

Man of the Ocean: Mentale Stärke & Kälte-Resilienz
Die meisten Menschen bekommen Gänsehaut bei der Vorstellung, nachts allein im offenen Ozean zu schwimmen – umgeben von Dunkelheit, Kälte und Haien. Für André Wiersig ist genau das sein Element. Er ist Extremschwimmer, Meeresbotschafter der Deutschen Meeresstiftung und der erste Deutsche, der die "Ocean’s Seven" absolvierte – die sieben gefährlichsten Meerengen der Welt. Er schwamm durch den Ärmelkanal, den Nordkanal und die Tsugaru-Straße in Japan, oft stundenlang und völlig auf sich allein gestellt.
Doch André Wiersig ist kein übermenschlicher Athlet, der im Wasser geboren wurde. Er ist Familienvater und arbeitete viele Jahre in der IT-Branche, bevor er beschloss, seine Komfortzone radikal zu verlassen. Im Healthwise-Podcast mit Host Jennifer Knäble teilt er nicht nur atemberaubende Geschichten von Begegnungen mit Walen und giftigen Quallen, sondern spricht auch darüber, was wir alle von ihm lernen können: wie man mentale Barrieren durchbricht, Resilienz aufbaut und warum wir uns wieder mehr mit der Natur verbinden müssen.
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Jenseits der Komfortzone: Mentale Grenzen verschieben
Eines der zentralen Themen im Gespräch ist die Frage, wo unsere echten körperlichen und mentalen Grenzen liegen. André Wiersig ist überzeugt: Das Gefühl „Ich kann nicht mehr“ kommt oft viel früher, als der tatsächliche Leistungsabfall einsetzt.
Das „Ich-kann-nicht-mehr“ neu denken
„Bevor man wirklich nicht mehr kann, ist noch ein riesiges Feld“, erklärt Wiersig. Oft signalisiert der Körper Kälte, Schmerz, Unbehagen oder Hunger lange bevor die tatsächlichen Reserven erschöpft sind. Wachstum entsteht dort, wo wir bereit sind, uns in dieses Feld hinein zu bewegen.
Für den Alltag bedeutet das:
- Impulse hinterfragen: Wenn du aufgeben willst, frage dich, ob der Tank wirklich leer ist oder ob es nur unbequem wird.
- Die Grenze leicht verschieben: Egal ob im Sport oder im Job – ein Schritt mehr als geplant kann den Unterschied machen.
Angstbewältigung im Extremen
André schwimmt nachts im offenen Ozean, manchmal in Regionen, in denen Tigerhaie oder Bullenhaie vorkommen. Sein Umgang mit Angst basiert auf radikaler Präsenz.
„Körper und Geist müssen im Moment sein“, sagt er. Angst entsteht häufig durch das gedankliche „Was wäre wenn“ – eine Projektion in die Zukunft. Je stärker der Fokus im Hier und Jetzt bleibt, desto handhabbarer wird die Situation.
Die kraftvolle Wirkung der Kälte und Verbindung zur Natur
Wiersigs Reise begann mit einem Schlüsselerlebnis auf Ibiza: Er unterschätzte die Kälte des vermeintlich „warmen“ 16-Grad-Wassers, und genau dort entstand seine Faszination für offene Gewässer. Heute nutzt er Kälte als Impulsgeber für Präsenz und als Möglichkeit, den eigenen Körper wieder intensiver wahrzunehmen.
Warum wir die Kälte ernst nehmen sollten
Wir leben in einer überhitzten Komfortzone. André erzählt, dass Menschen selbst bei milden Temperaturen dick eingepackt sind, während er in Norwegen bei -17 °C ohne dicke Jacke auskommt. Sein Appell: Wir müssen uns wieder spüren, statt uns permanent vor Reizen zu schützen.
Praxis-Tipp für sanftes Kältetraining
- Du brauchst keine Eistonne. André rät im Podcast klar: „Einfach machen.“
- Drehe die Dusche am Ende kurz auf kalt.
- Lass die Jacke bei einem kurzen Spaziergang offen.
- Atme ruhig weiter, wenn der Kältereiz kommt.
Demut vor dem Ozean
André beschreibt sich nicht als Eroberer, sondern als Gast im Ozean. Er erzählt von Momenten purer Magie, etwa wenn er von Barracudas oder Schildkröten begleitet wird und mit ihnen schwimmt. Diese Verbundenheit führt zu tiefer Demut.
Gleichzeitig sieht er die Schattenseite: 11 Millionen Tonnen Plastik landen jährlich im Meer. Seine Mission „Man of the Ocean“ hat das Ziel, Menschen emotional wieder mit dem Meer zu verbinden – denn nur, was wir fühlen, wollen wir schützen.
Nächte im offenen Ozean: Orientierung ohne Sicht
Im Podcast beschreibt André, dass viele seiner Schwimmstrecken in der Nacht stattfinden. Er betont, dass es dabei „stockdunkel“ ist und man „so gut wie nichts sieht“ – sowohl er selbst als auch Meeresbewohner wie Haie, Wale oder Delfine. Die Nächte auf dem offenen Meer sind für ihn Phasen, in denen visuelle Orientierung kaum möglich ist.
Eine seiner eindrücklichsten Erfahrungen geschah ebenfalls im Dunkeln: Er berichtet von einer Begegnung mit einem Buckelwal, der ihn „mitten in der Nacht zwischen zwei Hawaii-Inseln“ begleitet hat. Solche Situationen seien nicht vorhersehbar oder trainierbar und zeigen, wie wenig Kontrolle man im offenen Meer hat.
Take Aways
- Mentale Grenzen entstehen oft im Kopf – echte Leistungsgrenzen liegen viel weiter.
- Präsenz im Moment ist entscheidend, um Angst zu regulieren und handlungsfähig zu bleiben
- Kälte und Naturreize helfen dabei, den eigenen Körper wieder intensiver wahrzunehmen.
- Der offene Ozean lehrt Demut: Wir sind dort Gäste, nicht Beherrscher.
- Resilienz entsteht durch Routinen, bewusste Reize und das Verlassen der Komfortzone.
Mehr erfahren im healthwise Podcast von sunday natural
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André Wiersig ist Extremschwimmer, Ocean-Seven-Finisher und Botschafter für den Schutz der Meere. Als einer der wenigen Menschen weltweit, die die härtesten Meerengen der Erde ohne Neopren durchschwommen haben, verbindet er außergewöhnliche körperliche Leistung mit tiefem Respekt für die Natur. Seine Erlebnisse im offenen Ozean – festgehalten unter anderem in der ZDF-Dokumentation „Man of the Ocean“ – teilt er heute als Speaker in Unternehmen, Organisationen und auf Events.
In seinen Vorträgen und Projekten vermittelt er, was der Ozean ihn gelehrt hat: Präsenz, Ruhe und die Fähigkeit, Herausforderungen anzunehmen, statt sie zu bekämpfen. Als „Sprecher der Meere“ möchte er Bewusstsein schaffen und Menschen inspirieren, ihre eigenen Grenzen mit Klarheit und Verantwortung zu erkunden.
Mehr über André Wiersig: https://andre-wiersig.com/
152 Man of the Ocean: Das Unmögliche schaffen. Mit André Wiersig & Jennifer Knäble
[André Wiersig] (0:00 - 0:30)
Wie oft wir in so einem Wortschatz dieses Ich-Kann-Nicht-Mehr benutzen, das ist ja einfach völlig abgenutzt. Ich-Kann-Nicht-Mehr ist ja, da ist noch gar nichts passiert. Also bevor man wirklich nicht mehr kann, dahinter, hinter Ich-Kann-Nicht-Mehr, ich habe so einen Hunger, mir ist so kalt, keine Ahnung, ist noch ein Feld, das ist so weit.
Und da muss man sich halt auch mal reinwagen, diese Komfortzone mal wirklich verlassen und einfach die Grenzen für sich mal rausschieben und auch mal neu definieren.
[Jennifer Knäble] (0:30 - 1:48)
Herzlich willkommen zu HEALTHWISE, dem Gesundheitspodcast, präsentiert von Sunday Natural. Ich bin Jenny Knäble und wir erkunden gemeinsam, was es bedeutet, gesund zu sein. Wir sprechen über Themen wie Ernährung, Mental Health, Beauty und über Frauengesundheit.
Immer mit einem weisen Blick auf das, was uns wirklich gut tut. Hi ihr Lieben, schön, dass ihr wieder dabei seid. Mein heutiger Gast hat etwas geschafft, was sich die meisten von uns nicht mal vorstellen können.
Er hat die sieben gefährlichsten Meerengen der Welt durchschwommen. Für ihn ist kein Wasser zu kalt, keine Strecke zu lang, keine Nacht zu dunkel. Er schwamm allein im offenen Meer, begegnete Haien und Walen, allein da gruselt es mich schon, wurde von Quallen gestochen, kämpfte gegen extreme Kälte, wurde beinahe tödlich verwickelt in schwimmende Plastikfolie.
Also wirklich alles, was man sich nur vorstellen kann. Und trotzdem hat er eine Sache nie getan, er hat nie aufgegeben. Im Gegenteil, er hat wirklich immer durchgezogen.
Heute sprechen wir darüber, was ihn antreibt und was wir von ihm lernen können. Mentale Stärke, Resilienz, Mut und die Kunst, niemals stehen zu bleiben. Ich freue mich sehr, dass er heute zu Gast ist, hier im HEALTHWISE Podcast.
Er ist Extremschwimmer, Meeresbotschafter der Deutschen Meeresstiftung und Autor André Wiersig. Hi.
[André Wiersig] (1:49 - 1:49)
Hallo.
[Jennifer Knäble] (1:51 - 1:57)
André, ich bin beruhigt, du bist trocken. Das heißt, du bist zu uns nach Frankfurt nicht durch den Main geschwommen.
[André Wiersig] (1:57 - 2:01)
Nein, nein, nein. Ich bin vollkommen trocken und auch gerne an Land. Sehr gut.
[Jennifer Knäble] (2:02 - 2:23)
André, ich habe meinen Kindern heute Morgen erzählt, dass du kommst. Die interessieren sich normalerweise nicht unbedingt für das, was Mama und Papa beruflich machen. Die sind drei und vier, also das kann man ihnen auch verzeihen.
Aber heute habe ich gesagt, Karl-Oskar, heute kommt ein Mann, der ist mit Haien und Walen geschwommen. Da hast du aber mal gesehen, wie die Augen aufgegangen sind. Das war wirklich so.
Wirklich, Mama.
[André Wiersig] (2:24 - 2:30)
Ja, ja, das Hai-Thema, das zieht immer bei den Kindern. Aber es ist ja auch irgendwie toll.
[Jennifer Knäble] (2:31 - 3:13)
Absolut. Ich habe tatsächlich, André, vor kurzem deine Doku gesehen. Du hast eine wirklich ganz, ganz tolle, spannende Doku im ZDF.
Und mein Mann und ich, als Eltern von zwei kleinen Kindern, ich muss sagen, unsere Abende sind bescheiden. Wir sitzen vorm Fernseher und schlafen normalerweise nach zehn Minuten ein. Als wir dann umgeschaltet haben und dich gesehen haben, waren wir aber hellwach.
Und wir haben wirklich gefühlt die Nacht noch durchgeguckt. Und ich habe gesagt, den André, den müssen wir anladen. Das ist ja unfassbar, was dieser Mensch macht.
Vielleicht kannst du mal überhaupt mal erzählen, André, warst du denn schon immer, ich nenne es jetzt mal so eine kleine Wasserratte, also war Wasser schon immer dein Element?
[André Wiersig] (3:13 - 4:06)
Ja, ja, das schon. Also das Meer vor allen Dingen. Aber ich meine, das eint uns ja, die Zuhörer, Zuhörerinnen jetzt gerade.
Ich meine, wir alle lieben ja das Meer. Urlaub, das verbringt man ja, die meisten von uns zumindest irgendwie, natürlich auch gerne am Meer. Und dann verbinden wir natürlich auch alle so diese Sehnsüchte, diese schönen Gefühle, diese Weite, diese Freiheit, diese Klarheit, dieses Puristische, das verbinden wir alle damit.
Und das war bei mir ja schon immer besonders ausgeprägt, als Kind schon. Dann kam natürlich dazu, dass ich auch ein ganz guter Schwimmer war. Also ich wohne ja in Paderborn, das ist jetzt nicht unbedingt am Meer, war aber halt im Schwimmen immer aktiv als Kind und schon Jugendlicher später, auch dieses ganze Leistungsschwimmen.
Also schwimmen konnte ich auch, dann diese Verbindung mit dem Meer. Und das ist dann irgendwann so entwachsen zu dem, was es jetzt heute ist.
[Jennifer Knäble] (4:06 - 4:29)
Du erzählst mal, du warst im Urlaub. Ich sag mal, bis dahin bist du halt Hobby-mäßig geschwommen, warst im Urlaub auch gerne mal im Meer. Aber irgendwann kam ja dieser Turn, dass es extrem wurde.
Also dass du gesagt hast, ich glaube, es war eine Boje war da mit im Spiel und ziemlich kalte Temperaturen. Und da war, kann man sagen, so ein kleiner Wendepunkt auch, dass bei dir da was passiert ist?
[André Wiersig] (4:30 - 6:56)
Ja, vielleicht war der eine oder andere schon mal im Winter am Meer. Also so in diesen typischen Orten, wo wir halt im Sommer irgendwie gerne sind. Ibiza war das konkret in meinem Fall.
Und ich war völlig fasziniert, wie leer. Natürlich, klar, es ist keine Saison. Die Strände, die man so überfüllt kennt mit diesem ganzen Gewühl, auch diesen ganzen Gerüchen und so, Sonnencreme und so weiter.
Das ist ja alles weg. Also das ist einfach, das kann ich wirklich nur jedem mal ans Herz legen, dort mal so einen Ort aufzusuchen, weil der einfach ganz anders aussieht und auch so eine Magie ausstrahlt. Und da dachte ich dann, es ist eine super Idee, jetzt da natürlich auch ins Meer zu gehen und dann loszuschwimmen zu eben dieser besagten Boje.
Aber was ich überhaupt nicht auf der Uhr hatte, ich wusste nicht, wie kalt das ist. Also wie kalt 16, 15 Grad Außentemperatur. Das ist natürlich so aus dem deutschen Winter kommend, fühlt sich ja wie Sommer an.
Aber 15, 16 Grad Wassertemperatur, das fühlt sich eher so wie Todeszone an, wenn man da als Warmduscher in der Komfortzone unterwegs ist. Und ja, so ging es mir auch. Ich habe dann daraus so einen Pakt mit mir selber geschlossen, so ein Projekt gemacht.
Ich wollte jetzt nicht irgendwie da Extremschwimmer werden. Ich wollte nicht irgendwie UN-Botschafter für Ozeane werden. Es ging erst mal nur darum, wie kann man sich da hinbringen, dass man halt dieses Meer irgendwie genießen kann, dass man sich dieses Privileg erarbeitet, bei diesen kalten Wassertemperaturen da schwimmen zu können.
Und das habe ich dann gemacht. Ja, so Kaltwassertraining, Kaltduschen und so weiter. Und dann bin ich tatsächlich, habe ich diesen Ort wieder aufgesucht, ein Jahr später und habe dann entschlossen, Mensch, weil ich mich auch irgendwie, ich fand das irgendwie so toll.
Ja, das war auch so ein krasser Gegensatz zu meiner damaligen Arbeit im IT-Business, meiner Familie, ich habe ja drei Kinder und so weiter. Und ich habe das einfach toll gefunden, dieses Kaltwassertraining und dieses Schwimmen im kalten Wasser. Und dann habe ich gesagt, Mensch, jetzt machst du ein Projekt daraus, Ärmelkanal.
So, und dann bin ich ja auch dann durch den Ärmelkanal geschwommen. Dann hatte ich erst von diesen Ocean Seven gehört, worauf du gerade angespielt hast, also diese sieben am schwierigsten so die schwimmenden Meerengen auf der Welt. Das habe ich dann auch Jahr für Jahr, Stück für Stück gemacht.
War dann der 16. Mensch, der das geschafft hat.
[Jennifer Knäble] (6:56 - 6:57)
Überhaupt, muss man mal sagen.
[André Wiersig] (6:57 - 7:26)
Ja, genau, weltweit der erste Deutsche damals. Alles im ersten Anlauf geschafft, teilweise wirklich unter verrücktesten Bedingungen, weil ich auch irgendwie bis dato irgendwie nie geschafft hatte, irgendwie Sponsoren an Land zu holen. Ich habe das alles immer so als Hobby, neben der Arbeit, neben der Familie gemacht.
Das war auch nicht immer einfach. Und das hat vor allen Dingen, und das ist eigentlich auch wahrscheinlich der Grund, warum ich hier sitze, nicht als Sportler, sondern das hat was mit mir gemacht. Das hat mich wirklich verändert.
[Jennifer Knäble] (7:26 - 7:27)
Inwiefern?
[André Wiersig] (7:27 - 9:29)
Das Meer so zu erleben, wie ich das tue. Wenn man natürlich sich auch so öffnet und sich löst von diesem ganzen sportlichen Aspekt, den das natürlich zweifellos hat, also heute immer noch. Also meine nächste Herausforderung auf den Seychellen, da ist das Wasser natürlich kuschelig warm, aber es sind 53 Kilometer zu schwimmen in der Nacht mit den besagten Haien und so weiter.
Aber das ist zu einer Mission geworden. Mittlerweile steht praktisch dieser Zweck vor dem eigentlichen möglichen Erfolg, was natürlich dann immer ein Weltrekord ist.
Da kannst du dich da abfeiern für irgendwelche Rekorde oder dass du da als Schnellster von A nach B geschwommen bist. Aber wenn man ganz ehrlich zu sich selber ist, das ist immer so eine menschgemachte Sache mit Rekorden, sich da zu vergleichen. Hier hat man aber so viele Bedingungen, die man nicht kontrolliert.
Man schwimmt ja mit dem Meer, ich zumindest, und nicht dagegen. Deswegen wehre ich mich auch immer dagegen, dass man irgendwas bezwungen hat. Man bezwingt da draußen einfach überhaupt gar nichts.
Und man ist auch nicht zu Hause da draußen. Als Mensch hat man im offenen Meer einfach überhaupt gar nichts verloren. Man ist ja gar nicht überlebensfähig.
Aber man kann halt sich ein paar Stunden, manchmal dauert das ja 12, 18, 20 Stunden, wie ich da unterwegs bin. Und wenn man dann entsprechend einlassend ist, da bin ich auch zu einem mit meinem Monolog, dann verschmilzt man mit diesem Element. Und um das mal auf so eine andere Ebene zu bringen, ich meine, wir Menschen bestehen ja auch zu über 80 Prozent aus Wasser.
Und dann wird man im wahrsten Sinne des Wortes, werde ich dann zu so einem Teil vom Meer. Und das ist eine ganz, ganz tolle Erfahrung. Also die klingt auch immer ganz lange nach.
Und die ist wichtiger, als einen neuen Rekord aufzustellen, als Leute über die sportliche Leistung zu begeistern. Weil es gab immer und gibt immer Leute, die viel, viel besser sind.
[Jennifer Knäble] (9:30 - 9:54)
Ich finde, man hat das Gefühl, wenn man zum Beispiel in den Bergen ist und man steht vor diesen riesigen Bergen, dann fühlt man sich so klein. Wenn man das mal so auf sich wirken lässt, das macht ja was mit einem. Und ich kann mir vorstellen, dass das ähnlich auch in diesen unglaublichen Weiten des Ozeans ist.
Was hat das mit dir als Mensch gemacht, André? Du hast vorhin mal das Stichwort Demut gegeben.
[André Wiersig] (9:55 - 11:55)
Man muss aber bereit sein. Und das ist zumindest meiner Erfahrung nach, viele Leute wären das gerne, sind das aber oftmals nicht. Die sind nicht in der Lage, in Resonanz zu gehen.
Man kann sich auch im Umkehrschluss, wenn man zum Beispiel dein Beispiel mit den Bergen, da kann man sich auch klein und unbedeutend fühlen. Aber für mich ist das immer Teil von etwas Größerem zu sein wie jetzt dem Ozean, der seit Jahrmilliarden von Jahren schon existiert und ja auch noch existieren wird. Weit, weit nachdem ich oder meine Kinder, Kindeskinder, vielleicht die ganze Menschheit, also wir sind ja zumindest auf dem besten Wege dahin, da wird der Ozean aber immer noch da sein.
Und das ist ja einfach total toll, Teil eines Größeren zu sein, was schon immer da war und auch noch immer da sein wird. Das ist einfach schön und das erdet einen unglaublich. Also dieses Demut ist einfach ein wichtiger Faktor.
Gerade, finde ich, eine wichtige Haltung, die man irgendwie wirklich auch in sich tragen sollte als Mensch. Gerade vor dem Hintergrund, dass wir ja oftmals durch dieses erhöhte, in meiner Wahrnehmung zumindest, durch das erhöhte Anspruchsdenken, was da draußen ja leider Gang und Gäbe geworden ist. Also was maßen wir uns als Menschen an?
Also welche Ansprüche stellen wir an andere Menschen, an Tiere? Wie erheben wir uns über die Natur? Wie wichtig nehmen wir uns und sind ja doch völlig unwichtig?
Also wir sind ja sowas von unwichtig. Also die Natur, das kriege ich auch immer klar aufgezeigt vom Ozean. Also der Ozean braucht uns auf jeden Fall mal nicht. Also im Gegenteil. Wenn man an Ecken kommt, wo Menschen aus was für Gründen auch immer keinen Zutritt haben, nicht da sind, da ist die Natur da am besten.
[Jennifer Knäble] (11:56 - 12:40)
Ich habe ein Video von dir gesehen. Ich glaube, das war Japan, die Ecke. Da bist du ins Wasser gestiegen mit deinem Team.
Und es war stockdunkel, also es war Nacht. Du hast dich, glaube ich, noch eingefettet, auch gegen die Kälte. Und da war ein Teammitglied von dir sehr nervös, weil er sagte, oh, hier ist Wimmels von Hain.
Und da habe ich mir vorgestellt, okay, wow, es ist stockdunkel, im Wasser Wimmels von Hain, es ist eiskalt. Das weißt du alles. Wie viel mentale Stärke braucht man, um in dieses Wasser zu steigen?
Oder was machst du vorher vor so einem Moment? Gibt es ein Training, was du machst? Oder kannst du deinen Kopf ausschalten und sagst, einfach rein, durch.
[André Wiersig] (12:40 - 13:12)
Ja, also der Kopf ist bei mir zumindest immer komplett an. Also ich bin schon im Moment, was auch wichtig ist. Trotzdem muss man halt so ein bisschen positives Denken insofern, dass man natürlich auch ein paar Sachen ausblenden muss.
Also ich versuche immer, mich auf die Szenarien, die kommen, die bestmöglich vorzubereiten. Dafür bin ich auch oftmals schon vor Jahren ausgelacht worden, belächelt worden. Ich bereite mich auch immer intensiv auf diese ganzen Quallen vor.
[Jennifer Knäble] (13:14 - 13:15)
Wie bereitet man sich darauf vor?
[André Wiersig] (13:15 - 15:35)
Also ich schwimme zum Beispiel, wenn ich in meinem Training bin, absichtlich in Quallen rein. Ich lasse mich absichtlich von Quallen richtig stechen.
Also manchmal reibe ich mich auch richtig damit ein. Das tut mir genauso weh wie allen anderen. Aber es ist eine gute Gelegenheit, und so sehe ich das, einfach zu trainieren, wie man mit diesem Schmerzen von den Quallen, die tun ja wirklich höllisch weh, weiterschwimmen kann.
Und auch bei Hain, deswegen auch in dieser ZDF-Doku, die wir gemacht haben, wo ich da als erster Mensch mit Bullenhain geschwommen bin. Natürlich ohne Heilkäfig, ohne irgendwelchen Schutz und so weiter. Einfach um ein bisschen in Interaktion zu gehen mit denen und einfach ein besseres Verständnis für die Tiere zu bekommen.
Wie gehen denn die Tiere mit der Situation um, wenn da ein Mensch, kennen die natürlich überhaupt gar nicht, sagen wir mal einfach, es ist etwas, was sie vorher noch nie gesehen haben und auch gar nicht so richtig einordnen können. Und da muss ich ganz klar sagen, ich bin kein Meeresbiologe, kein Wissenschaftler, aber ich kann aus Erfahrung sagen, die Tiere haben uns sowieso in vielen Dingen ganz viele Sachen voraus. Vor allen Dingen haben die uns voraus, dass sie Neuen und Unbekannten gegenüber viel offener sind und offener begegnen, als wir das als Menschen tun.
Noch mal, diese absolute Dunkelheit. Ein Hai, ein Wal übrigens auch, Delfine auch, sehen nachts genauso schlecht wie wir Menschen. Also die sehen so gut wie nix.
Die haben natürlich, klar, bessere Sinnesorgane. Die bekommen schon mit, dass da etwas ist. Und nachts ist auch nicht so viel los im offenen Ozean.
Also das guckt man sich schon irgendwie an, wenn man da unterwegs ist, beispielsweise jetzt als Wal. Und ich hatte wirklich schon so eine Begegnung mitten in der Nacht zwischen zwei Hawaii-Inseln. Da ist es 2.000, 3.000 Meter tief. Und dann hast du auf einmal so einen Buckelwal. Das ist irgendwie, ja, Wale, da denkt man immer, ja, super, das sind ja unsere Kumpels oder so. Aber es ist in so einer Situation natürlich ganz schön speziell.
Und das kannst du auch nicht trainieren. Man kann ja keinen Termin vorher machen. Aber wie die Tiere dann reagieren.
Die kommen natürlich auch richtig nah ran, weil die halt auch so schlecht sehen. Also man wird auch in der Nacht zum Beispiel von irgendwelchen Weißspitzenhochseehaien dann angerampelt.
[Jennifer Knäble] (15:35 - 15:48)
Oh Gott, André. Also tschuldigung, ich habe wirklich eine Gänsehaut. Ich stelle mir diese Situation gerade vor.
Du hast gerade auch gesagt, du kannst das logischerweise nicht trainieren. Wie gehst du in so einen Moment? Hast du da Angst?
[André Wiersig] (15:48 - 16:41)
Nein, es ist irgendwie für Angst kein Raum. Also man macht sich natürlich im Vorfeld. Also wirklich, ich möchte jetzt nicht hier verstanden wissen, dass das jetzt Effekt Hascherei ist oder dass ich den Leuten irgendwie zeigen will, dass ich da so ein extra harter Typ bin oder so.
Es geht einfach darum, auch mal das Ego so zurück. Diese Annahmen, die wir haben, die ja oftmals irrational sind. Also wir stellen uns ja immer vor, dass wenn das und das passiert, was das dann nach sich zieht womöglich.
Das findet aber nur in unserem Kopf statt. Die Situation an sich in der Situation selbst ist dann eine ganz andere. Und da in der Situation zu sein, also Körper und Geist in diesem Moment zu haben, dann findet Angst nicht statt.
Also bei mir zumindest nicht. Und das ist auch übrigens wichtig, um mal beim Haibeispiel zu bleiben, tagsüber.
[Jennifer Knäble] (16:42 - 16:43)
Die dürfen das nicht merken, ne?
[André Wiersig] (16:44 - 17:09)
Ja, es ist auch eine gute Idee, wenn der Hai merkt, aber man kann ihm auch nichts vormachen, dass man auch wirklich keine Angst hat. Weil da braucht man jetzt gar nicht mit Haien um die Ecke zu kommen. Das hat man schon bei Hunden, bei Pferden, bei anderen Tieren hier, die uns so praktisch geläufig sind.
Da reagieren die auch ganz anders, wenn die spüren, dass da jemand gerade Panik hat. Panik ist immer ganz schlecht.
[Jennifer Knäble] (17:11 - 17:24)
Gab es eine Situation, die dich wirklich verunsichert hat? Also du hast eben gesagt, Angst hat da eigentlich keinen Raum. Aber gab es eine Situation vielleicht mal, die du beschreiben könntest, wo du echt gedacht hast, oh, das könnte jetzt irgendwie hier schief gehen?
[André Wiersig] (17:24 - 17:27)
Ja, da könnten wir zu Stunden...
[Jennifer Knäble] (17:27 - 17:28)
Machen wir einen neuen Podcast dazu.
[André Wiersig] (17:29 - 18:56)
Natürlich sind das diese Begegnungen, die sind auch schon speziell. Aber ich hatte auch Begegnungen mit Dingen, die halt eben nicht in den Ozean gehören. Ich bin nachts schon an irgendwelchen Bohrinseln vorbeigeschwommen.
Da hörst du diese, das ist einfach gespenstisch. Containerschiffe kreuzen da deinen Weg. Du hast diese Verwirbelung.
Du schwimmst irgendwie mitten in der Nacht gegen so eine Europalette oder in irgendwelche Plastiksachen rein. Kassierst irgendwelche hochgiftigen Quallen. Man hat da draußen einfach nichts verloren als Mensch.
Trotzdem wird man immer gut behandelt. Es ist nur, wenn ich da als Gast oder auch als Vertreter unserer Spezies unterwegs sein darf, ist es oftmals beschämend. Also ich schäme mich wirklich für uns alle.
Also was haben wir da für Spuren hinterlassen? Also nicht nur dieser Plastikmüll. Also man muss sich das kurz noch einmal als Zahl.
Über 11 Millionen Tonnen Plastikmüll immer noch jedes Jahr fließen in die Ozeane. Das ist ungefähr, wir hatten das mal, mein Mitarbeiter Jan hat das neulich mal total toll ausgerechnet. Das sind 110.000 Blauwale an Müll. Jedes Jahr. Ich hätte ganz ehrlich lieber die 110.000.
[Jennifer Knäble] (18:56 - 18:56)
Blauwale, die hätte ich auch lieber. Das stimmt.
[André Wiersig] (18:57 - 20:25)
Ja, das macht mich auch immer ganz emotional. Es ist fürchterlich. Ich habe ja dieses tolle Privileg, teilweise an den entlängsten Orten der Welt im Zuge meiner Meeresbotschafter-Tätigkeit sein zu dürfen.
Und überall, es ist einfach überall, überall ist das Zeug. Wie kann man in 100, 110 Jahren, länger ist das ganze Plastik noch gar nicht erfunden, länger gibt es das noch gar nicht. Wie kann man so einen Riesenorganismus, von dem wir ja abhängig sind als Menschen, wie kann man den in so kurzer Zeit so versauen?
Muss ich wirklich sagen. Versauen. Und es ist auch kein Hai da draußen unterwegs oder kein Wal, der nicht irgendwelche, einen Angelhaken, irgendwie ein Netz, irgendwie eine Angelschnur, irgendwelche Sachen mit sich rumschleppen muss.
Ich meine, die Tiere, die können sich das ja gar nicht aussuchen. Also bei dem Stichwort Demut, man muss sich halt da hinbegeben, man muss sich darauf einlassen. Und der Ozean ist ja leider so ein dankbarer Abnehmer.
Also wenn man da morgens da, wenn Trump da in seinem komischen Haus da in Florida im Garten steht und da rausguckt, dann sieht natürlich der Sonnenaufgang am nächsten Morgen sieht natürlich genauso toll aus wie vorher. Egal, was da am Abend da verklappt wurde. Und wenn man da so ein bisschen naiv ist, dann kann man sagen, boah, super.
Ich weiß gar nicht, was die alle wollen. Das ist doch Spitzenklasse. Es ist leider nicht.
[Jennifer Knäble] (20:25 - 20:34)
Du hast ja auch gerade gesagt, deine Tätigkeit als Botschafter. Wie genau sieht die aus? Du bist ja überall auf der Welt unterwegs.
Was ist deine Mission?
[André Wiersig] (20:36 - 22:49)
Ja, ich bringe, so verrückt sich das anhört, der eine oder andere will das mit dem Kopf schütteln oder schmunzeln, aber ich bringe den Leuten das Meer näher. Und das ist entwachsen. Ich mache das gar nicht, weil ich das will oder mir das als Aufgabe gesetzt habe.
Die Leute haben das so aufgenommen. Es ist einfach ein Fakt, dass Menschen, die irrwitzigerweise am Ozean leben, vom Ozean leben, genau die sind, die sich am weitesten vom Ozean entfernt haben. Und da ich das ja so direkt erlebe, praktisch da total fusioniere mit dem Meer, kann ich natürlich diese Emotionen reinbringen als derjenige, der das Meer erlebt.
Ich arbeite mittlerweile auch Hand in Hand mit führenden Wissenschaftlern, Forschern usw. zusammen. Auch mit Versuchen, natürlich Einfluss zu üben auf politische Vertreter.
Und bringe halt diese Emotionen da rein. Und diese Emotionen praktisch, dieses Erlebte, eben genau die Herausforderungen, von denen wir immer nur lesen. Klimawandel, Überfischung, Ansteigen der Meeresspiegel usw.
Da gibt es einfach so viele Faktoren. Vermüllung natürlich. Wie erlebt man das?
Und da Wale, Haie, Quallen nicht reden können und der Ozean ja auch keine Stimme hat, bin ich halt eine Stimme des Ozeans. Ich sitze dann da, wie erst neulich bei der Zeitstiftung, wo auch Vertreter von verschiedenen Ländern, von 46 verschiedenen Nationen da waren, ich spreche dann als Ozean. Und der Ozean, dem interessiert das einfach nicht, wo der Müll gerade herkommt.
Das ist mir völlig egal. China, so kenne ich alles überhaupt nicht. Das interessiert mich nicht.
Weil ich bin ja schon viel länger da. Also ihr als Menschen habt euch das ja ausgedacht, dass das jetzt hier die Grenze von China ist. Das ist ein Witz.
Für mich als Ozean ist das sowieso, weil das nur die ganze Menschheit ist, nur eine einzige Schrecksekunde für mich. Aber ihr würdet schon gut daran tun, mich gut zu behandeln.
[Jennifer Knäble] (22:50 - 23:07)
André, du hast eine Frau, drei Kinder. Wie haben die das erste Mal drauf reagiert, als du gesagt hast, ich bin da mal weg. Ich schwimme übrigens an den gefährlichsten Orten dieser Welt.
Ich wäre jetzt als Frau, ich hätte gesagt großen Respekt, aber ich würde jetzt nicht aus der Torte hüpfen.
[André Wiersig] (23:08 - 25:01)
Nein, aber es ist natürlich auch irgendwie entstanden. Das ist ein längerer Prozess gewesen. Meine Familie hat immer dahinter gestanden, in der Sache selbst.
Das ist mir auch zentral wichtig. Also wenn das nicht so wäre, dann würde ich das auch nicht machen. Also wenn jemand da solche ernsthaften Bedenken hätte, sich solche Sorgen machen würde, dann würde ich das nicht tun.
Da geht meine Verantwortung meiner Familie und die Liebe meiner Familie gegenüber ist auch dann deutlich größer. Ich bin mir schon bewusst, dass ich auch als Vater, als Ehemann, als Teil dieser Familie gebraucht werde. Aber der Weg dahin, was das alles mit sich bringt, da gibt es natürlich auch Sachen, wo wir dann deutlich anderer Meinung sind und wo es auch mal richtige Schwierigkeiten gab.
Meine Frau gerade ist natürlich nicht mit allem so einverstanden, was ich mache. Ich habe meinen Job aufgegeben. Ich versuche nur noch das zu machen und davon natürlich auch irgendwie zu leben.
Man muss entsprechend auch oft, man muss vielleicht nicht, aber ich mache es, in massive Vorleistung gehen, Unabhängigkeit bewahren. Ich habe natürlich schon die ein oder andere Firma, mit der ich mal zusammenarbeite. Aber ich bin jetzt nicht hier der Typ, der mit so einer Mütze rumläuft, auf der irgendwelche Logos stehen und das irgendwie zu einem Sport erhebe.
Weil es ist einfach wichtig, gerade wenn man auf diesem politischen Ebenen unterwegs ist, dann muss man absolut Klartext reden. Man braucht Leute, die einfach komplett für die Sache stehen und nicht in irgendwelchen Abhängigkeiten stecken. Klar stecken wir alle in irgendwelchen Abhängigkeiten.
Auch ich muss meine Rechnung bezahlen, aber man muss einfach für den Ozean sprechen und da gibt es keine Labels.
[Jennifer Knäble] (25:02 - 25:28)
Ich würde mit dir gerne über das Thema Willensstärke sprechen. Die Nordsee, haben wir ja schon eben im Vorgespräch festgestellt, lieben wir beide sehr. Und da hast du zu mir gesagt, Jenny, die Nordsee heißt auch Mordsee.
Vielleicht kannst du mal erklären unseren Zuhörerinnen und Zuhörern, was ist das Tückische? Und ich meine, da warst du ja auch schon unterwegs. Was ist das Tückische an der Nordsee?
Warum ist das da so gefährlich?
[André Wiersig] (25:30 - 25:44)
Ja, die Nordsee, gerade die Deutsche Bucht, ist eines der gefährlichsten Seegebiete der Welt. Also das ist Fakt. Und man muss sich das so in meiner...
Ich erzähle das mal so aus meiner...
[Jennifer Knäble] (25:45 - 25:46)
Kein anderer hat das je erlebt.
[André Wiersig] (25:46 - 25:51)
Jeder Forscher wird jetzt wahrscheinlich die Hände über den Kopf zusammen.
Aber es ist mir jetzt auch egal, weil die schwimmen ja nicht da rum.
[Jennifer Knäble] (25:51 - 25:52)
Die sind nicht geschwommen, nein.
[André Wiersig] (25:53 - 27:56)
Es ist eigentlich wie eine Flusslandschaft, die sich in einer ständigen Veränderung befindet. Und auch diese Schiffe, die wir auch nutzen, um beispielsweise nach Heligoland zu fahren oder Inseln zu erreichen, die die Containerschiffe nutzen, um Waren zu transportieren usw. Da gibt es nur diese Fahrrinnen, die auch nur bei Ebbe gerade so tief sind, dass da gerade so ein Schiff teilweise noch nicht mal voll beladen durchfahren kann.
Und deswegen, weil die Deutsche Bucht auch diese geringe Durchschnittstiefe hat, die liegt so rund bei 16 Metern im Durchschnitt, deswegen hat man diesen massiven Einfluss von Ebbe und Flut, das Wattenmeer, was auch ein tolles... Also es ist einfach toll, ja, das Wattenmeer. Lebensraum für viele Arten, Nationalpark usw.
Und genau diese Strömungen machen es einfach so tückisch. Und je flacher das Gewässer ist, desto stärker ist der Einfluss von Wind. Und deswegen kann da wirklich von ein auf die andere Stunde, kann da richtig jeder, der schon mal an der Nordsee war, kennt das, dann geht da richtig die Post ab.
Und wer das vorne am Strand erlebt hat, der kann sich dann vielleicht ungefähr vorstellen, was da draußen passiert. Also das ist einfach ein Wahnsinn. Und weil diese Sedimente auch durch diese Gezeiten und diese massiven Einflüsse so stark bewegt werden, hat man da zum Beispiel auch ganze Sandbänke von mehreren hundert Meter Länge, die zwei Wochen später komplett woanders sind.
Also es ist einfach absoluter Wahnsinn. Aber jetzt mal kurz... Ich liebe die Nordsee einfach, ja.
Da, wo die Nordsee... Deswegen kann ich jedem, der das gerade hört, auch nur mal wirklich ans Herz legen, ja. Fahrt wirklich mal Sylt und so, das ist alles fantastisch und toll, aber fahrt mal nach Helgoland, bleibt da über Nacht, ja.
Das ist die Nordsee. Da draußen, da ist das Wasser auch klar. Wer im Sommer schon mal auf Helgoland war, da an der Düne, da gibt es so einen Strandabschnitt, gut behütet von der DLRG.
Da kann man auch mal ins Wasser gehen. Das ist einfach die richtige Nordsee. Die ist einfach richtig so roh und da gibt es diese Robben und so.
Es ist einfach toll.
[Jennifer Knäble] (27:56 - 28:19)
Ich liebe es einfach, André. Wenn du anfängst zu erzählen, man merkt, wie viel Leidenschaft und wie viel Herz in diesem Thema ist. Was ich spannend finde bei dem Thema, du hast gesagt, die Nordsee, das Gefährliche oder was so tricky ist, ist, wenn man quasi hier oben schwimmt, ist das die eine Sache.
Dann ist aber quasi so eine Unterströmung, die ganz anders sein kann. Du hast gesagt, wenn du da reingerätst, falsch, bist du weg.
[André Wiersig] (28:20 - 29:45)
Genau, ich bin ja letztes Jahr durch das Vortrapptief geschwommen, als erster Mensch. Die Meerenge zwischen Sylt und Amrum. Südspitze von Hörnum, wer schon mal auf Sylt war, kennt das vielleicht.
Da muss man wirklich, da würde ich als Normalmensch wirklich nicht ins Wasser, das würde ich niemandem empfehlen. Das ist wirklich super gefährlich. Dort sind die Strömungen, weil das Vortrapptief ist, der Hauptpriel, der hat auch eine Tiefe von rund 40 Metern, was im Verhältnis, ich hatte gerade 16 Meter Durchschnittstiefe, ist sehr tief.
Und dieser Hauptpriel, dieses Vortrapptief, versorgt praktisch, da läuft das gesamte Wasser durch. Also hinten, die ganzen Inseln Föhr, Langeneß und so weiter, das ganze Wasser läuft durch dieses Vortrapptief. Das steht pro Periode, Tidenperiode, nur für 20 Minuten still und hat Fließgeschwindigkeiten an der Oberfläche von 7, 8, 9 Kilometer pro Stunde und teilweise unten von 17 Kilometer pro Stunde.
Wer schon mal an der Nordsee war und vielleicht von Land aus gesehen hat, dass es manchmal so aussieht, als wenn das Wasser so kocht, zu kleinen Wellen, da hat man eine Unterströmung. Und da zu schwimmen, das ist wirklich gruselig. Das ist absolut lebensgefährlich.
Da muss man wirklich extrem aufpassen, super erfahren sein, gutes Team dabei haben und wenn man da wirklich in so eine Unterströmung kommt und da runtergedrückt wird, bist du einfach weg. Und dann findet dich auch keiner mehr. Da können die mit dem Boot gleich wieder nach Hause fahren.
[Jennifer Knäble] (29:45 - 30:17)
Das heißt, du hast gesagt, man muss quasi oben bleiben und da würde ich gerne ansetzen beim Thema Willensstärke. Also das wissend, ich darf eigentlich nicht runter und ich schwimme aber, keine Ahnung, schon eine geraume Zeit, vielleicht auch, bin ich mit meinen Kräften fast am Ende. Was hat dich immer wieder angetrieben oder wie mobilisierst du die letzten Ressourcen, um zu sagen, das muss jetzt weitergehen, weil wenn ich jetzt hier runtergehe, dann war es das.
Weil ich sag mal, wenn man nicht mehr kann, kann man ja nicht mehr.
[André Wiersig] (30:17 - 32:40)
Ja, aber genau, da fängt es ja an. Wie oft wir in unserem Wortschatz dieses Ich-kann-nicht-mehr benutzen, das ist ja einfach völlig abgenutzt. Ich-kann-nicht-mehr ist ja, da ist noch gar nichts passiert.
Also bevor man wirklich nicht mehr kann, dahinter, hinter Ich-kann-nicht-mehr, ich habe so einen Hunger, mir ist so kalt, keine Ahnung, ist noch ein Feld, das ist so weit. Und da muss man sich halt auch mal reinwagen, diese Komfortzone mal wirklich verlassen und einfach die Grenzen für sich mal rausschieben und auch mal neu definieren. Und nochmal, ich bin kein Übermensch oder sowas, ja, vielleicht bin ich in der einen oder anderen Sache mental ein bisschen aufgestellter als andere, aber das ist auch eine Entwicklung.
Aber sich einfach mal selbst, und wir leben hier alle, also ich sage bewusst wir, ich schließe mich da voll mit ein, wir leben hier in dieser Komfortzone, die wir hier um uns herum erschaffen haben, und sich da mal selbst rauszuholen, bevor man rausgeholt wird, durch äußere Einflüsse, das kann uns ja auch allen passieren, aber sich selbst da mal rauszuholen und sich da mal ein bisschen auszuprobieren, sich mal in diesem Feld mal zu bewegen, das ist einfach eine gute Idee, ja. Einfach mal Jacke zu Hause lassen, einfach mal die Dusche auf kalt drehen, einfach mal irgendwie mal länger zu Fuß gehen, einfach mal auf eine Mahlzeit verzichten, auf dieses ganze, ja, womit wir so, und dann lernt man die Dinge auch wieder neu zu schätzen, das ist doch alles immer so selbstverständlich geworden.
Da bin ich wieder bei diesem Entfremdung, also Entfremdung nicht nur anderen gegenüber, sondern auch mir selbst gegenüber. Ich sage immer so, Vorfahren von uns, von vor 100, 150 Jahren, die würden sich doch todlachen über uns, also wann, wann haben die mal ausgeschlafen, wann hatten die trockene Kleidung an, wann waren die mal richtig satt, wann waren die mal richtig sicher und haben mit beiden Augen zu irgendwie geschlafen, wann kamen diese ganzen Dinge zusammen, das war so gut wie nie der Fall. Und deswegen, wir leben doch hier in einem absolut tollen Umfeld, immer noch, trotz aller Krisen und Herausforderungen, in denen wir zweifellos stecken, aber im Bewusstsein dieser Situation, in der wir drin sind, kann man ja, dann sollte man doch Energie da rausholen, statt dann im Umkehrschluss, was wir jetzt auch gerade erleben, in diese Gelähmtheit zu kommen.
[Jennifer Knäble] (32:41 - 32:55)
Gibt es körperliche in Anführungszeichen Tricks, die du anwendest, in Extremsituationen, also keine Ahnung, gibt es irgendeine Atemtechnik, die du vorher machst, um runterzukommen, wenn du aufgeregt bist, falls du aufgeregt bist?
[André Wiersig] (32:55 - 33:24)
Ja, da haben ja Leute, wie keine Ahnung wie viele Bücher darüber geschrieben, also allen voran hier Wim Hof, also nichts gegen Wim, aber du musst jetzt da nicht acht Bücher lesen und da irgendwie so einen Alarm machen mit Atemübungen und so weiter, also das ist alles. Man muss einfach machen, wirklich, im kalten Wasser, da arbeitest du ganz von alleine. Man muss aber mal ruhig bleiben, ruhig bleiben, einfach mal ruhig bleiben, sind glaube ich vier Wörter, und einfach machen sind zwei Wörter und so einfach ist das alles.
[Jennifer Knäble] (33:24 - 33:45)
Aber muss man es stückweise machen? Man sieht das ja häufig auf Social Media von den berühmten Eistonnen, wie sich Leute da so langsam rantasten, ich sage mal so das erste Mal ist es der Zeh, dann ist es der Fuß und dann arbeitet man sich so Stück für Stück da rein, weil das ja doch, ich sage mal so ein wirklich eiskaltes Wasser, wenn man das nicht trainiert hat, schon was mit dir auch macht.
[André Wiersig] (33:45 - 35:42)
Nein, nein, zweifellos. Also ich sage jetzt nicht, dass man jetzt einfach da reinspringen soll und irgendwie alle Signale des Körpers gerade, die es natürlich gibt, die auch ihre Bewandtes haben, ich meine, das ist ja durch die Evolution auch so eingerichtet, um uns zu beschützen, vor Gefahren. Und Kälte ist natürlich eine Gefahr, die in letzter Konsequenz natürlich auch zum Tod führen kann.
Aber ich, wir brauchen uns aber darüber jetzt gar nicht, dafür wird viel zu viel geschrieben. Die Leute sind einfach zu beschützt. Ich meine, ein ganz kurzes Beispiel.
Ich war jetzt dieses Jahr das erste Mal in meinem Leben im Februar in Norwegen. Ein Freund von mir hat da so ein Haus, hat mich schon ein paar Mal eingeladen, habe ich aber nie. Diesmal war ich da.
Es war einfach toll. Minus 17 Grad. Niemand, niemand in den zwei Wochen, wo ich da war, habe ich gesehen, der so eine Kanada- Goosejacke anhatte.
Ich habe keinen einzigen Hund gesehen, und ich rede nicht nur von Huskys, der so einen Mantel anhatte. Die waren alle bestens drauf, bei minus 17 Grad. Und wenn ich dann hier gucke, wenn ich durch München oder was der Teufel laufe, bei 14 Grad, Nieselregen, da rennen die alle rum wie Shackleton oder Amundsen.
Nein, Amundsen und Shackleton hätten sich wahrscheinlich zwei Finger abgehackt, wenn die einmal so eine Jacke hätten anziehen dürfen. Und die Hunde haben da irgendwelche, keine Ahnung, was für Klamotten an. Das ist doch alles projiziert von den Leuten sogar auf die Tiere.
Kein Hund hat doch Bock darauf, mit so einer Jacke da rumzurennen. Also wir haben uns einfach da irgendwie hinentwickelt, und leider sehe ich da bis dato überhaupt noch kein Ende. Aber frage mich dann trotzdem, wo soll das denn alles noch hinführen?
Und das färbt natürlich auch ab. Das färbt auch ab auf die Kinder gerade, auf die Jugend. Dieses Überbeschützte, dieses mein Gott, mal ein bisschen mehr ja auch loslassen und sich ein, also ich bin wieder immer bei diesem Thema, sich drauf einzulassen.
[Jennifer Knäble] (35:42 - 36:25)
Du bist ja auch viel aktiv in Schulen. Versuchst, ich sag mal so, der Next Generation auch das Thema There is no Planet B näher zu bringen. Wie sind deine Erfahrungen?
Haben die Kinder das schon verinnerlicht? Also ich weiß zum Beispiel, als ich noch klein war, Mülltrennung, das gab es da irgendwie noch gar nicht. Das war so, das hat der ein oder andere mal irgendwie gemacht, weil er es selber gut fand.
Aber das gab es, das war ja nicht salonfähig. Das gab es in dem Stil nicht. Irgendwann kam das so, das macht man jetzt.
Dann hat der ein oder andere auch verstanden, oh ja, das sind meine Kinder heute, trennen total selbstverständlich Müll. Also hast du schon gemerkt, dass die ein anderes Denken haben? Oder ist es gerade schon wieder das Gegenteil, dass du sagst, da ist vieles auch schon wieder egal?
[André Wiersig] (36:26 - 38:46)
Ja, ich erlebe, es ist geteilt durchaus. Es gibt natürlich immer, aber da muss man ja gar nicht so auf die Kinder gucken, auch um Erwachsene Dasein, sondern es gibt einfach immer Leute, die sind ja auch unbelehrbar. Da habe ich am Anfang auch mal versucht, da habe ich besonders viel Energie reingesteckt.
Mittlerweile bin ich so, dass ich da überhaupt keine Energie mehr reinstecke. Die sind sowieso nicht, ich will ja auch niemanden therapieren, aber die kann man, es ist besser einfach, sich auf die zu konzentrieren, die offen sind, die zuhören und die das ein oder andere schon verstanden haben. Und ich habe auch gar keine Lust, Leuten zu erklären, dass es ja sinnvoll ist, den Müll zu trennen, weil das sollte ja jeder halbwegs intelligente Mensch irgendwie verstanden haben.
Egal, wenn ich den Müll abgebe und die Verantwortung dann ja sozusagen abgebe an die Recycling- Gesellschaft oder die Firma oder was auch immer, dann habe ich natürlich keinen Einfluss mehr. Aber ich habe doch erstmal Einfluss darauf und auch ein besseres Gefühl, wenn ich einfach vernünftig, sorgsam schon bevor ich diesen Müll beim Einkaufen, was auch immer und mich da auch mal so ein bisschen, also immer grundsätzlich bei mir selber anfange. Und das ist irgendwie, bei den Kindern beobachte ich das auch.
Was ich aber sagen kann in der Zusammenarbeit mit Kindern und Jugendlichen, ich arbeite ja auch durchaus mit Kindern und Jugendlichen, die noch nicht mal irgendwie unsere Sprache sprechen, aber auch kein Englisch. Auf Fiji war ich da auch in der Schule. Die Kinder sind einfach offen.
Die Kinder gucken sich sehr, sehr genau an, wie Erwachsene auftreten und was die machen und die merken sofort, ob du echt bist. Die wissen sofort, egal, auch wenn die gar nicht deine Sprache sprechen, ganz kleine Kinder, die noch gar nicht sprechen, können auch. Die wissen sofort, was los ist.
Die wissen sofort, ob du authentisch bist, echt bist oder ob du da nur einen erzählst. Und in meiner Wahrnehmung sind viele Erwachsene, die erzählen einfach viel zu viel. Ja, die normal, ich wiederhole mich, Anspruchsdenken an andere, was andere alles machen müssen, dann wird praktisch in diese Opferrolle gegangen, ach, der und der ist schuld und die Gesellschaft ist schuld und die Politik ist schuld.
Aber nein, man sollte halt bei sich anfangen. Man sollte bei sich anfangen. Es macht einfach auch ein besseres Gefühl.
Wir können sowieso die Welt nicht retten als einzelne Personen, aber es ist einfach ein schöneres, besseres Gefühl, wenn man irgendwie was Gutes macht.
[Jennifer Knäble] (38:48 - 38:58)
Was war, André, das schönste Erlebnis für dich im Ozean? Gab es einen Moment, wo du wirklich pures Glück empfunden hast?
[André Wiersig] (38:59 - 39:00)
Ja, ganz oft habe ich das.
[Jennifer Knäble] (39:01 - 39:02)
Sag mal eine Situation.
[André Wiersig] (39:03 - 39:39)
Das Schönste ist einfach, wenn man das ist natürlich auch ein Trugschluss, leider, aber trotzdem ist es schön, sich so darauf einzulassen, wenn man auch meint, oder wenn man das Gefühl hat, auch dazu zu gehören. Ich bin mal auf Mallorca gewesen, im Winter auch, geschwommen, ganz alleine, und da waren Barracudas. Es gibt echt Barracudas auf Mallorca.
Im Sommer habe ich die aber nie gesehen. Es sind sowieso immer viel coolere Tiere im Winter da, als wenn die wissen, wo im Sommer kein Bock ist, ich hau ab.
[Jennifer Knäble] (39:39 - 39:41)
Zu viel Tourismus. Wir kommen off-season.
[André Wiersig] (39:43 - 40:20)
Ich bin da geschwommen, bei Es Trenc, da hinten, eine tolle Ecke, Glaswasser, weiße Sandstrände, man sieht sogar den Grund, zehn Meter tief oder so, und dann diese Barracudas da. Ich habe jetzt nicht genau durchgezählt, aber es waren so fünf, sechs Stück. Und die sind so seitlich von mir gewesen, und wir sind so mitgeschwommen, sozusagen.
Und dann habe ich irgendwie gemerkt, dass die mich so benutzt haben, als wenn ich kleinere Fische aufgescheucht habe, dann haben die da rumgejagt. Also war ich Teil dieser Gruppe.
[Jennifer Knäble] (40:20 - 40:21)
Der Barracuda-Crew.
[André Wiersig] (40:21 - 40:47)
Das war einfach super. Ich hatte auch das gleiche Erlebnis schon mal auf Hawaii mit einer Schildkröte. Ich mache mir manchmal so einen Spaß, weil es auch dann langweilig ist manchmal, wenn ich dann so rumschwimme, und meistens passiert ja auch nichts, aber wenn dann mal so Delfine sind oder Schildkröten oder so, dann mache ich das auch mal so nach, was die so machen.
Wenn die sich dann so drehen, dann drehe ich mich auch. Also mit meinen beschränkten Möglichkeiten natürlich.
[Jennifer Knäble] (40:47 - 40:47)
Wurdest du adoptiert?
[André Wiersig] (40:48 - 41:14)
Genau, und diese Schildkröte zum Beispiel, die hat dann auf mich gewartet. Wir waren da richtig zweieinhalb Stunden zusammen. Und das hatte ich mit Delfinen auch schon mal.
Das ist einfach schon mehrfach. Das ist toll. Man wird dann so richtig akzeptiert.
Und man hat dann irgendwie das Gefühl, man gehört da. Man ist so ein Teil davon. Aber das stimmt natürlich nicht.
Für den Moment.
[Jennifer Knäble] (41:14 - 41:46)
Für den Moment. Und André, wenn du dann nach so einem Moment irgendwann wieder rauskommst aus dem Wasser, mit dem, was du erlebt hast. Das sind ja ganz andere Sphären.
Da müssen wir uns ja nichts vormachen. Das kann man sich ja gar nicht vorstellen, wenn man das nicht erlebt hat. Wie ist dann der Ablauf?
Ziehst du dann deine Taucherbrille aus? Und dann ist irgendwie Business as usual. Dann gehst du nach Hause.
Braucht man da einen Moment, um irgendwie runterzukommen? Gibt es da ein Ritual? Oder was machst du immer als erstes?
Bist du dann sofort wieder, okay, jetzt weiter?
[André Wiersig] (41:47 - 41:57)
Ich hab das mittlerweile auch, ich hab mir da echt professionelle Hilfe auch geholt. Ich werde mich auch schon angesprochen. Auch in der Beziehung mit meiner Frau und so weiter.
Ich hab mich auch schon ein paar Mal da verloren. Da draußen.
[Jennifer Knäble] (41:58 - 41:59)
Was heißt das, verloren?
[André Wiersig] (42:00 - 44:29)
Wenn man dann wieder zurück nach Hause kommt und solche Erlebnisse hatte, dann ist die Geschirrspülmaschine kaputt oder so. Ja, mein Gott. Dann kannst du da nicht umschalten.
Das ist doch völlig unwichtig. Aber es ist natürlich wichtig. Du musst dann irgendwie irgendwelche Sachen machen, die im normalen Zusammenleben, in der Partnerschaft, dazugehören.
Aber dann ist man immer noch auf einer anderen Ebene unterwegs. Gar nicht auf einer besseren. Das will ich gar nicht damit sagen.
Um Gottes will ich sagen, dass die Leute, die jetzt nicht das machen und die in ihrer Welt hier bei uns sind, dass die jetzt weniger Mittel haben oder beschränkter sind. Aber es ist schwierig, dann zurückzukommen. Das war mir auch ein paar Mal fast zum Verhängnis in unserer Beziehung mit meiner Frau Beate geworden.
Ich habe da echt auch Riesenfehler gemacht. Mittlerweile gute Methodiken entwickelt, auch mit Hilfe, dass ich da ganz gut zurecht komme. Aber nein, es gibt keine Rituale.
Man hat ja auch nicht dieses wie man das so kennt von einem Marathon oder so. Durchs Ziel, und dann klatschen alle, und dann gibt es eine Medaille oder ein T-Shirt. Das ist ja alles nicht so.
Gerade ich mache das ja schon so lange. Mittlerweile ist ja Oceans Seven, es sind sogar drei Deutsche, die Nathalie Pohl hier aus Frankfurt, glaube ich, und Andreas Waschburger, der ist auch super schnell, der ist schon viel besser und viel schneller als ich. Es sind sogar drei Deutsche, es wird ja immer mehr Leute, die das machen, diese Oceans Seven beispielsweise.
Als ich das angefangen hab, da hat sich überhaupt keine Sau dafür interessiert. Gerade in Paderborn, ich wohne in Paderborn, da war ich immer nur der Irre. Und dann kommst du zurück und bist dann halt verändert natürlich, weil halt eben, das ist ja meine Natur, auch das Einlassende.
Und dann bist du wieder in diesem normalen Leben und musst dich natürlich dann, musst natürlich nicht, aber tu es gut daran, dich auch da wieder zurechtzufinden. Ohne dieses normale Leben bin ich ja auch nicht glücklich. Ich möchte ja nicht ohne meine Familie sein.
Also jetzt auch hier mit dir hier zu sitzen, ist einfach ja auch schön. Ich will jetzt auch nicht nur da als einsamer Seewolf auf einsamer Insel sitzen.
[Jennifer Knäble] (44:29 - 44:52)
Wie trainiert man für dieses Extremschwimmen? Du hast vorhin mal kurz erzählt, du hast diese Quallen, mit denen du dich einfach mal einreibst, um diesen Schmerz zu spüren. Trainierst du deine Muskeln?
Wie hast du eine Gegenschwimmanlage? Bist du der Erste jeden Morgen im Schwimmbad? Also das ist ja auch eine Muskelkraft, die man haben muss.
[André Wiersig] (44:52 - 45:04)
Ja, ich weiß, auch wenn die meisten nur Kopfschütteln oder gerade die vorher benannten Mitschwimmer, die trainieren natürlich alle wie die Irren und keine Ahnung. Aber die sind ja auch immer noch so jung.
[Jennifer Knäble] (45:05 - 45:06)
Ja, aber also umso mehr.
[André Wiersig] (45:06 - 45:07)
Ich schwimme so gut wie gar nicht.
[Jennifer Knäble] (45:09 - 45:09)
Wirklich?
[André Wiersig] (45:09 - 46:15)
Ja, ich muss gar nicht so viel.
Ich schwimme ganz selten. Ich brauche im Halbenwetter gar nicht großartig rumzuschwimmen. Das hat ja mit dem Schwimmen im offenen Ozean und diesem Einlassen auch irgendwie gar nichts zu tun.
Ich trainiere natürlich, ich mache auch nicht gerade wenig. Ich mache Krafttraining. Ich bin 53 Jahre alt.
Ich bin natürlich ganz schön verschlissen. Ich muss natürlich irgendwie gucken, dass ich gesund bleibe. Flexibility, also so Bewegungsfreiheit ist wichtig.
Ja, also da zu trainieren, Krafttraining zu machen. Ich mache jetzt ein paar neue Reize. Ich mache gerade dieses Hyrox.
Ja, ganz was anderes. Um mal irgendwie so einen krassen Gegensatz zu haben, um so ein bisschen auch mal in diesen höheren Intensitätsbereich reinzukommen. Ich fahre viel Fahrrad, ich laufe auch.
Krafttraining ist natürlich ganz wichtig. Natürlich schwimme ich auch. Aber ich muss da jetzt nicht jeden Tag oder dreimal, viermal in der Woche dann da irgendwie bunten Schwimmprogramme.
Das bringt auch nichts. Aber die anderen machen das halt, weil sie es lieben und weil sie auch noch jünger sind und es irgendwie, ich will nicht sagen, nur nicht so verstanden haben, aber in dem Alter hätte ich das auch alles so gemacht.
[Jennifer Knäble] (46:15 - 46:16)
Aber umso krasser, dass du das so machst.
[André Wiersig] (46:16 - 46:18)
Die machen das auch, um sich zu beruhigen. Ich bin ja schon ganz ruhig.
[Jennifer Knäble] (46:21 - 46:56)
Es gibt Psychologen, André, die sagen, dass Leute, die so ganz extreme Ziele haben und die dann auch erreicht haben, dass die quasi an so einem Peak sind. Und wenn sie das dann haben, dann fallen die so hinten runter. Oft auch bei einer Hochzeit.
Also auch was aus dem ganz normalen Leben. Oder man hat auch immer den Traumjob und dann ist er da und dann ist es irgendwie, kommt nichts mehr. Dass die dann ganz unglücklich werden.
Wie ist es bei dir nach? Du hast ja auch wirklich die krassesten Sachen gemacht. Hast du danach ein Gefühl von unglücklich sein gehabt oder von Glück sein?
Oder warst du neutral? Nimm uns mal mit.
[André Wiersig] (46:57 - 49:46)
Ja, das ist etwas, worüber ich auch in den Vorträgen spreche, die ich da vor Firmen halte und über die ich größtenteils auch meine ganze Sache hier finanziere. Da kennt man das ja auch aus so Projektgeschäften. Wenn das Geschäft abgeschlossen ist, dass die Leute dann praktisch in so ein Loch fallen.
Und das habe ich überhaupt nicht. Und ich habe das jetzt auch nicht irgendwie als Methodik für mich ausgearbeitet. Das hat sich auch ergeben.
Als Ergebnis dieser vielen Jahre. Der Schlüssel ist, dass als Mission und sich selber, das ist jetzt nur ein Wort, aber da draußen ist ja auch Purpose. Aber da ist wirklich was dran.
Aber man kann das nicht künstlich erheben. Man muss das wirklich leben. Aber eine Mission unterscheidet sich massiv alleine darin, dass man innerhalb einer Mission nur ein Teil von etwas ist.
Und eine Mission ist entsprechend auch langfristig angelegt und dient auch einem Zweck. Und der Zweck, wenn der Zweck natürlich ist, ich als Ego, ich als Einzelperson will das und das erreichen in der und der Zeit, dann ist das natürlich sehr spitz und sehr stark limitiert. Aber wenn man das als etwas Größeres aufzieht und das ist in meinem Fall absolut so.
Ich bin ein Teil dieser Mission und da spielen so viele Leute mit rein. Was das mit so vielen Leuten macht, alleine die Leute, die mir nahestehen, mein Schwager Jürgen und so weiter. Dieses Seychellenprojekt jetzt als nächstes.
Also ich muss nicht diese 53 Kilometer durch den Indischen Ozean schwimmen für mein Ego. Mir ist das echt total scheißegal. Das bedeutet mir gar nichts.
Aber diese Mission, was das mit den Leuten macht, auf den Seychellen, mit meinem Team, Jürgen, der freut sich da schon drauf, die ganze Mannschaft. Ich nehme ja auch die ganze Kohle und nehme dieses ganze Team mit und das bezahle natürlich alles ich und so weiter. Und auf den Seychellen selber, die Leute, das ist für die so wichtig, man kann sich das gar nicht vorstellen.
Und das ist vielleicht auch das, woraus man dann die Kraft schöpft, dann in solchen Situationen, die du vorhin angesprochen hast, auch weiterzumachen. Das Ego dann zurückzustellen und sich selber als einen Teil dieser Mission zu sehen, auch als Initiator. Das ist natürlich nicht unwichtig.
Aufgrund meiner Initiative sind dann ja alle da. Aber man kann Momente schaffen, deswegen ist auch das, was ich mache, immer für mich wichtiger gewesen als Geld. Weil man kann Situationen erschaffen, die sind mit Geld nirgends aufzuwiegen.
Das ist was ganz Besonderes.
[Jennifer Knäble] (49:46 - 50:01)
Wie gehst du, ich erlebe dich ja als einen unfassbar positiven Menschen, der immer nach vorne schaut. Und wir kannten uns jetzt vorher nicht, muss man dazu sagen, André. Wie gehst du persönlich mit Niederlagen, wenn vielleicht mal was nicht so klappt wie geplant?
[André Wiersig] (50:02 - 50:09)
Ich hatte schon so viele Niederlagen, das kann ich dir gar nicht beschreiben. Ich habe schon viel öfters in meinem Leben verloren als gewonnen.
[Jennifer Knäble] (50:11 - 50:13)
Was ist der Trick, da immer wieder aufzustehen?
[André Wiersig] (50:14 - 51:42)
Was heißt aufzustehen? Damit fängt es doch schon an. Wenn man sich bei einer Niederlage am Boden sieht und meint, dann aufstehen zu müssen, ja, keine Ahnung.
Dann wäre ich ja nur noch am Boden. Ich habe damals, um mal ganz plakativ ein Beispiel zu bringen, beim Schwimmen oder beim Fahrradfahren. Man bereitet sich bestmöglich vor mit seinen Möglichkeiten, Triathlon.
Und dann ist da einer, der da volles Rohr an dir vorbeizieht. Also der dich völlig abschmettert. Dann bin ich jemand, ich halte mich jetzt zumindest nicht für total dumm oder dämlich oder ich rede mir das auch nicht schön, aber ich habe die Leute teilweise auch noch angefeuert.
Ich finde das einfach absolut abgefahren, dass einer noch so viel besser ist. Das ist doch irgendwie toll. Eine Niederlage ist für mich, wenn ich nicht alles gegeben hätte.
Also wenn ich, dann fühle ich mich auch wirklich schlecht und dann muss ich das auch aufarbeiten und da wirklich dran arbeiten, wenn ich irgendwie weiß, okay, ich brauche jetzt Glück oder ich brauche irgendwie Faktoren, weil ich nicht alles reingelegt habe, was ich irgendwie einbringen kann. Aber ansonsten ist das doch irgendwie toll, wenn andere Leute besser sind oder wenn man mal, ich bin oftmals viel lieber 16ter geworden als irgendwie bei so einem Dorfwettkampf irgendwie Erster mit Abstand. Das kann man doch irgendwie gar nicht genießen dann.
[Jennifer Knäble] (51:42 - 51:45)
Bist du auch jemand, der lieber schenkt als Geschenke bekommt?
[André Wiersig] (51:47 - 51:49)
Ja, das ist mal eine Riesenfreude.
[Jennifer Knäble] (51:49 - 51:53)
So bin ich nämlich auch. Ich verschenke viel lieber an Weihnachten und freue mich mehr.
[André Wiersig] (51:53 - 52:30)
Ich habe auch immer so viele Ideen für Geschenke für alle möglichen Leute. Also das ist irgendwie ganz toll. Deswegen, Geld ist natürlich toll.
Für mich ist Geld immer so, weil man mit Geld einfach so tolle Sachen machen kann. Gar nicht für sich. Ich bin eigentlich, ich brauche irgendwie gar nichts Großartiges.
Aber die Leute um mich herum, da sieht man immer, ja, die könnte das noch irgendwie brauchen, der könnte mal wieder irgendwie mal eine Auszeit haben oder der braucht irgendwie das. Das ist mir dann schon wichtig. Wichtiger als ich dann in dem Fall.
Aber ich liebe natürlich auch irgendwie mich mal so ein bisschen mit Schönheiten zu umgeben. Muss ich auch sagen.
[Jennifer Knäble] (52:31 - 52:39)
Nicht nur mit Meeresschönheiten. Du hast eben gesagt, das nächste Projekt sind die Seychellen. Vielleicht kannst du ein bisschen was mal erzählen.
[André Wiersig] (52:40 - 52:50)
Genau, da geht es um diese Meerengel. Das Schwimmen von Mahé. Das ist die Hauptinsel auf den Seychellen.
Wer schon mal das tolle Privileg hatte, da sein zu dürfen. Warst du schonmal da?
[Jennifer Knäble] (52:51 - 52:54)
Nein, leider nicht. Aber es muss traumhaft sein.
[André Wiersig] (52:54 - 53:57)
Das ist einfach der absolute, verdammte Wahnsinn. Also bitte fahrt da echt unbedingt mal hin. Das sind ja so Granitinseln.
Also richtig steinige nicht wie die Malediven. Diese komischen Sandbänke. Wer Lust hat, auf die Malediven zu fahren, ist auch ganz nett.
Aber Seychellen ist einfach richtig Wahnsinn. Und es gibt halt einfach tolle Menschen da, die halt auch entsprechend verbunden sind mit der Natur. Und halt auch das ganze Nachhaltigkeitsthema unter eigenem Verzicht auch wirklich leben.
Und diese Strecke von Mahé nach La Digue, 53 Kilometer offener Indischer Ozean. Es gibt so eine Fähre, die da fährt. Und wer vielleicht dann doch schon mal da war, wenn man mit dieser Fähre fährt, ähnlich wie in Helgoland, das ist schon mal so ein Abenteuer für sich.
Da wird auch mal Seekrankheit. Da geht richtig die Post ab. Ja, es ist halt offener Ozean.
Und ich hab vorhin erzählt, ich hab bei dieser Ocean 7 alle im ersten Anlauf geschafft. Teilweise wirklich unter verrücktesten Bedingungen, weil Jürgen und ich einfach keine Kohle hatten, um da nochmal hinzufahren.
[Jennifer Knäble] (53:57 - 53:58)
Jürgen ist da aus deinem Team.
[André Wiersig] (53:58 - 54:00)
Genau. Jürgen ist so mein Schwager, der ist immer dabei.
[Jennifer Knäble] (54:01 - 54:06)
Das heißt, muss man erklären, der schwimmt, oder der ist in so einem kleinen Bötchen dann auch neben dir.
[André Wiersig] (54:06 - 54:49)
Ja, genau. Das ist immer der, der mir das Essen da noch angibt. Und einfach so meine wichtigste Bezugsperson.
Und ja, diese Strecke, das hab ich nicht geschafft. Vor drei Jahren war ich schon mal da. Und ich hab's nicht geschafft.
Und musste abbrechen, das erste Mal. Aber ich hab mich auch jetzt nicht als, weil du vorhin sagtest, ah, war das jetzt Verlierer oder so. Nee, ich fahr jetzt auch nicht nochmal dahin, weil ich eine Rechnung offen hab.
Ich fahr einfach dahin, weil, also nochmal, ich kann mich da nur wiederholen. Das ist den Leuten da einfach, die nennen mich ja immer, deswegen heißt ja die ZDF-Serie auch Man of the Ocean, die nennen mich ja immer Man of the Ocean, weil die meinen Namen irgendwie gar nicht behalten können. André Wiersig ist ja auch irgendwie, ja, ich kann's ja auch vergessen.
[Jennifer Knäble] (54:50 - 54:52)
Man of the Ocean ist auch viel cooler.
[André Wiersig] (54:52 - 54:53)
Ja, toll, ne?
[Jennifer Knäble] (54:53 - 54:57)
So was wie, weißt du, so Ocean's Eleven oder so George Clooney und so in einem Atemzug.
[André Wiersig] (54:57 - 56:22)
Kann man sich ja gar nicht selber auszeigen, ne? Ich bin immer Man of the Ocean für die und Man of the Ocean schwimmt dann da in der Nacht im Ozean rum und die Kinder auf den Seychellen, die wollen schwimmen lernen, also aus eigenem Antrieb. Man muss sich ja vorstellen, auf solchen Inseln von hundert Leuten kann nur einer schwimmen.
Die haben ja diesen Ozean um sich herum und sind ja so weit weg. Die sind genauso entfremdet vom Ozean wie wir, wenn wir vor so einer Fleischtheke stehen. Da sind ja auch die Tiere mit ihren schönen braunen Augen und so, die finden ja auch nicht statt.
Das ist ja die Entfremdung an sich. Da liegt ja alles in der Auslage und man sieht ja nicht, also ich muss dazu sagen, ich esse auch Fleisch, ja? Beate, meine Frau, ist Vegetarierin, aber ich esse schon Fleisch.
Bewusst natürlich, aber ich vergesse das zumindest nicht, wenn ich an dieser Fleischtheke stehe, dass da Tiere dahinter stehen, die sich den Tag auch irgendwie anders vorgestellt haben, als in dieser Auslage in Scheiben zu liegen. Und, um die Kurve wieder zu kriegen, aber die Leute dort, für die ist dieser Ozean einfach da und so eine Selbstverständlichkeit und darum geht es, die Leuten das wieder näher zu bringen, die wieder in Resonanz zu bringen, ja, mit dem Ozean und das kann ich einfach und ich mache das wirklich von Herzen gerne und das macht was mit den Leuten.
[Jennifer Knäble] (56:23 - 56:36)
Ja, absolut, deswegen gut, dass es dich ja gibt, André. Mit Blick auf die nächsten zehn Jahre, deine Arbeit, deine Mission und den Ozean, was würdest du dir wünschen?
[André Wiersig] (56:38 - 58:03)
Ja, ich würde mir natürlich wünschen, dass wir einfach wieder dieses Bewusstsein kriegen, jeder Einzelne von uns, gerade aber auch die Leute, die an Positionen sitzen, wo man wirklich was bewegen kann und ich rede nicht nur über Geld, sondern einfach auch, ja, Voraussetzungen schafft für andere, dass wir wieder mehr in Einklang kommen und die Natur, also die Natur, nicht nur den Ozean, die Natur an sich, einfach als so wichtig erachten, wie sie ja auch ist und das, deswegen, ich weiß natürlich nicht, wie lange ich das noch machen kann, ich weiß natürlich nicht, ob ich überhaupt wieder zurückkomme, ja, das weiß man natürlich nicht, ich weiß noch nicht mal, ob ich, wenn ich nach Hause fahre, aber das sollte auch mal jeder von uns, die Leute, die sagen immer, ich bin ein Irrer, weil man sich Risiken eingeht, aber darüber sollte sich jeder mal Gedanken machen, dass die Zeit, die wir hier haben, ja total befristet ist, ja, und dass Zeit eigentlich das wichtigste Gut ist, vor allen Dingen die Zeit, die wir haben, wo wir voll gesund sind.
Wenn jemand gesund ist, hat er 100 Wünsche oder noch mehr, aber jemand, der richtig krank ist, der hat dann nur einen Wunsch und dazu muss es ja nicht kommen, also man kann das ja schon vorher mal entsprechend mit dieser Weitsicht angehen und einfach ein bisschen mehr, ja, ich wiederhole mich, aber ich wiederhole mich auch gerne, Bewusstsein ist einfach das absolute Ding.
[Jennifer Knäble] (58:06 - 58:22)
Man of the Ocean, ich habe ein bisschen Tränchen in den Augen, André Wiersig, danke für diese wahnsinnig spannenden Einblicke in dein Leben, in deine Arbeit, mach bitte genauso weiter und ich freue mich, wenn du wieder bei mir sitzt und berichtest, vielen Dank.
[André Wiersig] (58:23 - 58:24)
Danke.
[Jennifer Knäble] (58:24 - 58:29)
Jetzt hast du auch Tränchen in den Augen.
Komm her, ich drück dich einmal. Ja, wirklich drück dich.
[André Wiersig] (58:30 - 58:30)
Ja, danke.
[Jennifer Knäble] (58:32 - 58:54)
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