

Raus aus dem Hormonkarussell – Was Frauen 35–45 jetzt wirklich hilft mit Dr. Judith Bildau
Viele Frauen zwischen 35 und 45 spüren: „Irgendwas stimmt nicht mehr wie früher.“ Der Schlaf wird fragiler, Stimmung und Zyklus schwanken, das Gewicht verhält sich eigensinnig. Gynäkologin und Hormonexpertin Dr. Judith Bildau erklärt, warum diese In-Between-Phase so herausfordernd sein kann – und wie du mit Wissen, Routinen und gezielten Bausteinen wieder in Balance kommst. Dieser Artikel fasst die wichtigsten Punkte kompakt zusammen und übersetzt sie in alltagstaugliche Schritte.
Die Folge HEALTHWISE auf spotify
In-Between statt „zu jung für die Wechseljahre“
Was bedeutet die In-Between-Phase?
- Begriffsklärung: Medizinisch wird häufig von Prämenopause (Zeit zwischen Pubertät und Perimenopause), Perimenopause (Übergangsphase rund um die letzte Regelblutung) und Menopause (Zeitpunkt der letzten Blutung) gesprochen.
- In-Between beschreibt praxisnah die spürbaren ersten hormonellen Veränderungen häufig ab Mitte/Ende 30 – lange bevor die „klassischen“ Wechseljahre voll einsetzen.
Typische Anzeichen (früh & oft unterschätzt)
- kürzere Zyklen, stärkere Blutungen
- Schlafstörungen (v. a. in der zweiten Zyklushälfte)
- PMS mit Stimmungsschwankungen/Brustspannen
- „Brain Fog“, Reizbarkeit, Stressüberempfindlichkeit
- veränderte Gewichtsverteilung (mehr Bauchfett), Leistungsabfall im Training
Warum? Häufig kommt es vermehrt zu Zyklen ohne Eisprung → weniger Progesteron (Wohlfühl- und Schlafhormon), während Östrogen zunächst relativ „dominant“ bleibt. Das verschiebt das Gleichgewicht – mit Folgen für Schlaf, Stimmung, Zyklus und Stoffwechsel.
Mentale Gesundheit zuerst: „Sauerstoffmaske“ für dich
Die Doppel- und Dreifachbelastung aus Job, Care-Arbeit und Ansprüchen ist real. Dr. Bildau betont: Selbstfürsorge ist kein Wellness-Wochenende, sondern ein tägliches System aus Grenzen, Pausen und Prioritäten.
Sofort umsetzbar:
- 7-Stunden-Fenster für Schlaf blocken (gleichbleibende Zeiten, dunkel & kühl).
- Reizarmes Abendritual (Licht dämpfen, Digital-Off 60–90 Minuten vor dem Schlaf).
- Stress-Mikropausen: 3× täglich 3–5 tiefe Atemzüge + 1 Mini-Walk.
- „Good Enough“-Standard: Perfektion ersetzt durch Prioritäten (To-Do ≤ 3).
Kraft statt Cardio-Endlos: Muskel ist Medizin
Ab Mitte 30 verlieren wir ohne Gegenmaßnahmen pro Jahr ~1–1,5 % Muskelmasse. Das schwächt Stoffwechsel, Haltung und Knochen.
Trainings-Leitplanken (2–3×/Woche, 30–45 Min.)
- Große Bewegungen: Kniebeugen/Beinpresse, Hüftbeugen/Hip Thrust, Rudern, Drücken über Kopf & Bankdrücken, Core-Anti-Rotation.
- Progressiv: 6–12 Wiederholungen, 2–4 Sätze, letzte 2 Wdh. „fordernd“.
- Beine bewusst trainieren (Cardio allein baut kaum Muskel auf).
- Alltagsaktivität behalten: 7–10 k Schritte/Tag.
EU-Health-Claims (zulässig):
Ernährung & Mikronährstoffe: Stabil statt streng
Basiskompass
- Ballaststoffreich (Hülsenfrüchte, Gemüse, Leinsamen) für Sättigung & Blutzucker-Stabilität.
- Proteinziel: ca. 1,2–1,6 g/kg KG/Tag (verteilt auf 2–3 Mahlzeiten).
- Gute Fette (Olivenöl, Nüsse, Samen; Omega-3-Quellen) & komplexe Kohlenhydrate.
- Blutzuckerspitzen glätten: Reihenfolge „Gemüse/Protein → Stärkebeilage“, Spaziergang nach dem Essen.
- Trinken: 30–35 ml/kg KG/Tag, Alkohol bewusst reduzieren.
Mikronährstoff-Bausteine (evidenzbasiert & claims-konform)
- Vitamin B6 trägt zur Regulierung der Hormontätigkeit und zur normalen Funktion des Nervensystems bei.
- Magnesium unterstützt Nerven, Muskeln & Energie (s. o.).
- Omega-3 (EPA/DHA) trägt zu einer normalen Herzfunktion bei; DHA unterstützt normale Gehirnfunktion und Sehkraft (bei ausreichender täglich aufgenommener Menge).
- Zink trägt zu einem normalen Kohlenhydrat- und Fettsäurestoffwechsel sowie zu Haut, Haaren, Nägeln bei.
- Vitamin D: siehe oben (Knochen, Muskeln, Immunfunktion).
Phytotherapie:
Mönchspfeffer (Vitex agnus-castus), Schafgarbe und Frauenmantel werden traditionell in der Frauenheilkunde verwendet. Für viele botanische Aussagen bestehen noch keine von der EU autorisierten Health Claims.
PMS, Schlaf & Zyklus balancieren – ein 4-Wochen-Plan
Woche 1: Fundament
- Schlaf-Fenster fixieren, Abendlicht dämpfen, 10-Min-Spaziergang nach dem Abendessen.
- Einkaufsliste für Protein + Ballaststoffe (Bohnen, Linsen, Eier/Tofu, Leinsamen).
Woche 2: Kraft starten
- 2 Ganzkörper-Sessions, je 6–8 Grundübungen.
- Magnesium abends testen; Omega-3 zum Mittag/Abend einplanen.
Woche 3: Zykus-Feintuning
- Symptomtagebuch (Schlaf, Stimmung, Krämpfe, Energie).
- Bei PMS-Thema: Vitamin B6 und ggf. Zink in Absprache einbauen.
Woche 4: Review & Nachschärfen
- Was wirkt? Übungen/Ernährung anpassen, 3. Krafteinheit optional.
- Bei anhaltend starken Blutungen/Schmerzen ärztlich abklären (Eisenstatus etc.).
Herz & Stoffwechsel mitdenken
- Bauchfett hängt oft mit Stress, Schlafmangel, Muskelverlust und Blutzuckerspitzen zusammen.
- Krafttraining + Alltagsbewegung + geregelte Mahlzeiten sind hier die effektivste Kombi.
- Omega-3 und Ballaststoffe unterstützen eine herz- und stoffwechselfreundliche Ernährung.
Häufige Fragen
„Mache ich mit Krafttraining ‚breite Schultern‘?“
-Unwahrscheinlich. Frauen bauen i. d. R. deutlich langsamer Muskelmasse auf. Sichtbare Definition erfordert Monate gezieltes Training und ausreichende Proteinzufuhr.
„Wie lange dauert es, bis pflanzliche Begleiter spürbar sind?“
-Oft 8–12 Wochen konsequenter Anwendung. Zwischendurch Wirkung tracken (Tagebuch), dann dosiert und begleitet nachjustieren.
„Bin ich ‚zu jung‘ für Wechseljahre?“
-Erste Veränderungen können ab Mitte/Ende 30 auftreten. Es lohnt sich, frühzeitig Schlaf, Stress, Training und Ernährung zu optimieren – und bei starken Beschwerden medizinisch abzuklären.
Take Aways
- In-Between (35–45) ist real: Erste hormonelle Shifts sind häufig – und behandelbar.
- Schlaf, Stress, Krafttraining, Protein & Ballaststoffe sind die größten Hebel.
- B-Vitaminen, Magnesium, Omega-3, Vitamin D & Zink können gezielt unterstützen (claims-konform).
- Phytotherapie wie Mönchspfeffer & Frauenkräuter wird traditionell verwendet – Wirkung individuell ärztlich begleiten.
- Tracken statt raten: 8–12 Wochen konsequent testen, dann feinjustieren.
- Selbstfürsorge täglich – nicht nur am Spa-Wochenende.
Mehr erfahren im healthwise Podcast von sunday natural
Produktempfehlungen von sunday natural
Dr. med. Judith Bildau ist Gynäkologin mit Praxis in Italien und Expertin für Hormon- und Frauengesundheit.
Ihr Ansatz richtet sich insbesondere an Frauen ab etwa Mitte 30, die spüren, dass ihr Zyklus, ihre Entzündlichkeit oder ihr Energiehaushalt bereits vor der klassischen Menopause aus dem Gleichgewicht geraten. Sie erklärt verständlich, wie hormonelle Schwankungen, Mikronährstoffe, Ernährung und Lebensstil in Wechselwirkung stehen – und dass Beschwerden wie Schlafprobleme, Stimmungsschwankungen oder Zyklusstörungen nicht einfach hingenommen werden müssen.
Dr. Bildau plädiert dafür, Frauen ernst zu nehmen, ihre Symptome systemisch zu betrachten und nicht nur Symptome zu behandeln. Stattdessen setzt sie auf eine Kombination aus fundierter Diagnostik, gezielten Nährstoff- und Lebensstilmaßnahmen und, wenn nötig, hormonbasierter Begleitung. Ihr Ziel ist es, Frauen zu befähigen, ihre hormonelle Gesundheit proaktiv zu gestalten – für mehr Vitalität, Klarheit und Lebensqualität.
Mehr über Dr. Judith Bildau: https://www.dr-med-judith-bildau.com/
#006 Raus aus dem Hormonkarussell. Mit Dr. Judith Bildau
[Dr. Judith Bildau] (0:00 - 0:27)
Wer hält das so alles am Lauf? Das sind die Frauen. Also gerade, wenn es Kinder gibt, gerade, wenn es Familie gibt, Frauen, das haben wir jetzt auch während der Corona-Pandemie gesehen, Frauen war das Geschlecht, was wirklich das Management gemacht hat.
Homeoffice, Kinder, Homeschooling, das wird immer so als selbstverständlich vorausgesetzt und oft steht es dann zuerst hinterfragt, wenn die Frauen wirklich in Burnout landen.
[Nils Behrens] (0:27 - 1:35)
Herzlich willkommen zu HEALTHWISE, dem Gesundheits-Podcast, präsentiert von Sunday Natural. Ich bin Nils Behrens und in diesem Podcast erkunden wir gemeinsam, was es bedeutet, gesund zu sein. Wir tauchen ein in Themen wie Medizin, Bewegung, Ernährung und emotionale Gesundheit.
Immer mit einem weisen Blick auf das, was uns wirklich gut tut. In der Phase zwischen 35 und 45 Jahre geraten viele Frauen in ein wahres Hormonchaos, das ihren Alltag ordentlich durcheinanderwirbelt. Schlafstörungen, Stimmungsschwankungen und unerklärliche Gewichtszunahme, das volle Programm.
Heute wollen wir herausfinden, wie man dieses Hormonkarussell anhalten kann und wieder mehr Balance ins Leben bringt. Dr. Judith Bildau ist eine renommierte Gynäkologin und Hormonexpertin. Sie ist sowohl in Rom als auch in der Toskana tätig und gehört zu dem Team von Europas ersten Online-Hormon-Klinik.
Sie ist erfolgreiche Autorin, medizinischer Ratgeber für Mädchen- und Frauengesundheit und ihr besonderes Talent ist es, komplexe medizinische Sachverhalte verständlich zu erklären. Sie begeistert viele Frauen und macht sie zu einer gefragten Gesundheitsexpertin im TV, Print und Online-Medien und deswegen sage ich herzlich Willkommen, Dr. Judith Bildau.
[Dr. Judith Bildau] (1:36 - 1:46)
Hallo, danke lieber Nils für die tolle Einleitung und auch für die tolle Einladung. Ich freue mich sehr, wirklich sehr, dass wir heute über dieses Thema sprechen.
[Nils Behrens] (1:46 - 1:57)
Ja, ich freue mich auch sehr auf das Gespräch und fange mit einer vielleicht etwas ungewöhnlichen Frage an. Du lebst ja seit einiger Zeit in Italien. Hat sich seit deinem Umzug die Gestaltung deiner Sonntage verändert?
[Dr. Judith Bildau] (1:57 - 3:03)
Also ich glaube, es hat sich wenig so sehr verändert, wie die Gestaltung meiner Sonntage oder wie die Gestaltung der Wochenenden. Weil mein Arbeitsalltag sich im Grunde gar nicht so wahnsinnig viel von Deutschland unterscheidet, weil ich als Ärztin arbeite eben auch in Italien. Aber die Wochenenden haben noch mal eine ganz andere Qualität bekommen.
Wie es in Italien geht, findet das Leben wirklich, wirklich ganzjährig hauptsächlich draußen statt. Und dieses Gefühl, Sonntagmorgens aufzuwachen, sich zu überlegen, ob man jetzt in die Villa Borghese geht oder doch ans Meer fährt, wo man denn irgendwie Abend isst, das ist was, was ich aus Deutschland so nicht kannte. Und das ist etwas, was ich hier extrem genieße.
Das mediterrane Klima, das tolle Essen, also Essen spielt eine ganz, ganz große Rolle, die Auswahl des Essens. Ja, und natürlich leben wir jetzt hier auch in einer Stadt, die sehr, sehr viel bietet. Ja, also das ist schon eine Lebensqualität, für mich eine große Überreicherung.
[Nils Behrens] (3:03 - 3:29)
Um Lebensqualität geht es ja auch in deinem Buch. Und ich fand es ganz interessant, wenn man deine Einladung in dem Buch liest, dass du vorher durch die Buchläden gegangen bist und festgestellt hast, es gibt eigentlich noch keine Literatur genau dazu, zu der Phase, die du in between nennst. Das heißt also diese Phase zwischen 35 und 45 im Leben einer Frau.
Was war die Inspiration, dieses Buch zu schreiben?
[Dr. Judith Bildau] (3:29 - 6:31)
Das ist eine tolle Frage, Nils, weil ich habe mich einfach an das Buch drangesetzt. Also ich hatte noch keinen Verlag. Ich habe mich an das Buch drangesetzt, wann ich darüber schreiben wollte.
Ich bin tatsächlich durch die Buchläden gegangen und alles, was ich für Frauen an Ratgebern gefunden habe, war entweder Gewicht verlieren oder für Mütter, Eltern, Ratgeber und dann gab es die Wechseljahre. Und wie ich ja gerade in dieses Alltag gekommen bin in den letzten Jahren und in meiner Hormonsprechstunde, habe ich viele, viele Frauen, die sich an mich wenden und sagen, mein Frauenarzt, meine Frauenärztin sagt mir, ich bin zu jung für die Wechseljahre, aber es geht mir nicht gut. Und ich habe ganz, ganz viele Frauen, die in den Wechseljahren sind und sagen mir, geht es eigentlich seit Jahren schon nicht gut.
Das heißt also, diese klassischen Wechseljahre, die wir kennen und jetzt zum Glück in den Fokus, auch in den medialen Fokus gerückt sind, wir sprechen endlich darüber, sind ganz, ganz wichtig. Aber die ersten hormonellen Veränderungen beginnen eben schon früher. Das ist der Moment, wo vielen Frauen gesagt wird, das ist der Stress Job und Familie, das ist Stress aus der Arbeit, was auch mit Sicherheit stimmen mag.
Das ist ja oft auch multifaktorinell bedingt und Frauen haben eine große Doppelbelastung, gerade wenn sie auch noch Mütter sind. Aber es ist eben nur die eine Seite der Medaille. Frauengesundheit an sich ist ja etwas, was Jahrzehnte, Jahrhunderte stark vernachlässigt wurde.
Und ich habe einfach gemerkt, das alles beginnt schon früher. Und die Idee war eben auch dahinter, weil wir ja gerade in unserer westlichen Medizin dazu neigen, immer erst das Problem zu behandeln, dass man ganz viel Prävention betreiben kann. Also die Idee ist, Frauen zu begleiten, ihnen zu erklären, was passiert da eigentlich gerade, ihnen zu signalisieren, nein, ihr seid nicht verrückt, es ist normal, normal im Sinne von natürlich.
Deswegen muss man es trotzdem nicht aushalten. Und natürlich auch als Vorbereitung für die Wechseljahre, dass eben dieses große dunkle Loch, das viele Frauen gerade einfach noch so reinrauschen, weil sie sich vorher nie, weil sie davor nie drüber ausgeteilt wurden, was sich alles verändert, das soll da nicht mehr entstehen. Sondern Frauen, mein Wunsch ist, dass Frauenmedizin so gestaltet wird, dass Frauen begleitet werden, auch präventiv.
Und dass sie gesund und stark in jeder Lebensphase sind. Und dann habe ich diese Buchidee, einen Verlag vorgestellt und wurde eigentlich zu 90 Prozent abgelehnt, weil gesagt wurde, nee, das ist ja irgendwie so eine kurze Zeitspanne, die interessiert ja eigentlich niemanden. Also das verkauft sich mit Sicherheit nicht, was soll das?
Und dann habe ich eben diesen einen Verlag gesagt, nee, das machen wir. Und das war dann für mich der Startschuss, da weiter zu machen.
[Nils Behrens] (6:32 - 7:11)
Ich habe ja sehr häufig Gespräche dieser Art und von daher würde ich dir hundertprozentig recht geben, wenn man immer das Thema Menopause anspricht, dann kommt man immer zu dem Punkt, dass eine gute Vorbereitung auf diese Phase wirklich auch einiges erleichtert, genau was du sagst. Es ist nicht nur die Unsicherheit, die man beseitigt, sondern es ist eben auch vor allem, dass man viele von den Symptomen, wenn man sich rechtzeitig genug darauf vorbereitet angeht, auch gar nicht so schlimm werden, wie sie werden könnten. Ich will jetzt hier auch keine Angst machen, aber grundsätzlich sagt man eben, umso früher man sich mit dem Thema auseinandersetzt, umso fließender wird es und umso besser kommt man da auch insgesamt durch, oder?
[Dr. Judith Bildau] (7:12 - 7:23)
Genauso ist es. Und wir haben vor allem gerade, jetzt nochmal zu dem Begriff in-between, es gibt keinen Begriff für diese Zeit eigentlich. Oft wird gesagt, Prä-Menopause.
[Nils Behrens] (7:23 - 7:39)
Das ist ganz interessant, dass du das ansprichst, weil ich hätte jetzt gedacht, es wäre die Prä-Menopause, dann kommt die Peromenopause und dann die Menopause. Aber vielleicht magst du einmal ganz kurz diese Begrifflichkeiten sagen, bevor du dann sagst, warum du keine dieser Begrifflichkeiten nutzt.
[Dr. Judith Bildau] (7:39 - 9:05)
Ich muss ehrlicherweise sagen, ich benutze ja auch oft Prä-Menopause. Gerade wenn ich Folien in Worträumen zeige, ich muss es ja irgendwie benennen. Aber rein medizinisch gibt es keinen korrekten Begriff dafür.
Prä-Menopause ist die gesamte fertige Zeit der Frau, also die gesamte Phase von der Pubertät bis zu den Wechseljahren. Und eine 40-jährige Frau hat ja jetzt nichts gemein mit einem 15-jährigen Mädchen in dem Sinne. Deswegen müsste es eigentlich eine Unterscheidung geben, aber die gibt es eben nicht.
Und deswegen habe ich diesen Begriff in-between, ich habe mit einer Freundin darüber gesprochen und habe gesagt, wie soll ich denn diese Phase nennen? Und sie hat dann gesagt, ja, das ist so dazwischen, ich kann es gar nicht definieren. Und ich habe dann gesagt, Mensch, das ist in-between.
Und sie hat gesagt, ja, das ist in-between, ganz genau. Also die Prä-Menopause beginnt mit der Pubertät, endet mit der Peromenopause. Die Perimenopause sind die Wechseljahre, das können wir auch medizinisch korrekt die Bakterien nennen.
Rein statistisch beginnt die Perimenopause mit etwa 35 Jahren. Dann kommt die Menopause. Die Menopause ist eigentlich keine Phase, sondern wenige Tage sind die letzte Periode, die letzte Menstruationsperiode im Leben einer Frau.
Und zwölf Monate nach der letzten Menstruationsperiode, also zwölf Monate nach der Menopause, fängt dann die Postmenopause an.
[Nils Behrens] (9:06 - 9:13)
In der Regel würde man ja wahrscheinlich dann diesen Moment der letzten Blutung gar nicht wissen, oder? Das weiß man ja wahrscheinlich erst hinterher, oder?
[Dr. Judith Bildau] (9:13 - 9:59)
Das weiß man dann erst zwölf Monate danach. Also ich habe viele Frauen, die denken, jetzt habe ich zehn Monate lang nicht geblutet, jetzt bin ich durch, dann kommt nochmal eine Blutung, die Eierstöcke rufen nochmal Juchu und dann beginnt das Jahr wieder von vorne. Also das kann eine unheimlich lange Zeitspanne sein, in der Frauen sehr viele Höhen und Tiefen erleben.
Der Körper verändert sich, emotional verändert sich auch sehr, sehr viel. Das Tolle in dieser In-Between-Phase sind die ersten Veränderungen, aber sie haben ganz viele Möglichkeiten, es uns richtig gut gehen zu lassen. Und es ist oft die Phase, wo gesagt wird, das ist psychisch bedingt, das ist richtig burnout, das ist stressig usw.
Oder aber ja, vielleicht ist das schon hormonell, sie bekommen mal die Pille.
[Nils Behrens] (10:00 - 10:11)
Wollen wir mal einsteigen in diese typischen Symptome der Phase? Vielleicht auch ruhig schon mal, weil das ja dann Spezialgebiet ist, in das Thema der typischen hormonellen Veränderungen, die in dieser Phase schon auftreten können.
[Dr. Judith Bildau] (10:12 - 13:12)
Total gerne. Also wir Frauen kommen im Gegensatz zu Männern mit einem Depot an Eizellen auf die Welt. Also wir haben ein Päckchen gepackt und wir haben ein Päckchen geschnürt, das sind unsere Eizellen, damit kommen wir auf die Welt.
Männer produzieren jeden Tag Spermien, neu, können bis ins hohe Lebensalter. Robert De Niro, ich weiß nicht, war er 80 oder sowas, ist mit 80 nochmal Vater geworden. Also Männer sind im Grunde ein Leben lang zeugungsfähig, auch wenn die Qualität der Spermien abnimmt, aber es geht.
Bei Frauen ist es so, dass diese Eizellreserven irgendwann ausgebraucht sind. Dann finden keine Eissprünge mehr statt und dann ist im Prinzip das Hormonlevel relativ niedrig, das Hormonlevel der Sexualkohol. Der Körper ist wahnsinnig schlau.
Ende 30, Anfang 40, bei manchen Frauen eben auch schon so Mitte 30, merkt der Körper, dass sich diese Eizellreserven langsam, ganz langsam, nicht morgen, nicht übermorgen, aber so in den nächsten Jahren dem Ende zuneigen und stellen deshalb auf Sparmodus und lassen einfach nicht mehr jeden Monat, jeden Zirkus, ein Eissprung stattfinden. Das ist total schlau, merken die Frauen aber. Wenn die Frauen keinen Eissprung haben, entsteht kein Gelbkörper und wenn kein Gelbkörper da ist, entsteht kein Gelbkörperhormon, das Progesteron.
Ich liebe Progesteron. Progesteron ist ein totales Wohlfühlhormon, das macht uns ausgeglichen, das lässt uns gut schlafen, das ist wasserausscheidend, das ist außerdem wahnsinnig wichtig für unsere Knochen, unsere Gelenke, für unsere Haut, reguliert auch unseren Zirkus und wenn das fehlt, im Umkehrschluss, kommen natürlich einige Beschwerden. Das sind zum Beispiel die Frauen, die sagen, ich habe immer schon irgendwie nicht wenig geblutet, aber jetzt traue ich mich an manchen Tagen gar nicht mehr aus dem Haus, weil ich das Gefühl habe, ich könnte dauernd irgendwie ausbluten, es ist so wahnsinnig viel.
Es sind Frauen, die sagen, mein Zyklus wird wahnsinnig kurz, ich hatte immer 28, 30 Tage, jetzt sind es 21 Tage. Das sind auch Frauen, die auf einmal Schlafstörungen vor allem in der zweiten Zirkusselfte entwickeln, wo das Progesteron einfach sehr wichtig ist. Das sind auch Frauen, die auf einmal ein richtig heftiges PMS - Prä-Mestruelle-syndrom haben.
Das mit wirklich einer ganz großen psychologischen Komponente wie Ängsten, Depressionen, Brustspand und so weiter. All das ist eben auf dieses hormonelle Ungleichgewicht zurückzuführen, Aktivisierend dafür, dass die Schilddrüse beeinflusst wird. Wir entwickeln mehr Nahrungsintoleranz, Histaminintoleranzen treten plötzlich aus.
Ja, also es ist ein ganzes Paket, was da passiert, aber irgendwie spricht niemand darüber.
[Nils Behrens] (13:13 - 13:54)
Ja, ich habe interessanterweise gerade gestern mit einem Freund gesprochen, der seine Hochzeits plant und der mir dann sagt, dass ein gemeinsamer Freund von uns zum Beispiel nicht kommt mit seiner Frau. Also er kommt, aber seine Frau nicht, weil es nämlich genau dann eben diese Feierlichkeit in ihren Zyklus fällt und er sagt, da kann die aus Gründen nicht mehr an so einer Feier teilnehmen. Also genau das, was du beschreibst.
Weil eben ihre Phase dann so intensiv, extrem ist, dass sie sagt, es passt mit einer Feier dieser Art nicht zusammen. Und die ist genau in dieser Phase, die ist genau in diesem In-Between, wie du es nennst.
[Dr. Judith Bildau] (13:54 - 14:07)
Genau, das ist genau das, was du sagst. Also es kommt dann zu sozialen Einschränkungen, es kommt zu beruflichen Einschränkungen. Also das hat wirklich eine Relevanz für die Lebensqualität der Frauen.
[Nils Behrens] (14:08 - 14:12)
Wollen wir vielleicht auch mal was Positives über diese Phase sagen?
[Dr. Judith Bildau] (14:13 - 16:41)
Ja, das ist so die Zeit, Nils, wo ich die Frauen erlebe und ich erlebe es auch an mir, ich muss das ganz klar sagen, wo wir wirklich um unser Selbstwissen, um unseren Selbstwert, wo wir wirklich auch den Mut haben, Dinge zu hinterfragen, egal ob es Partnerschaften sind, Beziehungen sind oder auch mit uns nicht, noch mal zu schauen, was bin ich eigentlich, ist es das, was mir gerecht wird, werde ich dem gerecht? Also das ist auch eine wahnsinnig spannende Phase, in der wir sehr mutig zu uns selbst stehen.
Also wir sind eben nicht mehr die 18, 19, 20, 25-jährigen Mädchen, sondern wir sind gestandene Frauen. Wir haben schon unheimlich viel Wegstrecke gemacht, schon unheimlich viel geleistet, obwohl mit diesem geleistet, da wollen wir nicht immer irgendwie ein Profil für vergeben, aber wir haben wirklich schon viele, viele Lebensjahre, viele, viele Frauen sind Mütter, viele Frauen werden jetzt Mütter, auch in dieser In-Between-Phase ist natürlich eine Schwangerschaft möglich. Also es ist eine ganz spannende Phase, die unheimlich viel Potenzial beinhaltet.
Wichtig ist eben, dass es den Frauen gut geht und das Tolle in dieser In-Between-Phase ist, dass es den Frauen relativ schnell wieder gut gehen kann, weil es sehr, sehr viele Hilfsmittel gibt. Und das muss nicht die Pille sein, das kann die Pille tatsächlich sein, auch Gynäkologin, natürlich arbeite ich auch mit Medikamenten, aber eben auch die Pflanzenheilfremde, Phytopharmaka wirken hier studienbasiert sehr gut, Mikronährstoffe, ich arbeite sehr viel in dieser Phase mit Mikronährstoffen, hoch dosiert und es ist erstaunlich, was passiert. Und wenn es den Frauen gut geht in dieser Phase, dann sind die gar nicht mehr zu stoppen und dann kommen sie natürlich auch ganz anders in die Wechseljahre rein, weil sie sich jetzt schon um die Muskelgesundheit kümmern.
Die Muskulatur nimmt schon mit Mitte 30 ab, also das ist nichts, was in den Wechseljahren passiert. Das ist dann oft eher so, ich nenne das immer Brandbeschleuniger. Das gleiche gilt für die Knochendichte.
In unseren 30ern überwiegen die abbauenden Zellen, die Osteoklasten den aufbauenden Zellen. Das ist auch keine Geschichte der Wechseljahre oder der älteren Frau, sondern das beginnt alles schon viel, viel früher. Wenn wir jetzt anfangen Vorsorge zu betreiben, dann wendet sich das Blatt ja zu unserem Gunsten.
[Nils Behrens] (16:43 - 17:22)
Ich fand das wirklich sehr faszinierend in deinem Buch, wie du da auch wirklich so reingehst, weil ganz ehrlich gesagt, man ist ja immer schnell so dabei, dass so Kräuter oder so naturerkundliche Sachen so nach dem Motto, naja, es schadet nicht. Aber du hast da ja wirklich ganz klare Empfehlungen und ganz klare auch positive Erfahrungen. Und da sind ja die ein oder anderen Sachen dabei, die schon sehr traditionell wirken, teilweise manchmal auch, wenn man vielleicht noch nie von gehört hat.
Also ich fange jetzt einfach mal mit Mönchspfeffer an. Also da hast du ja einen relativ großen Abschnitt in deinem Buch, aber du redest das ja schon sehr, sehr ausführlich dann darüber. Also was ist Mönchspfeffer und wobei hilft er?
[Dr. Judith Bildau] (17:23 - 19:20)
Mönchspfeffer ist eine antike Pflanze eigentlich, also wir kennen sie schon sehr, sehr lange. Wird auch Keuchschlamm genannt und ist ja ein ganz wichtiger Bestandteil meiner täglichen Arbeit in der Frauenheilkunde. Und wenn ich mit Frauen rede, die sich an mich wenden, meine Patientinnen werden sagen, die oft, ich habe ja schon Mönchspfeffer genommen, es hat aber nichts gebracht.
Dann frage ich immer, wie haben sie es denn genommen? Dann haben die es in einer ganz kleinen Dosierung und auch einfach mal so irgendwie. Und dann kann das sich so, schadet ja nicht, muss aber auch nicht unbedingt helfen.
Und das wird den Mönchspfeffer Agnus Castus aufgenannt, wird ihm einfach nicht gerecht, weil wir haben sehr, sehr gute Studien zum Mönchspfeffer, was der alles kann, wenn er erstens richtig dosiert wird und zweitens nach einem richtigen Therapie-Schema. Darum wird er auch Keuchschlamm genannt, weil er in hohen Dosierungen eben auch die Libido schmälern kann. Das ist etwas, deswegen auch Mönchspfeffer, was wohl Mönche und Nonnen eingenommen haben, um die sexuelle Lust zu unterdrücken.
Also der Mönchspfeffer ist bei allen Mittelpräparaten, die wirken, hat der Mönchspfeffer auch Nebenwirkungen. Und das ist unter anderem, wie gesagt, die Verminderung der Libido. Der Mönchspfeffer muss aber nicht sein, auf keinen Fall.
Also das ist nicht etwas, mit dem jede Frau dann rechnet, wenn sie es einnimmt. Aber daher stammt halt dieser Name. Und der Mönchspfeffer hat einen Einfluss wirklich auf unsere Hormonachse, die ja vom Hirn aus gesteuert wird.
Also da wirkt der Mönchspfeffer regulierend und wirkt auch auf den Prolactin-Spiegel. Das heißt, die Wirkungsweise ist wirklich bekannt. Also das ist nichts, wo man denkt, kann man mal nehmen.
Keiner weiß so richtig, was es macht. Sondern die Wirkung ist belebt.
[Nils Behrens] (19:23 - 19:34)
Ja, und du sagst es ja auch, man mindert eben auch das PMS. Die Beschwerden des PMS können ja auch signifikant gemindert werden, wenn ich es richtig verstanden habe, oder?
[Dr. Judith Bildau] (19:35 - 21:06)
Genau, und ich habe ja in dem Anhang auch das Literaturverzeichnis, da werden die Studien ja aufgezählt. Also jeder kann das nachlesen. Wir wissen, dass es gegen PMS wirkt.
Wir wissen, dass es gegen Spannung der Brüste wirkt. Wir wissen, dass es Zyklus regulierend wirkt. Wir wissen auch, dass es Menstruationsbeschwerden abschwächen kann, eine starke Blutdruck verbessern kann.
Also es ist auf jeden Fall etwas, also eines meiner Lieblingsmedikamente oder Präparat in der in-between-Zeit. Was man immer wissen muss jetzt ist, dass man bei Phytopharmaka etwas Geduld braucht. Es ist eben nicht ein chemisches Präparat, wie jetzt die Pille mit einem synthetischen Hormon, was relativ schnell wirkt.
Das muss man ganz ehrlich mit den Frauen besprechen. Möchtest du pflanzlich arbeiten, oder möchtest du mit Mikronährstoffen arbeiten, dann gibt es auch tolle Daten dazu. Mikronährstoffe bei PMS zum Beispiel, hoch dosiert, Vitamin B6, Zink, Omega 3.
Also wirklich tolle Untersuchungen. Aber es dauert etwas. Es gibt immer so einen Zeitintervall von etwa drei Monaten.
Ich habe Frauen, die sagen, ich kann nicht mehr warten. Ich kann nicht mehr. Da geht es dann tatsächlich um eine schnelle und auch wirklich medikamentöse Entsinnung von hormoneller Lösung
Die kann ich auch anbieten. Aber ich habe viele Frauen, die sagen, ich möchte es jetzt pflanzlich oder Ultrikombination mit Mikronährstoffen versuchen. Und auch das klappt.
[Nils Behrens] (21:07 - 21:54)
Dr. Judith Bildau empfiehlt in ihrem Buch und auch in dieser Folge verschiedene Phytotherapeutika, wie Mönchspfeffer, Schafgabe oder Frauenmantel. Und falls ihr euch fragt, wo es diese in einer hohen Qualität zu kaufen gibt, so schaut doch mal bei Sunday vorbei. Unter www.sunday.de slash podcast habe ich euch mal die Produkte direkt verlinkt. Und jetzt zurück zur Folge. Rein statistisch gesehen habe ich bei den meisten meiner Folgen um die 70% Frauen als Hörer. Wenn das bei diesem Podcast, gegebenenfalls bei dieser Episode auch noch der Fall sein sollte, dass es immer noch 30% Männer gibt, die jetzt hier zuhören, die werden natürlich sagen, oh mein Gott, wenn ich jetzt meiner Frau auch noch Mönchspfeffer gebe oder die das jetzt auch noch nimmt und die Libido auch noch weiter sinkt, dann könnte es ja ganz schlecht aussehen.
Wie gehst du denn mit dem Thema um?
[Dr. Judith Bildau] (21:55 - 23:31)
Also das ist eine Nebenwirkung, die ich bespreche. Lust ist multifaktoriell. Also Lust ist nicht, ich gebe ein Präparat und die Lust verschwindet komplett.
Oder ich schmiere Testosteron-Gel und die Lust geht durch die Decke. Ganz so funktioniert sexuelle Lust nicht, sondern es ist, ob wir das wollen oder nicht, auch ein Spiel unserer Partnerschaft. Also wir spielen mehrere Faktoren rein.
Wenn Frauen aber das Gefühl haben, Mönchspfeffer, obwohl Partnerschaft, ob das Gefühl für den eigenen Körper passt, aber die Lust wird wirklich durch den Mönchspfeffer geschmettert, dann gibt es andere Phytopharmaka, die helfen können. Also der Schrank ist voll. Ich habe ja vor allem über das Problem, also wir wissen, dass die Wahrscheinlichkeit eines PMS erregt wird mit einer relativen Östrogen-Dominanz.
Progesteron fehlt, Östrogen ist noch normal, das heißt, Östrogen ist dominant. Wir brauchen also etwas, was das Progesteron pusht. Und da gibt es auch andere pflanzliche Mittel, wie zum Beispiel den Frauenmantel oder die Schafgabe, die progesteronartig wirken.
Das heißt, auch damit können wir Progesteronmangelbeschwerden covern. Auch das geht. Und wir haben immer noch die Möglichkeit, Nils, der bioidentische Hormonersatztherapie.
Also ich kann auch mit, wenn es auch eine relativ zügige Lösung sein sollte, kann ich mit mikrolinisierten, das heißt bioidentischen Hormonen, Progesteron in der 2. Zyklushälfte Arbeiten.
Das geht.
[Nils Behrens] (23:32 - 23:43)
Das ist ja immer etwas, ich werde leider nicht müde, es immer wieder anzusprechen, weil ich immer wieder das Feedback bekomme, ja, aber das kann ja Brustkrebs auslösen. Und da ist, ja, sag du lieber was dazu.
[Dr. Judith Bildau] (23:45 - 24:25)
Ach, ich weiß genau, was du meinst mit dem, du wirst nicht müde. Manchmal bin ich so ein bisschen müde, weil ich wiederhole es auch immer, immer wieder. Ich probiere wirklich irgendwie dagegen anzureden, auch mit Studien das zu belegen und das alles in ein Verhältnis zu setzen.
Also es gibt, du weißt es, sicherlich dieses Thema Hormone, Brustkrebs usw. ist dieser alten BHI-Studie geschuldet, 2002, wo auf einmal gesagt wurde, das macht Brustkrebs und deswegen kriegen jetzt keine Frauen Bioidentische Hormone oder überhaupt eine Hormonersatztherapie. Vor allem wird da ja noch mit synthetischen Hormonen gearbeitet, okay.
[Nils Behrens] (24:26 - 24:33)
Aber auf einmal haben die Frauen, die auf Pferdeurin basiert haben, ich meine ganz ehrlich, die synthetischen Stoffe haben auf Pferdeurin basiert. Ich meine, das ist ja per se schon disgusting.
[Dr. Judith Bildau] (24:34 - 26:54)
Genau. Und auf einmal haben die Frauen, also man hat das jetzt auch im Nachgang nochmal untersucht, viel häufiger Osteoporose bedingte Frakturen gehabt, wurden bettlägerig, wurden immobil usw. Also es ist ganz viel passiert, nachdem man den Frauen eben diese Hormonersatztherapie weggenommen hat, abgesehen davon, dass es ihnen auch einfach schlechter ging, dass viele Frauen sehr, sehr, sehr gelitten haben und man hat ihnen einfach keine Alternative angeboten.
Man hat gesagt, die Wechseljahre oder auch Menopause, was auch immer, ist total natürlich und da müssen sie durch und dann wird alles gut. So ist es ja nicht. Also wir wissen ja, was mit den Frauen passiert, die viele Jahrzehnte dann ohne diese Sexualhormone leben.
Das Risiko für Osteoporose ist erhöht, für Herz-Kreislauf-Erkrankungen ist erhöht, die Entwicklung einer Demenz, Kardiovaskuläre Erkrankungen, ich hatte es eben schon, Diabetes, all das wird ja, steigt ja, steigt ja dann, ist ja wirklich bei Frauen nach der Menopause. Und Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind jetzt auch bei Frauen Todesursache Nummer 1. Davon sterben Frauen.
Frauen sterben nicht an Brustkrebs und heute schon mal gar nicht mehr. Was wir wissen ist, dass das mikronisierte bioidentische Progesterone maximal, maximal, es gibt Daten, die sagen, das Brustkrebsrisiko wird überhaupt gar nicht erhöht. Andere sagen, maximal minimale Erhöhung, aber es ist immer noch weniger, immer noch weniger als Übergewicht, als wenn ich ein Glas Wein pro Tag trinke, als wenn ich mich wenig körperlich bewege.
Und all die Frauen, die nicht gut eingestellt sind, haben oft Übergewicht, haben oft keine kraftkörperliche Betätigung, haben hohe Cortisolspiegel, weil sie völlig ausgelaugt und gestresst sind. Man muss die Sachen einfach ins Verhältnis setzen. Ich krieg die schlimmsten Geschichten von den Frauen erzählt, es gibt hier Frauenärzte und Ärztinnen, die über bioidentische Hormone sprechen wollen, und die Antwort ist jedes Mal, nein, es gibt Krebs.
Also das ist wirklich ein ganz alter Hut, der immer wieder herausgezaubert wird. Und es ist nach heutiger Datenlage, dieses Schreckgespenst ist wirklich nicht aktuell.
[Nils Behrens] (26:56 - 27:28)
Ich finde es ganz richtig, dass du es auch noch mal so aussprichst, weil ich glaube, es ist auch den meisten Frauen gar nicht so bewusst, wie hoch das Krebsrisiko, insbesondere auch das Brustkrebsrisiko, erhöht wird, auch durch einen moderaten Genuss von Alkohol. Also ich finde, das ist etwas, was aus irgendeinem Grund, ich glaube, dass die Alkohol-Lobby sehr stark ist, es will einfach keiner hören, weil keiner der Spielverderber sein möchte, aber dass wirklich schon ein Genuss von mehr als zwei Gläser pro Woche das Krebsrisiko deutlich erhöht, ist glaube ich den wenigsten Leuten bewusst.
[Dr. Judith Bildau] (27:29 - 29:06)
Genau, das wird alles so, weißt du, ohne Hinterfragen gemacht. Jeder darf das ja für sich selbst entscheiden, das ist ja auch völlig okay, aber das wird eben nicht hinterfragt. Aber die bioidentischen Hormone, die sind dann das große Problem.
Und das ist das Verhältnis Verstehen. Wir wissen, dass die synthetischen Hormone auch, also auch die Pillen, auch eben das Brustkrebsrisiko minimal erhöht. Das ist jetzt bei jungen Frauen, muss man sagen, das Risiko, das zu bekommen, Brustkrebs zu bekommen, ich schreibe die Zahlen auch alle in dem Buch, ist ja wahnsinnig gering.
Und ein wahnsinnig geringes Risiko, was etwas erhöht wird, ist immer noch ein sehr geringes Risiko. Aber die synthetischen Hormone wurden ja jahrzehntelang quasi wie wie, weiß ich nicht, wie Zuckerwatte verteilt. Also da wurde ja gar nicht drüber nachgedacht.
Und jetzt, weißt du, was ich meine, haben ja schon irgendwie 14, 15-jährige Mädels zack, zack, zack, Pille und so was, Haut, Haare, Lifestyle-Produkte. Das war ja gang und gäbe. So bin ich auch noch aufgewachsen als in-Between-Frau.
Alle haben die Pille bekommen. Obwohl da ja auch wirklich gravierende Nebenwirkungen zu erwarten sind. Deswegen hat die Pille trotzdem ihre Berechtigung und ist für viele Frauen auch ganz wichtig, auch etwas mit sexueller Selbstbestimmung der Frau zu tun.
Das ist alles überhaupt keine Frage. Das ist ein Medikament. Und da wurde nie drüber gesprochen.
Und jetzt bei den bioidentischen Hormonen oder bei der Verwendung Ersatzstoffe zu betan, als ob das wirklich der Enttäuschende ist. Obwohl wir ganz andere Sachen machen, die unser Risiko deutlich mehr steigern. Und das wissen wir.
Also die Zahlen gibt es.
[Nils Behrens] (29:09 - 29:31)
Also ich möchte nur abschließend zu dem Thema jetzt noch sagen, also wirklich, es lohnt sich sehr, auch deswegen auch nochmal dein Buch zu kaufen, weil du erklärst ja sehr genau auch, welche Mikronährstoffe, welche Phytotherapeutika eben halt auch wofür gut sind, also alleine dafür lohnt es sich auch nochmal tief reinzustellen. Da haben wir jetzt ja nur quasi die Oberfläche gekratzt. Du sprichst in deinem Buch auch von der Power der weiblichen Hormone.
Was meinst du damit genau?
[Dr. Judith Bildau] (29:33 - 30:48)
Weibliche Hormone, weibliche Sexualhormone haben eine wahnsinnige Kraft. Das sieht man daran, dass sie einfach schützend auf unseren ganzen Körper wirken. Also sie haben, sie schützen unser Herz-Kreislauf-System, sie schützen unsere Knochen, sie schützen unser Gehirn, also sie sind wirklich absolute Lifesavers.
Und deswegen muss man eben gucken, wenn die sich verändern, ist es ja ganz klar, dass sie auch einen wahnsinnigen Einfluss haben auf diese Kraft im positiven Sinne, wenn sich da was verändert hat, eine Auswirkung auf uns, auf unseren Körper, auf unsere Seele. Hormone, weibliche Hormone, sind extrem powerful. Oft sitzen die Frauen vor mir und sagen, ich wusste gar nicht, dass das alles von den Hormonen sein kann.
Weißt du, wenn sie irgendwie Brain Fog haben, bei Östrogenmangel, wenn sie keine Konzentration mehr haben, wenn sie Angst haben, ich habe Frauen, die haben Angst, dass sie einen Alzheimer entwickelt haben, weil sie wirklich aus der Tür gehen und sich nicht mehr erinnern, was sie eigentlich draußen wollten. Oder die Nadeln ihnen nicht mehr einfallen. Die haben wirklich Angst.
Und dann gleicht man das wieder aus und die sagen, ich bin wieder kognitiv da und wusste gar nicht, welche Kraft Hormone haben. Deswegen.
[Nils Behrens] (30:48 - 31:35)
Das war eine der großen Überraschungen, die ich im Rahmen von anderen Podcastgesprächen schon gelernt habe, ist ja, dass Frauen tatsächlich häufiger an neurodegenerativen Erkrankungen erkranken als Männer. Ich dachte, es liegt vielleicht daran, dass Frauen einfach älter werden im Durchschnitt, aber es ist tatsächlich, wenn man sich die Kohorte der 80-Jährigen anschaut, Frauen zu Männer, dann sind tatsächlich immer noch mehr Frauen betroffen. Der Grund ist genau das, was du sagst.
Das Schutzhormon des Gehirns ist tatsächlich das Östrogen. Interessanterweise haben dann die Männer aufgrund des Wandels von Testosteron zu Östrogen einen höheren Östrogen-Level als viele Frauen in dem vergleichbaren Alter. Die Power der weiblichen Hormone ist nicht zu unterschätzen und deswegen umso wichtiger, darauf zu achten, dass sie auch immer noch da bleibt.
[Dr. Judith Bildau] (31:36 - 32:49)
Wir kommen jetzt erst so dahinter. Das ist auch etwas, da gab es gar keine richtige Forschung zu. Jetzt fängt das so an.
Es gibt jetzt ein ganz tolles Ergebnis von Lisa Mosconi. Das ist eine Neuroscientist, ursprünglich Italienerin, aber arbeitet in Amerika. Nils, da wurde gezeigt, es wurde immer gedacht, die Östrogenrezeptoren im Hirn nehmen irgendwann ab, weil das Hirn irgendwann aufgibt.
Es kriegt kein Östrogen mehr. Dann nehmen die Rezeptoren hauptab und fertig. Jetzt hat sie mit einem Scan gezeigt, dass in der Post-Meno-Pause, also nach dem Wechseljahr, wo der Körper es eigentlich schon kapiert haben müsste, dass es kein Östrogen mehr gibt, steigt die Anzahl der Östrogenrezeptoren, weil das Hirn wirklich so rummert und so viel Östrogen wie irgendwie im Körper noch zirkuliert, will es Richtung Hirn ziehen.
Das ist eine ganz neue Erkenntnis, die wir haben und das wird auch einfach vieles verändern, was therapeutische oder auch präventive Maßnahmen angeht. Also das weibliche Gehirn ist extrem auf diese Sexualformel angewiesen.
[Nils Behrens] (32:50 - 33:02)
Wo wir gerade schon beim Gehirn sind, möchte ich mal kurz die Brücke schlagen zur mentalen Gesundheit. Du hast da ja in deinem Buch auch einen größeren Absatz zugeschrieben. Inwieweit spielt das in diesem Kontext eine Rolle?
[Dr. Judith Bildau] (33:03 - 35:02)
Ganz große. Ganz, ganz, ganz, ganz, ganz große Rolle spielt das. Das ist ein ganz großer und wichtiger Aspekt, die mentale Gesundheit der In Between Frauen.
wer hält so alles am Laufen. Das sind die Frauen.
Also gerade wenn es Kinder gibt, gerade wenn es Familie gibt, Frauen, das haben wir jetzt auch während der Corona-Pandemie gesehen, Frauen waren das Geschlecht, was wirklich das Management gemacht hat. Homeoffice, Kinder, Homeschooling. das wird immer so als selbstverständlich vorausgesetzt.
Oft geht es dann hinterher, wenn die Frauen wirklich in Burnout landen. So weit darf es einfach nicht kommen. Frauen sind auch häufig so veranlagt, dass sie sich sehr verantwortlich für alles fühlen.
Das ist auch etwas, worunter die mentale Gesundheit natürlich leiden kann. Es ist wirklich absolut fundamental, dass wir auf die Frauen aufpassen. Das empfinde ich als meine Aufgabe als Gynäkologin, dass ich nicht nur Eierstöcke und Fütterungsuntersuche, sondern wirklich auch gucke, wie geht es den Frauen mental.
Nur dann haben sie eine eigene Lebensqualität, sondern können auch in dem Maße für andere da sein, wie viele es auch einfach wollen. Aber Frauen vergessen ihre mentale Gesundheit oder ihre mentale Konstitution. Oft oder stellen sie hinten an.
Ich frage jede Patientin, wie geht es Ihnen? Wie ist die Blutung? Wie geht es Ihnen?
Das ist am Ende das absolut Wichtigste, egal in welcher Lebensphase.
[Nils Behrens] (35:04 - 35:20)
Es ist wie die Ansage im Flugzeug immer wieder. Erstmal muss man sich selbst die Sauerstoffmaske aufsetzen, bevor man anderen hilft. Ich glaube, das ist genau der Punkt, den viele Frauen vergessen.
Du hast genau diesen Punkt in deinem Buch mit drin, wo du sagst, selbst für Sorge ist kein Wellnesswochenende.
[Dr. Judith Bildau] (35:21 - 36:42)
Genau, das ist immer so das. Wenn ich am Wochenende einen Spa-Tag mache, das ist gut, das ist auch schön, aber das löst nicht natürlich die Grundprobleme, die oft in vielen Familien oder beruflichen Netzwerken herrschen. Das ist dann mal irgendwie, um den Cortisol kurzfristig runter zu kriegen, aber das sorgt natürlich nicht insgesamt für Entspannung, sondern es braucht tatsächlich mehr und ich möchte gerne die Frauen dazu ermutigen, nicht nur auf ihren Körper zu hören, sondern eben auch auf ihr psychisches Empfinden.
Gerade bei Frauen wird ja häufig gesagt, stell dich nicht so an oder das ist normal, das ist natürlich und da musst du durch, egal ob sie schwanger ist oder Schwangerschaftsübelkeit hat, egal ob sie in den Wechseljahren ist oder in-Between. Es ist immer so eine Durchhalteparole... Und ich wünsche mir, dass Frauen, da würde ich auch zu den Anwälten ihrer selbst werden und sagen, nein, also mein Körper ist mir wichtig, meine Seele ist mir wichtig und einmal zwölf Bahnen im Swimmingpool schwimmen reicht mir nicht, um körperlich und geistig gesund zu bleiben, sondern dann muss es mehr für mich geben, was am Ende ja auch allen Mitmenschen gut tut.
[Nils Behrens] (36:44 - 36:51)
Welche Veränderungen in Bezug auf Gewicht und Körperbild, wo du gerade beim Körper warst, sind denn sehr häufig und wie können die Frauen denn damit umgehen?
[Dr. Judith Bildau] (36:52 - 39:18)
Also zunächst gibt es Untersuchungen, dass Frauen in Between wahnsinnig wohl in ihren Körper fühlen. Also das ist von daher überraschend, weil man ja meinen könnte, wenn man jetzt Social Media denken würde, wie Social Media uns das oft vormacht, dass es um glatte Haut und flache Bäuche und keine Zellulite und erst recht kein Po oder sowas geht. So ist es nicht, sondern Frauen haben ein Friedenspakt mit ihrem Körper beschlossen.
Natürlich gibt es irgendwie was, was nicht gefällt und Frauen befahren und so weiter, aber es ist nicht mehr so allumfassend, dass man sich komplett richtig blöd findet dadurch, wenn der Busen ein bisschen hängt oder keine Ahnung, gegen Streifen, sondern Frauen in Between erkennen durchaus, was ihr Körper schon alles geleistet hat und wo er sie schon überall hingetragen hat. Also da ist eine größere Selbstzufriedenheit, was natürlich toll ist. Was jetzt das Gewicht angeht und das hat jetzt nichts, das ist mir nochmal ganz wichtig, nichts mit Size Zero zu tun oder irgendwelchen Modelmaßen, die alle Frauen haben sollen, aber wir wissen eben, dass durch den Abbau der Muskelmasse und auch durch die hormonellen Veränderungen langsam das Gewicht steigt.
Körpergewicht, wie gesagt, da geht es nicht um das tolle Foto oder die Instagram-Story, sondern da geht es einfach auch um Gesundheit. Und es geht einmal um das Körperfett, aber vor allem um das Bauchfett, wo wir eben auch wissen, durch viele hormonelle Umstellungen und Verlust der Muskelmasse usw. kommt es zu dem vermehrten Bauchfett und auch zum viszeralen Bauchfett.
Also nicht nur das, was man außen vielleicht als Rettungsträger so ein bisschen sieht, sondern auch was eben um die Organe geht. Und wir wissen, je mehr Bauchfett, je viszerales Bauchfett, desto höher das Risiko für kardiovaskuläre Erkrankungen oder auch Diabetes. Das heißt, um das jetzt wieder zurückzuspielen irgendwie, in between können wir schon anfangen, in das gesunde Älterwerden zu investieren.
Nicht nur irgendwie ärgern über das halbe Kilo mehr oder überhaupt die Kleidergröße mehr, okay, geschenkt, aber es als etwas zu sehen, das unser Körper Aufmerksamkeit braucht.
[Nils Behrens] (39:20 - 40:16)
Wenn du jetzt so das Thema Aufmerksamkeit auf den Körper dann so richtest. Es ist ja sehr häufig so, dass Frauen dazu tendieren, ich sage jetzt mal, Ausdauersportarten zu machen oder ich sage jetzt mal vielleicht auch noch so Yoga oder sowas, aber das, was ja die meisten Frauen scheuen, ist ja meistens echte Kraftarbeit, also wirklich womöglich auch noch mit Gewichten arbeiten, weil und jetzt kommt es, die meisten Frauen ja davor immer Angst haben, zu kräftig zu werden, also dann eben halt ihre feminine Figur zu verlieren. Und ich, der sehr häufig im Fitnesscenter ist, muss sagen, schaffe das erstmal. Also wirklich so das, was dann immer da als Angstbild vor Augen ist, das zu erreichen, das soll mir erstmal eine Frau vormachen, wie man das mal so eben en passant schaffen kann, dass man auf einmal einen riesen Oberarm oder riesen Oberschenkel oder ein breites Kreuz bekommt, aber gib doch mal eine Empfehlung in diesem Zusammenhang raus.
[Dr. Judith Bildau] (40:16 - 42:13)
Ich bin total froh, dass du das ansprichst, weil das ist für mich genau das, was ich immer sage. Wir haben Krafttraining, Frauen entspricht irgendwie nicht unserem Selbstbild. Wir sehen uns vielleicht eher so Fitnesskurse, Aerobik, das ist überhaupt gar nicht böse oder sowas, aber so sind wir irgendwie sozialisiert.
Also wir sehen uns nicht mit den schweren Hanteln. Was aber, wie du sagst, falsch ist, weil wir wissen eben, Abnahmemuskelmasse, das können wir mit Ausdauertraining, Joggen oder sowas, das reicht nicht. Also damit werden wir keine Muskulatur aufbauen.
Wir brauchen wirklich Muskeltraining, gezieltes Muskeltraining. Warum? Einmal Muskulaturaufbau bedeutet, die Muskulatur verbrennt.
Das heißt, unser Stoffwechsel funktioniert. Ich habe Frauen, die sagen, ich esse schon gar nichts mehr, dabei habe ich nichts verändert. Da ist oft das Problem, dass eben nichts verändert wurde, was einfach die Ernährungsweise angeht, was die Energieaufnahme, also die Kalorienaufnahme angeht.
Aber das Problem ist eben auch, und ich gehe auch ganz viel spazieren, das reicht eben nicht, sondern wir brauchen die Muskulatur, um den Stoffwechsel aktiv zu halten. Das ist das erste. Das zweite ist, dass unsere Knochen eine starke Muskulatur brauchen, um nicht in die Osteopenie oder in die Osteoporose zu rutschen, weil der Knochen wird zum Wachstum, zur Stabilisierung angeregt, wenn es durch die Muskeln hinzukommt.
Das hat was mit Scherkräften zu tun. Wir brauchen eine gute Muskulatur für unser ganzes Wohlbefinden und auch als Prävention ins Alter. Aber wie gesagt, es ist so, dass die Muskelmasse gegen Fettmasse eingepauscht wird, nicht erst mit 60, 70, was auch immer, so wie wir uns das vorstellen, sondern in unseren 30er.
[Nils Behrens] (42:15 - 42:56)
Ich glaube, das, was wirklich in dem Zusammenhang wichtig ist, zu sagen, ich bin jemand, der sein Leben lang ein Läufer war. Deswegen habe ich das Thema Beintraining immer vernachlässigt. Ich war gerade neulich wieder bei einer Bioimplantanzanalyse, also einer Zusammensetzung meiner Muskulatur und meines Körperfetts und allem Drum und Dran.
Ich habe alles im Oberkörper überdurchschnittlich entwickelt, nur meine Beine sind mittelmäßig oder durchschnittlich. Das, obwohl ich jetzt schon so lange laufe, weil ich eben genau das nicht getan habe. Man schafft es durch Laufen, durch Joggen und Radfahren, was ich auch viel mache, nicht die Muskulatur signifikant aufzubauen.
[Dr. Judith Bildau] (42:57 - 43:11)
Genau, auch Yoga reicht letztendlich nicht. Es ist toll, jede körperliche Bewegung ist super und wichtig. Aber was die Muskulatur angeht, muss es schon gezielter sein.
[Nils Behrens] (43:12 - 43:23)
Also, Frauen, ran an die Gewichte. Es lohnt sich, weil nur dadurch ist diese 1,3% Muskelabbau pro Jahr.
[Dr. Judith Bildau] (43:24 - 43:33)
Genau, wir nehmen kontinuierlich ab. Wir müssen wirklich richtig dagegen hauen. Wir müssen wirklich dagegen halten.
[Nils Behrens] (43:34 - 43:59)
Jeder, der mal sein Sparbuch vergessen hat und das dann wiederfindet, auf einmal nach 10 Jahren sieht, jetzt hat man da immer nur 1% oder 2% Zinsen drauf bekommen, dann sieht man ja, wie viel trotzdem durch den Zinseszins Effekt entsteht. Das funktioniert aber auch leider andersrum. Das heißt, minus 1,3% pro Jahr ist eben dann etwas, was einem ganz schön schnell in so eine Abwärtsspirale bringt.
Also, von daher, ich habe es schon gesagt, ran an die Gewichte.
[Dr. Judith Bildau] (44:01 - 44:09)
Genau. Und der beste Zeitpunkt ist jetzt. Das ist jetzt einfach auch präventiv.
Es gibt kein zu früh.
[Nils Behrens] (44:10 - 44:20)
Du hast jetzt das Thema Herzgesundheit eben auch nochmal in dem Zusammenhang angesprochen. Auch das ist ja etwas, worauf Frauen gerade in dieser In-Between-Phase auch besonders achten sollten.
[Dr. Judith Bildau] (44:21 - 45:44)
Ja, genau. Es beginnt einfach schon da. Wir entwickeln in der In-Between-Phase häufig durch diese relative Östrogenmangel, sondern ein verhältnismäßig zu viel Östrogen kann eine Insulinresistenz an die Zellen weniger empfindlich für Insulin machen.
Das bedeutet, dass Insulin wirkt so als Schlüssel, um den Zucker aufzunehmen und wenn die Zellen auf den Insulin nicht mehr reagieren, wird eben weniger Zucker aufgenommen. Das selbst bedeutet, dass wir häufiger einen hohen Blutzuckerspiegel haben. Das endet nicht zwangsläufig immer in einem Diabetes, in einer Blutzuckererkrankung, sorgt aber eben dafür, es ist so ein Kreislauf, dann gibt es mehr Bauchfett, dann steigt das Risiko eben auch für diese kardiovaskulären Erkrankungen.
Das alles beginnt eben schon früher und ist eben auch hormonell getriggert. Das ist das, worauf ich hinaus will. Einmal kann man die Hormone natürlich ausgleichen.
Das haben wir ja schon besprochen. Das geht gut. Aber das Zweite ist, dass wir auch unser Herz-Kreislauf-System stärken können, schützen können und den Widrigkeiten, die wir jetzt, wenn wir älter werden, uns begegnen werden.
[Nils Behrens] (45:47 - 45:55)
Es gibt in deinem Buch ja auch Rezepte und da muss man sich ja dann erstmal fragen, Hormonkarussell und Rezepte, wie passt das denn zusammen?
[Dr. Judith Bildau] (45:56 - 46:34)
Ja, das ist wieder das Phytopharmaka, das sind ja Mikronährstoffe und Ernährung. Wir haben ja ganz viele Stoffe auch in unseren Nahrungsmitteln. Wir haben uns so ein bisschen verlernt, Essen auch als Medizin oder Prävention zu sehen.
Da sind wir so abhanden gekommen. Es ist oft eine Nahrungsaufgabe, den Hunger zu stillen oder Genüsse zu stillen. Aber dass Essen auch wirklich therapeutisch wirksam sein kann, das haben wir so ein bisschen verloren, würde ich sagen.
[Nils Behrens] (46:35 - 46:36)
Hast du ein Lieblingsrezept?
[Dr. Judith Bildau] (46:37 - 47:33)
Ich habe vorhin noch mal reingeguckt, weil ich jede Woche eins daraus mache. Also ich schaffe das nicht komplett, das muss man auch, sich nur noch nach diesen Rezepten zu ernähren. Aber jetzt im Sommer und jetzt geht es um, wir haben jetzt letzte Woche mehrfach die Erbsen-Minz-Suppe gemacht.
Die ist ganz toll, ganz leicht und kannst du wirklich auch zwischendurch essen, wirklich. Kann man auch kalt essen, muss man auf keinen Fall warm essen. Was ich auch mag, ist die Tofu Bowl mit Soja-Creme.
Da gibt es auch, wenn man Soja nicht mag, kann man auch was anderes nehmen, da gibt es Soja-Alternativen. Aber auch die Bowls, die lieben sogar meine Mädels mittlerweile. Auch zwischendurch ein leichtes Rezept und wir arbeiten wirklich mit hormonell wirksamen Nahrungsmitteln.
Es macht Spaß.
[Nils Behrens] (47:36 - 47:50)
Ich komme schon zu meiner letzten Frage, Judith, auch wenn ich das Gefühl habe, wir können in jedem Bereich, den wir gesprochen haben, noch viel tiefer einsteigen, aber dafür gibt es ja auch noch dein Buch. Was ist die wichtigste Botschaft an die Frauen, die du gerade, die sich im Hormonkarussell oder im Between befinden, nach außen geben möchtest?
[Dr. Judith Bildau] (47:50 - 48:54)
Ich wünsche mir sehr, dass Frauen sich nicht damit zufrieden geben, dass, auch wenn es natürlich ist, es so bleiben muss oder gut für sie ist. Ich wünsche mir, dass Frauen es schaffen, darauf zu bestehen, adäquate Hilfe zu bekommen, beziehungsweise sich selbst Hilfe verschaffen können. Das ist wirklich auch mangelnd für die Zukunft, für die weibliche Medizin, dass Frauen eine fachlich fundierte und adäquate Therapie zuteil wird.
Im Between passiert ganz viel. Ihr seid nicht verrückt, ihr seid nicht schwach. Es ist gar nicht eure Schuld, weil ihr euch zu viel aufgeheizt habt, sondern es ist eine Zeit der beginnenden Umstellung und das merken viele Frauen.
Man kann etwas tun. Es gibt unterstützende Maßnahmen. Keine Frau soll leiden, weder im Between, noch in den Wechseljahren.
Das ist mein ganz großer Wunsch als Frau, als Mutter von Töchtern, als Ärztin.
[Nils Behrens] (48:55 - 49:06)
Ich sage vielen Dank für das Gespräch. Das Buch Raus aus dem Hormon Karussell ist erschienen im Griff in unser Verlag. Die waren mutig genug, es herauszubringen.
Es gibt es natürlich überall im Buchhandel. Ich sage danke fürs Gespräch.
[Dr. Judith Bildau] (49:07 - 49:10)
Ich danke dir, Nils. Es war mir eine sehr große Freude.
[Nils Behrens] (49:14 - 49:19)
Wir sind ja mitten in der Europameisterschaft. Bist du für Italien oder für Deutschland?
[Dr. Judith Bildau] (49:20 - 49:38)
Ich muss mich noch nicht entscheiden. Momentan kann ich noch für beide sein. Ich kann momentan zu beiden Mannschaften halten und mich immer freuen, wenn sie gewinnen.
Gestern in Italien, Nils, war ja eine absolute Zitterparty. Was meinst du, was hier los war? Zehn Sekunden war der Ausgleich.
[Nils Behrens] (49:38 - 49:43)
Verrückt. Ich war in einem italienischen Restaurant als das Tor fiel. Ich weiß, was da los war.
[Dr. Judith Bildau] (49:44 - 49:46)
Dann weißt du, was ich meine.