

Ernährung. Meine Quintessenz – mit Prof. Dr. Andreas Michalsen
Nils Behrens spricht mit Prof. Dr. Andreas Michalsen (Charité/Immanuel Krankenhaus Berlin) über das, was Ernährung wirklich wirksam macht – fernab von Hypes: vom Einfluss des Gehirns auf die Verdauung über Prä-/Pro-/Postbiotika bis zu Bitterstoffen, Salz, „ultrahoch verarbeiteten“ Lebensmitteln und smartem Gewichtsmanagement.
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Kopf & Bauch: Warum Rahmenbedingungen das Essen „mitverdauen“
Langsam essen, störungsarm, ohne Hektik – das klingt banal, ist aber physiologisch relevant. Stress aktiviert das Nervensystem, das Verdauungsprozesse tendenziell drosselt. Ein ruhiger Rahmen (Atemzüge, kurzer Spaziergang, Mini-Ritual wie sanftes Ohrläppchen-Kneten) kann helfen, achtsamer zu essen und Sättigungssignale besser wahrzunehmen.
Mikrobiom verstehen: Prä-, Pro- und Postbiotika
1. Präbiotika – die „Nahrung“ guter Darmbakterien
Ballaststoffe (löslich & unlöslich) sind die Basis. Sie kommen in allen pflanzlichen Lebensmitteln vor – nicht nur in Vollkorn. Gute Quellen unabhängig von Gluten/Getreide:
- Hülsenfrüchte (Linsen, Kichererbsen, Bohnen)
- Gemüse (z. B. Artischocke, Chicorée, Topinambur)
- Nüsse & Samen (Leinsamen, Chiasamen)
- Beeren & Kernobst (mit Schale)
2. Probiotika – lebende Kulturen
Fermentierte Lebensmittel (Joghurt natur, Kefir, Sauerkraut, Kimchi) liefern Milchsäurebakterien. Nahrungsergänzungen mit Bakterienstämmen können situativ sinnvoll sein (z. B. nach Antibiotika) – individuell beraten lassen.
3. Postbiotika – die nützlichen Stoffwechselprodukte
Darmbakterien bilden kurzkettige Fettsäuren & andere Metabolite. Diese Stoffe stehen im Fokus der Forschung. Praktisch heißt das: Präbiotika priorisieren, damit das Mikrobiom günstige Postbiotika bildet.
Praxis-Tipp: Beginnen Sie Mahlzeiten mit einem kleinen Teller bitterem Salat (Rucola/Endivie/Chicorée) in bitterem Olivenöl – das füttert das Mikrobiom, fördert Sättigungssignale und passt zu vielen Gerichten.
Ballaststoffe clever erhöhen – ohne „mehr Brot“
Viele reduzieren Getreide (Gluten/Low-Carb). Ballaststoffe gehen trotzdem: Hülsenfrüchte (auch als Pasta aus Linsen/Kichererbsen), Leinsamen/Flohsamenschalen, Gemüse.
Resistente Stärke: Abgekühlte Kartoffeln, Reis oder Pasta enthalten mehr „resistente“ Stärke; beim erneuten Erwärmen bleibt ein Teil davon erhalten.
Langsam essen, besser verdauen
Gründliches Kauen, kleine Bissen, bewusste Pausen – das unterstützt Sättigung und bekömmliche Verdauung. Einfache Routine: Besteck ablegen, wenn der Bissen im Mund ist. Zielzeit: mind. 15–20 Minuten für eine Hauptmahlzeit.
Leberfreundliche Ernährung – Zuckerfallen erkennen
Fruktose in konzentrierter Form (Softdrinks, Säfte, Sirupe) belastet die Leber stärker als Obst im Ganzen. Ganze Früchte bringen Ballaststoffe & sekundäre Pflanzenstoffe mit und sind Teil einer ausgewogenen Ernährung.
Bitterstoffe (z. B. Artischocke) und Ballaststoffe sind im leberfreundlichen Alltag beliebt.
Fasten & Intervallfasten – strukturiert statt extrem
Zeitlich begrenzte Esspausen (z. B. 12–16 Stunden über Nacht) können helfen, Essrhythmus & Achtsamkeit zu verbessern. Längere Fastenformen gehören in fachkundige Begleitung.
Kern bleibt: ausgewogene Kost in den Essfenstern und ausreichend Protein – besonders, wenn Gewicht reduziert wird.
Bitterstoffe & Sättigung – ein unterschätzter Hebel
Bittere Lebensmittel (Rucola, Radicchio, Artischocke, Grapefruit-Noten, hochwertiges Olivenöl) sind kulinarisch spannend. Viele Menschen empfinden: Vor der Mahlzeit Bitteres → früheres Sättigungsgefühl, bewussteres Essen.
Kaffee: Bitterstoffe im Alltag
Kaffee ist ein pflanzlicher Extrakt mit aromatischen Bitterstoffen. Wer Koffein meiden möchte, nutzt entkoffeinierten Kaffee – das Bitterprofil bleibt weitgehend erhalten. Zucker & Sirup reduzieren, um die Bitterkomponenten sensorisch zu erleben. Achten Sie aber auf individuelle Verträglichkeit.“
„Ultrahoch verarbeitet“ reduzieren – mehr Küche, weniger Additive
Produkte mit vielen Zusatzstoffen (Aromen, Emulgatoren, Süßstoffe, Farbstoffe) und starker Verarbeitung sind oft energiedicht und arm an Ballaststoffen. Orientierung: kurze Zutatenliste, erkennbares Grundnahrungsmittel, möglichst selbst kochen.
Salz: bewusst dosieren
Wurstwaren, Käse, Brot & Snacks liefern viel verstecktes Salz.
Strategien:
- Mehr frische Küche und Kräuter statt Salz.
- Kalium-reiche Lebensmittel (Gemüse/Obst) integrieren.
- Wer viel salzt: Kalium-salzhaltige Mischungen in Erwägung ziehen (mit Fachperson abklären).
Umweltaspekte: Mikroplastik & Schwermetalle im Blick
Fisch kann je nach Herkunft Spuren unerwünschter Stoffe enthalten. Pflanzliche Alternativen wie Algenöl (DHA/EPA) sind eine Option für Menschen, die den Fischkonsum reduzieren möchten.
Muskelpflege & Gewicht: sanft, stetig, stark
Krafttraining (Körpergewicht, Bänder, Geräte) erhält Muskelmasse – wichtig für Alltagskraft und Energiebedarf. Langsames, nachhaltiges Gewichtsmanagement (z. B. 0,5–1 kg/Monat) ist oft alltagstauglicher als Crash-Diäten.
Take Aways
- Achtsam essen: Stress runter, langsam kauen, Sättigung wahrnehmen.
- Mikrobiom pflegen: Präbiotika täglich (Gemüse, Hülsenfrüchte, Samen); Fermentiertes ergänzen.
- Fruchtzuckerquellen checken: Ganze Früchte bevorzugen, Säfte & Limos reduzieren.
- Bitter beginnt vor dem Hauptgang: Bitterer Salat/Olivenöl „öffnet“ die Verdauung kulturell – viele empfinden rascheres Sättigungsgefühl.
- Selbst kochen schlägt „ultrahoch verarbeitet“: Kurze Zutatenlisten, mehr Naturbelassenes.
- Salzbewusst würzen: Kräuter, Zitrus, Gewürze – und versteckte Salzquellen im Blick.
- Muskel zuerst: 2–3×/Woche Kraftübungen; ausreichend Protein einplanen.
- Sanft abnehmen: kleine, stabile Schritte statt radikaler Diäten.
- Pflanzliche Omega-3-Optionen erwägen, wenn Fisch reduziert wird.
- Kaffee bewusst genießen: Bitterstoffe als Teil des Aromas – Koffein nach Verträglichkeit.
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Prof. Dr. Andreas Michalsen ist Arzt und Forscher, der einen modernen Ansatz für Naturheilkunde und Lebensstilmedizin etabliert hat.
In seiner Arbeit stehen Ernährung, Fasten und Stressbewältigung im Fokus – er sieht chronische Erkrankungen wie Herz-Kreislauf-Leiden, Arthrose oder Diabetes zunehmend als Folge eines gestörten Lebensstils. Seine Strategie: statt allein symptombehandelnder Maßnahmen setzt er auf Ursachenbekämpfung durch gezielte Ernährung, bewusste Regeneration, Naturerfahrung und „Mind-Body“-Praktiken.
Andreas Michalsen plädiert dafür, natürliche Heilverfahren mit moderner Wissenschaft zu verbinden. Sein Ansatz ermutigt Menschen dazu, Gesundheit aktiv mitzugestalten – nicht erst bei Krankheit, sondern durch tägliche Entscheidungen, die Körper, Geist und Umwelt in Einklang bringen.
Mehr über Prof. Dr. Andreas Michalsen und zu seinen Büchern: https://www.prof-michalsen.de/
#005 Ernährung. Meine Quintessenz. Mit Prof. Dr. Andreas Michalsen
[Nils Behrens] (0:00 - 0:02)
Was sind denn andere gute Ballaststoffquellen?
[Prof. Dr. Andreas Michalsen] (0:03 - 0:10)
Also man kann es vielleicht andersherum definieren, in allen tierischen Produkten sind 0% Ballaststoffe.
[Nils Behrens] (0:10 - 0:11)
Okay.
[Prof. Dr. Andreas Michalsen] (0:11 - 0:14)
Ja, dann weiß man schon mal, wo es lang geht.
[Nils Behrens] (0:15 - 1:17)
Herzlich willkommen zu HEALTHWISE, dem Gesundheitspodcast präsentiert von Sunday Natural. Ich bin Nils Behrens und in diesem Podcast erkunden wir gemeinsam, was es bedeutet, gesund zu sein. Wir tauchen einem Themen wie Medizin, Bewegung, Ernährung und emotionale Gesundheit immer mit einem weisen Blick auf das, was uns wirklich gut tut.
Eine gesunde Ernährung ist der entscheidende Faktor für ein gesundes, langes Leben. Und trotz unseres vermeintlichen Wissens nutzen wir es scheinbar nicht. Ist unser Wissen falsch oder unsere Umsetzung?
Die Antwort weiß mein heutiger Gast. Professor Dr. Andreas Michalsen ist Internist, Ernährungsmediziner und Fastenarzt. Er ist Chefarzt der Abteilung Naturheilkunde im Immanuel Krankenhaus Berlin und Professor für klinische Naturheilkunde an der Charité.
Bekannt als Autor der Bestseller Heilen mit der Kraft der Natur und mit Ernährung heilen, publiziert und referiert er internationalen Bereich Naturheilkunde und Komplimentärmedizin. Sein neustes Werk Ernährung, meine Quintessenz, fasst die wichtigsten Erkenntnisse seiner Forschung und Praxis zusammen und deswegen sage ich herzlich willkommen, Professor Dr. Andreas Michalsen.
[Prof. Dr. Andreas Michalsen] (1:18 - 1:19)
Ja, hallo Nils.
[Nils Behrens] (1:20 - 1:22)
Lieber Andreas, wie wichtig sind dir eigentlich Sonntage?
[Prof. Dr. Andreas Michalsen] (1:23 - 1:45)
Heilig sind mir Sonntage. Also ich hatte ja meine Zeit, da musste ich dann immer Nachtdienste oder Sonntagsvisiten und solche Dinge natürlich machen in meiner Facharztausbildung und da habe ich jetzt gemerkt, wie schön das ist, so ein Sonntag, der dann wirklich Regeneration ist, Familie, die man für sich hat und insofern, der Sonntag ist super.
[Nils Behrens] (1:46 - 2:13)
Ich habe ja dein erstes Buch wirklich verschlungen und das war wirklich wie so ein kleiner Fan-Moment, als wir uns dann mal persönlich kennengelernt haben, muss ich da auch den Zusammenhang sagen und das zweite Buch fand ich zugegebenermaßen noch besser sogar und das dritte war dann wirklich etwas, wo ich sage, Mensch, dieses ganze Thema Ernährung, ich glaube, ich habe es in einem anderen Podcast-Gespräch, was wir schon mal aufgenommen haben, gesagt, dieses Thema, um sie mehrmals über Ernährung weiß, I'm still confused, but on a higher level und von daher hast du den Level auf jeden Fall noch mal deutlich nach oben gelegt.
[Prof. Dr. Andreas Michalsen] (2:13 - 2:15)
Ich habe es noch mal hochgeschraubt.
[Nils Behrens] (2:15 - 2:18)
Ja, muss man einfach so sagen. Was hat dich dazu inspiriert, dieses Buch zu schreiben?
[Prof. Dr. Andreas Michalsen] (2:20 - 2:56)
Ja, schon, dass es so viel Durcheinander gibt im Bereich der Ernährung. Das Ganze ist ja ein bisschen ein unübersichtliches Feld geworden. Jeden Tag gibt es hundert Ernährungsstudien, es gibt tausende von Influencern und da wird auch viel Unsinn, auch viel Gutes, aber auch viel Unsinn erzählt, den lieben langen Tag und ich habe ja täglich Patienten und Sprechstunden und merke, wie wichtig das ist, doch so eine Schneise da durchzuschlagen und das wollte ich einfach mit dem Buch und deswegen auch Quintessenz, also dass man sagen kann, okay, gibt hier eine Meinung, da eine Meinung, aber jetzt lass uns mal irgendwie Klartext reden, was ist denn jetzt echt das Fazit?
[Nils Behrens] (2:56 - 3:06)
Einer der ersten Kapitel fand mich so ein bisschen überrascht, weil da sprichst du über die Verbindung von Kopf und Bauch. Wie beeinflusst das Gehirn denn die Verdauung und warum ist das wichtig?
[Prof. Dr. Andreas Michalsen] (3:07 - 4:11)
Ja, ich, neben Ernährung beschäftigt mich ja auch die sogenannte Mind-Body-Medizin, also das kommt ja aus dem Amerikanischen und ist ja letztlich, sagen wir mal, die Übersetzung dessen, dass man sagt, der Chef in unserem Körper ist hier oben, das ist das Gehirn und das trifft auch für die, zumindest anteilig, für die Verdauung, für den gesamten Stoffwechsel zu, weil hier oben findet letztlich die Zentralsteuerung statt und das wird völlig vergessen in diesen ganzen Ernährungsdiskussionen, da redet man immer nur über Nährstoffe, Mikronährstoffe, alles wunderbar und wichtig, aber die Frage ist auch, wie ist das Setting, wie ist der Kontext, also wie esse ich, in welchem Rahmen esse ich und das war mir ganz wichtig, solche Themen auch mal zu bringen und zu sagen, langsam essen oder wenn man Stress hat, dann lieber warten, lieber 15 Minuten Entspannung machen, aber auch zu achten, dass dieser Genuss vom Essen auch auf ein ruhiges Setting trifft.
[Nils Behrens] (4:12 - 4:20)
Also ich hatte diese Woche schon eine Podcast-Aufnahme, da bin ich auf dem Weg zum Studio, weil ich hier keine Zeit hatte, hatte ich dann ein Brötchen auf dem Fahrrad gegessen. Du meinst, nicht ideal.
[Prof. Dr. Andreas Michalsen] (4:20 - 4:23)
Ich mache sowas auch, aber es ist nicht ideal.
[Nils Behrens] (4:25 - 4:44)
Okay, aber ich finde, du hast da eine ganz schöne Geschichte zu dem Thema Stress, weil wir alle kennen es ja, dass wir dann vielleicht mal gestresst sind oder gerade keine Zeit haben, nicht so viel Zeit, wie wir uns gerne nehmen wollen und hast du so einen schönen kleinen Hack, wie wir dann ganz kurz mal unseren Stress reduzieren können, dass wir einfach mal das Ohrläppchen kneten.
[Prof. Dr. Andreas Michalsen] (4:45 - 5:19)
Genau, weil da der Vagusnerv, das ist die einzige Stelle, wo der Vagusnerv und das ist ja die Schallzentrale, das ist der Datenhighway, so muss man sagen, da passiert die ganze Kommunikation und die einzige Stelle am Körper, wo man da rankommt, ist das Ohr und das Spannende ist, genau, das ist der Hack und es gibt ja das Qigong im Chinesischen, diese meditative Bewegungsform und da ist das auch ein ganz wesentlicher Teil, dass man sich da beide Ohrläppchen massiert und da dachte ich, oha, jetzt schließt sich der Kreis.
[Nils Behrens] (5:20 - 5:23)
Also einmal ein bisschen Ohrläppchen massieren, bevor man anfängt Stress zu essen.
[Prof. Dr. Andreas Michalsen] (5:23 - 5:23)
Genau.
[Nils Behrens] (5:23 - 6:05)
Fand ich wirklich super, habe ich lustigerweise heute schon direkt mal umgesetzt und ich habe mich da ein bisschen gefühlt, wie es gibt auch diesen Film Ziemlich Beste Freunde und da gehen sie dann ja auch zu zwei Prostituierten und die dürfen ja dann nur die Ohrläppchen massieren. Von daher war das das einzige erogene Zone zu sagen, die eine Rolle bei ihm spielt, fand ich in dem Zusammenhang wirklich lustig. Wo wir dann aber schon beim Bauch sind, redest du ja auch über das Mikrobiom und da hast du so verschiedene Bereiche, die du da hast und ich finde das ganz schön, wenn wir vielleicht einmal ganz kurz, weil von wem könnten wir sie besser definieren lassen als von mir?
Du sprichst von Präbiotika, Probiotika und das, was vielleicht noch viele noch nie gehört haben, Postbiotika.
[Prof. Dr. Andreas Michalsen] (6:05 - 7:04)
Genau. Ja genau, das ist echt wichtig, das zu unterteilen, weil dann versteht man auch, ja was vielleicht Gutes zu essen. Präbiotika ist das, was unsere Darmbakterien füttert, die guten Darmbakterien sollen es sein.
Gefüttert wird ja alles, also man kann natürlich auch Chips essen und dann füttert man andere Bakterien, als wenn man jetzt irgendwie eine Linsensuppe zu sich nimmt. Das ist der ganze Bereich der Präbiotika und das wichtigste Präbiotikum, das muss ich schon gleich raushauen, das sind natürlich die Ballaststoffe. Also all das, was Vollkorngetreide auszeichnet.
Dieser blöde Begriff Ballaststoffe, der natürlich auch verhindert hat, dass man die in ihrem Wert eigentlich früh genug wertgeschätzt hat, weil man den Ballast, weil eben nicht daraus zuckergleich gemacht oder gar nicht gemacht werden kann. Und dieser Ballast, das ist das Futter für die Bakterien.
[Nils Behrens] (7:05 - 7:27)
Entschuldige, ich möchte da mal ganz kurz rein, weil das finde ich ist immer so das naheliegendste. Alle sagen Ballaststoffe und dann ist man beim Vollkorngetreide. Das ist ja aber nicht die einzigen Ballaststoffe, die man so zu sich nehmen kann, weil es gibt ja genügend Menschen, die sich glutenfrei ernähren müssen oder die eben halt auf Low Carb gehen oder sonstige Sachen.
Das heißt also, was sind denn andere gute Ballaststoffquellen?
[Prof. Dr. Andreas Michalsen] (7:28 - 7:35)
Also man kann es vielleicht andersherum definieren. In allen tierischen Produkten sind 0% Ballaststoffe.
[Nils Behrens] (7:35 - 7:35)
Okay.
[Prof. Dr. Andreas Michalsen] (7:36 - 7:49)
Dann weiß man schon mal, wo es lang geht. Und in allem anderen, also in allen Pflanzen sind Ballaststoffe, also in Obst und Gemüse. Das ist ja auch der Grund, weshalb ein Apfel gesund ist, aber ein Apfelsaft nicht gesund ist.
[Nils Behrens] (7:49 - 7:52)
Du hast mir letztes Mal in unserem Gespräch schon den Orangensaft zum Frühstück vermiest.
[Prof. Dr. Andreas Michalsen] (7:52 - 8:29)
Ja genau. Ja doch, mache ich mit der Orange weiter. Das sind wahnsinnig gute Ballaststoffe, Hülsenfrüchte und so weiter. Alles Gemüse letztlich und alles Obst, alles was pflanzlich ist.
Ja genau, das sind die Präbiotika, also davor. Dann kommen die Probiotika. Das ist so ein bisschen derzeit so ein Kapitel, wo man sagt, so ganz genau wissen wir es irgendwie noch nicht.
Also dass man Bakterien oder Mikroorganismen zu sich nimmt, eingerührt als Pulver oder als Tablette.
[Nils Behrens] (8:29 - 8:32)
War ja eine Zeit lang ganz modern auf Joghurts draufzuschreiben, dass sie voll von Bakterien sind.
[Prof. Dr. Andreas Michalsen] (8:32 - 9:39)
Genau, Joghurt ist das klassische probiotische Nahrungsmittel oder Kefir, Ayran und was es alles gibt. Fermentiertes Gemüse, da sind ja auch schon die Lactobacillen drin. Das ist auch alles gut.
Also diese Nahrungsmittel sind nachgewiesenermaßen alle fermentierte schon gesünder als nicht fermentierte. Aber mit den Pillen sind wir noch nicht am Ziel. Also es zweifelt keiner, dass man damit was beeinflussen kann.
Jetzt z.B. eine Durchfallerkrankung, Reisekrankheit oder so. Das weiß man schon heute. Oder nach Antibiotikabehandlung.
Nach Antibiotika oder bei Reizdarm. Aber man hat natürlich große Hoffnung richtige schwere Erkrankungen damit zu behandeln. Aber letztlich weiß noch keiner, wie kriegt man es hin, dass dieses Bakterium, was ich da jetzt schlucke, dass sich das auch ansiedelt.
Also das nützt nichts, wenn ich das schlucke und dann rauscht das in die Toilette. Also ich muss irgendwie auch den Darm empfänglich dafür machen. Und an der Stelle ist man heute, und ich glaube, das dauert noch ein paar Jahre, bis man da wirklich präzise das machen kann.
Und vor allem, dass es auch bleibt.
[Nils Behrens] (9:40 - 10:15)
Also ich habe das immer wieder festgestellt. Man unterscheidet im Darm ja zwei große Bakterienstämme, die Firmikuten und die Bakterioiden. Normalerweise soll man ausgeglichen sein mit Tendenz zu mehr Bakterioiden, wenn ich das richtig weiß.
Ich habe 80%, 82% Firmikuten. Das heißt also, normalerweise, wenn man sich das anschaut, würde man denken, ich ernähre mich nur von Weißmilch und Zucker. Das tue ich nicht.
Jetzt hier ein kleiner Disclaimer. Und dann habe ich eine Zeit lang dann eben auch tatsächlich Probiotika dazu supplementiert. Und irgendwann war dann der Wert besser.
Habe ich sie wieder abgesetzt, fahre ich wieder zurück auf 82 %.
[Prof. Dr. Andreas Michalsen] (10:16 - 10:48)
Das ist sozusagen diese ungünstige Resilienz, die der Darm hat. Das Gleiche passiert ja meistens auch bei diesem Stuhltransfer. Das ist ja diese Therapie, wo man den Stuhlgang, also von einem Menschen den guten Stuhlgang, also die Bakterien zum anderen überträgt.
Das ist gar nicht so wild, wie sich das anhört. Aber da ist meistens auch drei bis sechs Monate später ist der Effekt wieder weg. Also das ist das Problem.
Genau, das siedelt sich nicht an. Dazu muss wohl noch mehr Boden bereitet werden, dass die sich ansiedeln.
[Nils Behrens] (10:48 - 10:54)
Ich werde das beim nächsten Mal jetzt mit anderen Stuhlversuchen. Was ist denn dann das Postbiotika? Weil ich glaube, das werden die wenigsten wissen.
[Prof. Dr. Andreas Michalsen] (10:55 - 13:15)
Postbiotika ist sozusagen das, was diese Bakterien alle produzieren, den lieben langen Tag herstellen. Und das ist eine sensationell große Chemiefabrik letztlich. Also die Bakterien selber, da denken wir ja immer nur, Bakterien sind ja ein bisschen spooky und dann kriegt man da eine Infektion.
Aber Bakterien produzieren die ganze Zeit Botenstoffe, Substanzen, die gut oder schlecht sind für uns. Und das hat man erst vor ein paar Jahren festgestellt, dass das eigentlich das Entscheidende ist. Also nicht, dass das Bakterium da irgendwie jetzt in die Darmwand beißt und da irgendwas kaputt macht, sondern es produziert Stoffe, die eine Fettleber auslösen können oder aber die unser Immunsystem stärken.
Und das ist ein Dschungel. Also derzeit sind alle fürchterlich aufgeregt über dieses Thema, weil es wirklich sehr, sehr komplex ist. Aber zum Beispiel hat man da verstanden, Eier sind so ein Beispiel, finde ich, das ist total spannend.
Mein Eier hat man lange Zeit geglaubt, die sind total ungesund, weil sie Cholesterin enthalten. Und irgendwann hat man gemerkt, das stimmt alles gar nicht. Also dieses Nahrungscholesterin, das ist nicht bedeutend.
Trotzdem haben Eier nie so überzeugt, also sie sind jetzt vielleicht auch nicht ganz schlimm, aber sie sind einfach auch nicht gesund, obwohl sie ja viel Wertvolles haben, Protein. Und dann hat man irgendwann festgestellt, dass dieses Lecithin, was ja eigentlich einen guten Ruf hat, was in den Eiern ist, das wird dann von den Darmbakterien umgebaut zu einem sehr, sehr ungesunden Stoff, TMAO. Also der entsteht erst im Bauch.
Und jetzt kommt das Verrückte an dieser Studie, die hat mich wirklich geflasht, muss ich sagen. Da hat man den Menschen Antibiotika gegeben und dann haben die Eier nicht mehr zur Produktion dieses TMAO geführt. Jetzt kann es natürlich nicht die Konsequenz sein, dass man ein Frühstücksei isst und eine Antibiotika.
Aber das illustriert ein bisschen, wie verrückt, wie komplex das Ganze ist und warum wir wirklich auch manchmal das alles noch nicht so genau verstehen. Aber Postbiotika, das ist, glaube ich, das ganz große Thema. Und das Beste, was man einfach tun kann, ist präbiotisch die richtigen Bakterien schon mal anzufüttern, dann passiert auch postbiotisch nichts Schlimmeres.
[Nils Behrens] (13:15 - 13:48)
Also wenn ich das nur nochmal einmal kurz zusammenfassen kann. Im Grunde genommen ist die Reihenfolge, wenn man sich das überlegt, fast falsch. Man kann sagen, durch die Probiotika kommen die Bakterien erstmal rein in den Darm.
Die werden durch die Präbiotika gefüttert und das, was sie dann ausscheiden, sind die Postbiotika. Exzellent. Ich habe es verstanden.
Okay, ausgezeichnet. Das heißt also, die große Hoffnung ist jetzt im Augenblick, dass man, wenn man das Thema Postbiotika besser entschlüsselt hat, dass man dann eben halt auch idealerweise dann vielleicht besser entschlüsseln kann, was Prä und…
[Prof. Dr. Andreas Michalsen] (13:48 - 14:17)
Genau. Und wir kommen dann auch in diese Präzisionsmedizin rein. Also es kann sein, dass wir beide das gleiche Nahrungsmittel essen und bei mir werden irgendwelche ungünstigen Stoffe produziert und bei dir günstige.
Das ist allen klar. Ich versuche schon auch generelle Regeln natürlich für die Ernährung für mich und auch für alle irgendwie zu entwickeln und zu empfehlen. Aber am Ende wird es schon auch immer individuell.
[Nils Behrens] (14:17 - 14:59)
Am Ende ist jeder individuell. Weil ganz interessant, ich hatte da jetzt einige Fragen bei einem Gespräch, was ich hier hatte, zu einem Glucosemonitor, den ich getragen hatte, Zeitlang. Und ich sagte, dass dann der Sushi-Reis bei mir extrem spiked und meine Gesprächspartnerin auch.
Und da hat mich jetzt jemand gestern darauf angesprochen und hat gesagt dann so, naja, aber wenn das dann so ungesund wäre zu spiken, warum sind dann die Asiaten, die viel Reis essen, warum leben die dann so lange? Da habe ich nur gesagt, naja, weil die wahrscheinlich nicht die gleiche Glucosoreaktanz haben wie ich oder vielleicht doch oder sind das gewöhnter. Ich weiß es nicht.
Also ich finde, da jetzt einfach nur so einen Schlüssel daraus zu ziehen und zu sagen, Reis ist schlecht, nur weil es spiked bei mir. Also dafür hat man ja den Monitor, weil es eben halt auch bei jedem unterschiedliche Glucosoreaktionen gibt.
[Prof. Dr. Andreas Michalsen] (15:00 - 15:55)
Da sind natürlich zwei Punkte, die mich auch umtreiben. Das eine ist natürlich die Frage, ja, ist es wirklich so schlimm, wenn es mal einen Spike gibt? Also diese etwas provokante Frage stelle ich mir auch.
Ich meine, das macht jetzt seit einem Jahr, sagen wir mal, ist das Glucose-Bashing ja in vollem Gange, weil wir das jetzt messen können und sehen können. Und natürlich ist es nicht gut, einen dauernden, sehr hohen Ausschlag zu haben. Das ist schon klar und vor allem, wenn man zuckerkrank ist.
Aber andererseits gibt es einfach auch Insulin. Also das ist, ich glaube, muss man auch gucken. Und bei Reis, bei Sushi-Reis, da wird es natürlich besonders verrückt eigentlich, weil im Prinzip ist das ja erkalteter Reis, der resistente Stärke hat, der eigentlich gar nicht zu so einem hohen Peak führen dürfte, wie ein frisch gekochter Reis.
Also Fragen über Fragen.
[Nils Behrens] (15:55 - 16:08)
Total, total. Und deswegen sage ich ja auch immer wieder so, also wirklich so kategorische Aussagen zu treffen, wie sie dann eben halt schnell, wie du sagst, auf TikTok oder anderen Sachen so getroffen werden und solche groben Vereinfachungen, so das ist richtig, das ist falsch.
[Prof. Dr. Andreas Michalsen] (16:08 - 16:13)
Fürchterlich. Da könnte ich mich auch den ganzen Tag aufregen drüber. Aber es ist ja nicht gesund, sich aufzuregen.
[Nils Behrens] (16:13 - 16:37)
Tun wir jetzt nicht, weil wir haben ja schon gesagt, wir sollen nicht in Stress kommen. Aber dann schlägt uns das eben vielleicht auf die Leber, nämlich jetzt mal als ganz schlechte Übergangsbrücke, um an dein Kapitel Lebergesundheit rüber zu gehen. Du hast nämlich tatsächlich dich auch sehr in deiner Forschung eben halt mit der Leber beschäftigt und da hast du ein paar Faktoren, die für eine gesunde Leber sorgen.
[Prof. Dr. Andreas Michalsen] (16:37 - 16:49)
Ja genau, die Leber ist einfach ein Problembär geworden. Also wir haben ja inzwischen 25 Prozent der Bevölkerung in Deutschland eine Fettleber.
[Nils Behrens] (16:50 - 16:51)
Die teilweise nicht alkoholisch ist.
[Prof. Dr. Andreas Michalsen] (16:52 - 17:53)
Die inzwischen überwiegend nicht alkoholisch ist. Nur durch Fehlernährung, Überernährung. Und früher, ja in meiner internistischen Ausbildung, da hat das keinen interessiert.
Da hat mir mein Ultraschallkopf da immer hingemacht, der andere war das weißlich und nicht mehr so grauer. Und Fettleber hat man Steatosis Hepatitis notiert und ja, vergiss es. Und heute weiß man halt, dass das schon brisant ist, dass da eine Leberentzündung, eine Leberzirrhose entstehen kann, dass das den Diabetes triggert.
Für mich eine der, sagen wir mal, verrücktesten Wirkungen einer Fettleber ist, Sport ist ja gut und Bewegungstraining. Aber die gute, die gesunde Wirkung von Sport auf unseren Körper wird durch eine Fettleber blockiert. Also zum Beispiel ein Diabetes Typ 2, in der Sie jetzt sagen, Mensch toll, ich gehe jetzt irgendwie aerobisch trainieren, dann hat er sehr viel weniger Benefit-Nutzen davon, wenn er eine Fettleber hat, als wenn er keine Fettleber hat.
[Nils Behrens] (17:53 - 17:58)
Das ist immer wieder dieses Zeichen, wenn das Kind erstmal richtig im Brunnen gefallen ist, dann kriegt man es auch ganz schön schwer wieder raus, oder?
[Prof. Dr. Andreas Michalsen] (17:58 - 18:15)
Genau, genau. Und deswegen, genau, das ist genau der Punkt auch, auf den ich hinaus will. Und deswegen, sagen wir mal, bin ich inzwischen absolut überzeugt, aber auch auf Datenbasis, die Fettleber, die muss man angehen und die kann man am besten erstmal durch eine radikale Maßnahme letztlich angeben.
[Nils Behrens] (18:15 - 18:22)
Raus damit. Was ist die radikale Maßnahme? Raus damit, ja genau.
[Prof. Dr. Andreas Michalsen] (18:22 - 19:25)
Eine Fastenkur. Also, es gibt schon auch Leberdiäten, da wird dann weniger Fruchtzucker, ganz wichtig, Fruchtzucker ist wirklich ein übler Spieler in diesem Bereich, weil er nicht über Insulin verstoffwechselt wird, sondern direkt in die Leber marschiert. Deswegen ist es eben auch nicht gut, Limonaden oder auch eben leider Fruchtsäfte in großer Menge zu trinken.
Aber am wirkungsvollsten ist es tatsächlich zu fasten. Man kann, wenn man insgesamt eine Dauer des Fastens von 20 Tagen plant, nicht am Stück, muss ich jetzt sagen, dann ist die Fettleber weg. Also, bei 10 Tagen ist sie halbiert, bei 5 Tagen ist sie geviertelt.
Und das ist für mich sozusagen die wichtigste Maßnahme, wenn ich gegen das Fasten spreche. Also, 4 mal 5 Tage oder 2 mal 10 Tage oder 1 mal 10, 2 mal 5, wie auch immer. Aber gucken, in einem Jahr oder in anderthalb Jahren, das zu machen.
[Nils Behrens] (19:25 - 19:29)
Und da reden wir aber über richtiges Fasten. Du bist ja auch ein großer Anhänger vom Intervallfasten.
[Prof. Dr. Andreas Michalsen] (19:29 - 20:32)
Ja, das ist das richtige Fasten bzw. die Fasting-Mimicking-Diet, also dieses Scheinfasten, wo man ein bisschen mehr essen kann. Das bringt auch schon was.
Das bringt auch schon was, ja. Und das ist wirklich die wichtigste Aufgabe erstmal. Und dann, wie gesagt, dann kommen natürlich die anderen Dinge, dass man ja, Bitterstoffe sind sehr, sehr gut, Ballaststoffe sind sehr, sehr gut.
Fruchtzucker reduzieren. Aber Fruchtzucker reduzieren, übrigens auch nochmal ein Punkt, der wird von wahnsinnig vielen Leuten irgendwie falsch wiedergegeben. Fruchtzucker reduzieren nur, wenn er zugesetzt oder konzentriert ist.
Weil viele Leute sagen, ach, aber ein Diabetologe hat gesagt, ich darf kein Obst mehr essen. Das ist Quatsch. Weil im Obst sind eben die Ballaststoffe mit dabei.
Da ist die Schale dabei mit Quercetin und Fisetin und allem, was da drin ist. Das ist dann gesund. Geht nur um, Apfelmus ist nicht gut oder Apfelsaft vor allem.
Apfelmus auch nicht, okay. Naja, Apfelmus natürlich deswegen, weil da natürlich, ja, meistens ist ja auch noch Zucker zugesetzt.
[Nils Behrens] (20:32 - 20:33)
In meinem nicht.
[Prof. Dr. Andreas Michalsen] (20:33 - 21:09)
Ah, okay, ja, dann ist es schon mal besser. Aber es ist trotzdem suboptimal. Weil wenn man keine Schale und man kaut nicht, da kommt wieder dieser Zeitfaktor.
Also, das haben wir vorher schon besprochen. Wann immer wir etwas in konzentrierter Form zu uns nehmen, flutet es schneller an. Und bei dieser ganzen Blutzuckerdiskussion ist eine Sache wirklich auch richtig und wichtig.
Die Zeit spielt eine Rolle. So ein Peak ist nicht gut. Wenn ich jetzt aber das schön mit viel Ballaststoffen verkleide, dann wird der Zucker gar nicht so schnell rausgelöst und dann schadet es auch nicht mehr so.
[Nils Behrens] (21:09 - 21:18)
Ja, ja, aber deswegen bist du ja auch kein großer Fan von Smoothies. Weil ja, da ist ja eine Theorie. Habe ich da ja auch den ganzen Apfel reingeschmissen.
Aber da ist dann der Zeitfaktor dann auch wahrscheinlich.
[Prof. Dr. Andreas Michalsen] (21:19 - 21:42)
Genau, also ich finde Smoothies auch lecker. Und ja, den Orangensaft, den hatte ich ja schon mal vermisst. Aber es ist dieses triviale Beispiel.
Ein großes Glas Orangensaft, ja, zwei, drei Orangen. Und das geht. Morgens, ja schön, ist erfrischend.
Wer isst denn drei Orangen zum Frühstück? Das schaffen wir halt nicht. Genau das ist der Punkt.
[Nils Behrens] (21:43 - 21:46)
Also ich hatte heute Morgen Apfel, du meinst da Haken drin. Ja.
[Prof. Dr. Andreas Michalsen] (21:47 - 21:47)
Sehr gut.
[Nils Behrens] (21:48 - 22:08)
Den habe ich zugegebenermaßen, aber ich sage mal normal, für mich normale Geschwindigkeit gegessen. Du hast ja dich auch in deinem Buch noch mal sehr stark mit dem Thema hastiges Essen auseinandergesetzt. Wir hatten es jetzt eben gerade schon so ein bisschen, schon mal das Thema gestriffen.
Aber nichtsdestotrotz wäre es doch noch mal ganz schön zu sagen, vielleicht einfach mal zu sagen, welche Vorteile es auch hat, langsam zu essen.
[Prof. Dr. Andreas Michalsen] (22:09 - 23:56)
Nur Vorteile. Also mich haben da zwei japanische Studien sehr, sehr beeindruckt. Die zeigten, das eine habe ich mir schon gedacht, wenn man die gleiche Speise in zwei Gruppen anbietet und die eine soll das eben hastig Kauen und so mit großen Stücken einfach runter würgen und die andere Gruppe soll mindestens eine Minute lang das fein mahlen und Kauen, dann sieht man im Blut, im Blutzuckeranstieg, in der Sättigung, dann sieht man da völlige Unterschiede.
Und das Spannendste ist, wenn man langsam isst, dann entsteht mehr Wärme im Bauch. Also eine bessere Durchblutung, mehr Wärme im Bauch. Das ist auch sensationell.
Bevor es irgendwelche Laborversuche gab, hat das Pfarrer Kneipp schon postuliert. Er sprach von der Lebenswärme und der Verdauungswärme, dass das ganz, ganz wichtig ist. Und die fördert man.
Und warum ist das gut? Viele Menschen haben Übergewicht und wollen abnehmen. Und wenn da in dem Bauch Wärme entsteht, wird Energie verbraucht, Energie verbrannt.
Also die Verdauung wird besser wegen der Durchblutung. Die Nährstoffe werden besser aufgenommen und man nimmt ab. Und der Clou der zweiten Studie, haben sie es nicht mal mit dem Kauen gemessen, sondern sie haben schon passierte Nahrung, sozusagen flüssige Nahrung, angeboten.
Und die eine Gruppe sollte das nur im Mund so eine Minute lang hin und her schwenken und schmatzen. Und auch da war sozusagen die Nährstoffaufnahme verbessert und kam es zu mehr Energieverbrauch. Also das lohnt sich echt.
Ich kann besser darüber reden, als es selber praktizieren, muss ich an der Stelle auch mal gedenken.
[Nils Behrens] (23:56 - 24:10)
Ich finde es kommt darauf an, was man isst. Also ich kann manche Sachen ganz gut langsam essen. Was ich leider gar nicht langsam essen kann, ist Pasta.
Ich weiß auch nicht warum. Also Pasta kauen habe ich große Probleme mit. Wahrscheinlich, weil sie nicht al dente genug ist.
Vielleicht liegt es daran.
[Prof. Dr. Andreas Michalsen] (24:10 - 24:26)
Genau. Da wäre jetzt der Punkt gekommen. Bei Pasta ist ja das Gute, dass die Hartweizengrießpasta zu einem geringeren Blutzuckeranstieg als irgendwelche Eiernudeln oder eben nicht Hartweizengrießnudeln führen.
[Nils Behrens] (24:27 - 24:29)
Für dich, der mit Spätzle groß geworden ist, ist das natürlich auch eine harte Botschaft, oder?
[Prof. Dr. Andreas Michalsen] (24:30 - 25:01)
Ja, aber meine Frau kommt aus Italien. Ich bin italienisiert inzwischen und genieße es. Und eben Hartweizen, Granoduro.
Da kann man übrigens ja auch einen Test machen. Wenn man ein Brötchen kaut, ein Weißmehlbrötchen, dann wird das ja süß nach 10 oder 20 Sekunden. Weil die Enzyme im Mund, die Amylase, löst den Zucker raus.
Jetzt macht man Granoduro al dente natürlich. Und dann kaut du das mal 30 oder 60 Sekunden. Das wird nicht süß.
[Nils Behrens] (25:02 - 25:17)
Wobei, du hast ja in deinem Buch auch Long Live der Nudelsalat sozusagen einen Hoch auf den Nudelsalat gegeben. Und der wiederum, der dann mal abgekühlt ist. Also ich glaube, Nudelsalat al dente macht das deine Frau?
[Prof. Dr. Andreas Michalsen] (25:18 - 25:44)
Nee. Nee, ne? Die sind doch dann schon weich. Die sind dann weicher, ja. Aber man kann nicht alles haben. Aber die zwei Dinge muss man sich merken.
Je mechanisch härter es ist, desto besser. Und wenn es natürlich erkaltet, auch das Sushi oder die Kartoffeln, dann wird kristallisiert. Und dann wird es auch nicht mehr gut vertaulich.
Also das sind die beiden Möglichkeiten, wie man bei Kohlenhydraten ein bisschen was regeln kann.
[Nils Behrens] (25:45 - 25:55)
Ich fand das aber wirklich ganz spannend, weil ich hätte dann gedacht, dass die schlüssellich immer erkalten. Aber wenn man es dann wieder erhitzt, dann bleibt trotzdem die positivere Wirkung sozusagen.
[Prof. Dr. Andreas Michalsen] (25:55 - 26:11)
Genau. Das ist, wenn die Struktur zerstört ist. Das ist ähnlich, wie wenn man einen schönen Wollpullover bei 40 Grad wäscht.
Wenn der einmal auf ruiniert ist, dann nützt es auch nicht, wenn man nächstes Mal mit 20 Grad wäscht.
[Nils Behrens] (26:13 - 26:37)
Wir reden über das Thema Ernährung. Und wahrscheinlich gibt es genügend Leute, die jetzt erwarten, dass sie ein paar Tipps bekommen, wie sie ihr Übergewicht bekämpfen können. Oder aber, vielleicht sagt der eine oder andere, auch das bisschen Übergewicht ist ja gar nicht so schlimm.
Es gibt ja immer mal wieder so Studien, wo dann steht, dass die etwas fülligeren Menschen auch länger leben. Nichtsdestotrotz, du sagst ja ganz klar, dass die Bekämpfung des Übergewichts wichtig ist.
[Prof. Dr. Andreas Michalsen] (26:37 - 27:19)
Ja. Zwei Aussagen sind wichtig. Keiner soll dauernd Schuldgefühle haben oder sich schlecht fühlen, wenn er ein bisschen Übergewicht hat.
Aber dieser Begriff Wohlfühlgewicht ist nicht richtig. Also das ist schon von den Zahlen relativ klar. Das können nur kleine Probleme sein.
Aber die Probleme werden eben zahlreicher, wenn man Übergewicht hat. Und deswegen, ich möchte es mal positiv formulieren, möchte ich immer motivieren und ermutigen, das nicht nur so zu akzeptieren, sondern sagen wir mal mit Freude oder mit Neugierde zu sagen, ich gucke mal, ob sich das nicht verbissen und nicht sein ganzes Leben Diäten machen. Das ist Unsinn.
Aber gucken, ob man das nicht wieder wegkriegt.
[Nils Behrens] (27:19 - 27:23)
Man sagt ja immer, man sollte seine Ernährung auf das umstellen, was man auch durchhalten kann.
[Prof. Dr. Andreas Michalsen] (27:23 - 28:30)
Genau. Genau. Deswegen haben Diäten eigentlich keinen Sinn.
Ich denke, das ist auch inzwischen allgemein akzeptiert. Es gibt halt ein Problem. Das ist auch etwas, das verstehe ich auch sehr gut.
Das treffe ich jeden Tag an in den Gesprächen, in meiner Sprechstunde. Die Kilos kommen ja nicht über Nacht. Die bauen sich auf.
Aber dann kommen irgendwann Probleme, eine Arthrose oder Diabetes oder Blutdruck. Dann sind ja schon zehn oder zwanzig Kilo drauf. Und dann fühlt man sich auch vielleicht kosmetisch nicht so wohl.
Und dann wächst der Entschluss so. Jetzt muss was passieren. Und dann ist man ungeduldig.
Und in dem Moment möchte man natürlich, dass das ganze Ding innerhalb von vier Wochen verschwindet oder acht Wochen. Das ist eigentlich die wichtigste Aufgabe, zu akzeptieren, dass man Geduld braucht. Das ist wirklich das Allerwichtigste.
Aber es fällt uns total schwer. Also wenn ich immer sage, probieren Sie 0,5 bis ein Kilogramm pro Monat abzunehmen, sind eigentlich die meisten enttäuscht. Dann sagen die nur.
Und dann sage ich, genau das ist aber das Geheimnis. Man muss unterm Radar des Körpers die Gewichtsreduktion einleiten. Weil sonst steuert der Körper gegen und macht Jojo.
[Nils Behrens] (28:31 - 28:50)
Ja, ein Freund von mir, der ist dann massiv übergewichtig, hat dann von 130 auf 120 runtergespeckt. Und das Schlimme ist, es bemerkt dann auch nicht mal jemand. Weißt du, wenn wir beide jetzt zehn Kilo abnehmen würden, dann würden sich die Leute um Sorgen machen.
Aber bei ihm ist es jetzt noch nicht so, dass ihn überhaupt jemand darauf anspricht.
[Prof. Dr. Andreas Michalsen] (28:50 - 29:02)
Genau. Da braucht es einen Masterplan. Da muss man sich einfach sagen, okay, ich probiere das jetzt.
Ich sage gleich auch nochmal was. Und dann lebe ich mir jetzt zwei, drei Jahre Zeit.
[Nils Behrens] (29:02 - 29:23)
Ja, und ich finde, das ist es auch wert. Und ich finde es ganz wichtig, dass du es nochmal so deutlich machst. Es geht jetzt nicht darum, um auf Instagram besser auszusehen.
Man muss es eben halt wirklich für sich wollen. Man muss es eben halt für sich eben halt auch angehen, weil es eben halt ja doch gewisse negative Auswirkungen eben halt auf die Gesundheit auf Dauer hat.
[Prof. Dr. Andreas Michalsen] (29:23 - 29:43)
Es lohnt sich auf jeden Fall. Man hat wirklich einige erhöhte Risiken, damit will ich jetzt gar nicht Angst machen. Aber es sind halt die Zivilisationskrankheiten und Krebserkrankungen.
Und wenn man es gar nicht ändern kann, dann soll man sich auch nicht verrückt machen. Aber ich denke, es gibt eigentlich wirklich gute Möglichkeiten, das zu verändern. Denn wenn man es mit Geduld eben anpackt.
[Nils Behrens] (29:43 - 30:00)
Bevor wir auf die wirklich guten Möglichkeiten kommen, steht hier natürlich auch das Wort Osempic. Das heißt also diese Abnehmspritze, die man ursprünglich für Diabetiker entwickelt wurde, ist ja gerade etwas, was sehr, sehr viel eben halt immer wieder diskutiert wird. Ich weiß ja, dass du da auch eine Meinung und Zugang zu hast.
[Prof. Dr. Andreas Michalsen] (30:02 - 31:57)
Ja, grundsätzlich ist es erstmal toll. Also ich bin immer froh, wenn man als Arzt noch ein paar neue Instrumente an der Hand hat. Und das bisherige letzte Instrument, was wir dann hatten, war ja die Operation, die bariatrische Operation.
Und naja, das hat wirklich auch viele unangenehme Nebenwirkungen. Und wenn man dann einen Schlauchmagen hat, also das ist dann halt doch irgendwie suboptimal. Operationen haben Risiken und so weiter.
Und insofern sagen wir, ist Osempic schon ein Game Changer. Das ist nur, was mich natürlich auf der anderen Seite stört, ist zu glauben, dass damit die Sache geregelt ist. Das ist sie halt nicht letztlich.
Weil die Studien, die jetzt schon vorliegen, zeigen halt, wenn man damit aufhört, kommt das alte Gewicht wieder. Also der Körper ist nicht geheilt. Der ist einfach nur blockiert letztlich.
Und was ich ein bisschen mit Sorge sehe, ist, man kriegt ja dann weniger Appetit. Das Osempic, das wirkt auch im Gehirn. Das ist ein Analog von GLP-1.
Das ist eine Art Hormon, ein körpereigenes Hormon. Osempic stimuliert ähnlich im Magen-Darm, aber auch im Gehirn. Und deswegen hat man nicht mehr so viel Appetit.
Deswegen sind ja einige Konzerne schon die Börsenkurse gefallen. Also von Walmart und solchen. Weil man davon ausgeht, dass einfach weniger Kalorien gegessen werden.
Und jetzt ist natürlich die Frage, was wird dann gegessen? Also ich habe ein bisschen die Sorge, dann freuen sich ganz viele, denken jetzt ist die Sache geritzt. Ich habe 20 Kilo abgenommen, das kann gut passieren mit Osempic.
Essen weiterhin ungesund, also verändern ihre Lebensgewohnheiten. Dieses Risiko bleibt, weil wenn man sich ungesund ernährt, ist es ungesund. Und auf der anderen Seite hängt man an der Nadel.
Sein Leben lang.
[Nils Behrens] (31:57 - 33:00)
Und ich finde einen Faktor, der sich jetzt auch schon zeigt, ist, dass es eben auch den Muskelabbau noch zusätzlich befeuert. Und eins wissen wir für das Thema Langlebigkeit, sind Muskeln wirklich eine der ganz, ganz wichtigen Dinge, die man absolut haben sollte. Wenn ich mir jetzt gerade Frauen vorstelle, die ja nochmal einen stärkeren Muskelabbau haben.
Und in der Regel, ohne jetzt irgendwie zu gendermäßig irgendwie das zu machen, sich ja sowieso an Gewichte nicht so häufig rantrauen. Die haben ja immer Angst, dass sie zu kräftig werden. An dieser Stelle gesagt, schafft das erst mal zu kräftig zu werden.
Aber nichtsdestotrotz ist es ja wirklich so, dass gerade wenn dann Frauen in die Menopause kommen, dann sowieso noch diesen vermehrten Muskelabbau haben. Wenn sie dann auch noch ihr Übergewicht, was sie gleich in der Menopause haben, versuchen zu bekämpfen über Osempic und dann auch noch der Muskelabbau zusätzlich befeuert wird, heißt es ja nicht nur, dass sie ihre wertvollen Muskeln dann noch schneller verlieren, sondern es heißt ja auch noch, dass der Grundumsatz dann sinkt. Das heißt, umso weniger Muskeln man hat, umso weniger wird auch gebraucht.
[Prof. Dr. Andreas Michalsen] (33:00 - 34:07)
Also das ist ein extrem wichtiger Punkt, den du da zu Recht anbringst. Wenn man sehr, sehr schnell abnimmt, verliert man immer Muskelmasse. Das ist auch bei den anderen Methoden so.
Deswegen ist es zum Beispiel auch beim Fasten, das gehört auch zur Empfehlung, man fastet ja nur fünf bis sieben Tage, da verliert man auch Muskelmasse. Aber deswegen soll man auch beim Fasten sich bewegen und auch nach dem Fasten dann ein ganz kleines bisschen mehr Protein zu sich nehmen. Da passiert das dann nicht.
Aber bei Osempic, ja gut, man kriegt die Spritze, zack, und das geht immer weiter runter und das ist genau das Problem. Da war ja übrigens eine dänische Studie, vor zwei Wochen ging auch stark durch die Medien eine randomisierte Studie mit mehreren Gruppen, wo noch mal gezeigt worden ist, wie wichtig Krafttraining ist. Dass das wirklich für Langlebigkeit, also für Vitalität bis zum letzten Atemzug so bedeutend ist.
Das war ja noch nicht so klar vor Ort. Das war so ein bisschen in der Schmuddelecke. Gewichte stemmen und da so Männer, die dann so schwitzen und komische Laute von sich geben.
Es ist wahnsinnig wichtig und du hast absolut recht, da muss man bei Osempic sehr aufpassen.
[Nils Behrens] (34:07 - 34:11)
Ja, also macht Krafttraining, ist die Aussage Nummer eins.
[Prof. Dr. Andreas Michalsen] (34:12 - 34:18)
Ja, es ist wirklich. Ich mag auch kein Krafttraining, aber ich habe es auch angefangen. Es muss halt einfach sein.
[Nils Behrens] (34:18 - 34:37)
Ja, ich mag es sehr gerne. Also ich war auch mehr der Läufer früher, aber mittlerweile habe ich mich daran gewöhnt. Es ist einfach eine andere Art von Logistik, sage ich mal so, wenn man wirklich gewichtet irgendwie was machen will.
Aber auch da bist du ja gar nicht so. Du machst ja viel auch über Bodyweighten. Früher hat man einfach Leibesübungen gesagt.
[Prof. Dr. Andreas Michalsen] (34:37 - 34:40)
Hast du richtig Heavyweights? Was heißt heavy?
[Nils Behrens] (34:41 - 35:02)
Nein, ich gehe ins Gym, also ich gehe ins Fitnesscenter dafür. Aber ich habe, das was ich wirklich habe, ist eine Klimmzugstange zu Hause und ich mache eigentlich jeden Tag Klimmzüge. Und bin da, also auch da ist jetzt irgendwie so gefühlt, bei zwölf ist jetzt langsam Schluss, aber das ist schon okay.
[Prof. Dr. Andreas Michalsen] (35:02 - 35:14)
Ja, da sind die Klassiker. Die Liegestützen, Sit-ups, Squats, also sich ganz runter beugen und hoch. Ja, das kann man alles ja mit Eigengewicht machen.
[Nils Behrens] (35:14 - 35:36)
Ja, ist auf jeden Fall sehr gut. Wir hatten aber jetzt gerade schon angeteasert, und ich möchte da jetzt unsere HörerInnen, die gut zugehört haben, nicht enttäuschen. Ich hatte ja gesagt, wie schlecht das Übergewicht ist.
Dann sind wir sehr schnell auf Osempic gegangen. Du hast ja zum einen gesagt, es gibt auch diesen Effekt von Osempic in niedriger Form, kann man ja auch durch andere Sachen auslösen.
[Prof. Dr. Andreas Michalsen] (35:36 - 36:22)
Ja, GLP-1, also Osempic ist ein Analog. Und dieses GLP-1 ist aber ein körpereigenes Hormon, was eben sättigt, was in vielerlei Hinsicht gut ist für den Stoffwechsel, und genau, das kann man durch Bitterstoffe sehr gut stimulieren. Da gibt es inzwischen genügend Studien dazu, und das hat mich natürlich als jemand, der aus der Naturheilkunde kommt, sehr, sehr gefreut, weil diese Bitterstoffe genießen eine große Reputation in der Naturheilkunde.
In der Kultur auch, es gibt ja die Aperitifs, die sind in der Regel alle auch ein bisschen bitter, aber zwar bei Campari.
[Nils Behrens] (36:23 - 36:24)
Da sind wir wieder in der italienischen Geschichte.
[Prof. Dr. Andreas Michalsen] (36:25 - 36:49)
Ja, genau, und es gibt Bittertropfen, es gibt Bittertees, das sind meistens Digestifs und so, also das ist in der Kultur drin, und heute weiß man eben, das stimuliert GLP-1, und das ist einfach sehr klug, deswegen Bitteres nicht zu scheuen, sondern sich bitter anzugewöhnen. Ich sage nochmal anzugewöhnen, weil das kann man sich angewöhnen.
[Nils Behrens] (36:49 - 37:12)
Ja, also du sagst ja auch insbesondere, es gibt ja solche Bittertropfen auch zu kaufen, Soda ist, glaube ich, eins ist aus der Höhle der Löwen auch zu einem sehr, sehr erfolgreichen Unternehmen dann davon auch geworden, und so gibt es eben halt überall, ja, sage ich mal, so was, immer die Möglichkeit, sich solche Bittertropfen dann eben halt zu besorgen, und du empfiehlst sie vor dem Essen.
[Prof. Dr. Andreas Michalsen] (37:14 - 38:16)
Ja, also vor dem Essen ist natürlich am geschickten, wenn dann die, sagen wir mal, die Sättigungssignale schon so ein bisschen angelockt werden, dann schlinkt man natürlich nicht, dann ist die Gefahr nicht so groß, eine größere Menge an Nudeln oder so sich hinterher dann reinzuziehen. Eine andere Möglichkeit wäre einfach, bitteres Gemüse und Salate als erstes zu verzehren und das Rucola, Endivie, Chicorée, Artichocken im Olivenöl zu verwenden, was bitter ist, und die besten Olivenöle sind ja bitter, also, das ist ein bisschen teurer geworden, das gute Olivenöl, das ist wirklich ein Problem, aber wir lieben es ja trotzdem, und wenn, dann ist bitter eben ganz gut, und das wirklich auch zu zelebrieren, zu sagen, ja, da freue ich mich jetzt, man kann auch noch einen Löwenzahnblatt kauen oder Petersilie, also es gibt, vieles ist an sich bitter, wenn es nicht rausgezüchtet wurde, das war leider so ein Fehltrend der Ernährungsindustrie, Bitteres rauszuzüchten.
[Nils Behrens] (38:16 - 38:53)
Eine große Freude, die, glaube ich, die meisten der Hörer haben werden, wenn sie das hören, weil Deutschlands beliebtestes Getränk bei Fahr ist ja der Kaffee, und Kaffee hat wirklich einen so schlechten Ruf, und ich hatte es gerade lustigerweise, vorletzte Woche war ich auch bei einer Veranstaltung im Telegrafenamt, habe da so eine Schamanin kennengelernt, und die war dann so geschockt, dass ich Kaffee trinke, und dann sagte ich so, die Studienlage ist gar nicht so schlecht, nein, also Kaffee ist schlecht, also sie sagte ganz kategorisch, Kaffee ist schlecht, weil es eben halt übersäuert und verschiedene andere Sachen hat, und deswegen, also für sie war Kaffee eben halt auf jeden Fall der Teufel, so, du nicht.
[Prof. Dr. Andreas Michalsen] (38:53 - 40:15)
Nee, ja, ich meine, es sickert so langsam durch, denke ich, mit dem Kaffee, dass man gelernt hat, der ist eher gesund, oder der ist eigentlich vor allem gesund, und dass da viele Fehlschlüsse da waren, dieses Übersäuern, das stimmt einfach nicht, das ist ja ein Pflanzenextrakt, Kaffee, und Säure, also biochemisch Säure in unserer Nahrung, das ist nur in Proteinen, vor allem in tierischen Proteinen und in phosphorhaltigen Nahrungsmitteln, also da ist nichts mit Kaffee. Das, was hat gerichtet, aber ich spüre das doch, dieses Übersäuern, es sind Gerbstoffe drin, und jemand, der einen empfindlichen Magen hat, klar, wenn der jetzt drei, vier Espresso trinkt, dann reizt der seinen Magen, dann kriegt man vielleicht Sodbrennen, und das ist dann die Säure, aber der Kaffee selber ist nicht sauer.
Der Kaffee ist ein Pflanzenextrakt, hat viele gute Wirkungen auf Diabetes, gegen Fettleber, wenn man ihn reichlich trinkt, hat man ein geringeres Risiko für Parkinson-Erkrankungen, für MS, für Demenz, also Lebererkrankungen sowieso, also es gibt viel Gutes über Kaffee zu berichten, und das Spannende ist eben, das eine ist das Koffein, das Koffein ist wirklich auch gut, sagen wir mal, bis zu einem gewissen Pegel, das ist schon klar, aber das merkt man ja auch, finde ich, auf irgendeinem Punkt merkt man, da tut sich nichts mehr, wenn man sich noch eine Tasse Kaffee trinkt.
[Nils Behrens] (40:16 - 40:18)
Ich nenne mich dann aber so, ich werde so instabil.
[Prof. Dr. Andreas Michalsen] (40:18 - 40:28)
Ja genau, genau, da wird man so flatterig. Aber einer der Hauptwirkstoffe, das sind die Bitterstoffe im Kaffee, und deswegen...
[Nils Behrens] (40:28 - 40:36)
Deswegen eigentlich ja auch ein entkoffeinierter Kaffee hat ja dann, sage ich mal so, wenn man wirklich keinen Kaffee trinken möchte, hat dann ja eigentlich viele von diesen Vorteilen.
[Prof. Dr. Andreas Michalsen] (40:36 - 41:10)
Und der hat immer noch 80 Prozent ungefähr von dieser Gesamtwirkung. Und diese Bitterstoffe, wie gesagt, auch ruhig auf der Zunge zelebrieren und genießen. Selbst wenn man jetzt viel Zucker reinmacht, ist immer noch, sagen wir mal, diese Bitterstoffe sind trotzdem chemisch noch im Magen da, also ein bisschen hat man dann trotzdem noch die Bitterwirkung, aber die beste Wirkung hat man, wenn man keinen Zucker in Kaffee macht.
Was mir jetzt schwerfällt zu sagen, weil ich finde es schon auch toll im Espresso einen Löffel braunen Zucker rein zu machen, aber es ist noch gesünder, wenn es schwarz ist.
[Nils Behrens] (41:10 - 41:30)
Meine Güte, jetzt reißt du alles wieder ein, was du so mühsam aufgebaut hast hier an der Reputation. Kommen wir doch mal ganz schnell wirklich zu den schädlichen Lebensmitteln, weil da hast du ja auch ein großes Kapitel zu. Und da sagst du ja noch mal, dass man schädliche Lebensmittel möglichst vermeiden sollte.
Jetzt ist natürlich wiederum der Punkt, was sind denn die schädlichen Lebensmittel?
[Prof. Dr. Andreas Michalsen] (41:31 - 43:23)
Das ist vor allem die Gruppe der ultrahoch verarbeiteten Lebensmittel, die ich da anspreche. Ich nenne das immer das Industrieessen, auch im Buch sage ich aber abgekürztes Industrieessen. Da möchte ich nicht falsch verstanden werden.
Es gibt natürlich auch gesundes Industrieessen. Also es ist nicht alles, was aus einer Fabrik kommt, per se ungesund, aber es gibt so ein Kennzeichen, das hat sich so ein bisschen verselbstständigt. Joghurt ist für mich so ein Beispiel.
Joghurt ist an sich gesund. Naturjoghurt. Weißer Naturjoghurt in einem schlichten Becher ist gesund.
Am besten auch, wenn er recycelbar ist oder in einem Glas. So, naja, da hat man keine USP, keine Alleinstellungsmerkmale. Das kann man nicht unendlich hoch bepreisen.
Also muss ich da noch Schokogranulat machen und noch Fruchtsirup rein und noch Aromen und so. Das sind diese zehn Meter langen Regale, die wir alle in den großen Supermärkten sehen. Und das ist alles schlecht.
Das muss man einfach so sagen. Das braucht keiner. Das sind dann Weichmacher oder Emulgatoren, die dann den Joghurtstich festmachen.
Zitronensäure. Zitronen. Und das sind natürlich alles Stoffe, die gibt es noch nicht so lange.
Und an der Stelle poche ich darauf, dass ich sage, wir sind an sich von unserer Genetik, von unseren Molekülen, wir sind wirklich so vintage. Also das ist alles sehr alt. Und Stoffe, die es erst seit 20 oder 30 Jahren gibt, da sollte man wirklich ein bisschen misstrauisch sein.
Und wenn man jetzt so einen Beipackzettel, so eine Kennzeichnung, und dann findet man da, sagen wir mal, sechs, sieben chemische Bezeichnungen und E's, dann weg damit. Weil letztlich, im Einzelnen ist es komplex zu beurteilen. Ich möchte auch nicht alles schlecht reden, aber in der Summe ist es nicht gut, macht uns krank und macht uns übergewichtig.
[Nils Behrens] (43:24 - 43:56)
Ich habe gestern was Interessantes gelernt, dass zum Beispiel auch so Haferflocken, dass normalerweise der Hafer sehr gut ist und nämlich auch sehr viel Eisen hat. So Eisen ist ja bei vielen Frauen während ihrer Zyklus dann ja auch häufig ein Problem. Und dann hat der Haferflocken, haben aber dann häufig gar nicht mehr so viel Eisen, weil nachdem sie dann gepresst wurden, sie wohl nochmal dann irgendwie erhitzt werden, damit sie dann sozusagen flockig bleiben und nicht anfangen zusammen zu kleben und zu schimmeln und keine Ahnung was.
Und durch diesen Erhitzungsprozess dann wiederum die Eisenwerte nach unten gehen.
[Prof. Dr. Andreas Michalsen] (43:57 - 44:21)
Ich meine, ich kann die Industrie natürlich auch verstehen und den Handel. Das ist die Haltbarkeit eines Lebensmittels. Natürlich, die ist gut.
Ich möchte auch nicht, dass die Ware schimmelt. Und natürlich, wenn man jetzt ein Unternehmer ist, dann möchte man, dass das nicht gleich zurückgeschickt wird. Also es gibt immer gute Gründe.
Aber das, was du gerade sagst, das ist halt so. Sobald wir da manipulieren und machen, hat, verliert das Nahrungsmittel immer an gesundheitlichen Wert.
[Nils Behrens] (44:21 - 44:31)
Jetzt muss man sich überlegen, ob man seine Haferflocken lieber selbst pressen möchte oder beziehungsweise seinen Hafer selbst pressen möchte oder eben ein bisschen weniger Eisen einnimmt.
[Prof. Dr. Andreas Michalsen] (44:31 - 44:38)
Also das ist auf jeden Fall der Punkt, der ist am wichtigsten. Der Rest ist ja eigentlich bekannt.
[Nils Behrens] (44:39 - 44:57)
Aber ich glaube, dass das, was noch mal wichtig ist, ist ja, dass es dir darum geht, dass das, was von der Industrie verarbeitet wurde, das ist das ja letztendlich, was du sagst, was schlecht ist. Und das heißt also, du sagst ja nicht, dass man sein Essen nicht kochen darf, sag ich mal so.
[Prof. Dr. Andreas Michalsen] (44:57 - 45:56)
Nein. Und es gibt Verarbeitungsschritte, die sind Kultur. Brot ist auch verarbeitet und so.
Da werden halt sehr, sehr viele Zusatzstoffe, sehr viele Veränderungen vorgenommen werden. Also für mich, ein Paradebeispiel ist für mich Mais. Maiskolben, ja die sind heute auch ein bisschen genetisch süß gezüchtet.
Aber das ist gesund. Also ist der Amerika ja wirklich sehr, sehr wichtig. Und so, dann haben wir den Mais in der Dose.
Ja, schon gezuckert, ein bisschen Salz ist da drin, kann man sich ja angucken, was da alles drin ist. Dann ist da die Innen, das Weiße für die Konservierung, das Bisphenol A und solche Mikroplastikteile, Anteile sind da drin. Und dann endet das Ganze bei den Tortilla-Chips.
Super lecker, aber natürlich null Prozent gesund. Das ist so diese Verarbeitungskaskade. Ich mag auch Chips, aber ich fürchte sie.
[Nils Behrens] (45:56 - 46:09)
Ja, ich weiß genau, was du meinst. Wo wir Chips sagen, auch da hast du mir wieder eine gute Brücke geschlagen, komme ich mal zum Thema Salz, weil du sagst eben halt in deinem Buch, wir können Salz auch gezielt nutzen, aber ist es eben halt auch eine Gefahr?
[Prof. Dr. Andreas Michalsen] (46:09 - 48:20)
Ja, also die Wissenschaft ist sich inzwischen, es gab lange, lange ein Disput und Studien, die sich widersprachen, aber inzwischen ist schon klar, dass eine zu große Menge an Salz ist der Gesundheit abträglich. Ich formuliere es mal so, also das geht von Entzündungen im Körper, die da gefördert werden, Bluthochdruck ist sattsam bekannt und Herzerkrankungen. Ich glaube, es ist ja gar nicht so schwierig.
Ich liebe Salz, muss ich an der Stelle sagen, aber es ist auch gar nicht so schwierig, seinen Salzeintrag zu reduzieren. Wenn man zum Beispiel keine Wurst zu sich nimmt, dann hat man schon mal einen ersten wichtigen Punkt. Wurst ist eigentlich generell ein No-Go?
Wurst ist ein No-Go, ja, aber ich formuliere es so vorsichtig, weil ich mache mir da nicht viele Freunde damit und es gehört halt auch irgendwie zur Kultur in Deutschland, aber Wurst, du hast das ausgesprochen, ist ein No-Go. Und beim Käse, um Käse zu machen, muss er stark gesalzen werden. Das weiß man, Käserei, Molkerei, da kommt es auf die Menge an.
Also Parmesan ist toll, man sollte jetzt nicht ein Riesenstück die ganze Zeit zwischen den Nudeln auch noch extra essen, dann hat man auch sehr, sehr viel Salz. Und Brot ist ein starker Salzeintrag. Da finde ich das sehr toll, wie das in Frankreich oder in Italien, da gibt es ja klassische Baguettes und Ciabattas, wo gar kein Salz drin ist.
Das finde ich eigentlich sehr cool. Dann kann man nämlich die gesalzten Oliven und die Soße und so, die kann man dann ja parallel essen und so. Also ich denke, und den Salzstreuer beim Tisch wegnehmen oder so ein Kalium-Natriumsalz kaufen, das ist eine faszinierende Studie, da hat man einen Teil des Natriumchlorids, das Salz dann ersetzt mit einem Kaliumsubstitut.
Das ist ja super, das senkt ja sogar den Blutdruck. Ja genau, das schmeckt, also man schmeckt es eigentlich nicht. Also da muss man schon einen sehr feinen Gaumen haben, um den Unterschied zu erkennen.
So ein Blutdrucksalz, ich habe auch eins zu Hause. Wenn mich der Salzhunger überkommt, dann nehme ich halt das.
[Nils Behrens] (48:21 - 48:42)
Gute Lösung, gute Lösung. Der Gründer von Sunday Natural, der Jörg, der hat schon häufig mal in Interviews gesagt, dass er eben halt die Firma damals gegründet hat aus einer Schwermetallbelastung heraus. Und auch das ist ja ein Kapitel in deinem Buch, wo du eben halt wirklich über das Thema Giftstoffe in Lebensmitteln dann auch redest.
Magst du da mal ein bisschen was von teilen?
[Prof. Dr. Andreas Michalsen] (48:42 - 49:30)
Ja klar, also mir geht es darum, da auch eine Sensibilität ohne Panik zu fördern, weil unsere Nahrung ist auf der einen Seite super sicher und gut geworden. Also die Lebensmittelsicherheit, auch wie sie von den Behörden kontrolliert wird, die ist schon gut. Aber es gibt halt noch eine andere Ebene und da sind wir zumindest zum Teil blind.
Also das beginnt natürlich damit mit Schwermetallen, mit Mikroplastik. Das ist ein enormes Problem. Auch wenn man zum Teil bei Mikroplastik noch gar nicht so genau weiß, was denn jetzt eigentlich das macht im Körper, möchte ich selber nicht so ein Versuchskaninchen sein nach dem Motto, wird schon gut gehen.
[Nils Behrens] (49:30 - 49:33)
Zumal die Statistik sagt ja, dass wir jede Woche eine Kreditkarte essen.
[Prof. Dr. Andreas Michalsen] (49:33 - 49:54)
Das sind wahnsinnige Mengen und deswegen ist für mich leider Fisch halt da auch kein zu empfehlendes Nahrungsmittel mehr, weil das ist eigentlich die Hauptquelle gerade auch für Mikroplastik, aber auch für Quecksilber, für Blei, für Schwermetalle. Ist ein bisschen schade, aber ist so.
[Nils Behrens] (49:55 - 50:06)
Ist aber ehrlich gesagt, seitdem ich diesen Film Seaspiracy mal gesehen habe auf Netflix, bin ich sowieso, was das ganze Thema Fisch betrifft, sehr zurückhaltend geworden, sage ich mal.
[Prof. Dr. Andreas Michalsen] (50:07 - 50:22)
Ja, beim Fisch hat man immer so ein Bild vor Augen. Der griechische Fischer, der in der Morgendämmerung auf seinem Boot den Fisch aus dem sauberen Wasser rauszieht. Das ist natürlich alles Legende.
Das gibt es alles nicht mehr.
[Nils Behrens] (50:23 - 50:41)
Es gibt einen sehr interessanten Beitrag vom ORF über die Ackerkulturen in Norwegen, wo die dann da wirklich so mit Schutzanzügen, diese Chemikalien auf diese Lachse da irgendwie rausbringen und kam mit dem Quintessenz raus, dass es wahrscheinlich das giftigste Lebensmittel ist, was wir regulär im Supermarkt kaufen können.
[Prof. Dr. Andreas Michalsen] (50:41 - 50:51)
Genau, diese Ackerkultur, wenn sie jetzt nicht, es gibt ganz wenige Bio-Ackerkulturen, das ist die schlimmste Massentierhaltung, die es gibt. Also dagegen sind sozusagen Putenställe noch.
[Nils Behrens] (50:51 - 50:57)
Und dadurch, dass sie ja umso fett sind, lagert sich da eben halt auch so viel schlimmer Sachen allein. Ja, genau.
[Prof. Dr. Andreas Michalsen] (50:58 - 51:36)
Und das ist natürlich bitter, weil Lachs, immer noch so ein Lachsbrötchen und so, das ist was Feines und so. Also das ist alles in unseren Köpfen. Aber da muss man halt sagen, nee, das ist vorbei.
Man wird das nicht alles ganz wegkriegen. Für mich ist Glyphosat so ein Thema, wo ich denke, ja gut, man muss das differenziert diskutieren. Wenn wir gar keine Pestizide mehr einsetzen, dann wird es schwierig, acht bis zehn Milliarden Menschen zu ernähren.
Da sollte man sich vielleicht eher gemeinsam anstrengen zu sagen, wie können wir Pestizide, ein schreckliches Wort, ja, entwickeln, die halt am gesündesten noch sind, die eben nicht so ungesund sind.
[Nils Behrens] (51:37 - 52:01)
Ja. Ich sehe, dass unsere Zeit langsam so ein bisschen davon läuft. Leider, leider, leider.
Deswegen, ich möchte nichtsdestotrotz noch, ich lasse ein bisschen was weg, aber zwei Fragen muss ich trotzdem noch einmal reinbringen. Das eine ist das Thema Alkohol, weil ich habe immer ganz erzählt, dass ich selten positive Aussagen zum Thema Alkohol bekommen habe. Und jetzt ist aber in deinem Buch eine, die mich erfreut und überrascht hat.
[Prof. Dr. Andreas Michalsen] (52:02 - 52:04)
Ich schätze mal, die Rede ist vom Bier.
[Nils Behrens] (52:05 - 52:21)
Ja, ganz genau. Ganz genau.
Man redet ja früher immer davon, dass das ganze Mittelmeer-Paradoxum und allem drumherum, dass das alles vom Wein kommt und dass eben so viele gesundheitliche Aspekte im Wein drin sind, die du ja, sage ich mal so, sagst, zum Großteil doch auch irgendwo widerlegbar sind.
[Prof. Dr. Andreas Michalsen] (52:21 - 54:27)
Ja, die Geschichte ist entzaubert. Die ist eigentlich widerlegt. Die war ja auch zum Teil von der Weinindustrie direkt subventioniert.
Und es ist schon so, dass natürlich Wein ist ein Traubenextrakt. Und Trauben sind an sich natürlich, ja, als Obst ist schon gesund. Aber der Alkohol, der drin ist, der ist auf jeden Fall ungesund.
Da kommt man einfach nicht dran vorbei. Dass in der Summe sind die positiven Wirkungen, die ein Traubenextrakt hat, die werden dann zunichte gemacht, mehr als zunichte gemacht durch den Alkohol. Deswegen würde ich dann sagen, lieber ein paar Trauben essen.
Man kann auch ein Glas Wein trinken. Aber nicht, dass man sich vormacht, der wäre jetzt aktiv gesund. Er kann vielleicht für die Gefäße ein bisschen gesund sein.
Aber eben, man hat erhöhte Krebsrisiken durch Alkohol. Das muss man beim Bier auch in Betracht sehen. Aber Bier ist für mich eigentlich schon so ein Rising Star, auch völlig unerwartet.
Aber bei meinen Recherchen ist das halt auch mit diesen Bitterstoffen zutage getreten. Hopfen ist ja Bitterhopfen. Also das ist ein Bitterextrakt.
Deswegen ist ja ein Bier, hat ja auch diesen bitteren Herben. Ich weiß noch, wie mein Vater mir zum ersten Mal ein Bierglas anbot und sich da getrunken hat. Da musste man sich erstmal einen trinken.
Also das ist bitter und dieses Bitter, da haben wir ja schon gesagt, das hat tolle Wirkungen. Auf die Gallenblase, auf GLP1, auf die Verdauungsqualität. Das scheint sogar neuroprotektiv auf Gehirnzellen zu sein.
Das ist entzündungshemmend. Das sind so Hopfen, Säuren, Humulone, Lupulone. Deswegen ist Bier eigentlich in der Summe ein recht gutes Getränk.
Jetzt trifft natürlich für Bier auch das mit Alkohol zu. Natürlich ist es nicht gesund, drei Maß Bier am Oktoberfest zu trinken. Aber im Bier haben wir natürlich den einen Vorteil.
Jetzt wirst du schon erraten, was es ist. Es gibt inzwischen ja doch sehr, sehr leckere, alkoholfreie Biere. Die schmecken ja und dann hat man im Prinzip ein richtig solides, gesundes Getränk.
[Nils Behrens] (54:27 - 54:28)
Win-win.
[Prof. Dr. Andreas Michalsen] (54:28 - 54:29)
Ja, genau.
[Nils Behrens] (54:29 - 54:43)
Ausgezeichnet. Ich suche mir jetzt mal aus, was meine letzte Frage ist für heute. Ich bin ja Longevity-Enthusiast.
Wie sieht es denn aus? Können wir irgendetwas für immer leben?
[Prof. Dr. Andreas Michalsen] (54:44 - 54:44)
Ne.
[Nils Behrens] (54:45 - 54:51)
Verdammt, wir dürfen aber hier nicht mit negativen Nachrichten rausgehen. Ich wusste ja, dass du rausgehst. Aber sag doch mal, was ist ein realistisches Eindruck?
[Prof. Dr. Andreas Michalsen] (54:53 - 56:03)
Ich bin inzwischen nach wirklich vielen Recherchen, vielen Gesprächen eigentlich zur Erkenntnis gekommen, dass es wahrscheinlich nicht groß über, auch wenn Wetten abgeschlossen werden, dass der erste Mensch schon geboren wurde, der 150 wird und so an. Ich bin da skeptisch. Aber ich glaube, das, was wir eben so von Einzelnen kennen, Madame Calment mit ihren 122, ich glaube 100 bis 120, das ist machbar.
Ich habe gelernt, das Wichtigste ist eigentlich the lost decade. Heute ist es so, wir werden alle älter, aber die letzten zehn Jahre sind irgendwie nicht schön. Das muss nicht sein.
Ich glaube, dass man mit der richtigen Ernährung vielleicht ein paar Supplementen, mit Krafttraining, mit Ausdauertraining und genug Schlaf, wenn einem jetzt nicht der berühmte Ziegelstein auf den Kopf fällt, dann kann man 100 bis 120 Jahre werden und sagen wir mal vital bis fast zum letzten Atemzug. Ich finde, das ist eigentlich eine schöne Aussicht. Also es wird doch auch sehr unübersichtlich so familiär und an Weihnachten, wenn wir jetzt alle 150 werden, ob man dann noch die Anzahl seiner Enkel überhaupt überschauen kann.
[Nils Behrens] (56:05 - 56:07)
Zumindest ist es schön, wenn man sie noch hochheben kann.
[Prof. Dr. Andreas Michalsen] (56:07 - 56:28)
Ja, genau. Aber da bin ich schon positiv, dass ich glaube, das ist erreichbar.
Aber so ein paar Hypes gehen mir zu schnell unter die Decke und ich glaube, da ist dann auch vielleicht zu viel Geld im Spiel. Da wird es schon auch noch ein paar Enttäuschungen geben, aber es gibt auch ein paar gute Kandidaten, auch bei den Supplementen und bei den Medikamenten. Das wird sehr spannend die nächsten Jahre.
[Nils Behrens] (56:28 - 56:42)
Ich bin sehr froh, dass du mittlerweile ein positives Verhältnis zu den Supplementen hast, weil ich wurde im Vorwege gefragt, willst du den wirklich interviewen, weil er doch so negativ über Supplemente sind. Aber da hast du ja zumindest deine Meinung ja zum Teil auch geändert.
[Prof. Dr. Andreas Michalsen] (56:42 - 57:18)
Absolut. Also ich denke, wir haben unsere Lektionen gelernt, dass man manches zu einfach gesehen hat im Bereich der Nahrungsergänzung. Also zum Beispiel das mit den Antioxidantien, das ist ja doch viel komplexer, als man dachte.
Und da hatten ja auch Vitaminstudien enttäuscht. Aber inzwischen ist schon klar, dass der Alterungsprozess der geht mit einer Verarmung von einigen Spurenelementen, von einigen Molekülen einher. Und da wird man wohl nicht umhinkommen, wenn man dann sagt, also Neben Krafttraining ist klar.
Und Fasten auch immer gesetzt.
[Nils Behrens] (57:18 - 57:21)
Und Fasten, gesundes Essen, keine Pestizide.
[Prof. Dr. Andreas Michalsen] (57:21 - 57:37)
Aber ich glaube, da kommt man dann doch nicht umhin, ein paar gute Supplemente einzunehmen. Aber ich bin natürlich immer noch der Meinung, das Beste ist, das wissenschaftlich ganz, ganz eng immer zu untersuchen und zu gucken und dann die richtigen auszuwählen.
[Nils Behrens] (57:37 - 57:44)
Ich glaube, zwei Sätze prägen diesen Podcast. Das eine ist, die Summe macht das Gift. Und der andere ist, machen, messen, machen.
[Prof. Dr. Andreas Michalsen] (57:45 - 57:47)
Ich glaube, das ist cool. Das gefällt mir.
[Nils Behrens] (57:47 - 58:07)
Wenn man das hat, dann ist alles gut. Mir hat dein Buch sehr gut gefallen. Es heißt Ernährung, meine Quintessenz.
Es ist erschienen im Insel Verlag. Und ich kann es sehr empfehlen, auch wenn ihr das Gefühl habt, er hat jetzt heute schon sehr, sehr viel Preis gegeben. Ich kann euch sagen, es ist nicht so.
Wir haben vielleicht zehn Prozent, vielleicht auch nur fünf. Dein Buch ist gekratzt.
[Prof. Dr. Andreas Michalsen] (58:08 - 58:09)
Ganz wenige Spoiler.
[Nils Behrens] (58:09 - 58:15)
Es lohnt sich auf jeden Fall noch. Es sind sehr viele Seiten. Also vielen Dank für das Gespräch.
[Prof. Dr. Andreas Michalsen] (58:15 - 58:16)
Sehr gerne, Nils. Hat Spaß gemacht.
[Nils Behrens] (58:20 - 58:21)
Wann kommt das nächste Buch?
[Prof. Dr. Andreas Michalsen] (58:24 - 58:30)
Ein Fastenbuch kommt nächstes Jahr. Die Geheimnisse des Fastens, die müssen noch wirklich dargestellt werden.