Die beste Ernährung für schmerzfreie Gelenke.Die beste Ernährung für schmerzfreie Gelenke.

Gesunde Gelenke durch Ernährung – mit Dr. Meike Diessner: Was wirklich hilft bei Arthrose & Rheuma

Gelenkschmerzen gehören zu den häufigsten Volksleiden – ob durch Arthrose, Rheuma oder Überlastung. Doch anstatt nur die Symptome zu behandeln, lohnt sich ein Blick auf die Ursachen. Laut Dr. Meike Diessner, Fachärztin für physikalische und rehabilitative Medizin, liegt ein Schlüssel zur Linderung in der Ernährung. In ihrem Ansatz kombiniert sie Schulmedizin mit Ernährungsmedizin und Naturheilkunde, um Entzündungen an der Wurzel zu bekämpfen und Gelenkoperationen langfristig überflüssig zu machen.

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Ernährung als Schlüssel für gesunde Gelenke

Was wir essen, beeinflusst die Entzündungsprozesse im Körper direkt. Industriell verarbeitete Lebensmittel, Zucker, Schweinefleisch und Transfette wirken wie Brandbeschleuniger im Gelenk. Sie fördern Mikroentzündungen, die langfristig zu Arthrose oder Rheuma führen können.

Stattdessen gilt:

  • Pflanzenbasierte Ernährung senkt den Säuregehalt im Gewebe und versorgt den Körper mit Mikronährstoffen, die den Knorpel schützen.
  • Basische Lebensmittel wie Obst, Gemüse und Kartoffeln helfen, den pH-Wert im Gleichgewicht zu halten.
  • Gesunde Fette aus Leinöl, Walnussöl oder Algenöl liefern entzündungshemmende Omega-3-Fettsäuren.

Besonders schädlich für Gelenke sind Arachidonsäure (aus Fleisch) und Zucker, die beide Entzündungsprozesse aktivieren. Wer sie reduziert, spürt oft schon nach wenigen Wochen eine Verbesserung.

Milchprodukte & pflanzliche Alternativen

Kuhmilch ist nicht per se „schlecht“, doch mit zunehmendem Alter wird sie schwerer verdaulich. Rückstände von Antibiotika und Steroiden sowie eine hohe Wachstumsfaktorbelastung können Entzündungen verstärken. Dr. Diessner empfiehlt daher:

  • Pflanzendrinks ohne Zusatzstoffe wie Hafer-, Mandel- oder Sojadrinks als Ersatz (allerdings auf Inhaltsstoffe achten)
  • 80:20-Prinzip: In 80 % der Fälle clean essen, in 20 % genießen – Ernährung soll alltagstauglich bleiben.

So bleibt die Gelenkernährung stressfrei und praktikabel.

Darmgesundheit und Mikrobiom

Ein zentrales Thema ist das Mikrobiom – die Gesamtheit der Darmbakterien. Studien zeigen, dass Dysbalancen im Darm Entzündungen im ganzen Körper fördern können.

  • Ballaststoffe aus Vollkorn, Hülsenfrüchten und Gemüse nähren gute Darmbakterien.
  • Probiotika können das Mikrobiom gezielt unterstützen.
  • Verzicht auf ketogene Diäten, da fehlende Ballaststoffe das Risiko für ein „Leaky Gut“-Syndrom erhöhen.

Eine gesunde Darmflora wirkt wie ein Schutzschild gegen Entzündungen – auch in den Gelenken.

Fasten als Gelenk-Therapie

Fasten hilft, den Körper zu „resetten“.

  • Intervallfasten (16:8) ist alltagstauglich und unterstützt die Zellregeneration.
  • Heilfasten kann bei starken Entzündungen kurzfristig helfen – ist aber nicht für jeden möglich und sollte aber ärztlich begleitet werden.

Beide Methoden reduzieren Entzündungen, fördern Autophagie (Zellreinigung) und verbessern das Energiegleichgewicht im Körper.

Bewegung – Nahrung für den Knorpel

„Bewegung ist das Lebenselixier der Gelenke.“ Der Knorpel wird nicht durchblutet, sondern durch Bewegung mit Nährstoffen versorgt.

  • Regelmäßige Aktivität hält die Gelenkschmiere in Fluss.
  • Physiotherapie oder leichtes Krafttraining helfen, die Muskulatur aufzubauen und zu stabilisieren.
  • Ruhigstellung sollte nur kurzfristig erfolgen – sonst „verhungert“ der Knorpel.

Bewegung ist also nicht kontraproduktiv, sondern Voraussetzung für Heilung.

Praktische Ernährungstipps für den Alltag

  • Meal-Prep & Planung: Vorkochen spart Zeit – Suppen, Eintöpfe und Gemüsepfannen lassen sich leicht portionieren.
  • Kräuter & Gewürze: Petersilie, Basilikum, Rosmarin oder Gewürznelken enthalten sekundäre Pflanzenstoffe, die entzündungshemmend wirken.
  • Flüssigkeitszufuhr: 1,5–2 Liter stilles Wasser oder Kräutertee täglich – ideal für ein basisches Milieu.
  • Komplexe Kohlenhydrate: Vollkornprodukte, Hülsenfrüchte und abgekühlte Kartoffeln (resistente Stärke) stabilisieren den Blutzucker.

Take Aways  

  • Entzündungshemmende Ernährung = Gelenkschutz von innen.
  • Pflanzlich-basisch essen und Zucker sowie (Schweine-) Fleisch reduzieren.
  • Darmgesundheit stärkt Gelenke – Ballaststoffe und Probiotika integrieren.
  • Bewegung hält Knorpel lebendig und nährt das Gelenk.
  • Fastenphasen fördern Regeneration und senken Entzündungen.

Mehr erfahren im healthwise Podcast von sunday natural

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Dr. med. Meike Diessner ist Fachärztin für Orthopädie und Unfallchirurgie mit Spezialisierung auf Sport- und Regenerationsmedizin. In ihrer Praxis in Bochum verfolgt sie einen integrativen Ansatz, bei dem konservative Therapien und Lebensstil­optimierung im Vordergrund stehen – Operationen gelten bei ihr erst als letzter Ausweg.

Ihr Ansatz fokussiert darauf, die Gesundheit von Gelenken, Muskeln und Knochen durch gezielte Ernährung, Bewegung und Mikronährstoff­tipps zu verbessern. Dabei propagiert sie keine Diät mit Verzicht, sondern eine nachhaltige Ernährungsumstellung – etwa nach ihrem „Clean-Eating“ Konzept – gepaart mit realistischen Regeln wie einem 80-20-Prinzip. Schmerzen, Gelenk­verschleiß oder Mobilitäts­einschränkungen sieht sie nicht als unausweichlich, sondern als Aufgabe, selbst aktiv gegenzusteuern.

Meike Diessner versteht Gesundheit ganzheitlich: Leistungsfähigkeit und Lebensqualität entstehen nicht nur durch Medikamente oder Spritzen, sondern durch Alltags­management, vorausschauendes Handeln und informierte Entscheidungen.

Mehr zu Dr. Meike Diessner: https://docdiessner.de/docdiessner/

020 Die beste Ernährung für schmerzfreie Gelenke. Mit Dr. Meike Diessner

[Dr. Meike Diessner] (0:00 - 0:18)

Der Game Changer ist eine Ernährungsumstellung. Natürlich hilft uns das nicht akut aus der Klemme. Wenn jetzt jemand mit einem dicken Kniegelenk in die Praxis humpelnd kommt und keine 10 Meter mehr laufen kann, dann wird die Ernährungsumstellung in dem Moment nicht aus der Klemme helfen.


Aber es löst eben langfristig das Problem.


[Nils Behrens] (0:19 - 1:46)

Herzlich willkommen zu HEALTHWISE, dem Gesundheitspodcast präsentiert von Sunday Natural. Ich bin Nils Behrens und in diesem Podcast erkunden wir gemeinsam, was es bedeutet, gesund zu sein. Wir tauchen ein in Themen wie Medizin, Bewegung, Ernährung und emotionale Gesundheit.


Immer mit einem weisen Blick auf das, was uns wirklich guttut. 


Gelenkschmerzen sind ein weit verbreitetes Problem, das keiner gebrauchen kann und die Lebensqualität erheblich beeinträchtigt. Aber keine Sorge, es gibt Hoffnung.


Die richtige Ernährung kann ein Wunder wirken. Durch den Verzicht auf entzündungsfördernde Lebensmittel und die Integration von antientzündlichen Nahrungsmitteln lässt sich der Schmerzmittelbedarf oft deutlich reduzieren. Kombiniert das Ganze noch mit ein bisschen Bewegung und voilà, sind die Gelenke auch schon wieder happy und die Lebensqualität verbessert sich nachhaltig.


Klingt sehr einfach, oder? Ob das auch wirklich so ist, weiß mein heutiger Gast. Dr. Meike Diessner ist Fachärztin für physikalische und rehabilitative Medizin sowie Sport- und Ernährungsmedizinerin. Sie leitet die Praxis für integrative Orthopädie der ATOS Klinik in Bochum und ist spezialisiert auf konservative Orthopädie mit dem Ziel, Gelenkoperationen zu vermeiden. Ihr Behandlungskonzept integriert klassische Schulmedizin mit naturheilkundlichen und ernährungsmedizinischen Ansätzen. Dr. Diessner teilt ihr umfangreiches Fachwissen und ihre jahrelange Praxiserfahrung erfolgreich als Autorin, unter anderem in ihrem Buch, Die beste Ernährung für schmerzfreie Gelenke. Und deswegen sage ich herzlich willkommen, Dr. Meike Diessner.


[Dr. Meike Diessner] (1:47 - 1:49)

Hallo lieber Nils, herzlichen Dank für die Einladung.


[Nils Behrens] (1:50 - 2:13)

Liebe Meike, ich freue mich sehr. Wir haben ja an einer anderen Stelle schon mal ein Interview geführt. Und man muss ja wirklich sagen, du hast es ja wirklich geschafft.


Du bist ja mittlerweile eine der Gelenkexpertinnen in Deutschland geworden, dank deiner Veröffentlichung und auch der Erfolg deiner Bücher in der bisherigen Zeit. Und deswegen komme ich auch direkt zu meiner ersten Frage. Tust du an Sonntagen normalerweise auch etwas für deine Gelenke?


[Dr. Meike Diessner] (2:14 - 3:49)

Ja, an Sonntagen auch und auch an jedem anderen Tag. Und zwar starte ich meinen Tag immer mit einem großen Glas lauwarmem Wasser und presse mir da den Saft einer halben Zitrone hinein. Das tue ich, um letztendlich einer Übersäuerung meines Bewegungsapparates entgegenzuführen.


Wir wissen ja, dass unser Blut ein Puffersystem hat. Das heißt, Säureüberschüsse werden ja über das Blut abgepuffert. Allerdings gelingt das nicht in den Organen und auch im Muskelgewebe, zum Beispiel in den Gelenken, den Knochen.


Und insofern starte ich meinen Tag immer basisch, um ihn bestmöglich auf das, was an säurelastigen Nahrungsmitteln auf ihn zukommt, vorzubereiten. Und das ist so meine Morgenroutine. Setze mich dann in Ruhe hin, trinke dieses Glas, tief durchatmen.


Und letztendlich ist es so, dass viele Studien gezeigt haben, dass ein erhöhter Säuregehalt in den Gelenken ist bei Patienten, die unter einer Arthrose leiden. Und man hat dann im Umkehrschluss Probanden Säure in die Kniegelenke injiziert.


Und diese Probanden, die haben also deutlich mehr Schmerz verspürt als Patienten, denen keine Säure in die Gelenke injiziert wurde. Auf der anderen Seite gibt es eine groß angelegte Studie, die gezeigt hat, bei Patienten mit Kniegelenksarthrose, dass der Säuregehalt in deren Gelenkschmiere doppelt so hoch war, wie bei Patienten, die nicht betroffen sind. Und von daher starte ich meinen Tag mit einem basischen Getränk.


[Nils Behrens] (3:50 - 4:37)

Wie lustig, ich habe dieses Ritual mit dem lauwarmen Wasser und der Zitrone, mache ich jetzt schon seit einiger Zeit. Ich frage mich gerade, ob ich das vielleicht aus unserem letzten Gespräch von dir schon mal mitgenommen habe oder wo ich das herhabe. Aber zumindest haben wir ein ähnliches Ritual am Morgen.


Sag mal, damit sprichst du ja schon mal ein ganz interessantes Thema an. Ich hatte jetzt neulich gerade ein sehr spannendes Interview zum Thema Arthrose heilen, wo es genau auch um dieses Thema ging, dass die Entzündungswerte eben so hoch sind. Und das ist ja ein ähnliches Thema, auch wenn du sozusagen nicht nur auf die Arthrose speziell in dein Buch eingehst, aber eben generell auf das Thema Gelenkschmerzen.


Und deswegen würde meine erste Frage dazu auch sein, welche spezifischen Lebensmittel tragen denn deiner Meinung nach oder vielleicht auch der Studienlage nach zu diesen Entzündungen in den Gelenken bei?


[Dr. Meike Diessner] (4:38 - 4:56)

Ja, letztendlich sind es vor allem industriell stark weiterverarbeitete Nahrungsmittel. Die vollgepfropft sind mit chemisch-toxischen Zusatzstoffen. Und das Trennmittel sind in den Verpackungen Schutzgase, in den Tüten, in den Chips-Tüten.


Sind aber eben auch stark weiterverarbeitete Fleischwaren.


[Nils Behrens] (4:56 - 4:59)

Willst du mir jetzt sagen, dass Chips nicht gesund sind? Bin geschockt.


[Dr. Meike Diessner] (5:00 - 5:52)

Breaking News, was? Aber es sind nicht nur die Chips an sich, sondern es sind auch die Schutzgase, die zum Beispiel eingebracht werden. Darüber hinaus aber eben auch tierische Produkte, vor allem Schweinefleisch und daraus produzierte Sauereien, die eben nicht nur einen hohen Anteil an Arachidonsäure enthalten.


Da wissen wir ja, dass Arachidonsäure eine Säure ist, die unheimlich stark auch in den Gelenken proentzündlich wirkt. Aber zusätzlich haben wir eben auch noch ein großes Potpourri an Zusatzstoffen, was letztendlich als Brandbeschleuniger bei Gelenkerkrankungen gilt. Und das ist nicht nur die Arthrose, sondern eben auch entzündlich rheumatische Erkrankungen, wie zum Beispiel die Polyarthritis.


Patienten, die unter solchen Erkrankungen leiden, sollten definitiv auf tierische Produkte verzichten oder eben den Verzehr deutlich reduzieren.


[Nils Behrens] (5:53 - 6:10)

Du hast mir eigentlich meine nächste Frage damit fast schon ein bisschen weggenommen. Du betonst eben tatsächlich in deinem Buch immer wieder die Bedeutung der pflanzlichen Ernährung. Was würdest du denn aber generell sagen, sind die Hauptvorteile?


Einfach nur, dass diese Säuren, von denen du gerade sprichst, da nicht drin sind? Oder hat es noch andere positive Wirkungen?


[Dr. Meike Diessner] (6:11 - 8:08)

Also eine pflanzliche Ernährung hat ja viele positive Effekte auf unseren Organismus. Zum einen ist es eben, die meisten pflanzlichen Lebensmittel sind eben auch basisch. Wenn wir jetzt an frisches Obst, frisches Gemüse denken.


Und wir wissen ja heutzutage, dass jetzt zum Beispiel eine Arthrose nicht hauptsächlich eine altersbedingte Erkrankung ist, sondern dass diese Erkrankung auf chronischen Mikroentzündungen an den Gelenkflächen basiert. Und je basischer ich mich ernähre, also je pflanzlicher, desto weniger chronische Mikroentzündungen habe ich eben auch auf zellulärer Ebene. Das heißt, ich senke eben das Risiko, an einer Arthrose zu erkranken.


Oder wenn ich betroffen bin, werden eben diese Aktivierungsschübe, die ja auch immer wieder entstehen, wenn man unter einer degenerativen Gelenkerkrankung leidet, die werden weniger, werden heruntergefahren. Das ist der eine Vorteil. Der andere Vorteil einer pflanzlichen Ernährung ist natürlich auch, dass pflanzliche Produkte eben in der Regel sehr, sehr viele Mikronährstoffe enthalten.


Vitamine enthalten, Mineralstoffe, Spurenelemente, die sehr, sehr wichtig sind, auch für unsere Gelenke, aber auch für die Knochen und die Muskulatur. Und wir haben eben auch, wenn wir an Pflanzenöle denken, wie zum Beispiel Leinöl, Rapsöl, Walnussöl, da haben wir ein sehr, sehr günstiges Fettsäuremuster. Die Omega-3-Fettsäuren im Vergleich zu tierischen Produkten, die letztendlich eben viele gesättigte Fettsäuren enthalten, die den Gelenken schaden.


Oder wenn wir jetzt an die industriellen Nahrungsmittel denken, Stichwort Transfettsäuren, vor allem in Backwaren, in frittierten Dingen. Und insofern ist es eben günstig, Fettsäuren zu sich zu nehmen, die einen hohen Omega-3-Fettsäurenanteil haben, was eben in den Pflanzenölen gegeben ist.


[Nils Behrens] (8:08 - 8:52)

Ja, das fand ich wirklich interessant, was du nochmal sagst mit diesen Mikroentzündungen. Weil auch das habe ich in dem Matrose-Podcast auch gelernt von meinem Gast, dass das ja einer der Hauptgründe ist. Man hat das ja ganz häufig, dass wenn Menschen zum Beispiel eine Hüftoperation hatten auf der einen Seite, dass es dann nicht lange dauert, bis es dann auf der anderen Seite kommt.


Und man denkt dann die ganze Zeit, naja, das ist eines in der Alterserscheinung, da hat sich das dann abgenutzt, jetzt hat sich die andere Seite abgenutzt. Aber es ist ja tatsächlich so, dass man nur den Entzündungsherd rausschneidet, sozusagen. Aber der Grund für die Entzündung, der ja häufig dann durch die Ernährung oder Stress oder andere Faktoren kommt, ja dableibt.


Also von daher ist das wirklich eine reine Symptombewältigung, aber keine Ursachenbewältigung, wenn ich das auch dein Worten jetzt mal richtig entnehme.


[Dr. Meike Diessner] (8:53 - 9:46)

Ja, genau so ist das, weil diese chronischen Mikroentzündungen, die befinden sich ja letztendlich in allen Zellen. Ja, das ist ja dann nicht nur der Gelenkknorpel, der degeneriert aufgrund dieser Entzündung. Wenn wir uns mal die Knochen anschauen, auch da sehen wir ja bei chronischen Übersäuerungen an den Gelenken wird Calcium aus den Speichern, also aus den Knochen heraus mobilisiert, was letztendlich ja auch zu einer Entmineralisierung der Knochen und dann auch zu einer Osteoporose führt.


Und insofern, das können wir jetzt auf sämtliche Organsysteme ausweiten, ob es die Muskulatur ist. Der Game Changer ist eine Ernährungsumstellung. Natürlich hilft uns das nicht akut aus der Klemme.


Wenn jetzt jemand mit einem dicken Kniegelenk in die Praxis humpelnd kommt und keine zehn Meter mehr laufen kann, dann wird die Ernährungsumstellung in dem Moment nicht aus der Klemme helfen. Aber es löst eben langfristig das Problem.


[Nils Behrens] (9:47 - 9:53)

Also um zu sagen, iss mal mehr Gemüse und komm dann nochmal wieder, ist jetzt sozusagen nicht deine direkte Therapiebehandlung?


[Dr. Meike Diessner] (9:53 - 9:58)

In diesem Fall eher nicht. Ich glaube, da würde der Patient sich auch nicht mit zufriedengeben.


[Nils Behrens] (9:59 - 10:17)

Verstehe. In deinem Buch erwähnst du auch, dass bestimmte Milchprodukte entzündungsfördernd sein können. Du sagst aber nicht kategorisch, dass Milch schlecht sein muss.


Aber die Frage ist, wollen wir vielleicht mal ganz kurz auf dieses Thema eingehen, was denn schlecht ist und was du als Alternative empfiehlst?


[Dr. Meike Diessner] (10:17 - 13:58)

Ja, also generell ist es natürlich so, die Dosis macht das Gift. Ja, man gibt jetzt nicht direkt den Löffel ab, wenn man irgendwie mal ein Schüsschen Kuhmilch im Kaffee trinkt oder vielleicht auch mal einen Latte Macchiato zu sich nehmen möchte in einem Kaffee. Für mich ist immer wichtig, der Mix macht es letztendlich.


Ich berate ja meine Patienten nach dem 80 zu 20 Prinzip. Das heißt, in 80 Prozent empfehle ich eine cleane, nicht industriell weiterverarbeitete Ernährung. Und in 20 Prozent darf man eben auch mal was genießen oder etwas zu sich nehmen, was gerade die Alltagssituation hergibt.


Denn Essen soll ja jetzt auch nicht in Stress münden. Bei der Kuhmilch haben wir allerdings verschiedene Probleme. Und zwar ist ja die Kuhmilch im Prinzip darauf ausgelegt, auf Wachstum.


Das heißt, der Säugling bekommt Muttermilch, der Säugling, der soll wachsen. Genauso ist es ja auch in der Tierwelt. Und je älter wir werden, desto schlechter können wir die Kuhmilch verstoffwechseln.


Das hat etwas mit dem Enzym Lactase zu tun. Je älter wir werden, desto weniger von diesem Lactase-Enzym produzieren wir und desto schlechter verstoffwechseln wir die Kuhmilch in unserem Körper. Und das wiederum führt auch letztendlich dazu, dass chronische Mikroentzündungen auf Zellebene angefeuert werden und eben auch Gelenkerkrankungen verschlechtern oder deren Verlauf anfeuern.


Ein weiterer Faktor ist, dass eben die Kuhmilch auch belastet ist mit Antibiotika-Rückständen. Stichwort Antibiotika-Resistenzen. Dann ist es so, dass letztendlich die Tiere ja auch oft mit Steroiden behandelt werden.


Das gilt ja so ein bisschen in der Industrie, das Motto Super Size Me. Das heißt, die Tiere, die sollen ja möglichst schnell wachsen. Man versucht möglichst viel da rauszuholen in kürzester Zeit.


Das heißt, die Tiere dürfen nicht erkranken. Und so hat man letztendlich einen Haufen von Medikamenten-Rückständen, die man eben auch über die Kuhmilch zu sich nimmt, die wiederum auf andere Weise zu chronischen Mikroentzündungen führen. Trotzdem ist es aber so, dass letztendlich eine kleine Menge an Kuhmilch jetzt nicht eine Arthrose dekompensieren lässt.


Oder auch wenn man unter einer rheumatischen Erkrankung leidet, dass letztendlich durch eine geringe Menge jetzt der Patienten einen Rheumaschub entwickelt. Aber Kuhmilch steckt ja letztendlich in so vielen Produkten eben auch versteckt. Wenn man jetzt morgens Latte Macchiato trinkt, wenn man mittags Joghurt isst und vielleicht noch eine Schnitte mit Kuhmilchkäse und am Abend nimmt man auch wieder etwas mit Kuhmilch zu sich, dann kumuliert sich das über die Tage und letztendlich über die Wochen, über die Jahre.


Und das führt dann dazu, dass eben chronische Mikroentzündungen angefeuert werden. Es gibt aber auch Alternativen, wie du schon gesagt hast. Ich empfehle meinen Patienten immer überwiegend auf Pflanzendrinks zurückzugreifen.


Die kann man zum einen selbst machen. Da habe ich in meinem Buch ja auch Rezepte. Auf der anderen Seite kann man die aber auch kaufen.


Denn Ernährung muss ja auch alltagskompatibel und einfach sein. Nicht jeder hat die Zeit und Lust, sich einen Pflanzendrink selbst herzustellen. Da ist einfach nur wichtig, darauf zu achten, dass diese Pflanzendrinks möglichst wenig oder keine Zusatzstoffe enthalten.


Und da gibt es sehr, sehr große Unterschiede. Auch namhafte Hersteller, die haben manchmal eine Zutatenliste, die ist länger als die Packungsbeilage von Ibuprofen. Also einfach genau drauf schauen, was kaufe ich denn da.


Jeder Pflanzendrink ist per se gesünder als Kuhmilch.


[Nils Behrens] (13:58 - 15:24)

Ja, und dann kommt man ja auch wieder in dieses Thema Sugar Spikes und sowas, was dann auch noch mal wieder im Zweifelsfall in die Diskussion führt. Also von daher, ich weiß genau, was du meinst. Und ich finde es ganz lustig, weil für mich ist einer der ersten großen Marken für diese Pflanzenhersteller.


Ich möchte sie jetzt wirklich auch nicht nennen, aber nichtsdestotrotz waren ja die ersten, die wirklich groß präsent im Supermarkt waren. Und ich finde, das ist genau das, was du sagst. Das ist ja wirklich gruselig, was da an Inhaltsstoffen drin ist.


Und dann denkt man so, man tut sich mit dem Pflanzlichen was Gutes und dann sieht man, dass es das mit Sicherheit nicht sein kann. Aber ja, ich verstehe genau, was du meinst. Das Thema, was mich persönlich jetzt mal interessieren würde, in dem Zusammenhang, ich trinke schon häufig Eiweißshakes, sage ich mal so, oder Eiweißdrinks, die ja sehr häufig irgendeine Whey-Protein, das ist ja ein Molke-Protein.


Meistens mache ich beides. Ich habe immer zwei Shakes am Tag, einen veganen, den wir bei Sunday auch im Programm haben. Und dann habe ich aber immer noch mal so einen Iso Whey Clear.


Das ist eben so ein klarer Iso Whey Clear. Das trinkt sich eigentlich wie so eine Fruchtlimo und nicht wie so ein typischer Milchshake, sage ich mal so. Das ist in dem Sinn, was ich immer so als Getränk, um eine zusätzliche Eiweißaufnahme zu machen, auch gut finde.


Hast du da eine Meinung dazu? Ich meine, ich habe zum Glück keine Gelenkprobleme, aber könnte das auch ein Auslöser sein? Oder würdest du sagen, dieses Molke-Thema ist schon so isoliert, dass es wahrscheinlich nicht so viel triggern wird?


[Dr. Meike Diessner] (15:25 - 16:16)

Ja, genau so sehe ich das. In dem einen oder anderen Fall empfehle ich das auch. Je nach sportlichem Belastungsprofil auch den Patienten.


Auch da musst du ja wieder die Spreu vom Weizen trennen. Da gibt es ja eben auch sehr, sehr viel auf dem Markt an Eiweißpulver, Shakes, die letztendlich auch wieder sehr industriell sind, sage ich mal. Wichtig ist, glaube ich, dass man so etwas mit einem Ökotrophologen oder auch mit einem Ernährungsmediziner sich anguckt.


Bei mir kommen die Patienten oft auch, die bringen ihre Sachen dann mit. Dann guckt man einfach mal hinten drauf, was steckt denn wirklich drin. Aber per se würde ich jetzt nicht abraten von Eiweißshakes, je nach körperlichem Belastungsprofil letztendlich und auch Bedarf.


[Nils Behrens] (16:16 - 16:48)

Du hast ja in deinem Buch einige Rezepte drin. Man könnte ja eigentlich schon fast sagen, es ist ein Kochbuch. Was war so die Motivation dahinter?


Weil bisher kenne ich deine Bücher eben wirklich als medizinischer Ratgeber, für den Endkunden in einer sehr guten, anwenderfreundlichen Sprache geschrieben. Aber jetzt der nächste Schritt auch tatsächlich mal wirklich Rezepte reinzubringen. Also hattest du das Gefühl, es nur zu beschreiben reicht nicht?


Oder was war sozusagen der Antrieb?


[Dr. Meike Diessner] (16:48 - 18:40)

Also der Antrieb lag im Prinzip so ein bisschen auch in dem Feedback meiner Patienten. Ich führe ja neben meiner klassisch-orthopädischen Sprechstunde auch am Abend ernährungsmedizinische Sprechstunden durch. Und die Patienten haben immer einen unheimlichen Bedarf auch an Anleitung gehabt.


Wie kann ich diese Infos, die sie von mir bekommen, eben auch in den Alltag einfach und praktisch umsetzen? Über die sozialen Medien ist auch immer wieder gekommen, mach doch mal ein Kochbuch zu diesem Thema. Und das habe ich so für mich hin und her bewegt.


Und ich kenne ja selbst die Challenge, man hat wenig Zeit, man ist in sämtlichen Dingen eingespannt, im Alltäglichen. Und für mich war einfach der Anspruch der Patient, der soll mitgenommen werden. Wir haben ja zu Beginn des Buches den Ratgeberteil.


Das heißt, man bekommt in kleinen Häppchen auf einfache Weise eben auch die Gelenkerkrankung vorgestellt. Strategien, wie kann ich die beeinflussen? Und dann liegt ja auch letztendlich diese Umsetzung nahe.


Wie kann ich über einfache Rezepte mit Lebensmitteln, die es in jedem Supermarkt zu kaufen gibt, die auch nicht wahnsinnig überteuert sind, wie kann ich da meinen Gelenken etwas Gutes tun? Und ich glaube, das ist auch so der Erfolg des Buches. Für mich war es eine Herausforderung, denn tatsächlich muss ja auch jedes Rezept schmecken oder das Produkt, was dabei herauskommt.


Aber am Ende bin ich letztendlich der Meinung, dass man wirklich mit wenig Zutaten sehr gelenkfreundlich und auch schmackhaft kochen kann. Und ich finde, wir Ärzte, wir sind ja eher die Lotsen, die den Kapitän, also den Patienten steuern. Und ganz wichtig für den Therapieerfolg, das sehe ich immer wieder in meiner Praxis, ist, dass der Patient mitgenommen wird, dass er motiviert wird durch uns, dass wir ihm zeigen, was hast du für Möglichkeiten.


Aber das umzusetzen, das muss der Patient machen.


[Nils Behrens] (18:40 - 18:59)

Das verstehe ich sehr, sehr gut. Zum Thema umsetzen und das muss der Patient machen. Da kann man natürlich auch mit dem Thema Nahrungsergänzungsmittel auch arbeiten, um etwas für seine Gelenke zu tun.


Das ist ja auch ein grundsätzliches Thema, dass es immer wieder gewisse Wirkstoffe gibt. Gibt es da etwas, was du besonders empfehlen würdest?


[Dr. Meike Diessner] (19:00 - 19:55)

Ja, absolut. Ich bin ja ein Fan davon, auch Mikronährstoffanalysen, Mikrobiomanalysen durchzuführen bei meinen Patienten, um dann auch gezielt zu gucken, wo liegt ein Mehrbedarf oder wo haben wir zum Beispiel auch eine Verschiebung, eine Dysbiose im Mikrobiom. Was jetzt so die Mikronährstoffsupplements betrifft, gibt es ja viele Situationen im Leben, wo es ein bisschen mehr sein darf.


Der eine, der hat viel Stress. Der Nächste, der schläft nicht gut. Der Dritte, der hat gewisse Vorerkrankungen, weshalb er eben regelmäßig auch Medikamente einnehmen muss.


Wir wissen ja, dass viele Medikamente auch Mikronährstoffräuber sind. Und insofern, das zeigen ja auch viele Studien, ist es oft hilfreich, gezielt Nahrungsergänzungsmittel einzusetzen. Ich bin jetzt nicht so der Fan von dieser Multivitamintablette von A bis Z, wo in homöopathischer Dosierung...


[Nils Behrens] (19:55 - 19:57)

Ich erinnere mich, ich glaube, wir haben da letztes Mal schon drüber gesprochen.


[Dr. Meike Diessner] (19:58 - 21:01)

Aber man kann den Gelenken jede Menge Gutes tun. Ob das ein Kurkuma-Präparat ist oder ob das Omega-3-Fettsäuren sind, die ja beide stark anti-entzündlich wirken im Körper. Im Herbst ist aus meiner Sicht es wirklich Pflicht, dass man eben auch seinen Vitamin-D-Haushalt auffüllt.


Ich mache sowas sehr gerne auch unter Laborkontrolle, dass man das zwischendurch immer mal wieder monitort. Wo steht der Patient jetzt? Nicht jeder nimmt ja dieses Vitamin eben auch auf gleich gute Weise auf.


Dann gibt es groß angelegte Studien für das Chondroitinsulfat und das Glucosamin. Das sind also zwei Wirkstoffe, die ich wirklich regelmäßig meinen Patienten verordne. Denn es haben ja die Studien gezeigt, dass nicht nur das Schmerzempfinden weniger wird, sondern dass die Gelenkschmierproduktion, die körpereigene, angekurbelt wird.


Und dass vor allem der Restknorpel, der noch vorhanden ist, im Gelenk nachweislich gekräftigt wird.


[Nils Behrens] (21:02 - 21:23)

Ja, sehr gut, sehr gut. Wir haben jetzt gerade ein neues Thema bei Sunday, das ganze Thema Aromatherapie. Und da gibt es auch ein Joint-Öl, was auf Kunzea-Basis basiert.


Und das eben auch eine entzündungshemmende Wirkung haben soll. Also mal ehrlich gefragt jetzt an die Expertin, was du denn von solchen Themen hältst.


[Dr. Meike Diessner] (21:24 - 22:12)

Da halte ich auch viel von und zwar aus verschiedenen Gründen. Zum einen wird auch hier der Patient wieder mitgenommen. Das ist ja auch ähnlich.


Wir haben ja früher immer die Retterspitz-Wickel- oder Zinkleinverbände empfohlen. Der Patient tut etwas Gutes für sich, entwickelt eine Sensibilität auch für seinen Körper, die Muskulatur, die Gelenke. Und darüber hinaus, wie du schon gesagt hast, ist es nachgewiesen, dass eben der Wirkstoff ein antientzündliches Potenzial hat.


Jetzt muss man natürlich so ein bisschen immer die Kirche im Dorf lassen. Es dringt ja jetzt nicht bis tief in das Gelenk ein. Aber wir sagen ja immer, es ist nicht nur der Knochen- oder der Gelenkknorpel, sondern wir müssen die gesamte funktionelle Einheit letztendlich behandeln.


Und dafür finde ich solche Aroma-Öle hervorragend geeignet.


[Nils Behrens] (22:12 - 23:34)

Das ist genau der Ansatz, den der andere Kollege auch bei dem Arthrose-Ansatz hatte. Da haben wir jetzt nicht über Gelenk-Öle gesprochen, aber da haben wir eben wirklich gesprochen, dass das Problem ist, warum auch Arthrose immer als unheilbar gilt, dass eben immer nur ein Thema angegangen wurde. Und er sagt eben, man muss es wirklich ganzheitlich von allen Seiten, nur wenn man alles sozusagen angeht.


Dass man die entzündliche Ernährung runterfährt, dass man dafür wirklich sorgt, dass man eben auch dann zusätzlich etwas rein gibt, was eben halt wiederum dann das Gelenk kräftigt. Und wenn man dann auch das Thema Stress reduziert und wenn man sich bewegt, dass nur diese ganz Gesamtkombination eben halt dann zum Erfolg führt. Nur eine Komponente ist es dann eben halt nicht.


Und das heißt, um erstmal zu wissen, welche Komponenten alle nicht funktionieren, hast du ja auch eben gerade schon erwähnt und auch nochmal in deinem Buch ist es nochmal herausgestellt, diese Thema Mikrobiomanalyse. Und auch ich finde das, also kurze Aufklärung für unsere HörerInnen, die vielleicht jetzt nicht sofort mit dem Begriff Mikrobiom anfangen können. Also wir reden hier ja natürlich in erster Linie, Mikrobiom ist eine Bakterienkultur, die wir an verschiedenen Stellen im Körper haben.


Aber die größte, bekannteste, sozusagen der Rockstar unter den Mikrobiomen ist ja natürlich die, die im Darm sitzt. Und das finde ich ist ja im ersten Augenblick diese Darmflora, dass die, was mit unseren Gelenken zu tun hat, finde ich ja schon, ich würde sagen für den einen oder anderen erstmal überraschend. Magst du mal was dazu sagen?


[Dr. Meike Diessner] (23:35 - 26:20)

Ja, ein absolut spannendes Thema, aber man sieht in der Praxis immer wieder, was man da ja für Erfolge auch unterstützend erzielen kann. Es ist ja letztendlich so, du hast ja gerade schon gesagt, die größte Population am Mikrobiom, die befindet sich in unserem Darm. Und das Mikrobiom setzt sich ja aus Billionen von Darmbakterien zusammen.


Und diese Darmbakterien, die sind jetzt nicht bei jedem Menschen gleich, sondern die entwickeln sich je nach Input. Das heißt jemand, der jetzt zum Beispiel viel Haferflocken zu sich nimmt, der wird viele Darmbakterien haben, die sich von Haferflocken gerne ernähren, die die gerne verstoffwechseln. Ein anderer Mensch, der jetzt zum Beispiel viel Junkfood zu sich nimmt, mit tierischen Fetten, der wird eine ganz andere Mikrobiomzusammensetzung haben.


Vermutlich mehr in Anführungsstrichen schlechte Darmbakterien, die zum Beispiel Toxine produzieren, Fäulniserreger, Histaminbildner. Und insofern ist es sinnig, dass man sich einmal anguckt, wie ist denn mein individuelles Mikrobiom zusammengesetzt. Das macht man heutzutage mit Stuhlproben.


Die schickt man in eins der großen Immunlabore. Und dann kann man ganz genau sehen, welche Darmbakterien so zu der eigenen Community gehören. Und es ist letztendlich so, dass die Darmbakterien ja das Schutzschild, das Erste, bilden.


Das heißt, die sitzen auf der sogenannten Mukosa, auf der Darmschleimhaut. Und wenn ich jetzt viele zum Beispiel Fäulniserreger in meinem Mikrobiom habe, dann zerlöchern die diese Mukosa, die Darmschleimhaut. Was wiederum dazu führt, wenn ich jetzt etwas esse, in dem sich Nahrungstoxine befinden, dass diese Toxine dann durch diese Poren der Mukosa, also der Darmschleimhaut, hindurch gelangen.


Und das Immunsystem, die Immunzellen, die sitzen ja direkt unter der Darmschleimhaut, die Immunzellen geschädigt werden. Und über diese Schädigung des Immunsystems werden wiederum chronische Entzündungen auf Zellebene angefeuert, die dann wiederum als Brandbeschleuniger bei Gelenkerkrankungen gelten. Das heißt, das Mikrobiom hat einen sehr, sehr großen Einfluss auf unsere Gelenkgesundheit, darauf, wie wir uns fühlen, wie wir uns bewegen können.


Und von daher ist es sinnvoll, einmal beim Doc so eine Mikrobiomanalyse durchführen zu lassen. Und dann sieht man genau, wo Defizienzen sind. Wir können sehen, wie kann ich mit meiner Ernährung zu einem ausgewogeneren Mikrobiom kommen und möglicherweise eben auch über Probiotika arbeiten, dass man eben auch gute Darmbakterien zufüttert.


[Nils Behrens] (26:21 - 27:29)

Zufüttern ist, glaube ich, wirklich einer der wirklich wichtigen Worte, auch im Zusammenhang mit den Bakterien selbst. Weil ich finde, das klingt erst mal so, jeder hat ja erst mal ein negatives Bild von Bakterien und die sind ja eigentlich total positiv, wenn man die richtigen eben hat. Aber auch die richtigen fangen ja an, die Mukosa aufzufressen oder sich da reinzufressen, wenn man ihnen nicht genügend gute Nahrung gibt.


Das heißt also, deswegen immer dieses Thema Ballaststoffe ordentlich zu sich nehmen, ist natürlich in dem Augenblick, wenn ich genügend Ballaststoffe zu mir nehme, fangen die auch nicht an, irgendwie an der Wand rumzuknabbern. Also ich glaube, das ist immer nochmal der wichtige Punkt an dieser Stelle zu sagen, weil es gibt ja ganz viele Ernährungstrends dann immer so und ich glaube, einer der wahrscheinlich meiner Meinung nach größten Fehler in der Matrix ist immer diese ketogene Ernährung, wo Menschen dann glauben, einfach sich komplett tierisch und fettreich zu ernähren, weil natürlich es dann gar keine Ballaststoffe mehr gibt und ich glaube, dass man die Wahrscheinlichkeit sich dann eben halt ein Leaky Gut Syndrom, also mit diesen löchrigen Mukosa dann eben halt zu produzieren, ist relativ hoch, würde ich sagen. Also meine Leihen-Einschätzung als Frage an die Wissenschaftlerin.


[Dr. Meike Diessner] (27:31 - 28:07)

Also absolut richtig. Ich halte auch überhaupt nichts von der ketogenen Ernährung. Das wird ja auch viel so missbraucht, um einfach in kurzer Zeit viel Gewicht abzunehmen.


Aber die Patienten oder die Menschen, die das durchführen, die verstehen ja meistens gar nicht die Hintergründe. Und wie du eben auch schon gesagt hast, wir brauchen Ballaststoffe, wir brauchen komplexe Kohlenhydrate letztendlich für sämtliche Körperfunktionen. Ja, wir können ja auch ohne Kohlenhydrate nicht richtig denken, handeln.


Kohlenhydrate haben ja einen sehr, sehr großen Effekt eben auch auf den Gesamtorganismus. Es kommt eben nur darauf an, was es für welche sind.


[Nils Behrens] (28:08 - 28:16)

Wo wir jetzt schon beim Essen sind, hören wir doch jetzt mal auf mit dem Essen und sprechen über das Fasten. Auch das ist ein Thema bei dir im Buch. Und welche Art von Fasten empfiehlst du denn?


[Dr. Meike Diessner] (28:17 - 30:31)

Also es gibt ja zwei große Arten von Fasten. Das ist ja zum einen das klassische Heilfasten, aber dann eben auch das Intervallfasten. Und wenn es jetzt rein um den Erhalt der Gelenkgesundheit geht oder um präventive Aspekte.


Ich möchte Gelenkerkrankungen vermeiden, weil meine Mutter und mein Vater leiden an einer starken Arthrose. Ich könnte möglicherweise auch betroffen sein. Dann empfehle ich immer das Intervallfasten, weil das so wahnsinnig alltagskompatibel ist.


Man hat ja eine definierte Essenspause von in der Regel eben 16 Stunden. Also ich empfehle meistens die 16 zu 8 Methode. Und in dieser Phase der Essenspause ist es ja so, dass die Regenerationsprozesse im Körper auf zellulärer Ebene ablaufen.


Das heißt, wir haben ein langes Zeitintervall, wo dem Körper keine Toxine zugeführt werden. Dadurch findet viel mehr Regeneration statt, weniger chronische Mikroentzündungen. Und das Positive ist letztendlich, dass diese Essenspause eigentlich in nahezu jeder Alltagssituation, beruflichen, familiären Situation angewandt werden kann.


Beim Heilfasten ist das ja so ein bisschen anders. Da hat man ja manchmal das Gefühl, dass man da in psychedelische Zustände gerät. Trotz dessen hat eben auch das Heilfasten, zum Beispiel bei ganz stark entzündlichen Erkrankungen, Gelenkerkrankungen, einen absolut super Akuteffekt.


Da muss man allerdings so ein bisschen eben darauf achten. Das sollte man jetzt nicht aus freien Stücken tun, sondern wirklich einmal zumindest ärztlich begleitet. Man muss ja Vorerkrankungen beachten.


Man muss die Gesamtkonstitution beachten. Wenn jetzt jemand sowieso schon sehr untergewichtig ist, für den ist sicherlich das Heilfasten nicht die richtige Methode. Aber für Patienten, die sich eignen für diese Methode, die haben natürlich ein super Reset erstmal.


Der Körper wird auf Null runtergesetzt. Und es macht sich schon bei entzündlichen Gelenkerkrankungen sehr, sehr stark bemerkbar, sodass die einfach hinterher auch ambulant viel, viel besser behandelbar sind. Und oft ist ja auch so das Heilfasten der Start, um dann in das Intervallfasten überzugehen.


[Nils Behrens] (30:32 - 31:19)

Absolut richtig. Aus meiner vorherigen Welt sozusagen, da haben wir uns ja sehr viel mit dem Thema Heilfasten auseinandergesetzt. Und der eine Arzt, der Dr. Stritzke, der hat das immer so schön beschrieben, weil letztendlich sind ja Entzündungen einfach eine Art von, man muss sich das ein bisschen wie so einen Waldbrand vorstellen. Und wenn man dann anfängt, dem sozusagen den Sauerstoff abzuziehen, also sprich die Nahrung abzuziehen, dann ist die Wahrscheinlichkeit, dass das Feuer mal ausgeht, eben halt deutlich höher. Und deswegen, genau wie du sagst, also dass man wirklich solche, solche wirklich großen Waldbrände, die sich dann nicht mehr durch diese kleineren Löschmaßnahmen von 16 Stunden eben halt auslöschen lassen, dann einfach mal zu sagen, jetzt müssen mal die Flugzeuge ankommen, dann finde ich, ist das ein ganz schönes Bild, wo man dann versteht, auch warum das Sinn macht, eben halt diese Entzündung dann einfach mal runterzufahren.


[Dr. Meike Diessner] (31:19 - 31:48)

Ja, genau. Und die Patienten, die haben natürlich relativ schnell so einen Soforteffekt, ja, was eben auch motiviert, dann langfristig dranzubleiben. Es geht ja bei dem Heilfasten gar nicht um eine Gewichtsreduktion, sondern da geht es ja tatsächlich eben um diesen Reset-Mode, der da angestoßen wird.


Und wenn ich dann hinterher aber meine Ernährung aufs Intervallfasten umstelle, dann hat man letztendlich einen sehr, sehr guten Langzeiteffekt, um eben präventiv auch etwas für die Gelenke zu tun.


[Nils Behrens] (31:49 - 32:12)

Nachdem wir uns jetzt schon alle, also alle HörerInnen wahrscheinlich, damit überrascht, dass Chips nicht gesund sind, ist jetzt die nächste Überraschung in deinem Buch, die ich jetzt hier an dieser Stelle mal spoilern darf, dass du auch der Meinung bist, dass Zucker gar nicht so einen guten gesundheitlichen Effekt hat. Und daher erzähl uns doch mal, welche Strategie du uns empfiehlst, um den Zuckerkonsum zu reduzieren.


[Dr. Meike Diessner] (32:12 - 34:27)

Ja, letztendlich ist es ja so, dass Zucker der Killer der Gelenke ist. Haushaltszucker fördert ja massiv chronische Mikroentzündungen an, führt eben zu dieser chronischen Übersäuerung in den Knochen, in den Gelenken. Und es gibt verschiedene Strategien, die man einsetzen kann.


Und zwar ist das eine ja schon mal regelmäßig zu essen, dass man überhaupt nicht so hangry wird. Sollte man auf komplexe Kohlenhydrate setzen, vor allem eben auch morgens und mittags bei den Mahlzeiten, um letztendlich zu vermeiden, wie du das auch vorhin schon angesprochen hast, dass man dann eben in eine Art Unterzuckerung gerät, sodass man eben Heißhungerattacken entgegenwirken kann. Man kann auch eine Zwischenmahlzeit einsetzen.


Und dann liegt letztendlich eben auch der Trick darin, die richtigen Nahrungsmittel auszuwählen, wegzukommen von dieser ganzen industriellen Ernährung, sich natürlich zu ernähren, auch wieder selbst den Kochlöffel in die Hand zu nehmen und schauen, dass man sich ausgewogen ernährt. Es gibt ja auch Alternativen. Man kann ja auch zum Beispiel mit Datteln süßen oder mit Trockenobst insgesamt.


Das war so ein bisschen die Challenge auch für das Kochbuch. Wir haben ja auch eine Kategorie, wo es um Desserts geht. Ich habe mir immer wieder den Kopf zerbrochen, wie kann ich denn jetzt schmackhafte Desserts irgendwie herzaubern.


Aber ich bin hinterher viel eben auch auf Smoothies gegangen oder auf Frozen Bowls. Und man muss eben schauen, dass man über natürliche Süße, natürliche Nahrungsmittel auch mal was Süßes zu sich nimmt und dann letztendlich nicht irgendwie in Askese verfallen, sich jetzt konsequent alles verbieten. Wenn jetzt jemand irgendwie für Eis sterben könnte, dann soll der einmal in der Woche zwei Kugeln Eis essen.


Und darauf kann er sich freuen, die genießt er bewusst. Das hat ja eben auch was mit achtsamem Essen zu tun, sodass letztendlich nicht so ein Defizit eintritt, dass man sagt, meine neue Ernährung oder gelenkfreundliche Ernährung beschneidet mich.


[Nils Behrens] (34:28 - 35:35)

Das ist ganz interessant, dass du nochmal die Dattel ansprichst. Ich glaube, auch das habe ich in einem anderen Podcast-Interview mal gelernt, dass man die negativen Effekte, es gibt ja auch viele positive Effekte vom Kaffee, der Kaffee hat ja einen viel schlechteren Ruf, als wenn man reinen Kaffee trinkt und nicht mit Zucker und Kuhmilch und keine Ahnung was. Hat der Kaffee auch wirklich sehr, sehr viele positive Effekte.


Und die wenig negativen, die er hat, die eben halt sozusagen dem Körper gewisse Mikronährstoffe entziehen, könnte man mit einer Dattel, also ein Espresso, eine Dattel, könnte man das durchaus dann schon ausgleichen. Das heißt also, alle, die auf ihren Zucker im Kaffee nicht verzichten wollen, ist die Dattel tatsächlich ein hervorragendes Mittel, um es quasi als Komposition zum Kaffee zu nehmen. Also von daher finde ich es schön, dass du die Dattel nochmal ansprichst.


Ich möchte trotzdem noch eine Nachfrage zu dem, was du eben gerade gesagt hast. Wenn ich jetzt eine Umfrage, die ja leider technisch noch nicht möglich ist, aber bei all unseren Podcast-HörerInnen machen würde, ob sie mir jetzt spontan mal beschreiben könnten, was komplexe Kohlenhydrate sind, dann wüsste ich nicht, ob ich von allen die richtige und gleiche Antwort bekomme. Deswegen frage ich die Frage nochmal, gib uns doch mal ein Beispiel dafür.


[Dr. Meike Diessner] (35:36 - 36:43)

Also komplexe Kohlenhydrate sind letztendlich Vollkornprodukte, zum Beispiel, die langsamer verstoffwechselt werden. Wir haben ja eben beim Haushaltszucker, nochmal, um auf das vorherige Thema zurückzukommen, das sind ja einfache Zucker, die letztendlich in unserem Magen-Darm-Trakt direkt aufgespalten werden. Bei den komplexen Kohlenhydraten ist es so, ballaststoffreiche Nahrungsmittel, die werden ganz, ganz langsam aufgespalten über viel mehr Schritte, um das jetzt einfach mal runterzubrechen, sodass letztendlich der Insulinspiegel, wenn wir komplexe Kohlenhydrate zu uns nehmen, nicht wie raketenmäßig in die Höhe schießt.


Ja, das ist ja so, wenn viel Blutzucker in unsere Blutbahnen kommt, dann kriegen wir ja so einen Insulin-Peak. Ja, letztendlich ist es so, bei den komplexen Kohlenhydraten, dass diese Insulin-Peaks verbieten werden. Wir haben eine konstantere Ausschüttung von Insulin und das wiederum wirkt eben auch Heißhungerattacken entgegen.


[Nils Behrens] (36:43 - 38:05)

Ja, ich habe das selbst mal erfahren. Ich habe mir so ein Glucosemonitor mal für zwei Wochen getragen und das ist wirklich so bei mir, ich glaube, das haben wir auch in der zweiten Folge hier schon mal besprochen, also nicht mit dir, aber ich habe das schon mal in der zweiten Folge dann besprochen, dass diese sogenannten Sugar-Spikes eben halt dazu führen. Bei mir ist das ganz stark mit Sushi-Reis oder Reis, weißer Reis generell.


Der sorgt eben halt dafür, wenn man normalerweise einen Insulinspiegel von sagen wir mal 100 haben sollte, dann steigt bei mir das nach dem Konsum dieses Reises auf über 200 und fällt dann aber von 10 Minuten auf, ich sage jetzt mal 180. 180 sind ja immer noch 80 mehr, als ich eigentlich haben sollte. Nichtsdestotrotz ist dieser krasse Abfall von 210 auf 180, führt eben dazu, dass ich das Gefühl habe, dass ich schon wieder was essen müsste und eigentlich ist sozusagen ja noch genügend Fuel im Tank und das ist eben halt genau der Punkt, wo man dann eben halt anfangen, diese Heißhungerattacken dann wieder zu bekommen.


Ja, sehr interessant. Jetzt kommen wir aber mal zu dem Punkt, weil auch da hast du jetzt ja gerade noch mal gesagt, dass die Motivation für die Rezepte auch die Alltagstauglichkeit letztendlich A), muss es schmecken, aber B), auch alltagstauglich ist. Was rätst du denn deinen Patienten und unseren HörerInnen, die wirklich einen vollen Terminkalender haben, wie sie diese Ernährungsempfehlung auch in ihren Alltag integrieren können?


[Dr. Meike Diessner] (38:06 - 40:09)

Also letztendlich ist Vorplanung alles. Ich habe ja in das Buch auch eine Einkaufsliste integriert und man muss gar nicht so weit in die Ferne schweifen. Es gibt ja viele Zutaten, die man in vielen Gerichten immer wieder einsetzen kann.


Ich habe zum Beispiel Erbsen, die man in ein Omelette geben kann. Da kann man ein Risotto mit machen. Man kann eine minzige Erbsensuppe daraus machen.


Man kann mit Lauchgemüse sehr, sehr viel machen, mit Zwiebeln viel tun. Und letztendlich liegt das Ganze ja darin, dass man zum einen die Nahrungsmittel in jedem Supermarkt bekommen kann. Es gibt ja hervorragende Bio-Abteilungen auch schon in den gängigen Supermärkten.


Dann, dass man möglichst wenig Nahrungsmittel braucht, um eben eine schmackhafte Mahlzeit auch zusammenzustellen und dass das Ganze schnell geht. Und was ich den Patienten auch rate, ist, kocht doch die doppelte Menge. Vor allem Suppen eignen sich ja auch hervorragend.


Wenn man die am Abend zubereitet, dann nimmt man nochmal eine Portion mit am nächsten Tag, die man mittags auf der Arbeit isst. Also so ein bisschen kochen mit Köpfchen, dass man jetzt nicht wahllos irgendwie tausend Dinge zusammenkauft, von denen man mal gehört hat, dass die gesund seien für die Gelenke, sondern dass man versucht, eben gewisse auch Gewürze und Kräuter, die man ja nun einmal dann auch kauft, wenn ich jetzt irgendwie eine Basilikumpflanze und eine Petersilie zu Hause habe, dass man eben gezielt versucht, diese Kräuter, Gewürze immer wieder einzusetzen. Wir wissen ja auch von Kräutern, dass die unheimlich stark antientzündlich an den Gelenken wirken, durch die Ursolsäure zum Beispiel, dass Anethol und Luteolin einen stark antientzündlichen Effekt haben.


Und da empfehlen wir ja immer, dass man eben auch Kräuter mal mixt. Ja, man sagt ja so zwei Esslöffel frisch behackte Kräuter, immer mal wieder was anderes, mal ein bisschen Rosmarin, Petersilie, Basilikum. Und damit kann man ja eben auch die Gerichte unheimlich schmackhaft anreichern.


[Nils Behrens] (40:09 - 40:28)

Ja, das hat der Kollege Matrose Podcast auch nochmal hervorgehoben. Er hat unter anderem auch ein großes Shoutout für die Gewürznelke gegeben, dass man eben halt Gewürznelken vor dem Essen nochmal dazunehmen sollte. Ich habe es noch nicht probiert und das steht mir noch bevor.


Aber er sagte, wenn man sich einmal daran gewöhnt hat, dann soll es gar nicht so schlecht sein.


[Dr. Meike Diessner] (40:29 - 40:37)

Ja, man muss sich daran gewöhnen. Da habe ich auch ein Rezept in meinem Buch. Am Anfang kostet es in der Tat Überwindung, aber den Gelenken schmeckt es.


[Nils Behrens] (40:38 - 41:02)

Den Gelenken schmeckt es, das ist doch wichtig. Jetzt ist eine Sache, die, glaube ich, eine der größten Mythen und Irrglauben überhaupt im Zusammenhang mit Gelenken ist, dass man sagt, wenn man Gelenkschmerzen hat, ordentlich schonen. Das ist immer so der Punkt, womit ich Professor Froböse von der Sporthochschule Köln, glaube ich, auch auf die Palme bringen könnte, wenn ich immer von Schonung rede.


Dann kann er sich immer gar nicht mehr einkriegen. Und auch du hast ja eine Meinung dazu.


[Dr. Meike Diessner] (41:03 - 42:31)

Ja, ein Riesenmythos, absolut. Denn unser Gelenkknorpel, der lebt ja von der Bewegung. Unser Knorpel, der hat keine Blutgefäße und dadurch ist er auf Bewegung angewiesen.


Das ist letztendlich so, dass der Knorpel sich in der Bewegung vollsaugt mit der nährstoffreichen Gelenkschmiere. Wenn man die Gegenbewegung antritt, dann wird er ausgepresst wie ein Schwamm. Das heißt, er gibt seine Abfall- und Schlackstoffe, das, was er nicht verwerten kann, gibt er an die Umgebung frei.


Und wenn wir uns wieder bewegen, dann saugt er sich wieder voll mit der nährstoffreichen Gelenkschmiere. Das heißt, ich kann so gesund essen, wie ich möchte. Wenn ich mich nicht bewege, dann kommt auch nichts im Gelenkknorpel an.


Jetzt gibt es natürlich akut entzündliche Zustände, Verletzungen mit Gelenkflächenbeteiligung und, und, und. Wo letztendlich mal eine kurze Ruhigstellung oder auch Schonung erforderlich ist. Aber man sollte eben, und so wird ja auch heutzutage behandelt, in der modernen Orthopädie, man sollte diese Phase der Ruhigstellung so kurz wie möglich halten.


Den Patienten dann wieder schonend in die Bewegung führen. Das macht man ja häufig auch erst mal passiv assistiert über die Physiotherapeuten, Manualtherapeuten. Und generell gilt immer das Credo, so schnell wie möglich wieder in die Bewegung.


Das ist nicht nur für die Muskulatur wichtig, für die Produktion der körpereigenen Gelenkschmiere, sondern letztendlich eben auch für den Gelenkknorpel, der ansonsten, wie gesagt, verhungert.


[Nils Behrens] (42:32 - 42:58)

Du hast es gerade so schön beschrieben mit dem Schwamm. Und ich glaube, jeder, der schon mal mit einem Schwamm in der Badewanne war oder, keine Ahnung, meinetwegen auch das Geschirr sauber gemacht hat, weiß, was elementar ist, damit so ein Schwamm gut funktioniert, nämlich Flüssigkeit. Auch dazu gibt es ja nochmal eine große Abhandlung in deinem Buch, die Bedeutung von Flüssigkeit.


Gibt es da so etwas, wo du sagen würdest, okay, also unter dem soll es nun wirklich gar nicht laufen?


[Dr. Meike Diessner] (42:59 - 43:04)

Ja, also das absolute Minimum sind anderthalb Liter, genau, Wasser. Du machst das richtig.


[Nils Behrens] (43:04 - 43:04)

Cheers to that.


[Dr. Meike Diessner] (43:05 - 44:05)

Zum Wohl. Allerdings ist ja nicht nur die Trinkmenge entscheidend, sondern wichtig ist ja auch, was ich trinke. Und da empfiehlt sich vor allem eben Wasser, Kräutertees, ungesüßte Früchtetees, um letztendlich auch dieses basische Milieu herzustellen.


Man kann eben auch, wenn man jetzt zum Beispiel mittags saure Komponenten zu sich genommen hat, und das ist ja jetzt nicht nur industrielles Junkfood, sondern auch Pasta zum Beispiel oder Reis, die haben ja einen gewissen Säureanteil. Und wenn ich dazu dann zwei Gläser stilles Wasser trinke zum Beispiel oder eben zwei Becher ungesüßten Kräutertee, kann man letztendlich die Säuren, die man über die Nahrungsmittel zu sich genommen hat, wieder neutralisieren durch basische Getränke. Also entscheidend ist zum einen natürlich eine gewisse Trinkmenge, aber eben auch die Qualität, was ist da im Glas oder in der Tasse.


[Nils Behrens] (44:06 - 44:29)

Ausgezeichnet. Dann lass uns doch nur noch mal, man sagt ja meistens immer, dass der Schuster die schlechtesten Schuhe hat oder die Wasserhähne beim Klempner zu Hause tropfen. Das scheint ja bei dir alles dann hoffentlich nicht so zu sein.


Kannst du uns mal so ein typisches Beispiel für deinen Tag in deinem Leben geben, wo du sagst, okay, so könnte man es eben halt im Hinblick auf die Ernährungs- und Bewegungsgewohnheiten durchaus auch kopieren?


[Dr. Meike Diessner] (44:30 - 44:32)

Also du meinst, wenn es dann mal optimal läuft.


[Nils Behrens] (44:32 - 44:34)

Wenn es dann mal optimal läuft, ja.


[Dr. Meike Diessner] (44:34 - 46:38)

Wenn es optimal läuft, starte ich, wie gesagt, meinen Tag mit ein bis zwei Gläsern lauwarmen Wasser mit frisch gepresstem Zitronensaft. Ich frühstücke nicht, sondern esse nach der Vormittagssprechstunde. Also ich selbst übe auch das Intervallfasten aus.


Ich kann gut auf das Frühstück verzichten, am Abend. Und ich bin immer so ein geselliger Typ. Ich freue mich auf das Abendessen mit meinem Lebenspartner.


Und das genieße ich dann auch. Das heißt, ich esse dann meistens so gegen 13 Uhr, 13.30 Uhr meine erste Mahlzeit. Und da gibt es dann ein bisschen gedünstetes Gemüse, zum Beispiel mit Vollkornpasta oder auch mit Vollkornreis.


Ich esse mittags immer irgendwie was Leichtes. Da brauche ich auch Kohlenhydrate, um dann den Nachmittag bewältigen zu können. Aber letztendlich darf es mich nicht beschweren, dass ich müde werde.


Dazu trinke ich dann nochmal auch zwei große Gläser Wasser. Das mache ich aber auch so während der Sprechstunde. Auch das wäre ja zu wenig, wenn man dann nach dem Frühstück keine Flüssigkeit mehr zu sich nimmt.


Meistens mache ich das immer jede Stunde, dass ich mal so zwei, drei Schlücke Wasser trinke während der Sprechstunde. Dann geht es wieder ab in die Praxis. Und dann gibt es am Nachmittag zwischendurch manchmal ein hart gekochtes Ei.


Manchmal gibt es auch einen kleinen Kokosjoghurt. Oder dann im Sommer eben auch ein paar frische Früchte. Ich habe schon mal Beeren dabei oder eben also das, was gerade saisonal ist.


Und am Abend wird dann nochmal richtig gekocht. Ein bisschen aufwendiger. Viel Gemüse.


Ich liebe auch Kartoffeln. Kartoffeln und Lauch, das sind ja so meine Lebenselixiere. Und arbeite da viel eben auch mit Gemüsepfannen.


Im Winter mit Ofengemüse oder letztendlich auch mit einem Salat, wenn es nicht ganz so spät ist. Am Abend hin und wieder gibt es auch mal ein Stück Hühnerbrustfilet dazu. Das kaufen wir dann hier beim Biobauern.


Und ja, so sieht der optimale Tag aus.


[Nils Behrens] (46:38 - 46:40)

Ich habe noch nicht so viel Bewegung mitbekommen. Hast du sie vergessen? 


[Dr. Meike Diessner] (46:40 - 47:19)

Ja, bewegen tue ich mich auch. Nein, das habe ich jetzt gerade tatsächlich vergessen, weil wir so viel über die Ernährung gesprochen haben.


Nein, also ich mache schon drei bis vier Mal in der Woche Sport. Wir haben ein bisschen was zu Hause. Gehe aufs Laufband oder gehe draußen laufen, je nach Wetterlage.


Gehe aber auch in eine Reha, um da Zirkeltraining zu machen. Die Muskulatur ist ja auch ein wichtiger Faktor für das Glück unserer Gelenke. Also ich versuche da schon so einen ausgewogenen Mix herzustellen.


Und ansonsten haben wir ja noch einen Welpen zu Hause. Der hält mich auch ordentlich auf Trab. Das heißt, dreimal am Tag geht es für mich auch eine Runde nach draußen.


[Nils Behrens] (47:20 - 47:43)

Ausgezeichnet, ausgezeichnet. Ich möchte die Kartoffeln hier an dieser Stelle noch einmal kurz ansprechen, weil in der Folge 5 habe ich mit dem Professor Michalsen über das Thema Kartoffeln oder generell Aufwärmen vom Essen und das eben halt unter anderem Kartoffeln, dann wenn man sie wieder aufwärmt, dass sie dann eben halt eine resistente Stärke dann auch bilden. Ist das etwas, was im Zusammenhang mit dem Thema, über das wir gerade reden, eine Rolle spielt oder ist das nicht relevant?


[Dr. Meike Diessner] (47:44 - 48:02)

Doch, absolut relevant. Also zum einen entsteht eben resistente Stärke, wenn wir jetzt eine Kartoffel abkühlen lassen. Wir können sie danach aber auch wieder aufwärmen.


Das heißt, wir müssen jetzt nicht die Kartoffel kalt zu uns nehmen. Denn wenn sich einmal resistente Stärke entwickelt hat in der Kartoffel, dann bleibt die auch bestehen.


[Nils Behrens] (48:02 - 48:03)

Daher das Wort resistent.


[Dr. Meike Diessner] (48:03 - 48:27)

Genau, richtig. Man kann zum Beispiel dann auch Bratkartoffeln daraus machen oder die Kartoffel nochmal aufwärmen, auf den Grill legen oder wie auch immer. Aber die Kartoffel hat noch einen anderen Benefit.


Die Kartoffel wirkt besonders stark basisch und insofern eben auch für unsere Gelenke absolut gutes Futter.


[Nils Behrens] (48:28 - 48:38)

Wir müssen ja damit rechnen, dass der eine oder andere von unseren HörerInnen tatsächlich unter chronischen Gelenkschmerzen leidet. Gibt es noch eine letzte Botschaft, die du diesen Leuten mit auf den Weg geben möchtest?


[Dr. Meike Diessner] (48:39 - 49:43)

Ja, ich glaube ganz wichtig ist, es ist niemals zu spät. Egal wie fortgeschritten schon die Arthrose ist oder überhaupt die entzündlich rheumatoide Erkrankung. Entscheidend ist immer, dass man multimodal arbeitet, dass man selbst jede Menge tut und dass man aber eben auch einen Arzt findet, der letztendlich verschiedenste Therapieverfahren kombiniert.


Denn nur das hat letztendlich langfristigen Erfolg. Ja, es ist nicht die eine Physiobehandlung, es ist nicht die eine Injektion und beides hat ja eben auch einen hohen Stellenwert in der Therapie von Gelenkerkrankungen. Es ist immer das Zusammenspiel aus dem, was der Patient tun kann für seine Gelenke und ein bisschen Hilfe aus dem Arztkoffer.


Und die Message ist, sich erst unters Messer legen zu lassen, wenn auch letztendlich sämtliche multimodale Therapien angewandt wurden. Und wenn man dann gemeinsam an eine Endstrecke kommt und sagt, wir haben wirklich in jeden Therapietopf gegriffen, der Sinn ergibt und alles ausgeschöpft, dann ist der Zeitpunkt da, wo man dann auch mal das Skalpell zücken kann.


[Nils Behrens] (49:45 - 50:11)

Ich sage vielen Dank für das tolle Gespräch. Jetzt möchte ich alle von unseren HörerInnen dazu motivieren, dieses Buch auch zu kaufen. Es heißt „Die beste Ernährung für schmerzfreie Gelenke“ und mit über 70 Rezepten, Mikronährstoffen.


Das ganze Thema Fassen ist da drin und es soll helfen bei nicht nur Arthrose, sondern auch Rheuma und Gicht. Und es ist erschienen im TRIAS Verlag. Und wie du mir im Vorgespräch gesagt hast, ist es jetzt schon ein Bestseller.


Wahrscheinlich nicht ohne Grund.


[Dr. Meike Diessner] (50:12 - 50:15)

Ganz herzlichen Dank für die Einladung. Es hat mir großen Spaß gemacht.


[Nils Behrens] (50:16 - 50:22)

Gerne wieder. Du hast mir ja schon ein neues Buch im Vorgespräch angekündigt. Also ich glaube, wir werden uns wieder sehen, hören.


[Dr. Meike Diessner] (50:23 - 50:24)

Das würde mich sehr freuen.


[Nils Behrens] (50:28 - 50:30)

Hast du eigentlich ein Lieblings-Supplement?


[Dr. Meike Diessner] (50:31 - 50:32)

Ja, das Vitamin D.


[Nils Behrens] (50:33 - 50:58)

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