Informationen zur Podcastfolge Nr. 149 Frauengesundheit 360°: Vorsorge, Hormone, Selbstwahrnehmung. Mit Dr. med. Emina BorovinaInformationen zur Podcastfolge Nr. 149 Frauengesundheit 360°: Vorsorge, Hormone, Selbstwahrnehmung. Mit Dr. med. Emina Borovina

Frauengesundheit 360°: Vorsorge, Hormone, Selbstwahrnehmung.

Frauengesundheit ist ein vielschichtiges Thema, das weit über die jährliche gynäkologische Vorsorge hinausgeht. Doch im Gesundheitssystem wird sie oft nur fragmentiert betrachtet. Viele Frauen fühlen sich mit ihren Beschwerden alleingelassen, nicht ernst genommen oder von einem Spezialisten zum nächsten geschickt. Besonders in Phasen großer hormoneller Umstellungen, wie der Perimenopause, stoßen sie an die Grenzen der Regelversorgung.

Genau hier setzt Dr. med. Emina Borovina an. Die Mund-Kiefer-Gesichtschirurgin und Gründerin von Veo Health, einer Boutique-Praxis für Frauengesundheit, Prävention und Ästhetik in Berlin, hat aus eigenen Erfahrungen heraus ein Konzept entwickelt, das Frauen ab der Lebensmitte ganzheitlich begleitet. In dieser Episode des HEALTHWISE-Podcast spricht sie mit Host Elisabeth Seidel über Lücken im System, Wechseljahre, Diagnostik und die Rolle von ästhetischer Medizin für das Wohlbefinden.

Die Folge HEALTHWISE auf YouTube

Eine „männlich gewachsene“ Medizin: Warum Frauen oft übersehen werden

Viele Frauen fühlen sich im Gesundheitssystem verloren. Sie stoßen an Grenzen, kommen mit einem Wust an Unterlagen von verschiedenen Ärzten und wissen nicht mehr, was richtig ist. Laut Dr. Borovina liegt das Problem oft nicht am Mangel an Daten, sondern an der fehlenden Einordnung und der knappen Arztzeit. Die Gründe für diese Lücken sind oft tief verwurzelt.

Historische Gründe und Kommunikationsbarrieren

Dr. Borovina weist darauf hin, dass die Medizin historisch „männlich gewachsen“ ist. Das hat konkrete Folgen:

  • Längere Diagnosezeiten: Studien, insbesondere aus den USA, belegen, dass Frauen tendenziell länger auf Diagnosen warten – selbst bei lebensbedrohlichen Zuständen.
  • Andere Kommunikation: Dr. Borovina weist auf einen Unterschied in der Kommunikation hin. Frauen neigen dazu, ihre Symptome oft eher als subjektives Gefühl oder Vermutung zu beschreiben, während Männer tendenziell direkter oder alarmierender kommunizieren. Das System, so die Expertin, versteht diese direktere, oft als dringlicher wahrgenommene Sprache besser.
  • Historisches Ertragen: Frauen haben gelernt zu ertragen, sich nicht zu beschweren und zu leiden, getreu dem Motto: „Wechseljahre hatte meine Mutter auch nicht“.

Navigationshilfe und Mentoring

Aufgrund dieser systemischen Lücken wird eine gute medizinische Begleitung zu einer Art Mentoring. Dr. Borovina betont, wie wichtig es ist, Frauen dabei zu unterstützen, ihre Symptome präzise zu benennen und die richtigen Fachstellen anzusteuern, um den Weg zur Diagnose zu verkürzen.

Die Wechseljahre: Wenn „Normwerte“ nicht dem Gefühl entsprechen

Ein zentrales Thema, bei dem Frauen oft an Grenzen stoßen, sind die Wechseljahre und die Perimenopause. Viele erleben hier eine Form von „medizinischem Gaslighting“ : Sie fühlen sich schlecht, aber ihre Laborwerte sind „im Referenzbereich“.

Das Problem mit Standard-Diagnostik

Dr. Borovina erklärt, warum das so oft passiert: Mediziner sind darauf trainiert, „sehr, sehr kranke Menschen zu behandeln und den Tod zu vermeiden“. Eine Frau, deren Werte „im Normbereich“ sind, sich aber nicht gut fühlt, löst im stressigen Praxisalltag oft keinen Alarm aus. Die Expertin rät dazu, starre Referenzbereiche kritisch zu hinterfragen, da sie oft von Labor zu Labor variieren und nicht das individuelle Befinden widerspiegeln.

Der ganzheitliche Ansatz: Lifestyle und Medizin

Dr. Borovina warnt davor, alles mit Lifestyle regeln zu wollen, auch wenn dieser die Basis bildet. Frauen versuchen oft, hormonelle Defizite mit Ernährung und Supplementen auszugleichen. Manchmal ist aber der „Point of no return“ erreicht, an dem pharmakologisch eingegriffen werden muss. Nach ärztlicher Abklärung kann ein niedrig dosiertes L-Thyroxin bei Schilddrüsenproblemen das Leben beispielsweise fundamental verbessern

Die Basis: Knochen, Gefäße, Schlaf

In der Prävention ab der Lebensmitte geht es laut Dr. Borovina um „ganz unsexy Dinge“, die aber wahnsinnig wichtig sind. Dazu zählt sie:

  • Gefäßschutz und Knochenschutz: Sie schlägt vor, dass Frauen ab 40 daran erinnert werden sollten, vielleicht ihre Gefäße untersuchen zu lassen oder eine Knochendichtemessung zu machen. Sie hebt hervor, dass Östrogen ein wahnsinnig wichtiges Hormon für Frauen ist. Wenn man sich 30 Jahre lang nicht darum kümmert, kann das im Alter zu Problemen führen, wie dem Risiko, bei einem Sturz eine Hüfte zu brechen.
  • Die Basis: Dazu gehört vor allem ausreichend Schlaf (sie warnt davor, jahrelang unter sieben Stunden zu schlafen ), eine vernünftige Ernährung und eine gezielte Supplementierung.

Ästhetik als Säule des Wohlbefindens

Als Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgin ist die Ästhetik ein wichtiger Bestandteil von Dr. Borovinas Arbeit. Sie kämpft dagegen an, dieses Thema als „Schmuddelecke“ oder reine Oberflächlichkeit abzutun. „Das, was wir im Spiegel sehen, sollte auch dementsprechend wie wir uns fühlen und umgekehrt“, erklärt sie. Wenn eine Frau sich wie Ende 20 fühlt, ihr Gesicht im Spiegel aber „entgleitet“, dann hat das einen massiven Einfluss auf das Wohlbefinden und den Start in den Tag. Es ist mehr als die Abwesenheit von Krankheit, es umfasst Selbstwahrnehmung und wie wir wahrgenommen werden wollen.

Biostimulation statt schneller Filler

Dr. Borovina sieht den inflationären Einsatz von Hyaluron-Fillern, oft durch Nicht-Ärzte, kritisch. Studien belegen, dass Filler migrieren (wandern) können. Sie selbst setzt auf Biostimulation, z.B. durch Lasersysteme. Dieser Ansatz zielt darauf ab, die körpereigenen Prozesse wie die Kollagenproduktion „anzufeuern“. Dies ist nachhaltiger, erfordert aber Geduld: Ergebnisse sieht man oft erst nach einem halben bis ganzen Jahr. 

Take Aways  

  • Frauengesundheit ab der Lebensmitte ist medizinisch, gesellschaftlich und wirtschaftlich relevant – wird aber im System noch unzureichend abgebildet.
  • Andere Kommunikation: Frauen beschreiben Symptome oft anders als Männer , was im System zu Missverständnissen führen kann.
  • „Normwerte“ hinterfragen: Starre Labor-Referenzbereiche spiegeln nicht immer das individuelle Befinden wider, besonders in den Wechseljahren.
  • Balance aus Lifestyle und Medizin: Lifestyle ist eine wichtige Basis , kann aber medizinisch notwendige Therapien (z.B. bei Hormondefiziten) nicht immer ersetzen.
  • Ästhetik ist kein Tabu: Die Expertin betont, dass die Wahrnehmung des eigenen Aussehens ein relevanter Faktor für das Wohlbefinden ist und nicht als oberflächlich abgetan werden sollte.

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Dr. med. Emina Borovina ist Fachärztin für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie und die Gründerin von Veo Health in Berlin. Nach vielen Jahren in der klassischen Medizin hat sie mit Veo Health eine Boutique-Praxis für Frauengesundheit, Prävention und Ästhetik gegründet. 
Sie hat ein eigenes Konzept entwickelt, das Frauen, insbesondere ab der Lebensmitte , ganzheitlich unterstützt – von hormonellen Fragen über Diagnostik und Lebensstilthemen bis hin zu ästhetischen Verfahren. Ihr interdisziplinärer Ansatz schafft einen Ort, an dem Medizin, Ästhetik und persönliche Begleitung Hand in Hand gehen.

Mehr über Veo Health: https://www.veohealth.de/

 

149 Frauengesundheit 360°: Vorsorge, Hormone, Selbstwahrnehmung. Mit Dr. med. Emina Borovina

[Dr. med. Emina Borovina] (0:00 - 0:25)

So wie wir Schwangerschaftsvorsorge schon etabliert haben, dass man da immer irgendwie von seiner Krankenkasse und Krankenversicherung bekommt. Ach, herzlichen Glückwunsch, Sie sind schwanger. Muss man jetzt nicht sagen, herzlichen Glückwunsch, Sie sind in den Wechseljahren, aber Sie sind schon 40 und haben Sie denn daran gedacht, dass Sie vielleicht ABCD mal untersuchen lassen sollten, ja?

Einfach mal so ein Gesundheitscheck einmal jährlich.

[Elisabeth Seidel] (0:26 - 1:36)

Herzlich willkommen zu HEALTHWISE, dem Gesundheitspodcast präsentiert von Sunday Natural. Ich bin Elisabeth Seidel und in diesem Podcast erkunden wir gemeinsam, was es bedeutet, gesund zu sein. Wir tauchen ein in Themen wie Medizin, Bewegung, Ernährung und emotionale Gesundheit.

Immer mit einem weisen Blick auf das, was uns wirklich gut tut. Herzlich willkommen zu einer neuen Folge von HEALTHWISE. Heute geht es um ein Thema, das viele Frauen bewegt, die ganz besonderen gesundheitlichen Bedürfnisse im Laufe ihres Lebens.

Von Prävention über hormonelle Veränderungen bis hin zu ästhetischen Aspekten wird Frauengesundheit oft nur noch fragmentiert betrachtet. Mein heutiger Gast ist Dr. med. Emina Borovina, Gründerin von Veo Health in Berlin, einer Boutique-Praxis für Frauengesundheit, Schönheit und Prävention. Mit ihrem interdisziplinären Ansatz schafft sie einen Ort, an dem Medizin, Ästhetik und persönliche Begleitung Hand in Hand gehen.

Wir sprechen heute über die Lücken im Gesundheitssystem, über die Menopause, über die Rolle von Prävention und darüber, wie moderne Diagnostik und Testungen hier sinnvoll eingebunden werden können. Ich freue mich sehr, herzlich willkommen Emina.

[Dr. med. Emina Borovina] (1:37 - 1:41)

Ja, vielen lieben Dank für die Einladung und vielen Dank, dass ich hier sein darf. Ich freue mich auch sehr.

[Elisabeth Seidel] (1:42 - 1:48)

Wir starten ja immer mit so einer einleitenden Frage, also interessiert mich mal, wie sieht dein perfekter Sonntag aus?

[Dr. med. Emina Borovina] (1:52 - 2:41)

Also mein perfekter Sonntag wäre einfach mal bis um acht schlafen. In Anbetracht der Tatsache, dass ich drei kleine Kids habe, die meist nicht bis um acht schlafen, sondern eher so 6.30 Uhr, ist bis um acht ausschlafen ein wahnsinniger Luxus für mich. Und der perfekte Sonntag würde dann ein ganz entspanntes Aufwachen für mich bedeuten, ohne viele Bedürfnisse, die mir sofort begegnen, bevor ich überhaupt aus dem Bett ausgestiegen bin, wo ich mir mal Zeit für mich nehmen kann, so eine halbe Stunde mir in Ruhe einen Kaffee machen kann und einfach so ganz in Ruhe in den Tag starten kann.

Das ist ein perfekter Sonntag für mich. Frühstücken mit Family oder auch Freunden und einfach mal so ein bisschen in den Tag hinein plätschern.

[Elisabeth Seidel] (2:41 - 2:58)

Das hört sich toll an. Genau, du bist die Gründerin von Veo Health, einer Boutique-Klinik für Frauengesundheit. Deine Geschichte in der Medizin hat aber ja ganz anders begonnen. Was hat dich denn bewegt, diese Praxis zu gründen?

[Dr. med. Emina Borovina] (3:01 - 5:05)

Es steckt natürlich eine sehr persönliche Geschichte dahinter. Bevor ich Veo Health gegründet habe, habe ich so ganz klassisch als Ärztin für Mund-Kiefer-Gesicht-Chirurgie in einer KV-Praxis gearbeitet, davor klinisch und habe immer befunden, dass sie ein sehr gutes Gesundheitssystem haben, was wir auch haben. Wir haben ein sehr gutes Gesundheitssystem und eine sehr gute Versorgung.

Das erste Mal habe ich aber das System mit 36 kennengelernt nach meiner ersten Schwangerschaft oder während meiner ersten Schwangerschaft und da ist man ja nicht zwangsläufig Patientin, aber dennoch gibt es Bedarfe und das ist eine sehr vulnerable Zeit für jede Frau. Da sind mir ganz viele Situationen begegnet, die mir nicht so ganz schlüssig waren und die mir nicht ganz gut geschmeckt haben, auf der anderen Seite stehend. Ganz viele kleine Schlüsselmomente haben dazu geführt, dass ich tatsächlich unbedingt etwas für die Frauengesundheit tun wollte und das hat sich dann verstärkt im Verlauf.

Ich wurde dann kurz nach meinem ersten Kind ein zweites Mal schwanger, habe dann unter Geburt meiner Tochter einen Beckenbruch erlitten, der sehr lange nicht erkannt wurde, obwohl ich alle paar Tage einen anderen Facharzt aufgesucht habe und tatsächlich Beschwerden hatte. Das wurde erst nach sechs Wochen diagnostiziert und ich konnte dann mich auch adäquat beziehungsweise dementsprechend verhalten und das hat einfach nicht, das hat sehr an mir gearbeitet und hat mich locker gelassen und ich habe mir natürlich Fragen gestellt, warum denn das so ist, warum werden wir Frauen häufig nicht ernst genommen, gerade in dieser verletzlichen Phase des Kinderkriegens oder eben auch ab Lebensmitte, wenn ganz viele körperliche Veränderungen auch dazu kommen und schlussendlich hat das dazu geführt, dass ich mich hingesetzt habe und mir überlegt habe, was würde ich denn anders machen in der Versorgung von Frauen hier in Deutschland, die ja schon sehr gut ist, aber dennoch an mancher Stelle Lücken aufweist und so ist Veo entstanden.

[Elisabeth Seidel] (5:06 - 5:12)

Schön, hast du das alleine auf die Beine gestellt oder hast du dich zusammengetan mit anderen Experten?

[Dr. med. Emina Borovina] (5:12 - 6:21)

Ich hätte das sehr gerne mit anderen coolen Frauen gegründet, wie das aber so ist in der Lebensphase, in der ich mich jetzt befinde und meine eben lieben Freundinnen und Kollegen, in sich befinden, ist es teilweise schwierig. Frauen sind nicht so risikoaffin und viele fanden die Idee total cool und hätten gerne mitgemacht. Heute sind einige von ihnen angestellt in der Praxis, weil sie wirklich hinter dem Praxiskonzept stehen, aber das Risiko haben sehr viele gescheut.

So was ganz Neuartiges, Innovatives auf die Beine zu stellen, was es noch nicht gibt und da all in zu gehen, seinen sicheren Klinikjob oder Praxisjob zu kündigen und aufzugeben und dann aber auch noch in einer Phase, wo wir alle noch sehr kleine Kinder haben oder teilweise noch eine Schwangerschaft gewünscht ist und ansteht, haben sehr viele das Risiko leider gescheut. Ich war aber immer im engen Austausch mit sehr vielen lieben Kolleginnen anderer Fachrichtungen, während ich an meinen Businessplan geschrieben habe und habe da wirklich mir sehr viel Zeit genommen. Das hat über ein Jahr gedauert, bis das Konzept als solches stand.

[Elisabeth Seidel] (6:23 - 6:27)

Mit welchen Anliegen kommen denn die meisten der Frauen zu dir in die Praxis?

[Dr. med. Emina Borovina] (6:28 - 10:50)

Unsere klassische Patientin ist eine sehr gut aufgeklärte Patientin ab Lebensmitte. Die stehen absolut im Leben und versuchen sich selbst zu helfen, weil sie natürlich Bedarfe haben und versuchen im Kassensystem, in der Regelversorgung, ihre Fragen zu lösen, stößen aber an Grenzen und brauchen dann einfach jemanden, der das für sie sortiert. Und das ist unsere Durchschnittspatientin.

Die haben schon Spezialist XYZ gesehen und kommen mit ganz vielen Befunden und einer Wust an Unterlagen und wissen gar nicht, was ist denn jetzt richtig eigentlich. Und wir sortieren das, validieren das und navigieren sie quasi dadurch, können auch nochmal ergänzend eingreifen, wenn wir doch nochmal einen speziellen Wert brauchen, um dann die Diagnose ganz sicherzustellen, beziehungsweise in welche Richtung es dann eine therapeutische Maßnahme geben soll. Und das machen wir für unsere Frauen.

Das, was wir in der Praxis nicht abbilden können, wir haben nicht natürlich alle Fachrichtungen in der Praxis vertreten, sondern arbeiten auch mit Zentren zusammen, mit MVZs und können da ganz niedrigschwellig unsere Frauen auch einfach hinüberweisen, ohne lange Wartezeiten, um so auch den Weg zur Diagnose beziehungsweise zur richtigen Therapie zu verkürzen. Das ist mir ein absolutes Anliegen. Es soll keine Frau sechs Wochen warten, bis sie eine Diagnose wie einen Beckenbruch oder was ähnliches hat und Schmerzen erleidet.

Und wir wissen aber auch, das ist auch alles mit Daten belegt, es gibt sehr große Studien, gerade wenn man in die USA rüberschaut, die belegen, dass Frauen tendenziell eher länger bis zur Diagnose brauchen. Im Schnitt sind es sieben Tage, auch bei lebensbedrohlichen Lebenszuständen und medizinischen Zuständen. Männer werden viel schneller diagnostiziert, weil die Symptome besser einordnbar sind, weil Männer auch eine andere Sprache sprechen als Frauen.

Wir fühlen viel mehr und stapeln eher niedrig und sagen, ja, ich glaube, es könnte und ich fühle. Und ein Mann kommt und sagt, so ich sterbe jetzt und tun Sie bitte was. Und diese Sprache wird viel besser im System verstanden.

Und ich glaube, dass wir Frauen das auch akzeptieren und lernen müssen, weil das System werden wir nicht so schnell ändern können, aber wir können unsere Einstellung zum System ändern. Und das ist unser Ansatz in der Praxis. Das ist auch ein bisschen Mentoring von unseren Patientinnen und eher in die richtige Richtung schiebend und beratend tatsächlich und begleitend, wie man denn zu XYZ kommt, Untersuchung und wie man das eben ganz schnell hinkriegt.

Und da ist noch sehr viel zu tun. Das merken wir immer wieder, weil Frauen eben historisch gelernt haben, zu ertragen, zu leiden, nicht aufzumucken, sich nicht zu beschweren, weil schließlich hat ja jede Frau die Wechseljahre. Und wenn man die älteren Generationen befragt, sagen die, ach was, zu meiner Zeit gab es das nicht.

Also meine Mutter hatte keine Wechseljahre. Also wir würden uns das alles einbilden und das ist einfach nicht richtig. Wir müssen die Dinge benennen.

Wir haben ein gutes Momentum aktuell, dass wir über diese Themen sprechen können. Und aktuell wird sehr viel darüber gesprochen. Es wird aber tatsächlich in der Praxis nicht viel umgesetzt und die Frauen schwimmen.

Genau, das ist unsere klassische Patientin. Also eine Frau, ab Lebensmitte, sehr gut aufgeklärt, meist auch hochgebildet und brauchen einfach noch mal so einen Anstupser bzw. eine kleine Richtungsgebung.

Und wir verstehen uns als Navigationssystem durch das Gesundheitssystem. Und das ist nicht nur für Privatversicherte gedacht oder Selbstzahler. Wir versuchen auch unsere gesetzlich versicherten Frauen gut abzuholen und zu schauen, was können wir denn im Kassensystem abbilden.

Wir haben Kooperationen mit anderen KV-Praxen, sodass teure Untersuchungen eben auch noch auf Krankenkassenleistungen passieren können. Dann kommen sie zu uns wieder und wir sortieren das nochmal neu und schauen, wo noch Bedarf ist, um schlussendlich eine vernünftige Versorgung bzw. auch eine vernünftige Betreuung und Therapie für die Frauen auf die Beine zu stellen.

[Elisabeth Seidel] (10:51 - 11:39)

Da hast du gerade was Wichtiges angesprochen, dieses Selbstzahler, Privatversichertsein und Kassenärztlich behandelt werden. Das bringt mich zu einer Frage, wo du ein bisschen drauf eingegangen bist. Warum denkst du, ist es so, dass Frauengesundheit so wenig adressiert wird oder oft ein bisschen zu kurz kommt?

Du hast schon angesprochen, Frauen fühlen eher, können nicht so für sich einstehen vielleicht oder haben es nicht gelernt, haben gelernt eher ruhig zu sein, wenn sie irgendwelche Beschwerden haben. Jetzt ist es ja so, Frauen gehen ja teilweise zum Arzt, werden aber auch nicht ernst genommen. Manchmal fehlen vielleicht auch die Studiendaten, weil sie gar nicht erhoben wurden.

Wo siehst du den Grund dafür, dass das so wenig adressiert wird?

[Dr. med. Emina Borovina] (11:40 - 15:22)

Ich glaube, das ist eine Kombination aus einigen Faktoren und ich fange mal mit der Historie an. Wenn wir die Medizin historisch betrachten, dann ist sie ja schon sehr männlich gewachsen. Wenn wir uns die anatomischen Bezeichnungen bzw.

Bücher und Atlanten anschauen, dann finden wir da ganz wilde Bezeichnungen der weiblichen Genitalorgane. Da merkt man, das hatte irgendwie dann doch ein Mann sich angeschaut, überlegt und auch benannt. Das ist auch alles in Ordnung, aber um dem einen Namen zu geben bzw.

es auch zu verstehen, warum das so ist, müssen wir da anfangen und sagen, es ist wirklich sehr männlich gewachsen. Wir haben schon hier in Zentraleuropa und ganz besonders auch in Deutschland, finden wir auch schon Gehör. Weltweit betrachtet sind wir hier oben.

Dennoch kann man Dinge besser tun und ich glaube an zweiter Stelle ist einfach schlichtweg Unwissen. Dass die Themen, die die Frau betreffen, gerade in diesen vielen hormonellen Umstellungen, einfach noch nicht vernünftig untersucht wurden. Es gibt keine Evidenz und wir Ärzte pochen ja immer wieder auf evidenzbasierten Therapien und Maßnahmen.

Es wird einfach nicht genau hingeschaut und es ist eine Kombi. Es ist eine Kombi aus historischen Faktoren und aus Unwissen und vielleicht auch Desinteresse, weil es haben ja Frauen auch schon so viele tausende Jahre vorher ertragen und gehabt. Nur heute leben wir halt auch einfach viel länger als Frauen und das muss man eben auch alles in die Waagschale werfen und sagen, naja, früher mussten wir es irgendwie bis Ende 40 schaffen und dann war es vielleicht auch gar nicht so schlimm bzw.

wir mussten nicht zehn Jahre lang irgendwelche Wechseljahresbeschwerden ertragen, weil wir schon lange tot waren. Und heute leben wir aber bis 80, 90 und da gilt es, zu verstehen, was braucht die Frau und das ist jetzt nicht nur einfach ein Wohlfühlfaktor für uns Frauen, sondern das hat auch wirtschaftliche Konsequenzen für unser Land und für Europa. Ja, weil die Frauen einfach, weil sie Leistung abnimmt, weil sie Leistungsfähigkeit abnimmt und weil sie sich zurückziehen und Arbeitsstunden reduzieren.

Es gibt zig Studien dazu, die das belegen, dass es ein Milliardenmarkt ist bzw. dass Milliarden dem Staat entgehen, wenn wir uns nicht um unsere Frauen kümmern, die sich in dieser Phase befinden und wenn wir sie nicht ernst nehmen. Ja, und das fängt eben bei der einzelnen Frau direkt und unmittelbar an und geht hoch bis in die Unternehmen, die, wie ich finde, sich auch um die Frauengesundheit kümmern sollten und das auch als betriebliches Thema adressieren sollten.

Also, da kann man sehr viel tun und es wird über solche Dinge tatsächlich gesprochen. Es gibt auch sehr tolle Ansätze und tolle Start-ups, die das adressieren, aber es steckt alles noch in den Kinderschuhen und es ist ein Thema, was tatsächlich noch sehr viel besprochen werden muss. Ich hatte dir in unserem Vorgespräch erzählt, dass ich so viel darüber spreche, dass ich regelmäßig meine Stimme verliere.

Nein, aber es ist wichtig und weil ich eben an erster Stelle auch selbst betroffen bin und auch eine Tochter habe, möchte ich, dass sich etwas ändert. Wir werden das sicherlich nicht für meine Generation schaffen, denn diese Veränderungen und Umwälzungen dauern und das ist ein Riesenapparat dahinter geschaltet und das muss eben auch ein Umdenken stattfinden. Aber ich hoffe, dass wir für unsere Töchter, die in 20, 30 Jahren an dieser Stelle stehen, wir ein anderes Gesundheitssystem haben und auch einfach eine andere Sensibilisierung für diese Themen.

[Elisabeth Seidel] (15:23 - 15:39)

Ja, das hoffe und wünsche ich mir auch. Du hast ja gerade schon angesprochen, Wechseljahre sind ein großes Thema bei euch in der Praxis. Wie geht ihr vor, wenn Frauen mit Wechseljahresbeschwerden kommen?

[Dr. med. Emina Borovina] (15:41 - 18:06)

Wie ich schon vorhin sagte, unsere Frauen waren schon beim Hausarzt, bei der Gynäkologin, bei der Endokrinologin, haben schon einige Fachärzte gesehen und kommen zu uns, weil sie, weil es irgendwo steckt und wir sortieren wirklich erstmal eingehend und machen erstmal eine eingehende Beratung. Das ist so ein bisschen unser USP, weil Arztzeit ist eine wahnsinnig teure Ressource und die Beratung und die Beratungsleistung ist im Kassensystem sehr schwer abzubilden. Das wissen viele, die gesetzlich versichert sind, dass der Arzt höchstens drei Minuten Zeit hat, um sich mit einem auszutauschen.

Da habe ich immer früher gesagt, ersparen Sie sich das Guten Tag, stellen Sie sofort Ihre Frage, weil so viel Zeit habe ich nicht. Und das ist unser USP. Wir sagen, okay, kommt zu uns und wir nehmen uns eine Stunde Zeit oder meinetwegen eineinhalb oder wenn Bedarf ist auch zwei.

Wir nehmen uns die Zeit und hören euch zu und sortieren uns diese und gucken uns das an und erklären euch auch, was da jetzt steckt und was vielleicht noch mal genauer nachgeschaut werden sollte. Und das ist wahnsinnig wertvoll für unsere Patientinnen. Das schätzen sie sehr und deshalb kommen sie immer wieder zu uns.

Wir verstehen uns wirklich als Begleiter. Nicht nur ärztliche Berater, sondern auch Begleiter von Frauen. Denn wie gesagt, diese Phase dauert ja über eine Dekade und darüber hinaus.

Da kann man nicht sagen, einmal eingestellt und alles ist super duper. Man muss als Frau, die sich in dieser Phase befindet, immer wieder schauen und immer wiederjustieren und gucken und auch auf den Körper hören. Das haben wir, glaube ich, mit der Zeit auch verlernt.

Viele kommen mit ihren wearabels und Oura Rings und keine Ahnung was und alles wird aufgezeichnet und aufgenommen und Daten gesammelt. Und weil es so eine Datenwut, habe ich das Gefühl, gibt. Alle wollen irgendwelche Zahlen für irgendwas haben.

Aber es folgen fast keine Konsequenzen daraus. Jetzt haben sie aber letzte Nacht sehr schlecht geschlafen. Naja gut, was sollen die Patientin oder die Frau mit dieser Info dann anfangen?

Das heißt, auch diese Daten, die da entstehen und gesammelt werden, die deuten wir oder versuchen wir für die Frauen zu deuten und da auch Richtungen aufzuweisen.

[Elisabeth Seidel] (18:07 - 18:22)

Viele kommen ja auch schon von anderen Therapeuten, haben dann, ja eigentlich könnte man sagen, Gaslighting erfahren. Sie werden dann immer gleich weggeschickt und es wird gesagt, okay hier die Ergebnisse sind in Ordnung, es muss psychisch sein. Wie begegnest du sowas?

[Dr. med. Emina Borovina] (18:23 - 21:54)

Das ist eine sehr gute Frage, denn da sind wir dann schon in der Labordiagnostik, wenn wir von Werten und Parametern sprechen und das hören wir auch ganz häufig, dass die Frauen zu uns kommen und sagen, ja ich habe hier ein Labor und das ist irgendwie alles im Referenzbereich und das ist alles nicht so schlimm, aber mir geht es eben nicht gut und es stimmt irgendwas nicht mit mir. Und dann sagt aber der Facharzt XYZ, naja wunderbar, alles im Normbereich, sie können nach Hause, sie haben halt nichts. Und da muss man auch wieder als Patientin, Patient sich vergegenwärtigen, wir Mediziner werden darauf trainiert, wir werden ein ganzes Studium darauf trainiert und dann sind wir während der klinischen Weiterbildung auch sehr darauf trainiert, immer sehr, sehr kranke Menschen zu behandeln, zu managen und den Tod zu vermeiden.

Also wir sind eigentlich immer in so einem Alarmmodus und dann haben wir eine Frau vor uns sitzen, die alles im Normbereich hat und sich halt nicht so fühlt und das sagen die auch meistens, ja irgendwas stimmt nicht, ja ich weiß, es ist schon alles okay, aber dennoch, da läuten bei uns die Glocken einfach nicht, wenn man denkt, naja gut, dann muss ich mich um den Kränkeren kümmern. So sind wir sozialisiert, so sind wir erzogen als Mediziner und das ist ein Problem, das ist tatsächlich ein Problem und da müssen wir von wegkommen und die Frauen, die Patientinnen, die, und das ist nicht Optimierung, die haben tatsächlich was, da muss einfach genauer hingeschaut werden und diese ganzen Referenzbereiche, die kann man eigentlich auch unter ein großes Fragezeichen stellen. Jedes Labor hat da so ihre eigenen Referenzbereiche und ich gebe da nicht viel drauf, um ehrlich zu sein.

Wir hatten gestern eine wahnsinnig tolle Gästin bei uns in der Praxis, die Kollegin Frau Dr. Orfanus Böckel und sie hat ganz tolle Praxisleitfäden herausgebracht, an denen wir uns auch orientieren und hat wahnsinnig viel Erfahrung als Nephrologin und Internistin, die in diese Bücher reingeflossen ist ist und das muss man sich mal einfach nehmen, diese Bücher und lesen und anschauen und das ist alles kein Hokus Pokus und Hexenwerk, aber man muss ein Interesse dafür haben, man muss gewillt sein, sich da reinzuarbeiten und diese Dinge mal zu verstehen und das ist alles, wie gesagt, keine allzu große Wissenschaft, sondern recht verständlich. Es mangelt aber immer an der Zeit und wie gesagt, wir sind darauf trainiert, die ganz Kranken zu heilen und die, denen es eben gut geht und sie sich aber mal nicht so fühlen, ja da sagen wir, ich fühle mich manchmal auch nicht so gut, können Sie wieder nach Hause gehen.

Das ist das Problem und häufig sind aber tatsächlich so ganz seltene, vererbte Geschichten dahinter, ja irgendwelche Resorptionsstörungen, irgendwelche Stoffwechselerkrankungen und wir haben ja alles, ja das ist jetzt auch, wir brauchen, wir haben ja schon eine Hightech-Medizin, wir haben Spezialsprechstunden an der Charité, wir haben ganz, ganz tolle Möglichkeiten, die wir nutzen können, wenn wir dann genauer hinschauen und tatsächlich auch herausfinden in diesem anamnestischen Gespräch und in diesen ganzen Wust an Laborwerten, was es dann sein könnte. Und da brauchen die Frauen Unterstützung. Das kann ChatGPT auch noch nicht so gut, ich weiß, dass das viel genutzt wird, es ist auch ein cooles Tool, aber es braucht dann doch manchmal einen Arzt, der es macht oder eine Ärztin in unserem Fall.

[Elisabeth Seidel] (21:54 - 22:34)

Ja, das ist auch gut so. Du sprichst schon an ChatGPT, ich kenne das auch in meiner Praxis, dass die Leute viel fragen und ich finde auch eigentlich, es ist ein cooles Tool. Ich finde es immer gut, wenn Leute sich auch so ermächtigen und sich informieren, aber es ist natürlich sehr viel Info unterwegs und es ist nicht immer alles korrekt, was da rauskommt, das muss man natürlich auch sagen.

Aber an sich finde ich es gut, wenn Menschen proaktiv schauen, okay, was ist mit mir los und wirklich selbst Research machen und es gibt ja auch viele Leute, die zum Beispiel die Bücher von Dr. Orfanus Böckel selbst gelesen haben, was ich auch super finde.

[Dr. med. Emina Borovina] (22:34 - 23:09)

Wir hatten gestern Frauen da, die haben alle diese Bücher gelesen, also die sind so gut educated und das ist aber auch wichtig. Ich arbeite viel lieber mit solchen Frauen und Patientinnen, als mit denen, die irgendwie überhaupt gar keine Ahnung haben und sich auch gar nicht interessieren und die zu uns kommen und sagen, ja machen sie mich mal heil. Wir brauchen auch einfach die Compliance der Frauen, die müssen es auch wollen und wenn sie sich da selbst weiterbilden beziehungsweise informieren und darüber lesen und aufgeklärt schon zu uns kommen, dann ist es der Hit.

Also wir lieben solche Patientinnen und Frauen.

[Elisabeth Seidel] (23:09 - 23:52)

Es ist ja auch letztendlich so, als Therapeut kann man zwar einen Reiz geben, aber man heilt ja in dem Sinne nicht jemanden, sondern der Körper hat seine Selbstheilungskräfte und die Person, die Frau, es kommt ja darauf an, was mache ich, wie verändere ich meinen Lifestyle, nehme ich meine Sachen ein, die mir empfohlen werden, ändere ich was an meinem Stress und so weiter. Es hat ja ganz viel damit zu tun, was ich mache und was ich bereit bin zu tun für meine Gesundheit und dieses, okay ich gehe jetzt zum Arzt und der macht mich heil, gibt mir vielleicht eine Tablette und so weiter. Das ist eine einfache Lösung, aber letztendlich ja auch eine Abgabe der Verantwortung für meine eigene Gesundheit.

Das finde ich immer ganz wichtig.

[Dr. med. Emina Borovina] (23:52 - 24:58)

Ja, absolut. Da nur ein kleiner Disclaimer. Also man kann und ich hatte letztens ein Gespräch mit einer sehr lieben Frau, unserer Patientin, man kann auch nicht alles mit Lifestyle regeln.

Also es gibt einfach auch mal einen Moment, wo man pharmakologisch eingreifen muss und da sind wir dann eben an der Reihe und dran, das zu identifizieren und dann auch die entsprechenden Medikamente zu verschreiben. Aber man kann natürlich sehr viel mit Lifestyle regeln. Es ist aber nicht alles immer nur Lifestyle.

Es gibt eben auch das, was man epigenetisch mitbringt, es gibt das, was man eben sowieso von Eltern mitbringt und was einfach unsere Genetik ausmacht und da kann man noch so ein tolles und gesundes Leben führen und kriegt trotzdem Krebs und fragt sich, was man falsch gemacht hat. Also die einzelnen Personen haben nie irgendwas falsch gemacht. Es ist auch einfach die genetische Prädisposition, um Krankheiten zu entwickeln oder gewisse Krankheiten zu entwickeln.

Und Lifestyle, ja, bin ich voll d'accord, aber es gibt manchmal einen Punkt, ein Point of no return, wo einfach pharmakologisch was gemacht werden muss.

[Elisabeth Seidel] (24:58 - 25:10)

Natürlich und genau so, wenn ich eine starke Infektion habe und ein Antibiotikum brauche, dann hilft mir mein Lifestyle jetzt nicht unbedingt. Oder wenn ich mir einen Arm gebrochen habe, dann bringt mich das auch nicht.

[Dr. med. Emina Borovina] (25:11 - 26:06)

Aber gerade beim Thema Wechseljahre, hormonelle Umstellungen, Schilddrüsenproblematiken hören wir immer wieder in der Praxis, dass die Frauen versuchen mit Lifestyle, Ernährung, Supplementation und so weiter, diese hormonellen, ja, Disbalancen. Disbalance ist aber auch kein gutes Wort dafür, denn das suggeriert, dass wir irgendwie immer ausbalanciert sind. Sind wir nicht, wir sind zyklische Wesen.

Gerade wir Frauen, Hormone sind nie in der Balance. Aber diese Defizite, diese hormonellen Defizite auszugleichen, und das gelingt häufig nicht. Manchmal muss es dann eben das L-Tyroxin sein, niedrig dosiert, und dann geht es ihnen plötzlich besser.

Und das macht uns dann wiederum Freude, wenn wir es schaffen, genau diese Richtungsgebung zu geben und das Leben von diesen Frauen einfach besser zu machen.

[Elisabeth Seidel] (26:07 - 26:37)

Ja, und gerade bei sowas wieder mehr Energie zu haben, das macht ja auch was mit der Psyche, Schilddrüsen Unterfunktion, das beeinflusst ja dann irgendwie alle Lebensbereiche. Also bei euch in der Praxis, bei dir in der Praxis, werden ja Präventionen, Frauengesundheit, Schönheit, ihr umfasst ja so ein ganz breites Gebiet. Wie greift das ineinander?

Vielleicht hast du ja sogar ein Beispiel, wo das gut funktioniert hat, dieses Konzept, wo alle Bereiche so ineinander gegriffen haben.

[Dr. med. Emina Borovina] (26:37 - 30:56)

Ja, habe ich tatsächlich. Es war ein ganz spannender Fall. Eine Frau in der 30, die in die Beratung zu mir kam, und wir haben uns eben sehr ausführlich unterhalten.

Sie brachte auch ganz viele Unterlagen mit. Und ich habe sie dann untersucht, und sie hatte was an der Kopfhaut. Und ich habe eine dermatologische Kollegin in der Praxis, und ich habe Erika dazu geholt, und dann haben wir uns das gemeinsam angeschaut und konnten das ganz schnell identifizieren und eben auch sehr schnell eingreifen.

Und es war ein gutartiger Tumorwucherung, wo eben sehr schnell eingegriffen werden musste. Und sie ist aber damit über ein Jahr schwanger gegangen und war sogar bei einigen Kollegen, die gesagt haben, das ist nichts Schlimmes, und wir beobachten das und so weiter und so fort. Und das ist ein sehr gutes Beispiel.

Sie kam wegen einer hormonellen Umstellung und hat das dann beiläufig erwähnt, beziehungsweise als ich untersucht habe, habe ich das angesprochen. Und so sind wir ins Gespräch gekommen und konnten da tatsächlich auch eine Erkrankung diagnostizieren und identifizieren. Und gemeinsam mit meiner dermatologischen Kollegin konnten wir dem auch sofort einen Namen geben und uns da engmaschig beziehungsweise ganz niedrigschwellig absprechen.

Und das ist ein Wert in unserer Praxis, den man eben an vielerorts Stellen nicht hat, weil dann wird man dann erstmal von A nach B nach C geschickt, weil es ja nicht mehr ein Fachbereich ist. Und wie ich schon eingangs sagte, wir haben nicht alle Fachbereiche abgebildet, aber wir haben eine Dermatologie. Ich als Chirurgin, wir haben ab Oktober eine Gynäkologin in der Praxis.

Wir haben eine Ernährungswissenschaftlerin da, wir haben eine Anästhesistin, eine Intensivmedizinerin, die auch Ernährungsmedizin macht. Also wir versuchen schon sehr interdisziplinär und holistisch den Frauen zu begegnen und dann aber auch ganz niedrigschwellig uns abzusprechen und konziliarischen Entscheidungen zu treffen, sodass die Frau auch wirklich mit einer Diagnose beziehungsweise mit einem identifizierten Problem rausgeht und aber auch Tools an die Hand bekommt, beziehungsweise eine Adresse, wo sie jetzt hingeht und wo das dann auch behandelt werden kann.

Und dann ist dieser Spießroutenlauf von ich habe drei Jahre lang gebraucht, bis das festgestellt wurde, einfach mal Vergangenheitsmusik. Und das ist mir ein Anliegen. Das ist wirklich mir ein Anliegen.

Da habe ich auch, da brenne ich für, dass wir diesen Weg zur Diagnose, wenn es denn eine gibt, für uns Frauen verkürzen, denn die ist einfach zu lang. Die ist einfach zu lang und die Frauen leiden unterwegs. Und wie gesagt, ich habe es jetzt nicht so lange, aber ich habe es auch an meiner eigenen Haut erfahren oder an meinen Knochen, besser gesagt.

Und es ist unnötig. Es ist unnötig, wenn wir genauer hinschauen. Nochmal ein kleiner Ausflug dorthin zurück.

Ich bin an meine Alma Mater, also an die Charité zurückgegangen, wo ich auch meine Tochter entbunden habe. Da war ich in unkomplizierter ambulanter Entbindung, bin nach drei Stunden nach Hause gegangen. Und die Kreissäle kriegen ja auch nie wieder eine Rückmeldung, dass was ist.

Da bin ich dann zurückgegangen nach drei Monaten und habe gesagt, so Leute, war halt ein Beckenbruch und ich wollte das einfach nur mal melden. Ich hoffe, es gibt ein Register oder irgendeine Datenbank oder irgendwas. Ich meine, wir sind das größte Universitätsklinikum Europas und das gab es nicht.

Und da habe ich damals mit der leitenden Oberärztin gesprochen, die auch dreifach Mama ist und in meinem Alter. Und wir haben befunden, dass das auch geändert werden muss. So hat eigentlich alles gestartet.

Und sie hat eine Studie angeschoben und heute wird das erfasst. Und das sind so kleine Dinge, die wir bewegen können, aber die dann in Gänze vielleicht in zehn Jahren dann doch den Unterschied machen. Und das ist auch ein Appell an alle Frauen, die Entscheidungsträgerinnen sind oder auch die Ermächtigung haben, wie wir Ärztinnen, da auch einfach mal Dinge zu benennen und auch anzuschieben, dies auch zu tun.

Für uns und für alle Frauen, die nach uns kommen, um die Frauengesundheit besser zu machen.

[Elisabeth Seidel] (30:58 - 31:01)

Danke, dass du dafür aufstehst, kann man ja mal sagen.

[Dr. med. Emina Borovina] (31:04 - 31:09)

Wenn wir es nicht tun, wer tut es für uns?

[Elisabeth Seidel] (31:10 - 31:32)

Stimmt. Du machst ja in der Praxis auch ästhetische Medizin. Du bist ja auch Mund-Kiefer-Gesichtschirurgin.

Ich dachte immer, da fällt vor allem alles, was den Kiefer angeht, rein. Ich weiß gar nicht, was man da alles so macht. Aber es wäre ja sicherlich auch möglich, dass du kleinere Operationen durchführst.

Machst du das noch?

[Dr. med. Emina Borovina] (31:33 - 33:42)

Ich habe das in den letzten Monaten nicht gemacht, weil es einfach aus Kapazitätsgründen noch nicht ging. Das habe ich aber auf jeden Fall vor, weil ich auch sehr gerne operiere. Und mir war es aber wichtig, in meinem Fachbereich auch einen gewissen Vakuum zu schließen.

Also, es wird, wir als Chirurgen operieren eben gerne, greifen sehr schnell gern zum Skalpell. Und gerade, wenn es um die Ästhetik geht und um sogenannte Verlangensleistungen, wie Augenlid Straffungen und Gesichtsstraffungen und Faltenbehandlungen etc., dass es nicht viel gibt zwischen ich creme ein bisschen und mache Kosmetik und ich schneide. Und da habe ich eben auch sehr viel Zeit investiert und sehr viel recherchiert und arbeite sehr schonend, biostimulativ und mit Lasersystemen, die die eigenen Kollagenfasern und Elastinfasern, also die Strukturproteine quasi befeuern, weil wir haben die ja noch gerade, die Frau ab Lebensmitte, da ist ja nicht alles tot.

Wir haben ja Substrat, wir haben ja was, mit was wir arbeiten können. Und ich fand es mal eine ganz nette Idee, quasi das anzusprechen und das zu befeuern, was noch da ist, um die Zellen immer beschäftigt zu halten und um die Zellerneuerung immer wieder anzukurbeln, statt immer wieder mal zu schneiden oder mit Hyaluronsäuren irgendwas zu unterfüttern, was dann schon ein sofortiges Ergebnis hat, aber eben, wie ich finde, nicht so wahnsinnig nachhaltig ist und auch fraglich gesund für die Frauen, sich solche Hyaluronsäureimplantate in irgendwelche Stellen im Gesicht setzen zu lassen, wo sie nichts verloren haben. Von daher mache ich sehr viel auch in diesem Bereich und ich mache es hauptsächlich in diesem Bereich, also jegliche Faltenbehandlungen und Verjüngungen im Gesicht, aber bei uns kann man eben auch, wenn man dann möchte und wenn man chirurgisch qualifiziert ist, auch eine OP bekommen.

[Elisabeth Seidel] (33:43 - 34:13)

Du hast was Interessantes angesprochen, worauf ich nochmal kurz eingehen will, weil ich das Gefühl habe, es ist sehr verbreitet, auch junge Frauen sind schon echt gefüllt mit Fillern, wenn ich es mal so bezeichnen darf. Du hast jetzt gerade die Gefahr davon angesprochen. Ich habe das schon gehört, dass Filler sich verteilen, wandern, natürlich versucht das Immunsystem teilweise, die abzutransportieren, teilweise mit fatalen Folgen.

Was sind so die Gefahren von diesen Fillern?

[Dr. med. Emina Borovina] (34:14 - 36:55)

Also ich möchte jetzt hier wirklich kein Filler-Bashing oder irgendwas betreiben. Es gibt sehr gute Indikationen für Filler. Ich finde aber, dass die Filler und gerade, wenn es nicht ärztlich gemacht wird, weil ich glaube, jeder, der nicht diese medizinischen Background hat, da auch einfach nicht den richtigen Zugang hat, beziehungsweise nicht die richtige Einstellung hat, einfach weil die Leute das nicht wissen.

Und mir war das zu niedrigschwellig. Also Fillern macht jeder in Berlin gefühlt. Also man kann es in der Küche in Neukölln irgendwo bekommen, im Kosmetikstudio in Pankow und sonst wo.

Und jeder setzt den Frauen da irgendwas rein. Es ist insofern schwierig, als dass wir wissen und das belegen eben Studien, die Verlaufsstudien, die publiziert sind. Da kann man auch wieder bei Pub Med reinschauen.

Die belegen, dass Filler migriert, Punkt. Also es bleibt selten an Ort und Stelle und es gibt MRT-Untersuchungen, die das belegen und so weiter und so fort. Filler kann eine sehr gute Indikation haben, aber ich finde, dass Filler einfach zu Bagatell eingesetzt werden.

Und ich bin vor einigen Jahren weg von Fillern gegangen, bis auf einige wenige Ausnahmen wirklich, wo es eine Unterfütterung bedarf oder ein Implantat bedarf. Ja, so wie wenn die Brust atrophiert ist nach vielen Schwangerschaften und Stillzeiten, da braucht es auch irgendwie eine Argumentation und genauso ist es auch im Gesicht. Aber allein um Falten auszugleichen, finde ich, Filler nicht unbedingt das Mittel der Wahl, weil es eben andere Möglichkeiten gibt.

Ja, und die sind nicht so effektiv. Man sieht nicht sofort ein Ergebnis und das ist natürlich für uns Ärzte anstrengend. Wir müssen aufklären und müssen vielleicht noch ein zweites Mal aufklären, weil die Patientinnen oder Klientinnen das gewöhnt sind, dass sie einen Filler bekommen und das ist alles sofort schön.

Und alles, was aber biostimulativ ist, baut aufeinander auf. Ja, also wir haben eine Stoffwechselrate und das dauert seine Zeit, bis sich die neuen Zellen ausgebildet haben und bis wir ein Ergebnis haben. Ja, und wenn wir Biostimulatoren einsetzen, dann reden wir von einem halben bis zu einem Jahr.

Und das muss man dann wiederum als Frau gewollt sein einzugehen, ja, auch diese Geduld mitzubringen, um nach hinten raus ein schönes und nachhaltiges Ergebnis zu bekommen. Und das ist natürlich etwas beratungsintensiver, es ist natürlich auch kostintensiver, ja, solche Biostimulatoren als ein bisschen Hyaluron.

[Elisabeth Seidel] (36:56 - 37:11)

Okay, danke für die kurze Aufklärung. Was denkst du aus deiner Erfahrung in der Praxis, welche Rolle spielt diese ästhetische Medizin für das Wohlbefinden der Frauen, jetzt im ganzheitlichen Sinne?

[Dr. med. Emina Borovina] (37:12 - 39:55)

Ja, danke für die Frage. Ich bin sehr froh, dass du sie stellst, denn ich finde, dass so Ästhetik und Schönheit so ein bisschen verrucht ist und in so einer Schmuddelecke. Und das sind ja alles nur Oberflächlichkeiten und die Frauen können mit dem Alter nicht umgehen und deshalb machen sie eben diese ästhetischen Eingriffe und sprechen nicht drüber und so weiter.

Ich glaube, dass es eine wesentliche Säule unseres Wohlbefindens tatsächlich ist, weil das, was wir im Spiegel sehen, sollte auch dementsprechend wie wir uns fühlen und umgekehrt. Und ich habe ganz häufig Patientinnen da, die sagen, ja, ich bin jetzt Mitte 40, aber ganz ehrlich, ich fühle mich wie Ende 20 und mein Gesicht entleitet mir. Aber kann man da was tun, weil wenn ich mich so im Spiegel sehe, dann geht es mir direkt schlecht und mein Tag startet blöd.

Und genau das ist ein wesentlicher Punkt. Es ist nicht nur ein bisschen Ästhetik und es ist nicht nur ein bisschen Zornesfalte weg, Botoxen, sondern es hat ein wahnsinniges, wahnsinnigen Impact auf das Wohlbefinden, übrigens von Männern auch, nicht nur von uns Frauen. Das wird ja auch immer mehr von den Männern in Anspruch genommen, weil es einfach sehr wirkungsvolle und sehr effektive und sehr niedrigschwellige Maßnahmen sind, die uns sofort frischer und einfach freundlicher ausschauen lassen.

Und dann fühlen wir uns auch einfach direkt wohler. Und ich finde, das sollte weg aus dieser verruchten Ecke. Wir sprechen nicht darüber, gerade Frauen in meinem Alter, also so Anfang, Mitte 40, das ist nochmal eine andere Generation.

Ich glaube, dass Frauen, die 20 Jahre jünger sind, einen ganz anderen Zugang zu diesen Themen haben und damit auch ganz anders umgehen. Übrigens auch mit den ganzen geschichtsspezifischen Themen wie Menstruation und so weiter. In meiner Generation wurde da nie drüber gesprochen, geschweige denn, dass es irgendjemanden interessiert hat, wenn man Menstruationsbeschwerden hatte.

Und ich finde das gut, dass das heute benannt wird, adressiert wird und auch gesagt wird, denn es ist keine Entschuldigung, aber es ist eine Erklärung für den Zustand, in dem sich Frau befindet. Und wir sind nun mal zyklische Wesen. Von daher finde ich die Entwicklung super und ich hoffe, die geht so weiter.

Der Trend geht so weiter in die Richtung. Aber Wohlbefinden ist eben so viel. Das ist die Abwesenheit von Krankheit, dass wir gesund sind.

Es ist auch Wohlstand, wenn wir von Wohlbefinden sprechen. Das muss man sich ja auch alles irgendwie leisten können, wollen. Und es ist aber auch eine Sache von optischem Aussehen.

Wie sehen wir uns? Wie nehmen wir uns wahr? Und wie wollen wir wahrgenommen werden?

Und das ist ganz weit weg von Oberflächlichkeit, finde ich.

[Elisabeth Seidel] (39:55 - 40:27)

Es verändert ja auch irgendwie die Art und Weise, wie man durch die Welt geht. Total, ja. Danke für die Antwort.

Eine weitere Säule in der Praxis ist Prävention. Jetzt hatten wir in unserem Vorgespräch, haben wir schon kurz darüber gesprochen, Prävention oder wie es heute auch oft als Longevity bezeichnet wird. Welche Maßnahmen bietet ihr da an?

Beziehungsweise welche Maßnahmen hältst du für effektiv oder für erfolgreich?

[Dr. med. Emina Borovina] (40:34 - 42:57)

Also, Longevity ist super. Longevity ist aber auch, finde ich, eine riesengroße Bubble. Und Longevity kann sich nicht jeder Mensch leisten.

Unser Ansatz ist viel demokratischer. Ich möchte, dass es so vielen Frauen wie möglich besser geht in diesen Phasen. Und das können wir eben nicht alles über Kassenmedizin abbilden.

Und einiges muss eben privat bezahlt werden. Aber wir versuchen, es so niedrigschwellig wie möglich zu halten. Wenn wir über Longevity, Biohacking und Optimierung sprechen, finde ich, sind wir in einer ganz anderen Sphäre.

Und wir bieten auch Longevity-Beratung bei uns an. Denn hin und wieder gibt es Frauen, die sagen, es ist alles super. Ich möchte aber, dass es noch besser ist.

Und was kann man da machen? Da gibt es seitenlange Parameter, die man abrufen kann, um da zu schauen, was man denn da jetzt nochmal justieren könnte und wie man denn das Wohlbefinden beziehungsweise auch die Leistungsfähigkeit steigern könnte. Das sind aber eher die Ausnahmen bei uns in der Praxis, muss ich ehrlicherweise sagen.

Das, finde ich, gehört auch vielmehr so in den Lifestyle-Bereich, der ja fein ist. Aber unsere Ansprache gilt eher den Frauen, die eher sekundärpräventiv Bedarf haben. Das heißt, wir sind schon nicht total krank, aber wir haben halt irgendwie, keine Ahnung, es fehlen uns ein paar Hormone oder irgendwas stimmt nicht oder wir sind müde oder haben Haarausfall plötzlich.

Also die haben schon Themen und wir versuchen, das so einzugrenzen und so sekundärpräventiv tätig zu sein, dass wir den Zustand, in dem wir uns befinden, besser machen und die Gesundheitsjahre verlängern. Und damit meine ich nicht, dass wir 150 alle leben und Marathon laufen, sondern dass wir eben das, was aktuell durchschnittliche Lebenserwartung von uns Frauen ist, 85 oder sowas, dass wir so lange wie möglich diese Jahre gesund leben können. Und das heißt aber Gefäßschutz, Knochenschutz, das sind so ganz unsexier Dinge einfach, die wahnsinnig wichtig sind und in der Breite wird einfach nicht viel darüber gesprochen.

Es sind einige wenige, die sehr gut informiert sind und die Longevity betreiben und sagen, ich möchte aber 120 werden und ich mache das alles schon und ich möchte das jetzt aber noch besser machen. Also kann ich an einer Hand abzählen.

[Elisabeth Seidel] (42:58 - 43:33)

Es sind ja auch oft, du hast es gerade schon angesprochen, sind ja auch einfachere Dinge, die man machen kann. Also ich brauche ja jetzt nicht irgendwie zig Therapien, ich will nicht sagen Therapien, aber es gibt ja irgendwie Lymphboots und was weiß ich, was ist alles so. Maßnahmen, genau, Maßnahmen.

Eisbäder, Infrarotlampen und so weiter, was alles total gut ist und auch gute Effekte auf dem Körper hat. Aber wenn ich halt die ganze Zeit schlecht schlafe oder trotzdem die ganze Zeit gestresst bin, dann ist es irgendwie doch was anderes, wo ich ansetzen muss.

[Dr. med. Emina Borovina] (43:34 - 44:30)

Ja, absolut, absolut. Genau das. Also man kann wirklich sehr viel machen und sehr viel tun und in viele unterschiedliche Richtungen gehen.

Aber unsere Erfahrung zeigt uns, dass es ganz vielen Frauen ab Lebensmitte an der Basis hat. Und das ist so wirklich wie ausreichend Schlaf, einfach nur ausreichend Schlaf. Ich habe eine Frau, die sagt, ich schlafe nicht länger als fünf Stunden und das ist halt normal für mich und das ist aber nicht normal.

Und da muss man dann eben genauer hinschauen, denn es gibt Studien, die belegen, wenn man jahrelang unter sieben Stunden schläft, dass es wahnsinniger negative Auswirkungen auf die Gesundheit hat. Und da werde ich dann immer hellhörig und das ist aber für mich so Basis, ja, ist guter Schlaf und vernünftiges Essen und eine vernünftige Supplementierung, um eben Krankheiten zu vermeiden in der Zukunft und um vernünftig eben auch seinen Körper und auch sein Inneres, nicht nur die äußere Hülle zu schützen und gesund zu halten.

[Elisabeth Seidel] (44:32 - 44:41)

Wie ist es, du hast es ja schon angesprochen mit den Bluttests, mit den Wearable Daten, die die Leute mitbringen. Wie gehst du damit um und wie sinnvoll hältst du das?

[Dr. med. Emina Borovina] (44:43 - 46:02)

Also wir können das gar nicht abbilden, dass wir jetzt alle Daten, die uns mitgebracht werden, auswerten in Gänze. Wir versuchen zu filtern und zu schauen, okay, aus dem Gespräch, aus dem anamnestischen Gespräch heraus, was macht denn jetzt Sinn, sich näher anzuschauen, ja. Und wenn sie eine Apple Watch haben und ein Oura Ring und noch irgendwas, dann versuchen wir eben rauszufiltern, was denn der mögliche Knoten ist und schauen dann eben da spezifischer nochmal nach.

Und dann schauen wir uns auch mal so eine Auswertung an, ja, gerade wenn es um Schlafrhythmus geht, beziehungsweise um den guten und erholsamen Schlaf. Da nehmen wir uns die Daten auch gerne mal zur Hand. Die sind meist verlässlich und doch präzise.

Viele Frauen erzählen uns, ja, ja, das passt halt total. Also wenn ich nicht gut geschlafen habe, dann gucke ich drauf und das sagt es auch. Und die sind schon nutzbar.

Dennoch sind wir Mediziner immer noch so ein bisschen reserviert, was diese ganzen Wearables betrifft, obwohl sich das ja in den letzten Jahren wahnsinnig entwickelt hat technologisch und auch tatsächlich brauchbar für die Praxis sein kann.

[Elisabeth Seidel] (46:02 - 46:25)

Es wird ja auch immer, immer mehr und immer verschiedene Sachen kommen dazu. Aber jetzt kann man, glaube ich, irgendwie beim Blutdruck messen, wie genau das funktionieren soll. Keine Ahnung.

Aber gibt es so Parameter oder irgendwelche Tests, die du grundsätzlich empfehlen würdest? Also vielleicht jetzt vor allem für die Frau, die im Wechseljahr ist und zu dir in die Praxis kommt.

[Dr. med. Emina Borovina] (46:25 - 47:10)

Genau, also es ist ja immer und das ist ja wirklich unser Ansatz. Wir sind alle unterschiedlich, auch wenn wir uns alle vermutlich ab 35 in irgendeiner hormonellen Umstellung befinden, bringen wir ja unterschiedliche Dinge mit. Und da ist einfach so ein Sortiergespräch, so ein anamnestisches Gespräch essentiell.

Und da macht es keinen Sinn zu sagen, jede Frau ab Mitte 30 muss das und das und das und das testen, weil es nicht für jede Frau Sinn macht. Von daher würde ich jetzt nicht mit irgendwelchen Werten daherkommen und sagen, testet das und jenes und dieses, sondern wir schauen wirklich, was macht denn jetzt tatsächlich für die einzelne Frau Sinn und das ergibt sich aus diesem Beratungs- oder Anamnese-Gespräch, was wir führen.

[Elisabeth Seidel] (47:10 - 47:13)

Okay, also es ist jetzt nicht so, dass jeder einen Hormontest macht?

[Dr. med. Emina Borovina] (47:14 - 47:51)

Nein, nein, überhaupt nicht. Es gibt ja ein klinisches Bild und das bewerten wir und gucken dann, welche diagnostischen Maßnahmen machen dann tatsächlich Sinn. Das kostet ja auch alles Geld.

Und so alles für jeden und immer, ja klar, wenn man gar kein Budget hat und alles bezahlen möchte, dann kann man auch die wildesten Dinge testen, aber das ist meist nicht der Fall. Genau, also versuchen wir erst mal vom klinischen Bild auf die diagnostischen Maßnahmen zu schließen und empfehlen dann, was diagnostisch sinnvoll wäre und dann aber eben auch therapiewürdig in letzter Konsequenz.

[Elisabeth Seidel] (47:51 - 48:13)

Gibt es in diesem Bereich Prävention irgendwelche Trends, die du total für sinnlos hältst oder die du total gut findest? Jetzt auch was Testungen angeht. Es gibt ja jetzt online mittlerweile auch alle möglichen Testungen.

Es gibt ganz viele Devices, die man sich bestellen kann. Vielleicht ist dir schon mal irgendwas begegnet, wo du sagst, okay, das macht irgendwie keinen Sinn.

[Dr. med. Emina Borovina] (48:14 - 50:07)

Ja, ich finde es tatsächlich, ich finde das gut, dass das zugänglich ist und immer niedrigschwelliger ist. Man sollte aber immer schauen, okay, was teste ich, wie teste ich es, wie ist die Probeentnahme, wann wird es ausgewertet im Labor und was ist denn die Konsequenz, die daraus folgt. Also teste ich jetzt einfach irgendwas, weil es gerade bei dm im Regal liegt und zehn Euro kostet und ich neugierig bin.

Das finde ich tatsächlich etwas schwierig. Ich finde es auch super gut, dass es Plattformen gibt und dass es auch Frauen, Männern in ländlichen Regionen zugänglich gemacht wird, solche ausführlichen Bluttests zu machen. Was ich aber schwierig finde an der Sache ist, dass ja häufig gar kein Arzt dann mehr greifbar ist.

Das heißt, die Patienten kriegen dann ihre Blutergebnisse oder whatever Ergebnisse einfach ausgespielt und können dann schauen, was sie damit machen. Und dann müssen sie sich aber in letzter Konsequenz dann doch noch irgendwie einen Arzt suchen und häufig scheitert es daran. Dann wurden sehr teure Tests durchgeführt.

Es ist vielleicht auch was bei rum gekommen, aber die Leute sitzen dann da und wissen dennoch nicht weiter. Und das ist ein Trend, den finde ich etwas schwierig und da versuche ich auch immer wirklich das zu adressieren. Und ich bin im Austausch mit ganz vielen Startups hier in Berlin, die eben solche Plattformen bauen und versuche da auch immer anzuregen und Hinweise zu geben, dass Befundung zwar teuer ist, aber diese ganze Testung macht wenig Sinn, wenn es überhaupt gar keine Befundung hinterher gibt.

Und wenn die Leute mit ihren Ergebnissen nichts anzufangen wissen. Das finde ich ist irgendwie so ein Trend, der mir nicht so ganz gut gefällt.

[Elisabeth Seidel] (50:10 - 50:19)

Was denkst du müsste sich im Gesundheitssystem ändern, um Frauengesundheit besser zu machen? Ich sage jetzt einfach mal besser zu machen.

[Dr. med. Emina Borovina] (50:20 - 55:22)

Oh, da fallen mir so viele Sachen ein. Frauengesundheit ist ja so vielfältig und Frauengesundheit des Lebens Mitte ist ja auch für viele Frauen ja erst mal kein Thema. Wenn wir erst mal durch die Pubertät durch sind, sage ich mal, haben wir so 10, 15 sehr gute Jahre, wo das alles irgendwie nicht so ein Riesenthema ist, wenn man nichts hat. Und dann wird plötzlich Frauengesundheit sehr relevant.

Ja, so ab Kinderwunsch, Kinderkriegen, hormonelle Umstellung, Perimenopause etc. Peepee, weil plötzlich dann doch der Körper kränkelt und die Stoffwechselprozesse sich verändern. Von daher, um nicht diskriminierend mich jetzt hier zu äußern, Frauengesundheit ist ein super großes Thema.

Ich würde es jetzt einfach mal so für die Frauengesundheit ab Lebensmitte eingrenzen, weil ich glaube, dass das wahnsinnig unterrepräsentiert ist. Also gerade wenn es um Perimenopausale oder Wechseljahresbeschwerden geht, die ja auch wirklich sehr lange andauern und die auch zumindest bei ein Drittel der Frauen, die betroffen sind, auch tatsächlich sehr gravierende Symptome aufweisen, da könnte man zum Beispiel eine Quartalspauschale einführen für klimakterische oder Wechseljahresbeschwerden. Ja, das würde den Ärztinnen und Ärzten helfen, solche Patientinnen auch anzunehmen beziehungsweise auch anzuhören, weil sie es auch betriebswirtschaftlich in ihrer Praxis abbilden können.

Wir haben vorhin das Thema gehabt der knappen Arztressource und dass wir eben nicht wahnsinnig gut für die Beratung entlohnt werden und das scheuen eben viele Kolleginnen und Kollegen beziehungsweise sie haben wirtschaftliche Zwänge, wo das schlicht einfach nicht abbildbar ist und das hat auch nichts mit sie wollen nichts oder sie können nichts zu tun, sondern es sind ja auch alles niedergelassen.

Ärzte sind auch einfach Unternehmer, sie haben Angestellte und sie haben Verantwortung und Verpflichtung und müssen da eben auch betriebswirtschaftlich handeln. Von daher würde, glaube ich, so eine Quartalspauschale für klimakterische Beschwerden echt Sinn machen und ich wünsche mir, dass das bald kommt, weil es möglich ist. Das ist natürlich eine finanzielle beziehungsweise auch eine Ressourcensache bei den Krankenkassen, die ja gerade doch sehr knapp bemessen sind und auch sparen müssen, aber da würde ich mir überlegen, an welcher Stelle ich spare, denn es sind nicht unerhebliche Zahlen.

Es sind immerhin neun Millionen Frauen, die darunter leiden aktuell. Von daher hat es eben wie schon erwähnt wirtschaftliche Auswirkungen auf unser Land. Also so eine Quartalspauschale wäre super und so wie wir Schwangerschaftsvorsorge schon etabliert haben, dass man da immer irgendwie von seiner Krankenkasse und Krankenversicherung bekommt.

Ach, herzlichen Glückwunsch, sie sind schwanger. Muss man jetzt nicht sagen, herzlichen Glückwunsch, sie sind in den Wechseljahren, aber sie sind schon 40 und haben sie dann daran gedacht, dass sie vielleicht ABCD mal untersuchen lassen sollten. Einfach mal so einen Gesundheitscheckup einmal jährlich, der dann eben spezifisch die Frauengesundheitsproblematiken anspricht, wie Knochenschutz, Gefäßschutz, Hormonersatztherapie, weil es verändern sich eben Dinge und Östrogen ist einfach so ein wahnsinnig wichtiges Hormon für uns Frauen, was nach hinten raus sehr viele Beschwerden macht, wenn man 30 Jahre lang nicht guckt.

Und dann fällt die Frau hin und bricht sich die Hüfte und die zweite umstirbt da dran. Also das muss nicht sein. Und dass man einfach so Recalls vielleicht bekommt.

Haben sie schon daran gedacht, dass ihre Gefäße mal untersucht werden sollten oder sie eine knochendichte Messung machen sollten mit Mitte 40? Also das stelle ich mir auch als eine sehr effektive Maßnahme, weil da bekommen die Frauen auch eben eine Bühne, haben das Gefühl, sie werden gesehen und es ist auch nicht schlimm, wenn sie zu ihren Ärzten gehen und sagen, hey, ich habe hier so einen Brief von meiner Krankenkasse und ich sollte doch jetzt mal mich um meine Knochengesundheit kümmern. Dann hat das eine ganz andere Wichtung, als wenn wir als Frauen hingehen und sagen, ja, ich fühle mich irgendwie nicht so und irgendwas stimmt nicht mit mir.

Damit können wir Ärzte schlecht arbeiten, sage ich mal, beziehungsweise es ist eine Sprache, die nicht sofort verstanden wird. Und das fände ich super, wenn es so was gäbe und so etwas etabliert werden könnte und dass einfach dieses Thema der Frauengesundheit auch in den niedergelassenen Praxen mehr Bühne und mehr Raum kriegt. Und das muss eben, wie schon gesagt, auch einfach finanziell abbildbar sein für uns alle.

[Elisabeth Seidel] (55:22 - 55:24)

Und dann schon von weiter oben eben auch kommen.

[Dr. med. Emina Borovina] (55:25 - 55:51)

Genau, genau, genau. Also es muss einfach auch ein politischer Wille sein und wir haben gerade ein gutes Momentum und ganz viele engagieren sich. Und es gibt ganz tolle Initiativen, wie wir sind 9 Millionen und so weiter, die die Entscheidungsträger anschreiben und da auch Hints geben und Hinweise geben.

Ich glaube, dass einiges in Bewegung ist und kommt, aber dennoch ist sehr viel zu tun.

[Elisabeth Seidel] (55:54 - 56:02)

Vielen Dank. Du bist eine davon, die aufsteht und kämpft für die Gesundheit der Frauen, für die 9 Millionen.

[Dr. med. Emina Borovina] (56:02 - 56:35)

Ja, ja, absolut. Und auch die restlichen Frauen, denn wie gesagt, ich werde häufig gefragt, ja, warum nur Frauen? Es gibt doch auch uns Männer und wir sind auch Menschen.

Genau, und ich sage, ja, Frauen liegen mir einfach mehr am Herzen. Es tut mir leid. Auch einfach schon wirklich aus eigener Betroffenheit und diesen Lücken, die das System auch schlicht einfach aufzeigt.

Ja, finde ich, dass die Frauengesundheit immer noch sehr unterrepräsentiert ist in unserem System.

[Elisabeth Seidel] (56:36 - 56:51)

Ist sie. Liebe Emina, vielen Dank für unser Gespräch. Wir kommen schon zum Ende unseres heutigen Podcasts.

Hast du ein Lieblingssupplement? Gibt es irgendwas, worauf du nicht verzichten kannst?

[Dr. med. Emina Borovina] (56:53 - 56:54)

Magnesium.

[Elisabeth Seidel] (56:54 - 56:55)

Same for me.

[Dr. med. Emina Borovina] (56:57 - 57:18)

Magnesium macht mein Leben so viel besser, aber auch B-Vitamine. Ich habe einen hereditären (erblich) Vitamin B12-Mangel. Ich muss das Vitamin B12 supplementieren, sonst geht es mir wirklich schlecht.

Und das Vitamin D finde ich auch wahnsinnig wichtig. Genau, aber mein Magnesium, das muss schon sein. Eisen, Eisen supplementiere ich auch.

[Elisabeth Seidel] (57:19 - 57:21)

Super, das ist schon ein guter Plan.

[Dr. med. Emina Borovina] (57:22 - 57:24)

Ja, ich gebe mir Mühe.

[Elisabeth Seidel] (57:25 - 57:39)

Also nochmal vielen, vielen Dank, dass du heute da warst. Danke für die wertvollen Informationen. Ich glaube, das ist super interessant für viele, viele Frauen.

Und wo kann man dich erreichen? Wo findet man dich? Online vielleicht oder offline?

[Dr. med. Emina Borovina] (57:39 - 58:14)

Ja, offline wie online. Einfach bei www.Veo Health.de schauen. Wir sind auch bei Instagram seit ein paar Monaten.

Da kann man uns auch mal kontaktieren und anschreiben und oder auch einfach anrufen. Ja, wir haben eine Festnetznummer. Uns kann man auch noch anrufen.

Wir haben eine Website. Wir sind bei DrLib. Darüber kann man auch Termine buchen.

Genau, oder einfach in Berlin-Mitte in den Fehrbeliner Höfen mal vorbeischauen. Fehrbeliner Straße 47 A in Berlin-Mitte.

[Elisabeth Seidel] (58:15 - 58:17)

Also wahrscheinlich besser mit Appointment.

[Dr. med. Emina Borovina] (58:17 - 58:27)

Ja, besser mit Appointment, sehr gerne. Aber wir freuen uns auf jeden Besuch und zumindest kriegt man immer ein Heißgetränk und Wasser bei uns, auch wenn man keinen Termin hat.

[Elisabeth Seidel] (58:29 - 58:36)

Also wer das gehört hat, da findet man Emina. Wir sind für heute fertig. Ja.

Und das war's für die heutige Episode.

[Dr. med. Emina Borovina] (58:37 - 58:42)

Vielen, vielen Dank für die Einladung. Es war mir eine Freude, hier heute mit dir zu sprechen. Danke.

[Elisabeth Seidel] (58:42 - 58:42)

Gerne.

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