

Essen gegen Falten – Anti-Aging-Ernährung mit Dr. Gruber
Unsere Haut ist nicht nur das größte Organ unseres Körpers, sondern auch der sichtbarste Spiegel unserer Gesundheit und Lebensweise. Dass sie altert, ist ein natürlicher Prozess. Doch wie stark können wir diesen Vorgang – das Entstehen von Falten, den Verlust von Spannkraft oder die Bildung von Altersflecken – durch unsere Ernährung beeinflussen?
In der HEALTHWISE-Episode „Essen gegen Falten – Die Anti-Aging-Diät“ spricht Host Nils Behrens mit Priv.-Doz. Mag. Dr. Florian Gruber, Assoziiertem Professor an der Medizinischen Universität Wien und Leiter des Christian-Doppler-Labors SKINMAGINE. Der Autor des Buchs „Die Anti-Aging Ernährung für die Haut“ verbindet wissenschaftliche Zellbiologie mit kulinarischer Praxis – und zeigt, wie gezielte Ernährung die natürliche Hautalterung positiv beeinflussen kann.
Die Folge HEALTHWISE auf YouTube
Die Ursachen: “Zombie-Zellen” und “Inflamm-Aging”
Um zu verstehen, wie eine Anti-Aging-Diät funktioniert, müssen wir wissen, was in der Haut passiert, wenn sie altert. Laut Dr. Gruber sind zwei Phänomene entscheidend: der Verlust der zellulären Qualitätskontrolle und die Ansammlung von seneszenten Zellen.
Was in alternden Zellen passiert
Im Laufe des Lebens verlieren unsere Zellen wichtige Funktionen, die Dr. Gruber als "Qualitätskontrolle" bezeichnet. Sie können ihre eigenen Inhaltsstoffe wie die DNA, Proteine und Lipide nicht mehr so gut reparieren wie in jungen Jahren.
Die Rolle der seneszenten ("Zombie-")Zellen
Ein zentrales Thema der modernen Altersforschung ist die zelluläre Seneszenz. Seneszente Zellen sind Zellen, die einen Schaden erlitten haben und sich daraufhin nicht mehr teilen. Sie sterben aber auch nicht ab, sondern "sitzen im Gewebe rum", so Dr. Gruber.
Das Problem: Diese "Zombie-Zellen" sammeln sich im Alter in der Haut an. Dort produzieren sie kontinuierlich Stoffe, die die Alterung sichtbar beschleunigen. Dazu gehören laut Dr. Gruber Enzyme, die man sich als "Proteinscheren" vorstellen kann: Sie zerschneiden unser Kollagen in kleinere Stücke, was direkt zur Faltenbildung beitragen kann.
Inflamm-Aging: Die stillen Entzündungen
Diese seneszenten Zellen sind auch verantwortlich für das sogenannte "Inflamm-Aging". Dr. Gruber erklärt: Die Zellen senden permanent schwache Entzündungssignale aus. Diese Signale sind jedoch zu schwach, als dass das Immunsystem mit einer vollen Abwehrreaktion antwortet.
Das fatale Ergebnis: Es herrscht ein leicht entzündlicher Zustand, bei dem lokal Bindegewebe (Kollagen) zerschnitten wird, ohne dass eine Reparatur stattfindet. Hinzu kommen äußere Faktoren wie UV-Strahlung (Sonne), Zigarettenrauch und Umweltverschmutzung, die durch oxidativen Stress die Hautalterung massiv beschleunigen.
"Die Anti-Aging-Ernährung für die Haut" von Dr. Gruber
Die Anti-Aging-Diät: Mediterran statt die "westliche Ernährungsweise"
Wenn man Dr. Gruber nach der ultimativen Ernährungsformel für gesunde Haut fragt, ist seine Antwort eindeutig: „Es ist schlicht und einfach die mediterrane oder die asiatische Küche gegen die sogenannte westliche Diät.“ Die westliche Ernährungsweise enthält häufig zu hohe Mengen an Zucker und gesättigten Fettsäuren. Diese Ernährungsweise kann Zivilisationskrankheiten begünstigen und zu einer beschleunigten Hautalterung beitragen.
Demgegenüber steht die mediterrane Ernährung, die sich durch folgende Grundsätze auszeichnet:
- viel Gemüse, Obst und Hülsenfrüchte.
- hochwertige pflanzliche Öle (v. a. Olivenöl)
- Fisch und Nüsse als Proteinquellen
- mäßigen Fleischkonsum
- wenig Zucker und verarbeitete Produkte
Fette mit Funktion
Ungesättigte Fettsäuren, etwa aus Olivenöl, Nüssen oder Meeresfisch, sind essenziell für die Hautbarriere und es ist wichtig, diese Fette vor Oxidation zu schützen, so Dr. Gruber. Er führt hierzu eine Studie an, bei der Probanden, die ihre ungesättigten Fettsäuren primär aus Olivenöl bezogen, ein signifikant verringertes Auftreten von Altersflecken zeigten. Besonders wertvoll sind Omega-3-Fettsäuren, z. B. aus Algen oder fettreichem Seefisch, da sie essenzielle Bestandteile von Zellmembranen sind und in der Wissenschaft im Zusammenhang mit normalen Entzündungsreaktionen diskutiert werden.
Zellschutz durch sekundäre Pflanzenstoffe
Pflanzen enthalten Tausende bioaktive Substanzen, die unsere Zellen schützen und reparative Mechanismen aktivieren können. Diese sekundären Pflanzenstoffe sind laut Gruber „die eigentlichen Stars der Anti-Aging-Ernährung“. Sie wirken oft nicht direkt, sondern regen die körpereigenen Schutzsysteme an.
Antioxidantien & DNA-Schutz
- Sulforaphan aus Brokkoli regt die Produktion körpereigener Antioxidantien stark an. Dr. Grubers Praxistipp : Brokkoli nicht zerkochen! Die wertvollen Inhaltsstoffe werden durch Hitze zerstört. Besser ist es, Brokkoli roh als Salat oder nur leicht gedünstet zu essen.
- Lycopin aus Tomaten und Carotinoide aus Karotten können laut Dr. Gruber dabei helfen, die DNA-Reparaturmechanismen der Zellen anzuregen.
Autophagie und Senolytika
Die gute Nachricht: Wir können die zellulären Reinigungsprozesse durch Ernährung unterstützen. Dr. Gruber hebt zwei Mechanismen hervor:
Autophagie: Das Recycling-Programm der Zelle
Autophagie ist der zelluläre Recycling-Mechanismus unseres Körpers. Beschädigtes oder nicht mehr benötigtes Zellmaterial wird dabei verpackt, zerlegt und wiederverwendet. Dieser Prozess wird klassischerweise durch Fasten angeregt: Wenn der Körper einen Nährstoffmangel wahrnimmt, greift er zunächst auf „das, was ohnehin herumliegt“ zurück – also auf Zellbestandteile, die erneuert werden können.
Laut Dr. Florian Gruber zählt die Aktivierung der Autophagie zu den vielversprechendsten Anti-Aging-Mechanismen, da sie die Entstehung von seneszenten Zellen verhindern kann.
Senolytika: Gezielte Ernährung gegen Zombie-Zellen
Senolytika sind Stoffe, die in der Forschung im Zusammenhang mit der Regulation von seneszenten Zellen diskutiert werden. Laut Dr. Florian Gruber ist die Untersuchung solcher Stoffe derzeit ein „heißer Topic“ in der Altersforschung. Pflanzliche Kandidaten, die in diesem Zusammenhang diskutiert werden, sind laut Dr. Gruber beispielsweise Fisetin (enthalten in Erdbeeren), Quercetin (z. B. in Weinblättern) und ein Inhaltsstoff aus dem Langen Pfeffer.
Mythen-Check mit Dr. Gruber
Hilft Kollagenpulver gegen Falten?
Kollagen als Nahrungsergänzungsmittel ist ein großer Hype. Dr. Gruber relativiert dies: Egal ob aus Knochenbrühe oder Pulver, Kollagen wird im Magen in seine Einzelteile (Aminosäuren) zerlegt. Die Haut nutzt diese Bausteine, um ihr Kollagen selbst zu produzieren. Viel wichtiger als die Zufuhr von Kollagen ist laut Dr. Gruber, das bereits vorhandene, langlebige Kollagen in der Haut vor Schäden zu schützen (z.B. durch Sonnenschutz, weniger Zucker und Verzicht auf Rauchen).
Wie wichtig ist die Darmgesundheit für die Haut?
Sehr wichtig. Die Gesundheit des Darmmikrobioms ist entscheidend. Eine faserreiche Kost "gibt den Darmmikroben eine Aufgabe" und zwingt sie zu einer größeren Diversität. Dieses diverse Mikrobiom produziert Metaboliten (Stoffwechselprodukte), die für den gesamten Körper und auch für die Hautgesundheit vorteilhaft sind.
Take Aways
- Hautalterung beginnt auf Zellebene: Mit zunehmendem Alter verlieren Zellen Teile ihrer „Qualitätskontrolle“. Diese Veränderungen können sich auch in der Haut zeigen.
- „Inflamm-Aging“ beschreibt stille Entzündungsprozesse, die im Alter zunehmen und mit sichtbaren Zeichen der Hautalterung in Zusammenhang gebracht werden.
- Seneszente („Zombie-“) Zellen können sich mit dem Alter ansammeln und Enzyme abgeben, die Strukturproteine wie Kollagen abbauen – ein biologischer Prozess, der mit der Faltenbildung korreliert.
- Eine pflanzenbetonte, mediterrane oder asiatisch inspirierte Ernährung mit viel Gemüse, Fisch, Olivenöl und Nüssen wird mit positiven Hautparametern in Verbindung gebracht.
Mehr erfahren im healthwise Podcast von sunday natural
Produktempfehlungen von sunday natural
Priv.-Doz. Mag. Dr. Florian Gruber ist Assoziierter Professor an der Hautklinik der Medizinischen Universität Wien und seit vielen Jahren auf dem Gebiet der experimentellen Dermatologie spezialisiert. Seine Forschung konzentriert sich auf die zellulären Mechanismen der Hautalterung. Als Leiter des Christian-Doppler-Labors SKINMAGINE untersucht er mithilfe modernster bildgebender Verfahren Stoffwechsel- und Alterungsprozesse in der Haut und entwickelt innovative Konzepte zur Hautverjüngung. Die von ihm entwickelten 3D-Hautmodelle und Forschungsergebnisse werden international von zahlreichen wissenschaftlichen Partnern genutzt. In seinem Buch „Die Anti-Aging Ernährung für die Haut“ verbindet Dr. Gruber seine wissenschaftlichen Erkenntnisse mit seiner Leidenschaft fürs Kochen – und macht komplexe biomedizinische Themen auf genussvolle Weise zugänglich.
145 Essen gegen Falten - Die Anti-Aging-Diät. Mit Priv.-Doz. Mag. Dr. Florian Gruber
[Priv.-Doz. Mag. Dr. Florian Gruber] (0:00 - 0:17)
Das heißt, wenn jetzt einerseits pharmakologisch, aber andererseits auch durch die Ernährung versucht wird, die Entstehung und die Auswirkungen von seneszenten Zellen einzudämmen, glaube ich, dass das ein Fokus sein wird auch für Ernährungsforschung.
[Nils Behrens] (0:18 - 1:15)
Herzlich willkommen zu HEALTHWISE, dem Gesundheitspodcast, präsentiert von Sunday Natural. Ich bin Nils Behrens und in diesem Podcast erkunden wir gemeinsam, was es bedeutet, gesund zu sein. Wir tauchen ein in Themen wie Medizin, Bewegung, Ernährung und emotionale Gesundheit.
Immer mit einem weisen Blick auf das, was uns wirklich gut tut. Und los geht's. Unsere Haut ist nicht nur Spiegel unserer Gesundheit, sondern auch unser sichtbarstes Organ und sie altert mit.
Doch wie stark können wir diesen Prozess durch gezielte Ernährung beeinflussen? Privatdozent, Magister Dr. Florian Gruber, ist assoziierter Professor an der Hautklinik der Medizinischen Universität Wien. Er leitet das Christian Doppler Labor Skinmagine, das innovative Konzepte zur Hautverjüngung erforscht. Mit seinem Buch, "Die Anti-Aging Ernährung für die Haut", verbindet er seine zellbiologische Forschungsergebnisse mit seiner Leidenschaft fürs Kochen. Wissenschaftlich fundiert, alltagsauglich und genussvoll.
Und deswegen sage ich herzlich willkommen, Dr. Florian Gruber.
[Priv.-Doz. Mag. Dr. Florian Gruber] (1:16 - 1:17)
Ja, hallo, willkommen.
[Nils Behrens] (1:18 - 1:25)
Ja, Herr Gruber, wie sieht denn bei Ihnen Ihr sonntägliches Verwöhnprogramm für die Haut aus? Ist es eher die Maske oder eher die Misosuppe?
[Priv.-Doz. Mag. Dr. Florian Gruber] (1:26 - 1:39)
Ja, ich bin jetzt in einem Alter, wo man am besten ein bisschen Feuchtigkeitscreme mit einem Lichtschutzfaktor aufträgt und sich danach gut fühlt. Und danach esse ich aber eine frische, rohe Karotte.
[Nils Behrens] (1:40 - 1:54)
Eine frische, rohe Karotte. Okay, die ist also auch gut für die Haut. Da kommen wir dann ja gleich darauf zu sprechen.
Was sind denn für Sie die zentralen Faktoren, die unsere Haut altern lassen? Und welche Rolle spielt dabei die Ernährung im Vergleich zu Sonne, Stress und Genetik?
[Priv.-Doz. Mag. Dr. Florian Gruber] (1:57 - 3:09)
Alterung, so wie ich sie erforsche oder wir sie hier im Labor erforschen, passiert unter anderem auf Zellebene. Und im Laufe unseres Lebens verlieren die Zellen wichtige Funktionen. Ich würde sie nennen Qualitätskontrolle.
Zellen können ihre Inhaltsstoffe ab einem gewissen Alter der Zelle bzw. auch des Organismus nicht mehr so gut reparieren. Ihre DNA nicht, ihre Proteine, also die Eiweiße nicht und auch ihre Lipide.
Das sind Dinge, die kann man im Labor sehr speziell untersuchen. Und die kann man dann aber auch, zum Beispiel in unserem Christian Doppler Labor, diese nachlassenden Funktionen können wir auch nachweisen in der Haut, im Organismus. Ein wichtiges Phänomen, das entdeckt wurde vor einigen Jahren und dessen Wichtigkeit auch für die Hautalterung immer offensichtlicher wird, ist das Entstehen von sogenannten seneszenten Zellen, gealterten Zellen.
[Nils Behrens] (3:09 - 3:10)
Zombie-Zellen.
[Priv.-Doz. Mag. Dr. Florian Gruber] (3:10 - 5:53)
Die Zombie-Zellen, sehr richtig. Das sind Zellen, die haben eine Art von Schaden bekommen oder akkumuliert. Die teilen sich dann nicht mehr und sitzen dann im Gewebe rum.
Normalerweise ist das kein Problem. Das passiert auch bei manchen Entwicklungsschritten unserer Organe, dass diese Zellen auftreten. Die werden normalerweise dann vom Immunsystem entfernt.
Nur in der gealterten Haut und in gealterten Organen allgemein sammeln sich diese Zellen dann an. Und die produzieren eine Menge von den Stoffen, die dann auch dazu beitragen, dass man die Alterung von außen sieht. Also die produzieren zum Beispiel diese Enzyme.
Das sind, wie man könnte sagen, Proteinscheren, die unser Kollagen zerschneiden in kleinere Stücke. Und das ist unter anderem einer der Gründe für die Falten, die sich bilden. Wobei generell nicht gealterte Haut, die sichtbaren Zeichen, zum Beispiel die Falten, entstehen dadurch, dass sich unsere Mimik, die Muskulatur verändert, dass die auch die Schwerkraft gewirkt hat eine lange Zeit.
Es entsteht dadurch, dass die Fettpölsterchen, die wir als junger Mensch an einer bestimmten Stelle haben, dass die sich verändern und dann an anderen Stellen sind und dann einen Eindruck machen, dass es eben nicht mehr ein junges Gesicht, sondern ein gealtertes Gesicht ist. Ein anderes Zeichen für die Hautalterung ist auch, dass die Pigmentierung, also die Farbe unserer Haut nicht mehr gleichmäßig ist, sondern dass wir dann sogenannte Altersflecken entwickeln und dass überhaupt die Pigmentierung ungleichmäßig ist. Und dann gibt es natürlich andere Eigenschaften, wie zum Beispiel die Wärmeregulierung oder die Befeuchtung und Befettung unserer Haut, die im Alter nachlassen.
Ja, und es ist eben sehr interessant zu studieren, welche äußeren Einflüsse dazu beitragen. Für die Hautalterung, allgemein aber besonders für die Hautalterung, wichtig sind oxidative Schäden, die wir bekommen, zum Beispiel durch die Sonnenexposition, aber auch durch giftige, reaktive Substanzen, denen wir uns aussetzen, wie zum Beispiel Zigarettenrauch oder städtische Verschmutzung.
[Nils Behrens] (5:54 - 6:25)
Zigarettenrauch, das ist wirklich so lustig. Ich muss bei dem Thema Haut und Zigarettenrauch immer an ein Musikvideo denken aus den 90ern von George Michael, Freedom, wo verschiedene Topmodels die Hauptrolle in diesem Video spielen. Und da sah man eben dieses eine Model, wie es dann so zurückgelehnt auf dem Lassiv, auf dem Stuhl lag und dann nochmal so ganz intensiv rauchte und dieser Rauch dann über ihr ganzes wunderhübsches Gesicht dann irgendwie so rüberging.
Und das ist sozusagen das Bild, was mir jetzt als erstes so in den Kopf reinging.
[Priv.-Doz. Mag. Dr. Florian Gruber] (6:26 - 6:31)
Ja, dieser Prozess dauert natürlich. Ich weiß jetzt nicht, ob diese Dame, ob die Dame noch aktiv ist.
[Nils Behrens] (6:31 - 6:38)
Ich bin mir jetzt nicht sicher, welche von denen, aber die meisten von denen sehen heute immer noch großartig aus. Aber ich glaube, die hat doch nur fürs Musikvideo geraucht, vermutlich.
[Priv.-Doz. Mag. Dr. Florian Gruber] (6:39 - 6:40)
Ja.
[Nils Behrens] (6:41 - 6:43)
Okay, Rauchen, Sonne, Stress?
[Priv.-Doz. Mag. Dr. Florian Gruber] (6:44 - 7:05)
Auch psychischer Stress ist sicher auch ein Faktor. Lässt sich natürlich jetzt in unseren Modellsystemen, also zum Beispiel in Zellkulturen oder in Hautmodellen, nicht so einfach untersuchen wie zum Beispiel UV-Strahlung oder reaktive Chemikalien.
[Nils Behrens] (7:06 - 7:08)
Okay. Und Genetik?
[Priv.-Doz. Mag. Dr. Florian Gruber] (7:09 - 7:32)
Genetik ist ein ganz wichtiger Einflussfaktor. Da gibt es, wie jeder kennt aus seiner Bekanntschaft wahrscheinlich, Leute, die für ihr Alter irgendwie jünger aussehen oder älter aussehen. Da weiß man natürlich nicht, ist das nur die Genetik oder auch deren Verhalten gewesen, das dafür ursächlich ist.
Aber dann gibt es schon, es gibt so Extremfälle.
[Nils Behrens] (7:32 - 7:35)
Wenn man Iris Berben zuhört, die sagt immer, es sind die guten Gene. Und viel Wasser trinken.
[Priv.-Doz. Mag. Dr. Florian Gruber] (7:38 - 8:55)
Wird sicher einen signifikanten Einfluss haben. Es gibt zum Beispiel manche genetische Prädispositionen oder Mutationen, die bei Leuten tatsächlich, das heißt, Progerie, eine ganz stark beschleunigte Alterung verursachen. Das ist fürchterlich anzusehen; es sind Menschen, die furchtbar darunter leiden. Also da sind dann gewisse DNA-Reparaturmechanismen beziehungsweise Proteine, die die Zellkerne in ihrer Struktur halten, mutiert.
Und dann haben die Leute ganz stark beschleunigte Alterungserscheinungen, auch in der Haut. Das heißt, es gibt klarerweise genetische Einflussfaktoren, davon gibt es aber eben so viele, dass es ein sogenannter komplexer Phänotyp nennt man das, dass es schwer ist, das auf einen Einzelnen einzugrenzen. Aber generell geht es da um Schutzreparaturmechanismen, die entweder genetisch oder durch äußere Einflüsse beeinflusst werden und die bestimmen ein bisschen das Tempo unseres Alterns.
[Nils Behrens] (8:56 - 9:16)
Sie sprechen ja in Ihrem Buch auch von diesem Kunstwort Inflamm-Aging. Das ist ja eine Zusammensetzung aus Inflamation und dem Alter, also Aging, also die beiden englischen Worten in dem Sinne. Das sind ja in dem Sinne, wenn man so will, stille Entzündungen, die Sie in Ihrem Buch ja auch genau beschreiben.
Wollen Sie das vielleicht einmal mit unseren HörerInnen teilen?
[Priv.-Doz. Mag. Dr. Florian Gruber] (9:17 - 11:03)
Ja, was passiert bei einer Entzündungsreaktion? Eine Entzündung ist ja generell etwas Wichtiges. Der Körper und eine Zelle im Körper sagt, Achtung, hier ist eine Gefahr.
Und dann passieren zwei Dinge. Es werden Signalstoffe ans Immunsystem ausgeschickt, die rekrutieren die Zellen des Immunsystems an den Ort, wo das Problem ist. Und gleichzeitig werden auch die zuvor genannten Molekülscheren produziert, die sozusagen das Bindegewebe, die Fasern, das Kollagen und das Elastin zerschneiden, damit diese Immunzellen schneller an den Ort des Problems hinkommen können.
Das ist der Normalfall, wie durch eine Entzündungsreaktion der Körper auf eine Gefahr reagiert. Jetzt kann es aber sein, dass im Alter, z.B. durch die vorher genannten seneszenten Zellen, solche Entzündungssignale ausgesendet werden, auch wenn kein wirklicher Grund dafür da ist. Sondern weil die ein bisschen von diesen Signalen und von diesen Molekülscheren die ganze Zeit produzieren.
Aber es ist zu wenig laut das Signal, als dass das Immunsystem tatsächlich reagiert. Und was passiert dann? Dann passiert das lokal um meine gealterte Zelle herum, dass Bindegewebe zerschnitten wird und ein leicht entzündlicher Zustand herrscht.
Das kann man beobachten in gealterter Haut und das trägt zu den negativen Auswirkungen des Alters im Gewebe bei.
[Nils Behrens] (11:04 - 11:58)
Man kann ja grundsätzlich sagen, mit den meisten Medizinern, mit denen ich mich über das Thema Altern und Longevity unterhalte, ist ja, dass die sagen, dass das Thema Inflammation eigentlich mit der Hauptgrund grundsätzlich für das Thema Altern ist. Sie sprechen jetzt auch unser größtes Organ, die Haut, an. Aber das betrifft ja ganz viele Organe im Körper, die alle von einer Art von Inflammationen sind.
Das können auch die Gelenke sein etc. Also das Thema grundsätzlich kann man ja sagen, Entzündungen im Körper in größerem Maße sind schlecht. Gar keine zu haben, habe ich mittlerweile gelernt, aufgrund der Reparaturmechanismen, die damit gestartet werden, ist auch nicht so gut.
Aber sie auf Null runterzubringen wäre nicht gut, aber sie sind eben bei den meisten von uns einfach zu hoch. Ihr Buch geht ja um das Thema Hautdiät. Deswegen ist die Frage, gibt es eine Art von Grundformel für das Thema Ernährung, an der wir uns im Alltag orientieren sollten?
[Priv.-Doz. Mag. Dr. Florian Gruber] (12:01 - 14:12)
Vielleicht, um das zunächst mal ein bisschen in den Kontext zu setzen und das Konzept und meinen Zugang zu diesem Thema zu erörtern. Womit ich mich in diesem Buch beschäftigt habe, sind einerseits kontrollierte zellbiologische Systeme, mit denen man messen kann, was ein bestimmter Inhaltsstoff z.B. eines Nahrungsmittels bewirken kann, in puncto Zellstress und Zellalterung. Wenn da z.B. ein Extrakt aus einem grünen Tee oder sonst etwas eine messbare, reproduzierbare Wirkung gezeigt hat, ist das sozusagen die erste Säule, die stehen muss. Die zweite Säule ist, dass aus Ernährungsstudien gezeigt wird, dass es eine Bioverfügbarkeit von diesem Inhaltsstoff gibt nach Ernährung. Dieses Konzept mit diesen zwei Säulen unterscheidet sich davon, wie pharmazeutische Produkte getestet werden müssen. Da muss man eine Riesenstudie mit einer Kontrollgruppe, einer Placebogruppe und einer Aktivgruppe über eine längere Zeit untersuchen.
Dann kann man statistisch signifikant auswerten, ob dieser Inhaltsstoff diese Wirkung hat oder nicht. Bei Nahrungsmitteln im Zusammenhang mit einem sehr langwierigen Projekt wie Alterung ist das unmöglich. Deswegen habe ich in diesem Buch dieses Konzept mit gesicherter Zellkultur und gesicherter Bioverfügbarkeit durch Ernährungsstudien gewählt als Ausweg.
Das ist aber auch gleich ein Limit für die Interpretierbarkeit der Aussagen, die im Buch getroffen werden.
[Nils Behrens] (14:12 - 15:32)
Ja klar, aber das ist ja Ihr generelles Problem. Jede Art von Ernährungsstudie, gerade wenn sie langfristige Ziele haben, ist ja immer, dass man Menschen nicht unter Laborbedingungen über so einen langen Zeitraum isoliert betrachten kann. Da sagen Sie ganz genau richtig, dann sind natürlich so Faktoren dabei, dass Sie auch nicht wissen, wie viel war der wirklich in der Sonne, wie viel Sonnenschutz hat er aufgewegt etc.
Die Herangehensweise ist relativ klar. Das Thema Bioverfügbarkeit heißt ja, dass ganz viel von dem, was wir zu uns nehmen, nur zu einem bestimmten Prozentsatz im Körper ankommt bzw. vom Körper verarbeitet wird.
Da ist wahrscheinlich eines der Musterbeispiele immer das Thema Resveratrol. Das ist so das, was im Rotwein drin ist, was eben auch eine gute antienzündliche Wirkung grundsätzlich in der Theorie hätte. Um den vollen Effekt von Resveratrol zu haben, müsste man zwölf Liter Rotwein am Tag trinken.
Da kann man sich vorstellen, dass da andere negative Seiteneffekte entstehen könnten. Von daher nur mal so kurz erklärt, was heißt eigentlich das Thema Bioverfügbarkeit. Wenn Sie jetzt hier mit mir im Fahrstuhl fahren, der sogenannte Elevator-Pitch, und ich Sie frage, was sind denn so die Lebensmittel, die besonders gut sind für meine Haut?
[Priv.-Doz. Mag. Dr. Florian Gruber] (15:33 - 16:18)
Naja, um es ganz kurz, wenn wir nur ein Stockwerk mit unserem Elevator fahren, würde ich sagen, es ist schlicht und einfach die mediterrane oder die asiatische Küche gegen die sogenannte westliche Diät. Western-Diät ist eine Diät, die zu hoch, höher in Zucker- und Fettinhaltsstoffen ist, als wir es brauchen und die eigentlich für alle unsere Zivilisationserkrankungen zuständig ist und damit zusammenhängend auch für erhöhte, beschleunigte Alterung und das betrifft genauso dann natürlich die Haut.
[Nils Behrens] (16:18 - 16:27)
Ok, mediterrane Diät. Mediterrane Diät heißt viel Gemüse, viel Fisch, gute Fette, Nüsse.
[Priv.-Doz. Mag. Dr. Florian Gruber] (16:28 - 16:28)
Fisch, Olivenöl, genau.
[Nils Behrens] (16:29 - 17:20)
Ok, und wer ist schlecht, haben wir jetzt auf der schlechten Seite, da komme ich gleich nochmal zu. Ich möchte mal einmal ganz kurz auf ein Thema eingehen und das finde ich ganz spannend, gerade im Zusammenhang mit dem Thema mediterrane Diät, weil die so häufig ja immer genannt wird, insbesondere eben halt im Zusammenhang mit dem Thema anti-entzündliche Wirkung auf den Körper. Nichtsdestotrotz, wenn man sich das mal ganz genau anschaut, dann muss man sagen, ist die ja nicht gerade eiweißreich.
Das heißt also auch gerade, wenn man sich, es ist ja eher Fisch, wenn Tier, dann eher Fisch statt Fleisch und der Proteingehalt in Fischen ist in den meisten Fällen zumindest im Vergleich zu Hähnchenfleisch oder Rindfleisch eben auch nochmal deutlich niedriger. Das heißt insgesamt ist die nicht so eiweißbetont. Deswegen komme ich mal zu meiner Frage, wie wichtig ist denn das Thema Eiweißbedarf für den Erhalt der Hautstruktur?
[Priv.-Doz. Mag. Dr. Florian Gruber] (17:21 - 19:36)
Es ist momentan zum Beispiel ein großer Hype, Hauteiweiße wie zum Beispiel das Kollagen zuzuführen als Nahrungsmittel. Was natürlich passiert in unserem Metabolismus, in unserem Stoffwechsel ist, dass diese Inhaltsstoffe in die kleinstmöglichen Teile, also in die Aminosäuren zerlegt werden und dann wieder in der Zelle zusammengebaut werden. In der Haut nehmen wir die Nahrungsstoffe und die Baustoffe, die wir brauchen, um die Proteine, die Fasern, das Kollagen, das Elastin herzustellen.
Das nehmen wir sozusagen auf in den kleinsten Bauteilen, in den Aminosäuren aus unserem Blutgefäßsystem werden die zu uns gebracht in die Zellen und das Eiweiß, das essentiell ist, um die Haut jugendlich zu halten, ist das, was die Zellen selber produzieren. Zum Beispiel die Fibroblasten in unserer Lederhaut, also in der zweitobersten Hautschichte, die wir haben, die produzieren diese langkettigen und langhaltbaren Eiweiße und Proteine. Die Halbwertszeit dieser Proteine beträgt sehr, sehr viele Monate bis Jahre.
Das heißt, alle Schäden, die dort in diesen Proteinen und Eiweißen entstehen, durch zum Beispiel UV-Strahlung und oxidativen Schaden, die halten sich dort sehr lange. Das heißt, die Proteine in der Haut müssen geschützt werden vor externen Schäden und es muss sozusagen der Umsatz und die Produktion der richtigen Proteine gefördert werden. Das kann man machen, betrifft aber dann in diesem Fall nicht so sehr die Aufnahme von viel Protein in der Nahrung, würde ich sagen.
[Nils Behrens] (19:37 - 19:56)
Okay, dann aber Kollagen. Wo habe ich denn Kollagen drin in der normalen Ernährung? Ich meine, mittlerweile ist es ein großer Hype darum, Kollagen sich exzent zuzuführen, aber wenn ich jetzt sage, wir wollen ja hier in erster Linie auch über das Thema Ernährung in dem Zusammenhang reden, gibt es etwas, wo Sie sagen, da ist Kollagen drin?
[Priv.-Doz. Mag. Dr. Florian Gruber] (19:58 - 20:47)
Kollagen ist zum Beispiel, Sie wissen, ich bin in Wien, hier isst man gerne gekochtes Rindfleisch, den sogenannten Tafelspitz und natürlich in den Fasern von diesem Fleisch ist natürlich eine große Menge Kollagen drin. Aber wie gesagt, das Kollagen, das wird abgebaut in so einem Verdauungstrakt und natürlich hat man dann sozusagen die Baustoffe vorhanden, auch bei den, jetzt gibt es so Kollagen-Shots, Milchprodukte, die stark kollagenhaltig sind. Okay, man hat dann dieses Kollagen in seinem Magen, dort wird es zerkleinert allerdings in Aminosäuren und dann kann es im Gewebe wieder zusammengebaut werden.
[Nils Behrens] (20:48 - 21:24)
Okay, also ich bin ein großer Fan zum Beispiel von Knochenbrühe. Ich bin in meiner Kindheit schon so groß geworden, dass es abends zum Abendessen immer eine Brühe gab, zum Trinken tatsächlich, also gar nicht zum Essen, sondern zum Trinken. Deswegen habe ich das gerade für mich wieder so reaktiviert und wiederbelebt, dass ich dann eben halt gerne diese Bone Broth dann abends nochmal so als, ja, trinke, wenn ich zumindest mal zu Hause bin.
Kommt nicht so oft vor, aber zumindest wenn ich mal zu Hause bin, dann trinke ich eben halt gerne mal so eine Knochenbrühe. Würden Sie jetzt sagen, geht das jetzt auf die gute Haben-Seite für meine Haut oder nicht?
[Priv.-Doz. Mag. Dr. Florian Gruber] (21:25 - 21:57)
Ja, also wie gesagt, es ist ein essentieller Bestandteil einer Ernährung und es wird wie jedes andere Protein abgebaut und ist uns dann als Aminosäuren verfügbar für die Neusynthese vom Kollagen dort, wo es auch tatsächlich gebraucht wird. Allerdings, das wird dort neu synthetisiert, neu hergestellt in der Haut, das Kollagen.
[Nils Behrens] (21:58 - 22:12)
Okay, sehr gut. Dann das Thema mediterrane Diät, ich hatte es eben schon einmal kurz erwähnt, ist ja sehr pflanzenbasiert und Sie sprechen sich ja auch sehr für das Thema sekundäre Pflanzenstoffe aus. Mögen Sie vielleicht einmal ganz kurz erklären, was sind sekundäre Pflanzenstoffe und warum sind sie gut für unsere Haut?
[Priv.-Doz. Mag. Dr. Florian Gruber] (22:13 - 24:16)
Ja, also wie gesagt, in dem Buch und auch in unserer Forschung beschäftigen wir uns mit Stoffen, die gewisse Aktivitäten oder gewisse Mechanismen von Zellen gezielt beeinflussen, die in der Alterung relevant sind. Wie zum Beispiel die Produktion der körpereigenen Antioxidantien. Also alle unsere Zellen haben, jede Körperzelle hat eigentlich die Möglichkeit auf einen Stress, auf Redoxstress, also auf reaktive Sauerstoffe, die in zu hoher Menge vorhanden sind, plötzlich darauf zu reagieren, indem sie ihre eigenen Schutzmechanismen, Antioxidantien produziert.
Und ideal ist es, wenn man diese Antwort der Zelle triggern kann, ohne dass die Zelle eigentlich einen Schaden hat, weil man dann sozusagen schon einen präventiven Schutzmechanismus getriggert hat, das nennt man auch Hormese. Und ein Stoff, der das kann, den ich recht spannend finde, ist Sulforaphan – das ist ein Bestandteil des Brokkoli. Das ist zum Beispiel eine Schiene, also Brokkoli-Sulforaphan, um die antioxidative Schutzantwort anzuregen.
Dann gibt es Inhaltsstoffe, die Schäden der DNA entweder verhindern oder die Kapazität der Zellen, ihre DNA, also wo die Erbanlagen gespeichert sind, zu aktivieren. Es wäre zum Beispiel ein Inhaltsstoff aus dem grünen Tee, Epigallocatechingallat (EGCG), das ist ein sehr potentes Mittel aus dem grünen Tee.
[Nils Behrens] (24:17 - 24:19)
EGCG, im Englischen spricht es sich ein bisschen besser.
[Priv.-Doz. Mag. Dr. Florian Gruber] (24:19 - 26:44)
EGCG, richtig. Das kann verhindern, dass DNA-Schäden durch UV entstehen und da gibt es auch größere Studien dazu in Organismen. Oder die DNA-Reparaturmechanismen anzuregen, das funktioniert, jedenfalls in Zeltkulturen und Organsystemen, sehr gut durch Inhaltsstoffe, die wir in den Tomaten oder roten Beeren finden.
Das sind Lycopin oder Polyphenole, Carotinoide aus Karotten und auch aus dem Spinat die Folsäure. Die sind alle, da kann man bei allen nachweisen, dass sie die Enzyme, die die Zelle braucht, um die DNA zu schützen und zu reparieren, dadurch angeregt werden können. Ein Gebiet, mit dem ich mich in meiner Forschung in den letzten Jahrzehnten beschäftigt habe, ist die Autophagie.
Autophagie ist ein zellulärer Recycling-Mechanismus. Damit kann nicht gebrauchtes oder beschädigtes Zellmaterial in der Zelle selber verpackt, zerhäckselt und wiederverwendet werden. Die Autophagie wird einerseits durch Fasten angeregt, wenn der Körper plötzlich einen Mangel hat, dann nimmt er zunächst einmal das Zeug, das so rumliegt in der Wohnung, verpackt das und dann wird zuerst einmal das verbraucht.
Es gibt aber auch Stoffe, wie zum Beispiel Spermidin, die können gezielt diesen Mechanismus anstarten. Oder auch das Curcumin aus der indischen Küche, aus dem Kurkuma bekannt. Autophagie, das konnte man sehr gut nachweisen, verhindert einerseits die Entstehung von seneszenten Zellen.
Die Autophagie zu aktivieren ist einer der vielversprechendsten Anti-Aging-Mechanismen, nicht nur in der Haut, sondern generell.
[Nils Behrens] (26:45 - 26:59)
Da gibt es sogar einen Nobelpreis für. Ja, sehr gut. Sie sprechen auch von Anti-Aging-Fetten.
Was versteht man denn darunter? Normalerweise hat man immer gedacht, Fett, gleich fettige Haut, man sieht schlecht aus.
[Priv.-Doz. Mag. Dr. Florian Gruber] (27:00 - 29:08)
Ja, Lipide sind ein ganz wichtiger Bestandteil unseres Körpers und unserer Zellen. Nicht nur als Energiespeicher oder als ungewollte Ausbuchtungen unseres Körpers, sondern Lipide-Fette sind das, was unsere Zellen umhüllt. Und die sind essentiell auch in der Haut, um eine Barriere gegen äußere Einflüsse zu machen.
Und es kommt darauf an, wo und wie nehme ich die Lipide auf. Da komme ich jetzt wieder zurück auf die mediterrane Diät. Es gab eine der wenigen großen prospektiven Studien zur Ernährung, wo auch Hautparameter untersucht wurden.
Das war in Frankreich die sogenannte SU.VI.MAX-Studie. Und da wurde gefunden, dass wenn die Probanden, die da teilgenommen haben, ihre ungesättigten Fettsäuren hauptsächlich aus dem Olivenöl aufgenommen haben und nicht aus anderen Quellen, wie zum Beispiel tierischen Quellen, dann hat das signifikant verringert das Auftreten von den Altersflecken. Also von diesen altersassoziierten Pigmentierungsstörungen in der Haut.
Generell ist es aber so, dass die Fette in unserer Haut, wie gesagt, die vielfach ungesättigten Fettsäuren sind gesund, weil sie eben auch manche von denen entscheidend beeinflussen, wie Entzündungsreaktionen ablaufen. Egal wie die jetzt aber aufgebaut sind, wichtig ist, dass wir diese Fette vor Oxidation schützen. Also wenn man jetzt zum Beispiel in die Sonne geht, und das ist eines meiner Hauptforschungsgebiete, werden diese Fette oxidiert.
Wie kann man sich das vorstellen? Lassen Sie die Butter mal einen Tag draußen und nicht im Kühlschrank und riechen Sie daran. Was Sie da riechen, das sind tatsächlich die oxidierten Lipide, die oxidierten Fette.
[Nils Behrens] (29:10 - 29:12)
Sehr schönes Bild. Auch ein olfaktorisches.
[Priv.-Doz. Mag. Dr. Florian Gruber] (29:12 - 29:33)
Ja, diese ranzigen Fette haben dann aber auch eine Wirkung als Signalstoff, als Entzündungsvermittlungsstoffe. Und deswegen sollte man die für unkontrollierte Oxidation schützen.
[Nils Behrens] (29:37 - 30:09)
Gut, dann nehme ich jetzt einfach mal aus dem Ernährungsteil mit, dass es grundsätzlich gut ist, hier eine mediterrane Diät zu verfolgen. Man sollte eben schauen, dass man sekundäre Pflanzenstoffe Wert darauf legt, dass insbesondere das Olivenöl eine gute Wirkung hat, insbesondere auch für das Thema Altersflecken. Wir sind jetzt ja langsam im Alter, wo wir uns damit dann auch auseinandersetzen müssen.
Und dass das Thema Kollagenabbau schon eine Rolle spielt. Wenn Sie jetzt mal sagen würden, als praktischen Tipp, was ist aus Ihrer Sicht eine Ernährungssünde, die ganz viele machen, die Sie sofort abstellen würden?
[Priv.-Doz. Mag. Dr. Florian Gruber] (30:10 - 30:47)
Naja, es ist eben diese schon zuvor genannte Western Diet. Alles, was Ihnen die Kardiologen und die Internisten empfehlen, punkto Ernährung, hat auch auf die Haut eine Auswirkung. Also sprich, alles, was bekannt ist, dass es Diabetes und Herz-Kreislauf-Erkrankungen fördert.
Also zu viel Kalorien, zu viel Zucker, zu viel Fett ist zu vermeiden.
[Nils Behrens] (30:47 - 30:54)
Wobei der Kardiologe ja auch ein ganz großes Problem mit dem Thema Salz zum Beispiel hat, wegen des Blutdrucks. Hat Salz eine Auswirkung auf die Haut?
[Priv.-Doz. Mag. Dr. Florian Gruber] (30:55 - 31:02)
Da wäre mir aus unserer Forschung nichts bekannt. Das ist, glaube ich, ein sehr unwiderstütztes Gefühl.
[Nils Behrens] (31:03 - 31:05)
Also der Salz verdirbt uns dann nur der Kardiologe?
[Priv.-Doz. Mag. Dr. Florian Gruber] (31:06 - 31:06)
Genau.
[Nils Behrens] (31:07 - 31:36)
Okay, sehr gut. Wie ist es denn mit dem Thema Zucker? Wir hatten ja schon mal ein Gespräch mit Frau Dr. Schmiedeberg, die sagte, dass diese Verzuckerung der Haut zu Schäden führt, die irreparabel sind. Ist das wirklich so? Also ich möchte mich jetzt nicht Frau Dr. Schmiedeberg hinterfragen, aber eigentlich möchte ich mit meiner Frage darauf hinausziehen, für die, die die Folge nicht gehört haben, ob sie vielleicht nochmal erklären können, warum das so ist.
[Priv.-Doz. Mag. Dr. Florian Gruber] (31:37 - 33:38)
Ja, es geht wieder um Zucker, die Menge und vor allem auch die Oxidation. Also die Haut, besonders wenn sie altert, kann den Zucker nicht mehr so verstoffwechseln wie die junge Haut. Also dass das einfach sehr schnell in Energie und in alle möglichen Metaboliten umgewandelt wird, die es braucht, um die Zelle am Laufen zu halten.
Im Alter funktioniert das nicht mehr so besonders gut. Das ist auch etwas, was wir gerade untersuchen. Wenn diese Zucker- und Kohlehydrate dann in zu großer Menge herumliegen und oxidieren, und das passiert eben besonders in der alternden Haut dadurch, dass die Kraftwerke der Zelle, die Mitochondrien, relativ viel reaktive Sauerstoffe dann irgendwie auch rauslassen, dann können diese Zucker oxidieren und was die dann machen ist, die werden sehr, sehr reaktiv, Lipide auch, aber Zucker auch, und binden dann an die Proteine, an die Eiweiße und verkleben sozusagen diese Eiweiße und können teilweise auch die DNA verkleben und dadurch Mutationen hervorrufen. Und das macht die eben so gefährlich, weil so verklebte, große Biomoleküle, wenn sich die in der Zelle ansammeln, dann können die von den normalen Mechanismen, die in der Zelle das Zeug umsetzen, nicht mehr entfernt werden.
Und dadurch entarten diese Zellen dann und können eben auch zum Beispiel seneszent werden. Und deswegen ist Zucker vor allem im Alter eine gefährliche Quelle von reaktiven Substanzen.
[Nils Behrens] (33:40 - 34:23)
Ich habe jetzt noch eine Frage zu den seneszenten Zellen. Weil es gibt so eine, ich finde, fast boshafte Aussage über alter werdende Männer, dass die Anzahl der Haare der Männer immer gleich bleibt, wenn sie oben weggehen, kommen sie unten irgendwo wieder. Ich weiß nicht, ob das wirklich tatsächlich ist, weil es nichts ist.
Wenn man mal im Sommer im Schwimmbad ist und teilweise dann gerade etwas ältere Menschen, sieht man ja sehr häufig, dass die Haare an Stellen haben, wo man sich fragt, wo kommen die denn jetzt ab einmal her? Und man sich auch fragt, ob sie die in jungen Jahren auch schon so da hatten. Ist das tatsächlich eine Folge von, ich sage jetzt mal wirklich, seneszenten Zellen?
Ist das eine Folge des Alterns oder ist das eigentlich völlig losgelöst?
[Priv.-Doz. Mag. Dr. Florian Gruber] (34:26 - 35:19)
Die Seneszenz ist eher für ein anderes Phänomen, das Sie vielleicht bei meinen noch im Kopf vorhandenen Haaren sehen. Der Verlust der Pigmentproduktion ist auf die Seneszenz von Melanozyten und deren Verschwinden danach wahrscheinlich zurückzuführen. Die Verödung der Haarfollikel im Alter ist, soweit ich weiß, bisher nicht so sehr mit Seneszenz, also zellulärer Seneszenz, in Verbindung gebracht worden, sondern eher mit hormonellen und auch Stoffwechselveränderungen.
Aber Alopezie und Seneszenz sind für mich nicht so ein klarer Zusammenhang wie der Verlust der Pigmentproduktion.
[Nils Behrens] (35:20 - 35:45)
Dann kommen wir doch noch mal zu einem Thema, was mich in meiner Jugend sehr stark beschäftigt hat. Ich hatte wirklich ein massives Akne-Problem und da hieß es immer, lass mal die Milchprodukte weg. Das war für mich jemand, der morgens immer Müsli gefrühstückt hat oder abends dann Mozzarella auf dem Brot hatte.
Natürlich schon eine harte Challenge, muss man grundsätzlich sagen. Gibt es tatsächlich einen Zusammenhang von Hautunreinheiten bzw. Akne und Milchprodukten?
[Priv.-Doz. Mag. Dr. Florian Gruber] (35:47 - 36:27)
Dann muss ich jetzt auch hier sagen, ich bin kein Facharzt für Dermatologie. Man sollte eines ganz klar sagen, eine starke Akne ist ein Grund, um zum Hautarzt zu gehen. Das ist wirklich eine dringende Empfehlung.
Aus unserer Forschung gibt es keinen direkten Zusammenhang mit Milchprotein oder Milchinhaltsstoffen und Alterung. Das wäre etwas, was ich beantworten könnte. Zur Akne gibt es Spezialisten, die man befragen sollte.
[Nils Behrens] (36:27 - 36:28)
Macht Milch alt?
[Priv.-Doz. Mag. Dr. Florian Gruber] (36:32 - 36:32)
Nein.
[Nils Behrens] (36:33 - 37:35)
Sehr gut.
Dann darf ich weiterhin Mozzarella essen. Ich nehme jetzt eine gute Nachricht mit daraus. Kommen wir mal zum Thema Nahrungsergänzungsmittel mit dem Thema Haut.
Wir hatten das Thema Proteine, Kollagen schon mal gestreift. Ich erinnere, dass man vor einem Sommerurlaub am besten Beta-Carotin zu sich nehmen sollte, damit man nicht so schnell Sonnenbrand bekommt. Ich persönlich, das ist die N-gleich-1-Studie Nils Behrens, kann sagen, seitdem ich Astaxanthin nehme, was zu den Carotine gehört, habe ich tatsächlich das Gefühl, dass meine Haut nicht mehr ganz empfindlich ist.
Ich creme mich natürlich trotzdem ein und alles, aber nichtsdestotrotz habe ich schneller dazu tendiert, Hautrötung bzw. Sonnenbrände zu bekommen. Jetzt ist die Frage, haben Sie da Studien zu, dass gewisse Themen eine positive Wirkung haben?
[Priv.-Doz. Mag. Dr. Florian Gruber] (37:36 - 37:55)
Es gibt Studien dazu, dass man den Lichtschutzfaktor bzw. die sichere Verweildauer an der Sonne kann durch Ernährung und auch durch Carotinoide maximal um den Faktor 2 bis höchstens 3 beeinflusst werden.
[Nils Behrens] (37:59 - 38:09)
Wenn man normalerweise nach einer Viertelstunde einen Sonnenbrand bekommt, kann man ungefähr dreimal so lange in der Sonne bleiben?
[Priv.-Doz. Mag. Dr. Florian Gruber] (38:10 - 41:32)
Das ist das Maximale, was in kontrollierten Studien zu diesem Thema gezeigt wurde. Das ist aber nicht sehr viel und es ist nicht zu empfehlen. Generell ist zu empfehlen, und das ist wirklich wichtig, egal was man zu sich genommen hat, dass man im Sommer vor allem die Mittagssonne vermeidet, weil das ist wirklich ein extremer Impact auf die Hautzellen.
Das ist nicht nur alterungsbefördernd und alterungsrelevant, sondern das kann wirklich auch zur Entstehung von Hautkrebs sehr stark beitragen. Generell aber zu den Inhaltsstoffen oder als Nahrungsergänzungsmittel. Natürlich, manche von diesen Pflanzeninhaltsstoffen, die positive Wirkungen haben, kann man nicht in einem Level durch die Ernährung erreichen, dass es die signifikante Wirkung hat als einzelner Inhaltsstoff.
Wir haben zuerst schon von Resveratrol und den Mengen an Rotwein geredet. Dann gibt es auch zum grünen Tee, also zu diesem Inhaltsstoff aus dem grünen Tee, der auch gegen DNA-Schäden hilft. Dann müsste man ein indischer Kollege, wie er bei einer Konferenz gefragt wurde, aus der Pistole geschossen sagen, da müsste man 70 Tassen grünen Tee trinken.
Da hat man dann schon andere Probleme als DNA-Schaden, wenn man das öfter macht. In solchen Fällen ist es denkbar, dass man auf Nahrungsergänzungsmittel zugreift. Generell sollte man vielleicht in Erwägung ziehen, dass man durch Ernährung mit einer Kombination von verschiedenen frischen Nahrungsmitteln, verschiedene Komponenten, die DNA-Schutz zum Beispiel bringen, dass man durch eine Kombination von solchen Nahrungsmitteln versucht, sich auf ein Level zu bringen, das die Haut schützt und auch ein Wohlbefinden des gesamten Organismus zur Verfügung hat.
Generell Antioxidantien und andere Stoffe sollte man nicht in Eigenregie überdosieren, weil es eben nicht das Golden Bullet gibt, die goldene Pistolenkugel, die alles Schlechte erledigt und uns schützt. Es gibt immer auch Situationen im Stoffwechsel oder im Leben unserer Zellen, wo man diesen oxidativen Stress kurze Zeit braucht. Deswegen ist es nicht empfohlen, sich langfristig mit irgendetwas vollzustopfen oder überzudosieren, was in unseren Redox-Mechanismen eingreift.
[Nils Behrens] (41:32 - 42:21)
Absolut, das ist ja auch total die Philosophie von Sunday, dass man einfach sagt, Mensch, immer messen erstmal, was man eigentlich braucht und dann machen. Das kann ich nur hundertprozentig unterstreichen. Nichtsdestotrotz, wenn ich jetzt einfach mal aus diesem Bereich das mitnehme, habe ich jetzt mal für mich gespeichert, also auf jeden Fall ist der grüne Tee-Extrakt, also das EGCG, auf jeden Fall hat das scheinbar eine positive Wirkung auf das Alter und auf die Haut.
Dann habe ich mitgenommen, das Kurkuma, also das Kurkumin hat scheinbar einen positiven Effekt, auch wenn sie sagen, gar nicht so stark, was den Sonnenschutzfaktor betrifft, aber trotzdem die Carotinoide, also in dem Fall vielleicht das Astaxanthin, was ich so gerne mag, das mag ich aber auch aus verschiedenen anderen Gründen sehr gerne, kann eben halt sich positiv wirken. Was ist mit Vitamin C als auch etwas, was Antioxidant tief wirken kann?
[Priv.-Doz. Mag. Dr. Florian Gruber] (42:24 - 43:13)
Ist sicher, also Aufnahme ausreichend aus frischem Obst und Gemüse ist sicher genug vorhanden, der berühmte Apple a Day liefert einem nicht nur das genügende Vitamin C, sondern auch Inhaltsstoffe, vor allem aus einer Schale, die senestente Zellen bekämpfen. Also ich plädiere dafür, dass möglichst viel von den pflanzlichen Inhaltsstoffen, die sich gut auf Gesundheit und Hautalterung auswirken, aus frischen, nicht prozessierten Lebensmitteln zu gewinnen sind.
[Nils Behrens] (43:14 - 43:46)
Ja, stimme ich hundertprozentig zu. Eine letzte Frage habe ich noch einmal, weil wir haben jetzt ja gelernt, dass das Thema Olivenöl eben halt auch eine scheinbar gute Wirkung auf die Alterung der Haut hat. Gibt es denn auch, weil gefühlt ist es für alles gut, aber über die Haut haben wir in dem Zusammenhang noch nicht darüber gesprochen, was mit Omega 3.
Haben Sie da Aussagen zu, weil letztendlich wissen wir ja, dass ein wichtiger Teil der Zellstruktur sozusagen, also des Zellmantels, eben halt auch mit Omega 3 enthalten sollte. Ist es dann eben halt dementsprechend auch für die Hautzellen wichtig?
[Priv.-Doz. Mag. Dr. Florian Gruber] (43:47 - 45:21)
Ja, absolut. Und das sind eben die vielfach ungesättigten, also das sind Fettsäuren, die viele Doppelbindungen haben und Omega 3 ist eben die Position im Molekül, wo diese erste von diesen Doppelbindungen ist. Und diese Art von Fetten befördert eben eher sozusagen weniger entzündliche Mechanismen, wenn es zu sich genommen wird, als wenn diese Struktur an einer anderen Stelle eine Doppelbindung hat.
Das ist vielleicht, geht das jetzt ein bisschen zu weit in die Chemie, aber wenn man sieht, Omega-3-Fettsäuren, wo kommen die her, was sind gute Quellen für die? Salziger, also Meeresfisch ist eine sehr gute Quelle, allerdings auch der kann die meisten von diesen Omega-3-Fettsäuren ja gar nicht selber produzieren, sondern die Fische nehmen das über die Algen auf. Und eben da ist jetzt wieder aus der asiatischen Küche eben niedere Pflanzen aus dem Meer, also Algen sind eine sehr, sehr gute Quelle für diese Fettsäuren, auch die direkte Quelle und eine große Empfehlung ist Omega-3, auch interessant für Leute, die sich nur pflanzlich ernähren, das über diese niederen, aber sehr schmackhaften Pflanzen aufzunehmen.
[Nils Behrens] (45:21 - 45:57)
Ja, ja, wir haben ausschließlich Omega-3 auf Algenbasis, also wir sind da sozusagen auch schon direkt an die Quelle gegangen. Dann verlassen wir doch mal, auch wenn es vielleicht Ihrem Buch nicht ganz nah ist, wobei ganz verlassen tun wir es noch nicht, wenn ich jetzt mal das Thema Darmgesundheit und die Haut mir betrachte, weil letztendlich ist es ja so, dass alles, worüber wir hier jetzt im Augenblick reden, wird ja bei der Ernährung dann erstmal über den Darm verstoffwechselt, oder einen Großteil davon, sage ich jetzt mal so. Und da ist es ja die Frage, wie wichtig ist das grundsätzliche Thema der Darmgesundheit für unsere Hautgesundheit?
[Priv.-Doz. Mag. Dr. Florian Gruber] (46:01 - 48:24)
Darmgesundheit bedeutet im Endeffekt, dass die Mikroben, also diese vielen hunderten Millionen kleinen Lebewesen, die in unserem Darm leben, dass die eine Funktion haben, die mit unseren Interessen und mit unserer Gesundheit übereinstimmt. Und es gibt ein paar sehr gute Studien, die zeigen, dass die Diversität des Darmmikrobioms entscheidend ist dafür, dass unsere Darmflora, also das Darmmikrobiom, viele Metaboliten produzieren kann, die dann auch in unserem Körper wichtige Funktionen haben, die auch wichtig für die Hautgesundheit sind. Und sozusagen die Diversität des Darmmikrobioms kann man dadurch steigern, dass man den Darmmikroben ein bisschen eine Aufgabe gibt, also eine faserreiche Kost, an der sie sich die nicht vorhandenen Zähne zuerst einmal ausbeißen, und sie zwingt dadurch eine größere Diversität, also dass da irgendwelche anderen Mikroben mithelfen müssen, um diese faserreiche Ernährung aufzuspalten.
Das scheint sich sehr positiv auf alle Gesundheitsparameter, inklusive denen der Haut, auszuwirken. Und deswegen ist diese Diversität im Darm, haben wir auch gerne auf dem Mikrobiom, also in den Mikroben, die auf unserer Hautoberfläche leben. Allerdings gibt es jetzt keinen sehr klaren Zusammenhang, ob ich dadurch, dass ich ein diverseres Darmmikrobiom habe, auch ein diverseres Hautmikrobiom habe.
Das ist sehr, sehr komplex. Wie gesagt, das kann sich sehr schnell anpassen, durch Baden, Berühren usw. Es ist ein sehr, sehr wildes Feld.
Aber jedenfalls die Metaboliten, die durchs Darmmikrobiom gemacht werden, die sind für den gesamten Körper wichtig und vorteilhaft.
[Nils Behrens] (48:26 - 49:25)
Man unterscheidet bei Studienlagen ja zwischen Kausalität und Korrelation. Grundsätzlich kann man festhalten, wenn man einen gesunden Darm hat, dass man insgesamt ein gesünderer Mensch ist, der dann vielleicht auch die Mikronährstoffe besser verarbeiten kann, die Mikronährstoffe dann wiederum besser, die für die Hautrelevanz auch besser ankommen. Von daher halten wir einfach mal fest, gesunder Darm kommt erstmal auf die Positivliste.
Gut, wenn wir jetzt mal gemeinsam einen kleinen Blick in die Glaskugel werfen wollen, weil man sieht ja momentan, man muss ja wirklich schon sprechen von einem Hype um das Thema Langlebigkeit, longevity, anti-aging ja sehr, sehr groß ist. Was glauben Sie, was wird sich in der Rolle der Ernährung im Hinblick auf die nächsten 10 Jahre für das Thema Hautalterung noch verändern? Glauben Sie, dass diese Bedeutung noch signifikant zunehmen wird?
Oder wie ist da Ihre persönliche Einschätzung?
[Priv.-Doz. Mag. Dr. Florian Gruber] (49:27 - 51:13)
Ja, generell ist es für die Altersforschung die Frage: Geht es uns wirklich um die Langlebigkeit, also den Lifespan, oder um die sogenannte Healthspan? Wollen wir eine lange schräge Bahn haben oder wollen wir eine lange gerade Bahn an Lebensqualität und Gesundheit haben, die dann eben endet? Die meisten Menschen, auch wenn sie befragt werden, bevorzugen eher gesund zu altern, aber nicht ewig alt zu werden.
Und für die Ernährung ist wahrscheinlich, also aus meiner heutigen Sicht, der heißeste Topic ist eben, kann ich mit Ernährung einerseits diese Healthspan erhalten und kann ich mit der Ernährung das Entstehen von diesen seneszenten Zellen beeinflussen. Das sehe ich als einen sehr, sehr wirksamen Weg, weil gerade sehr, sehr viele Stoffe – sogenannte Senolytika und Senostatika – entwickelt werden. Es ist ja keine Medizin als solches.
Die Alterung und Seneszenz ist ja nicht eine Krankheit, aber es gibt eben sehr viele Krankheiten, die verstärkt werden durch das Vorhandensein von seneszenten Zellen. Und das heißt, wenn jetzt einerseits pharmakologisch, aber andererseits auch durch die Ernährung versucht wird, die Entstehung und die Auswirkungen von seneszenten Zellen einzudämmen, glaube ich, dass das ein Fokus sein wird auch für Ernährungsforschung.
[Nils Behrens] (51:14 - 51:36)
Ganz interessant, weil wir so viel über seneszente Zellen gesprochen haben. Wir haben, ehrlich gesagt, im Augenblick noch gar nicht über das Thema Fisetin gesprochen, das ja in Erdbeeren enthalten ist und angeblich ebenfalls eine sehr positive Wirkung auf die Nichtbildung von seneszenten Zellen haben soll. Wie ist denn da Ihr Zugang zu?
Kommen Erdbeeren hier mit auf die Positivliste?
[Priv.-Doz. Mag. Dr. Florian Gruber] (51:36 - 52:04)
Die kommen absolut auf die Positivliste. Und auch etwas aus einem Gewürz aus der asiatischen Küche, da gibt es den sogenannten Langpfeffer, und der enthält auch einen Inhaltsstoff, der sehr effektiv seneszente Zellen enthält. Und Quercetin ist vor allem auch in Weinblättern vorhanden.
[Nils Behrens] (52:05 - 52:06)
In Weinblättern?
[Priv.-Doz. Mag. Dr. Florian Gruber] (52:06 - 52:09)
Ja, in den grünen Weinblättern.
[Nils Behrens] (52:09 - 52:11)
Wann ess ich die denn?
[Priv.-Doz. Mag. Dr. Florian Gruber] (52:11 - 52:20)
Wir sind schon wieder in der mediterranen Küche.
Beim Griechen oder beim Türken bekommt man den Reis in die gefüllte Weinblätter.
[Nils Behrens] (52:20 - 52:23)
Ah, ja, ich erinnere mich.
[Priv.-Doz. Mag. Dr. Florian Gruber] (52:23 - 52:31)
Eine hervorragende Sache. Leicht bitterer Geschmack und voll mit Inhaltsstoffen, die seneszente Zellen bekennen.
[Nils Behrens] (52:31 - 52:48)
Ich glaube tatsächlich, da bin ich mir ganz sicher, ich glaube, sogar in Moussaka ist es manchmal auch mit drin bei den Griechen. Ich erinnere mich, dass da auf jeden Fall ab und zu mal so Blätter drin sind, über die man sich wundert. Okay, Weinblätter, kommen mit auf die Liste.
Was wünschen Sie sich denn, was unsere Hörer nach dieser Folge konkret in ihrer Ernährung und in ihrem Alltag idealerweise verändern?
[Priv.-Doz. Mag. Dr. Florian Gruber] (52:49 - 53:47)
Man kann sehr gut seinem Hausverstand und seinem Bauchgefühl folgen. Und ich plädiere für frisches und vor allem nicht zerkochtes Essen. Die guten Inhaltsstoffe, wie zum Beispiel das Sulforaphan im Brokkoli, werden zerstört, wenn ich das Ding weich koche.
Und es ist sehr schmackhaft, gewisse Dinge wie Brokkoli oder auch den Grünkohl als Rohkost oder als Salat zu sich zu nehmen. Und einige Dinge sind ja auch wirklich so einfach zu machen, wie zum Beispiel eine Poke Bowl mit rohem Lachs und frischen Wakame-Algen drinnen, das ist sofort selber zubereitet, bereitet einem Glück, bereitet einem Wohlgefühl im Magen und kann wohl auch etwas dazu beitragen, unsere Haut zu schützen vor vorzeitiger Alterung.
[Nils Behrens] (53:48 - 54:07)
Sehr gut, sehr gut. Wenn man jetzt wirklich noch ganz konkret in das Thema einsteigen möchte, dann empfehle ich eben das Buch von Herrn Dr. Gruber, das heißt die Anti-Aging Ernährung für die Haut. Das ist im TRIAS Verlag erschienen und das ist wirklich voller praxisnaher Tipps, fundierte Erklärungen und vor allem, was ich finde, sehr hilfreich in Tabellen.
Und mir bleibt nur noch zu sagen, vielen Dank für das Gespräch.
[Priv.-Doz. Mag. Dr. Florian Gruber] (54:08 - 54:09)
Ich danke Ihnen vielmals, Herr Behrens.
[Nils Behrens] (54:14 - 54:16)
Haben Sie eigentlich ein persönliches Lieblingssupplement?
[Priv.-Doz. Mag. Dr. Florian Gruber] (54:18 - 54:47)
Ja, also ich habe schon eingangs gesagt, ich esse wahnsinnig gerne eine rohe Karotte und das ist bei uns eine Familientradition geworden. Und das ist, glaube ich, ein fantastischer Einstieg in einen Tag. Und am Abend nicht zu viel, aber ein Glas grünen Tee oder auch im Sommer ein eisgekühlter grüner Tee ohne Zucker ist ein hervorragender Drink.
[Nils Behrens] (54:49 - 55:13)
Wenn euch diese Folge gefallen hat, würde es mir sehr helfen, wenn ihr eine Bewertung bei Apple Podcast oder Spotify hinterlasst. Damit ihr nichts verpasst, abonniert unseren Newsletter. Dort geht es nicht nur um diesen Podcast.
Meistens stellen wir euch da ganz neue Produkte vor, zu denen es dann auch immer einen Einführungsrabatt-Code gibt, der aber nur 24 Stunden gültig ist. Und das wäre ja blöd, wenn man das verpasst. Also, den Newsletter findet ihr unter www.sunday.de./newsletter
