Informationen zur Podcastfolge Nr. 188 Zyklustracking & die symptothermale Methode. Mit Katrin ReuterInformationen zur Podcastfolge Nr. 188 Zyklustracking & die symptothermale Methode. Mit Katrin Reuter

Zyklustracking & die symptothermale Methode. Mit Katrin Reuter

Ein tieferes Verständnis für die hormonellen Abläufe hilft dabei, den eigenen Körper besser zu unterstützen. In dieser Folge von HEALTHWISE spricht Host Elisabeth Seidel mit Katrin Reuter, der Gründerin von Trackle, über Zykluswissen, Empfängnisverhütung und die automatisierte Messung biologischer Signale. 

Die Folge HEALTHWISE auf YouTube

Die Lücke im Zykluswissen schließen

Katrin Reuter beschreibt, dass viele Frauen ihrer Generation die Pille jahrelang ohne großes Hinterfragen eingenommen haben. Oft fehlt dadurch über Jahrzehnte das Bewusstsein dafür, wie der eigene Körper ohne künstliche Hormone eigentlich funktioniert. Erst beim Absetzen der Pille, beispielsweise bei einem konkreten Kinderwunsch, treten dann oft große Wissenslücken zutage.

In der Schule lernt man zwar die Namen der Organe, aber kaum etwas über die genauen hormonellen Zusammenhänge. Katrin Reuter erklärt, dass die Auswirkungen des Zyklus auf den Alltag, das Wohlbefinden und die Psyche meist nicht präsent sind. Ein fundiertes Wissen über die biologischen Signale ist jedoch die Basis für ein zyklusgerechtes Leben.

Der weibliche Zyklus im Überblick

  • Der Zyklus beginnt immer mit dem ersten Tag der Menstruation.
  • In der ersten Phase reifen die Eizellen durch das Hormon FSH in den Follikeln heran.
  • Der Eisprung wird durch einen Peak von Östrogen und dem Hormon LH ausgelöst.
  • Nach dem Eisprung wandelt sich die Eizellenhülle in den Progesteron produzierenden Gelbkörper um.
  • Wird das Ei nicht befruchtet, sinkt der Hormonspiegel und die Gebärmutterschleimhaut wird abgestoßen.

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Die symptothermale Methode und Trackle

Um den Zyklus sicher einzuordnen, nutzt Trackle die wissenschaftlich fundierten Regeln der symptothermalen Methode. Hierbei werden zwei Körperzeichen kombiniert beobachtet: die Körperkerntemperatur und die Konsistenz des Zervixschleims. Dieser doppelte Check folgt einem bewährten Prinzip, das die symptothermale Methode zu einer der genauesten Formen der Zyklusbeobachtung macht.

Katrin Reuter wollte die früher mühsame manuelle Temperaturmessung am Morgen durch ein smartes, automatisiertes System ersetzen. Während die Temperatur traditionell punktuell mit einem Thermometer gemessen und händisch dokumentiert werden musste, erfasst Trackle die Daten kontinuierlich über Nacht und wertet sie digital aus – für eine einfache und zeitgemäße Anwendung.

Den Eisprung sicher bestimmen

Ein zentraler Fakt ist laut Katrin Reuter, dass man einen Eisprung niemals präzise vorhersagen kann. Ein Eisprung findet statt oder nicht, aber eine sichere Bestimmung des Zeitpunkts ist immer nur retrospektiv möglich. Daher geht das System sicherheitshalber so lange von Fruchtbarkeit aus, bis der Eisprung durch die Messwerte belegt ist.

Die Körperkerntemperatur steigt nach dem Eisprung durch das Hormon Progesteron um etwa 0,5 Grad an. Dieser Anstieg ist ein sehr sicheres Phänomen im menschlichen Körper. Katrin Reuter erläutert, dass die Temperatur auf diesem erhöhten Level bleibt, sobald die fruchtbare Phase vorüber ist.

checkliste: Vorteile der automatisierten Temperaturmessung

  • Trackle misst die Körperkerntemperatur kontinuierlich während des Schlafs.
  • Das System ermittelt präzise den tiefsten Temperaturwert, den der Körper nachts erreicht.
  • Anwendungsfehler durch unregelmäßige Messzeiten oder Schlafmangel werden dadurch minimiert.
  • Die Auswertung erfolgt digital nach festen Regeln ohne fehleranfälliges manuelles Rechnen.
  • Der Sensor ist durch medizinisches Silikon hautverträglich und als Medizinprodukt zertifiziert.

Zervixschleim als wertvoller Indikator

Der Zervixschleim verändert seine Konsistenz im Verlauf des Zyklus unter dem Einfluss der Hormone. Je näher der Eisprung rückt, desto flüssiger und spinnbarer wird das Sekret, um Spermien optimal zu unterstützen. Katrin Reuter betont, dass dieses Körperzeichen eine ganz besondere Rolle bei der Einordnung der Fruchtbarkeit spielt.

Viele Frauen haben anfangs Hemmungen, sich intensiv mit dem Thema Zervixschleim auseinanderzusetzen. Katrin Reuter beruhigt jedoch, dass man die Unterschiede in der Qualität sehr schnell und intuitiv verstehen lernt. Die App unterstützt die Nutzerinnen dabei mit klaren Beschreibungen der fünf verschiedenen Güteklassen.

ERNÄHRUNG UND SOZIALE KOREGULATION

Ernährung fungiert laut Chris Surel als essenzielle Basis für den Körper. Ein wichtiger Faktor für die Vitalität ist dabei eine bedarfsgerechte Versorgung mit Proteinen und Aminosäuren. Eiweiß ist ein entscheidender Baustein, da Proteine zur Erhaltung von Muskelmasse und normaler Knochen beitragen. Neben der Basisernährung kann Kreatin die körperliche Leistung unterstützen – insbesondere bei kurzzeitigen, intensiven Belastungen (Schnellkrafttraining).

Ein oft unterschätzter Faktor für das Wohlbefinden ist die soziale Komponente und die Balance des Nervensystems. Chris Surel erklärt, dass wir uns durch soziale Signale gegenseitig positiv beeinflussen können. Menschen, die uns am Herzen liegen, können das allgemeine Wohlbefinden steigern und die innere Regenerationsfähigkeit unterstützen. Investitionen in echte soziale Kontakte sind somit ein entscheidender Teil eines ganzheitlichen Energiemanagements und tragen zu einer normalen psychischen Belastbarkeit bei.

TAKE AWAYS

  • Das fruchtbare Zeitfenster umfasst aufgrund der Überlebensdauer von Spermien etwa sieben Tage pro Zyklus.
  • Die symptothermale Methode hat bei korrekter Anwendung einen Pearl Index, der mit der Pille vergleichbar ist.
  • Körperkerntemperatur und Zervixschleim liefern zwei unabhängige, präzise Signale für den Status des Eisprungs.
  • Zykluswissen hilft nicht nur bei der Verhütung, sondern auch bei Kinderwunsch oder der Diagnose von Hormonproblemen.
  • Der weibliche Zyklus ist keine Belastung, sondern kann als faszinierende Superpower verstanden werden.

Mehr erfahren im healthwise Podcast von sunday natural

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Katrin Reuter ist die Gründerin von Trackle, einem Unternehmen, das sich auf technologische Innovationen im Bereich Frauengesundheit spezialisiert hat. Sie entwickelte das medizinisch zertifizierte Sensorsystem aus einem persönlichen Bedürfnis heraus, um Frauen eine sichere, automatisierte und hormonfreie Verhütung zu ermöglichen.

Mehr Informationen unter: www.trackle.de

[Katrin Reuter] (1:09 - 1:21) 

Man kann einen Eisprung nie vorhersagen. Ein Eisprung findet statt oder findet nicht statt, aber man kann nie sagen, wann der stattfindet. Man kann immer nur retrospektiv sagen, ob er stattgefunden hat oder nicht.

[Elisabeth Seidel] (1:21 - 2:47) 

Diese Woche steht ganz im Zeichen von Female Health. Wir haben drei spannende Podcastfolgen vorbereitet, in denen wir uns intensiv mit Zykluswissen und zyklusgerechtem Leben beschäftigen. Gemeinsam mit unseren Expertinnen gehen wir der Frage nach, wie der weibliche Körper eigentlich funktioniert und welche Rolle Hormone in unserem Alltag spielen. Von Energie und Ernährung bis hin zu Arbeit und Lifestyle. Freut euch auf wissenschaftliche Einblicke, praktische Tipps und inspirierende Gespräche rund um das Thema Female Health. Herzlich willkommen zu einer neuen Folge HealthWise. Heute geht es um Zykluswissen, um natürliche Empfängnisverhütung und die Frage, wie wir biologische Signale sinnvoll messen und interpretieren können. Unser heutiger Gast ist Katrin Reuter, die Gründerin von Trackle. Trackle ist ein medizinisch zertifiziertes System zur kontinuierlichen Temperaturmessung, das viele Frauen nutzen, um ihren Zyklus besser zu verstehen und ihre fruchtbaren Tage einzugrenzen. In dieser Folge sprechen wir über Katrins persönliche Geschichte, über die Entstehung von Trackle bis hin zur Frage, wie der weibliche Zyklus abläuft und wie Temperatur und Cervixschleim gemeinsam genutzt werden können, um Fruchtbarkeit einzuordnen. Ich freue mich ganz sehr. 

Herzlich willkommen Katrin. Dankeschön, vielen Dank für die Einladung. Katrin, wir starten hier immer mit einer Allgemeinfrage, die den Sonntag betrifft. Also würde mich einmal interessieren, wie sieht denn für dich ein schöner oder perfekter Sonntag aus?

[Katrin Reuter] (2:48 - 3:07) 

Eine wichtige Rolle spielt Ausschlafen. Schlafen ist das allerbeste und je länger und je ungestörter, desto besser. Das gehört auf jeden Fall dazu. Dann, wenn die Sonne scheint, wäre gut und der Rest ist je nachdem, was so ansteht. Aber Sonne und Schlafen sind die beiden wichtigsten Faktoren.

[Elisabeth Seidel] (3:07 - 3:34) 

Da sagst du, was wichtig ist. Wir sprechen heute über Trackle, über Empfängnisverhütung. Da würde mich natürlich zum Einstieg einmal interessieren, wie kamst du denn auf das ganze Thema? Also ich meine, Empfängnisverhütung ist natürlich für viele Frauen ein Thema. Früher war es die Pille, die viele genommen haben. Mittlerweile sieht man ja den Trend, der ein bisschen davon weg geht. Frauen wollen ihren Zyklus spüren, wollen einen echten Zyklus haben. Was ist so deine Geschichte? Wie kamst du darauf?

[Katrin Reuter] (3:35 - 4:46) 

Ich glaube, ich bin da ganz mainstream geprägt in meiner Generation. Ich bin ein klassischer Gen-Xer und damals war das so, da gab es überhaupt keine Diskussion, ob irgendjemand hormonfrei verhütet oder nicht. Da wurde die Pille verschrieben, sobald man bei drei nicht auf dem Baum war. Und dann war das eben so. Und so war das bei mir auch. Ich habe mit 15, 16 oder so die Pille verschrieben bekommen und die dann einfach, ohne sie zu hinterfragen, ganz, ganz lange genommen, bis ich an den Punkt kam, wo ich selber eine Familie gründen wollte. Und diese Verhütungsbiografie, die teile ich mit sehr vielen Frauen meiner Generation und so ganz komplett verändert hat es sich auch noch nicht. Also bei vielen ist das so, dass man die Pille nimmt, ein bisschen den Überblick verliert, was passiert da eigentlich? Das gehört so zum Alltag. Wie funktioniert so ein Zyklus? Wie würde mein Körper ohne Hormone funktionieren? Das hat man meistens dann gar nicht mehr so präsent. Und dann kommt irgendwann der Punkt, wo man sagt, jetzt würde ich gerne die Pille absetzen und zum Beispiel Kinder bekommen. Und dann kommt das große Fragezeichen. Wie war das jetzt nochmal? Wann ist nochmal ein Eisprung? Wie genau funktioniert ein Zyklus? Und so, genau so war das bei mir auch.

[Elisabeth Seidel] (4:47 - 5:12) 

Kamst du dann an den Punkt, wo dir aufgefallen ist, ich habe eigentlich eine große Lücke, was Zykluswissen angeht? Weil es ist ja so, viele Frauen, so in meiner Erfahrung nach, wissen gar nicht so richtig, wie der Zyklus abläuft. Also mich eingeschlossen, ich hatte lange keine Ahnung. Klar, durch mein Studium dann schon viel gelernt, aber früher keinen Schimmer gehabt. Was passiert da eigentlich?

[Katrin Reuter] (5:13 - 5:50) 

Ja, die Erfahrung habe ich auch gemacht. Die habe ich auch an mir selber natürlich gemacht. Teile das auch mit all meinen Freundinnen. Man lernt ein bisschen was in der Schule, aber natürlich nicht über die genauen Zusammenhänge und vor allem auch nicht darüber, wie sich so ein Zyklusgeschehen dann auswirkt. Also man kann dann vielleicht sagen, das und das ist das Organ, so und so heißt das. Und im besten aller Fälle bringt man auch noch so ein Hormon irgendwie zustande, das heißt so und das heißt anders. Aber was das dann genau bedeutet und wie sich das auswirkt auf einen Alltag, auf eine Psyche, auf ein Wohlbefinden oder eben auch Nichtwohlbefinden, das hat man meistens nicht so präsent.

[Elisabeth Seidel] (5:51 - 6:13) 

Das ist ja ein Thema, habe ich das Gefühl, weil es immer präsenter wird. Also viele Frauen haben davon gehört, was ist ein zyklusbasiertes Leben, wie fühle ich mich vielleicht in den verschiedenen Zyklusphasen. Wie ist es bei dir dazu gekommen, dass du dich dann entschieden hast, Trackle zu gründen oder das selbst in die Hand zu nehmen?

[Katrin Reuter] (6:14 - 9:31) 

Ich habe ja gerade schon gesagt, ich habe die Pille abgesetzt, um schwanger zu werden und bin dann nicht sofort schwanger geworden. Das ist ja, wenn man die 15 Jahre nimmt, denkt man ja quasi der Moment, wo man absetzt, jetzt müssten so himmlische Chöre erschallen und man ist quasi morgens schwanger. Das ist ja das, wovor Mütter einen immer warnen, dass das genau so passieren wird. Es passiert aber gar nicht immer so und mich hat das irritiert. Ich dachte, was ist denn jetzt los? Jetzt müsste doch ganz anders laufen. Und bei mir hat das dann dazu geführt, dass ich dem auf den Grund gehen wollte. Ich wollte verstehen, was passiert da. Darüber bin ich auf die symptothermale Methode gestoßen. Da werden wir sicher gleich noch ein bisschen drüber sprechen. Also die Zykluszeichen, die der Körper sendet, durch Messungen zu erkennen und dadurch besser zu verstehen, was passiert in meinem Körper eigentlich wann. Und dieser Prozess der Messung, den fand ich persönlich total unpraktisch. Früher hat man, wenn man symptothermal gearbeitet hat, mit einem Fieberthermometer die Körperkerntemperatur genommen punktuell am Morgen. Und in meinem Fall, damals war das so, hat man das dann mit einem Bleistift in eine Kurve gezeichnet und im besten Fall kam dann am Ende eben so eine Zykluskurve raus, wo man erkennen konnte, wo der Temperaturanstieg stattgefunden hat. Dürfen wir nicht vergessen, müssen wir gleich noch mal erklären, was ich jetzt hier erzähle mit Temperaturanstieg und so. Kommen wir gleich zu. Und dieses punktuelle Messen am Morgen und dann die Rechnerei und die Zeichnerei in dieser Papierkurve, das hat mich sehr gestört in der Usability, vor allem je mehr Kinder dazu kamen. Also ich bin dann schwanger geworden und habe meinen ersten Sohn bekommen und dann habe ich symptothermal verhütet und dann wollte ich ein zweites Kind, dann habe ich meinen zweiten Sohn bekommen. Und je mehr Kinder und je mehr Infekte, schlaflose Nächte, schreiende Babys, Stillen, Pipapo, desto schwieriger und komplizierter wurde die Temperaturerfassung und die Auswertung nach der symptothermalen Methode. Und ich war sehr dankbar in dieser Phase für alles, was das Leben leichter macht und habe mir die ganze Zeit gewünscht, dass mein Fieberthermometer, mit dem ich die Temperatur erfasse und das Handy, in das ich dann die Werte schon eingetragen habe, dass die doch bitte einfach ohne mein Zutun kommunizieren. Warum soll ich mit einem digitalen Gerät in der einen Hand und dem anderen digitalen Gerät in der anderen Hand, warum soll ich da jetzt Daten übertragen? Also das können die beiden viel besser ohne mich. Und das war der Auslöser. Ich wollte gerne, dass die Temperaturerfassung so automatisiert wie möglich erfolgt und dass die Übertragung und die Auswertung ohne mein Zutun passiert, ohne dass ich morgens um sechs völlig übernächtigt irgendwelche Werte nach oben und unten abrunden muss. Das war mir ein bisschen zu gefährlich, weil da kommt alles mögliche bei raus. Und ja, und so ist Trackle entstanden aus dem Impuls zu sagen, Temperaturerfassung und automatisierte Auswertung bitte. Und eigentlich wollte ich nur so ein Gerät kaufen, habe dann keins gefunden und habe dann gedacht, also wenn ich dieses Problem habe, dann haben das wahrscheinlich noch ziemlich viele andere Frauen da draußen. Und so ist Trackle entstanden.

[Elisabeth Seidel] (9:32 - 10:01) 

Also hast du es selbst in die Hand genommen. Finde ich sehr cool. Wie kam das dann? Wie war dann so der Prozess? Also Trackle ist ja auch ein Medizinprodukt. War dir von Anfang an klar, das muss ein Medizinprodukt sein? Das braucht eine Zertifizierung, um eine gewisse Seriosität vielleicht auch zu haben? Oder wie kam das dann zustande? Wie war dann der Weg? Hast du erst mal gedacht, was mache ich jetzt? Verbinde ich irgendwie einen Fieberthermometer mit der App oder wie ist es dann entstanden?

[Katrin Reuter] (10:01 - 12:57) 

Ja, ein bisschen schwierig war, dass ich von der ganzen Thematik weder Medizinprodukte noch Elektrotechnik im weiteren und im engeren Sinne irgendeinen Hauch von Ahnung hatte. Ich habe Politik und Musikwissenschaft studiert und habe dann in diversen Agenturen gearbeitet und habe mich vor allem mit Webtechnologie und ein bisschen am Rande mit Software beschäftigt, aber habe vor allem Projektmanagement gemacht. Und das war also eine vollkommen neue Welt für mich. Ich hatte wirklich überhaupt keine Ahnung, wie das geht. Aber ich hatte großartige Unterstützung von einem Freund von meinem Mann und mir. Mein Mann war ja mehr oder weniger direkt und indirekt auch beteiligt. Und ein Freund von uns hat so ein Faible für Elektrotechnik und einen legendären Bastelkeller in Köln. Und der hatte sofort so einen Impuls. Ach ja, da gibt es auch so Sensoren, die Temperatur erfassen und das direkt aufs Handy übertragen. So in die Richtung müsste das doch dann gehen. Und dann haben wir angefangen, so wie wir das bei allen Themen seit der Trackle-Gründung bisher gemacht haben, uns da reinzulesen und so ein bisschen rein zu nerden und zu gucken, wie funktioniert das? Was braucht man, um Temperaturdaten zu übertragen? Wie misst man sowas? Wie versorgt man ein Gerät mit Energie, das im Körper Temperatur messen soll? Wie würde man sowas produzieren? Was für Bauteile braucht man? Und dann ist es eine Frage von nochmal Nachfragen und nochmal Nachfragen. Und dann haben wir immer mehr Leute kennengelernt, die uns bereitwillig Auskunft gegeben haben, die uns erklärt haben, wie sowas funktioniert. Und irgendwie ist darüber dann Trackle entstanden. Man professionalisiert sich dann so Schritt für Schritt. Irgendwann gab es ein Ingenieurbüro, was uns unterstützt hat. Und so hat sich dann das Gerät sozusagen entwickelt. Vielleicht sollten wir einmal kurz erklären, was das eigentlich ist. Trackle ist ein kleiner Sensor. Der ist ungefähr so groß wie ein Tampon. Und der wird eben auch vaginal getragen, während man schläft. Und in dieser Zeit zeichnet er die Körperkerntemperatur auf, damit man eben wegkommt von dieser punktuellen Messung am Morgen. Kann ich auch gleich nochmal ein bisschen darauf eingehen. Und er zeichnet die Körperkerntemperatur auf und guckt, welches ist der tiefste Wert, den der Körper nachts in Ruhe erreicht hat. Und diesen Wert schickt er dann an unser Backend, wo ausgewertet wird, ob ein Eisprung stattgefunden hat oder nicht. Nicht nur anhand der Temperatur, sondern auch noch anhand von anderen Parametern. Kommen wir auch gleich zu. Aber das Gerät, mit dem die Nutzerin arbeitet, ist der Trackle. Und das ist so ein kleiner lila Sensor, der vaginal getragen wird. 

[Elisabeth Seidel] (12:58 - 13:02) 

Wie groß ist das? Aber die Leute können ja auch auf der Website schauen.

[Katrin Reuter] (13:02 - 13:14) 

Ich hätte meinen mitbringen sollen. Genau, guckt alle auf der Webseite. Der ist ja ungefähr so lang und ja ungefähr so wie ein benutzter OB normal sind so die Abmessungen.

[Elisabeth Seidel] (13:14 - 13:27) 

Ist das für jede Frau geeignet zum Einführen oder gibt es da irgendwie so Kontraindikationen, wo man sagt, du hast vermehrt Entzündlichkeit oder eine bakterielle Vaginose, da solltest du das nicht nehmen?

[Katrin Reuter] (13:28 - 14:06) 

Ja, tatsächlich, wenn man eine akute Entzündung hat, dann sollte man es nicht nehmen. Wenn man eine Pilzinfektion hat, dann muss man darauf achten, dass man den gut reinigt und desinfiziert, damit man sich nicht quasi selber immer wieder ansteckt. Aber ansonsten ist das ein Gerät, was ummantelt ist mit medizinischem Silikon. Das ist absolut inert, also das kann nicht reagieren mit den Schleimhäuten und ist natürlich auch total gründlich untersucht und in Laboren getestet. Das ist Teil der Medizinprodukte-Zertifizierung. Das bedeutet, nein, es gibt da keine Kontraindikationen. Wer einen hormonell nicht beeinflussten Zyklus hat, kann auch einen Trackle verwenden. Okay, super.

[Elisabeth Seidel] (14:06 - 14:31) 

Genau. Gut, wir wollen natürlich noch mehr darüber sprechen, wie genau das funktioniert. Ich glaube aber, zum Anfang sollten wir vielleicht erst mal so generell über den Zyklus sprechen. Was ist der Zyklus? Was passiert da? Welche Hormone spielen vielleicht eine Rolle? Und wie beeinflusst es natürlich auch den Zervixschleim und die Körpertemperatur? Vielleicht fangen wir erst mal an mit dem Zyklus.

[Katrin Reuter] (14:31 - 14:32) 

Fang vorne an.

[Elisabeth Seidel] (14:32 - 14:32) 

Genau, ganz vorne.

[Katrin Reuter] (14:33 - 17:56) 

Da ist immer schon die erste Falle. Ich selber habe erst in meiner ersten Schwangerschaft verstanden, dass ein Zyklus mit dem ersten Tag der Menstruation beginnt, dass das Tag 1 ist. Das ist so eine wesentliche und grundsätzliche Information. Aber ich glaube, wenn man jetzt daraus ginge und fragen würde, weiß ich nicht, wie verbreitet diese Kenntnis ist. Also ja, da fängt es an. Zyklus Tag 1 ist der erste Tag der Menstruation. Dann findet die Menstruation statt. Das ist die erste Phase. Und dann geht es über in die zweite Phase, wo das Hormon FSH dafür sorgt, dass im Eierstock sogenannte Follikel heranreifen, also die Eizellen, die dann zum Eisprung, eben mit dem Eisprung springen, ausgelöst durch das Hormon LH. In dieser Zeit steigt auch der Östrogen-Spiegel die ganze Zeit an. Und wenn Östrogen und LH quasi ihren Peak erreicht haben, dann findet der Eisprung statt. Und das bedeutet, dass diese herangereifte Eizelle sich aus dem Eierstock löst und loswandert durch den Eileiter in Richtung Gebärmutter. Und ganz überraschende Erkenntnis für viele, nur in dieser Zeit, während das Ei gesprungen ist und auf dem Weg ist, kann das Ei befruchtet werden. Das sind im Höchstfall 18 Stunden innerhalb eines Zyklus. Dazu muss man aber wissen, dass die Spermien, die das Ei befruchten könnten, die ihrerseits haben eine fünftägige Überlebenszeit. Das heißt, bis zu fünf Tage vor dem Eisprung Sex hatte und dann da noch Spermien sind, die da schön überlebt haben, können die in diesen 18 Stunden, in denen das Ei herumwandert, zuschlagen. Deswegen spricht man von einem Fruchtbarkeitsfenster von sieben Tagen. Also die zwei Tage des Eisprungs plus die fünf Tage, die Spermien überleben können. Und diese Kombination, zwei Tage plus fünf Tage, das ist das sogenannte fruchtbare Zeitfenster. Und das muss man erkennen, um sicher verhüten zu können. Jetzt bin ich kurz abgebogen. Also wir hatten angefangen, erste Phase Menstruation, zweite Phase Follikel-stimulierendes Hormon sorgt für einen Anstieg und für eine Reifung des Follikels. Dann findet der Eisprung selber statt. Und mit dem Eisprung beginnt auch schon, also das Ei wandert, macht sich auf den Weg in die Gebärmutter. Und wenn das dann nicht befruchtet wird, dann wandelt sich die Hülle dieses Eis zum sogenannten Gelbkörper. Das hat man meistens schon mal gehört. Der heißt deshalb Gelbkörper, weil er tatsächlich gelb ist. Und da wird dann Progesteron ausgeschüttet. Und Progesteron und das sogenannte Gelbkörperhormon, das sinkt dann auch wieder ab, wenn das Ei nicht befruchtet wurde. Das heißt, der ganze Hormon-Höhepunkt, der da zum Eisprung herum stattgefunden hat, der sinkt langsam, aber stetig wieder ab. Und wenn er ganz unten angekommen ist, stellt der Körper fest, okay, das war nichts in diesem Zyklus. Wir sind nicht schwanger. Raus mit dem ganzen Kram. Wir fangen nochmal von vorne an. Und dann beginnt die Menstruation, wo die aufgebaute Gebärmutterschleimhaut abgestoßen wird. Und das ist dann wieder der erste Tag des nächsten Zyklus. Und dann beginnt das ganze Spiel von vorn.

[Elisabeth Seidel] (17:58 - 18:06) 

Und innerhalb dieses Zykluses, wie verändert sich die Temperatur und wie verändert sich der Zervixschleim? Wir können auch eins nach dem anderen.

[Katrin Reuter] (18:06 - 20:09) 

Genau. Wie du magst. Genau. Fangen wir mit der Temperatur an. Wir sprechen hier von der Körperkerntemperatur. Dazu muss man auch wissen, der menschliche Körper ist dazu gebaut, seine Temperatur so konstant wie möglich zu halten. Deswegen werden zum Beispiel, wenn einem wahnsinnig kalt wird, erst mal die Extremitäten kalt. Und der Körper versucht, die wichtigen inneren Organe immer schön auf der gleichen Temperatur zu halten, damit die immer perfekt funktionieren. Das heißt, um die Körperkerntemperatur aus dem Gleichgewicht zu bringen, muss man sich sehr, sehr anstrengen oder wirklich sich ganz schön lange irgendwo auf dem Berggipfel hinlegen und vor sich hin frieren. Das ist also sehr schwierig, die Körperkerntemperatur zu beeinflussen. Die Körperkerntemperatur, hat die Eigenschaft, dass sie durch Progesteron steigt. Ein kleines bisschen. 0,5 Grad ungefähr. Aber das tut sie super sicher. Das ist eines der medizinischen Phänomene, also anatomischen Phänomene, was am unabhängigsten überhaupt von allen Körperphänomenen funktioniert. Diese Verbindung zwischen Progesteron plus Anstieg der Körperkerntemperatur. Es gibt fast keinen Vorgang im menschlichen Körper, der so eng korreliert wie diese beiden Dinge und das bei allen Frauen oder bei allen Menschen mit Zyklus weltweit. Das ist total spektakulär. Und das Progesteron, also das, was passiert, wenn der Eisprung vorbei ist, was dann seinen Höhepunkt hat, das sorgt für diesen Anstieg der Körperkerntemperatur. Und wenn man das mitbekommt, dann weiß man, aha, hier steigt die Temperatur an. Das heißt, der Eisprung hat stattgefunden. Das Progesteron ist an seinem Höhepunkt. Und ab jetzt kann man keine Fruchtbarkeit mehr annehmen, weil die Wanderung ist schon durch. Das Ei ist schon angekommen. Progesteron hat seine Arbeit aufgenommen. Und ab dann passiert fruchtbarkeitsmäßig nichts mehr. Aber die Temperatur ist angestiegen und bleibt auf diesem erhöhten Level.

[Elisabeth Seidel] (20:09 - 20:45) 

Okay. Wie ist es dann, wenn ich mir jetzt diese App vorstelle? Der Eisprung findet statt und danach geht die Temperatur hoch. Ist es dann so, dass man erst mal zwei, drei Zyklen messen muss, dass das richtig berechnet werden kann und dann zuverlässig sagen kann, okay, diesen Monat wahrscheinlicher Eisprung hier, dann kommt der Temperaturanstieg, also dass man quasi drei, vier, fünf Tage vorher schon angezeigt bekommt, okay, das ist möglich, dass du schwanger wirst, bitte verhüten. Oder eben auch nicht, je nachdem, was man möchte.

[Katrin Reuter] (20:45 - 26:51) 

Das Prinzip ist ein bisschen anders. Es sind zwei Aspekte, die da wichtig sind. Der erste Aspekt ist, man kann einen Eisprung nie vorhersagen. Ein Eisprung findet statt oder findet nicht statt, aber man kann nie sagen, wann der stattfindet. Man kann immer nur retrospektiv sagen, ob er stattgefunden hat oder nicht. Und deswegen ist es so wichtig, dass, und das ist ein Teil der sogenannten symptothermalen Methode, das sind die Regeln, nach denen Trackle auswertet. Deswegen ist es so wichtig, dass man individuell bei jeder Frau die eigenen Parameter betrachtet. Also immer wieder guckt, hat ein Temperaturanstieg stattgefunden, ja oder nein? Nächster Tag, hat ein Temperaturanstieg stattgefunden, ja oder nein? Nächster Tag, Temperaturanstieg, ja oder nein? Weil man erst durch diesen individuellen Anstieg sagen kann, okay, der Eisprung hat stattgefunden und wann das sein wird, kann man nie prognostizieren. Das ist die eine eiserne Regel. Und die andere eiserne Regel ist, dadurch, dass man nicht prognostizieren kann, muss man von Fruchtbarkeit ausgehen, bis der Eisprung stattgefunden hat. Nach den Regeln der symptothermalen Methode kann man am Anfang eines Zyklus ein paar Tage als unfruchtbar freigeben. Während der Menstruation ist das so. Je nach Zyklusverlauf oder mehreren Zyklusverläufen ist das auch direkt in der Phase quasi zwischen Menstruation und dem ersten Fruchtbarkeitstag. Dies kann unterschiedlich lang sein. Aber ganz grundsätzlich ist es so, solange im Zyklus kein Eisprung stattgefunden hat, gehen wir davon aus, dass Fruchtbarkeit besteht, weil wir nicht sagen können, wann genau der Eisprung stattfindet. Deswegen guckt Trackle bei jeder Frau individuell, hat heute schon ein Eisprung stattgefunden oder nicht? Und solange der noch nicht stattgefunden hat, schiebt das System quasi die Fruchtbarkeit vor sich her und sagt jedes Mal, okay, kein Eisprung, dann könntest du fruchtbar sein. Nächster Tag kein Eisprung, bist du wahrscheinlich fruchtbar. Nächster Tag. Solange bis zwei Parameter, der berühmte Cervixschleim, kommen wir auch gleich zu, und die Körperkerntemperatur sagen, da war ein Eisprung. Und erst danach kann man sagen, okay, jetzt kann nichts mehr passieren. Und das ist es auch, was diese Methode so sicher macht, weil man eben nicht mit Durchschnittswerten in einem Kalender arbeitet und auch nicht mit einem lernenden Algorithmus, der je nachdem, was mit dir und deinem Körper ist, einfach daneben liegen kann, sondern man verlässt sich darauf. Der Körper zeigt, wann der Eisprung passiert ist, und danach weiß man, passiert nichts mehr. Es ist Fruchtbarkeit hinüber für diesen Zyklus. Und die symptothermale Methode, also die Methode, nach der man diese Körperzeichen sinnvoll und vor allem wissenschaftlich fundiert beobachtet, die sieht vor, dass man zwei Körperzeichen beobachtet. Nach dem klassischen Prinzip doppelt hält besser. Das heißt, die Körperkerntemperatur und deren Anstieg, darüber haben wir jetzt schon ziemlich lange gesprochen, ist das eine Zeichen. Und das andere Zeichen ist der sogenannte Cervixschleim. Ein Wort, was eine lustige Karriere gemacht hat. Als wir angefangen haben mit Trackle, hatte ich das vorher noch nie gehört. Die Firma gibt es jetzt seit zehn Jahren, also so vor elf Jahren oder so, habe ich angefangen zu recherchieren und habe das Wort noch nie gehört und habe dann festgestellt, das wird auch nie gesucht im Netz und das kennt niemand. Alle sind immer total schockiert und fragen nach, was für ein Schleim, was? Es hat ja auch so ein bisschen was Bäh, so Cervixschleim, was ist das Seltsames? Und das wird diesem Körpervorgang überhaupt nicht gerecht, weil eigentlich ist das was vollkommen Großartiges. Cervixschleim ist der Schleim, den Drüsen am Gebärmutterhals absondern und der unterliegt sozusagen auch dem hormonellen Zyklus. Und je nachdem, wie die Hormone im Körper sind, verändert der Cervixschleim seine Konsistenz, weil er einen total wichtigen Zweck erfüllt. Am Anfang vom Zyklus ist da erst mal nicht viel mit Schleim, da ist ja noch Menstruation und so und dann ist die Menstruation vorbei. Und je näher es dann auf den Eisprung hingeht, desto wertvoller wird der Cervixschleim für den Prozess der Befruchtung. Eigentlich will die Evolution ja nur, dass wir uns alle ständig brav vermehren. Das heißt, sie tut nur Dinge, die für die Befruchtung gut sind. Und deswegen verändert sich dieser Cervixschleim, wird von so einer weißlichen Konsistenz immer dünnflüssiger und immer spinnbarer, damit die Spermien besser durchkommen. Und nicht nur kommen sie besser durch, sondern sie werden auch besonders gut ernährt vom Cervixschleim, weil sie ja diese fünf Tage überleben müssen. Der Körper gibt sich richtig Mühe, es den Spermien so nett wie möglich zu machen, damit sie auch wirklich das Ei erwischen. Und da spielt der Cervixschleim eine ganz besondere Rolle, verändert also seine Konsistenz bis zum Eisprung. Und dann kennen wir schon das Prinzip, der Eisprung ist rum, Progesteron setzt ein und dann denkt auch der Cervixschleim, ja gut, okay, ich werde hier nicht mehr gebraucht. Der verändert dann wieder seine Konsistenz, wird weniger bis zur Menstruation und dann geht das Spiel wieder von vorne los. Das heißt, an der Konsistenz des Cervixschleims kann man sehr gut erkennen, was gerade Phase ist im Zyklus. Je spinnbarer und je flüssiger, desto mehr Östrogen, desto näher am Eisprung. Und diese beiden Faktoren, Körperkerntemperatur und Cervixschleimbeobachtung, die geben zwei voneinander unabhängige, aber sehr präzise, wenn man sie lesen kann, sehr präzise Ansagen darüber, hat ein Eisprung stattgefunden oder nicht. Das heißt, die Kombination aus dem sogenannten Cervixschleim-Höhepunkt, der besten Qualität, sagt die Expertin in dem Fall, vom Cervixschleim plus dem Temperatur-Höhepunkt belegt sehr eindeutig und sehr, sehr, sehr sicher, dass der Eisprung stattgefunden hat. Dann ist er rum, dann kann man Bescheid sagen, in diesem Zyklus passiert nichts mehr. Und das ist das Wirkprinzip von der symptothermalen Methode und damit auch von Trackle.

[Elisabeth Seidel] (26:53 - 27:05) 

Könntest du noch kurz erklären, wie misst man die Konsistenz des Cervixschleims? Du meintest ja, das ist entweder spinnbar oder vielleicht ein bisschen fester von der Konsistenz, nicht fest, aber nicht flüssig.

[Katrin Reuter] (27:05 - 29:28) 

Ja, das Interessante ist, während wir hier darüber reden, ich würde meinen linken Arm darauf verwetten, dass alle Personen mit Zyklus da draußen und Cervixschleim wissen, was wir meinen. Alle wissen das, aber es ist, sie haben sich vielleicht im einen oder anderen Fall noch keine Gedanken darüber gemacht, wie zyklisch diese Veränderung ist. Man weiß, wie sich das anfühlt, man weiß auch, wie man das mitbekommt, aber man weiß nicht, wie das mit den Körpervorgängen zusammenhängt. Es gibt Regeln und Methoden, wie man seinen Cervixschleim untersucht. Das macht man, das ist der Signature Move von Trackle. So, man spinnt den zwischen zwei Fingern und kann gucken, wie sieht er aus, wie verhält er sich. Man bekommt das auch mit, wenn man zum Beispiel auf die Toilette geht oder man sieht das, wenn man Trackle verwendet, sieht man den Cervixschleim auch am Trackle. Und das wird einem sehr schnell sehr klar, wie das funktioniert. Die symptothermale Methode selbst unterscheidet fünf sozusagen Güteklassen, die sehr präzise beschrieben sind. Und es gibt auch Studien dazu, die belegen, dass weit über 95 Prozent der Frauen, die diese Kriterien vorgelegt bekommen, ihren Cervixschleim richtig beurteilen können. Das ist ein bisschen wie Fahrrad fahren. Man verlernt das nicht. Man versteht das einmal und in der Trackle-App gibt es dann auch diese Beschreibung von diesen fünf verschiedenen Klassen und man versteht es sofort und weiß auch sofort, was gemeint ist. Dieses Cervixschleim-Thema ist das, wo unsere Nutzerinnen nicht mehr, die trauen sich ja, aber bevor Frauen einen Trackle kaufen, wenden die sich an uns und fragen, das mit dem Cervixschleim, das ist mir irgendwie unheimlich, weil man das Gefühl hat, man könnte es falsch machen oder man könnte sich verschätzen oder vertun. Die gute Nachricht ist, tut man nicht. Also man weiß, was da passiert und man kennt sich selber schon so viele Jahre und man hat das auch immer schon beobachtet. Man hat es nur noch nicht richtig einsortiert und das ist überhaupt nicht schwer. Und dann hat man dieses Puzzle zusammengesetzt. Dann hat die Temperatur, dann hat man die Cervixschleim-Qualität und dann wird nach bestimmten Regeln gesagt, okay, wenn das zeitlich so und so zusammenfällt, dann hat der Eisprung stattgefunden und dann weiß man Bescheid.

[Elisabeth Seidel] (29:29 - 30:03) 

Smart. Also Nutzerinnen kommen schnell rein, was diesen Schleim angeht und auch die Anwendung von dem Sensor. Jetzt hast du ja schon schön erklärt, die symptothermale Methode ist die Kombination aus beiden Messverfahren, der Temperatur und der Tastung des Cervixschleims. Jetzt habt ihr ja auch den sogenannten Pearl Index. Ich weiß nicht, ob alle wissen, was das ist. Kannst du das kurz erklären?

[Katrin Reuter] (30:03 - 32:35) 

Der Pearl Index ist eine Zahl, mit der man die Sicherheit von Verhütungsmitteln misst. Da wird geschaut, wie viele von 100 Frauen, die dieses Verhütungsmittel verwenden, werden innerhalb eines Jahres ungewollt schwanger. Das heißt, wenn 100 Frauen ein Kondom verwenden, ein Jahr lang zur Verhütung, dann werden von denen, ich glaube 18, unter Vorbehalt, ich weiß es nicht genau, ungewollt schwanger. Das bedeutet, ein Kondom hat den Pearl Index von 18. Ist jetzt vielleicht Kondom-Shaming, was ich hier betreibe. Ich müsste die Zahlen noch mal genau nachgucken, vielleicht ist es auch besser. Unter Vorbehalt. Das beschreibt, wie sicher das Verhütungsmittel funktioniert. Das heißt, je niedriger der Pearl Index, desto sicherer das Verhütungsmittel. Wichtig ist noch zu sagen, ein Verhütungsmittel mit dem Pearl Index 0 gibt es nicht. Es besteht immer das Risiko, schwanger zu werden, egal was man tut. Das liegt einfach daran, dass die Evolution uns ein paar Millionen Jahre voraus ist. Und wie gesagt, Fortpflanzung das wichtigste Element ist. Die gibt sich also wirklich Mühe. Und da müssen wir uns auch ziemlich Mühe geben, um dagegen anzukommen. Deswegen bleibt immer ein Restrisiko, natürlich schwanger zu werden, auch mit der Pille. Je komplizierter die Anwendung eines Verhütungsmittels und je mehr sozusagen handwerkliche Fehler man machen kann, desto höher der Pearl Index. Also ein Kondom, da kann man einfach viel falsch machen, da kann viel schief gehen. Ein Diaphragma zum Beispiel, also eine reine Barrieremethode, kann auch verrutschen, da können Dinge passieren. Eine Spirale ist schon deutlich sicherer, weil einfach die Anwendungsfehler deutlich geringer sind, weil man da nicht dran rum manipuliert, kommt man ja gar nicht mehr dran. Und eine Pille ist natürlich sehr sicher, weil sie da eingreift, wo die potenzielle Schwangerschaft entsteht, nämlich im Hormonhaushalt und gar keinen Eisprung entstehen lässt. Wo kein Eisprung, da auch keine ungewollte Schwangerschaft. Deswegen ist der Pearl Index von der Pille sehr niedrig. Und die symptothermale Methode hat ebenfalls einen sehr niedrigen Pearl Index, weil wenn man sich daran hält, an diese Aussagen, die die symptothermalen Methode hat, dann hat man ja entweder keinen oder geschützten Sex in den fruchtbaren Tagen. Und deswegen kommt es auch nicht zu einer Schwangerschaft. Und deswegen hat die symptothermale Methode auch ein Pearl Index von unter eins vergleichbar zur Pille.

[Elisabeth Seidel] (32:35 - 32:44) 

Nicht schlecht. Ich glaube, das ist einfach so, dass viele Frauen oder Menstruierende es gar nicht wussten, dass es so sicher ist, auch damit zu verhüten.

[Katrin Reuter] (32:45 - 33:54) 

Es gibt für die Expertinnen hier unter uns noch eine Unterscheidung zwischen der perfekten Anwendung und dem Pearl Index, den eine Methode in der perfekten Anwendung hat und den, den sie quasi in einer üblichen Anwendung hat. Weil, um es am Beispiel der symptothermalen Methode zu erklären, würdest du die symptothermale Methode im Perfect Use betrachten, würde das bedeuten, dass du während der fruchtbaren Zeit überhaupt keinen Sex hast und überhaupt nichts mit jemandem, der Spermien loswerden möchte, zu tun, sozusagen. Dass du also enthaltsam bist in der fruchtbaren Phase. Je weniger enthaltsam du bist, desto höher ist natürlich das Risiko, dass irgendwas schief geht, weil du ja dann ein Kondom zum Beispiel verwendest. Und ein Kondom hat ja, wie wir gerade erklärt haben, einen deutlich höheren Pearl Index. Und deswegen in der Anwenderberechnung kann der Wert ein bisschen nach oben gehen. Und im Perfect Use kann er ein bisschen nach unten gehen. Das ist bei allen Verhütungsmitteln so. Aber er bleibt für die symptothermale Methode eben immer vergleichbar zur Pille.

[Elisabeth Seidel] (33:55 - 34:02) 

Was denkst du, woran das liegt, dass von vielen eben diese Temperaturmessungen oder diese Methoden als so unsicher wahrgenommen werden?

[Katrin Reuter] (34:03 - 37:34) 

Weil es schwierig ist, sie sicher durchzuführen. Und deswegen werden sie dann auch unsicher. Das ist der Punkt, den ich eben meinte mit der punktuellen Messung am Morgen. Eigentlich will man wissen, was ist der tiefste Wert, den der Körper nachts in Ruhe erreicht, also der tiefste Temperaturwert. Und diesen Wert, den setzt man dann in Bezug zu den anderen tiefsten Werten in einem Zyklus. Also man guckt, wie war der Wert am Montag, wie war der Wert am Dienstag, wie war der Wert am Mittwoch, jeweils immer der tiefste Wert. Und dann ergibt sich so eine Kurve, die dann irgendwann ansteigt. Während dieser Wert entsteht, schläft man aber. Das heißt, man kann das, was man da morgens misst, immer nur als Näherungswert betrachten. Man versucht mit dieser punktuellen Messung so dicht wie möglich ranzukommen an das, was der niedrigste Wert wahrscheinlich war. Und deswegen ist dieser Näherungswert auch so fehleranfällig. Weil bei manchen Frauen ist es so, wenn sie zu einer anderen Uhrzeit messen, wenn sie vor dem Messen auch nur sprechen, wenn sie vor dem Messen aufstehen, wenn sie ein anderes Thermometer verwenden, wenn sie eine andere Anzahl Stunden geschlafen haben, wenn sie am Abend vorher Alkohol getrunken haben. Das alles kann diesen Näherungswert verfälschen, beeinflussen und zack, sieht man auf einmal einen Temperaturanstieg oder eine Kurve oder irgendwas, wo sie nicht hingehört. Und das ist schwierig, das ist kompliziert, das richtig zu machen. Deswegen misst Trackle die ganze Nacht lang, damit egal wann du schläfst, egal wie viele Stunden du schläfst, egal wie häufig du wach wirst, aufstehst, Schichtarbeit ist, immer dafür gesorgt ist, dass der tiefste Wert, den du im Schlaf erreicht hast, auch wirklich zur Auswertung verwendet wird. Das ist der eine Automatismus, der es sicherer macht und der es vorher unsicher gemacht hat. Der zweite Punkt ist, die Auswertung erfolgt nach bestimmten Regeln. Also man muss gucken, zum Beispiel muss sich die Temperatur eine bestimmte Zeit auf dem Plateau halten und man muss Werte, die zwischen zwei Auswertungen liegen, runden nach bestimmten Regeln, nach oben und nach unten. Und diese Rechenleistung, die ist auch fehleranfällig. Also ich habe mich, als ich das noch selber mit der Hand gemacht habe, jeden Morgen verrechnet, weil ich immer falsch in irgendeine Richtung gerundet habe. Morgens um sechs mit zwei kleinen Kindern und quasi nicht geschlafen. Und wenn man das einem Computer überlässt, der ja nun zum Rechnen gemacht ist, dann gibt es da auch weniger Fehler. Das heißt, die Methode und die Betrachtung und das, was wir uns da jeweils an Werten heranholen, ist gar nicht anders, als das in der symptothermalen Methode eben vorgeschrieben ist. Nur die Art, wie wir das machen, die Art der Datenerhebung und der Datenverarbeitung, die ist anders. Die ist nämlich automatisiert und digitalisiert und damit weniger fehleranfällig. Also damit wird klar, warum war das vorher unsicher? Da kann gar niemand was dafür. Dinge, die sich nur nähern und nicht exakt das Datum sind, was man braucht, die sind naturgemäß unsicher. Und sich zu verrechnen ist jetzt auch keine große Sünde, das passiert. Aber das macht diese manuelle Auswertung unsicher und das sind die Punkte, die Trackle behebt durch das Design dieses Produkts.

[Elisabeth Seidel] (37:35 - 37:50) 

Ich meine, schon allein die Temperaturmessung mit dem Fieberthermometer ist super fehleranfällig. Gibt es denn so eine Mindestzeit, die man den Trackle einführen muss oder ist es egal, wie lange man jetzt schläft? Nee, ganz egal ist es nicht.

[Katrin Reuter] (37:50 - 38:05) 

Man muss schon auch schlafen, vier Stunden. Ich möchte nicht nachts sagen, weil man kann auch vier Stunden schlafen ab drei Uhr nachmittags. Hauptsache man schläft und gibt dem Körper die Chance einmal komplett runterzufahren und seine niedrigste Temperatur zu erreichen.

[Elisabeth Seidel] (38:05 - 38:30) 

Also wenn jetzt jemand in Schichten arbeitet und Nachtschicht hat, würde das oder diejenige das dann einführen am Morgen, wenn sie sich ins Bett legt. Was sind so deine Erfahrungen mit Trackle beziehungsweise mit euren Nutzerinnen? Ist es so, dass viele das zur Verhütung nutzen oder eher um schwanger zu werden und warum bleiben sie dann vielleicht, wenn sie ihr Ziel erreicht haben?

[Katrin Reuter] (38:32 - 42:16) 

Die meisten unserer Kundinnen nutzen Trackle zur Verhütung, weil es eben eine sichere Alternative zu hormoneller Verhütung ist. Das ist das, wonach die meisten Frauen heute suchen. Das sind unsere Kundinnen. Aber Trackle als Produkt ist schon so angelegt, dass es über eine gesamte fruchtbare Phase eine Frau begleitet oder eine Person mit Zyklus. Und zwar kann man das ja in beide Richtungen verwenden, diese Erkenntnis, die man daraus sieht. Wenn man weiß, wann der Eisprung ist, dann weiß man, wann man schwanger werden kann. Man kann also verhüten. Man kann aber auch einen Kinderwunsch erfüllen. Man kann verstehen, was der Körper wann tut. Also viele Sportlerinnen nutzen Trackle gerne, um zu verstehen, in welcher Zyklusphase sie sich befinden und wie sie ihr Training, ihre Ernährung und ihr Leben darauf ausrichten können. Und man kann auch mitbekommen, wenn etwas nicht stimmt. Viele Patientinnen, die zum Beispiel PCOS haben oder einen unregelmäßigen Zyklus, nutzen Trackle, um zu erkennen, habe ich überhaupt einen Eisprung? Wann findet der statt? Welche Phase meines Zyklus ist wie lang? Das ist ein ganz wichtiges Kriterium, gerade auch für die Gynäkologin, für den Gynäkologen. Auch noch so ein geheimes Zyklus-Highlight. Die zweite Phase nach dem Eisprung ist eigentlich immer gleich lang. Die ist immer zwischen um die zwölf Tage, zwischen zehn und 14 Tage lang. Das, was einen Zyklus unterschiedlich lang macht, sowohl zwischen unterschiedlichen Personen mit Zyklus, aber auch bei einem selber. Man selber hat ja auch unterschiedlich lange Zyklen. Das ist immer die erste Zyklusphase vor dem Eisprung. Da können sich Dinge verändern, da können Dinge passieren. Das, was nach dem Zyklus passiert, ist immer eigentlich gleich. Es sei denn, man hat zum Beispiel eine Gelbkörperschwäche. Dann ist diese Phase verkürzt. Dann weiß ein Gynäkologe, eine Gynäkologin, warum hier zum Beispiel eine Fruchtbarkeitsproblematik vorliegt. Das ist also wichtig, dass man weiß, ob pathologisch alles in Ordnung ist. Auch wenn es Richtung Wechseljahre geht, ist es eine total wichtige und relevante Information, zu verstehen, was passiert denn in meinem Körper? Haben wir denn noch einen Eisprung? Ist denn hier ein Temperaturanstieg zu sehen? Welche Phase ist wie lang? Auch um zum Beispiel einen Hormonstatus zu messen im Blut, ist es ja wichtig, zu verstehen, an welchem Zyklustag mache ich das denn? Wenn ich meinen Hormonstatus im Blut überprüfen lasse und das nur nach Kalender mache, weil die Gynäkologin sagt, na ja, Eisprung ist ja immer an Tag 14, dann messen wir mal deinen Hormonstatus an Tag 14. Aber mein Eisprung ist an Tag 16 und da befinden sich an Tag 14 die Hormone gerade erst im Anstieg. Die sind also noch gar nicht peak da, wo sie hin sollen. Und dann wird es gemessen und dann stellt jemand fest, oh, das ist ja zu wenig. Das ist ja von diesem und jenem Hormon zu wenig. Die Konstellation ist irgendwie schief. Das liegt aber nicht daran, dass wirklich die Konstellation schief ist. Das liegt daran, dass am falschen Tag die Blutprobe entnommen wurde. Und dieses Wissen ist natürlich auch relevant. Also man nutzt den Trackle klassisch zur Verhütung oder zur Umsetzung eines Kinderwunsches. Er ist aber auch sinnvoll und liefert wertvolle Informationen bei einer Behandlung durch einen Arzt, eine Ärztin, wenn es auf die Wechseljahre zugeht und wenn man ganz grundsätzlich wissen möchte, was passiert hier in meinem Körper eigentlich wann. Und deswegen nutzen ganz viele unserer Kundinnen, wenn sie einmal umgestiegen sind auf den Trackle, den auch langfristig.

[Elisabeth Seidel] (42:17 - 42:25) 

Muss man den irgendwann erneuern oder hat er irgendwie eine Akkulaufzeit, die abläuft nach ein paar Jahren? So lange hält es bestimmt, oder?

[Katrin Reuter] (42:25 - 43:02) 

Genau, also der hat eine Batterie, der hat keinen Akku, den kann man nicht wieder aufladen, weil Akkus eine Tendenz haben zum Explodieren. Das wollen wir vermeiden. Damit kriegt man auch keine Medizinprodukte-Zertifizierung hin. Das ist also eine Primärzelle, eine Batterie und wir garantieren eine Laufzeit von 30 Monaten und so lange kann man den Trackle verwenden. Es gibt zwei Modelle bei uns, entweder man kauft den im Festpreis, dann ist er halt nach 30 Monaten leer, man kauft einen neuen oder nicht. Oder man abonniert den Trackle, dann wenn der sein Lebensende erreicht hat, tauschen wir den automatisch aus und man hat da gar keinen Stress mit.

[Elisabeth Seidel] (43:03 - 43:37) 

Aber 30 Monate ist ja schon ordentlich lang. Was denkst du, warum es in dieser ganzen Zeit, also wann hast du angefangen, den Trackle zu entwickeln? Ja, aber du hast dich ja vorher schon damit beschäftigt. Was denkst du, warum es so über diese ganzen Jahre so wenig Verhütungsinnovationen gab? Denkst du, es hat auch damit zu tun, dass eben Frauen überhaupt in der Forschung sehr wenig beachtet wurden? Und ist dir das aufgefallen, auch bei deinen Recherchen, dass einfach Daten fehlen?

[Katrin Reuter] (43:38 - 47:41) 

Also ich mache erst mal das große gesellschaftspolitische Bild auf. Wenn man das so betrachtet, dann ist die Zeit ja gar nicht so lang. Wenn man mal schaut, wann gab es denn eine wirklich relevante Verhütungsinnovation? Das war die Pille. Das war Ende der 60er Jahre und das ist über all die Jahrhunderte, um nicht zu sagen Jahrtausende gedacht, ja jetzt noch nicht so lange her. Und das hat schon mal die Möglichkeit vorangebracht, für Frauen über Empfängnis und Körper selber zu bestimmen, in mehr oder weniger relevantem Maß. Aber das war erst mal überhaupt möglich und das war schon mal gut. Gesellschaftlich ist es natürlich in den 60er, 70er und 80er Jahren nicht so gewesen, dass da dann Frauen schon erkannt haben, das ist ein Problem mit der Pille und da will ich mich jetzt mal darum kümmern, weil die Frauenbewegung überhaupt erst mal dahin kommen musste, dass Frauen in der Forschung, in gesellschaftspolitischen Kontexten sich mit dem Thema überhaupt auseinandersetzen können. Die waren alle ganz schön beschäftigt mit ganz schön vielen anderen Dingen. So eine Einverdiener-Ehe und so ein Haushalt und Kinder und so, das lässt meistens wenig Raum, gab es auch, aber das ist nicht der gesellschaftliche Mainstream. Und grundsätzlich glaube ich, dass es für Innovationen ein Problembewusstsein geben muss und ich bin sicher, bei ganz vielen Frauen seit den 60er Jahren gab es ein Problembewusstsein, aber das wurde nicht gehört, weil sie ja nicht präsent waren in Medien, in der wissenschaftlichen Auseinandersetzung, da waren sie einfach nicht. Und man kann nicht erwarten, dass jemand, der keinen Zyklus hat, kein Problem mit seiner Verhütung hat, sowieso sich um das Thema Verhütung keine Gedanken machen muss, das macht jemand ganz anderes für ihn. Wie soll so jemand, also Männer in dem Fall, auf die Idee kommen, etwas an der Situation zu verändern? Dazu muss es ja überhaupt erst mal das Problembewusstsein und die Artikulation dessen geben. Und weil es das nicht gegeben hat, gab es die Forschung nicht, gab es die Entwicklung nicht. Und jetzt gibt es diese Möglichkeit, auch weil die Technologie natürlich jetzt erst überhaupt den Punkt erreicht hat, wo man so ein Gerät wie Trackle zum Beispiel bauen kann, was mit so wenig Energieversorgung so relevante Daten erheben kann. Und dieser Punkt muss erst mal erreicht und überschritten sein und dann kann es losgehen. Und das ist die Entwicklung, die wir jetzt sehen. Wir sehen viele Femtech-Entwicklungen, viele Produkte, die sich um körperliche und gesundheitliche Belange von Frauen kümmern. Und das ist natürlich total großartig, weil da gibt es schon eine Lücke. Der sogenannten Gender Health Gap ist inzwischen auch in aller Munde. Es gibt nicht so viel Daten und so viel Forschung zur Gesundheit von Frauen, auch aus unterschiedlichen Gründen. Einmal der, den ich gerade beschrieben habe, die waren halt nicht so präsent. Aber was man auch nicht vergessen darf, Medikamente oder auch Medizinprodukte an Frauen zu testen, unterliegt erstmal höheren ethischen Standards, weil Frauen grundsätzlich eben schwanger sein könnten. Man kann unter Risikoabschätzungsmaßnahmen ja nicht sagen, gut, vielleicht ist sie schwanger, aber wir probieren das Medikament trotzdem mal an ihr aus. Das kann man nicht machen. Das ist auch richtig so, dass es das nicht gibt. Und das andere ist, dass ein Medikamententest an einem Menschen, der in wochenweisen Abständen von einem anderen Set an Hormonen überflutet wird, ist natürlich so ein Medikamententest auch ein bisschen schwierig. Und deswegen wird und wurde viel mehr an Männern getestet. Und das hat dann natürlich andere Auswirkungen. Man hat die möglicherweise ungeborenen Babys geschützt und die Frauen auch. Man hat vielleicht klarere Ergebnisse, aber es fehlen die individuellen Ergebnisse, die so ein Frauenkörper nun mal eben produziert, weil er ein Frauenkörper ist.

[Elisabeth Seidel] (47:41 - 48:11) 

Andererseits hat man es sich natürlich auch ein kleines bisschen leichter gemacht. Man hätte ja die Frau dann untersuchen müssen in allen möglichen Zyklusphasen mit unterschiedlichem Stoffwechsel, unterschiedlicher Entgiftung und so weiter. Ich denke, es gibt viele, die jetzt daran arbeiten, dass das ein bisschen aufgeholt wird. Also hoffe ich oder sieht man ja auch in der Forschung. Aber bist du an irgendeiner Stelle so an eine Grenze gestoßen, wo du dachtest, ich bräuchte eigentlich mehr Daten, aber es gibt sie einfach nicht oder kam es nicht vor?

[Katrin Reuter] (48:11 - 49:19) 

In unserem Fall haben wir ja unsere Daten quasi selber generiert. Also die Zyklusdaten, die wir brauchen, um damit zu arbeiten, natürlich nur mit Einwilligung, bevor jetzt jemand das Thema Datenschutz hier in die Luft wirft. Diese Daten generieren wir selbst, mit denen können wir auch arbeiten. Ich hatte eher das Thema, dass bei der Gründung einer Firma wie Trackle es ist, die sich ja ganz explizit um Frauengesundheit bemüht, die, sagen wir mal, die Reaktion von Investoren, Geldgebern, sonstigen Ansprechpartnern ein bisschen verhalten war, weil das, um es mal positiv zu interpretieren, das Thema Frauengesundheit einfach nicht so in der Wahrnehmung so weit oben war. Das wird besser, aber ist jetzt auch noch nicht so, als würden einem die Geldsäcke hinterher geworfen, wenn man sich mit Cervixschleim beschäftigt. Wie viele den Trackle nutzen, kann ich dir sagen. Also wir bewegen uns jetzt auf 100.000 verkaufte Produkte zu.

[Elisabeth Seidel] (49:19 - 49:38) 

Und du siehst ja auch, dass sie bleiben, dann hast du ja vorhin schon erwähnt. Wenn du jetzt Frauen hast oder Menstruierende, die sagen, sie wollen beginnen, ihren Zyklus zu tracken oder sie wollen sich mehr mit ihrem Zyklus auseinandersetzen, hättest du irgendwelche Tipps für die oder was würdest du denen empfehlen?

[Katrin Reuter] (49:40 - 51:10) 

Mein Lieblingssatz ist immer, keine Angst vorm Cervixschleim. Irgendwann muss ich noch mal ein neues Wort dafür erfinden, damit es nicht so, ich glaube, alleine dieser Begriff ist schon abschreckend. Aber da muss man sich wirklich überhaupt keine Sorgen machen. Also das finde ich total wichtig. Und in der konkreten Nutzung von Trackle kriege ich ganz häufig die Frage gestellt, aber was passiert, wenn ich was falsch mache? Weil viele Frauen machen sich dann Sorgen, ich habe den Sensor vielleicht mal nachts vergessen oder ich habe ihn irgendwie nachts rausgeholt und dann nicht mehr wieder eingeführt oder ich habe den Cervixschleim falsch bestimmt und dann kriege ich eine falsche Auswertung. Ja, und dann werde ich ungewollt schwanger. Das Wirkprinzip von Trackle bleibt ja, wir gehen so lange von Fruchtbarkeit aus, bis der Eisprung belegt ist. Wenn zu wenige Daten vorliegen, ist das Einzige, was passiert, dass der Eisprung nicht belegt werden kann. Das heißt, es wird einfach weiter Fruchtbarkeit angenommen. Wenn du dich also an das hältst, was Trackle dir sagt, dann wirst du nicht einen fruchtbaren Tag als unfruchtbar angezeigt bekommen, weil das System einfach immer guckt, hat der Eisprung stattgefunden, ja oder nein? Und solange er nicht stattgefunden hat, wird Fruchtbarkeit angenommen, full stop. Das heißt, egal, ob du deinen Cervixschleim mal gar nicht bestimmt hast, ob du den Trackle zwei Nächte nicht getragen hast, wenn die Daten nicht ausreichen, dann wird weiter Fruchtbarkeit angenommen, fertig. Und wenn du dich daran hältst, kann auch nichts passieren.

[Elisabeth Seidel] (51:12 - 52:26) 

Vielen, vielen Dank für diese Schlussworte. Es war sehr, sehr interessant. Viele Facts über den Zyklus, über den Cervixschleim. Ich finde das Wort gar nicht so schlimm, um ehrlich zu sein. Gut, sehr gut. Vielleicht setzt es sich ja langsam durch. Was ich hoffe, was sich durchsetzt, ist, dass viele Frauen lernen über den Zyklus, über die Schwankungen innerhalb des Zykluses, wie sie selbstbestimmt das in die Hand nehmen können, wie sie vielleicht auch Kraft draus ziehen können. Nicht nur das als, sag ich mal, Last, sondern auch als Stärke empfinden. Denn jede Zyklusphase hat ja auch irgendwie eine Power in sich. Und das Wissen, was du uns gerade mitgeteilt hast, ist, glaube ich, ein ganz, ganz Wertvolles für viele Zuhörerinnen, um anzufangen, sich damit zu beschäftigen oder sich vielleicht auch noch mal ein bisschen zu vertiefen, anzufangen, zu messen, den Cervixschleim zu untersuchen. Und deshalb möchte ich mich ganz, ganz herzlich bei dir bedanken, dass du heute hier zu Gast warst und dein tolles Wissen mit uns geteilt hast, die Innovation auch. Und zum Schluss möchte ich dich gerne noch fragen, wie können Frauen, Menstruierende, auf dich aufmerksam werden oder wo finden sie den Trackle, wo finden sie genauere Informationen?

[Katrin Reuter] (52:27 - 52:54) 

Wir sind überall in diesem Internet. Wenn man Trackle eingibt, findet man uns auf jeden Fall auf der Webseite, unserem Instagram-Account, unserem TikTok-Account. Und wir haben ganz, ganz, ganz viel Material zum Zyklus, Zykluswissen, Webinare, Guidelines, alle möglichen Materialien, mit denen man sich auch erst mal einlesen kann ins Thema. Und besorgen kann man sich den Trackle bei uns im Shop zum Beispiel.

[Elisabeth Seidel] (52:54 - 52:56) 

Also ihr bringt auch das Wissen raus an die Frauen?

[Katrin Reuter] (52:56 - 54:25) 

Unbedingt, unbedingt. Das fand ich auch sehr schön, dass du das jetzt gerade noch mal gesagt hast. So ein Zyklus ist keine Belastung, sondern ist, das habe ich jetzt ein paar Mal gelesen, ist im Gegensatz dazu eher eine Superpower, weil man muss sich auch immer mal klarmachen, was aus so einem Zyklus entsteht, wie so ein Körper funktioniert. Alleine wie glücklich man sich schätzen kann, wenn so ein Eisprung stattfindet und wenn man das dann auch noch sieht und mitbekommt. Das ist wirklich eine Superpower. Das ist was, was einen zufrieden macht, was einem Selbstvertrauen geben kann, was einem das Vertrauen in den eigenen Körper geben kann. Und das ist komplex, aber das macht es ja deshalb nicht weniger faszinierend. Und ich persönlich denke immer, es ist wichtig zu wissen, was wann passiert. Weil nur wenn man Bescheid weiß, hat man auch die Möglichkeit zu reagieren, wenn einem irgendein Arzt irgendeinen Quatsch erzählt oder wenn einem ein Partner irgendwie blöd kommt. Wenn man weiß, was wann im Körper passiert, ist man auf jeden Fall besser dran, als wenn man es nicht weiß. Und so ein Zyklus ist als solches wirklich ein total faszinierendes Konstrukt und es lohnt sich immer zu verstehen, wie der Körper funktioniert. Bloß weil man es nicht von außen sehen kann, heißt es ja nicht, dass es nicht ein total spektakuläres Vorgehen ist.

[Elisabeth Seidel] (54:26 - 54:31) 

Das waren die perfekten Worte zum Schluss. Sehr gut. Ich danke dir recht herzlich nochmal.

[Katrin Reuter] (54:31 - 54:32) 

Ich danke auch. Dankeschön.

 

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