

Blutzucker optimieren: Wie Insulin dein Gewicht steuert
Warum nehmen wir zu, obwohl wir Kalorien zählen und fettarme Produkte kaufen? Die Antwort liegt laut Prof. Dr. Stephan Martin oft nicht auf der Waage, sondern in unserem Hormonhaushalt – und dort vor allem beim Hormon Insulin. Als Diabetologe, Endokrinologe und Autor des Buches „Blutzucker optimieren, Gewicht reduzieren“ bricht er mit der, seiner Meinung nach, größten "Lüge" der modernen Ernährungswissenschaft: dem Fokus auf das Kalorienzählen.
Im Gespräch im HEALTHWISE-Podcast erklärt Prof. Dr. Stephan Martin, warum er Insulin als den wahren "Chef" der Fettverbrennung ansieht und wie es diese blockiert. Er zeigt auf, warum Stärke und versteckter Zucker oft ein größeres Problem sind als gedacht und welche Rolle hochverarbeitete Lebensmittel, Frühstücksgewohnheiten und sogar Stress für unseren Blutzuckerspiegel spielen.
Die Folge HEALTHWISE auf YouTube
Insulin, Blutzucker und Gewicht: Das unterschätzte Hormon
Insulinmangel versus Insulinüberschuss
Als Diabetologe betreut Prof. Dr. Stephan Martin täglich Menschen mit Typ-1- und Typ-2-Diabetes. Gerade dieser Kontrast hat ihn geprägt:
- Bei Typ-1-Diabetes fehlt Insulin. Die Betroffenen sind häufig eher schlank, und ohne Insulin nehmen sie ab, obwohl der Blutzucker hoch ist. Grund: Insulin senkt nicht nur den Blutzucker, sondern blockiert auch die Fettverbrennung. Fehlt Insulin, läuft die Fettverbrennung auf Hochtouren.
- Bei Typ-2-Diabetes ist die Situation umgekehrt: Die Betroffenen produzieren sehr viel Insulin, das aber schlechter wirkt. Wird zusätzlich Insulin gespritzt, berichten manche, dass sie „ständig Hunger“ haben und „alles anfallen, Hauptsache essen“.
Für Prof. Dr. Stephan Martin war das ein Schlüsselmoment: Insulin ist nicht nur ein lebenswichtiges Hormon, sondern auch ein Hungerhormon, das die Fettverbrennung bremst. Schaut man in die wissenschaftliche Literatur, ist diese Rolle von Insulin gut beschrieben. Sie ist seiner Einschätzung nach nur in weiten Teilen der Praxis und Öffentlichkeit in Vergessenheit geraten.
Buch "Blutzucker optimieren. Gewicht reduzieren."
Warum Kalorien zählen oft in die falsche Richtung führt
Für viele Menschen dreht sich Ernährung um Kalorien. Prof. Dr. Stephan Martin sieht darin ein Kernproblem: Wer nur auf Kalorien achtet, greift häufig zu fettarmen "Light-Produkten".
Das Problem aus seiner Sicht:
- Fett macht satt und führt nicht zur Aktivierung von Insulin. Die Angst vor kalorienreichem Fett sei unbegründet.
- Um Kalorien zu sparen, wird Fett oft durch mehr Kohlenhydrate (Zucker, Stärke) ersetzt.
- Gleichzeitig kommen in Light-Produkten oft künstliche Süßstoffe wie Aspartam zum Einsatz, bei denen Prof. Dr. Stephan Martin auf Bedenken hinsichtlich einer möglichen Insulinanregung verweist.
Sein Fazit: Der Fokus auf Kalorien führt oft dazu, dass Menschen mehr kohlenhydratreiche Produkte konsumieren und damit genau den Mechanismus der Insulin-Ausschüttung ankurbeln, der ihre Fettverbrennung bremst.
Der wahre Insulinauslöser: Stärke & versteckter Zucker
Der entscheidende Auslöser für Insulin ist Traubenzucker (Glucose). Prof. Dr. Stephan Martin warnt, dass dieser sich nicht nur in Süßigkeiten versteckt, sondern vor allem in Stärke.
Der Stärke-Mythos
Stärke (in Kartoffeln, Reis, Nudeln, Brot) ist nichts anderes als eine lange Perlenkette, die nur aus Traubenzucker besteht. Diese wird im Darm "in Sekundenschnelle" freigesetzt. Prof. Dr. Martin warnt, dass viele die Insulinauswirkung von Stärke unterschätzen und sie sich oft nur auf Haushaltszucker konzentrieren.
Diese Lebensmittel können Insulin antreiben:
- Obst: Enthält nicht nur Fruchtzucker (der Insulin kaum aktiviert), sondern laut Prof. Martin auch "ganz, ganz viel Traubenzucker". Er rät Menschen, die abnehmen müssen: "Esst Obst ohne Zucker – und das ist Gemüse."
- Hafermilch: Hafergetränke werden aus Haferflocken (purer Stärke) hergestellt und können den Insulinspiegel stark antreiben.
- Cashewkerne waren für Prof. Martin ein persönlicher Aha-Moment: Im Gegensatz zu vielen anderen Nüssen können sie den Blutzuckerspiegel deutlich stärker ansteigen lassen – unter anderem, weil Cashewkerne botanisch gesehen gar keine echten Nüsse sind.
Als unproblematisch für den Insulinspiegel nennt er hingegen Gemüse, Mandeln, Walnüsse sowie Soja- oder Mandelmilch (ohne Zuckerzusatz).
Wichtiger Hinweis: Prof. Dr. Stephan Martin betont jedoch, dass diese Lebensmittel nicht schlecht sind und Menschen mit einem Normalgewicht sich überhaupt keine Gedanken darüber machen brauchen. Er differenziert klar: Die "Stable Low Insulin" Methode ist für Menschen mit Übergewicht gedacht, die Schwierigkeiten bei der Gewichtsreduktion haben oder aus medizinischen Gründen (wie z. B. Bluthochdruck) abnehmen müssen.
Low-Insulin-Ernährung im Alltag: Beispiele aus der Praxis
Prof. Martin betont den Unterschied: Bei schlanken Menschen blockiert ein Teller Pasta die Fettverbrennung nur kurz. Bei stark Übergewichtigen kann dieselbe Mahlzeit die Fettverbrennung durch die "Insulinexplosion" für 3 bis 4 Tage lahmlegen.
"Cheat Day is a Shit Day"
Aus dieser Beobachtung leitet er seine klare Haltung zu "Cheat Days" ab: Wenn eine Mahlzeit tagelang nachwirkt, kann ein wöchentlicher Cheat Day den Erfolg zunichtemachen. Sein zugespitzter Satz: "Cheat Day is a Shit Day." Er plädiert stattdessen für bewusste Genießertage in größeren Abständen.
So können Low-Insulin-Mahlzeiten aussehen:
- Frühstück (optional): Wer keinen Hunger hat, muss nicht frühstücken. Das populäre Intervallfasten (16:8) sei effektiv, weil es Insulin niedrig hält. Wer frühstückt, kann z. B. ein Omelette mit Gemüse wählen.
- Mittag/Abendessen: Eine Gemüsepfanne mit Fisch oder ein Salat mit Eiweiß.
Individuelle Strategien, Bewegung und Stress
Die Reaktion auf Kohlenhydrate ist sehr individuell, so Prof. Dr. Stephan Martin. Er betont, dass die Kombination von Kohlenhydraten mit Fett oder Protein die Insulinantwort verlangsamen kann.
Allerdings sei dies nicht bei jedem gleich und müsse von jedem selbst ausprobiert werden. Für Prof. Dr. Stephan Martin ist dies ein Beleg, dass eine "individualisierte Ernährung" wichtiger ist als ein Ansatz, "bei dem jeder alles gleich machen muss". Sein Rat lautet daher, "keine Angst vor Fett" zu haben und durch Ausprobieren herauszufinden, was für den eigenen Körper funktioniert.
Bewegung: Mehr als nur Kalorienverbrauch
Bewegung ist laut Prof. Dr. Stephan Martin wichtig, aber man sollte sie zur reinen Gewichtsabnahme nicht überbewerten. Der Körper kompensiert den Energieverbrauch oft an anderer Stelle, sodass der Netto-Kalorienverbrauch durch Sport geringer ist als angenommen.
Der wahre, oft unterschätzte Nutzen von Bewegung sei ein anderer: Sie aktiviert das Hormon, das Insulin abbaut. Dieser Mechanismus hilft, den Insulinspiegel zu regulieren. Dies erklärt laut Prof. Martin auch, warum Frauen in der Menopause oft zunehmen: Das fehlende Östrogen aktiviert dieses Enzym nicht mehr so stark, wodurch der Insulinspiegel ansteigt.
Stress und die "drei Siebe"
Auch Stress kann den Insulinspiegel antreiben. Prof. Dr. Stephan Martin rät, den "selbstgemachten Stress" zu reduzieren, der oft durch einen ungefilterten Konsum von sozialen Medien und Nachrichten entsteht – die "Gülle der Welt", wie er es nennt.
Er empfiehlt als mentalen Filter die "drei Siebe des Sokrates": Man sollte Nachrichten danach filtern, ob sie...
- wahr sind,
- gut (von Güte) sind, und
- notwendig für das eigene Leben sind.
Dieser Filter helfe, sich von negativen Dingen abzugrenzen, die man ohnehin nicht beeinflussen kann.
Take Aways
- Fokus auf Insulin, nicht Kalorien: Laut Prof. Dr. Stephan Martin ist das Hormon Insulin der entscheidende Faktor, der die Fettverbrennung blockiert.
- Stärke ist Zucker: Stärke (in Kartoffeln, Brot, Nudeln) besteht aus Traubenzucker (Glucose) und kann den Insulinspiegel stark antreiben.
- Fett ist kein Feind: Fett macht satt und löst keine starke Insulinreaktion aus, die Angst vor kalorienreichem Fett ist laut Prof. Martin unbegründet.
- Vorsicht bei "gesunden" Insulinauslösern: Auch Hafermilch (Stärke), Obst (Glucose) und Cashewkerne können den Insulinspiegel beeinflussen.
- Kontext ist entscheidend: Die "Stable Low Insulin" Methode richtet sich an Menschen, die abnehmen müssen – nicht an Normalgewichtige, die sich darüber keine Gedanken machen müssen.
- Frühstück ist optional: Das populäre Intervallfasten (16:8) ist effektiv, weil es die Insulinspiegel niedrig hält.
- Bewegung kann hormonell wirken: Sport hilft weniger durch reinen Kalorienverbrauch, sondern indem er die Enzyme aktiviert, die Insulin abbauen.
Mehr erfahren im healthwise Podcast von sunday natural
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Prof. Dr. med. Stephan Martin ist Internist mit Schwerpunkt Endokrinologie und Diabetologie und Direktor des Westdeutschen Diabetes- und Gesundheitszentrums (WDGZ) in Düsseldorf. Er gilt als einer der führenden Experten für die Behandlung von Diabetes und die Prävention von Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Ein besonderer Schwerpunkt seiner Arbeit liegt auf lebensstilbasierten Therapiekonzepten und der telemedizinischen Betreuung von Menschen mit Typ-2-Diabetes. Neben seiner klinischen und wissenschaftlichen Tätigkeit engagiert er sich seit vielen Jahren intensiv für eine verständliche öffentliche Gesundheitsaufklärung.
Mehr über Prof. Dr. med. Stephan Martin: https://www.vkkd-wdgz.de/mitarbeiter/stephan-martin/
148 Blutzucker optimieren - Gewicht reduzieren. Mit Prof. Dr. Stephan Martin
[Prof. Dr. Stephan Martin] (0:00 - 0:17)
Von der Seite her ist dieses Wort Kalorien das, was die Menschen wirklich völlig kirre macht, weil sie immer nur gucken, wo kann ich Kalorien einsparen? Und dadurch nehmen sie natürlich mehr Kohlenhydrate zu sich. Und die Kohlenhydrate bestehen ja, wie wir gerade schon gesehen haben, aus Traubenzucker.
Und das ist der falsche Weg.
[Nils Behrens] (0:18 - 1:25)
Herzlich willkommen zu HEALTHWISE, dem Gesundheits Podcast, präsentiert von Sunday Natural. Ich bin Nils Behrens und in diesem Podcast erkunden wir gemeinsam, was es bedeutet, gesund zu sein. Wir tauchen ein in Themen wie Medizin, Bewegung, Ernährung und emotionale Gesundheit.
Immer mit einem weisen Blick auf das, was uns wirklich gut tut. Warum nehmen wir eigentlich zu, obwohl wir ständig auf unsere Kalorien achten und fettarme Produkte kaufen? Die Antwort liegt aber nicht in der Menge, sondern im Hormonhaushalt und vor allem in einem unscheinbaren, aber mächtigen Player Insulin.
Professor Dr. Martin ist Diabetologe, Buchautor und einer der profiliertesten Experten in Deutschland, wenn es um Blutzucker, Insulin und das Thema gesunde Gewichtsreduktion geht. Mit seinem Stable Low Insulin Methode hat er tausenden Menschen geholfen, nachhaltig abzunehmen, ganz ohne Kalorien zählen und Diätstress. In seinem neuesten Buch "Blutzucker optimieren, Gewicht reduzieren" räumt er mit Ernährungslügen auf und zeigt, warum Insulin das vielleicht wichtigste Hormon ist, wenn es um Gesundheit, Fettverbrennung und ein langes Leben geht.
Und deswegen sage ich herzlich willkommen, Professor Dr. Stephan Martin. Ja, hallo Herr Behrens. Herr Professor Martin, wann haben Sie zuletzt am Sonntag bewusst auf Ihren Insulinspiegel geachtet?
[Prof. Dr. Stephan Martin] (1:26 - 1:50)
Ja, da muss ich sagen, direkt gestern, weil wir hatten gestern Abend Gäste und da habe ich gestern Morgen mein geliebtes Croissant gegessen, was ich sonst nicht esse. Und meine Frau sagte noch Oh, du isst Croissant. Da habe ich gesagt Na ja, heute ist meine ganze Fettverbrennung sowieso dahin, weil wir Gäste bekommen, weil wir schön Nachtisch essen.
Und von der Seite habe ich da wirklich gestern Morgen an meine Insulin Werte gedacht.
[Nils Behrens] (1:52 - 1:59)
Okay, sehr gut, wenn ich Sie richtig verstehe, ist Insulin nicht nur ein Lebensretter, sondern auch ein Dickmacher. Wann haben Sie das zum ersten Mal realisiert?
[Prof. Dr. Stephan Martin] (2:00 - 3:21)
Ja, ich bin ja, wie Sie vorhin schon sagten, Diabetologe und ich behandle Menschen mit Typ 1 Diabetes und Menschen mit Typ 2 Diabetes Typ 1 Diabetes. Das sind die Menschen, die schlank sind. Meistens sind das jüngere, aber auch ältere können diese Erkrankung bekommen und denen fehlt Insulin.
Und bei denen passiert Folgendes Insulin bringen wir ja häufig damit zusammen, dass es den Blutzucker senkt. Aber bei diesen Personen senkt es nicht nur, verliert es nicht nur die Wirkung auf den Blutzucker. Deshalb haben die hohe Blutzucker Werte, sondern die nehmen auch Gewicht ab.
Typ 1 Personen Insulin Mangel führt zu einer Gewichtsabnahme, weil Insulin auch die Fettverbrennung blockiert. Ja, und dann habe ich auf der anderen Seite die Personen mit Typ 2 Diabetes und die produzieren exorbitant große Mengen Insulin. Das wirkt bei denen nicht.
Und bei denen passiert Folgendes, wenn wir denen Insulin spritzen. Und das war vor vielen Jahren der Fall, dass ich da einen Patienten auf eine Insulintherapie eingestellt habe. Und der hat dann gesagt, nachdem er das zweite Mal kam, seitdem ich das spritze, habe ich ja nur noch Hunger.
Ich kann, ich fall alles an. Hauptsache, ich krieg was zu essen. Und da ist mir klar geworden, dass das Insulin wirklich das Hungerhormon ist.
Und wenn man dann in die Literatur schaut, in die wissenschaftliche Literatur, dann ist das eigentlich alles bekannt. Es ist eigentlich nur für viele Menschen und für viele Ärzte in die Vergessenheit geraten.
[Nils Behrens] (3:21 - 3:30)
Was glauben Sie denn, warum wird über Insulin in der Öffentlichkeit Ihrer Meinung nach so wenig gesprochen? Also die ganze Gesundheitsdebatte müsste ja viel stärker darum gehen.
[Prof. Dr. Stephan Martin] (3:30 - 3:39)
Ja, da gibt es erst mal zwei Gründe. Der eine Grund ist, Hormone spielen in der Medizin eine wichtige Rolle. Aber es kennen sich sehr wenige mit Hormonen aus.
[Nils Behrens] (3:39 - 3:41)
Das kann ich bestätigen.
[Prof. Dr. Stephan Martin] (3:41 - 5:07)
Ja, das sind unsere. Das sind die Endokrinologen.
Ich bin selber Endokrinologe. Und wenn Sie mal einen Arzt nach irgendwelchen Hormonen fragen, da werden die ganz schnell wieder abdriften mit dem Gespräch und werden sagen Ja, da musst du zum Endokrinologen gehen. Die zweite Ursache ist natürlich eine ganz andere.
Da ist die Pharmaindustrie spielt da eine Rolle. Insulin ist ein milliardengroßer Markt und man hat vor vielen Jahren angefangen, ja, den Blutzucker zu optimieren. Ich hatte gerade schon gesagt Typ 1 Personen brauchen Insulin.
Für die ist das lebenswichtig. Den fehlt Insulin. Und vor vielen Jahren hat man dann angefangen, gerade hier in Deutschland, dass man den Menschen, die einen Typ 2 Diabetes haben, den auch Insulin gegeben hat.
Nach dem Motto Wenn wir damit den Blutzucker optimieren, ist die Welt in Ordnung. Und da gab es echt viele Ärzte, die auch gesagt haben, spielt überhaupt gar keine Rolle, wie viel Insulin man spritzt. Hauptsache, der Blutzucker ist in Ordnung.
Hauptsache, der Langzeit Blutzuckerwert ist in Ordnung. Und ich habe dazu auch immer ganz despektierlich gesagt, das ist nicht Diabetologie, sondern das ist Zuckerologie. Da geht es nur um den Zucker.
Und ich glaube, das haben wir in den letzten Jahren verstanden. Die Leitlinien sagen auch, man sollte gar nicht mehr Insulin beim Typ 2 Diabetes einsetzen, wenn dann nur in einer ganz späten Phase. Und das sind die beiden Gründe.
Und dieser Marketing Aspekt, der ja so durch die Pharmaindustrie gekommen ist, der hat mir auch ganz gut zugesetzt. Denn man hat meine Thesen, die ich schon viele Jahre habe, ja nicht gerade gefördert.
[Nils Behrens] (5:08 - 5:32)
Ja, das ist ja sehr häufig so, dass wenn Menschen sozusagen mit einer unpopulären Meinung oder was heißt unpopulär, vielleicht einer Meinung, mit der sich gegebenenfalls, würde ich mal sagen, nicht ganz so viel Geld verdienen lässt, dann kommt es ja häufig so, dass man da auch sehr viel Gegenwind bekommen kann. Aber ich möchte noch einmal ganz kurz für unsere Hörenden so ein bisschen mehr verständlich machen. Was passiert eigentlich ganz konkret im Körper, wenn der Insulinspiegel zu hoch ist?
Sagen wir zum Beispiel nach dem Teller Pasta am Abend.
[Prof. Dr. Stephan Martin] (5:33 - 7:24)
Ja, so Insulin steigt. Das können wir gleich sicherlich noch besprechen. Nach bestimmten Mahlzeiten am grade Pasta.
Ja, da kommt es quasi zu einer Explosion der Insulinspiegel. Man muss eins wissen. Nicht jeder hat hohe Insulinspiegel, sondern die Personen, die besonders übergewichtig sind, produzieren mehr Insulin als diejenigen, die schlank sind.
Und da kommt es immer wieder dazu, dass ich zum Beispiel hier bei mir im Sprechzimmer einen Ehepaar sitzen habe. Der eine Partner, meistens sind es die Frauen, ist schlank und der andere Partner, der meistens ist es der Mann, ist sehr übergewichtig. Es geht auch andersherum und die sagen dann, ich esse absolut das Gleiche.
Nur wenn der derjenige, der schlank ist, der nimmt dann Gewicht ab und der Übergewichtige nimmt Gewicht zu. Und das hat mit dem Insulin zu tun, weil der Übergewichtige sehr viel Insulin produziert. Kommen wir aber jetzt mal wieder zu dem Teller Pasta zurück.
Also nach diesem Teller mit der Pasta steigen die Insulinspiegel bei dem Schlanken ein bisschen an, fallen ganz schnell wieder ab und er ist schnell wieder in der Fettverbrennung, weil Insulin blockiert ja die Fettverbrennung. Derjenige, der massiv übergewichtig ist, bei dem explodieren quasi die Insulinspiegel. Da hat man das 4, 5, manchmal auch das Zehnfache von dem Insulin, den die schlanke Person hat.
Und dieses Insulin blockiert dann nicht für ein paar Stunden die Fettverbrennung, sondern das dauert manchmal 4 bis 5 Tage. Wir haben solche Experimente gemacht und gesehen, dass ein Teller Pasta, wir haben da nicht Pasta genommen, sondern wir haben Brötchen mit Marmelade genommen, die Fettverbrennung für 3 bis 4 Tage blockieren kann. Und je mehr Insulin ich produziere, umso länger ist die blockiert.
Also ein Teller Pasta am Abend. Da hat man eine ganze Woche damit zu tun, wieder die Fettverbrennung anzukurbeln.
[Nils Behrens] (7:25 - 7:52)
Oh mein Gott, Wahnsinn. Entschuldigen Sie mich, wenn ich sage, aber wenn man das so hört, ist man ja kurz davor, direkt in so eine Essstörung reinzufallen. Wenn ich schon höre, dass ein Marmeladenbrot dann eben für mehrere Tage eine Auswirkung auf meinen Körper hat, das ist ja wirklich schon sehr frappierend.
Sie sagen aber ja dann damit, dass nicht die Kalorien das Problem sind, sondern das Insulin. Wie sieht das denn in der Praxis aus? Das heißt, wie müsste ich heute essen, um mein Insulin niedrig zu halten?
[Prof. Dr. Stephan Martin] (7:53 - 11:36)
Also wenn ich so sehe, wie schlank sie sind, brauchen sie gar nichts machen. Sie essen bitte so weiter, wie sie sind, wenn sie aber übergewichtig sind. Und ich möchte da immer eine ganz große Differenzierung machen.
Ich bin Arzt und für mich gehört die Gewichtsabnahme als integraler Bestandteil zur Behandlung von Erkrankungen. Also wenn jemand zu mir kommt, der Bluthochdruck hat oder erhöhte Blutzuckerwerte, dann müssen wir da etwas machen. Und das ist, glaube ich, erst mal ein ganz, ganz wichtiger Punkt, weil sie gerade auch das Wort Essstörung in den Mund genommen haben.
Ich möchte, dass Menschen, die schlank sind, sich überhaupt gar keine Gedanken zu ihrer Ernährung machen. Das hat sich ja schon ein bisschen entwickelt wie eine Ersatzreligion. Und die Menschen, die Gewicht abnehmen wollen, die sind ja häufig frustriert, weil sie alles Mögliche gemacht haben.
Und denen sagen wir im Endeffekt, lasst alles weg, was Insulin auslöst. Und das ist dann im Endeffekt gar nicht so schwierig. Man muss einfach nur lernen, wo ist wie viel drin.
Also zum Beispiel ist für uns das typisch, dass die Menschen immer glauben, es geht nur um Zucker. Zucker hat in der Tat einen Traubenzucker drin. Also Traubenzucker ist das Molekül, was Insulin auslöst.
Im Haushaltszucker haben wir ein Molekül Traubenzucker und ein Molekül Fruchtzucker. Jetzt glauben viele Menschen, wenn ich Obst esse, Obst hat Fruchtzucker. Und das ist aber auch schon mal die erste Sache.
Fruchtzucker ist im Obst absolut drin und das aktiviert nicht Insulin. Aber wir haben im Obst auch ganz, ganz viel Traubenzucker drin. Also nicht nur Fruchtzucker, sondern Traubenzucker.
Also, die erste Botschaft, die wir unseren Patienten geben, ist: Esst Obst ohne Zucker – und das ist Gemüse. Gemüse kann man essen, so viel man will. Aber bei Obst hat man halt Zucker.
Und wie gesagt, eine große Mahlzeit vielleicht mit Erdbeeren blockiert die Fettverbrennung, für die die Gewicht abnehmen müssen, weil sie medizinisch oder vielleicht auch aus anderen Gründen das unbedingt wollen. Ja, und dann geht's weiter. Wir haben Malzzucker.
Wenn Sie ein alkoholfreies Bier trinken, da ist besonders viel Zucker drin, weil der Brauprozess früher abgestoppt wurde und dadurch haben Sie da sogar mehr Zucker drin, Traubenzucker drin, wie zum Beispiel in einem normalen Glas Bier. Und wenn wir weitergehen, Kartoffeln, Reis, Nudeln, Brot und da ist überall Stärke drin. Und wenn man sich die molekulare Struktur von Stärke anschaut, dann sind das Perlenketten, die bestehen nur aus Traubenzucker, also dem Stoff, der Insulin auslöst.
Und wenn die in den Darm kommen, dann werden die in Sekundenschnelle freigesetzt. Und was die wenigsten wissen ist, dass zum Beispiel ein Kartoffelpüree einen höheren glykämischen Index hat wie zum Beispiel Haushaltszucker. Das Kartoffelpüree ist schneller im Blut, hat also einen glykämischen Index von 85 und Haushaltszucker nur von 65.
Das heißt nicht, dass man Haushaltszucker durchaus essen kann. Nein, der ist schlecht. Überhaupt gar keine Frage.
Nur wenn wir uns nur auf den Zucker konzentrieren und das ist auch meine Kritik. Wenn es um Ernährungsberatung geht, da wird immer auf dem Zucker herumgehackt. Der ist richtig, den muss man weglassen.
Aber ob ich Kartoffelpüree esse oder Zucker, spielt keine Rolle. Und nochmal auf die Pasta zurückzukommen am Abend. Also Pasta ist also wirklich, da ist sehr, sehr viel Zucker drin.
Und das ist etwas, was wir unseren Patienten dann immer beibringen, dass wir sagen guckt, wo ist Traubenzucker drin und das lasst bitte weg. Anders ausgedrückt, man kann Eier essen, man kann Gemüse essen, man kann Fleisch und Fisch essen und man kann auch Ersatzprodukte essen. Es gibt viele Produkte wie Eiweißbrot, das man in diesen Phasen sehr, sehr gut zu sich nehmen kann.
[Nils Behrens] (11:37 - 11:51)
Ich bin gerade total geschockt über das Kartoffelpüree. Ich esse leider wahnsinnig gerne, zum Glück scheinbar dann zum Glück nur sehr selten, aber ich liebe Kartoffelpüree. Also von daher, das ist in der Tat etwas, was mich jetzt total überrascht.
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[Prof. Dr. Stephan Martin] (11:51 - 12:10)
Auf alle Fälle weiter essen, weil Sie und ich glaube, wenn Sie mal über Ihren BMG sprechen würden, da würden Sie wahrscheinlich weit unter 27 sein. Also von der Seite kann man sagen, bitte machen Sie sich keine Gedanken, haben Sie kein schlechtes Gewissen beim Kartoffelpüree, sondern nur, wenn das Gewicht so ist, dass Sie sagen müssen, jetzt muss ich was tun.
[Nils Behrens] (12:11 - 12:19)
Okay, sehr gut, sehr gut. Wenn wir mal auf unsere Großeltern blicken, was hatten die eigentlich für Blutzucker Werte? Sahen die besser aus?
Und wenn ja, warum?
[Prof. Dr. Stephan Martin] (12:19 - 14:06)
Also erst mal waren unsere Großeltern, wenn man das im Mittel betrachtet, schlanker als wir es sind, weil diese Explosion des Gewichtes ist ja erst so in den 70er Jahren entstanden. Bis in die 70er Jahre hinein war das Gewicht relativ stabil und Gewicht und Diabetes und Blutzucker Werte hängen ganz eng zusammen. Also wenn jemand ein Übergewicht hat, also ein an der Adipositas, der Body Mass Index über 30 ist, dann hat er ein Risiko von 20 bis 30 einen Diabetes zu entwickeln.
Das ist also ein exorbitant hohes Risiko, wenn man das Prozentual auskriegt 2000 bis 4000 faches Risiko, einen Diabetes zu entwickeln. Deshalb ist das Gewicht so wichtig. Gewicht ist Krankheitstreiber.
Gehen wir wieder zu den Großeltern zurück. Die Großeltern haben sich anders ernährt. Zwei wichtige Punkte.
Die haben keine Angst vor Fett gehabt. Die Ernahrung war fettreicher. Und wenn wir heute über Kalorien sprechen und Fett reduzieren, weil die Fett ja natürlich besonders viele Kalorien hat, dann ist das nicht die Lösung, sondern eigentlich das Problem der Adipositas, der Übergewichtsepidemie, die wir haben, weil Fett macht satt und Fett führt nicht zur Aktivierung von Insulin.
Und ich glaube, das ist einer der Faktoren. Der zweite Faktor ist, die Großmutter hat noch ganz normal gekocht und die hat nicht Fertigprodukte genommen, in die Pfanne gehauen und sondern da wurde alles noch von Hand selber gemacht. Und damit waren halt auch bestimmte Nahrungszusätze nicht dabei, sondern wir hatten die ursprünglichen Produkte.
Und ich glaube, das sind die beiden wesentlichen Dinge. Wenn ich jetzt, wenn jemand zu mir kommt und sagt, die soll ich mich ernähren, dann sage ich Koch mal oder isst mal wieder deine Großmutter gekocht hat. Betonung auf gekocht und zum Zweiten keine Angst vor Fett.
[Nils Behrens] (14:08 - 14:20)
Keine Angst vor Fett. Sehr gut. Was ist denn damit dann, wenn ich jetzt so sage, ich habe mich hier aufgeschrieben als Frage Was ist Ihrer Meinung nach die größte Lüge der modernen Ernährungswissenschaft?
Und was macht sie so gefährlich? Ist es dann tatsächlich die Angst vor Fett?
[Prof. Dr. Stephan Martin] (14:21 - 15:40)
Ja, ich würde mal sagen, das Wort Kalorien. Ich glaube, das Kalorien Wort. Damit wird natürlich sehr, sehr viel Schinklöder getrieben.
Ich persönlich also bei mir in meiner Abteilung, wenn da einer von Kalorien spricht, steht er kurz vor der Abmahnung, weil ich glaube, die Kalorien führen dazu, dass wir eigentlich Dinge in uns auf und zu uns aufnehmen, die eigentlich schlecht sind. Also zum Beispiel die Light-Produkte. Wenn ich einen fettarmen Käse mir kaufe, dann ist der fettarme Käse, weil das Fett raus ist, muss da ja auch was anderes reingetan werden.
Würde der ja gar nicht stehen. Da kommen Emulgatoren hinein. Gucken wir uns die Light-Produkte an, da sind die künstlichen Süßstoffe, werden da reingepackt und gerade für Aspartam.
Das ist ja gerade ein Molekül, was in fast allen Light-Produkten drin ist. Wissen wir und das sind ganz aktuelle Studien, dass das auch die Insulinproduktion anregt. Das kann man dann zwar nicht messen.
Der Traubenzucker ist es ja dann nicht, sondern das sind alles Stoffe, die an einer anderen Stelle wirken. Und von der Seite her ist dieses Wort Kalorien das, was die Menschen wirklich völlig kirre macht, weil sie immer nur gucken, wo kann ich Kalorien einsparen? Und dadurch nehmen sie natürlich mehr Kohlenhydrate zu sich.
Und die Kohlenhydrate bestehen ja, wie wir gerade schon gesehen haben, aus Traubenzucker. Und das ist der falsche Weg.
[Nils Behrens] (15:43 - 15:54)
Sie sprechen in Ihrem Buch auch viel über hochverarbeitete Lebensmittel. Wie erkenne ich die im Alltag und was ist Ihr persönlicher Tipp, um mit dem sozusagen besser umzugehen, beziehungsweise idealerweise aus dem Weg zu gehen?
[Prof. Dr. Stephan Martin] (15:56 - 17:50)
Hochverarbeitete Lebensmittel ist alles, was ja irgendwie aus Extrakten hergestellt wird. Da wird ein bisschen unterschieden. Es gibt da so einen Score.
Das ist der NOVA Score, der wird in Südamerika, ist der auf alle Lebensmittel draufgedruckt. Und wenn ich da etwas nehme, was möglichst natürlich ist, also wenn ich ein Stück, wenn ich Gemüse nehme und das einfach nur koche oder roh esse, dann ist das unverarbeitet. Wenn ich aber dann irgendwelche Extrakte habe, wo dann noch irgendetwas hineingemischt wurde.
Und das sind dann meistens chemische Substanzen. Die sind dann auch deklariert mit irgendwelchen E-Stoffen, Emulgatoren, irgendwelchen anderen Dingen, Monoglyceride. Und das sind dann diese Produkte, die besonders haltbar sind, die besonders preiswert sind, die zum Teil gar nicht mehr aus Lebensmitteln hergestellt sind, sondern nur noch als Extrakten.
Und da muss man auch sagen, dass gerade die Produkte, nicht alle, aber einige der Produkte, die so vegane als Produkte sind, so ein veganes Schnitzel oder veganes Würstchen, die haben natürlich, sind besonders gut gefüllt mit solchen Dingen. Auch da gibt es gute Produkte. Aber gerade das sind diese Produkte, die man meiden muss.
Und gerade auch so Dinge wie Chips. Das ist natürlich klar. Da ist es natürlich, die sind aus gar keinen Lebensmitteln mehr hergestellt, sondern aus irgendwelchen Extrakten von irgendwelchen Lebensmitteln, die man mit chemischen Substanzen vermischt hat.
Und das sollte man meiden. Und die sind natürlich heute ein Convenience Food. Wenn ich ins Restaurant gehe oder wenn ich irgendwo hingehe, habe ich natürlich viele dieser Substanzen.
Und wenn ich selber koche, dann gehe ich vielleicht einkaufen, hole mir einige Dinge, die dann einfach so auch hergestellt sind. Und da sollte man doch sehr, sehr vorsichtig sein, weil das sind die versteckten Dickmacher. Und wir wissen auch noch gar nicht, dass es noch gar nicht so lange her, dass das wirklich aufgefallen ist, was die sonst noch alles produzieren.
[Nils Behrens] (17:52 - 18:21)
Ich fand es mal sehr interessant. Ich hatte dann auch mal in der Zeit, als ich so ein Glucosemonitor getragen habe, habe ich auch tatsächlich dann mal ein paar Chips gegessen und war dann überrascht, was das für einen Spike auslöst, also was für einen massiven Anstieg. Und dann habe ich mal draufgeschaut, wie viel Zucker da drin ist.
Man schmeckt das ja gar nicht aufgrund der, also ich meine, das Kartoffelchips sind hier sonst nicht, ich meine, das ist jetzt irgendwie nichts, was irgendwie einen von diesen HörerInnen hier überraschen würde. Aber nichtsdestotrotz war ich überrascht über die Menge an Zucker, die da auch noch mal so zugesetzt drin ist. Also das war für mich wirklich doch schon sehr überraschend.
[Prof. Dr. Stephan Martin] (18:22 - 21:13)
Ja, das muss man natürlich unterscheiden. Was ich gerade, ich habe gerade die ganze Zeit über Stärke gesprochen, das sind die natürlichen Zucker. Ich habe über Milch, haben wir noch gar nicht gesprochen.
Milch hat auch viel Zucker und Joghurt auch, auch ohne, dass ich ein bisschen Zucker hinein mische. Das sind Quark und Käse haben wieder gar keinen Zucker, weil der ist vergoren. Also das sind die natürlichen Zucker.
Und was dann natürlich noch hinzukommt, das kommt natürlich auch bei diesen verarbeiteten Lebensmitteln, bei den hochverarbeiteten Lebensmitteln. Da wird dann natürlich noch Zucker zugesetzt. Zum Beispiel denkt man, wenn man einen gekochten Schinken isst, das ist ein natürliches Produkt.
Je nachdem, wer den herstellt, da ist auch Zucker drin. Und deshalb sind diese Sensoren, von denen Sie da gerade sprachen, die zeigen uns an und die nutzen wir eigentlich sehr gerne. Das sind eigentlich wirklich, die kann nicht jeder nutzen.
Warum? Nicht jeder hat einen Peak nach der Mahlzeit. Aber die zeigen uns an, wann haben wir etwas in der Nahrung, was Traubenzucker enthält.
Und der Traubenzucker, wie wir gerade ja schon gehört haben, aktiviert die Insulinproduktion. Und insofern kann ich dadurch indirekt meine Insulinproduktion messen, mit Ausnahme der Light-Produkte. Die führen nicht zu einem Peak.
Das ist natürlich fatal. Aber diese Dinge, und wenn Sie wahrscheinlich auch erlebt haben, also ich war, als ich das erste Mal so einen Sensor getragen habe, geschockt. Ich war nur noch geschockt, was bei mir alles passiert.
Ich esse auch, wenn ich mal auf Reisen bin, gerne irgendwelche Backwaren, solche irgendwelchen Rosinenschnecken. Und das sind wahre Explosionen. Und was dann wirklich ist, zum Beispiel zwei kleine Dominosteine, wo man denkt, ach ja, das ist ja nicht viel.
Wenn man da die Kalorien betrachtet, sagt man, ach, da lasse ich ein bisschen nachher wieder was anderes weg. Nein, da kommt zu einer Explosion der Insulinspiegel, der Blutzuckerpeaks, der Insulinspiegel. Und ich glaube, das ist für die Menschen, die abnehmen wollen, ein ganz, ganz gutes Maß, weil wie kann man sich so im Internet kaufen?
Hier hängt man sich ans Handy, holt eine App und dann sieht man, wo sind kleine Spitzen. Die Spitzen sind entscheidend, nicht die Höhe. Das ist nicht entscheidend.
Aber diese Spitzen zeigen uns an, wo sind gute und wo sind schlechte Lebensmittel und oder wo sind Lebensmittel, die sich immens auf den Insulinspiegel auswirken. Und das ist für uns der erste Schritt, Menschen davon zu überzeugen, einen anderen Weg zu gehen. Wir wollen nicht Verbote aussprechen, sondern ich möchte die Menschen einfach nur, dass sie selber erleben, was passiert, wenn ich bestimmte Dinge esse.
Und gestern Morgen bei meinem Croissant. Also wenn ich da einen Sensor getragen hätte, da hätte ich sicherlich eine deutliche Spitze gehabt. Aber die habe ich gestern in Kauf genommen, weil ich wusste, ich will ja abends noch mit meinen Gästen alles genießen.
Und ab heute arbeite ich wieder anders.
[Nils Behrens] (21:14 - 21:55)
Das kenne ich sehr gut. Also ich bin ja Hamburger und wir haben ja so ein Thema auch, wie Sie gerade Backwaren sagen, wenn wir die Hamburger Franz Brötchen. Das ist ja auch wirklich ein von Zimt und Zucker durchtriebtes Stück Gebäck.
Und ab und zu ist es aber einfach wirklich so, es ist so eine Kindheitserinnerung. Und es tut einfach wirklich manchmal wahnsinnig gut, wenn man dann sich auch mal so ein Franz Brötchen will gönnen. Das muss man, wie Sie schon sagen, nicht jeden Tag tun.
Also ich tue es wahrscheinlich irgendwie eher so vier bis sechs Mal im Jahr. Aber so ein kleines bisschen, die sozusagen solche Sachen dann auch zu zelebrieren und sich dann aber auch dabei gut zu fühlen, dass man nicht sagt, okay, jetzt habe ich deswegen den ganzen Tag ein schlechtes Gewissen oder keine Ahnung, sondern einfach es dann auch in dem Augenblick zu genießen. Ich finde, das ist schon okay und gehört dann einfach auch mit dazu.
[Prof. Dr. Stephan Martin] (21:55 - 23:21)
Ja, und das ist genau das Richtige, wie man es auch machen muss. Also wenn ich so ein Franz Brötchen, ich bin auch häufiger in Hamburg und die esse ich natürlich auch sehr gern. Und gerade wenn man auf Reisen ist, dann hat man manchmal Schwierigkeiten, wirklich so eine Low Insulin Ernährung, also alles, was ein Insulin auslöst, wirklich zu nutzen.
Ich bin nicht übergewichtig, ich habe keinen Diabetes. Insofern nutze ich das aber trotzdem, weil ich mich dadurch leistungsstärker fühle. Aber wenn ich einen Fehler mache, wir hatten ja vorhin gesehen, ein Fehler, ein Marmeladenbrötchen und das blockiert die Fettverbrennung für mehrere Tage, zum Beispiel auch Cashewkerne.
Eine Dose Cashewkerne kann im Endeffekt sich wirklich über drei, vier Tage bei mir auswirken. Und ich bin nicht übergewichtig. Bei jemandem, der übergewichtig ist, kann das wirklich fünf, sechs Tage sein.
Und wenn man dann etwas isst oder mal aus einem Fehler macht, dann kann man an dem Tag alles essen. Das muss man einfach dann wissen. Das heißt, solche Genießertage sind gut, aber die darf man nicht jede Woche haben.
Also wenn man dann denkt, viele Ernährungsberater geben ja dann immer den Ratschlag, einmal die Woche können sie ja so einen Cheat Day machen. Nee, der Cheat Day kann einen für Wochen zurückwerfen, für Tage zurückwerfen. Und deshalb sage ich immer, Cheat Day is a Shit Day.
Lieber das weglassen und dann, wenn man in größeren Abständen das dann macht, dann an den Tagen wirklich auch komplett genießen und dann das essen, was einem gerne, was man gerne isst und dann an anderen Tagen wieder das dann konsequent durchziehen.
[Nils Behrens] (23:21 - 23:29)
Ich bin jetzt gerade etwas geschockt über die Cashewnüsse, weil ich dachte immer, dass alle Arten von Nüsse eher auf der positiven Seite sind. Also auch die wirken sich auf meinen Insulin aus.
[Prof. Dr. Stephan Martin] (23:30 - 25:56)
Ja, also das war mein Schock. Ich meine, warum die, dass die Fettverbrennung einbricht durch Kohlenhydrate, das war, ich habe die selber gemessen und habe dann abends immer meine, konnte ja kein Obst essen. Das war mir ja klar.
Ich bin ja Ernährungsexperte und da habe ich abends immer Walnüsse, Mandeln gegessen. Dabei ist überhaupt nichts passiert. Und dann ein Morgen war meine Fettverbrennung eingebrochen und da war ich völlig schockiert.
Ich wusste gar nicht, was geschehen war. Die war also wirklich von hohen Werten ganz, ganz runter. Und da hatte ich.
Und das ist das Spannende. Da hatte ich. Und jetzt kommen wir wieder zur Diabetologie.
Ich hatte da einen Patienten bei mir in meinem Sprechzimmer sitzen. Den kenne ich über Jahre. Bei dem habe ich vor 25 Jahren den Diabetes diagnostiziert und ihn auch behandelt.
Und wir sind richtig freundschaftlich verbunden. Und er sagte mir, da sagte ich Super, ich brauche jetzt mal eine Hilfe. Ich habe gestern Abend das und das und das gegessen.
Er sagt ja auch Cashewkerne. Was meinst du, was ich da spritzen muss? Und das ist vielleicht auch nochmal so ein Bereich, wo wir wieder von Typ 1 Diabetes von den Menschen lernen, die zu wenig Insulin haben.
Die spritzen für alle Lebensmittel, wo Traubenzucker drin ist, Insulin. Bei uns, die wir gesund sind, spritzt der Körper das Insulin automatisch hinein. Insofern können wir von diesen Menschen, die ja wirklich ihr Leben genau treiben müssen, lernen.
Wenn die sagen, ich esse, wenn ich dazu was spritzen muss. Und das waren die Cashewkerne. Er sagte, bei Cashewkernen, das sind im Übrigen keine Nüsse, das sind Bohnen.
Und die haben immens viel Zucker. Nicht jede Bohne hat viel Zucker, aber Cashewkerne haben sehr viel Zucker. Und wenn ich dann vielleicht noch so Studentenfutter esse mit allen möglichen Rosinen und irgendwelchen getrockneten Früchten.
Ja, getrocknete Früchte, da ist das die Flüssigkeit raus und habe ich auch viel Zucker drin. Und das sind dann die Explosionen von Dingen, wo man eigentlich denkt, das ist doch eigentlich gesund. Und das macht uns dann die Probleme.
Und das erklärt vielleicht auch, warum so viele Menschen frustriert sind. Viele Ärzte sagen immer, ich erzähle das dem Patienten und er hält sich nicht dran. Ich frage mich dann immer, warum so viele Ärzte und Ernährungsberater auch so übergewichtig sind.
Erzählen die Quatsch oder halten die sich auch nicht daran? Ich glaube, wir erzählen das Falsche den Menschen. Und das ist eigentlich das Problem, dass wir die Menschen halt falsch beraten.
Die werden immer übergewichtiger und dann sagt man ja gut, die wollen es ja nicht anders. Und das ist, glaube ich, eines der Probleme in unserer Gesellschaft.
[Nils Behrens] (25:58 - 26:04)
Aber genau diese Menschen, die jetzt das Gefühl haben, Mensch, man darf im Grunde eigentlich jetzt gar nichts mehr essen, man muss auf alles verzichten. Was sagen Sie denen denn?
[Prof. Dr. Stephan Martin] (26:04 - 27:46)
Ja, also die haben das Gefühl, sie dürfen nichts mehr essen. Aber wenn ich jetzt ein schönes Frühstück mir überlege, dann kann ich ein schönes Omelette machen, vielleicht noch ein bisschen mit Speck, viel Gemüse hinein. Und dann habe ich schon einen guten Start in den Tag.
Dann kann ich mir auch vielleicht ein low Insulin Brot nehmen. Die gibt es auch, so Protein Brote, muss man ein bisschen aufpassen. Wir haben in Düsseldorf mal eine Studie mit einer Bäckerei gemacht.
Und da konnten wir zeigen, dass wenn wir da nur das Brot austauschen zu einem Brot, was keiner Insulinspiegel auslöst, dass die Menschen dann ohne eine Änderung von anderen Dingen sogar schon zwei Kilo im Mittelgewicht verlieren. Das war eine große Studie. Also solche Produkte.
Ich habe jetzt gerade aus Neuss erfahren. Da gibt es also eine kleine, eine kleine Gewürzmühle. Die haben dort ein Brot, die haben das Stullen Wunder genannt.
Und auch damit kann man Gewicht abnehmen. Das heißt, das war schon mal das Frühstück. Zum Mittagessen kann man durchaus quasi eine große Gemüsepfanne machen.
Man kann ein Stück Fisch dazu essen. Fleisch natürlich nur in Maßen, nicht weil es gesundheitlich bedenklich ist, sondern das sind natürlich ethische Themen. Und auch zum Abendessen kann man halt auch durchaus wieder irgendetwas in dieser Kombination essen.
Auch Nüsse dazu. Man muss sich einfach nur mit dem Thema auseinandersetzen. Und gerade Fett, das sollte man ja nicht reduzieren.
Fett ist der Geschmacksträger. Und ich habe Patienten, die das über Jahre machen, die sagen Ich habe mich einfach daran gewöhnt und ich kann alles essen. Ich muss halt nur auf das achten, wo Insulin ausgelöst wird.
Und man kann damit wirklich auch genießen.
[Nils Behrens] (27:47 - 27:56)
Aber abgesehen von dieser Wunder Stulle haben Sie jetzt mal ihren Tagesablauf, den Sie gerade so mal skizziert haben. Der war schon sehr low carb orientiert. Ist das ein Teil der Lösung?
[Prof. Dr. Stephan Martin] (27:57 - 30:01)
Ja, low carb ist natürlich ein Teil der Lösung. Low carb bedeutet aber bei low carb sind aber künstliche Süßstoffe erlaubt. Und davor warne ich wirklich.
Also grundsätzlich muss man sagen, ist also ich persönlich halb mich oder versuche mich auch daran zu halten, weil mich das Ganze leistungsfähiger macht. Und da kommen wir ja auch in den Bereich, wenn ich eine stärkere Fettverbrennung habe, da habe ich mehr Ketonkörper im Körper zur Verwertung. Und dann sind viele sagen ja auch immer, wenn ich die, wenn ich die Kohlenhydrate weglasse, kann ich nicht mehr denken.
Und dann bin ich ja nicht so sportlich aktiv. Der Körper, wenn ich Sport mache, braucht doch Traubenzucker. Und es gibt Triathleten der Jan Frodeno, von dem habe ich einmal gelesen.
Das ist der Triathlet aus Köln, der den Ironman in Hawaii dreimal hintereinander gewonnen hat. Und er hat sehr früh auf eine ketogene Ernährung umgestellt, also eine extreme Form der Low Insulin Ernährung. Also wird auch alle Kohlenhydrate weglassen, um dadurch mit einer ketonen Körper, die im Körper entstehen, haben wir werden auch von den Muskeln genutzt.
Und ich merke immer wieder, wenn ich viele Kohlenhydrate esse, dann werde ich müde. Und wenn ich jetzt leistungsfähig sein muss, ich gebe im Moment sehr viele Interviews, ich habe sehr viele Vorträge, dann versuche ich mich auch auf Low Carb einzustellen. Und wir wissen auch von Studien bei Menschen, die so ein bisschen tödlich sind.
Wir Mediziner sprechen dann immer von kognitiver Einschränkung. Also wenn dann irgendeiner nicht mehr so klar ist, dann wenn wir denen die Zucker wegnehmen und die mehr Ketonkörper haben im Blut, dann geht es denen auch besser. Das Gehirn nutzt Ketonkörper und auch das Herz.
Wir wissen auch Menschen, die Herzschwäche haben, hat man lange Zeit gesagt, da dürfen wir keine Ketonkörper, die dürfen nicht ketogenen sich ernähren. Wir wissen, dass das anscheinend gerade das Herz besonders schützt oder dem Herzen wieder neue Nährstoffe bringt. Also von der Seite her, wenn ich dem Körper was Gutes tun will, Kohlenhydrate, Zucker weglassen, das hilft an ganz vielen Organsystemen.
Und auch wenn man krank ist, ist das jetzt nicht gefährlich.
[Nils Behrens] (30:03 - 30:06)
Was würden Sie sagen, wie groß ist der Einfluss von Bewegung auf den Insulinspiegel?
[Prof. Dr. Stephan Martin] (30:07 - 32:28)
Ja, wir haben natürlich jetzt noch so einige andere Faktoren. Also Bewegung, Gewichtsabnahme durch Bewegung. Da gibt es Arbeiten von Herman Pontzer.
Das ist ein Anthropologe, der ist durch die Welt gereist und konnte zeigen, dass der Energieverbrauch von indigenen Völkern genauso ist wie bei uns. Was passiert, wenn man sich bewegt? Wenn man eine gewisse Bewegung hat, dann reduziert der Körper seinen basalen Energieverbrauch.
Das sind total spannende Daten, sind eigentlich schon länger bekannt. Fitnessindustrie will das nicht so in den Vordergrund schieben. Also Bewegung kann ich durch Bewegung kann ich nur ganz gering Gewicht abnehmen, wenn überhaupt.
Ich kann aber Gewicht halten. So, aber was macht Bewegung? Bewegung aktiviert das Hormon.
Was Insulin abbaut. Wir haben jetzt gerade die ganze Zeit nur über Stoffe gesprochen, ja Ernährung, die Insulin aktivieren. Das ist ja nur die halbe Wahrheit.
Wir wissen, wenn Menschen genetisch hohe Insulin degrading enzymes haben, das heißt Hormone, die das Insulin abbauen, die sind schlanker. So und wenn ich jetzt Sport mache, aktiviert mein Körper durch bestimmte Hormone dieses Hormon, das wieder Insulin abbaut. Dieses Hormon spielt übrigens auch bei Frauen in der Menopause eine große Rolle, weil dieses Hormon wird durch Östrogene aktiviert.
Also Östrogene aktivieren das Insulin abbauende Hormon. Ja, und dann können Sie sich ja direkt erklären, warum Frauen, wenn sie in die Menopause kommen, ohne dass sie Kalorien, irgendwelche Kalorien mehr zu sich nimmt. Auch nochmal ein Argument gegen die Kalorien, plötzlich Gewicht zu nehmen.
Und die haben nämlich weniger Östrogen. Östrogen aktiviert dann nicht mehr, weil es nicht mehr da ist. Dieses Hormon.
Insofern steigen bei diesen Frauen auch die Insulinspiegel an. Und von der Seite ist das zum Beispiel etwas, was halt Bewegung auslöst. Insulin abbauende Hormone werden aktiviert.
Nur man muss eins wissen, wenn ich zu viel Insulin produziere, kann ich durch Bewegung gar nicht so viel erreichen. Von der Seite her Bewegung ist wichtig. Keine Frage, aber man sollte sie nicht für die Gewichtsabnahme als zu hoch bewerten.
Bewegung führt zu vielen, vielen anderen Dingen. Insofern spielt Bewegung im normalen Alltag eine ganz, ganz große Rolle für Menschen, die gesund leben wollen.
[Nils Behrens] (32:29 - 32:31)
Wie sieht Ihr persönliches Bewegungsprogramm aus?
[Prof. Dr. Stephan Martin] (32:31 - 33:42)
Ja, also ich fahre nahezu alles mit dem Fahrrad. Ich habe auch ein E-Bike, weil damit kann ich auch zu Veranstaltungen fahren, wo ich dann nicht so ausgepowert bin. Ich habe mir vor einem Jahr dieses E-Bike gekauft und bin bis jetzt über 5000 Kilometer gefahren.
Hat auch vielleicht einen gewissen Vorteil. Ich mag hier, wir haben das öffentliche Nahverkehr in Düsseldorf. Die Rheinbahn, die ist sehr unzuverlässig.
Und ich bin so ein kleiner Rheinbahn-Hasser. Und wenn ich, wenn ich da, deshalb danke ich auch der Rheinbahn. Die haben mich wirklich zum Fahrrad getrieben.
Und das ist jeden Tag, jeden Tag morgens fünf Kilometer, abends fünf Kilometer. Wenn ich irgendwelche Veranstaltungen habe, alles mit dem Fahrrad. So im Umkreis von 20 Kilometer mache ich alles mit dem Fahrrad.
Und ich glaube, das hilft. Das ist Normalität geworden. Also ich werde nie auf die Idee kommen, öffentliches Verkehrsmittel zu nutzen, wenn es natürlich nicht schüttet.
Das ist mir dann ein bisschen zu gefährlich. Aber wenn man eine Radar-App hat, dann kann man schon mal so gucken, wann kommt der nächste Regen? Und wir leben ja hier in Düsseldorf und in der Rheinischen Bucht eigentlich in einem Bereich, wo es nicht so viel regnet, leider nicht so viel regnet für die Natur.
Und das hilft mir sehr, sehr viel.
[Nils Behrens] (33:43 - 33:51)
Sehr gut, sehr gut. Dann lassen Sie uns doch mal über das Frühstück sprechen. Was landet bei Ihnen so auf dem Teller?
Jetzt abgesehen von dem Sonntags-Croissant, weil das wir schon gesprochen haben und warum?
[Prof. Dr. Stephan Martin] (33:53 - 36:19)
Ja, also wenn Sie mich fragen, was haben Sie heute gefrühstückt? Da sage ich, ein Tasse Kaffee ohne Milch, weil ich brauche kein Frühstück. Habe ich gemerkt.
Jetzt werden Sie vielleicht sagen, ich habe aber überall gelesen, Frühstück ist die wichtigste Mahlzeit. Ja, das wird immer wieder kolportiert. Ich frage dann immer, wo sind die Daten?
Und wenn man mal, ich bin mit dem Doc Esser vom WDR befreundet und wir recherchieren immer, wenn irgendwelche Dinge sind. Und er kam vor kurzem an und sagte Du glaubst es nicht, was, was ich gefunden habe. Das Frühstück hat Herr Kellogg's in die Menschheit gebracht, weil der Hersteller von Kellogg's Anfang des letzten Jahrhunderts hat Ärzte dazu gebracht, zu behaupten, dafür haben sie mal ein bisschen Geld gekriegt, zu behaupten, das Frühstück die wichtigste Mahlzeit ist, damit er seine Kellogg's Flocken verkaufen kann.
Und das ist vielleicht auch wieder so eine mehr. Und ich habe das nachgelesen. Das stimmt in der Tat.
Und also von der Seite her, wenn jemand nicht frühstücken braucht, weil er keinen Hunger hat, dann sollte das weglassen. Und insofern ist das gleich auch schon mal eine Botschaft für die Menschen, nicht zu glauben, ich muss permanent essen und viele kleine Mahlzeiten, sondern wenn ich große Mahlzeiten, wenn ich große Zeiten habe, da kommen wir ja auch in diese 16 zu 8 in das Intermittierende Fasten. Das hilft auch.
Ich halte damit meine Insulinspiegel unten. Das heißt, wir haben viele, viele Maßnahmen, die erfolgreich sind, weil wir wissen, Intermittierendes Fasten hilft auch. Und wenn wir da genauer hineinschauen und kommen wir wieder zu den Hormonen, sehen wir, wir schrauben mit unterschiedlichen Maßnahmen an diesem Hormon Insulin.
Und wenn wir das lernen und das verinnerlichen, dann kann man da viel machen. Also Frühstück muss nicht unbedingt sein. Zum Mittagessen werde ich heute ein Low Carb Brot nehmen.
Das toste ich mir auf und er ist darauf ein schönes Stück Käse. Und heute Abend, weil wir das letzte Wochenende doch sehr gut geschlemmt haben, wird es einen Salat geben und ein schönes Stückchen Fisch. Und das reicht mir dann aus.
Und spätabends, wenn ich dann mit meiner Frau zusammensitze, dann trinke ich auch durchaus ein Glas Wein. Glas Bier ist schlecht. Da ist viel Traubenzucker drin.
Ist als Düsseldorfer etwas schwierig, hier zu sagen, ohne dass man wirklich Personenschutz braucht. Aber ich empfehle Personen, die dann Gewicht abnehmen wollen. Die brauchen keine Angst haben vor einem guten Glas trockenen Wein.
[Nils Behrens] (36:21 - 36:22)
Wie sehen Sie Obst am Morgen?
[Prof. Dr. Stephan Martin] (36:23 - 37:31)
Ja, Obst ist natürlich kontraproduktiv. Wenn Sie Obst essen.
Obst hat viel Zucker, nicht nur Fruchtzucker, sondern auch Traubenzucker. Und man kann sich das einfach mal anschauen. Es gibt solche Tabellen, die Personen mit Typ 1 Diabetes nutzen, um ihre Insulinmenge zu bestimmen.
Und da sieht man, dass so ein kleines Stückchen Banane genauso viel Zucker hat, wie Traubenzucker hat, wie ein halbes Glas Cola. Und da gibt es Tabellen. Und da empfehle ich immer zu gucken.
Ein halbes Glas Cola ist eine Kohlenhydrateinheit. Wir reden nicht mehr über Kalorien, sondern Kohlenhydrateinheiten. Also wenn ich ein halbes Glas Cola trinke oder ein kleines Stückchen Banane, ein halbes Brötchen oder zweimal Haferflocken.
Haferflocken werden ja auch als Inbegriff des Gesunden genommen oder zum Beispiel Hafermilch. Also Hafergetränk muss man ja fairheitshalber sagen. Da ist so viel Zucker durch die Stärke drin, dass das eigentlich jegliches anderes, zum Beispiel Cola in den Schatten stellt.
Und von der Seite her empfehle ich Obst ohne Zucker. Das gibt es auch und das ist Gemüse.
[Nils Behrens] (37:33 - 38:41)
Ich habe ja persönlich, ich hatte auch ein Podcast Interview mit einer Dame, Daniela Kielkowski, die hat auch ein Buch in demselben Verlag veröffentlicht. Also hat mich lustigerweise der gleiche Verleger auch mit bekannt gemacht wie Herr Joest und diesen großer Fan davon, dass man morgens mit den aktiven Stoffwechseln nutzt, um eben da dann auch tatsächlich Kohlenhydrate zu verarbeiten. Und die hat mich dazu gebracht, dass ich wieder angefangen habe zu frühstücken.
Ich esse tatsächlich die Haferflocken, also ich esse ein Müsli so und hatte dann festgestellt, dass ich dann diesen Insulinspike dann eben halt habe, den ich dann in der Messung hatte. Dann habe ich was geändert und habe dieses Müsli mit sehr viel Protein versetzt, das heißt also mit mit de facto Proteinpulver so. Und diese Kombination aus viel Proteinpulver ohne Zucker und dem Müsli hat dazu geführt, dass mein Blutzucker sehr stabil geblieben ist.
Trotz der Kohlenhydratlast des Müslis. Ist das etwas, was Sie insgesamt festgestellt haben oder ist das eine Besonderheit jetzt sozusagen bei mir? Kann das dadurch zustande kommen, dass man Fett oder Eiweiß mit Kohlenhydraten kombiniert und diese Kombination dann eine andere Auswirkung auf den Insulinspiegel hat?
[Prof. Dr. Stephan Martin] (38:41 - 41:55)
Also erst mal jemand, der jetzt nicht Gewicht abnehmen muss oder will, kann das natürlich essen, wenn er das Gefühl hat, ich habe mehr Energie. Nur für die Gewichtsabnahme ist es halt schwierig, sehr viele Kohlenhydrate. Aber was Sie berechnet haben, das ist ja genau das, was wir von unseren Patienten oder von unseren Personen, die Gewicht abnehmen wollen, wenn keiner, wenn jemand keine Krankheit hat, nicht Übergewicht ist ja nicht für mich persönlich direkt eine Erkrankung, sondern aus Übergewicht entstehen halt Erkrankungen, dass wir bei diesen Personen wirklich die motivieren, Dinge auszuprobieren.
Und wenn Sie sagen, wenn ich das so und so mache, dann habe ich keinen Insulinpeak oder keinen Glucosepeak, dann ist das ja hervorragend. Es gibt ja auch solche Tricks, dass man vorher vor einer Mahlzeit vielleicht erst das Protein zu sich nimmt. Also dass man, wenn man zum Beispiel italienisch essen geht, dass man nicht das Brot als erstes isst, sondern die Antipasti.
Und dann kann man später nochmal etwas Brot oder auch vielleicht dann Obst später essen. Diese Mechanismen sind sehr individuell und jeder sollte das dann. Und das ist die Motivation für jeden Einzelnen, sich individuell damit auseinanderzusetzen.
Wo sind welche Dinge? Und das herauszubekommen. Es gibt zum Beispiel noch ein Beispiel.
Wir haben, wir messen ja diese Fettverbrennung und da habe ich jetzt mehrere Personen, die mir berichtet haben, die also mein Cashewkerner-Experiment, abends Cashewkerner, morgens war meine Fettverbrennung runter. Und das haben wir dann genutzt und machen viele, dass man dann sich in die Fettverbrennung hineinbringt und dann abends etwas ausprobiert und am nächsten Morgen seine Fettverbrennung misst. Und wenn man dann, und da gibt es einige Personen, die mir gesagt haben, die glauben es nicht.
Wir haben abends eine Portion Pommes mit Mayo gegessen. Pommes sind natürlich Kartoffeln. Da ist viel starke drin, aber die sind frittiert.
Da kommen wir wieder zu dem Thema. Da haben wir sehr, sehr viel Fett drin. Die sind eingepackt ins Fett und Mayo ist viel Protein.
Also das, was sie bei ihrem Müsli hatten und natürlich auch viel Fett. Und die haben gesagt, wir haben aber dann jede Pommes wirklich mit Mayo wirklich voll gefüllt. Und unsere Fettverbrennung ist nicht eingebrochen am nächsten Morgen.
Und das ist vielleicht auch wieder so ein Punkt, wo man lernt, von Kalorien wäre das eine Katastrophe, aber die haben weiter Gewicht abgenommen. Und dann ist mir aufgefallen, dass unsere Freunde, wir in Düsseldorf wohnen ja hier nicht weit von Holland entfernt, unsere Freunde aus Holland, die frittieren ja alles und die essen und die sind insgesamt schlanker. Die fahren natürlich auf mehr Fahrrad.
Aber vielleicht ist gerade und das ist vielleicht wieder dieser Punkt, keine Angst vor Fett. Das ist wieder dieser Punkt. Wir müssen individuell gucken.
Vielleicht gibt es auch Menschen, die das gar nicht machen können. Aber wenn es funktioniert, super. Individuelle Ernährung.
Und ich glaube, wir sprechen ja immer von individualisierter Medizin. Aber bei der Ernährung, da setzen wir immer den Sozialismus ein. Jeder muss alles gleich machen.
Also da wird gesagt, so und so muss es sein. Und deshalb sage ich immer, wer am besten ist, selber ausprobieren. Und die Menschen, die extrem übergewichtig sind, die haben manchmal ein ganz anderes Problem, wo ihr Körper sich drüber kaputt lacht.
Bei denen kann das dann ganz andere Auswirkungen haben, was bei ihnen hervorragend funktioniert.
[Nils Behrens] (41:56 - 42:32)
Bevor wir jetzt das Frühstück verlassen, nochmal die Frage, weil Sie hatten es eben gerade schon mit dem Hafergetränk angesprochen. Wenn Sie jetzt mal nicht aus ethischen Gründen, nicht aus Umweltgründen, sondern einfach nur aus Ihrer Rolle als Diabetologe oder als Endokrinologe, wenn Sie da jetzt einfach mal eine Empfehlung abgehen dürften. Die drei häufigsten Milcharten, Milchersatzarten für den Kaffee, die angeboten werden, sind ja entweder Kuhmilch oder Haferdrink oder Sojadrink.
Was würden Sie, wenn Sie jetzt sozusagen einen Patienten da haben, grundsätzlich eher am ehesten empfehlen?
[Prof. Dr. Stephan Martin] (42:32 - 43:38)
Ja, also erst mal die normale Kuhmilch hat viel Zucker. Ein Glas Kuhmilch entspricht ungefähr einem halben Glas Cola. Das muss man wissen, weil manchmal gibt es ja auch Menschen, die nutzen Kuhmilch einfach als Getränk.
Also das sollte man wirklich, wenn man Gewicht abnehmen will, lassen. Im Hafergetränk, habe ich gerade schon gesagt, wie wird das hergestellt? Werden Haferflocken genommen, die bestehen aus purer Stärke, die werden geschrotet, werden dann filtriert und dann wird es teurer verkauft als die normale Milch.
Und da ist natürlich diese Stärke. Viele Ketten an Traubenzucker, die werden in Sekunden schneller aufgespalten. Also schneller geht es gar nicht.
Also das ist das Schlimmste, was man meiner Meinung nach für die Gewichtsabnahme tun kann. Wir haben aber zwei andere Milchsorten. Das ist die Sojamilch und das ist die Mandelmilch.
Und da muss man ein bisschen auspassen. Da gibt es natürlich auch wieder Milch, wo dann extra Zucker beigemischt wird. Und da sollte man natürlich dann vorsichtig sein.
Aber diese beiden Milchsorten, gerade Soja, Soja ist eine sehr gute Milch, wenn man sie, wenn man keine Allergien hat und die Mandelmilch natürlich auch. Das sind diese beiden Dinge, die ich dann empfehlen würde.
[Nils Behrens] (43:39 - 43:46)
Okay, Sie empfehlen ja in Ihrem Buch auch bestimmte Lebensmittel, die den Insulinspiegel senken. Wenn Sie mir drei davon nennen dürften, welche wären das?
[Prof. Dr. Stephan Martin] (43:47 - 44:19)
Ja, also grundsätzlich muss man sagen, erst mal bestimmte Dinge weglassen. Darüber haben wir ja die ganze Zeit besprochen. Aber was ich immer auch empfehle, ist Kaffee.
Kaffee ist für mich flüssiges Gemüse. Und es gibt Studien, die zeigen, dass wenn man regelmäßig Kaffee trinkt, dass dann halt Kaffee hat, nicht nur Koffein. Man kann auch den koffeinfreien nehmen.
Da sind sehr, sehr viele Stoffe drin. Und natürlich auch, wer Kaffee nicht mag, Tee, grüner Tee. Das sind diese Dinge und quasi Nüsse.
Das ist halt das, was wir auch unseren Patienten empfehlen. Also da haben wir quasi Kaffee, grüner Tee und Nüsse. Da machen Sie nichts falsch.
[Nils Behrens] (44:22 - 44:25)
Okay, das sind jetzt drei Getränke gewesen.
[Prof. Dr. Stephan Martin] (44:25 - 44:29)
Also Nüsse nicht unbedingt, aber ansonsten.
[Nils Behrens] (44:29 - 44:30)
Achso, Nüsse. Ja, natürlich.
[Prof. Dr. Stephan Martin] (44:30 - 46:50)
Also wichtig ist, wichtig ist, einfach Dinge wegzulassen, die Insulin auslösen. Es gibt wenig Stoffe, wo man wirklich zeigen kann. Und das wäre ja auch eigentlich die Möglichkeit, Menschen zu helfen, Gewicht zu reduzieren.
Wenn wir irgendwelche Stoffe hätten, die Insulin wirklich proaktiv senken. Wir wissen, wir haben auch bei den Medikamenten fast keine Medikamente, die Insulin senken, aber viele, die Insulin anregen. Und ich glaube, das wäre auch etwas, was für die Pharmaindustrie ganz sinnvoll wäre, um Menschen zu helfen.
Wir wissen zum Beispiel, dass diese sogenannten Abnehmenspritzen Personen, die dadurch drastisch Gewicht abnehmen, bei denen sinken die Insulinspiegel auch ab. Also vielleicht auch noch mal eine Botschaft. Wenn ich Gewicht abgenommen habe, dann habe ich weniger Insulin und dann verzeiht der Körper das eine oder andere auch.
Also und wir haben wenig Substanzen, von denen wir wissen, dass die wirklich Insulin reduzieren. Und das muss man sich ja auch aus der Genetik oder auch aus unserer Entstehung klar machen. Insulin ist das Hormon, was bis bis wir halt quasi diese anderen Lebensmittel hatten, lebenswichtig war.
Menschen, die ein Typ 1 Diabetes haben, die kein Insulin haben, die sind vor 100 Jahren verstorben. Wir haben jetzt 100 Jahre, können wir die Menschen retten, weil wir Insulin zur Verfügung haben. Und der Mensch produziert mehr Insulin, als er braucht.
Und Menschen, die zum Beispiel sehr viel Insulin produzieren, die werden schneller übergewichtig. Und in den vergangenen Jahrhunderten hatten die natürlich einen Überlebensvorteil. Wenn ich schnell, wenn ich Nahrung habe, übergewichtig werde, dann konnte ich natürlich Hungersnöte überstehen.
Und insofern ist alles auf mehr Insulin ausgerichtet. Je übergewichtiger ich werde, auch indigene Völker Nordamerika. Wenn da ein Büffel erlegt wurde, dann und diejenigen, die sehr schnell dadurch Gewicht zugelegt haben, die haben länger überlebt.
Und das hat sich über die Jahre, über die Jahrtausende dazu entwickelt, dass jetzt dieses dieser evolutionäre Vorteil zum evolutionären Nachteil wird, weil Übergewicht Adipositas ist Krankheitstreiber. Und das führt dazu, dass die Menschen, die früher geschafft haben, zu überleben, heute nicht so stark überleben. Und das ist eines der großen Probleme.
[Nils Behrens] (46:52 - 46:59)
Sie schreiben ja auch, dass Lärm und Stress den Insulinspiegel hochtreiben kann. Wie kann ich denn im Alter gegensteuern, wenn die Welt mal wieder ein bisschen zu laut ist?
[Prof. Dr. Stephan Martin] (47:00 - 48:59)
Ja, also den Stress macht man sich ja zum Teil auch selber. Und natürlich hängt natürlich von den Berufen ab. Wenn man einen Beruf hat, wo man viel Stress hat, dann kann man den Menschen nicht sagen, wir müssen einen anderen Beruf nehmen.
Gerade im sozial schwächeren Bereich. Da wird manchmal ja auch Druck ausgeübt. Aber grundsätzlich vielleicht mal so als Ratschlag der Stress.
Und wenn ich auch mit Menschen rede, die dann sagen Ja, ich habe dann in sozialen Medien gelesen, ich empfehle Menschen immer die Gülle der Welt vielleicht aus dem Wohnzimmer herauszulassen. Was meine ich mit Gülle der Welt? Es gibt einen wunderbaren Spruch von Platon.
Der hat ja von Sokrates, das war ja der erste Philosoph, hat mal alles aufgeschrieben. Man kann ja sagen, Sokrates war eine faule Socke. Der hat nichts aufgeschrieben.
Der Platon hat das alles gemacht. Und er hat dann gesagt, wir brauchen, wenn du eine Nachricht bekommst, die muss man durch drei Siebe geben. Der als erste ist die Wahrheit.
Das zweite ist die Güte. Ist das gut oder? Und dann die Notwendigkeit.
Also ist es wahr, was mir da mitbeteilt wird? Ist es was Gutes? Und ist es halt auch etwas, was ich für mich persönlich notwendig brauche?
Also wenn irgendwo in China ein Sack Reis umfällt, dann brauche ich das. Und wenn da schlimme Nachrichten sind und wenn man dann jetzt gerade in der aktuellen weltpolitischen Lage, auch wenn man über den großen Teich schaut, also vielleicht, dass man sich den Quatsch oder das, was dort alles passiert, weil sich ja selber nicht beeinflussen kann, dass man das einfach vielleicht ein bisschen draußen hält. Ich versuche, das auch zu machen.
Und ich glaube, es tut einem ganz gut. Nicht, dass man sich nicht informiert ist, aber man muss sich nicht jede Sache wirklich anziehen. Und ich glaube, das machen wir natürlich durch die mediale Welt.
Wenn irgendwo irgendwo ein Autounfall ist, dann hört man wieder schon wieder zwei Menschen verstorben irgendwo. Das ist alles ganz fürchterlich. Aber ich muss einen Filter haben.
Und deshalb finde ich die drei Siebe von Sokrates so wunderbar. Die sollte man vielleicht einfach mal nutzen, häufiger mal zu schauen, was gucke ich mir eigentlich an?
[Nils Behrens] (49:02 - 49:10)
Sehr schön, ein sehr guter Tipp. Was ist Ihr persönliches Geheimnis, um sich langfristig an einen gesunden Lebensstil zu halten? Haben Sie da auch Tricks oder Rituale?
[Prof. Dr. Stephan Martin] (49:11 - 50:52)
Ja, irgendwann wird es zur Normalität. Ich versuche mich auch ab und zu mal so ein bisschen zu wiegen. Die Waage ist natürlich etwas, was dann so mal als quasi das Integral des Lebensstils der letzten 14 Tage einem dann darstellt.
Und wenn man merkt, das geht nach oben, dass man dann im Endeffekt sagt, jetzt muss ich mal wieder ein bisschen auf die Bremse treten. Die zweite ist natürlich Normalität bei bestimmten Dingen. Also wenn man früher habe ich Kaffee mit viel Zucker getrunken.
Heutzutage trinke ich das nicht mehr. Ich trinke viel Wasser. Ich bei der Bewegung habe ich gerade schon gesagt, Fahrradfahren ist für mich als Normalität geworden.
Und wenn wir in den Urlaub fahren, wir fahren sehr viel auch im Urlaub Fahrrad. Das sind Dinge, die mir persönlich Spaß machen. Die Bewegung macht mir persönlich Spaß.
Ich kenne aber viele Menschen, denen das überhaupt gar keinen Spaß macht. Und bei denen ist es natürlich schwierig. Die müssen natürlich versuchen, daran Spaß zu bekommen.
Und von der Seite ist das vielleicht etwas die größte Herausforderung, dass man halt gerade Kinder und Jugendliche frühzeitig an Bewegung und auch an bestimmte Dinge gewöhnt. Und dass man dann halt auch wirklich zeigt, wenn ich mich bewegt habe, dann geht es mir einfach besser. Dann schlafe ich besser.
Dann habe ich einfach ein viel besseres Gefühl. Und das geht mir so. Also wenn ich mich nicht bewege, wenn ich mal irgendwo einen Vortrag habe oder wenn ich, wo ich weiter wegfahren muss oder eine Sendung moderieren muss, wo ich dann wieder weiterfahren muss, dann fühle ich mich nicht gut, jeden Morgen die Strecke zu fahren, die ich fahre.
Das macht mich einfach sehr, sehr froh.
[Nils Behrens] (50:54 - 51:18)
Kann ich sehr gut nachvollziehen. Ich war in Berlin und in Hamburg auch immer alles mit dem Fahrrad und bin immer ganz traurig, wenn es tatsächlich dann mal regnet. Aber selbst dann nutze ich manchmal die Regenfenster beziehungsweise ziehe mir dann einfach andere Kleidung an.
Also von daher, das geht meistens dann auch irgendwie. Wenn wir jetzt mal Ihre Low Insulin Methode dann einfach mal betrachten, wenn Sie daraus nur einen einzigen Tipp geben dürfen, der sofort Wirkung zeigt, welcher wäre das?
[Prof. Dr. Stephan Martin] (51:19 - 51:40)
Glucose weglassen. Und das ist der entscheidende Faktor. Da braucht man nichts anderes machen.
Alles, was Glucose enthält und eigentlich der Tipp an alle ist, einfach sich mal mit der Zusammensetzung von Zuckern auseinanderzusetzen. Einfach mal in den Biologie Unterricht zurückzugehen und zu gucken, wo ist Glucose, wo ist Traubenzucker drin und das wechseln. Und mehr braucht man nicht wissen.
[Nils Behrens] (51:42 - 51:51)
Dann komme ich zu meiner letzten Frage. Stellen Sie sich vor, ich bin ein ganz normaler Mensch mit Job, Familie, wenig Zeit und viel Stress. Was wäre der allererste Schritt, den ich morgen gehen sollte?
[Prof. Dr. Stephan Martin] (51:52 - 52:28)
Ja, einfach. Also ich sage es mal jetzt ganz provokant. Schauen Sie sich mal an, was die Deutsche Gesellschaft für Ernährung sagt.
Sie sagt also, man sollte möglichst wenig Fett essen und was weiß ich alles. Ich sage meinen Patienten immer machen Sie genau das Gegenteil. Da machen Sie es genau richtig.
Also einen aktiven Lebensstil, vielleicht eine wichtige Sache, auch soziale Interaktion. Das, was wir jetzt hier machen, sich mit jemand anderem auseinanderzusetzen, mit jemandem zu sprechen. Das ist das Wichtige, nicht ins kleine, ins Kämmerlein sich zu setzen.
Ich glaube, das ist ein wichtiger Faktor. Ernährung natürlich. Möglichst viele soziale Interaktionen und Bewegung.
[Nils Behrens] (52:29 - 52:42)
Ich sage vielen Dank für das Gespräch. Nun möchte ich natürlich allen, die mehr erfahren wollen, das Buch von Prof. Dr. Martin empfehlen. Es heißt "Blutzucker optimieren, Gewicht reduzieren" und ist im Becker Joest Volk Verlag erschienen.
Und ja, danke für den Austausch.
[Prof. Dr. Stephan Martin] (52:43 - 52:43)
Gerne.
[Nils Behrens] (52:47 - 53:12)
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