Podcastfolge 197 Mentale Gesundheit beginnt im Kopf. Mit Karin KuschikPodcastfolge 197 Mentale Gesundheit beginnt im Kopf. Mit Karin Kuschik

Mentale Gesundheit beginnt im Kopf

In dieser HEALTHWISE-Folge spricht Host Nils Behrens mit Bestsellerautorin und Coach Karin Kuschik über mentale Gesundheit, Selbstführung und den Einfluss der eigenen Sprache auf Stress und Wohlbefinden.

Im Mittelpunkt steht die Frage, wie Menschen lernen können, bewusster mit Emotionen, Gedanken und alltäglichen Belastungen umzugehen – ohne dabei in Perfektionismus oder dauerhafte Selbstoptimierung zu geraten.

Die Folge HEALTHWISE auf YouTube

Warum mentale Gesundheit mit Selbstführung beginnt

Karin Kuschik beschreibt mentale Gesundheit nicht als perfekten Dauerzustand, sondern als die Fähigkeit, bewusster mit sich selbst umzugehen.

Dabei betont sie einen zentralen Gedanken: Menschen sind äußeren Situationen nicht vollständig ausgeliefert, sondern können beeinflussen, wie sie auf Herausforderungen reagieren. Gerade im Alltag entsteht Stress häufig nicht nur durch die Situation selbst, sondern auch durch die eigene Bewertung.

Deshalb empfiehlt Karin Kuschik, zwischen Reiz und Reaktion bewusst einen kurzen Moment der Reflexion zu schaffen.

Wie Sprache das Stresslevel beeinflussen kann

Ein großer Teil der Folge widmet sich der Wirkung von Sprache. Laut Karin Kuschik beeinflussen Wortwahl und Tonfall unmittelbar das persönliche Stresslevel.

Besonders Wörter wie:

  • „ich muss“
  • „leider“
  • „typisch ich“

können inneren Druck verstärken und eine negative Haltung fördern.

Stattdessen rät sie dazu, Formulierungen bewusster zu wählen:

Belastende Formulierung Bewusstere Alternative
„Ich muss das noch erledigen.“ „Ich möchte das jetzt erledigen.“
„Ich muss leider auflegen.“ „Ich möchte jetzt lieber auflegen.“
„Typisch ich.“ „Das kann ich lernen.“
Belastende Formulierung Bewusstere Alternative
„Ich muss das noch erledigen.“ „Ich möchte das jetzt erledigen.“
„Ich muss leider auflegen.“ „Ich möchte jetzt lieber auflegen.“
„Typisch ich.“ „Das kann ich lernen.“

 

Auch langsameres Sprechen kann laut Karin Kuschik helfen, innere Unruhe zu reduzieren, da Körper und Wahrnehmung eng miteinander verbunden sind.

Glaubenssätze hinterfragen statt festschreiben

Ein weiterer Schwerpunkt ist der Umgang mit negativen Selbstbildern. Karin Kuschik erklärt, dass viele Menschen Aussagen wie:

  • „Das konnte ich noch nie.“
  • „Ich bin einfach so.“
  • „Das wird sich nie ändern.“

über Jahre verinnerlichen, oft ohne diese jemals erneut zu hinterfragen. Sie empfiehlt deshalb, eigene Glaubenssätze bewusster wahrzunehmen und Entwicklung grundsätzlich für möglich zu halten. Gerade kleine sprachliche Veränderungen können helfen, den Blick auf sich selbst zu verändern.

Mitgefühl zeigen, ohne sich selbst zu verlieren

Auch der Umgang mit anderen Menschen spielt in der Folge eine wichtige Rolle. Karin Kuschik betont, dass Mitgefühl nicht bedeutet, automatisch jedes Problem anderer lösen zu müssen. Häufig sei es bereits hilfreich, aufmerksam zuzuhören und Verständnis zu zeigen.

Gleichzeitig empfiehlt sie, gesunde Grenzen zu setzen und Verantwortung nicht dauerhaft für andere zu übernehmen.

Beispiele für ruhige und klare Abgrenzung: Diese Formulierungen nennt Karin Kuschik als hilfreiche Impulse:

  • „Ich fühle mich dafür gerade nicht zuständig.“
  • „Das nehme ich jetzt lieber nicht persönlich.“
  • „Im Moment treffe ich mich am liebsten mit mir selbst.“

Der Fokus liegt dabei auf klarer Kommunikation, ohne unnötige Härte oder Aggression.

Die 5-Finger-Übung für mentale Klarheit

Eine konkrete Methode aus der Folge ist die sogenannte 5-Finger-Übung zur täglichen Reflexion. Karin Kuschik empfiehlt sie besonders am Abend, um Gedanken bewusst zu sortieren und den Tag mental abzuschließen. Die einzelene Finger stehen hierbei als Reflexionsfrage.

  • Zeigefinger: Was hat mir der Tag heute gezeigt?
  • Mittelfinger: Was hat mich heute gestört?
  • Ringfinger: Was war heute in Beziehungen wichtig?
  • Kleiner Finger: Was ist heute zu kurz gekommen?
  • Daumen: Was war heute besonders gut?

Die Übung kann helfen, emotionale Themen bewusster wahrzunehmen, statt sie mit in die Nacht zu nehmen.

Mentale Gesundheit bedeutet nicht perfekte Selbstoptimierung

Ein weiterer wichtiger Punkt der Folge: Selbstoptimierung kann laut Karin Kuschik schnell zusätzlichen Druck erzeugen. Sie rät deshalb dazu, nicht permanent nach der „perfekten Lösung“ zu suchen, sondern sich stärker daran zu orientieren, was im Alltag tatsächlich guttut und langfristig entlastet. Gerade kleine Veränderungen in Sprache, Haltung und Routinen können bereits einen Unterschied machen.

Checkliste: Kleine Impulse für mehr mentale Balance

Diese Ansätze aus der Folge lassen sich direkt im Alltag umsetzen:

  • bewusster mit der eigenen Wortwahl umgehen
  • müssen“ häufiger durch „möchten“ ersetzen
  • Gedanken bewusst hinterfragen
  • emotionale Pausen einbauen
  • ruhiger sprechen
  • klare Grenzen setzen
  • Abendroutinen etablieren
  • nicht jede Emotion sofort bewerten

TAKE AWAYS

  • Mentale Gesundheit beginnt oft mit bewusster Selbstführung.
  • Sprache und Wortwahl können das persönliche Stresslevel beeinflussen.
  • Negative Glaubenssätze lassen sich hinterfragen und verändern.
  • Mitgefühl bedeutet nicht, die Probleme anderer übernehmen zu müssen.
  • Die 5-Finger-Übung kann helfen, Gedanken am Abend zu sortieren.
  • Regelmäßige Routinen können mentale Stabilität unterstützen.
  • Kleine sprachliche Veränderungen können die eigene Haltung positiv beeinflussen.

Mehr erfahren im healthwise Podcast von sunday natural

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Karin Kuschik ist Bestsellerautorin, Coach und Expertin für Selbstführung und Kommunikation. Seit über 20 Jahren begleitet sie Menschen aus Wirtschaft, Medien und Öffentlichkeit dabei, souveräner mit Stress, Kommunikation und mentalen Herausforderungen umzugehen.

Bekannt wurde sie unter anderem durch ihr „50-Sätze-Buch“ sowie ihre kurzen „One-Minute-Messages“, mit denen sie komplexe psychologische Themen alltagsnah und verständlich vermittelt. Im Mittelpunkt ihrer Arbeit steht die Frage, wie Menschen durch Sprache, Haltung und kleine mentale Impulse mehr Klarheit, Ruhe und Selbstführung in ihren Alltag bringen können.

Mehr zu Karin Kuschik unter https://www.karinkuschik.com/  

 197 Mentale Gesundheit beginnt im Kopf. Mit Karin Kuschik

[Karin Kuschik] (0:00 - 0:47)
Na, die größte Lüge für mich ist auf jeden Fall, ich war schon immer so, das konnte ich noch nie. Und da drehe ich ja durch innerlich, weil ich denke, boah, stell dir doch mal vor, wir hätten das von null bis sechs Jahren gesagt alle. Keiner könnte laufen, niemand könnte essen, jeder würde immer noch von der Mama das Breichen eingeflößt kriegen, wir würden uns immer noch den Joghurtlöffel ins Auge rammen.

Es wäre ja irre, wenn wir diese Haltung als Kind gehabt hätten. Da haben wir ja jeden Tag, ich weiß nicht, 30, 50, 130 Sachen gelernt. Ja, wie geht stehen, wie geht gucken, wie geht Kühlschrank aufmachen und so.

Wie geht Schnürsenkelbinden, das war dann schon die große Kunst mit fünf oder so. Also, wenn wir diese Haltung gehabt hätten, dann wären wir ja alle wirklicher Steinzeit geblieben.

[Nils Behrens] (0:48 - 1:47)
Herzlich willkommen zu HEALTHWISE, dem Gesundheitspodcast, präsentiert von Sunday Natural. Ich bin Nils Behrens und in diesem Podcast erkunden wir gemeinsam, was es bedeutet, gesund zu sein. Wir tauchen ein an Themen wie Medizin, Bewegung, Ernährung und emotionale Gesundheit.

Immer mit einem weisen Blick auf das, was uns wirklich gut tut. Wir leben in einer Zeit, in der körperliche Gesundheit oft im Fokus steht, während mentale Gesundheit noch immer unterschätzt wird. Dabei entscheidet genau sie darüber, wie wir mit Stressbeziehungen und uns selbst umgehen.

Wer gesund leben will, muss lernen, sich selbst zu führen, nicht perfekt, aber bewusst. Karin Kuschik ist Bestsellautorin, Coach und Expertin für Selbstführung und Kommunikation. Mit ihren One-Minute-Messages erreicht sie hunderttausende Menschen und bringt komplexe psychologische Themen auf den Punkt.

In ihrem aktuellen Buch zeigt sie, wie kleine Denkimpulse große Veränderungen im Alltag auslösen können, besonders in Bezug auf mentale Stabilität und Lebensqualität. Und deswegen freue ich mich besonders auf dieses Gespräch und sage herzlich willkommen, Karin Kuschik.

[Karin Kuschik] (1:47 - 1:49)
Hallo Nils, das war aber schön.

 

[Nils Behrens] (1:50 - 2:16)
Ja Karin, ich freue mich wirklich wahnsinnig auf das Gespräch. Ich habe mich wirklich mit deinem Werk, zumindest zum Teil sehr intensiv, also mit den beiden letzten Büchern sehr intensiv auseinandergesetzt und habe jetzt auch große Lust bekommen, auch noch auf den Rest deines bisherigen Schaffenswerk. Aber ich möchte nicht zu viel vorwegnehmen und sage, meine erste Frage geht immer um einen Sonntag.

Und deswegen frage ich dich, wie gesund war denn dein letzter Sonntag, vor allem aus mentaler Sicht?

[Karin Kuschik] (2:16 - 2:48)
Ha, der war der Hammer. Das war ein Psychosonntag. Denn ich hätte samstagsabends eine Sendung gehabt, die ausgefallen ist.

Live vor 700 Leuten dürfte ich sagen, ja schade, wir packen da mal wieder ein, weil die Technik versagt hat. Und da sind dann ganz viele Psychothemen hochgepoppt, was ich ja auch immer erlaube, weil ich will immer ein Bonbon finden in komischen Situationen. Ich möchte immer wissen, wofür war es gut für mich?

Und da habe ich gleich drei Antworten gefunden. Deswegen war das sehr tränenreich und sehr befreiend.

[Nils Behrens] (2:48 - 2:59)
Ach, das ist ja interessant, weil das ist ja eine, das wissen meine Stammhörer auch schon, das ist ja eine meiner Stammaussagen, dass ich immer sage, everything happens for a reason. Also alles hat irgendeinen Sinn.

[Karin Kuschik] (3:00 - 3:00)
Ja, und es waren gute.

[Nils Behrens] (3:01 - 3:14)
Ja, genau. Und deswegen denke ich auch genau darüber immer sehr häufig nach, wofür es jetzt gut war. Weil es ja erst mal etwas Negatives wahrgenommenes ist und einen Rückschlag gedeutet hat.

Und trotz allem nehme ich das seltenst so wahr.

[Karin Kuschik] (3:14 - 4:11)
Ja, ich auch überhaupt nicht, weil ich lerne ja auch was daraus. Allein die Art und Weise, wie man dann da redet. Man kann ja hektisch werden, verrückt werden, sich durchdrehen lassen von der Situation, souverän bleiben, keine Ahnung, Vorbild sein, ungewollt.

Ja, da erschließen sich ja viele Situationen. Und bei mir war es zum Beispiel so, dass ich dann gemerkt habe, ich habe ja keine Sekunde in eineinhalb Stunden durchdrehen an mich gedacht. Immer nur an die anderen, wie kommt es jetzt bei denen an, jetzt haben die sich extra freigenommen, was kann ich denen schenken, wie kann ich einen Ausgleich machen, was brauchen die jetzt von mir und so.

Und da habe ich gedacht, sag mal, bin ich denn verrückt? Ich bin hier Expertin für Selbstführung, hallo, das bezieht mich ja irgendwie auch mit ein. Und deswegen war das richtig toll.

Und die Leute hatten einen Psychoworkshop, weil die halt gesagt haben, man muss gar nicht durchdrehen, nur weil die Technik streikt, das ist ja interessant. Das habe ich nämlich dann als DMs bekommen auf Instagram.

[Nils Behrens] (4:13 - 4:47)
Es ist wirklich so schön, was mir am meisten aufgefallen ist in deinen Büchern, ist wie sehr du durch Sprache, sage ich mal so, was unsere Psyche beeinflusst oder auch eine andere Art von Wahrheiten schaffst. Also, dass ja teilweise wirklich einfach eine bestimmte Formulierung oder eine neue Formulierung einfach dazu führt, dass es ja teilweise zu einer kompletten Umkehrung führt. Und das, finde ich, ist eigentlich das, was am meisten Freude an deinen Büchern macht.

Und das ist so das, weil ich finde, Sprache, gute Sprache, ist ja auch etwas, was jemand auch sehr auszeichnet.

[Karin Kuschik] (4:47 - 5:20)
Ja, total, weil du kommst ja auch ganz schnell weiter. Für mich ist das Tollste an meinen Büchern, wenn ich sie jetzt nicht zufälligerweise geschrieben hätte und trotzdem gelesen hätte, würde ich mich ja auch sehr freuen. Ich würde mich freuen über die Schnelligkeit, über die Abkürzung, dass da nicht rumtheoretisiert wird, sondern man das mal ganz schnell hört und versteht auch.

Ach, den Satz kann ich mal sagen. Dann sagt man den halt beim Bäcker an der Kasse oder so. Und dann hast du sofort den Effekt und dann merkst du, ach so, das geht wirklich.

Und das finde ich halt so toll, diese Umsetzungsstärke. Und das finde ich bei allen Menschen toll, auch bei dir.

[Nils Behrens] (5:21 - 6:06)
Ich finde, vielen Dank. Ich finde das, was für mich eines meiner persönlichen Highlights ist, witzigerweise hat das erste Mal, dass ich mit dir und deiner Person in Kontakt gekommen bin, war über meine Tochter, die sich interessanterweise für unseren letzten Gemeinsorlaub dein 50-Fragen-Buch gekauft hat. Die hat mir das Thema gute Besserung erzählt.

Also das heißt also, wenn sich eben halt jemand irgendwie, ich sage jetzt mal überproportional aufregt zum Beispiel, dann eben einfach gute Besserung zu wünschen. Ich fand das ganz interessant. Ich gebe dir ein konkretes Beispiel.

Ich bin in Berlin sehr viel mit dem Fahrrad unterwegs. Und da gibt es ja doch schon so, dass dann mal es zu Situationen kommt, wo man vielleicht einen Fehler macht oder jemand anderes einen Fehler macht oder sonst was und sich dann andere Autofahrer so überproportional aufregen oder auch so Fußgänger oder sonst was.

[Karin Kuschik] (6:06 - 6:08)
Sich so abarbeitet dann auch an der Situation.

 

[Nils Behrens] (6:09 - 6:24)
Total, total. Und das finde ich so interessant. Wenn man dann anfängt zurückzupöbeln, dann merkt man, wie man danach richtig so das Adrenalin so nach oben geht und man sich selbst auch nach dem Zurückpöbeln eigentlich fast immer auch schlecht fühlt.

[Karin Kuschik] (6:24 - 6:27)
Du bist geladen danach, richtig im wahrsten Sinne, geladen.

[Nils Behrens] (6:27 - 6:33)
Also man denkt eigentlich, dass das Zurückpöbeln irgendeinem guttun würde. Tut es aber nicht, sondern im Gegenteil.

[Karin Kuschik] (6:33 - 6:37)
Alle sagen, befreie dich doch mal, sei doch mal wütend. Nee, Wut zieht ja Wut an.

[Nils Behrens] (6:38 - 7:08)
Ganz genau, ganz genau. Und ich finde es so interessant. Ich habe das seitdem aufgenommen, dass ich dann immer freundlich zurückrufe, für gute Besserung.

Und ich merke, dass ich genau wie du es jetzt auch, dass man so lacht dann eigentlich darüber. Und dass ich dieses Thema, diese Aggression, die man dann dadurch sozusagen sonst aufbaut, nicht mehr habe, sondern ich eher danach dann gute Laune habe. Das heißt also, ich werde aggressiv angegangen und danach bin ich besser drauf als vorher.

Das ist schon ein lustiger Effekt.

[Karin Kuschik] (7:08 - 8:20)
Toll, also es ist so ein Schutzschild quasi. Du könntest hier quasi als Radfahrer hinten so auf den Rücken schreien. Wenn du wo vorbeifährst, dann gute Besserung.

Ja, es ist ein Schutzschild. Und wenn du das nicht beim Radfahren machst, sondern zu jemandem jetzt wirklich. Kasse ist ja immer wunderbar oder Lebensmittelladen ist ja wunderbar Möglichkeit dafür.

Haben sie nicht, keiner Karte geht, nicht andere Karte, weißt du so die Nummer. Man wird ja schon so ein bisschen geprügelt mit Worten auch. Dass man dann sagt, ist Freundlichkeit eine Option für Sie?

Ist jetzt so meines, was mir so einfällt. Na also, ich darf da sehr bitten. Ja, ich auch.

Und dann, wenn es dann auch nichts hilft, meistens hilft es aber was, dann kommt nämlich, ja, das ist ja nur, weil die haben ja keine zweite Kasse aufgemacht oder so. Und wenn das gar nichts hilft, dann beim Abschied, ja, danke, tschüss, ja, gute Besserung. Dann lässt du sogar noch was da und zwar nicht so ein pampiges Gute Besserung, du blöde Kuh, Ausrufungszeichen, sondern so ein, hey, dir geht es ja scheinbar schlecht und ich habe es gemerkt.

Sollte ich eigentlich nicht, weil ich bin Kundin. Aber ich habe es jetzt mal gemerkt und das ist mein Spiegel. Also es ist tatsächlich bei mir wohl gemeint.

[Nils Behrens] (8:22 - 8:43)
Ja, na ja, das verstehe ich voll und ganz, was du damit meinst. Und so meine ich es aber auch. Also ich benutze ja mal in deinen Büchern so eine Formulierung, dass du in einer apfelschorligen Art das sagst, sage ich mal.

Aber das mache ich jetzt vielleicht ein paar Mal nicht mehr, weil sonst würde man nicht verstehen. Aber trotz allem, also ich rufe es eher freundlich zurück, als dass ich es jetzt irgendwie aggressiv zurückgebe.

[Karin Kuschik] (8:43 - 8:44)
Ja, ja, so kann es auch andere werden.

[Nils Behrens] (8:46 - 8:47)
Aber lass es doch.

[Karin Kuschik] (8:48 - 8:59)
Vielleicht für alle, die das jetzt gar nicht wissen, was ist ein apfelschorliger Tonfall? Damit meine ich so nebenbei, als würde man gerade, ich nehme mal eine Apfelschorle, vielleicht zur Erklärung für Leute, die jetzt noch nie, wer Karin Who, weißt du?

[Nils Behrens] (9:01 - 9:01)
Genau.

[Karin Kuschik] (9:02 - 9:02)
Gibt es ja auch.

[Nils Behrens] (9:03 - 9:14)
Aber weil Sprache ja so viel Wahrheit schafft, wäre meine Frage mal in dem Zusammenhang.

Was sind denn aus deiner Sicht so typisch toxische Sätze, die wir zu uns selbst sagen, ohne es zu merken vielleicht auch?

[Karin Kuschik] (9:14 - 9:53)
Na typisch ich zum Beispiel, geht es ja schon los. Und typisch ich ist ja selten gut gemeint, sondern Tomatensauce und weißer Pulli, hätte ich wissen müssen. So, ne?

Nee, konnte ich noch nie Komplimente annehmen. Nee, konnte ich noch nie. In so einem Tonfall, wo ich denke, ja, vielleicht willst du das heute dann mal lernen.

Wie wäre denn das? Weil es ist doch eigentlich ganz schön, dass Charaktereigenschaften oder Züge oder Gewohnheiten eigentlich auch nur so als in Stein gemeißelt, die verkaufen wir uns, als wären sie in Stein gemeißelt. So negative Affirmationen, das macht eigentlich keinen Sinn, das Wort.

Also negative Aussagen über uns selbst.

[Nils Behrens] (9:54 - 10:04)
Ja, und das ist ja ganz interessant. Ich hatte mich in dem Zusammenhang gefragt, sind das dann auch teilweise so die Glaubenssätze, die wir sozusagen durch unser inneres Kind auch mitgeprägt haben?

[Karin Kuschik] (10:05 - 10:47)
Ja, na klar. Also wenn du zum Beispiel die Erfahrung gemacht hast, du hast immer schräg gesungen oder du hast überhaupt mal gesungen im Chor und die Chorleiterin hat gesagt, das klingt schräg, geh du mal ganz hinten hin, obwohl du vielleicht klein warst. Dann hast du ja gelernt, oh mein Gott, es ist peinlich, dass ich vorne stehe, scham, unangenehm, am besten singe ich gar nicht mehr, ich kann ja gar nicht singen.

Das hast du dann vielleicht mal ganz schnell akzeptiert, so vielleicht stimmt das auch gar nicht. Oder vielleicht war es mal an dem Tag so oder vielleicht hört sie auch falsch. Und wenn man das dann sein Leben lang rumschleppt, dann kommt es halt, dass man auf den, weiß ich nicht, 50.

Geburtstag von irgendjemand sagt, nee, ich habe noch nie mitgesungen, ich singe schräg. Und das weiß man gar nicht, weil man es ja überhaupt nie wieder überprüft hat, ob das überhaupt erstens je gestimmt hat und ob es heute auch noch stimmt.

[Nils Behrens] (10:48 - 10:52)
Was würdest du denn sagen, wie stark beeinflusst unser Wortwahl denn unseren Stresslevel?

[Karin Kuschik] (10:53 - 11:55)
Ja, absolut zu 100 Prozent. Wortwahl und Ton beides, also Tonfall und Wortwahl auf jeden Fall. Also du kannst dich ja schon runter, fake it till you make it, runterholen, indem wenn du hektisch bist, du doppelt so langsam redest. Also wie bei WhatsApp, du stellst halt auf, Quatsch, wie bei Audible stellst du auf 0,7 oder so.

Weil du hörst ja auch, wenn du sprichst. Und wenn du hörst, ach guck mal, ich klinge ja gar nicht hektisch, wirst du ja auch sofort ruhiger. Das ist ja klar, das ist ja ein Biofeedback des Körpers.

Und die Wortwahl ja sowieso. Also wenn du ein Müsser bist, bist du ja von morgens bis abends unter Druck. Denn so ein guter Müsser, der redet so 300, 400, 500 Mal, benutzt er Müssen am Tag.

Warte mal, ich muss jetzt noch zur Bank, ich muss auflegen, ich muss auf mein Handy gucken, weil da ruft einer an. Ich muss jetzt noch das. Na ja, kannst du dir ja ungefähr vorstellen, wie viel Adrenalin da am Körper ist.

Es gibt ganz tolle Untersuchungen, was Modalverben für eine Auswirkung haben auf unseren Blutzuckerspiegel, Blutfettwerte und Blutdruck.

[Nils Behrens] (11:57 - 12:09)
Ja, ich finde es ganz interessant, dieses Müssen. Meine Lieblingsumformulierung, oder wie soll ich das sagen? Das beste Beispiel dafür finde ich immer so, du, ich muss dich jetzt leider abwürgen.

[Karin Kuschik] (12:09 - 12:10)
Oh Gott.

[Nils Behrens] (12:10 - 12:14)
Das ist so doppelt. Ich muss und abwürgen.

[Karin Kuschik] (12:15 - 12:15)
Und leider auch noch.

[Nils Behrens] (12:16 - 12:18)
Ja, ich muss dich jetzt leider abwürgen.

[Karin Kuschik] (12:18 - 12:19)
Drei Mal.

[Nils Behrens] (12:19 - 12:20)
Das ist das Schlimmste.

[Karin Kuschik] (12:22 - 12:23)
Für beide?

[Nils Behrens] (12:24 - 12:34)
Ja, total.

Aber so etwas richtig Gutes, Alternative, im Sinne von, wir müssen das Gespräch jetzt leider beenden, ist jetzt auch irgendwie sinnvoll.

[Karin Kuschik] (12:34 - 13:09)
Nein, aber wieso? Leg doch auf der Hand die Alternative. Da sagst du einfach, ich möchte, nicht ich muss, sondern jetzt selbst entschieden.

Wir haben ja gesagt, Selbstführung, darum geht es. Jemand, der sich selbst führt, der muss ja nicht, weil muss ja immer Druck und Zwang von außen ist. Und ich bin das arme Opfer, was leider muss, aber eigentlich wollen würde.

Also die Alternative zu müssen ist natürlich wollen oder möchten. Bleiben wir mal bei möchten. Und die Alternative zu leider ist immer lieber.

Und schon bist du bei, ich möchte jetzt lieber auflegen. Du, ich merke gerade, ich möchte jetzt lieber auflegen. Ich bin ja in fünf Minuten verabredet.

Halleluja. Du, tschüss, ist ja was ganz anderes.

[Nils Behrens] (13:09 - 13:18)
Das finde ich ganz interessant. Ich bin mir nicht sicher, ob ich derjenige, zu dem das gesagt wird, wenn jemand sagt, ich möchte jetzt lieber auflegen, klingt so ein bisschen so, als ob er mit dem Gesprächverlauf nicht zufrieden ist.

[Karin Kuschik] (13:18 - 13:41)
Quatsch, wenn ich sage, ich möchte jetzt lieber, ich merke gerade, ich finde ja immer so eine kleine Anmut schön. Wenn ich sage, ich merke gerade, ich möchte jetzt lieber auflegen, ich darf los. Ich habe mich völlig verschätzt hier in der Zeit.

Das ist ja alles mega selbstverantwortliche Sprache. Also wer sollte denn da jetzt sauer sein, dass jemand Verantwortung für sein Leben übernimmt und dann auch noch so nett formuliert? Also findest du?

[Nils Behrens] (13:41 - 13:52)
Ja, so ein bisschen. Ja, weil ich finde diese Formulierung, ich möchte jetzt lieber auflegen, klingt so ein bisschen so, als ob er etwas ausgelöst, als ob es einen Auslöser in dem Gespräch dazu gab.

[Karin Kuschik] (13:52 - 14:37)
Ja, aber da bleibst du jetzt ja bei deiner Interpretation, ohne mir zugehört zu haben. Weil ich habe ja was ganz anderes angeboten, nämlich einen Zeitdruck von außen, dass jemand merkt, und das ist ja in der Regel so, wenn einer sagt, ich muss dich leider abwürgen, dann hat er ja was vor. Dann weiß er ja, ich muss in sieben Minuten hier oder im Call sein oder, keine Ahnung, beim Zahnarzt rein, bevor der Termin verstreicht ist.

Das hat ja ein Zeitdruckthema. Und dieses Zeitdruckthema, ich habe es noch nie anders erlebt jedenfalls, das würde ich halt anders formulieren. Dass ich sage, ich merke gerade, ich darf los.

Ich habe mich hier völlig verschätzt. Ich möchte lieber auflegen. Und dann kannst du ja auch noch eine Frage hintendran.

Wir sind ja bei 50 Fragen. Kannst du ja auch sagen, wann passt es denn besser? Darf ich dir nachher was drauf sprechen?

Wann es bei mir besser passt? Ich will das gerne noch vertiefen. Kannst du ja auch sagen.

[Nils Behrens] (14:38 - 15:00)
Ja, finde ich sehr gut. Ich finde ja, das passt vielleicht so ganz gut, weil man könnte sich ja auch darüber aufregen. Und du schreibst, Aufregen ist freiwillig.

Beziehungsweise, ich glaube, wenn ich es richtig mitbekommen habe, ist es sogar so, dass dein Buch im Amerikanischen sogar so heißt, wer mich aufregt, entscheide auch immer ich selbst. Ist das so sinngemäß?

[Karin Kuschik] (15:00 - 15:08)
Ja, I decide who pushes my buttons, haben wir das übersetzt. Finde ich großartig, die Übersetzung. Also im 50-Sätze-Buch heißt es, wer mich ärgert, bestimmt immer noch ich.

Genau.

[Nils Behrens] (15:10 - 15:23)
Aber trotzdem, diese Aussage Aufregen ist freiwillig, das widerspricht ja wirklich dem Gefühl von sehr vielen Menschen. Kannst du unseren HörerInnen vielleicht da ein kleines bisschen erläutern, was du damit meinst?

[Karin Kuschik] (15:24 - 17:28)
Na genau das, dass ja kein anderer in meinem Kopf und außer mir, niemand anderer als ich, meine Gefühle bestimmt. Ich bin ja nicht ausgeliefert meinen Gefühlen. Ich habe ja Gott sei Dank ein Gartier mitzureden.

Zum Beispiel, indem ich merke, dass ich aufgeregt bin. Also das müsste man mindestens hinkriegen, dass man das merkt, dass man gerade schreit oder so. Oder dass man jetzt gerade hochkocht oder der Solarplexus im Garten liegt mittlerweile.

Oder das Kehlkopf, der Käferkopf sich zuzieht. Das ist ja auch oft das fünfte Chakra. Für Selbstausdruck geht der dann auch gleich zu.

Deswegen sagt man, ich habe ein Kloß im Hals oder so. Die ganzen psychosomatischen Themen haben ja einen sehr sprachlich verwurzelt. Die drücken sich ja top aus.

Es geht mir an die Nieren. Ich habe die Nase voll und so. Und wenn du das halt merkst, dass dir das an die Nieren geht oder die Nase voller oder was auch immer, dann kannst du ja dazwischen gehen und kannst ja sagen, Moment mal kurz, jetzt habe ich überhaupt Lust, mich aufzuregen.

Lohnt sich diese Aufregung? Das ist eine Frage aus dem 50-Fragen-Buch. Lohnt sich die Aufregung?

Wenn die Antwort, gibt es selten, aber gibt es, ja, es lohnt sich jetzt für mich, weil, wie du vorhin gesagt hast beim Fahrradfahren, es jemand ist, der findet, er will jetzt Dampf ablassen, mir reicht es, verdammte Hacke, ich haue jetzt auf den Tisch. Gibt es ja. So Leute, die finden, sie haben so einen Charakter und dann wird es besser damit.

Dann müssen sie das halt machen. Und wenn die Antwort ist nein, die Antwort lohnt sich, Quatsch, die Aufregung lohnt sich ja überhaupt nicht und wer nachts um drei wach liegt, bestimmt immer noch ich, dann gehst du halt dazwischen und sagst, ich entscheide jetzt und das ist eine Entscheidung, ich entscheide jetzt, dass mir mein, keine Ahnung, mein Seelenheil, meine Seelenhygiene oder was auch immer, mein Tag, ich mir selbst viel wichtiger bin als irgendein Mensch, den ich nie wieder sehen werde und der mir gerade in der Hotline mich da rausgekegelt hat oder ganz pampig war.

Kann man ja entscheiden. Man kann das ja wirklich entscheiden. Wir wissen das nur nicht, wir denken, das kann ich nicht entscheiden, weil uns das ja auch niemand in der ersten Klasse beigebracht hat und in der fünften und der dreizehn leider auch nicht.

Wir haben ja Menschsein nie geübt und wir dürfen das jetzt nachholen.

[Nils Behrens] (17:29 - 18:40)
Ich finde es ganz interessant, ich hatte mal eine sehr schöne Situation, ich hatte eine gute Freundin von mir, herzlichen Grüß an sie an dieser Stelle, mit der bin ich mal von Hamburg um die Alster gelaufen, also zusammen zu Fuß gegangen. Und das dauerte dann insgesamt so eineinhalb Stunden roundabout. Und sie hatte mir im Vorwege erzählt, dass sie eben halt momentan gerade ihr alles ein bisschen zu viel ist und sowas alles und dann habe ich dieses Was-noch-Spiel sozusagen mit ihr gemacht.

Also die erste Frage ist natürlich, was beschäftigt dich denn momentan am meisten? Dann hat sie mir das erzählt und dann habe ich dann mit ihr darüber gesprochen, okay, wie lösen wir das? Dann hat sie mir das dann alles so erzählt und dann habe ich dann Was-noch.

Und dann kamen wir zum nächsten Thema und dann kamen wir wieder so zum Was-noch und wieder zum nächsten Thema und dann merken wir, dass so nach einer Stunde ungefähr die Themen, die sie alle so beschäftigen, immer trivialer wurden und wir haben am Ende dann immer weiter besprochen haben, wie wir dieses Problem jetzt lösen. Und mit der Trivialität, die dann irgendwie immer zunahm, war es dann irgendwie so, dass sie auch selbst merkte, dass das ja alles gar nicht so große Probleme sind und dass wir eigentlich auch für alles eine Lösung finden. Also manchmal ist man so vor diesem großen Berg von Themen auch so ein kleines bisschen überfordert.

[Karin Kuschik] (18:41 - 20:02)
Ja, weil wir die Themen ja so abkapseln von uns, weil wir denken, dass das ist ein Problem, aber das ist ja erstmal gar kein Problem, sondern es ist eine Situation. Und jetzt kannst ja du entscheiden, der sich diese Situation anguckt, nehmen wir mal meine ausgefallene Sendung, kann ich ja jetzt entscheiden, ob ich da noch acht Stunden drüber rede und sieben Freundinnen anrufe und jedem sagen, wie blöd alles war, oder ob ich das loslasse. Wer soll es denn sonst entscheiden, wenn nicht ich?

Wir sind ja das einzige Tier, was den Verstand so hat, dass wir entscheiden können, was wir damit machen wollen. Und das machen wir uns oft nicht klar. Deswegen bei dem All-Star Walk & Talk war das halt so, dass sie die Probleme entschieden hat, ohne es zu wissen natürlich, dass das jetzt alles schon Probleme sind, anstatt es einfach erstmal als eine Situation zu sehen, dann zu sagen, okay, nervt die mich denn, regt die mich auf, bin ich traurig, enttäuscht sie mich, oder was ist eigentlich meine Zutat zu diesem Teig, was macht das Ding zu einer Zimtschnecke sozusagen, oder zu irgendwas, wo man gar nicht reinbeißen will.

Weißt du, wie ich meine? Wir vergessen einfach ganz oft, ach so, I have a say in it, heißt es auf Englisch, gibt es ja auch auf Deutsch, merke ich gerade, ich habe was zu sagen in meinem eigenen Leben, ich habe ja was zu sagen. Und ich kann das ja auch anders bewerten, oder zum Beispiel überhaupt nicht, und schon hat es die Kraft, die Macht über meine Stimmung verloren.

[Nils Behrens] (20:05 - 20:11)
Wie würdest du denn sagen, unterscheidet man, ich sage es mal, gesunde Emotionen, weil Emotionen sind ja per se nicht schlecht, und emotional ist Overthinking.

[Karin Kuschik] (20:12 - 21:19)
Du hast es ja schon erklärt, in der Frage. Das eine ist eine Emotion, und das andere ist ein Overthinking. Bei dem Over hast du ja schon die Antwort gegeben.

Also, wenn du dich im Kreis drehst, und das ist ja dieses Gedankenkarussell, was die Leute oft nicht einschlafen lässt, oder wo sie gar nicht dir zuhören, wenn du sprichst, weil sie in ihrem Karussell da drin hängen und nur so aussehen, als würden sie zuhören, dann merkst du aber an der Reaktion, die haben eigentlich gar nichts verstanden. Das ist ja, weil du dich denken lässt. Also die Frage ist, denke ich, oder werde ich gedacht?

Und wenn ich gedacht werde, kann ich nicht bestimmen, jetzt fängt es an, dann hört es auf, sondern ich hänge da drin seit zwei Wochen, seit zwei Stunden, seit zwei Minuten, keine Ahnung, wie lange. Vera Birkenbiel hat ja früher immer jemanden zitiert und gesagt, Aufregung ab zwei Minuten ist freiwillig, oder ab zehn Minuten. Und ich finde, das stimmt.

Und ich rede nicht von Schicksalsschlägen und traumatischen Flugzeugabstürzen und, keine Ahnung, Vergewaltigung, das ist ja logisch. Ich rede ja von dem toxischen Daily-Life-Stress, den wir uns selbst machen.

[Nils Behrens] (21:21 - 22:36)
Ja, ich finde, ich würde auf das Toxische gleich noch mal tiefer eingehen. Ich habe aber nichtsdestotrotz, bevor wir es vergessen, ich habe eine Übung mal von dir gehört. Ich bin mir nicht sicher, zumindest habe ich sie in den Büchern bisher noch nicht gefunden, aber bestimmt ist sie da auch irgendwo.

Das ist diese Fünf-Finger-Übung. Weil ich mag diese wahnsinnig gerne im Vergleich zu, jeder oder viele kennen das ja, dass man sich am Ende eines Tages fragen soll, welche drei Dinge bin ich dankbar für. Und ich habe das mal eine Zeit lang gemacht und fand es dann irgendwie auf Dauer auch so ein bisschen, ja.

Also gerade so immer diese drei Dinge, für die man dankbar ist. Ich finde, man kommt sehr viel immer auf die gleichen Sachen. Gerade wenn man drei braucht, dann gibt es eben halt manchmal auch so allgemeine Platzhalter wie, ich bin dankbar dafür, dass ich gesund bin.

Ich bin dankbar dafür, dass ich was zu essen habe. Ich bin dankbar dafür, dass ich einen Job habe. So jetzt mal übertrieben gesagt.

Und ich fand diese Fünf-Finger-Übung deswegen so schöner, weil die so ein bisschen komplexer ist und sie ja tatsächlich, so hattest du sie mal anmoderiert, auch wenn man sie abends durchführt, dazu führt, dass man so ein bisschen dieses Overthinking eben nicht mit in die Nacht nimmt. Und deswegen würde ich mich wahnsinnig freuen, wenn du es einmal mit unseren Hörern hier an dieser Stelle teilen könntest.

[Karin Kuschik] (22:36 - 23:36)
Ja klar, da kann jeder jetzt mal seine favorisierte Hand nehmen. Ich nehme jetzt mal die rechte, aber das ist egal, es könnte auch die linke sein. Und jetzt können wir mal beim Zeigefinger, weil ich gerne mit dem Schönen aufhöre, fangen wir mal mit dem Zeigefinger an.

Du machst die Hand zur Faust sozusagen und streckst jetzt nur den Zeigefinger aus. Und dann ist die Frage, was hat der Tag mir heute gezeigt? Und bei meinem Chaos-Samstag zum Beispiel, da habe ich ja ganz viele Erkenntnisse gehabt.

Und das war eigentlich schön, obwohl das Ereignis doof war. Was hat mir der Tag heute gezeigt? Dann machst du den Finger wieder zurück.

Dann nimmst du den Mittelfinger und streckst den aus. Dann kann sich ja jeder denken, was das heißt. Was hat mich heute gestört?

Was hat mich genervt heute? Was war richtig doof? Dasselbe mit dem Ringfinger.

Da geht es ja oft um Beziehungen. Da ist der Ehering dran oder der Verlobungsring. Aber es geht um alle Beziehungen, also auch die mit meinem Nachbarn oder meinem Vater, meiner Mutter, wem auch immer, mit Kollegen.

Was war heute in Beziehungen los? Der kleine Finger, was ist heute zu kurz gekommen?

[Nils Behrens] (23:37 - 23:50)
Das ist übrigens bei by the way diese kleine Finger-Geschichte, da habe ich immer das Gefühl, bei allen Fingern, die du bisher genannt hast, muss ich einen Augenblick nachdenken, um eine Lösung zu finden. Was ist heute zu kurz gekommen? Könnte ich noch ein paar mehr kleine Finger gebrauchen?

[Karin Kuschik] (23:51 - 24:37)
Und bei mir kommt meistens Sport oder Essen. Also Körper. Das ist schade.

Und das ist natürlich auch gut. Wenn du das zehnmal hintereinander machst, wenn ich es dreimal hintereinander mache, dann weiß ich ja schon, wer morgen früh eine halbe Stunde vorher auf der Matte sitzt. Und dann mache ich eben doch meine Morgenübung wieder eine halbe Stunde.

Das ist ja auch toll. Ohne dass du dir das aufschreiben musst, ohne dass du dich rügen musst, du kriegst es halt mit. Das ist wie ein Handlungsauftrag, ohne dass man es direkt macht, finde ich ganz schön.

Also was kam heute zu kurz? Und dann natürlich, wenn die Hand zur Faust ist und der Daumen hoch geht, was war heute spitze? Und du kannst auch damit anfangen.

Was hat mir das Leben gezeigt? Was hat mir gestunken? Was kam zu kurz?

[Nils Behrens] (24:40 - 25:00)
Ich finde es super. Ich finde es total schön, weil es eben eine viel facettenreichere Reflexion des Tages gibt, als nur dieses drei Dinge, die ich mir momentan total dankbar ist. Und vor allem, was ich mag, ist durch den Mittelfinger, dass man auch ganz kurz, gerade auch wenn man diese Übungen mit jemand anderem zusammen macht, das ist einfach total schön, wenn man sowas am Ende des Abends auch mit jemand anderem zusammenspricht.

[Karin Kuschik] (25:00 - 25:02)
Mit Kindern zum Beispiel ist das auch total toll.

[Nils Behrens] (25:03 - 25:18)
Total toll. Und dass man dadurch, wenn man einmal über diesen, ich sage jetzt mal ganz ehrlich, Fuck-up-Zweifelsfall drüber redet, dann ist der auch so raus. Dann ist der auch so ein bisschen verdaut.

Und deswegen finde ich das ganz schön, weil man auch dann damit so weg ist.

[Karin Kuschik] (25:19 - 25:40)
Ja, total. Das ist so ein kleines Klärwerk am Abend. So eine kleine Detox-Übung.

Du klärst dich so. Der mind, wird geklärt. Alles darf mal gesagt werden.

Für alles ist Platz. Nee, das ist ja total singulär. Was soll das?

Du bist nicht immer nur dankbar. Ja, es ist gut, sich das in Erinnerung zu rufen. Aber wenn du halt gerade auf der Intensivstation liegst, na ja, ist vielleicht die Übung besser.

[Nils Behrens] (25:42 - 26:27)
Ich würde auf den einen Punkt gerne noch mal eingehen, wo du sagst, okay, man soll sich eigentlich nicht länger aufregen. Ich bin jetzt gar nicht mal beim Thema aufregen, aber viele Stressoren kommen ja aus Beziehungen. Das sind Beziehungen im Job, Beziehungen in der Familie, Beziehungen in der Partnerschaft.

Und ich finde, wenn es da eben halt Konflikte gibt oder wenn es vielleicht auch jemandem nicht gut geht, das heißt also, wenn es dem Partner nicht gut geht, wenn es jemandem in der Familie nicht gut geht, das sind ja, finde ich, schon Dinge, die einen schon auch sehr stark belasten. Und wo ich persönlich merke, das ist so etwas, was mich am längsten beschäftigt. Also entweder eben halt Konflikte oder eben halt insbesondere auch, wenn es Menschen nicht gut geht, dass das etwas ist, was ich die größten Schwierigkeiten habe, abzulegen.

[Karin Kuschik] (26:27 - 26:37)
Und vorhin habe ich dich so kennengelernt bei deiner Freundin und mit dem Alsterspaziergang, dass du dann immer sehr gerne schnell in Lösungen gehst. So zielorientiert bist, oder?

[Nils Behrens] (26:38 - 26:38)
Ja, voll.

 

[Karin Kuschik] (26:39 - 27:59)
Und manchmal ist das halt total schlecht für denjenigen, der das, sage ich jetzt mal, Problem hat. Weil viele wollen einfach nur gehört werden. Die wollen das jetzt mal sagen, die wollen jetzt mal kurz jammern oder mal sagen, wie furchtbar sich das anfühlt.

Und wenn dann einer sagt, das verstehe ich, das kann ich gut verstehen. Das ist oft so eine Bombe an Energie. Das glaubt man ja gar nicht.

Es wird so unterschätzt, mal zu sagen, ich verstehe dich. Anstatt, ja, dann kannst du doch das machen und das und das und das. Na ja, dann isst du doch mal anders und mach mal eine Diät und keine Ahnung.

Oder dann nimmst du jetzt halt Kupfer oder ich weiß nicht, wie man Themen lösen könnte. Oder dann sagst du deinem Chef, das, das, das und kauf dir mal das Buch von Karin Kuschik. Ja, das ist alles total gut.

Ich bin ja selbst massiv lösungsorientiert, das ist ja klar. Sonst könnte ich das ja auch gar nicht schreiben, wenn ich 25 Jahre coach. Aber manchmal habe ich gelernt oder oft habe ich gelernt, dass es reicht zu sagen, das verstehe ich, kann ich gut verstehen, ich höre dich.

Weil wer schreit zum Beispiel? Der, der nicht gehört wird, logisch. Du würdest nur schreien, wenn du auf dem Fahrrad bist und du hast vorhin gesagt, Apfelschorle bringt dir da nichts.

Du musst schreien, weil die Distanz groß ist. Und immer wenn die Distanz groß ist, also wenn der andere weit weg ist, dann musst du schreien. Also denk, der hört mich ja gar nicht.

[Nils Behrens] (28:02 - 28:21)
Ja, verstehe ich, was du meinst. Also ich würde das auch hundertprozentig schreiben, dass ich mal sehr schnell in das Thema Lösung reingehe, statt einfach mal so zuzuhören. Weil ich finde einfach, für mich tatsächlich ist das meine Art, auch dann Hilfe anzubieten.

Ich glaube, dass das wahrscheinlich so ein bisschen der Punkt ist.

[Karin Kuschik] (28:22 - 28:42)
Ich bin ja total bei dir. Und ich biete halt nicht das an, was ich hören wollte, sondern was ich glaube, was der andere hören möchte. Also wir könnten das so machen.

Wir zwei könnten das immer. Und du könntest immer, ja, pass auf, kannst auch das, das, das, das. Aber das kann man halt nicht bei jedem machen.

[Nils Behrens] (28:43 - 28:54)
Ich finde einen Satz, den ich da in diesem Zusammenhang mir jetzt gerade einfällt, ich habe jetzt gerade mal nachgeschaut, ich hoffe, ich ziehe dir das richtig, du bist das Problem und du bist die Lösung. Ich finde, das klingt ja schon erstmal ganz schön hart.

[Karin Kuschik] (28:55 - 28:55)
Findest du?

[Nils Behrens] (28:56 - 29:02)
Ja, ja, ich finde erstmal zu sagen, du bist das Problem und die Lösung, das gibt schon sehr viel Selbstverantwortung.

[Karin Kuschik] (29:02 - 29:48)
Ich finde überhaupt nicht. Ich finde das befreiend. Ich denke, wie toll ist denn das?

Ich brauche ja gar niemanden. Es ist ja lustig, wie man den Satz so hören kann. Da wäre ich jetzt im Leben nicht drauf gekommen, dass der nach Verantwortung klingt.

Sondern ich finde das wirklich befreiend, dass ich denke, oh, Gott sei Dank, ich muss nicht nach Singapur fliegen zu dem Heiler XY, sondern ich kann es klären. Was das ja heißt, ist ja die Grundhaltung hinter jedem Coaching und hoffentlich auch jeder Psychotherapie ist ja, du bist das Problem und du bist die Lösung, weil als Coach willst du hoffentlich keinen Menschen fixen, sondern du willst so kluge Fragen stellen, dass der Mensch auf seine Lösung kommt, weil die Haltung ist, die Lösung ist in dir.

[Nils Behrens] (29:49 - 30:06)
Stimmt, das ist natürlich schon eine etwas schönere Formulierung. Trotzdem suchen ja viele Menschen immer die Lösung von außen. Durch Ernährung, durch Biohacking, durch Routinen.

Was würdest du denn sagen, aus deiner Sicht, wo die Grenze liegt, wo Selbstoptimierung auch ungesund wird?

[Karin Kuschik] (30:06 - 31:20)
Die kann ja wahnsinnig schnell toxisch werden, diese Toxic Positivity, das ist ja, na, wenn du alles verneinst, wenn es auf alles immer eine positive Antwort gibt, das klingt dann immer gleich wie so in der Sekte, ich habe das neulich mit so einer neuen Technik, da hat jemand gesagt, ja, du bist der und der Typ und ich war aber gar nicht der und der Typ, also die hat mich beschrieben, also Perfektionist ist dir sowas von egal und ich, what? Wenn du im Duden nachguckst und da Perfektion steht, glaube ich, mein Name, wie kommt sie denn darauf? Du willst immer nur einen schieben, aber nie zu Ende bringe ich.

Ey, dass meine Hauptstärke Sachen zu Ende bringt. Und dann geht es immer weiter, ja, aber dann, na ja, das ist die Schattenseite, Karin, das ist jetzt die Schattenseite. Weißt du, wenn es immer einen Ausweg gibt, so wie bei Homöopathie, ist es immer die Erstverschlimmerung, auch wenn die dann sieben Jahre dauert.

Und ich mag ja Homöopathie, aber wenn es nicht aufhört, wenn man nicht gehört wird, oder wenn man sich selbst einfach nicht zuhört, und wenn wir uns selbstbewusst sind, und das heißt ja Selbstbewusstsein im besten Sinne, dann hören wir ja, ach guck mal, jetzt will ich schon wieder eine Massage oder eine, weiß ich nicht, malaysische Dingsbomstechnik oder so, ich könnte ja auch Sport machen. Weißt du, ich war jetzt so bezogen auf Gesundheit zum Beispiel.

[Nils Behrens] (31:21 - 31:21)
Total.

[Karin Kuschik] (31:21 - 32:01)
Ich bin so jemand, ich will das von außen, jemand ist fix. Ich gehe jetzt zum Chiropraktiker und dann macht er da L5, S1 und klack, habe ich kein Gleitwirbel mehr. Ja, das will ich gerne, aber so geht es leider nicht.

Und irgendwann, nach Jahren allerdings erst, glaubt man nicht, dass ich schnell war, habe ich dann gemerkt, ach so, also das Glück liegt nicht in der Ayurveda-Kur und dem Heiler auf Bali und dem L5, S1-Reinschrauber und der gar nicht Atlas-Korrektur und was ich alles schon durch habe, weil ich so eine Rückenthematik immer hatte schon, seit ich ganz klein war, sondern das ist Haltung, Rückgrat. Das hat dummerweise was mit mir zu tun. Und das befreit dann wieder, weil dann kann ich das ändern.

[Nils Behrens] (32:03 - 32:16)
Das stimmt, das stimmt, absolut. Ich glaube aber auch, übrigens, was du sagst, also ich bin ja nur tief in dieser Longevity-Szene drin und ich merke das halt, das ist so ein, in meinem Buch schreibe ich auch den ersten Satz, ich hasse Longevity.

[Karin Kuschik] (32:16 - 32:52)
Na, das war ja der tollste Satz in deinem Buch, da dachte ich so, jetzt lohnt sich das für mich. Da habe ich mich ja richtig beruhigt. Weil dieses Wort allein, Peri, Menopause und Longevity, das ist so inflationär, ich drehe durch.

Und bei dem Satz wollte ich jetzt wissen, oh, was schreibt er denn? Und dann ging es ja bei dir glücklicherweise nicht, um werde doch mal 120, also verlängere doch mal dein Sterben, ist egal, ob du mit 90 schon im Rollstuhl sitzt und dann 30 Jahre lang, sondern verlängere doch mal dein Leben und nicht dein Sterben. So, jetzt frei interpretiert nach mir, das steht ja da relativ schnell. Und das fand ich super.

[Nils Behrens] (32:52 - 33:30)
Ja, und das ist tatsächlich wirklich etwas, was ich beobachte, dass wir, oder viele in dieser Szene eben halt wirklich dazu tendieren, nicht nur sich dadurch auch wieder Stress zu machen, sondern dass sie dann eben halt das dann auch wieder so, so deutsch machen. Weißt du, so Herr Lehrer, ich weiß was, ich habe was falsch gemacht.

Und ich war jetzt so, mich hat das so total gefreut, es ist jetzt tatsächlich eine Studie relativ frisch rausgekommen, die gezeigt hat, interessanterweise nur an Frauen, ich weiß gar nicht, warum die Studie nur an Frauen durchgeführt wurde, aber, dass Angst vor dem Altern einen schnelleren altern lässt.

[Karin Kuschik] (33:30 - 33:34)
Ja, na klar, auf jeden Fall, weil das ja Stress macht ohne Ende.

[Nils Behrens] (33:34 - 33:54)
Ja, aber ich finde es so interessant, weil gerade Menschen, die sich sehr viel mit dem Thema Langlebigkeit eben halt auseinandersetzen, natürlich dann sehen, wie sie es noch weiter optimieren können.

Und wenn man so sehr in diesen Optimierungswahn dann gerät, man natürlich dann noch mehr Angst davor hat, sozusagen, dass diese Optimierung nicht funktioniert und dadurch dann eben halt tatsächlich es eigentlich noch schlimmer macht.

[Karin Kuschik] (33:54 - 33:55)
Ja, total.

[Nils Behrens] (33:55 - 33:57)
Das hat ja eine totale Selbstironie, muss man ehrlich sagen.

[Karin Kuschik] (33:57 - 35:09)
Ja, ja, das ist paradox schon fast. Und deswegen, liebe Frauen, die jetzt zugehört haben, wie kann denn eine Frau sagen, sie will Perimenopause nicht mehr hören? Weil es so inflationär, auf jeder Party irgendwie, habe ich gefühlt jetzt ein bisschen übertrieben, aber auf meiner letzten Party war es so, also nicht meiner, sondern wo ich eingeladen war, da haben Frauen, die so Mitte 40 sind, darüber geredet und dann haben sie relativ schnell, ich habe zugehört, schnell darüber geredet, dass sie so gestresst sind von dem Thema.

Na ja, wenn du dich halt den ganzen Tag, wenn du Kriegsreporter bist, da kannst du dir ja ungefähr vorstellen, womit der Mensch sich beschäftigt und wenn jemand eben permanent über Perimenopause sich informiert und ständig jeden Muskelschmerz, der vielleicht auch woanders herkommt, jetzt wieder einordnet oder so, dann stresst es natürlich, weil dann merkst du ja, wie jeder Mensch, der sich anhäuft mit Wissen, je mehr du weißt, desto mehr weißt du ja, dass du nicht weißt und dann wird es zu so einer ganz großen Nummer, weil du immer merkst, oh, da gibt es noch eine Studie, hat was anderes gesagt, das ist ganz anders, als diese Sheila de Liz oder wie sie heißt, das sagt, ja, jetzt gibt es eine neue Studie und dann musst du dich da wieder einlesen und dann geht die Zeit weg und dann bist du wieder gestresst, also das ist so eine Spirale.

[Nils Behrens] (35:10 - 35:45)
Ja, ich weiß genau, was du meinst und ich habe mal tatsächlich das erste Buch, an dem ich was mitschreiben durfte, war ein Kochbuch und da habe ich diesen Satz reingeschrieben, wenn es um Ernährung geht, umso mehr ich weiß, I'm still confused, but on a higher level und das ist tatsächlich so, weil natürlich alles sich so ein bisschen an der Stelle widerspricht, aber in dem Zusammenhang fällt mir nur eine Geschichte auch aus deinem Buch ein, da geht es um einen Herrn, der tatsächlich in diesen Corona-Rabbit-Hole so ganz tief gefallen ist und dadurch dann Schlafprobleme bekommen hat und all um den Rand. Ich finde das eine sehr schöne Geschichte, vielleicht wollen wir die an dieser Stelle mal teilen?

[Karin Kuschik] (35:45 - 35:52)
Ja, ich muss jetzt natürlich lachen, nicht wegen Corona, sondern weil ich weiß, welche Frage kommt. Ja, ich würde mal gerne teilen, soll ich oder willst du?

[Nils Behrens] (35:52 - 35:53)
Ja, ja, erzähl du mal.

[Karin Kuschik] (35:54 - 37:21)
Na, wenn jemand, und das ist ein ganz tolles Coaching-Tool und ganz viele Coaches kennen diese Frage gar nicht, deswegen habe ich sie mit reingenommen und die, die sie kennen, trauen sich oft gar nicht, die zu stellen und deswegen habe ich sie doppelt mit reingenommen. Also, wenn jemand, und das kann auch dein Kind sein oder bei Lehrern die Schüler oder es ist völlig egal oder deine beste Freundin, wenn jemand vollhängt im Problem und nicht rauskommt, gar nicht rauskommt und die tollsten Fragen helfen gar nichts und der tollste Alsterspaziergang auch nicht, dann kann man sagen, naja, okay, jetzt mal eine ganz andere Frage. Wenn ich dein Problem jetzt auch haben wollte, also so richtig, besser als du, ein richtiges Problem, größer als du, dann geht es ja schon mal los.

Was müsste ich denn dann tun? Wie, was müsste ich denn tun? Oder du sagst, wie könntest du denn jetzt dein Problem, und das ist die O-Ton, die Frage im Buch, wie könntest du denn dein Problem verschlimmern?

Also, wenn du das jetzt noch viel schlimmer haben wolltest, also jetzt nie wieder schlafen und auf gar keinen Fall dich beruhigen und nie wieder runterkommen, wie könntest du das hinkriegen? Was dann passiert ist, egal wie du das formulierst, es gibt noch mehrere Formulierungen, dass der Mensch, der ja gerade Experte in seinem Problem ist, als Expertin oder als Experte spricht und dann sagt, naja, also dann müsste ich hier noch fünf Folgen Netflix abends gucken und noch mehr Chips und noch, so, jetzt mache ich es ganz simpel.

[Nils Behrens] (37:22 - 37:33)
Ja, in dem konkreten Fall war es ja so, dass der eben in diesen Corona-Rabbit-Hole drin war und dann hattest du auch gefragt, ja, was müsste ich denn tun? Müsste ich so eine Stunde im Netz surfen? Und dann so, nein, viel länger, viel länger.

[Karin Kuschik] (37:33 - 37:40)
Ja, du musst länger im Netz bleiben und du musst auch alle Shitstorms lesen, hat er dann gesagt. Ich sage, ach, die Shitstorms muss ich auch lesen. Ja, auf jeden Fall.

[Nils Behrens] (37:41 - 37:41)
Und kommentieren.

[Karin Kuschik] (37:42 - 38:35)
Und kommentieren musst du auch. Und dann habe ich gesagt, ja, und wann komme ich denn dann zum Essen? Ja, gar nicht.

Ah, dann komme ich gar nicht zum Essen. Und wenn ich dann zum Essen, dann musst du Shit essen. Du hast ja keine Zeit, dir was zu kochen.

Ach so. Dann sprudeln die am Anfang und denken, die spinnt die jetzt? Was fragt die mich denn?

Ich will mein Problem loswerden. Dann kommt es immer so zögerlich und dann kommt so diese Freude am Erzählen, weil ich kann ja jetzt sprudeln. Jetzt kommt der Springbrunnen.

Ja, das musst du machen. Das, das, das und noch zehnmal brisant gucken und Brennpunkt und so. Und dann am Ende, was ich dann immer mache, ich schreibe mit, also ganz kurz, Stichpunkte und dann mache ich ein Foto, wenn das jetzt kein Live-Coaching war.

Ging ja nicht live bei Corona und dann schicke ich es über WhatsApp und dann sage ich, guck mal, wenn du das jetzt alles liest, deine tollen Tipps, wie ich jetzt dein Problem auch kriegen kann und du es verschlimmern könntest, zu welchen Schlussfolgerungen veranlasste ich das denn? Und dann kam natürlich das Gegenteil logischerweise und dann hast du es ja.

[Nils Behrens] (38:37 - 38:42)
Sag mal, was ist denn aus deiner Sicht die bequemste Lüge, die wir uns selbst erzählen, um nichts verändern zu müssen?

[Karin Kuschik] (38:43 - 39:59)
Na, die größte Lüge für mich ist auf jeden Fall, ich war schon immer so, das konnte ich noch nie. Und da drehe ich ja durch innerlich, weil ich denke, boah, stell dir doch mal vor, wir hätten das von null bis sechs Jahren gesagt alle. Keiner könnte laufen, niemand könnte essen, jeder würde immer noch von der Mama das Breichen eingeflößt kriegen, wir würden uns immer noch den Joghurtlöffel ins Auge rammen.

Es wäre ja irre, wenn wir diese Haltung als Kind gehabt hätten. Da haben wir ja jeden Tag, ich weiß nicht, 30, 50, 130 Sachen gelernt. Ja, wie geht stehen, wie geht gucken, wie geht Kühlschrank aufmachen und so.

Wie geht Schnürsenkelbinden, das war dann schon die große Kunst mit fünf oder so. Also, wenn wir diese Haltung gehabt hätten, dann wären wir ja alle wirklich in einer Steinzeit geblieben. Und deswegen, wenn ich jemandem oder mich sowas sagen würde, also mich höre ich das ja gar nicht sagen, aber jemandem im Coaching, da lache ich einfach nur, dann sage ich, na, dann fangen wir jetzt mal an, gell?

Und dann kommt oft ja auch diese schöne, ich weiß nicht, ob deine Tochter dir das erzählt hat, 50-Sätze-Buch, ist ja dieser großartige Satz, zitiert, den zitiere ich von Sabine Tambria, toller Schauspieler, der mal in einem Casting gesagt hat, auf die Frage, können Sie reiten? Hat er gesagt, ja, natürlich kann ich reiten, ich muss nur noch lernen.

[Nils Behrens] (40:04 - 40:05)
Ja, ich lieb's, ich lieb's.

[Karin Kuschik] (40:06 - 40:06)
Oder?

[Nils Behrens] (40:06 - 40:17)
Das ist total schön, ja, das ist so ein bisschen, ich war da ehrlich gesagt erst mal an Otto Walkes erinnert, der hat gesagt, hast du meine Zigarette, meine Schachtel ist noch im Automaten.

Also ist das so ein bisschen...

[Karin Kuschik] (40:17 - 41:00)
Hab ich noch nie gehört. Ja, das sind so diese Haltungen, und uns bringen ja gar nicht Sätze weiter von mir, wir will ja immer jeder einen Satz oder eine Frage, und ich liefere sie ja auch. Aber was diese Sätze und diese Fragen ja machen, auf einer tieferen Ebene, und vielleicht merken das viele gar nicht, ist ja egal, klappt trotzdem, ist, dass sie unsere Haltung verändern, hin zum Positiven, dass wir die Dinge für möglich halten, dass wir sagen, hey, so what, ja, sei realistisch, erwarte Wunder, oder Angst ist freiwillig, oder was auch immer, mach es doch einfach trotzdem, da hast du halt Angst, na und, wo steht denn eigentlich, oh, du hast Angst, na dann bist du natürlich draußen, dann kannst du das da jetzt, dann kannst du natürlich jetzt nicht das machen.

Ja, dann hab doch Angst und spring trotzdem vom Drei-Meter-Turm, geht ja beides.

[Nils Behrens] (41:01 - 42:25)
Ach, wie lustig, ich habe dazu gerade gestern einen Artikel geschrieben, das ist nämlich auch eine ganz interessante Studie, und die funktioniert, also ich habe gemerkt, wie, da sind wir auch wieder beim Sprache, dass es im Englischen besser funktioniert als im Deutschen, weil das Thema, also es geht einfach darum, um das Thema sportliche Aktivität, wie es im Grunde genommen ist, wenn man dann irgendwie eine Art von Aufregung dann hat, dass man, also im Englischen kannst du eben halt das Thema Nervosität und Excitement besser trennen, Excitement ist deutlich positiver, während Aufregung im Deutschen, jetzt wörtlich übersetzen, also Aufregung ist nicht so positiv belegt, also mir ist dann so aufgefallen, dass es da im Grunde genommen eigentlich nicht so eine ganz schöne klare Unterscheidung in dem Sinne gibt, oder die so klar deutlich macht, das eine ist das Negative, das andere ist das Positive, aber das, was die Studie gezeigt hat, ist eben halt, dass es schlecht ist, wenn man versucht, diese Aufregung, die man vom Wettkampf zum Beispiel hat, oder aber auch vielleicht von großen Bühnenauftritt oder von einer großen Präsentation, wenn man da versucht, gegen anzugehen, weil das kostet auch wieder Energie, sozusagen, die einem fehlt, während eben halt, wenn man einfach das zulässt und einfach sagt, oh Mensch, ich bin jetzt excited und durch dieses Excitement sozusagen sagen, okay, ich bin bereit, sozusagen, weil mein Körper ist sozusagen auf Excitement eingestellt, dass das eben halt etwas ist, was dann eine Energie ist, die man auch nutzen kann für sich.

[Karin Kuschik] (42:26 - 42:30)
Ja, total, ich kann dir vielleicht ein Wort schenken, denn es gibt eins, Vorfreude.

[Nils Behrens] (42:30 - 42:30)
Na?

[Karin Kuschik] (42:31 - 43:33)
Vorfreude. Ja, okay. Weil das geht in Richtung Excitement und das ist ein Wort, was die Engländer nicht haben, Vorfreude.

Ja? Das haben sie eben nicht und wir haben eben das und wir meinen aber sort of, kind of, dasselbe. Es kommt auf jeden Fall am nächsten ran, sage ich mal.

Und ich kenne das total, ich bin zum Beispiel ganz, ganz selten aufgeregt, also sagen wir so, ich habe ganz, ganz selten Lampenfieber und wenn ich vor großen Events bin und das nicht habe, vergesse ich manchmal, denke ich, ich gehe jetzt gleich zur Rewe und dann denke ich, hast du sie noch alle? Weißt du, so. Und da merke ich dann, das mache ich dann auch, ich schiebe künstlich das Lampenfieber hoch, indem ich mich wie so eine Hochspringerin oder Weitspringerin, ich komme von aus der Leicht-Athletik, hinstelle und weißt du so, ich klatsche jetzt so die Beine von außen ab und so durchatmen und so, okay, go, go, ich schaffe das, ich kann das und bang und ich sage immer das Richtige zur richtigen Zeit und peitsche mich richtig Usain Bolt-mäßig da hoch, damit ich genug Adrenalin habe, um auch da zu sein, weil das ist ja auch, du brauchst ja das Hormon, um on zu sein.

[Nils Behrens] (43:34 - 44:08)
Ja, wir sind es da ähnlicher als du, ich stelle es immer mehr fest, dass wir uns da sehr ähnlich sind, bei mir ist es auch immer so, die Leute fragen mich immer, und bist du schon aufgeregt? Und ich immer so, also, aber tatsächlich ein gewisses Maß an Aufregung ist schon gut und ich versuche mich dann auch immer nochmal in so Rollen zu versetzen, dass ich dann wirklich, ich habe da einen Film, den es interessanterweise nicht mehr gibt, wo dann auch so eine Anwaltsszene dann da drin ist und wo ich mich dann immer so reinversetze wie in diesen Typen, den ich damals als Teenager dann sozusagen in den Filmen gesehen habe. Das ist bei mir dann quasi immer so das, worum ich mich reinversetze.

[Karin Kuschik] (44:09 - 44:10)
Das hört sie ja immer gut.

[Nils Behrens] (44:11 - 44:35)
Ja, aber Karin, wir sind jetzt sehr viel beim Innen sozusagen und nichtsdestotrotz gibt es ja Impulse von Außen und ich finde einen ganz wichtigen Punkt in dem Zusammenhang würde ich nochmal, dass wir den vielleicht hier auch mal teilen, was ist denn so ein Satz, mit dem man sofort Grenzen setzen kann, ohne aggressiv zu wirken, wo man dann im Grunde genommen eigentlich auch so ein bisschen was von Außen sozusagen abglocken kann.

[Karin Kuschik] (44:36 - 45:04)
Grenzen setzen, das geht ja viel um Abgrenzung bei mir, Setting Boundaries und sowas. Jetzt kannst du, weißt du, was für mich immer schön ist, wenn du mir ein Beispiel nennst, sonst müsste ich ja so aus dem Legkästchen plaudern, kann ich auch. Ich könnte zum Beispiel sagen, du, ich fühle mich hier gar nicht zuständig.

Es gibt ja so diese Frauen, vor allen Dingen Frauen sind es leider noch, aber vielleicht ändert sich das ja, die so einen Schreibtisch ganz voll haben mit den Jobs von anderen Leuten, die dann sagen, ah, kann es mir gefallen tun, du kannst es doch immer so gut, klack, schon liegt der Ordner drauf.

[Nils Behrens] (45:05 - 45:07)
Genau, daran hatte ich ehrlich gesagt auch ein bisschen gedacht.

[Karin Kuschik] (45:08 - 45:08)
Ach, ehrlich?

[Nils Behrens] (45:08 - 46:48)
Ja, ja, weil es ist schon so, also ich habe das wirklich immer wieder festgestellt, dass es so Menschen gibt, die einfach eine so hohe Hilfsbereitschaft haben. Also ich hatte jetzt tatsächlich hier, in meinem letzten Job hatte ich auch jemanden, dass das schon wirklich teilweise so, wie soll ich sagen, das tat mir dann von außen immer schon so leid und andererseits ist es eben halt, zeichnet das auch den Menschen aus, weil er so ein toller Mensch ist, weil er eben halt so ist. Aber es ist halt wirklich so, ich fand das so interessant, wir hatten das, eine Situation, das war hier bei Sunday Natural, da kam eine Frau rein, die hat sich tierisch aufgeregt, weil ihre Bestellung nicht da war.

Und die war schon wirklich mit einer so unglaublichen Grundaggressivität da und es war noch irgendwie vor neun und keine Ahnung was und ich hatte das dann nur mitbekommen, weil ich da gerade irgendwie kurz vor Podcastaufnahme war, bin ich zu meinem Studio gegangen, hab dann nur so den, das mit einem Ohr mitgehört bin, aber zum Studio gegangen, um was vorzubereiten, bin dann wieder zurückgegangen, um zu gucken, ob mein Gast schon da ist und dann sah ich, wie genau diese Kollegin von mir, herzliche Grüße an Steffi, dann schon mit dieser Dame da saß und versuchte, das Problem zu lösen. Und dann dachte ich so, Mensch, das gibt's doch gar nicht, da kommt hier jemand rein und das ist so wirklich so, die ist für Partnerships verantwortlich, für Markenkooperation.

Also es hat wirklich gar nichts mit Customer Service oder sonst was zu tun und nichtsdestotrotz, weil dann Customer Service in dem Augenblick nicht da war, nicht schnell genug da war, hat die sich schon mit ihr hingesetzt und versucht, ihr Problem zu lösen. Und dann denke ich so, Mensch, Steffi, du bist einfach zu gut für diese Welt, aber das ist natürlich genau auch das Problem manchmal, dass sie dadurch dann eben halt genau wie du sagst, die Leute dann auch zu viel ihr immer auf den Tisch legen.

[Karin Kuschik] (46:48 - 48:55)
Also genau, mein Lieblingsgedanke bei viel Mitgefühl und Empathie ist, Mitgefühl verpflichtet zu gar nichts. Ja, du kannst wunderbar viel Mitgefühl haben und du bist nicht verpflichtet, das jetzt zu leben und das, was du da verstehst, auch toll zu finden. Du kannst es ja wunderbar mitfühlen, ich fühle mit jedem Menschen mit, bin extrem empathisch und mir gefällt nicht immer, was ich damit fühle.

Und dann sage ich eben manchmal, wenn jemand sagt, ah, ich will dich unbedingt treffen oder so, dann sage ich, du, im Moment treffe ich mich am liebsten mit mir selbst, merke ich gerade. Wenn das so ist, ja, weil ich will nicht lügen, ich will nicht sagen, nein, ich will dich nicht treffen oder was erfinden, sondern wenn das so ist, dass mir die Me-Time fehlt, dann sage ich das. Oder wenn ich merke, dass mich einer angreift, dann sage ich zum Beispiel, du, das nehme ich jetzt lieber mal nicht persönlich.

Das ist ja ein Ding. Das ist ja ein Ding, nee, das entscheide ich jetzt mal anders. Also sowas.

Das ist ja auch eine Art von Abgrenzung. Oder der berühmte Flugzeugsatz, das ist eine Szene, die im Flugzeug dreht im ersten Buch, um 50 Sätze, wo, wenn sich einer anpampt ohne Ende, da kann man ja sagen, es tut mir total leid, wenn ich den Eindruck vermittelt habe, dass sie mit mir so sprechen können. Ja, so, das ist alles Abgrenzung.

Also, man kann sich wunderbar abgrenzen, auch mit Fragen kann man sich wunderbar abgrenzen. Und dieses, ich merke gerade, ich fühle mich gerade gar nicht zuständig. This is not really my department.

Ja, das ist toll, weil die Menschen dann erst durch diesen Spiegel, und es ist ja ein Spiegel, du hältst den vor, und dann merken sie auch so, Mist, ich wollte gerade was von ihr. Könnte ich auch mal selbst machen. Dann kommen sie auf die Idee, das selbst zu machen.

Und wenn man denselben Satz, also denselben Gedanken als Frage formulieren möchte, dann könnte man sagen, na, was würden sie denn jetzt tun, wenn es mich nicht gäbe? Ja. Und dann geht ja auch wieder die Reflexion los.

Also, ich lade wahnsinnig gerne Menschen ein in die Reflexion, durch die Art und Weise, wie ich frage oder was ich sage, dass die Menschen auf sich zurückgeworfen werden. Du kannst dein Problem nur selbst klären. Wir versuchen uns abzuarbeiten an anderen, da ist aber leider nicht die Lösung zu finden.

Das nennt man Projektion.

[Nils Behrens] (48:57 - 49:13)
Ich würde gerne mal zum Schluss zum Thema Routinen kommen. Und erstmal eine grundsätzliche Frage, was glaubst du, es sind ja, wie du schon sagst, 50 Sätze, es sind auch dein anderes Buch, was sind das gleich? Ne, ne, ne, dieses kleine Buch.

[Karin Kuschik] (49:13 - 49:15)
Ach so, kleine Storys über große Themen.

[Nils Behrens] (49:15 - 49:17)
Ja, das sind über 200, oder?

[Karin Kuschik] (49:17 - 49:19)
Was, über 200? 222, ja.

[Nils Behrens] (49:19 - 49:20)
Ja, ja, meine ich dann.

[Karin Kuschik] (49:20 - 49:22)
Impulse meinst du, genau.

[Nils Behrens] (49:23 - 49:30)
Deswegen wäre für mich so meine Frage, was glaubst du denn, was bringt mir so 10 perfekte Routinen oder wirklich eine, die man komplett durchzieht?

[Karin Kuschik] (49:30 - 50:40)
Ich würde auf jeden Fall, wie das Wort Routine schon sagt, eine durchziehen. Sonst ist es nämlich keine Routine. Es gibt viele Menschen, die mich fragen, ah Karin, ich mach dein Morning Queer, ich hab's schon seit 2 Jahren.

Das ist so eine Routine, die biete ich auf meiner Website an. Kannst du runterladen, kannst du machen. Ne, kaufst du einmal und machst du dann irgendwie 10 Jahre lang und so.

Morning Queer heißt das. Das ist eine Übung für Leute, die nicht eine halbe Stunde Sport machen wollen, sondern 8 Minuten einchecken und auf allen 3 Body, Mind und Soul Ebenen halt wach werden wollen. Okay.

Ganz oft gestellte Frage, ich mach das schon seit 2 Jahren, hast du mal eine neue? Ne Schatzi, ich erfinde jetzt auch nicht das Zähneputzen neu, weil das geht immer so. Und das Wort Routine sagt es ja schon, da hast du die Antwort schon mit drin.

Das liebt ja unser System, immer dasselbe machen, weil dann stellst du es halt nicht mehr in Frage. Wenn du immer mal was anderes machst, ah ich schlaf mal mit der App ein und mit dem und jetzt mach ich mal Schäfchen zählen und dann mach ich, keine Ahnung, kohärente Atmung oder so, das machst du doch nie wieder. Dann verlieren wir uns.

Aber wenn du gar nichts dazwischen kommst, zwischen dich selbst und deiner Absicht, also eine Routine, die immer ist, dann machst du halt immer das Morning Queer oder immer das Mantra oder was auch immer jemand macht.

[Nils Behrens] (50:43 - 50:46)
Ist das auch deine Antwort, wenn jemand sagt, ich hab keine Zeit für mentale Gesundheit?

[Karin Kuschik] (50:47 - 51:38)
Ja, dann sag ich, dann musst du doppelt so lange machen, wie andere. Das ist ja so, wenn jemand sagt, der hat keine, war ja so, ich hab ja über 20 Jahre meistens Vorstände gecoacht und natürlich sagen die mir, ich hab keine Zeit, ich schlaf sowieso nur viereinhalb Stunden. Ich hab keine Zeit jetzt auch noch zu meditieren.

Ja, dann würde ich sagen, meditieren so doppelt so lange, wie der der Zeit hat. Weil du willst ja damit was erreichen. Ich verstehe diese Rechnung.

Ich hab diese Milchmädchen-Rechnung auch oft gehabt in meinem Leben, aber sie bringt nichts. Weil es bringt ja nichts, 19,5 Stunden Stress zu haben und dann viereinhalb Stunden zu schlafen. Du musst schon irgendwie auch was im Gegenangebot machen.

Im Gegengewicht. Ob das jetzt Badewannen, egal, es gibt ja tausend Möglichkeiten. Aber da würde ich sagen, nee, sorry, das ist ein Trugschluss.

Das dürfen wir jetzt anders machen.

[Nils Behrens] (51:39 - 51:51)
Ach Mensch, ich könnte bitte stundenlang noch mit dir reden. Ich auch. Aber das macht leider unser Format nicht mit.

Was würdest du dir wünschen, dass die HörerInnen nach dieser Folge konkret verändern vielleicht?

[Karin Kuschik] (51:51 - 52:13)
Ihre Haltung. Also du hast es ja vorhin schon lange nicht mehr darauf angesprochen, du bist das Problem, du bist die Lösung. Und die Haltung dahinter ist ja, wer mich ärgert, bestimmt immer noch ich.

Und ich entscheide, wie es weitergeht. Wir sind die, die entscheiden, was sie fühlen, was sie denken und wie sie sich verhalten wollen. You are the boss.

Weißt du? Dein Leben, deine Regeln.

[Nils Behrens] (52:15 - 52:32)
Also ich möchte all unseren HörerInnen jetzt auch an dieser Stelle nochmal wirklich ans Herz legen. Deine Bücher, das ist ja wirklich eine Ausnahme. Jetzt nicht nur, weil sie toll sind, sondern ich glaube, das 50-Sätze-Buch ist in 160 Ländern erschienen.

 

[Karin Kuschik] (52:33 - 52:33)
Ja, stimmt.

[Nils Behrens] (52:33 - 53:36)
Es ist seit der Erscheinung 2022 in der Spiegel-Westseller-Liste das 50-Fragen-Buch ebenso. Es ist jetzt die kleinen Stories über große Themen dann auch noch darüber hinaus erschienen.

Davon auch nochmal sogar ein zweiter Teil. Also die Anzahl dessen, was man an Inspiration von dir bekommen kann, ist sehr vielfältig, aber eben halt auch sehr tiefgründig. Also man kann ja auch denken, dass mit der Masse dann auch irgendwie ein Stück weit Qualität verloren geht.

Das kann ich bisher noch nicht. Das kann ich bisher noch in keiner Weise feststellen, muss ich an der Stelle sagen, sondern es ist tatsächlich so. Und ich finde, der entscheidendste Punkt ist, und das ist wirklich so das, weswegen ich so ein Fan bin, Sprache schafft hier Wahrheiten.

Sprache verändert auch tatsächlich dann den Blickwinkel so stark auf einige Dinge, dass es genau dieser Punkt ist, der auch so motivierend ist. Weil man eben halt sieht, dass man durch eine Veränderung der Perspektive durch diese Sprache eben halt auch eine Lösung dann schaffen kann und auch tatsächlich zu einem anderen Mindset kommen kann.

[Karin Kuschik] (53:36 - 53:52)
Absolut. Und schnell. Und das ist mir, ich bin ja ungeduldig, schnell.

Ich mag keine Umleitung, ich mag Abkürzungen. Und dass die funktionieren, das freut mich am meisten von allem. Weit über die Zahlen und die Sprachen und die Länder und so, das finde ich am besten, dass es geglückt ist, dass die Leute es wirklich machen.

[Nils Behrens] (53:53 - 53:58)
Und deswegen bin ich sehr glücklich, dass dieses Gespräch stattgefunden hatte und sage vielen Dank dafür.

[Karin Kuschik] (53:58 - 53:59)
Danke dir.

[Nils Behrens] (54:03 - 54:04)
Hast du eigentlich auch ein Lieblingssupplement?

[Karin Kuschik] (54:06 - 54:21)
Ja. Wenn auch Nahrungsmittel dazu gehören, ich würde sagen Ghee ist, also geklärte Butter ist doch mal der Oberknaller reich an Buttersäure, ohne Laktose, enthält fettlösig Vitamine A, D, E, K, was weiß ich, Entzündungshemmend, Omega 3 sowieso und Schwarzkümmelöl.

[Nils Behrens] (54:23 - 54:25)
Das ist lustig, Ghee hat hier wirklich noch keiner gesagt.

[Karin Kuschik] (54:26 - 54:26)
Was?

[Nils Behrens] (54:27 - 55:02)
Nein, aber ich kann das sehr gut nachvollziehen, weil ich bin auch ein großer Fan von, ich sage aber auch warum, weil ich bin auch jemand, der sehr gerne was in die Pfanne tut und deswegen bin ich da immer so, so habe ich immer das Problem, ich benutze zum Beispiel persönlich sehr gerne Kokosfett und das interessanterweise schmecke ich auch gar nicht, während mir Leute, also ich bin scheinbar da nicht kulinarisch so gut aufgestellt oder habe da nicht so feine Geschmacksnähe, aber ich schmecke davon nichts, während andere Leute eben halt das immer sehr befremdlich finden, die sagen immer so, jetzt schmeckt dein Rührei ja nach Bounty und das empfinde ich nicht so.

[Karin Kuschik] (55:02 - 55:12)
Es gibt übrigens eine einzige Firma, die ich jetzt nicht kenne, die das wirklich hinkriegt, ohne dass es nach Kokos für deine Freunde oder die Familie schmeckt, das gibt es auch, eins gibt es davon.

[Nils Behrens] (55:12 - 55:25)
Ja, wie gesagt, ich schmecke es nicht, aber von daher hatte ich das Problem nicht, aber deswegen bin ich tatsächlich auf das Ghee umgestiegen, weil ich finde tatsächlich, dass es ein Vorteil ist, dass es eben halt wirklich gerade zum Braten eben halt dann ausgezeichnet funktioniert.

[Karin Kuschik] (55:25 - 55:28)
Ja, 250 Grad, ist der Dingspunkt, wie heißt der nochmal?

[Nils Behrens] (55:28 - 55:29)
Ja, Rauchpunkt.

[Karin Kuschik] (55:30 - 55:31)
Anders, egal, wir wissen, was wir meinen.

[Nils Behrens] (55:31 - 55:38)
Ja, genau. Also von daher, vielen Dank für diesen letzten Tipp.

[Karin Kuschik] (55:38 - 55:40)
Gerne, wie schön.

[Nils Behrens] (55:41 - 56:06)
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