aber Fisch enthält ja auch mehr als nur Omega-3-Fettsäuren.
[Prof. Dr. Gunter Eckert] (27:04 - 29:04)
Absolut, es ist eine absolut gesunde Proteinquelle, das muss man sagen, also hochwertiges Protein und natürlich Spurenelemente ohne Ende und gerade wenn wir an das Jod denken, gerade im südlichen Deutschland sind wir natürlich Jodmangelgebiet und wenn wir zum Beispiel sehen, man sieht einen Trend dazu, dass eben weniger jodiertes Speisesalz eingesetzt wird, weil viele Menschen glauben, oh Jod, da könnte ich mich auch mit vergiften, aber eigentlich sind das mehr, sagen wir mal Globalisierungseffekte, dass zum Beispiel andere Länder außerhalb der EU eben andere Vorgaben haben für jodiertes Speisesalz und wenn man da halt hin exportieren will als Hersteller, dann lässt man es besser weg, um praktisch für alle Länder konform zu sein. Das sind eben so Mechanismen, wo man als normaler Verbraucher gar nicht dran denkt, aber ja, Fisch ist, sagen wir mal, auch für sich ein gesundes Lebensmittel. Und da sagt ihr immer, fetten Seefisch, warum Fett?
Weil in diesem Fett halt die langkettigen Omega-3-Fettsäuren sind. Warum fetter Kaltwasserfisch, Kaltwasserfisch wie Hering, Makrele, Lachs? Weil der Fisch eben diese langkettigen Omega-3-Fettsäuren in seine Membran einlagert und überhaupt in diesem saukalten Gewässer, ja, also wir würden es, sagen wir mal, im Nordmeer keine 10 Minuten aushalten und überleben, aber der Fisch fühlt sich da wohl, weil dessen Membranen eben durch diese langkettigen Fettsäuren eben fluide gehalten werden.
Und also wer jetzt auch mal einen Pangasius oder irgendeinen anderen Fisch verzehren möchte oder einen Seelachs, der jetzt nicht so viel Omega-3-Fettsäuren enthält, ist trotzdem ein gesundes Lebensmittel.
[Jason Raffington] (29:05 - 29:21)
Okay, sehr gut. Dann haben wir verstanden. Fischessen ist immer noch zu empfehlen.
Wenn man trotzdem parallel supplementiert oder für die Leute, die halt tatsächlich kein Fisch essen, aus verschiedensten Gründen, wie viel Omega-3 brauchen wir denn pro Tag? Wie viel sollten wir zuführen?
[Prof. Dr. Gunter Eckert] (29:22 - 32:28)
Ja, also es gibt ganz viele unterschiedliche Angaben. Also wenn man mal so über den Daumen peilt, ich würde so eine Richtschnur, um eine gerade Zahl zu sagen, ein halbes Gramm Omega-3-Fettsäuren, langkettige Omega-3-Fettsäuren, also 500 Milligramm. Verschiedene Fachgesellschaften empfehlen 400 Milligramm, andere 500 Milligramm.
Da ist man eigentlich in einem guten Bereich. Ist ja auch so, dass man, ja, okay, wenn man eine Kapsel hat, weiß man, was draufsteht, dann hat man seine Versorgung. Zum Beispiel die Deutsche Gesellschaft für Ernährung gibt gar keine Milligrammmenge an.
Die gibt nur an, dass eben neben der Empfehlung, Fisch zu essen, Schwangere eben noch zusätzlich 200 oder 250 Milligramm an DHA zusätzlich zuführen sollen. Also sagen wir mal so, für eine Grundversorgung würde ich sagen, 500 Milligramm sollten es sein. Und wenn man jetzt seinen Omega-3-Index gemessen hat und sieht, oh, der ist jetzt ganz schön im Keller, was bei 80 Prozent der Bevölkerung der Fall sein dürfte, nach Messungen, die zum Beispiel Professor von Schacki durchgeführt hat, der auch das entsprechende Institut hat, um die Messungen durchzuführen, da ist natürlich schon die Möglichkeit, dass man dann höher dosiert rangeht.
Also es gibt ja auch Fischölkonzentrate, wo man zum Beispiel dann mit einer Kapsel 750 Milligramm zuführt oder mit zwei Kapseln dann 1.500, also 1,5 Gramm Omega-3-Fettsäuren. Das haben wir selbst in einer Studie mal getestet. Also man kriegt dann in drei Monaten mit 1,5 Gramm Omega-3-Fettsäuren praktisch jeden in vernünftigen Wert.
Vernünftiger Wert ist praktisch ein Omega-3-Index von 8 bis 11 Prozent. Und das ist dann schon ganz gut sozusagen als schnelle Kur, um seinen Status nach oben zu bekommen. Und man muss aber dann halt auch die Einnahme weiter fortführen, klar.
Wir haben dann auch gesehen, wir haben dann eine Studie gemacht, die ist jetzt gerade bei einem Journal zur Annahme, dass wenn man nach drei Monaten die Dosis halbiert hat, dass dann auch der Omega-Index wieder nach unten gegangen ist. Also es ist keine gute Idee zu sagen, naja, ich tue einmal im Monat, einmal im Jahr tue ich vier Wochen eine Hochdosis-Therapie machen und mache das einmal im Jahr. Nein, man muss dann schon gucken, dass man regelmäßig dann das wieder zuführt, weil der Körper speichert das nicht.
Also der lagert das ein natürlich, verwendet die Omega-3-Fettsäure, verwendet die als Bausteine für seine Membranen, aber er lagert es zum Beispiel nicht im Fettgewebe ab. Also man könnte ja sagen, wir haben ja auch wunderbar Unterhautfettgewebe, viscerales Fettgewebe, da könnte man ja auch für die Notfälle sozusagen Omega-3-Fettsäuren rein speichern, aber das passiert nicht.
[Jason Raffington] (32:29 - 33:27)
Ja, es wäre schön, wenn der Körper so bestimmte Nährstoffe besser speichern würde. Ich glaube, das ist oft die Idee, dass man einfach eine Kur macht bei verschiedenen Nährstoffen oder auch eine Entgiftungskur und dann den Rest vom Jahr macht, was man will. Aber so funktioniert der Körper dann eben nicht.
Ein Punkt, der in den letzten Jahren auch immer wieder diskutiert wurde, ist das Thema Vorhofflimmern. Und da gab es Studien wie die Reduced-Studie oder den Strength-Trial und dort hat man gesehen, dass bei hohen Omega-3-Dosierungen ein erhöhtes Risiko für Vorhofflimmern, ja, dass da eine Assoziation war. Und da kamen dann auch viele Kunden auf uns zu und haben gesagt, oh, muss ich jetzt aufpassen mit den Omega-3s?
Und Therapeuten genauso, waren dann ein bisschen zögerlicher, was Omega-3s anging. Ist das eine begründete Angst? Sollte man da vorsichtig sein?
Und um welche Dosierungen geht es da jetzt genau?
[Prof. Dr. Gunter Eckert] (33:27 - 36:00)
Ja, also das tritt eigentlich vermehrt bei höheren Dosierungen auf. Und zwar ist es dann jenseits der zwei Gramm. Und da sind wir eigentlich schon im pharmakologischen Bereich.
Im pharmakologischen Bereich heißt das, das gehört eigentlich nicht in die Supplementierung des Einzelnen, sondern in die ärztliche Hand. Aber es kann auch bei niedrigeren Dosierungen auftreten. Also das darf man nicht ganz vom Tisch fegen und sagen, also die Wahrscheinlichkeit, dass es auftritt, ist natürlich, je höher die Dosis ist, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit.
Aber man muss auch sagen, Vorhofflimmern ist eigentlich ein Ereignis, was häufig vorkommt und häufig auch gar nicht erkannt wird. Also in dem Sinne ist Vorhofflimmern dann gefährlich, wenn es auch dann zu Ereignissen führt. Also die Konsequenz eines Vorhofflimmerns könnte sein, dass eben ein Schlaganfall entsteht.
Das Vorhofflimmern an für sich würde ein Kardiologe sagen, das ist jetzt erstmal nicht schlimm. Aber wenn daraus eben sich, wenn die Stehzeit des Blutes im Herzen dann zu lang ist, sodass es praktisch zu einem Thrombus kommen kann und der dann praktisch über die Pulmonalarterie in das Gehirn transportiert wird und da zu einem ischämischen Schlaganfall führen kann, ist es natürlich ein dramatisches Ereignis. Da hat man natürlich geguckt, wie sieht es denn aus?
Hat man denn ein erhöhtes Schlaganfallrisiko unter Einnahme auch hoher Dosen von Omega-3-Fettsäuren? Und das ist nicht gesehen worden. Also das beruhigt natürlich, aber man darf die Thematik nicht außer Acht lassen.
Also wenn man da unsicher ist, dann sollte man dann natürlich mit seinem Arzt drüber reden. Oder wenn man Herzpatient ist, weiß, dass man eben eine Herzerkrankung hat, dann sollte man da vielleicht Rücksprache halten. Das heißt aber nicht, dass man generell, wenn man jetzt in der normalen Lebensmittellosierung zu den Präparaten greift, dass man da Angst haben muss, dass man jetzt irgendwelche Herzprobleme bekommt.
Aber es ist schon wichtig, dass man das auch offen anspricht und im Auge behält.
[Jason Raffington] (36:02 - 36:21)
Ja, das fand ich auch nochmal spannend. Also in der Reduced Study kam ja beispielsweise, wie Sie auch schon gesagt haben, raus, Vorhofflimmern ist zwar hochgegangen. Also das Risiko für Vorhofflimmern ist hochgegangen, aber gleichzeitig ist das Risiko für Schlaganfall, für Herzinfarkt und für Mortalität runtergegangen.
Und das sind ja letztendlich dann die Endpunkte, die in Anführungszeichen wichtiger sind.
[Prof. Dr. Gunter Eckert] (36:22 - 36:28)
Genau, das sind die harten Endpunkte sozusagen.
[Jason Raffington] (36:29 - 37:33)
Genau, okay, das ist dann auch schon mal ganz gut zu wissen. Also Leute mit kardiovaskulären Vorerkrankungen oder Problemen sollten ein bisschen vorsichtiger sein. Man sollte die Dosierung nicht unnötig hoch ansetzen und idealerweise, wie wir auch gerne hier im Podcast sagen, einfach mal vorher den eigenen Bedarf bestimmen.
Wir haben den Omega-3-Index schon angesprochen. So weiß man nämlich auch, wie viel man letztendlich braucht. Ich würde gerne auch noch auf das Thema Gehirngesundheit eingehen.
Das ist ja Ihr Forschungsschwerpunkt mit neurodegenerativen Erkrankungen. Und da spielen natürlich auch die Mitochondrien eine wichtige Rolle. Und da haben Sie ja auch schon Studien durchgeführt zum Zusammenhang zwischen Mitochondriengesundheit und Omega-3.
Kann man also mit Omega-3-Supplementierung die Gehirngesundheit dahingehend supporten, dass man neurodegenerative Krankheiten vermeidet oder schon bestehende Erkrankungen, heilen will ich jetzt nicht sagen, aber vielleicht die Symptomatik stark verbessert?
[Prof. Dr. Gunter Eckert] (37:34 - 40:00)
Ja, ich sage mal so, solange wir am präklinischen Organismus arbeiten, also an der Maus, an der Zellkultur oder am Wurm, kann man schon sehr gut zeigen, dass eben Omega-3-Fettsäuren auch pathologische Mechanismen beeinflussen können. Aber wenn wir jetzt die Situation auf den Menschen übertragen, ist es so, dass wir eben wenig klinischen Benefit sehen. Aber das wundert auch nicht bei einer Erkrankung, wo spezifische Medikamente entwickelt werden und das schon seit Jahrzehnten.
Man versucht zum Beispiel das Beta-Amyloid aus dem Gehirn zu entfernen und trotzdem nur mäßige Effekte auf die Kognition zu sehen sind. Die Zusammenhänge sind wesentlich komplexer. Also es gibt kein Heilversprechen in dem Sinne und auch kein Präventionsversprechen.
Aber wir sehen aus den präklinischen Daten, dass eben Mechanismen, die während der Erkrankung eine Rolle spielen, wie zum Beispiel mitochondriale Dysfunktion, also das heißt, unsere Kraftwerke funktionieren nicht richtig im Gehirn, die eben unsere Gehirnzellen mit Energie, mit dem Brennstoff Adenosintriphosphat, ATP, versorgen. Wir sehen, dass es zu einer erhöhten Selbstmordrate der Nervenzellen kommt, erhöhte Apoptoserate. Und wir sehen im Gehirn der Patienten und auch in unseren präklinischen Modellen, dass wir erhöhte Entzündungswerte haben.
Und all diese drei Punkte ist es möglich eben im Modell mit Omega-3-Fettsäuren, vor allen Dingen mit DHA. Also wir sehen im Gehirn, das ist auch so, dass im Gehirn kaum EPA nachgewiesen wird. Man geht davon aus, dass das sofort metabolisiert wird und dann auch anti-entzündliche Eigenschaften hat.
Und aus mechanistischer Sicht macht es auf jeden Fall Sinn, Omega-3-Fettsäuren auch in der Prävention mit einzubeziehen. Wenn mal eine Demenz oder kognitive Beeinträchtigung diagnostiziert wurde, kann man das natürlich weiterführen. Man sollte aber nicht die Hoffnung haben, dass man jetzt Riesenveränderungen erreichen kann.
[Jason Raffington] (40:02 - 40:36)
In Sachen Prävention, wann startet man idealerweise? Also ich würde jetzt denken, je früher, desto besser. Man ist natürlich auch schon als Kind, haben wir auch schon gesagt, angewiesen auf Omega-3, schon in der Schwangerschaft.
Wenn man noch nicht geboren ist, das Kind braucht es schon für die Entwicklung. Also idealerweise sind wir wahrscheinlich das ganze Leben optimal versorgt. Aber sagen wir mal, jetzt hört jemand zu, er ist Mitte, Ende 40.
Sollte man jetzt sagen, okay, jetzt gehe ich mal sofort zum Arzt, lasse meinen Omega-3-Index bestimmen, weil ich auch meine Gehirngesundheit langfristig unterstützen möchte. Sollte man da sofort handeln?
[Prof. Dr. Gunter Eckert] (40:37 - 42:52)
Also wenn man an das Altern denkt, das ist ein lebenslanger Prozess, der mit dem ersten Atemzug beginnt. Deswegen würde ich schon sagen, je länger, desto besser. Aber wir wissen natürlich, irgendwann im Leben fängt man sich erst mal an, über das Alter Gedanken zu machen.
Wenn die Lebensspanne noch so lang vor einem liegt, da denkt man gar nicht an irgendwelche Alterungsvorgänge. Aber hinsichtlich Demenz muss man sagen, oder Alzheimer-Demenz, dass die Krankheit eben Jahrzehnte beginnt, bevor sie ausbricht. Wir gehen davon aus, dass es mindestens 15 bis 20 Jahre vor Ausbruch ist.
Und wenn man sich die Kurve anschaut, wie die Fälle sich entwickeln, bei 65-Jährigen geht es los und dann steigt die Kurve praktisch exponentiell an mit jeder Dekade. Sagen wir mal, mit 65 beginnt die symptomatische Krankheitszeit. Wenn ich da mal 20 Jahre zurückrechne, bin ich genau bei 45.
Also ich würde mal sagen, in den 40er-Jahren sollte man sich langsam mal Gedanken machen, was man alles tun kann, um sein Gehirn fit zu halten. Und sagen wir mal, wo wir auch dran arbeiten, ist, die Prozesse so lange hinaus zu zögern, dass sie so spät wie möglich auftreten und möglicherweise gar nicht mehr zum Tragen kommen. In den 80er-Jahren war Alzheimer-Demenz gar kein Thema.
Warum? Die Leute sind alle an Herz-Kreislauf-Erkrankungen gestorben, und das schon Mitte 60 bis Anfang 70. Und mit steigender Lebenserwartung sind natürlich auch diese altersbedingten Erkrankungen, auch viele Krebserkrankungen, erst deutlich hervorgetreten, weil die Menschen die Chance jetzt haben, zu erleben.
Und deswegen würde ich sagen, das ist schon so ein kritisches Alter, sozusagen ab 40 bis 50 da anzufangen. Aber wenn jetzt jemand zuhört, der schon Mitte 50 ist oder schon Mitte 60, es ist nie zu spät, etwas Gutes für seinen Körper zu tun.
[Jason Raffington] (42:54 - 43:22)
Gibt es noch neben dem Omega-3-Index weitere Marker, die man in Sachen Gehirngesundheit im Auge behalten soll? Also es sind ja sicherlich entzündliche Prozesse, die im Gehirn stattfinden, wenn wir über neurodegenerative Erkrankungen sprechen. Also gibt es da bestimmte Entzündungsmarker, oxidative Stressmarker oder auch die Mitochondrien-Gesundheit als sich, dass man das irgendwie in einem Marker abbildet, den man über eine Zeit lang verfolgt, um zu sehen, ob sich die Gehirngesundheit positiv oder vielleicht eher negativ weiterentwickelt.
[Prof. Dr. Gunter Eckert] (43:23 - 47:58)
Ja, also wenn wir da jetzt an das Kompartiment Gehirn denken, da kommt man so schwer ran. Also Hirngewebe sowieso nicht. Ich denke dann an Gehirnflüssigkeit, Cerebrospinalflüssigkeit, die man eben durch eine Funktion der Rückenmarksflüssigkeit gewinnt.
Also kann man essentiell Rückenmarksfunktion machen und Gehirnwasser bestimmen. Gibt es auch entsprechende Marker, Entzündungsmarker, die man da bestimmen kann. Aber das ist eher Spezialdiagnostik, wenn schon etwas passiert.
Sagen wir mal so, für den allgemeinen Gebrauch würde ich sagen, wenn man zum Beispiel ein normales Blutbild untersucht, dann kann man da zum Beispiel das C-reaktive Protein bestimmen. Gibt es auch High Sensitive, HS-CRP, was in praktisch jedem klinischen Blutbild mit erfasst wird. Und es gibt schon sehr gute Marker für den allgemeinen Entzündungswert oder auch zum Beispiel ein generelles Blutbild, wo die einzelnen weißen Blutkörperchen differenziert werden.
Und wenn man dann sieht, dass zum Beispiel Leukozyten stark erhöht sind, dann hat man schon einen Hinweis, dass Entzündungsprozesse da sind. Das heißt nicht notwendigerweise, dass es sich im Gehirn abspielt. Das kann ja auch eine periphere Entzündungsleistung sein.
Aber es ist so, dass eben halt, wenn starke Entzündungen da sind, sich das auch auf das periphere System auswirkt. Das ist das, wo man einen Zugang hat Richtung Mitochondrien. Da arbeiten wir an Markern.
Aber das ist noch sehr experimentell. Wir haben zum Beispiel eine Methode entwickelt, das haben auch andere schon im Portfolio, wo man praktisch aus peripheren Blutzellen oder in peripheren Blutzellen die Mitochondrienfunktionen misst, also ATP-Level und die Atmungskettenkomplexe werden gemessen. Und was wir sehr schön zeigen können, man weiß ja, dass im Alter eine Mitochondrial-Dysfunktion stattfindet und auch im Hirngewebe.
Also in allen Organismen, die wir bis jetzt untersucht haben, wenn ich junge und alte Individuen untersuche, periphere und auch im Gehirn, sehe ich, dass ich eine Mitochondrial-Dysfunktion habe, also weniger Energieproduktion und weniger Enzymleistung sozusagen, um praktisch dieses ATP zu produzieren und auch mehr ROS, also mehr oxidativen Stress. Und was wir jetzt in zwei Studien veröffentlicht haben, ist, dass wir eben in peripheren Blutzellen gesehen haben, dass wir auch da Mitochondrial-Dysfunktionen nachweisen können. Und in der letzten Studie, die jetzt letztes Jahr publiziert wurde, haben wir untersucht junge Menschen, ältere Menschen und Menschen mit milder kognitiver Beeinträchtigung.
Das heißt, die haben irgendeine Gehirnleistungsstörung. Häufig entwickeln die Menschen eine Demenz, muss aber nicht sein. Deswegen sprechen wir noch nicht von Patienten, sondern von Personen mit milder kognitiver Beeinträchtigung.
Und interessanterweise haben wir gesehen, was wir vorher auch schon zeigen konnten, ältere haben eine schlechtere mitochondriale Leistung wie junge. Und wenn ich aber ältere, die genauso im Alter gleich waren, anschaue und die noch eine kognitive Beeinträchtigung haben, die gehen in den Keller. Also die sind noch mal schlechter.
Und die kognitiven Tests, zwei von vier, haben auch mit den Energieleveln in der Peripherie korreliert. Das ist noch kein Biomarker, weil das sind jetzt erst mal 60 Leute, die wir untersucht haben. Das muss auf eine viel größere Datenbasis gestellt werden, ähnlich wie der Omega-3-Index.
Der Herr von Schacki hat 38.000 oder 83.000 Messungen schon gemacht. Der kann natürlich sehr gut diskriminieren und weiß, was ist normal und was ist nicht normal. Weil normalerweise ist ja so, alle Körperwerte folgen auch einer Gauß-Glockenkurve.
Jeder hat das in der Schule schon mal gehört. Und irgendwo ist es normale, da wo der Mittelwert ist und entsprechende Konfidenzintervalle rechts und links. Und da gibt es welche, die fallen raus, rechts und links, die sind über- oder unterversorgt.
Und das können wir einfach noch nicht sagen. Aber ist natürlich schon interessant, dass wir dann vielleicht auch in Zukunft Studien machen können, um zu gucken, ob dann auch bei Menschen Omega-3-Fettsäuren wirklich direkt die mitochondriale Funktion beeinflussen können.
[Jason Raffington] (47:59 - 48:15)
Es ist ja auch in der Regel nicht nur ein Nährstoff, der besonders wichtig ist. Es ist ja immer ein Zusammenspiel von vielen Nährstoffen. Unser Thema heute ist Omega-3, aber gibt es trotzdem weitere Nährstoffe, die Sie jetzt besonders hervorheben würden für unsere Hirngesundheit?
[Prof. Dr. Gunter Eckert] (48:16 - 51:25)
Ja, also auf jeden Fall, wenn man sich Richtung Vitamine anschaut, da haben wir natürlich Vitamin B12. B12 ist übrigens auch ein minorer Bestandteil sozusagen der Ernährung von sich vegan, vor allen Dingen bei vegan ernährenden Menschen, die gar keine tierischen Produkte zu sich nehmen. Und natürlich auch von Vegetariern.
Vitamin B12 wird hergestellt eben von Mikroorganismen. Wir selbst produzieren eigentlich genug Vitamin B12 in unserem Enddarm, nämlich in unserem Mikrobiom, aber wir scheiden es aus. Wir haben keine Möglichkeit, das wieder aufzunehmen.
Deswegen ist es eben wichtig, dass man darauf achtet. Es ist auch eine differenzialdiagnostische Größe. Wenn jemand mit kognitiven Schwierigkeiten zu seinem Hausarzt oder Neurologen kommt, der wird immer einen B12-Status machen, weil der Mangel macht auch neurologische Störungen.
Und mit dem B12 arbeiten zusammen das Folat, das ist ganz wichtig. Und wir haben natürlich noch weitere Vitamine, wie zum Beispiel das Vitamin B6, was für die Hirngesundheit besonders wichtig ist. Und was natürlich auch wichtig ist, sind sekundäre Pflanzenstoffe.
Da forschen wir auch viel dran. Also möglichst bunt zu essen, mediterran, weil da sind eben viele Polyphenole drin, von denen wir aber noch gar nicht so genau wissen, was die alles so können und leisten. Früher hat man gesagt, die sind antioxidativ.
Sind die auch, aber die können noch viel mehr auf genetischer Ebene. Können die nämlich Gene anschmeißen, die unsere Zellen selber vor oxidativem Stress zum Beispiel schützen. Und da brauchst du nur ganz, ganz geringe Mengen, denn man muss sich immer vorstellen, wenn ich jetzt so eine Zwiebel mir angebraten habe und da ist Quercetin drin, was kommt denn davon überhaupt im Hirn an?
Von dem Quercetin sehen wir wahrscheinlich gar nichts, sondern das wird selber nochmal metabolisiert im Körper zu Phenolsäuren. Und da konnten wir zeigen, dass eben Phenolsäuren in femtomolarer Menge eben trotzdem im Gehirn ein Signal setzen, hier Schutzschilde hochfahren. Schutzschilde hochfahren, auch um dann unsere Omega-3-Fettsäuren zu schützen.
Denn wenn es zu oxidativem Stress kommt, dann sind natürlich besonders anfällig die Omega-3-Fettsäuren in unseren Membranen. Und deswegen kommt gleich noch eine weitere Vitamin ins Gedächtnis, nämlich Vitamin E brauchen wir. Das ist ein Zellschutzvitamin für die Fettkomponente sozusagen.
Und dass es nicht nur einmal funktioniert, mit dem Vitamin E brauchen wir noch ein anderes Vitamin, das kennen wir auch alle, kriegen wir in Fruchtsäften, Obst und Gemüse, Vitamin C. Das ist sogenannte Redoxcycling, die tun sich nämlich gegenseitig wieder regenerieren und dann haben wir einen sehr guten Zellschutz. Das ist immer ganz gut, wenn man nicht nur Omega-3, sondern auch die Bedingungen dafür schaffen, dass das Omega-3 gesund und in seiner biologischen Funktion vorliegt.
[Jason Raffington] (51:26 - 52:16)
Also idealerweise, wir sagen gerne den Regenbogen essen, so bunt wie möglich, viele echte natürliche Lebensmittel, inklusive Fisch. Und wenn man dann doch die Nahrungsergänzungsroute nimmt, dann Omega-3 nicht alleine, sondern mit Antioxidantien wie Vitamin E und Vitamin C kombinieren. Neben der Gehirngesundheit ist im Alter ja auch der Erhalt von Muskelmasse und Kraft ein sehr wichtiges Thema.
Und es gibt einige Studien, die zeigen, dass Omega-3-Fettsäuren Muskelschwund tatsächlich entgegenwirken können und auch die Anpassung des Muskels an Protein und Training verbessern. Was wissen Sie dazu bisher? Also es ist ja glaube ich nicht Ihr Forschungsschwerpunkt, aber vielleicht sind Sie trotzdem mit der Literatur vertraut.
Also wäre Omega-3 hier auch im Alter dahingehend eine sinnvolle Ergänzung, um eben diesen Muskelschwund vorzubeugen?
[Prof. Dr. Gunter Eckert] (52:17 - 55:55)
Ja, also das betrifft einen Stoffwechselweg, den man eben, wir arbeiten ja viel mit Alterung, und da gibt es eben diesen Stoffwechselweg, den mTOR-Stoffwechselweg, der eben über die Phosphoinositid-3-Kinase, das AKT, auch anschmeißt. Und das scheint eben hier auch ganz wichtig zu sein bei der Muskelproteinsynthese. Und der arbeitet zusammen, dieser mTOR-Stoffwechsel, mit einer Aminosäure, das ist Leucin, mit einem Hormon, was wir alle kennen aus dem Zuckerstoffwechsel, dem Insulin und der mechanischen Belastung.
Also kein Muskelaufbau ohne mechanische Belastung, also selbst wenn ich irgendwie mit irgendwelchem Doping nachhelfe, muss ich trotzdem meinen Muskel bewegen, um praktisch den Reiz zu setzen, dass es praktisch zu einer Hyperplasie kommt, praktisch zu einem Aufbau des Muskelgewebes. Also wir kommen praktisch mit der Ausstattung unserer Muskelzellen schon auf die Welt, und die dehnen sich einfach nur weiter auf, wenn wir die trainieren. Und da braucht es eben diese Signale, um das zu setzen.
Und da muss man sagen, nicht nur in den Gehirnmembranen wird EPA und DHA eingebaut, sondern auch in die Muskelzellmembranen eingebaut, in die Phospholipide. Und die sorgen dafür, dass diese Membranen fluider werden. Und dieser mTOR-Pathway, der geht über entsprechende Rezeptoren, nimmt ja seinen Ausgang.
Das Insulin muss ja an die Muskelzelle docken sozusagen, um der zu sagen, hier baut mehr Glucosetransporter ein, damit Glucose in den Muskel aufgenommen werden kann, um Energie zu verbrauchen bei der Muskelarbeit, oder dass eben Leucin entsprechend an seinen Rezeptor bindet, um praktisch das Signal weiterzugeben. Und wenn die Muskelzelle beweglicher ist, dann funktioniert das einfach besser. Und man hat also aus verschiedenen Studien gesehen, dass eben, wenn man Omega-3-Fettsäuren gibt, dass eben diese Leucinwirkung verbessert wird.
Und auch die Insulinsensitivität wird durch Omega-3-Fettsäuren verbessert, weil der Insulinrezeptor ist ein membranständiger Rezeptor, und das geht mehr über diesen mechanischen Weg hauptsächlich. Und auch zum Beispiel, wenn ich meinen Muskel belaste, dann habe ich auch immer leichte Muskelschäden, sozusagen so Mikrorisse. Und da ist es eben essentiell, dass die auch wieder repariert werden.
Und da ist es dann auch wieder EPA und DHA, die dann in die Muskelzellen eingebaut werden, um praktisch hier für die Regeneration zu sorgen. Also wir haben verschiedene Wege. Es ist in dem Fall mehr mechanisch, sozusagen, will ich mal so sagen, als wie molekularbiologisch, wenn wir Richtung Entzündung gehen.
Verschiedene Entzündungsmediatoren, die greifen dann direkt in genetische Aktivierung ein. Hier ist es so, dass praktisch der eigentliche Stoffwechselweg unterstützt wird durch die langkettigen Omega-3-Fettsäuren.
[Jason Raffington] (55:56 - 56:09)
Okay, das heißt, im Alter reicht es nicht aus, einfach viel Fisch zu essen, viel Omega-3 zu nehmen und so Muskelschwund vorzubeugen bzw. sogar Muskeln aufzubauen, sondern wir müssen uns trotzdem bewegen, wir müssen aktiv sein und das Signal setzen.
[Prof. Dr. Gunter Eckert] (56:10 - 57:19)
Das ist absolut essentiell, auch wenn wir an andere Dinge denken, wie zum Beispiel Osteoporose, also nicht nur Muskelschwund, sondern auch Knochenabbau. Da ist eben ganz wichtig, dass man sich optimal mit Nährstoffen versorgt und sich bewegt. Und leichtes Krafttraining, also jeder denkt bei Krafttraining jetzt an die Mucki-Bude, aber jeder, wie man es so kann, gibt es auch entsprechend für den Heimgebrauch sozusagen entsprechende Möglichkeiten, dass man eben seine Muskeln bewegt und das ist schon sehr wichtig.
Der Hauptmuskel ist übrigens der Oberschenkelmuskel und der wird schon bewegt, indem wir uns fortbewegen, wenn man läuft. Ob das jetzt im fortgeschrittenen Stadium am Rollator ist oder vorher, wenn man halt viel spazieren geht, 150 Minuten die Woche, also der, der es kann, 150 Minuten die Woche soll man sich so bewegen, dass der Puls leicht über Normal geht und das kriegt eigentlich jeder schon hin. Ich sage immer, wenn man sich einen Hund zulegt zum Beispiel, allein durchs Gassi gehen hat man schon genug Prävention in der Richtung getan.
[Jason Raffington] (57:21 - 57:42)
Sehr gut, also halten wir mal fest, wir brauchen Omega-3-Fettsäuren, aber wir brauchen auch Leucin und Leucin ist eine essentielle Aminosäure, also kombinieren wir vielleicht das Omega-3 auch mit Protein, weil das ja auch sowieso im Alter häufig zu kurz kommt und deshalb könnte auch eine Kombination mit einem Omega-3, sag ich schon, mit einem Proteinpulver eine gute Idee sein.
[Prof. Dr. Gunter Eckert] (57:43 - 58:07)
Genau, also wird auch Senioren, die haben grundsätzlich den gleichen Stoffwechsel wie normale Erwachsene, aber ganz richtig gesagt, also hier besteht ein größerer Bedarf an Protein, der liegt beim normalen Erwachsenen bei 0,8 Gramm pro Kilogramm Körpergewicht und bei den Senioren dann bei einem.
[Jason Raffington] (58:09 - 58:50)
Sie hatten es auch ganz kurz angesprochen, die entzündungshemmenden Eigenschaften von Omega-3 nach dem Sport, wenn man diese Mikroverletzungen im Muskel hat. Es ist ja bekannt, dass man, also einige Leute wissen das inzwischen schon, manche vielleicht nicht, dass man jetzt Antioxidantien nicht um das Training herum einnimmt, also beispielsweise Vitamin C nicht vor dem Training, weil das eben diese Signalwege blockieren kann, die wir brauchen, um eben die Adaptation zu erreichen. Wie ist das denn bei Omega-3?
Sollte man, wenn ich jetzt heute Abend ins Fitnessstudio gehe, ist es ein Problem, wenn ich vorher Omega-3 einnehme oder hinterher, oder muss ich da auch irgendwie, muss ich gar nicht auf die Zeit achten, wann ich die einnehme?
[Prof. Dr. Gunter Eckert] (58:50 - 1:01:13)
Da bin ich jetzt nicht 100% in der Literatur, aber ich würde mal Folgendes sagen, das, was mit dem oxidativen Stress, Antioxidantien, das geht in Richtung Hormesis, wo wir wirklich diese ROS-Belastungen, also reaktiv-oxidativen Spezies, die produziert der Körper auch als Signalmoleküle. Nur wenn es zu viel ist, dann schädigt die ungesättigten Fettsäuren in den Membranen und auch bis hin zu unserer DNA im Zellkern. Aber wir brauchen praktisch diese leichte oxidative Belastung, um dem Körper mitzuteilen, hier ist was passiert.
Und auch letztendlich diese Mikrorisse, die da passieren, dieser Minimuskelkater sozusagen, der nach dem Sport auftritt, auch das ist jetzt ein Signal sozusagen, an der Stelle muss ich verstärken. Also der Körper, der investiert praktisch nur da Energie rein, wo er es unbedingt braucht. Und wenn wir dem Körper sagen, hier, an der Stelle findet ständig irgendwie was statt, dann fängt er auch an, Muskeln aufzubauen.
Aber was jetzt Entzündungen angeht, an und für sich, da bin ich jetzt nicht ganz 100% sicher, aber da würde ich sagen, das ist kein Problem, denn wir gewöhnen uns nicht an Entzündungen in dem Sinne. Also wenn eine Entzündung auftritt, dann wird das Immunsystem aktiviert und das ist sozusagen der Schuss mit der Schrotflinte sozusagen, weil Entzündung wird massiv bekämpft. Das ist vielleicht eher negativ, würde ich mal sagen, wenn wir wirklich eine Entzündung provozieren würden durch den Sport.
Das ist, glaube ich, dann oversized. Deswegen sehe ich kein Problem, wenn wir Omega-3-Fettsäuren vor dem Sport zugefügt haben. Zumal wir sowieso auf die Langzeiteffekte Omega-3-Index, da geht es ja darum, dass es in die Membranen eingebaut wird.
Und es geht letztendlich ja nicht um die einzelne Fettsäure, die im Blut zirkuliert, um da Schutzeffekte zu machen, sondern das muss schon im Kompartiment Zelle eingebaut sein, um praktisch auch die biologische Wirkung zu haben.
[Jason Raffington] (1:01:15 - 1:01:36)
Okay, sehr gut. Zum Schluss würde ich gerne noch auf das Thema Qualität eingehen. Woran erkennt man denn ein gutes, stabiles, unoxidiertes Produkt?
Weil man findet Omega-3-Fette inzwischen überall, Drogerie, online, Amazon, Apotheke. Kann ich irgendworan erkennen, was denn ein gutes Produkt ist? Denn für Laien ist das schon teilweise, glaube ich, ein bisschen verwirrend.
[Prof. Dr. Gunter Eckert] (1:01:37 - 1:03:45)
Ja, also wer ein kleines Experiment wagt, nimmt ein Küchenbrett und ein Küchenmesser und schneidet mal eine Kapsel auf. Wenn die frisch, fischig riecht, so wie man das auch erwarten würde von einem Lachs oder einer Makrele, dann sind wir auf der sicheren Seite. Wenn das aber schon stark ranzig riecht, und das kann, glaube ich, jeder sehr gut erkennen, dann weiß man schon, dass das Öl entsprechend nicht mehr...
Auch die Farbe spricht eine Rolle, weil bei Oxidationsprozessen entstehen eben gefärbte Produkte, dunkle Produkte. Häufig sind die Kapseln nicht durchsichtig, aber in dem Moment, wo man so eine Kapsel mal aufschneidet, kann man sich die innen drin anschauen. Es gibt auch entsprechende Gütesiegel, sozusagen, und das sind eben Hersteller, die sich freiwillig einer Kontrolle unterwerfen, wo eben im bestimmten Rhythmus die Chargen untersucht werden, auch auf Oxidationsprodukte.
Das ist aufwendig, das ist teuer, und meistens sind eben halt auch die hochwertigen Öle etwas teurer. Ich will jetzt nicht sagen, dass man am Preis das erkennt, weil es gibt vielleicht auch welche, die irgendwo im Internet billigste Ware hochpreisig verramschen, aber da muss man natürlich auch irgendwie ein Vertrauen zu seinem Dealer aufbauen und sehen, dass das eben vernünftig ist und mal nachschauen, was der so erzählt, wie er mit seinen Produkten umgeht, wo er die her hat und welche Qualitätskontrollen er durchführt. Und wie gesagt, die beste Qualitätskontrolle, selbst der beste Hersteller hat vielleicht mal eine Charge dabei, wo mal was passiert. Kann immer mal passieren, das ist auch im Medikamentenbereich so.
Dazu hat man dann auch die Loknummern, die auf der Packung drauf ist. Wenn sowas passiert, auch gerne zurückmelden, dann kann das entsprechend auch zurückgezogen werden vom Markt und die Leute wieder mit ordentlicher Ware versorgt werden.
[Jason Raffington] (1:03:46 - 1:04:24)
Perfekt, also wir sollten wie immer eigentlich auf unsere Sinne vertrauen. Wenn etwas sehr eigenartig riecht oder schmeckt oder uns dann einfach extrem schlecht wird, sollten wir vielleicht noch mal den Hersteller kontaktieren, gucken, was da los ist oder einfach die Einnahme komplett abbrechen und natürlich auch auf die Transparenz des Anbieters achten. Schauen, gibt er Informationen über die Herkunft, über die Herstellung, sind Labortests zum Einsehen bereit, dann kann man ganz gut informierte Entscheidungen treffen.
Jetzt gibt es auch noch Unterschiede in den Formen, also manchmal steht Triglyceridform drauf, manchmal Ethylester. Was sind das für Formen und gibt es eine, die besser oder schlechter ist als die andere?
[Prof. Dr. Gunter Eckert] (1:04:25 - 1:06:40)
Ja, also die Triglyceride, das ist die natürliche Form, das ist so, wie das im natürlichen Lebensmittel vorkommt. Ethylester sind umgeesterte Öle, das heißt, sie sind chemisch behandelt und sind hinterher aber auch kein Lebensmittel mehr. Also Eicosapentaensäure-Ethylester ist kein Lebensmittel mehr, sondern Medikament, weil es chemisch modifiziert worden ist. Und da gibt es riesige Diskussionen, ob das jetzt eine bessere Bioverfügbarkeit hat oder vom Körper besser aufgenommen werden kann. Dazu muss man wissen, also die Triglyceride und auch die Ester, die werden, bevor die Fettsäuren in die Darmzellen aufgenommen werden können, erstmal gespalten.
Da gibt es sogenannte Lipasen, die hauptsächlich vom Pankreas freigesetzt werden. Die spalten die Fette auf in die Einzelkomponenten und dann werden die in der Darmwand, in den Darmzellen wieder zusammengebastelt. Und aus dem EPA-Ethylester kann im Körper dann durchaus wieder ein Triglycerid gebaut werden, das entweder ins Blut abgegeben wird und dann in die Leber gelangt.
Aber auch ein Hauptweg ist eben nicht ins Blut, sondern erstmal in die Lymphe und später ins Blut. Also da gibt es, das ist fast wie eine Religion, was die Bioverfügbarkeit angeht. Es gibt einen Haufen Studien, die zeigen, dass es keinen Unterschied macht.
Und es gibt einige Studien, die zeigen, dass die Ethylester besser aufgenommen werden. Aber ich sage mal so, für die Masse, wer jetzt am Tag 500 Milligramm Omega-3-Fettsäuren zu sich nimmt, ich glaube, der ist auf der sicheren Seite, dass genug aufgenommen wird. Genau, es gibt ja auch die Diskussion, ob Fisch oder Krill, auch nochmal so eine Diskussion.
Ja, also ich denke mal, man ist eigentlich auf der sicheren Seite, es wird genug aufgenommen. Es ist mehr so eine Glaubenssache, ob das, also auch wenn es nachher nachweisbar ist, dass vielleicht irgendwas signifikant besser aufgenommen wird, es wird auf jeden Fall genug aufgenommen, damit die biologischen Effekte da sind.
[Jason Raffington] (1:06:41 - 1:07:11)
Okay, also ich glaube, am Ende des Tages die Aussage einfach anfangen, etwas einnehmen, ist schon mal, ist schon wieder ein guter Ansatz, bevor man jetzt sich wieder in Details verliert und versucht, irgendwie die beste, höchst bioaktive Form oder bioverfügbare Form zu finden, sollte man einfach mal starten. Gibt es noch etwas, was Sie zum Abschluss unseren ZuhörerInnen mitgeben möchten, also um entweder präventiv zu arbeiten oder einfach generell ja um ihre Gesundheit, was Gutes zu tun in Sachen Omega 3?
[Prof. Dr. Gunter Eckert] (1:07:12 - 1:08:35)
Also ich würde gerne mitgeben, dass man ein bisschen aufmerksamer ist, wo wir ganz am Anfang gestartet sind, dass Omega 3 nicht Omega 3 ist, denn das geht immer durcheinander in Talkshows, in Podcasts, in der Werbung und der Verbraucher denkt sich ja, Mensch, jetzt habe ich ja wie von der Deutschen Gesellschaft für Ernährung empfohlen, ich futtere jetzt jeden Tag meine Handvoll Walnüsse, alles ist super, aber ist es nicht.
Und dass man da so ein bisschen noch sensibel drauf reagiert und ansonsten, dass man eben halt auf seine Nahrungsauswahl generell achtet. Es scheint so zu sein, dass eben eine eher flexitarische Ernährung, muss nicht unbedingt nur pflanzlich sein, aber eine pflanzenbetonte Ernährung, möglichst bunt, möglichst natürlich, als besonders präventiv zu sein vor ernährungsmitbedingten Erkrankungen. Herz-Kreislauf-Erkrankungen fallen darunter, Adipositas und auch Diabetes.
Und vor allen Dingen eins muss es machen, Spaß muss es machen und schmecken muss es Essen. Und man sollte da nicht zu akademisch werden, aber wenn man supplementiert, das eben mit Augenmaß und Vernunft und gucken, dass man eben vernünftige Produkte erwischt.
[Jason Raffington] (1:08:36 - 1:09:23)
Ja, das macht alles total Sinn. Also ich glaube hier, das Stichwort, was mir jetzt in den Kopf gekommen ist, ist direkt mediterrane Ernährung. Ich glaube, die deckt das alles ganz gut ab.
Und da handelt es sich auch nicht nur um ein Ernährungsmuster, sondern es ist ja auch der Lifestyle. Es ist Bewegung, es ist mit Menschen essen. Das ist dann ja auch gleich wieder, das macht dann auch mehr Spaß.
Also haben wir dann auch wieder den Freudeaspekt mit drin, dass das Essen auch Spaß macht. Und ich glaube, dann ist man ganz gut aufgestellt. Super.
Ja, vielen Dank für diese Informationen zu Omega 3. Meine allerletzte Frage an Sie ist dann noch, was eigentlich Ihr Lieblingssupplement ist. Jetzt ist die Frage, ist es Omega 3 oder ist es doch etwas anderes?
Wir haben jetzt viel über Omega 3 gesprochen, aber es kann natürlich auch was anderes sein.
[Prof. Dr. Gunter Eckert] (1:09:24 - 1:10:21)
Also ich habe eine ganze Reihe an Supplements, die ich für sinnvoll erachte, für mich jedenfalls. Ein ganz wichtiges, das ist jetzt kein Omega 3, aber ich nehme ein Statin, weil ich zu hohe Cholesterinwerte habe. Und da ist ganz wichtig, dass wir Coenzym Q noch zusätzlich einnehmen.
Dieses Coenzym Q entsteht auch in der Cholesterinsynthese, die wir mit dem Statin abwürgen. Und dann kriege ich Probleme mit meinen Mitochondrien. Und als Mitochondrienforscher muss ich gucken, dass ich meine Mitochondrien nicht irgendwie beeinträchtige.
Also Coenzym Q ist für mich das Wichtigste, weil es supplementär zu einer Einnahme eines Medikaments ist, oder komplementär, um praktisch die Nebenwirkungen eines Medikaments zu dämpfen. Aber ja, ich esse auch zu wenig Fisch und Omega-3-Kapseln sind bei mir auch täglich auf Plan.