Informationen zur Podcastfolge Nr. 150 Sex, Stress, Testosteron: der unterschätzte Jungbrunnen. Mit Dr. Jonathan ApasuInformationen zur Podcastfolge Nr. 150 Sex, Stress, Testosteron: der unterschätzte Jungbrunnen. Mit Dr. Jonathan Apasu

Sex, Stress, Testosteron: der unterschätzte Jungbrunnen

Männergesundheit – bei diesem Begriff denken viele zuerst an Potenz oder ein Sixpack. Doch was ist mit der inneren Energie, der mentalen Antriebskraft, der Libido und der allgemeinen Lebensfreude? Diese Faktoren bleiben oft unter der Oberfläche, sind aber entscheidende Indikatoren für unser Wohlbefinden. Sexuelle Vitalität kann sogar ein Frühwarnsystem sein: Bevor das Herz Probleme macht, sendet die Libido oft erste Warnzeichen.

In dieser Episode des HEALTHWISE Podcasts spricht Nils Behrens mit Dr. Jonathan Apasu, Arzt für Männergesundheit und Gründer von Adon Health. Er ist Experte für die Verbindung von moderner Testosterontherapie mit einem ganzheitlichen Blick auf Körper, Psyche und Lebensstil.

Die Folge HEALTHWISE auf YouTube

Testosteron verstehen – Funktion, Transport & Referenzwerte

Testosteron ist ein Steroidhormon , das zu 95-98% in den Hoden gebildet wird. Obwohl es als „männliches Sexualhormon“ bekannt ist, wird es im Körper in zahlreichen Geweben benötigt, da, wie Dr. Apasu erklärt, „eigentlich jedes Gewebe im menschlichen Körper“ Rezeptoren für Testosteron (Androgenrezeptoren) besitzt.

Androgenrezeptoren sind unter anderem hier zu finden:

  • im blutbildenden System
  • in der Haut
  • in den Blutgefäßen
  • im Gehirn

Zudem wirkt Testosteron auf die Muskulatur und ist relevant für das Osteoporose-Risiko. Dies erklärt die breite Palette an Symptomen bei einem Testosteronmangel.

Warum nur freies Testosteron aktiv wirkt
Obwohl der Großteil des Testosterons im Blut gebunden ist, entfaltet nur der freie Anteil seine biologische Wirkung.

Physiologischer Hintergrund: Als fettlösliches Steroidhormon kann Testosteron im wässrigen Blutplasma nicht gut transportiert werden. Es muss daher an Transportproteine gebunden werden.

Die wichtigsten Proteine sind:

  • SHBG (Sexualhormon-bindendes Globulin)
  • Albumin

Etwa 98 % des Testosterons sind so gebunden. Nur das ungebundene, freie Testosteron kann seine Wirkung an den Zielorten entfalten.

Warum ein hoher SHBG-Wert problematisch sein kann
Ist das SHBG (Transporter) erhöht, wird mehr Testosteron "aus dem Verkehr gezogen". Das Ergebnis: Die Menge des freien, biologisch aktiven Hormons sinkt, selbst wenn der Gesamttestosteronwert normal erscheint.

Deshalb ist für die Bewertung die Kombination aus diesen Werten entscheidend:

  • Gesamttestosteron
  • SHBG
  • (und Albumin)

Daraus wird das freie Testosteron (meist über die Vermeulen-Formel) berechnet.

Referenzwerte und ihre Grenzen
Dr. Apasu betont, dass Referenzwerte keine Optimalwerte sind, sondern statistisch ermittelte Durchschnittswerte. Sie zeigen nur, wo 95 % einer gemessenen "durchschnittlichen Bevölkerung" liegen. Das bedeutet, auch Männer mit niedrigeren Werten (z. B. 12 oder 13 nmol/l) gelten als „normal“, wenn sie innerhalb dieser statistischen Breite liegen. Dr. Apasu kritisiert, dass diese Referenzwerte sogar sinken (z. B. der Wert für freies Testosteron wurde um 10 % nach unten korrigiert), weil die Bevölkerung im Durchschnitt immer ungesünder und übergewichtiger wird. Referenzwerte sind daher kein Idealzustand, sondern nur eine Momentaufnahme der Durchschnittsgesundheit.

Die individuelle Baseline (der persönliche Wohlfühlwert) gewinnt damit eine viel größere Bedeutung als der reine Referenzbereich.

 

Symptome eines Testosteronmangels – mehr als Libido & Erektion

Da Testosteron an Rezeptoren im gesamten Körper andockt, sind die Symptome eines Mangels extrem vielfältig und reichen weit über die Sexualität hinaus.

Sexuelle Symptome
Sexuelle Gesundheit ist oft das erste sichtbare Zeichen hormoneller Veränderungen. Typische Symptome sind:

  • verminderte Libido (Verlust der sexuellen Lust)
  • Probleme, eine Erektion zu erreichen oder aufrechtzuerhalten (Erektile Dysfunktion)

Dr. Apasu verweist darauf, dass sexuelle Probleme oft ein Frühindikator für die vaskuläre (Gefäß-)Gesundheit sind. Laut Studien weisen bis zu 70 % der Männer mit erektiler Dysfunktion gleichzeitig auch Gefäßveränderungen am Herzen auf.

Körperliche Veränderungen
Ein Mangel an Testosteron kann auch zahlreiche körperliche Parameter beeinflussen:

  • Schwierigkeiten beim Muskelaufbau oder sogar Muskelabbau
  • Neigung zu Übergewicht, insbesondere eine Zunahme des Bauchfetts
  • Beeinträchtigte Stoffwechselprozesse, was Diabetes Typ 2 begünstigen kann
  • Erhöhtes Risiko für Osteoporose (Knochenschwund)

Dies erklärt, warum Männer mit Testosteronmangel sich trotz Training oft erschöpft fühlen und schlechter Muskulatur aufbauen.

Psychische und kognitive Signale
Der Einfluss auf das zentrale Nervensystem ist ebenfalls bedeutsam:

  • Antriebsverlust und chronische Müdigkeit
  • Motivationsprobleme
  • Konzentrationsschwierigkeiten bis hin zu „Brain Fog“ 

 

Diagnostik & Therapie

Wann ist ein Test sinnvoll?
Eine Diagnostik ist laut Dr. Apasu immer dann sinnvoll, wenn Symptome wie Libidoverlust, Erektionsprobleme, Antriebslosigkeit oder Konzentrationsschwierigkeiten auftreten. Er empfiehlt zudem, dass jeder Mann seine persönliche Baseline (den Wohlfühlwert) kennen sollte, um Abweichungen besser einordnen zu können.

Voraussetzungen und Kontraindikationen
Eine Therapie ist indiziert, wenn ein Leidensdruck besteht. Sie darf jedoch nicht durchgeführt werden bei zwei absoluten Kontraindikationen:

  • Aktuellem Kinderwunsch: Die Therapie von außen hemmt die körpereigene Spermienproduktion.
  • Bestehendem Prostatakrebs: Testosteron könnte das Wachstum eines bestehenden Tumors beschleunigen. (Dr. Apasu stellt klar, dass eine Therapie keinen Prostatakrebs verursacht).

Wichtiger Hinweis: Eine Hormontherapie (Testosteron-Ersatz-Therapie) ist eine medizinische Behandlung, die ausschließlich unter sorgfältiger ärztlicher Betreuung stattfinden darf.

Überwachung und Abgrenzung zum Doping
Die Therapie muss ärztlich überwacht werden, wobei u.a. der Hämatokritwert (Anteil roter Blutkörperchen) kontrolliert wird. Dr. Apasu betont, dass eine medizinische Ersatztherapie nichts mit Doping zu tun hat: Eine TRT zielt auf einen normalen, physiologischen Wert ab, während im Bodybuilding oft das 10- bis 20-fache missbräuchlich verwendet wird.

 

Lebensstil & Hormongesundheit 

Dr. Apasu betont, dass 95 % aller Testosteronmängel "funktionell" sind. Das bedeutet, sie sind nicht körperlich bedingt, sondern entstehen durch Stress, Schlafmangel, Übergewicht oder Ernährung und sind daher durch den Lebensstil beeinflussbar.

Schlaf als stärkster natürlicher Modulator
Schlaf ist für die Hormongesundheit extrem wichtig. Dr. Apasu erklärt, dass Testosteron hauptsächlich im Schlaf produziert wird, genauer gesagt in der zweiten Nachthälfte während der REM-Schlafphasen. Sein wichtigster Appell lautet daher: 7 bis 8 Stunden Schlaf priorisieren und einen konsistenten Rhythmus finden.

Stress & Cortisol als Gegenspieler
Chronischer Stress ist laut Dr. Apasu ein "Killer für Testosteron". Er bezeichnet das Stresshormon Cortisol als direkten Gegenspieler des Testosterons.

Körperkomposition und die "Trainingsfalle"
Eine gesunde Körperkomposition (mehr Muskelmasse, weniger Fettgewebe) ist entscheidend für einen gesunden Hormonhaushalt. Dr. Apasu warnt jedoch vor Übertraining:

  • Übermäßiges Training wirkt als starker Stress für den Körper.
  • Er sieht in der Praxis, dass gerade Extremsportler (z. B. Ausdauerathleten) durch die hohe Belastung und Kaloriendefizite oft mit die niedrigsten Testosteronwerte haben.

Alkohol und Nikotin

  • Alkohol ist ein Zellgift, das sich negativ auf die Leber (Hormonabbau) und die Leydig-Zellen im Hoden (Testosteronproduktion) auswirken kann.
  • Rauchen (Nikotin): Dr. Apasu sieht keine klaren Belege dafür, dass Rauchen den Testosteronwert direkt senkt. Er betont aber, dass es massiv schädlich für die allgemeine Gesundheit ist, insbesondere für das Herz-Kreislauf-System.

 

Take Aways  

  • Nur freies Testosteron wirkt: Der Gesamtwert allein ist nicht aussagekräftig, das Transportprotein SHBG bindet den Großteil.
  • Labor-Normwerte sind kein Optimum: Sie sind nur ein statistischer Durchschnitt. Die persönliche Baseline ist wichtiger.
  • Symptome sind vielfältig: Ein Mangel zeigt sich nicht nur bei der Libido, sondern auch durch „Brain Fog“, Antriebslosigkeit und Müdigkeit.
  • Sexuelle Gesundheit als Frühwarnsystem: Erektile Dysfunktion kann ein frühes Anzeichen für Herz-Kreislauf-Erkrankungen sein.
  • 95 % der Mängel sind "funktionell": Sie entstehen durch den Lebensstil (Stress, Schlafmangel, Ernährung), nicht durch kranke Organe.
  • Schlaf ist der stärkste Hebel: Testosteron wird nachts produziert. 7–8 Stunden Schlaf sind essenziell.
  • Therapie-Kontraindikationen: Eine Testosteron-Ersatztherapie ist tabu bei aktivem Prostatakrebs und bei aktuellem Kinderwunsch (stoppt Spermienproduktion).

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Dr. Jonathan Apasu ist Arzt für Männergesundheit und Gründer von Adon Health. Er kombiniert moderne Testosterontherapie mit einem umfassenden Blick auf hormonelle Diagnostik, Lebensstil und mentale Gesundheit. Ein besonderer Schwerpunkt seiner Arbeit liegt darauf, Männern ein besseres Verständnis für ihre hormonelle Balance zu vermitteln und Tabus rund um Testosteron, Libido und Energie abzubauen. Neben seiner ärztlichen Tätigkeit engagiert er sich in der öffentlichen Gesundheitsaufklärung – unter anderem in seinem eigenen Podcast „Männergesundheit“.

Mehr über Adon Health: https://adon-health.de/

 

150 Sex, Stress, Testosteron: der unterschätzte Jungbrunnen. Mit Dr. Jonathan Apasu

[Dr. Jonathan Apasu] (0:47 - 1:11)
Aber nur die freie Form des Testosterons, das freie Testosteron, kann seine Wirkung am Bestimmungsort erfüllen. Und so gibt es beispielsweise Männer, die haben sehr viel Gesamttestosteron, aber die haben auch sehr, sehr viel SHBG beispielsweise. Und deswegen wird bei denen viel von ihrem Gesamttestosteron aus dem Verkehr gezogen.

Und die haben nur wenig freies Testosteron und haben nur wenig Testosteronwirkung.

[Nils Behrens] (1:11 - 2:09)
Herzlich willkommen zu HEATHWISE, dem Gesundheitspodcast präsentiert von Sunday Natural. Ich bin Nils Behrens und in diesem Podcast erkunden wir gemeinsam, was es bedeutet, gesund zu sein. Wir tauchen ein in Themen wie Medizin, Bewegung, Ernährung und emotionale Gesundheit.

Immer mit einem weisen Blick auf das, was uns wirklich gut tut. Männergesundheit ist oft ein Thema, das unter der Oberfläche bleibt. Dabei sagt unsere sexuelle Vitalität mehr über unser Inneres aus, als viele denken.

Denn bevor das Herz Probleme macht, sendet auch die Libido erste Warnzeichen. Dr. Jonathan Apasu ist Arzt für Männergesundheit und Gründer von Adon Health. Er verbindet moderne Testosterontherapie mit einem ganzheitlichen Blick auf Körper, Psyche und Lebensstil.

Sein Ziel, Männer dabei zu unterstützen, ihre Energie, ihre Kraft und ihre Verbindung zu sich selbst zurückzugewinnen, ohne Scham, aber mit Wissen. Und deswegen sage ich herzlich willkommen, Dr. Jonathan Apasu. Jonathan, wie wichtig sind dir Sonntage, gerade wenn es um Regeneration und Hormone geht?

[Dr. Jonathan Apasu] (2:09 - 3:11)
Also in der Theorie ist mir der Sonntag sehr wichtig, um mich zu regenerieren, um meinen Sport zu machen, um vielleicht auch vorzukochen für die Woche, damit ich mich auch gut ernähren kann. In der Praxis sieht es dann manchmal doch ein bisschen anders aus, weil ich bin zwar Arzt und ich habe mir das auf die Fahne geschrieben, auch einen gewissen Lebensstil zu verkörpern, aber ich bin gleichzeitig auch Unternehmer. Ich habe ein Start-up gegründet und das bedeutet natürlich auch sehr, sehr viel Arbeit.

Und da sind Sonntage häufig auch ein Tag, an dem ich die Woche vorstrukturieren kann, wo ich Tasks abarbeiten kann, die in der Woche zu kurz gekommen sind. Und deswegen ist Sonntag manchmal auch so dieser Spagat zwischen ich möchte mich regenerieren und ich schaffe es, die freie Zeit zu nutzen, um auch die nächste Woche vorzuplanen und offene Tasks noch abzuarbeiten. Und was ich denke, ist, dass das auch so einen gewissen Approach-Ansatz für die Gesundheit verkörpert.

Man sollte dann nicht so ganz dogmatisch sein, also sagen, entweder ich kann mich komplett erholen an einem Sonntag oder wenn ich es nicht schaffe, stürze ich mich halt komplett in die Arbeit, sondern man muss eben immer das Maß finden, das für einen selber auch gut funktioniert.

[Nils Behrens] (3:11 - 3:23)
Ein gutes Maß finden ist auf jeden Fall immer der richtige Weg. Da würde ich dir hundertprozentig zustimmen. Lass uns mal über das Thema Männergesundheit jetzt sprechen.

Da denken ja sehr viele Menschen immer zuerst an Potenz oder Sixpack. Was gehört für dich wirklich dazu?

[Dr. Jonathan Apasu] (3:24 - 5:24)
Also ich würde sagen, Potenz und der Sixpack gehört auf jeden Fall auch mit zur Männergesundheit. Aber dass Männergesundheit nur auf diese zwei Elemente zu beschränken, wäre komplett falsch. Also das wäre viel zu engstirnig gedacht.

Auf der einen Seite natürlich stimmt es, dass ein Mann mit einem Sixpack wahrscheinlicher gesünder ist als ein Mann mit einem dicken Bierbauch, ein schwer übergewichtiger Mann. Oder auch jemand, der keine Potenzprobleme hat, ist weniger wahrscheinlich herzkrank als jemand, der Schwierigkeiten hat, eine Erektion zu bekommen, also eine Erektildysfunktion hat. Aber jetzt sprechen wir gerade nur über wirklich sichtbare Sachen.

Männergesundheit beinhaltet aber nicht nur was, was sofort sichtbar ist, sondern es beinhaltet auch sehr viele unsichtbare Dinge, die nicht auf den ersten Blick erkannt werden können. Da gehört zum einen natürlich alles aus der psychischen, mentalen Gesundheit mit dazu. Also da ist es extrem wichtig, Männern auch zuzuhören, zu verstehen, was sie innerlich bewegt.

Aber auch wenn es zur körperlichen Gesundheit kommt, gibt es auch viele Elemente, die unsichtbar sind. Also ein Mann mit einem Sixpack und der keine Probleme hat, eine Erektion zu bekommen, kann trotzdem Bluthochdruck haben. Der kann trotzdem eine hormonelle Konstellation haben oder gewisse Laborparameter in seinem Blut, die ein hohes Risiko für eine Herz-Kreislauf-Erkrankung beispielsweise bedingen können.

Oder ein Mann, der jeden Tag Sport macht, extrem aktiv ist, kann auch unsichtbar im Darm Vorgänge haben, die dazu führen, dass er irgendwann mal einen Darmkrebs entwickelt oder schon einen Darmkrebs hat, den man nicht sieht, wenn man nicht schaut. Also Männergesundheit bedeutet nicht nur, auf das Offensichtliche zu schauen, sondern zu versuchen, einen Mann wirklich holistisch anzuschauen und die Sachen, die nicht sichtbar sind, sichtbar zu machen mit einer guten Diagnostik, mit Gesprächen. Das können nicht nur Ärzte sein oder Therapeuten oder Coaches, sondern das sind auch Gespräche unter Freunden, wo man solche unsichtbaren Sachen sichtbar macht.

Und am Ende natürlich auch Lösungen anzubieten, die diese Männer dann auch ermöglichen, ihre Gesundheit dann auch zur Priorität zu machen.

[Nils Behrens] (5:25 - 5:32)
Das ist ja schon ein sehr ganzheitlicher Blick. Aber wenn man jetzt mal wirklich auf das Thema sexuelle Gesundheit kommt, ist das für dich ein reiner Vanity-Check oder ist das auch ein wirklich echter Vitalwert?

[Dr. Jonathan Apasu] (5:33 - 7:24)
Also mit Vanity-Check meinst du wahrscheinlich so dieser Eitelkeitsaspekt, den der Mann dann adressieren möchte, weil er sagt, ich möchte keine Probleme im Bett haben. Also auf der einen Seite ist dieser Vanity-Aspekt natürlich ein wichtiger und auch ein Thema, wo man Männer unterstützen sollte von ärztlicher Seite. Aber wenn wir uns das Thema sexuelle Gesundheit aus einer medizinischen Perspektive anschauen, stecken dahinter, also dann ist das Sexuelle häufig ein Symptom von einer Ursache, die auch ganz viele andere Symptome hat oder haben kann, die teilweise nicht sichtbar sind.

Was das jetzt bedeuten kann, ist beispielsweise, ein Thema der sexuellen Gesundheit ist die Libido, die sexuelle Lust. Da haben manche Männer, die ein Problem mit der Libido haben, haben eine zugrunde liegende Ursache, wie beispielsweise ein hormonelles Ungleichgewicht. In dem Fall ist das dann häufig ein Testosteronmangel, der eben bedingt, dass dieser Mann keine Libido, keine sexuelle Lust mehr hat.

Und das ist das, was zu sehen ist, was der Mann verspürt. Aber ein Testosteronmangel kann gleichzeitig auch ein erhöhtes Risiko für Osteoporose, Diabetes Typ 2, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und auch weitere Themen in der mentalen Gesundheit bedeuten. Oder auf der anderen Seite auch das Thema Erektiledysfunktion, was ja eben auch, also Erektionsfähigkeit, auch aus der sexuellen Gesundheit stammt.

Das ist häufig ein Symptom für zugrunde liegende vaskuläre Erkrankungen. Also viele der Männer, bis zu 70 Prozent, die eine Erektile Dysfunktion haben, haben eben auch Veränderungen an den Gefäßen am Herzen. Deswegen, die Männer kommen wegen einem Vanity, wegen einem Eitelkeitsbedingten Symptom zu einem Arzt.

Und da ist es eben wichtig zu sagen, okay, schön, dass Sie hier sind, aber schauen wir mal eine Ebene tiefer, was wirklich die Ursache für diese sexuellen Probleme sind.

[Nils Behrens] (7:24 - 8:11)
Ich finde es ganz schön, dass du es mal so aufteilst, weil das ist etwas, was man sehr häufig auch miteinander vermengt. Also Libido ist halt wirklich ja tatsächlich die Lust, sage ich mal so etwas, während eine reduzierte Libido nicht zwingend etwas mit einer Erektile Dysfunktion zu tun haben sollte, oder muss, weil ich weiß, dass viele Leute, die eben halt ein Medikament nehmen gegen Haarausfall, dann wird man immer gesagt, ja, aber dann läuft es nicht mehr so im Bett. Ja, jein, also die Libido geht nach unten, aber nicht die Erektile Dysfunktion sozusagen geht nach oben.

Also es entsteht keine Dysfunktion. Also deswegen ist es mal sauber zu unterscheiden. Aber wann würdest du denn sagen, lohnt sich denn mal ein Blick auf den eigenen Testosteronspiegel zu werfen?

[Dr. Jonathan Apasu] (8:11 - 9:11)
Also in jedem Fall, wenn solche sexuellen Symptome vorliegen, wie beispielsweise ein Libido, eine Libidoverminderung, Libidoverlust oder auch eine Erektile Dysfunktion, weil tatsächlich kann auch eine Erektile Dysfunktion durch den Testosteronmangel begünstigt werden. Also in dem Fall auf jeden Fall und auch bei anderen Symptomen, die auf einen Testosteronmangel hinweisen. Ein Testosteronmangel kann vielerlei Symptome mit sich bringen und bei der richtigen Symptomkonstellation kann es Sinn machen, den Testosteronwert sich anzuschauen.

Ich würde aber sogar noch weitergehen und würde sogar sagen, dass jeder Mann seinen Testosteronwert wissen sollte, weil Testosteron ist ein sehr wichtiger Gesundheitsmarker für den Mann und für die männliche Gesundheit. Die Herausforderung ist aber, dass, um zu wissen, ob der Wert, den man hat, ein guter oder ein schlechter ist, muss man sich meistens auf Referenzwerte zurückberufen. Und ich bin mir sicher, du weißt, wie Referenzwerte festgelegt werden.

 

[Nils Behrens] (9:12 - 9:13)
Erklärst du das trotzdem gerne mal?

[Dr. Jonathan Apasu] (9:13 - 10:05)
Für die Hörer erkläre ich das trotzdem. Also Referenzwerte sind keine Optimalwerte, sondern das sind statistisch ermittelte Werte.

Also für beispielsweise den Testosteronwert gilt ein Referenzwert nach der European Association of Urology von 12 bis 35 Nanomol pro Liter. Also das ist ein sehr breiter Referenzwert und der kommt dadurch zustande, dass man gesagt hat, okay, wir nehmen jetzt mal irgendwie 100 bis 200 Männer. Wir messen also gesunde Männer, die keine Medikamente nehmen und wir messen deren Testosteronwerte.

Und der Referenzwert ist jetzt dieser Bereich, in dem 95 Prozent dieser vermeintlich gesunden Männer aus der durchschnittlichen Bevölkerung liegen. Und die liegen eben zwischen 12 und 35. Das würde aber jetzt für dich Nils oder für mich Jonathan nicht genügend Informationen liefern, um zu sagen, wo muss ich denn liegen innerhalb von diesem sehr breiten Referenzbereich, um bei meinem persönlichen Optimum zu sein.

Und deswegen gerade ein junger Mann...

[Nils Behrens] (10:05 - 10:31)
Entschuldigung, wenn ich da nur auch ganz kurz einhake. Ich finde das ja auch insofern so interessant, weil wenn du dir einfach mal überlegst, wir wissen ja mittlerweile, dass zwei Drittel der Bevölkerung, der männlichen Bevölkerung übergewichtig ist. Das heißt also, wenn wir jetzt einfach mal diese Logik dann anwenden, dann muss man ja sagen, dass eigentlich zwei Drittel der Bevölkerung ja sowieso schon kein gesundes Lebensstil mehr haben.

Wenn wir jetzt einfach sagen, das ist die Grundgesamtheit sozusagen, und damit legen wir die Norm fest, legen wir ja die Norm an einer Stelle fest, wo wir eigentlich wissen, dass der Norm schon überschritten wurde.

[Dr. Jonathan Apasu] (10:32 - 11:01)
Richtig. Und interessanter wird es sogar noch, wenn man sich diese Werte im zeitlichen Verlauf anschaut. Beispielsweise bei dem freien Testosteronwert, da werden wir sicherlich nachher auch nochmal zusprechen, ist sogar eine Anpassung von dem freien Testosteronreferenzwert stattgefunden von ungefähr 10% zwischen der 2020-Leitlinie und der 2024-Leitlinie, wurde der Referenzwert einfach um ungefähr 10% nach unten verschoben.

Einfach weil, ja, die Bevölkerung immer ungesunder übergewichtig wird und deswegen auch diese Laborwerte im Durchschnitt sich verändern.

[Nils Behrens] (11:01 - 11:35)
Ja, ich finde es immer so, das gibt es ja in ganz vielen Fällen. Also jetzt mal ein ganz anderes Beispiel aus der Ernährung, dass die Schwermetallbelastung, die ein durchschnittlicher Thunfisch hat, dafür würde jeder andere Fisch nicht auf den Markt gebracht werden. Aber dadurch, dass man weiß, dass man den Thunfisch eben halt nicht unter dieser Schwermetallbelastung bekommt, wird der Referenzwert oder der erlaubte Wert einfach so viel höher gesetzt.

Das ist einfach schon total absurd irgendwie so, dass man im Grunde genommen anfängt, sozusagen die Werte anzupassen, damit das Problem kein Problem mehr ist.

[Dr. Jonathan Apasu] (11:36 - 11:42)
Ja, das ist auf jeden Fall nicht der richtige Weg, aber einer, der beschritten wird in vielen verschiedenen Bereichen.

[Nils Behrens] (11:42 - 11:48)
Ich hatte dich aber gerade untersprochen, als du noch bei den Referenzwerten am Erklären warst und wolltest gerade anfangen von einem jungen Mann.

[Dr. Jonathan Apasu] (11:49 - 13:19)
Richtig, die Herausforderung ist ja eben, weil diese Referenzbereiche so breit sind und entsprechend ein durchschnittlicher Mann mit einem Wert von 13, aber auch mit einem Wert von 34 Nanomol pro Liter im Referenzbereich ist und somit als normal gelten würde, ist es für dich als junger Mann interessant zu wissen, wo bin ich denn mit meinem Testosteronwert zu einem Zeitpunkt, wo es mir gut geht? Und ich mache das mal an einem ganz persönlichen Beispiel, an mir selber fest. Ich habe vor kurzem mal meine Testosteronwerte gemessen und ich hatte einen Gesamttestosteronwert von 37, also sogar oberhalb von dem Referenzbereich.

Das ist jetzt nicht, um zu prahlen, weil das erst mal jetzt keine Bedeutung hat, der Wert alleine, sondern das bedeutet für mich, ich weiß, dass ich, um mich gut zu fühlen, um Libido zu haben, Antrieb zu haben, Motivation zu haben, brauche ich einen Wert vom Gesamttestosteron von ungefähr 37 Nanomol pro Liter. Wenn ich jetzt aber in zehn Jahren müde, antriebslos und abgeschlagen bin und keine Libido mehr habe und einen Testosteronwert messe und einen Wert von 24 habe, könnte man sagen, guck mal, Jonathan, du bist doch mit 24 total im Referenzbereich zwischen 12 und 35, also deine Symptome müssen nicht auf einem Testosteronmangel beruhen, sondern das ist eher unwahrscheinlich. Dadurch, dass ich aber jetzt meine persönliche Grundlinie kenne, weiß ich, dass ich eigentlich einen Wert von 37 benötige, um mich eben fit und gesund zu fühlen und kann darauf basierend dann auch bessere Konsequenzen aus meiner Labortestung ziehen.

[Nils Behrens] (13:20 - 13:29)
Ich gucke gerade meine Werte, mein Referenzbereich ist zwischen 6,7 bis 25,68 angegeben. Liegt das an dem, unserem Altersunterschied, oder woran liegt das?

[Dr. Jonathan Apasu] (13:29 - 13:45)
Also einmal werden die Laborwerte, also die Referenzbereiche sind auch altersbedingt festgelegt und definiert, aber gleichzeitig sind Referenzbereiche, und das macht es auch immer noch komplexer, von Laboren selber ausgezeichnet. Also ein Labor, ein großes Labor...

[Nils Behrens] (13:45 - 13:46)
Aber das ist ja Adon Health.

 

[Dr. Jonathan Apasu] (13:46 - 14:46)
Richtig, ich habe dir aber vorhin die Referenzbereiche der European Association of Urology genannt, also der Fachgesellschaft für Urologie der Europäischen, die diese 12 bis 35 Nanoprodukte auszeichnen und jedes Labor selber, das deine Referenzwerte bestimmt, das gibt nochmal seine eigenen Referenzbereiche an, weil die eben jetzt andere Männer in ihrer Auswahlpopulation hatten. Sagen wir, die 150 bis 200 Männer, die die hatten, die hatten eben Testosteronwerte, die signifikant tiefer waren. Also nach diesem Labor hättest du jetzt mit einem Testosteronwert von 7 sogar noch einen normwertigen Testosteronwert.

Man würde sagen, Nils, kein Problem. Und ich glaube, das macht es auch ein bisschen komplexer, diese Werte gut zu bewerten. Und deswegen, und da appelliere ich auch immer an sowohl Patienten als auch an ärztliche Kollegen, man darf Laborwerte nicht isoliert betrachten, sondern muss sie immer im Kontext zu der Person, sei es jetzt Mann oder Frau, die vor einem sitzt.

Und dann versuchen diese Symptome einzuordnen im Kontext der Laborwerte, die man vor sich hat.

[Nils Behrens] (14:46 - 15:27)
Ja, aber ich finde schon, man muss sich ja immer fragen, was sind die Werte, von denen man gerne mehr haben möchte und was sind die Werte, von denen man eher weniger haben möchte. Nehmen wir jetzt mal einfach so normale Blutwerte wie Cholesterin, da wissen wir, dass ein LDL-Wert eher niedrig sein sollte und ein HDL-Wert eher hoch sein sollte. Genauso gibt es ja ganz viele, ich hatte mal die Geschichte hier schon mehrfach mal erzählt, da gab es dann eben eine Tochter von einem Freund von mir, die sagte, ihre Eisenwerte wären alle okay und der Referenzwert bei Eisen bei Frauen ist von 15 bis 150.

So, und in dem Augenblick, die hat einen Wert von 17. Das heißt, der Arzt sagt, ist alles im Referenzwert. In dem Augenblick, wenn die einmal in ihre Tage kommt, wenn die im Zyklus ist sozusagen, dann wird die absinken und auf jeden Fall zu niedrig sein und die braucht eher einen von 70, sage ich mal so.

[Dr. Jonathan Apasu] (15:28 - 16:13)
Ja, und die Herausforderung ist, ich nehme manchmal auch gerne die ärztlichen Kollegen in Schutz, die haben ja häufig auch in dieser Interaktion, die sie mit ihren Patienten haben, nur fünf Minuten Zeit und gucken dann über die Liste, gucken, wo ein Plus oder ein Minus daneben steht und dann werden diese Werte eventuell diskutiert, wenn man Glück hat. Ansonsten schauen die auch häufig, dass die halt eben die Patienten auch dann schnell aus dem Zimmer bekommen, um eben den Weißwartezimmer zu vollen. Die müssen ja irgendwie auch da jeder Person irgendwo gerecht werden.

Aber deswegen ist es so wichtig, dass jeder Einzelne auch so eine gewisse Gesundheitskompetenz besitzt und seine eigenen Laborwerte mit begutachten kann, um zu verstehen, wo müsste ich vielleicht nochmal tiefer gehen und wo reicht es mir nicht aus, am unteren Ende des Referenzbereichs zu sein, sondern wo weiß ich für mich selber, ich will eher am oberen Ende des Referenzbereichs sein.

[Nils Behrens] (16:13 - 16:26)
Also euer Referenzbereich geht hier bis 25,68 und ich habe einen Wert von 20,96. Das heißt also, ich sehe mich dann eben halt im oberen Drittel. Das heißt also, dann sind das Werte, wo ich dann erstmal grundsätzlich sagen würde, mache ich mir noch keine Gedanken, oder?

[Dr. Jonathan Apasu] (16:26 - 16:33)
Das ist jetzt dein Gesamttestosteronwert und der sagt schon mal etwas aus, aber er sagt nicht alles aus.

[Nils Behrens] (16:33 - 16:46)
Okay, dann lass uns doch mal wirklich reingehen. Ihr unterscheidet ja, hier hat man den Gesamttestosteronwert, das freie Testosteron und den SHBG. So, das sind, glaube ich, die drei wichtigsten Werte, die idealerweise jedermann kennen sollte.

Oder würdest du noch weitergehen?

[Dr. Jonathan Apasu] (16:46 - 18:35)
Genau, also von diesen drei Werten sind, also sie sind auf jeden Fall sehr wichtig. Einmal diese Werte erklärt. Also Gesamttestosteron ist das in deinem Blut befindliche Testosteron, das sich da im Umlauf befindet.

Bei dir als Mann wird Testosteron zu 95, 98% in Hoden gebildet, bisschen in der Nebennierenrinde. Und das gelangt dann durch das Blut an alle Bestimmungsorte, wo Testosteron seine Wirkung entfalten soll. So, Testosteron ist ein Steroidhormon.

Das heißt, es ist ein fettlösliches Hormon aufgrund von der Molekülstruktur. Und das kann im Blut, was eine wässrige Lösung ist, nicht einfach so transportiert werden. Das kennt jeder, der jetzt ein Glas Wasser hat, ein bisschen Olivenöl reinschüttet.

Das vermischt sich nicht gut. Deswegen müssen fettlösliche Substanzen im Blut an Transporter gekoppelt werden. Und für Steroidhormone, Sexualhormone ist das das SHBG, das sexualhormonbindende Globulin und das Albumin.

Das sind auch Proteine im Blut, das eben beim Testosterontransport hilft. Ungefähr 98% des Testosterons sind gebunden und unterstützen dabei, dass es besser transportiert werden kann. Aber nur die freie Form des Testosterons, das freie Testosteron, kann seine Wirkung am Bestimmungsort erfüllen.

So gibt es beispielsweise Männer, die haben sehr viel Gesamttestosteron, aber die haben auch sehr viel SHBG beispielsweise. Deswegen wird bei denen viel von ihrem Gesamttestosteron aus dem Verkehr gezogen. Die haben nur wenig freies Testosteron und haben nur wenig Testosteronwirkung.

Deswegen muss man, um zu verstehen, wie viel freies Testosteron man hat, das Gesamttestosteron messen, das SHBG messen und das Albumin messen. Und kann dann durch eine komplizierte Formel, die Vermeulenformel nennt sich das, das macht aber das Labor in der Regel, kann man berechnen, wie viel freies Testosteron vorhanden ist.

[Nils Behrens] (18:35 - 18:45)
Ich verstehe. Also ich habe ja hier alle Werte da. Und das heißt also, mein freier Testosteronwert, der auch im deutlich oberen Drittel liegt, der ist ein berechneter Wert?

[Dr. Jonathan Apasu] (18:45 - 19:04)
Der ist berechnet. Den könnte man theoretisch auch bestimmen, direkt. Ist aber dadurch, dass diese Stoffmenge sehr gering ist, das freie Testosteron, also eine sehr geringe Konzentration, ist das jetzt durch neuere laborchemische Verfahren, ist das gut möglich.

Aber es ist teurer, den direkt zu messen, als den rechnerisch zu bestimmen.

[Nils Behrens] (19:04 - 19:13)
Ich verstehe. Ich verstehe. Aber sehr gut.

Sehr gut. Das heißt, dann ist aber das SHBG, einen sehr hohen Wert zu haben, gar nicht so gut in der Theorie.

[Dr. Jonathan Apasu] (19:14 - 19:19)
Das ist nicht sehr gut, wenn der übermäßig hoch ist, weil eben viel von deinem Testosteron aus dem Verkehr gezogen wird.

[Nils Behrens] (19:20 - 19:31)
Verstehe. Sehr gut. Gut, das habe ich verstanden.

Das heißt also, welche Symptome würdest du denn sagen, sprechen denn dafür, dass man grundsätzlich einen Testosteronmangel hat, körperlich, aber vielleicht auch emotional?

[Dr. Jonathan Apasu] (19:33 - 21:23)
Also beim Testosteronmangel ist es so, dass es gibt so ein paar spezifische Symptome, gerade so ein Libidoverlust, also eine Antriebslosigkeit, Motivationslosigkeit. Das sind so relativ spezifische Symptome, wo man sagen kann, okay, da sollte man auf jeden Fall mal schauen, ob dieser Mann Testosteronmangel hat. Aber die Symptome sind extrem vielfältig.

Und das lässt sich dadurch erklären, dass eigentlich jedes Gewebe im menschlichen Körper hat Rezeptoren für Testosteron, Androgenrezeptoren, über die Testosteron seine Wirkung entfaltet. Also vom blutbildenden System, über die Haut, über Blutgefäße, also im Gehirn, wo kognitive Sachen gestört werden, gibt es Androgenrezeptoren und somit eine Wirkung von Testosteron. Und dadurch erklären sich auch die Symptome eines Testosteronmangels.

Und die kann man dann aufteilen in psychische, körperliche und sexuelle. Sexuelle hatten wir eben besprochen, Libidoverlust, Probleme mit der Erektionsfähigkeit. Körperliche ist eine sehr breite Palette von Stoffwechselstörungen, also Begünstigung von Auftritten von Diabetes, Hang zu Übergewicht, also mangelnde Möglichkeit Muskulatur aufzubauen, Muskelabbau, erhöhtes Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen.

Oder auch die Neigung zur Osteoporose. Testosteronmangel ist tatsächlich auch ein Risikofaktor für eine Osteoporose. Oder auch natürlich im dritten Kasten diese mentalen Sachen.

Libidoverlust kann man auch eher zum mentalen zählen. Antriebslosigkeit, Motivationsschwierigkeiten, aber auch so Brain Fog, Konzentrationsschwierigkeiten, ist auch was, wovon viele Patienten berichten.

[Nils Behrens] (21:24 - 21:50)
Ich hatte mal, in meinem letzten Podcast erleben, hatte ich auch mal ein Gespräch mit einer, ich glaube es war eine Urologin auf jeden Fall, haben wir da auch darüber gesprochen, dass es bei dem Thema Erektile Dysfunktion tatsächlich auch nochmal eine Unterscheidung gibt, zwischen der Tatsache, dass es erst gar keine Erektion gibt, oder aber, dass die Erektion im Laufe sozusagen der, wie soll ich sagen, des Bedarfs verloren geht.

[Dr. Jonathan Apasu] (21:51 - 22:06)
Richtig, das sind dann so diese, wie definiert man eine Erektile Dysfunktion? Und das ist nicht nur die mangelnde Fähigkeit, eine Erektion aufzubauen, sondern es ist eben auch, die Erektion lange genug aufrecht zu erhalten, um eben den Akt sozusagen zu vollbringen.

[Nils Behrens] (22:06 - 22:10)
Okay, und ist da, würdest du sagen, sind das unterschiedliche Ursachen?

[Dr. Jonathan Apasu] (22:12 - 23:26)
Da bin ich fast überfragt. In der Situation, ich würde sagen, die Ursache, die in den allermeisten Fällen ist so eine Erektile Dysfunktion, also kann verschiedene Ursachen haben, es kann auch natürlich Psychogen sein, also Stress, Druck, kann auch dazu führen, dass man Schwierigkeiten hat, eine Erektion aufzubauen oder aufrecht zu erhalten. Aber in sehr vielen Fällen ist es eben eine vaskuläre Ursache.

Also die Blutgefäße haben eine Art Schädigung, eine Arteriosklerose-Veränderung, dass eben diese Vasodilatation, also die Gefäßerweiterung, die den zusätzlichen Blutstrom im Penis ermöglicht, damit dieser eben auch sich erweitert, dass das eben eingeschränkt ist dadurch. Aber man kann auch sagen, dass durch Testosteron ist einmal natürlich die Libido bedingt, die dann sozusagen den Anreiz setzt, die Erregung setzt, dass diese Blutgefäße überhaupt stimuliert werden, sich zu weiten. Aber es gibt auch interessante Studien, die sagen, dass Testosteron direkt auf die Blutgefäße wirkt, indem es gewisse Kanäle, Calciumkanäle blockiert und andere Kanäle, Kaliumkanäle aktiviert, sodass eine Gefäßerweiterung erleichtert wird, wenn Testosteron vorhanden ist beziehungsweise erschwert wird, wenn man Testosteronmangel hat.

[Nils Behrens] (23:27 - 23:31)
Okay, dann lass uns doch mal darüber reden, wann ist denn eine Hormontherapie sinnvoll?

[Dr. Jonathan Apasu] (23:32 - 23:49)
Es ist eine sehr gute Frage und eine, wo man natürlich auch differenziert betrachten muss. Ich würde sagen, eine Hormontherapie ist immer indiziert, wenn der Betroffene einen Leidensdruck hat und wenn keine Kontraindikationen vorliegen, also wenn es keinen Grund gibt, weswegen man das nicht tun sollte.

[Nils Behrens] (23:50 - 23:51)
Kontraindikationen, fangen wir doch damit mal an.

[Dr. Jonathan Apasu] (23:51 - 27:19)
Eine Kontraindikation, eine Testosteronersatztherapie zu machen, da sehe ich, also da sehen auch die Leitlinien vor allem zwei absolute Kontraindikationen. Das eine ist ein aktueller Kinderwunsch und das andere ist ein bestehender Prostatakrebs. Ich würde die beiden gerne einmal noch mal erläutern.

Der bestehende Kinderwunsch, da müssen wir einmal noch mal ein bisschen in die Physiologie einsteigen, nämlich wie wird die Testosteronproduktion bei Mann gesteuert? Die Testosteronproduktion bei Mann erfolgt in den Hoden, aber die Steuerung kommt aus dem Gehirn. Die beginnt im Hypothalamus, das ist eine Gehirnregion, der die Hypophyse, die Hirnanhangsdrüse, stimuliert, Hormone zu produzieren, die dem Hoden sagen, produzier Testosteron.

Und das Hormon, das das vorwiegend macht, wird LH genannt, das lutenisierende Hormon. Das lutenisierende Hormon aus der Hypophyse sagt dem Hoden, produzier Testosteron. Und das Testosteron wiederum, das ist ein sehr schlauer Mechanismus, der nennt sich negative Rückkopplung, sagt der Hypophyse, hier ist genug Testosteron, mach langsam, wir brauchen nicht mehr Stimulation.

Wenn du jetzt von außen Testosteron dem Körper zuführst, im Rahmen der Hormonersatztherapie, sagt dieses Testosteron auch der Hypophyse, stimulier mich nicht mehr so viel, stimulier den Hoden nicht mehr so viel, wir brauchen nicht mehr Testosteron. Die Krux dabei ist, dass in der Hypophyse nicht nur LH produziert wird, sondern auch FSH. Andere Hormone auch, für die Experten, aber FSH wird auch in der Hypophyse produziert, das folikel stimulierende Hormon.

Und das hat normalerweise die Rolle, dass es beim Mann in den Hoden die Spermatogenese, also die Spermienproduktion, stimuliert. Wenn wir jetzt aber von außen Testosteron geben und die Hypophyse negativ gerückkoppelt wird, haben wir auch nicht mehr viel FSH, sodass die Hoden keine Reize mehr bekommen, Spermien zu produzieren. Sodass man eben in der Zeit einer Testosteron-Substitution weniger viele Spermien oder weniger Spermien produziert und entsprechend nicht so fruchtbar ist.

Es ist kein hundertprozentig sicheres Verhütungsmittel, also niemand sollte nur Testosteron nehmen und sagen, ich kann jetzt kein Kind zeugen, aber das reduziert die Wahrscheinlichkeit, signifikant Vater zu werden in der Zeit, wo man eben exogenen Testosteron zuführt. Das ist der Grund, weswegen bei einem aktuellen Kinderwunsch keine Testosteron-Therapie gemacht werden sollte, wenn man in den nächsten 6-12 Monaten ein Kind zeugen möchte. Das andere ist ein bestehender Prostatakrebs.

Da ist die Herausforderung die, dass insbesondere ältere Männer auch eine hohe Wahrscheinlichkeit haben, Testosteronmangel zu haben und gleichzeitig ältere Männer auch häufiger Prostatakrebs haben. Deswegen müssen wir bei vor allem alten Männern schauen, hat er bereits einen Prostatakrebs oder nicht. Weil Testosteron ist ein Anabolishormon und auch Prostatakrebs ist häufig besonders sensitiv gegenüber Testosteroneinfluss und kann dann eben schneller wachsen, wenn man von außen Testosteron gibt.

Deswegen muss man immer einen bestehenden Prostatakrebs davor ausschließen. Wenn man noch keinen Prostatakrebs hat und eine Testosteron-Ersatztherapie macht, steigt die Wahrscheinlichkeit nicht, einen Prostatakrebs zu entwickeln. Das wurde auch in der Vergangenheit kontrovers diskutiert, aber mittlerweile ist die Studienlage da sehr eindeutig, dass eine Ersatztherapie kein Prostatakrebs macht.

Man muss aber einen Krebs davor ausschließen. Das sind die zwei absoluten Kontraindikationen, wo man keine Ersatztherapie geben sollte.

[Nils Behrens] (27:19 - 27:20)
Bluthochdruck?

[Dr. Jonathan Apasu] (27:21 - 28:33)
Bluthochdruck selber ist keine Kontraindikation, eine Testosteron-Ersatztherapie zu machen. Es kann sich sogar positiv auf den Blutdruck oder sogar auf das Lipidprofil auswirken, wenn man einen Testosteronmangel ausgleicht. Aber es gibt gewisse andere Blutwerte, überwacht werden sollten unter einer Ersatztherapie.

Beispielsweise, ich weiß nicht, ob du Bluthochdruck jetzt genannt hast, wegen dieser Herz-Kreislauf- Thematik, die auch lange Zeit kontrovers diskutiert wurde. Mittlerweile ist die Studienlage da sehr eindeutig, dass eine Ersatztherapie keine Risikoerhöhung für Herz-Kreislauf- Erkrankungen macht. Aber in der Vergangenheit wurde das kontrovers diskutiert.

Liegt unter anderem auch an ein paar fehlerhaften Studien, die da veröffentlicht wurden. Aber ein Wert, den man auf jeden Fall anschauen sollte, ist der Hämatokritwert. Das ist ein Marker, der die Menge oder das Volumen der roten Blutkörperchen im Blut angibt.

Durch eine Ersatztherapie kann die Anzahl der roten Blutkörperchen pro Blutvolumen ansteigen. In der Regel ist das aber moderat und bedingt keine Risikoerhöhung für thromboembolische Events beispielsweise.

[Nils Behrens] (28:33 - 28:39)
Jetzt haben wir sehr lange darüber gesprochen, warum man es nicht machen sollte. Dann lass doch jetzt mal darüber reden, warum sollte man es denn machen?

[Dr. Jonathan Apasu] (28:39 - 28:51)
Wenn man Symptome hat, die die Lebensqualität beeinträchtigen und man wieder seine Lebensqualität optimieren möchte, kann eine Ersatztherapie eine sehr gute Chance sein, die Lebensqualität zu stärken.

[Nils Behrens] (28:51 - 29:21)
Also wir hatten ja gerade gesagt, ein Leidungsdruck sozusagen da. Das heißt also Antriebslosigkeit, das heißt, man hat wieder mehr Energie. Wir hatten darüber das Thema Libido gesprochen, das heißt also man hat dann auch wieder mehr Lust.

Wir hatten über das Thema Muskelaufbau gesprochen, das ist ja sozusagen etwas, was eben hat ja auch gerade in dieser Fitness-Bodybuilder-Szene immer sehr häufig auch gesehen wird, gerade bei jüngeren Männern auch, sodass die auch gerne immer schon mal zu einer Testosteron-Therapie tendieren, weil sie scheinbar dadurch besser, schneller Muskulatur aufbauen können.

[Dr. Jonathan Apasu] (29:21 - 30:53)
Ja, da würde ich einmal das nochmal relativieren. Also das, was man im Bodybuilding sieht, würde ich jetzt nicht als Testosteron-Ersatz-Therapie oder Testosteron-Therapie bezeichnen, sondern das ist eine missbräuchliche Anwendung von Testosteron, weil da geht es nicht darum, die Testosteron-Werte in das physiologische, also ins normale Maß zu bringen, sondern da ist eine Steigerung aufs 10-fache oder aufs 20-fache vom normalen Testosteron-Wert gewünscht. Und da sprechen wir auch wieder über Dosierungen, die dann auch ein höheres Risikoprofil, da sind wir wieder beim Blutdruck, da sind wir bei Erhöhung von Herz-Kreislauf-Risiken, wenn man diesen Wert eben in so eine ungeheure Höhe treibt. Also das ist keine Ersatz-Therapie in diesem Sinne.

Aber für jetzt beispielsweise einen Mann in seinen 40ern, in seinen 50ern, der über den Lebensstil der letzten Jahre seinen Testosteron-Haushalt herunter gewirtschaftet hat oder der aufgrund von angeborenen genetischen Veranlagungen niedrigen Testosteron-Wert hat und deswegen müde und antriebslos ist, abends keine Lust mehr hat, was zu unternehmen, mittags auf der Couch einschläft, Probleme in der Partnerschaft hat, weil er eben überhaupt keine Libido mehr hat, sich dreimal die Woche ins Gym schleppt, aber eher einen dicken Bauch als Muskulatur entwickelt, für so jemanden kann eine Ersatz-Therapie wirklich eine große Hilfe sein, seine Werte wieder zu optimieren und dann auch wieder alle positiven Wirkungen, die Testosteron für einen Mann hat, also Motivation, Antrieb, Muskelaufbau, Libido, davon auch wieder zu profitieren.

[Nils Behrens] (30:54 - 31:27)
Ja, sehr spannend. Ich fand das mal ganz interessant, der Atze Schröder, der hat das in seinem Podcast "Betreutes Fühlen" mit Leon Winscheid hat das mal wirklich erzählt, das ist jetzt schon ein paar Jahre her, drei, vier Jahre her, da muss ja so Mitte 50 gewesen sein, dass das wirklich bei denen ein Partygespräch ist, so in seiner Altersstufe so, also dass die da wirklich sich sehr viel drüber unterhalten, über genau dieses Thema, über Testosteronwerte, über solche Therapien immer zu machen, wie es einem besser geht und so, also man kann schon davon reden, dass viele Männer dadurch auch wieder extrem aufblühen.

[Dr. Jonathan Apasu] (31:28 - 32:43)
Absolut, also es ist nicht für jeden Mann ist die Ursache für die Probleme, die er vielleicht hat in seinem Leben, Testosteronmangel, aber für die, wo es der Fall ist, ist es wirklich nochmal so ein neues Aufblühen und das ist wirklich sehr schön, ich meine, wir haben jetzt auch mit vielen Patienten auch im Austausch bereits gestanden und auch natürlich diese unterstützt über unser Kooperationsärztinnen-Netzwerk und da zu sehen, was das tatsächlich für jeden Einzelnen bedeutet, ihr Leben wieder zurückzubekommen, sich wieder zu fühlen, dass sie aktiv sind, dass sie wieder Lebensfreude haben, das ist schon sehr schön zu sehen und was du jetzt über Arzt der Schröder berichtest, das ist natürlich sehr schön, in unserer Erfahrung ist aber das Thema Testosteronmangel und auch eine Ersatztherapie häufig noch stark stigmatisiert und viele Männer sprechen nicht gerne über Testosteron, die denken halt, Testosteron, das ist nur für die sexuellen Themen, da spreche ich nicht gerne drüber, das ist doch das, was die Bodybuilder nehmen, damit habe ich nichts zu tun, da muss irgendwo auch noch so ein gewisses Umdenken stattfinden, dass eben Männer auch sagen, nee, Testosteron ist ein wichtiges Hormon, das ich brauche, um eben leistungsfähig zu sein, um ich selber zu sein und ich spreche da auch drüber und es ist schön, dass sich das ein bisschen entwickelt, aber ich glaube, da gibt es auch noch einiges zu tun, bis das wirklich auch in der breiten Bevölkerung auch angekommen ist.

[Nils Behrens] (32:43 - 33:14)
Ja, ich finde es insofern interessant, ich habe einen guten Freund, der ist roundabout zehn Jahre jünger, acht, neun Jahre jünger als ich und der hat vergleichbare Werte wie ich, also die ganzen erwähnten Hormon-Testosteron- Werte, aber der hat's wirklich unter anderem gemacht wegen des Thema Muskelaufbaus und der hat wirklich einfach für, das war für ihn der größte Gamechanger, also wirklich so, der war auch immer schon am trainieren und da hat es aber nicht so viel gebracht sozusagen so und seitdem schlägt das Training richtig an bei ihm.

[Dr. Jonathan Apasu] (33:15 - 33:42)
Und das natürlich auch am Ende ein schmaler Grad zu sagen, wann ist die mangelnde Fähigkeit Muskulatur aufzubauen ein Lifestyle-Thema und wann ist es ein medizinisches Thema, das behandelt werden sollte und deswegen gehört auch so ein Ersatz, ich habe ja immer eine ärztliche Hand und sehr individuell abgestimmt auf den Patienten, ist das jetzt was, wo ich sage als Arzt, ich sollte diesen Patienten unterstützen, um ihn da weiterzubringen oder ist das was, wo man jemandem vielleicht auch abraten sollte, weil es eher in den Missbrauch geht.

[Nils Behrens] (33:42 - 34:10)
Verstehe ich voll und ganz, wobei ich finde es ganz interessant, ich habe es nur so mit einem halben Ohr/Auge wie auch immer mitbekommen, Christian Wolf, der von More Nutrition hat ja auch mal darüber gesprochen, dass er das gemacht hat, schon in sehr jungen Jahren so und glaube auch tatsächlich, dass er ist jetzt ja schon zweifacher Vater, dass er sagt, er wäre gar nicht mehr zeugungsfähig gewesen ohne diese Therapie, also der ist ja glaube ich erst 31, 32, also ist ja noch relativ jung, aber er hat das auch in relativ jungen Jahren schon gemacht.

[Dr. Jonathan Apasu] (34:11 - 35:16)
Also tatsächlich, ich kenne den Fall, ich habe das auch natürlich beobachtet und sehr interessant gefunden, toll gefunden, dass er so offen mit dem Thema umgegangen ist, weil er natürlich auch eine große Audience hat und da das Thema auch dann ein bisschen aus dem Stigma rausholt. Es ist tatsächlich der Fall, dass auch in jungen Jahren ein Testosteronmangel auftreten kann. Es gibt angeborene Fälle, weswegen man nicht genug Testosteron produziert, das kann genetische Gründe haben, das kann anlagebedingt sein, also wenn der Hoden nicht richtig sich entwickelt.

Aber es gibt auch Themen, wie gesagt in der Hypophyse, das wäre dann sekundärer Testosteronmangel, dass in der Hypophyse, also in der Hirnregion oder Hirnanhangsdrüse gewisse Fehler auftreten, dass die Hoden nicht genug stimuliert werden. Und in den Fällen kann teilweise auch ein Mann, der da Probleme hat, hormonell geholfen werden, die Wahrscheinlichkeit zu erhöhen, Kinder zu zeugen. Aber da würde man dann nicht nur mit Testosteron behandeln, sondern da müsste man dann auch auf andere Hormone zurückgreifen, um so einen Mann dann dabei zu unterstützen.

Aber da ist die Medizin zum Glück auch schon sehr weit fortgeschritten, um eben diesen Männern zu helfen.

[Nils Behrens] (35:17 - 35:27)
Medizin gibt es immer ein gutes Stichwort. Viele Männer, die eben halt tatsächlich dieses Thema Erektile Dysfunktion haben, greifen ja zu so einer blauen Pille. Was ist denn dein Blick darauf?

[Dr. Jonathan Apasu] (35:28 - 36:40)
Auf der einen Seite ist es gut, dass es diese kleine blaue Pille gibt, weil eine Erektile Dysfunktion kann die Lebensqualität eines Mannes schon sehr einschränken. Und mit der kleinen blauen Pille gibt es eine Lösung für dieses Problem. Sollte natürlich auch nicht ohne ärztlichen Rat genommen werden, weil es auch gewisse Interaktionen haben kann mit anderen Medikamenten.

Aber ich würde aus medizinischer ärztlicher Sicht sagen, es ist schon mal gut, dass es eine Lösung gibt, um diesen Männern zu helfen. Gleichzeitig sollte die aber nicht genommen werden, um dieses Symptom zu beseitigen und die Ursache zu ignorieren. Weil, wie ich ja eingangs schon mal beschrieben habe, ist ja eine Erektile Dysfunktion in allermeisten Fällen ein Symptom für eine zugrunde liegende andere Erkrankung.

Also beispielsweise zugrunde liegende Gefäßerkrankung, zugrunde liegende psychische Erkrankung, zugrunde liegende oder zumindest Belastung oder zugrunde liegende hormonelle Imbalance. Das heißt, wenn ein Mann sich mit einer Erektile Dysfunktion zum Arzt kommt, denke ich, ist es wichtig zu sagen, okay, schön, dass Sie hier sind. Ich unterstütze Sie dabei, aber lassen Sie uns noch mal eine Ebene tiefer schauen, um zu gucken, weswegen dieses Problem überhaupt aufgetreten ist und ob es auch andere Themen gibt, die wir adressieren müssen.

[Nils Behrens] (36:40 - 36:53)
Ja, finde ich sehr gut. Was würdest du denn sagen, wie stark kann man denn grundsätzlich sein Testosteron und auch die Libido durch Ernährung, Bewegung, Schlaf, Mindset beeinflussen?

[Dr. Jonathan Apasu] (36:54 - 38:06)
Sehr stark. Also sehr, sehr stark. Lebensstil ist wie für eigentlich die allermeisten Sachen in der Gesundheit die absolute Grundlage, die man richtig machen sollte, um da die bestmöglichen Bedingungen zu schaffen. Wenn wir jetzt über das Thema Testosteron und auch den Testosteronmangel nachdenken, ich versuche mich kurz zu fassen, ist es so, dass in 5% der Fälle, in der ein Mann Testosteronmangel hat, beruht das auf einer körperlichen Ursache.

Also irgendein Problem im Hoden, dann wäre das ein primärer Testosteronmangel, irgendein Problem in der Hypophyse oder im Hypothalamus, dann ist das ein sekundärer Testosteronmangel, aber die anderen 95% der Fälle, da sind Hoden und Hypophyse intakt und es liegt ein funktioneller Testosteronmangel, ein funktioneller Hypogonadismus vor, der beruht auf Komorbiditäten, also Begleiterkrankungen, auf Stress, Schlafmangel, Übergewicht, der falschen Ernährung und würde theoretisch behoben werden können oder würde erst gar nicht auftreten, wenn man alle Sachen im Bereich des Lebensstils richtig macht.

[Nils Behrens] (38:07 - 38:19)
Also andersrum gesagt, ihr macht ja mit Adon Health, macht ihr ja sehr viel, eben halt diese Testosteron-Ersatz-Therapie, ihr hättet keine Patienten, wenn alle einen super healthy Lifestyle hätten.

[Dr. Jonathan Apasu] (38:19 - 40:08)
Ja, da wären, würde ich sagen, die allermeisten Ärzte arbeitslos, wenn die meisten Menschen einen guten Lebensstil führen würden. Deswegen ist es uns eben auch so wichtig, dass wir natürlich auf der einen Seite sagen, hey, ihr habt ein Problem, hier gibt es eine medizinische Lösung, wir unterstützen das auch, wenn es eine Indikation gibt durch unser Kooperationsärzte-Netzwerk, aber das Thema Lebensstil ist die absolute Grundlage und da muss alles auch richtig gemacht werden oder da sollten wir die bestmöglichen Voraussetzungen bieten, dass das auch richtig gemacht werden kann. Und wenn man dieses Thema Lebensstil, das ist ja sehr, sehr breit, so ein bisschen runterbrechen möchte und was davon besonders relevant ist für den Hormonhaushalt, da würde ich da vor allem zwei Sachen hervorheben.

Einmal das Thema Körperkomposition, das natürlich auch massiv durch den Lebensstil bedingt ist, also einmal, also Körperkomposition in dem Sinne, mehr Muskelmasse ist gut und weniger Fett ist auch gut. Und das erreicht man vor allem, indem man sich eben gesund ernährt und indem man sich bewegt, Sport macht. Deswegen sind diese zwei Säulen, Bewegung und Ernährung, super relevant für den Hormonhaushalt.

Auf der anderen Seite ist auch das ganze Thema Stressreduktion, Schlaf, so dieser regenerative Aspekt vom Lebensstil auch super entscheidend, weil Stress ist ein Killer für Testosteron, Stresshormon Cortisol kann fast sogar als direkter Gegenspieler irgendwie betrachtet werden und auch das Thema Schlaf ist extrem wichtig, weil Testosteron wird vor allem im Schlaf produziert und zwar in der zweiten Nachthälfte, in den sogenannten REM-Schlafphasen und wer besonders schlecht schläft, wer seinen Schlaf nicht zur Priorität macht, der verhindert auch, dass genug Testosteron produziert werden kann. Deswegen ist da auch dieser Lebensstilelement Schlaf zu optimieren auch extrem wichtig.

[Nils Behrens] (40:09 - 40:44)
Gut, gut, dann haben wir doch den Teil Lebensstil schon mal. Und wir haben bei Sunday Natural auch verschiedene Supplements jetzt, die sowohl auf die Libido eine positive Wirkung haben, als auch tatsächlich gibt es auch einige Produkte, die das Wort ERECT mit drin haben. Das heißt also, wie ist denn dein Blick darauf, wie können bestimmte Nährstoffe und Supplements eben halt das verändern?

Ich hatte auch neulich war ich mal auf einem Festival, da hatte ich Ashwagandagummis mit, da meinte auch einer, seitdem hätte er morgens wieder eine Erektion beim Aufwachen. Irgendwie sowas. Also Ashwagandagummi?

[Dr. Jonathan Apasu] (40:45 - 40:49)
Nachher probiere ich das mal jetzt, wenn ich kau, wahrscheinlich nicht ideal. Ich rede ja immer so viel.

[Nils Behrens] (40:50 - 40:54)
Ich nehme jetzt einfach mal ein. Aber trotzdem, wie ist dein Blick auf Supplements?

[Dr. Jonathan Apasu] (40:56 - 41:42)
Also grundsätzlich bin ich großer Fan von Supplementierung, sowohl von so Themen wie Ashwagandha, Bockshornklee, aber auch jetzt Mikronährstoffen, Zink oder Vitaminen, Vitamin D, Magnesium und so weiter. Das mag ich und mache ich auch gerne selber. Ich glaube, es ist immer wichtig, das auch irgendwo differenziert zu betrachten.

Wenn wir jetzt gerade bei Ashwagandha, Bockshornklee sind, da gibt es sehr sehr spannende Studien, die darauf hinweisen, dass beispielsweise der freie Testosteronwert sich verbessern kann, wenn man Bockshornklee über eine gewisse Zeit nimmt. Es gibt auch spannende Studien, die darauf hinweisen, dass Symptome eines Testosteronmangels sich verbessern können durch Einnahme von Bockshornklee oder auch Ashwagandha. Also das ist spannend.

Ich würde sagen, das ist aber häufig...

[Dr. Jonathan Apasu] (41:46 - 42:02)
Genau, und da gibt es sehr spannende Studien, die haben häufig nicht die gleiche Tragkraft wie so eine placebo-kontrollierte randomisierte Studie.

[Nils Behrens] (42:02 - 42:04)
Ist ja grundsätzlich bei Ernährung immer ein bisschen ein Problem, ja.

[Dr. Jonathan Apasu] (42:04 - 43:37)
Genau, aber die sind zumindest sehr interessant von ihren Ergebnissen, weswegen ich sage, Aschwagandha und Bockshornklee finde ich interessant und nehme mich auch selber ab und zu mal ein.

Gleichzeitig muss man auch auf dem Schirm haben, dass Ashwagandha und Bockshornklee, das sind ja so sehr potente Pflanzenstoffe, dass sie teilweise auch bei langer und hochvoluminöser, hochkonzentrierter Einnahme auch gewisse Auswirkungen auf die Leber beispielsweise haben können, sodass man da auch gewisse Pausen einlegen sollte oder auch mal mit einem Arzt sprechen sollte, dass man sich vielleicht mal die Werte gemeinsam anschaut, um zu gucken, ob man da auf einem guten Weg ist. Aber ich finde das auf jeden Fall sehr interessant. Was die anderen Supplements angeht, also viele nehmen ja auch Zink oder supplementieren Vitamin D oder Magnesium und ich selber finde das auch wichtig.

Ich würde aber da häufig empfehlen, das nicht im Blindflug zu machen, sondern ein gewisses Baseline Assessment zu machen, also eine Grundlinie für sich selber zu bestimmen, wo bin ich denn mit diesen verschiedenen Werten und wo will ich denn eigentlich sein. Und auch gerade so ein Wert wie Vitamin D, der hat ja auch einen sehr breiten Referenzbereich, wo man eben auch eher im oberen Drittel sich befinden sollte als im unteren Perzentil vom Vitamin D Wert. Und wie gesagt, die Empfehlung wäre da von mir eine Baseline zu bestimmen und dann gezielt zu supplementieren, um dann nochmal eine neue Baseline zu bestimmen, um zu gucken, wie habe ich jetzt diese Grundlinie nach oben verschieben können durch eine Supplementierung.

Weil jeder Mensch auch unterschiedlich darauf reagiert, auf die Dosierung, die man einnimmt.

[Nils Behrens] (43:37 - 44:02)
Absolut, absolut richtig. Wir haben schon über chronischen Stress gesprochen, wie er sich auf die Hormonbalance auswirkt. Worüber wir noch nicht gesprochen haben, ist das Thema Alkohol, Nikotin oder aber auch vielleicht sogar auch extremes Training.

Also um mal was eigentlich Positives, grundsätzlich aber vielleicht auch dann wiederum was Negatives sein könnte, zu sprechen. Lass uns doch mal mit Alkohol anfangen.

[Dr. Jonathan Apasu] (44:02 - 45:20)
Ja, also Alkohol ist ein Zellgift. Also Alkohol ist schlecht für die Zellen, eigentlich in jeder noch so kleinen Menge ist Alkohol nicht gut. Man muss aber auch da das irgendwie differenziert betrachten.

Vielleicht auch wie ich eingangs gesagt habe, am Sonntag sollte man sich am besten erholen. Aber wenn es eben nicht funktioniert, dann kann man auch da ein bisschen arbeiten. Und das gleiche ist mit Alkohol.

Also im besten Fall sollte man Alkohol vermeiden. Aber wenn Alkohol jetzt, wenn man mal ein Bier, ein Glas Bier trinkt oder ein Glas Wein mit seinen Freunden und das einem dann sozusagen das soziale Netzwerk stärkt, man in Austausch kommt und sozusagen da so mehr emotionale Gesundheit begünstigt, dann würde ich es nicht komplett verteufeln. Aber wenn man es jetzt wirklich nur Alkohol an sich betrachtet, ist das ein Zellgift, das hat negative Auswirkungen auf verschiedenste Zellen, unter anderem auch die Leydig-Zellen im Hoden, die eben für die Testosteronproduktion zuständig sind.

Es hat eine negative Auswirkung auf die Leber und die Leber ist auch sehr wichtig für den Hormonabbau, für die Hormon Umwandlung und entsprechend übermäßiger Alkoholkonsum kann sich negativ auswirken auf die Hormonwerte. Ich würde aber sagen, also zumindest mir ist jetzt keine Studie bekannt, die sagt, dass wenn man zweimal die Woche ein Bier trinkt, dass das einen negativen Einfluss auf den Testosteronwert hat.

[Nils Behrens] (45:20 - 45:30)
Alkohol ist ungesund, hat aber keine massive Auswirkung direkt auf die Hormonspiegel.

[Dr. Jonathan Apasu] (45:31 - 45:33)
Richtig, in den normal konsumierten Mengen.

[Nils Behrens] (45:33 - 45:34)
Gut, Nikotin?

[Dr. Jonathan Apasu] (45:35 - 46:27)
Nikotin, tatsächlich gibt es unterschiedliche Studienlagen, es gibt sogar mir ist glaube ich eine Studie bekannt, die sogar einen minimalen Anstieg vom Testosteronwert mit Nikotin in Verbindung bringt, aber wenn man sich die negativen Auswirkungen die Rauchen an sich mitbringt anschaut, würde ich natürlich, also Rauchen ist ja der häufigste Weg, wie man dann Nikotin zu sich führt, würde ich sagen, ist auf jeden Fall sehr schädlich für die Gesundheit und genau, ich würde da jetzt vor allem das Argument machen, dass es grundsätzlich schlecht für die Gesundheit ist, für die Herz-Kreislauf-Gesundheit, Krebsrisiko steigert, im Bezug auf den Testosteronwert habe ich jetzt keine guten Argumente zu sagen, hör auf zu rauchen, wenn dir dein Testosteronwert wichtig ist, aber als Arzt und jemand, der sagt, grundsätzlich Männergesundheit ist wichtig und nicht nur die Testosteronwerte, würde ich sagen, verzichtet aufs Rauchen und genau, schaut, dass ihr anders eure Entspannung findet.

[Nils Behrens] (46:27 - 46:28)
Extremes Training?

[Dr. Jonathan Apasu] (46:28 - 47:26)
Ja, also extremes Training, also kurzfristiges Training, Training an sich ist gut und hat eine positive Auswirkung auf die Körperkomposition und damit auch auf die Testosteronwerte. Übermäßiges Training ist ein starker Stress für den Körper und Stress hat ja vorhin einmal beschrieben, ist ein Testosteronkiller und übermäßiges Training ist dann entsprechend auch was, wo die Testosteronwerte in den Keller treiben kann. Und interessanterweise, wenn man sich mal, also wir haben ja auch schon tausende von Männern getestet, wo ihre Testosteronwerte stehen und teilweise sind das dann auch Männer, mit denen wir dann auch sprechen und insbesondere so Ausdauerathleten oder auch Extremsportler, wie es aus dem Hyrox-Bereich beispielsweise oder auch Naturalbodybuilder, deren Testosteronwerte sind teilweise mit die niedrigsten, die wir messen, einfach weil durch diese hohe körperliche Belastung und teilweise auch gewisse Diäten, die eingehalten werden, Kaloriendefizit, das eben eine massive negative Beeinflussung von Testosteronwerten bedeuten kann.

[Nils Behrens] (47:27 - 47:36)
Interessant, wirklich sehr interessant. Dann kommen wir doch mal Sexualität als Spiegel der Seele. Wie wichtig ist die emotionale Sicherheit für eine erfüllte Sexualität?

[Dr. Jonathan Apasu] (47:37 - 47:48)
Also da würde ich auch sagen, da bin ich nicht 100% der richtige Experte für, da gibt es sicherlich Sexualtherapeuten, Paartherapeuten, die sich damit besser auskennen, aber wenn man das Thema Männergesundheit...

[Nils Behrens] (47:49 - 48:12)
Entschuldigung, dann würde ich jetzt vielleicht einfach mal umdrehen, weil ihr habt ja in der Praxis sozusagen Menschen, die zu euch kommen, weil eben halt ein gewisser Leidensdruck da ist. Und von daher, wenn wir es mal umdrehen, bekommt ihr das zurückgespielt, dass eben halt das Selbstwertgefühl sich nach so einer Therapie, die Beziehung wieder ins Positive verändern?

[Dr. Jonathan Apasu] (48:12 - 49:20)
Ja, total. Also das Thema Libido und Erektionsfähigkeit ist natürlich eine, also nicht die Tragensäule, aber eine der Tragenden Säulen in einer gesunden Partnerschaft. Und ein Mann, der jetzt keine Libido mehr verspürt, Erektionsprobleme hat, der hat sowohl selbst, also in vielen Fällen vermindertes Selbstbewusstsein, aber das belastet natürlich auch die Partnerschaft an sich, weil natürlich auch die Partnerin oder der Partner sich ja auch auf gewisse Art und Weise nicht gesehen fühlt, nicht mehr begehrt fühlt und deswegen auch die Partnerschaft anders bewertet. Und wenn man dieses Problem rausnimmt aus diesem Gefüge, ist das natürlich schon sehr zuträglich für diese Partnerschaft. Bedeutet aber nicht, dass es nicht auch andere Elemente geben kann, die in einer Partnerschaft dazu führen, dass es, dass diese sexuelle Dynamik nicht mehr so ist, wie sie mal davor war.

Und in gewissen Fällen kommt man da auch als Arzt, als Behandler an seine Limits, muss die auch dann wahren und dann so einem Patienten auch empfehlen, vielleicht einen Sexualtherapeuten, eine Therapeutin zu finden oder einen Coach, wo er dann in dieser Situation unterstützen kann.

[Nils Behrens] (49:21 - 49:43)
Ich muss gerade an einen Satz denken, das ist ja wahrscheinlich der meist diskutierte Satz dieses Podcasts überhaupt. Ihnen hat Sheila de Liz mal gesagt, sie meinte Sex alle 14 Tage, sonst stimmt das in der Beziehung nicht. Aber ist ganz interessant, in diesem Zusammenhang kann ja auch sein, sozusagen, dass tatsächlich der Testosteronspiegel einfach nicht stimmt.

Also quasi, dass eine der Ursachen sind.

[Dr. Jonathan Apasu] (49:43 - 50:18)
Ja, auch da wahrscheinlich so ein Baselining wichtig, also man weiß wo da die eigene persönliche Baseline ist, um dann zu sagen, wenn das sehr stark davon abweicht, stimmt irgendwas nicht. Und das ist ja auch ein, also dass Sex im Alter weniger wird, kann schon vorkommen, aber sollte eben nicht über einen gewissen Threshold herunterfallen, weil auch in einem höheren Alter kann man ja ein sehr erfülltes sexuelles Leben haben. Und wenn das eben nicht der Fall ist, gibt es eben auch Hilfe, die man sich einfordern darf und auch sollte, um eben da auch wieder Lebensqualität herzustellen.

[Nils Behrens] (50:18 - 50:27)
Sehr gut, sehr gut. Was glaubst du, muss sich gesellschaftlich ändern, wir hatten eben gerade schon das Partygespräch von Atze Schröder erwähnt, damit das Thema Männergesundheit nicht mit Schwäche verwechselt wird?

[Dr. Jonathan Apasu] (50:27 - 51:37)
Also ich denke, dass es sehr schön, dass jemand wie der Atze Schröder, der ja auch von vielen so als Art Macho-Typ wahrgenommen wird, also ein sehr Anführungszeichen traditionell männlicher Mann und wenn solche Männer über diese Themen sprechen und das sozusagen salonfähig machen und zeigen, das ist nicht ein Zeichen von Schwäche, dass ich darüber rede, sondern das ist ein Zeichen von Stärke, dass ich was für meine Gesundheit mache, dass ich mir auch gewisse Themen eingestehen kann und Hilfe suche, das ist ein sehr, sehr starker Hebel, um auch anderen Männern zu zeigen, hey, das Thema Gesundheit oder das Thema sexuelle Gesundheit ist nichts, was ich als Randthema betrachten sollte oder unter den Teppich kehren muss, sondern ich kann auch männlich und stark sein und mich um meine Gesundheit kümmern.

Also so dieses Thema aus so diesem Stigma und dieser Schmuddelecke herauszuholen und ins Zentrum der Diskussion zu bringen, ich glaube, das ist gut, dass wenn Männer über das Thema sexuelle Gesundheit, hormonelle Gesundheit, aber auch Themen wie Prostata, Darm sprechen können, wie sie über ihr Training sprechen oder wie sie über ihre Ernährung sprechen oder über ein Fußballspiel, das wäre ideal und würde natürlich ein Umfeld schaffen, wo diese Themen auch viel leichter adressiert werden können.

[Nils Behrens] (51:39 - 51:47)
Was ist eine konkrete Sache, die unsere Hörer ab morgen idealerweise umsetzen können für mehr Energie, Testosteron und Lebenslust?

[Dr. Jonathan Apasu] (51:47 - 52:34)
Ich würde sogar sagen, nicht erst ab morgen, sondern ab heute Abend und zwar früh ins Bett gehen oder so früh wie möglich ins Bett gehen, um mindestens sieben bis acht Stunden Schlaf zu bekommen. Ich hatte es schon erwähnt, Schlaf ist extrem wichtig für die Hormongesundheit, aber eben auch für viele, viele andere Elemente der Gesundheit und wer mal ein paar Tage nicht gut geschlafen hat, weiß, dass man sich da eben nicht so gut fühlt und wer besonders gut schläft, weiß, dass eben Schlaf ganz persönlich, ganz spürbar ein sehr, sehr wichtiger Faktor für ein gutes Leben ist und auch natürlich für eine gute Hormongesundheit. Also da wäre mein Appell, schlaft sieben bis acht Stunden, versucht immer ungefähr zur gleichen Zeit ins Bett zu kommen, abends ungefähr zur gleichen Zeit aufzustehen und macht das mal eine Zeit zur Priorität und ihr werdet selber merken, wie viel besser es euch gehen wird.

[Nils Behrens] (52:35 - 52:36)
Männer wie Frauen in dem Fall.

[Dr. Jonathan Apasu] (52:37 - 52:37)
Absolut.

[Nils Behrens] (52:38 - 53:09)
Ich habe hier nochmal ein ganz anderes Thema, weil ihr habt euch ja schon sehr stark auf das Thema Männergesundheit konzentriert und das, was man aber mittlerweile ja immer mehr sieht, wenn es um das Thema Hormone gibt, dass Frauen ja auch sehr von Testosteron profitieren könnten, dass das in den USA auch schon eingesetzt wird, aber bei uns eigentlich noch offiziell, glaube ich, gar nicht möglich ist, also eine Frauentestosteron-Therapie. Wie ist deine Meinung dazu und vielleicht kannst du auch erklären, warum das so ist, dass es in Europa nicht geht.

[Dr. Jonathan Apasu] (53:10 - 55:30)
Also Testosteron ist auch für Frauen sehr wichtig. Frauen haben auch Testosteron in einer deutlich geringeren Menge als Männer, aber auch bei Frauen ist Testosteron extrem wichtig für Libido, für Antrieb, für viele weitere Aspekte der Gesundheit. Und auch Frauen können Testosteronmangel haben und auch bei Frauen sollte ein Testosteronmangel, der einen Leidensdruck verursacht und wo keine Kontraindikation besteht, behandelt werden.

Jetzt ist es bei uns so, also erstmal das Thema Frauengesundheit, insbesondere Frauenhormongesundheit ist extrem komplex und ich würde mich weit aus dem Fenster lehnen, wenn ich jetzt hier mit großem Selbstbewusstsein da als Experte versuchen würde aufzutreten. Da gibt es andere, die sich da sehr, sehr viel besser mit auskennen. Aber was ich weiß, ist, dass es leider bei uns in Deutschland keine zugelassenen Präparate gibt für die Behandlung von Testosteronmangel bei der Frau.

Also man müsste extreme Off-Label-Behandlung machen. Also Off-Label beim Mann im Testosteronmangel bedeutet beispielsweise, dass ich einen Mann im Normbereich mit einem Testosteronwert von 15 oder von 16 behandle mit einem zugelassenen Medikament. Das ist aber Off-Label, weil der Mann keinen Mangel hat, sondern im Normbereich ist.

Bei Frauen wäre es so, dass wir behandeln würden mit einem Medikament, das nicht auf die Frauen zugelassen ist und auch nicht in vielen Fällen einen echten Mangel diagnostiziert haben, den wir dann behandeln würden. Also das würde die Ärzte vor eine sehr große Herausforderung stellen, ohne zugelassenes Medikament und ohne Leitlinien, Grundlage, solche Frauen zu behandeln. Es gibt Expertinnen, Experten, die Frauen behandeln mit einem Testosteronmangel, die aber auch Frauen behandeln mit anderen Hormonersatzprodukten, die natürlich relevant werden dann in der Menopause, also nach den Wechseljahren und da Frauen auch wirklich guter Hilfe zukommen lassen.

Aber das sind dann häufig wirklich hoch spezialisierte Expertinnen und zu sagen, okay, wir mit Adon Health, die wir uns jetzt dem Thema Männergesundheit verschrieben haben und das Thema Männerhormongesundheit gemeinsam mit einem handverlesenen Expertennetzwerk von Kooperationsärzten gut abbilden können, zu sagen, wir machen jetzt einfach auch Frauenhormongesundheit. Klar, einige unserer Experten würden das hinbekommen, aber das würde der Komplexität des Themas Frauengesundheit nicht gerecht werden, zu sagen, wir machen es einfach mit genau dem gleichen Ärztennetzwerk, sondern da müsste man nochmal so ein bisschen nachschärfen.

[Nils Behrens] (55:31 - 56:05)
Jonathan, das war wirklich ein sehr, sehr spannender Ritt durch die gesamte Welt des Testosterons. Es hat mir großen Spaß gemacht. Für alle, die sich wirklich jetzt mehr mit dem Thema beschäftigen wollen oder aber vielleicht gegebenenfalls auch denken, Mensch, ich glaube ich habe vielleicht sogar ein Testosteronmangel, die können auf jeden Fall mal bei Adon Health vorbeischauen auf eurer Website.

Ihr habt da eben halt verschiedene Testmöglichkeiten, wo man dann erstmal gucken kann, wo man eigentlich steht und wo man dann aber auch direkt in die Behandlung gehen kann. Also wie du hast es eben gesagt, das ist dann eben halt erstmal eine Art von Selbsttest, aber der dann eben halt von einem Arzt dann in der Auswertung begleitet werden kann.

[Dr. Jonathan Apasu] (56:05 - 56:37)
Genau, also das ist sehr gut möglich, da unterstreiche ich immer, wir ermöglichen die Labortestung und wir haben aber eben ein Ärztennetzwerk, die sind aber unabhängig von uns und das ist uns eben auch sehr wichtig, dass wir eben nicht sagen, okay hier, jeder der herkommt und Testosteron haben will, der bekommt das bei uns, sondern wir ermöglichen die Labortestung und wir ermöglichen den Kontakt zu einem Arzt, der sich damit auskennt, aber die Therapieentscheidung, die triffst du als Patient gemeinsam mit dem Arzt unabhängig von Adon Health und nur im besten Wissen und Gewissen für deine Gesundheit.

Ausgezeichnet.

[Nils Behrens] (56:41 - 56:42)
Hast du eigentlich ein Lieblingssupplement?

[Dr. Jonathan Apasu] (56:43 - 56:50)
Ja, Creatin. Nehme ich täglich und habe ich auch meiner Mutter, meinem Vater und allen meinen Freunden empfohlen zu nehmen.

[Nils Behrens] (56:52 - 57:17)
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