Informationen zur Podcastfolge Nr. 218 Blutwerte verstehen. Mit Dr. Helena Orfanos-BoeckelInformationen zur Podcastfolge Nr. 218 Blutwerte verstehen. Mit Dr. Helena Orfanos-Boeckel

Blutwerte verstehen. Mit Dr. Helena Orfanos-Boeckel

Ein Laborwert ist eine Zahl – seine Bedeutung entsteht für Dr. Helena Orfanos-Boeckel erst im Zusammenhang. Deshalb plädiert sie dafür, Laborbefunde nicht nur als „in der Norm“ oder „außerhalb der Norm“ zu betrachten. In dieser Folge von HEALTHWISE spricht Host Nils Behrens mit der Internistin, Nephrologin und Autorin Dr. Helena Orfanos-Boeckel über die Interpretation von Blutwerten, ihre Einteilung in verschiedene Kategorien, die von ihr entwickelte „individuelle biochemische Stoffwechselempfindlichkeit“ und die Frage, warum Messen für sie die Grundlage einer individuellen Betrachtung ist.

Die Folge HEALTHWISE auf YouTube

„In Ordnung“ ist eine Frage der Perspektive

Dr. Helena Orfanos-Boeckel erklärt, dass sie bei Laborwerten zunächst nach der Perspektive fragt. Ein Wert könne aus klassisch-medizinischer Sicht unauffällig sein, während eine weitergehende Labordiagnostik zusätzliche Informationen liefert. Ihr geht es deshalb nicht nur um einzelne markierte Werte auf einem Laborbogen. Sie möchte viele Werte gemeinsam und über ihren Verlauf betrachten.

Dabei weist Orfanos-Boeckel auch auf die Sprache hin. Ein „großes Blutbild“ bezeichnet medizinisch nicht automatisch eine umfassende Analyse von Nährstoffen, Hormonen oder Organparametern. Wer ein breiteres Bild meint, spricht ihrer Ansicht nach treffender von einer umfangreichen Laboranalyse oder Labordiagnostik. Entscheidend sei anschließend, die verschiedenen Werte im Zusammenhang zu lesen.

Drei Kategorien für einen anderen Blick auf Laborwerte

Für ihre eigene Arbeit hat Dr. Helena Orfanos-Boeckel eine Systematik entwickelt, mit der sie Laborwerte in drei Gruppen einordnet. Sie spricht von „Krankwerten“, „Schlüsselwerten“ und „Gesundmachwerten“. Die Begriffe stammen von ihr selbst und bilden keine allgemein etablierte medizinische Klassifikation. Orfanos-Boeckel beschreibt sie vielmehr als Modell, das aus ihrer langjährigen praktischen Erfahrung entstanden ist.

Der zentrale Gedanke: Nicht jeder Laborparameter wird in ihrem Modell auf dieselbe Weise gelesen. Bei manchen Werten betrachtet sie vor allem einen Anstieg, bei anderen einen bestimmten Bereich innerhalb der Referenz und bei einer dritten Gruppe die individuelle Versorgungssituation. Im Gespräch ordnet sie beispielhaft LDL, T3, verschiedene Mineralstoffe und Nährstoffparameter in dieses Raster ein. Dabei betont sie immer wieder, dass zunächst verstanden werden müsse, zu welcher Kategorie ein Wert innerhalb ihres Modells gehört.

Checkliste: So beschreibt Orfanos-Boeckel ihren Blick auf Laborwerte

  • Perspektive klären: Was bedeutet „in Ordnung“ im jeweiligen Zusammenhang?
  • Begriffe präzise verwenden: Ein Blutbild ist nicht dasselbe wie eine umfangreiche Labordiagnostik.
  • Werte kategorisieren: Orfanos-Boeckel arbeitet mit „Krankwerten“, „Schlüsselwerten“ und „Gesundmachwerten“.
  • Nicht nur Einzelwerte anschauen: Für sie zählt das Zusammenspiel verschiedener Laborparameter.
  • Verläufe berücksichtigen: Ein Wert erhält für sie zusätzliche Bedeutung, wenn seine Entwicklung über längere Zeit betrachtet wird.

IBSE: die individuelle biochemische Stoffwechselempfindlichkeit

Ein weiterer Begriff, den Dr. Helena Orfanos-Boeckel selbst geprägt hat, ist die „individuelle biochemische Stoffwechselempfindlichkeit“, kurz IBSE. Sie wollte damit nach eigener Aussage einen Begriff für die sehr individuellen Unterschiede schaffen, die sie in ihrer Arbeit beobachtet. „Individuell“, „biochemisch“, „Stoffwechsel“ und „Empfindlichkeit“ seien deshalb ganz bewusst Bestandteile des Wortes. Die IBSE soll in ihrem Modell beschreiben, wie empfindlich oder robust sich der individuelle Stoffwechsel darstellt.

Entstanden sei die Idee aus Beobachtungen in ihrer Praxis. Orfanos-Boeckel beschreibt Menschen, die sich selbst als empfindlich erleben und bei denen sie gleichzeitig in umfangreichen Laboranalysen sehr unterschiedliche Muster gesehen habe. Sie spricht in diesem Zusammenhang von einem „Zahlenchaos“, das sich erst durch eine strukturierte Betrachtung ordnen lasse. Zugleich macht sie deutlich: Für die IBSE existiert bislang kein festgelegter Algorithmus oder standardisierter Score.

Warum Dr. Helena Orfanos-Boeckel immer wieder aufs Messen zurückkommt

Ein Satz zieht sich durch das gesamte Gespräch: „Man muss messen.“ Orfanos-Boeckel lehnt pauschale Aussagen darüber ab, was ein einzelner Mensch brauche. Sie spricht stattdessen von einer individuellen „Schuhgröße“ und betont, dass sich Ausgangslage und Bedarf von Mensch zu Mensch unterscheiden können. Genau deshalb stellt sie die Labordiagnostik in den Mittelpunkt ihres Ansatzes.

Auch bei begrenzten Möglichkeiten würde sie nicht versuchen, möglichst viele Dinge gleichzeitig zu verändern. Stattdessen spricht sie von der „größten Schraube“ beziehungsweise dem „schwächsten Glied“: Zunächst solle geklärt werden, welche Fragestellung überhaupt im Vordergrund steht und welcher Bereich besonders auffällt. Dabei bezieht sie auch Ernährung, Verhalten und familiäre Informationen in ihre Überlegungen ein. Der Ausgangspunkt bleibt für sie eine möglichst individuelle Betrachtung statt eines allgemeinen Schemas.

Checkliste: Welche Fragen stehen bei der individuellen Einordnung im Vordergrund?

  • Was soll überhaupt untersucht oder besser verstanden werden?
  • Welche Laborparameter sind für diese konkrete Fragestellung relevant?
  • Was ist bereits aus Ernährung, Lebensstil oder Familie bekannt?
  • Welche Werte fallen im Gesamtbild besonders auf?
  • Welche Veränderungen lassen sich bei erneuten Messungen tatsächlich beobachten?

Erst verstehen, dann einordnen

Dr. Helena Orfanos-Boeckel sieht Wissen als Ausgangspunkt ihres Ansatzes. Im Gespräch verweist sie deshalb immer wieder auf ihre drei Bücher, in denen sie ihre Gedanken zu Nährstoffen, Labordiagnostik und ihrer Einteilung von Laborwerten ausführlicher beschreibt. Ihr Ziel ist es, Menschen ein Verständnis für die verschiedenen Zahlen auf einem Laborbogen zu vermitteln. Gleichzeitig betont sie mehrfach, dass Stoffwechsel und Medizin komplexe Themen sind.

Für Orfanos-Boeckel bedeutet diese Auseinandersetzung nicht, einfach möglichst viele Werte oder Stoffe zu optimieren. Vielmehr möchte sie zunächst objektivieren, „wo man steht“, und die vorhandenen Informationen strukturieren. Ihre Bücher sollen dabei nach ihrer Beschreibung helfen, Laborwerte anders zu lesen und anschließend fundierter über sie sprechen zu können. Bildung, Messen und Einordnen bilden damit die drei wiederkehrenden Elemente ihres Ansatzes.

TAKE AWAYS

  • Dr. Helena Orfanos-Boeckel betrachtet Laborwerte nicht isoliert, sondern im Zusammenhang und über ihre Entwicklung.
  • Sie unterscheidet in ihrem eigenen Modell zwischen „Krankwerten“, „Schlüsselwerten“ und „Gesundmachwerten“.
  • Mit der „individuellen biochemischen Stoffwechselempfindlichkeit“ – IBSE – hat sie einen eigenen Begriff für Unterschiede im individuellen Stoffwechsel geprägt.
  • Für die IBSE gibt es laut Orfanos-Boeckel bislang keinen standardisierten Algorithmus oder festen Score.
  • Ihr zentraler Grundsatz lautet: erst verstehen und messen, dann individuell einordnen.

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Dr. med. Helena Orfanos-Boeckel ist Internistin, Nephrologin und Autorin. In der HEALTHWISE-Folge beschreibt sie ihre langjährige Beschäftigung mit Labordiagnostik, Stoffwechsel sowie Nährstoff- und Hormonmedizin. Sie hat drei Bücher zu diesen Themen veröffentlicht und ihre eigene Systematik aus „Krankwerten“, „Schlüsselwerten“ und „Gesundmachwerten“ sowie den Begriff der IBSE entwickelt.

Mehr zu Dr. med. Helena Orfanos-Boeckel unter https://www.praxis-dr-orfanos.de/

[Dr. Helena Orfanos-Boeckel] (0:00 - 0:13) Man muss messen, das ist schon immer in der Inneren so gewesen. Warum soll es jetzt mit Nährstoffen nicht so sein? Und warum nutzt die Medizin noch nicht? Aber ich bin dran, ich bin dran.

 

[Nils Behrens] (0:13 - 1:15) Herzlich willkommen zu Healthwise, dem Gesundheitspodcast präsentiert von Sunday Natural. Ich bin Nils Behrens und in diesem Podcast erkunden wir gemeinsam, was es bedeutet, gesund zu sein. Wir tauchen ein in Themen wie Medizin, Bewegung, Ernährung und emotionale Gesundheit. Immer mit einem weisen Blick auf das, was uns wirklich gut tut. Ja, auf dieses Gespräch mit Helena Orfanos-Boeckel warte ich schon wirklich sehr, sehr lange und es hat sich absolut gelohnt. Ich würde sagen, es gibt niemanden, der besser darauf spezialisiert ist, die Blutwerte richtig zu lesen, sie in die entsprechenden Kategorien zu bringen und daraus auch eine entsprechende Empfehlung zu geben. Wir haben sehr viel darüber gesprochen, was es denn heißt, welche Blutwerte für uns krank machen bedeutet, welche Schlüsselwerte sind und welche idealerweise unsere Gesundheit erhalten. Deswegen eine ganz spannende Folge. Ihr werdet danach Laborwerte nie wieder so sehen, wie ihr sie bisher gesehen habt. Deswegen hört unbedingt rein. Ich freue mich wahnsinnig auf dieses Gespräch und sage herzlich willkommen, Dr. Helena Orfanos-Boeckel.

 

[Dr. Helena Orfanos-Boeckel] (1:15 - 1:17) Ja, lieber Nils, ich freue mich sehr, dass ich hier sein darf.

 

[Nils Behrens] (1:18 - 1:43) Helena, ich kann jetzt ja hier wirklich an dieser Stelle gleich mal mit einem kleinen Geständnis anfangen. Du bist die allererste Person, die ich gefragt habe, als wir mit Healthwise gestartet sind, ob du zu mir in den Podcast kommst. Das war im Mai 24. Ich weiß noch nicht genau, wann diese Folge jetzt erscheinen wird, aber ich sage jetzt einfach mal so, wir sind ein bisschen später als Mai 24. Deswegen ist meine Vorfreude auf dieses Gespräch natürlich unglaublich groß.

 

[Dr. Helena Orfanos-Boeckel] (1:43 - 1:46) Ja, das geht mir ebenso. Wir haben lange gewartet.

 

[Nils Behrens] (1:46 - 1:54) Lange gewartet und jetzt wird es endlich gehen. Liebe Helena, wenn du an einen idealen Sonntag denkst, was tust du für deine Gesundheit?

 

[Dr. Helena Orfanos-Boeckel] (1:55 - 3:11) Also, ich wusste ja, dass die Frage kommt. Und ich weiß auch jetzt, dass du eine kurze Antwort haben willst. Ich habe ein bisschen drüber nachgedacht. Also natürlich nutze ich den Sonntag, um im weitesten Sinne mich zu erholen. Aber tatsächlich, ich mache nichts, weil es gesund ist, sondern ich gestalte mein Leben irgendwie, um mich gut zu fühlen. Und das heißt nicht immer unbedingt, dass es nach neuesten Erkenntnissen gesund ist. Also das vielleicht vorab. Ich bin nicht der Meinung, dass alles rational der Gesundheit untergeordnet werden muss, sondern das Thema ist groß. Und die Methode, über die wir gleich sprechen, habe ich mir auch ausgedacht, um in Wahrheit uns Freiheit zu schenken. Dass wir in Wahrheit machen können, was uns Freude macht und so. Und ein Ritual habe ich auf jeden Fall sonntags. Und zwar habe ich eine sehr gute Freundin mit. Da habe ich studiert. Die ist Gynäkologin geworden. Und wir rennen seit Jahrzehnten oder laufen oder schleichen um den Schlachtensee. Und dann tauschen wir uns aus und wollen die Welt auf jeden Fall verbessern. Und da freue ich mich immer drauf. Und dann bin ich eigentlich immer happy, wenn ich mal nicht in die Praxis muss, um zu arbeiten.

 

[Nils Behrens] (3:12 - 4:17) Da sind ja ganz viele Punkte drin, die auf jeden Fall für die Gesundheit gut sind. Da sind soziale Kontakte drin, wie wir ja wissen. Und darüber hinaus, und das fand ich so spannend, da ist jetzt eine Studie in New York an 729 Frauen durchgeführt worden. Und man hat festgestellt, Frauen, die sich sehr viel Sorgen machen übers Älterwerden, tatsächlich schneller altern. Also von daher ist dein Ansatz, sich nicht so viel Gedanken darüber zu machen, ist das jetzt gesund oder nicht gesund, ist dann auf jeden Fall sehr gesund. Und wir sehen es ja jetzt gerade brandaktuell an Bryan Johnson, dem wahrscheinlich bekanntesten Biohacker der Welt, der sich ja sehr viel Gedanken darüber macht, nicht zu sterben, dass bei dem jetzt tatsächlich eine nicht heilbare Autoimmunerkrankung festgestellt wurde. Und ich fände es anmaßend, da jetzt irgendwie etwas zu sagen im Sinne von Aha oder Häme oder sonst was. Ganz im Gegenteil, ich finde es ganz toll, was er aus seinem Leben gemacht hat. Aber ich finde schon, dass ich da so ein bisschen erinnert wurde an diese New York-Studie, dass wenn man zu sehr sich sozusagen nur damit beschäftigt, alles richtig zu machen, dass das vielleicht auch falsch sein kann.

 

[Dr. Helena Orfanos-Boeckel] (4:18 - 5:20) Ja, es ist halt das Leben und das Schicksal und das, was das Leben vielleicht auch noch für uns sozusagen parat hat, ist halt groß. Und ich glaube schon, dass es wichtig ist, einfach den Tag irgendwie, ich finde wichtig, eine Mission zu haben, die dann so begeistert, dass es dann irgendwie auch der Körper irgendwie folgt. Und die habe ich schon. Und ich würde sagen, das Gesündeste, so im Nachhinein, was ich gemacht habe, war, diese drei Bücher zu schreiben. Und der Prozess dahin war definitiv wenig Schlaf, definitiv viel Sitzen und Schreiben. Und trotzdem ist das wirklich was, also das ist einfach was enorm Gesundes, im Sinne von sehr befriedigend irgendwie so. Und es hat auch etwas verändert, was ich in Wahrheit vorhatte. Also ich hatte eine Strategie, ich wollte etwas mit den Büchern erreichen. Und das klappt. Und was das jetzt genau ist, kann man vielleicht auch noch mal besprechen. Aber ich bin sehr zufrieden. Und diese Zufriedenheit, die macht was auch mit dem Körper oder dem ganzen System, ist ja mehr als Körper.

 

[Nils Behrens] (5:20 - 5:42) Total, total. Die Japaner nennen es ja, glaube ich, Ikigai, der Grund, warum sie morgens aufstehen. Und ich finde, das ist absolut richtig. Ich habe tatsächlich, ich habe das im Schreibprozess bei mir persönlich auch gemerkt, ich habe das immer morgens vor der Arbeit gemacht. Ich bin dafür immer um 5 Uhr aufgestanden. Und ich fand das immer so schade, wenn ich dann so richtig in so einem Schreibflow war.

 

[Dr. Helena Orfanos-Boeckel] (5:42 - 5:43) Musstest du gehen.

 

[Nils Behrens] (5:43 - 6:14) Musste ich dann gehen, weil dann die echte Arbeit ruft. Und bin jetzt irgendwie so ganz happy. Ich habe jetzt angefangen, beim zweiten Buch zu schreiben und habe jetzt nicht mehr diesen Druck sozusagen. Und freue mich eigentlich so darauf, wenn es mal fließt, dann auch fließen zu lassen. Also das ist total schön. Verstehe ich. Aber wir kommen jetzt mal zu deinem absoluten Lieblingsthema. Du sagst ja sinngemäß, das normale Labor sucht Krankheiten, aber nicht Gesundheit. Wenn man diesen Satz mal so ein bisschen auf der Zunge zergehen lässt, was ist der größte Denkfehler, den wir machen, wenn wir hören, ihre Blutwerte sind alle in Ordnung?

 

[Dr. Helena Orfanos-Boeckel] (6:15 - 6:31) Also vielleicht nochmal zu dem Satz. Ich sage nicht, sucht Krankheit, sondern schließt Krankheit aus und sucht eben nicht, wie gesund jemand ist. Also es schließt einfach nur in Anführungszeichen etwas aus und erforscht nicht, wo derjenige gesund, krank, dazwischen steht.

 

[Nils Behrens] (6:31 - 6:35) Also das große Blutbild, wenn da irgendwas auffällt, dann ist das Kind schon in den Brunnen gefallen.

 

[Dr. Helena Orfanos-Boeckel] (6:36 - 9:15) Gehen wir jetzt nochmal zu der zweiten Frage, die du gestellt hast. Was das bedeutet mit diesem, okay, das kommt auf die Perspektive an. Also letztendlich, wenn du eine Wertung zu etwas abgibst, dann bezieht sich das ja auf etwas. Und der Arzt im normalen System, meinetwegen ich früher auch in der Klinik, wir finden Dinge okay, wenn sie nicht lebensbedrohlich sind, wenn sie nicht eine therapeutische Konsequenz in unserem System haben, dann ist erstmal der Mensch nicht akut gefährdet und dann ist das erstmal in Anführungszeichen okay. Das ist jetzt nicht das, was der moderne Mensch natürlich vom Arzt heutzutage hören möchte. Man möchte heute mehr hören, wo stehe ich denn und wie groß ist vielleicht mein Risiko, morgen krank zu werden oder mein Risiko, morgen, dass ich mich nicht mehr so wohlfühle. Insofern mein okay, ich mache tatsächlich in der Praxis auch, wenn etwas tippitoppi eingestellt ist, vergebe ich auch okays. Aber das ist dann so ein richtiges orfanosches und dann deutsches TÜV-Siegel von perfekt eingestellt, mathematisch perfekte Erhaltungsdosis zur funktionellen Unterstützung der Gesundheitserhaltung und Gestaltung in der Zukunft. Ohne Schaden, sicher ohne Schaden. Insofern dann vergebe ich okays. Vielleicht auch nochmal eine Korrektur. Es ist nicht korrekt zu sagen zu so einer eingehenden Labordiagnostik Blutbild. Das wird oft gemacht und es ist in der Medizin so, dass wir ja das Blutbild nur dieses eine Röhrchen nennen, was dann die Roten, die Weißen und die Plättchen zählt. Und es gibt da ein kleines Blutbild und ein großes Blutbild und mit dem großen meint man ja dann in der Medizin, in der Labormedizin das Differentialblutbild, wo man dann die weißen Blutkörperchen nochmal aufteilt. Und jetzt eng genommen ist in dem Wort Blutbild nicht drin Nährstoffe, nicht drin Hormone und auch nicht drin Niere, Herz, Leber, Organdiagnostik. Also insofern wäre gut, wenn jetzt jemand zum Arzt geht und möchte jetzt eine eingehende Labordiagnostik, dass vielleicht dieses Wort Blutbild nicht mehr benutzt wird. Weil das einfach dann auch irreführend ist. Man will einfach eine riesige Laboranalyse, eine Labordiagnostik oder sehr viele Blutwerte, die den inneren Zustand sozusagen bewerten, widerspiegeln und dann auch im Zusammenhang betrachtet werden. Und das ist jetzt was ganz anderes, als was in der klassischen Medizin passiert, Notfallmedizin. Ich meine, ich habe auch geguckt, du hast ja schon tausend Leute gehabt, die dir da auch Rede und Antwort gestanden haben. Es wiederholt sich ja.

 

[Nils Behrens] (9:16 - 9:18) Aber es haben ja nicht alle, alle Folgen gehört.

 

[Dr. Helena Orfanos-Boeckel] (9:18 - 10:55) Nein, das stimmt. Aber es wiederholt sich. Es ist einfach der Intensivmediziner, die Notärztin, die haben quasi Alarmwerte und wenn die vorhanden sind, dann ist ganz klar, es muss ein Algorithmus erfolgen, es braucht dann das, das, das. Es hat auch dann eine therapeutische und auch diagnostische Konsequenz im System. Und die haben jetzt die Werte, die ich jetzt so alle angucke, vor allen Dingen, wie ich die auch bewerte. Ich rechne quasi immer 30, 40, 50 Jahre in die Zukunft, was dann daraus wird. In Wahrheit vielleicht wie ein Unternehmensberater. Wenn der also irgendwo hinkommt und dann ein Unternehmen analysiert, dann guckt er ja auch nicht nur, ob es pleite ist oder insolvent, sondern er guckt, wo sind die Stärken, wo sind die Schwächen, Einnahmen, Ausgaben, Potenzial und dann wird meinetwegen das Wachstum gestaltet, analog vielleicht zu dem, was ich gestalten will, die Gesundheit. Wo ja die Natur durch die Alterungsprozesse auf jeden Fall gegenarbeitet. Im Sinne von der natürliche Verlauf ist dann am Ende dann auch unser Tod. Und auf dem Weg dahin, wenn wir älter werden, verändern wir uns egal oder sagen wir mal unabhängig von unserem Verhalten. Trotzdem natürlich moduliert unser Verhalten und unsere Haltung dann das Ganze. Aber das ist so ein bisschen der Unterschied. Die Perspektive auf die Zahlen. Der eine guckt eben einfach nur, pleite ja, nein und ich gucke eben, wo ist das Potenzial, wo sind Risiken und wie kann ich das jetzt in der Zukunft sozusagen verhindern, dass dann das, was heute häufig ist mit 80, gar nicht erst entsteht oder hinter den Tod hinaus geschoben wird.

 

[Nils Behrens] (10:55 - 11:11) Ja, ich hab's ja schon in der Moderation gesagt, dass du ja von diesen drei verschiedenen Werten sprichst. Du hast die Krankwerte, die Schlüsselwerte und die Gesundmachwerte. Hol doch mal unsere HörerInnen ab, was du damit genau meinst und was man sich dann da in diesem Zusammenhang einmal genauer anschauen sollte.

 

[Dr. Helena Orfanos-Boeckel] (11:12 - 11:52) Wenn man aus den Blutwerten die Gesundheit erforschen, lesen und wissen möchte, dann ist es sinnvoll, das ist jetzt etwas, was ich erarbeitet habe, was ich so noch nie irgendwo anders gelesen hab oder gesehen hab, ist, dann muss man die Blutwerte einteilen in drei verschiedene Kategorien. Und je nachdem in welcher Kategorie der Wert ist, benimmt der sich im Verlauf von Krankheit oder im Verlauf der bleibenden Gesundheit anders. Das heißt, es gibt Werte, die steigen, wenn wir älter und kränker werden. Und da ist es super, unten zu sein. Möglichst vielleicht auch manche von denen gar nicht zu haben.

 

[Nils Behrens] (11:52 - 11:56) Also so ein Klassiker Entzündungswerte, das hochsensible CRP.

 

[Dr. Helena Orfanos-Boeckel] (11:56 - 12:48) Oder ein Antikörper. Also Antikörper nicht haben, Lipoprotein a nicht haben, wäre super. Das ist jetzt nicht immer in unserer Kontrolle. Manche Dinge sind angeboren so und manche ereilen uns auch einfach, weil es auch irgendwie sowas wie Schicksal gibt. Mag man vielleicht in Deutschland nicht so akzeptieren, aber gibt es ja auch. Und das sind Werte, die enorm wichtig sind, dass sie nicht einfach so wie es normal, altersgemäß oft stattfindet, weiter steigen von Jahrzehnt zu Jahrzehnt, weil die führen dann noch mal nach 2-3 Jahrzehnten zu strukturellen Folgen auf Organebene. Das ist die erste Kategorie. Und diese Kategorie, die ist auch Teil der normalen klassischen Medizin. Meistens innere Medizin, aber jedes Fach hat so ein paar Krankwerte, die dann eben auch benutzt werden, um Ausschlussdiagnostik zu machen.

 

[Nils Behrens] (12:48 - 12:51) Und CRP-Wert ist ja schon sehr Standard geworden.

 

[Dr. Helena Orfanos-Boeckel] (12:51 - 13:06) Viele Krankwerte sind Standard. Kreatinin, LDL, HbA1c, Leberwerte, Zuckerwerte, das sind alles Standardwerte. Das sind Schlüsselwerte.

 

[Nils Behrens] (13:07 - 13:11) Mensch, da habe ich ja das falsche Beispiel herausgenommen.

 

[Dr. Helena Orfanos-Boeckel] (13:11 - 13:15) Ja, aber das ist doch jetzt schön, weil dann kann ich jetzt den Unterschied erklären.

 

[Nils Behrens] (13:15 - 13:16) Ich habe es als moderative Brücke gebaut.

 

[Dr. Helena Orfanos-Boeckel] (13:17 - 14:45) Ja, weil die zweite Kategorie ist, sind diese Schlüsselwerte. Und bei den Schlüsselwerten, die sind ein bisschen kompliziert. Es ist wirklich so, es gibt den Tod bei zu niedrig. Ich übertreibe jetzt ein bisschen, aber theoretisch ist das schon auch möglich. Und es gibt auch lebensbedrohliche Situationen, wenn ein Schlüsselwert außerhalb, über der Referenz ist. Und das sind auch Dinge, die durchaus in der Klinik Menschen auf Intensivstationen bringen. Und bei diesen Schlüsselwerten ist es eben weder gut links zu sein, noch gut rechts zu sein, sondern in der Norm und dann aber eben auch nicht nur in der Norm, sondern in der Norm eher in einem kleinen therapeutischen Optimum. Meinetwegen aus der Natur ist ein Schlüsselwert Temperatur. Jetzt hat ja unser Körper wirklich eine ganz stabile Temperatur und sobald das abweicht von 36 auf 37, auf 38, geht das einher mit Veränderungen und 41, 42 wäre dann lebensbedrohlich. So wie auch vielleicht 32 lebensbedrohlich wäre. Insofern, das sind Schlüsselwerte und in diese Kategorie Schlüsselwerte gehören vielleicht drei Gruppen. Deswegen ist das ein bisschen anspruchsvoller. Es gibt zum einen Werte, die ich Zustandswerte genannt habe. Meinetwegen LDL ist auch ein Zustandswert, der gehört zu uns dazu. Es gibt niemanden, der kein LDL hat. Alle haben ein LDL. So wie vielleicht alle haben ein LDL.

 

[Nils Behrens] (14:45 - 15:06) Für alle nicht so Labordiagnostik erfahrene Menschen, das ist ein Cholesterinwert. Man hat ja früher immer so gesagt, als Eselsbrücke, LDL gleich HDL ist der Hab-Dich-Lieb-Wert und LDL sollte man nicht so viel haben. Das hat man ja früher so verallgemeinert gesagt, aber auch das sagt man ja heute eigentlich gar nicht.

 

[Dr. Helena Orfanos-Boeckel] (15:07 - 18:19) Es ist in Wahrheit ja das Lipoprotein, welches eben leichter ist, also Low-Density-Lipoprotein und das transportiert eben das Cholesterin von der Leber in die Peripherie und damit führt es dann dazu, dass das LDL nach draußen geht und das HDL ist das Auto, was sozusagen das Cholesterin wieder zurück zur Leber bringt. Deswegen hat man dem früher einen sehr schützenden Faktor gegeben. Man weiß aber mittlerweile, dass das HDL, wenn es sehr hoch ist, jetzt auch nicht immer nur toll ist. Aber dieses LDL-Cholesterin ist auf jeden Fall ein typischer Krankwert und der gehört zu unserem Zustand dazu und gut ist eben nicht weiter ansteigende Werte zu haben. Bei den Schlüsselwerten gibt es auch Zustandswerte, wie zum Beispiel das Ferritin. Es ist natürlich Eisen abhängig, aber es ist erstmal ein Wert, den ich jetzt nicht direkt, ich kann niemandem Ferritin geben oder sowas, sondern das ist etwas, ich mach was und dann verändert sich Ferritin, meinetwegen Homocystein. Das sind so Stoffe, die im Rahmen unseres Stoffwechsels eben dann einfach auch entstehen, die dann Funktionen haben, aber auch vielleicht ein Wert, den alle auf jeden Fall kennen, ist unser Hb-Wert. Das heißt, wenn der niedrig ist, sind wir blutarm. Wenn der zu hoch ist, ist das Blut zu dick. Das heißt, ein Mann, ideal wäre vielleicht 15, eine Frau, ideal wäre vielleicht 13 und alles unter 5 lebensbedrohlich, alles über 18, 19, da ist entweder eine Krankheit da oder jemand hat vielleicht irgendwie zu viel Testosteron benutzt. Das heißt, das sind Schlüsselwerte und in dieser Gruppe von Schlüsselwerten gibt es eben auch ein paar Nährstoffe, drei Stück, Natrium, Kalium, Calcium, drei Elektrolyte, so nennt man die auch, und die können wirklich im Rahmen von Krankheiten über oder unter der Norm dann zu intensivmedizinischen Situationen führen. Und ganz viele Hormone sind auch Schlüsselhormone. Das heißt, T3, zu niedrig ist nicht gut, aber zu hoch ist auch nicht gut, T4 auch, Cortisol, ein Mangel an Cortisol, Morbus Addison, ein zu viel an Cortisol, ist auch nicht gut, meinetwegen auch bis hin zum Morbus Cushing, Insulin, ein Mangel, Diabetes Mellitus Typ 1, zu viel, Insulinresistenz, das heißt, in der Norm, und jetzt kommt's, ist bei diesen Schlüsselnährstoffen und Schlüsselhormonen ist der interessante Ort der untere Normbereich, das heißt, wenn die nicht richtig gut saftig da sind, obwohl sie in der Norm sind, dann ist das für mich immer eine Einladung, über einen therapeutischen Nutzen von diesen Schlüsselstoffen nachzudenken, je nachdem, welches Problem ich behandeln möchte. T3 ist unglaublich interessant und es wird eben in der klassischen Medizin werden diese Schlüsselnährstoffe und Schlüsselhormone nicht eingesetzt, wenn sie in der Norm sind. Obwohl doch die Norm nur eine statistische Glocke ist, wo eben 95 Prozent der Menschen reinfallen, heißt das ja nicht, dass dann der Schlüsselwert optimal gesund ist.

 

[Nils Behrens] (18:20 - 18:25) Insbesondere, wenn die Gesamtbevölkerung vielleicht auch da einen schlechten Wert hat.

 

[Dr. Helena Orfanos-Boeckel] (18:26 - 18:40) Genau, also wenn auch die Gesamtbevölkerung vielleicht gewissen Verhaltensregeln folgt, die vielleicht auch dann dazu führen, dass dann gewisse Schlüsselwerte sich eben nicht so optimal positionieren, sondern ein bisschen nach unten oder nach oben verschoben sind.

 

[Nils Behrens] (18:40 - 19:00) Ich finde das interessant, weil den Statistiken nach haben ja 65 Prozent der Deutschen Vitamin-D-Mangel. Und wenn man dann sich überlegt, wenn die alle ins Labor rennen, ist natürlich klar, dass sich die Verteilung sehr stark in den unteren Bereich verschiebt, weil diese ganzen Mangelleute sozusagen ja dann mit in die Norm fast gehören, weil 65 Prozent ist ja mehr als die Mehrheit.

 

[Dr. Helena Orfanos-Boeckel] (19:01 - 20:44) Oder auch sagen wir mal, wenn man auch altersgemäß, also es ist zum einen die Versorgung, die abhängig ist von der Nahrung, die wieder abhängig ist auch von der Qualität der Herstellung der Nahrung, aber es ist dann eben auch jedes Alter dann in dieser Glocke drin. Und auch das, wir wollen ja nicht bei allen Sachen 80 sein, sondern bei manchen Sachen wollen wir vielleicht auch bei den Hormonen zum Beispiel so wie 30, 40 oder sowas sein. Das heißt, das sind diese Schlüsselwerte. Und jetzt ist interessant, also bei den Krankwerten und bei den Schlüsselwerten ist ja schon ein Wert über der Referenz immer eine, hat eine Bedeutung auch in der klassischen Medizin. Ist nicht okay. Das heißt, wenn jetzt also das LDL über der Norm, dann würde der Arzt zumindest kommentieren, heißt nicht, dass er unbedingt was tut, aber ein T3 über der Norm oder ein Cortisol über der Norm würde schon in der Medizin zu einem Gedanken und zu einer Folge vielleicht auch zu einer weiteren Diagnostik führen. Und die Gesundmachwerte, die dritte Kategorie, die beinhaltet jetzt lauter Hormone und Nährstoffe und vielleicht der Hauptunterschied ist, dass wenn die im Blut sehr niedrig sind oder meinetwegen auch einige Zeit auch abwesend, sterben wir nicht. Das heißt, das ist der Unterschied zu den Schlüsselwerten. Wir sterben nicht, wenn B12 sehr niedrig ist. Es dauert sehr, sehr lange, bis dann der Mangel so eine Bedeutung bekommt, meist auch eher mit diffuser Symptomatik. Wir sterben nicht, wenn Selen sehr niedrig ist. Wir sterben auch nicht, wenn DHEA sehr niedrig ist, ein schönes Gesundmachhormon. Wir sterben auch nicht, wenn Progesteron abwesend ist, sonst wären ja alle Frauen postmenopausal irgendwie nicht mehr da. Estradiol ist ein Schlüsselhormon.

 

[Nils Behrens] (20:44 - 20:46) Aber Progesteron ist für dich ein Gesundmachstoff?

 

[Dr. Helena Orfanos-Boeckel] (20:47 - 23:45) Interessant. Das ist jetzt mein Vorschlag und das müsste jetzt irgendwie mit KI-Algorithmen, Mathematikmodellen meinetwegen auch gerne erforscht werden. Aber das ist mein Vorschlag, der sich natürlich auf einer sehr langen und großen Erfahrung beruht. Das heißt, mit Progesteron ist es auch so oder generell mit Gesundmachstoffen ist es so, weder ist der Mangel tödlich, die Normalität ist nicht die Gesundheit und aufgrund von Alter und auch nicht optimaler Versorgung ist da das Ziel in der Nährstoff- und Hormonmedizin tatsächlich an und über der Norm zu sein. Und da jetzt alle traumatisiert sind durch zu hohe Krankwerte aus der Klinik und auch zu hohe Schlüsselwerte meinetwegen aus der Klinik und der Praxis, reagieren natürlich jetzt alle so alarmiert, wenn zum Beispiel dann Selen, ich bin dann gerade mal zufrieden mit meinetwegen 1000 Mikrogramm Natriumselenit bin ich gerade mal zufrieden mit dann vielleicht im Vollblut oder auch im Serum Werte von 130, 140, meinetwegen auch 150, das ist jetzt alles nicht schädlich. Und dann ist das natürlich außerhalb der Norm, wobei auch da schon manche Labore auch ihre Referenzwerte ein bisschen nach oben geöffnet haben. Und dann schreien alle rum und denken natürlich, oh Gott, das ist jetzt so schädlich wie bei Krank- und Schlüsselwerten. Und wenn man quasi begreift, welcher Kategorie der Nährstoff 1,2,3 und das Hormon 1,2,3 angehört, dann kann man bei dem einen ein bisschen Respekt auch haben bei den Schlüsselstoffen und bei den anderen aber eben auch sich entspannen. Und dann kann man auch in einer Therapie, die satt ist, nicht viel falsch machen. Und es ist nicht sofort gefährlich. Also sehr viel Progesteron wäre nicht gefährlich. Irgendwann würde man, wenn man es nicht mag, es auch merken, meinetwegen zu müde sein. Oder sehr viel B12 ist nicht gefährlich. Also es gibt da jetzt auch nicht für all das, was ich sage, placebo-kontrollierte Studien. Aber so grundsätzlich ist das tatsächlich eine sehr schöne Möglichkeit, sich auch vor allen Dingen, wenn man sich alleine ein bisschen mit Nährstofftherapie beschäftigen möchte, sich erstmal irgendwie zu beruhigen. Omega-3-Fette, wunderschöne Gesundmachstoffe. Das heißt, die machen Zellmembranen gesund. B12 macht Nerven, erhält Nerven gesund, stärkt das Blutbild, ist für die Hirngesundheit wichtig. Also in der Natur wären Gesundmachstoffe Pflanzen und Bäume. Das heißt, bis man einen Mangel mal merkt und wir sterben auch nicht, wenn jetzt weiter die Urwälder reduziert werden. Und wenn wir jetzt überall Bäume pflanzen würden, wäre das jetzt auch nicht schädlich. Es sei denn, wir würden vielleicht einen auf die Autobahn stellen oder sowas. Also insofern, Wasser ist ein Schlüsselstoff, Temperatur ist eine Schlüsselzahl.

 

[Nils Behrens] (23:45 - 23:48) Was ist mit Eisen? Weil du das Ferritin zu einem früheren Zeitpunkt gesagt hast.

 

[Dr. Helena Orfanos-Boeckel] (23:48 - 24:33) Eisen ist erstmal auch ein Gesundmachstoff, weil A, unsere Realität, eher der Mangel. Es gibt natürlich eine Ausnahme, es gibt manche Menschen, die haben eine Eisenspeicherkrankheit und insofern würde ich jetzt Eisen auch nicht ohne Labor vorher zu prüfen geben. Das heißt jetzt nicht, dass bei den Gesundmachstoffen es nicht auch Situationen gibt, wo man ein bisschen vorsichtig sein, meinetwegen Jod auch. Aber erstmal ist Jod etwas, wenn wir einen Mangel haben, wir sterben nicht. Es ist nicht so wie Cortisol, es ist nicht so wie Calcium. Also wenn du ein Calcium hast von 1,7, das geht irgendwann nicht. Oder ein Kalium von 2,5, Herzrhythmusstörung. Also insofern, das ist ein Unterschied. Da geht die Null nicht. Ich verstehe genau, was du meinst.

 

[Nils Behrens] (24:33 - 24:57) Ich finde es sehr spannend und sehr interessant, diesen Blick nochmal so darauf zu haben, weil natürlich, ich finde, wenn man im ersten Augenblick diese Definition hört, würde man denken, dass die Gesundmachwerte eher so die Sachen sind, die so in die Kategorie so nice to have, sage ich mal so, weil sie halt nicht so gefährlich sind. Aber das sind sie ja mit Sicherheit mehr als das, sozusagen.

 

[Dr. Helena Orfanos-Boeckel] (24:57 - 26:08) Also sie sind ja, erstens sind es ja vor allen Dingen bei den Nährstoffen, es ist ja alles essenziell. Das sind alles essenzielle Nährstoffe, ohne die wir langfristig letztendlich auch innen drin nicht funktionieren. Nur unser Gefühl für Medizin ist so eine Akutmedizin. Und wir haben in der Medizin lernen wir jetzt nicht, wir lernen sowieso die Gesundheit nicht, wir lernen die Pathologie und wir lernen dann in der Pathologie die Therapie, die sofortige Nottherapie, ob das dann Chirurgie, Interventionen oder Pharmakotherapie ist, ist jetzt egal. Aber dieses langfristige Gesundhalten, meinetwegen so wie Eltern sich um ihre Kinder kümmern, oder meinetwegen auch Menschen um ihre Autos und ihre Gärten und ihre Hunde, also das gibt es jetzt so in der Medizin nicht. Wir sind trainiert für Leben retten. Wir sind trainiert für akute Situationen erkennen und handeln. Und wir sind nicht trainiert für die Gesundheit beschützen, gestalten, bewahren und aufklären. Dann müsste das System sich kolossal ändern und das erste was es bräuchte wäre Bildung und dann eben auf Ärzteseite in den Praxen Zeit.

 

[Nils Behrens] (26:09 - 26:22) Ja, also wirklich sehr spannend. Wenn wir jetzt einfach mal so die ich sag jetzt mal für dich die Werte definieren würden, welches sind die spannendsten, leisen Frühwarnsignale, obwohl sie, sag ich mal in der klassischen Medizin oft eher nicht so dramatisch aussehen.

 

[Dr. Helena Orfanos-Boeckel] (26:23 - 26:27) Das sind auf jeden Fall der beginnende Anstieg dieser Krankwerte.

 

[Nils Behrens] (26:28 - 26:30) Der beginnende Anstieg der Krankwerte.

 

[Dr. Helena Orfanos-Boeckel] (26:30 - 27:12) Also in dem orangenen Buch habe ich wirklich sehr schöne Skalen hergestellt, wo ich die, den Verlauf der Werte mit Farben gekennzeichnet habe und die Krankwerte, die steigen eben in der Norm schon an und dann ist es schon gelb oder ein bisschen gerötet und erst über der Norm wird es dann rot, sodass der Arzt oder die Ärztin darüber spricht und die Idee ist, Krankheit im Stoffwechsel beginnt ganz früh, Jahrzehnte vor Diabetes, Jahrzehnte vor koronarer Herzerkrankung, Jahrzehnte vor Dialyse kann man die Entwicklung von diesen altersbedingten Stoffwechselerkrankungen am Anstieg der Krankwerte beobachten.

 

[Nils Behrens] (27:13 - 27:14) Was ist ein HOMA-Index für dich?

 

[Dr. Helena Orfanos-Boeckel] (27:15 - 27:15) Ein Krankwert.

 

[Nils Behrens] (27:17 - 27:26) Für mich ist es ja, weil du gerade Diabetes angesprochen hast, finde ich ja so überraschend, der wird so selten genommen und das ist jetzt auch gar kein so teurer Wert in dem Sinne.

 

[Dr. Helena Orfanos-Boeckel] (27:26 - 27:39) Wir müssen ja den Zucker messen, das ist nicht teuer, aber das Insulin, Hormone sind einfach immer teurer. Hormone sind eher zweistellige Eurozahlen und Zucker ist Cent.

 

[Nils Behrens] (27:40 - 27:44) Okay. Magst du einmal kurz definieren, was der HOMA-Index ist?

 

[Dr. Helena Orfanos-Boeckel] (27:44 - 28:33) Das ist einfach ein Quotient, den man berechnet aus dem Nüchternzucker und aus dem Nüchternwert für das Insulin. Nüchternes Insulin, Schlüsselwert ist perfekt fünf morgens und perfekt Zucker meinetwegen 70 und der Krankwert, Zucker ist auch ein Schlüsselwert, weil Unterzuckerung ist ja auch lebensbedrohlich und meinetwegen das Labor macht erst beim Zucker so ein Kästchen drum bei über 120 aber es ist schon 90, 100 nüchtern schon interessant und beim Insulin ist es so, dass alles über 10 schon nicht mehr in Ordnung ist morgens. Jetzt jemand mit einer schweren Insulinresistenz, der dann einen HOMA-Index von 8 hätte oder so, der hat dann ein Insulin von 20, 30. Aber ein richtig guter HOMA-Index ist kleiner 2.

 

[Nils Behrens] (28:33 - 28:50) Wenn du jetzt aber mal wirklich darüber nachdenkst, solche, du hast es zwar schon jetzt angesprochen, aber wenn du jetzt so einen, wenn du wirklich nur auf einen Wert jetzt zeigen könntest und sagen würdest, Mensch, wenn wir den mal früher ernst genommen hätten, würden wir viel Leid verhindern. Hättest du da einen, den du auf Platz 1 setzen würdest?

 

[Dr. Helena Orfanos-Boeckel] (28:50 - 29:29) Tatsächlich, wenn ich das jetzt mit einem Wert beantworten muss, wenn nur abgesehen jetzt mal vom Bluthochdruck, der ein Schlüsselwert ist, wenn nur alle in Deutschland ihren Blutdruck tippitoppi einstellen würden, wäre auch vieles später besser. Und tippitoppi ist 110 zu 70, erst recht bei Frauen. Und im Blut bin ich konvertiert, hätte ich vielleicht vor 15 Jahren nicht so gesagt, aber es ist dann doch das LDL. Und ich weiß jetzt um alle Differenzierungen, ich weiß um 1, 2, 3, 4, 5, 6, 7, ApoB und so, und trotzdem, wenn wir nur das LDL ernster nehmen würden, früher sowie Blutdruck senken würden, glaube ich, dass das auch einen entscheidenden Unterschied machen könnte.

 

[Nils Behrens] (29:30 - 30:23) Ich finde es sehr spannend, dass du gerade diese Sachen rausnimmst, weil der amerikanische Arzt Peter Attia ist jetzt ja gerade ein bisschen durch die Epstein-Pfeilzehen in Ungnade gefallen, aber nichtsdestotrotz ist ja nicht alles, was er davor gesagt hat, falsch. Und der hat ja wirklich immer eine Lanze gebrochen dafür, dass man gerade diese Werte, Bluthochdruck und Blutfette, sehr früh angehen sollte, auch tatsächlich mit pharmakologischen Maßnahmen, sage ich mal so. Ich finde das auch. Weil er sagt, im Grunde genommen eigentlich, und da spricht er eben halt, wir fangen immer erst an, da tatsächlich auf die Medikamente zu gehen, wenn sie in einem Krankheitsbereich sind. Und aus seiner Sicht müsste man es eben halt wirklich viel, viel früher machen, weil die Probleme, die sich über die Zeit eben halt für die Gefäße eben halt ergeben, dann häufig eben halt zu einem Zeitpunkt erst therapiert werden, wenn eigentlich ja sozusagen schon Probleme, wenn wir krank sind, sozusagen da sind.

 

[Dr. Helena Orfanos-Boeckel] (30:23 - 31:03) Also das ist ja der Inhalt von diesem dritten Buch, wo ich ja meinetwegen ein neues Wort kreiert habe. Ich habe einige neue Wörter kreiert. Ultraprävention. Die Idee ist, anhand dieser Krankwerte schon zu lesen, wo Risiko für spätere Folgen auf Organebene dabei ist, sich zu entwickeln und dann diese Krankwerte zu zwingen, in der Gesundheit zu bleiben, wie auch immer man das schafft. Wenn man es eben nicht schafft durch das Verhalten, dann eben mit Pharmaka. Die Frage ist nur, ab wann fängt man an? Aber wenn man verhindert, dass diese Krankwerte steigen, dann verhindert man und man löscht die Folgen aus.

 

[Nils Behrens] (31:03 - 31:11) Wobei man ja fairerweise sagen muss, dass die meisten von diesen, sei es eben halt Statine oder Blutdrucksenker, ja nicht unbedingt frei von Nebenwirkungen sind.

 

[Dr. Helena Orfanos-Boeckel] (31:13 - 32:56) Also damit kann man aber alles, das kann man alles händeln. Das ist alles händelbar. Also erstens, Blutdrucksenker würde ich sagen, das stimmt so nicht, wenn du einfach feine Dosierungen benutzt. Also ich finde wirklich vor 20 Jahren hätte ich jetzt anders geredet, aber mit mir sind ja viele Menschen in der Praxis auch älter geworden. Ich habe die Praxis seit 2002. Und im Nachhinein denke ich, ich hätte manche Dinge früher gestalten, aktiv auffordern müssen, gerade bei Frauen, kleine Dosierungen zu nutzen, um spätere Folgen zu vermeiden. Also richtig vermeiden. Und da ich jetzt noch mal mehr verstanden habe, was Alterung bedeutet, ist es eben auch begrenzt ab einem gewissen Alter irgendwann nicht mehr möglich, den Alterungsprozess durch das Verhalten aufzuhalten. Es sei denn, man gibt sich vielleicht mit seinem ganzen Leben hin, aber du hast ja selber den Bryan genannt. Also selbst wenn du dein ganzes Leben dem ganzen hingibst, kann es trotzdem sein, dass irgendwo aus irgendeiner Ecke was kommt. Insofern, ich bin eher dafür, sein Leben, meinetwegen einer Mission, das war jetzt seine Mission, irgendwas anderem zu geben, was jetzt vielleicht auch nicht immer unbedingt jetzt irgendwie mit dem eigenen Körper und so zu tun hat, sondern vielleicht auch mal irgendwie was Gutes ist für die Gesellschaft oder so. Und dann eben einfach auch ab einem bestimmten Alter ein paar Pharmaka zu nutzen. Zum Beispiel Blutdruck wird ja gesenkt, sobald er erhöht ist. Und die Menschen nehmen aber die Medikamente nicht, weil sie nicht glauben, dass das sein muss. Und gerade auch Frauen, die, sagen wir mal, sich gesund verhalten und dann auch vielleicht gut aussehen und das vielleicht noch nicht spüren, wollen dann nicht diese Pharmaka.

 

[Nils Behrens] (32:56 - 33:01) Naja, aber der Punkt, sag ich mal, wenn ich einen zu hohen Blutdruck spüre, dann ist ja wirklich schon richtig.

 

[Dr. Helena Orfanos-Boeckel] (33:02 - 34:29) Nein, bei den Frauen muss man ganz fein fragen. Die merken in Wahrheit schon 130, 80. Was die dann aber da, die interpretieren das dann so, dass es eher Stress ist. Es ist aber so, ein Mann ist robuster, der, ich pauschalisiere jetzt, sehr sensible Männer, sehr robuste Frauen, aber tatsächlich der richtig gesunde Blutdruck von jungen Menschen, guckst bei deiner Tochter, ist eher 100 zu 60, 110 zu 70, ist nicht 130, 80. Und jetzt wird eben erst behandelt bei 140, 90, weil dann auch irgendwie meinetwegen der Betroffene merkt, na, ich bin auch irgendwie, schlaf vielleicht nicht so gut oder sowas, aber die Wahrheit ist, dass schon 130, 80 nicht normal ist und schon innen drin ein Gefühl von Anspannung geben kann plus schlechterem Schlaf. Es ist so ein Teufelskreis. Natürlich spielt der Stress eine Rolle. Natürlich spielt Alterung eine Rolle. Der Wegfall von Progesteron sorgt auch dafür, dass der Blutdruck dann nochmal ein bisschen höher steigt. Calcium, Magnesium, diese Dinge spielen schon eine Rolle, aber genauso wie jetzt Ernährung und Sport, meinetwegen nicht die Möglichkeit haben, den Tod zu vermeiden, genauso ist jetzt Nährstoff- und Hormonmedizin, hat jetzt auch nicht diese Macht. Pharmaka glaube ich schon, werden in Zukunft schon auch in der Lage sein und sind jetzt in Wahrheit schon in der Lage, Leben zu verlängern.

 

[Nils Behrens] (34:29 - 34:58) Also du kannst perfekt die Blutwerte lesen und daraufhin dann eben halt auch eine Mikronährstoffempfehlung dazu geben. Nehmen wir jetzt mal an, ich komme zu dir, habe 135 zu 85. Da würdest du sagen, zu viel. Und ich sage, ich möchte aber keine Medikamente nehmen. Gibt es etwas, was wir erstmal machen können, vielleicht aus dem Supplement-Regal, wo wir dann sagen würden, das starten wir mal und wenn es dann nicht besser wird, dann gehen wir auf die...

 

[Dr. Helena Orfanos-Boeckel] (34:58 - 35:01) Das hängt jetzt total von diesen Menschen ab, wie alt er ist.

 

[Nils Behrens] (35:01 - 35:01) Ich bin das.

 

[Dr. Helena Orfanos-Boeckel] (35:05 - 35:15) Du benimmst dich ja schon sehr gesund. Je gesünder du dich benimmst, je schlanker du bist, desto mehr Sport du machst. Wenn du nicht rauchst und keinen Alkohol trinkst, dann sind ja im Prinzip die Möglichkeiten...

 

[Nils Behrens] (35:15 - 35:17) Optimierungsbedarf ist, Optimierungsmöglichkeiten sind eingeschränkt.

 

[Dr. Helena Orfanos-Boeckel] (35:17 - 35:25) Die Schrauben, an denen ich jetzt drehen kann, sind nicht mehr groß. Dein Schlaf könnte jetzt noch mal interessant sein.

 

[Nils Behrens] (35:25 - 35:28) Aber jetzt sage ich mal, Kaliumsalz zum Beispiel.

 

[Dr. Helena Orfanos-Boeckel] (35:29 - 36:31) Erstmal nur mal wahrnehmen, es ist eben dann doch diese Fragen, die sind dann doch eben sehr individuell zu beantworten. Wenn du jetzt sagst, das bist du, würde ich sagen, naja, alt genug bist du jetzt schon, um vielleicht eben auch im Rahmen von Aging Bluthochdruck zu entwickeln. Also ab 50 jeder zweite hat Hochdruck. Dafür haben wir wahnsinnig viele Gene. Das ist also jetzt wirklich eine Volkskrankheit, weil einfach es genetisch in uns steckt, Hochdruck zu bekommen, wenn wir mit 50 nicht tot sind. Natürlich spielt das Verhalten eine Rolle. So bei dir würde ich jetzt denken, dass du eine Tablette nehmen solltest, um zum Beispiel auch Organschutz zu machen. Nierenschutz, Herzschutz. Wenn du jetzt 20 wärst, dann würde ich sagen, nee, da ist was im Verhalten. Es ist selten, dass jetzt jemand eine essenzielle Hypertonie, das ist was für Ältere. Es gibt natürlich auch Krankheiten, die dann auch junge Menschen im Rahmen dann bekommen können und dann haben die als Folge Hochdruck, sekundäre Hypertonie.

 

[Nils Behrens] (36:31 - 36:40) Wobei, fairerweise 135 zu 85 ist ja definitorisch leicht erhöht. Das ist ja noch kein Hochdruck offiziell.

 

[Dr. Helena Orfanos-Boeckel] (36:40 - 37:40) Jetzt aber sprichst du mit einer Präventivmedizinerin, die findet das viel zu hoch. Auf keinen Fall darfst du das so lassen. Du musst, wenn du das nicht anders hinbekommst, ich würde dir drei Monate geben, du musst dann messen mit so einem Gerät und irgendwie musst du mir dann die Werte zeigen. Nachts würde ich auch wissen wollen, oder du musst so eine schreckliche 24 Stunden Blutdruckmessung machen. Ich würde dich zu der ganzen Organabteilung schicken. Ich würde gucken, ob dieser Blutdruck schon irgendwo Folgen hinterlassen hat. Eiweiß im Urin, an deinen Augen, das Herz, ob der linke Ventrikel ein bisschen verdickt ist, eine diastolische Funktionsstörung. Also ich würde erstmal prüfen, gibt es schon Strukturhinweise, dass der Blutdruck Schaden hinterlassen hat. Funktionell strukturellen Schaden hinterlassen hat. Und davon abhängig wäre ich dann noch strenger. Aber selbst wenn du total gesund wärst, du musst ja jetzt noch 50 Jahre durchhalten, würde ich dir sofort ein kleines Sartan geben. Candesartan, 2 Milligramm, 4 Milligramm und würde den senken. Ich würde das nicht so lassen. Also um die Frage zurückzukommen, Blutdruck total wichtig, niedrig halten. Ist ein unglaublicher Schlüssel.

 

[Nils Behrens] (37:40 - 37:58) Nein, aber deswegen ist ja immer interessant, aber nehmen wir mal doch jetzt trotzdem mal an, dass ich jetzt eben halt immer noch, sag ich mal so, gib mir doch jetzt nochmal 3 Monate sozusagen und ich würde jetzt sagen, okay, wir nehmen jetzt die Blutdruck, das Blutdruckmessgerät, als ich es gekauft habe, hieß es noch Aktiia, das hat jetzt einen anderen Namen.

 

[Dr. Helena Orfanos-Boeckel] (37:58 - 37:58) Jetzt heißt es Aktiia.

 

[Nils Behrens] (37:58 - 37:59) Aktiia, Aktiia.

 

[Dr. Helena Orfanos-Boeckel] (37:59 - 38:00) Ich hab auch noch Aktiia.

 

[Nils Behrens] (38:00 - 38:06) Wir machen keine Werbung, aber ich war so überrascht, ich hatte auf einmal eine Aktiia App auf meinem Telefon und dachte, wo kam die denn her?

 

[Dr. Helena Orfanos-Boeckel] (38:06 - 38:17) Also ich muss sagen, ich finde das sehr hilfreich, hab auch das Gefühl, dass es sich so ein bisschen in der Medizin, sagen wir mal, etabliert hat und eben die ganzen anderen Wearables, die können noch nicht so gut Blutdruck messen.

 

[Nils Behrens] (38:17 - 38:23) Ich finde das gar nicht, also dieses Whoop-Band, das hat mit echten Messungen noch nichts zu tun.

 

[Dr. Helena Orfanos-Boeckel] (38:24 - 38:55) Ich gucke jetzt halt immer, beide Eltern, meine Mutter hatte Hochdruck, mein Papa hat und insofern noch ist er 105 zu 70, 110, 115, das heißt ich gucke und freue mich dann immer, dass der Blutdruck gut ist. Jetzt willst du ja wissen, was könnte man aus der Nährstoff- und Hormonmedizin machen. Jetzt müsste man wirklich messen. Was man blind machen kann, das könnte dir einfach, wenn du nicht perfekt schläfst, zum Beispiel 50 oder 100 Milligramm Progesteron zur Nacht geben. Das senkt es zum Beispiel ein bisschen, vielleicht.

 

[Nils Behrens] (38:55 - 38:57) Das ist interessant, das wusste ich gar nicht, dass das Männer auch machen.

 

[Dr. Helena Orfanos-Boeckel] (38:57 - 40:02) Natürlich können Männer auch das Gesundmachhormon Progesteron nutzen, schützt auch die Prostata. Toll. Schmiere ich das auch so? Nein, das schluckst du. Ah, okay. Du musst ja dann in der Leber Allopregnanolon bilden und das macht schön gesund müde und je besser du schläfst, desto besser ist alles, plus es hat vielleicht auch ein paar entwässernde Fähigkeiten. Das wäre eine Idee. Die andere Idee ist natürlich jetzt zu gucken, was ist mit Calcium und Magnesium. Ich finde 90, 95 Prozent der Menschen haben ein Magnesiumhunger, ich sage mal Hunger, um die, die den Mangel nicht akzeptieren, nicht zu verärgern und fast alle haben eigentlich einen Calciumhunger und das wären jetzt zwei sehr sehr, auch Kalium, drei sehr wichtige Mineralien, Magnesium Gesundmachnährstoff, Kalium und Calcium Schlüsselnährstoffe, die, wenn sie fehlen, interessant wären, dir das zu geben und vielleicht macht das deinen Blutdruck auch nochmal ein bisschen, sagen wir mal, verschiebt den Hochdruck auf in zwei Jahren.

 

[Nils Behrens] (40:03 - 40:08) Okay, aber die Tendenz ist da, deswegen ist die Wahrscheinlichkeit, dass man es so hinbekommt, ja.

 

[Dr. Helena Orfanos-Boeckel] (40:08 - 40:24) Es hat was mit Alter zu tun, es ist auch, man müsste sich jetzt ein bisschen mit deinem Körper beschäftigen, was für ein vaskuläres Risiko hast du auch. Zum Beispiel, wenn jetzt nur der Blutdruck da ist, kannst du ja nochmal ein bisschen gucken, meinetwegen Alkohol nochmal weglassen, ganz weglassen.

 

[Nils Behrens] (40:24 - 40:24) Ja.

 

[Dr. Helena Orfanos-Boeckel] (40:25 - 41:48) Aber wenn du zum Beispiel dann auch ein LDL ein bisschen hättest, 120, 130 oder ein HbA1c, ist die gelbe Zone schon 5,9 und dann vielleicht noch ein bisschen Harnsäure, das sind alles Krankwerte, die die Gefäße auf die Dauer ärgern können und die dann in der Summe irgendwann dann vielleicht einen Plaque herstellen könnten. Jetzt kann man hier den Plaque sehen, aber deine Augen sind feine Gefäße, hier unten bei den Männern ist auch jemand abhängig von einer guten Gefäßversorgung, das weiß auch nicht jeder Mann, das meinetwegen seine Potenz abhängig ist von diesen ganzen vaskulären Risikofaktoren. Dann wollen die kein Bluthochdruckmittel nehmen, weil sie Angst haben, in Wahrheit ist der Bluthochdruck auch etwas, was die Potenz auf Dauer schädigen kann und eben diese erektile Dysfunktion auch mit unterstützen oder auslösen kann. Also insofern, die Alterung geht besser, wenn alles, was von der Durchblutung abhängig ist, wirklich gesunde Gefäße behält. Und die wollen von Haus aus, benehmen die sich einfach je älter wir werden daneben. Das ist ein alterungsbedingter Prozess, bei dem der eine genetisch Glück hat, der andere genetisch Pech und das natürlich dann durch unser Verhalten, Rauchen zum Beispiel ist ganz fürchterlich, dann eben auch noch das Glück oder das Pech unterstützt wird.

 

[Nils Behrens] (41:49 - 41:52) Ich habe zum Glück nie geraucht, nie geraucht.

 

[Dr. Helena Orfanos-Boeckel] (41:52 - 41:54) Das ist schon mal ein Pfund.

 

[Nils Behrens] (41:54 - 42:12) Oder? Ich finde auch, irgendwie fand ich das immer sinnlos und würde es auch heute immer noch so denken. Dein Begriff der IBSE, also der individuellen biochemischen Stoffwechselempfindlichkeit. Also du hast ja schon gesagt, du hast einige Worte erfunden. Ist das auch erfunden?

 

[Dr. Helena Orfanos-Boeckel] (42:12 - 42:14) Das ist auf jeden Fall meine Kreation.

 

[Nils Behrens] (42:16 - 42:22) Wie sieht man bei einem Menschen mit hohem IBSE? Ich wiederhole es nochmal, damit es nicht überflüchtet.

 

[Dr. Helena Orfanos-Boeckel] (42:22 - 42:22) Ich nenne die IBSE.

 

[Nils Behrens] (42:22 - 42:39) IBSE, eine hohe IBSE. Also der individuellen biochemischen Stoffwechselempfindlichkeit. Man muss dieses Wort nochmal der Zunge zergehen lassen. Individuellen biochemischen Stoffwechselempfindlichkeit. Also wie sieht man Menschen mit hoher IBSE, bevor er offiziell krank ist?

 

[Dr. Helena Orfanos-Boeckel] (42:40 - 47:28) Also das Wort vielleicht, wieso ich das kreiert habe. Ich wollte ein Wort finden, um diesem Ort Blutstoffwechsel irgendwie so eine Art Begrifflichkeit zu geben. Weil ja so ein Arzt, so eine Ärztin, wir sind ja so fixiert auf, sagen wir mal, eine verantwortliche Organebene, für die wir dann Spezialisten sind. Und ich wollte irgendwie diesem Stoffwechsel eine Begrifflichkeit geben. Und erstens, das Ganze ist sehr individuell. Dann das Ganze liegt in der Ebene der Biochemie, nicht Physik. Dann ist es der Stoffwechsel, was auch immer Stoffwechsel ist, aber im Blut findet ja der Wechsel von dem, was wir aufnehmen, produzieren und dann wieder auch ausscheiden, findet ja da statt. Unter der Oberaufsicht der Nieren, meine Lieblingsorgane. Und dieses Wort Empfindlichkeit ist entstanden durch die Patientinnen. Also ich hab auf der Suche nach Heilung, habe ich auch mal eine Weile lang sehr viel Seele-Geist-Medizin gemacht. Und darüber kamen dann sehr viele gesunde, meinetwegen auch gut aussehende, sich gut verhaltene Frauen zu mir. Und trotzdem, obwohl sie alles richtig machten, waren sie irgendwie zu empfindlich. Der Schlaf, die Psyche, die Haare, die Haut, also diese Empfindlichkeit. Ich wollte diesem klinischen Symptom, was in der klassischen Medizin nicht stark genug ist und nicht gehört wird, wenn jemand empfindlich ist, das ist dein Problem und dann musst du gucken, wie du damit zurechtkommst. Ich bin nicht zuständig, weil es nicht schlimm genug ist. Dem wollte ich einen Ausdruck geben. Und wichtig ist eben eine hohe Empfindlichkeit, also eine hohe IBSE wäre dann doof und eine niedrige IBSE oder eine robuste IBSE wäre dann eben das Ziel. Und mir war dann aufgefallen, ich habe ja dann als Nierenärztin, da sind wir auf jeden Fall ja sehr blutaffin und ich finde, ich bin so eine richtige Blutleserin und ich habe dann eben trotzdem, auch wenn wir über Seele-Geist gesprochen haben, immer weiter diese Labordiagnostik weiter vergrößert, erweitert und so. Und dann stelle ich fest, ui, die sind aber durcheinander. Und dieses Chaos, was dann einhergeht mit einer hohen IBSE und einer hohen klinischen Empfindlichkeit, ist dann eine Mischung aus schon ein paar Krankwerten, das hätte ich aber nicht gedacht, weil die benimmt sich doch so gesund. Dann auch echt ganz schön verschobene Schlüsselwerte, entweder Zustandsschlüsselwerte, bisschen Anämie, aber dann eben auch enormer Mangel an Nährstoffen, enormes Durcheinander bei den Hormonen und was war natürlich, die waren natürlich voll in der Peripostmenopause hormonell durcheinandergeraten und durch diese Frauen habe ich dann, während ich meine Wechseljahre durchgelebt habe, habe ich erstmal verstanden, was diese hormonellen Veränderungen für den Körper der Frau dann später in der inneren Medizin bedeuten. Es ist ja diese Hormonersatztherapie rein in der Gynäkologie gewesen. Da habe ich ja als Internistin nichts mit zu tun gehabt. Ich erinnere mich weder im Studium, nirgendwann in der Klinik, dass das Wort Wechseljahre gefallen ist. Nie! Das heißt, ich habe durch die Frauen und mich dann verstanden, das spielt aber eine Rolle. Oh, da geht jetzt schon der Knochen weg. Oh, da entsteht jetzt schon vaskuläre Krankheit und dann mein Mission ist ja Nieren zu schützen und Nieren sind eben auch total abhängig von der Gefäßgesundheit und das war eben dann so ein Schlüsselmoment, wo ich verstanden habe, wow, obwohl die Frauen wirklich alles richtig machen, für mein Empfinden manchmal sogar zu sehr irgendwie alles richtig machen, weil es blieb gar keine Zeit mehr für irgendwie andere Sachen und trotzdem war innen drin der Stoffwechsel nicht ordentlich. Es war einfach ein Zahlenchaos und dann eben der Versuch, wie sortiere ich das jetzt? Also, krank war zu hoch, Schlüssel war durcheinander und eine Abwesenheit von Gesundmachfreunden und das ist im Prinzip eine schlechte, niedrige IBSE mit dann eben auch bei den Frauen das Gefühl von ich fühle mich nicht und es findet aber keiner was. Alles war okay. Der Kardiologe hat nichts gefunden, der Hausarzt hat nichts gefunden, die Endokrinologen finden auch selten was und dann war es immer an der Frau, sich noch gesünder zu benehmen, noch mehr Stress, noch mehr Yoga, noch mehr zu schlafen, noch mehr Absagen, gar nicht mehr arbeiten, Kinder verkaufen, ich weiß es nicht. Also insofern, das war so vielleicht vor 15, 20, vor 15 Jahren so ein bisschen das, was ich da beobachtet hab, dass eben im Blut für das, was die Frauen mir geschildert haben, gab es eine Erklärung. Die spannen nicht, die spinnen nicht, da ist was und insofern das ist die IBSE.

 

[Nils Behrens] (47:28 - 47:36) Gut, jetzt werden wahrscheinlich die ein oder anderen ZuhörerInnen jetzt sagen, die redet von mir, das bin genau ich.

 

[Dr. Helena Orfanos-Boeckel] (47:36 - 47:37) Genau ich, ja.

 

[Nils Behrens] (47:37 - 47:39) Was macht die jetzt?

 

[Dr. Helena Orfanos-Boeckel] (47:40 - 49:41) Also erstmal meine Bücher lesen. Weil das Grüne Buch klärt erstmal auf, warum sind Nährstoffe nicht giftig, warum sind Hormone nicht sofort böse, wie muss man mit Nährstoffen, wenn man medizinische Nährstofftherapie machen möchte, um innen drin etwas Wirksames zu erzeugen, wie beim Sport, wenn du jemanden im Marathon trainieren willst und der will gewinnen, musst du richtig gucken, wie du den trainierst, du musst gucken, die Schwachstellen und so. So ähnlich kann man in der Biochemie der Menschen innen drin mit Nährstoffen und Hormonen auch denken und handeln. Das heißt lesen. Erstmal aufgeklärt sein und dann in dem blauen Buch steht nur drin, wie man das dann genau macht mit den Nährstoffen und im orangenen Buch, das ist vielleicht das Buch, was am ehesten für die Therapeuten interessant ist, da beschreibe ich jetzt, wie ich in der Praxis mit Nährstoffen, Hormonen und Medikamenten nach Labor Knochen und Gefäße beschütze und mein Gefühl ist, dass doch die Ärzteschaft auch offener ist. Das Problem ist halt, wenn ein Arzt oder eine Ärztin im Kassensystem ist, hat sie nicht die Möglichkeiten in der Kasse mit den Menschen über das Thema zu sprechen. Aber ich erlebe jetzt so in den letzten vier Jahren viele, viele Ärztinnen vor allen Dingen, die sehr offen sind für diese vielleicht mehr funktionelle präventive Medizin. Das heißt, man kann, wenn man weiß, was man suchen soll oder die Frau liest das, weiß, was sie suchen soll und dann glaube ich schon, dass es mittlerweile mehr und mehr Kollegen, Kolleginnen gibt, die sich dann auch der Sache annehmen. Meistens sind es Privatpraxen, funktionelle Medizin, integrative, präventive, mitochondriale Medizin, das sind Nährstoff- und Hormonmedizin, das wären jetzt so Worte, die man auf der Homepage vielleicht dann auch lesen müsste, wenn man irgendwie das, was in den Büchern ist, dann auch bekommen oder suchen möchte. Man kann auch ziemlich viel alleine machen. Man kann auch alleine in die Labore gehen, wir haben ja in Berlin hier ein paar Labore, aber diese Labore, die holen entweder deutschlandweit ab oder haben auch in Deutschland verschiedene Standorte und dann kann man alleine auch schon mal Nährstoffmedizin machen und die Nährstoffe braucht man keinen Arzt für.

 

[Nils Behrens] (49:42 - 49:47) Finde ich denn die Krankmach-Schlüsselwerte und Gesundwerte, finde ich die alle schon im Grünbuch?

 

[Dr. Helena Orfanos-Boeckel] (49:48 - 51:14) Nein. Das habe ich im Blauen Buch entwickelt, um eben einfach zu erklären, wie man mit der Nährstofftherapie medizinisch quasi vorgehen muss und was das Ziel ist. Ich habe quasi zu jeder Blutzahl immer ein Ziel. Im Blauen und im Orangenen sind am Ende des Buches eine Tabelle, da steht dann immer die Referenz drin und dann steht der Zielwert in der Gesundheit drin und dann ist es auch nicht so wichtig immer jetzt zu gucken, welche Referenz, welche Zahlen hat denn das Labor, aber man muss verstehen, welche Kategorie ist dieser Wert und wo muss der dann im Verhältnis zu der Referenz, die meinetwegen auch ein anderes Labor angibt, sein. Krankwert unten, untere Referenz. Schlüsselwert irgendwo Mitte, meistens Mitte, oberes Drittel und Gesundmach außerhalb der Referenz. Ob das jetzt in Mikrogramm, in Millimol, ist egal. Also wenn man verstanden hat, ich habe Listen gemacht, da steht immer KSG, steht also zu jedem Wert steht, in welche Kategorie der gehört. Seitenweise Listen von diesen beiden Hauptlaboren, die ich benutze und die ich ja auch konkret nenne, um einfach mal kochen. Ich nenne konkret, mit welchen Laboren und Nährstoffdosierungen ich koche, um im Blut Ziele zu erreichen. Es ist wirklich innere Medizin. Ich nutze hier jetzt nicht Medikamente, sondern ich nutze Nährstoffe und Hormone wie Medikamente, um Zielwerte zu erzeugen.

 

[Nils Behrens] (51:15 - 51:48) Wenn ich jetzt aber mich wiedererkenne und, gut, ich bin jetzt keine Frau, du hast jetzt erst von Frauen gesprochen, aber ist ja jetzt egal. Und ich sage jetzt, okay, ich möchte es jetzt auch rausfinden. Jetzt kaufe ich mir die Bücher, jetzt habe ich vielleicht schon ein Labor gemacht und jetzt möchte ich mal schauen, habe ich eine hohe IBSE? Kann ich das anhand dieser Tabellen machen? Wenn ja, wann ist sie erfüllt sozusagen? Also wie viele, kann man jetzt sagen, wenn drei Schlüsselwerte, drei Gesundmachwerte sozusagen nicht passen, dann kann es schon sein, dass ich sozusagen so eine hohe IBSE habe?

 

[Dr. Helena Orfanos-Boeckel] (51:49 - 54:27) Ich mache natürlich Laborwerte, sehr, sehr, sehr, sehr, Labordiagnostik, die sehr, sehr viele Werte beinhalten. Ich würde sagen, drei reicht mir jetzt nicht, sondern es muss schon schon vielleicht zehnundzwanzig sein. Und vor allen Dingen muss ja auch so die Empfindlichkeit zehnundzwanzig pro Kategorie? Es müssen schon drei, vier Seiten Blut sein, um einfach auch mal so einen Eindruck von sich zu bekommen, wo man denn so steht. Und am besten ist natürlich vielleicht so eine Mischung aus bisschen krank und dann dazu das, was an Schlüsselwerten interessant ist und dann dazu vielleicht auch das, was an Gesundmachwerten interessant ist. Entweder man nimmt sich ein Thema oder aber man will sich natürlich als Ganzes, es ist dann irgendwann auch eine Geldfrage. Dieser IBSE-Begriff ist jetzt noch nicht so ganz konkret. Es gibt jetzt noch keinen Algorithmus, der dir deinen IBSE-Score ausrechnet. Bin mir aber sicher, dass das möglich wäre. Aber dann ist es eher so, man müsste aus der Fülle heraus dann runterbrechen. Also ich finde schon, dass ich doch von vielen, meinetwegen auch auf Instagram, es gibt immer noch einige Stimmen, die sagen, ich kann das nicht, ich schaffe das nicht, aber es gibt mittlerweile so viele, die mir doch das Feedback gegeben haben, auch auf dem Live-Summit, wo wir zusammen ja auch waren. So viele haben mich angesprochen, das waren jetzt Nicht-Ärzte, und haben sich bedankt, dass sie mit den Büchern auf jeden Fall weitere Schritte machen konnten. Und der Schritt ist dann manchmal auch zur Hausärztin zu gehen, die dann offen war und dann auch die Idee weiter verfolgt hat. Oder meinetwegen auch eine Frau hat dann zum Beispiel ein erhöhtes Calcium, das ist nicht normal, und hat dann darüber entdeckt, dass sie einen Hyperparathyreoidismus hat, also eine Überfunktion der Nebenschilddrüsen. Also ich kriege viel Feedback zurück, dass doch es den Menschen möglich ist, mit Hilfe der Bücher zu lernen, ihr Labor anders zu lesen, und dann eben auch entweder zu den Ärzten zu gehen, darüber zu sprechen, auch dann mit Selbstbewusstsein und Mut, denn schließlich hat das eine Ärztin geschrieben, das Buch. Mittlerweile habe ich auch das Gefühl, die Ärzte interessieren sich auch für präventive Themen, auch Nährstoffmedizin ist ja auch so eine Welle. Habt ihr ja auch mitgemacht, ich glaube, ich habe auch mitgemacht. Also ich finde schon, dass das Feedback groß und größer wird, dass es doch Laien gelingt, mit Hilfe der Bücher sich irgendwie in diesem medizinischen Feld weiter fortbewegen und auch helfen zu können. Es ist schon anspruchsvoll, ich gebe es zu. Aber Medizin ist anspruchsvoll, Stoffwechsel ist anspruchsvoll, Chemie ist anspruchsvoll. Also es ist anspruchsvoll.

 

[Nils Behrens] (54:28 - 55:19) Ja, ja, also der Gründer von Sunday Natural war ja in der Folge 200 und da hatte ich ja sogar persönlich erwähnt, wie viel du sozusagen da auch an Vorstoß für die Branche muss man sagen, ja nicht zwingend nur für Sunday Natural, aber eben halt dringend, dass du einfach mal die Aufklärarbeit gemacht hast, dass man eben halt sieht, wie viel man eben halt auch mit den richtigen Werten machen kann. Ich finde, dass tatsächlich für mich ist so eine wirklich große Überraschung gewesen, das Thema Neurodermitis, das war etwas, wo sehr, sehr viele Leute, die ich kannte früher, wirklich sehr drunter gelitten haben und wie gut die das teilweise wirklich einfach durch hohe Omega-3-Werte in den Griff bekommen haben. So etwas fand ich total spannend, dass da jetzt keine neue Sache sozusagen jetzt irgendwie entdeckt wurde. Das gleiche auch mit dieser Weißfleckenkrankheit, da hatten wir ja den, da warst du glaube ich auch mit dabei, als der Professor, wie heißt der noch, Amos glaube ich.

 

[Dr. Helena Orfanos-Boeckel] (55:19 - 55:20) Der Dermatologe, ne?

 

[Nils Behrens] (55:20 - 55:34) Ja, wie der eben halt das über hohe Dosen mit Vitamin D auch in den Griff bekommen hat. So, also es sind schon echt eindrucksvoll, dass da jetzt nicht irgendwie die Pharmabranche jetzt davon profitiert hat, sondern dass es tatsächlich eben halt über solche Themen eben auch ging.

 

[Dr. Helena Orfanos-Boeckel] (55:34 - 56:01) Also die Pharma muss sich keine Sorgen machen, wenn all die, die sozusagen in den 30ern, 20ern, 40ern, 60ern Nährstoff- und Hormonmedizin machen, werden die ja alle noch weiter leben und irgendwann wird auf jeden Fall, bekommt auch die Pharmaindustrie meinetwegen ihren Wert. Das ist, es geht nicht um Konkurrenz oder so und auch nicht um Ersetzen, sondern es geht einfach darum, dass ich finde, das ganze Zeug liegt rum, es ist alles erforscht, es gibt wahnsinnig viel Wissenschaft, meinetwegen zu Selen, ne?

 

[Nils Behrens] (56:01 - 56:01) Ja.

 

[Dr. Helena Orfanos-Boeckel] (56:01 - 56:12) Mit dem Lutz Schomburg, also was der alles zu Selen und Selenmangel und Folgen erforscht hat, wenn ich zu jedem Nährstoff so einen Professor hätte, Charité hier Berlin, experimentelle Endokrinologie.

 

[Nils Behrens] (56:12 - 56:13) Hatten wir hier auch schon in der Folge.

 

[Dr. Helena Orfanos-Boeckel] (56:13 - 56:59) Ich weiß. Und die Wahrheit ist, zu Vitamin D gibt es Forschung, selbst zu Magnesium, Zink, ach Lithium, es gibt zu allen möglichen Forschungen, es kommt einfach nicht nur an die Menschen ran und das, was, glaube ich, verstanden werden muss, ist, dass jeder von uns, ich sage immer, eine individuelle Schuhgröße hat an vielleicht auch gesundem Bedarf und dann in der Krankheit oder im Rahmen der Alterung kann sich auch dieser Bedarf dann auch nochmal verändern und es kann auch sein, dass man aufgrund von Krankheiten jetzt auch nicht alles, was gesund ist, dann so hochdosiert geben kann, ne? Das heißt, man muss messen, das ist schon immer in der Inneren so gewesen, warum soll es jetzt mit Nährstoffen nicht so sein und warum nutzt die Medizin noch nicht? Aber ich bin dran, ich bin dran.

 

[Nils Behrens] (56:59 - 57:07) Okay, dann, wir hatten jetzt ja schon mal dich gesagt, ein Laborwert von den Krankmachwerten, den du jetzt an Platz 1 setzen würdest, war das LDL.

 

[Dr. Helena Orfanos-Boeckel] (57:07 - 57:09) Wenn man den ernster nehmen würde.

 

[Nils Behrens] (57:09 - 57:21) Wenn man den ernster nehmen würde, ich möchte das jetzt auch nicht arg verkürzen, aber ich versuche jetzt auf meine Fragen zu gehen, wenn du jetzt so sagen würdest, bei den Schlüsselwerten, hast du da auch irgendwas, wo du sagen würdest, okay, das ist wahrscheinlich das, wo...

 

[Dr. Helena Orfanos-Boeckel] (57:21 - 57:22) T3.

 

[Nils Behrens] (57:22 - 57:22) T3.

 

[Dr. Helena Orfanos-Boeckel] (57:22 - 58:54) Das freie T3. Das ist total unerkannt, in der Endokrinologie hat es noch keinen Platz. Ich habe jetzt das erste Mal auch mit einem Professor, der ist gleichzeitig Nephrologe und Endokrinologe, ist der zweite Nephrologe, der mal jetzt mit auf mich zugekommen ist mit dem tollen Ansatz, den ich da habe. Interessant. Und ich würde... T3 ist ein wahnsinnig wichtiges Schlüsselhormon, was unglaubliche internistische Fähigkeiten hat, zu unterstützen und zu helfen. Was nur passiert ist, habe ich ja auch mit Timo Osterhaus schon viele Podcasts zu gemacht, ist, dass unter der T3-Therapie, die in der Endokrinologie nicht gemacht wird, geht das TSH runter aus verschiedenen Gründen. Und dann wird immer gedacht, weil alle immer so an dieses TSH glauben, dass dann der Mensch überdosiert ist. Das ist er aber nicht. Es ist einfach durch das T3 im Gehirn dann angekommen. T3 ist da, die Hypophyse stellt ihre TSH-Produktion ein. Hier unten ist aber der Bedarf an T3 noch nicht gedeckt. Also T3. Aus verschiedenen Gründen T3, wenn das mal mehr genutzt werden würde, könnte man unglaublich vielen Menschen mehr Energie und mehr Stoffwechselgesundheit unterstützend geben. Und nein, es ist nicht gefährlich, sondern kardioprotektiv, knochenaufbauend, muskelaufbauend, leberunterstützend. Es ist wirklich sehr, sehr, sehr für Frauen sehr wichtig, für das gesamte Feld der Gynäkologie.

 

[Nils Behrens] (58:55 - 58:55) T3.

 

[Dr. Helena Orfanos-Boeckel] (58:55 - 58:56) T3.

 

[Nils Behrens] (58:56 - 59:03) Sag mal, nur weil du jetzt diesen Wert so besonders hervorgehoben hast, magst du für unsere Zuhörer noch einmal ganz kurz erklären, was ist der T3-Wert wirklich?

 

[Dr. Helena Orfanos-Boeckel] (59:04 - 1:00:34) Also der T3-Wert, man misst im Blut den freien T3-Wert. Das ist das stoffwechselaktive Schilddrüsenhormon T3. Und die Schilddrüse, die macht hauptsächlich das Schlüsselhormon T4. Das ist quasi ein Stückchen Eiweiß, Tyrosin mit vier Jod-Stückchen dran. Und das wird dann ins Blut abgegeben und geht dann in Gehirn, Nerven, Herz, Muskel, Fettzelle und wird von einem selenabhängigen Enzym dann umgewandelt in das T3. Und nur dieses T3 ist das, was dann im Zellkern sich an den T3-Rezeptor bindet und was dann für die Auswirkungen der Schilddrüsenhormone zuständig ist. Und in Deutschland wird ja nur therapeutisch mit L-Thyroxin T4 gearbeitet. Es wird auch nicht Selen gegeben dazu. Das heißt, in einem Selenmangelland wird dann also mit der Monotherapie T4 erwartet, dass jetzt jeder und jede toll T3 macht. Und das ist einfach nicht so. Man spricht von so einer genannten T4-zu-T3-Konversion. Und die findet eben nicht bei jedem richtig gut statt. Bei manchen von Haus aus und bei vielen Frauen, die Hashimoto-Thyreoiditis haben, ist auch diese T4-zu-T3-Konversion auch nicht so toll. Und wenn die Frau dann älter wird, wirklich was, was sehr viele Frauen betrifft, dann wird eben die T4-zu-T3- Konversion auch noch mal nicht unbedingt besser, sondern schlechter.

 

[Nils Behrens] (1:00:35 - 1:00:42) Und diese dauerhafte Gabe von L-Thyroxin ist natürlich auch gerade für jüngere Frauen, die vielleicht noch einen Kinderwunsch haben, auch nicht so vorteilhaft.

 

[Dr. Helena Orfanos-Boeckel] (1:00:42 - 1:01:28) Das stimmt. Also wenn eine Frau das hier jetzt hört und hat einen Kinderwunsch und es klappt nicht, dann soll sie sich dann ihr T3 angucken, dann mein Buch nehmen, gucken, wo der optimale blaue Bereich ist. Dann aber zu der Therapie zu T3 zu kommen, ist eben noch sehr, sehr schwierig. Es gibt in den Apotheken das Thybon, das ist T3. Es gibt auch Kombipräparate, wie zum Beispiel Novothyral, da sind dann 75 T4 und 15 T3 drin, aber das ist wirklich noch schwierig, aber auch darum bemühe und kämpfe ich, dass das noch mal besser wird. Aber du hast die Frage gestellt und die Antwort ist eben dann dieses Schilddrüsenhormon T3. Da glaube ich, dass noch ein großer Benefit Naja, ich glaube, ich gebe dir da vollkommen recht.

 

[Nils Behrens] (1:01:28 - 1:02:09) Ich hatte das Interview mit dem Dr. Richter, das war glaube ich Folge 2 oder 3, glaube ich ganz am Anfang, und da weiß ich noch genau, wie ich damals so meine Zweifel dran hatte, ob wir schon in so ein spezielles Thema, so ein nischiges Thema, wie die Schilddrüse einsteigen wollen, gleich am Anfang des Podcasts und er sagte so, wieso, das betrifft doch zwei Drittel der Bevölkerung, weil die einen haben eine Überfunktion, die anderen eine Unterfunktion, die anderen einen Knoten. Also von daher die Wahrscheinlichkeit, dass du irgendwas mit der Schilddrüse hast, ist schon relativ hoch. Also von daher ist das gar nicht so nischig, wie ich zu dem Zeitpunkt vor dem Gespräch dachte. Wenn ich die gleiche Frage jetzt nochmal auf die Gesundmachwerte gebe, würden wir da auch jemanden auf den Platz einsetzen?

 

[Dr. Helena Orfanos-Boeckel] (1:02:12 - 1:02:41) Das ist jetzt echt schwer. Sagen wir mal so, wenn ich jetzt einfach was sagen soll, was auch so einfach ist zu substituieren, sind das schon Omega-3-Fette, fehlen sowieso jedem. Und die sind so wunderbar und jede Zellmembran würde dann sozusagen funktionell gesünder werden können. Es hängt auch davon ab, was man für ein Index hat, aber Omega-3-Fette finde ich einfach wahnsinnig nützlich.

 

[Nils Behrens] (1:02:42 - 1:02:43) Und die machen halt auch was.

 

[Dr. Helena Orfanos-Boeckel] (1:02:44 - 1:02:47) Die machen halt dann diese Membranen.

 

[Nils Behrens] (1:02:48 - 1:03:02) Die Zellgesundheit, das ist aber auch vor allem, ich bin genau so ein Fan, wir hatten lustigerweise heute gerade eine Folge rausgekommen mit der Esther Czerniak, die hat glaube ich 30 Mal das Wort Omega-3 in den Mund genommen. Die kennst du auch, die Apothekerin.

 

[Dr. Helena Orfanos-Boeckel] (1:03:06 - 1:03:14) Aber vielleicht ist auch Selen, muss ich sagen, auch weil das so sehr fehlt. Natriumselenit ist wirklich auch ein Gamechanger.

 

[Nils Behrens] (1:03:14 - 1:03:53) Und es ist so wenig, was man nehmen muss. Das ist die Pille, die bei mir im Pillen-Stack immer fast rausfällt, wenn ich ihn umdrehe, weil sie so klein ist. Die ist ja wirklich so stecknadelgroß. Aber ich wollte nur noch mal, auch noch mal, meine Begeisterung bei Omega-3 ist genauso. Ich finde es erstmal völlig logisch, wenn du überlegst, was aus Fett besteht. Wenn man weiß, dass jede Zellmembran, jede Umwandlung der Zelle einfach aus Fett besteht. Und dass die eigentlich ein Verhältnis von 1 zu 4 haben sollte. Ein Teil Omega-3, vier Teile Omega-6. Und wenn wir wissen, dass wir durch die Standard-Durchschnittsernährung in Deutschland ein Verhältnis von 1 zu 15 haben, wird das schon so klar.

 

[Dr. Helena Orfanos-Boeckel] (1:03:54 - 1:03:58) Und jede Membran um die Mitochondrien, die Doppelmembran, ist ja auch Omega-3.

 

[Nils Behrens] (1:03:58 - 1:04:02) Und Mitochondrien, da sind wir wieder bei dem Thema Energieproduktion, wenn wir schlechte Mitochondrien haben.

 

[Dr. Helena Orfanos-Boeckel] (1:04:03 - 1:04:20) Die Herzzelle, das Elektropotential, dann bei der Niere dieser Filter. Das ist wirklich eine sehr wichtige Struktur, die sehr oft auch dann mit der Organfunktion eine maßgebliche Bedeutung hat. Aber auch die Nervenzelle. Diese Zellmembranen sind sehr interessant.

 

[Nils Behrens] (1:04:21 - 1:04:47) Und ich finde, die letzte Lanze auch noch dafür brechen, weil wir reden ja im Zusammenhang mit Altern immer über Entzündungen. Das heißt also mehr Entzündungen im Körper. Man nennt es ja auch im Englischen so schön Inflammaging, also die Mischung aus Älterwerden und Inflammation sozusagen, also der Entzündung. Und das ist halt einfach eine der wahrscheinlich mit am besten analysierten Dinge, um diese Entzündung nach unten zu bringen.

 

[Dr. Helena Orfanos-Boeckel] (1:04:48 - 1:04:49) Also sind wir uns einig.

 

[Nils Behrens] (1:04:49 - 1:05:05) Omega-3 ist ein wahnsinnig teurer Wert, muss man sagen. Ich glaube, es kostet zwischen 50 bis 60 Euro den Omega-3-Index. Nein, aber den Index zu bestimmen ist im Labor, glaube ich, mit einer der teuersten Werte von den Standard-Mikronährstoffwerten, oder?

 

[Dr. Helena Orfanos-Boeckel] (1:05:05 - 1:05:06) Kann ich dir jetzt gar nicht sagen.

 

[Nils Behrens] (1:05:06 - 1:05:12) Ja, ich kann es dir sagen. Ich bin dann immer jedes Mal wieder überrascht. Ich glaube, der kostet 60 Euro.

 

[Dr. Helena Orfanos-Boeckel] (1:05:12 - 1:05:28) Aber das ist auch wirklich eine anstrengende Sache. Die nehmen ja die Zellmembran unserer roten Blutkörperchen und analysieren die sozusagen auf ihren Fettsäurebestandteil. Also ich stelle mir das schon auch vielleicht ein bisschen anspruchsvoll vor. Vielleicht ist es gerechtfertigt.

 

[Nils Behrens] (1:05:28 - 1:05:47) Okay, wir kommen mal langsam zum Ende. Wenn jemand diese Folge, nach dieser Folge, sagen wir jetzt mal, bereit ist, 500 Euro auszugeben und sechs Monate Zeit hätte, um seine Gesundheit messbar zu verbessern. Da habe ich es schon verstanden. Ein Teil des Geldes geht schon erst mal zum Kauf und Lesen der Bücher drauf. Aber was würdest du darüber hinaus konkret tun?

 

[Dr. Helena Orfanos-Boeckel] (1:05:47 - 1:07:44) Wenn Geld eine Rolle spielt, glaube ich, ist das Billigste einfach sehr viele Sachen nicht zu machen, die Geld kosten. Jetzt mal unabhängig von dem Labor. Nicht rauchen, nicht Autofahren, sondern eben einfach laufen und irgendwie trinken und Fahrrad fahren und irgendwie sowas. Das kostet alles kein Geld und Schlafen kostet auch kein Geld. Das mit diesen 500 Euro und jetzt was machen. Ehrlich gesagt, ich kann dir das jetzt nicht beantworten, weil gerade wenn jetzt ich sparen muss, müsste ich ja wirklich genau gucken, was ist jetzt das Wichtigste, um wirklich was zu verändern. Und ich glaube, dann würde ich zur Schulmedizin auch wieder zurückkommen und einfach mich dann wieder auf solche günstigen Sachen wie Blutdrucksenken, Cholesterinsenken oder sowas stürzen. Das ist einfach das günstigste. Ich glaube, man muss das Geld investieren, indem man sich bildet und dann vielleicht einfach anfangen mit dem, was man vielleicht aus seiner Familie weiß und erst mal gucken, die Krankwerte, wo überhaupt ein Risiko ist, meinetwegen auch irgendwie in Zukunft gefährdet zu sein. Und dann muss man spezifisch gucken, was jetzt das Wichtigste ist, was man dann eben mit seinem Geld auch bewirken kann. Und das Wichtigste ist immer das, wo man am weitesten weg ist von meinem Optimalwert. Du musst die größte Schraube suchen. Wenn du wirklich effizient arbeiten willst, musst du das schwächste Glied nehmen, was am weitesten weg ist und das dann füllen und dann gucken, ob der Rest sich sozusagen auch wieder von alleine benehmen kann. Das heißt, ich würde dann ein bisschen Geld gucken, auch je nachdem, wie man sich ernährt oder wie man sich benimmt oder so. Wenn man ganz blass ist, würde ich halt Vitamin D und Eisen gucken. Wenn man eben vegan ist, würde ich B12 und Omega 3 gucken. Also gerade, wenn man kein Geld hat und sparen muss, muss man sich in Wahrheit ein paar vorher Gedanken machen in der Diagnostik, wie man dann seine Investitionen quasi möglichst wirksam steuert.

 

[Nils Behrens] (1:07:44 - 1:07:48) Also schon ein paar Schlüsselwerte einfach wirklich zu messen.

 

[Dr. Helena Orfanos-Boeckel] (1:07:49 - 1:09:17) Das ist eine Mischung immer so, je nachdem, was man so hat und will. Eine Mischung aus Krankwerten, gucken, wo habe ich ein Risiko und dann so ein bisschen gucken, was wäre denn jetzt zum Beispiel bei den Gesundmachwerten der Wert, der mir da jetzt helfen würde. Wenn man jetzt ein CRP von 2 bis 3 hat und die Zähne sind sicher sauber und da ist nichts und man weiß jetzt nicht, was man machen soll. Man hat dann einen Index von 3%, dann ist natürlich Omega 3 schon mal vielleicht die Investition wert. Wenn man aber Wechseljahre hat und die Frau kann nicht schlafen und sie hat vielleicht eine Knochendichtemessung. Das wäre vielleicht auch nochmal sehr gut investiertes Geld. Ende der 40er einmal eine Knochendichtemessung. Also man muss immer von hinten vom Tod, von der Krankheit gucken, weil das ist das, was man verhindern möchte und dann kann man vorne die Prävention gestalten. Wenn man seine Eltern hat und kennt, kann man ein bisschen gucken, was ist denn in der Familie und dann eben die Wechseljahre nutzen, um zu schauen, wo stehe ich, was für Risiken habe ich. Die Knochendichtemessung kostet vielleicht 40, 50, 60 Euro. Wenn dann die Frau weiß mit 48, oh, ich habe eine Osteopenie, dann muss sie sich darum jetzt intensiv kümmern. Krafttraining, Ernährung, Vitamin D und Freunde, Östrogen, Progesteron, vielleicht auch Testosteron, je nachdem, wo sie dann eben auch im Labor steht.

 

[Nils Behrens] (1:09:17 - 1:09:21) Ist so interessant, Testosteron wird in Deutschland, glaube ich, ja immer noch nicht für Frauen verschrieben, oder?

 

[Dr. Helena Orfanos-Boeckel] (1:09:22 - 1:10:26) Also es gibt einfach kein industriell hergestelltes Testosteron-Produkt, was niedrig dosiert ist. Es gibt einfach in den Apotheken nur was, was für die Männer dosiert ist. Und wenn jetzt zum Beispiel der Mann einen Mangel hat, Transdermal wäre eher so die Dosis 100, 120, 150 Milligramm und bei der Frau ist es eher so 3, 4, 5, 6, vielleicht 7 Milligramm. Also das heißt, wenn eine Frau Testosteron verschrieben bekommt, entweder sie nutzt irgendwie so einen Beutel von einem Mann, den sie dann irgendwie über 10 Tage irgendwie so benutzt, was ich doof finde, oder man kann eben in Apotheken gehen und ich kann natürlich alles herstellen lassen in ganz kleinen, feinen Dosierungen. Also man kann hier in Berlin, auch in München, auch in Frankfurt gibt es überall Apotheken, die eben auch das, was der Arzt an Hormonen geben will, dann in eine Tube oder in ein Gläschen oder in eine Dose packen. Das ist jetzt kein Problem, aber es ist eben nichts industriell Fertiges, was es hier für die Frau gibt, als für den Mann hochdosiert.

 

[Nils Behrens] (1:10:26 - 1:10:43) Liebe Helena, ich glaube, wir könnten jetzt noch locker zwei Stunden weiterreden, aber es sind ja auch drei Bücher und jetzt gebe ich dir mal eine Aufgabe, mal sehen, ob du die noch bewältigen kannst. Wenn ich jetzt mal alle drei Bücher mir zusammennehme und versuche, auf einen Satz zu reduzieren, was wäre das für ein Satz?

 

[Dr. Helena Orfanos-Boeckel] (1:10:47 - 1:11:27) Egal, wo ihr steht, objektiviert über eure Blutwerte, welche Krankwerte schon steigen, optimiert mit Nährstoff- und Hormonmedizin eure Schlüssel- und Gesundmachwerte, sodass ihr im Sinne der Ultraprävention einfach das, was ganz normal im Alter uns erleiden, was wir erleiden können, dass man das verhindert. Also die Idee ist, sich zu bilden und dann eben mit der Bildung hinzugehen und zu objektivieren, wo man steht, um sich dann eben auch im System mit guten Argumenten eben dann auch weiter fortbewegen und meinetwegen auch fordern zu können.

 

[Nils Behrens] (1:11:29 - 1:12:23) Ich liebe das alles, was du daran sagst. Ich habe jetzt gerade letzte Woche bei Instagram auch so einen Post abgesetzt, wo ich sagte, dass wahrscheinlich der gefährlichste Satz für deine Gesundheit ist, ihre Blutwerte sind normal. Weil das ist halt einfach wirklich etwas, du merkst auch, ich könnte mich jetzt schon gerade wieder so ein bisschen darüber aufregen, ehrlich gesagt, wie schlecht mit diesem Thema umgegangen wird. Also, dass man einfach wirklich einfach sich immer nur diese Referenzwerte anschaut und nicht die Optimalwerte. Und deswegen finde ich, du machst da wirklich einen unglaublichen Dienst an der Menschheit, muss man wirklich so sagen, mit deiner Aufklärung. Und deswegen kann ich also wirklich nur allen empfehlen, deine Bücher zu lesen, idealerweise in der richtigen Reihenfolge. Es ist das Nährstofftherapie, Nährstofftherapie der Praxisleitfaden und Nährstoff- und Hormontherapie der Praxisleitfaden. Unbedingt alle drei lesenswert. Was habe ich geschrieben?

 

[Dr. Helena Orfanos-Boeckel] (1:12:23 - 1:12:24) Zweimal Praxisleitfaden.

 

[Nils Behrens] (1:12:24 - 1:12:26) Oh, der Präventionsleitfaden. Entschuldigung. Ja, steht hier auch.

 

[Dr. Helena Orfanos-Boeckel] (1:12:27 - 1:12:30) Also, ich habe mich auch schon vertan.

 

[Nils Behrens] (1:12:30 - 1:12:39) Du, das ist so lustig. Bei mir sagen die Leute immer, Spaziergang zur Unendlichkeit, weil die Leute immer ein Problem mit Sterblichkeit haben. Aber ja, von daher, ich bin Versprecher gewohnt.

 

[Dr. Helena Orfanos-Boeckel] (1:12:39 - 1:12:42) Also die Prävention, das ist tatsächlich mein Ding.

 

[Nils Behrens] (1:12:42 - 1:13:15) Ich muss dir auch ganz ehrlich sagen, ich finde es tatsächlich das Beste. Also ich finde selbst, also ich weiß nicht genau, ob es Sinn macht, sozusagen, aber wenn ich jetzt nur eins empfehlen würde, würde ich wahrscheinlich das Orange empfehlen. Weil ich finde es tatsächlich, ja, ich finde es eigentlich wirklich so ein wirklich guter Blick auf das Thema Prävention. Du kennst ja meinen Podcast Meine letzte Frage und da bin ich jetzt unfassbar gespannt drauf auf die Antwort. Wenn du ein Lieblingssupplement definieren müsstest, welches wäre das?

 

[Dr. Helena Orfanos-Boeckel] (1:13:15 - 1:13:29) Also ich nehme mal jetzt an, du meinst aus dem Nährstoffregal, ne? Und dann pfusche ich jetzt, weil ich bin ja Hormonfan und das ist eindeutig Vitamin D, was ja ein Hormon ist. Also Vitamin D ist mein absoluter Liebling.

 

[Nils Behrens] (1:13:30 - 1:13:31) Darf ich dazu noch?

 

[Dr. Helena Orfanos-Boeckel] (1:13:31 - 1:13:35) Aber ich bin auch als Nephrologin, meinetwegen, bin ich ja auch mit Vitamin D groß geworden.

 

[Nils Behrens] (1:13:35 - 1:13:38) Da wäre jetzt genau meine Frage nochmal reingegangen.

 

[Dr. Helena Orfanos-Boeckel] (1:13:38 - 1:13:39) Das ist einfach ein sehr wichtiges Hormon.

 

[Nils Behrens] (1:13:39 - 1:14:00) Ich finde dieses Thema, meine ersten Vitamin D Präparate, die ich zumindest wissentlich genommen habe, waren ja diese 20.000er Einheit, wir nennen die Nagelmarkennamen jetzt nicht, die man in der Apotheke noch verschrieben bekommt, obwohl man sie quasi trotzdem bezahlen musste. Wie stehst du heute zu dieser einmal die Woche 20.000er Einheit Empfehlung von damals?

 

[Dr. Helena Orfanos-Boeckel] (1:14:01 - 1:14:37) Also es ist jetzt erstmal besser als nichts. Aber tatsächlich ist es gerade beim Vitamin D Stoffwechsel so, da gibt es unglaublich viel Genetik und jeder von uns braucht, um meinetwegen meine wunderbaren Werte zu haben, es gibt ja mehrere Formen von Vitamin D. Also es gibt das, was in den Supplements ist, dann gibt es das normale D oder das 25D und dann gibt es diese aktive Form. Also es ist schon ein Riesenstoffwechsel und insofern, jeder sollte wirklich, wenn er Vitamin D wirklich nutzen möchte, einfach sich ein bisschen Mühe machen, mal über eine gewisse Zeit auch mal ausmessen, was er genau an Vitamin D braucht.

 

[Nils Behrens] (1:14:37 - 1:14:38) Aber schon täglich eigentlich eher?

 

[Dr. Helena Orfanos-Boeckel] (1:14:38 - 1:15:04) Ja, es kommt so drauf an. Ich finde, dass wenn jemand, es gibt einige Menschen, die brauchen einfach nur 1.000 oder 2.000 Einheiten am Tag und das ist dann etwas, was ich finde, was täglich gegeben werden muss. Genau. Punkt. Wenn aber jemand 5.000 oder auch 10.000 am Tag braucht, dann kann man eigentlich auch schon anfangen mit den 20.000ern. Also zum Beispiel jetzt, ob jetzt jemand 5.700 am Tag oder zweimal 20.000, da habe ich jetzt in meiner Beobachtung keinen Unterschied.

 

[Nils Behrens] (1:15:04 - 1:15:06) Ach, tatsächlich. Tatsächlich.

 

[Dr. Helena Orfanos-Boeckel] (1:15:08 - 1:16:50) Ab 3.000, 4.000 am Tag steige ich um auf meinetwegen auch eine 2-, 3-, 4-, 5-malige Einnahme pro Woche und vor allen Dingen, was ich auch mache, ist, dass ich gucke, was denn der Mensch für einer ist. Es gibt Menschen, die lieben es täglich einfach alles immer das Gleiche zu nehmen und anderen tue ich einen unglaublichen Gefallen und dann ist eben auch die Umsetzung viel größer, wenn ich zum Beispiel dann von 3.000 täglich auf 20.000 einmal die Woche umsteige und dann ist einfach die Umsetzungskraft größer und in der Nährstoffmedizin, das Wichtigste ist, dass der Mensch macht, wie im Sport. Es ist nicht so wichtig, wann und wie und was in welchen Klamotten und was vorher gegessen, sondern das Wichtigste ist, dass jemand macht. Und da ich doch messe, kann ich ja auch immer sehen, was dann eben innen drin ankommt und wie sich das ganze Feld von Vitamin D, Calcium, Knochenhormone und so verhält. Also insofern Vitamin D, mein Lieblingssupplement und trotzdem es braucht jeder seine Dosis und in der Praxis geht es von 1.000 bis 20.000 täglich. Also es braucht einfach nicht jeder die Dosis. Das heißt, der, der 1.000 braucht, genetisch bedingt, Hauttyp bedingt, wenn der jetzt 20.000 täglich nehmen würde, weil er irgendwem glaubt, der das sagt, kann das schädlich sein. Erst recht, wenn man es nicht mit den Kofaktoren kombiniert. Insofern, was heißt schädlich? Ist einfach dann nicht perfekt gesund, sondern einfach doof. Also D. Aber es ist komplex. Es ist ein Hormon. Das weiß auch nicht jeder, also die Zuhörer hier wahrscheinlich schon. Und insofern ist das mein Lieblingsstoff.

 

[Nils Behrens] Perfekt.

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