

Wie du eine Trennung überlebst: Der Weg zurück zu dir selbst
Eine Trennung kann sich anfühlen wie ein innerer Zerfall unabhängig davon, wie alt du bist oder wie viel Lebenserfahrung du mitbringst. Gerade deshalb ist es so wichtig, zu verstehen, warum Trennungsschmerz so intensiv sein kann und was dir dabei hilft, Schritt für Schritt wieder stabiler zu werden.
In dieser Episode von HEALTHWISE spricht Host Nils Behrens mit der Autorin und Coachin Claudia Herberger über Bindung, emotionale Muster und darüber, wie Menschen nach Liebeskummer wieder zu sich selbst finden. Claudia Herberger beschreibt Trennungen nicht nur als Verlust, sondern auch als Moment, in dem alte Überzeugungen sichtbar werden – und neue Entscheidungen möglich sind. In der Folge teilt sie konkrete Gedanken und Übungen, die du direkt in deinen Alltag integrieren kannst.
Die Folge HEALTHWISE auf YouTube
Warum eine Trennung so weh tut?
Viele beschreiben Liebeskummer schlimmer als körperlichen Schmerz. Claudia Herberger erklärt das evolutionsbiologisch: Wir Menschen sind Bindungswesen – als Kinder sind wir existenziell darauf angewiesen, dass Bezugspersonen bleiben und uns versorgen. Deshalb fühlt sich Trennung nicht einfach nur traurig an, sondern wie ein Alarmzustand im System.
Wichtig dabei: Der Körper reagiert intensiv – obwohl eine Trennung real nicht lebensbedrohlich ist, kann sie sich genau so anfühlen.
Liebeskummer überstehen: Wie Claudia Herberger den Weg durch die Trennung beschreibt
Erste Hilfe bei Liebeskummer
In den ersten Tagen nach einer Trennung geht es laut Claudia Herberger nicht um schnelle Lösungen – sondern darum, gehalten zu werden. Das kann Nähe, Trost und Unterstützung durch Menschen sein (und manchmal sogar durch Haustiere), die dir spiegeln: „Du bist liebenswert.“
Denn bei einer Trennung taucht oft nicht nur die Trauer um die Beziehung auf, sondern auch „der ganze alte Mist“: alte Zweifel am eigenen Wert – etwa die Angst, nicht genug zu sein, zu viel zu sein oder nicht liebenswert zu sein.
Praktischer Tipp aus der Folge
An Tagen, an denen du weniger zu tun hast, rät die Expertin dazu, diese bewusst zu verplanen – zum Beispiel:
- mit Menschen, die dir guttun
- mit Projekten oder Hobbys
- mit kleinen festen Routinen
So bekommt Einsamkeit weniger Raum, dich zu „überrollen“.
Schuldzuweisungen vermeiden
Auch wenn es sich kurzfristig wie eine Abkürzung anfühlt, den Ex-PartnerIn als „Schuldigen“ zu markieren, kann das laut Herberger dazu führen, dass du in einer Opferhaltung feststeckst – und deine eigene Handlungsfähigkeit verlierst.
Die „Gebrauchsanweisung“ für dich selbst schreiben
Ein Herzstück von Claudia Herbergers Arbeit ist die Idee, eine persönliche „Gebrauchsanweisung“ zu erstellen. Denn oft gehen wir in Beziehungen und versuchen, sie irgendwie „zum Laufen zu bringen“ – ohne wirklich zu wissen, was unser eigenes authentisches Angebot ist. Gerade nach einer Trennung kann es hilfreich sein, dich neu kennenzulernen und herauszufinden, was du brauchst und was dich in Beziehungen ausmacht.
Was du in deiner Gebrauchsanweisung festhalten kannst
- Bedürfnisse klären: Wie viel Nähe und Distanz brauchst du? Wie wichtig sind dir gemeinsame Mahlzeiten, Verlässlichkeit oder Alleinezeit?
- Liebessprachen erkennen: Claudia Herberger bezieht sich auf Gary Chapman und dessen Konzept der fünf „Sprachen der Liebe“ (z.B. Unterstützung, Berührung, Komplimente). Wenn du weißt, welche Sprache du sprichst, kannst du in Zukunft klarer kommunizieren, was du brauchst.
- Grenzen setzen: Nur wer weiß, wo die eigenen Grenzen liegen, kann sie in einer Beziehung auch proaktiv vertreten.
Herberger beschreibt außerdem, dass oft schon kleine Alltagssituationen Hinweise geben können – zum Beispiel, wenn „jemand mitdenkt“ oder eine „freundliche Atmosphäre“ spürbar ist.
Mini-Checkliste: Deine Gebrauchsanweisung
- Was gibt mir Geborgenheit?
- Was stresst mich?
- Was ist ein No-Go?
- Was brauche ich regelmäßig?
- Woran merke ich, dass ich mich geliebt fühle?
Die „Meister-Yoda-Übung“: Selbstregulation in 3 Minuten
Für akute emotionale Ausnahmezustände empfiehlt Herberger eine sehr einfache Übung, die sie „Meister-Yoda-Übung“ nennt. Sie funktioniert wie ein Selbstgespräch zwischen dem überforderten Anteil und dem erwachsenen, handlungsfähigen Anteil in dir:
So geht sie:
- Hand auf die Stelle legen, an der du das Gefühl im Körper spürst
- Frage dich (gern laut): „Was fühlst du?“
- Antworte – und spiegele es zurück: „Ich sehe, du fühlst …“
- Wiederhole dies mindestens 3-mal
- Frage: „Was brauchst du, damit es besser wird?“
- Zum Schluss: „Ich habe dich gehört. Ich kümmere mich darum.“
Herberger beschreibt: Diese Übung bringt Menschen aus Ohnmacht zurück in Gestaltung – und kann auch in schwierigen Gesprächen helfen.
Take Aways
- Annehmen statt kämpfen: Trennungsschmerz kann sich existenziell anfühlen – unter anderem, weil wir als Menschen stark auf Bindung ausgelegt sind.
- Akute Hilfe ist erlaubt: In den ersten Tagen helfen Trost, Nähe und Menschen (oder Haustiere), die dir zeigen: Du bist liebenswert.
- Schuldzuweisungen vermeiden: Sie wirken kurzfristig entlastend, können dich aber in einer Opferrolle festhalten – und rauben dir Handlungsfähigkeit.
- Selbstregulation stärkt dich: Nutze Übungen wie die „Meister-Yoda-Methode“, um dich zu stabilisieren und wieder ins Handeln zu kommen.
- Heimweg zu dir selbst: Schreib deine persönliche „Gebrauchsanweisung“ und finde heraus, was du brauchst – inklusive deiner Liebessprache und deiner Grenzen.
Mehr erfahren im healthwise Podcast von sunday natural
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Claudia Herberger arbeitet als preisgekrönte Filmproduzentin und ist zugleich Autorin sowie Mutter von zwei Söhnen. Aus eigenen Trennungserfahrungen heraus hat sie sich intensiv mit der Frage beschäftigt, wie Menschen Krisen bewältigen und emotionale Umbrüche verarbeiten können. Heute begleitet sie als zertifizierter Coach – unter anderem in den Bereichen „Conscious Uncoupling“, „Calling In The One“ und „Neurosystemische Integration“ – Menschen durch herausfordernde Lebensphasen. Dabei vertritt sie die Haltung, dass selbst im Scheitern Entwicklungspotenzial steckt, und hat auf dieser Grundlage ein eigenes Coaching-Programm entwickelt.
Claudia Herberger: https://herberger-coaching.com/
162 Wie du eine Trennung überlebst. Mit Claudia Herberger
[Claudia Herberger] (0:00 - 0:19)
Wenn man sich zu bedürftig fühlt, liegt es nicht daran, dass mit einem was nicht stimmt, sondern dass man a nicht in guter Gesellschaft ist und b, dass man sich selber nicht diese Dinge holt, die man braucht und die einem gehören. Und wenn man die braucht, dann wird da nicht verhandelt, dann braucht man die fertig.
[Nils Behrens] (0:20 - 1:13)
Herzlich willkommen zu HEALTHWISE, dem Gesundheitspodcast präsentiert von Sunday Natural. Ich bin Nils Behrens und in diesem Podcast erkunden wir gemeinsam, was es bedeutet, gesund zu sein. Wir tauchen ein in Themen wie Medizin, Bewegung, Ernährung und emotionale Gesundheit.
Immer mit einem weisen Blick auf das, was uns wirklich gut tut. Liebeskummer kann sich anfühlen wie ein innerer Zerfall, egal wie alt man ist oder wie oft man es schon durchgemacht hat. Doch genau in diesen Schmerz liegt auch eine riesige Chance für Wachstum, für Klarheit und für echten Neuempfang.
Claudia Herberger ist Autorin, Coach und selbst überlebende mehrerer Beziehungserdbeben. Mit ihrem Buch Wie du eine Trennung überlebst, hat sie einen radikal ehrlichen, gleichzeitig zutiefst stärkenden Guide geschrieben für alle, die nicht nur raus aus einer Beziehung, sondern endlich rein ins Leben wollen. Ihr Ansatz Du brauchst keine Paartherapie.
Du brauchst nur dich selbst. Und deswegen sage ich herzlich willkommen, Claudia Herberger.
[Claudia Herberger] (1:13 - 1:15)
Vielen Dank, Nils, dass ich hier sein darf.
[Nils Behrens] (1:16 - 1:19)
Claudia, wie heilen kann ein Sonntag eigentlich für Liebeskummer sein?
[Claudia Herberger] (1:21 - 1:57)
Sonntage sind für Liebeskummer eigentlich total schlimm, weil man da häufig alleine ist. Und Sonntag ist ja der Tag, an dem man normalerweise im Arm seines geliebten Menschen liegt oder was gemeinsam unternimmt. Und Sonntage bringen ganz häufig die Einsamkeit hoch.
Deswegen ist es für Leute, die Liebeskummer haben, ganz wichtig, die Sonntage zu verplanen. Entweder in den Armen von Menschen, von denen man weiß, die mögen mich sehr oder mit Hobbys oder mit Projekten. Ich habe in der Zeit, Liebeskummer hatte häufig Terrassen gebaut oder so Zeug gemacht.
Das hilft auch.
[Nils Behrens] (1:58 - 2:43)
Ja, ich weiß sehr gut, was du meinst. Bei uns war das immer so, dass wir uns als Kinder nicht verabreden konnten, wollten, sollten. Ich weiß gar nicht, von wem es ausging, ob es von meinen Eltern ausging.
Aber es war einfach normal, dass man Sonntag gehörte der Familie. Da sind wir spazieren gegangen, Sonntagsessen und all dieses Drum und Dran. Aber man hat da keine Freunde getroffen, so als ich sozusagen noch Kind war.
Und deswegen, ich kenne dieses Gefühl von Einsamkeit am Sonntag, obwohl ich nur einen Bruder hatte und die Familie und allem drum und dran. Aber ich weiß genau, was du meinst. Und wenn ich mir das dann so vorstelle, wenn du dann auch noch in einer Situation bist, wo Einsamkeit insgesamt nicht so beneficial ist, dann kann ich mir das schon sehr, sehr schwer vorstellen.
Deswegen lass uns doch mal wirklich einsteigen. Viele sagen, der Trennungsschmerz fühlt sich schlimmer an als physischer Schmerz. Warum ist das so?
[Claudia Herberger] (2:44 - 2:55)
Aus verschiedenen Gründen. Trennung sind evolutionsbiologisch absolut sinnlos. Man soll sich binden, unbedingt.
Menschen sind Trennungswesen, äh sind Bindungswesen.
[Nils Behrens] (2:56 - 2:58)
Bindungswesen, darauf liegt kein Trennungswesen. Ja, scheinbar auch das.
[Claudia Herberger] (2:58 - 3:43)
Sind Bindungswesen und das liegt daran, dass wir kommen auf die Welt. Wir sind ja keine Giraffen, plumpsen aus drei Metern runter und können dann laufen und trinken. Sondern wir sind darauf angewiesen, dass unsere Eltern sich an uns binden, uns nicht im Bus liegen lassen, uns versorgen mit Essen und Trinken und so weiter.
Es ist also eine Überlebensfrage, gebunden zu sein. Ich kann dich jetzt noch langweilen mit Beispielen aus der Steinzeit, aber das lasse ich jetzt. Und nicht in der Bindung zu sein oder eine drohende Trennung im Leben zu haben, fühlt sich lebensbedrohlich an.
Nichts weniger als lebensbedrohlich. Und da reagiert natürlich auch der Körper ganz doll. Also das ist ein, das ist nicht lebensbedrohlich, aber es fühlt sich so an.
[Nils Behrens] (3:43 - 4:04)
Ist ganz interessant, weil ich habe heute Vormittag schon einen anderen Podcast aufgenommen in diesem Studio. Und da ging es darum, dass Rückenschmerzen eben halt auch vom Kopf ausgehen können. Also auch da sind wir ja von der Verbindung von physischen Schmerzen und tatsächlich die Psychologie, die dahinter steckt.
Du schreibst, dass Schuldzuweisungen uns eigentlich nicht helfen. Warum greifen wir denn gerne trotzdem immer wieder danach?
[Claudia Herberger] (4:05 - 5:05)
Weil sich Schuldzuweisungen wie eine Abkürzung in die Heilung anfühlen. Wenn der andere Schuld ist an Misslingen der Beziehung und vielleicht ein doofer Arsch ist oder eine blöde Idiotin, dann ist das Urteil dieser Person ja auch nicht mehr so viel wert, dass sie nichts mehr mit uns zu tun haben will oder was sie sagt. Das Problem ist aber, dass das in Wirklichkeit eine Falle ist.
Also jemandem anders die Schuld zu geben, bringt dich weg von deiner Handlungsfähigkeit, also musst immer rein in die Gestaltung, raus aus der Opferhaltung. Das bringt wirklich was. Und solange du den anderen noch in dieser Schuldfalle gefangen hältst und dich selber auch, kommst du nicht in die Gestaltung.
Und das bringt gar nichts. Es bringt nur schlechte Gefühle. Und am Ende muss man natürlich auch sagen, das entwertet auch deine Beziehung, die du ja natürlich hattest.
In jeder Beziehung gab es ja sicherlich auch gute Gründe, sie stattfinden zu lassen.
[Nils Behrens] (5:05 - 5:37)
Ja, das kann ich sehr gut verstehen. Lass uns mal auf die ersten Tage einer Trennung eingehen, weil ich glaube, das kennt jeder. Das muss auch nicht zwingend immer eine Trennung sein, sondern generell auch eine Art von Liebeskummer.
Wie sehr einem dann doch diese Gedanken dann auch dominieren. Dann hat er das Gefühl, das ist der erste Gedanke, wenn man morgens aufsteht, ist der letzte Gedanke, mit dem man einschläft. Es ist zwischendurch, wenn man mal gerade einen Augenblick eine Pause hat zwischen dem, was man vielleicht beruflich sich konzentrieren muss oder sowas.
Und dann irgendwie, was weiß ich, in die Mittagspause geht. Es ist ja immer da. So, was kann man denn da machen?
[Claudia Herberger] (5:38 - 7:48)
Ja, also ich habe ja nicht nur Leute, die gerade in Trennung sind, sondern auch Leute, die in missliegenden Beziehungen sich befinden und da gerne raus wollen. Aus der missliegenden Beziehung. Und im ersten Moment immer denken, sie müssen die Person verlassen.
Aber in Wirklichkeit müssen sie die Art der Beziehung verlassen. Und was bei, aber so schmerzhaften, wenn es dann soweit ist und man in dieser wirklichen Trennungssituation ist, muss man auf dem Arm unbedingt und unter den Flügel. Da muss man Bezeugt bekommen, wie schlimm das für einen ist.
Da muss man getröstet werden und da muss man sich mit Menschen und ja, Haustiere helfen ehrlich gesagt, auch mit Lebewesen umgeben, die einem zeigen, du bist liebenswert. Du bist nicht die Trennung, sondern du bist immer noch ein liebenswerter Mensch. Weil das, was in Trennung passiert, ist, da kommen ja nicht nur, du verlierst ja nicht nur deine Beziehung, sondern da kommt der ganze alte Scheiß hoch, den du im Leben aufgesackt hast.
Über dich selber Annahmen, Befürchtungen über dich selber, die sich irgendwann entwickelt haben aus den anderen missliegenden Beziehungen, manchmal sogar aus der Kindheit, sehr oft aus der Kindheit. Dass du befürchtest, dass du vielleicht nicht liebenswert bist oder dass du was tun musst, um geliebt zu werden oder dass du nicht hübsch, nicht schlank, nicht groß, nicht besonders genug bist oder dass du zu viel bist, zu laut. Gibt es alle möglichen Dinge, die man im Laufe der seiner Beziehungsentwicklung aufsackt.
Und diese ganzen Sachen liegen plötzlich alle wieder auf dem Tisch, wenn die Trennung im Raum steht. Und da geht es häufig gar nicht um diesen Menschen, den du verlierst, sondern um diesen ganzen alten Mist. Und deswegen hilft erst mal unter den Flügel zu kommen und sich dann in Ruhe danach, wenn man ein bisschen getröstet wurde, diesen Dingen zuzuwenden.
[Nils Behrens] (7:49 - 8:00)
Also wirklich, dass einen jemand in den Arm nimmt, wahrscheinlich dann auch, ich sage jetzt mal die Oxytocin-Ausschüttung, also das Kuschelhormon, was dann eben halt damit auch einhergeht. Das sind erst mal die ersten Schritte, die man braucht.
[Claudia Herberger] (8:00 - 8:54)
Das hilft total. Mir hat auch immer geholfen und vielen meiner Klienten auch bewegen, also Sport. Ich habe nach dem ersten richtig schlimmen Liebeskummer mit Laufen angefangen, obwohl mein Körper eigentlich nicht so laufgeeignet ist.
Ich bin eher so, hatte früher Leistungssport gemacht, aber immer so Kraft, Schnelligkeit und nicht Ausdauer. Und da habe ich mit Langlauf angefangen und das hat total geholfen. Bei irgendeinem anderen schlimmen Liebeskummer habe ich mit Boxen angefangen, hat total geholfen.
Also bewegen ist auch super und da muss man so ein bisschen rausfinden, was hilft mir. Was auf jeden Fall nicht hilft, ist das, was du schon gefragt hast, Schuldzuweisungen und über den anderen Läster. Das nimmt die Energie von dir selber weg und bringt die Energie wieder in diese, in den Sumpf.
Das hilft nicht. Aber alles, was mit Bewegen zu tun hat, mit in den Arm genommen werden, mit erleben, dass Leute einen gerne mögen, das hilft.
[Nils Behrens] (8:54 - 9:09)
Ich finde, du schreibst einen Satz in deinem Buch oder hast da einen ganzen Absatz drüber, dass man sich nicht von einer Person trennt, sondern von der Art der Beziehung. Kannst du vielleicht kurz für unsere Hörerin mal erläutern, was du denn damit meinst?
[Claudia Herberger] (9:10 - 12:05)
Ja, sehr gerne. Und zwar, weil man immer den Eindruck hat, ich trenne mich von dieser Person, weil diese Person nicht passt. In Wirklichkeit hat man ja auch dazu beigetragen, wie die Beziehung sich entwickelt hat.
Und wenn die Beziehung misslingt, liegt es meistens daran, dass das Angebot nicht authentisch genug war, sodass die andere Person während der Suche, konnten die Personen, die gut zu dir passen, dich nicht wirklich erkennen, weil du nicht authentisch warst, weil du nur einen Teil von dir gezeigt hast. Das liegt an diesen Befürchtungen zum Beispiel, wenn du jetzt, wenn du Eltern hattest, die sehr viel zu tun hatten und die sich nicht so ganz intensiv mit dir auseinandersetzen konnten und dich co-regulieren immer und für dich da sein, wie du das hättest gebrauchen können, dann entwickeln Kinder, passen sich an und entwickeln dann so Befürchtungen wie, ich bin zu viel und damit ich geliebt werden kann, muss ich immer brav sein, muss ich selber funktionieren, muss ich dann, wenn ich ganz viel mithelfe und ganz lieb bin, dann kann ich gemocht werden und das läuft unterbewusst weiter und mit diesem Beziehungsangebot geht man dann als Erwachsener raus und sucht sich Beziehungen und landet dann mit Menschen, die finden das sehr toll, dass dieser Mensch sich so viel Mühe gibt, muss ich ja nicht machen oder es muss gar nicht so böse sein, es gibt auch ganz viele Paare, die kommen, die in misslingenden Beziehungen stecken und die sich gut trennen wollen und wenn wir dann auseinandernehmen, was da eigentlich los ist, da muss ich immer an diese eine Frau denken, die kam und sagte, sie braucht einen halben freien Tag und nicht mal das kriegt sie in dieser Beziehung, deswegen, sie kann nicht mehr, sie ist völlig am Ende, sie will raus aus der Beziehung und sie haben aber Kinder und wollen sich deswegen gütlich trennen und dann kristallisierte sich raus, sie hat ungefähr 90 Prozent der Care Arbeit übernommen, er hat gearbeitet und die haben da keine Planung gemacht, das hat sich so eingeschliffen und das war dann so, die war am Wochenende natürlich so platt, dass sie einfach mal einen Tag, einen halben Tag für sich brauchte und er hat die ganze Woche gearbeitet und hat sich wie Bolle aufs Wochenende mit der Familie gefreut und hat überhaupt nicht verstanden, wieso sie sich entziehen will und als klar war, was da passiert, haben sie dann einen Plan erstellt, haben sich die Hausarbeit und die Care Arbeit geteilt unter der Woche, sie hat dann auch ihren halben Tag am Wochenende bekommen, das witzige war aber, dass je gerechter das ablief, desto weniger brauchte sie den halben Tag nachher und die sind zusammengeblieben, die haben sich nicht getrennt, sondern die haben diese ganzen Dinge zusammen untersucht und haben sich Lösungen kreiert und da war das so, dass der Partner überhaupt nicht wusste, was bei ihr los ist, der hat nur erlebt, da ist meine Frau will am Wochenende nicht mit mir in die Zeit verbringen, obwohl ich jetzt Zeit habe, was soll das und sie hat den Eindruck gehabt, ich zähle hier gar nicht.
[Nils Behrens] (12:07 - 13:02)
Es ist ja wie im Berufsleben, man hat das Gefühl, immer wieder alles eine Frage der Kommunikation und ich fand es auch ganz interessant, ich hatte auch in einer Podcast Folge hatte ich eine Sexualtherapeutin, die auch zum Beispiel sagte, hey, dass wenn du in einer langjährigen Beziehung bist, dass du dann auch noch Kinder vielleicht dann auch noch mit im Haushalt sind, dass die Wahrscheinlichkeit, dass dann beide zufälligerweise gleichzeitig Lust aufeinander auf Sex haben, plus auch noch kein Kind in der Nähe ist, plus auch es keine Ahnung von anderen Faktoren gerade passt, das ist halt einfach nicht gegeben, deswegen man muss so unromantisch es auch klingt, auch dafür Termine machen und genau was du jetzt gerade beschreibst, ist das ja alles dann eine Frage der Kommunikation, deswegen fand ich einen Punkt in deinem Buch ganz interessant, du sagst, es wäre wichtig, sich eine eigene Gebrauchsanweisung, also eine Gebrauchsanweisung für sich selbst zu schreiben, einmal vielleicht zu erläutern, was das genau ist und wie man sowas dann eigentlich angehen kann.
[Claudia Herberger] (13:02 - 14:58)
Die kommt so harmlos daher, die hat es aber wirklich in sich, weil die Gebrauchsanweisung, wenn du dich damit beschäftigst, was macht mich eigentlich aus, was macht mich glücklich, was kann ich nicht leiden, was macht mir das Gefühl, dass ich geborgen und geliebt bin. Das sind Gedanken, die sich viele nicht machen, viele gehen in Beziehungen rein mit dem Gefühl, oh das ist ein interessanter Mensch, wie kriege ich diese Beziehung zum Laufen, der Gedanke muss aber sein, das ist mein Angebot und jetzt gucke ich mal, was der andere mit meinem Angebot macht und wie fühlt sich das an, will ich hier einen Schritt weiter gehen und noch einen Schritt weiter gehen. Und damit man das kann, ist ganz wichtig, sich klarzumachen, was macht mich denn in Beziehungen überhaupt aus und da gehören ganz viele Dinge dazu, man glaubt immer, dass es sei selbstverständlich, was man selber für schön empfindet, aber das ist halt nicht so, es gibt so viele Vorstellungen, wie es Menschen auf der Welt gibt, wie viel Nähe und Distanz brauche ich, wie viel Alleinezeit, wie viel ist Treue für mich wichtig oder will ich eine offene Beziehung.
dürfen Haustiere bei mir im Haus wohnen, was ist mit Kindern, wie viel bin ich eifersüchtig, wie wichtig sind mir gemeinsame Mahlzeiten etc., welche Liebessprache spreche ich, das wissen ganz viele Leute nicht und das ist ein ganz, ganz wichtiger Punkt, weil du musst wissen, wie kriege ich Liebeserklärung, sodass sie auch ankommen bei mir. Das heißt bei mir zum Beispiel, ich habe die Liebessprache Unterstützung, es gibt fünf, das ist so ein Konzept von Gary Chapman, es gibt fünf Hauptliebessprachen und man hat meistens eine, manchmal zwei und man muss sich klar sein, ich fühle mich geliebt, wenn mich jemand unterstützt. Das hat einen witzigen Nebeneffekt, das beschreibe ich heute im Buch, wenn ich Handwerker im Haus habe, bin ich immer für die Zeit, die die für mich arbeiten, in die verliebt, völlig unabhängig davon.
[Nils Behrens] (14:59 - 15:02)
Ob das, wie heißt das, Klempner Dekolleté da ist.
[Claudia Herberger] (15:02 - 16:30)
Ja, das ist mir völlig wurscht, die unterstützen mich und ich bezahle die ja sogar dafür, aber es fühlt sich total schön an und das ist meine Liebessprache und wenn ich eine Beziehung eingehe, dann erfährt mein Partner das, ich fühle mich geliebt, wenn du mich unterstützt und sag auch genau, welche Art der Unterstützung. Es gibt noch die Liebessprache der gemeinsamen Zeit, der Geschenke, der Berührung und der Komplimente. So und wenn ich meine Liebessprache jemandem anders gebe, der zum Beispiel auf Berührung steht, dann findet der natürlich ja schön, dass sie mich immer unterstützt, aber ich will eigentlich umarmt werden oder ich will eigentlich viel Sex haben und dann funktioniert das nicht.
Das heißt, man muss sich klar sein, was macht mich als Beziehungsmensch aus, was macht mich glücklich und das ist eine ganz schöne Forscheraufgabe und in dieser Forschungszeit wird sich auch herausstellen und dafür eignen sich Trennungen halt auch ganz besonders, da kann man seine misslegende Beziehung als Beispiel nehmen, was stört mich denn, was nervt mich, was fehlt mir, das muss alles in die Gebrauchsanweisung. Und wenn man sich das ganz klar macht, wer man so als Beziehungsmensch ist, kann man mit einem sehr klaren authentischen Angebot und Gefühl für sich selber in Begegnung sein und feststellen, das fühlt sich gut an oder ist ein nettes Angebot, aber fühlt sich nicht gut an.
[Nils Behrens] (16:30 - 16:37)
Gut, das heißt also, du würdest dann das quasi als wirklich eine Übung für einen selbst sehen, das wirklich auch mal runterzuschreiben?
[Claudia Herberger] (16:38 - 17:43)
Ja. Ich schreibe da ja eine Handzettel, aber noch besser ein Buch, das kann eine längere Aufgabe sein. Man kriegt so Hinweise in allen möglichen Momenten.
Ich weiß noch, ich habe ja auch eine Filmproduktionsfirma und sitze häufig lange im Schnitt und da habe ich mal beobachtet, da gab es so einen ganz jungen Cutter, mit dem ich an dem Tag gar nicht zusammengearbeitet habe. Aber immer, wenn der sich Tee gemacht hat, ist der bei mir vorbeigekommen, hat gefragt, möchtest du einen Tee und hat mir den dann gebracht und ich habe festgestellt, wie schön das ist. Deshalb kam sofort in meine Gebrauchsanweisung, dass jemand für mich mitdenkt, also jemand mich auf den Zettel hat, das fand ich ganz toll.
Man kann die Hinweise den ganzen Tag sammeln, in jeder Begegnung, beim Kaffee kaufen, beim Einkaufen, beim Sport, sonst wo, was gefällt mir, wo fühle ich mich wohl, wenn ich wo reinkomme. Ich hatte gerade heute meinen Geschäftspartner erzählt, wenn er zum Yoga reinkommt und die alle unfreundlich sind, findet er das blöd, er macht auch Kickboxen, da sind immer alle freundlich. Und er merkt, wie viel nähernder das ist, wenn alle freundlich zu ihm sind und das gehört alles in die Gebrauchsanweisung.
[Nils Behrens] (17:43 - 18:37)
Das ist lustig, ich habe einen Kaffee, passt irgendwie nicht so richtig, etwas, wo ich mich in Berlin morgens gerne mit Leuten treffe und Kaffee trinke und der ist einfach so absurd teuer, dass ich immer wieder denke, warum gehe ich hier immer wieder hin und es ist genau das, weil ich mag diesen Vibe da, die sind alle so freundlich, sind so gute Menschen und ich bin da gerne, weil da so eine ganz positive Energie ist. Und dann finde ich es auch nicht schlimm, für meinen Cappuccino 5,50 oder für meinen Matcha 7,50 zu zahlen, wo du denkst, es ist schon irgendwie serious money. Wenn man da noch ein kleines Müsli dazu nimmt, was dann irgendwie so ist.
Ich habe mal für meine Tochter und ich, wir sind da morgens hingegangen und dann hast du so zwei Müsli, zwei Heißgetränke, 26 Euro, dann denkst du auf einmal so, serious money. Aber nichtsdestotrotz, ich gehe da immer wieder gerne hin, weil die so nett sind.
[Claudia Herberger] (18:37 - 18:49)
Ja, das gehört dann in deine Gebrauchsanweisung. Ich mag gerne, wenn die Stimmung angenehm freundlich ist, wenn ich keine Aggressionen spüre, wenn ganz im Gegenteil die Leute freundlich auf mich zukommen. Das gehört in deine Gebrauchsanweisung.
[Nils Behrens] (18:50 - 19:00)
Interessant, sehr interessant. Du hast es schon einmal kurz angesprochen, aber nichtsdestotrotz, welche Rolle spielen unsere frühkindlichen Bindungserfahrungen im Zusammenhang mit dem Trennungsschmerz?
[Claudia Herberger] (19:01 - 20:05)
Eine gigantische, nicht zu unterschätzende Riesenrolle. Und zwar beginnt ja deine Beziehung, du als Beziehungswesen startest in die Welt und ich bin ganz sicher, hervorragend ausgestattet mit allem, was du brauchst, um der glücklichste Mensch der Welt zu sein. In Beziehung auch.
Und dann lebst du ja in Gruppen und in Verbänden und erlebst Beziehungen als Kind. Und wie ich das vorhin auch schon angesprochen habe, die reagieren ja, die haben ja selber Dinge, mit denen sie klarkommen müssen. Nehmen wir mal das Beispiel, da ist jemand, der hat Eltern, die vielleicht Suchtprobleme haben oder Beziehungsprobleme oder machen ganz viel Karriere und haben keine Zeit.
Dann hat dieses Kind natürlich ein Störgefühl, irgendwas stimmt hier nicht, ich kriege hier nicht, was ich brauche. Kinder gehen ja dann nicht in ihr kleines Zimmer, packen ihren Koffer und suchen sich eine bessere Familie und sagen, ich bin raus hier.
[Nils Behrens] (20:06 - 20:06)
Habe ich auch schon gemacht.
[Claudia Herberger] (20:08 - 23:17)
Ich merke, ich kriege hier nicht, was mir gehört, deswegen gehe ich jetzt woanders hin, sondern Kinder gehen davon aus, dass die Bezugspersonen, die für sie zuständig sind, dass die wissen, wie das hier läuft. Dass die Recht haben und deswegen passen sie ihr eigenes Verhalten und ihre Wahrnehmung und ihre Glaubenssätze über sich selbst, andere, die Welt, Sexualität und so weiter und so weiter, diesen Systemen an. Und dann rückst du quasi immer ein bisschen ab von dem, wie du eigentlich ursprünglich ausgestattet warst.
Unser Hirn ist ein ökonomischer Apparat, der überprüft ja nicht jede Woche, ob es wirklich immer noch gefährlich ist, auf eine heiße Herdplatte zu fassen. Das weißt du jetzt, hast du erlebt und um dich sicher zu halten, merkst du dir, heiße Herdplatte tabu. Und genauso funktioniert das mit den Bindungserfahrungen.
Deine Eltern machen irgendwas, was du nicht berechenbar findest, das findest du nicht gut, dann hast du dich angepasst, hast festgestellt, oh, so kriege ich Sicherheit, dann behalte ich das. Also nehmen wir mal ein suchtkrankes Elternteil, das dann vielleicht betrunken ist und nicht mehr berechenbar ist für ein Kind. Das ist höchst dramatisch für ein Kind natürlich, wenn so ein Elternteil nicht mehr einzuordnen ist.
Und dieses Kind lernt, die Welt ist kein sicherer Ort. Ich kann mich nicht darauf verlassen, dass die Bezugsperson immer gleich sind. Das heißt, dieses Kind wird wahrscheinlich seine Wünsche und Bedürfnisse unsichtbar machen und unter dem Radar sein, bloß nicht in Erscheinung treten, damit dieser nicht berechenbare Elternteil nicht auf einen losgeht.
Und da keine Begegnungen stattfinden, die furchteinflößend sind und wird sich nach Möglichkeit wegducken. Und dann wird dieses Kind groß und hat gelernt, wenn ich mich unsichtbar mache, dann komme ich hier irgendwie durch und erlebt immer wieder, ich bin unsichtbar, ich bin unsichtbar, ich werde nicht wahrgenommen, meine Bedürfnisse werden nicht erfüllt, niemand nimmt Rücksicht auf mich. Das ist total dramatisch.
Und die begeben sich dann in Beziehungen und machen sich weiter unsichtbar und sind todunglücklich, weil sie nicht bekommen, was ihnen gehört und was sie brauchen, weil sie sich schämen oder manchmal schämen sich sogar für ihre Bedürfnisse, aber weil sie Bedürfnisse für gefährlich halten. Das rührt mich, merkst du ja, es rührt mich jedes Mal, wenn ich sowas finde, also das finden wir ja immer in den Coachings dann, dass diese Menschen von diesen frühkindlichen Erlebnissen so geprägt sind, dass sie ihr eigenes Beziehungsleben sabotieren. Es passiert fast jedem und wenn man in das Schöne an Trennung, wenn es da was Schönes gibt, ist immer, ich finde sehr wohl, dass es in Trennung sehr viel schöne Sachen gibt, weil man da so auf ist, kommen diese Befürchtungen quasi alle wie Luftblasen im Wasser an die Oberfläche, man kann da ganz leicht ran und kann das ändern.
[Nils Behrens] (23:17 - 24:07)
Ich habe da eine bekannte Familie, hat das auch mal sehr offen erzählt, die war auch schon auf, als kleines Kind immer so auf Kindergeburtstagen immer total beliebt, weil während dann es dann so Richtung Ende ging, hat sie sich schon angefangen, die Küche aufzuräumen und solche Sachen, weil die einfach wirklich so gewohnt war, dass sie für solche Fleißarbeiten Lob und Anerkennung bekommen hat, die sie sonst nicht bekommen hat. Und das ist natürlich alles so Dinge, die gehören vielleicht auch alle mit in die Gebrauchsanweisungen. Jetzt ist für mich die Frage, wir sind zwar jetzt schon am Ende der Beziehung, aber wenn man jetzt sagt, okay, nach der Beziehung ist ja hoffentlich vor der Beziehung.
Würdest du schon raten, dass man so eine Art, wenn man all diese Learnings an sich hat, was man braucht für eine glückliche Beziehung, diese Gebrauchsanweisungen, allem drum und dran, sowas zu einem relativ frühen Punkt der neuen Beziehung auch anzusprechen?
[Claudia Herberger] (24:07 - 26:34)
Ja, das ist was, was sozusagen immer auf den Plan gehört. Aber das Wichtigste ist gar nicht, das anzusprechen, sondern das Wichtigste ist, das sich selber bewusst zu machen. Und da eignet sich die Trennungssituation super.
Es kommen ja auch bei mir viele Paare an, die in einer missliegenden Beziehung stecken und denken, wir wollen eigentlich nicht so richtig raus, aber wir kommen nicht weiter. Wir wissen nicht, woran es liegt. Und dieses Lernen, dass man da über sich selbst lostritt mit dem, das, was ich mit meinen Klienten da mache, das nützt dir nicht nur in der Trennung, das nützt dir für dein zukünftiges Beziehungsleben und das nützt dir nicht nur in Intimliebesbeziehungen, meistens in die Muster, die du da hast.
Auch zumindest ein bisschen in jeder anderen Beziehung. Wenn deine Freundin jemand ist, die gelernt hat, wenn ich ganz besonders hilfreich bin, kann ich geliebt werden, wird die das nicht beschränken auf ein Gebiet, sondern wird sich immer unglaublich viel Mühe geben und allen möglichen Leuten wird den Arm heben, bevor jemand die Aufgabe ganz ausgesprochen hat. Und obwohl sie vielleicht müde ist und nicht mehr kann, weil diese Sehnsucht danach, geliebt zu werden und anerkannt zu werden, total groß ist und die ist auch richtig, die muss erfüllt werden, nur eben nicht so.
Aber wenn es ein blinder Fleck ist und du gelernt hast, ich kann vielleicht gemocht werden, wenn ich gar nicht ganz, ganz viel Mühe gebe, lohnt es sich ganz doll, diesen kleinen jungen Anteil in sich nach Hause zu holen körperlich und zu co-regulieren, also diesen kleinen Anteil von sich selber, der das gelernt hat oder jungen Anteil von sich, jüngeren Anteil von sich, der das gelernt hat, zu erklären, was da wirklich los war. Gibt es auch eine sehr schöne Übung in meinem Buch, die nicht ganz einfach ist, die man vielleicht, wenn man es nicht hinkriegt, mit jemandem macht, der die kann. Und wenn diese Anteile nach Hause geholt sind, integriert sind, dann kann man als Erwachsener entscheiden, ja, die Party ist zu Ende und es sieht hier aus wie im Schweinestall und es war wirklich schön, aber ich bin jetzt müde und gehe nach Hause und ich bin trotzdem geliebt.
Und dann springt dieser junge Anteil natürlich an die Uhr, damit du geliebt wirst, musst du jetzt noch aufräumen, wir räumen mal auf und dann kann man sagen, nee, das habe ich im Griff, du brauchst keine Angst zu haben, wir werden trotzdem geliebt.
[Nils Behrens] (26:35 - 26:40)
Du sprichst sehr oft von inneren Anteilen. Wie finde ich denn heraus, welcher Teil von mir gerade leidet?
[Claudia Herberger] (26:41 - 31:53)
Das ist genau mit dieser Übung, die ich gerade angesprochen habe. Also, wenn wir noch mal von diesem Beispiel ausgehen, dass ein Mensch sich nicht sicher fühlt und sich deswegen unsichtbar macht und in Beziehungen auch unsichtbar ist, die sagen auch häufig, der sieht mich gar nicht, ich werde überhaupt nicht gesehen, die nimmt mich überhaupt nicht wahr. Also, das sind auch die Dinge, die dann anspringen.
Dann wird man als erwachsener Mensch, das ist das Verrückte, diese Befürchtung immer wieder wahr machen. Man denkt, ich bin unsichtbar, keiner kümmert sich um mich. Das heißt, dieser innere Anteil von einem, der damals gelernt hat, sichtbar sein ist gefährlich, wird einen sicher halten, indem er immer wieder dafür sorgt, dass man sich unsichtbar macht.
Also, man hat dann Angst davor, auf eine Bühne zu gehen, man hat Angst davor, sich zu zeigen, man hat Angst davor, sich auffällig toll zu kleiden und auf der Party der Mittelpunkt zu sein, weil man gelernt hat als Kind, wenn du dich sichtbar machst, kann das richtig gefährlich sein. Und in Trennung, also man landet dann natürlich häufig in Beziehungen, wo es okay war, unsichtbar zu sein, aber das nervt natürlich, weil man ja sich unsichtbar macht, um irgendwann geliebt zu werden, so wie deine Freundin, die räumt auf, um geliebt zu werden. Und diese Anteile, die das annehmen, die zu entdecken, ist leichter, wenn man so im emotionalen Ausnahmezustand ist, deswegen sehr gut in der Trennung möglich, auch sehr gut in diesen schlimmen Gefühlen, die man hat, wenn Beziehungen nicht misslingen, kann man da leicht rankommen.
Und man kommt da über diese Übung ran, die mache ich mit allen meinen Coaches, mache ich diese Übungen, die kann man, ich beschreibe die auch in dem Buch, dass man sozusagen innerlich reißt zu diesem Anteil. Und das ist nicht keine Erfindung von mir, sondern das hat Dr. Peter A. Levine erfunden, das ist ein Trauma-Forscher, ein sehr berühmter Mann mit vielen Berufen, ehrlich gesagt, der aber vor allem sich der Trauma-Erforschung und Trauma-Heilung gewidmet hat. Und der sagt dieses, der Körper speichert alles, und da ist es auch abrufbar, Somatic Experiencing.
Der hat auch tolle Bücher geschrieben, die ich schwer, schwer empfehle. Und da ist diese Übung entlehnt, und im Prinzip mal ums, ich liebe Metaphern, ums mal als Metapher klar zu machen, ich habe immer das Gefühl, wenn die Menschen so auf die Welt kommen, dann haben sie so ganz viele schöne leuchtende Säulen, die dann wachsen und die dann so ein organisches, superschönes Gebilde ergeben, wenn alles gut geht. Und wenn eben nicht alles gut geht, wenn man in Beziehungen ist, in denen so Sachen auftauchen, die einen verunsichern, dann bleibt eine Säule quasi in diesem Alter stehen.
Und die sorgt dafür, dass man überlebt und sicher ist. Nicht glücklich, nicht verliebt, sondern sicher. Das heißt, um beim Beispiel zu bleiben, dieser unsichere Mensch, der sich versteckt, der hat dann einen Anteil in sich, meinetwegen drei, vier Jahre alt, der dafür sorgt, dass man unsichtbar bleibt.
Damit man sicher ist, diese Anteile sind, und das ist total beeindruckend immer, jahrzehntelang trainiert darin, einen sicher zu halten vor Gefahr. Also dieser Anteil sorgt dafür, dass du unsichtbar bleibst. Und in diesen Übungen, die ich da beschreibe, tauchst du als erwachsener Mensch nochmal dahin zurück.
Und holst diesen Anteil zu dir auf den Schoß, holst ihn da aus diesem Zuhause weg und erklärst diesem Jungen selbst von dir, was da passiert ist. Nämlich zum Beispiel, ja, ich weiß, das hat dir Angst gemacht und deine Eltern haben das so gut gemacht, wie sie konnten, das war aber nicht gut genug für dich. Und jetzt fühlst du dich unsicher.
Und pass auf, ich hole dich jetzt nach Hause, ich halte dich jetzt sicher. Und ich als erwachsener Anteil sorge jetzt dafür, dass wir in der Sichtbarkeit sicher sind, du kannst dich auf mich verlassen. Und das funktioniert total schön.
Dann hat man diesen Anteil, dieses Gefühl geht auch nicht weg, das wird auch immer wieder mal getriggert. Man ist dann immer besonders aufgeregt, kann ich das anziehen und kann ich mich so benehmen? Ja, kann man.
Man kann auch mal voll daneben greifen, ist völlig in Ordnung. Aber man besteht ja nicht nur aus diesem jungen Anteil, sondern aus ganz vielen. Man ist auch ein Freund, eine Freundin, ein Vater, eine Mutter, ein Kollege, ein Unternehmer, alles mögliche.
Und diese Anteile wissen, ich kann mich sicher halten, natürlich kann ich anziehen, was ich will. Und die sorgen dafür, dass diese jungen Anteile, wenn man das, dafür ist die Trennung gut, holt diese jungen Anteile alle nach Hause. Und je mehr du nach Hause holst und je klarer du dir über dich selber bist, desto mehr bist du wieder so, wie du ursprünglich mal gemeint warst.
Nämlich in diesem total wunderbaren, bestens ausgestatteten, beziehungsfähigen Selbst.
[Nils Behrens] (31:53 - 32:59)
Du hast ja jetzt hier beschrieben, wie man das Ganze so aufarbeiten kann. Nichtsdestotrotz, wenn ich jetzt einfach das so, also ich hatte jetzt gerade in meinem direkten Umfeld auch jemand, der dann in eine Trennung reinging und darunter wahnsinnig gelitten hat. Und ich glaube, wenn ich da jetzt mit so einem therapeutischen Aufarbeiten gekommen wäre, wäre die Offenheit in dem Augenblick nicht da gewesen, weil der Schmerz einfach da so groß war.
Du hast jetzt gesagt, jetzt muss man dann erst mal unter den Flügel oder in den Arm. Ja, das ist klar. Nichtsdestotrotz, das ist ja etwas, was man dann in dem Augenblick für einen gut tut, vielleicht an dem, für die Stunde, aber danach kommt der Schmerz ja wieder.
Und wenn man sagt, okay, ich kann nicht die ganze Zeit unter dem Flügel sein und ich kann auf der anderen Seite auch nicht sozusagen vielleicht in diesem Schmerz nicht daran arbeiten, das aufzuarbeiten. Hast du vielleicht noch einen anderen Tipp für unsere Hörer, die das jetzt hören, um vielleicht irgendwie das erträglicher zu machen?
[Claudia Herberger] (32:59 - 36:50)
Ja, ja, ja. Es gibt eine Übung, die nenne ich, ich liebe die ganz doll, die nenne ich den Meister-Yoda-Aller-Übung, weil die ist ganz harmlos und die funktioniert fantastisch in solchen totalen Ausnahmezuständen und die funktioniert übrigens auch sehr gut mit Kindern. Und zwar geht es darum, ein Teil von uns ist natürlich total im Koma oder in dieser emotionalen Disbalance.
Ein Teil von uns weiß aber, nö, da gibt es auch einen Weg raus, ich komme hier raus oder diese sozusagen erwachsene, kompetente, handlungsfähige Seite in uns. Und die Übung geht so, die habe ich auch in dem Buch beschrieben und die kann auch jeder, der mir schreibt, sofort kriegen. Ich habe die mal aufgenommen für eine Klientin, die sich das nicht merken konnte.
Also, du konzentrierst dich auf das Gefühl, das da gerade hochkommt. Gerne mit geschlossenen Augen, legst da deine Hand hin, wo du das im Körper spürst und dann fragst du dich und am Anfang gerne hörbar. Was fühlst du?
So als wärst du deine eigene Mutter, dein eigener Vater. Und antwortest dir auch. Und das ist ein Zwiegespräch zwischen dem Teil, der gerade getriggert ist oder der Teil, der gerade außer sich ist und dem Teil, der weiß, wir kommen hier raus.
Irgendwie kommen wir raus, keine Ahnung wie, aber ich finde einen Weg für uns. Was fühlst du gerade? Und dann sagt dieser Anteil vielleicht, ich bin gerade verzweifelt, ich werde wahrscheinlich übrig bleiben und nie wieder Liebe finden.
Dann spiegelt man das zurück. Das nennt sich Ko-Regulation. Das kann man, oder in diesem Fall Selbstregulation.
Dann spiegelt man sich das zurück. Ich sehe, du fühlst dich gerade, als würdest du nie wieder Liebe erleben können, als wärst du der einsamste Mensch auf der Welt. Was noch?
Und das fragt man sich dreimal mindestens und spiegelt sich das auch zurück, bis man merkt, ich habe jetzt alles benannt. Dann fragt man sich, was brauchst du denn, damit das wieder besser wird? Und auch das beantwortet man sich.
Ich brauche in den Arm genommen werden. Ich brauche die Hoffnung, dass das wieder besser wird. Ich brauche, dass meine Ex-Partner, dass es dem ganz schlecht geht oder da passiert ganz schön was weiß ich.
Irgendwelche Zeug wird nicht bewertet, sondern man spiegelt sich einfach diese Antworten zurück. Ich sehe, du wünschst dir, dass du Sicherheit erlangst, was deine Zukunft angeht. Ich sehe, du wünschst dir, dass dein Ex-Partner oder deine Ex-Partnerin, dass es dir nicht so gut geht, wird nicht bewertet, nur gespiegelt.
Und dann kann man sich am Ende sagen, weißt du was, ich habe dir ganz genau zugehört und ich habe verstanden, was du fühlst. Ich habe auch verstanden, was du brauchst. Ich habe jetzt vielleicht noch keinen blassen Schimmer, wie wir da hinkommen, aber ich verspreche dir, ich kümmere mich darum.
Ich hole uns hier raus. Und was dann passiert ist, man ist sofort in seinem Erwachsenen selbst. Und diese Übung empfehle ich ganz, ganz doll, auch für Situationen, wenn man in schwierige Gespräche zum Beispiel muss, dass man nicht in diesem kindlichen Selbst kommuniziert, sondern in dem Erwachsenen selbst.
Da ist es dann auch möglich, den anderen abzuholen, wenn er dann so irres Zeug sagt und einem Vorwürfe macht und sonst irgendwas, kann man sagen, ja, ich sehe, das macht dich total irre, tatsächlich ist es aber so und so. Und diese Übung, die hilft immer, die hilft auch am Anfang von Liebeskummer ganz doll. Die empfehle ich, deswegen habe ich sie auch gleich am Anfang im Buch geschrieben, die ist ganz toll.
Und jeder, der die haben will, kann mir schreiben. Ich möchte am liebsten, dass die ganze Welt die kennt, weil die hilft, aus dieser Ohnmacht sofort in die Gestaltung zu gehen. Und das ist der Schlüssel überhaupt immer, aus dieser Opferhaltung rauszukommen in eine Gestaltungsmöglichkeit.
[Nils Behrens] (36:53 - 37:01)
Sehr schön, sehr schön. Du schreibst in deinem Buch aber auch, dass es manchmal sogar gesünder sein kann, eine Trennung nicht gemeinsam aufzuarbeiten.
[Claudia Herberger] (37:02 - 38:31)
Ich glaube immer, dass es besser ist, die nicht gemeinsam aufzuarbeiten, ehrlich gesagt. Ich glaube, dass die, es ist ja gerade am Anfang, wenn die Beziehung misslungen ist, gibt es nicht einen Schuldigen oder einen Täter und einen Opfer und einen, der alles richtig macht und einen, der alles falsch macht, sondern es gibt zwei Menschen, die enttäuscht sind und traurig oder wütend und voller Emotionen sind, zwei Menschen, die nicht bekommen haben, was sie wollten. Und da jetzt mit dem anderen zu sitzen, und das habe ich selber auch erlebt, in der Therapie und mir anzuhören, was ich jetzt in den Augen des anderen alles Blödes gemacht habe und wie doof der mich findet, hat überhaupt nicht geholfen, sondern ich dachte immer nur so, ja, das denkst du, aber weißt du, was ich denke?
Und man hat dann immer das Gefühl, und man möchte, und das ist auch so ein Impuls, immer die möchten dann den, den Experten sozusagen auf die eigene Seite holen, man möchte ja, der soll verstehen, wie ich, ich muss jetzt gesehen werden, der soll verstehen, wie schlimm es mir ging, was die alles gemacht hat oder was der alles gemacht hat. Und man kommt ganz häufig, habe ich noch nie erlebt, nicht über diese Situation hinaus, das heißt, du wirst nicht hundertprozentig gesehen, der andere wird nicht hundertprozentig gesehen, man geht da raus und ist so halbhinkend, es bringt nichts.
[Nils Behrens] (38:31 - 38:48)
Ja, Moment, Moment, Moment, also wenn man schon beschlossen hat, sich zu trennen, mag das sein, aber wenn ich jetzt dein Beispiel von vorhin sage, wo du sagst, okay, die Frau will den halben Nachmittag mal frei haben, das ist ja eine Art von Paartherapie gewesen, die funktioniert hat.
[Claudia Herberger] (38:48 - 41:37)
Ja, da, aber auch da habe ich die voneinander separiert und mit jedem Einzelnen gearbeitet, und dann konnten die ganz frei ausbreiten, was bei ihnen los ist, und dann war das ganz schnell auf dem Tisch, was Paare nämlich ganz häufig machen, wenn die zu zweit kommen, wenn Paaren ganz klar ist, wir wollen uns trennen, hundertprozentig, es geht uns vor allem um die Kinder oder um was weiß ich was, wir wollen vor allem unbeschadet raus, dann kann man das zusammen machen. Trotzdem empfehle ich, das getrennt voneinander zu machen, denn das ganze Unglück, das man empfindet, das ausbreiten zu dürfen, ohne dass der andere zuhört, ist viel, viel schöner, weil der andere hat nichts davon, dass er hört, was er oder sie alles in den eigenen Augen falsch gemacht hat.
Und auch bei diesem Paar, das ich beschrieben habe, ich trenne die erstmal voneinander, damit die schlimmen Gefühle erstmal ungefiltert raus können und niemanden verletzen, sondern die dürfen, alle Gefühle müssen gefühlt werden, die dürfen raus und da gibt es keinen Filter. So, und wenn wir das geschafft haben und da so ein bisschen das Gefühl bei den Klienten ist, ich wurde jetzt hier mal so richtig gesehen und gehört und ich durfte alles sagen und man muss auch nicht aus Rücksicht auf den anderen, weil man vielleicht respektvoll ist oder Dinge auch schambesetzt sind, was da, da sind ja in Beziehungen, wissen alle, da passieren Dinge, die sind beeindruckend. Die geschehen natürlich nicht, weil die alle böse sind, sondern weil aus Hilflosigkeit häufig.
Und diese Dinge kannst du dann aussprechen und die dürfen dann, kannst sie loslassen, denn erst wenn du alles gefühlt hast, darf es, wird es wieder, kriegt es wieder seine richtige Größe. Und dann übernimmst du, und dieser Teil ist wichtig, übernimmst du Verantwortung für deinen Anteil in dieser Beziehung, so klein der sein mag, da ist auf jeden Fall ein Anteil, den du gestaltet hast. Und wenn du die Verantwortung übernommen hast und dann verstehst, warum habe ich das denn gemacht, warum, was waren meine Motive, zum Beispiel mich sicher zu halten oder weil ich so gelernt habe oder weil ich mir was ganz anderes gewünscht habe und den falschen Weg benutzt habe, dann kommst du erst in so einen Gestaltungsmodus und dann kann man gemeinsam sprechen.
Und dann kommen die Paare auch wieder zusammen, also dann, das merke ich auch, dass da so ganz viel noch möglich ist, spätestens bei der Abschiedszeremonie, die wir dann gemeinsam machen, kommen dann Dinge auf den Tisch, so hätte ich es mir gewünscht, so und das könnte ich doch, dann kommen auch häufig Angebote, das kann ich dir geben oder das habe ich nicht so verstanden, das habe ich nicht wahrgenommen und danke, dass du mir das sagst. Aber da kommt nicht mehr immer hast du und nie hast du, sondern da kommt,
[Nils Behrens] (41:37 - 41:57)
das ist genau das, was du sagst, also zum einen versucht man es eben hat stark zu vereinfachen und geht dann schnell immer dieses kategorische, so du hast ja nie das und das gemacht und dann fällt der Person, die das vorgeworfen bekommt, natürlich 20 Beispiele ein.
[Claudia Herberger] (41:58 - 41:59)
Ja, aber du.
[Nils Behrens] (42:00 - 42:48)
Ja, entweder zurückschlagen oder aber sagen, nee, nee, Moment, aber ich habe doch das da und da gemacht oder sowas, also dieses kategorische ist, glaube ich, tatsächlich immer so das, was eben halt zur Vereinfachung dann quasi hilft, um den Therapeuten auf seine Seite zu holen, aber auf der anderen Seite eben halt dann auch umso verletzender wird, weil man dann auf einmal das, wo man dann sagt Moment, du sprichst zwar das jetzt in dem Zusammenhang, aber all diese anderen Male, die für mich dann vielleicht auch ein großer Effort waren.
Die machst du jetzt damit platt, ist natürlich dann auch etwas, was sehr verletzend ist, also von daher, du sprichst hier in deinem Buch davon, man sollte nicht ins Drama einsteigen, vielleicht, weil wir gerade bei diesen fast dramatischen Gesprächen sind, kannst du vielleicht einmal kurz erläutern, was damit gemeint ist und wie man das auch am besten im Alltag umsetzt.
[Claudia Herberger] (42:51 - 43:00)
Also, es gibt ja zwei verschiedene Dinge, die mir jetzt einfallen, das eine ist, wenn man sich von originell ausgestatteten Menschen trennen muss.
[Nils Behrens] (43:01 - 43:01)
Von was, bitte?
[Claudia Herberger] (43:01 - 45:58)
Originell ausgestatteten Menschen, also beispielsweise narzisstische Menschen, die lieben Drama, weil das berührt sie emotional nicht und sie wissen, im Drama halte ich den anderen Menschen beschäftigt mit mir und die bieten dir dann immer wieder, ich darf das mal ganz lyrisch umschreiben, die zünden dann irgendwelche Kackhaufen an und legen sie dir ins Spielfeld und du denkst dann, das kann ja wohl nicht wahr sein. Und fängst an, die quasi auszutreten, verbal oder argumentativ. Und das einzige, was du danach hast, sind Fäkalien am Schuh, weil die häufig von der Wahrheit ungebunden oder einfach nur persönliche Provokationen oder oder sind.
Und das muss man bewusst haben, dass das brennende Kackhaufen sind, ich an anderer Stelle beschreibe es auch etwas nutzerfreundlicher mit einem Dramaseil, das legt er dir hin, wenn du das Ende aufnimmst, dann bist du die ganze Zeit damit beschäftigt, aber kannst dich nicht entwickeln, das heißt, du lässt diese Dinge liegen und bleibst bei dir, das ist ohnehin immer der Schlüssel, du bleibst bei dir. Und wenn du nicht originell ausgestattete Leute hast, ist dieses Drama genau, was du beschrieben hast. Nie hast du immer, immer und nie sind ohnehin schlimme Worte, aber nie hast du doch, ich habe das dann und dann gemacht und du siehst es bloß nicht und hin und her und hin, das bringt keine Lösung, das heißt, wenn ich auf den Grund gehe bei mir selber und sage, ich habe nicht bekommen, was ich wollte, wie habe ich denn diesen Wunsch geäußert?
Habe ich diesen Wunsch überhaupt in die Welt gebracht? Konnte irgendjemand wissen, dass ich diesen Wunsch habe? Wie habe ich das dem anderen beigebracht, dass ich so funktioniere?
Und dann kommt häufig raus, naja, ich bin davon ausgegangen, dass das total klar ist, dass man das macht. Muss man doch so machen. Und ich habe das nie so richtig gesagt, oder ich war stinkwütend und habe es dann im Streit gesagt.
Im Streit kann man aber nichts annehmen. Das heißt, diese Dinge zu klären, da lohnt sich die Master-Yoda-Übung zunächst, sodass man dann in seinem Erwachsenen selbst ist, wenn man in die Kommunikation geht und nicht sagt, immer hast du, nie hast du, sondern sagt, ich wünsche mir ganz viel Nähe und Umarmung und Streicheleinheiten. Ich habe das Gefühl, das stößt nicht auf Gegenliebe.
Kannst du dir vorstellen, dass wir dann in die Gestaltung gehen? Das hört sich natürlich anders an als, ey du Arsch, jedes Mal, wenn ich komme, nimmst du mich nicht in den Arm und ich will aber so gerne mal in den Arm genommen werden und nie gibst du mir das.
[Nils Behrens] (45:59 - 46:25)
Ja, ganz interessant. Ich habe das gerade im Freundeskreis. Ein Freund von mir, der schon sehr lange auch verheiratet ist und der, sag ich mal, nicht zufrieden mit seinem Sexualleben dann in der Beziehung war.
Und da hat dann ein Kumpel von ihm auch mal gesagt, hast du das denn mal einfach adressiert? Und dann sagt er, er hat das jetzt mal offen angesprochen und jetzt funktioniert es wieder. Also von daher, es ist manchmal tatsächlich auch da sind wir wieder bei dem Thema Kommunikation.
[Claudia Herberger] (46:25 - 46:41)
Ja, reden hilft. Aber wichtig ist, wie kommuniziere ich? Das ist nämlich nicht ganz einfach.
Wenn man sich erstmal für seine, wenn man gelernt hat, Wünsche dürfen nicht geäußert werden, weil das gefährlich ist oder man dann zu viel ist oder irgendwas, dann ist das häufig schambesetzt, Wünsche zu äußern.
[Nils Behrens] (46:42 - 46:43)
Und Sexualität ja sowieso.
[Claudia Herberger] (46:44 - 46:59)
Unglaublich. Und dann fällt es Leuten schwer zu sagen, was will ich und was will ich nicht. Und wenn man erstmal eine Weile in einer Beziehung ist und denkt, das wird sich schon irgendwie einrichten, dann hat sich das eingerichtet und ist überhaupt nicht, wie man will.
Und dann dann nochmal zu sagen, du, übrigens, ich habe da ein Thema. Das ist natürlich schwer.
[Nils Behrens] (47:00 - 47:09)
Ja, eingerichtet ist ein gutes Wort, wenn man jetzt, was weiß ich nicht, ganz viele orange Möbel denn auf einmal in der Wohnung hat, aber irgendwann den Punkt verpasst hat, dass man gar keinen orange mag, dann ist das natürlich schwer.
[Claudia Herberger] (47:09 - 47:10)
Das ist blöd.
[Nils Behrens] (47:11 - 47:23)
Dann kommen wir doch mal zu den Wünschen tatsächlich, weil ich finde, du hast ein sehr schönes Bild von der großzügigen Fee in deinem Buch. Magst du da vielleicht auch nochmal kurz einsteigen? Weil ich finde das sehr, ich sage gleich, warum ich das so spannend finde.
[Claudia Herberger] (47:24 - 49:17)
Die großzügige Fee bemühe ich immer, weil Menschen, wenn die so unglücklich sind, nicht mehr träumen, sondern und auch nicht mehr in dem sind, was möchte ich eigentlich, sondern häufig damit beschäftigt sind. Bin ich das nicht wert gewesen? Oder bin ich eine schreckliche Person, dass ich nicht kriegen konnte, was ich wollte?
Oder bin ich nicht liebenswert oder nicht wertvoll? Oder warum kriege ich das nicht? Und sind in diesen schlimmen Gefühlen, weil Leute ohnehin unglaublich viel fokussiert sind auf ihre Fehler und auf das, was sie nicht können, dabei sind, die Menschen wunderbar und haben ganz viele tolle Eigenschaften und auch ganz tolle Eigentümlichkeiten.
Statt die abzufeiern, sind sie häufig damit beschäftigt, sich zu schämen oder sich nicht zu zeigen. Und wenn man so beschäftigt ist mit dem Misslingen, hilft es häufig, eine kleine großzügige Fee ins Spiel zu bringen, die dann kommt und sagt, du darfst dir wünschen, was du willst. Wirklich, was du willst, wenn die Beziehung, wenn das hier alles vorbei ist, wo bist du dann?
Und das ist der erste, die kleine Fee fliegt quasi in Richtung Neville Goddard, diesen Autor, den ich sehr mag, der sagt, Bewusstsein ist die einzige Realität, du musst wissen, wo will ich denn eigentlich hin, um das gestalten zu können. Und da benutze ich immer die kleine Fee, die dann kommt und sagt, du darfst es mir sagen, ich erfülle dir das. Und sobald du das einmal klar hast, was will ich denn eigentlich, und es auch dahin lebst und deine Zukunft gestaltest, darum geht es auch immer im Coaching, darum geht es auch in dem Buch, meine Zukunft will ich gestalten.
Dann wird da eine Tür aufgemacht, die zauberhaft ist, dann kommen die immer mit so ganz bescheidenen Wünschen, muss man die immer daran erinnern, die kann zaubern, die kann alles machen, was du willst. Also nochmal, was wünschst du dir?
[Nils Behrens] (49:18 - 50:59)
Ja, ich benutze das tatsächlich schon seit vielen Jahren, auch im beruflichen Kontext sehr häufig. Das heißt also, meistens hat man dann irgendwie, was weiß ich, für 30 Minuten irgendeinen Zoom-Call oder irgendwie sowas, und dann bin ich relativ schnell auch, dass ich tatsächlich dann sage, naja, stell dir mal vor, ich wäre jetzt eine gute Fee, das ist schwer für ihr Zustand an mir natürlich, aber nichtsdestotrotz, ich habe das pendant Porno noch nicht so richtig gut gefunden dafür, aber ich wäre jetzt eine gute Fee. Und mit welchem Ziel bist du in dieses Gespräch rausgegangen, beziehungsweise, wenn du vorher die Fee dir gesagt hättest, was darfst du dir wünschen, was aus dem Gespräch rauskommt?
Und dann kommt man so häufig viel schneller an das Ergebnis, weil die meisten Menschen, ich tendiere immer dazu, sehr offen zu spielen, und die meisten Menschen tun das eben halt, oder die meisten, viele, sind eben halt nicht so offen, sondern versuchen da irgendwie über irgendwelche Verklausulierung dann irgendwie ans Ziel zu kommen. Und ich mag das immer gerne so, sag mir bitte, was du willst, so, und dann kann ich dir sagen, ja, nein, vielleicht, so, oder, beziehungsweise, ich finde es dann immer viel einfacher zu sagen, nee, das kann ich dir nicht erfüllen, weil, aber das und das können wir machen. Und dann braucht man diese halbe Stunde zum Call häufig gar nicht, weil man damit viel schneller ans Ziel kommt.
Und trotzdem ist es dann nicht so urdeutsch, so, jetzt hier mal Zahlen, Daten, Fakten, so, sondern man schafft es, über diese Emotionalität da ganz gut reinzukommen. Deswegen, ich finde das ein sehr schönes Bild. Und es ist darüber hinaus ja etwas, was, wir hatten das in einem anderen Podcast-Gespräch, da hatte der Gast gesagt, kein Mensch kann dich glücklich machen.
Sondern im Grunde genommen eigentlich können Menschen nur deine Erwartungen erfüllen. Und letztendlich sind wir dann ja auch wieder bei diesem Feenspiel, was sind denn deine Erwartungen und warum wurden sie nicht erfüllt?
[Claudia Herberger] (50:59 - 52:07)
Ja, und warum, die kannst du dir ja immer selber erfüllen. Du gestaltest ja dein Leben über die Richtung, die du einnimmst. Und was ich ganz oft sehe und was mich immer ganz doll berührt, ist, dass Menschen sich schämen dafür, was sie sich wünschen.
Die trauen sich nicht, sich was zu wünschen. Die glauben, das ist viel zu groß oder viel zu anspruchsvoll und glauben, das gehört ihnen nicht. Und so eine Fee bringt häufig so einen Twist da rein, den ich ganz schön, ganz wirklich zauberhaft finde, dass du Menschen das erste Mal manchmal diese Tür aufmachst und die gehen da durch und trauen sich zu wünschen, was sie sich wirklich wünschen.
Das ist ja eine Fee und jetzt kann ich mir wirklich wünschen, was ich wünsche. Und das ist so, also merkst du ja wahrscheinlich auch an meiner Stimme, es berührt mich jedes Mal so doll, wenn ich dann höre, das habe ich mir gewünscht. Und das ist ganz zart und ganz schön und damit machen wir immer eine Tür auf, wo die Reise hingehen kann.
Und da geht sie dann auch hin. Wenn man das selber will, kommt man da auch raus.
[Nils Behrens] (52:07 - 52:19)
Ja und man merkt eben halt auch, wie wichtig da Sprache ist, um es auszusprechen. Du hast auch diesen Punkt in deinem Buch, der Unterschied zwischen ich will jemanden oder ich brauche jemanden. Warum ist das so wichtig?
[Claudia Herberger] (52:22 - 52:43)
Das ist so wichtig. Wenn du deine Gebrauchsanweisung fertig hast und deine No-Go-Liste, also ich nenne die K.O.-Kriterienliste, du weißt, was du nicht willst und so ein Gesamtbild von dir hast und deine Bedürfnisse dir selber erfüllst.
[Nils Behrens] (52:44 - 52:47)
I can buy myself flowers, wie Miley Cyrus schon gesungen hat.
[Claudia Herberger] (52:47 - 54:34)
Genau und du diesen, ich nenne es immer diesen Abgrund, den viele in sich haben, den ich auch früher hatte, dieses Gefühl, der muss mit von außen gefüllt werden, damit man sich ganz fühlt. Wenn du den selber gefüllt hast, dann bist du irgendwann in so einem ganz satten großzügigen Zustand, wo du nichts mehr brauchst, sondern wo du nur noch wählst, was will ich in meinem Leben haben, was das noch schöner macht, weil mein Leben ist jetzt schön und es erfüllt und fühlt sich gut an. Und das ist der Unterschied, solange man noch das Gefühl hat, jemand anders muss meinen Abgrund füllen, jemand anders muss mir zeigen, dass ich liebenswert bin, gibst du die Macht über dein Glück, über deine schönen Gefühle, über deine Geborgenheit nach außen und da gehört es nicht hin, die gehört zu dir.
Und dann kannst du einladen, Leute, die dir gefallen, wenn dir jemand schöne Gefühle macht, die sollen mit stattfinden, dann kannst du die einladen und gucken, ob die die Einladung annehmen. Aber das hat nichts mehr mit deinem Wert zu tun und nichts mehr, was du brauchst, sondern das ist was, was du dir bewusst, wofür du dich bewusst entscheidest, weil du merkst, das gefällt mir gut, das fühlt sich gut an und das lade ich jetzt ein. Und das ist was ganz anderes, als wenn du verzweifelt versuchst, eine Beziehung zum Laufen zu bringen, weil du denkst, oh Gott, jetzt sei eine Chance, dass dieser Abgrund gefüllt werden kann.
Und er muss gefüllt werden, dass wenn man sich zu bedürftig fühlt, liegt es nicht daran, dass mit einem was nicht stimmt, sondern dass man a nicht in guter Gesellschaft ist und b, dass man sich selber nicht diese Dinge holt, die man braucht und die einem gehören und wenn man die braucht, dann wird da nicht verhandelt, dann braucht man die fertig.
[Nils Behrens] (54:35 - 54:48)
Da passt das Kapitel wirklich sehr, sehr gut, was du geschrieben hast, der Trennungspfad ist eigentlich ein Heimweg zu dir selbst. Und magst du da vielleicht auch nochmal kurz erläutern, was du damit gemeint hast?
[Claudia Herberger] (54:49 - 56:32)
Ja, gerne. Wenn du in einer misslingenden Beziehung steckst, dann kommen ja diese ganzen alten, wie ich schon beschrieben habe, diese ganzen alten Sachen hoch. Bin ich nicht liebenswert?
Bin ich das nicht wert, dass jemand bei mir bleibt? Bin ich das nicht wert, dass jemand treu ist? Bin ich nicht wert, dass meine Bedürfnisse erfüllt werden?
Und dieser ganze fruchteinflößende Kram liegt plötzlich auf dem Tisch. Und jetzt ist die Chance zu gucken. Erstmal musst du natürlich getröstet werden, aber dann bringt dieser Pfad dich an alle Stellen und im Prinzip ist dieses Buch mein Coaching-Pfad.
Das kann man da alleine machen. Fehlt einem vielleicht hier und da jemand, der einen hält und reflektiert, aber trotzdem ist es dieser Coaching-Pfad, der dich da an die neuralgischen Stellen bringt. Und zwar an alle Stellen, die wichtig sind dafür, dass du bekommst, was du willst.
Alles, was du selber gestalten, du kannst ja alles selber gestalten, alles, was du einstellen musst und rausfinden darfst und reinholen kannst, da bringt dich mein Trennungspfad entlang. Damit du dann am Ende, wie es eben beschrieben hat, satt und großzügig und authentisch möglichst genau da wieder bist, wo du losgestartet bist, bevor du deine ersten Beziehungserfahrungen gemacht hast. Denn ich kann es nur immer wieder sagen, ich bin ganz sicher, dass jeder Mensch auf die Welt kommt mit allem perfekt ausgestattet und dass das nie weggeht.
Das ist immer da. Nur dass Befürchtungen über einen selbst einen davon abhalten, das Ganz und Gar zu zeigen.
[Nils Behrens] (56:33 - 57:31)
Ja, ich finde, ich hatte es ja eben in den orangenen Möbeln gesagt, ich finde, das ist ja auch so ein bisschen das. Man hat ja häufig, dass man innerhalb einer Beziehung dann anfängt, gewisse Dinge zu tolerieren oder umzustellen, die aber eigentlich einem gar nicht so nahe sind. Also ich hatte es jetzt gerade auch, hat jemand zu mir gesagt, der auch gerade frisch aus einer Trennung ist und weil die letzte Beziehung, die mochte das immer nicht, wenn wirklich totale Kleinigkeiten, aber nachher sind es ja immer Kleinigkeiten, auch an denen man sich da so aufräumt, wenn mit Kokosfett gebraten wird.
Und dann sagte sie so, mir ist gerade aufgefallen, ich kann jetzt ja wieder mit Kokosfett braten. Ja, aber es sind dann nachher die Kleinigkeiten so, wo man merkt, dass man auf einmal etwas, was einem quasi, was man auf Kokosfett, man hat das Kokosfett aufgegeben, aber du verstehst die Sinnbildlichkeit daran, dass man eigentlich gewisse Dinge, die man viel praktischer findet oder gut findet, mag, keine Ahnung, was so nicht mehr macht, weil der Partner es nicht will.
[Claudia Herberger] (57:31 - 59:08)
Und da sind wir wieder bei der Gebrauchsanweisung, das ist ein wichtiger Aspekt, den ich vorhin nicht erzählt habe, den ich jetzt aber unbedingt noch anfügen will. Ganz viele Menschen können keine Grenzen setzen, obwohl die so wichtig sind. Und zwar nicht, weil sie zu doof sind, sondern weil sie sich nicht klar machen, wo die verdammte Axt nochmal sind.
Weil sie nicht gelernt haben, dass ihre Bedürfnisse und Wünsche wichtig sind. Und wenn sie das aber lernen und wenn du dich selber erforscht und wichtig nimmst und merkst, in meine Gebrauchsanweisung gehört, ich muss unbedingt mit Kokosfett braten, das macht mich sehr glücklich. Dann wirst du ganz automatisch, wenn jemand sagt, ich will nicht, dass mit Kokosfett gebraten wird, kannst du dann sagen, okay, dann brätst du deinen Krempel in was anderem, aber ich liebe Kokosfett.
Und dann kann man weiter in Kokosfett braten, weil man weiß, das ist in meiner Gebrauchsanweisung, das gehört zu mir. Und wenn jemand noch mehr so Sachen blöd findet, die du alle total wichtig findest und die dich glücklich machen, dann kann man auch überlegen, ist das vielleicht, weil der oder die so viele andere tolle Sachen anbietet, jemand, mit dem ich nicht zusammenleben würde, aber den ich sozusagen gerne in meinem Leben haben will. Also, dass man dann proaktiv gestaltet, wie weit will ich gehen, was kann ich zulassen und wo sind meine Grenzen.
Grenzen setzen ist ein total, für ganz viele ein furchteinflößendes Thema, aber in Wirklichkeit ist es ein total schönes und wichtiges Thema, was sich fast organisch ergibt, wenn du dich ernst nimmst.
[Nils Behrens] (59:09 - 59:14)
Was hat dir persönlich geholfen, vielleicht toxische Beziehungsmuster, die du erkannt hast, langfristig zu durchbrechen?
[Claudia Herberger] (59:16 - 1:00:53)
Alles, was in meinem Buch steht, ich habe wirklich alles reingestopft, was mich dazu befähigt hat, das Leben so zu gestalten, wie mir das gefällt. Dieser, als ich angefangen habe, mich damit zu beschäftigen und mir so langsam auf die Schliche gekommen bin und meinen Befürchtungen auf die Schliche gekommen bin und alles umgedreht habe, das war ein langer Weg und ich glaube, der ist auch nie wirklich ganz zu Ende. Aber das alles hilft, sich klar zu machen, wer bin ich, was macht mich aus, sich nicht zu schämen, sondern zu sagen, ja, da bin ich vielleicht ein bisschen eigentümlich, aber so bin ich.
Ich habe gemerkt, dass mich diese Abläufe glücklich machen, also mache ich die. Und was ein unglaublich gut vor toxischen Beziehungen schützt, so richtig, richtig gut ist, wenn du ganz und gar in deinem authentischen, ursprünglich geplanten Selbst bist, wenn du dir deine Wünsche und Bedürfnisse erfüllst, wenn du dich wirklich wichtig nimmst, denn jeder sollte sich wichtig nehmen, das finden toxische Menschen nicht attraktiv. Das finden die null attraktiv, wenn die nicht diesen Anteil finden, ich mache alles für dich und ich kann geliebt werden, wenn ich mir ganz, ganz viel Mühe gebe und deshalb mache ich das auch, wenn du das nicht mehr hast, dann bist du quasi immun gegen toxische Beziehungen.
Grenzen zu setzen, ist in einer toxischen Beziehung nicht möglich, also lerne deine Grenzen kennen und lebe sie einfach, dann brauchst du ja nicht zu zu erkämpfen, sondern dann ist es so.
[Nils Behrens] (1:00:55 - 1:01:00)
Hast du vielleicht noch ein Ritual, was du mit unseren HörerInnen teilen möchtest, um einen klaren Abschluss zu finden?
[Claudia Herberger] (1:01:02 - 1:01:48)
Ja, also in diesem Buch sind zwei Rituale beschrieben, die ich auch jedem nur ganz doll empfehlen kann. Das eine ist, dass du die jüngeren Anteile, die du auf der Reise entdeckt hast, alle holst in deinem inneren sicheren Ort und denen erklärst, was passiert ist und denen erklärst, dass du dich jetzt drum kümmern wirst um alles. Und dass du dein zukünftiges Ich zu dir holst und deinem zukünftigen Ich, das dann vielleicht gelb und wellig an den Rändern ist und weißhärig und alt und schäderig, dass du dem versprichst, du wirst sehr zufrieden sein, du wirst zurückblicken können und wirst denken, wow, das habe ich gut gemacht, das verspreche ich dir.
[Nils Behrens] (1:01:49 - 1:01:53)
Sehr schön. Was passiert, wenn man zu früh in eine neue Beziehung startet?
[Claudia Herberger] (1:01:55 - 1:03:58)
Dann passiert erst mal was ganz tolles, nämlich man findet alles toll bei dem neuen Menschen, weil das so diese Erleichterung bringt und einem auch vorübergehend das Gefühl gibt, ich bin doch wertvoll. Was aber auch passiert ist, man beschäftigt sich nicht mit den Dingen, die dazu geführt haben, dass es das letzte Mal schiefgegangen ist und man lässt wertvolle Erkenntnisse, Entwicklungsschritte einfach liegen, das ist doof für das zukünftige Ich. Das muss dann umgehen, dass es noch mehr, dass da nicht keine Entwicklung stattgefunden hat.
Und dann ist eine Sache, ich nenne die immer Pflasterfrauen und Pflastermänner, die klebt man sich quasi über den Schmerz wie ein Pflaster und wir wissen, alle Pflaster sind nicht für die Ewigkeit. Die helfen erst mal und schützen das schlimme Gefühl, aber irgendwann reißt man die ab oder gehen die von alleine ab und man wird diesen Menschen nicht gerecht, du bist ja noch gar nicht so weit, dass du alles abgearbeitet hast, was dich aufgewühlt hat und kannst diesen neuen Menschen gar nicht gerecht werden. Und du wirst auch dir selber nicht gerecht, weil du dir keine Zeit gibst und du wirst auch deinem Ex-Partner oder deiner Ex-Partnerin nicht gerecht, mit denen du ja Zeit verbracht hast, die ja auch gehofft haben, mit dir zusammen zu bleiben, bis man zusammen alt und wellig an den Rändern auf der Bank sitzt, das ist ja, man tritt ja nicht an, um sich zu trennen, sondern man tritt an, um gemeinsam alt zu werden.
Und das ist Misslung und das muss erst mal geheilt werden und zu Ende gebracht werden und dann hat man auch Raum für was Neues. Und die Tatsache, dass man in einer misslingenden Beziehung gelandet ist, spricht dafür, dass da Dinge sind, die man noch an sich entdecken darf und die man sich noch erfüllen darf. Und wo man noch ganz besonders lieb zu sich sein kann und sich ernst nehmen kann, damit man da nicht nochmal landet.
[Nils Behrens] (1:04:01 - 1:04:05)
Wow, sehr schön. Was wünschst du dir, was die HörerInnen nach dieser Folge mitnehmen?
[Claudia Herberger] (1:04:06 - 1:04:44)
Ich wünsche mir, dass die Menschen sich lieber haben, dass die sich liebevoller betrachten, dass sie sich nicht so auf die Mängel konzentrieren, sondern entdecken, wie toll sie sind und auch stolz sind auf die Kleinigkeiten, die sie ausmachen und sich nicht schämen für Wünsche und Bedürfnisse. Eigentlich wünsche ich mir, dass alle, alle Menschen diesen Weg machen dürfen, den ich machen durfte, weil das sich so schön anfühlt, diesen Abgrund nicht mehr zu haben. Und wenn man den Abgrund nicht mehr hat, hat man viel weniger Konflikte, viel weniger Aufregung, man ist viel gelassener.
Das wünsche ich allen.
[Nils Behrens] (1:04:45 - 1:05:06)
Und Gelassenheit, das wollen wir doch. Ich sage vielen Dank für das Gespräch. Ich möchte jetzt allen natürlich nochmal dein Buch empfehlen, weil wir haben schon relativ viele Teile angesprochen.
Nichtsdestotrotz sind es eben halt wirklich die konkreten Beispiele, die konkreten Übungen, die da drin sind. Das Buch heißt "Wie du eine Trennung überlebst" und es ist im Gräfe & Unzer Verlag erschienen. Und ich würde sagen, es ist ein echtes Erste-Hilfe-Set für die Seele.
[Claudia Herberger] (1:05:06 - 1:05:07)
Ach, vielen Dank, ja.
[Nils Behrens] (1:05:12 - 1:05:13)
Hast du eigentlich ein Lieblingssupplement?
[Claudia Herberger] (1:05:14 - 1:05:44)
Ich habe viele Lieblingssupplements, die mich an ganz vielen Stellen schon unterstützen konnten. Ich nehme ganz regelmäßig Vitamin D3, dazu immer Omega 3, weil man das zusammennehmen soll. Und ich nehme, weil ich sehr viel Sport mache, auch Magnesium und ganz viele andere Dinge.
Ich will dich jetzt nicht langweilen mit den ganzen Details, aber in meinem Alter ist man sehr offen für jede Art der Unterstützung, die man kriegen kann. Und deswegen ja, ja.
[Nils Behrens] (1:05:45 - 1:06:09)
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