

TAO: Wie Gesundheit im Einklang mit der Natur entsteht
Viele Menschen suchen nach der einen Lösung für mehr Gesundheit, Ruhe oder innere Stabilität – nach einer Methode, einer Routine oder einer „richtigen“ Entscheidung, die alles leichter macht. Doch genau hier setzt das TAO an: nicht als Technik, sondern als Haltung gegenüber dem eigenen Leben.
In dieser Episode von HEALTHWISE spricht Host Nils Behrens mit Dr. Magdalena Gameiro, Fachärztin für Allgemeinmedizin und Leiterin der Naturheilpraxis MeTao, über TAO als zeitlose Lebensführung. Gemeinsam nähern sie sich der Frage, wie Gesundheit entstehen kann, wenn wir aufhören, sie kontrollieren zu wollen – und stattdessen beginnen, sie bewusst zu leben.
Die Folge HEALTHWISE auf YouTube
Gesundheit ist kein Zustand – sondern eine tägliche Entscheidung
Dr. Magdalena Gameiro beschreibt Gesundheit nicht als Abwesenheit von Krankheit, sondern als fortlaufenden Prozess. Als Summe vieler kleiner Entscheidungen, die meist unbewusst getroffen werden: Was esse ich? Wie bewege ich mich? Wann halte ich inne – und wann gehe ich weiter?
Im TAO geht es dabei nicht um Disziplin oder Perfektion. Sondern um die Frage:
„Wo stehe ich gerade – und was ist jetzt dran?“
Ein zentraler Gedanke der Folge: Unser Körper weiß oft sehr genau, was er braucht. Doch im lauten, beschleunigten Alltag haben viele Menschen verlernt, diese Signale wahrzunehmen.
Mehr zum Thema: TAO verstehen und leben
TAO ist kein Plan – sondern ein Rhythmus
Ein TAO-konformer Tag folgt keinem festen Ablauf. Er entsteht aus Aufmerksamkeit und Wahrnehmung.
Dr. Gameiro beschreibt, dass sie weniger plant und den Tag bewusst entstehen lässt. Entscheidend ist dabei nicht, ob bestimmte Rituale eingehalten werden, sondern immer wieder innezuhalten, zu beobachten und zu prüfen: Wo stehe ich gerade?
Dieses Prinzip beschreibt sie mit Wu-Wei – Handeln, ohne zu erzwingen.
Warum unser Nervensystem aus dem Gleichgewicht geraten ist
Ein wichtiger Teil der Folge widmet sich dem autonomen Nervensystem. Evolutionsbiologisch sind Menschen auf Phasen von Ruhe und Aktivität ausgelegt. Doch heute verbringen viele einen Großteil des Tages im Sympathikus – dem Modus für Leistung, Reaktion und Stress.
Der Parasympathikus, der für Regeneration, Verdauung und Erholung zuständig ist, kommt oft zu kurz.
TAO bedeutet hier nicht, ständig „entspannt“ zu sein. Sondern die Fähigkeit zurückzugewinnen, zwischen Aktivität und Ruhe wechseln zu können.
Atmung als Schlüssel zur Selbstregulation
Ein wiederkehrendes Thema der Episode ist der Atem. Nicht als Technik, sondern als Zugang zum eigenen Zustand.
Dr. Gameiro beschreibt besonders den Moment zwischen Ein- und Ausatmen als entscheidend:
den Zwischenraum, in dem nichts getan werden muss – und dennoch alles möglich ist.
Bewusstes Atmen macht das autonome Nervensystem regulierbar. Nicht, indem man es kontrolliert, sondern indem man es beobachtet. Schon wenige Atemzüge können helfen, wieder bei sich anzukommen.
Kleine Pausen statt großer Umbrüche
TAO arbeitet nicht mit radikalen Veränderungen. Sondern mit Mikro-Momenten:
- kurz im Auto sitzen bleiben, bevor man aussteigt
- den Blick für ein paar Sekunden aus dem Fenster richten
- zwischen zwei Aufgaben bewusst innehalten
- ein Lächeln zulassen, um Spannung im Körper zu lösen
Diese kleinen Übergänge helfen, Bereiche im Alltag wieder klar zu trennen – Arbeit und Freizeit, Aktivität und Erholung, Denken und Spüren.
TAO Ying: Bewegung ohne Zwang
Mit TAO Ying stellt Dr. Gameiro eine traditionelle chinesische Bewegungskunst vor, die weniger auf Leistung als auf Wahrnehmung setzt. Ziel ist nicht, Grenzen zu überschreiten – sondern sie zu erkennen und zu respektieren.
Bewegung wird dabei zum Dialog mit dem Körper:
- Was kann ich heute?
- Was darf ich loslassen?
- Wo entsteht Leichtigkeit?
TAO Ying ergänzt andere Bewegungsformen, ersetzt sie aber nicht. Auch hier gilt: Balance statt Entweder-oder.
Herz, Emotionen und innere Ordnung
Ein weiterer Schwerpunkt der Folge ist das Herz – nicht nur symbolisch, sondern neurobiologisch. Zwischen Herz und Gehirn findet ein ständiger Informationsaustausch statt. Emotionale Belastung wirkt sich direkt auf das Nervensystem aus.
TAO bedeutet hier, Emotionen nicht zu unterdrücken, aber auch nicht festzuhalten. Gefühle dürfen da sein – sie sollten jedoch nicht gespeichert werden. Innere Ordnung entsteht, wenn Altes Raum bekommt, um zu gehen.
Ein einfacher Einstieg: die tägliche Mikroformel
Zum Abschluss empfiehlt Dr. Gameiro eine alltagstaugliche Orientierung:
- Atmen – Bewegen – Beruhigen
Nicht perfekt. Nicht lang. Aber regelmäßig.
Eine kleine Entscheidung, die über Zeit Wirkung entfaltet.
Take Aways
- Gesundheit ist kein Ziel, sondern ein Prozess
- TAO bedeutet, im eigenen Rhythmus zu leben – nicht nach festen Plänen
- Der Atem ist ein direktes Werkzeug zur Selbstregulation
- Kleine Pausen schaffen mehr Balance als große Umstellungen
- Bewegung darf mobilisieren, ohne zu überfordern
- Innere Ordnung entsteht durch Wahrnehmung, nicht durch Kontrolle
Mehr erfahren im healthwise Podcast von sunday natural
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Dr. Magdalena Gameiro ist Fachärztin für Allgemeinmedizin und hat sich zusätzlich intensiv in der Traditionellen Chinesischen Medizin weitergebildet. Ihr Zugang zur TCM entstand über praktische Erfahrungen mit Tuina-Anwendungen, die ihr Interesse an den zugrunde liegenden Konzepten vertieften. Es folgten Fortbildungen in Tuina, Tao Yin (chinesische Heilgymnastik) und Meridian-Faszientherapie sowie eine Studienreise nach China (2018) zur Vertiefung ihrer Kenntnisse. In ihrer Arbeit betont sie die TCM als ganzheitliche Sichtweise, bei der Gesundheit eng mit einer ausgewogenen Lebensführung und dem Gleichgewicht von Yin und Yang verbunden ist.
Mehr über Dr. Magdalena Gameiro: https://naturheilpraxis-metao.de
171 TAO – Gesundheit im Einklang mit der Natur. Mit Dr. Magdalena Gameiro
[Dr. Magdalena Gameiro] (0:00 - 0:33)
Wir suchen immer wieder nach dieser einen Pille, nach dieser einen Lösung und die gibt es, aber nur wenn du guckst, wo bist du gerade? Du! Und wo bist du im Raum zu den anderen?
Und wo stehen die anderen? Und da merken wir dann plötzlich, wie aus diesem kleinen Einen das große Ganze entsteht und wie das immer in dieser Wechselwirkung ist. Und da kann uns und nicht kann, da hilft uns TAO.
Also TAO hat mein Leben verändert.
[Nils Behrens] (0:34 - 1:33)
Herzlich willkommen zu HEALTHWISE, dem Gesundheitspodcast präsentiert von Sunday Natural. Ich bin Nils Behrens und in diesem Podcast erkunden wir gemeinsam, was es bedeutet, gesund zu sein. Wir tauchen ein in Themen wie Medizin, Bewegung, Ernährung und emotionale Gesundheit.
Immer mit einem weisen Blick auf das, was uns wirklich gut tut. In einer Welt, die immer lauter und schneller wird, sehen wir uns nach Ruhe und einem tieferen Sinn. Manchmal liegt die Antwort nicht in der nächsten Technologie, sondern in einer uralten Weisheit, dem TAO.
Dr. Magdalena Gameiro ist Fachärztin für Allgemeinmedizin und leitet die Naturheilpraxis MeTao. Mit ihren Büchern TAO, ein harmonischer Weg im Einklang mit der Natur und TAO Ying, eine traditionelle chinesische Bewegungskunst, bringt sie die taoistische Lebensführung in unseren modernen Alltag. Ihr Anliegen, uns zurückzuführen in unsere Mitte, in das Jetzt.
Und Gesundheit nicht als Abwesenheit von Krankheit, sondern als bewusste Entscheidung zu begreifen und deswegen sage ich, herzlich willkommen Dr. Magdalena Gameiro.
[Dr. Magdalena Gameiro] (1:34 - 1:58)
Ja, herzlichen Dank Nils, dass ich heute hier sein darf und vorneweg möchte ich betonen, weil mir das ganz wichtig ist, dass beide Bücher ein Gemeinschaftsprojekt waren, also mit Gunawan Wibisono, Glen Hummel und ja und ich als Co-Auteurin damit fungiert habe und ich denke, dass die Bücher genau aus diesem Grund so wertvoll sind.
[Nils Behrens] (1:59 - 2:19)
Ja, das ist ja ganz häufig so, dass man gerade, wenn man etwas gemeinsam macht, dann auch irgendwie was wirklich Schönes, Neues entsteht, also von daher danke nochmal für den Hinweis. Meine erste Frage, die ich jemals stelle, ist ja immer eine Sonntagsfrage und in deinem Fall würde mich natürlich interessieren, wie sieht ein Sonntag aus, wenn du ihn wirklich im Einklang mit dem TAO verbringst?
[Dr. Magdalena Gameiro] (2:20 - 2:25)
Also Gegenfrage, wie sieht dein Sonntag aus? Darf ich gegenfragen?
[Nils Behrens] (2:26 - 3:23)
Du darfst ja alles. Mein perfekter Sonntag ist normalerweise so, dass ich, ich bin ja in Berlin als auch in Hamburg zu Hause und meistens, wenn ich in Hamburg bin, starte ich den Sonntag sehr gerne mit einem Lauf um die Alster und dann treffe ich beim Brötchen holen meistens immer einen guten Freund. Das hat sich mal irgendwann durch Zufall ergeben, dass wir zwei miteinander morgens beim Brötchen holen getroffen haben und dann jetzt einfach da so ein kleines morgendliches Kaffeeritual draus geworden ist.
Dann kommt danach Frühstück und ich liebe es dann nach dem Frühstück dann eigentlich nochmal für ein bis eineinhalb Stunden in die Badewanne abzutauchen und ich glaube tatsächlich, ich bin ja vom Sternzeichen Krebs, ich bin ja ein Wassertier, ich weiß nicht, also ich habe glaube ich keinen Ort der Welt, wo ich mich so sehr geborgen fühle wie in einer warmen Badewanne, wobei ich gar nicht so ein Schwimmer bin im klassischen Sinne. Also ich bin jetzt nicht so, dass ich sage, ich liebe auch Schwimmen, ich liebe doch mehr als Ausdauersport das Laufen, aber Badewanne ist schon wirklich mein happy place.
[Dr. Magdalena Gameiro] (3:24 - 3:42)
Ja, das passt gut. Ich bin fischt und ich liebe das Schwimmen und ich hasse das Laufen, aber Krebs passt ja mit diesen kleinen Füßen. Wie enttäuscht bist du, wenn das nicht zustande kommt, also wenn du nicht laufen gehen kannst oder wenn das Treffen mit deinem Freund nicht klappt?
[Nils Behrens] (3:43 - 3:44)
Wie enttäuscht ich bin?
[Dr. Magdalena Gameiro] (3:44 - 3:46)
Hat das Auswirkungen auf dein Gemüt?
[Nils Behrens] (3:46 - 4:10)
Nein, nein, nein, also ich würde sagen nein, definitiv nicht. Wenn das so wäre, guck mal, ich bin ja auch mal am Wochenende hier in Berlin und dann kann ich ja weder um die Alster laufen, ich kann zwar laufen gehen, aber ich kann nicht um die Alster laufen gehen. Ich kann natürlich nicht den Freund beim Bäcker treffen und ich habe in Berlin keine Badewanne.
Also von daher würde ich sagen, wenn das so wäre, wären ja alle meine Sonntage in Berlin sehr traurig.
[Dr. Magdalena Gameiro] (4:10 - 6:45)
Ja, vielen Dank für diese tolle Antwort, denn damit lieferst du alles, was so wichtig ist für das TAO. TAO ist kein perfekter Tag. Es ist kein Plan, den ich vornehme, den ich mir festsetze, der dann so sein muss, damit mein Wohlbefinden stattfinden kann und meine Emotionen hängen da nicht von ab, sondern TAO ist wirklich genau dieses, in einem eigenen, natürlichen Rhythmus zu leben, in dem Verständnis auch, wo bin ich jetzt gerade und wofür ist jetzt Zeit?
Und TAO, der perfekte TAO-Sonntag ist für mich wirklich ein Tag, der quasi aus sich selbst heraus entstehen kann. Also grundsätzlich finde ich es am schönsten, wenn ich ohne Wecker aufwachen darf und wenn das dann passiert, dann weiß ich ja, es ist Zeit für mich jetzt wach zu werden. Mein Körper hat mir gesagt, dass der Tag hat begonnen und das ist der erste Moment, wo ich mit dem Atmen mich verbinde und einfach dieses Leben spüre und dafür dankbar bin in erster Instanz, dass mir auch heute wieder ein Moment geschenkt wurde, ein Leben geschenkt wurde, den Tag und das Leben dem zu begegnen.
Und dann verbinde ich mich mit meinem Atmen, das heißt einfach, ich liege noch mit geschlossenen Augen im Bett und frage mich, was steht heute an? Also was ist heute dran? Und das stelle ich halt nicht meinem Gehirn die Frage, sondern wir sagen im TAO, es gibt dieses Bauch-Gehirn, sondern ich stelle es meinem Bauch und meinem Körper und dann gucke ich, was kommen mag.
Der Lauf um die Alster oder vielleicht heute einfach ein Glas warmes Wasser und sich hin setzen, ein Buch lesen und so kann der Tag von selbst aus sich selbst heraus entstehen. Und dann passiert genau dieses Wundervolle, dieses Wu-Wei, Handeln ohne zu handeln. Also ich plane weniger und lasse den Tag entstehen.
Ich greife nicht ein, sondern beobachte immer wieder, mache Halt, gucke, wo stehe ich gerade, was ist jetzt für mich als nächstes dran, höre in mich und gehe dann den nächsten Schritt. Das ist für mich ein TAO Sonntag.
[Nils Behrens] (6:46 - 8:02)
Total schön, total schön. Das resoniert insofern bei mir sehr, weil das ist etwas, was ich mir erst so in den letzten anderthalb Jahren so erst so richtig angewöhnt habe, dieses Aufwachen, aber trotzdem erstmal liegen bleiben und einfach mal so ein bisschen in den Tag hinein fühlen. Und ich finde, das ist ein unheimlich schöner Start in den Tag, weil ich früher immer dazu tendierte, weckerklingelnd aufspringen und dann auch irgendwie gefühlt alles so schnell wie möglich zu erledigen.
Also alles sehr durcheffizient optimiert. Und dadurch hast du natürlich schon auch, gibst du dir und deinem Körper auch schon so viel Stress gleich am Morgen. Und das ist natürlich etwas, was kein Mensch braucht eigentlich so.
Und ich habe jetzt tatsächlich so diese, ja, also die Anzahl der Male, dass ich, dadurch, dass ich versuche, möglichst immer gleiche Zeit auch am Tag aufzustehen, habe ich das sowieso dann schon so als bisschen als innere Uhr. Und deswegen gewinne ich, habe ich dann meistens auch die Zeit, genau so zu handeln und zu agieren. Und das ist sehr schön.
Deswegen finde ich ganz interessant, das ist ja auch eine Entscheidung, die man trifft. Und du sagst ja auch, Gesundheit ist eine Entscheidung. Wie kann ich mir das im Alltag ganz konkret vorstellen?
[Dr. Magdalena Gameiro] (8:04 - 10:14)
Naja, grundsätzlich müssen wir uns fragen, wie will ich leben? Wer will ich sein? Also was ist das, was mich aufstehen lässt, wenn ich stolper und falle?
Und am Ende sind es die 25, ich glaube es sind 25 bis 30.000 Mikroentscheidungen, die wir am Tag unbewusst fällen. Und tatsächlich dann nur zwei bis fünf Prozent sind aktive Entscheidungen. Und die entscheiden unseren Alltag, die entscheiden, wer wir dann ja natürlich letztlich sind.
Denn erst mal mag es ja nicht so wichtig erscheinen, ob ich jetzt auf dem Weg zur Arbeit, komme ich zum Bäcker vorbei und kaufe mir heute mal ein Stückchen und esse das. So, wunderbar. Weil mein Bauchgehirn mir gesagt hat, ich möchte das heute haben.
So und am nächsten Tag mache ich das wieder. Und am nächsten Tag wieder. Einfach, weil ich daran vorbeigehe.
Und naja, mein Körper, der mag, nicht nur meiner, also grundsätzlich evolutionstechnisch, mag unser Belohnungssystem natürlich aktiviert werden. Und wenn das Stückchen mir gut getan hat in dem Moment, als ich das erste Mal gegessen habe, kommt am nächsten Tag, wenn ich an dem Bäcker wieder vorbeilaufe, der Impuls, danach ging es mir gut gestern, also esse ich das heute wieder. Und wenn ich das aber den ganzen Monat mache oder sich das über einen längeren Zeitraum einschleicht, dann kann dieser stete Tropfen ungesund für uns werden, weil eine Gewohnheit daraus entstanden ist, über die wir irgendwann nicht mehr nachdenken.
Und dieses Bewusstsein, sich dann immer wieder auch mal gerade bei Gewohnheiten zu fragen, warum mache ich das eigentlich? Und das sind wirklich Entscheidungen. Also Gesundheit ist einfach, finde ich.
Letzten Endes immer wieder die Frage, bin ich die Person, die ich sein möchte?
[Nils Behrens] (10:15 - 10:43)
Ja, ich finde das ganz interessant, wie du es jetzt so erklärst, weil ich finde, wenn man das erst mal so hört, dann klingt TAO ja sehr spirituell. Und das, was du jetzt ja eigentlich gerade so erzählst, ist ja eigentlich gar nicht so spirituell, sondern das ist ja eigentlich sehr konkret und rationell. Das heißt, also würdest du sagen, dass das, was TAO oder der Taoismus ausmacht, tatsächlich etwas ist, was in der heutigen modernen Welt auch wirklich so funktioniert, beziehungsweise auch so seine Daseinsberechtigung hat?
[Dr. Magdalena Gameiro] (10:45 - 10:59)
Ja, vorneweg darf ich etwas ergänzen, zumindest aus meinem Verständnis heraus. So habe ich es von meinen Lehrern gelernt. Es gibt TAO, die Art der Lebensführung, und es gibt den Taoismus.
[Nils Behrens] (11:00 - 11:03)
Das heißt also, ich habe jetzt gerade zwei verschiedene Sachen angesprochen.
[Dr. Magdalena Gameiro] (11:03 - 11:04)
Ja, genau.
[Nils Behrens] (11:04 - 11:06)
Ist das so? Interessant.
[Dr. Magdalena Gameiro] (11:06 - 11:28)
Taoismus ist quasi auch eine Form der religiösen Lebenssichtweise. Und Tau, das Leben nach dem Tao, ist eine Lebensführung. Also, so habe ich es zumindest verstanden.
Möge das jemand anders, ja.
[Nils Behrens] (11:28 - 11:52)
Ich bin mir nicht ganz sicher, ob ich, wenn mich jetzt draußen jemand nochmal auf diesem Gespräch fragen würde und sagen so, kannst du mir kurz den Unterschied zwischen Taoismus und TAO erklären, bin ich mir nicht ganz sicher, ob ich jetzt auf Basis dessen das erklären könnte. Aber wenn ich es richtig verstehe, jetzt mal in meinen eigenen Worten, dann ist es so, dass Taoismus doch irgendwie deutlich spiritueller, religiöser ist, während TAO tatsächlich eine Art der Lebensweise, Lebensführung dann in dem Sinne ist.
[Dr. Magdalena Gameiro] (11:52 - 12:00)
Ja, genau. Also Taoismus vielleicht am besten vergleichbar nochmal mit dem Hinweis des Buddhismus.
[Nils Behrens] (12:00 - 12:15)
Okay, verstanden. Sehr gut. Aber dann würde ich meine Frage jetzt nochmal korrigieren.
TAO klingt spirituell. Wie erklärst du es dann eben halt heute rationellen, modernen Menschen, wie sie damit etwas anfangen können?
[Dr. Magdalena Gameiro] (12:18 - 13:07)
Ich denke, dass die Lebensführung nach dem TAO heute so wichtig ist und wirklich ein wertvolles Werkzeug für die Menschen ist, weil es sich neurobiologisch erklären lässt. Also es ist im Grunde genommen ist TAO ein schönes Wort für neurobiologische Prozesse. In einem Teil.
TAO ist ja das große Ganze, aus dem letztlich alles entsprungen ist. Und neurowissenschaftlich kann man das so erklären, dass im TAO ist ja, aus dem TAO ist das Yin und Yang entsprungen. Heißt Aktivität, Bewegung und der Wandel dieser beiden.
Immer wieder der Wechsel und dass beides das andere enthält.
[Nils Behrens] (13:07 - 13:10)
Entschuldigung, Aktivität und Bewegung ist aber jetzt nicht Yin und Yang.
[Dr. Magdalena Gameiro] (13:10 - 13:12)
Entschuldigung, Aktivität und Ruhe.
[Nils Behrens] (13:12 - 13:29)
Ja, also das sind ja diese für alle HörerInnen, die kennen wahrscheinlich diesen klassischen Darstellung von Yin und Yang. Das ist ja dieser Kreis mit diesen zwei Kaulquappenartigen Gestalten, sozusagen diese zwei Tropfen. Und dann hat man ja mal den Weißen, nochmal das Schwarze im Weißen und das Weiße im Schwarzen sozusagen.
[Dr. Magdalena Gameiro] (13:29 - 13:44)
Genau, die Monade, ja. Also das Yin steht für das Kalte, die Nacht, das Weibliche, die Ruhe und das Yang steht für die Sonne, die Wärme, den Mann, die Aktivität.
[Nils Behrens] (13:45 - 13:47)
[Dr. Magdalena Gameiro] (13:48 - 15:52)
Worum es mir geht ist, dass letzten Endes, wenn wir ja wieder evolutionsmäßig auf uns gucken, dann dürfen wir verstehen, der Mensch heute ist ja biologisch, genetisch, von seinem Belohnungssystem her noch, also nach einigen Quellen wie vor 300.000 Jahren. Und selbst wenn wir nun eine Null wegnehmen, lassen wir es nur wie vor 30.000 Jahren sein, dann müssen wir oder dürfen wir verstehen, dass der Mensch sich nicht verändert hat, aber die Umwelt. Und wir waren vor langer, langer, langer Zeit quasi war der normale Zustand im Parasympathikus sein. Also wenn wir das autonome Nervensystem nehmen, gibt es ja den Parasympathikus, der für Regeneration, Ruhe, Gesundheit steht. Und wir haben den Sympathikus, der unser Überleben ja letztlich sichert, wenn es zum Angriff kommt, dass wir fliehen, kämpfen oder uns totstellen.
Und der Alltag hat sich so sehr gewandelt, dass wir heutzutage nach verschiedenen Quellen circa 80 Prozent der Zeit im Sympathikus hängen und zwischen 20 und 25 Prozent nur noch im Parasympathikus. Und das Ganze hat sich halt extrem durch die Industrialisierung und das künstliche Licht gewandelt. Und wenn man sich diese Prozesse mal vor Augen führt, wie viel Zeit der Körper früher für Reparaturarbeiten, Regeneration, Abläufe, Entgiftung, Stoffwechsel genutzt hat, bei viel weniger Input, dann hoffe ich, dass dem einen oder anderen ein Licht aufgeht.
[Nils Behrens] (15:53 - 17:04)
Ich glaube, ich habe mal die Rechnung gehört, dass das, was der moderne Mensch, das moderne Industriezeitalter, wenn wir das gesamte Evolution des Menschen betrachten und es auf 24 Stunden runterrechnen, dann wäre es so, dass der industrialisierte, moderne Mensch ungefähr drei Sekunden sind. Also von daher kann man sich ja nebenher das Verhältnis ganz gut vorstellen. Und ich finde aber eine Sache da sehr interessant, weil tatsächlich dieses Thema Sympathikus, Parasympathikus, also gerade beim Parasympathikus, der Vagusnerv ja sehr stark aktiviert ist, da ist es ja schon so, dass die meisten Menschen schon sagen, dass es auch da eine Art von, du kannst es Yin-Yang nennen oder aber, damit ich nicht wieder falsche Terminologie benutze, es eher wie so ein Pendel sein sollte. Das heißt also, dass eigentlich keiner heutzutage sagt, dass wir nur im Parasympathikus sein sollten, sondern dass man tatsächlich auch dieses Pendel immer noch schwingen sollte. Würdest du dem grundsätzlich zustimmen?
Weil du sagst, wir wären sozusagen am Anfang der 24 Stunden überwiegend im Parasympathikus gewesen. Ich glaube, das Wort entscheidend ist überwiegend, aber auch nicht nur, oder?
[Dr. Magdalena Gameiro] (17:05 - 19:07)
Ja, danke für die Korrektur. Ganz wichtig, wenn wir auf die Monade blicken, ist ja, dass sie geteilt ist durch diese Welle, diese Sinuskurve. Und um die geht es eigentlich.
Und im Yang ist das Yin enthalten. Also beide Seiten haben ja den Kern des anderen in sich. Und es ist genau diese Regulation der Polaritäten, das macht das gesunde Leben aus.
Also einmal zu verstehen, wir sind in einer Welt der zwei Seiten. Und wir sind nicht nur Licht. Und wir können uns auch nicht nur dem Licht zuwenden, sondern die Schattenseite möchte genauso viel Beachtung bekommen.
Und sie enthält immer den Kern des anderen. Wir wissen, dass wir wirklich bei uns sind, wenn diese Regulation, eben dieses Hin- und Herschalten, wenn das funktioniert. Wenn ich jetzt meine Steuererklärung machen muss, dann sollte ich morgens aus einem entspannten Zustand des Aufstehens relativ schnell umschalten können, um in eine geistige Aktivität und Klarheit zu kommen, damit ich die machen kann.
Und gleichzeitig, wenn ich dann entscheide, dass es jetzt Zeit für eine Pause ist, sollte es mir möglich sein, durch ein, zwei tiefe Atemzüge sofort so weit mein System runterfahren zu können, dass ich mich wirklich wieder bei mir in meiner Mitte fühle. Und wenn wir ehrlich sind, dann ist es ja genau das, was vielen von uns fehlt. Dass wir sagen, ja, wenn ich abends nach Hause komme, dann ist da noch so eine Unruhe.
Mein Kopf, der rast noch. Und ich weiß gar nicht, wohin mit mir. Bin ich erschöpft?
Und will ich mich einfach nur irgendwie in die Ecke schmeißen? Oder soll ich jetzt nochmal laufen gehen? Und das zeigt, dass das System wirklich durcheinander geraten ist.
[Nils Behrens] (19:08 - 20:15)
Ganz spannend. Das sind ganz viele Anhaltspunkte, auf die ich gerne gerne einreden würde. Das Interessante ist, wir haben ja im Vorgespräch ganz kurz darüber gesprochen, ich war ja jetzt ja auch gerade damit beschäftigt, ein Buch zu schreiben.
Und ich habe das ja mit meinem Alltag dann auch kombiniert und bin dann dafür morgens tatsächlich etwas früher aufgestanden als sonst, weil ich gemerkt habe, dass ich die Zeit abends dann eben halt nicht so gut genutzt werden konnte. Und deswegen bin ich tatsächlich dann immer so um fünf aufgestanden, habe mich dann hingesetzt und habe dann morgens dann schon gleich mit einer Kanne Tee dann angefangen zu schreiben und merkte, wie viel Kreativität da auch morgens dann eben halt auch so abgerufen werden könnte. Also von daher finde ich es wirklich ganz spannend, wie du das so beschreibst.
Aber ich finde den Punkt, den du gerade ansprichst, dieses Thema Atem, du hast es ja auch schon gesagt, als Morgensritual, dich ja erstmal mit deinem Atem verbinden, dass Atem natürlich die beste Möglichkeit ist, das eigentlich autonome Nervensystem gar nicht so autonom mehr sein zu lassen, sondern eben halt tatsächlich auch einen Einfluss darauf zu nehmen. Und da beschreibst du den Moment zwischen Ein- und Ausatmen. Warum ist genau dieser Moment, dieser Zwischenraum so entscheidend?
[Dr. Magdalena Gameiro] (20:16 - 20:57)
Weil der Moment dazwischen genau dieser Moment ist, in dem nichts ist. Wenn ich einatme, bin ich in einer Aktivität. Und wenn ich ausatme, bin ich im Loslassen und quasi Empfangen, also in der Erwartung schon wieder auf das Neue.
Und der Raum dazwischen ist so, ich vergleiche das immer gerne mit den Wellen. Die kommen und dann gibt es diesen einen Moment, wo sie wieder kaum noch gehen. Ja, dieses Innerhalten.
[Nils Behrens] (20:57 - 20:58)
Total.
[Dr. Magdalena Gameiro] (20:58 - 22:29)
Und das ist das größte Geschenk, denn wenn wir das aus der Quantenphysik nehmen, dann ist das der Moment, dieses Nichts, aus dem eben alles entstehen kann. Und je nachdem, mit welcher Qualität ich dann einatme oder mit welcher Entspanntheit ich den Atem wieder gehen lassen kann, schaffe ich ja was. In dem Moment, wo ich schon einatme, bin ich ja schon wieder am Erschaffen.
Und wenn ich ausatme, dann bin ich ja wieder dabei, etwas loszulassen. Und gleichzeitig ist es genau das, dieses Spannende, dass viele denken, ja, der Atem passiert ja eh automatisch. Ja, genau.
Und deswegen macht es ihnen so ein hilfreiches, wertvolles Werkzeug. Weil nur allein, wenn ich mal in mich gehe und mich selber beim Atmen beobachte, dann ist es total spannend zu beobachten. Es gibt Menschen, denen fällt der Einatmen total leicht, aber die können nicht gut ausatmen.
Aber wie soll ich Neues empfangen können, wenn noch so viel Altes in mir drinsteckt? Ja, und der Ausatmen ist mega wichtig für die Entgiftung, fürs Raumschaffen und umgekehrt.
[Nils Behrens] (22:29 - 23:35)
Ich finde es so witzig, weil du es so beschreibst. Und bei mir ist es auch so, man weiß ja, dass man den Vargusnerv sehr gut aktivieren kann, indem man länger ausatmet, als man einatmet. Und wenn ich mich darauf dann tatsächlich gerade so zum Einschlafen, das ist ja auch eine sehr beliebte Taktik, genau das zu tun.
Und ich merke einfach wirklich, wenn ich das so richtig konzentriert tue, dass ich da noch nicht gut bin in dem Ausatmen. Warum? Weil ich dieses wirklich sehr bewusst längere Ausatmen meistens immer dazu führt, dass ich nach zwei, drei Atemzügen das Gefühl habe, dass ich nicht mehr genügend Luft in mir habe.
Das ist wirklich so ganz interessant. Ich bin ein großer Fan von dem physiologischen Seufzeratmen oder nach Andrew Huberman
, das ist eben halt dieses doppelt Einatmen, lange Ausatmen. Das funktioniert bei mir ganz gut, aber das mache ich halt nur zwei, drei Mal.
Aber dieses über längeren Zeitraum abends zum Schlafen gehen, dieses längere Ausatmen, das funktioniert bei mir nicht so gut. Was würdest du mir denn da raten?
[Dr. Magdalena Gameiro] (23:37 - 24:35)
Das ist, danke fürs Teilen, das ist wirklich eine ganz, du hast es sehr schön beschrieben. Am Ende wollen wir einen Zustand der Durchlässigkeit haben. Heißt, durch Bewegung, Atmung, das Richtige, was wir trinken, was wir essen, wollen wir, dass alles im Fließen ist.
Das ist dieser Aspekt eben der Monade mit dieser Sinuskurve. Und wenn wir merken, also auch beim Atmen am Ende, alle Atemübungen, also ich kann am Anfang damit arbeiten zu sagen, Einatmen, eins, zwei, drei, Pause, eins, Ausatmen, eins, zwei, drei, vier, Pause, eins, Einatmen. Und wiederholen.
[Nils Behrens] (24:36 - 24:37)
Jetzt hast du aber zwei über vier gemacht.
[Dr. Magdalena Gameiro] (24:37 - 24:37)
Habe ich?
[Nils Behrens] (24:38 - 24:52)
Oh, ich habe mich verzählt. Habe ich mich jetzt vielleicht auch falsch zugehört. Unsere HörerInnen können uns hier ja an dieser Stelle dann gleich korrigieren, aber wenn du jetzt Einatmen und Ausatmen gleich lang hast, dann habe ich ja noch keine aktive Vagusnerv regulierung gegeben.
[Dr. Magdalena Gameiro] (24:52 - 25:04)
Genau, da war mein Kopf wahrscheinlich schneller als mein Reden. Also Ziel des TAO ist es eigentlich, dass wir so in unserer Mitte sind, dass Ein- und Ausatmen gleich lang sind.
[Nils Behrens] (25:05 - 25:06)
Ja, aber das hast du gemacht.
[Dr. Magdalena Gameiro] (25:06 - 25:25)
Genau, das ist unser Endziel, was wir erreichen wollen. Wenn ich aber eben gezielt therapeutisch arbeiten will, weil ich einfach merke, ich muss raus aus dem Stress, dann ist es genau dieses eins, zwei, drei, Einatmen, Pause, eins, eins, zwei, drei, vier, Ausatmen, Pause, eins.
[Nils Behrens] (25:25 - 25:34)
Okay, vielleicht hast du das gemacht, vielleicht war ich zu unaufmerksam, aber wir lassen das jetzt mal drin, um mal zu gucken, ob unsere HörerInnen jetzt besser waren als wir.
[Dr. Magdalena Gameiro] (25:34 - 25:35)
Genau, wie gut sie es hören.
[Nils Behrens] (25:37 - 25:53)
Das heißt aber, das Ziel ist es dann, und da bin ich wiederum sehr gut drin, das mache ich wirklich relativ regelmäßig, ist dieses sogenannte Box-Breathing. Das heißt also, dass man eben halt vier Sekunden einatmet, vier Sekunden Pause, vier Sekunden Ausatmen, vier Sekunden Pause, vier Sekunden Einatmen. Das wäre ja dann quasi die gleichen Schenkel.
[Dr. Magdalena Gameiro] (25:53 - 27:12)
Ja, genau, also es wird auch beschrieben als Technik zur Stärkung des Parasympathikus, aus meiner Sicht ist es aber eher eine Technik zur Stärkung der Regulation oder als Zeichen, wenn mir das gut gelingt, dann bin ich genau da, ich bin gut in der Regulation. So, ich lasse mich atmen, gebe mir Zeit, das zu empfangen, was durch den Atem in mich reinkommen will, rein biologisch gesehen, ich gebe Zeit für Sauerstoff und alles andere, was wir mit der Luft aufnehmen, in uns einzudringen und lasse mich dann ausatmen. Und gebe mir dann auch da Zeit, noch das, nicht nur über den Atem, sondern aus meinem Körper rausgehen zu lassen, was gehen möchte und lasse mich dann wieder atmen und wenn das gut klappt, dann wissen wir, wir haben eine gute Regulation, so sehe ich das und ich finde, das ist ein ganz wertvolles Werkzeug.
Aus meiner Sicht ist dieses Umschalten, wenn ich gezielt in den Vagusnerv kommen möchte, allerdings etwas hilfreicher, wenn ich den Ausatmen betone. Aber danke für die Boxatmung, sie ist wundervoll.
[Nils Behrens] (27:12 - 28:15)
Ja, ich glaube tatsächlich, und dann gehen wir aber gleich einen Schritt weiter, ich habe wirklich vor ungefähr zwölf Jahren mal im Lanserhof eine Untersuchung gehabt und da haben die mir gesagt, dass ich sie zu flach atmen würde. Das heißt also, dass ich eben nicht genügend das Lungenvolumen ausnutze. Und mir wurde es damals dann so erklärt, dass es sehr häufig ist bei Menschen, die sehr kommunikativ sind, dass die sich einfach immer ein kleines bisschen Restatmen sparen, damit sie nochmal schnell eine Antwort geben können.
Ich fand diese Erklärung eigentlich so ganz süß, dass man sagt, okay, würde ich sagen, das trifft voll bei mir zu, weil ich natürlich schon irgendwie auch gerne kommuniziere und von daher fand ich das ganz interessant und deswegen, glaube ich, tut mir eben halt genau dieses Boxatmung so gut, weil ich mich dann eben halt wirklich auf dieses volle Ein-Ausatmen konzentriere. Ich möchte aber jetzt mal wirklich zu deinem Buch nochmal eingehen. Du beschreibst TAO als zurück zur Natur und so habe ich dich ja auch kurz vorgestellt.
Welche ersten Schritte empfiehlst du jemanden, der sich vielleicht völlig entfremdet von der Natur fühlt?
[Dr. Magdalena Gameiro] (28:18 - 29:23)
Ja, der erste Schritt ist tatsächlich Verbindung mit dem eigenen Atem und auch den Kontakt aufnehmen mit der Natur. Also sich fragen, wie will ich leben? Ist das, wo ich jetzt gerade bin, da, wo ich sein möchte?
Und dann mit kleinen Schritten eine Veränderung setzen, eine bewusste Entscheidung treffen, zum Beispiel zu sagen, ich möchte jetzt jeden Morgen nach dem Aufstehen meinen Tag mit ein, zwei Tassen warmem Wasser starten und dabei schaue ich in die Natur. Und das wirklich konsequent einfach mal umsetzen und schauen, was daraus schon entsteht.
[Nils Behrens] (29:24 - 29:25)
Wenn man keine Natur hat?
[Dr. Magdalena Gameiro] (29:26 - 30:51)
In den Himmel gucken. Es ist ganz wichtig, die Augen sind das Sinnesorgan, mit dem wir durch die Welt gehen heutzutage. Früher haben wir noch andere Sinne genutzt, die wir heute auch noch nutzen, aber zum Teil sind die ja sehr überlagert.
Also auch die Augen sind überlagert mit einem Input, den sie ständig verarbeiten müssen. Wir sind überlagert mit Geräuschen, sodass andere Sinne wie das Riechen, das Schmecken, das Fühlen schon sehr auch in den Hintergrund geraten sind. Und durch unsere Lebensweise und Arbeitsweise sind unsere Augen immer sehr angestrengt.
Und allein indem ich den Blick, und das kann ich sogar in einem Großraumbüro machen, mir eine Tasse warmes Wasser holen, mich hinsetzen an meinen Arbeitsplatz und für 30 Sekunden den Blick mal aus dem Fenster zum Himmel schalten lassen. Das kriegt keiner mit. Keine Pause.
Und schon fährt das vegetative Nervensystem runter und wir kommen wieder bei uns an und sind hiernach wirklich gleich auch effizienter.
[Nils Behrens] (30:52 - 31:23)
Total gut, total gut. Ich muss jetzt hier so ein bisschen lachen über meine nächste Frage, weil ich lese sie mal eins zu eins vor. Wir leben im Dauerstress.
Wie hilft die taoistische Lebensführung wieder in Balance zu kommen? Da sind wir wieder bei dem Punkt. Also dann wäre das jetzt ja quasi die Frage falsch gestellt, sondern ich müsste ja sagen, wir leben im Dauerstress.
Wie hilft es dir mit der Lebensführung nach Tao wieder in Balance zu kommen? Richtig? Gut, auch da habe ich jetzt wieder was gelernt und würdest du mir dann trotzdem die Frage dann jetzt in der korrigierten Form beantworten?
[Dr. Magdalena Gameiro] (31:23 - 33:40)
Ja, sehr gerne. Im Grunde genommen ist es wichtig, einfach zu schauen, wo kann ich den Tag aus sich heraus entstehen lassen und an welchen Tagen ist mir ein Plan vorgegeben. Und den haben wir ja durch unsere Arbeitswelt sehr stark vorgegeben.
Und dann gibt es aber auch Pausen dazwischen. Heißt, wenn ich von zu Hause mit dem Auto zur Arbeit fahre, dann für einen Moment bei Ankunft im Auto sitzen bleiben und sich darüber bewusst werden, ich bin jetzt angekommen. Also immer wieder dieser Kontakt zu schauen, also einmal mit sich selber auch wieder in Kontakt zu kommen, zu sehen, was wir auch schon geleistet haben.
Ich bin jetzt durch den Berufsverkehr in Berlin hier angekommen und erst mal gewahr sein, ich habe es geschafft. Das ist eine Leistung, die wir schon vollbracht haben. Ist auch wichtig, weil wir einfach auch sehen dürfen, wie viel wir den ganzen Tag tun und gleichzeitig sich auch vorbereiten, das eine eben, den Zwischenraum, das eine wirklich abzuschließen, den Einatmen abschließen lassen durch die Pause und dann gehe ich auf die Arbeit, dann lasse ich das nächste entstehen.
Das können Mikrosekunden sein, also das sind zwei, drei Sekunden des Innehaltens, des Atmens und immer wieder wirklich ganz wichtig aus der Sicht des TAO immer wieder ein Lächeln auf die eigenen Lippen platzieren. Sofort entsteht eine gesamte Entspanntheit, Schulternackenpartien, Zwerchfell gibt nach, Atem fließ gleich leichter, das sind Techniken, die wir im Schauspielbereich ganz viel eingesetzt werden, über den Körper arbeiten und das Atmen und sich selbst zu lächeln, eine der wichtigsten und einfachsten Techniken.
[Nils Behrens] (33:41 - 34:50)
Ja, ich kann das sehr, sehr gut nachvollziehen bei mir. Ich hatte das auch schon mehrfach in diesem Podcast mal erzählt, dass ich zum Beispiel immer dazu tendierte, ich mache immer meistens alles mit dem Fahrrad, aber dann habe ich auf dem Fahrrad, auf dem Heimweg immer nochmal dann irgendwie einen Podcast gehört. Und dann habe ich gemerkt, dass sich der Unterschied zwischen ich bin bei der Arbeitsstelle und ich komme zu Hause an, sich durch diesen Podcast so ein bisschen versendet hat.
So, das heißt also, ich hatte diese bewusste, das bewusste Reisen, das bewusste von der Arbeit wegfahren, zu Hause ankommen nicht mehr so gespürt. Und dann habe ich dann angefangen, das wegzulassen und habe einfach für mich gemerkt, dass das einfach so ganz schön war, dass ich dann auf dem Fahrrad so ein bisschen nochmal quasi, gar nicht so bewusst, aber irgendwie gingen mir dann nochmal so Restgedanken aus der Arbeit dann irgendwie durch den Kopf, dann auch so ein bisschen dann schon so, wie ich jetzt den Abend gestalte, darüber nachdenken und sowas alles. Also das hat für mich einen Riesenunterschied gemacht, diese externe Beschallung wegzulassen.
Und das ist genau das, was du jetzt gerade beschreibst. Also das ist genau das, was ich eben auch sehr, sehr stark gespürt habe.
[Dr. Magdalena Gameiro] (34:50 - 37:41)
Ja, danke wieder für dieses Beispiel. Das ist ein ganz wichtiger Aspekt, Grenzen ziehen. Ja, denn ein Stück weit haben wir das durch diese Schnelllebigkeit genau verlernt, dieses Zu-Wissen.
Und das ist wirklich auch für die Berufswelt immens wichtig. Wann bin ich zur richtigen Zeit am richtigen Ort? Wenn ich etwas ansprechen möchte, ist jetzt der Raum und die Zeit dafür überhaupt da?
Es ist schön, einen Plan zu haben, wenn ich mit meinem Chef über eine Gehaltserhöhung reden möchte, aber es ist alles abhängig vom Raum und Zeit. Und selbst wenn ich einen Termin dafür vereinbart habe, aber merke zum Beispiel, dass mein Chef immens aufgebracht noch von einem Vortreffen ist und ich dann mit einem Wunsch komme, ist die Wahrscheinlichkeit, dass ich abgelehnt werde, sehr hoch. Also dieses klare Grenzen setzen, eben etwas zu Ende kommen lassen und dann neu, diese Pause dazwischen und dann neu anzufangen, ist total wichtig.
Und das entscheidet tatsächlich auch erfolgreiche Menschen von nicht erfolgreichen Menschen. Wenn ich mich frage, warum bin ich in manchen Dingen komplett inkonsequent, dann darf man genau da schauen. Also wo verwischen sich zu viele Bereiche ineinander?
Denn letzten Endes ist es einfach so, Menschen, die konsequent sind, die schaffen klare Grenzen, die sorgen dafür, dass es ihnen leicht fällt, konsequent zu sein. Und da hilft Tau, weil TAO wirklich dieser Weg ist, zur Einfachheit zu gucken, wo bin ich? Welche Jahreszeit ist es?
Im Sommer brauche ich doch ganz andere Dinge, als ich sie im Winter brauche. In welcher Jahreszeit meines Lebens bin ich? Wenn ich ein Kind bin, brauche ich doch ganz andere Dinge, wie als junge schwangere Frau oder ein Mann, Ende 30, der auf dem Bau arbeitet.
Und das haben wir vergessen. Wir suchen immer wieder nach dieser einen Pille, nach dieser einen Lösung und die gibt es. Aber nur wenn du guckst, wo bist du gerade?
Du. Und wo bist du im Raum zu den anderen? Und wo stehen die anderen?
Und da merken wir dann plötzlich, wie aus diesem kleinen Einen das große Ganze entsteht und wie das immer in dieser Wechselwirkung ist. Und da kann uns und nicht kann, da hilft uns TAO. Also TAO hat mein Leben verändert.
[Nils Behrens] (37:41 - 37:55)
Das klingt auf jeden Fall großartig und ich würde jetzt hier mal kurz den Übergang versuchen zu TAO Ying. Das ist ja, wie du es beschreibst, eine Bewegungskunst. Wie würdest du sagen, unterscheidet sich die von zum Beispiel Yoga oder Qigong?
[Dr. Magdalena Gameiro] (37:57 - 38:06)
TAO Ying. TAO Ying ist Führen, Dehnen, Gleiten, Bewegen, alles in den Fluss bringen.
[Nils Behrens] (38:06 - 38:08)
Würde ich sagen, ist Qigong aber auch oder nicht?
[Dr. Magdalena Gameiro] (38:08 - 38:31)
Qigong ist so die Konzentration der Energie. Und Yoga bringt auch Bewegung rein, aber mehr körperlich erst einmal. Also das körperlich ausgeführte Yoga dient auch einer Fokussierung und Kraftaufbau.
[Nils Behrens] (38:32 - 38:37)
Okay. Und was mache ich genau dann beim TAO Ying?
[Dr. Magdalena Gameiro] (38:38 - 38:45)
Beim TAO Ying ist es, dass ich durch, es ist eine Meditationenbewegung.
[Nils Behrens] (38:45 - 38:46)
Okay, das kann ich mir vorstellen.
[Dr. Magdalena Gameiro] (38:46 - 41:06)
Genau. Also ich habe Übungen und die zum Teil auch in sich schon eine gewisse Komplexität haben, die mein Geist bindet. Und dann ist es wieder dieses, ich führe die Übung aus und ich lasse den Atem die Bewegung führen.
Und die Bewegung, den Atem. Ich gucke, dass Arme und Beine den gleichen Anfang und das gleiche Ende haben. Ich schaue, dass ich weder vorne noch hinten stehe.
Ich gucke immer wieder, wo ist meine Mitte. Im TAO Ying geht es immer wieder zu spüren, wie kann ich die Bewegung ausführen. Ziel ist es immer wieder nach der Bewegung und in der Bewegung in meiner Mitte zu bleiben.
Denn dann bin ich quasi gut verwurzelt wie ein Bambus und bin genauso flexibel. Ja, mich kann nichts brechen. Und daraus entsteht ein gewisser Frieden und eine Ruhe und eine Klarheit.
Und wir werden uns unserer Grenzen bewusst. Wir übergehen sie aber nicht. Also im TAO Ying ist der Ansatz, ich nehme eine Grenze wahr und die respektiere ich.
Ich gehe nicht drüber hinweg. Heißt, wenn ich eine bestimmte Übung, es gibt einen Idealzustand einer Übung, aber wenn ich den heute nicht erreichen kann, dann bleibe ich, dann führe ich die Übung korrekt aus. In meinem Geiste sehe ich sie mich auch komplett durchführen, aber körperlich bleibe ich genau vor dieser Schmerzgrenze.
Und dann wiederhole ich sie, wie der stete Tropfen. Und durch dieses stete Tropfen, ich wiederhole sie, verschiebt sich ja die Grenze. Aber ohne, dass ich mich zwingen muss, ohne, dass ich mich verletze.
Und das ist das Geschenk, denn TAO Ying ist das Geschenk, uns wieder daran zu erinnern, dass es den Faktor Zeit gibt. Und mit Geduld und dem steten Tropfen lässt sich viel erreichen, mehr als mit einem großen Hauruck.
[Nils Behrens] (41:06 - 42:02)
Das finde ich sehr schön, das resoniert bei mir insofern sehr stark, weil ich habe eine Übung, die ich für mich relativ neu entdeckt habe, die witzigerweise meine Großmutter schon gemacht hat. Ich habe so ein Rad mit so Griffen rechts und links. Und dann ist es so, dass ich mich dann morgens quasi sozusagen, ich knie mich hin und dann musst du dir vorstellen, habe ich das in der Hand, dieses Rad, und dann fange ich an, eben halt mit diesem Rad nach vorne zu rollen.
Und da ist es tatsächlich so, dass wenn ich da morgens starte, dann würde ich sagen, bin ich vielleicht am Anfang, wenn es hochkommt, vielleicht einen halben Meter von den Knien weg. Und dann wird jede Rollbewegung sozusagen ein Stück weiter und ein Stück weiter. Und das Ziel ist es dann quasi, die maximale Streckung dann im Laufe des Rollens sozusagen zu erreichen.
Und dann das so oft auszuüben, bis ich wirklich merke, okay, wenn ich jetzt noch einmal wegrollen würde, würde ich nicht mehr zurückkommen.
[Dr. Magdalena Gameiro] (42:03 - 42:04)
Ja super, genau.
[Nils Behrens] (42:05 - 43:00)
Aber das ist genau das, was du sagst. Das ist wirklich wie so eine Wellenbewegung, die sich immer weiter aktiviert. Und warum mache ich das?
Weil es eben halt so eine Art aktive Plank-Übung ist, die sehr viele Muskeln morgens schon aktiviert. Und ich bin ja immer so, der häufigste Satz, den ich hier wahrscheinlich immer wieder benutze, ist, if you don't use it, you lose it. Das heißt also, alles, was du nicht regelmäßig abfragst an deinem Körper, wirst du dann irgendwann auch verlieren.
Und deswegen ist das so schön, dass du mit dieser Übung so viele Muskelgruppen dann auf einmal aktivierst. So, das ist aber jetzt etwas, was mache ich für mich eher, um genau diesem Signal an meinen Körper zu geben, hallo, Muskulatur, ich brauche dich noch. Wie ist es denn beim TAO Ying?
Würdest du sagen, dass wenn man regelmäßig das praktiziert, dass man auch ein Signal an seinen Körper gibt hinsichtlich Flexibilität, aber auch hinsichtlich Aktivität der Muskeln, sie zu erhalten? Oder ist das nicht das Ziel?
[Dr. Magdalena Gameiro] (43:04 - 43:14)
Wenn ich etwas jeden Tag ausführe und sei es nur 10 Minuten, dann werde ich natürlich aus meiner Sicht gesehen auch Muskelkraft aufbauen.
[Nils Behrens] (43:16 - 43:18)
Mir geht es ja vor allem auch darum, sie zu erhalten.
[Dr. Magdalena Gameiro] (43:20 - 46:50)
TAO Ying hat das Ziel der Mobilisation, heißt, wenn ich TAO Ying ausführe, dann ist es eine Bewegungsform, die Faszien, Muskeln mobilisiert, Gelenke löst, also die größten Blockaden haben wir ja an den Gelenken und dafür eine freie Beweglichkeit sorgt. Und Ziel des TAO Ying ist es, dieses Hin- und Herschalten auch wieder zu lernen, also im Ausführen einer Übung mir darüber bewusst zu werden und das zu versuchen zu erspüren, das ist schon ein fortgeschrittenes Stadium. Welche Muskelgruppen muss ich jetzt überhaupt anspannen, aktivieren, damit ich hier eine gute Bewegung durchführe und was darf ich hier alles loslassen?
Also bei vielen Übungen im Schulterbereich zum Beispiel oder im Oberkörperbereich werden, ich sag mal, bei normalen Gymnastikformen, wenn nicht explizit darauf hingewiesen wird, dann ist das Gehirn der Übung oft an der falschen Stelle. Also man will die Schulter mobilisieren und gleichzeitig ist sozusagen die ganze Kraftanstrengung in der Schulter. Dabei, wenn ich die Schulter wirklich mobilisieren will, dann sollte ich mein Augenmerk so weit wie möglich, also die Bewegung zum Beispiel vom Handgelenk führen lassen, damit die Schulter frei wird, damit die Muskulatur dort locker werden kann.
Und dieses Wechselspiel, also wieder diese Regulation zwischen was muss ich anspannen und was darf ich loslassen, das liebe ich am TAO Ying. Ziel ist es, diese Durchlässigkeit, damit ich dann, wenn ich in Übungen gehe, auch im TAO Ying kann ich viele der Übungen durch die Wiederholung, ich werde ja immer mobiler, kann ich auch immer tiefer sinken, kann ich die Muskulatur, ich darf dann auch ins Zittern kommen, wenn ich das möchte. Und damit dann spielen, möchte ich heute dann mehr die Kraft herausfordern, was spanne ich dafür an, möchte ich heute mehr die Gelenke mobilisieren, dann lenke ich mein Augenmerk mehr dahin und am Ende aber immer diese Verbindung zwischen Atem und Körper, denn wir brauchen ja alles.
Also der Körper braucht Mobilität, Flexibilität und Stabilität und Tao Ying vereint das für mich schon alles drei. Gleichzeitig sage ich aber auch, es ist eine Ergänzung, ich finde Yoga mega wertvoll und ich praktiziere auch Yoga. Ich gehe aber auch einmal die Woche zu einem Personal Trainer und lasse mir dort mit einem auf meine Problemzonen zugeschnittenes Tabata-Training mit Einzelhandel in den Hintern treten, weil mein innerer Schweinehund ist genauso da wie bei allen anderen und wenn es um die Muskelkraft in meinen Beinen geht, dann brauche ich da zum Beispiel die Kraft der Gewichte.
Es ist eine Ergänzung.
[Nils Behrens] (46:51 - 47:12)
Dann lass uns doch aber mal vielleicht eine ganz konkrete Übung beschreiben, wenn sich das eignet. Ich weiß es jetzt nicht genau, wir müssen ja davon ausgehen, also nochmal der Hinweis, man kann uns ja immer auf YouTube oder auf Spotify auch als Video sehen, aber wir müssen jetzt eher natürlich schauen, dass einige Leute das auch jetzt hier nur hören oder die meisten wahrscheinlich. Was wäre eine einfache Übung, die man mal ausprobieren könnte?
[Dr. Magdalena Gameiro] (47:13 - 47:14)
Darf ich aufstehen?
[Nils Behrens] (47:15 - 47:19)
Das kommt drauf an, du siehst ja das Kamerabild, das heißt also, du musst natürlich schon so ein bisschen in der Kamera bleiben.
[Dr. Magdalena Gameiro] (47:20 - 47:24)
Okay, ich gucke mal, wie groß ich bin. Ja, okay, Kopf ist abgeschnitten.
[Nils Behrens] (47:24 - 47:27)
Ja, aber wenn die Hauptübung über den Körper ist.
[Dr. Magdalena Gameiro] (47:27 - 47:47)
Wir können sie ja auch, das Schöne ist, wir können Tao ying auch im Sitzen ausführen. Eine meiner Lieblingsübungen ist tatsächlich der Vogelspreiz seitlich seine Flügel. Wir würden sie normalerweise im schulterbreiten Stand ausführen mit einer Gewichtsverlagerung.
[Nils Behrens] (47:49 - 47:53)
Also wir stellen uns jetzt, lass mal Schritt für Schritt gehen, wir würden uns normalerweise hinstellen.
[Dr. Magdalena Gameiro] (47:54 - 47:57)
Normalerweise würden wir uns hinstellen, schulterbreit.
[Nils Behrens] (47:58 - 47:58)
Und dann?
[Dr. Magdalena Gameiro] (47:59 - 48:14)
Und dann bei der Bewegung an sich haben wir ein Verschieben, also wir sinken dann auf das eine Knie und das Becken geht quasi wie ein Bügeleisen mit und öffnen dabei die Arme.
[Nils Behrens] (48:14 - 48:15)
Wie ein Bügeleisen?
[Dr. Magdalena Gameiro] (48:15 - 49:50)
Damit will ich immer sagen, wir bleiben quasi mit der Hüfte auf einer Gerade. Aber wir machen sie jetzt im Sitzen. Und dann tun wir das so, dass wir sagen, auch wieder schulterbreite Fußhaltung.
Im Tao ying haben wir die Füße parallel, das heißt die Fußinnenseiten sind gerade zueinander ausgerichtet mit einem Hauch der Eindrehung, so dass in der Unendlichkeit würden sich dann diese Groß-Zeh-Schienen dann doch überschneiden. Aber das Wichtigste ist auch hier, dass wir keine Spannung in der Hüfte haben. Im Sitzen achten wir darauf, dass wir von den Füßen zu den Unterschenkeln 90 Grad haben, von den Unterschenkeln zum Oberschenkelbereich 90 Grad und dass wir aufrecht sitzen.
Und wenn der Vogel seine Flügel spreizt, dann sollten wir möglichst weit vorne auf einem Stuhl sitzen. Wir öffnen die Arme, das heißt die Hände hängen seitlich runter. Körper ist gerade aufgerichtet und wir drehen die Handinnenflächen nach außen und das ist wie ein Wringen eines Handtuchs, das kommt bis in den Schultern an.
Und dann gehen die Arme über beide Seiten nach oben zum Himmel, der Blick darf auch mitgehen. Und dann lassen wir die Hände, Handinnenflächen zu uns schauend, vor unserem Brustkorb sinken.
[Nils Behrens] (49:50 - 49:55)
Also wir müssen jetzt auch den großen, großen Ball, so einen Sitzball vor uns halten.
[Dr. Magdalena Gameiro] (49:55 - 51:06)
Genau, die Handgelenke sind locker, genau, wunderbar und die dürfen runterhängen. Und ich sag mal Schultern, Ellenbogen und Handgelenke bilden eine Linie. Schultern sind dabei ganz locker und entspannt mit einem leichten Zug nach unten.
Und dann öffne ich die Arme zur Seite und jetzt würde ich tatsächlich mein Gewicht eben aufs rechte Bein verlagern. Und dann öffne ich richtig die Handflächen auf und dann komme ich wieder zurück zur Mitte. Und das Gehirn ist in den Handgelenken, wir schlagen ein und öffnen und wieder zurück.
Heißt mit dem Ein öffne ich die Flügel eines Kranichs und lasse mich atmen und mit dem Aus wieder zurück. Und dann gehe ich vom mittleren Tantien ins untere Tantien und schließe mit Kontakt zum Bauch ab.
[Nils Behrens] (51:06 - 51:19)
Sehr gut, sehr gut, dann haben wir doch hier schon mal eine kleine Übung, aber idealerweise machen wir die dann im Stehen. Und im Zweifelsfall kann man sie eben halt bei dir auch im Buch dann nochmal nachschauen. Wie oft würdest du sagen, machst du deine Tao Ying Übung?
[Dr. Magdalena Gameiro] (51:21 - 51:29)
Das Schöne am Tao Ying ist, dass wir einzelne Übungen rausnehmen können. Also das Qi Wecken mache ich jeden Tag.
[Nils Behrens] (51:30 - 51:31)
Das war das, was wir eben gerade gehört haben?
[Dr. Magdalena Gameiro] (51:31 - 51:52)
Nein, das war der Vogel streckt seitlich seine Flügel. Das Qi Wecken ist eine Übung, um eben die Energie aufzuwecken. Das ist eine Bewegung, wo die Arme nach oben fließen und ich gleichzeitig dabei nach runter gehe in den Knien.
Und während die Knie sich aufrichten, komme ich wieder in den Ausgangszustand ein.
[Nils Behrens] (51:52 - 51:59)
Ach wie nützlich, das ist eine Übung, die habe ich ganz häufig früher gemacht. Aber ich dachte immer, das wäre auch eine Qi Gong Übung.
[Dr. Magdalena Gameiro] (52:00 - 52:13)
Im Qi Gong machen wir es tatsächlich umgekehrt. Also das heißt, wenn wir im Tao Ying machen, dann gehe ich in den Knien runter. Und die Arme kommen hoch und richte mich auf.
[Nils Behrens] (52:14 - 52:14)
Ja genau.
[Dr. Magdalena Gameiro] (52:15 - 52:20)
Es gibt aber auch die Formen im Qi Gong, wo quasi Arme und Beine synchron arbeiten.
[Nils Behrens] (52:20 - 52:24)
Ja vielleicht war es immer schon eine Tao Ying Übung und ich hatte nur gedacht, das wäre Qi Gong.
[Dr. Magdalena Gameiro] (52:25 - 52:31)
Tao Ying heißt es, sei die Mutter der 1000 Formen des Qi Gong.
[Nils Behrens] (52:32 - 52:47)
Sehr gut, sehr gut. Dann lasst uns nochmal zu einem anderen Punkt gehen. Du sprichst oft von dem Herzen als inneren Rhythmusgeber.
Wie können wir denn auch lernen, wir haben jetzt schon ein bisschen gelernt, wie wir mehr auf unsere Arten hören können. Wie können wir denn auch lernen, wieder mehr auf unser Herz zu hören?
[Dr. Magdalena Gameiro] (52:49 - 53:09)
Ja, das Herz ist so wichtig für uns, weil es neurobiologisch gesehen unheimlich viele Neuronen hat. Und es gehen ja mehr Signale vom Herzen zum Gehirn wie umgekehrt.
[Nils Behrens] (53:10 - 53:15)
Interessant, ich wusste immer, dass es mehr Signale vom Darm zum Gehirn geht als umgekehrt, aber vom Herzen auch.
[Dr. Magdalena Gameiro] (53:15 - 57:12)
Genau, also es gibt nicht nur die Darmhirnachse, sondern es gibt auch eine Herzhirnachse. Und genau, die Gesundheit und zwar die emotionale Gesundheit des Herzens hat sofort Auswirkungen auf das autonome Nervensystem, also auf unser Stressbefinden. Und deswegen ist das Herz leeren so wichtig, das nicht anhaften an Verletzungen, Emotionen.
Wir kennen das doch vielleicht auch selber, eine Entscheidung aus der Emotion heraus ist nicht unbedingt immer die beste Entscheidung. Sondern einmal drüber schlafen, die Emotionen erstmal gehen lassen und erstmal wieder in Ruhe und Frieden bei sich ankommen. Und das ist ein rein neurobiologischer Prozess, der total wichtig ist, weil wenn wir da nicht ehrlich mit uns sind und uns das auch nicht zugestehen, dass wir sagen, boah, das hat mich echt sauer gemacht.
Ja, also gerade in der heutigen Welt, wo ich finde Wut und Aggressivität immer gleich als, oh da stimmt was nicht mit deiner Leber und du bist total in deinem Ungleichgewicht, wenn du mal auf den Tisch schaust, sag ich, ja, schaue auf den Auslöser und wie lange du daran hängen bleibst. Aber wir dürfen auch ehrlich sein und Emotionen wollen auch angesehen und gelebt werden, nur halt dann zur richtigen Zeit am richtigen Ort. Aber sie sollen nicht gespeichert werden.
Und aus Sicht des, der TCM im Herzen ruht der Geist, also unser Shen. Und auch da, nur wenn das Herz leer ist, also wenn ein Krug voll mit Wasser ist, wie will ich denn da frisches Wasser reingießen? Und wenn ich es tue, was passiert?
Wenn da altes Wasser drin war, vielleicht schon mit Morast, ja, ich verwässere es. Aber es wird immer schwieriger, es zu trennen. Heißt, wenn ich ein Gefäß habe, was schon richtig, sag ich mal, mit altem Dreck ist, dann haben wir häufig dieses, dann wiederum fast ein Geschenk, das sich unten der Morast absetzt und obendrauf dann noch eine relativ klare Brühe hängt, da könnte ich das noch ganz gut trennen voneinander.
Aber wenn ich eben nicht richtig leere, sondern einfach immer nur weiter obendrauf schütte, dann verwischt alles und dann verliere ich meine Navigation. Deswegen ist dieses Herzlernen so wichtig, denn das Herz ist letztlich unser Kompass und dann sind wir wieder bei diesen Anfangsfragen. Wer bin ich?
Wie will ich denn mein Leben leben? Also lebe ich das Leben, das ich leben will? Nein, ich möchte was ändern.
Warum möchtest du das ändern? Was ist das Thema dahinter? Und da hilft uns Tao mit dieser Einfachheit, wieder in diese Reinheit zu kommen.
Reinheit im Sinne der Klarheit, im Sinne von Ordnung schaffen, in sich aufräumen. Und daraus entsteht aus meiner Sicht das größte Geschenk des Tao, wahrhaftige Freiheit, sich freimachen von den tausend Wünschen, die wir haben, die, wenn wir die dann erreicht haben, endlich glücklich sind.
[Nils Behrens] (57:14 - 57:25)
Das kann ich sehr gut nachvollziehen. Was würdest du unseren HörerInnen raten? Gibt es ein Alltagsritual, das wahrscheinlich jeder integrieren kann, um sich wieder ein bisschen mehr mit sich selbst zu verbinden?
[Dr. Magdalena Gameiro] (57:26 - 58:27)
Ja, ein schönes Ritual, was ich finde, ist die rechte Hand aufs Herz legen, die linke auf den Unterbauch und auch vor allem ins Herz mal reinatmen und sich fragen, wo bin ich weich? Und mal spüren, im Körper haben wir irgendeinen Bereich, der sich weich anfühlt. Fühlt sich unser Herz weich an?
Und wo bin ich hart? Und das erst einfach mal wahrnehmen. Vielleicht fühlt sich auch alles hart an.
Weich meine ich im Sinne von, wo fließt es? Und wenn dieses Gefühl des Fließens ist, dann weiß ich, ich bin bei mir. Aber wenn ich merke, dass sich irgendwas sehr schwach anfühlt oder irgendwo Verspannungen drinne hängen, dann weiß ich, dass ich da hinschauen darf, was da gespeichert ist.
Und das ist eine ganz einfache Technik.
[Nils Behrens] (58:30 - 58:42)
Was wünschst du dir, wenn wir uns die nächsten Jahre anschauen? Wie soll unsere Gesellschaft den Umgang mit der Natur und auch der Gesundheit vielleicht verändern, vielleicht aber auch wieder zu etwas zurückfinden?
[Dr. Magdalena Gameiro] (58:47 - 59:12)
Den Mut haben, in die Verantwortung zu kommen. Das würde ich mir wünschen. Zu verstehen, dass egal wie klein unsere Handlungen sind, die Dinge, die wir tun, Auswirkungen auf unser Leben hat und unsere Umwelt.
Und dass wir aus der Natur kommen und in Respekt damit umgehen.
[Nils Behrens] (59:13 - 59:29)
Du bist ja klassische Ärztin und verbindest ja eigentlich dann, wenn man so will, die Schulmedizin mit der Lebensweise nach TAO. Wo siehst du aber, sag ich mal so, dass insbesondere die Grenzen der Schulmedizin und wo kann Tao dann wirklich was ergänzen?
[Dr. Magdalena Gameiro] (59:30 - 1:02:31)
Ja, Schulmedizin ist Krisenmedizin. Also ich bin für die Schulmedizin total dankbar, denn letztlich ist es im Sinne eines Unfalls, wenn es wirklich darum geht, jetzt sofort Leben retten zu müssen, weil jemand akut verunfallt ist, akut bedroht ist, dann ist aus meiner Sicht die Schulmedizin unschlagbar. In meiner Praxis ist das mittlerweile nur noch 0,1 Prozent vielleicht, was ich einsetze an Schulmedizin.
Denn ja, ich lebe letztlich eine integrale Medizin, wo TAO ein großer Teil davon ist. Und aus Sicht der TCM ist die Lebensführung das A und O und auch aus dem TAO und Gesundheitspflege, da liegt der Schwerpunkt drauf. Wenn ich mich pflege, wenn ich achtsam mit mir umgehe und eben schaue, wie geht es mir heute und meine täglichen Grenzen auch respektiere im Verständnis des Rhythmus.
Das klingt für viele immer so, ich muss ja ständig gucken, wie es mir geht. Nein, das ist nur am Anfang. Wenn es zur Gewohnheit geworden ist, zu verstehen, dass wenn der Wecker klingelt oder wenn ich aufwache, auch ohne Wecker, aus mir heraus, dass es ja ein Zeichen ist, dass der Tag begonnen hat.
Und mit Tag begonnen hat, nach einem Moment des Ankommens bei sich im Tag der Stille, es dann Zeit für Aktivität ist, dann brauche ich ja nicht drüber nachdenken. Dass ich erstmal meinen Körper bewegen möchte, dass es sinnvoll ist, wenn es die Zeit erlaubt. Und wenn es nur zwei Minuten ist, eine Körperübung beim offenen Fenster mit Sauerstoff in Lichtverbindung durchzuführen, damit mein Körper diesen Wechsel von Nacht zu Tag gut umstellen kann, dann brauche ich dann nicht mehr drüber nachdenken.
Das ist dann diese Disziplin, von der oft Kung-Fu-Meister erzählen. Die Sonne fragt auch nicht, wenn sie aufgeht, soll ich jetzt leuchten oder nicht, sondern sie weiß, es ist jetzt Zeit. Und am Anfang ist da viele, viele kleine Schritte, die wir durchgehen dürfen, um zu prüfen, was ist jetzt dran.
Aber immer auch wieder zu gucken, genau, was ist das jetzt für eine Uhrzeit, was ist das für ein Tag, was wäre jetzt als nächstes dran. Und eine gewisse Ordnung schaffen im Leben. Und durch diese Ordnung muss ich wieder nicht so viel denken.
[Nils Behrens] (1:02:31 - 1:02:58)
Magdalena, es ist wirklich total spannend, weil ich merke, dadurch, dass ich so vieles jetzt gerade von dir lerne, dass ich noch ganz lange mit dir reden könnte, weil es tatsächlich ein Gebiet ist, was ich so sozusagen in dieser Ausführlichkeit noch nie so behandelt habe. Nichtsdestotrotz, wir gucken mal so ein bisschen, dass wir auch mal langsam zu unserer letzten Frage kommen, damit die Folgen auch nicht zu lang hier werden. Deswegen, was würdest du unseren HörerInnen empfehlen oder dir wünschen, was sie nach dieser Folge mal ganz konkret ausprobieren?
[Dr. Magdalena Gameiro] (1:03:31 - 1:05:44)
ich möchte das, sie eine Entscheidung treffen und sich sagen ich möchte was verändern und sich trauen den Weg der kleinen Schritte zu gehen. Sie nehmen sich eine Sache die sie dann konsequent jeden Tag für mindestens 30 Tage durchziehen. Das ist im Grunde genommen schon der erste Schritt. Und aus meiner Sicht wäre eine wundervolle Übung zu sagen, deine tägliche Mikroformel ist Atmen, Bewegen, Beruhigen. Das heißt, jeden Morgen, wenn du in dein Auto einsteigst, wenn du vielleicht sogar schon den Motor angemacht hast, machst du ihn wieder aus, legst deine Hand auf dein Herz und lässt dich für drei Atemzüge atmen.
Und dann erst machst du den Motor wieder an und fährst zur Arbeit. Solltest du kleine Kinder im Auto haben und alles ist gerade ganz wuselig und es ist kein Raum für so eine stille Übung, dann macht es das schwer, sie umzusetzen. Suche dir dann einen anderen Raum.
Und das ist genau dieses Wichtige. Du hast eine Entscheidung getroffen, du möchtest eine Sache in deinem Leben umsetzen. Finde den Zeitpunkt, wo es dir am leichtesten fällt, diesen konsequent Tag für Tag zu machen.
Es kann sein, dass es der Moment ist, wo du morgens aufstehst, deine Familie noch schläft und du dir vornimmst, wenn du runtergehst, du schmeißt den Wasserkocher an, damit du den Tee für die Familie kochst. Stell dich schulterbreit hin, mach drei tiefe Ein- und Ausatemzüge in deinen Unterbauch, verbinde dich mit dir, danke für den Tag und starte dann durch. Wenn das dein Moment ist, der dir leicht umzusetzen ist, dann tu es genau da.
30 Tage.
[Nils Behrens] (1:05:46 - 1:06:12)
Wow, vielen Dank. Ich glaube, das war sehr konkret, was man machen kann. Ich danke dir für das Gespräch.
Ich möchte jetzt allen natürlich deine Bücher empfehlen. Das eine ist eben halt Tao, ein harmonischer Weg im Einklang mit der Natur ans Herz legen. Oder eben halt für die, die eben ganz konkret mal in die Übung, in die Praxis steigen wollen, dann eben halt Tao Ying, eine traditionelle chinesische Bewegungskunst.
Und ja, ansonsten bleibt es mir nur noch Danke zu sagen.
[Dr. Magdalena Gameiro] (1:06:12 - 1:06:32)
Ja, auch dir Nils, vielen Dank für diesen tollen Austausch. Ich durfte heute auch wieder ganz viel mitnehmen und das finde ich eigentlich das Spannendste. Du hast mich eingeladen und ich durfte durch die Vorbereitung so viel mehr auch nochmal für mich lernen und dafür danke ich.
[Nils Behrens] (1:06:36 - 1:06:37)
Hast du eigentlich auch ein Lieblingssupplement?
[Dr. Magdalena Gameiro] (1:06:39 - 1:07:41)
Ja, tatsächlich. Also ich habe die Vielfalt der Dinge. Ich habe nie immer nur eins.
Einer meiner Favoriten ist tatsächlich Omega 3. Ich finde das ganz, ganz wichtig. Und ich kombiniere es immer gerne mit Adaptogen, also der Kraft von Pflanzen.
Heute Morgen habe ich Brahmi genommen, Basilikum. Aber ja, es gibt so viele. Kurkuma ist wichtig.
Ich liebe im Frühjahr das Astaxanthin. Ist jetzt kein Adaptogen, sondern ja eine Alge als Sonnenschutzvorbereitung. Also auch da gucke ich so ein bisschen, was die Jahreszeit ist und nicht unbedingt für Vegetarier geeignet, was ich jetzt auch immer dabei habe.
Vor allem auf Reisen sind Enzyme. Genau, wenn ich nicht so richtig weiß vom Essen her, was mich erwartet, vertrage ich das gut. Habe ich eigentlich immer auch gern Enzyme dabei.
[Nils Behrens] (1:07:42 - 1:07:43)
Warum sind die nicht Vegetarier geeignet?
[Dr. Magdalena Gameiro] (1:07:44 - 1:08:22)
Weil wenn die tierischen Enzyme mit drin sind für die Verdauung, Amylase, Pankreatin, das aus tierischen Produkten gewonnen wird. Also, ich liebe das Bromelain, das Papain im Bereich der Sportmedizin, beziehungsweise selbst nach dem Training zusammen mit dem MSM. Wenn ich für schnelle Regeneration sorgen möchte, dann liebe ich die pflanzlichen Enzyme.
Aber wenn es jetzt wirklich zur Unterstützung der Verdauung geht, dann nehme ich auch gerne mit tierischen Enzympräparaten ein.
[Nils Behrens] (1:08:23 - 1:08:47)
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