

Natural Flow. Leben und Arbeiten im Einklang mit deinem Zyklus. Mit Dr. Miriam Stark
Der weibliche Zyklus ist weit mehr als nur eine monatliche Herausforderung oder ein biologisches Muss. Er ist ein innerer Kompass, der uns zeigt, wann wir besonders kreativ, intuitiv oder leistungsfähig sind. In dieser Folge von HEALTHWISE spricht Host Elisabeth Seidel mit Dr. Miriam Stark, promovierte Wirtschaftspsychologin und Expertin für zyklusorientiertes Leben, über den Zyklus als Superkraft und wie wir auch in einer leistungsorientierten Welt im Einklang mit unserer Natur leben können.
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Der Zyklus als innere Intelligenz
Viele Frauen erleben die Tage vor den Tagen durch ein verändertes Energielevel oder emotionale Achterbahnfahrten. Miriam Stark sieht darin jedoch eine Art von innerer Intelligenz und einen biologischen Rhythmus. Es geht ihr nicht um Selbstoptimierung, sondern darum, die Sprache des Körpers wieder zu verstehen.
Die Expertin betont, dass unser Körper uns deutliche Signale sendet, wenn wir nicht im Einklang mit unserem natürlichen Rhythmus leben – das zeigt sich oft in der sensiblen Phase des Zyklus durch ein besonderes Bedürfnis nach Balance.
CHeckListe: Den Zyklus im Alltag ehren
- Genau hinhören und eine Freundschaft zu den inneren Anteilen entwickeln.
- Sich am stärksten Blutungstag konsequent in die Waagerechte begeben.
- Die kognitive Energie der ersten Phase für komplexe Planungen nutzen.
- In Phase 3 den mutigen Rückzug ohne Angst vor Irrelevanz erlauben.
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Die vier archetypischen Phasen
Miriam Stark unterteilt den Zyklus in vier Phasen, die sie mit archetypischen Anteilen verbindet. Nach der Blutung beginnt die Phase der „Jungen“, die über die Superkräfte Lernen und Spielen verfügt. Hier sind wir kognitiv besonders klar. Es ist die ideale Zeit für Planungen oder die Steuererklärung.
Es folgt der mütterliche Anteil rund um den Eisprung, geprägt durch ein Östradiol-High. In dieser Zeit stehen Lieben und Genießen im Vordergrund. Wir fühlen uns oft besonders diplomatisch und kommunikativ. Miriam Stark beschreibt dies als das „Queenly-Hormon“, das uns einen besonderen Glow verleiht.
Die Kraft der Magierin und der Alten
In der dritten Phase rückt die „Magierin“ in den Fokus, sobald das Progesteron steigt. Dieser Anteil verfügt über die Superkräfte Intuition und Kreativität. Oft fällt es uns schwer, den damit verbundenen Rückzug gesellschaftlich zu akzeptieren. Miriam Stark erklärt, dass hier oft unterdrückte Wut oder PMS-Herausforderungen auftreten können.
Die vierte Phase gehört der „Alten“ während der Menstruation. Hier herrscht ein hormoneller Tiefstand, der jedoch für Weitsicht sorgt. Es ist die Zeit für Weisheit und das Loslassen. Durch das bewusste Ruhen nutzen wir einen eingebauten seelischen Reinigungsprozess.
Checkliste: Umgang mit pms
- Nutzung kreativer Ausdrucksformen ohne festen Ziel- oder Leistungsdruck.
- Entladung angestauter Emotionen durch bewusste körperliche Aktionen, wie etwa einen Urschrei im Wald.
- Auseinandersetzung mit inneren Widerständen gegenüber den Themen Rückzug oder Loslassen.
- Achtsamkeit für körperliche Signale wie Spannungsgefühle oder die individuelle Wahrnehmung von Stress.
Zykluswissen in Business und Beziehung
Auch in der männlich geprägten Arbeitswelt sieht Miriam Stark großes Potenzial für zyklisches Arbeiten. Sie plädiert für die Einführung von Gesundheitstagen und sicheren Räumen für Kommunikation. In Unternehmen beobachtet sie oft eine riesige Neugierde, auch bei Menschen ohne Gebärmutter. Selbstverantwortung führt hier zu resilienteren Mitarbeitenden.
In Partnerschaften hilft das Wissen um die individuellen Bedürfnisse jeder Phase enorm. Die Expertin hat dafür eine spezielle Zyklusuhr entwickelt. Durch das gegenseitige Verständnis entsteht mehr Freiraum für Liebe und Verbundenheit. Paare finden so oft zu einer völlig neuen Form der Verschmolzenheit.
Die Bedeutung des Lifestyles
Dennoch bleibt der persönliche Lebensstil das Fundament jeder Behandlung. Ausreichend Schlaf unterstützt die natürlichen Regenerationsphasen des Körpers. Ergänzend empfiehlt sie die gezielte Zufuhr von Vitamin C, das als Antioxidans die Zellen vor oxidativem Stress schützt und eine normale Kollagenbildung für eine gesunde Hautfunktion unterstützt. Zu ihren Lieblings-Präraten gehören außerdem Omega-3-Fettsäuren (DHA/EPA), die ab 250mg täglich einen Beitrag zu einer normalen Herzfunktion leisten, sowie Vitamin D, das zur normalen Funktion des Immunsystems beiträgt.
TAKE AWAYS
- Der Zyklus besteht aus vier archetypischen Phasen mit individuellen Stärken und Bedürfnissen.
- PMS-Symptome sind oft ein Zeichen für blockiertes Handeln oder unterdrückte Bedürfnisse.
- Menstruation bietet durch hormonellen Tiefstand eine besondere Weitsicht.
- Zyklusorientiertes Arbeiten in Unternehmen fördert Resilienz und reduziert Krankheitstage.
- Ein bewusst gelebtes Wochenbett ist essenziell für die langfristige Gesundheit der Mutter.
Mehr erfahren im healthwise Podcast von sunday natural
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Dr. Miriam Stark ist promovierte Wirtschaftspsychologin, Buchautorin von „Natural Flow“ und eine der bekanntesten Stimmen im deutschsprachigen Raum für zyklusorientiertes Leben und Arbeiten. Sie begleitet Frauen, Paare und Unternehmen dabei, die weibliche Biologie als Superkraft zu integrieren.
Mehr Informationen: www.tacheles-beratung.de/
[Miriam Stark] (1:09 - 1:50)
Mir ist bei dieser Systematik total wichtig, dass wir das nicht als Optimierungstool verstehen. Es geht hier nicht darum, den Zyklus auszuschlachten, um noch leistungsfähiger zu werden, sondern es geht darum, das, was da ist und die Sprache des Körpers, die Sprache der Seele, die Sprache des Zykluses sprechen zu lernen und verstehen zu lernen und einfach mehr über sich zu erfahren, um dann besser mit sich und seinem natürlichen Sein verbunden zu sein. Und wenn wir da aber blockiert sind in unserem Handeln, dann reagiert der Körper darauf und sagt gerade bei den kraftvollsten Frauen reagiert er eben auch sehr kraftvoll und sehr stark mit der Palette von 160 verschiedenen PMS-Symptomen, die es so gibt.
[Elisabeth Seidel] (1:51 - 4:05)
Diese Woche steht ganz im Zeichen von Female Health. Wir haben drei spannende Podcast-Folgen vorbereitet, in denen wir uns intensiv mit Zykluswissen und zyklusgerechtem Leben beschäftigen. Gemeinsam mit unseren Expertinnen gehen wir der Frage nach, wie der weibliche Körper eigentlich funktioniert und welche Rolle Hormone in unserem Alltag spielen.
Von Energie und Ernährung bis hin zu Arbeit und Lifestyle. Freut euch auf wissenschaftliche Einblicke, praktische Tipps und inspirierende Gespräche rund um das Thema Female Health. Herzlich willkommen zu einer neuen Folge HealthWise.
Heute sprechen wir über ein Thema, das lange Zeit entweder tabuisiert oder stark vereinfacht wurde, den weiblichen Zyklus. Viele Frauen erleben ihn vor allem als Herausforderung mit PMS, Energieeinbrüchen oder Stimmungsschwankungen. Doch was wäre, wenn der Zyklus eigentlich eine Art von innerer Intelligenz ist, ein biologischer Rhythmus, der uns zeigt, wann wir besonders kreativ, leistungsfähig oder intuitiv sind.
Und genau damit beschäftigen wir uns heute. Unsere heutige Gästin ist Dr. Miriam Stark. Dr. Miriam Stark ist promovierte Wirtschaftspsychologin, Buchautorin von Natural Flow und eine der bekanntesten Stimmen im deutschsprachigen Raum, wenn es um zyklusorientiertes Leben und Arbeiten geht. Nach einer persönlichen Identitätskrise geprägt von körperlichen Grenzerfahrungen begannen sie intensiv zu erforschen, was der weibliche Zyklus wirklich bedeutet, und zwar medizinisch, emotional und psychosomatisch. Heute bringt sie dieses Wissen aus einer Nische mitten in unserer Gesellschaft und sogar in die Businesswelt. In dieser Folge sprechen wir darüber, wie Frauen ihren Zyklus als Superkraft nutzen können, warum der medizinische Umgang mit PMS oft zu kurz greift und wie wir auch in einer leistungsorientierten Welt im Einklang mit unserer Natur leben können.
Ich freue mich ganz sehr, dass du heute hier bist. Herzlich willkommen, liebe Miriam.
Wir starten ja den Podcast hier, ich weiß nicht, ob du es weißt. Wir starten immer mit einer Sonntagfrage. Wie sieht denn dein perfekter Sonntag aus und lebst du den passend zu deinen Zyklusphasen oder sieht der eigentlich immer ähnlicher aus?
[Miriam Stark] (4:06 - 5:00)
Also, mein zyklisches Sein ist immer aktiv, deswegen sieht nicht jeder Sonntag gleich aus. Aber jeder Sonntag sieht auch gerade bei uns nicht gleich aus, weil wir auf Reisen sind. Erst mal für ein Jahr und dann mal sehen.
Und deswegen sind wir immer irgendwo und mit drei Kindern und davon einem Baby unterwegs zu sein, bringt schon so eine eigene Dynamik mit, deswegen sind Tage selten planbar und das liebe ich gleichzeitig sehr. Also, um eine Frage zu beantworten, der Sonntag sieht meistens so aus, dass ich wie immer ausschlafe, weil ich nachts stille und dann mein Mann die Frühschicht mit unseren Kindern übernimmt und nachdem ich ausgeschlafen habe, frühstücke und irgendwann finden wir uns so zusammen und lassen uns ganz genussvoll durch den Tag treiben. Das sind meistens unsere Sonntage.
[Elisabeth Seidel] (5:01 - 5:37)
Das hört sich sehr, sehr schön und entspannend an. Genau, zum Einstieg würde ich gerne auf deine persönliche Geschichte eingehen und zwar bist du ja promovierte Wirtschaftspsychologin, arbeitest aber jetzt mit Frauen, mit Unternehmen, mit Paaren rund um das Thema, wie arbeite ich zyklusorientiert, zyklusgerecht, wie entfalte ich als Frau meine Power und wie kann ich sie auch nutzen, aber was war deine persönliche Geschichte? Wie kamst du von der Wirtschaftspsychologie zu diesem Thema?
[Miriam Stark] (5:38 - 8:56)
Ja, es war ein ganz schöner Ritt. Meistens steckt hinter so leidenschaftlichen Themen, wie eben das Zyklus-Thema für mich ist, auch eine leidvolle Geschichte und tatsächlich war es auch so, ich hatte erstmal zwei Schwangerschaften, die sich nicht weiterentwickelt haben und habe diese Erlebnisse versucht irgendwie zu integrieren, aber hatte damals auch überhaupt nicht so die Tools oder wusste auch nicht wirklich, wie man damit wirklich umgeht, weil das Thema an sich so tabuisiert war, auch in meinem Umfeld. Meine Gynäkologin hat mir auch relativ früh schon so einen Mutterpass drüber geschoben und gesagt, ach, wird alles super, weil ich war Anfang 30, was soll das schon sein? Und ja, plötzlich war da kein Herzton und dann darf man da durch diese ganzen medizinischen Prozesse durchgehen und so, das war schon, also da ist mir einfach eine komplette Welt zusammengebrochen, weil ich mich auch auf das Muttersein immer so wahnsinnig gefreut hatte.
Und dann hat mein Körper diese unverarbeiteten Schmerz, der da in meinen Schoßraum gerauscht ist, genommen und ihn mir wirklich vor Augen geführt, weil ich dann eine Autoimmunerkrankung entwickelt habe, Alopecia Universalis irgendwann, also ich hatte wirklich kein einziges Haar mehr am ganzen Körper. Und mit dieser Aufgabe saß ich erst mal da und weil ich irgendwie mit so einem Lebensdurst und auch so einer Neugier und Nerdiness und all dem irgendwie ausgestattet bin, bin ich dann auf die Suche gegangen danach und während dieser Promotionszeit und Wirtschaftspsychologie und so, habe ich einfach ein sehr leistungsorientiertes Leben geführt und war auch mit meinem Körper noch gar nicht so richtig verbunden, sondern es war der Kopf, der alles getragen hat und mit dem ich mich so das Leben manövriert habe. Und auf dieser Reise, die mir dann eben diese Autoimmunerkrankung eigentlich geschenkt hat, habe ich meinen Körper nach und nach kennengelernt und habe so auch über viele alternativmedizinische Wege Gold Nuggets, Wisdom Nuggets gesammelt und irgendwann hat sich daraus so ein stimmiges Bild für mich ergeben, dass das Thema des Ganzen die Weiblichkeit ist und als ich dann noch dieses Buch von Miranda Gray plötzlich in den Händen hielt, wo es darum ging, dass unser Zyklus vier Phasen hat und dass wir irgendwie vier Anteile haben, da habe ich dann gedacht, okay, hier stimmt irgendwas nicht, wieso weiß ich das nicht? Also diese Wut darüber, mit diesem Wissen nicht richtig ausgestattet zu sein, die war vor allem da und dann gleichzeitig so das krasse Bedürfnis, dieses Wissen dann auch in die Welt raustragen zu wollen.
Und dann habe ich angefangen, das einfach in meine Coachingpraxis so einfließen zu lassen und daraus hat sich eben diese theoretische Basis entwickelt, auf der wir jetzt arbeiten und ich auch weitere Menschen ausbilde, nämlich, dass wir eben sehen, dass bestimmte Themen, innere Themen, seelische Themen zu bestimmten Zeiten im Zyklus hochkommen und auftauchen und dass jede Zyklusphase einfach ihren Anteil, den seelischen Anteil, wie so auf dem Silbertablett hervorbringt.
[Elisabeth Seidel] (8:58 - 9:21)
Bevor wir dazu kommen und auf die einzelnen Phasen eingehen, du meintest ja, du warst in einer sehr leistungsorientierten Welt unterwegs. Was denkst du, wie gestaltet sich das, wenn eine Frau in so einer männlich geprägten Welt existiert? Was sind so die Faktoren, die jemand eigentlich als nicht natürlich bezeichnen könnte?
[Miriam Stark] (9:23 - 12:18)
Also ich glaube, dass Verbindung einfach primär fehlt. Also ich fand diese Situation einfach immer total merkwürdig im Arbeitskontext und auch in der akademischen Welt, dass man so in Meetings oder auch, um irgendwas gemeinsam zu kreieren, weil man wie so Schachfiguren, die sich einfach so zusammengesetzt haben und dann irgendwas machen sollten. Und ich dachte immer so, hä?
Aber ich fühle dich doch gar nicht. Ich weiß gar nicht, wie du gerade drauf bist. Erzähl mir doch gerade mal erstmal, was bei dir los ist und dann können wir zusammen gerne was machen.
Aber das fand ich immer total absurd und das ist ja sehr, sehr typisch, wenn man das so zuordnen will. Aber es ist ja ein sehr weiblicher Trait, Verbindung zu kreieren und eigentlich aber ein menschlicher. Also ich glaube auch, dass jedem Menschen, egal ob mit Gebärmutter geboren oder ohne, es wahnsinnig gut tut, erstmal zu spüren, wer bist du denn?
Und das andere ist, dass wir dann, glaube ich, einfach eine sehr starke, ja, so erfolgsgetriebene Dynamik auch in der Akademia hatten, weil es ging um Publikationen und zu dem richtigen Zeitpunkt und weiß ich nicht was. Und sich permanent diesen Druck auszusetzen und auch den Druck von außen kreiert anzunehmen und sich nicht zu fragen, hä, ist das gerade dran für mich? Brauche ich das, will ich das auch gerade leisten und abgeben oder ist gerade vielleicht was anderes dran?
Und gleichzeitig hatte ich eine Kollegin, die mein absolutes Licht in dieser Zeit war, weil die genau sich mit mir im Tandems gegen bestimmte Dinge einfach widersetzt hat und zum Beispiel ihre ganze Promotionszeit irgendwann pausiert hat und gesagt hat, ne, ich nehme jetzt erstmal Zeit für mich und gehe reisen und das flackerte immer irgendwo auf und auch in mir gab es rebellische Anteile, die dann gesagt haben, so was ist hier eigentlich los, so wie ihr das macht, mache ich das nicht und immer wieder so, ja, kurz mal aufblitzend für mich gesorgt habe und gleichzeitig war dieses nonstop verfügbar sein, abrufbar sein, funktionieren müssen, ja, also aufwiegen und brechen funktionieren müssen, das verlangt einem eine Härte ab, die eben gar nicht, finde ich, dienlich ist, wenn es um das gemeinsame Kreieren geht, sondern das eigene System fühlt sich ja sehr selten auch, vor allem als weibliches System sehr selten sicher in so einem Kontext, sondern man ist halt im Nervensystem meistens extrem aktiviert und so lässt es sich eben nicht so lustvoll und leicht kreieren, als wenn wir uns sicher fühlen, uns gegenseitig Safe Spaces dadurch kreieren, dass wir uns fühlen und uns sagen, ey, wir sind cool miteinander und wir machen jetzt was Schönes, ja. Ich hoffe, das beantwortet deine Frage.
[Elisabeth Seidel] (12:18 - 12:34)
Ja, ich finde es auch interessant, wie du sagst, funktionieren müssen. Ich glaube, da vielleicht auch unter deinen Klientinnen gibt es viele Frauen, die das sehen oder die funktionieren müssen, obwohl eigentlich ihr Körper ihnen was ganz anderes sagt.
[Miriam Stark] (12:36 - 13:38)
Voll, also ja, ich meine, wir leben in patriarchalen Strukturen, die dienen niemandem von uns, also keinem Menschen geht es sonderlich gut in diesem super Hardcore-Leistungssystem und es ist einfach nicht menschlich, das von sich abzuverlangen, irgendwie sieben Tage, also fünf Tage die Woche zu den Zeiten abzuliefern. Das war nie so gedacht. Früher haben wir irgendwie vier Stunden am Tag unseren Acker bestellt und irgendwie Hausarbeit gemacht und danach waren wir mit unserer Familie und haben halt gechillt.
Macht ja keiner, da kann ja keiner mehr. Ja, darunter leiden wir auf jeden Fall und vor allem auch unter dieser Disconnection, also es ist wie so ein Abriss, finde ich, zum Menschsein und zum Natursein, der dadurch entsteht, dass diese Leistungsorientierung, das Geld, der vermeintliche Erfolg, dass das einfach so wahnsinnig hoch priorisiert wird.
[Elisabeth Seidel] (13:40 - 15:02)
Ja, ich finde es auch interessant, wenn du sagst, dieses unnatürliche Leben oder Dasein, man weiß ja auch, was zum Beispiel ein naturverbundenes Leben, sei es jetzt Licht, Erdung etc. mit eben der hormonellen Gesundheit auch machen kann und je mehr man in Connection dazu ist, umso regulierter stellt sich auch das Hormonsystem dar, was dann natürlich auch großen Einfluss auf diverse Symptomatiken hat, sei es jetzt irgendwie den großen oder kleinen Zyklus, den eine Frau durchläuft und die damit einhergehenden Symptome auch. Da können wir dann vielleicht nochmal drauf sprechen.
Vielleicht sollten wir erst mal die Zyklusphasen klären, wie sie sich für dich darstellen. Das ist ja ein bisschen anders. Man kennt, der Zyklus fängt an mit der Menstruation.
Ich weiß, du siehst das nicht so. Und dann könnte man das ja einordnen in die verschiedenen Jahreszeiten, aber in deiner Arbeit, wodurch siehst du diese Zyklusphasen geprägt und wie haben die Hormone auch einen Einfluss auf das ganze psychische, auf das emotionale Erleben, auf die Intuition, auf die Energy und wie kann man das dann nutzen? Vielleicht können wir die einzelnen Phasen mal durchgehen.
[Miriam Stark] (15:02 - 20:01)
Voll gerne. Also ich betrachte den Zyklus auf so drei verschiedenen Ebenen. Die äußere, würde ich erst mal sagen, ist das, was wir physisch wahrnehmen. Das hat nicht ich mir ausgedacht, sondern Mutter Natur und das Wissen ist validiert durch verschiedene Medizinerinnen. Also einfach nur das, was unsere Biologie und unsere Physis in der Zeit macht.
Die nächste Ebene ist das, was seelisch durch diese jeweiligen physischen Zustände, in die wir kommen, aktiviert wird. Es gibt diesen seelischen, kleinsten gemeinsamen Nenner, den wir haben. Und da gehe ich gleich im Detail drauf ein, dann wird das auch klarer. Aber es gibt eben Anteile, die aktiviert werden und die können über bestimmte Superkräfte oder Fähigkeiten, besondere Kräfte verfügen. Und ich sage bewusst können, weil es eben Themen geben kann, die durch die Aktivierung dieses Anteils aufkommen und die gesehen werden wollen. Und dann ist es wie eine Blockade in dieser Zeit, dass wir eben keinen Zugriff auf diese Superkräfte oder diese Kräfte haben, sondern sich anstelle dessen psychische oder physische Symptome zeigen.
Und dann haben wir eben diese dritte Ebene, die psychologische Ebene, die ich aus meiner Arbeit heraus entwickelt habe, wo sich Themen zeigen oder wo Themen einfach da sind, denen wir uns, wenn wir das wollen, annehmen können. Mir ist bei dieser Systematik total wichtig, dass wir das nicht als Optimierungstool verstehen. Ja, weil es geht hier nicht darum, den Zyklus auszuschlachten, um noch leistungsfähiger zu werden, sondern es geht darum, das, was da ist und die Sprache des Körpers, die Sprache der Seele, die Sprache des Zykluses sprechen zu lernen und verstehen zu lernen und einfach mehr über sich zu erfahren, um dann besser mit sich und seinem natürlichen Sein verbunden zu sein. Und auf welche Art und Weise das passiert, das ist ja jedem selber überlassen.
Also mein Weg als Psychologin ist es eben, das so psychologisch, tiefenpsychologisch zu verstehen und eben diese Seelen- und Anteilsarbeit zu machen. Es ist jeder andere Weg genauso gut und möglich. Also es gibt Menschen, die eben das durch eine intensive Zusammenarbeit mit der Heilpraktikerin des Vertrauens, aber auch Osteopathinnen und Schamaninnen, ja, also was auch immer, wo man sich so zu Hause fühlt, ist da jeder Weg gut und richtig.
So, das ist mir wichtig, das nochmal vorweg zu schicken. Und du hast vollkommen richtig gesagt, meine Betrachtung des Zykluses beginnt eben nach der Blutung.
Diese Idee, dass der Zyklus mit dem ersten Tag der Blutung startet, ist eine maskuline, also es kommt einfach aus einer maskulinen geprägten medizinischen, schulmedizinischen Perspektive und die braucht wie so den handfesten Beweis dafür, damit sie anfangen kann zu zählen. Emotional und inhaltlich und auch hormonell eigentlich macht das relativ wenig Sinn. Deswegen starten wir nach der Blutung. Da ist ja die Eizellreifung schon im vollen Gange. Die beginnt so während der Blutung mit dem FSH, das Follikelstimulierende Hormon, was dann zum Eierstock runterrauscht und das Startsignal für die Eizellproduktion gibt. Der Prozess ist da schon im vollen Gange und diese Produktion von Eizellen, das fördert das Hormon im Körper oder produziert das Hormon Estradiol. Und das ist so der eine Teil und der andere Teil ist, dass wir uns in Phase 1 meistens mehr bewegen und deswegen mehr Testosteron produzieren. Und durch diesen hormonellen allgemeinen Aufschwung, in dem wir uns da befinden und gleichzeitig auch noch die Gebärmutter Schleimhaut gebildet wird, aktiviert das auf seelischer Ebene bei uns den jungen archetypischen Anteil. Der kann über die Superkräfte Lernen und Spielen verfügen. Das heißt, wir können super gut da drin sein. Wir sind super gut da drin, kognitiv aktiv zu sein und kognitiv leistungsfähig zu sein. Und wir können so Sachen wie Steuererklärung und Planung für den Monat und sowas, geht in dieser Zeit super gut oder kann super gut gehen. Es kann aber auch sein, dass wir uns nicht so richtig wohl fühlen und vielleicht das Gefühl haben, so ein bisschen neben uns zu stehen oder unsicher in uns zu sein. Es können physische Symptome wie Kopfschmerzen, also Migräne ist häufig da, auftreten. Und dann haben wir eben die Möglichkeit, diese psychologische Ebene zu Rate zu ziehen. Und da sind dann die Themen aus Kindheit oder können Themen aus Kindheit und Jugend aktiv sein, weil die wiederum mit dem archetypischen Anteil assoziiert sind. Das heißt, wenn wir Lust haben oder wenn wir merken, es ist auch dran, dann können wir mit innerer Kindarbeit in dieser Zeit die Themen für uns ganz gut greifen und lösen, die unser Körper damit uns besprechen möchte.
[Elisabeth Seidel] (20:01 - 20:18)
Spannend. Also würdest du dann auch so die Verfahren, die du anwendest in deiner Arbeit, so ein bisschen anpassen auf die jeweilige Zyklusphase? Also wenn du sagst, der Frühling, das Kind, die innere Kindarbeit, ist dann wie so eine Analogie, mit der du auch arbeitest?
[Miriam Stark] (20:18 - 21:36)
Genau, also das Frühling, also diese Jahreszeitenlogik, ich verstehe die voll, dass das hilft, um auch Menschen, die überhaupt keine Idee davon haben, das erst mal alles nahe zu bringen. Ich habe auch ganz viele Frauen allerdings bei mir sitzen gehabt, die gesagt haben so, boah, ich fühle mich gar nicht nach Frühling. Und in dieser Perspektive der Jahreszeiten steckt ja wie so ein gewisses Dogma auch drin, zu sagen, so der Aufschwung und das Blühen. Man hat ja selten im Frühling irgendwie die Assoziation, sich kraftlos und irgendwas zu fühlen. Und gleichzeitig darf das ja sein. Und das finde ich wichtig, dass wir da, deswegen eben die archätypischen Anteile, weil die wie so nur ein Feld darstellen, in dem bestimmte Aspekte zusammenlaufen. Aber die Innenreise und jeder junge Anteil, also jedes innere Kind ist ja hyperindividuell. Und genau darauf gilt es ja zu achten bzw. hinzuhören. Also es ist ja weniger die Frage danach, was haben wir da in der Zeit alle gleich, sondern was braucht dein junger Anteil in dieser Zeit genau. Ja, und da wäre, also weil inneres Kind ist halt ein Konzept, was man so kennt, wäre das ja der Anteil, den man da suchen kann, wenn man mag.
[Elisabeth Seidel] (21:37 - 21:54)
Und wenn ich das jetzt zum Beispiel auf meine Arbeit beziehe oder meinen Arbeitsalltag, wie könnte ich das dann nutzen? Also nicht jetzt, um mich zu optimieren, sondern eigentlich eher, um ins Gleichgewicht zu kommen, um mit in einem Zyklus zu leben.
[Miriam Stark] (21:54 - 24:33)
Ja, finde ich eine schöne Frage und auch genau richtig formuliert, weil es gerade in dieser Phase eins genau um den Ausgleich, also um das Gleichgewicht noch geht. Also wenn ich merke, ich kann diese Energie spielerisch, lustvoll, leicht nutzen und mir geht einfach meine Arbeit easy von der Hand. Das ist auch eine Zeit, in der wir so Lust haben auf Expansion. Eine Kollegin von mir hat das mal total schön in unseren Wissenspool mit reingebracht, die Johanna Flora Jutz, dass wir dieses Bedürfnis nach Expansion eben auch haben, weil das biologisch total viel Sinn macht, dass wir, bevor wir irgendwie dann mit der Eizelle uns paaren, dass wir uns so weit wie möglich von unserem Stamm, also von unserem Genpool entfernen, also auch körperlich. Und daher kommt auch dieser sportliche Aktivitätsdrang in dieser Zeit. Das heißt, wir haben wirklich Lust, uns auszudehnen. Wenn wir da auch Wert darauf legen, uns in dieser Zeit persönlich zu entwickeln, dann kann man da super mit Affirmationen arbeiten und wirklich groß und weit denken und rumspielen und seinen Kopf auch so spielerisch, kreativ mit einfließen lassen. Und wenn wir aber merken, dass das Ganze so eine enge, harte Leistungsorientierung kriegt, ja, so dieses Abrattern von Terminen oder noch einen Termin reindrücken in den Kalender und nochmal einen draufsetzen, dann würde ich das fast eher als Symptom sehen und als etwas, was vielleicht eben vom Anteil gesagt werden will und was gehört werden will, wo wir mit dieser Strategie versuchen, dem zu entkommen oder vielleicht darüber zu laufen. Und bei allen Symptomen auf psychischer oder seelischer oder Verhaltensebene würde ich immer sagen, das, was am heilsamsten ist, ist erstmal so ein innerer Pause-Buzzer, den man drückt. Und alles, was so an Terminen oder an Anforderungen da ist, beiseite schiebt und sagt so, ey, pass auf, jetzt ruhen wir erstmal, wir chillen erstmal, ich habe verstanden, hier ist was. Und dann eben hinzuspüren, ist es jetzt dran, dass ich reingehe oder reicht das auch manchmal? Also diese Schnelligkeit, die wir da kriegen, die kann natürlich in einer Gesellschaft, die dich dafür belohnt, besonders leistungsfähig zu sein, superschnell passieren. Und das ist total die tricky Falle, weil wir denken, geil, jetzt habe ich Energie und jetzt kann ich noch mehr. Und wenn ich dann auch noch davor geruht habe, weil ich alles richtig gemacht habe und meinen Zyklus ehre, dann kann das nochmal passieren, dass ich sage, ah, jetzt habe ich richtig Kraft, hui, jetzt muss ich hier los. Und das ist halt Quatsch. Also dann dürfen wir eher gucken, dass wir in so einem fluffigen, flowigen, leichten Modus bleiben können.
[Elisabeth Seidel] (24:33 - 24:46)
Okay. Und ein Zeichen dafür, dass ich mir zu viel aufbürde in der Zeit, wäre dann, wenn ich mich überfordert fühle oder wenn ich merke, dass ich in Stress gerate. Und das kann natürlich für jeden ganz individuell aussehen.
[Miriam Stark] (24:47 - 25:29)
Genau. Also ich finde immer ein gutes Warnsignal ist einfach der Körper selbst. Und wenn wir Enge spüren, ja, oder eben eine Aktivierung unseres Nervensystems, und das ist ja super individuell, wie sich das äußert. Aber so, wenn wir einfach nicht mehr in so einer freudvollen Leichtigkeit sind, sondern in, und das kann ja auch mal so eine lustvolle, kraftvolle Energie sein, die jetzt nicht total hyper relaxed ist, nur, genau, Enge, würde ich sagen, ist ein guter Seismograph, den man irgendwie ablesen kann, wo man so steht. Spannend.
[Elisabeth Seidel] (25:29 - 25:40)
Dann lass uns doch weitergehen. Voll gerne. In der nächsten Phase. Ja. Die mütterliche oder die Mutterphase, das würde dann... Die mütterliche.
[Miriam Stark] (25:41 - 28:49)
Ja, ich benutze ganz bewusst eben Qualitäten, über die ich spreche, mehr als eben weibliche Personen, weil es Menschen gibt, die mit Gebärmutter geboren wurden, aber sich nicht als weiblich lesen. Und die möchte ich gerne damit integrieren. Genau, also der Zyklus geht so weiter, dass diese Eizellen, die ja schon im Reifungsprozess waren, dass es jetzt eine gibt, die wirklich richtig prall wird und ihren Job wie am besten macht und dabei das Östradiol wirklich seinen Zenit erreicht. Und dadurch, dass es seinen Zenit erreicht, gibt es so eine total spannende Rückkopplung mit einem anderen Hormon, das heißt LH, lutenisierendes Hormon. Und dadurch, dass das eben genau an diesem Höchstpunkt ist, wird das lutenisierende Hormon ausgeschüttet und das hat den einzigen Job, voll spektakulär finde ich, auch aus der Hirnanhangdrüse genau zu dieser einen Eizelle hinzurauschen, die ihren Job so unfassbar gut gemacht hat, und zu der zu sagen, spring. Ja, also es ist ein wahnsinniges Orchester, was da hormonell abgeht und die Natur jeden Monat durchspielt. Und durch dieses Östradiol High, in dem wir da sind, hat Mutter Natur natürlich alles darauf ausgelegt, dass ihre ganzen Eizellereifungsbemühen auch in einer Befruchtung enden oder münden und wir deswegen eben sehr lustvoll, genussvoll mit praller Haut und irgendwie prallen Lippen uns sehr genussvoll fühlen können. Und genau das aktiviert den mütterlichen archetypischen Anteil, die über die Superkräfte lieben und genießen verfügen kann. Und gleichzeitig betone ich dieses kann sehr deutlich, weil das eben auch sein kann, dass es gar nicht der Fall ist. Und wenn wir uns dahin stilisieren und gerade patriarchal-gesellschaftlich uns selber so aufoktroyieren, in dieser Zeit besonders lustvoll und genussvoll zu sein, und wir aber merken so, boah, nee, überhaupt nicht, dann finde ich es eben sehr wertvoll, diese psychologische Ebene zu betrachten, bei denen es um die Themen Mutter werden, Mutter sein, Kinderwunsch, also Mütterlichkeit an sich geht, weniger um die eigene Mutter und die Themen, das würde ich eher so mit dem inneren Kind in Verbindung bringen, sondern es geht wirklich um das Thema Mutter sein, Mutter werden und alles, was sich darum rankt. Also Schwangerschaften, die sich nicht weiterentwickeln, Kinderwunsch, all das kann sich da symptomatisch zeigen. Und auch Wochenbetten, die nicht gelebt wurden oder die nicht stattgefunden haben. Da habe ich eine ganze Reihe von Frauen oder eigentlich 90 Prozent der Frauen haben kein anständiges Wochenbett erlebt. Und da ist auch eine wahnsinnige Wut, die da regelmäßig hochkommt und dann fühlt man sich halt nicht sonderlich sexy und genussvoll in Phase zwei, sondern hat einfach Wut auf, häufig auch auf die Partner, aber einfach auch auf das Umfeld an sich.
[Elisabeth Seidel] (28:50 - 28:54)
Was wäre denn ein vernünftiges Wochenbett?
[Miriam Stark] (28:55 - 33:04)
Ha! Superschöne Frage. Ein richtig sattes, satt gelebtes Wochenbett ist eines, wo die Mutter sich vor allem darum kümmert, Geburt, Schwangerschaft, Loslassen, Geburt und Stillen wirklich integrieren zu können, dabei ausreichend und richtig genährt ist. Das bedeutet wirklich mit nährstoffreicher, biologisch nachhaltig gewonnener und satter Nahrung. Und das mehrfach am Tag und sie ausreichend Schlaf hat und Zeit hat, mit dem Baby zu kuscheln und es zu stillen, aber es auch viele Zeiten gibt, wo sie wirklich ruht. Und es gibt verschiedene Kulturen, in denen das so gelebt wird. Wir in der westlichen Welt haben uns ganz furchtbar, ganz schrecklich patriarchal entwickelt in dem Punkt und rauben uns einen Staat häufig auch ins Muttersein und in diesen Familienstaat, der ganz unangenehme Folgen haben kann, weil Schwangerschaft hat auch einen Zyklus und gibt es auch einen Zyklus und das ist so die Phase 4, die lernen wir ja nachher noch kennen, der Schwangerschaft. Also da geht es viel um Ruhe und Integration, aber auch um die gemeinsame Familienfrage zum Beispiel. Wie wollen wir das hier überhaupt gestalten? Wie fühlt sich das für jeden von uns an? Und wenn wir die verpassen, dann gibt es einen Kater. Das gibt es sowohl im Zyklus, da kann ich gleich noch was zu sagen, aber es gibt es vor allem dann auch tausendfach gedoped beim Wochenbett. Und wenn wir uns das Wochenbett aussparen sozusagen und darüber trampeln und schnell in die Funktionsfähigkeit und Leistungsorientierung und in irgendwelche Heidi-Klum-inspirierten, grauenvollen Dinge staksen, dann verüben wir eigentlich Gewalt an unserem Körper und das rächt sich ganz blöd, nämlich durch wirklich chronische Müdigkeit. Also ich habe viele Klientinnen begleiten dürfen, wo wir gemerkt haben, da ist so ein krasser Nährstoffmangel noch drei oder fünf Jahre nach den Geburten da, weil der Körper gar nicht hinterherkommt, das wieder aufzufüllen. Genau, also ich glaube, dass dieser Start des Wochenbetts auch, oder das Wochenbett an sich auch dazu da ist, diese irrsinnige, wahnsinnige Leistung der Mutter auch zu würdigen und heilig zu halten. Also einen Menschen in sich heranwachsen zu lassen und den dann durch seinen eigenen Körper oder wie auch immer aber auf diese Welt zu bringen, und dann auch noch mit seinem Körper im besten Fall weiter zu ernähren, das darf wirklich heilig gehalten werden und zelebriert werden. Und dafür braucht es also eine Struktur, ein Umfeld und zum Glück gibt es so tolle Frauen wie Mütterpflegerinnen, ich werde nicht müde dafür Werbung zu machen, die sich genau darum kümmern, nämlich dass der Haushalt weiterläuft, dass gekocht wird und genau, die werden sogar über die Krankenkasse mitfinanziert, und das ist ein ganz, ganz wunderschönes Konzept, das kommt aus Holland, die gibt es aber auch mittlerweile sehr, sehr viel und weit verbreitet in Deutschland. Ja, also es ist total merkwürdig, weil wir aber gar nicht davon ausgehen, dass es so was gibt. Also ich habe letztens mit jemandem gesprochen, die meinte so, boah, es wäre so cool, wenn es so jemanden gäbe, der dann auf die Kinder, auf das Kind, was schon da ist, aufpasst oder die mitbegleitet und dann aber kocht oder mal nach der Wäsche guckt, und ich so, ja, das heißt Mütterpflegerin. Kann man googeln, gibt ganz viele, macht einen ganz tollen Job. Und wir hatten das Glück, dann bei unserem zweiten Kind wirklich den fleischgewordenen Engel einfach bei uns zu Hause zu haben und die ist wie ein weiteres Familienmitglied geworden und war dann auch bei der Geburt unseres, nach der Geburt unseres dritten Kindes jetzt auch dabei und die hätten wir überhaupt nicht wegdenken können.
[Elisabeth Seidel] (33:05 - 33:33)
Sehr schön. Danke für den Exkurs zum Wochenbett. Ja, sehr gerne. Wir waren ja stehen geblieben bei der Ovulation. In unserem Vorgespräch hattest du ja auch schon erwähnt, dass es oft ist, wenn die Frau den Eisprung ganz deutlich spürt oder Problematiken um diese Zeit hat, dass oft auch eben diese Themen zum Kinderwunsch dahinter liegen. Wie oft siehst du das?
[Miriam Stark] (33:35 - 36:00)
Also dieser Zusammenhang, der hat so eine hundertprozentige Quote. Das ist schon, ich war am Anfang selber davon so überrascht und inhaltlich macht es aber total Sinn. Also es ist so, als würde die innere Mutter dir so am Eileiter zupfen und sagen, hallo, hier ist ein Thema. Und es geht oft gar nicht darum, dass dann morgen eine Schwangerschaft da sein will oder da sein soll. Weil das kann auch passieren, kurz nachdem man gerade ein Kind gekriegt hat. Es geht da mehr darum, dass es wie so eine fast kaum greifbare Beziehung gibt zu einem Kind, Seele, wie auch immer, die da ist und die gefühlt werden möchte. Also wir haben ja so manchmal Schwierigkeiten, das, was wir nicht greifen können, irgendwie zu benennen. Und gleichzeitig konnte jede Frau, die ich dann gefragt habe, kannst du, wenn es einen Mittelschmerz gibt, kannst du da jemanden oder etwas spüren? Gibt es immer ein Ja. Egal wie spirituell offen oder nicht offen oder bodenständig oder was auch immer sie ist. Und diese Verbindung überhaupt erstmal einfach zu fühlen, uns das zu erlauben, ohne zu denken, wir haben sie jetzt nicht mehr alle, sondern einfach zu merken, krass, irgendwie merke ich, dass da im Orbit oder wo auch immer jemand ist. Das reicht häufig, weil das ist halt eine Dimension, die wir so im Alltag irgendwie abschneiden, weil wir den ganzen Prozess vom Kinderempfangen durch die Schulmedizin so sehr auf hormonelle Leistungsfähigkeiten reduziert haben und das Nichtgreifbare am Kinderempfang ist ja aber das, was das Wunder immer so rausmacht. Und das dürfen wir uns, glaube ich, eingestehen als Menschheit, dass wir auch mit jeglicher Schulmedizin, die wir so haben, an diese Dimensionen gar nicht drankommen, sondern es da einfach ums Gefühl geht. Und das habe ich in meiner Arbeit zumindest zu 100 Prozent bestätigt gesehen, dass die Frauen, die sich dem öffnen und merken, krass, da ist einfach irgendwer, der klopft so an. Das heißt aber noch lange nicht, dass ich diese Seele irgendwie gebären muss. Es ist kein Zwang dahinter, sondern es geht einfach um die Verbindung, da jemanden zu spüren.
[Elisabeth Seidel] (36:04 - 36:33)
Um nochmal den Bogen zu schlagen zur Lebens- und Arbeitswelt, wäre die Ovulation ja quasi eigentlich die Krönung dessen, was in der ersten Phase schon passiert ist. Wie würdest du sagen, kann man das gut nutzen für seine Tätigkeit, für Projekte, die man gestalten will oder Ideen, die man entfalten will? Wie wäre so deine Empfehlung oder was würdest du sagen, ist gut?
[Miriam Stark] (36:35 - 37:58)
Also dieses Östradiol-High ist halt so das Queenly-Hormon. Und das lässt sich unglaublich gut dafür nutzen, Bühnen zu bespielen, wenn man Lust darauf hat. Also jegliche Form von Vortrag, Präsentation und so kommt einem da natürlich sehr gelegen. Und gleichzeitig macht es uns auch super diplomatisch. Wir können plötzlich mit Mitarbeitenden, Kollegen, Kollegeninnen, wie auch immer, umgehen, die uns sonst vielleicht ein bisschen mehr Nerven kosten oder es irgendwie anstrengender ist. Und plötzlich haben wir da aber genau den richtigen Turn, das richtige Wort und den richtigen Zugang. Also das ist so der Glow, der uns da so umgibt. Und das Östradiol, was uns da so schmeichelnd in die Karten spielt. Ich warne nur immer so ein bisschen davor, jetzt den Zyklus zu nehmen und irgendwelche Termine da so rein zu pressen und zu versuchen, das genau da hinzulegen. Ich glaube, es geht eher dann darum, das, was da ist, zu nutzen für die Tätigkeit, die gerade da ist, auf die Art und Weise. Also das lässt sich jetzt in Phase 1 und 2 super logisch, glaube ich, irgendwie oder sehr leicht verständlich umsetzen. Bei 3 und 4 können wir da gerne auch nochmal genauer hingucken, wie man das macht. Aber ja, das sind so die Bereiche, glaube ich, wo man sein Östradiol-High ganz genussvoll einsetzen kann.
[Elisabeth Seidel] (38:00 - 38:13)
Ja, du hast es schon angesprochen. Die nächste Phase ist die der Magierin. Schönes Wort, auch ein Wort, was man nicht so oft hört. Was bedeutet das?
[Miriam Stark] (38:15 - 45:02)
Die magische Phase ist eine super spannende, genau wie du sagst. Nämlich kann schon allein der Begriff an sich alle möglichen Gefühle hervorrufen. Weil magisch sein etwas ist, was ja in unserer patriarchalen Gesellschaft historisch betrachtet vor allem sehr gefährlich war und überhaupt nicht gerne gelebt und vor allem nicht gesehen wurde. Und wie wir jetzt vielleicht merken, waren wir jetzt in so zwei archätypischen Rollenbildern unterwegs, die in unserer Gesellschaft total gut repräsentiert sind. Also Frau leistet, Frau nährt, Frau kümmert sich. Und jetzt ändert sich das Ganze, weil das Östradiol hat seinen Job erledigt. Also die Eizelle ist gesprungen und dafür war das eben da, für diesen Eizellenreifungsprozess. Und jetzt passiert im Körper etwas total Spannendes. Nämlich die Follikelhülle, aus der die Eizelle gesprungen ist, die dockt am Eierstock an und bildet eine eigene Blutversorgung und wird zu einer Drüse, die Progesteron produziert. Und Progesteron ist sozusagen das, ich will nicht sagen gegenteilig, aber das nächste Hormon, was einfach dann auf den Plan rückt in unserem zyklischen Sein. Und das führt zu verschiedenen Dingen. Es führt einmal dazu, dass wir Lust haben, uns in uns zurückzuziehen. Und das ist in unserer Gesellschaft relativ negativ gewertet, weil wir das entweder mit Krankheit, Depression oder merkwürdigem Sein verbinden, aber nicht einfach ein ganz natürlicher Prozess. Dann sind wir kognitiv einfach gar nicht mehr so leistungsfähig, weil Progesteron so ein bisschen sediert. Das heißt, der Körper möchte gar nicht, dass wir unseren klugen, klugen, klugen Kopf weiterhin benutzen. Und dann lässt er die Körpertemperatur noch um ein halbes Grad ungefähr ansteigen, was zu einem erhöhten Kalorienbedarf führt. Und diese Gebärmutterschleimhaut, die sich gebildet hatte, die wird noch mit Blut gefüllt. Also es passiert einfach, wie man merkt, eine ganze Menge im Körper. Und vor allem etwas, was sehr anders ist als das, was vorher war. Also das Östradiol hat auch die Wirkung, dass wir ein Interesse am Außen und ein Interesse daran haben, uns mit dem Außen zu verbinden. Also wirklich mit, auch dann, wenn wir wirklich Lust empfinden, auch wirklich zu verschmelzen. Und in Phase drei geht es eher eben darum, dass wir uns in uns zurückziehen wollen. Und ich will das an der Stelle nochmal extrem lauthals betonen, dass das zwei völlig gleichberechtigte hormonelle Bedürfnisse sind, die wir haben. Also die Aktivität im Außen und das sich in sich zurückziehen, ist vollkommen natürlich gleichwertig. Und die Bewertung, die wir damit verbinden, die ist halt gesellschaftlich gemacht. Und da dürfen wir jetzt gegensteuern. Genau. Und dann geht es eben im ersten Moment, also im ersten Teil von der Phase drei, da geht es so darum, dass wir uns wirklich in uns zurückziehen wollen. Und der Körper geht immer davon aus, dass eine Schwangerschaft stattfinden wird. Deswegen ist hier alles so im Zeichen des Nestbaus. Also mit dieser ansteigenden Körpertemperatur, dem Blut, was sich in der Gebärmutter sammelt, werden wir so ein bisschen muckelig und können halt super gut neue Strukturen schaffen und intuitiv neue Systeme kreieren. Aber das eben alles ohne so ein richtig krass lustvolles Bedürfnis zu haben, uns kognitiv mit der Außenwelt zu verbinden. Zehn Tage nach dem Eisprung weiß der Körper dann, ob eine Befruchtung stattgefunden hat oder nicht. Und wenn das nicht der Fall ist, dann fängt das Progesteron an der Stelle an, wieder zu sinken. Emotional macht das so einen kurzen Umpf oder kann einen Umpf machen, weil diese ganzen vorbereiteten Prozesse eben auch einfach Mühe gekostet haben. Und gleichzeitig ist da ja diese ganze vorbereitete Schaffenskraft, die da liegt, die dazu da war, einen ganzen Menschen produzieren zu wollen. Und diese dürfen wir eben auch für jeden anderen Prozess, jede andere Form von Kreieren nutzen. Wichtig ist dabei, dass wir darauf achten, dass es vollkommen egal ist, wie es aussieht, was wir da tun. Und dass es vollkommen egal ist, was hinten rauskommt. Und weil das beides stellt sozusagen sicher, dass der Prozess intuitiv ist. Und genau diese seelische Bewegung von sich in uns zurückziehen und dann diese krasse Schaffenskraft und die da crazy wild raus, das aktiviert eben den seelischen Anteil, magischen, archetypischen Anteil, der über diese Superkräfte Intuition und Kreativität verfügen kann. Was sich jetzt leider durch diese gesellschaftliche Prägung, die wir haben, zum Beispiel zeigt, ist, dass wir im ersten Moment oder im ersten Teil von Phase 3 häufig ein Thema damit haben, in diesen Rückzug zu gehen. Deswegen dürfen wir uns da auf psychologischer Ebene auch angucken, ob es vielleicht irgendwas in der Sozialisation gibt, was uns diesen Rückzug erschwert. Zum Beispiel, wenn wir eine Mutter hatten, die an Depressionen gelitten hat, dann wird dieser Moment, wo sich der mütterliche Anteil zurückziehen will, wird eben seelisch eine Hürde bedeuten. Und somit können wir uns eben das Thema Rückzug da genauer angucken und gucken, welche Anteile wir in dem Moment brauchen.
Der nächste Aspekt, den wir uns angucken dürfen, ist ein bisschen verbunden mit dem zweiten Teil von Phase 3, wo es eben um dieses Rauslassen der Schaffenskraft geht. Und da ist es so, dass Exzentrischsein, was vielleicht negativ erlebt oder konnotiert werden kann. Gesamtgesellschaftlich, wie gesagt, Hexenverbrennung und Magischsein auf der Straße haben wir alle irgendwo in unseren Ahnlinien stecken, dass das mit dem Tod geahndet war. Und deswegen erleben wir da häufig auch eine Unterdrückung. Deswegen haben wir auch die Volkskrankheit PMS und der Körper, der dann dagegen geht und eigentlich diese Kräfte rauslassen will und auf die Straße bringen will. Und vor allem eben in Verbindung auch mit unternehmerischer Aktivität. Und wenn wir da aber blockiert sind in unserem Handeln, dann reagiert der Körper darauf und sagt, gerade bei den kraftvollsten Frauen reagiert er eben auch sehr kraftvoll und sehr stark mit der Palette von 160 verschiedenen PMS-Symptomen, die es so gibt.
[Elisabeth Seidel] (45:04 - 45:14)
Spannend. Hat das auch was mit so unterdrückter Wut zu tun? Weil gerade die weibliche Wut ja immer klein gehalten wurde.
[Miriam Stark] (45:15 - 46:31) Genau. Also die Wut auch darüber, diese Schaffenskraft nicht frei leben zu können, die Wut darüber, den Raum dafür gar nicht gehalten zu bekommen, die frei leben zu können, die ist very real und höchst verbreitet. Weil die einfach Teil unserer Geschichte ist. Und spannenderweise ist das auch der Moment, wo es in Beziehungen am häufigsten knallt und man sich am liebsten trennt. Manche trennen sich da regelmäßig und dann verträgt man sich nach der Blutung wieder oder über die Blutung wieder. Weil da diese patriarchal gelernten Rollenbilder ja so krass gegeneinander knallen. Also die Männerwelt hat gelernt, dieses weiblich-wilde zu unterdrücken. Das weiblich-wilde hat gelernt, dass es unterdrückt wird. Und das wird da so aktiv in dieser Zeit. Und wenn wir dann nicht in einem ganz achtsamen Frieden mit uns finden, wo wir erstmal jeder selber für die eigene Regulation da sind und dann liebevoll gucken, wie wir uns gegenseitig auch halten können oder was wir gegenseitig brauchen, dann kann das eben sehr schnell zünden. Und ja, das ist so ein typischer Beziehungsmoment, in dem es echt oft aneinanderrauscht.
[Elisabeth Seidel] (46:32 - 47:09)
Das ist eine spannende Frage. Du arbeitest ja auch mit Paaren. Da würde ich gerne später noch drauf kommen. Was ist deine Erfahrung? Wenn diese Wut oder diese Kraft gelebt wird, ist es dann so, dass die PMS-Symptome weniger werden? Also psychosomatisch ja auch. Lebt es aus? Aber wie lebt man das aus? Du sagst, auf eine liebevolle Art und Weise. Heißt das jetzt, ich lasse meine Wut raus? Ich lasse meine Kreativität raus? Wie äußert sich das im Lebensumfeld oder auf der Arbeit?
[Miriam Stark] (47:11 - 49:12)
Das hat so verschiedene Formen und Gesichter. Die Frage ist ja, ist gerade mehr Wut da oder hast du schon Zugriff auf die kreative Schaffenskraft? Meistens ist die Wut das, was sich da vorlagert, auch als Blockade, weil dann die kreative Schaffenskraft noch nicht so richtig satt erreicht werden kann. Und die Wut ist meistens eine, die nicht aus dem magischen Anteil kommt, sondern aus dem des inneren Kindes, als Erinnerung daran eben nicht laut gewesen sein zu dürfen. Und die darf eben erstmal raus, bevor man sagt, ich bin super kreativ. Also geht gar nicht, wenn die Wut da ist. Ich sage immer so, ich finde zum Beispiel Glas in Container reinwerfen total befriedigend. Aber auch einfach in den Wald gehen und richtig tief, also so einen Urschrei, gucken, dass vielleicht nicht gerade alle mit ihren Hunden spazieren gehen, aber dass man sich halt selber safe fühlt. Und dann so einen richtig tiefen Urschrei mal in den Wald sich rein- und rauslassen. Super gut. Aber wenn das auch gerade nicht geht, weil man irgendwie in einem Familienkontext stark eingebunden ist, dann hilft auch manchmal ein Schrei ins Kissen. Oder was ich auch super kraftvoll finde, ist so ein Sound, wie wenn man eine Wehe veratmet, indem man sich wirklich auf seinen Oberschenkeln abstützt und das macht. Und das kann man auch super gut in der Anwesenheit der Kinder machen, weil die diesen Sound kennen und wie so Katzenbabys, die man am Nacken packt, wie in so eine kurze Freeze, Starre fallen und so. Und alles beruhigt sich im Außen. Also es gibt verschiedenste Wege, dieser Kraft, die da ist, der stellvertretend für all die Momente, in denen sie unterdrückt wurde, Raum zu geben. Das geht auf jeden Fall sehr gut. Und was war der zweite Teil von deiner Frage?
[Elisabeth Seidel] (49:12 - 49:21)
Jetzt bin ich so in der Reihe galoppiert. Das war eigentlich schon die Antwort auf meine Frage, wie kann ich das ausleben?
[Miriam Stark] (49:21 - 51:12)
Achso, Kreativität, das war's. Genau, Kreativität finde ich immer, dass man das nehmen kann, womit man eh im Alltag sich kreativ fühlt und dem halt einfach nur einen bewussten Rahmen geben. Also wenn ich total gern tanze, dann kann ich in der Zeit super gerne die Musik aufdrehen. Wenn ich gerne male, dann kann ich das machen. Wichtig ist, dass es eben kein Ziel hat, dass es nicht irgendwas ist, was wieder ein Outcome produziert. Und wenn man aber noch so ganz unbedarft ist, dann empfehle ich immer einen ganz intuitiven Browse durch den Kunsthandel seines Vertrauens und dann zu gucken, was zieht mich an. Habe ich Bock auf Ton? Habe ich noch nie gemacht, cool. Will ich mal matschen? Und sich das dann einfach zu gönnen und mal damit anzufangen. Und das ist so wie ein Sich-Anfreunden mit dieser Fähigkeit. Und gleichzeitig auch ein Merken, ich bin darin sicher, wenn ich das tue, mir passiert nichts Schlimmes. Ich werde nicht verfolgt, werde nicht bestraft, ich darf diese Art und Weise haben, um sie dann irgendwann vielleicht auch mit meinem unternehmerischen Handeln zu verbinden. Also, wenn ich mich darin sicher fühle, wenn diese kreative Seite in mir wieder lebendig wird, dann hat die den Drang zu kreieren. Und ich finde, es gibt kaum was Schöneres, als das mit dem Entrepreneurship oder mit dem Unternehmertum verschmelzen zu lassen und eben das in die Welt zu tragen, was aus dem Schoßraum immer raus will. Ich glaube, dass das auch die essentielle Kreationsfähigkeit unserer Menschheit ist, dass wir die einfach aus unser aller Schoßräumen in die Welt fließen lassen dürfen.
[Elisabeth Seidel] (51:13 - 51:28)
Wenn du in Unternehmen gehst oder mit Unternehmen zusammenarbeitest, und häufig ist es ja der Fall, dass die noch relativ patriarchische Strukturen haben, hierarchische Strukturen, wie erlebst du das, wenn du mit deinem Wissen da hingehst?
[Miriam Stark] (51:32 - 55:03)
Total schön, ehrlich gesagt. Also der Entree oder der Einstieg ist meistens ein Vortrag, wo ich das Wissen, was ich jetzt so anreiße, einfach wirklich in Tiefe an viele Menschen meistens vermitteln darf. Und was ich so schön finde, ist die Offenheit geschlechterübergreifend in diesen anschließenden Fragerunden. Also da ist so viel, manchmal denke ich immer so, huch, merkst du eigentlich, dass du noch bei der Arbeit bist, weil wir so wirklich in die Tiefen der zyklischen Symptome gehen. Also man ist halt sehr schnell sehr nah, finde ich total toll. Und auch von Menschen, die ohne Gebärmutter geboren wurden, gibt es eine riesige Neugierde und eine totale Begeisterung. Also ich hatte einen der schönsten Vorträge bei einer Bank, bei einer größeren, und das war so im Rahmen von einer Gesundheitswoche und war ein großer Vortrag. Und es gab einen älteren Herrn, der so ausgeflippt ist über dieses Wissen und gesagt hat, oh mein Gott, wie kann das sein, dass ich das nicht weiß? Und diese Phase 3, die ist ja so und so lang, auch so ein zahlenaffines Denken, halt Finanzumfeld fand ich großartig, das ist ja die längste Zeit, wie können wir das nicht wissen? Das ist ja ein Verbrechen und es geht gar nicht und das werde ich jetzt im Team einführen. Und also der so wirklich sich gepackt hat und das Feuer in sich einfach genommen hat und damit jetzt in sein Team gerannt ist, das ist total großartig. Also ich erlebe eher eine riesige Offenheit, wo es dann manchmal an Mut fehlt, ist dann zu sagen, okay, wie gehen wir jetzt diese Schritte weiter? Also es gibt weniger Unternehmen, die sich noch trauen, dann wirklich in diese wahrhaftige Implementierung dessen zu gehen, was es denn bedeutet, zyklusorientiert als Unternehmen zu arbeiten. Nämlich sich zu trauen, Räume aufzumachen, in denen darüber sehr sicher und auf eine Art kommuniziert wird, wo sich eben alle sicher fühlen, zum einen. Und zum anderen aber auch Gesundheitstage einzuführen. Das ist eine Methode, die wir haben, um sicherzustellen, dass jeder Mensch sich seinen Bedürfnissen dann auch tatsächlich zuwenden kann. Weil das viel stärker präventiv gegen irgendwelche Krankheitstage und vor allem Langzeiteinbrüche wirkt und spannenderweise total achtsam und bewusst genutzt wird. Also in den Unternehmen, in denen wir Gesundheitstage implementiert haben, ist ja immer natürlich große Sorge. Ja, dann nehmen sie sie alle, stimmt gar nicht. Also das wird total respektvoll und achtsam dann genutzt und auch geschlechterübergreifend. Weil ich finde auch, dass Menschen, die ohne Gebärmutter geboren wurden, natürlich so eine Art Energielevel haben, innere Themen auftauchen, seelische oder physische Bedürfnisse da sind. Und wenn wir lernen, selber Verantwortung dafür zu übernehmen und da als Mitarbeitende auch den Raum für bekommen. Also wenn mein Unternehmer sagt, du bist ein erwachsener Mensch und wenn ich möchte, dass du mit mir zusammenarbeitest, dann gebe ich dir natürlich auch den Raum für dich zu sorgen. Und wenn wir in diese Selbstverantwortung kommen, dann entstehen daraus viel resilientere Mitarbeitende, als welche, die sich sehr infantilisiert, finde ich, immer von oben herab sagen lassen müssen, was sie wann wie zu tun haben.
[Elisabeth Seidel] (55:06 - 55:23)
Und ich glaube, in solchen Unternehmen geht es ja auch immer relativ um Effizienz oder Effektivität. Aber letztendlich weiß man ja schon, wenn man zyklusgerecht lebt oder an seinem Rhythmus, ist es ja nicht so, dass die Leistung weniger wird, im Gegenteil.
[Miriam Stark] (55:23 - 56:23)
Total, also diese ganzen Krankheiten, die man sich einheimst, wenn man eben über seinen Zyklus drüberläuft und über Themen drüberläuft und der Körper klopfen und schreien und nochmal klopfen und nochmal schreien muss, weil er überhört wird, das spart man sich halt alles. Also es gibt viel weniger Krankheitstage. Und Teams arbeiten einfach harmonischer und effizienter miteinander, wenn sie wissen, wer gerade wo steht. Das ist einfach eine Information, die uns als Menschen ganzheitlicher macht und wir dadurch auch wissen, von wem kann ich was abverlangen oder mir wünschen und gleichzeitig auch, was kann ich gerade reingeben und was kann ich gerade übernehmen. Also das birgt einfach nochmal eine ganz andere Schicht oder Ebene von Teamzusammenhalt und Teamarbeit auch wirklich. Also das Ineinandergreifen von Fähigkeiten ist viel ganzheitlicher gegeben.
[Elisabeth Seidel] (56:25 - 56:28)
Wir haben, glaube ich, eine Zyklusphase übersprungen.
[Miriam Stark] (56:29 - 1:00:48)
Genau. Die Phase 4. Die Phase 4 der Alten.
Die beginnt genau dann, wenn das Progesteron eben da so auf so einem Tiefstand oder erstmal ins Sinken gekommen ist. Das Estradiol hat zu dieser Zeit, in der wir so unsere Kreativität rauslassen, hat es auch nochmal einen kurzen Anstieg und beginnt dann auch wieder zu sinken. Das heißt, wenn das Progesteron dann so im Tiefstand ist, dann registriert das die Gebärmutter und weiß, ach, den ganzen Aufbau und alles, was ich da reingegeben habe, das darf ich jetzt loslassen und ich darf jetzt renovieren. Und genau dann setzt eben unsere Blutung ein. Und somit befinden wir uns zu diesem Zeitpunkt auf so einem gesamten hormonellen Tiefstand. Und der macht vor allem zwei entscheidende Dinge mit uns. Das eine ist, dass wir kognitiv sehr klar sind. Also wir sind mental weder Estradiol noch Progesteron gedopt, sondern wir haben eine sehr klare Weitsicht. Und gleichzeitig sind wir physisch nicht so sonderlich leistungsfähig und das ist vollkommen in Ordnung für so ein paar Tage. Und die Kombination aus dieser mentalen Klarheit und physisch reduzierteren Leistungsfähigkeit aktiviert eben auf seelischer Ebene den alten archetypischen Anteil in uns. Und der kann über die besonderen Kräfte von Weisheit und Loslassen verfügen. Und dem können wir besonders viel Raum geben oder das besonders gut nutzen, wenn wir uns vor allem an Tag 2, also am stärksten Blutungstag, in die Waagerechte begeben und einfach mal wirklich nichts tun. Denn in diesem vermeintlichen Nichtstun kann unser Körper das tun, was er machen möchte, nämlich Dinge wirklich loslassen. Und wenn ich Dinge sage, meine ich Themen, Inhalte, Prozesse, die eben in Phase 3 in diesem kreieren, Wildsein, aufgekommen sind, die dann ganz automatisch einfach in Phase 4 wie abtransportiert werden durch das Bluten. Und das ist halt ein eingebauter seelischer, auch physischer, aber eben auch seelischer Reinigungsprozess, den wir unbedingt nutzen dürfen. Und man auch merkt, wenn wir die nicht nutzen, weil das Leben tatsächlich schwerer wird. Also im wahrsten Sinne des Wortes. Und der zweite Anteil, wenn wir dann losgelassen haben, ist, dass wir auch wieder im Ruhen, wie so auch eigentlich nicht wirklich was tun müssen, außer offen dafür zu sein, was so zu uns kommen will in Form von Bildern, Ideen, Eingebungen, Epiphanien, Visionen, kann man nennen, wie man will, wo es eben um die Zukunft in unserem Leben geht. Und in dem Moment, wo wir das Loslassen zelebrieren und gleichzeitig kommen lassen, wo es hingehen will, haben wir einen psychologisch extrem kraftvollen Anker, der uns dann wiederum durch den ganzen nächsten Zyklus auf so einer Metaebene trägt. Und wenn wir da in dieser Zeit uns aber auf physischer oder psychischer Ebene unwohl fühlen, dann kann es zum einen sein, dass wir bei dem Thema Loslassen vielleicht auf psychologischer Ebene eine Blockade im Bereich Vergänglichkeit haben, weil dieses Loslassen eben Tod symbolisiert. Und wenn wir zum Beispiel jemanden, der verstorben ist oder den wir hätten loslassen sollen oder wie auch immer, da noch festhalten, dann kann das tatsächlich zu starken Unterleibskrämpfen führen. Und auf der anderen Seite, wenn wir vielleicht eine Blockade haben, jetzt zu wissen, wie es in Zukunft anders sein soll und uns da nicht öffnen wollen, weil wir Angst davor haben, dass das unser Leben radikal verändert, dann dürfen wir uns das Thema Offenheit gegenüber höherer Erkenntnis oder aber auch Spiritualität mal genauer angucken, weil es eben dann darum geht, sich vielleicht dem nochmal ein bisschen hinzugeben oder reinzuvertrauen, dass wir uns führen dürfen oder zumindest uns von Ideen leiten lassen dürfen, die nicht unbedingt direkt nur aus uns herauskommen.
[Elisabeth Seidel] (1:00:49 - 1:01:32)
Wow. Hört sich ja sehr powerful an. Also ich glaube, oder was heißt ich glaube, ich habe das oft mit meinen Patientinnen, dass es so ist, dass Loslassen, vielleicht jetzt auch auf einer anderen Ebene, nicht unbedingt nur dieses Thema Tod, aber Loslassen ein großes Thema ist. Gleichzeitig sind diese Beschwerden von Krämpfen, Festhalten an irgendwas, auch total das Thema. Also so etwas, was relativ häufig auftritt. Und jetzt so diese Connection, die du gemacht hast, spannend auch für die Arbeit von Menschen wie mir. Therapeuten, Gynäkologinnen etc.
[Miriam Stark] (1:01:32 - 1:02:48)
Total. Wir haben ja jetzt aktuell in der Tacheles Akademie auch eine Ausbildung, die genau dafür da ist oder eine Weiterbildung, wenn man dieses Wissen jetzt cool findet und denkt, ich will jetzt nicht so tief eintauchen wie Miriam und ihre Kolleginnen, dass wir in der tiefen psychologischen Seelenarbeit unterwegs sind, aber genau diese Informationen für den medizinischen Kontext, für jegliche Form von Sport, also Pilates, Yoga oder sonst irgendwas, aber eben auch HeilpraktikerInnen und OsteopathInnen und so weiter, ist das eine schöne Möglichkeit, weil wir da das Wissen sehr komprimiert und anwendungsorientiert einfach vermitteln. Ich glaube, dass es eine super wichtige Information ist. Ich durfte auch schon viele MedizinerInnen ausbilden oder mit denen zusammenarbeiten und da ist immer wieder so die Antwort, ja klar, sind Symptome, die aufkommen, zyklisch. Und weil es eben nicht der ganze Organismus ist und nicht permanent so ist und weil es hormonelle Zusammenhänge gibt, warum das dann eben mal unterdrückt ist, sondern es gibt eben einen bestimmten Anteil, der mehr gesehen werden möchte oder der ein Thema oder die, es ist ja eher, die ein Thema hat. Und das finde ich, macht total viel Sinn.
[Elisabeth Seidel] (1:02:49 - 1:03:21)
Wir hatten es ja vorhin schon kurz angeschnitten, Paarbeziehungen. Du arbeitest auch mit Paaren und meintest ja schon, viele Konflikte finden vor allem in dieser Phase der Magierin statt. Was beobachtest du, wenn beide Teile mehr lernen über den Zyklus oder was beobachtest du mit deiner Arbeit? Wie verändern sich Beziehungen, wenn dieses Wissen da ist oder wenn das Wissen auch gelebt wird, sagen wir mal so. Das Wissen kann ja da sein, aber wenn es nicht gelebt wird, passiert auch nichts.
[Miriam Stark] (1:03:24 - 1:07:23)
Also wenn in dem Haushalt eine Zyklusuhr hängt, die ich erfunden habe, damit genau diese Kommunikation gelebt wird, also nicht nur, dass es nicht nur Kommunikation ist, sondern eben eine Möglichkeit ist es wirklich alltagstauglich Leben aufleben zu lassen, dann erlebe ich die Paare, vor allem wenn sie das Wissen haben und ein Bewusstsein dafür entwickeln, was die individuellen Bedürfnisse je Zyklusphase sind und wie aber auch der Partner auf diese Bedürfnisse reagiert, also wie das System, das individuelle System des Partners auf bestimmte Anteile mitreagiert. Wenn wir das so auseinander gedröselt haben und nebeneinander halten, dann entsteht einfach wahnsinnig viel Freiraum für Liebe und für Verbundenheit und für gemeinsames Verständnis füreinander. Das geht so weit, dass dann irgendwann auch eine Wertschätzung und Bewunderung für diese magischen Prozesse und für die Weisheit, die ja auch im zyklischen Sein liegt, entstehen kann und dass da einfach wie so ein gemeinsames Fließen entsteht. Und gleichzeitig, und das erlebe ich regelmäßig, gibt es immer den Moment, dass auch die Männer, sag ich jetzt mal, super inspiriert sind davon, sich zu fragen, wie ist das eigentlich bei mir. Moment mal, kann ja nicht sein, dass ich jetzt irgendwie linear bin und das ist auch nicht so. Ich bin sehr fest davon überzeugt, dass es auch einen männlichen Zyklus gibt. Es gibt ja so die Theorie, dass der dem Tagesablauf entspricht, also der Sonne folgend und wir dem Mond folgend. Das ist mir zu platt. Ich glaube, da ist was dran, aber ich glaube, dass es auch nochmal einen gibt, der nochmal einen anderen Rhythmus hat. Es gibt so eine NASA-Studie, die das zufällig rausgefunden hat, dass es zweiwöchige hormonelle Schwankungen auch bei Männern gibt. Aber ich glaube, dass das, was hilft, und das hilft ja bei jedem Menschen, auch mit Gebärmutter, ist wirklich das in Kontakt gehen mit sich und zu spüren, was ist gerade für mich dran, wie fühle ich mich, wo ist mein Energielevel, was brauche ich, was braucht mein Nervensystem und darüber im Austausch zu sein. Die Paare, die ich so begleiten darf, die finden zu einer ganz neuen Form von Verschmolzenheit, die dann letzten Endes, spannenderweise auch immer irgendwann, die Frage mit sich bringt, so Moment mal, wie wollen wir hier dieses ganze System, meistens gibt es da noch Kinder bei, mit Familie und so, wie wollen wir das überhaupt leben? Weil das wie die logische Konsequenz daraus ist, dass wenn man sich wirklich seinen Bedürfnissen zuwendet und seinem natürlichen Sein zuwendet, dass dann einfach bestimmte grenzüberschreitende, systemische Anforderungen nicht mehr funktionieren. Und dann ist da aber so eine Teamkraft da, die Vision von dem, was möchte ich denn leben, wirklich umzusetzen.
Und das ist the dream. Also das ist einfach das Schönste, finde ich, was ich so begleiten darf. Also ich liebe es auch, Frauen wirklich in ihre Potenziale zu bringen, vor allem aber auch Frauen jetzt auszubilden, da drin, diese Arbeit, die ich mache, weiterzuführen. Und wenn ich dann aber sehe, dieses Weibliche erfährt auch das Gegenstück. Ein Team, muss ja nicht immer männlich sein, aber als partnerschaftliches Team setzt man einfach das um, was wirklich als Potenzial auch in dieser Verbindung liegt. Das finde ich schon richtig kraftvoll.
[Elisabeth Seidel] (1:07:24 - 1:07:44)
Was hat sich für dich am meisten oder eindrücklichsten verändert? Also ja, du hast deine Erkrankung, die du entwickelt hast, ja quasi geheilt. Aber was hat sich so in deinem Leben verändert? Vielleicht auch in deiner Partnerschaft, in deiner Arbeit, seitdem du nach deinem Zyklus lebst?
[Miriam Stark] (1:07:48 - 1:10:23)
Alles. Ja, und es hört ja nicht auf. Wir sind jetzt auf dieser Reise zum Beispiel auch als logische Konsequenz dessen, weil wir gesagt haben, okay, wenn ich jetzt zyklusorientiert versuche, in diesem System aus Schule, Kita und Baby und Arbeit und Anforderung von außen irgendwie zu sein, dann hat es meinen natürlichen Bedürfnissen, hat der Raum dafür auch nicht mehr gereicht. Und dann haben wir gesagt, okay, dann probieren wir das jetzt mal in anders und in frei und das funktioniert ganz wunderbar. Aber so die Anfänge waren vor allem, dass mein Mann sehr viel mehr Verständnis hatte, einfach für alles, was so in mir passiert ist. Er hat sehr früh angefangen, mir auch dann den Rücken für meine Blutungszeit mit unserer Tochter damals freizuhalten. Das war für den so total klar, weil er auch sehr schnell gemerkt hat, wie viel mehr Kraft dann auch in mir da ist, wie ausgeglichener ich bin, wie mehr ich auch die bin, in die er sich verliebt hat und nicht irgendeine wütende Version davon, die auch da sein darf, aber die auch uns beiden manchmal weniger Spaß macht. Und dann hat er mir auch da den Raum echt gerne und früh gehalten. Und im Arbeiten war es so eine allgemeine Achtsamkeit, die sich eingestellt hat. Wirklich mich immer zu fragen, bin ich gerade voll genährt und so da, dass ich diesen Raum für meine Klientinnen oder für die Auszubildenden oder Paare oder Unternehmen aufmachen möchte. Und gleichzeitig habe ich eben gelernt, aus der Energie jedes Anteils herauszuarbeiten. Also ich bin jetzt zum Beispiel in der Phase 3 und das Interview fühlt sich jetzt so an und würde sich vielleicht in einer Phase 1, wäre es anders, quirliger, vielleicht kognitiv ein bisschen strukturierter, keine Ahnung. Aber ich mache die Dinge, die ich tue, einfach aus diesem Anteil heraus. Und das hat für mich zu einer ganz krassen Authentizität mir selber gegenübergeführt. Also ich versuche halt nicht mehr irgendwas abzuliefern oder zu sein, sondern ich bin die, die ich bin und die, die ich eben in dem Moment mit dem bin, was jetzt gerade da ist. Und das fühlt sich verdammt gut an.
[Elisabeth Seidel] (1:10:26 - 1:11:07)
Ich kann nichts weiter dazu sagen. Was mir noch aufgefallen ist, als ich gelesen habe von der Jungen, der Mütterlichen, der Magierin und der Alten. Frauen sind ja sehr zyklische Wesen, nicht nur in diesem Mondzyklus, den du erwähnt hast, sondern auch über ihr Leben hinweg.
Also kleinerer und größerer Zyklus. Und eigentlich würden diese Archetypen auch auf diese fruchtbare Phasen passen. Heißt von der Pubertät über die Fruchtbarkeit, die Perimenopause und dann die Postmenopause. Siehst du das ähnlich?
[Miriam Stark] (1:11:07 - 1:11:55) Total. Es ist auch so. Es ist auch total spannend. Es gibt immer dann einen Archetyp, der so wie die Überschrift des Lebens gerade ist und darunter findet dann der Zyklus statt. Der Zyklus hört ja nie auf. Aber es ist genau wie du sagst. Also nach der Menarche starten wir so in die junge Lebensphase, dann in die Mütterliche. Ob wir jetzt Kinder kriegen oder nicht, ist völlig wurscht. Es geht eher um diese Qualitäten, die dann da sind. Und dann, und das ist eben ein super spannender Prozess für die Perimenopause, sind wir eben in der magischen Zeit. Und weil wir aber in einer patriarchalen Leistungsgesellschaft leben, die das Magische ja gar nicht will, gibt es so einen krassen, so einen ganz großen Schmerz eben da drin, wie negativ Wechseljahre konnotiert sind, wie sie aber auch symptomvoll, noch gelebt werden. Weil auch da wieder so gar keine Idee davon, gar kein Role Model davon oder wenig nur dafür gelebt wird, wie man eigentlich Perimenopausenalter in kraftvoll und wild und frei und ungezähmt lebt. Also ich liebe es, Frauen auch in dieser Zeit daran zu erinnern, dass das eine Zeit ist, in der uns das Außen weniger egal wird. Es ist eigentlich eine Zeit von I don't give a fuck. Und gleichzeitig der größten, dem größten Zugang an kreativer Schaffenskraft. Also wir sind meistens da in so einem Alter, wo die Kinder dann irgendwie nicht mehr so ganz, ganz viel brauchen, wenn es denn Kinder gibt. Und gleichzeitig haben wir uns beruflich schon auf irgendeine Art ausprobiert, vielleicht sogar etabliert und haben da ein Spielfeld vor uns, was wir unbedingt nutzen dürfen. Also auch in diese Diva mal so richtig reinzugehen und all den Raum zu geben für vermeintliche Craziness. Bitte Silber, graue, lange wallende Haare, kein Färben bitte. Auch dieses ganze Thema bioidentische Hormone sehe ich relativ kritisch, weil es da auch um ein Erhalten von einem Rollenbild geht, das eben patriarchal positiv bewertet ist. Und weil wir so wenig noch alternative Rollenbilder haben, die gesellschaftlich irgendwie toll gefunden werden, gibt es in uns auch so ein Narrativ von, oder dann gibt es so ein gesamtgesellschaftliches Narrativ von, dann sind wir irrelevant. Also in der Werbung, in so gesellschaftlichem Weltbild tauchen ja wenig heiße Frauen über 50 auf, sondern es ist immer irgendwie alles jung, kindlich, im Übrigen auch deswegen ungefährlich. Das ist ja alles patriarchale, ganz bewusste Strategie. Und gleichzeitig brauchen unsere Kinder und vor allem die Mädchen in dieser Gesellschaft unbedingt diese Rollenbilder, um zu wissen, ah geil, so fühlt sich das an, wenn man wild und frei sein darf. Also wir brauchen wirklich eben lebendige, magische Anteile, die greifbar sind, damit wir das ganz anders schon in unserem Zyklus so integrieren und leben können. Ich habe große Hoffnung darauf, dass das jetzt, weil wir befinden uns wie an so einer On the Edge des Patriarchats. Und alle wissen, es hat halt nicht so gut funktioniert und wir lassen das jetzt. Aber ja, da glaube ich, dass wir da auf jeden Fall darauf zusteuern dürfen. Und das zu leben und wirklich laut zu leben, sind halt historische Schritte. Also ich finde, das darf man sich auch immer bewusst machen, wenn man überhaupt zyklisch lebt und seine Anteile lebt. Und vor allem das ganz klare Einfordern und Ausleben der Bedürfnisse von Phase 3 und 4, das sind Schritte, die einfach jahrtausendelang gefährlich waren. Und wenn wir die jetzt gehen, vor allem im Arbeitskontext, wo der Patriarchat noch mehr alive ist, dann dürfen wir uns da sehr auf die Schulter klopfen und feiern und toll finden, dass wir so mutig sind und diese vermeintlich kleinen Schritte tatsächlich für uns gehen.
[Elisabeth Seidel] (1:15:58 - 1:16:25)
Wenn jetzt eine Frau auf dich zukommt und sagt, ich fühle mich nicht so aligned mit meinem Zyklus oder ich möchte das gerne mehr leben, was wäre so ein erster Tipp, den du geben würdest? Oder so eine absolute Basis, die man Frauen oder einer Person mit Gebärmutter empfehlen könnte?
[Miriam Stark] (1:16:26 - 1:19:01)
Ich würde sagen, hör hin. Also es geht darum, wirklich eine Freundschaft zu entwickeln zu diesen Anteilen, sie kennenzulernen, so wie man einen Menschen neu kennenlernt, herauszufinden, was sie brauchen, was sie mögen, was sie nicht so mögen und dafür im Leben Raum zu kreieren. Ein super simpler und sehr, sehr effektiver erster Schritt ist, sich während der Blutung an Tag 2 oder am stärksten Blutungstag in die Waagerechte zu begeben, mindestens für einen halben Tag, gerne für den ganzen und die anderen Tage eher ruhig zu machen, weil man dann diesen krassen Effekt, körperlich vor allem, erstmal spürt. So cool, wenn ich auf mich höre, habe ich mehr Energie. Das soll nicht direkt wieder leistungsorientiert verpulvert werden, aber das hilft vielen erstmal, so diese bisschen Blurriness des Hinspürens vielleicht auch wirklich greifbar zu machen. Und dann ganz achtsam und liebevoll, wirklich sich zu trauen, auch in Kontakt zu gehen. Innere Kinder oder dieser junge Anteil ist häufig ein Anteil, der sich sehr freut, wenn wir mal vorbeigucken, weil er schon so lange mit uns da ist, aber so wenig Beachtung bekommen hat und gleichzeitig sind das total schöne, heilsame Begegnungen, die gar nicht viel brauchen. Also es braucht da nicht krasse Aktionen danach oder Lebensveränderungen oder so, es ist einfach nur ein Mit-sich-Sein für den Moment. Und vielleicht lässt sich das gut mal integrieren, so nach dem Aufwachen oder vorm Einschlafen einfach mal zu sich zu gehen. Und gerade auch beim mütterlichen Anteil finde ich es wichtig, dass das eine Energie ist, die ja patriarchal-gesellschaftlich gerne nach außen fließt und wir da eben auch gucken dürfen, was möchte ich denn da von mir geben? Wie mag ich denn mal mit mir genießen oder in meiner eigenen Liebe baden und mit mir verbunden sein? Und beim magischen Anteil, ja, da braucht es Mut. Also einfach auch zu gucken, erstmal diesen Rückzug wirklich mutig, das Außen mal sein zu lassen, ohne FOMO und ohne irgendwie Angst, irrelevant zu sein, sondern wirklich bei sich zu bleiben und das höher zu priorisieren. Und mit dieser Kreativität eben ganz sanft in Kontakt zu treten. Und auch da hilft, hinhören. Es kann auch sein, dass der magische Anteil sagt, das Einzige, was ich will, ist, dass du mal chillst. Du machst zu viel, das ist mir zu schnell hier, bleib mal langsam. Kann auch sein.
[Elisabeth Seidel] (1:19:02 - 1:19:28)
Miriam. Das war super, super spannend. Für mich auch ganz viel Neues dabei und eine neue Perspektive auf den Zyklus, den großen und den kleinen. Ich hoffe, für unsere Hörerinnen auch spannend. Falls die mehr von deiner Arbeit wissen möchten oder mehr darüber hören möchten, wo finden sie dich? Wie kann man dich erreichen oder mehr zum Thema lernen?
[Miriam Stark] (1:19:30 - 1:20:19)
Einfach auf unserer Homepage www.tacheles-beratung.de. Da gibt es die Akademie mit verschiedensten Angeboten, aber eben auch dem Kontaktformular und einem Kalender. Und dann bin ich total gerne, ich und auch all meine Kolleginnen, die auch auf der Homepage da sind, die ich alle ausbilden durfte. Sind wir alle da und begleiten gerne dahin, den Zyklus und die Bedürfnisse besser kennenzulernen. Und vor allem, und das ist ja meistens der Weg, wo man manchmal Rückendeckung braucht, denen auch im Alltag wirklich den Raum zu geben, den sie brauchen. Und nicht mehr das nur so für uns als kleines Hobby zu leben, sondern wirklich den Alltag so zu gestalten, dass wir den Raum haben, den wir brauchen und verdienen.
[Elisabeth Seidel] (1:20:20 - 1:20:37)
Also, ihr habt gehört. Wenn ihr Interesse habt, gerne bei Tacheles vorbeischauen. Ich bedanke mich. Vielen, vielen Dank für deine Zeit, für deine Ausführungen. Das war ein ganz, ganz tolles Gespräch. Danke dir. Es hat mich sehr gefreut und wahnsinnig viel Spaß gemacht.
