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Overthinking: So lässt du Grübeln und Selbstzweifel los

Warum kreisen unsere Gedanken oft unaufhörlich um Dinge, die schiefgehen könnten, anstatt sich auf das Hier und Jetzt zu konzentrieren? Dr. Biyon Kattilathu beschäftigt sich intensiv mit genau dieser Frage und zeigt, warum das Phänomen des Grübelns – auch "Overthinking" genannt – eigentlich eine Form von fehlgeleiteter Kreativität ist.

Host Nils Behrens und Dr. Biyon Kattilathu sprechen in dieser Episode darüber, wie unsere inneren Dialoge unsere Gefühle und Handlungen beeinflussen und warum wir oft so stark von unserem inneren Kritiker gesteuert werden. Dabei geht es auch um ganz praktische Werkzeuge wie das bewusste Nicht-Bewerten von Gedanken, regulierende Atemtechniken und die transformative Kraft der Dankbarkeit im Alltag.

Die Folge HEALTHWISE auf YouTube

Grübeln als fehlgeleitete Kreativität

Das Phänomen des Grübelns ist laut Biyon Kattilathu im Prinzip ein kleiner Denkfehler. Anstatt unsere kreative Fähigkeit zu nutzen, um uns im gegenwärtigen Moment positive Entwicklungen vorzustellen, missbrauchen wir sie oft für negative Zukunftsszenarien. Durch dieses ständige Abdriften in die Zukunft verlieren wir die Gegenwärtigkeit, in der eigentlich das größte Glück zu finden ist.

Konkrete Übungen gegen nächtliche Gedankenkarusselle

Wenn die Gedanken abends im Bett kreisen, empfiehlt der Experte drei konkrete Schritte. Zunächst sollte man rational hinterfragen und sich klarmachen, dass die aktuellen, kreisenden Gedanken in diesem Moment nicht die Wahrheit sind. Im zweiten Schritt hilft ein Gegenwarts-Check durch die bewusste Frage, wo die Gedanken gerade sind und wo sie eigentlich sein sollten. Der dritte und effektivste Tipp ist Dankbarkeit. Wer abends reflektiert, was gut lief und wofür er dankbar ist, bewirkt einen Wandel, der zu besseren Gedanken und ruhigerem Schlaf führt.

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Mentale Werkzeuge: Nicht-Bewerten und Atemtechniken

Eine mentale Superkraft ist das bewertungsfreie Beobachten. Gedanken sollten wie Wolken betrachtet werden, die man ansieht und vorbeiziehen lässt, ohne sie als gut oder schlecht zu verurteilen. Um das Nervensystem zu regulieren, eignen sich zudem Atemtechniken wie die 4-7-8-Methode oder das sogenannte Box Breathing. Diese Übungen zwingen uns in das Hier und Jetzt undsind eine wertvolle Stütze im Alltag.

Das Orchester im Kopf

Unser innerer Dialog gleicht einem Orchester, in dem verschiedene Instrumente wie Angst, Zweifel oder der innere Kritiker spielen, so Biyon Kattilathu. Oft entspringen diese Emotionen der tieferliegenden Angst, nicht gut genug zu sein. Wenn ein Instrument besonders laut spielt, ist das eine Botschaft, die gehört werden möchte. Es geht darum, hinzuhören, die Bedeutung zu verstehen und Akzeptanz zu trainieren, anstatt die Gedanken nur krampfhaft wegzudrängen.

TAKE AWAYS

  • Das Bewusstsein für den gegenwärtigen Moment ist der Schlüssel, um das Gedankenkarussell zu stoppen.
  • Grübeln ist oft eine Zweckentfremdung unserer Kreativität für negative Zukunftsszenarien.
  • Die Identifikation von Gedanken als "Nicht-Wahrheit" und das Praktizieren von Dankbarkeit können effektiv beim abendlichen Einschlafen helfen.
  • Gedanken sollten wie vorbeiziehende Wolken beobachtet und nicht bewertet werden.
  • Atemtechniken wie Box Breathing können das Nervensystem regulieren.
  • Der innere Kritiker fordert Aufmerksamkeit; man sollte seine Botschaft verstehen lernen.

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Dr. Biyon Kattilathu gehört im deutschsprachigen Raum zu den gefragtesten Entertainern und Bestsellerautoren rund um die Themen Motivation und Lebensfreude. Als Sohn indischer Einwanderer wuchs er im Ruhrgebiet auf, schloss zunächst ein Studium als Wirtschaftsingenieur ab und erlangte anschließend seinen Doktortitel. Schon seit 2016 inspiriert er auf Plattformen wie Facebook, Instagram, TikTok und YouTube eine stetig wachsende Community mit wertvollen Impulsen für ein erfülltes Leben. Wenn er nicht gerade seinen eigenen Podcast aufnimmt, steht er mit seinen Live-Programmen in Deutschland, Österreich und der Schweiz auf der Bühne. Mit Werken wie "Der Rikscha-Fahrer, der das Glück verschenkt" oder "Die Fragen deines Lebens" sicherte er sich zudem feste Plätze auf der Spiegel-Bestsellerliste. Der heute in der Nähe von Köln lebende Autor folgt dabei stets einem zentralen Leitgedanken, den ihm bereits seine Eltern vermittelt haben: "Verlasse die Welt ein wenig schöner, als du sie vorgefunden hast."

Mehr Infos: https://biyon.me 

215 Overthinking: So lässt du Grübeln und Selbstzweifel los! Mit Dr. Biyon Kattilathu

[Dr. Biyon Kattilathu] (0:30 - 0:51)
Was ich sehr wichtig finde, ist dieses Nicht-Bewerten. Ich habe mal mit einem buddhistischen Freund gesprochen. Da hatte ich Liebeskummer, das ist schon lange, lange her.

Und der hat mir damals gesagt, weißt du was? Dein Gedanke kommt, das ist wie so eine Wolke. Schau sie an, aber bewerte sie nicht.

Sag jetzt nicht irgendwie, du bist doof, du darfst nicht hier sein, du bist gut. Egal, bewerte sie einfach nicht. Und dann lass sie wieder gehen.

[Nils Behrens] (0:51 - 1:56)
Herzlich willkommen zu Healthwise, dem Gesundheits-Podcast, präsentiert von Sunday Natural. Ich bin Nils Behrens und in diesem Podcast erkunden wir gemeinsam, was es bedeutet, gesund zu sein. Wir tauchen ein in Themen wie Medizin, Bewegung, Ernährung und emotionale Gesundheit.

Immer mit einem weisen Blick auf das, was uns wirklich gut tut. Jeder Mensch führt täglich tausende Gespräche. Die meisten davon allerdings nicht mit anderen Menschen, sondern mit sich selbst.

Und genau diese inneren Dialoge entscheiden oft darüber, ob wir gelassen, ängstlich, mutig oder erschöpft durchs Leben gehen. Dr. Biyon Kattilathu ist Bestsellerautor, Podcaster, Entertainer und einer der bekanntesten Impulsgeber für persönliche Entwicklung im deutschsprachigen Raum. Der promovierte Wirtschaftswissenschaftler erreicht mit seinen Büchern, Vorträgen und seinem Podcast Schokolade für die Seele Millionen Menschen.

In seinem neuen Buch "Der Positive-Gedanken-Trick" beschäftigt er sich mit einer Frage, die uns alle betrifft. Wie können wir lernen, unsere Gedanken zu steuern, statt von ihnen gesteuert zu werden? Und deswegen freue ich mich besonders auf das Gespräch und sage herzlich willkommen, Dr. Biyon Kattilathu.

[Dr. Biyon Kattilathu] (1:57 - 2:19)
Hey, vielen, vielen Dank, Nils. Freut mich, hier zu sein. Der Doktor, da freut sich der Papa.

Wenn der Papa das hier hört, dann sagt er, ach gut, endlich einer hat gesagt, Doktor. Gott sei Dank. Das ist immer das Erste, was mein Papa sagt, wenn ich irgendwo bin.

Und dann steht da so Biyon. Dann fragt der mal, warum haben die keinen Doktor geschrieben? Also deswegen hast du schon auf jeden Fall ein Stein in den Brett bei meinem Papa.

Danke, dass ich hier sein darf.

[Nils Behrens] (2:19 - 3:06)
Sehr gut, sehr gut. Du, das ist bei mir wirklich einer der Titel, die ich finde, die man sich auch wirklich verdient hat. Also von daher, ich nutze die normalerweise.

Doktor, Professor, das sind so Titel, die hat man sich verdient. Hier zu Baron oder sonst was, die hat man geerbt. Das ist jetzt irgendwie was anderes.

Aber deswegen, den hast du dir verdient. Ja, ich habe gesehen, du bist studierter Wirtschaftsingenieur. Ich habe heute ein Problem mit dem Wort Wirtschaft.

Also ich muss da, glaube ich, auch nochmal drüber nachdenken. Und Wirtschaftsingenieurwesen habe ich auch mal studiert. Das ist tatsächlich ein echt spannendes Studium.

Andererseits, wo wir schon bei positiven Gedanken sind. Ich habe immer die negativen Gedanken der anderen Fakultäten gehört. Ich habe immer gesagt, Wirtschaftsingenieure sind wie Enten.

Die können nichts richtig. Nicht richtig schwimmen, nicht richtig laufen, nicht richtig fliegen. Und ich finde, das stimmt nicht.

Ich finde, man ist eher, eigentlich kann man alles ein bisschen.

[Dr. Biyon Kattilathu] (3:07 - 3:33)
Genau, genau. Ich finde, ein super Allrounder. Ich meine, du kennst es auch.

Ich kenne es auch von meinen anderen Fakultäten damals. Die Maschinenbauer haben gesagt, ihr seid keine richtigen Maschinenbauer. Die Logistiker haben gesagt, keine richtigen Logistiker.

Die Wirtschaftswissenschaftler genauso. Aber ich finde gerade jetzt, und das hat sich auch ausgebezahlt, da muss ich sagen, auch über meine Freunde, die jetzt noch in dem Beruf arbeiten als Ingenieur, die sind super happy, weil die können gut vermitteln, die können gut kommunizieren. Und ich glaube, das ist eine große, große Eigenschaft und Stärke auch dieser Zeit.

[Nils Behrens] (3:35 - 3:51)
Total, total. Und deswegen, wo wir bei Stärken sind, lass uns doch mal zu meiner ersten Frage, meiner ersten ernst gemeinten Frage kommen. Es ist ja so, dass es immer um den Sonntag geht.

Deswegen, weil wir über positive Gedanken sprechen. Wie positiv waren denn deine Gedanken am letzten Sonntag? Und woran hast du es gemerkt?

[Dr. Biyon Kattilathu] (3:53 - 4:27)
Am letzten Sonntag waren meine Gedanken vorrangig gut. Und das lag daran, dass der Sonntag ist für mich so ein heiliger Tag. Also es war als Kind schon immer so im Prinzip, dass ich, also ich war damals immer in der Kirche.

Ja, so fing mein Sonntag früher immer an. Und in der Messe, entweder 10 oder 11.30 Uhr. Und das war immer so für mich, also ich blockte den Sonntag auch immer im Prinzip für MeTime, für Family, für Freunde, für Ausspannen.

Und ja, dieses Mal war ich lange Zeit unter dem Kirschbaum gelegen, auf einer Schaukel. Und dementsprechend habe ich wirklich mal die Seele baumeln lassen.

[Nils Behrens] (4:28 - 4:46)
Ach toll, toll. Ich hatte tatsächlich mal ein ganz tolles Interview hier. Und da ging es auch genau darum, dass man, wenn man unter einem Baum liegt und auf dieses Geflecht von Ästen dann eben halt schaut, dass das eine der entspannendsten Übungen überhaupt sein soll.

Also von daher, das fand ich ganz interessant.

[Dr. Biyon Kattilathu] (4:46 - 5:06)
Ja, und das ging noch weiter, weil da vor mir, da sind meine Hühner rumgelaufen. Ja, ich habe ja 18 Hühner. Und dann auch meine Hunde, die kamen immer wieder zwischendurch und zur Schaukel gelaufen.

Also es war einfach ein richtig, richtig schönes Gefühl. Es ist auch ein Kirschbaum. Ja, das heißt also ab und zu, ob ihr auch...

Also es klingt schon fast zu schön, um wahr zu sein. Ja, aber manchmal...

[Nils Behrens] (5:06 - 5:07)
Ich habe ein Bild im Kopf.

 

[Dr. Biyon Kattilathu] (5:07 - 5:14)
Ja, aber manchmal braucht man es einfach wirklich, sich diese Zeit zu nehmen. Und deswegen war es, ja, wunderschön.

[Nils Behrens] (5:15 - 5:33)
Sehr schön, sehr schön. Das Buch, also dein neues Buch über positive Gedanken, beginnt mit einer kleinen Alltagsszene rund um Regengeräusche. Und auf einmal hast du dann keine Regengeräusche mehr gehört, sondern eigentlich brutzelnde Papadams aus deiner Kindheit.

Warum können so winzige Gedankenkatzen plötzlich so eine Stimmung komplett verändern?

[Dr. Biyon Kattilathu] (5:37 - 5:57)
Die Papadams, ja, sind ja so kleine, ja, wie sagt man, die Plätzchen, indische Plätzchen im Prinzip, die in der Pfanne gebrutzelt werden oder gemacht werden. Und ja, das war für mich so ein schönes Beispiel einfach mal. Ich höre manchmal so gerne Regengeräusche zum Runterkommen.

Und manchmal klingen diese Regengeräusche wie das Brutzeln dieser Papadams in der Pfanne. Und dann merkst du aber, wie schnell es geht.

[Nils Behrens] (5:57 - 6:03)
Für mich ist es nämlich Schnitzel. Von daher, man sieht die kulturelle Prägung. Aber für mich auch.

Es klingt wie ein Schnitzel, was gebraten wird.

[Dr. Biyon Kattilathu] (6:03 - 6:30)
Wie ein Schnitzel, das gebraten wird, genau. Und dann merkst du plötzlich, du warst in der einen Sekunde noch so ein bisschen darauf bedacht, einzuschlafen relativ schnell. Und in der nächsten Sekunde hast du irgendwie Hunger und denkst dir so, was habe ich noch im Kühlschrank?

Was kann ich schnell noch essen? Irgendwie wenigstens Schokolade oder so. Das heißt, ein Gedanke kann sofort deine Gefühle verändern und dementsprechend auch dazu führen, wie du handelst.

Und das zeigt so natürlich ein bisschen mit dem Augenzwinkern, wie schnell so ein Gedanke eigentlich so dein Leben oder dich verändern kann.

[Nils Behrens] (6:31 - 6:43)
Genau darum geht ja dein Buch. Du sprichst ja darüber, dass nicht die Realität unserer Leben stimmt, sondern eigentlich die Interpretation der Realität. Gab es einen Punkt, wo du das das erste Mal richtig für dich erkannt und verstanden hast?

Also außer bei den Papadams?

[Dr. Biyon Kattilathu] (6:44 - 7:35)
Ja, also neben den Papadams, ja, ich muss sagen, viele, viele Menschen, ich auch, laufen ja relativ unbewusst durchs Leben. Das heißt also, dass sie quasi ihre Gedanken nicht wirklich reflektieren beziehungsweise eins werden mit den Gedanken. Und ich glaube, irgendwann, also je mehr ich mich mit dem Thema beschäftigt habe und deswegen mache ich das Ganze auch, also die Bücher und mein Programm, je mehr ich mich damit beschäftigt habe, habe ich verstanden, dass ich nicht der Gedanke bin.

Und ja, dass ich also sehr, sehr gut auch wirklich reflektieren kann, Gedanken verändern kann. Und ja, das gelingt mir ehrlich gesagt immer und immer besser. Und die Fragen zu dem Thema Gedanken waren einfach so immens, dass ich gesagt habe, komm, ich wippe mich mal mit einem ganzen Buch nur diesem Thema und mein Versprechen ist einfach, dass jeder nach diesem Buch etwas bessere Gedanken hat als vorher.

[Nils Behrens] (7:35 - 7:41)
Du schreibst über Angst und Grübeln. Was, glaubst du, ist aus deiner Sicht der größte Denkfehler, den wir immer wieder beim Grübeln machen?

[Dr. Biyon Kattilathu] (7:44 - 8:37)
Also das Grübeln selbst ist ja im Prinzip auch schon so ein kleiner Denkfehler, weil Grübeln heißt ja so, also oftmals zumindest einzutauchen, in die Zukunft, sich Dinge zu kreieren. Und ich glaube, der Fehler, wenn man ihn so nennen möchte überhaupt, ist ja eigentlich so diese wunderbare kreative Eigenschaft, die wir haben zu nutzen, sich Dinge vorzustellen, die negativ enden. Also viele Menschen sitzen da und denken sich, was ist, wenn das passiert, wenn jenes passiert, was ist, wenn das schiefläuft?

Und dieses wunderbare kreative Potenzial könnten wir ja nutzen, im Prinzip uns vorzustellen, was vielleicht gut laufen könnte. Also ich glaube, einerseits dieses Abdriften immer wieder in die Zukunft führt dazu, dass wir so die Gegenwärtigkeit verlieren, die ja das größte Geschenk ist und wo das größte Glück ja auch zu finden ist. Also eben hier und jetzt.

Und andererseits glaube ich, dieses Potenzial, das in uns liegt, einfach zu nutzen, um Dinge zu visualisieren, die wirklich positiv enden könnten für uns.

[Nils Behrens] (8:38 - 8:47)
Ich habe immer einen Chart in meinen Präsentationen drin, da steht immer drauf, Sorgen sind wie Nudeln, man macht sich immer zu viel. Und ich finde, das trifft ja in diesem Fall wirklich ganz gut zu.

[Dr. Biyon Kattilathu] (8:48 - 8:48)
Ja, voll, voll.

 

[Nils Behrens] (8:50 - 9:00)
Viele Menschen glauben ja, sie müssen ein Problem lange genug durchdenken, um es zu lösen. Und was glaubst du? Aber warum funktioniert das oft genau nicht?

Liegt es an dieser negativen Beeinflussung?

[Dr. Biyon Kattilathu] (9:01 - 10:11)
Also ich glaube, einige Dinge können wir gar nicht lösen. Also viele Menschen fühlen ja auch so eine Art Ohnmacht, wenn sie an die Zukunft denken. Und das heißt ja im Prinzip, also Ohnmacht bedeutet ja, ohne Macht zu sein.

Und ich glaube, das ist ja das Gefühl, was viele Menschen auch fühlen. Also ich weiß gar nicht. Ja klar, ich kann mich beeinflussen, ich kann meine Taten beeinflussen.

Aber es gibt ja Tausende, wenn nicht mehr Variablen, die wir gar nicht beeinflussen können. Also vor ein paar Jahren hätte uns gesagt, wie die Welt jetzt aussieht. Positiv wie negativ.

Mit den Möglichkeiten, mit den Entwicklungen, die stattgefunden haben, mit den Maßnahmen, die es gab vor einigen Jahren noch, hätten wir alle gesagt, gut, das kannst du nicht kalkulieren. Also ich bin ja so ein Freund von einfach, ich gebe jetzt einfach mein Bestes und das wird dazu führen, dass die Zukunft bestmöglich wird. Also ohne natürlich jetzt irgendwelche Ziele und Visionen außer Acht zu lassen.

Das ist schon wichtig, aber es ist so ein Kompass. Am Ende wird es ja eh nicht ein geradliniger Weg dorthin, sondern es wird immer Kurven geben, es wird ein Auf und Ab geben. Das nennt man halt auch Leben, aus meiner Sicht.

Also das ist unser Leben im Endeffekt. Und ich denke halt, dass wir die Gegenwärtigkeit, wie gesagt, als Lösung zum Grübeln, in die Zukunft eintauchen, ja als das größte Geschenk sehen sollten.

[Nils Behrens] (10:12 - 10:25)
Ja, ich sehe es genauso. Also letztendlich ist es ja toll, dass wir grübeln können. Ich finde, der Grat zwischen, ich will es mal nennen, sinnvoller Reflexion und wirklich destruktiven Grübeln, der ist halt manchmal relativ schmal.

[Dr. Biyon Kattilathu] (10:26 - 11:38)
Ja, ja, absolut. Also jeder hat ja auch mal irgendwie schlechte Tage oder irgendwie mal einen Tag, wo man sich vorstellt, was alles schiefläuft in Worst Case im Kopf. Und das ist auch völlig normal.

Also ich glaube, es geht immer so ein bisschen um das Verhältnis, ja, um die Quantität. Also es wäre natürlich schön, wenn wir am Ende der Woche sagen könnten, am Sonntag vielleicht wieder, unterm Kirschbaum liegend, hey, ich hätte mal so einen halben Tag, der war nicht so optimal, oder einen Tag von mir aus. Ist ein großer Unterschied, als wenn man sagt, ich hatte mal einen Tag, der war echt gut.

Ich glaube einfach, dass wir uns da immer ein bisschen auch beobachten dürfen und schauen, wie oft drifte ich denn ab oder wie oft habe ich da eigentlich keine schönen Gedanken. Und ich weiß auch, es reicht nicht einfach hier zu sagen, in diesem wunderbaren Podcast, hey, denk doch mal positiv, ja, oder hey, das wird schon, ja. Weil wenn du Jahre, Jahrzehnte lang irgendwie das antrainiert hast, negativ zu denken oder irgendwie auch mal so einen Gedanken zu haben, den du als Wahrheit ansiehst, dann dauert es eben auch ein bisschen.

Ja, das ist ja völlig normal, dass man einfach mal sagt, ich öffne mich mal für einen neuen Gedanken. Und deswegen, und ich weiß nicht, wie du das siehst, aber ich finde halt, man kann halt dieses positive Denken auf der einen Seite erlernen, aber auch das negative verlernen. Ja, wie siehst du das?

Schon, ne?

[Nils Behrens] (11:38 - 12:50)
Total, bei mir ist es wirklich so, ich bin, es klingt immer so komisch, aber ich bin ein sehr schicksalsgläubiger Mensch. Das heißt also, das meine ich jetzt nicht fatalistisch so, nach dem Motto, es ist eh schon alles vorgeschrieben, aber ich bin so dieser Satz, everything happens for a reason, der gibt mir sehr viel positive Energie. Auch wenn mir negative Rückschläge dann gekommen sind, dann ist es so ein bisschen wie diese asiatische Kampfsportregel, entweder du gewinnst du oder du lernst was.

Also du gewinnst an Wissen, an Erfahrung dazu. Und ich finde, das hilft mir immer, weil am Ende wird es dann doch irgendwie immer alles gut, also zumindest bisher in meinem Leben. Und deswegen komme ich mit Rückschlägen sehr gut zurecht und ich bin auch niemand, ich bin nicht so ein Zergrübler.

Meine Großtante hat als Kind immer schon, das habe ich dann nicht verstanden, weil es auf Englisch war, aber sie hat immer gesagt, you should cross the bridge when you come to it. Und das habe ich, glaube ich, so ganz gut verinnerlicht, dass man einfach erst in dem Augenblick die Brücke überquert oder sich darüber Gedanken macht, wie man über die Brücke geht, wenn man auch angekommen ist an der Brücke. Und das ist so ein bisschen das Thema für mich. Hast du denn eine konkrete Übung, die du empfiehlst, wenn jemand wirklich, jetzt sagen wir mal ganz konkret, nicht an Papadams denkt, aber wenn er nachts im Bett liegt und seinen Gedankencharakter wirklich nicht stoppen kann?

[Dr. Biyon Kattilathu] (12:52 - 14:11)
Ja, also ich bin, das Erste, was für mich ganz wichtig ist, einfach sich klarzumachen in dem Moment, das da oben ist gerade nicht die Wahrheit. Das klingt sehr, sehr simpel, finde ich aber sehr effektiv, einfach zu sagen, hey, das da oben, es ist nicht die Wahrheit. Fühlt sich an wie die Wahrheit vielleicht gerade, aber es ist nicht die Wahrheit.

Zweiter Tipp, den ich geben kann, den ich auch selbst natürlich auch beherzige, sich zwei Fragen zu stellen. Also wo sind meine Gedanken gerade und wo sollten sie sein? Also das ist so ein bisschen dieses Sich-selbst-Erwischen, dieses so, ich bin wieder hier und im Gestern, wo sollten sie sein?

Und ich glaube, der dritte Tipp, gerade auch abends, wenn man so ein bisschen im Bett liegt, den ich auch beherzige, ist Dankbarkeit. Also steckt ja auch in dem Wort Gedanke drin, also danke. Weil viele Menschen, und ich war auch so ein Typ und bin manchmal auch noch immer noch so ein Typ, liegen abends im Bett und reflektieren so einen Tag und denken sich so, ach Mensch, das hätte besser laufen können und warum ist das passiert?

Und dann fällt es auch ein bisschen schwerer, einzuschlafen. Anders verhält es sich, wenn man sich mal überlegt, für wen, für was bin ich denn heute mal richtig dankbar? Was lief denn mal richtig gut?

Was durfte ich denn heute mal erleben? Du schläfst anders, du hast andere Gedanken. Und ich finde, es muss nicht immer alles schneller gehen heutzutage.

Es ist eh schon schnelllebig genug in die Welt. Aber ich glaube, Dankbarkeit ist der schnellste Weg zum Glück und damit auch zu guten Gedanken.

[Nils Behrens] (14:13 - 15:13)
Ja, total. Ich habe wirklich für mich mal eine Übung, die habe ich auch in einem anderen Podcast-Gespräch hier gelernt, fand ich ganz interessant. Wenn ich wirklich dieses Gedanken-Kaufzellen nicht stoppen kann, dann nehme ich mir einfach wirklich so ein, ich habe mal so ein Notizbuch, dann stelle ich mir einfach einen Wecker, ich glaube, es sind immer so 5 bis 10 Minuten, und dann schreibe ich einfach runter.

Einfach nur, also wirklich ohne Unterbrechung. Und wenn ich gerade mal nicht weiter weiß, natürlich um das Thema, worüber ich jetzt gerade nachdenke, aber ich schreibe es dann runter, und wenn ich dann tatsächlich auch mal hake, dann wiederhole ich den letzten Satz nochmal, so lange, bis der Gedanke weitergeht. Und dieses quasi über die, also Denken mit der Hand, sich einmal so komplett so alles runterzuschreiben, merke ich immer so total, dass es mir unglaublich gut tut.

Also ich habe immer das Gefühl, dass es dann irgendwie gelöst ist. Und es hat irgendwie, ja, eine Freundin von mir auch, die so hart Liebeskummer hatte, die hat auch gemerkt, dass das so für sie so ganz schön war, einfach erstmal rauszuschreiben, statt immer nur rauszureden. Fand ich ganz interessant.

[Dr. Biyon Kattilathu] (15:14 - 15:42)
Also ich habe noch so zwei Sachen, die mir gerade eingefallen sind, also was du gesagt hast, ein bisschen einhergehend damit. Also was ich sehr wichtig finde, ist so dieses Nicht-Bewerten. Also ich habe mal mit einem buddhistischen Freund gesprochen, da hatte ich Liebeskummer, wir hatten das schon lange, lange her.

Und der hat mir damals gesagt, weißt du was, dein Gedanke kommt, das ist wie so eine Wolke, schau sie an, also schau die Wolke an, aber bewerte sie nicht. Sag jetzt nicht irgendwie, ja, du bist doof, du darfst nicht hier sein, du bist gut. Egal, bewerte sie einfach nicht und dann lass sie wieder gehen.

[Nils Behrens] (15:43 - 15:44)
Lass sie ziehen, lass sie einfach weiterziehen.

[Dr. Biyon Kattilathu] (15:45 - 16:56)
Und beim ersten Mal klappt es nicht, beim zweiten Mal klappt es immer noch nicht, beim dritten Mal klappt es ein bisschen, beim vierten Mal klappt es ein bisschen mehr und irgendwann merkst du wirklich, wie die Macht auf dich zurückkommt. Also das war wirklich dieses Nicht-Bewerten von Gedanken. Wenn man das erlernt, ist für mich eine Superpower, muss ich sagen.

Wenn man das wirklich mal kann und nicht sagt, was heißt das für mich, ich werde nie mehr geliebt oder so. Oder ich bin auch ein Fan davon, Atemtechniken einzusetzen. Also ich bin kein Experte, was Atemtechniken angeht, aber das muss man ja auch gar nicht sein.

Es gibt ja so eine 4-7-8-Technik zum Beispiel, also vier Sekunden einatmen, sieben Sekunden anhalten, acht Sekunden ausatmen, das ist sofort beruhigend. Es ist auch gar nicht irgendwie Hokus-Pokus oder so, sondern wirklich wirkt sich aus aufs Nervensystem, aufs Immunsystem und beruhigt total. Und natürlich bist du auch, und das finde ich für mich immer ganz wichtig, weil ich mal alles sehr simpel verstehen will, du bist ja gezwungen quasi während der Atmung hier und jetzt zu sein.

Also du kannst gar nicht während du zählst irgendwie abdriften, ins Morgen oder ins Gestern. Und deswegen, also das hilft bei mir auch immer, die Atmung 4-7-8 oder 4-4-4-4. Vielleicht kennst du die auch, diese Boxatmung.

[Nils Behrens] (16:56 - 16:56)
Boxbreathing.

[Dr. Biyon Kattilathu] (16:57 - 17:08)
Boxbreathing., genau. Vier Sekunden ein, vier Sekunden halten, vier Sekunden aus, vier Sekunden halten, machst du ein paar Mal. Im schlimmsten Fall hast du eine gute Zeit und im besten Fall bist du beruhigt und schläfst super ein.

[Nils Behrens] (17:09 - 17:26)
Total, total. Ja, diese 4-7-8 ist ja angeblich benutzt, die Navy Seals auch, wenn sie im Einsatz sind. Also diese amerikanische Elite-Truppe, Elite-Soldaten, wenn sie dann irgendwo im Einsatz sich beruhigen müssen und schlafen müssen, dann benutzen sie angeblich die 4-7-8-Methode auch.

Aber so viel zur Mythe.

[Dr. Biyon Kattilathu] (17:27 - 17:43)
Ich wollte es nicht erwähnen, weil ich dachte, ich wollte nicht, dass jemand im Bett liegt und an die Soldaten denkt. Weil dann kommen die nächsten Gedanken so. Dann sehen wir plötzlich irgendwelche Soldaten um sich herum, die die gleiche Atmung machen.

Deswegen dachte ich mir, ja, den Fakt lassen wir kurz mal raus. Aber gut.

[Nils Behrens] (17:44 - 17:48)
Jetzt habe ich ihn ausgesprochen. Nein, wir lassen es drin.

[Dr. Biyon Kattilathu] (17:48 - 17:49)
Nein, wir lassen es. Das ist super.

[Nils Behrens] (17:50 - 18:02)
Du nutzt das Bild eines Orchesters im Kopf. Wer spielt denn bei den meisten Menschen, ich sage jetzt mal, das lauteste Instrument? Ist es die Angst?

Ist es Zweifel? Perfektionismus oder Selbstkritik?

[Dr. Biyon Kattilathu] (18:03 - 19:29)
Ja, also ich glaube, das wechselt so ein bisschen. Es sind verschiedene Musikstücke, die bei uns im Kopf sich abspielen. Mal ist es vielleicht ein klassisches Stück, wo vielleicht die Geige den Vorrang hat.

Manchmal ist es dann vielleicht ein Countrysong, wo die Gitarre vielleicht eher präsenter ist. Also es ist von Lebensphase zu Lebensphase unterschiedlich. Ich glaube aber, dass vieles aus einer ähnlichen Wurzel heraus entsteht.

Also sowohl die Angst als auch der Zweifel, was ja auch mit einer Angst einhergeht, als auch der innere Kritiker, der ja auch oftmals ein Zeichen von Angst ist, vielleicht die Angst, nicht genug zu sein. Also ich glaube, viele haben sozusagen die gleichen Eltern. Wirken sich manchmal ein bisschen anders aus oder sind von Zeit zu Zeit einfach präsenter bei uns im Kopf.

Aber alle mit einer Botschaft. Also auch gerade, wenn sie laut spielen, wie du so schön sagst, das Instrument, dann heißt es ja auch, ich will gerade gehört werden. Also ich gebe gerade hier Vollgas.

Hallo, da ist was. Und viele versuchen dann irgendwie den Ton auszustellen oder das andere Ohr sich bescheuern zu lassen mit anderer Musik, damit es erträglicher wird. Aber wir kennen es ja auch.

Das Instrument spielt lauter, spielt weiter. Und vor allen Dingen dieser Geigenspieler vielleicht, ist sehr, sehr ausdauernd. Denn er spielt immer weiter.

Und zwar so lange, bis du hinhörst und sagst oder sagen kannst, hey, okay, die Melodie bedeutet gerade das und das für mich. Oder deswegen bist du gerade so präsent in mir. Und deswegen versuche ich wirklich auch hinzuhören, wer gerade die erste Geige spielt und was da die Botschaft hinter ist.

[Nils Behrens] (19:30 - 20:18)
Ich finde es ganz interessant. Ich musste, als ich das gelesen hatte bei dir im Buch, an ein Device denken. Ich weiß gar nicht, ob es das noch gibt.

Ich glaube aber schon, es hieß Muse. Das ist ein Meditations-Headband. Das konnte man sich auf die Stirn legen.

Es hat die Pulsfrequenz gemessen. Dann gab es eine Übung, wo man afrikanische Buschtrommeln gehört hat. In dem Augenblick, wo du dich angefangen hast, so richtig zu entspannen und deinen Geist, die Wolken weiterziehen zu lassen, wurden diese Trommeln immer langsamer und immer leiser.

Das fand ich einen tollen Effekt, dass du es schaffen konntest, im wahrsten Sinne des Wortes die Musik leiser zu machen. Das ist auch die Botschaft, die du in deinem Buch hast. Man kann ja lernen, die Lautstärke dieser Stimmen zu regulieren.

[Dr. Biyon Kattilathu] (20:18 - 21:15)
Ja, die Lautstärke zu regulieren und vor allem auch zu verstehen, was da oben eigentlich passiert. Ich bin ja auch ein pragmatischer Typ. Wir beide sind ja Wirtschaftsingenieure.

Ich bin auch ein Fan davon, Techniken zu erlernen. Wie z.B. die Technik der Akzeptanz. Dass man sagt, ich kann nicht akzeptieren, dass ich krank bin, aber ich kann akzeptieren, wenn jetzt hier diese Flasche gerade runterfällt, ich kann relativ schnell das Intervall zwischen das passiert und ich akzeptiere es, ich kann es verkürzen.

Und mit so kleinen Dingen trainiere ich es halt eben. Und genau das Gleiche kann man bei den positiven Gedanken. Ohne jetzt immer sagen zu wollen, hey, du musst jetzt alles positiv sehen.

Darum geht es ja auch gar nicht, das wissen wir ja auch. Es geht einfach vielmehr darum, Kontrolle auch zu haben über die eigenen Gedanken, das zu verstehen, was da oben passiert. Und natürlich soll das dazu führen, dass du einfach ein bisschen glücklicher, ein bisschen entspannter und mit mehr Leichtigkeit durchs Leben gehst.

[Nils Behrens] (21:16 - 21:24)
Ja, total schön. Hast du denn selbst einen Satz, den du nutzt, wenn, du hast es ja schon angesprochen, der innere Kritiker einfach zu laut wird?

[Dr. Biyon Kattilathu] (21:26 - 22:36)
Einen Satz, so vielleicht. Also ich bin ein Fan, den hast du auch schon gerade erwähnt, den Satz, und zwar, wenn jemand mich fragt, was ist denn dein Lieblingszitat oder dein Lieblingssatz, den du dir immer wieder sagst, dann ist es wirklich manchmal gewinne ich, manchmal lerne ich. Also ich bin ein großer Fan davon, jedes Mal wirklich mich zu fragen, was habe ich gelernt?

Und das ist echt etwas, das ist im Fleisch und Blut übergegangen. Also klar, man darf mal emotional sein, kurz, diese Primäremotion vielleicht mal zu fühlen, wütend sein, sauer sein oder mal irgendwie frustriert, traurig. Aber dann relativ schnell in den Zustand zu kommen, warte mal, was war denn jetzt die Lektion des Ganzen?

Und das finde ich super spannend, weil ich finde immer so, hey, in allen Sachen steckt eine Lektion, mindestens eine Lektion. Genau, genau. Man sagt ja auch, das Leben wird vorwärts gelebt, rückwärts verstanden.

Das geht vielleicht auch Hand in Hand mit dem Satz. Und das kombiniert dann einfach mal so, okay, alles klar, weiter geht's. Das soll mir auch jetzt nicht irgendwie so Hoffnung geben oder so.

Also es ist jetzt nicht irgendwie ein Schönreden von Situation, sondern wirklich so ein Moment, dann nochmal einfach eine Bedeutung zu geben. Darum geht es eigentlich.

[Nils Behrens] (22:38 - 23:13)
Finde ich total gut, finde ich total gut. Das ist ja eigentlich wie mein Everything-Happens-for-a-Reason-Satz. Also dieses, ja, einfach so sagen, am Ende wird es hoffentlich einen Sinn gemacht haben.

Was würdest du sagen, ich meine, das ist ja etwas, was wir in der Gesundheit insgesamt sehen, dass ein Umfeld eine sehr große Rolle spielt. Das heißt, wenn du jetzt irgendwie fünf Freunde hast, die Raucher sind, wahrscheinlich, dass du auch rauchst. Wenn die alle mega sportlich sind, ist die Wahrscheinlichkeit, dass du dich auch für Sport mehr begeistert, ist auch groß da.

Was würdest du sagen, im Hinblick jetzt auf unsere Gedanken, die wir täglich haben, würdest du da auch behaupten, dass das Umfeld eine entscheidende Rolle spielt?

[Dr. Biyon Kattilathu] (23:15 - 25:05)
Ja, schon, auf jeden Fall. Also das Umfeld ist ja vielschichtig. Also kann ja familiär sein, kann ja auch irgendwie Arbeitsumfeld sein, kann ja auch irgendwie dann die Freunde sein, die man wählt.

Aber es sind natürlich auch die Menschen, mit denen man am meisten Zeit verbringt. Und das ist, glaube ich, schon ein immenser Einfluss von diesen Menschen, der da so auf uns wirkt, weil wir ja immer auch auf Bekanntes zurückgreifen. Also heute zum Beispiel werde ich ja nicht jetzt irgendwie mich für jeden Gedanken neu bewusst entscheiden, sondern du hast ja wie so eine Art Vokabelheft, wo da Gedanken drinstehen, auf die du dich immer wieder beziehst.

Wahrscheinlich werden wir heute 80 Prozent der Gedanken haben, die wir gestern schon hatten und morgen 80, die wir heute hatten. Wenn wir das Vokabelheft eben nicht neu so ein bisschen editieren oder kleine Veränderungen vornehmen. Und diese Gedanken kommen ja von Papa, von Mama, vom Lehrer, vom Onkel, aber auch von Freunden natürlich.

Und das ist dann irgendwann so der Gedanke, der da eingetragen wurde, oft genug gedacht wurde, also auch neuronal gesehen quasi so die beste Verbindung bei einer Situation, die entsteht, die wir da nutzen. Und da finde ich halt das Schöne, man kann das immer wieder ein Leben lang editieren. Aber natürlich, wenn du dich umgibst, wie du schon sagst, mit 5, 6, 7 Leuten, die irgendwie ständig einen runterziehen oder die dann lästern, dann du merkst es fast gar nicht und bist dann mittendrin plötzlich und lässt das dann mit oder so.

Deswegen ist schon ein immenser, immenser Einfluss im Prinzip, den man da ausgesetzt ist. Das Wichtigste, und das hast du ja auch gesagt gerade, ist ja einfach, sich bewusst zu werden, was da gerade passiert. Also nicht einfach zu sagen, ja, ich denke halt gerade so, sondern hey, warte mal, vielleicht liegt es ja auch daran, dass ich da irgendwie immer ständig die Sprache desjenigen nutze.

Oder komisch, irgendwie fange ich an, mich nach so einem Treffen irgendwie energieloser zu fühlen. Also dieses Bewusstsein zu entwickeln, was passiert denn gerade hier um mich? Ich glaube, das ist der wichtigste Schritt, um dann auch eben Konsequenzen oder zumindest Entscheidungen zu treffen.

[Nils Behrens] (25:06 - 25:26)
Ja, du total. Was ich so spannend fand in deinem Buch, ist ja das, ich sage jetzt mal Überschrift, Gedanken werden Gefühle. Und du beschreibst ja so diesen Weg, dass von Gedanken werden es eben halt Gefühle und dann bis hin zu unseren Handlungen, die es eben halt auch beeinflusst.

Wo können Menschen denn diesen Kreislauf vielleicht auch mal konkret unterbrechen?

[Dr. Biyon Kattilathu] (25:28 - 27:01)
Im Prinzip ist ja jedes, jedes Stage, also jeder Schritt im Prinzip da eine Möglichkeit zu Bewusstsein, zu mehr Bewusstsein. Also man kann sich mal anschauen, wenn man gar nicht von sich sprechen möchte, wie handeln die Menschen in meinem Leben? So, da ist jetzt zum Beispiel der Bruder, die Schwester, der handelt so.

Alles klar? Das heißt, er fühlt sich so, um so zu handeln. Und dann heißt das im ersten Schritt, er denkt wahrscheinlich so, um sich so zu fühlen.

Das heißt also, eigentlich bietet jede, jede, jedes Stage, also jeder Schritt eine Möglichkeit zur Reflexion und zur Veränderung. Der erste Schritt, wie du ja auch schon gesagt hast, ist natürlich der Gedanke. Und da einfach mal sich zu sagen, okay, ich probiere es mal.

Mal schauen, was jetzt ein anderer Gedanke ausmacht. Morgens, ganz praktisch, sich zu fragen, warte mal, jetzt normalerweise würde ich das Handy greifen, irgendwelche Nachrichten lesen. Oder ich würde jetzt irgendwie mir vorstellen, worauf ich keine Lust habe heute.

Oder das Radio im Auto anmachen. Ich werde es mal heute verändern. Ich werde heute mal aufstehen und mich mal zwingen, mir mal drei Sachen aufzuschreiben, auf die ich mich heute freue.

Oder zumindest mir mal zu denken, während ich mir die Zähne putze. Und dann mal zu fühlen, mach das was mit mir. Wenn ich ins Auto steige, ich werde heute mal nicht das Radio hören, ich werde mal einen Podcast hören, vom Nils.

So, mach das was mit der Fahrt und mit mir während der Fahrt und steige ich vielleicht ein bisschen positiver aus. Also kleine Entscheidungen, kleine neue Gedanken, die man wählt. Und dann mal schauen und sich dann selbst zu sagen, hey, das lief schon so gut, warum nicht öfter, warum nicht noch an anderen Stellen?

[Nils Behrens] (27:02 - 27:37)
Ja, total schön. Ich hatte diese eine Folge mal aufgenommen zum Thema radikale Freundlichkeit mit Lora Blume und die hat dann wirklich so die ganzen Studien mal erzählt, was das mit einem persönlich macht, wenn du freundlich zu anderen Menschen bist. Also nicht, was quasi der Empfänger der Freundlichkeit davon bekommt, sondern was man selbst davon hat.

Und ich finde, es ist genau das so ein bisschen, was du beschreibst, dass, wenn ich jetzt einfach positiv in den Tag starte und wenn ich dann diese positive Energie einfach mal dann auch bereit bin, weiterzugeben, dass ich auch merke, dass ich die dann auch lange aufrechterhalten kann. Und das finde ich, ist total schön.

[Dr. Biyon Kattilathu] (27:38 - 28:31)
Ja, toll. Also, freundlich zu anderen Menschen zu sein, das ist immer das, was ich immer sage, wenn Leute irgendwie mich fragen, hey, hast du noch mal so einen Tipp? Dann sage ich immer, sei freundlich zu dir und zu anderen.

Das ist doch irgendwie das Beste. Wir sind doch alle eins. Wir sind alle verbunden.

Wir sind eine große Menschenfamilie, weißt du, und ich denke mir so, hey, und in dem Moment, und das ist auch das Schöne, was du auch gesagt hast, es klingt zwar wie ein Zitat oder wie so ein Kalenderspruch, Glück verdoppelt sich, wenn man es teilt, aber es ist ja nun mal so. Wenn ich dir was Gutes tue, dann geht es mir auch besser. Und vor allen Dingen, wenn ich anderen was Gutes tue, sorge ich dafür, dass es ja den Leuten, mit denen sie interagieren anschließend, auch besser geht.

Das heißt, es hat ja einen globalen Effekt. Ja, wenn ich die Bäckerin irgendwie, wenn ich ihr ein Kompliment mache, dann weiß ich, dieses Lächeln überträgt sich auf den nächsten Kunden, also nicht nur auf mich. Und das finde ich immer so eine schöne Vorstellung, dass das einfach weiter wandert und alle allesamt glücklicher macht.

[Nils Behrens] (28:33 - 28:48)
Ich finde es auch total, total schön. Lassen wir uns mal auf das Thema Stress eingehen. Ich meine, das ist ja wirklich eines der großen Themen heutzutage.

Wenn jemand wirklich sich dauergestresst fühlt oder es vielleicht auch in Wirklichkeit ist, sollte er zuerst seine Gedanken verändern oder sein Verhalten? Was würdest du sagen?

[Dr. Biyon Kattilathu] (28:50 - 30:03)
Ja, also ich glaube, das Verhalten würde ich nie, es kann hilfreich sein, aber Verhalten ist oftmals mit Willenskraft verknüpft. Das heißt also, Thema Neujahrsvorsätze, also ich darf nicht rauchen, ich darf nicht rauchen, ich darf nicht rauchen. Die meisten Vorsätze, ich glaube, letztens eine Statistik gelesen, 85 Prozent bis zur zweiten Januarwoche sind über Bord geworfen.

Warum? Weil Willenskraft ist endlich. Das heißt, das Verhalten verändern kann ein Anfang sein, aber du musst zumindest schnell in die Identitätsveränderung kommen.

Das heißt, dass du dich betrachtest als Nichtraucher oder als gesundheitsliebender Mensch. Weil wenn du diese Identität annimmst, dann folgt das Verhalten im Endeffekt. Und das ist das, was ich immer wieder sage, Verhaltensveränderung ist gut, kann auch ein Anfang sein oder kann dich quasi in die Bewegung bringen, aber um wirklich Momentum aufzubringen und vor allen Dingen auch dann diesen Weg nicht zu überstehen, weil darum geht es ja gar nicht, sondern zu genießen und vor allen Dingen zu genießen, wer du wirst auf diesem Weg.

Das geht nur, wenn du quasi in die Identität kommst. Und ja, das finde ich, glaube ich, ganz, ganz wichtig beim Thema der Gedanken.

[Nils Behrens] (30:04 - 31:07)
Finde ich auch, finde ich auch. Ich fände es ganz interessant, der Florian Langscheid, der hat sich über lange Zeit mit dem Thema Glück, was macht Menschen glücklich, auseinandergesetzt. Und da hat er dann unter anderem erzählt, dieses Beispiel, dass das größte Geschenk, also der größte Bringer von Glück ist Dankbarkeit.

Das hatten wir jetzt ja gerade schon erzählt. Und der größte Zerstörer von Glück ist Neid. Und da gehst du in deinem Buch auch nochmal so drauf ein, das Thema Vergleichen.

Er erzählt immer dieses schöne Beispiel, wenn du jetzt irgendwie einfach zu deinem Chef gerufen wirst und sagst, hey, ab dem nächsten Monat kriegst du 500 Euro mehr, guter Job, dann freust du dich. Dann bist du dankbar. Und dann entsteht diese Freude.

Und dann kommt eine halbe Stunde später deine Kollegin, mit der du auf gleichen Level ist oder vielleicht sogar ein bisschen faul oder keine Ahnung was. Und sie sagt, ach, ich freue mich so, ich habe gerade 1000 Euro Gehaltserhöhung bekommen. Und auf einmal ist die Dankbarkeit für die 500 weg.

Obwohl es sich an nichts geändert hat. Du warst ja vorher glücklich mit der ungeplanten Gehaltserhöhung und jetzt auf einmal ist alles ruiniert. Was glaubst du, warum vergleichen wir uns ständig, auch wenn es uns nicht gut tut?

[Dr. Biyon Kattilathu] (31:09 - 33:39)
Also ich glaube, dass das Vergleichen ja auch irgendwie uns sehr, sehr früh schon beigebracht wird. Also relativ schnell kommst du ja in eine Art Vergleich. Also schon zu Hause im Prinzip.

Wenn du vielleicht auch Geschwister hast oder so, dann ist oftmals ein subtiler Vergleich zumindest am Start. Es geht weiter im Kindergarten, wo man vielleicht auch vergleicht und sagt dann irgendwie, hey, schau mal, aber sie hat das irgendwie so und so gemacht und du nur so. Und dann natürlich weitergehend geht es auch.

In der Schule plötzlich gibt es Zahlen. Deine 2 ist jetzt irgendwie relativ schlecht, wenn alle eine 1 haben. Aber deine 2 ist ganz gut, wenn alle eine 3 oder eine 4 haben.

Das heißt also, plötzlich hast du irgendwie so einen Vergleichswert, einen anderen Referenzwert, über den du quasi deine eigene Leistung so ein bisschen besser verstehen willst. Plus gepaart mit einem Lob, also ein Zeichen von Liebe im Endeffekt, was du vielleicht für eine gute Leistung kriegst. Das heißt also, du kriegst die 2, vergleichst erstmal, was ist die Wert innerhalb des Konstrukts der Klasse, kommst nach Hause, dann sagt die Mama, hey, toll, eine 2, hier ein Lutscher.

Das heißt also, du hast zwei Sachen gelernt. Erstmal gucke ich mal, was andere machen, um mich zu verstehen. Zweitens, Leistung gegen Liebe.

Also ich zeige, ich habe nur 2, ich kriege was dafür. Also bleibe ich weiter in diesem Wettbewerb drin und vergleiche mich. Und da rauszukommen, ist natürlich schon eine Herausforderung.

Also gerade auch in der heutigen Zeit, alles sehr, sehr transparent. Auch Social Media führt dazu, dass viele Menschen und auch junge Leute direkt einen Vergleich haben, weltweit, sogar mittlerweile, wie so ein Leben aussehen könnte, wie ein Tag aussehen könnte, wie man selbst aussehen könnte. Und da wirklich von Vergleichen hinzukommen zum Punkt, wo man sagt, ja, ich schaue, aber lass mich inspirieren.

Das ist, glaube ich, ein ganz, ganz wichtiger Punkt. Also zum Beispiel, ich sitze jetzt hier vor so Kacheln. Du hast am Anfang gesagt, hier, bist im Hammam.

Nee, das Hotelzimmer ist einfach so gestaltet. Und ich könnte jetzt sagen, guck mal, beim Nils, das sieht so toll aus. Der ist so super beleuchtet und hinten.

Und ich könnte mich jetzt ärgern, wenn ich jetzt vergleiche und sage, Mann, bei dem sieht das richtig gut aus. Aber ich gehe jetzt mal dahin und sage, hey, toll, sieht gut aus. Vielleicht für meinen eigenen Podcast oder irgendwie mal werde ich mir auch mal so ein Setting einrichten.

Oder ich frage dich später noch mal, hey, was ist denn das für ein Licht oder für ein Mikro? Bin gespannt, was du sagen wirst. Und das ist ein großer Unterschied.

Also dir die Wertschätzung zu geben, das sieht ganz, ganz toll aus. Und nicht zu sagen, hey, Hammam versus tolles Setting, sondern einfach reinzugehen, hey, du inspirierst mich.

[Nils Behrens] (33:40 - 35:00)
Voll, voll. Finde ich einen so guten und richtigen Ansatz einfach sozusagen, dass man einfach wirklich guckt, nicht Gott, das hätte ich auch gern oder ich bin neidisch dann in dem Sinne, sondern dass du tatsächlich dann einfach mal sagst, ach cool, denke ich mal drüber nach. Ich habe das ganz häufig, ehrlich gesagt, dass ich sehe, dass ich irgendwelche Leute, gerade hier in Berlin, hast du sehr häufig Menschen, von denen ich immer sage, cooles Outfit könnte ich jetzt für mich mir nicht vorstellen.

Und damit meine ich gar keine Negativwertungen, weil ich einfach nicht der Typ dafür bin. Aber ich finde, du hast hier einfach ganz viele Menschen, die, ich sage jetzt mal einfach, das Haus nicht einfach nur verlassen haben mit Kleidung, um nicht nackt zu sein, sondern die sich Gedanken gemacht haben. Und wenn du das dann irgendwie auch so in irgendeiner Form dann mal wertschätzt und sagst, und das finde ich ist in der heutigen ganzen Vogue-Diskussion so ein bisschen auch, man darf einer Frau kein Kompliment mehr machen, um sie nicht auf ihre Kleidung zu reduzieren.

Aber ich finde trotz allem, wenn ich, ich habe das so häufig, dass ich dann jemanden sehe und einfach Männer wie Frauen und einfach sehe, sage, so Mensch, diese Farbe steht dir richtig gut oder das sieht richtig toll aus. Und ich finde, indem wir uns nicht gerade beim Mann-Frau-Verhältnis nicht irgendwie anfangen, anzüglich so zu, rüberzubringen so, dann freut man sich doch hoffentlich auch darüber, weil, wie gesagt, die meisten Menschen machen sich ja Gedanken darüber, wie sie das Haus verlassen. Und da dann auch eine positive Rückmeldung zu bekommen, finde ich dann auch okay.

[Dr. Biyon Kattilathu] (35:01 - 36:25)
Ja, genau. Und dann sind wir wieder beim Punkt, wo du sagst, anderen Menschen ein Kompliment, eine Freude machen, macht dich auch glücklich. Also da treffen sich diese beiden Welten vielleicht auch, zwischen anderen einfach mal Wertschätzung zu geben, auch bedingungslos vor allem.

Wobei natürlich viele Menschen auch dann irgendwie schlecht mit Lob umgehen können. Wenn wir sagen so, ja, ist so normal. Das muss auch gelernt sein, das annehmen zu können auf der einen Seite und wirklich in diese Inspiration reinzugehen.

Wirklich mal zu schauen, was kann ich lernen von anderen? Was kann ich vielleicht irgendwie mitnehmen? Und viele Menschen sind ja auch viel, viel gesprächsbereiter, als man denkt.

Also wenn du mal zu Leuten hingehst und sagst, hey, weißt du was, das hier finde ich richtig cool. Oder wie hast du das gemacht? Oder wie hast du angefangen?

Die sind total gesprächsbereiter. Also das denkt man gar nicht, aber einfach mal auf Menschen zuzugehen, ist eine tolle Eigenschaft. Und wenn du merkst, dieser Vergleich, der ist aber immer da, irgendwie vergleiche ich mich ständig, dann sich mal zu fragen, ist ja auch ein Zeichen, was ist denn in mir eigentlich gerade?

Dieses Gefühl, was denke ich denn von mir? Ist da vielleicht so dieses kleine Kind in mir, das irgendwie sich nicht als genug betrachtet oder als nicht liebenswert sieht? Das ist ja auch ein toller Hinweis im Endeffekt, mal nach innen zu schauen.

Und das finde ich halt sehr, sehr wichtig und auch als Riesenzeichen dafür, sich nicht nur zu fragen, wie kann ich aufhören zu vergleichen, sondern warum vergleiche ich überhaupt?

[Nils Behrens] (36:26 - 36:43)
Ja, verstehe voll, was du meinst. Und ich finde, ich habe da eine ganz gute Überleitung zu einem Punkt, der mir sehr gut in deinem Buch gefallen hat. Du sprichst über Rollen und Masken.

Und woran merken wir denn im Alltag, sage ich mal so was, dass wir eine Rolle spielen, die vielleicht auch gar nicht zu uns passt?

[Dr. Biyon Kattilathu] (36:43 - 38:13)
Ja, also unsere innere Stimme oder auch das Herz, das zu uns spricht, das macht uns schon relativ schnell aufmerksam auf gewisse Dinge. Also zum Beispiel, wenn wir mit uns selbst diskutieren. Wir haben ja ständig diesen Monolog, den wir führen.

Das sind ja unsere Gedanken. Es fängt ja in kleinen Situationen an. Du bist irgendwie in einem Umfeld, wo du dich nicht wohlfühlst.

Und dann kommt sofort irgendwie dieses Gefühl von, ich weiß nicht, ich bin froh, wenn das vorbei ist hier. Oder du gehst irgendwie ins Café und spielst die Rolle eines Gastes. Ja, also auch da.

Du passt dich irgendwo an. Du merkst plötzlich, oh, irgendwie andere Körperhaltung. Ja, plötzlich irgendwie steifere Körperhaltung und weiß nicht was.

Oder du bist mit Menschen, wo du eine flache Atmung hast, wo du plötzlich merkst, ich fühle mich nicht ganz. Also die Zeichen sind eigentlich immer da im Endeffekt. Und dafür ist auch wichtig, sich selbst einfach zu kennen.

Also zu fragen, was sind denn deine größten Werte zum Beispiel? Und lebst du sie? Ja, also wenn ich einen Riesenwert habe, der lautet irgendwie Vertrauen oder Freiheit oder was auch immer, und ich kann den nicht leben in meinem Umfeld, dann merke ich, um hier zu sein, muss ich ja quasi eine Maske tragen, um diesen Menschen gerecht zu werden.

Und dann werde ich diesen Menschen gerecht, werde mir selbst wieder nicht gerecht. Dafür ist einfach auch wirklich sich zu kennen. Ja, also ich weiß nicht, wie es bei dir ist.

Bei mir ist es zum Beispiel Freiheit, der Wert, der ganz oben steht. Und immer wenn ich merke, ich kann den nicht leben, dann kommt es einfach dazu, dass ich eben eine Maske aufsetzen muss. Und das ist natürlich wiederum ein super Hinweis dafür, dass ich sie wieder absetzen darf.

[Nils Behrens] (38:14 - 38:40)
Ja, total, total, dass man sich irgendwie so ein bisschen auch verbiegen muss. Oder auch, ich finde das Schlimmste ist auch tatsächlich, wenn du dann teilweise Dinge machen musst, von denen du selbst nicht überzeugt bist. Das ist auch wirklich etwas, was wirklich schwierig ist.

Ich habe mal eine vorletzte Frage, die ich mir aufgeschrieben habe. Und ich habe das Gefühl, du hast sie schon beantwortet, aber ich bin mal gespannt. Welche Gewohnheit hat aus deiner Sicht den größten positiven Einfluss auf die mentale Gesundheit und kostet dabei keinen einzigen Euro?

[Dr. Biyon Kattilathu] (38:42 - 38:43)
Welche Gewohnheit?

[Nils Behrens] (38:44 - 38:47)
Ja, welche Gewohnheit hat aus deiner Sicht den größten positiven Einfluss?

[Dr. Biyon Kattilathu] (38:48 - 39:57)
Ja, also ich glaube, Dankbarkeit zu praktizieren. Das ist für mich, glaube ich, die größte Gewohnheit, die man sich aneignen kann für die mentale Gesundheit. Und das, glaube ich, ist auch super, super praktikabel, finde ich.

Also zum Beispiel, man kann auch einfach, um es zu einer Gewohnheit zu machen, sich so einen Wecker stellen. Die meisten haben ja auch ein iPhone oder ein Smartphone, wo man sich den Wecker stellen kann und den Wecker kann man ja umbenennen. Man könnte zum Beispiel diesen Wecker nennen, ich bin dankbar für Punkt, Punkt, Punkt.

Und dann einfach so eine random Zeit eingeben, 16.22 Uhr oder sowas. Und dann klingelt immer dieser Wecker um 16.22 Uhr und da steht auf deinem Handy plötzlich drauf, ich bin dankbar für. Und dann bist du mitten in Gedanken oder mitten in der Situation und denkst dir so, dass ich hier sein darf, dass ich gerade was hier essen darf, für diesen Menschen, den ich gerade vor mir habe.

Und das sind so kleine, kleine Nudges, wie man sagt. Ja, so diese kleinen Dinger, die dich anstupsen so ein bisschen im Alltag. Genauso wie die wichtigsten Phasen, finde ich, also morgens nach dem Aufstehen sowie abends kurz vorm Schlafen gehen, wo man Dankbarkeit praktizieren kann.

Und das allein ist schon ein Game Changer.

[Nils Behrens] (39:59 - 40:37)
Ja, finde ich auch. Also Dankbarkeit auch wirklich so richtig zuzulassen. Und dass man einfach wirklich so, gerade wenn man so einen schönen Moment hat, so wie du deinen Moment am Anfang in deinem Kirschbaum liegend und du einfach sagst, Mensch, die Sonne scheint, die Tiere sind da, du bist glücklich.

Und einfach so dankbar für diesen Moment zu sein. Ich finde, das ist eines der, wenn man dann auch nochmal explizit diesen Gedanken in diesem Augenblick hat, ich bin jetzt richtig dankbar, ich fühle mich richtig dankbar, dann merkt man, wie man das mit so einer unglaublichen Energie nochmal zusätzlich erfüllt, die man auch vorher schon schön war. Aber ich finde, wenn du dieses wirklich auch für dich so im Kopf nochmal so aussprichst, dass du dafür wirklich dankbar bist, dann durchflutet das einen wirklich mit einer wirklichen positiven Energie.

[Dr. Biyon Kattilathu] (40:38 - 41:51)
Voll. Und diesen Kirschbaumoment, den du erwähnt hast nochmal, den Kirschbaumoment kann man ja eigentlich überall praktizieren. Also ich kann ja jetzt auch die Gedanken, die Augen schließen und einfach mal an diesem Ort sein und sagen, ach, guck mal da, die Hühner sind gerettet und die Hunde, der eine ist wieder gesund.

Also es ist immer überall möglich und in jedem Moment steckt ja auch Dankbarkeit. Also wirklich in jedem Moment. Also jetzt gerade, ich bin dankbar, dass wir hier dieses Gespräch führen dürfen, dass wir diesen schönen Talk haben, dass ich was lerne von dir, dass du mich fragst und ich auch nochmal grübeln darf und nachdenken darf und dann sage, was ich fühle.

In jedem Moment. Hier steht ein Wasser neben mir. Also ich könnte jetzt ohne Ende weiter aufzählen und ich finde halt, das ist auch eine tolle Eigenschaft, die man sich so ein bisschen aneignen kann, einfach in jeder Situation bewusst wahrzunehmen, für was kann ich denn gerade hier dankbar sein.

Ist ja wie so ein Spiel eigentlich im Endeffekt. Schau dich mal um. Die Klamotten?

Selbstverständlich nee. Das Dach? Selbstverständlich nee.

Das Wasser, wie gesagt. Und ich glaube, wenn man das so ein bisschen auch zu so einer Eigenschaft macht von sich, dann geht man schon ganz anders durchs Leben.

[Nils Behrens] (41:52 - 42:15)
Ich fand das ganz interessant, auch in deiner Podcast-Folge von heute, Schokolade für die Seele, da hast du auch nochmal so drüber gesagt, was ist denn der Worst Case? Und ich finde, das ist so ganz interessant, weil wenn du dir mal überlegst, was wäre denn der Worst Case, wenn wir in einem anderen Land leben würden? Und gerade mit deinen indischen Wurzeln, also ich meine, wenn du da einfach in eine andere Kastke geboren wurdest sozusagen, da ist der Worst Case mal ein ganz anderer, als der, der jemals in Deutschland existieren kann.

[Dr. Biyon Kattilathu] (42:15 - 43:04)
Absolut, absolut. Das sage ich auch jedes Mal, Nils. Wenn Leute mich fragen, wie machst du dies, wie hast du das gemacht?

Ich sage, hey Leute, danke schön fürs Kompliment, aber der Dank gebührt ja meiner Mama. Oder meinen Eltern. Aber meine Mama mit 17 Jahren aus Indien nach Deutschland, das ist was anderes.

Also die hat ja Unglaubliches kreiert. Die ist aus ihrem vertrauten Umfeld ins kalte Deutschland damals, mit einem Sari im Winter. Ich bin hier geboren, habe hier so viele Möglichkeiten schon gehabt bereits.

Und das ist dann schon, wie du schon sagst, der Worst Case in anderen Situationen wäre ein ganz anderer. Und das sollte auch Mut geben, sich den Gefühlen zustellen, den Gefühlen zuzuhören und vielleicht mal einfach den ersten Schritt zu machen, den man schon vielleicht oftmals sehr, sehr lange im Kopf hatte und im Herzen trug.

[Nils Behrens] (43:06 - 43:34)
Ein wunderbarer Schlusssatz. Ich möchte wirklich an dieser Stelle nochmal ganz herzlich dein Buch empfehlen. Der Positive-Gedanken-Trick.

Einfach glücklich ohne Angst und Grübeln. Und ich würde mal sagen, wir haben nur einen Bruchteil von dem eigentlich jetzt hier sozusagen touchiert, von dem, was in dem Buch alles drin ist. Und gerade durch die ganzen Geschichten und Beispiele wird es einfach auch nochmal sehr, sehr anfassbar und sehr, sehr greifbar.

Und von daher, mehr positive Gedanken wollen wir doch eigentlich alle haben. Und deswegen sage ich vielen Dank für das Gespräch.

[Dr. Biyon Kattilathu] (43:35 - 43:37)
Vielen, vielen Dank, Nils. Dankeschön.

[Nils Behrens] (43:40 - 43:44)
Sag mal, nimmst du eigentlich Supplements? Und wenn ja, hast du ein Lieblingssupplement?

[Dr. Biyon Kattilathu] (43:45 - 44:31)
Ja, also ich nehme ein paar Supplements. Also ich schaue hier so schon über die Kamera hinüber, weil da hinten stehen sie nämlich. Das sind so ein paar Sachen, die ich einfach als wichtig erachte, wie zum Beispiel Calcium oder Vitamin C.

Mein Körper braucht ein bisschen mehr Vitamin D. Das hat auch natürlich genetische Gründe. Ich weiß nicht, ob man es als Supplement bezeichnen kann, aber Schwarzkümmelöl trinke ich jeden Morgen.

Und es gibt Leute, die genau beschreiben können, warum es gut ist. Es hat viele, viele Vorteile. Man sagt auch, es hilft gegen alles, außer gegen den Tod.

Und das fand ich mal ein sehr, sehr gutes Argument, um mal damit anzufangen. Und es hilft mir auch aktuell oder jetzt gerade auch in letzter Zeit extrem gegen meine Pollenallergie.

[Nils Behrens] (44:31 - 45:46)
Ja, ich wollte es gerade sagen. Also ich habe tatsächlich, ich habe toi toi toi keine richtige Allergie, aber ich habe irgendwann immer zu einer bestimmten Zeit, wenn irgendwas blüht, habe ich immer so einen Halskratzen. Und wenn ich dann anfange, mich zu räuspern, dann geht es in so eine Kaskade hoch, dass ich mich zu Tode räuspern könnte.

Und ich habe das wirklich jetzt so. In der Zeit nehme ich dann immer das Schwarzkümmelöl und ich kriege das dadurch in den Griff. Also das ist ganz interessant.

Von daher bei mir ist es tatsächlich, ich nehme es nicht das ganze Jahr, weil ich finde tatsächlich, ich meine, man gewöhnt sich wahrscheinlich irgendwann dran, aber es gibt ja diese Momente, wo man so ein bisschen aufstößt und dann hat man diesen sehr typischen Geschmack dann auf einmal, der dann da wieder so hochkommt. Den finde ich so, das ist jetzt nichts, was ich das ganze Jahr brauche. Aber in der Pollenzeit, mega.

Finde ich total gut. Ach schön. Dann nochmal.

Vielen Dank. Danke dir, Nils. Vielen Dank.

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