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Vitamin B12 für Veganer: Bedarf und Dosierung

Erwachsene benötigen nach den D-A-CH-Referenzwerten 4 µg Vitamin B12 pro Tag. Gleichzeitig enthalten viele Vitamin-B12-Präparate 100, 500 oder sogar 1.000 µg. Auf den ersten Blick wirkt dieser Unterschied widersprüchlich. Er lässt sich jedoch vor allem durch die besondere Aufnahme von Vitamin B12 erklären: Von einer hohen Einzeldosis gelangt nur ein Teil tatsächlich über den Darm in den Körper.

Die hohe Menge auf dem Etikett bedeutet daher nicht, dass der Körper täglich mehrere hundert Mikrogramm Vitamin B12 benötigt oder vollständig aufnimmt. Neben der enthaltenen Dosis spielen auch die Einnahmehäufigkeit, der bisherige Versorgungsstatus und individuelle Aufnahmebedingungen eine Rolle.

Dieser Artikel betrachtet die langfristige Vitamin-B12-Versorgung gesunder Erwachsener, die sich vegan ernähren. Bei einem diagnostizierten Mangel, Erkrankungen des Magen-Darm-Trakts oder einer gestörten Aufnahme können andere Dosierungen erforderlich sein, die ärztlich festgelegt werden sollten.

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    Vitamin B12 bei veganer Ernährung: Das Wichtigste

    • Für Erwachsene liegt der D-A-CH-Schätzwert für eine angemessene Zufuhr bei 4,0 µg Vitamin B12 pro Tag. 
    • Für vegan lebende Menschen gilt kein eigener höherer Referenzwert. Daher kann bei einer rein pflanzlichen Ernährung eine zuverlässige Vitamin-B12-Zufuhr in Form einer Nahrungsergänzung sinnvoll sein, um einer Unterversorgung vorzubeugen.
    • Referenzwert, Supplementdosis und tatsächlich aufgenommene Menge sind nicht identisch.
    • Mit steigender Einzeldosis sinkt der prozentuale Anteil, den der Körper aufnimmt.
    • Ein Präparat mit 500 µg bedeutet daher nicht, dass 500 µg im Körper ankommen.
    • Eine einheitliche Supplementdosis für alle vegan lebenden Menschen gibt es bislang nicht.
    • Ein individueller, ärztlich festgestellter Mehrbedarf ist von der allgemeinen, vorsorglichen Basisversorgung zu unterscheiden.

    Wie viel Vitamin B12 brauchen Veganer?

    Für gesunde Erwachsene liegt der D-A-CH-Schätzwert für eine angemessene Vitamin-B12-Zufuhr bei 4,0 µg pro Tag. Für vegan lebende Erwachsene wird kein gesonderter höherer Referenzwert angegeben. Da Vitamin B12 jedoch nicht in nennenswerten Mengen in herkömmlichen pflanzlichen Lebensmitteln vorkommt, kann bei einer rein pflanzlichen Ernährung eine gezielte Zufuhr durch ein Vitamin-B12-Präparat sinnvoll sein, um einer Unterversorgung vorzubeugen.

    Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung für Ernährung (DGE) gibt folgende Schätzwerte an:

    Alter Vitamin B12 µg/Tag
    Säuglinge 
    0 bis unter 4 Monate  0,5
    4 bis unter 12 Monate 1,4
    Kinder
    1 bis unter 4 Jahre 1,5
    4 bis unter 7 Jahre 2,0
    7 bis unter 10 Jahre 2,5
    10 bis unter 13 Jahre 3,5
    13 bis unter 15 Jahre 4,0
    Jugendliche und Erwachsene
    ab 15 Jahre  4,0
    Schwangere 4,5
    Stillende 5,5

    Bei diesen Angaben handelt es sich um Schätzwerte für eine angemessene Zufuhr. Der tatsächliche Bedarf konnte bislang nicht mit der notwendigen Genauigkeit bestimmt werden. Deshalb wird für Vitamin B12 keine klassische Zufuhrempfehlung, sondern ein Schätzwert angegeben. Dieser wurde unter anderem anhand verschiedener Marker des Vitamin-B12-Status abgeleitet.

    Der Referenzwert beschreibt die Menge, die im Rahmen der Ernährung täglich zugeführt werden sollte. Er ist jedoch nicht automatisch mit der passenden Dosis eines einzelnen Nahrungsergänzungsmittels gleichzusetzen. Wie hoch ein Präparat dosiert sein muss, hängt auch davon ab, wie gut Vitamin B12 aus der jeweiligen Einzeldosis aufgenommen wird und wie häufig das Produkt eingenommen wird.

    Eine Zufuhr unterhalb von 4 µg bedeutet zudem nicht automatisch, dass es sofort zu einer unzureichenden Versorgung kommt, kann aber die Wahrscheinlichkeit erhöhen. Umgekehrt garantiert eine rechnerisch ausreichende Zufuhr nicht in jedem Fall einen angemessenen Vitamin-B12-Status, da auch die individuelle Aufnahme berücksichtigt werden muss.

    Wie nimmt der Körper Vitamin B12 auf?

    Der Körper nimmt Vitamin B12 über zwei unterschiedliche Wege auf. Der wichtigste Weg ist an den sogenannten Intrinsic Factor gebunden, kann pro Einnahme jedoch nur eine begrenzte Menge transportieren. Bei höheren Dosierungen gelangt zusätzlich ein kleiner Anteil unabhängig davon durch die Darmwand. Deshalb sinkt der prozentual aufgenommene Anteil, je höher die Einzeldosis ist.

    Die Aufnahme von Vitamin B12 ist ein mehrstufiger Prozess, der im Magen beginnt und im unteren Abschnitt des Dünndarms endet. Dabei unterscheidet sich die Verdauung von Vitamin B12 aus natürlichen Lebensmitteln teilweise von der Aufnahme aus angereicherten Lebensmitteln und Nahrungsergänzungsmitteln.

    Aufnahme von Vitamin B12 aus Lebensmitteln

    In tierischen Lebensmitteln liegt Vitamin B12 überwiegend an Proteine gebunden vor. Im Magen wird es mithilfe der Magensäure und des Verdauungsenzyms Pepsin aus dieser Bindung gelöst. Anschließend bindet das freigesetzte Vitamin zunächst an ein Transportprotein, das sogenannte Haptocorrin.

    Im oberen Dünndarm bauen Enzyme aus der Bauchspeicheldrüse das Haptocorrin ab. Das freigewordene Vitamin B12 kann sich daraufhin mit dem Intrinsic Factor verbinden. Dieses Transportprotein wird von den Belegzellen der Magenschleimhaut gebildet und schützt das Vitamin während des weiteren Transports durch den Dünndarm. Im terminalen Ileum, dem letzten Abschnitt des Dünndarms, wird der Komplex aus Vitamin B12 und Intrinsic Factor von speziellen Rezeptoren erkannt und in die Darmzellen aufgenommen. Von dort gelangt Vitamin B12 an weitere Transportproteine gebunden über das Blut in die Gewebe und Speicherorgane. 

    Vitamin B12 aus Nahrungsergänzungsmitteln oder angereicherten Lebensmitteln liegt dagegen meist bereits in freier beziehungsweise kristalliner Form vor. Es muss daher nicht zunächst aus einer Bindung an Nahrungsproteine gelöst werden. Die weiteren Schritte der Aufnahme über den Intrinsic Factor bleiben jedoch grundsätzlich bestehen.

    Begrenzte Aufnahme über den Intrinsic Factor

    Der Intrinsic-Factor-abhängige Aufnahmeweg besitzt nur eine begrenzte Kapazität. In der Literatur werden häufig etwa 1 bis 2 µg Vitamin B12 genannt, die pro Einnahme auf diesem Weg aufgenommen werden können.

    Sind die beteiligten Rezeptoren ausgelastet, führt eine weitere Erhöhung der Einzeldosis nicht zu einem entsprechend starken Anstieg der aktiven Aufnahme. Werden beispielsweise zehnmal so viele Mikrogramm zugeführt, nimmt der Körper über diesen Weg nicht automatisch die zehnfache Menge auf.

    Das erklärt auch, warum mehrere kleinere, zeitlich getrennte Einnahmen anders zu bewerten sind als eine einzelne hohe Dosis. Bei getrennten Einnahmen kann der Intrinsic-Factor-abhängige Weg erneut genutzt werden. Wie relevant das in der Praxis ist, hängt jedoch von der Dosierung und dem gewählten Einnahmeroutine ab.

    Aufnahme bei hohen Dosierungen

    Neben der Aufnahme über den Intrinsic Factor kann ein kleiner Teil des zugeführten Vitamin B12 unabhängig von diesem Transportweg durch die Darmwand gelangen. Dieser Mechanismus wird insbesondere bei höheren Einzeldosen relevant.

    Häufig wird für diese Intrinsic-Factor-unabhängige Aufnahme eine Größenordnung von ungefähr 1 % der zugeführten Menge genannt. Dabei handelt es sich jedoch um einen Orientierungswert. Die tatsächliche Aufnahme kann unter anderem von der Dosis, der individuellen Verdauungsfunktion und dem Versorgungsstatus beeinflusst werden.

    Mit steigender Dosierung nimmt der Körper somit zwar absolut mehr Vitamin B12 auf, der prozentuale Anteil wird jedoch kleiner. Bei einer niedrigen Dosis kann ein vergleichsweise großer Anteil genutzt werden. Von einer Dosis mit mehreren Hundert Mikrogramm wird dagegen nur ein kleiner Bruchteil aufgenommen.

    Höhe der Einzeldosis Einordnung der Aufnahme
    Kleine Dosis Ein vergleichsweise großer Anteil kann über den Intrinsic Factor aufgenommen werden
    Steigende Dosis Der Intrinsic-Factor-abhängige Weg erreicht seine begrenzte Kapazität
    Hohe Dosis Zusätzlich wird ein kleiner Anteil unabhängig vom Intrinsic Factor aufgenommen
    Sehr hohe Dosis Die absolute Aufnahme kann steigen, während der prozentuale Anteil weiter sinkt

    Eine exakte Berechnung nach dem Prinzip „aktive Aufnahme plus genau 1 % der Dosis“ ist nicht möglich. Solche Rechnungen können lediglich eine grobe Größenordnung veranschaulichen, da die Aufnahme individuell schwankt.

    Diese besondere Aufnahmelogik ist der zentrale Grund dafür, dass der Referenzwert für Vitamin B12 und die auf einem Präparat angegebene Menge deutlich voneinander abweichen können.

    Wie viel Vitamin B12 sollten Veganer supplementieren?

    Eine einheitliche Vitamin-B12-Dosis für alle vegan lebenden Menschen gibt es nicht. Entscheidend sind die Einnahmehäufigkeit, der aktuelle Versorgungsstatus und die individuellen Bedingungen der Aufnahme.

    Der D-A-CH-Schätzwert von 4 µg pro Tag beschreibt die angemessene Zufuhr gesunder Erwachsener. Er lässt sich jedoch nicht unmittelbar auf die Dosierung eines Nahrungsergänzungsmittels übertragen. Die DGE empfiehlt vegan lebenden Menschen zwar die dauerhafte Einnahme eines Vitamin-B12-Präparats, nennt aber keine allgemeingültige Supplementdosis.

    Tägliche oder wöchentliche Einnahme?

    Vitamin B12 kann je nach Produkt täglich oder in größeren Abständen eingenommen werden. Bei einer täglichen Anwendung werden meist kleinere Einzeldosen verwendet, während Präparate für eine mehrmals wöchentliche oder wöchentliche Einnahme entsprechend höher dosiert sind.

    Für die Einordnung sollten daher immer die Einzeldosis und die vorgesehene Einnahmehäufigkeit gemeinsam betrachtet werden. Entscheidend ist außerdem, dass sich die gewählte Routine langfristig zuverlässig einhalten lässt.

    Bei besonderem Bedarf ärztlich abklären

    Bei einem ärztlich festgestellten Mehrbedarf oder individuellen Aufnahmebedingungen können abweichende Dosierungen sinnvoll sein. Die gezielte Zufuhr sollte in solchen Fällen ärztlich begleitet werden. Das gilt insbesondere in besonderen gesundheitlichen Lebenslagen oder bei der Einnahme von Medikamenten, die den Nährstoffhaushalt beeinflussen können.

    Für eine langfristig passende Versorgung zählt somit nicht allein die Menge pro Einnahme. Entscheidend ist, ob das gewählte Einnahmeschema den Vitamin-B12-Status zuverlässig aufrechterhält.

    Welche Faktoren beeinflussen die Vitamin-B12-Aufnahme?

    Wie gut Vitamin B12 aufgenommen wird, hängt nicht nur von der zugeführten Menge ab. Auch die Funktion von Magen und Dünndarm sowie bestimmte Medikamente können die Aufnahme beeinflussen. Für die Aufnahme von Vitamin B12 aus Lebensmitteln sind unter anderem ausreichend Magensäure, Verdauungsenzyme, der Intrinsic Factor und ein funktionsfähiger letzter Dünndarmabschnitt notwendig. Ist einer dieser Schritte beeinträchtigt, kann sich die aufgenommene Menge verringern. Zu den möglichen Einflussfaktoren gehören:

    • eine verminderte Bildung von Magensäure,
    • ein fehlender oder eingeschränkt gebildeter Intrinsic Factor,
    • individuelle physiologische Veränderungen im Magen-Darm-Trakt,
    • ein höheres Lebensalter,
    • die Einnahme bestimmter Medikamente, die den Nährstoffhaushalt beeinflussen können.

    Vitamin B12 aus Nahrungsergänzungsmitteln liegt meist bereits in freier Form vor und muss nicht zunächst aus Nahrungsproteinen gelöst werden. Bei besonderen individuellen Aufnahmebedingungen kann jedoch auch die Verwertung aus Supplementen variieren. In solchen Fällen sollte die gezielte Zufuhr ärztlich begleitet und individuell angepasst werden.

    Welche Vitamin-B12-Form und Darreichungsform ist geeignet?

    Vitamin B12 wird in Nahrungsergänzungsmitteln in verschiedenen Verbindungen angeboten. Eine bestimmte Form ist nach bisherigem Kenntnisstand jedoch nicht grundsätzlich für alle Menschen besser geeignet. Für die Versorgung sind auch Dosierung, Einnahmehäufigkeit und regelmäßige Anwendung entscheidend.

    Zu den häufig verwendeten Vitamin-B12-Verbindungen gehören:

    Vitamin-B12-Form Einordnung
    Cyanocobalamin sehr stabile und gut untersuchte Verbindung, die im Körper in aktive Formen umgewandelt wird
    Methylcobalamin eine der biologisch aktiven Coenzymformen im Körper
    Adenosylcobalamin biologisch aktive Coenzymform, die unter anderem in den Mitochondrien vorkommt
    Hydroxocobalamin natürliche Cobalaminform, die der Körper in die benötigten Coenzymformen umwandeln kann

    Dass Methyl- und Adenosylcobalamin bereits als Coenzymformen vorliegen, bedeutet nicht automatisch, dass sie aus Nahrungsergänzungsmitteln besser aufgenommen werden oder Cyanocobalamin generell überlegen sind. Die vorhandenen Untersuchungen erlauben keine eindeutige allgemeine Rangfolge der verschiedenen Verbindungen. Auch für die Annahme, dass grundsätzlich eine Kombination mehrerer Formen notwendig ist, reichen die bisherigen Daten nicht aus.

    Tropfen, Spray, Tablette oder Kapsel?

    Vitamin B12 ist unter anderem als Tropfen, Spray, Lutschtablette und Kapsel erhältlich. Direkte Vergleiche, die bei gleicher Verbindung und Dosierung eine grundsätzliche Überlegenheit einer dieser Darreichungsformen zeigen, fehlen bislang.

    Bei der Auswahl können daher vor allem praktische Aspekte eine Rolle spielen:

    • Wie häufig soll das Präparat eingenommen werden?
    • Lässt sich die gewünschte Dosis gut abmessen?
    • Welche Darreichungsform kann dauerhaft zuverlässig angewendet werden?
    • Gibt es Schwierigkeiten beim Schlucken von Tabletten oder Kapseln?

    Wie lässt sich der Vitamin-B12-Status überprüfen?

    Ob die gewählte Supplementierung ausreicht, lässt sich am zuverlässigsten anhand von Laborwerten beurteilen. Der Gesamt-Vitamin-B12-Wert allein kann dafür jedoch insbesondere bei grenzwertigen Ergebnissen zu wenig aussagekräftig sein. Je nach Situation können deshalb weitere Marker wie Holotranscobalamin und Methylmalonsäure sinnvoll sein.

    Die DGE empfiehlt vegan lebenden Menschen, ihren Vitamin-B12-Status regelmäßig ärztlich überprüfen zu lassen. Ein festes Kontrollintervall, das für alle Personen gleichermaßen gilt, nennt sie nicht. Wie häufig eine Untersuchung sinnvoll ist, hängt unter anderem vom bisherigen Versorgungsstatus, der Einnahmeroutine und möglichen individuellen Faktoren für eine veränderte Aufnahme ab.

    Welche Laborwerte sind aussagekräftig?

    Laborwert Aussage und Einschränkungen 
    Gesamt-Vitamin-B12 Häufig verwendeter Ausgangswert. Er erfasst verschiedene im Blut gebundene Vitamin-B12-Anteile und kann insbesondere im Grenzbereich allein nicht immer sicher zwischen ausreichender Versorgung und unzureichender Versorgung unterscheiden.
    Holotranscobalamin, kurz Holo-TC Bezeichnet den an Transcobalamin gebundenen Vitamin-B12-Anteil, der den Körperzellen zur Verfügung steht. Ein niedriger Wert kann früh auf eine unzureichende Versorgung hinweisen.
    Methylmalonsäure, kurz MMA Funktioneller Marker, der bei einer unzureichenden Vitamin-B12-Wirkung in den Zellen ansteigen kann. Auch eine individuelle Nierenfunktion kann den Wert erhöhen und muss bei der Interpretation berücksichtigt werden.
    Homocystein Kann bei einer unzureichenden Vitamin-B12-Versorgung erhöht sein, ist jedoch nicht spezifisch. Auch die Versorgung mit Folat und Vitamin B6 sowie weitere gesundheitliche Faktoren beeinflussen den Wert.

    Methylmalonsäure gilt als besonders empfindlicher funktioneller Marker und kann bei einem grenzwertigen Gesamt-Vitamin-B12-Wert helfen, eine mögliche Unterversorgung genauer abzuklären. Bei einem begründeten Verdacht auf unzureichende Vitamin-B12-Versorgung kann auch die gemeinsame Bestimmung von Holo-TC und MMA sinnvoll sein.

    Warum reicht Gesamt-Vitamin-B12 nicht immer aus?

    Der Gesamtwert zeigt, wie viel Vitamin B12 insgesamt im Blut vorhanden ist. Er gibt aber nicht immer zuverlässig an, ob den Körperzellen ausreichend verwertbares Vitamin zur Verfügung steht. Ein Wert im unteren Referenzbereich kann deshalb weiter abgeklärt werden, besonders wenn individuelle Anzeichen oder zusätzliche Risikofaktoren vorliegen.

    Umgekehrt beweist ein einzelner niedriger oder erhöhter Laborwert noch keine bestimmte Ursache. Referenzbereiche unterscheiden sich je nach Labor und Messmethode. Auch Alter, Nierenfunktion, individuelle physiologische Umstände und die kürzliche Einnahme eines Präparats können die Ergebnisse beeinflussen.

    Die Laborwerte sollten daher nicht isoliert betrachtet werden. Die ärztliche Beurteilung berücksichtigt neben den Messergebnissen auch mögliche Beschwerden, die Ernährungsweise, die verwendete Supplementierung und gesundheitliche Einflussfaktoren.

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    Wann ist eine Kontrolle besonders wichtig?

    Eine Überprüfung der Laborwerte ist insbesondere sinnvoll:

    • vor oder zu Beginn einer regelmäßigen Supplementierung, wenn der bisherige Status unbekannt ist,
    • bei unregelmäßiger oder länger unterbrochener Einnahme,
    • bei auffälligen oder grenzwertigen Vorbefunden,
    • bei Anzeichen, die auf eine unzureichende Versorgung hindeuten könnten,
    • bei der langfristigen Einnahme von Medikamenten, welche die Aufnahme beeinflussen können.

    Anhand der Ergebnisse lässt sich beurteilen, ob die bisherige Versorgung beibehalten werden kann oder ob eine individuelle Anpassung und weitere Diagnostik erforderlich sind.

    Der Körper benötigt nicht täglich 500 µg Vitamin B12 und nimmt eine solche Einzeldosis auch nicht vollständig auf. Der aktive Aufnahmeweg über den Intrinsic Factor besitzt nur eine begrenzte Kapazität. Von einer hohen Dosis kann zusätzlich ein kleiner Anteil unabhängig davon durch die Darmwand gelangen. Durch die hohe Ausgangsmenge kann die absolut aufgenommene Menge daher trotz einer niedrigen prozentualen Aufnahme steigen. Das bedeutet jedoch nicht, dass alle vegan lebenden Menschen täglich ein Präparat mit 500 µg benötigen.

    Nicht unbedingt. Je nach Präparat kann Vitamin B12 täglich oder in größeren Abständen eingenommen werden. Produkte für die tägliche Einnahme enthalten häufig kleinere Einzeldosen, während wöchentlich oder mehrmals pro Woche verwendete Präparate entsprechend höher dosiert sein können. Entscheidend ist, die Dosierung gemeinsam mit der vorgesehenen Einnahmehäufigkeit zu betrachten und die gewählte Routine regelmäßig einzuhalten.

    Für Vitamin B12 wurde bislang kein tolerierbarer oberer Aufnahmewert, kurz UL, festgelegt. Das bedeutet jedoch nicht, dass unbegrenzt hohe Mengen grundsätzlich notwendig oder empfehlenswert sind. Das BfR schlägt für Nahrungsergänzungsmittel vorsorglich eine Höchstmenge von 25 µg Vitamin B12 pro Tagesverzehrempfehlung vor. Dabei handelt es sich nicht um einen gesetzlichen Grenzwert und nicht um eine Dosierung für einen ärztlich festgestellten Mehrbedarf. Bei einem besonderen individuellen Bedarf können in ärztlicher Rücksprache deutlich höhere Mengen eingesetzt werden.

    Angereicherte Pflanzendrinks, Fleischalternativen oder andere Produkte können zur Vitamin-B12-Zufuhr beitragen. Ihr Gehalt unterscheidet sich jedoch je nach Produkt, und sie müssen regelmäßig in ausreichender Menge verzehrt werden. Die DGE empfiehlt vegan lebenden Menschen deshalb eine dauerhafte und zuverlässige Versorgung über ein Vitamin-B12-Präparat. Unangereicherte pflanzliche Lebensmittel gelten nicht als verlässliche bedarfsdeckende Quelle.

    Eine generelle Überlegenheit sublingualer Präparate ist bislang nicht eindeutig belegt. Sowohl geschluckte als auch unter der Zunge angewendete Produkte können den Vitamin-B12-Status verbessern. Bei Tropfen, Sprays oder Lutschtabletten wird außerdem ein Teil des Vitamins geschluckt. Sie umgehen den Verdauungstrakt daher nicht vollständig. Bei der Auswahl kann vor allem entscheidend sein, welche Darreichungsform sich gut dosieren und dauerhaft zuverlässig anwenden lässt.

    Vitamin B12 ist nur einer von mehreren Nährstoffen, die bei einer rein pflanzlichen Ernährung besondere Aufmerksamkeit verdienen. Welche weiteren kritischen Nährstoffe bei veganer Ernährung wichtig sind und wie sich die Versorgung bewusst planen lässt, zeigt unser ausführlicher Ratgeber.

    Wer statt einzelner Präparate eine kombinierte Ergänzung erwägt, findet in unserem Vergleich veganer Multivitaminpräparate eine Übersicht zu Zusammensetzung, Dosierung und Nährstoffspektrum verschiedener Produkte.

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