Informationen zur Podcastfolge Nr. 196 Diese Pflanzen können deinen Alltag verändern: Phytotherapie mit Dajana KrügerInformationen zur Podcastfolge Nr. 196 Diese Pflanzen können deinen Alltag verändern: Phytotherapie mit Dajana Krüger

Diese Pflanzen können deinen Alltag verändern: Phytotherapie mit Dajana Krüger

Pflanzen sind weit mehr als nur Nahrung, sie sind unsere ältesten Heilmittel und wertvolle Seelenbegleiter. Das Wissen um die gezielte Anwendung von Wildkräutern ermöglicht uns eine kraftvolle Prävention direkt vor der eigenen Haustür. In dieser Folge von HEALTHWISE spricht Host Elisabeth Seidel mit der Kräuterpädagogin und „Grünsein“-Gründerin Dajana Krüger über die Welt der Phytotherapie und wie man Wildpflanzen sinnvoll in den modernen Alltag integriert. 

Die Folge HEALTHWISE auf YouTube

Wildkräuter als Nährstoffbomben

Die Natur bringt laut Dajana Krüger alles zur richtigen Zeit hervor, was uns gut tut. Im Frühling begleiten uns Kräuter wie Giersch oder Scharbockskraut als frische Bereicherung für den Speiseplan. Besonders Pflanzen wie die Brennnessel werden in dieser Zeit traditionell geschätzt, um das allgemeine Wohlbefinden zu unterstützen. Dies ist eine ideale Phase, um den Körper mit wertvollen Pflanzenstoffen bewusst zu begleiten.

Im Sommer liegt der Fokus auf der Pflege der Haut und dem Schutz der Zellen vor oxidativem Stress, beispielsweise durch eine Ernährung, die reich an Antioxidantien wie Vitamin C oder Zink ist. Der Herbst bietet hingegen Samen, Nüsse und Wurzeln, die wertvolle Energie für die kühleren Monate liefern. Dajana Krüger rät dazu, diesen natürlichen Jahresrhythmus wieder bewusster für einen achtsamen Lebensstil zu nutzen.

CHECKLISTE: Wildkräuter sicher sammeln

  • Sammle nur Pflanzen, die du zu 100 % sicher erkennst. 
  • Beginne mit wenigen, bekannten Arten wie Gänseblümchen oder Löwenzahn.
  • Ernte bei der Brennnessel vorzugsweise das zarte, obere Drittel.
  • Streiche Brennhaare von unten nach oben ab, um sie unschädlich zu machen. 
  • Nutze im Wald alle Sinne – fühlen, sehen, hören, riechen und schmecken.

Die Kunst der Verarbeitung

Für den Einstieg in die Pflanzenwelt empfiehlt Dajana Krüger, Kräuter zunächst ganz simpel in die tägliche Ernährung einzubauen. Ein einfacher Giersch im Kartoffelbrei oder ein selbstgemachtes Kräutersalz im Dressing senken die Hemmschwelle erheblich. Wer Pflanzen trocknen möchte, sollte dies immer lichtgeschützt und im ganzen Blatt tun, um die wertvollen Inhaltsstoffe optimal zu bewahren.

Eine besondere Rolle nimmt das Oxymel ein, eine alkoholfreie Mischung aus Honig und unpasteurisiertem Essig. Dajana Krüger beschreibt es als „gesunden Sirup“, der Mineralstoffe löst und gleichzeitig die Verdauung fördert. Es lässt sich wunderbar als Basis für Kräuterlimonaden verwenden oder pur als morgendliche Routine mit warmem Wasser einnehmen.

CHECKLISTE: Haltbarmachung & Qualität

  • Trockne Kräuter immer rascheltrocken, um Schimmelbildung zu vermeiden.
  • Lagere Vorräte maximal ein Jahr, bis die Natur wieder neu austreibt.
  • Verwende für ein Oxymel stets unpasteurisierten Essig und hochwertigen Honig.
  • Bevorzugen Sie bei Heiltinkturen getrocknete Kräuter für eine exakte Dosierung. 
  • Wähle raue Standorte, da Pflanzen dort oft stärkere Abwehrmechanismen entwickeln. 

MEHR ZUM THEMA: Der Multifokus-Effekt

Waldbaden und Achtsamkeit

Neben der Ernährung spielt der direkte Naturkontakt eine entscheidende Rolle für das allgemeine Wohlbefinden. Dajana Krüger erklärt das Waldbaden als ein „Nach-Hause-Kommen“, das tief in unserem Nervensystem verankert ist. Bereits kurze Aufenthalte im Grünen senken nachweislich Stresshormone und die Herzfrequenz.

Besonders faszinierend ist die Wirkung auf das Immunsystem. Bei Frauen sinkt das Stresslevel oft sogar noch stärker als bei Männern, wobei der positive Effekt über Wochen anhalten kann. Kräutersammeln ist für Dajana Krüger dabei die reinste Form des Waldbadens, da es alle Sinne gleichzeitig aktiviert.

Die Weisheit der Signaturlehre

Dajana Krüger beschreibt die sogenannte Signaturlehre als einen faszinierenden Weg, um Pflanzen wieder mit anderen Augen zu betrachten. Dabei wird die äußere Form einer Pflanze, wie etwa die Herzform der Weißdornblätter, symbolisch für ihre Wirkung im Körper wahrgenommen. Ein genaues Hinsehen im eigenen Garten lohnt sich dabei fast immer. Oft wuchern dort nämlich genau jene Kräuter besonders stark, die man für das eigene Wohlbefinden gerade am dringendsten benötigt. 

Ganzheitliche Vorsorge im Alltag: Bewegung, Ernährung und Schlaf 

Ein großer Teil des Gesprächs dreht sich um Faktoren, die sich im Alltag beeinflussen lassen. Dr. Julian Weingärtner macht dabei deutlich, dass neben einzelnen Maßnahmen auch weitere Aspekte berücksichtigt werden sollten.

Bewegung

Regelmäßige Bewegung wird als zentraler Hebel beschrieben. Bereits etwa 150 Minuten moderate Aktivität pro Woche können laut Dr. Julian Weingärtner eine Rolle spielen. Mögliche Effekte:

  • Unterstützung des Stoffwechsels
  • Einfluss auf den Insulinhaushalt
  • Veränderungen auf zellulärer Ebene

Ernährung

Auch die Ernährung zählt für Dr. Julian Weingärtner zu den beeinflussbaren Faktoren im Alltag. Er spricht dabei nicht von einer strengen Diät, sondern eher von einer möglichst natürlichen, vollwertigen Ernährungsweise. Im Fokus stehen dabei: 

  • pflanzenbasierte Vollkost
  • möglichst unverarbeitete Lebensmittel
  • bewusste Auswahl von tierischen Produkten

Ziel ist es, dem Körper eine stabile Grundlage zu geben und gleichzeitig externe Belastungen, etwa durch bestimmte Stoffe, zu reduzieren.

Schlaf

Ein oft unterschätzter Faktor ist Schlaf. Dr. Weingärtner beschreibt, dass bereits wenige Tage mit stark reduziertem Schlaf Auswirkungen auf den Stoffwechsel haben können. Wichtige Aspekte:

  • regelmäßige Schlafzeiten
  • dunkle Umgebung
  • möglichst konstante Routinen

Schlaf wird im Gespräch als grundlegender Bestandteil eines stabilen Stoffwechsels eingeordnet.

 

TAKE AWAYS

  • Pflanzen sind Vielstoffgemische, deren Inhaltsstoffe oft synergetisch und dadurch milder wirken als isolierte Wirkstoffe. 
  • Wildkräuter besitzen durch ihren natürlichen Überlebenskampf eine deutlich höhere Nährstoffdichte als Kulturgemüse.
  • Der saisonale Rhythmus der Pflanzenwelt bietet zu jeder Jahreszeit genau die Unterstützung, die unser Körper aktuell braucht. 
  • Oxymel ist eine hervorragende alkoholfreie Alternative, um Kräuterwirkstoffe effizient und schmackhaft zu konservieren. 
  • Regelmäßiger Naturkontakt wie das Waldbaden stärkt nachweislich die Immunabwehr und reduziert chronischen Stress. 

Mehr erfahren im healthwise Podcast von sunday natural

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Dajana Krüger ist diplomierte Kräuterpädagogin, ganzheitliche Ernährungsberaterin und Gründerin von „Grünsein“. Sie verbindet traditionelles Pflanzenwissen mit einem praktischen Ansatz und zeigt, wie Wildkräuter als fester Bestandteil der Ernährung die Gesundheit fördern können. 
 

Mehr zu Dajana Krüger  unter www.grün-sein.de

[Dajana Krüger] (0:00 - 0:52)

Pflanzen sind einfach, wenn man es genau nimmt, nicht nur unser wichtigstes Nahrungsmittel, sondern natürlich auch unsere ältesten Heilmittel, die wir haben.

Pflanzen machen ja mehr als nur schmecken und uns guttun.

Sie tun uns auch irgendwie so in der Seele ein bisschen gut.

Sie sind aber auch ein wichtiges Nahrungsmittel und auf jeden Fall ein wichtiges Heilmittel.

Unkraut sagt man übrigens erst so seit ca. 80 Jahren.

Vorher waren das die Beikräuter und vorher war das ganz normaler Salat.

So ein Wildkraut hat halt besonders viel an Bitterstoffen, Gerbstoffen. Ätherische Öle kennen die meisten aus der Aromatherapie.

Aber eben auch besonders spannend, ganz viele Vitamine und Mineralstoffe.

Das denkt man bei Wildkräutern nicht immer unbedingt an die Vitamine.

Aber wenn wir uns jetzt zum Beispiel gerade die frischen Triebe der Brennnessel angucken, da hat kein Gemüse mehr eine Chance mit dem Vitamin C-Gehalt.

[Elisabeth Seidel] (0:53 - 2:07)

Herzlich willkommen zu Healthwise, dem Gesundheitspodcast präsentiert von Sunday Natural.

Ich bin Elisabeth Seidel und in diesem Podcast erkunden wir gemeinsam, was es bedeutet, gesund zu sein.

Wir tauchen ein in Themen wie Medizin, Bewegung, Ernährung und emotionale Gesundheit.

Immer mit einem weisen Blick auf das, was uns wirklich guttut. Herzlich willkommen zu einer neuen Folge Healthwise.

Heute sprechen wir über Phytotherapie, also die gezielte Anwendung von Heilpflanzen und darüber, wie wir sie sinnvoll in unseren modernen Alltag integrieren können.

Mein Gast ist Dajana Krüger, Gründerin von Grünsein, diplomierte Kräuterpädagogin und ganzheitliche Ernährungsberaterin.

Sie verbindet traditionelles Pflanzenwissen mit einem praktischen und alltagstauglichen Ansatz und zeigt uns, wie wir Pflanzen nicht nur als Tee oder Hausmittel nutzen können, sondern als festen Bestandteil unserer Ernährung und unserer Lebensweise verstehen können.

In dieser Folge sprechen wir darüber, wie Pflanzen im Körper wirken, worauf es bei der Verarbeitung und der Qualität ankommt und wie man einen sicheren und sinnvollen Einstieg in die Welt der Pflanzen findet.

Ich persönlich freue mich ganz, ganz sehr auf dieses spannende Thema. Herzlich willkommen, Dajana.

[Dajana Krüger] (2:08 - 2:11)

Hallo Elisabeth, ich freue mich sehr, bei euch zu sein oder bei dir.

[Elisabeth Seidel] (2:13 - 2:29)

Dajana, du kommst ja ursprünglich aus der Floristik. Was hat dich dann fachlich dazu gebracht, weg von der Ästhetik zu kommen und tiefer in die Pflanzenheilkunde einzusteigen?

Was war so deine Reise dahin?

[Dajana Krüger] (2:29 - 3:12)

Also Pflanzen, das ist einfach was ganz Spannendes und ich wollte einfach irgendwann wissen, was steckt da drin, die können ja noch mehr als nur schön aussehen.

Und genau das war es, einfach zu gucken, was kann man damit alles machen.

Und tatsächlich komme ich auch von zu Hause aus, hat man schon relativ viel mit Pflanzen und Kräutern gemacht und da wollte ich einfach tiefer einsteigen.

Und das habe ich gemacht und da bin ich hängen geblieben.

Und meine Spezialität ist tatsächlich eben zu sagen, hey, ich arbeite nicht therapeutisch, sondern ich würde gerne, dass wir die Kräuter viel mehr in den Alltag integrieren und eben erst gar nicht dazu greifen, wenn wir was haben, sondern einfach schon als natürliches Nahrungsmittel quasi immer zu integrieren.

[Elisabeth Seidel] (3:13 - 3:26)

Als Präventionsmaßnahmen sozusagen. Sozusagen, genau. Für ein gesundes Leben. Genau.

Erinnerst du dich an einen spezifischen Moment oder an eine ganz besondere Pflanze, die dich da geprägt hat?

[Dajana Krüger] (3:28 - 4:15)

Naja, es sind viele, aber tatsächlich hatte ich so einen Moment, also bei dieser Ernährungsausbildung ging es natürlich auch viel um Nahrungsergänzungsmittel und so.

Und da hat man sich viel damit beschäftigt, was steckt in welcher Packung drin.

Und da habe ich einfach gemerkt, da kam mir mein botanischer Hintergrund sehr zugute, weil ich habe oft auf die Packung geguckt und dachte, hey, das ist ja jetzt irgendwie nur eine Löwenzahnwurzel oder eine Brennnessel oder so.

Es steht natürlich dann immer auf botanisch drauf und dadurch klingt das besonders clever.

Aber das war so der Moment, wo ich dachte, verrückt, wir kaufen so viele Sachen, die wir dann zu uns nehmen, anstatt vielleicht einfach immer mal eine Brennnessel mit in den Giersch oder in den Tee zu tun.

Und das war der Moment, wo ich dachte, jawohl, das muss wieder irgendwie mehr unter die Leute.

Und dann habe ich mich darauf spezialisiert. [Elisabeth Seidel] (4:19 - 4:50)

Wenn wir jetzt von der Kräuterheilkunde sprechen oder wie es ja auch genannt wird, Phytotherapie, was versteht man darunter?

Es ist ja jetzt nicht einfach nur im Tee kochen. Es hat ja eine super lange Tradition der Anwendung.

Ist es für dich eher so, sage ich mal, ein Hausmittel oder eine Präventionsmaßnahme oder nützt es schon auch teilweise therapeutisch, wenn du jetzt erkältet bist?

Was ist es für dich? [Dajana Krüger] (4:50 - 6:35)

Also es ist vieles in einem.

Ich finde, man kann das eine nicht von dem anderen trennen.

Und Pflanzen sind einfach, wenn wir es genau nehmen, nicht nur unser wichtigstes Nahrungsmittel, sondern natürlich auch unsere ältesten Heilmittel, die wir haben.

Und auch wenn wir uns damit beschäftigen, was steckt in Medikamenten drin, haben wir auch heute natürlich viele Pflanzenauszüge oder halt irgendwie Substrate, wo man guckt, das kommt aus dem Pflanzen und daraus hat man gemerkt, das funktioniert so und so und daraus macht man heute ein Medikament.

Das ist es natürlich auch. Aber ich glaube halt auch, es ist einfach eine große Nahrungsquelle und eine große Nährstoffquelle.

Und Unkraut sagt man übrigens erst so seit circa 80 Jahren.

Vorher waren das die Beikräuter und vorher war das ganz normaler Salat.

Und ja, also es ist immer so eine Art und Weise, wie man es betrachtet.

Und ich glaube, es ist alles. Also das ist irgendwie auch so ein Seelenbegleiter.

Pflanzen machen ja mehr als nur schmecken und uns gut tun.

Sie tun uns auch irgendwie so in der Seele ein bisschen gut.

Sie sind aber auch ein wichtiges Nahrungsmittel und auf jeden Fall ein wichtiges Heilmittel. Auf jeden Fall auch.

Und wie gesagt, also ich glaube, im Hausgebrauch betreibt man keine professionelle Phytotherapie.

Also dazu darf es auch gerne einen Therapeuten oder einen Heilpraktiker oder einen Arzt und einen Apotheker und so haben.

Aber dennoch darf man da ein bisschen diese Vorsicht abwerfen und einfach Kräuter viel mehr im Alltag integrieren, sodass sie uns jeden Tag schon ein bisschen gut tun können.

Und dann sind das nicht nur die Kräuter, das sind alle Wildpflanzen, die einfach so in der Wildnis wachsen, weil die haben einfach nochmal ein ganz anderes Spektrum an Inhaltsstoffen und an Nährstoffen als das, was wir jetzt so als Zucht- und Kulturgemüse kennen.

Auf jeden Fall. [Elisabeth Seidel] (6:37 - 7:18)

Da würde ich gerne später noch genauer drauf kommen.

Bevor wir so darauf kommen, wie man die Pflanze vielleicht betrachtet in einer ganzheitlicheren Version, wie das vielleicht auch Paracelsus damals getan hat, finde ich persönlich super spannend, würde ich gerne nochmal darauf zu sprechen kommen, wie es in der Phytotherapie oder der Pflanzenheilkunde heute ist.

Also wenn man das sehr wissenschaftlich betrachtet, werden ja die Pflanzen häufig runtergebrochen auf gewisse Wirkstoffe.

Und einfach, um das mal so anzuschneiden, welche Wirkstoffe werden denn da genau angeguckt?

Also Bitterstoffe, Gerbstoffe, was gibt es da so? [Dajana Krüger] (7:19 - 11:07)

Genau. Wir sagen immer, Pflanzen sind Vielstoffgemische.

Ja, und das sind sie auch. Und du hast das schon ganz gut gesagt, wenn man es eben sonst meistens aus Medikamenten oder anderen Mitteln, die man kauft, entzieht man meistens einen bestimmten Inhaltsstoff.

Und der ist dann eben besonders hoch in dem Präparat vertreten.

Währenddessen, wenn ich jetzt natürlich auf so einen Löwenzahn rumkau, da ist natürlich viel mehr drin als nur Bitterstoffe.

Und so betrachtet man das auch. Und ich finde, das ist auch der Grund, weshalb Wildpflanzen so spannend sind, weil sie eben wirklich noch ein Riesenspektrum an diesen sekundären Pflanzeninhaltsstoffen haben.

Und wenn man sich halt so diese Pflanzenwelt insgesamt betrachtet, teilen wir tatsächlich schon noch mal auf der einen Seite zwischen dem, was wild wächst und dem, was gezüchtet wird, unseren Kulturpflanzen.

Und es ist schon so, dass allen, was wir gezüchtet haben und kultiviert haben, einfach viele Inhaltsstoffe verloren gegangen sind.

Währenddessen wirklich unsere Wildpflanzen noch das volle natürliche Spektrum haben und gerade deswegen so spannend sind.

Diese sekundären Pflanzeninhaltsstoffe, das ist eben auch wirklich das, was die Pflanzenheilkunde so spannend macht. Aber eben auch als Lebensmittel.

Und so ein Wildkraut hat halt besonders viel an Bitterstoffen, Gerbstoffen. Ätherische Öle kennen die meisten aus der Aromatherapie.

Aber eben auch besonders spannend ganz viele Vitamine und Mineralstoffe.

Das denkt man bei Wildkräutern nicht immer unbedingt an die Vitamine.

Aber wenn wir uns jetzt zum Beispiel gerade die frischen Triebe der Brennnessel angucken, ja, da hat kein Gemüse mehr eine Chance mit dem Vitamin-C-Gehalt zum Beispiel.

Ganz viel Chlorophyll, was wir halt auch so für die Zellen brauchen. Also Wildpflanzen sind einfach voll.

Und diese sekundären Inhaltsstoffe, die wir in den Wildpflanzen so viel haben, für die Wildpflanzen ist das meistens ein Überlebensmechanismus.

Also die haben die nicht nur einfach so ausgebildet, weil die denken, das ist jetzt nett, sondern meistens sind sowas wie Gerbstoffe oder Bitterstoffe, das ist meistens ein Fraßschutz für die Pflanzen zum Beispiel, dass da nicht dran rumgeknabbert wird.

Und für uns hat das dann eben im Körper auch ganz oft eine Schutzfunktion. Oder wenn die Pflanzen Farben haben.

Im Moment zum Beispiel kann man das ganz wunderbar beobachten.

Du hast bestimmt schon mal diese Gänseblümchen gesehen mit diesen roten Spitzen jetzt.

Genau, das ist entweder, wenn es jetzt nochmal richtig Frost hat, das ist ein eingebauter Frostschutz sozusagen, das sind die Anthocyane, das ist ein Farbstoff und den lagern die Gänseblümchen ein, um nicht zu erfrieren.

Und der nächste Monat, wo die Gänseblümchen nochmal ganz pink von oben vor allen Dingen sind, weil im Moment sind sie pink von unten, das ist gegen den Frost von unten.

Und von oben werden sie vor allen Dingen pink, sobald jetzt im April, Mai die erste kräftige Sonne kommt.

Und das ist ein eingebauter UV-Schutz, um nicht zu verbrennen, um irgendwelche Zellveränderungen zu haben.

Und so nutzen wir diese sekundären Pflanzeninhaltsstoffe ja auch gerne.

Also diese Anthocyane, dieser rote Farbstoff, den kennen wir ansonsten ja auch noch so von Brombeeren, Himbeeren, alles was rot, violett ist, genau.

Und so wie die Pflanze sich vor den Umwelteinflüssen schützt, so hat das für uns eben auch eine ganz starke antioxidante Wirkung.

Und nicht umsonst heißt es immer, wir sollen bunt essen, aber wir können dazu eben tatsächlich nicht nur die Früchte nehmen, sondern die Wildpflanzen auch.

Und im Moment kann man das noch wunderbar beobachten, wenn man rausguckt, ganz viel hat so ganz violette Knospen oder Ränder.

Das ist einfach nur ein Schutz vor äußeren Einflüssen. Und ja, und das gibt uns die Pflanze auch weiter.

Also wenn ich mir jetzt zum Beispiel ein Gänseblümchen für den Tee sammle, dann nehme ich besonders gerne das mit den roten Spitzen, weil es hat einfach mal noch ein paar sekundäre Inhaltsstoffe mehr als sonst.

[Elisabeth Seidel] (11:08 - 11:24)

Ich habe auch gesehen auf deiner Instagram-Page, da teilst du ja ganz, ganz viel von tollen Rezepten und Verarbeitungsweisen, hast du jetzt auch ein Veilchen-Oxymel gemacht.

Stichwort lila Farbe, violette Farbe. [Dajana Krüger] (11:25 - 12:53)

Ja, also Pflanzen sind einfach super spannend.

Und je länger ich mich damit beschäftige, warum die uns so gut tun, umso mehr merke ich einfach, je weniger wir an den Pflanzen gemacht haben, umso mehr Inhaltsstoffe stecken drin.

Und deswegen, je rauer so eine Pflanze steht, also wegen mir auch in den Bergen, je mehr Höhe die gekriegt hat, je mehr Strapazen die rundherum hat, umso mehr Abwehrmechanismen muss ja diese Pflanze entwickeln.

Und umso intensiver finde ich die oft von der Wirkung.

Weil man muss sich schon überlegen, wir haben ja also Menschen und auch Tiere, wir have einen riesen Vorteil.

Haben wir irgendwas, haben wir Hunger, geht es immer krank, holen wir uns was zu essen, wir gehen dann in die Apotheke, holen uns ein paar Tropfen, ist es uns kalt, ziehen wir uns an.

Aber diese Pflanzen und Bäume und Wildpflanzen, die stehen da, die sind ausgeliefert, da kommt keiner und macht was.

Sondern die müssen in sich, in der Pflanze auf alles vorbereitet sein.

Auf heiß, auf kalt, auf irgendeinen Pilzbefall, auf ein Bakterium, was da um die Ecke kommt.

Also die müssen im Prinzip alle Veranlagungen schon in sich haben.

Und das sind eben dann diese Inhaltsstoffe, die für uns so spannend sind.

Und ich sage immer, das, was irgendwann mal die Vitamine waren, sind halt mittlerweile die Phytamine.

Weil wir haben verstanden, so wie die Pflanze einfach ihre Inhaltsstoffe hat, um sich zu schützen, gibt sie uns auch ein bisschen was davon ab.

Also warum nicht einfach viel mehr Wildpflanzen essen im Alltag?

[Elisabeth Seidel] (12:55 - 14:14)

Du hattest ja unter anderem auch gerade eben die Bitterstoffe erwähnt.

Das ist was, was ich auch meinen Patienten viel sage. Mehr Bitteressen. Optimalerweise sind es natürlich Wildkräuter.

Viele leben aber auch in der Stadt. Da wäre ich ein bisschen vorsichtig mit Wildkräutern, weil die natürlich auch belastet sind von Umweltgiften etc. Aber um nochmal auf die Bitterstoffe zurückzukommen.

Die sind ja ganz, ganz wertvoll für unsere Leber, für unsere Entgiftung.

Man kann ja in der Natur auch beobachten, dass verschiedene Jahreszeiten, verschiedene Seasons, verschiedene Pflanzen hervorbringen.

Oder sage ich mal, ein Status der Pflanze, der uns dann zeigt, was für uns wichtig ist.

Und jetzt hattest du schon erwähnt, die frischen Brennnesselblüten. Brennnessel ist ja auch eine Pflanze, die man zum Entwässern nutzt.

Aber auch Löwenzahn etc. Das sind ja alles auch bittere Inhaltsstoffe.

Ist es tatsächlich so, dass die Natur uns dann vorgibt, okay, früher traditionell ein Zeitraum für Entgiftung, für Unterstützung der Ausleitungsorgane.

Siehst du das genauso? Oder hast du da ein paar Beispiele, what da jetzt gerade aktuell so rauskommt aus der Erde?

[Dajana Krüger] (14:14 - 17:43)

Auf jeden Fall. Das ist ein guter Punkt.

Und das ist ein ganz wunderbarer Punkt, weil in der Natur passiert nichts umsonst.

Also ich denke mir immer, alles kommt zur richtigen Zeit zum Vorschein.

Und wir sind da heute einfach insofern nicht mehr so abhängig davon, weil wir haben halt einen Supermarkt.

Oder für uns ist immer alles verfügbar. Aber es ist noch gar nicht so lange her, da waren die Menschen wirklich davon auch abhängig, was da die Natur zu welcher Zeit rausbringt.

Und da war das Bewusstsein noch viel mehr davon, was wächst und wie kann ich es haltbar machen und wann esse ich was.

Und der Frühling ist definitiv eine Zeit, wo wir auch wieder so ein bisschen Arschkick brauchen, um in die Gänge zu kommen für unseren Stoffwechsel.

Aber wenn man mal so guckt, angenommen wir hätten unseren Super-Duper-Supermarkt nicht, dann wären wir nach so einem Winter von Nährstoffen her gar nicht mehr so gut aufgestellt.

Also wir bräuchten erstmal wieder ordentlich Mineralstoffe und Vitamine und Chlorophyll und so.

Und das ist spannend, weil die Frühlingskräuter, die kommen, also wenn man gerade eben an die ersten Brennnesseltriebe oder Giersch ist eines der ersten Frühjahrskräuter zum Beispiel oder ganz am Anfang der Scharbockskraut, da haben die Leute drauf gewartet, weil sie wussten, hey, da ist viel Vitamin C drin, da sind viele Mineralstoffe drin.

Also wir brauchen erstmal wieder ein bisschen was zum Auffüllen und aber auch gleichzeitig haben die Frühjahrskräuter ganz oft so was Stoffwechsel-Anregendes halt auch.

Oder wie du gesagt hast, die Brennnessel eben auch so was Ausleitendes oder von den Harnsäuren und so.

Also passt perfekt in die Zeit. Und dann haben wir ja zum Beispiel, dann gehen wir so über in diese Sommerzeit und auf einmal verändern sich auch diese Kräuter.

Also Frühjahrskräuter wollen frisch gegessen werden. Da ist nichts mit einwecken und einfrieren, sondern frisch essen, um an die optimalen Nährstoffe zu kommen.

Und dann guck mal, dann kommen die Sommerkräuter und auf einmal merkt man, wir haben viele so Akutkräuter.

Also Sachen gegen Verbrennungen, gegen Schmerzen. Viele Pflanzen haben viele Farbstoffe, was eben auch so einen Schutz für unsere Haut von innen quasi darstellt.

Oder bevor wir in den Sommerurlaub fahren, viel Karotten essen, damit die Haut schon mal ein bisschen Carotinoide, Flavonoide an die Sonne sich besser gewöhnen kann.

Und dann gehen wir in den Spätsommer über und auf einmal verändert sich die Pflanzenwelt wieder.

Und zwar fängt sie an, die Sachen so vorzubereiten, dass wir sie einlagern können.

Also auf einmal haben die Pflanzen Samen und wir kriegen Nüsse, solche Sachen.

Wenn man an diese Brennnesselsamen denkt, wo dann gute Fette auch noch drinstecken, dann fängt langsam so diese Hagebuttenzeit an.

Und das ist auch so eine Pflanze, die ist super spannend.

Im Frühjahr das Vitamin C, das muss man frisch essen, das verfällt.

Aber so ein Vitamin C in der Hagebutte, das ist auch relativ gut haltbar noch im November und Dezember.

Das ist lange nicht so hitzeflüchtig, wie man das sonst von anderen Verbindungen kennt.

Und dann kommen wir schon so in den Herbst und auf einmal ziehen sich die Pflanzen in den Boden zurück, weil sie wissen, da kommt es kalt und so.

Und für uns ist das heute nicht mehr das Ding. Aber früher hat man viele Wurzeln ausgegraben, aufgehoben, Wurzelsuppen eingekocht.

Ja, warum? Weil in der Wurzel steckt dann im Winter diese ganze Stärke, die Zuckerverbindung, Inulin, auch was wieder für den Darm, auch gerade im Winter total spannend ist.

Und so haben wir das ganze Jahr eigentlich einen schönen Rhythmus und alles ist zur richtigen Zeit da.

Wir dürfen es einfach nur mehr benutzen, glaube ich. [Elisabeth Seidel] (17:46 - 18:05)

Wenn du sagst mehr benutzen, jetzt im Frühjahr meintest du ja schon, da ist man eher frisch unterwegs.

Aber es gibt natürlich verschiedene Art und Weisen, auch Pflanzen zu verarbeiten.

Es gibt ja Tinturen, jetzt über Alkohol, manche, also ich glaube so Gemmoextrakte, also die Knospenextrakte macht man, glaube ich, mit Glycerin.

[Dajana Krüger] (18:05 - 18:05)

Richtig, ja. [Elisabeth Seidel] (18:07 - 18:30)

Was sind so die Unterschiede?

Ich finde bei dir ganz toll, du machst ja so viele verschiedene Sachen von einer Kräuterbutterkerze über Oxymel und alle möglichen Rezepte kreativ, wie du bist.

Aber worauf müsste man achten in der Verarbeitung? Hängt es auch mit den Inhaltsstoffen der Pflanze zusammen oder auf was gibst du Acht?

[Dajana Krüger] (18:31 - 21:42)

Also man muss natürlich sagen, was will ich damit erreichen?

Will ich wirklich richtig phytotherapeutisch damit arbeiten? Also das heißt, ich will eine bestimmte Wirkung für irgendwas haben.

Dann würde ich jemanden, der da gar keinen Bezug dazu hat, auf jeden Fall immer noch mal zu einer Phytotherapeutin, zu einem Heilpraktiker oder in der Apotheke sind die auch super fit, auf jeden Fall schicken, weil da kommt es dann nicht nur so ein bisschen drauf an, sondern da muss natürlich auch die Menge stimmen, die Menge der Inhaltsstoffe und so.

Das können wir natürlich bei so selbstgemachten Sachen gar nicht immer nachweisen, weil alles, was wild wächst, kann ich dir nie eine Garantie geben, wie viel Wirkstoffgehalt auf wie viel Gramm Pflanzenmaterial ist.

Also so genaue pflanzliche Mittel können wir jetzt zu Hause nicht machen.

Aber nichtsdestotrotz kann man natürlich trotzdem in den Alltag die Sachen integrieren.

Wenn ich jetzt wirklich ein bisschen mehr darauf achten möchte, um möglichst viele Inhaltsstoffe zu haben, dann darf man sich da mal näher mit auseinandersetzen.

Wie sind welche Inhaltsstoffe löslich? Also macht das überhaupt Sinn, das jetzt in ein Kräuteröl zu packen?

Oder wäre das vielleicht viel besser löslich in einem Alkoholauszug, also in einer Tinktur?

Oder so wie du schon gesagt hast, die Gemmomazerate. Also dieses Embryonalgewebe von den Knospen. Dazu brauche ich ein Glycerin.

Dann nützt mir das halt nichts. Wenn ich das jetzt nur in den Essig tue, kriege ich sicherlich auch einen kleinen Gehalt.

Aber wenn ich therapeutisch arbeiten möchte, muss ich mich mal näher damit auseinandersetzen, was wirkt in der Pflanze.

Also warum setzt man die Pflanze dafür ein, was sie jetzt gerade kann?

Und wie komme ich an den Inhaltsstoff am besten dran?

Und da ist es tatsächlich so, dass einfach Alkohol mit unser stärkstes Lösungsmittel ist.

Also nicht ohne Grund sind die Tropfen, die man als Kind für den Husten auf so einen Würfelzucker gekriegt hat, waren die auf alkoholischer Basis.

Das hatte nichts damit zu tun, dass Oma gerne Melissengeißen mochte, sondern einfach Alkohol ist ein Lösungsmittel.

Und gerade je fester die Struktur von der Pflanze ist, also Wurzeln, Rinden, umso höher muss auch der Alkoholgehalt gehen.

Aber ich denke, das, was wir meistens im Alltag haben, so Blätter und Blüten, ich würde es einfach immer versuchen, mehr mit zu integrieren, im Sinne von mehr mit in die Nahrung wirklich zu packen.

Und da auch gar nicht so verkopfen, sondern Sachen, die wir eh benutzen.

Einfach so Sachen, wenn du sagst, hey, ich esse gerne einen Kartoffelbrei, dann isst du den auch in Zukunft gerne und packst anstatt einfach der gekauften schlapprigen Petersilie aus dem Supermarkt eine Handvoll Giersch dazu und hast da schon mal ein paar wilde Inhaltsstoffe.

Oder wenn du sagst, jeder macht sich vermutlich einen Salat am Tag, dann mach doch nicht nur normales Salz, sondern dann verwenden wir gleich einen Kräutersalz im Dressing.

Und auch der Essig ist kein normaler Essig, sondern gleich ein Kräuteressig.

Und somit ist das eine ganz niedere Schwelle und trotzdem ganz einfach sind die Wildkräuter im Alltag zu integrieren, denke ich.

[Elisabeth Seidel] (21:43 - 21:46)

Ein Öl wäre ja wahrscheinlich auch denkbar.

[Dajana Krüger] (21:47 - 21:48)

Öl ist supergut.

[Elisabeth Seidel] (21:48 - 21:50)

Knoblauchöl, kann man auch mit Salbei machen oder so.

[Dajana Krüger] (21:50 - 22:44)

Richtig, richtig. Sobald wir Öl haben, muss man einfach mal schon gucken, wie ist es mit der Haltbarkeit, weil frische Pflanzen im Öl, also Wasser und Öl neigt halt zu einer Verkeimung, zu einer Schimmelbildung.

Und da kommt es dann schon wieder darauf an, wie verarbeite ich die richtig oder eben einfach nichts, was man wochenlang im Kühlschrank stehen hat, sondern so ein Kräuteröl mache ich dann halt frisch und verarbeite es innerhalb von ein, zwei Wochen zum Beispiel.

Aber wie gesagt, da muss man dann beim Verarbeiten nochmal näher drauf eingehen, aber wirklich einfach sozusagen, ich trinke jeden Tag meinen Pott Kräutertee, warum mache ich mir denn nicht gleich einen frischen?

Ich habe mir gerade nochmal einen aufgegossen, da schwimmt jetzt ein bisschen Löwenzahn und Labkraut und Gänseblümchen und Gundermann drin rum und schon habe ich nicht mehr den Beutel gebraucht, wo ich eigentlich eh mal nicht weiß, was in diesen Beuteltees drin ist, sondern ja, so kleine Sachen im Prinzip.

[Elisabeth Seidel] (22:45 - 23:09)

Und das hast du jetzt frisch gepflückt sozusagen. Genau.

Wenn man jetzt, ja nicht in einer Stadt, also wenn man in einer Stadt lebt, meine ich, und vielleicht nur mal am Wochenende rauskommt, wie könnte man so einen Kraut als Tee am besten konservieren?

Also ja wahrscheinlich trocknen, aber da gibt es ja sicherlich auch Sachen zu beachten, oder?

[Dajana Krüger] (23:10 - 24:50)

Genau, also wenn wir die Möglichkeit haben, erstmal versuchen wir immer frisch zu nehmen.

Tatsächlich, wir trocknen Teekräuter eigentlich nur, um sie in der Zeit parat zu haben, wo wir sie frisch nicht haben.

Oder so wie du gerade beschrieben hast, genau, du gehst am Sonntag oder am Samstag sammeln und dann nimmst du die mit nach Hause und dann ist halt wirklich immer ganz wichtig, dass du die Sachen, man sagt, ganz blatt trocknest.

Also nicht schon die Kräuter klein schneidest und zum Trocknen legst, sondern wir wollen sie im ganzen Blatt so gut wie möglich erhalten.

Weil natürlich, sobald wir eine Pflanzenzelle offen haben, also da wo der Schnitt ist oder wir sie reißen, in den Pflanzenzellen ist natürlich nicht mehr viel drin, weil dann geht die Inhaltsstoffe raus.

Von daher so ganz blatt wie möglich trocknen und gut lichtgeschützt.

Nicht irgendwo in der prallen Sonne oder auf dem Backblech schön im Südfenster.

Dann sind die zwar schnell getrocknet, aber tatsächlich, Sonne macht ganz, ganz viel mit den Inhaltsstoffen, zersetzt die einfach sehr schnell und wir wollen ja die Inhaltsstoffe so lang wie möglich in der Pflanze haben.

Deswegen immer schön trocken und lichtgeschützt. Und ich tue die auch gar nicht in ein Dörrapparat oder so, sondern einfach bei Raumtemperatur.

Eine Brennnessel, die hat ja auch so wenig Schleimstoff, also die ist sehr trocken.

Da kann gut sein, die ist ja in drei Tagen bei Raumtemperatur durchgetrocknet.

Und dann ist halt immer, man sagt, die Kräuter müssen rascheltrocken sein. Warte mal.

Ich sitze hier eh gerade vor meinem Kräuterregal. Das sind jetzt zum Beispiel Lindenblüten und Lindenblätter noch von letztem Jahr.

Vielleicht hört man das schon. Achtung. [Elisabeth Seidel] (24:52 - 24:54) Ja, man hört es.

[Dajana Krüger] (24:54 - 25:41)

Ja, das Geräusch brauchst du. Es muss rascheltrocken sein.

Dann steckt keine Restfeuchtigkeit mehr drin und dann kann das einfach lichtgeschützt abgefüllt werden.

Dann haben wir da auch keinen Schimmel drin. Und dann sagt man, vom Sammeln bis zum letzten Verwenden ungefähr ein Jahr.

Das wird hier nicht stehen. Kannst du natürlich, aber es wird nicht.

Also die Inhaltsstoffe werden halt nicht besser mit der Zeit.

Also es wird nicht schlecht, aber es ist immer die Frage, wie viel Kraft steckt da noch drin.

Und eigentlich versucht man ja auch in der Naturheilkunde recht natürlich durch die Jahreszeiten zu gehen.

Das heißt, nach einem Jahr, wenn die Sachen wieder anfangen neu zu wachsen, sollten deine Reserven aufgebraucht sein, sodass du wieder neu sammeln kannst.

[Elisabeth Seidel] (25:43 - 26:08)

Also ist dann auch ein Zeichen, dass du dich gut mit Pflanzenstoffen versorgt hast über den Winter quasi ins Lärm.

Vorhin hatte ich ja dein Veilchen-Oxymel angesprochen. Vielleicht können wir kurz erklären, was ein Oxymel überhaupt ist, für die, die es noch nie gehört haben.

Mich würde auch interessieren, was zum Beispiel der Vorteil von so einer Konservierung ist oder wie lange sich sowas hält.

[Dajana Krüger] (26:09 - 29:35)

Also ein Oxymel ist für alle, die es noch nicht kennen, ein Sauerhonig, wenn ich das auf Deutsch übersetze.

Oxy wie Essig und Mel wie Honig. Und man hat, das ist nicht nur bei uns heute, man hat schon immer nach alternativen Auszugsweisen zu Alkohol gesucht.

Und das ist natürlich auch immer spannend für alle Kinder und Mamas und so.

Man will ja immer ohne Alkohol unterwegs sein. Und mit einer Pflanzeneinkunde geht es immer darum eigentlich, was sind gute Inhaltsstoffe und wie kann ich die Inhaltsstoffe so gut wie möglich konservieren und lange haltbar machen.

Und da gibt es so ein paar Lebensmittel, die wir alle kennen, die einfach starke Konservierungsmittel sind und die eigentlich auch nicht so richtig schlecht werden können.

Und dazu gehört zum Beispiel das Salz. Ja, Salz ist so ein Klassiker.

Deswegen kennen wir auch alle den Kräutersalz oder zum Fermentieren oder so. Aber natürlich auch Honig wird eigentlich nicht schlecht.

Also wir haben in Gräbern uralten Honig gefunden. Da ist überhaupt nichts schimmelig oder so, sondern Honig hält.

Der trocknet dir halt irgendwann ein und kristallisiert einen, aber er wird nicht schlecht.

Und ähnlich ist das tatsächlich auch mit einem Essig. Das ist ja was Fermentiertes.

Und bei einem Oxymel benutzt man tatsächlich auch einen unpasteurisierten Essig.

Also das heißt, der ist nicht erhitzt, sondern da lebt es noch richtig drinnen.

Und diese Kombination aus Honig und Essig hat man sich schon seit Jahrhunderten zunutze gemacht, um Kräuter darin einzulegen.

Also erstmal hat natürlich Essig und Honig an sich schon eine gute Basis, aber wenn du dann die Kräuter noch einlegst, ist das einfach eine wunderbare Möglichkeit, um zum Beispiel wie einen gesunden Sirup daraus zu machen, sage ich immer.

Weil alle anderen Sirups werden ja immer mit Zucker eingekocht, wo ich denke, na, wie viel Gutes vom Kraut ist da noch drin, wenn ich auf einen Liter Wasser ein Kilo Zucker eingeköchelt habe.

Wenn ich natürlich die Kräuter mit Honig und Essig gemischt habe, dann ist das natürlich schon eine andere Sache.

Und wie das Mischverhältnis ist, in vielen Rezepten findet man bei einem Oxymel, dass man zum Beispiel sagt, man nimmt zwei Teile Honig, einen Teil Essig und einen Teil Kräuter.

Und mir ist das zum Beispiel viel zu süß, ich mache immer alles zu gleichen Teilen, bei mir kommt genauso viel Essig wie Honig rein, aber das darf ja jeder für sich finden, oder?

Und will ich es kindernschmackhafter machen, ist wahrscheinlich der Honiggehalt mehr.

Aber es ist einfach eine schöne Alternative, um wirklich zu sagen, ich nutze die Kräuter, oder jetzt, wir hatten es vorhin schon von den Brennnesseln, die sind ja jetzt so ganz schön grün, und ein Brennnessel-Oxymel ist was ganz, ganz Feines, um wirklich die Kräuter zu dir zu nehmen, vielleicht auch so ein Oxymel ist auch eine tolle Zugabe in einem Salatdressing, weil Essig und ein bisschen was Süßes und dann die Kräuter noch drin, aber so ein Oxymel kann man auch ganz wunderbar am Morgen einfach einen Löffel mit einem warmen Wasser aufgießen, schon super für die Verdauung, ja,

denkt mal dran, das ist ein unpasteurisierter Essig, also der lebt auch noch ganz fein, da hat es noch ein bisschen was Gutes für unseren Darm dabei, aber auch bei uns zu Hause, wir gießen das unwahrscheinlich einfach gerne mit ein bisschen Sprudel auf, und dann ist das wie eine selbstgemachte Kräuterlimonade, man muss halt schon diesen Geschmack von Sauer mögen, den so der Essig mit sich bringt, wer Essig nicht mag, wird auch mit einem Oxymel nie warm werden, also, weiß ich nicht, vielleicht mal versuchen wir ja zu trinken.

[Elisabeth Seidel] (29:36 - 29:41) Aber es ist schon super lecker, wie du sagst, auch mit Sprudel, so als Getränk im Sommer.

[Dajana Krüger] (29:42 - 31:40)

Man muss natürlich schon sagen, ich filter die Kräuter dann auch nicht ab, sondern ich ess die mit, die dürfen drinnen bleiben, weil im Gegensatz zu einem Alkohol haben wir jetzt an dem, was da an Inhaltsstoffen rausgeht, geht man ungefähr davon aus, dass du mit einem Oxymel bis zu 30-40% der Pflanzeninhaltsstoffe lösen kannst.

Bei einem Alkohol sind wir natürlich durchaus bei 80% bis zu.

Das heißt, wir kriegen nicht das ganze Spektrum, aber es ist auf jeden Fall besser als nichts, und wenn das ein Zugang ist zu den Kräutern, perfekt, dann ist das doch auch, und man muss ja, wie gesagt, nicht immer alles als Medikament oder Therapeutikum sehen, sondern warum ist es denn nicht einfach ein Lebensmittel?

Und das ist es bei uns zu Hause, genau. Nimmst du dann für den Oxymel auch frische Kräuter? Ja, wahrscheinlich.

Also immer frisch, weil da ist einfach mehr Power noch drin.

Klar, in frischen Kräutern ist auch the Anteil von Wasser natürlich höher als in getrockneten Kräutern.

Das ist zum Beispiel auch der Unterschied, wenn man jetzt wirklich Heiltinktur macht, so wie man sie jetzt in der Apotheke nach Apotheker gesetzt, die müssen mit getrockneten Kräutern arbeiten, weil nur dann ist eben ganz sicher sagbar, wie viel Wirkstoff ist auf so viel 100 Gramm getrockneten Kraut.

Das geht halt bei dem frischen Kraut nicht, weil du wirst je nach Jahreszeit viel mehr Wasserrückstände haben und so, aber für die Inhaltsstoffe und auch für den Geschmack auf jeden Fall frische Kräuter nehmen.

Und ich nehme da nicht nur Kräuter, sondern auch pimpe das gerne mit ein bisschen Obst zum Beispiel oder auch mal mit einem Gemüse.

Es ist nicht mehr so lang oder im Mai, wenn dann die Holunderblüte voll im Blüte ist, ein Holunderblüten-Oxymel und dann noch ein paar frische Erdbeeren rein und vielleicht noch zwei, drei Blätter Minze.

Da brauche ich kein Erdbeerlimes mehr, sondern da ist das dann mein Erdbeerlimes, einfach ein Holunder-Erdbeer-Minz-Oxymel ganz, ganz fein.

[Elisabeth Seidel] (31:41 - 31:42) Das hört sich sehr lecker an. [Dajana Krüger] (31:43 - 31:44) Aufschreiben und nachmachen.

[Elisabeth Seidel] (31:46 - 32:38)

Ich habe mal einen gemacht mit, glaube ich, Fichtennadeln, also den frischen Frühen.

Das war auch richtig gut. Man hatte so die ätherischen Öle, frische Zwiebeln. Sehr fein. Auf jeden Fall.

Ich würde gerne noch mal auf etwas zurückkommen, was wir vorhin schon so ein bisschen angeschnitten haben.

Als wir meinten, dass die Wirkstoffe eine sehr isolierte Art und Weise sind, wie man Kraut betrachten kann.

Ich hatte schon Paracelsus erwähnt. Da habe ich so als Beispiel in meinem Kopf das Johanneskraut, was dir an ganz, ganz vielen Stellen, an der Blüte, am Blatt, am Stängel eigentlich schon sagt, wofür es gut ist.

Also man nimmt es ja für Stimmung. Aber wenn man die Blüte zerreibt, dann ein bisschen Rot, das spricht fürs Blut.

Also Sanguis ist auch in diesem alten medizinischen System ja für die Energie, Freude etc. gut.

[Elisabeth Seidel] (32:40 - 33:05) Gleichzeitig dieses volle Spektrum der Pflanze.

Und dass die Inhaltsstoffe natürlich auch zusammenwirken und wahrscheinlich viel effektiver durch diese Zusammenarbeit, wie die Pflanze sie darstellt.

Wie siehst du das? Oder wie lernst du das auch in der Praxis bei den Leuten, mit denen du zusammenarbeitest?

Wie begegne ich so einer Pflanze? Wie schaut man die an? Wie nimmt man sie wahr?

[Dajana Krüger] (33:06 - 37:26)

Das ist tatsächlich ganz spannend.

Also das, was du meinst, da würden wir, werde ich jetzt wahrscheinlich sagen, du redest vielleicht ein bisschen von der Signaturlehre.

Also ja, so ein bisschen so, wo man guckt sich.

Heute wissen wir natürlich, heute haben wir Möglichkeiten, um zu gucken, was steckt in Pflanzen drin.

Aber es gab Zeiten, da musste man genauer hingucken. Da hat man sich so eine Pflanze erst mal betrachtet und dachte sich, wie sieht die aus?

An welche Organteile erinnert die uns vielleicht? Ach ja, jetzt ist es bald so weit, der Weißdorn blüht.

Ein ganz klassisches Mittel, auch in der Füttertherapie, ein ganz starkes Herzmittel.

Und tatsächlich ist Weißdorn schon immer auch, egal in welcher Zeit, ein ganz starkes Herzmittel gewesen.

Und tatsächlich haben die Leute sich diese Pflanze angeguckt und haben aufgrund von der Form von dem Blatt beim Weißdorn darauf geschlossen, dass es ein Herzmittel sein könnte.

Weil es ist so eine typische Herzform. Es hat dann diese Blattader in der Mitte, wo man gedacht hat, okay, linke, rechte Herzkammer und so.

Also eine ganz, ganz spannende Geschichte. Mittlerweile ist es belegt. Wir können da einige mittlerweile auch in der Apotheke kaufen.

Heute wissen wir zwar, dass die meisten Inhaltsstoffe tatsächlich nachher in der Blüte stecken, wenn die so in diesem Knospen-Blüten-Stadium sind.

Und nicht mehr wie früher behauptet oder gedacht in den roten Früchten, die wir dran haben.

Aber so ist es, finde ich das wirklich ganz schön.

Und so dürfen wir uns heute auch noch der Pflanze nähern. Einfach mal genauer hingucken.

Und auch, was wächst denn, wer einen Garten hat und sagt, boah, bei mir wuchert irgendwie was.

Dann mal gucken, was kann die Pflanze denn? Was steckt denn da drin?

Und vielleicht wächst sie ja aus einem bestimmten Grund bei dir, weil wir das vielleicht tatsächlich auch gerade brauchen.

Und was du gesagt hast, auf jeden Fall. Also Pflanzen sind Vielstoffgemische und wirken nicht isoliert.

Ich erkläre das immer so gerne zum Beispiel, gerade in der Aromatherapie nimmt man ja viel, diese ätherischen Öle extrahiert.

Die können therapeutisch ganz, ganz toll wirken. Und gleichzeitig wirken sie aber eben auch so stark, dass sie durchaus auf der Haut eben auch mal eine allergische Reaktion oder so auslösen können, weil sie eben diese ganzen Pufferstoffe, die sonst eine Pflanze hat, eben nicht haben.

Also ich denke immer, jeder Inhaltsstoff in der Pflanze hat seine Berechtigung und oft tatsächlich mildern sie die anderen Inhaltsstoffe die Wirkung so ab, dass wir so gut benutzen können.

Nehmen wir jetzt zum Beispiel das Gänseblümchen. Ganz, ganz schönes Beispiel ist das zum Beispiel dafür.

Gänseblümchen ist volksheilkundlich so ein typisches Mittel auch bei Husten, auch schon bei Kindern.

Hat was damit zu tun, dass die Gänseblümchen ganz viele Saponine enthalten, also Seifenstoffe.

Und wir kaufen gerne, wenn wir einen Husten haben, den wir nicht loswerden, zum Beispiel dieses Hustenmittel Prospan, da ist so ein Efeublatt drauf, das kennen die meisten.

Warum machen wir das? Weil diese Saponine gehen eben tatsächlich in Wechselwirkung mit unseren Bronchien.

Die fangen vermehrt an zu arbeiten, das Flimmerepithel arbeitet und wir haben irgendwas, was uns so richtig fest sitzt.

Dadurch, dass auch mehr Flüssigkeit in unsere Bronchien kommt, können wir das besser abhusten. Wir werden es leichter los sozusagen.

Jetzt sind aber diese Seifenstoffe, diese Saponine zum Beispiel, die können eben auch unseren Verdauungstrakt ganz stark reizen.

Deswegen würde ich nie, nie, nie empfehlen, zum Beispiel ein Efeu einfach zu ernten und heiß zu übergießen, um sich einen Hustentee draus zu machen.

Das ist der Grund, weshalb wir dieses Prospan kaufen, weil da hat man nur diesen Wirkstoff extrahiert und hat ihn zu einem Hustenmittel gemacht.

Gucken wir uns jetzt aber zum Beispiel das Gänseblümchen an, das hat nämlich auch ganz viele von diesen Saponinen, ist aber aufgrund seiner anderen Inhaltsstoffe so abgepuffert, diese Seifenstoffe, dass sie für uns nicht mehr reizend wirken.

Nämlich so wenig reizend, dass man ein Gänseblümchen sogar in einer Teemischung für Kinder empfiehlt.

Das hat einfach was damit zu tun, dass da alles wirken darf und nicht nur ein bestimmter Wirkstoff.

Das finde ich total spannend. So ist das mit ganz vielen Sachen.

[Elisabeth Seidel] (37:28 - 38:02) Du hattest es gerade schon erwähnt für Kinder.

Es gibt ja Kommission E, glaube ich, diese offizielle Kommission, die sagt, wie sicher ein Kraut ist oder für welche Sachen das erforscht ist.

Bin ich richtig? Wie ist es bei Kindern? Ich weiß, in der Schwangerschaft sind auch viele Kräuter nicht als sicher eingestuft.

Bei Kindern, kann ich mir vorstellen, muss man sicherlich auf die Dosierung achten.

Hast du da allgemeine Herangehensweisen oder irgendwelche Kräuter, die man gar nicht verwenden sollte?

[Dajana Krüger] (38:03 - 39:42)

Das ist bei Kindern wie auch bei Schwangeren, da gehen natürlich alle immer auf Supernummer sicher.

Das ist auch ganz wichtig. Man lässt die Finger von Sachen, die stark reizen können oder einen besonders hohen Gehalt an gewissen ätherischen Ölen haben.

Also alles, wo du denkst, ganz krass, vom Duft von den ätherischen Ölen, wäre ich bei Kindern immer vorsichtig und dann natürlich viel weniger.

Das, was wir z.B. so, kennt man noch als Kind, dieses Wick VapoRub.

Wahnsinn, was da in ätherischen Ölen drin ist. Das würde ich heute nie einem Kind unter einem bestimmten Alter geben, weil es viel zu reizend ist.

Und so ist es mit den Kräutern im Prinzip auch.

Also alles mit vielen starken ätherischen Ölen wäre ich vorsichtig und dann eben, wenn, wirklich nur in kleinen Mengen und auch sowas wie Bitterkräuter z.B.

Kinder sind da ja noch viel empfindlicher. Bei denen wird das auch gar nicht schmecken.

Aber die brauchen auch einfach viel, viel weniger. Das heißt aber nicht, dass ich nicht immer mal, wenn ich einen Salat mache, ein Löwenzahnblatt mit in den Salat mogeln kann z.B.

Also es braucht einfach viel weniger und in so einem Kleinkindalter würde ich da prinzipiell selber noch total die Hände davon lassen.

Es ist natürlich immer was anderes, wenn du irgendwas therapeutisch begleitest, aber wenn ich jetzt sagen würde, ich stapfe jetzt so selber los und sammle ein bisschen irgendwelche Pflanzen für mein Kleinkind, was wirklich noch ein Babyalter hat, würde ich nicht.

Also würde ich erstmal prinzipiell nicht empfehlen tatsächlich. Okay. [Elisabeth Seidel] (39:43 - 40:33)

So, jetzt würde ich gerne auf die praktische Anwendung zu sprechen kommen.

Heißt, wie integriere ich das in meinen Alltag? Du bringst es ja vielen Leuten bei, wie sie da auch auf eine Art und Weise Naturverbote verbunden erleben können, wie sie das integrieren in ihr Leben.

Wenn ich jetzt am Wochenende losstiefeln will, um mir Kräuter sammeln. Auf was sollte ich vielleicht achten?

Mit was könnte ich beginnen? Und was sind vielleicht auch wichtige Qualitätskriterien?

Ich habe es schon gesagt, in so einer Großstadt, wir sind hier in Berlin, da findest du auch Wildkräuter tatsächlich am Wegesrand.

Aber willst du die wirklich sammeln? Eher nicht. Was wären die ersten Schritte?

[Dajana Krüger] (40:36 - 43:49)

Wildkräuter verwenden dann, wenn du ein gutes Gefühl dafür hast.

Also was du gerade schon gesagt hast, du stapfst durch Berlin.

Irgendwann, wenn du viele Kräuter verwendest, wirst du vermutlich auch die aus Berlin benutzen, weil diese Abwehr oder diese Vorsicht sinkt ein bisschen.

Aber nichtsdestotrotz ist es einfach erstmal, du brauchst ein gutes Gefühl damit.

Du bist mit dem, was du sammelst, fein sein und vor allen Dingen sicher.

Ich sage immer, wir sammeln nichts, wo wir uns nicht zu 100% sicher sind.

Und wenn ich schon darüber nachdenke, na, ist das vielleicht was anderes, als ich gerade denke, dann lasse ich es schon stehen, weil irgendwo anders steht sicherlich an der Ecke was, wo du dir ganz sicher bist.

Das wäre so oberste Priorität, weil nur dann, wenn ich mir sicher bin, kann ich auch ein gutes Gefühl beim Verwenden haben.

Und dann mit wenig Pflanzen anfangen. Nicht mit irgendwas Verrückten.

Also wenn man mal guckt, ganz, ganz, ganz alte Kräuterausbildung, da hat man pro Jahr eine Pflanze betrachtet.

Das ist heute in unserer Zeit von wir wollen viel Wissen konsumieren und man kann ja ganz viel undenkbar, aber tatsächlich, bis ich eine Pflanze durch jedes Stadium probiert habe und jedes Rezept mal mit ihr ausprobiert habe, da ist wahrscheinlich sogar ein Jahr immer noch zu klein, wir nehmen natürlich mehr, aber trotzdem ist es je weniger, umso besser, weil wir brauchen nicht viel.

Fang doch an mit Sachen, die du erkennst, wie ein Gänseblümchen ist schon mal ganz super, ein Löwenzahn erkennen auch die meisten, dann sowas wie ein Giersch, das kennen auch schon die meisten, das ist so ein unbeliebtes Unkraut sozusagen und so könnte man schon durch das Jahr gehen und ist dann schon ganz gut dabei.

Wirklich wenige und die einfach sich mal näher damit beschäftigen, was steckt da drin, was können die und wie kann ich die im Alltag integrieren.

Und dann sind es am Anfang wirklich so einfache Sachen wie hey, ich tue die Kräuter einfach klein schnippeln und tue die mit in meine Kräuterbutter, da muss ich nicht mehr die Petersilie und Schnittlauch nehmen, die ich sonst so reinhau, kann ich ja natürlich immer noch on top tun oder einfach einen Tee oder einen Kräutersalz und einen Kräuteressig, also Sachen, die ich eh jeden Tag verwende.

Und wenn man dann sagt, hey, ich würde gerne mal eine Salbe oder sowas tatsächlich oder eine Tinktur draus machen, dann wird man nicht umhinkommen tatsächlich mal irgendwo einen Kurs zu besuchen oder sich auch irgendwie ein gutes Buch mal zu besorgen, weil dann geht es natürlich schon noch mehr rein in wie welcher Arbeitsschritt und wie muss ich was bearbeiten, damit ich nachher auch ein möglichst gehaltvolles Endprodukt habe, wo auch viele Inhaltsstoffe drin sind.

Aber zum Anfang würde ich immer erstmal mit Essen und Trinken und also Sachen, die wir eh jeden Tag machen.

Oder was wir halt auch gar nicht mehr so vielleicht haben, sind zum Beispiel Bäder.

Also egal, ob ich jetzt ein Dampfbad, wo ich nur so über die Schüssel noch das Gesicht drüber halte oder wirklich Ganzkörperbäder oder Fußbäder, ist auch eine tolle Möglichkeit, um zum Beispiel Pflanzen von außen auf uns wirken zu lassen.

Solche Sachen einfach oder einfach mal nur hinlegen und sie duften gut und dann macht das auch schon was mit uns.

[Elisabeth Seidel] (43:52 - 44:16) Hast du denn einen Tipp zum Beispiel, du meinst ja Brennnessel kennen wahrscheinlich die meisten Löwenzahn kennen auch viele, wenn wir jetzt an der Brennnessel dran sind.

Das ist ja sehr unangenehm, wenn man die ungünstig anfasst.

Wie ernte ich am besten die Brennnesselblätter oder eben auch die ganze Pflanze?

Weil du meintest ja, eigentlich würde man die volle Pflanze ernten.

Also jetzt wahrscheinlich ohne Wurzel, aber... [Dajana Krüger] (44:16 - 47:57)

Also auch die Wurzel ist ja naturheilkundlich ganz spannend.

Zum Beispiel so wirklich auch durchspülen für die Harnwege und so.

Und das ist zum Beispiel, wenn du dir mal eine Brennnesselwurzel, ich weiß nicht, ob du schon mal eine ausgebuddelt hast, ganz spannend, würde man da jetzt wieder von der Signaturlehre, wenn du eine Brennnesselwurzel mal rausziehst und wäschst, dann ist die knallgelb.

Also die leuchtet richtig gelb und da sieht man eben auch schon wieder, wie man da vermutlich irgendwann mal drauf gekommen ist, wofür die da ist.

Nämlich super für unsere Harnwege und eben auch zum Durchspülen.

Was man davon ausgegangen sieht, aus wie so ein gelber Urinstrahl, der sich da durch die Erde zieht tatsächlich.

Und wenn wir sie jetzt frisch essen wollen, also wirklich so zum Frischsnacken zum Beispiel oder heute Abend mit in den Spinat oder den Gemüseauflauf oder den Salat verwenden wollen, dann sagt man immer so das oberste Drittel.

Also das, was so schön frisch und weich und zart ist, weil die lassen sich einfach am angenehmsten auch verwenden.

Und dann, wer wirklich eine Abneigung hat, ist doch kein Thema. Den nehmen wir in den Handschuh.

Besser als nicht, die Brennnessel anzufassen. Also mit Handschuhe und Schere loszuziehen.

Und ansonsten, wer dann schon langsam zum Profi wird, wird sich auch mal an die Brennnessel rantasten und versuchen, dass die Brennhaare eben vielleicht dann eben nicht so dolle brennen.

Und man sagt immer, wenn man sich so eine Brennnessel mal anmacht, egal welches Teil, sieht man diese kleinen Härchen.

Das sind die Brennhaare. Und die haben eben so eine Sollbruchstelle. Und wenn wir da irgendwie drankommen, bricht es.

Und dann haben wir diesen juckenden Effekt. Der kann richtig gemein sein. Ich hatte es vor kurzem auch erst wieder.

Wenn du die Brennnessel angefasst hast und es brennt noch nach zwei Tagen, dann ist das nicht noch eine Histaminreaktion oder so, die wir haben, sondern dann hast du vermutlich einfach noch so mini Brennhaare da drin stecken.

Und einfach, da nimmt man zum Beispiel einen feinen Tesa und geht immer wieder über die Stelle, dass das dieses Haar quasi wieder rauszieht.

Und dann ist das Brennen auch vorbei. Und ansonsten sagt man immer, diese Brennhaare wachsen an den Pflanzenteilen von unten nach oben.

Das sieht man ganz schön, wenn man so ein Blatt mal oder so ein Stiel mal gegen die Sonne hält.

Und deswegen sagt man immer, beim Ernten streicht man die Brennnessel von unten nach oben ab.

Jetzt hätte ich ja gerade mal eine besorgen können. Na gut, da habe ich nichts dran gedacht.

Um möglichst viele Brennhaare kaputt zu streichen, weil sind die kaputt gestrichen, dann passiert da, brennt da gar nichts mehr.

Und ich verarbeite Brennnessel tatsächlich super gern auch frisch, also auch mal in einen Salat oder so.

Und dann wird die geerntet und auch bei mir, wenn es schnell gehen muss, ich kann mal einen Handschuh nehmen oder es ist eine Zeit im Gartenjahr, wo ich eh super viel Hornhaut habe, dann geht das auch so.

Und dann wird die geerntet und dann gehst du zu Hause einfach mit so Nudelholz nochmal drüber, sind die Brennhaare kaputt gestrichen, brennt nichts mehr und dann kann man die fresh essen.

Dann passiert auch nichts. Oder Chips im Moment, wir haben letzte Woche mit der Kollegin erst Wildkräuterchips gemacht, Brennnesselchips.

Jetzt im Moment sammeln diese frischen grünen Triebe, haben super Crunch.

Echt, das ist überraschend und da brennt dann auch kein Brennhaar mehr.

Einfach so frische Triebe nehmen, ab in eine Schüssel mit ein bisschen gutem Olivenöl beträufeln, ein bisschen Salz, Gewürze dran, sieben Minuten in den Ofen und du hast die crunchigsten Kräuterchips du dir vorstellen kannst.

Die zerfallen dir wirklich im Mund. Warum denn nicht sowas machen?

[Elisabeth Seidel] (47:58 - 48:36) Das habe ich noch nie gehört. Aber du hast ja eh immer so kreative Ideen.

Finde ich super interessant. Vom Kräutergarten oder von der Wildsammlung und vom Wald.

Du bist ja auch Leiterin oder Anleiterin für Waldbaden. Ist das richtig?

Was würdest du sagen, was passiert im Körper, wenn man Wald badet? Erstmal, was ist das vielleicht?

Das kennt vielleicht nicht jeder, obwohl man relativ viel Bekanntheit erlangt hat. Aber ja, vielleicht erst mal generell.

[Dajana Krüger] (48:37 - 53:51)

Waldbaden oder auch den Begriff Shinrin-Yoku bekannt. Klingt wie so eine uralte japanische Heilmethode.

Ist es gar nicht so richtig oder irgendwie doch. Aber der Name ist relativ neu.

Waldbaden ist für mich im Prinzip, was passiert im Körper? Hast du gerade gefragt. Wir kommen nach Hause.

Das ist das, what eigentlich in unserem Körper passiert. Mittlerweile leben wir vielleicht ein bisschen distanzierter von der Natur, als wir das irgendwann getan haben.

Aber Wälder, Auen, Felder, das war eigentlich unser Zuhause. Und tatsächlich, wir haben noch ein Teil in unserem Körper, das hat sich einfach über Jahrtausende eingebrannt in unser Nervensystem, dass das eine beruhigende Wirkung hat, sobald wir uns in der Natur bewegen.

Weil da kommen wir halt her. Das ist so. Und von daher sage ich immer, wer in den Wald geht oder das kennen auch viele, ich habe Stress, ich gehe jetzt erstmal eine Runde laufen oder ich gehe erstmal kurz ins Grüne, dann macht die Farbe Grün ganz viel mit uns.

Aber eben auch wirklich überhaupt dieses Sein in der Natur fährt einfach, triggert total unser Nervensystem.

Und Shinrin-Yoku, dieser Begriff des Waldbadens, tatsächlich kommt eben wirklich aus dem japanischen und wurde eher wirklich so in den 80ern geprägt, so wie wir es heute kennen.

Und ich denke, das ist für uns auch schon je her.

Bist du krank oder bist auf Kur, dann geht man viel spazieren, man geht durch den Wald.

Und die Japaner haben da wirklich wie kleine Forschungszentren in den Wäldern errichtet.

Und zwar haben sie die Leute quasi Puls und Stresshormone und Herzfunktion und so gemessen, bevor sie in den Wald sind.

Und dann haben sie so kleine Messstationen mitten im Wald errichtet und haben ihnen einfach nach einer Stunde Spaziergang nochmal quasi diese ganzen Sachen gemessen.

Und das dann eben über längeren Zeitraum. Also was passiert, wenn ich nur einen Tag im Wald bin?

Was passiert, wenn ich eine Woche jeden Tag für eine Stunde im Wald bin?

Und da hat man eben das festgestellt, was wir schon immer merken, dass es uns unwahrscheinlich gut tut.

Aber dass es eben auch wirklich messbar ist. Und das finde ich so spannend.

Waldbaden ist bei uns mittlerweile auch wirklich therapeutisch. Das wird teilweise von den Krankenkassen übernommen, viel gerade auch zur Kur.

Da hat die Deutsche Akademie für Waldbaden ganz, ganz viel gemacht, dass das wirklich auch von den Krankenkassen anerkannt wird.

Und dann denke ich immer, das ist schon mal ein gutes Zeichen, dass wir nicht nur davon reden, dass wir jetzt die Bäume umarmen.

Nein, da passiert was mit uns. Man hat wirklich auch festgestellt, zum Beispiel Männer und Frauen, wir reagieren, beide Geschlechter reagieren ganz wunderbar auf dieses Sein im Wald, in der Natur.

Aber tatsächlich springen wir Frauen noch mehr an. Also unsere Stresshormone senken nochmal um zehn Prozent mehr nach unten als bei Männern.

Und es hält bei uns tatsächlich teilweise auch länger an.

Also angenommen, wir machen jetzt einen ausgedehnten Spaziergang im Wald, dann hat man zum Beispiel auch festgestellt, dass diese Killerzellen zum Beispiel ansteigen.

Ja, so die, die bei uns bei der Immunabwehr und so helfen.

Und wenn ich jetzt angenommen eine Woche hintereinander, also wirklich wie so kurmäßig jeden Tag eine Stunde im Wald bin, hat man festgestellt, dieser Effekt hält uns für einen ganzen Monat an.

Das ist doch verrückt. Also eine Erholung von diesen Killerzellen um 30, bei Frauen tatsächlich bis zu 50 Prozent.

Und das über eine Länge von einem ganzen Monat. Also da kann man doch unser Immunsystem ordentlich unterstützen.

Einfach nur, indem wir draußen sind. Und beim Waldbaden geht es eben nicht darum zu sagen, ich mache was Verrücktes im Wald.

Weil wann gehen wir im Wald? Entweder, wenn wir keinen mehr hören wollen, wenn es uns so zu viel wird.

Oder wir machen irgendwas im Wald. Also das heißt, wir gehen joggen oder wir treffen uns mit einer Freundin und plappern und laufen da durch den Wald.

Oder gehen mit dem Hund Gassi oder so. Aber dann ist der Wald meistens, wie soll ich das sagen, Kulisse.

Wenn ich jetzt aber ganz bewusst in den Wald gehe, eben nicht mehr, damit er nur so drumherum ist, sondern mir mal bewusst hingucke, dann nehme ich das auch anders wahr.

Also das heißt, wir laufen wirklich langsam. Das hat nichts damit zu tun, dass wir Sport im Wald machen.

Das ist natürlich auch super. Immer noch besser als in der Hauptstraße.

Aber dieses Bewusstsein im Wald sein, ganz bewusst auch atmen. Und beim Waldbaden benutze ich alle Sinne.

Also wir fühlen, wir sehen, wir hören. Und wenn man sich dann eben noch ein bisschen mit Wildpflanzen auskennt, kommt dieser Sinn des Schmeckens auch noch dazu.

Weil der triggert uns natürlich genauso. Also einfach was für alle Sinne.

Und gar nicht so kompliziert machen, sondern einfach mal bewusst viel tief durchatmen.

Und immer den Hintergedanken, ich bilde mir das nicht nur ein, dass mir das gut tut, sondern nein, sind wir in der Natur, tut uns das nachweislich wirklich gut.

Auch so Herzfrequenz kommt wieder ein bisschen runter. Also ganz wunderbar. [Elisabeth Seidel] (53:52 - 53:54) Eine Art Achtsamkeitstechnik.

[Dajana Krüger] (53:54 - 53:55) Unbedingt, ja. [Elisabeth Seidel] (53:57 - 54:03) Aber das könnte ja das Kräutersammeln auch schon sein, wenn man sich wirklich mal das Kraut anguckt.

[Dajana Krüger] (54:03 - 54:55)

Und das, denke ich, ist es wirklich.

Also mit Kräutern arbeiten und Kräutersammeln ist für mich die reinste Form von Waldbaden. Weil was passiert denn?

Du kannst nicht durch den Wald huschen. Das funktioniert gar nicht.

Gehst du Kräutersammeln, ist man einmal sensibilisiert dafür, wirst du alle zwei Meter irgendwas entdecken, was du sammeln kannst, womit man was anfangen kann.

Und dann hat man ganz schnell diesen Effekt von, ich gehe nur kurz in den Wald zu, anderthalb Stunden später bin ich erst zurück.

Also es fährt einen automatisch runter, weil man guckt, man guckt auch ganz bewusst. Man vergisst völlig die Zeit.

Und man nimmt es mit allen Sinnen wahr, weil auch wenn du Kräuter sammelst, es gehört bei vielen Kräutern auch dazu, mal dran zu reiben und zu gucken, ist es jetzt das Kraut, was es ist.

Also du aktivierst da ja auch alle Sinne dann wirklich.

[Elisabeth Seidel] (54:56 - 55:30) Würdest du sagen, dass der Naturkontakt ein ganz unterschätzter Gesundheitsfaktor ist?

Wir haben ja heutzutage ganz viel Langlebigkeitsforschung, irgendwelche Gadgets, die uns runterbringen können, irgendwelche Tracker, die sagen, du hast dich genug bewegt, du bist zu gestresst.

Einfach super viel in Richtung Optimierung. Wenn ja die Natur uns gesundes Licht bietet und Erdung, diese Achtsamkeit, Nährstoffe.

Was sagst du dazu? [Dajana Krüger] (55:30 - 58:04)

Ja, auf jeden Fall.

Sie hat vorhin schon gesagt, wir sind da einfach ein Stück von unserer Heimat weggekommen. Wir trennen das immer so.

Da geh ich raus in die Natur. Da gehören wir schon auch hin. Das gehört dazu.

Und so wie du das gesagt hast, wir trecken alles und versuchen, alles zu optimieren.

Ich glaube, wir würden vieles abdecken, wenn wir da in einem natürlichen Rhythmus mehr sein würden.

Wann geht das Licht früh auf? Wann geht die Sonne auf?

Dann eben vielleicht nicht mehr sofort aufs Handy gucken, sondern erst mal raus, Augen auf.

Das Licht macht natürlich was mit unseren Hormonen und lässt uns da sein.

Ich zum Glück nicht, aber auch ich sitze viel am Rechner.

Aber ich denke mir, das ist so weit weg von unserem natürlichen Sein.

Wir sind ja nicht dazu gemacht, den ganzen Tag bei künstlichem Licht in den Bildschirm reinzugucken.

Wir müssen nichts mehr anbauen. Wir müssen unser Gemüse nicht mehr unbedingt anbauen. Das gibt es zu kaufen.

Aber das würde uns tatsächlich viel geben, mindestens eine Stunde im Garten zu buddeln. Oder wegen mir auf dem Balkon.

Ich hatte lange keinen Garten. Dann buddelt man in Töpfchen und streichelt die Pflanzen und die Radieschen, die wachsen.

Ich glaube, wir sind ganz weit weg von dem, wo wir herkommen. Das nimmt uns ein bisschen die Ruhe.

Von den Nährstoffen war sowieso ganz abgesehen. Das ist auch spannend. Mit den ganzen Waldbaden gab es eine Studie dazu.

Das fand ich total spannend. Da hat man 2 Gruppen genommen und hat gesagt, ihr habt jetzt 3 Tage Urlaub.

Die eine Gruppe hat man zum Stadturlaub geschickt und die andere Gruppe in die Natur.

Die hatten beide keine Gruppen, viel Stress. Aber man hat festgestellt, am 1. Tag Urlaub ging bei allen das Stresslevel nach unten.

Stresshormone in den Keller. Aber schon an Tag 2 fiel auf, dass bei dieser Stadtgruppe, die nur bummeln war, in einem Kaffee saß und Kaffee und Tee getrunken hat, dass da schon wieder das Stresslevel angestiegen ist.

Allein dieses In-der-Stadt-Sein und Verkehr bringt uns auf ein anderes Hab-acht-Level, als sich z.B. irgendwo in der Natur zu bewegen.

[Elisabeth Seidel] (58:05 - 58:17) Dajana, wenn unsere Zuhörer eine Sache mitnehmen sollen aus unserem Gespräch, was wäre das für dich?

[Dajana Krüger] (58:18 - 1:01:04)

Tatsächlich sich umzugucken. Mal bewusst hinzugucken, was wächst da. Ich höre das immer wieder.

Leute sagen, ich habe so viel davon im Garten. Super, guck hin. Was kannst du mit dem Kraut machen?

Vielleicht hat das einen Sinn, dass das gerade bei dir ist und viel wächst. Aber v.a. klein anfangen, nichts Verrücktes.

Ich muss nicht im 1. Jahr 30 Pflanzen kennen. Wenn ich 5 kenne, bin ich da schon richtig gut versorgt.

Da kann ich schon richtig viel anfangen. Und dieses Trauen, diese Sachen zu benutzen.

Mancher denkt, wir haben mehr Angst davor, ob da jetzt ein Vogel draufgemacht hat, als teilweise davor, wie manche Lebensmittel behandelt werden, die man im Supermarkt zu kaufen kriegt.

Das ist irgendwie verrückt. Das merke ich immer wieder, dass da eine Scheu ist. Da kann doch was dran sein.

Das ist es bei den anderen Sachen sicher auch. Aber das liegt so schön im Supermarkt.

Da verbinden wir nicht damit, mit was die vorher gespritzt wurden. Oder vielleicht auch behandelt wurden.

Das gehört zu uns, das sind unsere Nahrungsmittel. Die dürfen wir auch so verwenden.

Jetzt kommt bald die Zeit der Baumblätter. Für alle, die sagen, ich traue mich nicht.

Da unten hat vielleicht der Hund hingepieselt. Okay, total fein, kann ich verstehen, wenn da so eine Abwehrreaktion da ist.

Aber im Moment treibt die Linde ganz frisch aus. Wunderbare hellgrüne Lindenblätter, voller Schleimstoffe. Ganz viele Mineralstoffe.

Und einen Baum, den man z.B. ganz lange genommen hat, um Baummehl herzustellen. Heute für uns kein Thema mehr.

Weil Korn ist total günstig, macht man Mehl draus. Aber es gab Zeiten, da waren die Kornjahre nicht so gut.

Da hat man geguckt, woraus kann ich noch Mehl machen. Und die Linde ist z.B.

ein Blatt, da hat man wirklich Pflanzenmehle daraus hergestellt. Durch diese Schleimstoffe. Das bindet auch ganz wunderbar in den Kuchen.

Das geht hervorragend. Aber auch ein tolles Salatblatt. 1.000-mal mehr Inhaltsstoffe als jeder Kopfsalat. Und wächst jetzt einfach am Baum.

Frische Blätter abpflücken, ab in den Salat. Die sind ganz mild. Die sind auch am Anfang nicht bitter und fasrig.

Einfach mal anfangen, irgendwo in der Nähe eine Kräuterführung mitmachen. Man darf das schon einmal live erlebt haben.

Nur ein Buch zu lesen, kann motivierend sein. Aber man muss das mal gesehen, gerochen und gefühlt haben.

Da hat man einen ganz anderen Bezug dazu. Viel geredet. Tut mir leid, war jetzt nicht nur ein Satz.

[Elisabeth Seidel] (1:01:04 - 1:01:13) Nein, nein. Wenn unsere Zuhörer mehr Interesse haben, über dich und deine Arbeit zu erfahren, wo finden sie dich?

[Dajana Krüger] (1:01:14 - 1:02:26)

Auf meiner Homepage. Ich teile viel auf Instagram. Was kann welches Kraut?

Was habe ich heute gefunden? Da werden viele Rezepte geteilt. Wir haben auch Online-Kurse für Einsteiger.

Die sind 2 Jahre verfügbar. Man kann die Kräutertour immer wieder digital mit mir machen.

Da gehen wir auf die Verarbeitungsmöglichkeiten. Wie mache ich eine Tinktur? Wie mache ich ein Oxymel? Was ist eine Sole?

Brauche ich da einen Alkohol und da lieber ein Salz?

Für alle, die sagen, ich würde mir noch ein bisschen Inspo holen. Das ist ein Buch von mir.

Das sind die wilden Helden. Das finde ich für alle, die einsteigen wollen. Da sind 10 bekannte Wildpflanzen drin.

Was die für uns tun können. Und wie sie ihren Weg in unseren Alltag finden. Oder zum Kurs vorbeikommen.

Ich habe auch Ausbildungen und Wochenendkurse. Ich bin hier am Bodensee. Es lohnt sich immer für einen Ausflug.

Vielleicht ist da jemand dabei. [Elisabeth Seidel] (1:02:27 - 1:02:51) Vielleicht ist jemand in der Nähe. Das war super spannend.

Vielen Dank für die Reise in die Pflanzenwelt. Für die Einführung. Und für deine wertvollen Tipps.

Die Zuhörerinnen haben gehört, sie können bei dir vorbeischauen. Ich bedanke mich für heute. Das war super interessant. Vielen Dank.

[Dajana Krüger] (1:02:51 - 1:03:00)

Für das Nachfragen. Warum die Natur und die Kräuter so wichtig für uns sein können.

Danke.

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