Informationen zur Podcastfolge Nr. 158 Zurück zum Ursprung: Neue traditionelle Ernährung. Mit Esma StorckInformationen zur Podcastfolge Nr. 158 Zurück zum Ursprung: Neue traditionelle Ernährung. Mit Esma Storck

Zurück zum Ursprung: Was ist die „Neue Traditionelle Ernährung“?

Ernährung ist heute oft kompliziert. Vegan, Low-Carb, Paleo – ständig gibt es neue Trends und Verbote. Doch vielleicht liegt die Lösung gar nicht im Neuen, sondern im Alten. In der aktuellen Folge von HEALTHWISE spricht Host Elisabeth Seidel mit Esma Storck, Kochbuchautorin und Mitgründerin von „Die neue traditionelle Ernährung“.

Esmas Reise begann nicht als Expertin, sondern als Mutter, die Antworten suchte. Ihr Ansatz verbindet altes Wissen mit modernen Erkenntnissen, ohne Dogmen, Verbote oder kurzfristige Trends.

Die Folge HEALTHWISE auf YouTube

Was bedeutet „Neue Traditionelle Ernährung“?

Das Konzept basiert auf dem Wissen, das unsere Vorfahren intuitiv nutzten, kombiniert mit modernen Erkenntnissen. Es geht nicht um Verzicht, sondern um Nährstoffdichte und Bekömmlichkeit. Die zentralen Säulen sind:

  • Darmgesundheit als Basis: Die Zubereitung der Lebensmittel zielt darauf ab, den Darm zu entlasten und aufzubauen.
  • Saisonalität & Regionalität: Essen, was die Natur vor der Haustür gerade bietet.
  • Nose-to-Tail: Die Verwertung des ganzen Tieres (inkl. Knochen und Organe) aus Respekt und für maximale Nährstoffe.
  • Traditionelle Zubereitung: Fermentieren und Einkochen um Lebensmittel verdaulicher zu machen.

Mehr zur Neuen Traditionellen Ernährung

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Warum Fermentation mehr ist als Konservierung

Früher legten Familien zentnerweise Kohl ein, um über den Winter zu kommen. Heute wissen wir: Fermentation ist ein Superfood-Booster.

  • Lebendige Nahrung: Während industrielles Sauerkraut oft pasteurisiert (erhitzt) ist, enthält selbstgemachtes Ferment lebende Milchsäurebakterien. Diese unterstützen das Mikrobiom im Darm.
  • Vielfalt: Ein selbstgemachter Rohmilchkefir kann bis zu 60 verschiedene Mikroorganismen enthalten – ein Supermarkt-Produkt oft nur drei .
  • Rezept-Tipp für Einsteiger: Fermentierte Karottenlocken. Einfach Karotten mit dem Sparschäler in Streifen schneiden, in ein Glas geben und mit einer Salzlake (1 EL Salz auf 1 Liter Wasser) übergießen. Nach 3–4 Tagen ist das süß-säuerliche Ferment fertig.

Das Comeback der Knochenbrühe

Ein weiteres Herzstück der traditionellen Küche ist die Brühe. Esma unterscheidet zwei Varianten:

  • Fleischbrühe: Kochzeit 1–3 Stunden.
  • Knochenbrühe: Kochzeit 4–24 Stunden (ideal im Slowcooker). Sie liefert wertvolle Mineralien und Gelatine (Kollagen), die gut für Darm und Haut sein können.Der Praxis-Hack: Esma kocht einmal pro Woche einen großen Topf vor und nutzt die Brühe dann als Basis für Suppen, Soßen oder kocht sogar Nudeln darin, um den Nährwert zu steigern.

Getreide: Warum selbst mahlen den Unterschied macht

Brot hat heute oft einen schlechten Ruf. Doch laut Esma liegt das nicht unbedingt am Getreide selbst, sondern an der Verarbeitung.

  • Industriemehl: Oft werden Mehlverbesserungsmittel zugesetzt, und der nährstoffreiche Keimling wird entfernt, um das Mehl haltbar zu machen.
  • Frisch gemahlen: Wer sein Korn frisch mahlt und den Teig mit Sauerteig 24 Stunden gehen lässt, baut schwer verdauliche Stoffe ab. Viele Menschen, die glauben, kein Gluten zu vertragen, kommen mit diesem traditionellen Brot oft problemlos zurecht.
  • Wichtig: Dies gilt ausdrücklich nicht für Menschen mit Zöliakie, die weiterhin strikt auf Gluten verzichten müssen.

Nose-to-Tail: Respektvoll essen

Esma plädiert dafür, wieder direkt beim Erzeuger zu kaufen und das ganze Tier zu nutzen. Organe wie Leber oder Herz sind extrem nährstoffreich.

  • Einsteiger-Tipp: Wer sich nicht an Leber traut, kann mit Herz beginnen. Es ist reines Muskelfleisch, schmeckt ähnlich wie ein Steak, liefert aber mehr Vitamin B12 und Coenzym Q10 als herkömmliches Fleisch, so Esma. 

Einfach anfangen – Schritt für Schritt

Man muss nicht sofort sein ganzes Leben umkrempeln. Esma warnt davor, alles auf einmal verändern zu wollen, da es viele Bereiche gibt (Getreide, Fleisch, Milchfermente). Stattdessen empfiehlt sie, sich ein Thema herauszupicken – zum Beispiel Brühen oder Kefir – und dort erst einmal Routinen zu entwickeln.

Ein weiterer Tipp für den Start: „Schaut mal in euren Kühlschrank. Was kauft ihr immer wieder? Muss das wirklich sein?“. Der erste Schritt kann ein Ausflug zum nächsten Bauernhof oder das Ansetzen eines Kefirs sein. Ernährung darf wieder Verbindung bedeuten – zur Natur, zum eigenen Körper und zu den Lebensmitteln.

Take Aways  

  • Zurück zur Intuition: Traditionelle Ernährung setzt auf unverarbeitete, regionale Lebensmittel und alte Zubereitungsmethoden.
  • Darmgesundheit: Fermentierte Lebensmittel wie Kefir oder Sauerkraut liefern wertvolle Bakterien für das Mikrobiom.
  • Brühe als Basis: Selbstgekochte Knochenbrühe ist eine einfache Möglichkeit, Nährstoffe und Kollagen in den Alltag zu integrieren.
  • Getreide neu entdecken: Lange Teigführung mit Sauerteig macht Brot bekömmlicher und baut Antinährstoffe ab.
  • Qualität vor Quantität: Lieber weniger, aber dafür hochwertiges Fleisch aus artgerechter Haltung direkt vom Erzeuger kaufen.
  • Einfachheit: Gesundheit beginnt oft mit dem Weglassen von Industrieprodukten und dem Selbermachen von Basics.

Mehr erfahren im healthwise Podcast von sunday natural

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Esma Storck ist Kochbuchautorin, Bloggerin und Expertin für traditionelle Ernährung. Gemeinsam mit ihrer Kollegin Heidi Beeck betreibt sie die Plattform „Die neue traditionelle Ernährung“. Ihre Leidenschaft für Themen wie Fermentation, Sauerteig und Nose-to-Tail entstand aus ihrer persönlichen Geschichte und dem Wunsch, die Gesundheit ihrer Familie nachhaltig zu stärken .

 
Seit Jahren begleitet sie Menschen auf ihrem Weg zu einer naturverbundenen, nährstoffreichen Ernährung. Dabei steht für sie die Praxis im Vordergrund: Esma teilt authentisch und alltagstauglich, was sich im echten Leben bewährt hat. Mit viel Sorgfalt und Blick fürs Wesentliche gibt sie Orientierung und hilft Familien dabei, gute und bewusste Entscheidungen für ihre Ernährung zu treffen.

Mehr zu Esma und der neuen traditionellen Ernährung: https://die-neue-traditionelle-ernaehrung.de/

 

158 Zurück zum Ursprung: Neue traditionelle Ernährung. Mit Esma Storck

 [Esma Storck] (0:00 - 0:20)

Das, was du reingibst, kriegst du auch wieder raus. Das zieht dich durchs ganze Leben, egal wo du Energie reinsteckst, entweder positive oder negative, du bekommst dann auch dieses Ergebnis daraus. Ernährung ist an sich einfach, es kann einfach sein, wenn man das einfach mal verstanden hat.

 

[Elisabeth Seidel] (0:21 - 1:28)

Herzlich willkommen zu HEALTHWISE, dem Gesundheitspodcast präsentiert von Sunday Natural. Ich bin Elisabeth Seidel und in diesem Podcast erkunden wir gemeinsam, was es bedeutet, gesund zu sein. Wir tauchen ein in Themen wie Medizin, Bewegung, Ernährung und emotionale Gesundheit.

 

Immer mit einem weisen Blick auf das, was uns wirklich gut tut. Herzlich willkommen zu einer neuen Folge HEALTHWISE. Heute geht es um ein Thema, das alle von uns beschäftigt, Ernährung.

 

Aber nicht irgendeine Ernährung, sondern die neue traditionelle Ernährung. Dafür habe ich einen ganz besonderen Gast eingeladen, Esma Stork, Expertin auf diesem Gebiet, Kochbuchautorin und eine der Gründerinnen von die neue traditionelle Ernährung. Esma verbindet altes Wissen mit modernen Erkenntnissen und zeigt, wie traditionelle Zubereitung und Konservierung, regionale Zutaten und bewusster Konsum unsere Gesundheit positiv beeinflussen können.

 

Freut euch auf spannende Einblicke, praktische Tipps und inspirierende Gedanken rund um ein bewussteres und natürlicheres Essverhalten. Ich freue mich ganz sehr. Herzlich willkommen, Esma.

 

[Esma Storck] (1:29 - 1:36)

Dankeschön, Elisabeth. Ich freue mich auch sehr, da zu sein und natürlich über mein Herzensthema zu sprechen.

 

[Elisabeth Seidel] (1:37 - 1:43)

Wir starten hier immer mit einer Sonntagsfrage. Deswegen ist meine Frage, wie sieht denn dein perfekter Sonntag aus?

 

[Esma Storck] (1:45 - 2:34)

Die Sonntage sind für uns oder für mich tatsächlich Familientage. Ich bin ja auch Mami von zwei Jungs und wenn möglich, beziehungsweise wir machen es immer möglich, verbringen wir den Sonntag immer zu viert, mein Mann und meine zwei Jungs, mit einem schönen, ausgiebigen Frühstück. Das Frühstück ist bei uns tatsächlich die wichtigste Mahlzeit des Tages.

 

Da können wir auch gerne später nochmal genauer darauf eingehen und danach einfach raus in die Natur. Wir lieben es, im Wald spazieren zu gehen, jetzt vor allem in der Herbstzeit Pilze zu suchen, anzuschauen. Meine Jungs lieben es, den Wald zu entdecken.

 

Am Nachmittag kommen wir dann verfroren ein bisschen nach Hause und machen uns einen leckeren Kakao. Also so sieht mein perfekter Sonntag aus.

 

[Elisabeth Seidel] (2:34 - 2:35)

Das hört sich super gemütlich an.

 

[Esma Storck] (2:36 - 2:37)

Ja, das soll er auch sein.

 

[Elisabeth Seidel] (2:39 - 2:51)

Ich hatte ja schon erwähnt, du bist eine der Gründerinnen von die Neue Traditionelle Ernährung.

 

Aber ich möchte mal ganz am Anfang anfangen. Wie kamst du denn dazu, dich mit Ernährung zu beschäftigen?

 

[Esma Storck] (2:54 - 6:01)

Ja, es ist lange, lange, lange her, würde ich sagen. Ich war vielleicht noch Schülerin, damals am Gymnasium, 18, 19, 20. Also es ist tatsächlich schon bei mir über 20 Jahre her, deswegen muss ich ein bisschen nachdenken.

 

Ich habe das Gefühl, es ist ein Thema, das hat mich schon immer begleitet. Ich habe immer meiner Mama beim Kochen zugeschaut. Ich wollte früh kochen lernen.

 

Ich wollte einkaufen, Lebensmittel einkaufen gehen. Ich habe ein Neues ausprobieren wollen. Also ich hatte generell schon als junges Mädchen immer Interesse an Kochen.

 

Und ich habe mir immer Gedanken gemacht damals schon, was bedeutet eigentlich gesund kochen? Was bedeutet eigentlich gesund essen? Das hat sich auch in den 20 Jahren natürlich alle paar Jahre mal wieder extrem gedreht und verändert.

 

Und ich habe dazu gelernt, jetzt im Nachhinein muss ich einfach sagen, es ist mein Herzensthema. Ich habe das schon immer gespürt. Ich war auch damals so in dem Bereich, wollte Medizin studieren, um noch mehr einzutauchen in die Biochemie von Lebensmitteln und von unserem Körper, um zu sehen, wie das alles funktioniert.

 

Tatsächlich hat sich dann so mein Ausbildungsweg ganz anders entwickelt. Aber ich kam dann irgendwann mal, so ein paar Jahre später, durch dann eigene Erfahrungen wieder immer wieder zurück zu dem Thema. Also junge Mädchen haben ja oft das Thema Diäten und Abnehmen.

 

Und dann kommt die Pubertät mit der Akne. Ich hatte viele, viele Jahre Akne. Also ich glaube, bis zu dem Ende meiner 20er Jahre hatte ich immer wieder mit Akne zu tun.

 

Und ich habe es auch immer wieder probiert mit einer Ernährungsumstellung, mit verschiedenen Diäten, verschiedenen Ernährungsformen. Ich habe schon immer gewusst, das hat was damit zu tun. Und man hat selber einen riesengroßen Einfluss darauf.

 

Auch wenn die Ärzte einem sagen, nee, da kann man nichts machen, hormonell gesehen. Hier, Pille haben sie mir gleich ziemlich früh verschrieben und so weiter, um das alles ins Gleichgewicht zu bringen. Aber ich hatte schon ganz früh vor 20 Jahren das Gefühl, dass wir so viel selber für uns tun können und dass es in unserer Hand ist.

 

Und irgendwann bin ich dann Vegetarier geworden. Ich habe mich dann auch mit dem Thema Tierhaltung, Massentierhaltung und so weiter beschäftigt, auch mit Landwirtschaft. Ich habe gemerkt, nee, wie das so da draußen abläuft, das gefällt mir nicht.

 

Irgendwann, ein paar Jahre später, bin ich sogar vegan geworden tatsächlich, weil ich gemerkt habe, nee, ich nehme mich, ich dachte damals, ich nehme mich aus der Verantwortung heraus, indem ich gewisse Produkte nicht mehr kaufe. Das wissen wir ja, heute ist es ja auch so, der Käufer bestimmt das Angebot. Und ich muss jetzt im Nachgang sagen, ich habe es mir ein bisschen leicht gemacht.

 

Ich habe halt gedacht, ich nehme mich aus der Verantwortung, ich kaufe einfach gewisse Dinge nicht mehr, habe aber nicht geahnt, in welchem Ausmaß das auf meine Gesundheit dann tatsächlich Auswirkungen hatte. Dann bin ich schwanger geworden mit Sohn Nummer eins.

 

[Elisabeth Seidel] (6:02 - 6:03)

Als du dich noch vegan ernährt hast?

 

 

 

[Esma Storck] (6:03 - 14:47)

In meiner veganen Phase, ja. Ich hatte zu der Zeit immer noch meine Problemchen. Ich hatte immer noch die Akne, ich hatte dann irgendwann mal auch mit dem Darm zu tun.

 

Ich hatte dann oft Blähungen, habe viele Dinge nicht vertragen, habe mich natürlich auch massenweise ernährt von Hülsenfrüchten und Körnern und Samen und so weiter. Und relativ spät gemerkt, dass das dann doch nicht so gut für mich persönlich war. Aber so richtig, sagen wir mal, ein einschlagender Moment oder der Punkt, der mich dann noch mal dazu gebracht hat, in eine andere Richtung zu schauen, war dann die Geburt von meinem ersten Sohn, der dann mit einem sogenannten Zahnschmelzdefekt auf die Welt gekommen ist.

 

Man kann auch heute sagen, MIH, wobei MIH betrifft ja eher die bleibenden Zähne, aber manche beziehen das auch auf die Milchzähne oder Kreidezähne. Da gibt es viele Namen für ein Symptom, was aber mittlerweile echt zu einer kleinen Epidemie bei Kindern geworden ist, bei Babys auch vor allem schon, also ab dem ersten Zahn. Bei meinem Sohn war es tatsächlich so.

 

Die ersten zwei Zähnchen haben rausgeguckt und die waren schon komplett demineralisiert, komplett weich, schon vergilbt. Ein halbes Jahr später sind sogar Zähne abgebrochen. Jeder Zahn, der da rausgewachsen ist, war einfach nicht gesund.

 

Das war dann wieder so für mich der Moment, wo ich gedacht habe, okay, es wird Zeit, die Richtung zu ändern und zu schauen, wo geht es jetzt hin. Das war natürlich eine schwere Zeit, weil ich mir die Schuld für das Ganze gegeben habe. Die Mutter, wenn irgendwas mit dem Baby nicht stimmt, dann bezieht die Mutter das automatisch auf sich und auf die Fehler, die sie eventuell gemacht hat.

 

Ich weiß es heute immer noch nicht. Ich möchte nicht behaupten und zu hundertprozentig sagen können, dass jetzt meine Ernährung diesen Zahnschmelzdefekt ausgelöst hat. Aber es geht in die Richtung und weil viele Frauen, viele Familien ähnliche Erfahrungen machen.

 

Es gibt zwar da auch noch ein paar andere mögliche Ursachen, wie eine Belastung mit Bisphenol A oder mit Glyphosat und so weiter. Ich habe damals auch viel geforscht. Ich habe dann die ganzen Tests bei mir gemacht, um zu sehen, ob ich eine Glyphosatbelastung habe und so weiter.

 

Aber es hat dann irgendwie nach den Jahren alles darauf hingedeutet, dass ich wahnsinnig im Nährstoffmangel war. Ich habe dann weiter geforscht, weil ich wollte meinem Sohn natürlich helfen. Ich bin von einem Zahnarzt zum nächsten gegangen.

 

Die wollten natürlich alle das Symptom behandeln. Die wollten die Zähne behandeln, überkronen, teilweise ziehen, versiegeln und so weiter. Das ganze Programm teilweise wirklich mit Vollnarkose.

 

Ich habe dann nur gesagt, nein, ich möchte das nicht. Wenn man mit Ernährung und mit Lebensmitteln heilen kann, dann kann ich das. Dann versuche ich das, dann will ich das.

 

Ich wollte es wenigstens mal versucht haben, weil ich hatte dann tatsächlich irgendwann mal den dritten oder vierten Zahnarzt, bei dem wir waren. Das war der einzige biologische Zahnarzt, der dann zu uns gesagt hat, das Einzige, was diesem Kind helfen kann, wirklich nachhaltig, sind Nährstoffe, Nährstoffe, Nährstoffe. Der hat, glaube ich, diesen Satz dreimal wiederholt.

 

Und ich bin rausgegangen aus dieser Praxis und dann hat es einfach gearbeitet. Und ich habe mir gedacht, okay, wenn dieses Kind Nährstoffe braucht, dann kriegt er die, egal in welcher Form. Ich war bereit, alles zu tun.

 

Ich war auch bereit, von diesem vegetarischen und veganen Lebensstil wegzugehen, hauptsache, um meinem Sohn zu helfen. Und dann bin ich irgendwann auf Weston A. Price gestoßen, den amerikanischen Zahnarzt und Ernährungswissenschaftler.

 

Zu der damaligen Zeit gab es ja auch kaum deutsche Literatur. Ich habe mich da eher in amerikanischer Literatur eingelesen und umgeschaut. Und es hat für mich alles Sinn gemacht.

 

Weston A. Price hat ja Völker auf dieser Welt, abgelegene Naturvölker besucht und erforscht und gemerkt, dass die Zahngesundheit beziehungsweise auch die komplette Gesundheit extrem davon abhängt, wovon sie sich ernähren. Er hat herausgefunden, dass die meisten gesunden Völker von dem lebten und leben, was die Natur und die Tiere um sie herum ihnen bieten und geboten haben.

 

Und das waren einfach Getreide, Obst, Gemüse, Fisch, Fleisch. Da hat man nicht sagen können, das ist gut und das ist schlecht oder ich lasse mal eins davon weg, so wie wir halt heutzutage den Luxus haben. Ich nenne es wirklich Luxus, sondern eigentlich Privileg, dass wir sagen können, wie wir selektieren gewisse Lebensmittel raus, weil wir meinen, dass sie vermeintlich schlecht für uns sind.

 

Andere Völker konnten sich sowas gar nicht leisten. Sie haben das verwertet, was sie da hatten. Und die haben auch nicht nur das feine Filet von der Ziege oder von dem Rind gegessen, sondern vom Nose to Tail das komplette Tier verwertet, wirklich auch die Knochen, die Haut, die Organe und so weiter.

 

Was ja nicht nur aus Nachhaltigkeitsgedanken her für mich total Sinn gemacht hat, sondern auch aus gesundheitlicher Perspektive. Denn genau diese Teile sind es, die so extrem nährstoffreich sind für uns. Und was habe ich gemacht?

 

Ich habe dann, nachdem ich, ich glaube, zwölf Jahre kein Fleisch angerührt habe, bin ich dann zu einem Bio-Bauern in meiner Region gefahren und habe mir da die Tiere angeschaut, habe gesehen, okay, die stehen auf der Weide, werden hier gut behandelt, weil Massentierhaltung wollte ich und will ich weiterhin immer noch nicht unterstützen. Und habe mir da mal eine Rinderleber gekauft und gedacht, das bereite ich jetzt mal für mich und meinen Sohn zu. War wirklich ein wahnsinniges Abenteuer damals, das zu tun.

 

Aber ich wollte es, ich wollte meinem Sohn helfen und ich habe es gemacht. Und dann bin ich immer weiter in diese Ernährung hineingeraten. Irgendwann habe ich neben Fleisch und Innereien zu essen angefangen, angefangen, Sauerteigbrote zu backen, Kefir anzusetzen, Rohmilch von der Tankstelle zu holen und dann zu fermentieren, zu verschiedenen Milchprodukten, weil ich dann auch auf meiner Reise gemerkt habe, einerseits sind es natürlich die Nährstoffe.

 

Unsere Ernährung ist heutzutage generell bei vielen Menschen sehr nährstoffarm. Die Diversität und die Menge, die es früher so gab, das muss man natürlich zugeben, ist halt auch in den heutigen Lebensmitteln nicht so vorhanden. Vitamine, Mineralien in Obst und Gemüse, so wie es früher war, aufgrund der Verarmung, der Bodenqualität und so weiter und dem Einsatz von künstlichen Düngemitteln und so weiter.

 

Das musste man natürlich zugeben. Aber ich habe trotzdem dann irgendwann gemerkt, es gibt aber Lebensmittel, die immer noch sehr nährstoffreich sind und die uns wirklich auch mit wirklich bioverfügbaren Nährstoffen versorgen können. Und das sind nun mal die tierischen Lebensmittel.

 

Das musste ich mir selber irgendwann mal eingestehen, dass das die Lebensmittel sind, die uns wirklich auf Zellebene nähern können, solange sie in einer guten Qualität dastehen und von einer guten Herkunft und artgerecht gehalten wurden. Da gibt es auch ganz tolle Studien und Experimente. Vielleicht kennst du die auch.

 

Fleisch aus konventioneller Massentierhaltung und Fleisch aus artgerechter biologischer Haltung. Auch die Vitaminen, die Fettsäurenzusammensetzung zum Beispiel ist da extrem unterschiedlich. Ein artgerecht gehaltenes Tier enthält das Fleisch viel mehr Omega-3-Fettsäuren als aus der konventionellen Massentierhaltung.

 

Und so hat sich das einfach durchgezogen. Ich habe dann irgendwann auch gemerkt, dass der Darm eine sehr große Rolle spielt, weil die Nährstoffe, Nährstoffe, Nährstoffe, die der damalige Zahnarzt mir empfohlen hat, können ja auch nur aufgenommen werden, wenn das Kind einen gesunden Darm hat. Und so ging das immer weiter, immer weiter.

 

Und irgendwann habe ich Heidi kennengelernt, meine mittlerweile nicht nur Kollegin, sondern auch beste Freundin. Und wir haben zusammen beschlossen, die neue traditionelle Ernährung zu schreiben, unser Grundlagenbuch, weil wir einfach gesagt haben, wir müssen dieses Wissen in die Welt hinaustragen. Vor allem, es gab bis dato keine Literatur zu diesem Thema von deutschsprachigen Autoren.

 

Und ja, zwei Jahre später war das erste Buch da. Mittlerweile Nummer fünf ist auf dem Markt.

 

[Elisabeth Seidel] (14:48 - 15:24)

Das ist auch ein Buch, was ich häufig empfehle, wenn mich jemand fragt. Oder auch so, wenn ich mit Patienten arbeite, weil es wirklich ein ganz, ganz tolles Standardwerk ist, so was das Kochen angeht. Ihr habt es ja die neue traditionelle Ernährung genannt.

 

Welche, oder sagen wir mal, welche Prinzipien verfolgt ihr denn damit? Also wir haben schon gehört, nose to tail, da würde ich dann gleich noch mal drauf eingehen. Aber du hast gesagt, okay, Tierhaltung.

 

Bei dir in der Nähe ist ein Biohof, die Milchtankstelle. Also Saisonalität, Regionalität spielt sicherlich auch eine Rolle.

 

[Esma Storck] (15:25 - 18:52)

Ja, definitiv. Also auch die Saisonalität und die Regionalität sind immer noch eine Kernsäule der neuen traditionellen Ernährung. Aber nicht nur.

 

Also nicht nur vom nose to tail hast du erwähnt, artgerechte Tierhaltung, Kreislaufwirtschaft. Wir achten wirklich sehr darauf, woher kommen unsere Lebensmittel, wo sind sie gewachsen, wie wurden sie behandelt. Dann haben wir noch das Thema, Darm ist ein sehr, sehr großes Thema bei uns, auch eine Säule.

 

Wir schauen, dass wir unsere Lebensmittel so zubereiten und vorbereiten, dass wir einerseits unserem Darm nicht Schaden, nicht mehr, sagen wir mal, Schaden zufügen, als wir es ja in unserem heutigen Lebensstil sowieso schon machen. In Form von Stress, Alkohol, Medikamente und so weiter. Umwelteinflüsse, so, so viele Einflüsse hat unser Darm so oder so schon.

 

Und dann kommt noch die Ernährung, dann kommen die Lebensmittel noch obendrauf und also als größte Belastung. Und das ist so das Ziel gewesen, wirklich die Lebensmittel so auszuwählen und vorzubereiten, dass sie darmfreundlich sind und gleichzeitig aber auch einen gewissen Darmaufbau betreiben. Also das war uns sehr wichtig, weil wir halt gemerkt haben, dass die allermeisten Menschen heutzutage irgendwie ein Thema mit dem Darm haben.

 

Ein Ungleichgewicht an Bakterien, Entzündungen, Leaky Gut. Also da gibt es ja so viele, allein die Diversität an Mikroorganismen und Bakterienstämmen nimmt ja auch von Jahr zu Jahr ab bei den meisten Menschen. Und die kriegen sie dann auch irgendwie nie wieder.

 

Und dann in Folge dessen halt die ganzen Zivilisationskrankheiten, Symptome und so weiter. Also die Wichtigkeit der Darmgesundheit steht bei uns in unseren Büchern tatsächlich irgendwo übergeordnet. Vor allem auch über der Saisonalität, Regionalität.

 

Weil wir das einfach heutzutage alle, ich würde sagen, sehr, sehr dringend nötig haben, da wieder ein Augenmerk, einen Fokus zu legen auf die Lebensmittel, auf die Dinge, die wir essen, die wir jeden Tag zu uns führen und zum Körper antun, muss man tatsächlich sagen. Zum Teil, was unser Körper heutzutage alles kompensieren und aushalten muss, das ist ja der Wahnsinn. Es beginnt ja schon bei den ganzen Zusatzstoffen.

 

Also wenn wir da die Säulen der traditionellen Ernährung so ein bisschen weiterführen. Wichtig ist halt ja die Cleanheit der Lebensmittel, also das Weglassen von Konservierungsmitteln, künstlichen Aromen, künstlichen anderen Stoffen, die unsere Fertigprodukte heutzutage so schmecken und ausschauen lassen, wie sie es halt tun. Also wir vermeiden möglichst Fertigprodukte, weil Fertigprodukte halt immer auf irgendeine Art und Weise konserviert werden müssen und von der Industrie so zubereitet werden, dass sie halt gut schmecken und gut ausschauen, aber uns also wirklich im Allgemeinen dann nicht wirklich nähern und nicht wirklich weiterbringen, nährstofftechnisch versorgen oder ähnliches.

 

[Elisabeth Seidel] (18:53 - 19:36)

Du sprichst ja das Konservieren an, also das, was jetzt so gängigerweise gemacht wird, aber es ist ja natürlich auch ein Bestandteil der traditionellen Ernährung. Wenn man sich so das Traditionelle betrachtet, mal zurückdenkt, okay, wie haben meine Großeltern das gemacht? Die haben irgendwie ihre Sachen im Garten angebaut, also bei mir zumindest.

 

Dann wurde das irgendwie eingekellert, es wurde eingekocht, es wurde konserviert, um es dann eben im Winter zu essen. Und hier spielt natürlich Fermentation eine Rolle, aber es wurde auch ohne Konservierungsstoffe groß, vielleicht ein bisschen Zucker oder sowas wurde eingekocht. Also es wurde auch konserviert auf gesunde Art und Weise.

 

Wie spielt es bei euch? Welche Rolle spielt es bei euch?

 

[Esma Storck] (19:36 - 23:26)

Ja, eine ganz große Rolle spielt die Fermentation. Du hast sie tatsächlich schon erwähnt. Ich kenne es auch noch aus meiner Kindheit.

 

Meine Eltern, die haben wirklich pünktlich zum Herbstanfang, also tatsächlich so immer um die Zeit wie jetzt im Oktober, haben sie sich auf die Suche gemacht nach Weißkohlköpfen, aber wirklich eine riesengroße Menge, so 20 bis 30 Kilo. Und haben die dann wirklich jedes Jahr als komplette Kohlköpfe in so großen Böttchen in Salzlake eingelegt und fermentieren lassen, mehrere Wochen, damit wir dann als Familie so den ganzen Winter über davon zehren können. Und das haben wir dann auch wirklich so den ganzen Winter über gegessen.

 

Das war unser Salat. Das war unsere Beilage. Ich habe die Lake von den Weißkohlköpfen, die schwammen dann immer in so zehn Liter Lake drin.

 

Die habe ich so gerne getrunken. Es gab jeden Tag bei uns Sauerkraut zu essen, bis irgendwann so in den April, Mai hinein. Und dann war es auch schon wieder weg.

 

Dann haben wir alles aufgegessen und dann war im Sommer wieder Pause. Und das war dann auch so. Ich habe mich daran erinnert, warum haben das meine Eltern gemacht?

 

Ich habe mich dann versucht zu fragen, hat man damals schon? Das macht man ja schon ewig lange. Haben die das damals schon gewusst, dass das so reich an Vitamin C ist und reich an Milchsäurebakterien, die gleichzeitig unseren Darm aufbauen und ihm Gutes tun, damit man auch vor allem in der kalten Winterjahreszeit dann geschützt ist vor Infekten und so weiter?

 

Oder war das eher eine Art Konservierung, wie du gesagt hast? Also es waren tatsächlich viel, viel Forschungsarbeit dabei. Ich habe dann auch unsere Omas und Großeltern und Mamas befragt und wir haben dann gemerkt, dass halt Fermentation viel mehr ist als nur Konservierung.

 

Also wir fermentieren heute nicht, um zu konservieren, sondern um von dem natürlichen Prozess der Fermentation und den Stoffen, die dabei entstehen, um von denen zu profitieren. Vor allem unser Darm und unser Immunsystem, unser ganzer Körper profitiert davon. Und natürlich machen wir das heute nicht mehr so, dass wir 30 Kilo Weißkohl fermentieren.

 

Aber tatsächlich ist es so, dass ich auch persönlich sehr gerne verschiedene Gemüsesorten fermentiere, vor allem jetzt in der kalten Jahreszeit. Oder das daneben Weißkohl ist es, dann sind es dann Karotten. Das ist auch Sellerie, das sind Paprika, rote Beete.

 

Also da ist eigentlich ja der der Fantasie, sind da keine Grenzen gesetzt. Und wir tun das nicht, weil es Spaß macht. Also es macht auch in gewissen Maßen auch Spaß, aber um einfach auch von dieser Vielfalt an Mikroorganismen zu profitieren.

 

Weil gerade das ist ja das große Problem heute, dass die Leute sich sehr einseitig ernähren und nur einseitig auch Vitamine und Nährstoffe erhalten und relativ wenig lebendige Stoffe. Weil die Produkte von der Industrie halt zum allergrößten Teil pasteurisiert werden müssen, erhitzt werden müssen. Wenn man sich so ein Sauerkraut im Supermarktregal anschaut, dann ist es in den allermeisten Fällen pasteurisiert.

 

Das heißt, die ganzen lebendigen, positiven Stoffe, die mal da drin waren, sind da leider nicht mehr drin. Wobei ich sagen muss, mittlerweile gibt es auch wieder ganz tolle Hersteller, ganz viele Startup-Unternehmen, junge Startup-Unternehmen, die auch lebendige, fermentierte Produkte auf den Markt bringen. Da muss man dann schauen, zum Beispiel bei Sauerkraut, das muss dann im Kühlschrank stehen.

 

Das hat dann so einen speziellen Deckel, um die Gase entweichen zu lassen. Sowas ist dann nicht pasteurisiert. Das ist dann tatsächlich lebendig.

 

Wobei solche Produkte dann auch wieder ziemlich teuer sind.

 

[Elisabeth Seidel] (23:26 - 23:27)

Das stimmt tatsächlich.

 

[Esma Storck] (23:27 - 24:33)

Dann kaufst du dann so ein kleines Gläschen Sauerkraut, sechs Euro.

 

Und dann denke ich mir, na ja, für sechs Euro, da kriege ich schon fünf Kilo Sauerkraut selber hin und hab das dann wirklich wochenlang. Aber ja, genau das ist der Grund, warum wir fermentieren. Einkochen hast du auch erwähnt.

 

Eingekocht wird bei mir persönlich eher etwas seltener. Aber es liegt auch daran, dass ich kein Fallobst jetzt selber da habe. Zum Beispiel so, wie es halt früher der Fall war, hätte ich jetzt einen Zwetschgen- und Apfelbaum im Garten, der mir jedes Jahr kiloweise Früchte schenkt.

 

Dann würde ich das Thema auch sehr, sehr, sehr gerne angehen und da viel mehr machen und einkochen. Wir haben aber gemerkt, beim Einkochen ist, da leidet auch ein bisschen der Nährstoffgehalt. Also es ist eine schöne Methode, um, sagen wir mal, eigenes Obst und Gemüse halt für den Winter und einzukochen und sich zu bevorraten.

 

Und aber aus der nährstofftechnischen Seite ist es jetzt nicht mein Favorit, sagen wir es mal so.

 

[Elisabeth Seidel] (24:33 - 24:34)

Nicht ganz so wertvoll.

 

[Esma Storck] (24:35 - 25:09)

Nicht ganz so wertvoll. Es muss halt doch gekocht werden. Es braucht hohe Temperaturen.

 

Es braucht Unterdruck. Man muss dann auch immer, es ist auch nicht jedermanns Sache, mit dem Botulismus. Da muss man ein bisschen auffassen, was man wie einkocht.

 

Das ist auch ganz vielen Leuten ein bisschen zu kompliziert. Deswegen machen die meisten das auch nicht. Wir haben übrigens ein Herbstspezial, aber nichtsdestotrotz ein langes, ausführliches Kapitel über das Einkochen geschrieben.

 

Aber trotzdem bleibt das Fermentieren unser Herzensstück in allen Büchern, weil wir, unser Darm, unsere Gesundheit davon extrem profitieren kann.

 

[Elisabeth Seidel] (25:12 - 25:39)

Ich möchte noch mal auf das Fermentieren eingehen. In euren Büchern, ich kenne sie ja, da habt ihr ja ganz, ganz viele Varianten. Wenn ich sage zu meinen Patienten, bitte mehr fermentierte Lebensmittel essen, zum Beispiel.

 

Und dann kommt eine lange Liste. In der Regel kommt erst mal, es schmeckt mir nicht, Sauerkraut mag ich nicht. Und dann sage ich, okay, es gibt aber das, das, das, das.

 

Es gibt ja ganz, ganz viele Möglichkeiten. Was gibt es so in euren Büchern zu finden?

 

[Esma Storck] (25:41 - 33:58)

Ach, was ich schon erwähnt hatte und was für mich auch, sagen wir mal, das einfachste, schnellste, leckerste Ferment ist der Welt. Das sind fermentierte Karottenlocken. Ich weiß nicht, ob du die kennst.

 

Die haben wir in unserem Frühlingsspezial. Es geht wahnsinnig einfach. Man nimmt einfach ein, zwei oder drei Kilo, je nachdem, wie viel man machen möchte, Locken.

 

Und es gibt ja diese Sparschäler mit denen man sie eigentlich schält. Man schält die einmal, also die Schale wird entsorgt und dann schält man einfach so lange weiter, bis die Karotte komplett geschält ist, sozusagen. Dann entstehen da so schöne Spaghetti-Locken.

 

Und die kommen dann, werden dann in ein Glas reingegeben und mit einer Salzlake-Lösung übergossen sozusagen. Also es gibt da so eine Faustregel, ein Esslöffel Salz auf einen Liter Wasser. Das Salz wird dann darin so aufgelöst und dann kommt diese Salzlake da drauf, ein kleines Beschwerungsgewicht oben drauf.

 

Die kann man kaufen aus Glas, aber man kann auch einfach so ein kleines Teelicht nehmen. Manche nehmen sogar einen Stein, also irgendwas, damit das einfach so runtergedrückt wird. Dann wird das Ganze luftdicht verschlossen.

 

Drei Tage später, also wirklich drei Tage, ist es auch ein sehr schnelles Ferment. Drei bis vier Tage später hat man das leckerste Ferment der Welt. Dadurch, dass die Karotten auch so süßlich schmecken in der Natur aus, ist es auch etwas, was ich Kindern immer sehr gerne mache und auch empfehle.

 

Also Familien empfehle, die sagen Ja, mein Kind mag aber keine Fermente, mag diesen sauren Geschmack nicht. Da muss man auch dazu sagen, dass es auch leider auch eine Entwicklung der unserer heutigen Zeit ist, dass wir diesen säuerlichen Geschmack, Sinn und Nerv für sowas extrem verloren haben, weil alle Produkte, die wir im Supermarkt kaufen können, sei es Joghurt, auch Kefir und Getränke und alles Mögliche, nicht mehr so diesen Säuregrad haben wie früher oder so, wie wenn man das selber machen würde. Weil die stimmen ja ihre Produkte auf die Geschmäcker der Käufer ein.

 

Es werden halt zwar Fermentationen gemacht mit verschiedenen Bakterienstimmen, aber bei Joghurt und Kefir werden dann halt auch oft Enzyme verwendet, die dann die Vermehrung der Milchsäurebakterien etwas hemmen, damit der Joghurt nicht zu sauer schmeckt. Da wird immer so ein bisschen mit Tricks gearbeitet. Der Joghurt muss ja auch immer gleich schmecken, wenn man den kauft.

 

Wenn ich jetzt einen Joghurt selber mache, dann schmeckt er natürlich jedes Mal ein bisschen unterschiedlich, weil da halt Dinge wie die Dauer, die Temperatur, die Starterkulturen, die Milch, die ich verwende, das spielt alles eine Rolle. Es ist alles ein etwas, sagen wir mal, wildes, natürliches, was da passiert. Und das kann man nicht so ganz kontrollieren.

 

Aber die Industrie, die versucht es halt zu kontrollieren, weil die brauchen ja ihre gleichbleibenden Ergebnisse. Deswegen finde ich es auch immer so schade. Beziehungsweise ja, wenn Mediziner, Ärzte, vor allem Kinderärzte beispielsweise Kindern nach einer Antibiotikagabe empfehlen, jeden Tag Joghurt zu essen.

 

Ja, generell ist es ja nichts Schlechtes. Die Kinder können jeden Tag Joghurt essen. Ich sage auch nicht, dass ein gekaufter Joghurt schlecht ist, aber er hat halt einfach nicht die Power, hat nicht die Kraft, er hat nicht die Art und Menge von Bakterien, um jetzt sagen wir mal irgendwo nur ansatzweise einen Darmaufbau bei diesem Kind vonstatten gehen zu lassen.

 

Also da braucht es dann eigentlich schon andere Mittelchen. Wenn ich zum Beispiel jetzt selber einen Kefir oder einen Joghurt fermentiere, dann kann ich bestimmen, was gebe ich hinzu, wie lange lasse ich fermentieren, wie lange lasse ich das zu, dass sich diese Bakterien noch weiter, noch weiter vermehren. Und dann habe ich da natürlich eine ganz andere Kraft, eine ganz andere Power hinter so einem Joghurt.

 

Ich mache auch verschiedene Joghurt Sorten, zum Beispiel den L-Reuteri mag ich total gerne. Lactobacillus Reuteri ist ein Bakterienstamm, der ja sehr, sehr viele positive gesundheitliche Effekte hat, haben kann, auch vor allem für die Zahngesundheit. Also Menschen, die mit Paradontose oder Karies oder so zu kämpfen haben.

 

Er baut auch das Mundmikrobiom sehr stark auf und experimentieren wir immer wieder so gerne mit verschiedenen Bakterienstämmen und machen dann einen L-Reuteri Joghurt. Da haben wir übrigens auch ein Rezept im Sommerspezial dazu, wen das interessiert, den zu machen. Und ja, da kann man dann mal so richtig so drei Monate eine Kur machen und sagen so Ja, ich habe jetzt Probleme mit dem Darm oder ich hatte eine Antibiose.

 

Jetzt möchte ich mal auch ein bisschen selber was machen. Da kann man mit eigenen fermenten, mit Gemüse und mit Milch fermenten, kann man wahnsinnig viele, tolle Sachen machen. Und das ist das, was den Menschen da draußen fehlt.

 

Das Wissen darüber und wie man es macht und wie man es macht. Das Wissen, dass es so was gibt, dass Lebensmittel, diese Power, diese Kraft haben, uns wirklich auf Zellebene zu nähren und auch uns zu reparieren, wieder unsere eigenen Heilkräfte zu aktivieren. Sagen wir es mal so.

 

Dieses Wissen fehlt heutzutage leider. Ich kenne auch so viele in meinem Umfeld, in mein ganzer Freundes und Familienkreis. Da muss immer alles schnell gehen.

 

Ernährung muss schnell gehen. Ernährung muss leicht sein. Ernährung muss einfach sein.

 

Keiner hat heute Zeit, lange in der Küche zu stehen. Und die allermeisten, die hören, was ich so alles mache, denken, ich stehe jeden Tag fünf Stunden in der Küche und das tue ich aber überhaupt nicht. Sondern es sind so die kleinen Dinge.

 

Es sind hier mal fünf Minuten, da mal zehn Minuten, einen Joghurt anzusetzen. Das ist wirklich eine Sache von drei Minuten. Ich nehme ein Gefäß, ein Glasgefäß, gebe da Milch rein, meinen Starter rühre um und stelle das Glasgefäß in mein Dörrgerät.

 

Die Arbeit, die andere, die restliche Arbeit mache ich ja selber nicht sozusagen. Ich muss nur ein bisschen Geduld haben. Das ist auch, was viele nicht heutzutage haben.

 

Auch bei einem Sauerteigbrot mit langer Teigführung braucht man die 24 Stunden Geduld, weil man möchte ja, dass da Fermentation stattfindet, dass da schlechte Stoffe abgebaut werden, dass gute Stoffe entstehen. Während einer Fermentation entstehen ja auch Vitamine, entstehen Nährstoffe, die davor nicht in diesem Lebensmittel enthalten waren. Und dazu braucht es halt Zeit.

 

Und die Zeit muss man dem Ganzen geben. Aber generell auch bei einem Brot. Ich, wenn ich sage, ich backe Brot, dann werde ich immer so angeschaut und dann fragen mich die Leute, woher hast du denn die Zeit?

 

Und dann sage ich, ja, wenn meine Kinder abends im Bett sind, dann stelle ich mich noch mal fünf Minuten in die Küche und setze einen Teig an und das war's. Also mehr als fünf Minuten sind es nicht. Und die 24 Stunden, da steht der Teig halt einfach abgedeckt in der Ecke.

 

Und das Einzige, was ich am nächsten Abend machen muss, ist ihn in den Ofen zu schieben. Und der Ofen macht ja auch von alleine, ne? So klick, klick, klick.

 

Dann macht's bei den Leuten dann, wenn die das hören, dann macht's so klick. Okay, gut. Fünf Minuten für einen Brotteig.

 

Könnte man vielleicht in seinen stressigen Alltag irgendwie hineinintegrieren. Aber es hört sich natürlich am Anfang erst mal alles ganz furchtbar kompliziert und zeitaufwendig an. Und wenn man mich fragen würde, also nein, ich stehe keine fünf Stunden pro Tag in der Küche, sondern so viel wie andere auch.

 

Sagen wir es mal so, auch andere Familien, die müssen halt auch das Frühstück zubereiten und Mittagessen, vielleicht ein Mittagessen und dann das Abendessen. Und dann steht man mal eine Stunde in der Küche. Aber es ist nicht so, dass das irgendwie doppelt so viel Arbeit wäre wie bei anderen.

 

Es ist nur eine andere Art und Weise des Kochens und Zubereitens. Und klar muss man ein bisschen ein anderes Zeitmanagement haben. Wenn ich weiß, ich möchte, wenn ich ein Brot möchte, dann kriege ich das halt nicht sofort.

 

Da muss ich ein bisschen planen. Wenn ich am Wochenende ein frisch gebackenes Brot haben möchte, ein Sauerteigbrot, dann setze ich zum Beispiel am Donnerstag schon den Teig an, lasse den 24 Stunden stehen bis Freitag, backe dann das Brot am Freitagabend und dann haben wir fürs Wochenende ein frisch gebackenes Brot. Es ist aber nur eine Frage so ein bisschen des Umdenkens.

 

 

 

[Elisabeth Seidel] (33:59 - 34:22)

Das war ja eine Frage von mir. Wie kann man das in einem hektischen Alltag umsetzen? Aber das hast du jetzt schon beantwortet. Man braucht einfach ein anderes Zeitmanagement und es ist nicht so, dass es viel mehr Zeit erfordert.

 

Allerdings, wenn ich natürlich jetzt eine Knochenbrühe auskochen möchte, das geht natürlich vielleicht, ich weiß nicht, jetzt im Slowcooker. Gibt es wahrscheinlich auch Varianten, wie man das hinkriegt?

 

[Esma Storck] (34:23 - 41:39)

Es gibt halt doch, es gibt heutzutage ein paar Hilfsmittelchen, sagen wir es mal so. Du weißt wahrscheinlich auch, dass wir so ein paar Lieblingsküchengeräte in der Küche stehen haben, die jetzt nicht zwingendermaßen erforderlich sind, aber die das Leben schon ein bisschen erleichtern. Also wir kochen sehr gerne Fleischbrühen und auch Knochenbrühen.

 

Der Unterschied zwischen Fleischbrühen und Knochenbrühen ist, dass die Fleischbrühe kurz gekocht wird, so circa 1 bis 3 Stunden. Und die Knochenbrühe, die wird länger gekocht, meistens so zwischen 4, 5, 6 Stunden. Manche kochen sie sogar bis zu 24 Stunden aus.

 

Und dann denkt man sich natürlich ja, wie soll denn das funktionieren? Dann muss ich ja 24 Stunden neben meinem Herd stehen und den Topf bewachen. Dafür gibt es dann ganz tolle Geräte wie zum Beispiel so ein Slowcooker oder ein Instant Pot.

 

Das sind ja Geräte, die mit Strom laufen, die unabhängig laufen, die auch über Nacht laufen können, wo man auch das Haus verlassen kann. Also das sind auch nicht wahnsinnig teuer. Also sowas lohnt sich definitiv als Anschaffung, wenn man sagt, man möchte jetzt dauerhaft einfach Brühen in seine Ernährung mit einbauen, was auch sehr sinnhaft ist, Brühen in die Ernährung einzubauen, weil sie auch nochmal Mineralien, nochmal Nährstoffe liefern.

 

Man kann mit Kollagen. Kollagen, Stichwort, was viele gerne hören. Man kann es aber auch verkaufen, Hyaluronsäure, Gelatine.

 

Das ist auch sehr gut für den Darm, vor allem die Fleischbrühe. Wenn man so ein bisschen auf GAPS blickt, auf die GAPS Diet, da ist ja der Kern dieser Ernährungsweise, ist ja eine Ernährungsweise, die zur Darmheilung beitragen soll. Und dort ist eine Fleischbrühe sozusagen das Kernlebensmittel, was tagtäglich getrunken oder in verschiedene Gerichte integriert wird.

 

Und so machen wir es bei der traditionellen Ernährung auch. Nur dass ich immer ein bisschen abwechsle. Mal koche ich eine Knochenbrühe, mal eine Fleischbrühe, je nach Lust und Laune.

 

Aber die kommt dann tatsächlich ja fast überall rein. Also ich mache das so, dass ich einmal die Woche eine Brühe koche. Ich habe dann so ich habe so einen Slowcooker.

 

Mittlerweile habe ich auch einen Instant Pot, aber der einzige Vorteil vom Instant Pot ist, dass man auch noch zusätzlich Druck garen kann. Also das ist auch nochmal eine schöne Sache für Menschen, die Probleme mit dem Darm haben. Man kann dann auch darin Reis, Bohnen, Hülsenfrüchte und so weiter kochen.

 

Man kriegt dann durch den hohen Druck auch viele Lektine entfernt. Lektine sind ja auch Antinährstoffe, die den Darm reizen können oder Menschen, die schon Darmprobleme haben, das Ganze nochmal verschlimmern können. Und ich koche die Brühe einmal die Woche und das ist dann aber wirklich so ein großer Topf.

 

Der hat so fünf bis sechs Liter ungefähr umfasst. Dann kommt die fertige Brühe, die wird dann abgeseiht. Die kommt dann in Gläser.

 

Die stelle ich dann auch in meinen Kühlschrank. Also ich koche da nichts ein. Manche machen das auch so, dass die was einfrieren.

 

Also man kann sie theoretisch auch einfrieren. Aber dadurch, dass ich jede Woche eine frische Brühe koche, brauche ich das nicht einfrieren. Also die hält dann in den Gläsern auch eine gute Woche aus.

 

Und dann ja, immer wenn ich dann was koche, wenn ich was mache, wenn ich eine Suppe oder einen Eintopf vorhabe, kommt immer so ein Gläschen, so 500 Milliliter, kommt dann noch Brühe mit dazu. Manchmal koche ich auch Reis oder Kartoffeln in Brühe. Es gibt auch so diesen coolen Spaghetti-Tipp für Kinder, die sehr viel Pasta essen und irgendwie keine Suppen mögen und so.

 

Dann sage ich dann den Mamas, gibt ihnen dann den Tipp, dass sie die Pasta in der Brühe kochen sollen. Da braucht man auch keine fünf Liter Brühe, sondern wirklich nur die Pasta, die saugt sich auf sozusagen mit der Brühe und es bleibt auch kein Rest übrig. Also man muss da nichts wegschmeißen oder so.

 

Ich bin kein großer Fan von fertiger Pasta. Ich habe da auch genau so eine Nudelmaschine daheim, aber die hatte ich auch viele Jahre gar nicht. Wir haben unsere Nudeln dann so per Hand geschnitten, aber immer mit frisch gemahlenem Getreide hergestellt, über Nacht zumindest oder 24 Stunden mit Sauerteig ruhen lassen, um auch da ein Lebensmittel zu erschaffen, was auf eine gewisse Art und Weise sogar noch gesund sein kann, weil es auch Nährstoffe liefert, weil es Stoffe liefert, die irgendwo ernähren und nicht nur leere Kohlenhydrate und Stärke.

 

Das ist ja dann oft so das Problem von Fertigpasta, dass das leere Kohlenhydrate sind. Klar, die kann man dann auch aufwerten mit welchen nährstoffreichen Soßen und so weiter. Aber ja, es kommt tatsächlich immer darauf an.

 

Wir sagen dann auch so, es muss ja auch nicht jeder. Das, was Heidi und ich machen, ist halt das komplette Repertoire der traditionellen Ernährung. Man muss selber für sich entscheiden, wo stehe ich und wo möchte ich überhaupt hin?

 

Also Menschen, die jetzt sagen mal gesundheitlich super dastehen, gesunden Darm haben und nicht 17 Mal im Jahr Infekte haben und so weiter. Also da ist es ja auch kein Muss, zu sagen, du musst jetzt alles selber machen. Es gibt auch mittlerweile qualitativ hochwertige Produkte zu kaufen.

 

Es gibt auch Nudeln aus mittlerweile aus Urgetreide, aus Kamut oder Emma zu kaufen. Die kann man mit tollen selbstgemachten Soßen auch immer noch nährstoffreich zubereiten und so weiter. Aber wenn, wenn man irgendwo Defizite hat, wenn man irgendwo Probleme hat, wenn man Probleme mit dem Darm, mit dem Immunsystem, mit den Hormonen.

 

Also mittlerweile, Heidi und ich, wir haben angefangen, wir haben gesagt Unser Buch ist für Menschen mit Darmproblemen. Mittlerweile jetzt fünf Jahre später sagen wir, unsere Bücher sind für Menschen mit allen möglichen Arten von Problemen, weil wir so ein krasses Feedback bekommen haben, wirklich von Hashimoto, Kinderlosigkeit, Gewichtsprobleme, Schilddrüsenprobleme, Diabetes, Blutzuckerschwankungen, sogar Depressionen und so weiter und so fort. Also die ganze Palette an Symptomen, die es so gibt, da haben wir Feedback bekommen, dass diese Umstellung der Ernährung einfach so viele positive Effekte darauf hatten.

 

Deswegen sagen wir mittlerweile gar nicht mehr, es ist nur für Menschen mit Darmproblemen, sondern es kann an jeder Stelle irgendwo andocken. Es geht ja eigentlich immer darum, das weißt du ja auch wahrscheinlich am besten. Es geht ja darum, im Körper wieder ein Gleichgewicht zu finden.

 

Wir werden dann oft gefragt, so ja, ich habe dies und jenes. Könnte euer Buch denn helfen? Und dann sage ich immer, das weiß ich nicht, ob das helfen kann.

 

Aber natürlich, wenn in deinem Körper vielleicht eine Disbalance besteht, egal wo, ob es im Darm ist oder sonst irgendwo an einer anderen Stelle. Wenn man versucht, das dann wieder in den Einklang zu bekommen, wenn der Körper dann plötzlich wieder Nährstoffe bekommt, die er davor nicht bekommen hat und dann der Körper anfangen kann, gewisse Zellen wieder zu reparieren oder dass gewisse Abläufe hormonell oder egal was wieder anfängt, wieder ins Gleichgewicht zu kommen, dann kann es genauso sein, dass halt auch die jeweiligen Symptome davon verschwinden mit der Zeit.

 

Natürlich geht sowas auch nicht in zwei, drei, vier Wochen oder so.

 

[Elisabeth Seidel] (41:40 - 41:42)

Es kam ja auch nicht in zwei, drei, vier Wochen.

 

[Esma Storck] (41:42 - 42:44)

Genau, es ist wieder so eine längerfristige Betrachtung.

 

Aber ich würde sagen mittlerweile alles ist möglich, wenn der Körper wieder in seine Balance zurückkommt und er braucht halt dazu gewisse Stoffe, braucht Nährstoffe, um arbeiten zu können. Das ist genauso, wenn wir sagen würden, wenn sich jemand ein neues Auto kauft, dann tankt er ja auch nicht das billigste Benzin, was irgendwie gepanscht wird, sondern dem Auto gibt man ja auch nur das Beste, damit es einem viele, viele Jahre gute Dienste leistet. Aber beim eigenen Körper sind die meisten da eher so ein bisschen ach ja, Hauptsache satt.

 

Da muss halt wieder dieses Bewusstsein zurückkommen. Das, was du reingibst, kriegst du auch wieder raus. Es ist einfach, das zieht durchs ganze Leben, egal wo du Energie reinsteckst, entweder positive oder negative.

 

Du bekommst dann auch dieses Ergebnis daraus. Ernährung ist an sich einfach. Es kann einfach sein, wenn man das einfach mal verstanden hat.

 

[Elisabeth Seidel] (42:45 - 43:36)

Und es ist ja klar, ist zum einen die Nährstoffdichte und natürlich auch die vielen positiven Effekte, die es auf dem Darm hat. Diese Art der Ernährung, der Darm gilt ja auch ein bisschen als Zentrum der Gesundheit oder sehr, sehr viel hängt davon ab, dass der Darm intakt ist, dass die Mikroben da sind, die wir brauchen. Aber es ist ja auch dieses wieder zurückfinden zur Ernährung, die Ernährung oder das Essen anfassen, das Essen zubereiten, jeden Step miterleben in der Zubereitung, was dem ja nochmal eine ganz andere Information für den Körper gibt.

 

Also wenn du das gesehen hast, gerochen hast, schmeckst und auch jede Zutat davon, wenn du weißt, was da für eine Arbeit dahintersteckt, dann gibt es natürlich beim Essen auch schon mal noch eine ganz andere Information für deinen Körper.

 

[Esma Storck] (43:36 - 51:19)

Richtig, richtig. Und das weißt du wahrscheinlich auch. Ich weiß nicht, ob du tatsächlich wahrscheinlich viele Patienten hast.

 

Heutzutage kommt es mir auch so vor Unverträglichkeiten, dass die so wahnsinnig im Kommen sind, dass so viele Leute viele Sachen auch schon kleine Kinder nicht vertragen und Unverträglichkeiten haben ja in vielen Fällen auch was mit Enzym Tätigkeiten, Enzym Bildung zu tun und dass viele Leute von uns gar nicht mehr so in der Lage sind, ausreichend Enzyme zu bilden, die es eigentlich bräuchte, um gewisse Lebensmittel verdauen zu können.

 

Und wie du schon schön gesagt hast, es beginnt aber schon beim Zubereiten der Nahrung. Also nicht nur beim beim Reinbeißen und Kauen werden Enzyme und Magensäure und so weiter und Gallensäure. Das wird ja alles angeregt, damit das verdaut werden kann.

 

Es beginnt tatsächlich schon bei der Zubereitung und das hilft uns auch dann später alles, die Nahrung besser zu verdauen. Deswegen ist es auch immer so schön, Kinder mit in die Küche zu nehmen, damit die das sehen und auch wie du es schön hast das richtig schön gesagt, auch diese Naturverbundenheit, dieses Zurückkommen zu uns selber, zur Natur und uns auch mal wieder zu spüren, die Ernährung, die Lebensmittel zu spüren. Was machen die eigentlich mit uns?

 

Ich habe viele, viele Jahre diesen Zusammenhang einfach an mir in mir selber nicht spüren können. Wenn ich was gegessen habe, wie ich mich danach fühle und dass das eine mit dem anderen zusammenhängt, weil irgendwie für mich viele Jahre gar nicht greifbar. Ich habe vor allem damals vegan in Zeit, wo ich halt sehr viele Hülsenfrüchte gegessen habe und die auch nicht richtig zubereitet habe.

 

Das war damals noch aus der Dose so fertig gekochte. Ich habe danach mit Blähungen reagiert und bin dann auch zeitweise immer mit einem Blähbauch durch die Gegend gelaufen und habe mir gedacht, das ist normal. So bin gar nicht auf die Idee gekommen, dass es was damit zu tun hat, obwohl ich selber so ernährungsaffin war und so viel ausprobiert habe.

 

Aber trotzdem habe ich mich immer weiter, immer weiter, immer weiter entwickeln müssen, auch selber einfach an meinem Körper zusammen erleben müssen, wie das ist, das mal auch wirklich wieder zu spüren, also so ein Körperfeedback zurückzubekommen und das auch wirklich wahrzunehmen, um bewusst wahrzunehmen, hey, tut mir das gut oder tut mir das nicht gut? Und das merke ich auch heutzutage, dass das viele gar nicht mehr können und ich konnte das auch nicht. Und für mich war das jetzt auch ein jahrelanger Lernprozess, wieder dahin zurückzukommen, dass ich meinen Körper spüre, dass ich weiß, was mir gut tut und was mir nicht gut tut.

 

Also sehr, sehr faszinierendes Thema.  Da habe ich das Gefühl, da kommen jedes Jahr und immer neue Erkenntnisse dazu, weil das einfach so unglaublich komplex und spannend ist, was da so alles mitspielt.

 

Und wie du auch vorhin gesagt hast, Energie und mentale Themen und auch die Einstellung zum Essen haben ja auch heutzutage sehr viele Leute ein Problem damit. Auch diese Angst vor gewissen Lebensmitteln, also allein, dass ich jetzt Angst vor diesem Stück Torte habe, weil es mich dick machen könnte oder weil ich weiß, dass da raffinierter Zucker enthalten ist. Allein schon diese Ängste, die ich habe, führen dazu, dass dieses Stück Torte, das ich esse, auch nicht richtig verstoffwechselt wird, dass ich Probleme bekomme, dass da nicht genügend Gallensäure da ist, nicht genügend Magensäure.

 

Allein aus diesem mentalen Effekt heraus. Auch das ist ein großes Thema bei Menschen, die Übergewicht zum Beispiel haben, diese Angst vor Lebensmitteln, Angst, dick zu werden. Oh, wenn ich das nur anschaue, werde ich dick.

 

Und das passiert dann auch tatsächlich, weil Psyche und der Körper, das kann man nicht voneinander trennen. Es ist eine Einheit und das, was wir denken, das kommt dann auch wieder zurück. Und die Einstellung zum Essen, also was bei mir sich extrem verändert hat seit der traditionellen Ernährung, dass ich Dankbarkeit spüre.

 

Das hatte ich tatsächlich davor noch nie. Ich hatte noch nie Dankbarkeit dafür, dass dieses Lebensmittel oder dieses Gericht irgendeine Art und Weise bereichert oder genährt hat oder ähnliches. Jetzt spüre ich richtige Dankbarkeit, vor allem Tieren gegenüber.

 

Ich habe dir erzählt, in meiner veganen, vegetarischen Zeit habe ich gedacht, so, nö, esse ich nicht. Ich nehme mich aus der Verantwortung raus, weil Massentierhaltung, bäh, alles doof. Spiele ich nicht mit.

 

Aber mittlerweile ist es so, dass ich und auch Heidi und das schreiben wir auch in unseren Büchern, dass wir regionale Direkterzeuger unterstützen, dass wir nur noch dort Fleisch kaufen, wo wir sehen, das sind Landwirte. Die geben sich Mühe. Die machen es richtig.

 

Den Tieren geht es gut. Die werden artgerecht gehalten. Die werden direkt vor Ort geschlachtet und direkt verkauft.

 

Es gibt keine langen Transportwege, keinen präventiver Medikamenteneinsatz, kein billiges Futter aus dem Ausland und so weiter. Das ist ein ganz, ganz, ganz komplexes Thema. Aber mittlerweile habe ich das Gefühl und ich bin auch tatsächlich überzeugt davon, dass wir jetzt mehr für die Tiere tun und für die Landwirtschaft und für unsere Umwelt, indem wir die unterstützen und bei denen kaufen, die dies richtig gut machen.

 

Und wenn dieses Bewusstsein wachsen würde, wenn die Menschen mehr wieder zurückkommen würden zu dem, dass sie wirklich auf Qualität achten, vor allem bei tierischen Produkten Qualität achten und Regionalität und artgerechte Tierhaltung, artgerechtes Futter, dass dann auch das Angebot mehr wird, dass es auch mehr dann Bauern geben wird, dass auch vielleicht der Staat irgendwann auf die Idee kommt, das noch besser zu subventionieren, damit die halt auch richtige Preise bekommen.

 

Wir haben ja leider jetzt immer noch so die Zeit, dass bio erzeugte Lebensmittel einfach nur irgendwie von den Molkereien mit 15 Cent mehr bezahlt werden als konventionelle Produkte. Aber der Bauer, der solche Lebensmittel herstellt, betreibt einen wahnsinnig großen Aufwand dahinter, um die Tiere so gut zu halten, um große Stallungen zu haben, um das Futter selber anzubauen und so weiter. Der Aufwand ist so wahnsinnig groß und am Ende steht halt der Verbraucher da und hat keine Lust, mehr zu zahlen.

 

Das ist so ein bisschen das Problem, dass wir auch vor allem in Deutschland, es ist ja auch weltweit bekannt, dass die Pro-Kopf-Ausgaben für Lebensmittel pro Monat in Deutschland wirklich irgendwo an der untersten, hintersten Stelle sind, weil für uns halt einfach Lebensmittel billig sein müssen und in anderen Ländern, in anderen Kulturen ist das überhaupt nicht, gar nicht so verankert. Es gibt Menschen in anderen Ländern, die geben die Hälfte ihres monatlichen Einkommens für Lebensmittel aus. Das würde ja hier gar nicht infrage kommen, so viel Geld auszugeben.

 

Das sieht man ja gar nicht ein, weil es werden halt viele billige Lebensmittel produziert hier. Das ist halt das Problem, weil die Nachfrage so hoch ist nach billigen Lebensmitteln. Wenn da irgendwann mal ein Umdenken stattfindet und die Leute anfangen, auf Qualität zu achten und auch bereit sind, ein paar Euro mehr zu bezahlen, aber dafür wirklich qualitativ hochwertige und auch nährstoffreichere und für uns gesündere Lebensmittel zu bekommen und auch dafür Geld zu bezahlen, dann muss sich dieser Teufelskreis irgendwann auflösen.

 

[Elisabeth Seidel] (51:20 - 51:48)

Aber ich glaube, es findet schon im Generellen so ein Switch statt. Also ich glaube, viele haben oder bekommen ein anderes Bewusstsein für ihre Lebensmittel oder für die Sachen, die sie einkaufen, gerade sowas wie tierische Lebensmittel. Also zumindest ein Trend, den ich beobachte bei Leuten um mich herum oder Leuten, die zu mir kommen.

 

Das ist natürlich auch eine Bubble, muss man auch sagen. Wie es im gesamten Land aussieht, kann ich natürlich schlecht beurteilen.

 

[Esma Storck] (51:49 - 52:53)

Was man sagen kann, ist tatsächlich, dass viele Bauern erzählen, dass ihnen mittlerweile auch die Teile, die früher als Hundefutter verarbeitet wurden oder weggeschmissen wurden, dass da die Nachfrage danach gestiegen ist. Das finde ich immer so schön, wenn sie dann erzählen, oh, ich habe Kunden, die kaufen mir das Nebennierenfett ab, weil sie selber Tello machen wollen. Oder die kaufen die Knochen und die Leber und die Nieren und die Zunge und das Herz ein und freuen sich natürlich darüber, dass sie das nicht mehr wegschmeißen müssen.

 

Und manchmal denken Heidi und ich so, klopfen uns so ein bisschen auf die Schulter. Nein, hat so ein kleiner Funke von uns dazu beigetragen, dass die Leute jetzt auch wieder vermehrt solche Lebensmittel kaufen, die vor fünf oder vor zehn Jahren einfach nur ignoriert wurden und als eklig befunden wurden. Wenn du heute erzählst, ich bereite eine Leber zu, dann kommt immer noch Kommentare, dass das irgendwie eklig sein soll.

 

[Elisabeth Seidel] (52:54 - 53:14)

Wie ist das für Leute, die vielleicht neu anfangen oder den Nose to Tail nicht sagt? Was hättest du für Tipps? Du bist ja auch eigentlich so richtig hardcore reingestartet von vegan zu Leber essen.

 

Was hast du da für Tipps? Wie könnte man anfangen? Also man muss ja vielleicht nicht unbedingt mit der Leber anfangen.

 

[Esma Storck] (53:14 - 58:44)

Nee, man muss nicht mit der Leber anfangen. Die sind sehr einsteigerfreundlich, sind tatsächlich das Kochen von Brühen. Also wenn man da einfach mal anfängt beim Metzger des Vertrauens oder Biobauern oder auch beim Bio in Bioläden, bekommt man auch oft eine gute Qualität.

 

Man muss halt da nachfragen. Es gibt ja viele Bioläden, die dann so einen eigenen Metzgerstand haben, auch offenlegen, wo kommt das Fleisch her, von welchem Hof? Man kann auch nachfragen, von welchem Hof Lieferanten kommt es.

 

Das habe ich zum Beispiel oft gemacht, habe dann im Internet mal diesen Hof gegoogelt und geschaut. Was ist das? Wer ist das?

 

Wie arbeiten die? Man kann da auch mal anrufen und fragen. Also da kann heutzutage haben wir alle Möglichkeiten.

 

Also vor 20 Jahren war das ja noch überhaupt nicht möglich. Da hättest du ja direkt hinfahren müssen und Fragen haben möchtest. Und jetzt ist ja alles so durchsichtig.

 

Also einfach mal zwei, drei Kilo Fleischknochen kaufen, Gelenkknochen, eine Beinscheibe zum Beispiel oder eine Zwerchrippe. Alles, was so Gelenke hat, ist besonders gelatinös, sagen wir immer. Da wird immer besonders viel Gelatine und Kollagen und Hyaluronsäure und so weiter rausgekocht, was halt für uns, für unseren Darm und unsere Haut und für Zähne und so weiter sehr wertvoll ist.

 

Da mal einfach zwei, drei Kilo mitnehmen, in einen großen Topf reinschmeißen, Wasser dazugeben. Nicht zu viel. Es darf immer nur so viel Wasser sein, wie Knochen enthalten sind.

 

Und man kann auch Gewürze mit reingeben, Lorbeerblatt, also was man so mag, Pfefferkörner und so weiter. Und das Ganze einfach mal so ein bisschen aufkochen lassen. Es entsteht dann oft so ein Schaum, den könnte man dann abschöpfen, so ein grauer Schaum und dann einfach Deckel drauf und dann leicht köcheln lassen, so für die nächsten zwei, drei Stunden ungefähr.

 

Und am Ende der Zeit, in so der letzten halben Stunde, kann man noch Gemüse dazugeben, wenn man mag, je nachdem, was man vorhat oder wenn man diesen fleischigen, knochigen Geschmack so ein bisschen überdecken möchte. Dann gibt man noch verschiedene Suppengemüse mit rein, kocht es mit und hat dann seine Brühe. Ja, vor allem jetzt in der Winterzeit, was wir gerne machen, was wir total gerne machen, ist einfach so eine heiße Brühe mit etwas Salz in die Tasse geben und dann anstelle von einem Kaffee oder anstelle von einem Tee einfach mal trinken und zu spüren.

 

Es ist eine Hühnerbrühe, ist wirklich, wie sagt man, für die Seele, eine Wohltat für die Seele. Und jeder, der das gemacht hat, der die mal so einfach aus der Tasse getrunken hat, sagt, es tut dem Körper unglaublich gut. Man merkt sofort die Wirkung, dass man hydriert wird, genährt wird, mit Mineralien versorgt wird, dass der Darm das mag.

 

Und ja, das ist so meiner Meinung nach das Einfachste, womit man starten kann. Wenn man dann dann das nächste Mal eine Suppe kocht, eine Tomatensuppe, eine Gemüsesuppe, egal was, kommt dann halt anstatt Wasser, kommt noch ein Glas Brühe dazu. Man wertet sozusagen das Ganze nochmal auf.

 

Also mittlerweile tatsächlich koche ich keine Suppe mehr auf Wasserbasis, sondern immer nur auf Basis einer Fleisch- oder Knochenbrühe, weil ich merke, dass da eine ganz andere Zellennahrung dahinter ist und Versorgung. Und so kann auch eine Suppe wirklich eine komplette Mahlzeit sein, weil man einfach alles bekommt, was man so braucht. Und wenn man dann einen Schritt weitergehen möchte.

 

Bin gerade am überlegen, was der Anfänger von Leber und so weiter ist. Tatsächlich ein bisschen es muss man mögen, wobei auch sich an den Geschmack gewöhnen, wobei es da auch Tricks gibt, dass man zum Beispiel eine Leber in Molke oder Milch einlegt über Nacht, dann wird dieser strenge Geschmack leicht neutralisiert und dann schmeckt es nicht mehr so lebrig. Aber man könnte, was ich gemacht habe, was ich ganz toll finde, was sich zwar komisch anhört, aber mal Herz ausprobieren.

 

Ein Rinderherz oder so kleine Geflügelherzen. Das ist an sich reines Muskelfleisch. Also ob ich jetzt ein Entrecôte esse, ein Steak oder ein Steak aus dem Herz rausgeschnitten, ist vom Geschmack her kein so großer Unterschied, weil das alles Muskelfleisch ist.

 

Aber das Herz hat noch mal mehr Nährstoffe als ein Entrecôte oder ein Lendensteak, weil es zu den Organen zählt, aber nicht so typisch organisch schmeckt. Es schmeckt nicht so wie eine Leber oder wie eine Niere oder ähnliches. Und es hat deutlich mehr Vitamin A, deutlich mehr Omega-3-Fettsäuren, deutlich mehr Vitamin B12.

 

Also das Herz bietet auch noch mal mehr Nährstoffe als normales Fleisch, was so gegessen wird. Es ist eine kleine Überwindung, wenn man das erste Mal so ein Herz in der Hand hat. Es hört sich komisch an, aber wir wollen das normalisieren, weil das Tier musste so oder so sterben für uns.

 

Es ist so oder so für uns gestorben, um für uns als Nahrung zu dienen, um uns zu nähren, um unser Lebensmittel zu sein. Warum wollen und sollen wir denn dann differenzieren, dass ein Entrecôte nicht eklig ist und ein Herz ist eklig?

 

[Elisabeth Seidel] (58:45 - 58:50)

Das Herz ist total, also das ist, finde ich, am leichtesten mit zu verarbeiten.

 

[Esma Storck] (58:50 - 58:51)

Ja, genau.

 

[Elisabeth Seidel] (58:51 - 58:55)

Das schmeckt total gut. Das hat Q10 auch tatsächlich.

 

[Esma Storck] (58:56 - 59:35)

Q10, ja, Q10 ganz gut. Also es ist aber natürlich irgendwo eine Brücke, eine Überwindung im Kopf, weil es sich halt komisch anhört. Ich bereite gerade ein Herz zu, aber es ist nichts anderes.

 

Und es ist eigentlich noch wertvoller. Man sagt ja auch so bei Tieren, bei wilden Tieren, wenn ein Löwe eine Gazelle frisst, dann fressen die ja oft erst die Organe auf, weil sie wissen, dass das die sind, wo sie am allerschnellsten und allerbesten Nährstoffe bekommen. Weil es könnte ja sein, dass ein anderer Löwe kommt und den dann beim Fressen unterbricht.

 

Und so haben die gleich am Anfang so die nährstoffreichsten Teile gegessen.

 

[Elisabeth Seidel] (59:35 - 59:37)

Und das wusste ich nicht.

 

[Esma Storck] (59:39 - 1:00:09)

Ja, das stimmt tatsächlich.

 

Aber bei uns Menschen ist es halt, wir haben uns halt so weit weg entfernt von der Natur, von uns selber, von dem Ursprünglichen, dass halt dieses Wissen einfach verloren gegangen ist. Und heutzutage das irgendwie als eklig abgestempelt wird. Aber es ist nicht fair, dass ein Tier stirbt und dass wir dann nur das Steak und das Hackfleisch und die Wurst essen und der Rest landet auf dem Müll. Das ist nicht gut.

 

[Elisabeth Seidel] (1:00:09 - 1:01:09)

Da sagst du, was total wichtig ist. Du hast es ja gerade schon gesagt, wer bestimmt, was eklig ist und was nicht.

 

Das ist totaler Quatsch. Ähnlich ist es ja auch mit das ist gut und das ist schlecht. Du hast ja vorhin schon angesprochen, Leute haben Angst vor Zucker, vor einem Stück Torte.

 

Ich habe selbst eine Freundin, die hat mir vor kurzem erzählt, also sie hat Sauerteig auch für sich entdeckt und hat gesagt, ich habe drei Kilo Mehl gekauft und es war irgendwie total heilsam für mich, weil man über die Jahre immer so dachte, nein, ich muss das unbedingt vermeiden. Ich sollte kein Weißmehl essen. Ich soll kein Zucker essen und so weiter.

 

Sicherlich, es kommt darauf an, in welcher Menge ich das esse, in welcher Balance. Aber wir nutzen ja den Zucker auch zum Beispiel, wenn ich ein Kombucha mache oder wenn ich ein anderes, ich weiß nicht, bei eurem Ingwerbuch ist da auch Zucker mit drin, ein bisschen.

 

[Esma Storck] (1:01:09 - 1:01:18)

Also muss immer Zucker dabei sein, denn es verdient ja den Bakterien als Futter und der wird ja meistens auch verstoffwechselt und ist am Ende in dem Produkt ja gar nicht mehr drin.

 

[Elisabeth Seidel] (1:01:19 - 1:01:59)

Ähnlich ist bei dem Fermentieren, bei diesem Sauerteig wird ja auch schon viel Gluten mit verstoffwechselt. Da ist es ja für mich die Frage, okay, gibt es eigentlich ein gutes und schlechtes Lebensmittel an sich? Ja, nicht wirklich, es sei denn, es ist jetzt irgendwie ein giftiger Konservierungsstoff.

 

Da brauchen wir uns nicht drüber streiten. Aber wenn man jetzt diese ganzen sehr restriktiven Diäten betrachtet, wo viel weggelassen werden muss, bei euch ist es ja schon so, es ist keine weg-lass-Diät und es geht ja hin zu einem gesunden Mindset, was Ernährung angeht und nicht so. Also es geht ja darum, nicht restriktiv zu sein, was die Lebensmittel angeht.

 

[Esma Storck] (1:02:00 - 1:11:19)

Definitiv zu 100 Prozent, weil genau das ist es, was doch die allermeisten Leute satt haben, oder? Also man lässt sich von dem beraten, dann liest man das eine, dann der eine sagt das eine, der andere sagt wieder das andere. Die einen sagen, Fleisch ist schlecht, die anderen sagen, Milch ist schlecht, die anderen sagen, Getreide ist schlecht.

 

Es gibt sogar Leute, die sagen, Gemüse ist schlecht, weil so viele Salate und Saponine und Antinährstoffe drin haben. Also wenn man da, da gibt es ja auch ganz lustige Videos mittlerweile im Internet, wo dann alles irgendwie schlecht ist und dann steht man da mit einem Glas Wasser, selbst das Wasser ist schlecht und die Leute stehen da und wissen gar nicht mehr, was gut und was richtig ist. Und das ist ja ein großes Problem heute.

 

Und genau da wollten wir weg, weil wir das alles schon durch haben. Wir haben alle restriktiven Diäten, alle Weglast-Diäten. Wir haben alles hinter uns und wir haben gemerkt, dass immer, wenn irgendetwas weggelassen wird, dass das nicht gut für uns war.

 

Dass das immer uns in eine Einseitigkeit hinein katapultiert hat und in der Ernährung ist Einseitigkeit das Schlimmste, was man tut. Denn der Darm freut sich immer darüber, verschiedene Dinge, verschiedene Lebensmittel, verschiedene Sachen zu bekommen, weil er erst dadurch richtig arbeiten und aufblühen kann. Und sobald immer irgendwas weggelassen wird, weil ein Stoff momentan, das Gluten oder so, hast du ja schon erwähnt, vermeintlich schlecht ist.

 

Und ich wette, es gibt so viele Menschen da draußen, die gar keine Glutensensitivität haben und trotzdem Gluten vermeiden, weil sie meinen, dass das so ein super schlechter, schlimmer Stoff ist, was ich ja auch nicht bestreiten möchte. Aber es kommt immer, man muss differenzieren. Wir müssen aus diesem Schwarz-Weiß-Denken rauskommen.

 

Wenn jemand gesund ist und wenn jemand, sagen wir mal, sein Brot selber backt und du hast es auch erwähnt, bei einer Fermentation mit Sauerteig zu Hause wird auch das Gluten in eine andere Art und Weise, es wird jetzt nicht komplett eliminiert, aber es wird zum Teil abgebaut, zum Teil wird es umgewandelt. Wenn ich zum Beispiel mit Urgetreide backe und ich backe sehr gerne mit Urgetreide, dann haben wir schon eine komplett andere Glutenstruktur vorhanden in dem Korn, als jetzt, sagen wir mal, der hochgezüchtete moderne Weizen, der so verwendet wird bei den Bäckereien für die ganzen Industrieprodukte. Also deswegen auch da, Gluten ist nicht gleich Gluten und Gluten ist auch nicht immer böse.

 

Klar, Zöliakie ist natürlich wieder was ganz anderes, da muss man gar nicht drüber sprechen. Menschen, die Zöliakie haben, dürfen nicht mal Sauerteigbrot, die dürfen gar nichts davon essen. Aber die allermeisten Menschen haben keine Zöliakie.

 

Also die allermeisten Menschen haben entweder eine Sensitivität auf Gluten oder die allermeisten haben sogar eine Sensitivität auf die ganzen Mehlverbesserungsmittel, die meinen, es sei das Gluten. Es werden ja in Mehlen, man meint ja, wenn man eine Packung Mehl kauft, dass das nichts anderes ist als gemahlenes Korn. Aber so ist es leider nicht, denn es sind Mehlverbesserungsmittel, das sind chemische Stoffe, die den Mehlen zugesetzt werden, sind erlaubt und zwar nicht wenige davon.

 

Und das Problem ist, dass die nicht mal deklarationspflichtig sind. Also auf der Packung Mehl steht das gar nicht drauf, dass da diese Stoffe drin sind. Und das sind Stoffe, das sind Enzyme, das sind chemische Verbindungen, die dazu da sind, die Backergebnisse zu verbessern.

 

Wir hatten das ja am Anfang so die Industrie braucht und möchte immer gleich bleiben. Die Ergebnisse, die Brötchen müssen immer gleich ausschauen, gleich schmecken, eine schöne Krumme haben, innen schön fluffig haben. Also dieses perfekte Brötchen oder Brot, was wir so vom Bäcker kennen.

 

Das ist ohne solche Mehlverbesserungsmittel, sagen wir mal, schwierig zu bekommen. Und wenn dann nur in einer wirklich langwierigen, anstrengenderen, traditionellen Handwerkskunst, die ja leider verloren gegangen ist, gibt auch da mittlerweile zum Glück wieder Bäcker, die zurückkommen zur Handwerklichkeit und zur Tradition, wie man einfach vor 200 oder 500 Jahren gebacken hat. Aber viele sind halt leider darauf aus, einfach billig und viel herzustellen.

 

Und das werden teilweise auch Bäckerwaren Glutenpulver verwendet, weil Gluten ist ja das, was die Struktur aufbaut, was halt dieses schöne Fluffige macht. Und wenn man die Brötchen noch fluffiger machen möchte, dann gibt man halt Glutenpulver. Und dann essen das die Leute viele, viele Jahre.

 

Es dauert ja erst mal, bis der Körper sich meldet. Der kann ja sehr, sehr viel kompensieren. Manche über Jahrzehnte, manche halt nicht.

 

Und irgendwann meldet sich der Körper und dann sagt er so, passt jetzt nicht mehr so ganz, reagiert mit Blähungen, Unwohlsein, Müdigkeit und so weiter. Da gibt es ja verschiedene, ganz, ganz, ganz viele verschiedene Symptome, die sich da zeigen können. Schlechte Stimmung, Blutzuckerschwankungen, also gar nicht so das Offensichtliche.

 

Dass man das jetzt Bauchschmerzen bekommen muss. Ich kann ja auch auf so was, auf Gluten oder halt diese Mehlverbesserungsmittel reagieren, ohne dass ich weiß, dass meine schlechte Laune am nächsten Tag eigentlich von diesen Brötchen kommt, weil die Leute diesen Bezug gar nicht so herstellen können. Und ja, das Schöne ist aber, dass wir das Ganze umgehen können, indem wir selber backen.

 

Deswegen habe ich daheim eine Getreidemühle stehen. Ich male mein Urkorngetreide frisch. Das dauert nicht viel länger.

 

Viele denken, ich muss mein Brot selber backen und jetzt muss ich auch noch mein Getreide frisch malen. Also das ist auch wirklich nur Tüte auf, rein, Knopf an und eine Minute später habe ich mein Mehl. Und während mein Mehl gerade malt, kann ich in der Zwischenzeit schon mal mein Wasser mit Salz und Sauerteigansatz anrühren.

 

Also es ist jetzt kein Schritt, der jetzt so unglaublich viel mehr Zeit benötigt. Aber es ist ein Schritt, der die Brote nochmal um einiges bekömmlich macht, einiges nahehafter macht. Man muss auch bedenken, dass eine Tüte Mehl ja auch lange Zeit gelagert wird in den Supermarktregalen und dadurch auch viele, viele Nährstoffe, die ursprünglich in dem Korn enthalten waren, dass die verloren gehen.

 

Auch in Vollkorn, auch wenn man meint, man kauft ein Vollkornmehl, das allermeister verpufft meistens schon in 24 bis 48 Stunden. Und wenn man merkt, dass die Wochen oder Monate in den Regalen stehen, dann ist da wirklich nicht mehr viel davon übrig. Und was halt noch gemacht wird, ist, ein Getreidekorn hat innen einen Keimling.

 

Jedes Getreidekorn. Und dieser Keimling, der ist wahnsinnig Vitamin E haltig zum Beispiel. Und der ist aber auch sehr fethaltig.

 

Und wenn ich jetzt den mitmale und daraus Mehl mache, dann würde das Mehl ziemlich schnell ranzig werden durch dieses Fett. Und wenn aber man das halt konservieren möchte, damit die Mehltüten auch Wochen und Monate im Regal stehen können, muss man diesen Keimling rausnehmen. Und dann haben wir wieder ein unvollkommenes Lebensmittel.

 

Sobald etwas zugesetzt oder etwas weggenommen wird, beeinträchtigen wir eigentlich so dieses, sagen wir mal, diese perfekte Symbiose aus Stoffwechselprodukten, Nährstoffen und so weiter. Also dieser Keimling, der enthält auch einen Vitamin, was dazu da ist, Kohlenhydrate besser zu verstoffen. Wenn wir das natürlich wegnehmen und Brot besteht halt aus einer großen Menge Kohlenhydraten, dann wird auch dieser Stoffwechselprozess mit den Kohlenhydraten ebenfalls behindert.

 

Also es sind so ganz viele, viele, viele Kleinigkeiten eigentlich, aber die alle in ihrer Gesamtheit dazu beitragen, dass halt ein konventionelles Brot einfach viel schlechter verdaut werden kann und auf Dauer sogar Schäden hinterlassen kann, wenn wir das so massenweise konsumieren, wie heutzutage halt einfach Getreideprodukte konsumiert werden. Morgens das Bäckerbrötchen, die Pasta in der Kantine, am Nachmittag noch ein Croissant und dann am Abend noch die Pizza oder ich weiß nicht. Es kommt dann einfach viel zu viel auf den Körper und auf den Darm zu, was er sozusagen tragen muss, welche Last er tragen muss und was er verstoffwechseln muss.

 

Und wenn ich frisch mahle, dann umgehe ich das Ganze. Dann habe ich das volle Korn, die vollen Nährstoffe. Ich habe alle Co-Faktoren, alle Stoffe, die drin sind, die ich benötige, um dieses Brot später besser verdauen zu können.

 

Deswegen sagen ja auch viele, viele Menschen zu uns, die jahrelang Probleme mit, scheinbar Probleme mit Gluten hatten und immer wieder auf Brot verzichtet haben oder auf glutenfreie Alternativen gegriffen haben und so weiter. Die sagen uns, die backen ihr eigenes Sauerteigbrot und verdauen es. Perfekt, null, null, null Probleme.

 

Keine Beschwerden, nichts. Obwohl da immer noch Gluten enthalten ist. Also es ist ja, wir backen, wir können auch glutenfrei backen.

 

Aber das würde ich sagen, machen auch in den allergrößten Fällen die Zöliakie-Patienten, die da wirklich darauf achtgeben müssen. Aber alle anderen vertragen plötzlich ihr selbst frisch gebackenes Brot und einfach super perfekt und super verdauen. Und ja, es liegt einfach an diesen kleinen Veränderungen, die aber wahnsinnig viel bewirken können.

 

[Elisabeth Seidel] (1:11:19 - 1:11:55)

Es hört sich natürlich nach total viel an, was ihr macht und was zu tun ist, wenn man es umsetzen will, wenn man jetzt noch gar keine Erfahrung damit hat. Ich habe selbst Leute, denen ich das empfohlen habe, auch eure Bücher. Und siehe da ist es eigentlich total easy, ein Kefir anzusetzen.

 

Es geht super schnell. Man hat eigentlich nicht viel Arbeit. Man muss das nur ab sieben durchlaufen lassen und fertig ist.

 

Es gibt sicherlich auch noch mal Unterschiede zwischen Kefir im Kühlregal, im Supermarkt und dem Selbstgemachten, könnte ich mir vorstellen. Ich weiß nicht, ob du da mehr weißt.

 

[Esma Storck] (1:11:56 - 1:14:09)

Definitiv, definitiv. Beim Kefir, beim Gekauften ist es ja das Gleiche wie beim Joghurt. Da wird halt zwei, manchmal drei Bakterienstemmen geimpft.

 

Es wird halt auch immer eine bestimmte Reifezeit eingehalten, damit am Ende das Produkt halt so da ist, wie es da ist. Und dadurch fehlt einfach diese Diversität, Menge und Masse an Milchsäurebakterien. Das Schöne an Milchsäurebakterien, das weißt du sicher auch, das sind ja unsere Abwehrbakterien.

 

Je mehr wir davon zuführen durch unsere Ernährung, desto besser halten diese die schlechten Bakterien in der Schaft. Im Darm ist es ja so, dass es ja, wir haben alle gute und wir haben alle schlechte Bakterien. Es ist nie so, dass wir nur gute haben.

 

Also die scheinbar schlechten werden ja auch nur schlecht, wenn sie überwuchern, wenn es dann irgendwann zu viele werden. Und wenn wir aber viele Milchsäurebakterien, viele Lactobacillen zu uns nehmen, dann halten die die, die vermeintlich schlecht werden können. Dadurch, dass sie überwuchern, halten die halt extrem in Schach.

 

Und das ist das Schöne an den ganzen Lactobacillen. Gekaufter Joghurt und gekaufter Kefir hat halt nun mal nur zwei oder drei Bakterienstämme. Und wenn wir aber Joghurt und Kefir, vor allem ein Rohmilchkefir selber machen, Rohmilchkefir ist ja so unser Power-Darm, überhaupt.

 

Es gibt sogar in Holland wurden mal Studien gemacht in Krankenhäusern mit Rohmilchkefir. Und man hat da entdeckt, dass in einem Rohmilchkefir mindestens 55 bis 60 verschiedene Mikroorganismen gefunden wurden. Also wenn du jetzt einen Kefir aus dem Supermarkt nimmst, dann hast du drei Organismen und in dem hast du 50 bis 60 verschiedene.

 

Und das ist halt diese Diversität, die wir nur in selbstgemachte Produkte, durch Fermentation, auch durch wilde Fermentation erreichen können. Und das ist das Schöne, dass wir uns an sich ganz einfach und günstig unsere Medikamente zu Hause selber machen können. Ja, es ist ein bisschen Arbeit.

 

Es ist ein bisschen Arbeit, aber es ist nicht, wirklich nicht die Welt.

 

[Elisabeth Seidel] (1:14:09 - 1:14:32)

Und es erscheint viel, wenn man noch keine noch keine Berührung damit hat, wie du gemeint hast. Ihr habt aber ja nützlicherweise auch so einen probeweisen Sketche oder ein Beispielplan, wie man vorgehen könnte, wenn man das umsetzen will, wie man eine Wochenplanung macht. Habt ihr in eurem Buch drin, ne?

 

Mhm, also ja, das fand ich super nützlich.

 

[Esma Storck] (1:14:32 - 1:16:45)

Ja, man muss ja, wie gesagt, auch nicht alles auf einmal machen. Wir empfehlen und die meisten machen das so, dass sie sich halt ein Thema aussuchen. Es gibt in der Ernährung einfach zu viele Themen.

 

Das Thema Getreide, das Thema Fleisch, Milchfermente und so weiter und so fort. Es ist natürlich viel auf einmal und die wenigsten schaffen es, alles umzusetzen. Aber man nimmt sich ein Thema raus, was ich immer sehr schön finde, ist tatsächlich das Thema Brühen oder das Thema Milchfermente, weil das am einfachsten und schnellsten umzusetzen ist und da mal einfach anfangen, ein bisschen Routine bekommen, einfach mal eine Regelmäßigkeit rein.

 

Einen Tag die Woche sich festlegen und sagen, einmal die Woche, der Montag ist mein Kefir-Tag. Setze am Montag meinen Kefir an und hab dann die ganze Woche, hab ich dann Kefir. Man braucht ja davon auch keine großen Mengen trinken.

 

Also nicht jeden Tag ein 0,4 Liter Glas, sondern es reicht wirklich auch nur so ein kleines Whisky-Gläschen voll. Also es geht bei Kefir und Darmaufbau, geht es ja um Kontinuität, Nachhaltigkeit und das wirklich über einen langen Zeitraum zu machen. Also es bringt nicht viel, das mal eine Woche lang zu trinken und dann wieder drei Wochen nicht, sondern man muss das wirklich so ein bisschen auch als Kur betrachten.

 

Genauso auch mit der Fleischbrühe, wenn man sagt, man möchte, man hat Themen mit dem Darm und man möchte da mal entzündungsfrei werden oder einfach mal fitter werden. Dass man das einfach mal als eine Kur sieht und das einfach mal für eine längere Zeit mit in die normale Ernährung einbaut, halt da, wo es geht. Und wer halt sagt, der Kefir schmeckt ihm nicht, was halt durchaus vorkommen kann, weil halt der selbstgemachte Kefir anders schmeckt und saurer schmeckt als der gekaufte Kefir.

 

Da haben wir in unseren Büchern auch ganz viele Tricks, auch wie man kleinen Kindern das Ganze schmackhaft machen kann. Man muss ihn ja auch nicht pur trinken. Man kann ihn zum Beispiel ein Shake draus machen, in den Mixer werfen, zusammen mit mit Beeren oder anderem Obst, was gerade Saison hat.

 

Man kann auch ein bisschen Honig dazugeben für ein bisschen Süße. Und wenn man das Ganze dann mixt, dann bekommt man einen wunderbaren Milchshake, den auch wirklich die kleinsten Kinder schon mögen. Und dann hat man da auch wirklich jeden Tag ein bisschen was davon.

 

[Elisabeth Seidel] (1:16:47 - 1:16:53)

Also ist auch ein nützlicher Tipp für Familien oder Mütter, Väter, die das einführen wollen, für Kids.

 

[Esma Storck] (1:16:53 - 1:19:32)

Ja, ja, genau. Und die Brühe, genauso kann man ja auch wirklich in alle, man kann auch in eine Tomatensoße Brühe mit reinkochen. Es gibt so viele Möglichkeiten, das zu tun, ohne auch, dass die Familie das jetzt irgendwie großartig merken muss, auch bei den Broten.

 

Das Brotbacken ist natürlich für viele dann nochmal so eine Hürde. Ist auch ein bisschen schwieriger. Da machen wir das auch oft so, dass wir dann sagen, gut, die Familien, die jetzt Weißbrote gewöhnt sind, die jetzt auch noch nicht so in dieser Vollkorngeschichte und in dieser Vollwertigkeit drin sind, dass man zumindest mal anfängt, mit Sauerteig selber zu backen, auch wenn das gekauftes Tütenmehl ist.

 

Es wird trotzdem durch die Fermentation mit dem Sauerteig wird das nochmal aufgebessert und es entstehen auch andere Produkte, Stoffwechselprodukte. Es werden auch Antinährstoffe abgebaut. Klar ist es dann nicht so das vollwertigste nährende Brot, aber es ist trotzdem immer noch besser wie jetzt das gekaufte Bäckerbrötchen von nebenan, dass man da so ein bisschen anfängt.

 

Und dann kann man ja, wenn es der Familie schmeckt, mal so einen kleinen Vollkornanteil mit reinbauen und dann so Mischbrote machen, damit es ein bisschen dunkler wird und dann immer mehr und immer mehr so dieser einschleichende Prozess und irgendwann sich rantasten und irgendwann akzeptieren die Kinder dann auch ein reines Vollkornbrot. Das muss auch nicht immer. Es ist auch nicht so, wie man meint, dass jetzt ein Vollkornbrot immer so dunkel und schwer sein muss wie so ein Pumpernickel, den man sich so vorstellt.

 

Es gibt auch schöne, schöne, schöne Sorten wie zum Beispiel Kamutweizen oder Gelbmehlweizen. Das sind Urgetreidearten. Das ist zwar ein Weizen, aber es ist halt eine noch nicht so hochgezüchtete, sondern eine Urform von Weizen, die auch sehr schöne, helle Ergebnisse macht.

 

Oder Einkorn ist sowas. Da bekommt man wirklich 100 Prozent Vollkorn, aber man kann daraus ein Toastbrot backen und das Toastbrot ist einfach goldgelb. Man merkt dann sogar nicht, dass das wirklich Vollkorn ist.

 

Also es gibt immer Möglichkeiten und Wege, das in die Familie zu integrieren und einzuführen. Man muss halt da immer ein bisschen mit Tastsinn und Spitzengefühl da rangehen. Ich kenne es selber.

 

Ich habe zwei Kinder. Wenn ich irgendwas Neues einführen möchte, dann wird auch definitiv, also oft mal etwas so abwehrend reagiert und nein, das möchte ich nicht und schmeckt nicht und kenne ich nicht und so. Aber wenn man da ein bisschen Fingerspitzengefühl zeigt und das ganz vorsichtig einschleicht in der Familie, dann funktioniert das auch mit der Zeit.

 

[Elisabeth Seidel] (1:19:35 - 1:19:55)

Liebe Esma, vielen, vielen Dank. Zum Abschluss möchte ich natürlich gerne noch fragen, ob du irgendwas hast, was du unseren Zuhörern noch mitgeben möchtest. Leute, die sich vielleicht interessieren für Ernährung, die es jetzt inspirieren fanden, diesen Einblick in eure traditionelle Ernährungsweise.

 

Irgendwas, was du ihnen mitgeben kannst.

 

[Esma Storck] (1:19:56 - 1:22:42)

Oh ja, sehr, sehr gerne. Ich bin ja, mein Herzensthema ist es wirklich, dass die Menschen wieder mehr regionale einkaufen, auch bei den Direkterzeugern. Wir werden halt immer gefragt, wie soll ich denn jetzt anfangen?

 

Was ist denn jetzt der erste Schritt? Und dann sagen wir, schaut mal in euren Kühlschrank und in die Vorratskammer rein. sind ja oft die gleichen Lebensmittel, die man immer wieder kauft.

 

Schaut mal, was ist da drin? Was habt ihr? Was kauft ihr für Produkte ein?

 

Dreht die mal um. Schaut mal auf die Zutatenlisten hinten drauf. Muss das wirklich sein?

 

Müssen das jetzt die Kekse vom Edeka sein? Könnte ich mir nicht überlegen, für meine Kinder einmal die Woche selber Kekse zu backen in einer gesünderen Form, mit einem vollwertigen Zucker, mit einem vollwertigen Getreide. Also da einfach mal so ein bisschen schauen.

 

Was habe ich? Was könnte ich verbessern? Und wo kaufe ich ein?

 

Natürlich ist der Supermarkt um die Ecke halt sehr, sehr attraktiv. Vor allem vielleicht Familien, die kein Auto haben oder nicht so mobil sind, da mal einfach schnell um die Ecke was kaufen. Aber auch einfach mal so die Augen offen zu halten.

 

Was wir am Anfang gemacht haben. Wir haben am Wochenende Familienausflüge gemacht mit dem Auto ins Grüne, aufs Land. Und dann habe ich einfach mal geschaut und da irgendwo Bauernhöfe.

 

Manchmal stehen ja auch so an der Straße Schilder, frische Eier, frisches Gemüse, Fleisch und so weiter. Da einfach mal so ein bisschen, auch wenn es eine Fahrt ist. Klar, ist es halt nicht der nächste Bauer, ist bei den meisten nicht gleich ums Eck.

 

Auch eine Rohmilchtankstelle zum Beispiel. Aber das mal so einfach zu integrieren, so als Familienausflug. Man macht einen Ausflug ins Grüne und schaut einfach, ob es da in der Nähe eine Milchtankstelle gibt oder ob man irgendwo gute Eier holen kann.

 

Und da einfach das nicht so als das Einkaufen, nicht so als Zwang und lästiges To-Do ansehen, sondern auch so ein bisschen mit Spaß und Freude und vor allem auch so diese Regionalität zu schätzen, zu sagen so Ja, da ist in 30 Kilometer Entfernung da ist ein toller Bauer. Wir fahren mit den Kindern hin, schauen uns die Hühner da an, machen einen Spaziergang, nehmen Eier mit. Also so ein bisschen das Einkaufsverhalten anzupassen, ist eigentlich, würde ich sagen, so der allererste Schritt in die richtige Richtung.

 

Und das lege ich allen, allen ans Herz, weil wir haben hier einfach auch tolle Erzeuger. Wir brauchen nicht das Superfood aus dem Ausland, das Teure, um gesund zu sein, sondern wir haben die Superfoods um uns herum, die wachsen und leben um uns herum und die Natur und die Tiere, die bieten uns all das, was wir brauchen, auch hier wirklich da, wo wir leben. Und man muss halt einfach nur die Augen offen halten und offen sein dafür.

 

[Elisabeth Seidel] (1:22:42 - 1:22:54)

Es gibt ja mittlerweile auch für die Leute, die in der Stadt sind und vielleicht nicht so gut rauskommen, gibt es ja ganz, ganz viele von diesen grünen Biokisten, wo man sich saisonales Gemüse liefern kann, Milchprodukte etc.

 

[Esma Storck] (1:22:54 - 1:24:13)

Man kann sich mittlerweile alles liefern. Und Heidi und ich sind auch tatsächlich da dran, immer wieder. Auch wir stehen mit einigen Landwirten und Bauern in Kontakt, die ihre Direkterzeugung auf eine Online-Vermarktung umstellen möchten.

 

Es ist ein großer Schritt und für viele nicht machbar, aber es ist ein erster Schritt in die richtige Richtung, die guten Produkte halt einfach deutschlandweit anbieten zu können. Und so wächst ja dann auch noch mehr das Interesse und die Leute, die dann sehen, ach, ich kann gutes Fleisch auch online bestellen. Das wird super verpackt, wird mit Kühlpads professionell so, dass das auch zum Beispiel gefroren bei einem zu Hause ankommt.

 

Es geht schon in die richtige Richtung. Es hätte man sich ja auch schon vor zehn Jahren gar nicht vorstellen können, dass Fleisch irgendwie per Post verschickt werden kann. Es wird immer mehr.

 

Es wird immer mehr. Das ist schön. Das ist auch, sagen wir mal, ein sehr schöner Vorteil unserer Moderne, die nicht immer nur Vorteile mit sich bringt, sondern auch viele Nachteile.

 

Aber das ist ein Vorteil, dass wir die Möglichkeiten haben, an alles zu kommen, was wir wollen und brauchen, auch wenn wir nicht mobil sind. Man muss nur das Wissen haben und das Bewusstsein dafür. Das ist das Einzige, was uns fehlt.

 

[Elisabeth Seidel] (1:24:13 - 1:24:18)

Es ist nur einmal eine Search entfernt eigentlich heutzutage, das, was man möchte.

 

[Esma Storck] (1:24:18 - 1:24:19)

Ja, eigentlich.

 

[Elisabeth Seidel] (1:24:20 - 1:24:32)

Jetzt noch gerne für unsere Zuschauer, äh Zuhörer, meine ich natürlich.

 

Wo findet man euch? Ihr habt ja eine Community, ihr macht Workshops, ihr habt die Bücher, ihr seid auch auf Social Media aktiv. Wo findet man euch?

 

[Esma Storck] (1:24:33 - 1:26:40)

Richtig. Also wir haben mal angefangen, haben wir auf Instagram. Da findet man uns auch tatsächlich fast tagtäglich in unseren Küchen.

 

Wer gerne zuschauen möchte und sehen möchte, wie wird denn so was überhaupt gemacht und wie kann ich mir das vorstellen? Wie schaut das aus, wenn ein Sauerteig aufgegangen ist und wenn dann so ein Brot draus gebacken wird, kann uns da gerne auf Instagram über die Schulter schauen. Also ich heiße dort Esma.Storck und meine Freundin Heidi.Beeck. Dort findet ihr uns. Aber wir haben mittlerweile auch eine eigene Webseite www.die-neue-traditionelle-ernährung.de. Das ist auch gleichzeitig unser Shop. Wir haben dort einen Blog. Man kann dort unsere Bücher kaufen.

 

Wir veröffentlichen dort auch Rezepte und Anleitungen, wissenswerte Blogartikel. Und wir haben eine Community tatsächlich. Das ist dann für die, die dann schon unsere, das ist eine geschlossene Community für die, die unsere Bücher schon haben, die ein bisschen mehr Unterstützung brauchen, auch sich mit anderen Familien austauschen möchten.

 

Da ist jeder herzlich willkommen, in unsere Community reinzukommen. Wir sind da einfach ganz viele Familien, Frauen, Kinder, Männer, die sich gegenseitig unterstützen bei der Suche nach guten Lebensmitteln, bei den ganzen Alltagsproblemen. Was passiert, wenn mein Kefir schimmelt?

 

Und so weiter. Wir helfen uns da gegenseitig. Wir haben da auch mittlerweile einen Online-Basic-Kurs mit eingebaut.

 

Heidi und ich, da nehmen wir euch wirklich so richtig mit in unsere Küchen und zeigen euch Schritt für Schritt, wie wird was gemacht. Und ja, einige, die brauchen das, die müssen das mal auch gesehen haben. Ich finde es auch immer so ein Buch ist immer schön und gut.

 

Man liest es, ist total begeistert. Aber wirklich dann in die Umsetzung zu kommen für viele reicht dann einfach ein Buch nicht. Die möchten das sehen, die möchten das erleben und schmecken.

 

Deswegen bieten wir auch oft Workshops an, wo wir dann wirklich live dann zusammen kochen und fermentieren und machen. Aber selbst schon allein in dieser Online-Community kommen auch sehr, sehr viele dadurch einfach in die Umsetzung, weil sie merken, ich habe da Unterstützung und stehe nicht ganz alleine da.

 

[Elisabeth Seidel] (1:26:41 - 1:26:51)

Super. Wunderbar. Also nochmal vielen Dank für deine Zeit.

 

Vielen Dank für dein Wissen, was du mit uns geteilt hast. Das war ein sehr, sehr tolles Interview.

 

[Esma Storck] (1:26:52 - 1:26:54)

Danke auch dir. Dankeschön.

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