

Nährstoffe für Kinder – Was kleine Körper wirklich brauchen
Wir alle wissen: Kinder brauchen Liebe, Schlaf und Geborgenheit. Doch ein oft unterschätzter Faktor für eine gesunde Entwicklung ist die richtige Ernährung. Sie legt das Fundament für Wachstum, das Immunsystem und die Konzentrationsfähigkeit. Aber was tun, wenn das Kind nur „Nudeln ohne alles“ essen will?
In dieser HEALTHWISE-Episode spricht Host Nils Behrens mit zwei Expertinnen, die genau wissen, wovon sie reden: Dr. Judith Schaus, Fachärztin für Allgemein- und Familienmedizin und Dr. Silvia Kraatz, Fachärztin für Innere Medizin. Gemeinsam mit Ernährungswissenschaftlerin Franziska Delgas haben sie das Buch „Welche Nährstoffe braucht mein Kind?“ geschrieben. Sie verbinden medizinische Expertise mit dem chaotischen Familienalltag und geben praktische Tipps, wie gesunde Ernährung ohne Druck funktioniert.
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Ohne Stress essen – wie Kinder Lust auf Vielfalt bekommen
Viele Eltern kennen das: Das Kind verweigert Gemüse und möchte am liebsten nur Nudeln oder andere einseitige Kost essen. Doch eine abwechslungsreiche Ernährung ist gerade für das Wachstum entscheidend. Die Expertinnen betonen: Druck erzeugt Gegendruck. Stattdessen helfen kreative Strategien, um Kinder an gesunde Lebensmittel heranzuführen.
3 Experten-Hacks für mehr Spaß am Essen:
- Selbstwirksamkeit fördern: Kinder essen lieber, was sie selbst zubereitet haben. Dr. Schaus empfiehlt, Kinder beim Einkauf und Kochen einzubeziehen. Ein Highlight: Das Mehl für Pfannkuchen selbst mahlen oder Haferflocken frisch quetschen.
- Das Setting ändern: Wenn es am Esstisch Stress gibt, verlagert die Mahlzeit! Ein Picknick auf dem Wohnzimmerboden oder auf dem Balkon schafft eine entspannte Atmosphäre, in der Kinder oft probierfreudiger sind.
- Spielerisch probieren: „Augen zu, Mund auf“ oder das Essen als Bild auf dem Teller anrichten (z. B. ein Vulkanausbruch aus Spinat und Kartoffelbrei) macht neugierig.
Mehr über Nährstoffe für Kinder
Die Top 3 Nährstoffe für Kinder
Auf die Frage nach den wichtigsten Nährstoffen identifizieren die Ärztinnen drei Favoriten: Omega-3, Vitamin D3 und Selen.
Omega-3 (DHA) ist essenziell für die Entwicklung.
- Wirkung: DHA trägt zur Erhaltung einer normalen Gehirnfunktion und einer normalen Sehkraft bei.
- Das Problem: Um den Bedarf zu decken, müsste ein Kind unrealistische Mengen Fisch essen (ca. 52 Fischstäbchen). Zudem ist Seefisch oft mit Schwermetallen wie Quecksilber belastet.
- Die Lösung: Ein hochwertiges, schadstoffgeprüftes Algenöl. Es schmeckt neutraler als Fischöl und lässt sich gut im Porridge oder Müsli verstecken.
Vitamin D ist ein Schlüsselhormon für den wachsenden Körper.
- Wirkung: Vitamin D wird für ein gesundes Wachstum und eine gesunde Entwicklung der Knochen bei Kindern benötigt und trägt zu einer normalen Funktion des Immunsystems bei.
- Die Situation: Laut der KiGGS-Studie sind viele Kinder und Jugendliche in Deutschland unterversorgt – selbst im Sommer.
- Empfehlung: Die Expertinnen raten oft dazu, Vitamin D mindestens bis zum 18. Lebensjahr zu supplementieren.
Selen ist ein oft unterschätztes Spurenelement.
- Wirkung: Selen trägt zu einer normalen Schilddrüsenfunktion und zur normalen Funktion des Immunsystems bei.
- Hintergrund: Europäische Böden sind selenarm, weshalb pflanzliche Nahrung wenig Selen enthält. Dr. Schaus stellt in ihrer Praxis bei fast allen getesteten Kindern niedrige Selenwerte fest.
- Quellen: Während Paranüsse für Erwachsene eine Quelle sind, raten die Ärztinnen aufgrund der Strahlenbelastung bei Kindern davon ab. Eine gezielte Supplementierung oder der Verzehr von Kürbiskernen (auch gut für Zink) können helfen.
Wachstumsschübe & Kalzium: Wann der Bedarf steigt
Der Nährstoffbedarf ist nicht statisch, betonen die Ärztinnen. Besonders in zwei Phasen brauchen Kinder besonders viel Kalzium, denn Kalzium wird für die Erhaltung normaler Knochen benötigt.
- Kleinkindalter (ca. 10.–19. Monat): Nach dem Abstillen oder der Reduktion von Pre-Milch fällt eine Hauptquelle weg, während der Knochenstoffwechsel sehr aktiv bleibt.
- Pubertät: Vor dem Schließen der Wachstumsfugen findet ein enormer Längenzuwachs statt, der die Speicher fordert.
Hinweis: Eine Supplementierung der Kinder sollte immer ärztlich abgeklärt werden.
Das Immunsystem sitzt im Darm
„80 % des Immunsystems befinden sich im Darm“, erklärt Dr. Kraatz. Ein vielfältiges Mikrobiom ist der Schlüssel zur Abwehrkraft.
- Eat the Rainbow: Je bunter die Ernährung, desto vielfältiger die Darmbakterien. Jede Pflanzenfarbe liefert andere sekundäre Pflanzenstoffe.
- Der Geheimtipp: Akazienfasern. Dieser Ballaststoff ist das „Lieblingsfutter“ der guten Darmbakterien. Das Geniale: Akazienfasern sind geschmacksneutral. Dr. Schaus mischt sie unbemerkt in Pfannkuchenteig, Müsli oder Smoothies – ein echter „Gamechanger“ für die Familiengesundheit.
Versteckte Nährstoffbomben: Rezepte aus der Praxis
Wie lassen sich wichtige Nährstoffe clever in den Mahlzeiten verstecken? Hier sind zwei Erfolgsrezepte der Expertinnen:
- Die Tomatensoße: In eine klassische Tomatensoße werden rote Linsen, Zwiebeln, Knoblauch und Karotten gemischt und weichgekocht. Danach wird alles fein püriert. Das Kind sieht nur rote Soße, isst aber Eisen und Proteine aus den Linsen mit.
- Schwarze-Bohnen-Brownies: Statt Mehl werden pürierte schwarze Bohnen (oder Kidneybohnen) als Basis für den Teig verwendet. Sie machen den Kuchen saftig („fudgy“) und liefern Proteine sowie Eisen.
Supplemente, Check-ups & Gelassenheit
Sollte man Kindern einfach Supplemente geben? Eine Supplementierung sollte eine gesunde Ernährung nie ersetzen – eine ausgewogene Kost bildet immer das Fundament. Bei kritischen Nährstoffen lohnt es sich jedoch, genauer hinzuschauen. Bei Symptomen eines Mangels (z. B. Blässe, Unruhe) ist ein Bluttest in der ärztlichen Praxis ratsam. Auch ein Check-up vor der Einschulung kann sinnvoll sein, um sicherzustellen, dass die Speicher für den Schulstart gefüllt sind, empfehlen die Ärztinnen. Doch bei aller Sorge um Werte und Vitamine wünschen sich Dr. Judith Schaus und Dr. Silvia Kraatz vor allem eines für Eltern: Mehr Gelassenheit und Experimentierfreude. Ernährung darf Spaß machen. Es geht nicht um Perfektion, sondern darum, gute Gewohnheiten vorzuleben und die Kinder neugierig auf echte Lebensmittel zu machen.
Take Aways
- Vorbild sein: Kinder essen das, was die Eltern mit Genuss essen.
- Selbstwirksamkeit nutzen: Kinder essen leichter vielfältig, wenn sie mitmachen dürfen – sei es beim Einkauf, Kochen oder Anrichten.
- Bunte Vielfalt: „Eat the Rainbow“ ist ein praktischer Kompass für Abwechslung und eine gute Versorgung mit verschiedenen Pflanzenstoffen.
- Fokus-Nährstoffe: Omega-3-Fettsäuren, Vitamin D und Selen sind laut den Expertinnen die Nährstoffe, auf die man besonders achten sollte.
- Darmgesundheit stärken: Ballaststoffe wie Akazienfasern lassen sich geschmacksneutral im Essen verstecken und füttern die guten Darmbakterien.
- Kreativ werden: Linsen in der Soße pürieren oder Bohnen im Kuchen verstecken erhöht die Nährstoffdichte unbemerkt.
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Produktempfehlungen von sunday natural
Dr. med. Judith Schaus und Dr. med. Silvia Kraatz verbinden in ihrer Arbeit fundierte Schulmedizin mit ganzheitlichen Ansätzen. Judith Schaus ist Fachärztin für Allgemein- und Familienmedizin. Ihre Expertise für die kleinsten Patienten vertiefte sie unter anderem während ihrer dreijährigen Zeit in der Kinderheilkunde der Charité Berlin. Silvia Kraatz ist Fachärztin für Innere Medizin mit Schwerpunkten in funktioneller Medizin, Nährstofftherapie und Naturheilkunde.
Gemeinsam betreiben sie in Potsdam „Pippa & Lotta“, eine Privatpraxis für ganzheitliche Familienmedizin. Was sie besonders glaubwürdig macht: Als Mütter kennen sie den turbulenten Spagat zwischen Beruf, Familie und dem Anspruch an eine gesunde Ernährung aus eigener Erfahrung nur zu gut. Zusammen mit der Ernährungswissenschaftlerin Franziska Delgas veröffentlichten sie den Ratgeber „Welche Nährstoffe braucht mein Kind?“.
Auf Instagram teilen sie ihr Wissen unter @doctorlotta.
Mehr zu Dr. med. Judith Schaus und Dr. med. Silvia Kraatz: https://www.pippalotta.com/
156 Nährstoffe für Kinder – Was kleine Körper wirklich brauchen. Mit Dr. Judith Schaus & Dr. Silvia Kraatz
[Dr. Judith Schaus] (0:00 - 0:14)
Manchmal empfehlen wir den Familien auch so vor der Einschulung, das mit ihren Kindern zu besprechen, eine Blutentnahme zu machen, um zu gucken, ob die dann alles zum Lernen wirklich haben, was sie brauchen.
[Nils Behrens] (0:14 - 1:13)
Herzlich willkommen zu HEALTHWISE, dem Gesundheitspodcast, präsentiert von Sunday Natural. Ich bin Nils Behrens und in diesem Podcast erkunden wir gemeinsam, was es bedeutet, gesund zu sein. Wir tauchen ein an Themen wie Medizin, Bewegung, Ernährung und emotionale Gesundheit.
Immer mit einem weisen Blick auf das, was uns wirklich gut tut. Wir alle wissen, Kinder brauchen Liebe, Schlaf und Geborgenheit. Aber was oft unterschätzt wird, ist auch die richtige Ernährung.
Sie legt das Fundament für ihre Zukunft. Ob Wachstumsschübe, Immunsystem oder Konzentration in der Schule, Nährstoffe sind dabei die unsichtbaren Schlüsselspieler. Dr. Judith Schaus ist Ärztin für Allgemein- und Familienmedizin. Dr. Silvia Kratz ist Ärztin für Innere Medizin. Gemeinsam mit Ernährungswissenschaftlerin Franziska Delgas haben sie das Buch, "Welche Nährstoffe braucht mein Kind", geschrieben. Sie verbinden darin fundierte Wissenschaft mit praktischen Alltagstipps und zeigen, wie Eltern ihren Kindern ohne Druck Lust auf gesunde Ernährung machen können.
Und deswegen sage ich herzlich willkommen, Dr. Judith Schaus und Dr. Silvia Kratz.
[Dr. Silvia Kraatz] (1:13 - 1:17)
Schön, dass wir da sein dürfen.
[Nils Behrens] (1:18 - 1:26)
Judith, Silvia, wie gesund war denn euer letzter Sonntag? Und vor allem, welche Rolle spielt da das Thema Ernährung ihr jetzt als Eltern?
[Dr. Silvia Kraatz] (1:27 - 1:42)
Witzigerweise waren wir jetzt am Sonntag sogar zusammen bei der Nährstoffgeschichte, dem Theaterstück in Berlin. Können wir auch sehr empfehlen für Kinder. Das hatte ich nämlich Judiths Sohn geschenkt zum Geburtstag.
Danach gab es aber auch zugegebenermaßen auch noch ein Eis.
[Nils Behrens] (1:43 - 1:45)
Das ist ein Theaterstück über Nährstoffen, oder wie?
[Dr. Silvia Kraatz] (1:46 - 1:57)
Ja, das ist super toll. Also meine Tochter hat da sehr viel gelernt über gute und schlechte Nährstoffe, wird ganz spielerisch dargestellt und gibt auch ein Buch dazu. Also sehr zu empfehlen.
[Nils Behrens] (1:57 - 2:05)
Sehr schön, sehr schön, klingt auf jeden Fall spannend. Warum habt ihr denn überhaupt das Buch geschrieben? Was gab es da für einen Auslöser?
[Dr. Silvia Kraatz] (2:05 - 2:25)
Also meine Tochter, die hatte eine sehr lange Phase, wo sie wirklich nur weiße Produkte gegessen hat, also Kartoffeln, Reis, wo ich mir doch Gedanken gemacht habe, auch wenn es so eine Phase war, ob da wohl im Wachstum genug Nährstoffe in sie reingelangen.
[Nils Behrens] (2:26 - 2:27)
Darf ich fragen, wie alt sie ist?
[Dr. Silvia Kraatz] (2:28 - 3:14)
Jetzt ist sie sechs Jahre, ist auch inzwischen deutlich gebessert durch gewisse Maßnahmen. Aber ja, ich habe mir gedacht, wir als Erwachsene, wir werfen doch immer mal wieder Nahrungsergänzungsmittel eventuell ein, wollen uns optimal aufstellen und gerade Kinder, die sich im Wachstum befinden, haben ja einen viel höheren Bedarf an Nährstoffen und da wird oft gar nicht so darauf geachtet, finde ich. Und so entstand die Idee, vor allem wollte ich wissen, wie viel braucht denn überhaupt mein Kind am Tag zum Beispiel an Paprika, um auf einen genügenden Vitamin-C-Spiegel zu kommen.
Ich hatte da irgendwie nicht so das richtige Gefühl, es ist jetzt eine Paprika oder zwei und das haben wir dann zusammen mit der Ernährungswissenschaftlerin herausgefunden.
[Nils Behrens] (3:15 - 3:57)
Ich finde das total spannend, weil ich weiß es noch genau, das muss so, ich schätze es sind jetzt so um die zehn, zwölf Jahre ist das ungefähr her, da habe ich das erste Mal dann auch von diesem ganzen Thema Vitamin D, wie wichtig es ist zu supplementieren und sowas alles dann irgendwie so gelernt und da gab es noch damals diese, die waren verschreibungspflichtig in Anführungsstrichen, also nicht im Sinne von, dass man ein Rezept braucht, aber man konnte diese 20.000 Einheiten in der Apotheke nur kaufen, wenn man eben halt eine Verschreibung hatte sozusagen. Und deswegen kam mir die schon so ein bisschen kritisch vor, so nach dem Motto, du weißt ja doch genau, wie ich da gefragt habe, kann ich die meiner Tochter denn auch geben, so nach dem Motto, also ich war da wirklich auch echt...
[Dr. Silvia Kraatz] (3:57 - 4:02)
Das ist übrigens auch heute noch so, die 20.000er sind immer noch Rezeptpflicht.
[Nils Behrens] (4:02 - 4:39)
Ja, ne bei uns nicht, also wir haben schon 20.000er Einheiten, aber nichtsdestotrotz, also es hat sich ja eigentlich diese Einheit überholt, aber ich will nur einfach sagen, es ist so interessant, dass man sich so Gedanken darüber macht, sollte man seinem Kind Vitamine supplementieren, aber man nicht darüber Gedanken macht, ob es eben halt ein Eis bekommt, so verstehe ich, was ich meine, das ist so ein bisschen, aber insofern umso spannender. Das heißt also, viele Kinder kennen ja auch das Problem, was du gerade beschrieben hast, die Kinder wollen eigentlich Nudeln pur, kein Gemüse, so wie würdet ihr denn jetzt empfehlen, geht man da ohne Stress ran?
[Dr. Judith Schaus] (4:41 - 6:09)
Ja, ohne Stress ist in vielen Alltagen der Familien gar nicht so leicht zu realisieren, aber wir haben uns viele Gedanken gemacht aus unserer eigenen Erfahrung und natürlich auch aus der Rückmeldung der Patientenfamilien, die wir haben, was so am besten klappt. Und es gibt schon schöne Familien Rituale, die den Kindern es erleichtern, auch gute Dinge zu essen und ein ganz wichtiger Faktor ist, denke ich, sie mit in den Einkauf, ins Kochen, ins Verarbeiten der Lebensmittel wirklich mit einzubeziehen. Beispielsweise kann man sein Mehl selber mahlen und mit diesem Vollkornmehl, was sie gerade selber gemahlen haben, der Pfannkuchen schmeckt dann halt einfach noch zehnmal besser, als wenn man einfach Weißmehl gemischt hätte.
Und ein weiterer Tipp von mir wäre, dass man die Kinder in schöne Situationen begibt, wenn man isst. Also beispielsweise, wenn man auch nur im Garten oder auf dem Balkon eine Picknickdecke auslegt und sozusagen spielt mit ihnen, dass man jetzt ein gemeinsames Picknick an der frischen Luft macht, egal in welchem Setting man das letztlich macht. Man kann das auch genauso im Winter im Wohnzimmer spielen und da essen die Kinder aber doch dann ganz andere Sachen, weil es einfach eine andere Situation ist.
Nicht so gezwungen, wie manchmal an diesem Familientisch, wo keiner sitzen bleiben will.
[Nils Behrens] (6:10 - 6:46)
Ja, finde ich einen sehr guten Tipp. Also genauso habe ich ehrlich gesagt meine Tochter da auch ran bekommen, weil bei uns war es immer A, das Zusammenkochen, aber B, das Essen wurde dann immer so angerichtet, dass es irgendwie was ergeben hat. Das heißt, es gab dann eben halt Vulkanausbruch am Strand oder es gab dann irgendwie Miss Spaghetti Haar oder oder keine Ahnung was.
Also man hat dann im Grunde genommen eigentlich immer, wir haben dann nicht nur zusammen gekocht, sondern haben dann immer auch noch so wie Bilder auf den Tellern dann sowas dann so gemacht. Und dadurch brauchte man auch verschiedene Farben. Wie man verschiedene Buntstifte braucht, braucht man halt auch verschiedene Farben.
[Dr. Silvia Kraatz] (6:46 - 7:05)
Abwechslung ist ja super wichtig. Und genau, ich finde dieses Spielerische auch total schön. Also wir haben zum Beispiel dann auch manchmal so Augen zu Mund auf und koste doch mal, was das jetzt ist oder sag mir doch mal, was das ist.
So kann man auch wieder so neue Geschmäcker dann mal einführen. Genau, dieses Spielerische ist wichtig.
[Nils Behrens] (7:05 - 7:14)
Superschön, superschön. Dann lass uns doch mal auf die Nährstoffe tatsächlich eingehen. Was sind die drei wichtigsten Nährstoffe, auf die Eltern im Alltag wirklich achten sollten?
[Dr. Silvia Kraatz] (7:15 - 8:31)
Also Omega-3 ganz vorne weg, weil das einfach extrem wichtig ist für die Gehirnentwicklung, für das Gefäßsystem, für so viele Stoffwechselprozesse in unserem Körper. Und wir doch durch den verminderten Fischkonsum, den wir heutzutage haben, einfach alle eigentlichen Omega-3-Mangel haben. Und gerade im Wachstum brauchen wir einfach sehr viel Omega-3.
Und Vitamin D wäre auch noch ganz vorne mit dabei, wichtig für das Immunsystem, für den Knochenstoffwechsel. Auch da haben wir festgestellt, zum Beispiel in der KiGGS-Studie, dass die Kinder und Jugendlichen in Deutschland viel zu unterversorgt sind. Das heißt, wir haben eigentlich alle einen Mangel, auch in den Sommermonaten, weil wir einfach Kleidung tragen, weil wir zu wenig Haut in der Sonne haben.
Und das ist ja auch gar nicht so förderlich, kleinen Kindern jetzt, sage ich mal, über mehrere Stunden in die Sonne zu legen. Aus diesem Grund empfiehlt es sich tatsächlich auch, im Sommer Vitamin D in dem Fall tatsächlich auch zu substituieren, weil eben in den Nahrungsmitteln ist so gering Vitamin D enthalten, beispielsweise ein Ei oder Fisch, dass wir da nicht auf einen ausreichenden Spiegel.
[Nils Behrens] (8:31 - 8:35)
Ich glaube, man müsste mindestens ein halbes Kilo Makrele oder so am Tag essen.
[Dr. Silvia Kraatz] (8:36 - 8:37)
Das ist unrealistisch.
[Nils Behrens] (8:37 - 8:40)
Das ist für Kinder in dem Alter, glaube ich, nicht sonderlich realistisch.
[Dr. Judith Schaus] (8:41 - 8:50)
Man kann auch Pilze in die Sonne legen, die sammeln dann auch noch Vitamin D nachträglich. Die sind dann ein bisschen Vitamin D reicher. Aber auch das...
[Nils Behrens] (8:50 - 8:51)
Pilze lieben Kinder ja total.
[Dr. Silvia Kraatz] (8:51 - 8:57)
Ja, genau. Also wir haben gerade Steinpilze gesammelt letztes Wochenende.
[Nils Behrens] (8:57 - 9:03)
Und die werden gegessen. Ich war mit meinen Eltern auch immer Pilze sammeln und habe es geliebt, aber ich habe davon keinen gegessen.
[Dr. Silvia Kraatz] (9:03 - 9:08)
Also mein ganz kleiner ist es, aber die großen auch leider noch nicht.
[Nils Behrens] (9:08 - 9:11)
Okay, okay. Wir hatten jetzt Omega-3, Vitamin D und?
[Dr. Judith Schaus] (9:12 - 9:52)
Ich würde sagen, Selen ist noch sehr, sehr wichtig, weil wir da auch bei fast allen Kindern, ich würde behaupten, bei uns in der Praxis jetzt bei allen, bei denen ich gemessen habe, bei allen Kindern habe ich einen Selenmangel festgestellt. Und das ist eben ein ganz, ganz wichtiges Enzym für die Schilddrüse, weil es das inaktive Schilddrüsenhormon ins aktive Schilddrüsenhormon umwandeln kann. Und wir haben in Europa sehr selenarme Böden.
Dementsprechend nehmen wir es wenig durch Gemüse auf. Und da wäre eine Supplementierung tatsächlich auch sehr, sehr wichtig.
[Nils Behrens] (9:53 - 9:54)
Ich habe deswegen immer Paranüsse dabei.
[Dr. Judith Schaus] (9:55 - 10:04)
Das ist aber für Kinder wiederum auch nicht so gut, weil die eben radioaktiv strahlen. Erwachsene sollen maximal eine Paranuss am Tag essen.
[Nils Behrens] (10:04 - 10:07)
Ich habe noch drei gehört, die nehme ich auch meistens raus, aber ja, okay.
[Dr. Judith Schaus] (10:07 - 10:13)
Ja, ich wäre da vorsichtig wegen der Strahlenbelastung und für Kinder tatsächlich eher nicht.
[Dr. Silvia Kraatz] (10:14 - 10:16)
Ja, dann Kürbiskerne noch.
[Nils Behrens] (10:17 - 10:19)
Wirklich, Kürbiskerne gehen auch, mag ich sehr.
[Dr. Silvia Kraatz] (10:19 - 10:22)
Kürbiskerne gehen auch, ist nicht ganz so hoch dosiert.
[Dr. Judith Schaus] (10:23 - 10:34)
Und Kürbiskerne enthalten auch viel Zink und das wäre jetzt auch noch eins der wichtigeren Spurenelemente für die Kinder.
[Nils Behrens] (10:34 - 11:03)
Ja, ihr habt ja eine schöne Tabelle da auch bei euch im Buch drin, wo auch was drin ist. Und vor allem, was ich sehr schön fand, war die Unterteilung zwischen, wenn man alles isst sozusagen, wo man es drin findet, also sprich eben mit Fleisch und Fisch, wenn man sich vegetarisch ernährt oder wenn man sich vegan ernährt. Und da hattet ihr ja auch ein paar Sachen dabei.
Also Klassiker ist natürlich immer B12, der eigentlich ja über die Nahrung dann so gut wie gar nicht zu erreichen ist.
[Dr. Judith Schaus] (11:03 - 11:47)
Genau, da ist es absolut wichtig, bei veganer Ernährung das zu supplementieren. Witzigerweise gab es da auch diese KiGGS-Studie, die sich angeguckt hat, wie vegetarische Familien und vegan ernährende Familien aufgestellt sind. Und da waren die vegan ernährenden Familien tatsächlich besser mit ihrem B12-Level, weil das den Eltern eben in dem Fall doch klar ist, dass sie das supplementieren müssen, während die, die vegetarisch unterwegs sind, das meistens nicht supplementieren, weil es ja auch beispielsweise ein Ei enthalten sein kann.
Und da sozusagen waren die Veganer doch besser aufgestellt.
[Nils Behrens] (11:48 - 12:33)
Also zum Glück ist dieses Wissen heute da, weil ich weiß das wirklich, dass meine, also in meinem Alter, ich hatte eine gute Freundin da, die sehr früh sich angefangen hat, eben auch vegetarisch zu ernähren. Und das wusste man da einfach nicht. Also es war noch nicht so ein omnipräsentes Wissen, muss man da wirklich so sagen.
Ich finde das, was ich aber wirklich spannend fand, war, dass der Nährstoffbedarf, ich meine, es ist, wenn man darüber nachdenkt, auch logisch, aber trotzdem sich ja eben halt in den verschiedenen Wachstumsphasen signifikant verändert. Ich glaube, ihr habt das Beispiel Kalzium im Buch drin, wo ihr dann auch wirklich so sagt, naja, der Bedarf eines, ich glaube, vom 10. bis zum 19.
Monat oder irgendwie so, ist der Bedarf des Kalziums viel, viel höher als der, den wir jetzt als Erwachsene brauchen.
[Dr. Silvia Kraatz] (12:34 - 13:00)
Absolut, genau. Genau, da ist eben der Knochenstoffwechsel sehr aktiv und bedarf halt einfach einem enormen Kalziumzufuhr, die wir ja auch über die Muttermilch meistens kriegen. Und der Knochenstoffwechsel, der bleibt natürlich, aber er wird sozusagen etwas verlangsamt und deshalb verändert sich das so im Verhältnis auch zur Körpergröße.
[Nils Behrens] (13:00 - 13:08)
Ich weiß nicht, ich glaube, es hat sich ein bisschen was geändert, aber ich kann jetzt nur sagen, dass meine Tochter ab dem 6. Monat nicht mehr gestillt wurde. Das heißt, also da war nichts mehr mit Muttermilch.
[Dr. Judith Schaus] (13:08 - 13:43)
Ist natürlich sehr unterschiedlich. Häufig, wenn dann abgestillt wird, gibt es ja dann trotzdem noch Pre-Milch zusätzlich zur Beikost, weil in den seltensten Fällen können sechs Monate alte Säuglinge schon ihren Kalorienbedarf über Breinahrung überhaupt aufnehmen. Da wird ja eher so die erste Breimalzeit eingeführt ab Monat sechs, sieben. Und die, die wirklich dann abstillen, weil sie zum Beispiel beruflich müssen, die werden ja häufig dann noch Flaschenmilch dazugeben.
[Nils Behrens] (13:44 - 14:01)
Okay, das heißt also, wenn wir jetzt tatsächlich, habe ich die Zahl richtig in Erinnerung? Bis zum 19. Monat war das, glaube ich, wenn ich es noch richtig weiß.
Das ist ja fast zwei Jahre. Das heißt also, da sollte man idealerweise darauf achten, dass man da in irgendeiner Form noch eben halt diese Calciumzufuhr durch solche Präparate hat.
[Dr. Judith Schaus] (14:01 - 14:35)
Oder eben durch Quark, Joghurt, andere Milchprodukte auch. Also es ist sicherlich immer so ein Gemeinschaftswerk. Also das ist ja auch mit einem Schlüssel, glaube ich, die Kinderernährung sehr divers zu gestalten, weil man eben früher hat man gedacht, ja, ich esse jeden Morgen meinen Haferschleim mit Kiwi oder was auch immer man gerne mag.
Aber das ist gar nicht so gut, sondern wirklich von der ganzen Bandbreite, also ist so bunt wie der Regenbogen, ist eigentlich das Wichtigste. Und da eben auch zu wechseln. Das ist weniger dogmatisch als früher.
[Nils Behrens] (14:35 - 15:00)
Das finde ich sehr faszinierend, gerade weil du es ansprichst, dieses Eat the Rainbow, dass die Natur tatsächlich die Farbkategorien ähnliche Funktionen haben. Also dass alles, was gelb ist, also von einer gelben Paprika über eine Zitrone, über keine Ahnung was, eine ähnliche Wirkung auf den Körper hat wie alles, was lila ist oder alles, was rot ist oder sowas. Das ist ja schon, oder orange, ja.
[Dr. Silvia Kraatz] (15:00 - 15:02)
Ja, mit der Karotin, genau.
[Nils Behrens] (15:02 - 15:09)
Also das fand ich ja wirklich hoch faszinierend, dass da so eine quasi farbliche Color-Coding sozusagen da auch stattfindet.
[Dr. Silvia Kraatz] (15:09 - 15:27)
Und das macht den Kindern auch Spaß. Das kann man ja auch so bildlich mal darstellen. Wir haben das auch am Kühlschrank kleben zum Beispiel.
Und dann kann man da immer mal gucken, welche Regenbogenfarben habe ich denn heute schon zu mir genommen. Und ich wollte noch einwerfen, Kalzium ist ja zum Beispiel auch im grünen Blatt Gemüse. Nun ist das nichts, was die ganz Kleinen vielleicht unbedingt...
[Nils Behrens] (15:27 - 15:29)
Ich habe schon immer Spinat gemocht.
[Dr. Silvia Kraatz] (15:29 - 15:30)
Okay, super.
[Nils Behrens] (15:30 - 15:32)
Aber der mit dem Blub.
[Dr. Judith Schaus] (15:33 - 15:36)
Tiefgekühlt ist ja sogar ganz gut für die Vitaminzufuhr.
[Dr. Silvia Kraatz] (15:37 - 15:38)
Deswegen ist das so groß und stark.
[Nils Behrens] (15:38 - 15:41)
Ja, genau, genau. Das war der Popeye-Effekt.
[Dr. Silvia Kraatz] (15:44 - 16:08)
Vielleicht zum Kalzium, wenn ich das noch einwerfen darf. Das vergisst man nämlich häufig, finde ich. Wir essen ja oft oder trinken vegane Produkte, Hafermilch etc.
Und da ist eben oft zu wenig Kalzium drin. Also da sollte man schon darauf achten, dass da eine Kalzium zugeführt ist. Die gibt es auch, diese Produkte.
Aber da ist das Bewusstsein nicht ganz so da, finde ich.
[Nils Behrens] (16:08 - 16:53)
Ich glaube so ab relativ früh, ich hatte mich mit meiner Tochter darüber unterhalten, mal so, dass das relativ früh war, dass sie eigentlich bei uns zu Hause gar keine Milch mehr gab. Keine klassische Kuhmilch mehr. Eben halt immer irgendwelche Ersatzprodukte.
Und z.B. mit Müsli hatte sie immer eine Reismilch, wenn ich es noch richtig weiß, die mit Kalzium eben halt extra versehen war. Und von daher, hatte sie neulich gerade in dem Zusammenhang erzählt, weil wir irgendwo einen Kaffee trinken waren und dann meinte sie so, für sie ist Milch einfach schon so lange raus aus der Ernährung sozusagen. Wo ich gar nicht so bewusst drüber nachgedacht habe.
Aber ja, also ich kann mich auch nicht daran erinnern, dass ich in den letzten 15 Jahren eine Tüte Milch gekauft habe für sie.
[Dr. Silvia Kraatz] (16:53 - 17:00)
Oft wird ja auch so ein Porridge oder so dann eher mit Hafermilch oder so zubereitet. Das ist ja auch total gut.
[Dr. Judith Schaus] (17:00 - 17:22)
Schmeckt auch süßer als die Kuhmilch tatsächlich, die Hafermilch. Und wir haben auch viele Familien in der Praxis, sehen wir, die Kuhmilch nicht gut vertragen, weil es doch eher bei schwierigen Darmsituationen auch mal proentzündlich wirken kann. Und da müssen wir dann halt auch viel erklären, wie man dann Ersatz findet, gerade was das Calcium angeht.
[Nils Behrens] (17:23 - 17:30)
Calcium haben wir jetzt einfach mal kurz abgespeichert. Ganz am Anfang ganz viel, wird wahrscheinlich dann immer noch höher bleiben, sozusagen in der Wachstumsphase.
[Dr. Judith Schaus] (17:30 - 17:43)
Aber auch nochmal wichtig in der Pubertät, weil ja dann nochmal das Längenwachstum auch kommt. Gerade bei den Jungs, bevor dann die Wachstumsfugen sich schließen, da wird auch nochmal sehr, sehr viel Calcium benötigt.
[Nils Behrens] (17:43 - 17:55)
Gut, Calcium kommt auf die wichtige Phase in der Anfangszeit. Habt ihr noch was, wo man sagen würde, in der Phase ist das Thema besonders, also der Mikronährstoff besonders wichtig?
[Dr. Silvia Kraatz] (17:56 - 18:35)
Also ich würde schon, also da nochmal den Wert auf Omega-3 auch legen, gerade so in der Zeit Vorschule-Schule, weil da einfach viel passiert, da die Kinder nochmal extrem Lernzuschub machen. Und auch in der Pubertät, weil da eben im Gehirn so viel stattfindet, dass man in diesen beiden Phasen, also so Einschulungsphase und zusätzlich nochmal Pubertät, wirklich Wert legt auf einen guten Omega-3-Spiegel. Natürlich will man bei den Kindern jetzt nicht immer unbedingt messen, aber Omega-3 ist auch was, was man gut ohne Messen sozusagen substituieren kann.
[Nils Behrens] (18:35 - 19:00)
Ja, 100 Prozent, weil, also wir haben ja auch mal eine Folge gemacht, nur zum Thema Omega-3, und es ist ja wirklich so, dadurch, dass wir so viele andere Fette haben, und dass es ja letztendlich nachher auch darum geht, dass das Mischverhältnis der verschiedenen Omega-6, Omega-9-Fette eben vernünftig ist. Also einen Mangel an den anderen haben wir ja meistens dann nicht in unserer Ernährung, aber eben halt Omega-3 ist zu wenig. Was würdet ihr denn jetzt mal losgelöst von einer Supplementierung da empfehlen?
[Dr. Silvia Kraatz] (19:02 - 19:04)
Du meinst jetzt bezüglich Omega-3?
[Nils Behrens] (19:04 - 19:04)
Omega-3, ja genau.
[Dr. Silvia Kraatz] (19:06 - 19:11)
Also natürlich, da kommt es eben wieder, Fischkonsum zu tragen.
[Nils Behrens] (19:12 - 19:17)
Aber ist denn so ein Fischstäbchen jetzt eigentlich mal so einfach gesprochen, aus meiner Kindheit, denn was darin?
[Dr. Judith Schaus] (19:17 - 20:25)
Nein, also das hat eine Firma gerade veröffentlicht, die Daten, dass man etwa 52 Fischstäbchen pro Tag bräuchte, um auf den Omega-3-Wert für einen Erwachsenen, also an den Tagesbedarf zu kommen. Ich glaube, das war richtig. 52 Fischstäbchen ist auch sehr, von der Nachhaltigkeit natürlich auch sehr kritisch.
Und ja, da würden wir einfach ganz klar ein gut kontrolliertes Algenöl auch favorisieren. Wir erleben nämlich auch, dass die Familien, die viel Fisch essen, also so zweimal die Woche, vielleicht dreimal die Woche, haben fast alle auch erhöhte Quecksilberspiegel. Weil der Klassiker mit einem Lachs oder Thunfisch beim Sushi-Laden oder sonst was, der ist schon quecksilberbelastet.
Und deshalb ist es, glaube ich, auch wichtig, ein Omega-3-Öl zu verwenden, was gut kontrolliert ist. Also ich glaube, bei Omega-3 lohnt sich die Qualität und ein gut kontrolliertes Produkt am meisten.
[Nils Behrens] (20:25 - 20:35)
Ja, 100 Prozent. Also auch da haben wir mal eine Folge zu gesprochen. Also auch diesen Ranzigkeitsfaktor, auf den man da ja auch so achten muss.
[Dr. Judith Schaus] (20:35 - 20:36)
Auf die Frische kommt es.
[Nils Behrens] (20:36 - 20:50)
Die Frische. Und dann auch ganz häufig, also gerade Leinöle, die sind ja immer so, kommen ja einem immer als erstes dann im Kopf so.
Aber wenn man sich dann mal anschaut, wie viel Leinöl man eigentlich zu sich nehmen müsste, ich glaube, das ist wirklich so.
[Dr. Judith Schaus] (20:50 - 20:51)
Literweise.
[Nils Behrens] (20:51 - 20:52)
Ja, ich glaube, es reicht.
[Dr. Judith Schaus] (20:52 - 20:54)
Anderthalb Liter, glaube ich, pro Tag.
[Nils Behrens] (20:54 - 21:37)
Ich glaube, es ist nicht ganz so schlimm, aber es sind, glaube ich, schon fast ein Saftglas. Und ich finde, wenn man sich das dann mal überlegt, wie viele Kalorien das auch einmal so sind, ich meine, das ist bei Kindern häufig noch nicht, aber wohl, ich meine, ihr wisst es besser, es gibt ja genügend übergewichtige Kinder ja auch schon, aber nichtsdestotrotz, also die Kalorien, und das ist ja jetzt auch nicht vergnügensteuerpflichtig, jetzt irgendwie Leinöl in diesen Mengen zu sich zu nehmen, plus man dann auch noch sagen muss, dass bei dem Leinöl die Lagerung einfach noch, noch, noch viel kritischer ist. Das heißt also, wenn es nicht in der dunklen Flasche ist, wenn es nicht nach der Öffnung gekühlt wurde und wenn es dann aber auch schon im Prozess nicht Omega-3 safe produziert wurde, dann hat man ja sowieso ein Problem.
[Dr. Silvia Kraatz] (21:37 - 21:46)
Man darf es ja auch nicht erhitzen. Also es wäre natürlich einfach, wenn man es jetzt zum Kochen verwenden könnte, aber das darf man natürlich auch nicht. Also es macht es sehr schwer im Alltag.
[Nils Behrens] (21:46 - 21:49)
Algenöl braucht man weniger von und...
[Dr. Silvia Kraatz] (21:49 - 21:51)
Und schmeckt besser als das Fischöl.
[Nils Behrens] (21:51 - 21:56)
Und schmeckt besser, genau. Ist ja häufig auch manchmal mit so ein bisschen zitronigen Geschmack dann irgendwie da versehen und so.
[Dr. Silvia Kraatz] (21:56 - 22:02)
Kann man auch ganz gut ins Porridge machen. Also ich mache es bei meinen Kindern immer morgens ins Porridge und die stehen da total.
[Nils Behrens] (22:02 - 22:30)
Also ich muss euch ja wirklich sagen, mein guilty pleasure, äh guilty pleasure, mein pleasure ist ja mittlerweile auch so, ich mag die total gerne, wir haben ja so Omega-3 Pearls, auf die kann man drauf beißen und dann hat man so einen zitronigen Ölgeschmack und das finde ich so, ich mag das einfach so fast wie so ein Snack zwischendurch. Die stehen bei mir am Laptop und ich gebe euch die gleich mal mit. Aber das sind so für mich so Sachen, die easy sozusagen zu snacken, dann irgendwie nebenbei auch mal einzubauen und so.
[Dr. Judith Schaus] (22:30 - 22:45)
Und dann hat man ja auch wieder den frische Faktor sozusagen, weil bei den Kapseln weiß man es ja nicht so gut, ob die gerade noch frisch sind oder schon ranzig, wie lange die da schon liegen. Aber wenn man bei den Pearls wirklich drauf beißen soll, dann macht es ja schon Sinn, dass die dann auch wirklich frisch sind.
[Nils Behrens] (22:45 - 22:48)
Ja, klar, da würde man den Unterschied schmecken, das ist definitiv so.
[Dr. Silvia Kraatz] (22:49 - 22:58)
Idealerweise kombinierst du es natürlich noch mit einer fettreichen Mahlzeit, also kann man natürlich auch vielleicht ein paar Nüsse dazu.
[Nils Behrens] (22:59 - 23:28)
Das sind so Dinge, die sind mir bewusst und geht ja eben darum, um die Bioverfügbarkeit dann auch und so. Ich kann euch, ich muss das jetzt an dieser Stelle, muss ich mich dann auch wirklich outen. Ich habe einfach festgestellt, wenn ich so Sachen, ich komme am besten damit zurecht, morgens zum Frühstück sozusagen dann einmal alles zu nehmen.
Ich weiß, dass dann die Rezeptoren auch überlastet sind, dass nicht alles ankommt und allem Drum und Dran. Aber ich weiß halt einfach, wenn ich es so nicht mache, kriege ich die regelmäßige Sicherheit gar nicht hin und dann ist es auch schlecht.
[Dr. Silvia Kraatz] (23:29 - 23:36)
Und andererseits, sage ich mal, die Steinzeitmenschen haben auch eine große Mahlzeit genommen und dann lange erst mal nichts insofern.
[Dr. Judith Schaus] (23:36 - 24:07)
Ich habe da ein bisschen so strategische Orte. Also zum Beispiel das Natriumselenit stelle ich mir gerne, weil es eher nüchtern genommen werden soll, zum Zahnputzbecher morgens, wo ich irgendwie, bevor ich runtergehe zum Frühstück hin, dann nehme ich einige Sachen mit dem Frühstück. Die habe ich dann auch so auf dem Küchentisch stehen und dann nochmal wieder was abends steht am Schlafzimmer, am Nachttisch, sodass man so ein bisschen so seine Orte hat, wo man eh vorbei muss.
[Nils Behrens] (24:08 - 24:41)
Ja, ich habe es fast, also das Chlorella zum Beispiel ist bei mir, das nehme ich immer so ein bisschen zur Grundentgiftung, weil du sagst, das ist gerade mit, wie viel Giftstoffe wir so zu uns regelmäßig nehmen. Und von daher, das ist das, was ich morgens nüchtern auch tatsächlich noch hinbekomme. Dann eben halt zum Frühstück dann die zweite Ladung und das Omega-3 tatsächlich versuche ich davon zu trennen, weil auch da habe ich hier in diesem Podcast gelernt, dass Mineralstoffe und Öle kombiniert sich so schnell verseifen und das will man ja dann auch nicht unbedingt, aber von daher.
[Dr. Silvia Kraatz] (24:42 - 24:45)
Eisen sollte man zum Beispiel auch einzeln nehmen, genau.
[Nils Behrens] (24:45 - 25:14)
Darf ich gar nicht nehmen. Da habe ich so eine genetische Prädisposition, das ist sehr, sehr gut. Also das ist das, was viele Frauen aber, jetzt will ich ja auch nicht so ein Klischee machen, aber es sind mehr Frauen, die einen Mangel an Eisen haben als Männer.
Und bei mir ist es eben halt so, ich darf Eisen gar nicht supplementieren, weil ich so viel Eisen schon immer aufnehme, dass der Spiegel eh schon immer zu hoch ist. Also von daher, bei Eisen bin ich raus. Aber gut, wir wollen ja nicht über mich reden, wir wollen über die Kinder reden.
[Dr. Silvia Kraatz] (25:14 - 25:32)
Genau, bei den Kindern ist es auch schön, morgens so eine Routine dazu machen. Also morgens gleich das Vitamin D, das ist ja ein tagesaktives Hormon. Und dann das Omega-3, vielleicht so Müsli gleich dazu.
Also das finde ich auch immer eine schöne Routine. Und dann starten die schon mal gut in den Tag.
[Nils Behrens] (25:33 - 25:59)
Sehr gut, sehr gut. Da habt ihr ja auch so verschiedene Tipps. Und vor allem, ich möchte an dieser Stelle nochmal sagen, ihr habt ja auch verschiedene Rezepte dann eben halt auch nochmal in eurem Buch da mit drin.
Die sind natürlich nicht so podcast-tauglich, aber kommen wir gleich auch nochmal zu. Dann schreibt, lasst doch mal über das Thema Immunsystem sprechen. Weil, ich glaube, das ist auch so ein Klassiker, dass man kennt, insbesondere wenn die Kinder in der Kita sind, dass die dann schon den einen oder anderen Virus auch mitnehmen.
[Dr. Judith Schaus] (25:59 - 26:01)
Absolut, kennen wir aus eigener Erfahrung.
[Nils Behrens] (26:02 - 26:30)
Ja, genau, ich auch. Und dummerweise, ich bin auch wirklich jahrelang immer, also ich bin auch jetzt schon wieder seit Jahren nicht mehr richtig krank gewesen. Aber in der Zeit, als meine Tochter in der Kita war, habe ich schon auch echt viele von diesen Infekten auch selbst mitgenommen.
Also die eigenen Gene, die Viren, die die eigenen Gene sozusagen schon angenommen haben, die scheinen dann auch irgendwie sehr gut auf die Genegeber sozusagen übertragen zu werden. Deswegen, was sind denn so die Game Changer für das Thema Immunsystem?
[Dr. Judith Schaus] (26:31 - 27:36)
Ja, wir hatten ja schon das Vitamin D angeschnitten. Das ist eines der wichtigsten Hormone ja letztlich für unser Immunsystem. Wirkt auf ganz verschiedenen Ebenen.
Fast überall im Körper gibt es Vitamin D-Rezeptoren. Am Zellkern, an den Zellwänden, an unseren Immunzellen, sogar auf Genebene wirken die. Und es gibt eine ganz gute Studie von der American Society of Endocrinology, die wirklich zeigt, dass wenn man bis zum 18.
Lebensjahr die Kinder supplementiert, dass die wirklich einen Benefit davon haben, dass die weniger respiratorische Infekte haben. Und deshalb würden wir auch dazu raten, das mindestens bis zum 18. Lebensjahr durchzunehmen.
Und dann wieder unbedingt auch bei Kinderwunsch, Schwangerschaft und Stillzeit. Dazwischen ist die Datenlage nicht so einheitlich, aber für die Kinder wirklich bis 18 macht es Sinn. Nicht nur für den Knochenstoffwechsel, sondern eben insbesondere fürs Immunsystem.
[Nils Behrens] (27:37 - 27:54)
Aber es ist schon wirklich interessant. Also als meine Tochter geboren wurde, die ist jetzt 24 Jahre her, da war es noch nicht so selbstverständlich, dass die dann gerade in den ersten Monaten, Wochen, ich weiß es gar nicht, wie lange ist es denn, aber es ist ja so selbstverständlich, dass Babys am Anfang jetzt Vitamin D bekommen.
[Dr. Silvia Kraatz] (27:54 - 27:58)
Inzwischen bekommt man ab Geburt sozusagen Vitamin D.
[Nils Behrens] (27:59 - 28:03)
Genau, aber diese Empfehlung endet ja, die offizielle Empfehlung endet ja irgendwann, oder?
[Dr. Judith Schaus] (28:04 - 28:24)
Genau, nur über den Winter des zweiten Lebensjahres ist aktuell die Empfehlung der Leitlinie für Pädiatrie. Also das erste Lebensjahr immer und dann, wenn dann noch der Winter im Anschluss kommt, dann soll man auch noch den zweiten Winter supplementieren und dann stoppen. Aber weiter würde man es auch nicht auf Kassenrezept eben bekommen.
[Nils Behrens] (28:24 - 28:27)
Und wie viele internationale Einheiten sind das dann am Tag?
[Dr. Judith Schaus] (28:27 - 28:56)
500 Einheiten nur, wobei wir ganz klar sagen, auch wenn wir uns im Buch viel an die Empfehlung der Deutschen Gesellschaft für Ernährungsmedizin letztlich halten mussten, empfehlen wir in der Praxis aber doch auch in Situationen deutlich mehr. Also beispielsweise würde ich immer so ab 10, spätestens 15 Kilo Körpergewicht eigentlich auf 1000 Einheiten hochgehen.
[Nils Behrens] (28:57 - 29:55)
Ja, das ist insgesamt interessant. Wir wurden mal, unsere Produkte wurden mal abgestraft von irgendeinem Test, wurden schlecht bewertet, weil wir unsere niedrigste Einheit, die wir anbieten in den normalen Gummis haben wir weniger, aber in den normalen Einheiten ist das niedrigste 1000. Und deswegen, weil ja die Deutsche Gesellschaft für Ernährung 800 am Tag vorsieht, haben wir da eine schlechte Bewertung für bekommen.
Und das ist so interessant, egal mit wie man sich unterhält, der sich ein bisschen tiefer mit dem Thema auseinandersetzt. Also über 1000 denken die ja die wenigsten nach. Also das ist ja wirklich so.
Also ich hatte, und das fand ich schon sehr ungewöhnlich, als wir hier nur das Thema Vitamin D mal besprochen haben, hatte sich die Ärztin auch, ihr wisst das besser, dass die Ärzte ungern Pauschalaussagen machen, aber die hatte schon gesagt, naja, also mit 2500 Einheiten, also für Erwachsene von Ostern bis Oktober und von Oktober bis Ostern mit 5000 wird man nichts falsch machen am Tag.
[Dr. Judith Schaus] (29:56 - 30:33)
Da kann man nicht in eine Überdosierung kommen. Also ich habe mal einen Patienten erlebt, der hat jeden Tag die Wochendosis von 20.000 genommen. Der hatte wirklich neurologische Symptome.
Also man darf es mit Vitamin D nicht übertreiben. Man kann es überdosieren, aber wir sind da ganz weit weg, wenn wir 1000 Einheiten zum Beispiel geben. Deshalb natürlich nicht übertreiben.
Und wir sagen ja auch immer, die Dosis macht das Gift. Also alles ist irgendwann toxisch. Auch Wasser und Zucker.
Auch Omega 3.
[Nils Behrens] (30:35 - 31:08)
Aber dann lass uns doch mal, weil das Immunsystem wird ja auch sehr stark vom Darm gesteuert. Und ich finde es so interessant, da habt ihr ja auch ein Thema bei euch im Buch, das Thema Mikrobiom. Auch das finde ich ist so spannend.
Das sind alles so Dinge, die heutzutage in der Welt der Erwachsenen völlig selbstverständlich sind, wo man aber irgendwie, ich weiß auch nicht, woran es liegt, aber ich auch in der Zeit, als meine Tochter noch kleiner war, wusste ich auch, dass das Mikrobiom wichtig ist. Das habe ich mir beim Kind nicht so viel Gedanken darüber gemacht wie über mein eigenes.
[Dr. Judith Schaus] (31:09 - 31:45)
Man setzt ja auch den Grundstein eigentlich für das Mikrobiom des weiteren Lebens. Also im Prinzip macht es schon Sinn, sogar diese ersten Bifidobakterien, die zur Verstoffwechslung der Muttermilch wichtig sind, zu fördern, Bifidobacterium infantis, damit sich danach das Mikrobiom gut und divers weiter aufbauen kann fürs ganze Leben. Und da ist eben so wichtig, einzelne Bakterien können eben zum Beispiel die Muttermilch vollständig verstoffwechseln, während es andere nicht können.
Genauso ist es auch mit den Nährstoffen. Vielleicht willst du noch mal weitererzählen.
[Dr. Silvia Kraatz] (31:46 - 34:04)
Genau, das Mikrobiom spielt ja von Anfang an einfach eine enorme Rolle für unser Immunsystem. Also 80% unseres Immunsystems befinden sich ja letzten Endes im Darm. Und ich glaube, diese Hemmung, die du beschreibst, das liegt daran, dass wir auch noch nicht so richtig wissen im Kindesalter, was ist denn wirklich ein gutes Mikrobiom.
Wir haben noch keine Grenzwerte und dadurch trauen sich da viele noch nicht ran. Und wir testen das aber doch hin und wieder bei den Kindern und stellen immer wieder fest, dass da einfach einzelne, vor allem Lactobacillen und Bifidobakterien fehlen und oft der pH-Wert auch verschoben ist. Der pH-Wert sollte eher in die saure Richtung gehen, ist oft eher alkalisch und das zeigt schon an, dass da ein gewisses Mismatch vorhanden ist.
Und wenn man sich dann natürlich auch die Kinderernährung teilweise ansieht, dann ist das auch nicht verwunderlich. Das hatten wir ja eben schon. Also auch das Mikrobiom liebt Abwechslung.
Es will halt einfach am liebsten jeden Tag einen bunten Regenbogen haben. Und das schaffen wir eben oftmals nicht. Dazu kommt dann noch teilweise eben doch Antibiotikatherapien.
Wir sind zurückhaltender geworden, aber natürlich gibt es immer wieder Fälle, wo Kinder eben doch teilweise behandelt müssen, teilweise auch einfach so behandelt werden. Und das wissen wir inzwischen auch, dass je früher sozusagen so ein Schock des Mikrobioms stattfindet, desto langwieriger dauert es auch, um das wieder aufzuholen. Und insofern ist es super, super wichtig, dass wir da einen Fokus drauf legen.
Aus meiner Sicht sollte da auch in der Kindermedizin einfach viel mehr Wert drauf gelegt werden auf Darmgesundheit. Das heißt, dass wir auf Ballaststoffe achten, dass die Kinder genügend Ballaststoffe bekommen. Wenn sie das jetzt nicht rein über Vollkornprodukte schaffen, dann kann man natürlich immer sowas wie Flohsamenschalen, Akazienfasern und sowas substituieren.
Und genau, diese Abwechslung ist wichtig. Und natürlich gibt es Situationen, wo man auch sagen muss, dass Darmmikrobium einfach gezielt auch noch mal unterstützt durch Probiotika und Präbiotika.
[Nils Behrens] (34:05 - 34:20)
Ich war wahnsinnig schwierig als Kind, also unglaublich schwierig. Und von daher, ich glaube, meine Eltern waren immer froh, wenn dann irgendwas mal sie gefunden haben, was ich dann auch tatsächlich regelmäßig bereit bin, zu mir zu nehmen. Eine ganze Zeit lang war es Ochsen, so eine Schwanzsuppe aus der Tüte mit Croutons drin.
[Dr. Silvia Kraatz] (34:22 - 34:23)
Sehr nährstoffreich.
[Nils Behrens] (34:23 - 34:38)
Ja, total. Und sie haben wirklich alles versucht.
Ich weiß noch, für mich war auch das Thema Fleisch sowas von ausgeschlossen. Einfach wirklich so, dass in dem Augenblick, wenn da ein Stück Fett dabei war, dann war das für mich das ganze Stück kontaminiert.
[Dr. Judith Schaus] (34:38 - 35:16)
Aber gerade sowas wie Akazienfasern nur als gutes Beispiel, das schmecken und merken die Kinder halt zum Beispiel gar nicht. Das ist für mich wirklich so ein kleiner Gamechanger zu Hause. Ich mache in alle Teigwaren, die wir selber herstellen, in Pfannkuchenteig, in Müsli, überall mache ich eigentlich so einen Löffel Akazienfasern rein.
Und das ist einfach das Lieblingsfutter der guten Darmbakterien. Und die Kinder merken es wirklich gar nicht. Also das ist gar kein Nachteil für die.
Und das könnte eigentlich jede Familie zu Hause gut gebrauchen.
[Nils Behrens] (35:16 - 35:40)
Super Hack, muss man wirklich sagen, super Hack. Alles, was man so mit reinzaubern kann und nicht bemerkt wird, ist auf jeden Fall wichtig. Ich finde auch, was du sagst mit dem Thema Flohsamenschalen, da muss man ja wirklich sagen, wenn man die in irgendwas mit Flüssigkeit reintut, dann kann es natürlich schnell dann sehr eindicken sozusagen.
Gerade weil, wenn man als Kind dann so ein bisschen ein verträumter Esser ist, dann verändert sich dann die Flüssigkeit noch teilweise sehr.
[Dr. Silvia Kraatz] (35:40 - 36:06)
Kommt natürlich immer ein bisschen auf die Menge an. Aber genau, Akazienfasern sind natürlich viel feiner. Da haben wir auch einige Smoothie-Rezepte bei uns im Buch drin.
Und auch da kann man sowas super gut anwenden. Also entweder Akazienfasern oder eben auch mal geschrotete Leinsamen beispielsweise. Und da kann man auch mal ein Probiotikum reinmischen.
Also genau, da ist ja der Kreativität keine Grenzen gesetzt.
[Nils Behrens] (36:06 - 36:13)
Sehr gut, sehr gut. Was würdet ihr denn sagen, ist so ein klassisches Warnsignal, dass ein Kind vielleicht einen Nährstoffmangel hat?
[Dr. Judith Schaus] (36:14 - 37:29)
Also es gibt letztlich viele verschiedene Symptome. Beim Erwachsenen wäre ja so klassisch eigentlich so eine Müdigkeit. Das haben Kinder oft noch nicht so direkt, dass sie so viel müde sind.
Da kommt es irgendwie doch zu immer wieder Energieschüben am Tag. Aber was wir eben häufiger sehen, ist, dass die Kinder sehr, sehr blass sind, wenn es einen Eisenmangel gibt. Da können sie dann auch Tagesmüdigkeit zusätzlich zeigen.
Weil auch zum Beispiel die Schilddrüse braucht ein gutes Level an Eisen, auch um gut arbeiten zu können. Und wo sich Eltern viel bei uns vorstellen mit ihren Kindern, ist so diese Unruhe am Tag und auch abends nicht gut einschlafen können. Ja, sehr hibbelig sind die Kinder teilweise oder haben Konzentrationsschwierigkeiten.
Also eher so diffuse Symptome, da stellen sich viele Familien vor. Und da kann es eben auch ein Zusammenspiel sein aus zu wenig Magnesium, zu wenig Omega-3, eventuell auch zu wenig Lithium, dass sie abends zum Beispiel gar nicht so zur Ruhe kommen. Das erleben wir noch sehr, sehr häufig.
[Nils Behrens] (37:30 - 37:43)
Ich muss jetzt trotzdem noch mal fragen, vielleicht ist die Frage ein bisschen naiv, aber wir sind ja hier bei Sunday immer so Fan von Messen, machen, messen. Das heißt, man misst einmal, wo steht man, dann fängt man an eben halt machen, also sprich essen, supplementieren und danach misst man wieder.
[Dr. Judith Schaus] (37:44 - 37:50)
Den Spruch kenne ich von Helena Ofernos-Böckel. Sie sagt es auf jeden Fall immer genau, wie du es gerade gesagt hast.
[Nils Behrens] (37:50 - 38:02)
Genau, ich von Andrea Gartenbach, aber ja, Helena Ofernos-Böckel ist ja sowieso ihr Lieblingsthema. Aber nichtsdestotrotz, macht ihr das bei den Kindern in dem Alter? Also in welchem Alter macht man das?
[Dr. Silvia Kraatz] (38:04 - 39:08)
Also natürlich muss ein Grund vorliegen. Also wie Judith schon gesagt hat, es müssen spezielle Symptome vorliegen. Wir müssen natürlich auch ein Ernährungsprotokoll sehen und sehen, was das Kind jetzt wirklich zu sich nimmt.
Und wenn wir dann begründeten Verdacht haben und das Kind eventuell auch Probleme hat im Längenwachstum etc., dann sehen wir es schon als notwendig an, da auch mal Blut zu entnehmen. Natürlich ist es bei den älteren Kindern, da ist man dann ein bisschen großzügiger und wir gehen natürlich individuell auf das Kind ein. Also wir zwingen jetzt natürlich kein Kind sozusagen, das jetzt sehr Angst vor dem Arzt hat oder Angst vor Nadeln.
Wir halten es jetzt nicht fest und nehmen da Blut ab. Aber manche Kinder machen das dann auch doch gut mit, weil sie wahrscheinlich auch irgendwie merken, dass irgendwas nicht stimmt. Und genau, das ist also eine ganz individuelle Entscheidung.
Man kann das nicht so verallgemeinern.
[Dr. Judith Schaus] (39:08 - 40:23)
Manchmal empfehlen wir den Familien auch so vor der Einschulung, das mit ihren Kindern zu besprechen, eine Blutentnahme zu machen, um zu gucken, ob die dann alles zum Lernen wirklich haben, was sie brauchen. Weil in dem Alter kann man eigentlich schon sehr gut das Zuhause auch wirklich durchspielen, mal so eine Blutentnahme zu erleben. Und wir haben eigentlich ganz, ganz selten Kinder, die dann so ängstlich sind, dass es nicht gut klappt im ungefähr Vorschul- oder Schulalter, so vor der Einschulung.
Aber bei den Kleinen braucht man natürlich zum Beispiel jetzt im ersten Lebensjahr eine relativ harte Indikation, weil es letztlich ja eine Körperverletzung darstellt, so eine Blutentnahme. Da müsste es schon so was sein wie eben einen Perzentilenknick bei den Wachstumsperzentilen oder ein begründeter Verdacht, dass da wirklich ein Mangel vorliegt. Und ansonsten ist aber auch ein ganz guter Tipp, solange gestillt wird, wirklich auch das Blut der Mutter zu kontrollieren und aufzupäppeln sozusagen, damit wir dann einfach über die Muttermilch gehen können.
Also wir betrachten ja in der Praxis immer die ganze Familie.
[Nils Behrens] (40:24 - 40:52)
Sehr gut, sehr gut. Wir haben jetzt ja schon so ein bisschen drüber gesprochen, dass es ja schon ein Spagat ist zwischen gesund und kindgerecht lecker. Und ich habe ja schon gesagt, es ist ein bisschen schwierig, hier im Podcast über wirkliche Rezepte zu reden.
Aber nichtsdestotrotz habt ihr vielleicht beide jeweils mal so ein Lieblingsrezept, was ihr nicht als Anleitung schreiben könnt, aber wo ihr sagt, Mensch, da ist so viel drin, das schmeckt euren Kindern und ist auch vielleicht sogar noch easy zu machen?
[Dr. Judith Schaus] (40:53 - 42:11)
Ja, also ich würde mal anfangen, weil das mögen sehr, sehr viele Kinder. Nudeln mit Tomatensauce kann man eben auch sehr, sehr nährstoffreich machen, indem man Vollkornnudeln benutzt. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass wenn die, die nicht nebeneinander sehen und vergleichen können, die sind hell und die sind dunkel, dass sie oft dann gar kein Problem haben, die dunklen Nudeln zu essen, wenn es nur die gibt.
Und bei der Tomatensauce würde ich immer empfehlen, Dinge mitunter zu pürieren, wo die Kinder dann wiederum gar nicht merken, dass das drin ist. Also ich schneide zum Beispiel ganz, ganz fein Zwiebeln und Knoblauch an und brate dann rote Linsen mit an, die dann mit einköcheln, ganz fein noch Karotte, das wird auch nicht bemerkt, und püriere das Ganze dann mit dem Tomatenzugo, sodass die Linsen auch wirklich zerfallen da drin und püriert werden. Das gibt eben Eisen zum Beispiel mit rein und dann kann man auch noch am Ende, wenn es zum Beispiel, wenn man die dann noch mal kühler isst, kann man auch noch Hagebuttenpulver mit reinmischen, also sozusagen dann einfach farbgetreue Dinge mit untermischen, die Sinn machen.
[Nils Behrens] (42:12 - 42:17)
Aber Knoblauch und Zwiebeln sind ja vom Geschmack her schon recht stark eigentlich, oder?
[Dr. Judith Schaus] (42:17 - 43:04)
Aber ich habe das, also ich habe die Erfahrung gemacht, Zwiebeln werden ja sogar süß durch das Kochen und ein bisschen karamellisieren die dann ja beim anschwitzen und also roh würde ich das den Kindern auch nicht anbieten, aber so insgesamt in so einem gut durchgezogenen Tomatenzugo, der noch püriert wurde, wo eben keine Zwiebelstückchen mehr drin bleiben, wird das doch sehr gut angenommen. Richtig, keine Stückchen. Und vielleicht noch als zweite Idee nur kurz, wenn man ja oft irgendwie so, haben Eltern so Reiswaffeln dabei, da würde ich immer umsteigen auch auf Linsenwaffeln und da nehme ich oft so ein kleines Gläschen Nussmus, also zum Beispiel Mandelmus und streiche das drauf.
Das ist halt ein super Ersatz für einen Schokoaufstrich.
[Nils Behrens] (43:04 - 43:25)
Total gut, ja. Also Linsenwaffeln liebe ich auch sehr. Es ist ehrlich gesagt eigentlich mein, was ich immer hier auch im Büro habe, weil es einfach eine super Art ist, zwischendurch mal kurz einen Snack zu haben und trotzdem genügend Proteine, oder was ist genügend Proteine?
Proteine kriege ich im Zweifelsfall auch so, aber trotz allem ist es ja immer die bessere Alternative als irgendwie jetzt ein Schokoriegel, sagen wir mal so.
[Dr. Silvia Kraatz] (43:25 - 43:44)
Ja, apropos Proteine, genau, das wäre ja auch schon in den Linsen viel enthalten. Und mein Lieblingsrezept, das habe ich ehrlich gesagt durch dich kennengelernt, was süß ist eigentlich. Es ist quasi aus schwarzem Bohnen gemachter Kuchen oder man kann auch Muffins draus machen.
[Nils Behrens] (43:44 - 43:46)
Schwarzen Bohnen oder Kidney?
[Dr. Silvia Kraatz] (43:46 - 43:51)
Schwarzen Bohnen tatsächlich, weil die schmecken ein bisschen neutraler sozusagen.
[Dr. Judith Schaus] (43:52 - 44:04)
Die, die man viel in Südamerika verwendet, eigentlich in so Burritos, werden die salzig dann ja verwendet, wie zu so einem Mousse gemacht, aber da in dem Fall kann man sie zu Brownies oder Kuchen machen.
[Nils Behrens] (44:04 - 44:08)
Weil Kidneybohnen-Brownie habe ich auch schon mal gegessen, das fand ich ganz spannend.
[Dr. Silvia Kraatz] (44:08 - 44:58)
Ja, ich finde die Schwarzen sind noch so ein bisschen neutraler. Die enthalten eben sehr viel Protein, auch sehr viel Eisen und viele andere Nährstoffe. Und das ist halt deutlich reichhaltiger, als jetzt einfach ein Weißmehl zu nehmen und Schokoladenpulver rein und dann einfach Rohkakao dazu oder Kakao-Nibs mit rein.
Da kann man ja auch kreativ werden. Manchmal machen wir auch Nüsse rein oder genau, gemahlene Mandeln zum Beispiel. Und dann, also wir machen jetzt die nicht-vegane Variante eben auch mit Ei.
Kann man aber auch natürlich vegan gestalten und das ist einfach auch ein super leckerer Snack und ersetzt so ein bisschen diesen ganz süßen Kuchen, den man sonst oft so hat. Oder man nimmt eben sonst immer das Bananenbrot, aber ich finde das so eine ganz nette Abwechslung.
[Dr. Judith Schaus] (44:58 - 45:22)
Bleibt auch so schön quatschig mit den Bohnen. Also man kann eben sehr viel ersetzen, wenn man sich ein normales Rezept anschaut, kann man eben immer eigentlich die Hälfte vom Mehl eigentlich mit Mandelmehl ersetzen oder eben eine Süßkartoffel vorher kochen und dann einen Mehlanteil mit ersetzen. Also sozusagen das einfach proteinreicher, vitaminreicher zu machen.
[Nils Behrens] (45:22 - 45:33)
Sehr gut. Dann, wo wir schon bei dem Thema des Kochens sind, Tiefgemüse, du hattest das eben schon mal gesagt, ist auf der haben Seite, auf der guten Seite?
[Dr. Judith Schaus] (45:33 - 46:13)
Ist auf der haben Seite. Tatsächlich, wenn man sich mal so gefrorene Beeren anguckt und vergleicht, sind die, die längere Transportzeiten hatten, die frischen, die dann vielleicht auch noch im Supermarkt ein Tag stehen, oft Vitamin C ärmer als die, die direkt sozusagen am Produktionsort dann tiefgefroren wurden und die man zu Hause wieder auftaut und aus denen man auch wunderbar irgendwie im Mixer ein schnelles Eis selber machen kann und genauso mit Grünblattgemüse zum Beispiel ist es ähnlich mit der Vitaminseite. Also würden wir sehr empfehlen, sowas im Tiefkühler zu haben.
[Nils Behrens] (46:13 - 46:55)
Ich finde es ja sowieso überraschend, wenn man sich es mal jetzt hier preis-leistungsmäßig anschaut, ist es ja sehr häufig so, dass das Bio-Tiefkühlgemüse, ganz häufig ja meistens dann als Eigenmarke von den jeweiligen Retailern, häufig wirklich echt sehr sehr günstig ist, muss man wirklich so sagen. Und wenn ich mir das dann vergleiche, wie dann biologisches Gemüse in der frischen Variante dann so aussieht, also ich nehme mal so ein Beispiel Brokkoli. Also wenn ich jetzt ein Bio-Brokkoli kaufe, im Vergleich dazu, wenn ich den als TK kaufe und mich dann auch nochmal abziehe, wie viel von dem Stängel ich im Zweifelsfall dann ja auch an Gewicht bezahle, dann muss man wirklich sagen, ist eigentlich so ein Bio-Tiefgefrorenes Brokkoli unschlagbar.
[Dr. Silvia Kraatz] (46:55 - 47:20)
Das und es ist ja auch häufig im Stress des Alltags irgendwie einfacher für die Eltern. Also es gibt ja auch manchmal schon so fertige Gemüsemischungen, auch das ist ja wiederum bunt und abwechslungsreich und ich finde, da kann man ruhig zum Tiefkühlgemüse greifen, auch wenn man in erster Linie, finde ich, immer denkt, das Frische ist besser. Aber tatsächlich gibt es sehr gute Daten dazu.
[Nils Behrens] (47:20 - 47:59)
Ja, man muss sagen, nicht alles, was tiefgefroren vorher war, schmeckt auch noch genauso, wenn es dann aufgetaut ist. So viel muss man dazu auch nochmal so sagen. Aber nichtsdestotrotz, ich finde, es war jetzt gestern gerade der Tag der Lebensmittelverschwendung oder irgendwie sowas und da wird ja auch mal gesagt, dass irgendwie wir ein Drittel der Lebensmittel, die wir kaufen, dann irgendwie auch gar nicht zu uns nehmen und da gehört in meinem Fall der Brokkoli auf jeden Fall auch dazu.
Also ich weiß nicht, wie viele Brokkolis ich in meinem Leben gekauft habe und wie viele ich davon gegessen habe, dann muss ich leider an dieser Stelle auch sagen, dass da schon der ein oder andere dabei ist, der es dann doch nicht geschafft hat.
[Dr. Judith Schaus] (47:59 - 48:13)
Das Ideal ist es natürlich, wenn man wie Sylvie auf dem Bauernhof wohnt und selber anbauen kann, weil dann wird es ja eigentlich nur geerntet, wenn man es dann direkt verarbeitet und das ist für die Kinder natürlich auch schön, mal zu sehen, wie die Sachen wachsen.
[Dr. Silvia Kraatz] (48:13 - 48:28)
Oder vom lokalen Bauernhof, das gibt ja auch viele Höfe, die inzwischen so Kisten liefern oder genau Beteiligungen haben. Das ist natürlich auch ideal, weil es von der Wegstrecke her nicht so weit ist. Aber das Glück hat natürlich auch nicht jeder.
[Nils Behrens] (48:28 - 48:41)
Nee, das stimmt, aber es ist ganz witzig, weil ein Freund von mir hat das jetzt gerade, mit dem ich im Urlaub war, der hat das erzählt, dass sie von ihrer grünen Kiste, die man ursprünglich gestartet hat, mittlerweile eigentlich 80% ihres Kühlschranks machen sie eben halt darüber voll. Also das ist schon...
[Dr. Silvia Kraatz] (48:41 - 48:48)
Und auch das kann man ja zur Not tief frieren, ne? Wenn man das mal nicht schafft oder so im Alltag. Oder fermentieren.
[Dr. Judith Schaus] (48:48 - 49:00)
Dann kommen auch wieder gute Darmbakterien dazu. Also wir haben auch eine Biokiste von der solidarischen Landwirtschaft und das schaffe ich auch manchmal nicht zu verarbeiten und dann mache ich Milchsäure, fermentiertes Gemüse draus.
[Nils Behrens] (49:01 - 49:06)
Tolle Idee. Was sind denn aus eurer Sicht die Must-Haves, die man immer zu Hause haben muss?
[Dr. Silvia Kraatz] (49:07 - 49:24)
Also alles an Saaten und Samen, was es gibt. Kürbiskerne, Sonnenblumenkerne, Chiasamen eventuell oder Leinsamen. Die halten sich ja, die kann man auch gut im Glas einfach verpacken und sieht auch schön aus.
[Nils Behrens] (49:24 - 49:28)
Leinsamen hab ich mal gelernt, besser die Geschroteten auch, ne? Ich hab das vorhin auch schon mal ganz kurz erwähnt.
[Dr. Silvia Kraatz] (49:28 - 49:41)
Ja, die sind einfach so ein bisschen, da sind die Nährstoffe besser zugänglich. Sonst werden die oft wieder mit ausgeschieden. Gerade in den Kinderdärmen, wo die Transportzeit nicht ganz so lange ist.
Genau, das sind die Geschroteten ein bisschen besser.
[Dr. Judith Schaus] (49:41 - 49:55)
Lieben Kinder übrigens auch, wenn man die nicht geschrotet und dann frisch quasi schrotet in einem Mörser oder so. Das lieben auch meine Kinder, die dann da zu hacken wirklich minutenlang und die dann zu essen. Weil das haben sie dann halt wieder selber gemacht.
[Nils Behrens] (49:56 - 49:57)
Schöne Idee, ja.
[Dr. Silvia Kraatz] (49:57 - 50:00)
Stimmt und deine Kinder machen auch selbstgemachte Haferflocken.
[Dr. Judith Schaus] (50:00 - 50:51)
Ja, die quetschen jeden Morgen mit so einer Handquetsche ihre Haferflocken. Weil tatsächlich das volle Korn und was noch nicht so lange schon geschrotet oder gequetscht ist, hat halt noch eine viel höhere Nährstoffdichte. Apropos mir fiel noch ein, wo du meintest, was man zu Hause haben sollte, wären auch zum Beispiel getrocknete Kichererbsen und Linsen, finden wir besser als die, die schon vorgekocht sind, weil man die auch noch keimen lassen kann.
Also dann erhöht sich nochmal deutlich die Nährstoffdichte, wenn man die zum Beispiel Kichererbsen in Wasser legt, zwei, drei Tage immer das Wasser austauschen, dann bilden sich die Keimspitzen, sie werden verträglicher für den Darm und nährstoffdichter und dann sind sie sozusagen ja bereit zum Sprießen und in ihrer besten Form.
[Nils Behrens] (50:52 - 51:15)
Sehr gut, sehr gut. Da haben wir doch gleich ein bisschen was mitgenommen. Über das Thema Supplements haben wir ja schon grundsätzlich gesprochen, an welcher Stelle es Sinn macht.
Gibt es denn aus eurer Sicht auch Risiken, wenn Eltern, ich sage jetzt mal zu viele, die Summe macht das giftig immer, aber wo würdet ihr sagen, ist da, wo man am ehesten aufpassen sollte, dass man nicht zu viel auf Verdacht geben sollte?
[Dr. Judith Schaus] (51:16 - 52:00)
Ja, also ein Punkt ist vielleicht, dass manche Eltern, die so ein Multivitaminpräparat ihren Kindern geben, dass die dann halt vielleicht das Gefühl bekommen, ah ja, jetzt hat ja mein Kind schon alles, jetzt kann die Ernährung vielleicht weniger divers ausfallen. Das ist bei mir manchmal so ein Gedanke und gerade in diesen Multivitamin Supplements sind aber eigentlich die Dosierungen der einzelnen Stoffe ja nicht so hoch. Deshalb würden wir immer eher dafür plädieren, so gezielt vorzugehen, wo man wirklich so den Verdacht hat, da könnte wirklich ein Mangel sein, das aber dann auch in ausreichender Dosis zu geben, als jetzt einfach irgendwie so breit wie die Gießkanne das zu machen.
[Dr. Silvia Kraatz] (52:00 - 52:27)
Das und oft hemmen sich eben auch so Nährstoffe gegenseitig. Also Eisen sollte man ja, wie gesagt, zwar mit Vitamin C idealerweise kombinieren, aber nicht jetzt noch mit Magnesium und Zink mischen und gleiches gilt für Magnesium und Calcium beispielsweise. Das sollte man auch nicht unbedingt zusammen einnehmen und in diesen Multis sind eben oft alle möglichen Nährstoffe.
[Nils Behrens] (52:27 - 53:06)
Sind alle möglichen Nährstoffe kombiniert und man muss eben auch mal so sagen, also jetzt in unserem Fall hier zum Beispiel, ist es auch so, wir dürften da gar nicht so viel Vitamin D reinmachen, wie wir es für richtig halten würden. Das heißt also, es darf in dieser Kapsel einfach nicht mehr als diese, ich glaube, 800 Einheiten dann eben halt drin sein, weil es dann, dürfen wir nicht mehr draufschreiben, one a day, weil damit dann eben halt so ein Widerspruch dann eben halt so ist, dass wir jetzt, also ich glaube, es gibt niemand, der weiß, der daran glaubt, dass 800 am Tag rausreichen, sage ich mal so, aber da sieht man schon an so einem Beispiel, dass diese Multis auch nicht so designed werden können, wie man es eigentlich für richtig halten würde.
[Dr. Judith Schaus] (53:06 - 54:05)
Und es ist ja auch die individuelle Phase wichtig, also gerade wenn ein Kind zum Beispiel einen Infekt hat oder auch eine Wundheilung gerade passiert, dann ist halt der Bedarf an bestimmten Nährstoffen in der Situation viel höher, beispielsweise bei einem respiratorischen Infekt braucht man da das Zehnfache des Tagesbedarfs an Vitamin C oder bei einer Wundheilung eben entsprechend deutlich, deutlich mehr Zink und eigentlich macht es für mich viel mehr Sinn, einzelne Stoffe wirklich dem Kind zu geben, meinetwegen als Tropfen oder meinetwegen auch als Gummibärchen, wenn da nicht so viel schlechte Zusatzstoffe drin sind und dann wirklich zu dosieren, so viel, wie es das Alter passt, eben auch, weil man hat ja oft auch mehrere Kinder und man will vielleicht dann dem 15-jährigen Jungen eine andere Dosis geben als dem dreijährigen Bruder und so weiter und dann wirklich einzeln zu dosieren über einen Tropfen.
[Nils Behrens] (54:06 - 54:16)
Ja, finde ich auch, also wir haben jetzt ja mehrfach auch schon das Thema Omega 3 zum Beispiel angesprochen, also das ist ja auch in diesen Multis nahezu nicht darstellbar.
[Dr. Silvia Kraatz] (54:16 - 54:44)
Das wollte ich gerade auch noch erwähnen, weil wenn man sich anschaut, dass ein halber Teelöffel sozusagen das Minimum ist, was man so als Kind dann eventuell, je nach Phase natürlich, aber sich nehmen sollte und wie klein diese Kapseln sind, da wird ja das Öl, kann ja nicht zusammengepresst werden, insofern kann die Relation gar nicht stimmen, also man muss sich das manchmal auch so mit ein bisschen, ja, Verstand sozusagen mal bewusst machen, was da so drin sein kann eigentlich in diesem Produkt.
[Nils Behrens] (54:44 - 55:16)
Es gibt ja bei diesem ganzen Thema Proteine auch eine sehr leidenschaftliche Diskussion, so das heißt also, die deutsche Gesellschaft für Ernährung hat, glaube ich, jahrelang dann auch irgendwie diese 0,8 Gramm Protein pro Kilo Körpergewicht für Erwachsene dann irgendwie ausgegeben, so mittlerweile gibt es ja tatsächlich schon viele Empfehlungen, die bei 1,6 Gramm liegen, wenn man Muskelaufbau, Wachstum haben will, dann schnell auch schon über 2. Habt ihr da Daten oder Zahlen für vergleichbare Proteinwerte für Kinder?
[Dr. Silvia Kraatz] (55:16 - 56:33)
Also die Daten gibt es meines Wissens jetzt in der Alterskategorie nicht ausreichend, ja, es gibt zwar von der DGE sozusagen eine empfohlene Tagesmenge, aber das ist sozusagen aus unserer Sicht auch nicht ausreichend, ja. Wir wären da auch eher sozusagen großzügig, man kann so ungefähr sagen die Hälfte der Erwachsenen Dosis, ja, also bei Erwachsenen sind es eben diese 1,6 Gramm pro Kilogramm Körpergewicht und so ungefähr die Hälfte, aber da kommt es natürlich auch nochmal sehr individuell auf die Lebensphase an und gerade im Jugendalter, wo auch gerade sage ich mal die Jungs viel sozusagen Muskelaufbau machen, Sport, da kann es natürlich durchaus mal mehr sein, da ist auch eine gute Magnesiumversorgung total wichtig und da würde ich aber schon auch empfehlen in solchen Lebensphasen, dass man sich da mal mit einem Therapeuten gezielt zusammensetzt, weil Proteine ist natürlich auch was, was ja gerade in der Pubertät vielleicht auch mal überdosiert werden kann, insofern fände ich es total wertvoll, da einfach sich guten Rat zu suchen.
[Dr. Judith Schaus] (56:34 - 57:26)
Ja und generell kann man glaube ich sagen, dass die Kohlenhydratzufuhr von den meisten Kindern, wenn man jetzt einfach mal den Durchschnitt sieht, zu hoch ist, weil die einfach besonders gerne Nudeln, Kartoffeln, Reis und Süßigkeiten essen, wo viel Kohlenhydrate drinnen sind, das heißt die Empfehlung, einige Kohlenhydratmahlzeiten durch proteinreiche Mahlzeiten zu ersetzen, das kann man im Prinzip durch die Bank weg an die Familien weitergeben, also wirklich zu gucken, dass man im Bereich der Hülsenfrüchte mehr macht, wenn man Fleisch isst, ein Fleisch zu verwenden, wie ein Rinderfilet oder sowas, viel Protein enthält, sodass man einfach ein bisschen die Kohlenhydratmahlzeiten durch Protein ersetzt, damit machen die Familien glaube ich nichts falsch.
[Nils Behrens] (57:27 - 57:57)
Ich finde es ganz interessant, wir haben noch gar nicht so richtig über Magnesium gesprochen, ich schaue jetzt gerade, wir haben diese Magnesiumschokolade hier, die ist 125 Milligramm Magnesium pro Taler, aber grundsätzlich sage ich mal so, ist dieses Thema Magnesium, wenn ich mir jetzt überlege, man sagt ja immer automatisch bei Sportlern hat man einen erhöhten Magnesiumbedarf, wenn ich mir anschaue, wie viele Schritte so ein Kleinkind macht, also dann würde ich sagen, das sind ja die Marathonläufer eigentlich, jetzt sage ich mal so. Ist das da auch so, dass der Magnesiumbedarf in dem Alter auch schon so wichtig ist?
[Dr. Judith Schaus] (57:58 - 59:17)
Total und witzigerweise denkt man ja wirklich bei Magnesium immer an diese Wadenkrämpfe und Sport, so wie du es jetzt auch gerade angesprochen hast, aber dass es eben auch so wichtig fürs Gehirn ist, für die Reizübertragung an den Nervenzellen und auch um letztlich Ruhe zu finden, das wissen glaube ich viele einfach noch gar nicht. Und das sehen wir eben auch im Kindesalter, die haben ja sozusagen so einen Lernzuwachs, die nehmen so viele Reize im Tagesverlauf auf und haben einen riesigen Magnesiumbedarf, nicht nur dadurch, dass sie sehr körperlich aktiv sind, sondern auch im Hirn sehr aktiv sind. Und häufig, wenn es Einschlafprobleme gibt abends, dann sehen wir auch Magnesiummängel in ganz, ganz vielen Fällen und da ist eben gerade auch ein Magnesium, was gut über die Blut-Hirn-Schranke geht, wie L-Treonat, sehr entscheidend.
Also beim Magnesium sollte man auch wirklich nochmal gucken, welches Magnesium ist denn in dem Produkt, weil zum Beispiel ein Magnesium-Zitrat, das ist so eine relativ kostengünstige Variante, das hilft gut, wenn das Kind Verstopfung hat, weil das eher durch den Darm wieder rausgeschossen wird, aber es bleibt nicht so viel davon im Körper. Also da auch nochmal ganz genau gucken.
[Dr. Silvia Kraatz] (59:18 - 1:00:19)
Beziehungsweise genau, jeder verstopft wechselt sozusagen andere Formen besser und auch da ist die Abwechslung wieder wichtig. Also da ist es wichtig, dass man verschiedene Isoformen, wie wir das nennen, also Zitrat, Glycinat, Treonat möglichst verwendet, damit quasi etwas davon resorbiert wird. Wir wissen, kam noch keine Methode, das zu messen, wer jetzt was am besten resorbiert.
Daher ist es immer gut, da eine große Palette zu haben und natürlich auch Magnesium auf natürliche Weise bei den Kindern zuzuführen. Also auch natürlich über Bananen, Blattgemüse, Vollkornprodukte. Und das ist übrigens auch super wichtig, um Vitamin D in die Wirkung zu bringen.
Also das vergisst man glaube ich auch häufig. Wir haben viel über Vitamin D gesprochen. Das ist essentiell, dass auch ein ausreichender Magnesiumhaushalt vorherrscht, damit wir Vitamin D gut verstoffwechseln.
[Nils Behrens] (1:00:19 - 1:01:00)
Ja, ich finde das ist ganz wichtig, dass man diese Cofaktoren eben auch mit anspricht. Ihr habt es ja auch schon gesagt, Eisenmangel. Häufig ist da ja auch Vitamin C in der Kombination eben auch nochmal so zu finden.
Und da sind wir wieder bei dieser Vielfalt. It's a rainbow. Also ich glaube, dass das einfach so wichtig ist, wenn man es versucht, alles über eine Art von Supplementierung zu machen, dann wird man im Zweifelsfall immer mal was vergessen oder man hat ja auch Zink angesprochen.
Wenn man zu viel Zink hat, gehen dafür andere Mineralien dann auch wieder nach unten. Also von daher, ich glaube, die ausgewogene Ernährung ist da auf jeden Fall schon der Schlüsselfaktor und man kann es dann eben halt immer gut ergänzen durch gezielte Supplementierung.
[Dr. Silvia Kraatz] (1:01:01 - 1:01:48)
Und viele Stoffe in der Nahrung können wir gar nicht durch Supplemente ersetzen. Also sekundäre Pflanzenstoffe, das ist ja so komplex, unsere Natur, das können wir im Moment noch gar nicht ausreichend nachstellen durch Produkte. Insofern ist es total wichtig, die Basis einfach über die Ernährung zu machen.
Und klar, dennoch sind wir natürlich auch heutzutage etwas pragmatischer und sagen, in den Phasen, wo Kinder eben nicht ausreichend Nährstoffdichte zu sich nehmen, weil es eben oftmals eine Lebensphase ist, dann macht es trotzdem Sinn, dann manche Sachen zu substituieren. Also da einfach so einen gesunden Mittelweg zu gehen.
[Dr. Judith Schaus] (1:01:48 - 1:02:36)
Und ich finde auch ganz wichtig, dass man Kindern nicht das Gefühl geben sollte, sie wären krank und müssten deshalb so viele Sachen schlucken. So wie wir das als Erwachsene, also meine Kinder fragen mich schon, warum ich so viele Tabletten jetzt am Tag schlucke, seitdem ich mich so viel mit Nährstoffen beschäftige. Und natürlich ist es kein Medikament gegen eine Krankheit, sondern irgendwo ja auch Optimierung.
Aber wenn ich jetzt einem Kind vorschlagen müsste, am Tag 20 Kapseln zu schlucken, dann fühlt es sich, glaube ich, doch in einigen Fällen irgendwie so als etwas krank, weil es Tabletten schlucken müsste. Und deshalb finde ich es schon wichtig, sehr sehr viel über die Ernährung zu machen und nur an den Stellen, wo es nicht reicht, zu supplementieren.
[Nils Behrens] (1:02:36 - 1:02:45)
Ja, sehr gut. Was würdet ihr denn sagen, was können Eltern tun, um sozusagen das Fundament für ein gesundes Leben zu legen, sagen wir mal gerade in den ersten tausend Tagen?
[Dr. Judith Schaus] (1:02:45 - 1:04:23)
Ja, die ersten tausend Tage sind wirklich das Fundament. Da gab es auch gute Studiendaten zuletzt, dass man da sozusagen den weiteren Verlauf dann sehr sehr bestimmt, wenn man die guten ersten tausend Tage hat. Und da fängt es einfach schon bei der Mutter in der Schwangerschaft oder sogar schon beim Kinderwunsch an, wenn die selbst ein gutes Mikrobiom hat, das über eine vaginale Geburt ans Kind weitergeben kann, wenn das aus medizinischer Sicht möglich ist, dann kann sich beim Kind, beim Säugling schon ganz toll das Mikrobiom aufbauen.
Durch eine Stillmahlzeit sozusagen bekommt es sowieso eigentlich das Beste, was es kriegen kann. Und dafür sollte aber eben auch die Mutter gut aufgestellt sein mit Nährstoffen. Also gerade das Omega-3 ist halt extrem wichtig schon in Schwangerschaft und Stillzeit, weil da schon so viel an Gehirnentwicklung passiert.
Man sieht an Studiendaten beispielsweise, dass wirklich signifikante Unterschiede im IQ der Kinder entstehen, wenn eine Frau in der Schwangerschaft Omega-3 supplementiert hat oder eben nicht. Und dann ist es eben das Vorleben, also Vorbild sein. Wenn wir viel frisch kochen mit saisonalen Lebensmitteln, wenn wir das essen und das auch wirklich leben und lieben, dieses frische Essen, dann tun das die Kinder auch, weil die wollen letztlich so sein wie man selbst.
Und damit legt man, glaube ich, einen guten Grundstein.
[Dr. Silvia Kraatz] (1:04:24 - 1:05:26)
Und wichtig finde ich auch immer noch die Zeit, die man sich dafür eben nimmt. Klar, also selber kochen erfordert natürlich auch erstmal Zeit, aber auch die Zeit so am Esstisch, dass man das so ein bisschen zelebriert. Also, dass man sich vielleicht auch erstmal aufs Essen einstellt.
Ich meine, früher gab es sowas wie ein Tischgebet. Das ist natürlich heute nicht mehr so richtig praktikabel. Aber wir machen es manchmal so, dass die Kinder vielleicht einmal tief einatmen, sich vorstellen, sie pusten ihren Bauch auf wie so ein Luftballon.
Dass man sozusagen in diesen Vagotonus gerät, der den Körper überhaupt vorbereitet auf die Verdauung. Das macht es einem möglich, überhaupt die ganzen Nährstoffe aufzunehmen. Wenn man im Stress ist, kann man schlechte Nährstoffe aufnehmen.
Und das finde ich auch nochmal wichtig. Natürlich klappt das im Alltag mal mehr und mal weniger, aber zumindest am Wochenende kann man sich ausreichend Zeit nehmen. Ich finde, da sind die Franzosen auch immer ein ganz gutes Beispiel, dass man auch ein, zwei Stunden mal sich Zeit nehmen kann, um abends zu essen.
[Nils Behrens] (1:05:27 - 1:05:50)
Dieses Thema, was du sagst, dass man im Stress die Nährstoffe schlecht aufnehmen kann, das hatte ich auch mal im Gespräch mit dem Professor Andreas Michaelsen. Und der gibt den Tipp auch den Erwachsenen vorm Essen, gerade wenn man sich gestresst fühlt, das Ohrläppchen zu massieren. Weil das wohl auch den Vagusnerv aktiviert.
Und auch das, glaube ich, kann ich mir vorstellen, dass man das mit Kindern ja ganz gut sozusagen als Ritual sogar machen kann.
[Dr. Judith Schaus] (1:05:51 - 1:06:10)
Oder auch denen zeigen, wie sozusagen der Speichelfluss angeregt wird, indem man einfach vorm Essen zum Beispiel an den Geschmack von der Zitrone mit den Kindern denkt. Die dann merken, okay, jetzt kommt wirklich der Speichelfluss und das weckt ja dann auch wieder, regt die Verdauungssäfte an und das finden die eigentlich auch ziemlich lustig.
[Dr. Silvia Kraatz] (1:06:10 - 1:06:15)
Oder aktiv in der Zitrone beißen. Das macht ein Kleiner auch ganz gerne.
[Nils Behrens] (1:06:16 - 1:06:26)
Sehr gut, sehr gut. Ihr beantwortet fast schon meine Frage, die ich mir hier noch aufgeschrieben habe. Welche Routine oder Ritual habt ihr selbst mit euren Kindern entwickelt, die gut funktionieren?
[Dr. Silvia Kraatz] (1:06:26 - 1:06:56)
Genau, also das wäre so eins. Einfach sich hinsetzen, erstmal einstimmen darauf, dass es Essen gibt. Wir hatten auch schon erwähnt, dieses gemeinsame Zubereiten von Speisen, was auch enorm wertvoll ist.
Also wirklich Essen auch anzufassen. Genau, vielleicht mal zu sehen, wo kommt das eigentlich her. Diese Vielfalt wirklich zu erleben.
Und ja, das wären so meine Hauptrituale.
[Dr. Judith Schaus] (1:06:56 - 1:07:11)
Ich musste gerade ziemlich lachen, weil meine Kinder oft so einen Tischbruch sagen wollen vor dem Essen, den sie aus der Kita haben und sie sagen dann immer noch und wir danken Rainer und dem Tischdienst und Rainer ist halt der Koch in der Kita. Also Grüße gehen raus.
[Nils Behrens] (1:07:13 - 1:07:15)
Also auch bei euch zu Hause, da wird auch Rainer gedankt.
[Dr. Judith Schaus] (1:07:15 - 1:07:16)
Ja, wir danken immer Rainer und dem Tischdienst.
[Nils Behrens] (1:07:18 - 1:07:29)
Ich fand das immer so lustig, wenn ich meine Tochter vom Kindergarten abgeholt habe, habe ich immer gefragt, und was gab es zu essen? Und dann sagte sie, Nudeln mit Soße. Aber das hat sie jeden Tag gesagt.
Ich habe auch mal gefragt, kann es sein, dass ihr jeden Tag Nudeln mit Soße esst?
[Dr. Silvia Kraatz] (1:07:29 - 1:07:31)
Immer Kartoffeln mit Soße.
[Nils Behrens] (1:07:32 - 1:07:45)
Aber sie hat einfach keine Lust darüber nachzudenken gehabt, glaube ich einfach. Das war dann die einfachste Antwort, die sie dann hatte. Wir kommen auch zum Ende.
Was wünscht ihr euch denn, was die Hörer nach dieser Folge sozusagen mitnehmen und vielleicht mal im Familienalltag ausprobieren?
[Dr. Judith Schaus] (1:07:46 - 1:08:29)
Ich würde mir wünschen, dass man so ein bisschen motivierter ist, vieles nochmal auszuprobieren, dass man auch vielleicht Mischungen wagt, die man vorher nicht so gemacht hätte mit den Linsen in der Soße oder alles mögliche mal in den Smoothie reinhauen und wirklich einfach mit den Kindern vor allem gemeinsam ausprobiert, weil das ist wirklich meine Erfahrung von mir zu Hause, aber auch von vielen Familien, denen ich das wiederum dann empfohlen habe, dass die Kinder dann eine ganz andere Begeisterung fürs Essen haben, was sie selber mit ihrem Plastikmesser geschnitten haben und was sie zusammen gemischt haben, weil das ist ihr eigenes Werk und das probieren sie dann auch.
[Dr. Silvia Kraatz] (1:08:30 - 1:09:54)
Das und man würde sich auch wünschen, dass Ernährung auch ein größeres Thema wird in Kitas und Schulen, weil ich doch erlebe, dass das teilweise noch nicht so abwechslungsreich stattfindet und diese Auseinandersetzung eben mit dem Essen, vielleicht auch mal einen Bauernhof zu besuchen, mal zu gucken, was wächst denn da, was muss ich denn überhaupt machen, um so einen Brokkoli herzustellen oder wächst der jetzt am Baum oder im Boden? Viele Kinder haben da ja heutzutage gar nicht mehr so einen Zugang dazu, also dass man idealerweise würde ich mir wünschen, dass alle Kitas mal einen Ausflug machen auf den Bauernhof, auch sich natürlich mal angucken, wo kommt das Fleisch her, wie wird das verarbeitet, auch das ist total wichtig, weil wir das irgendwie abgepackt im Supermarkt kriegen und keiner weiß mehr, was eigentlich dahinter steckt. Und genau, alles andere, da schließe ich mich Judith total an, also mitmachen, Spaß haben und auch in gewisser Weise locker trotzdem damit umzugehen. Es sollte natürlich auch nicht für die Eltern jetzt in totalen Stress ausatmen, dass jetzt irgendwie jedes Mal ein Gesicht geschnitzt werden muss beim Essen.
Also ich finde einfach da ein bisschen mit Neugierde ranzugehen und gleichzeitig aber auch Spaß dabei zu haben und sich nicht da stressen zu lassen, weil jetzt sozusagen jeden Tag da Gesichter geschnitzt werden müssen.
[Nils Behrens] (1:09:56 - 1:10:05)
Sehr gut, aber es gibt ja viele Anregungen dazu in eurem Buch. Das Buch heißt Welche Nährstoffe braucht mein Kind? Es ist im TRIAS Verlag erschienen und ich kann es auf jeden Fall allen Eltern nur ans Herz legen.
[Dr. Silvia Kraatz] (1:10:05 - 1:10:07)
Dankeschön. Vielen Dank, wir freuen uns.
[Nils Behrens] (1:10:07 - 1:10:14)
Vielen Dank für eure Zeit. Habt ihr eigentlich auch ein persönliches Lieblingssupplement?
[Dr. Judith Schaus] (1:10:17 - 1:10:28)
Ja, also mein Liebstes ist eigentlich Omega-3-Fettsäuren, weil die bei mir tatsächlich meine Menstruationsbeschwerden wie weggepustet haben.
[Dr. Silvia Kraatz] (1:10:29 - 1:10:51)
Und meins ist tatsächlich Magnesium, weil ich davon sowohl in der Schwangerschaft sehr profitiert habe, als auch so beim Schlafen, weil man doch viel unterwegs ist, aktiv ist im Alltag. Finde ich, macht das total viel aus, wenn man das substituiert und einen guten Spiegel hat. Macht auch was mit der Entspannung, dem Schlafen.
[Nils Behrens] (1:10:51 - 1:10:56)
Total, total. Also Magnesium ist bei mir auch ganz weit oben.
[Dr. Silvia Kraatz] (1:10:57 - 1:10:58)
Ja, was ist deins?
[Nils Behrens] (1:10:59 - 1:11:47)
Meins ist Kreatin, muss ich wieder sagen. Aber es liegt daran, dass es der größte Effekt ist, den ich gemerkt habe. Also ich merke einfach, dass tatsächlich mein Gehirn besser funktioniert.
Gerade in solchen Abendstunden, wie wir hier sitzen, dass ich einfach wirklich da noch eine gewisse Konzentrationsfähigkeit habe. Und das liegt eben daran, dass diese ATP-Transport einfach da optimiert ist. Und deswegen, ja, Kreatin ist bei mir der größte.
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