

Die Rückenrevolution: Rückenschmerz verstehen, Ursachen finden, Leben zurückgewinnen
Rückenschmerzen sind allgegenwärtig — sie bremsen Karriere, Freizeit und Lebensfreude. Viele Betroffene durchlaufen endlose Untersuchungs- und Behandlungspfade, ohne dass die Schmerzen dauerhaft verschwinden. Prof. Dr. Musa Citak, Wirbelsäulenexperte und Autor von Die Rückenrevolution, plädiert für eine radikal andere Herangehensweise: präzise Ursachenforschung statt Schnellschuss-Behandlung. Sein Fokus liegt auf der Frage, ob Schmerzen tatsächlich von der Wirbelsäule stammen oder oft aus Muskeln, Faszien und Sehnen. Mit seiner praktischen Sechs-Quadranten-Methode lässt sich schnell herausfinden, wo der Schmerz wirklich sitzt — und wie man ihn gezielt behandelt.
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Warum viele Rücken-OPs überflüssig sind
Ein Kernproblem ist, dass Bildgebung Befunde zeigt, die bei vielen Menschen vorhanden sind, aber gar nicht weh tun. Bandscheibenvorwölbungen oder -vorfälle finden sich häufig auch bei ganz beschwerdefreien Personen. Weil Ärzte keine direkten Messgeräte für Schmerz besitzen, entsteht schnell eine „Diagnose im Raum“ — das MRT-Bild wird zur Erzählung, und diese kann unnötige operative Schritte nach sich ziehen. Citak betont: in den allermeisten Fällen sind Muskel-, Faszien- oder Sehnenprobleme die eigentlichen Schmerzquellen — und die lassen sich konservativ lösen.
Die Sechs-Quadranten-Methode — schnell, praktisch, treffsicher
Prof. Citak entwickelte eine einfache Untersuchungstechnik: den Rücken in sechs Quadranten einteilen, punktuell abtasten und prüfen, ob sich durch Druck der Schmerz reproduzieren lässt. Lässt sich der Schmerz peripher durch Druck auslösen, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass ein Muskel oder Triggerpunkt verantwortlich ist; lässt er sich nicht reproduzieren, könnte eine Bandscheibe beteiligt sein. Die Methode erlaubt in kurzer Zeit eine sehr hilfreiche Differenzierung — und damit eine gezielte Therapieplanung.
Triggerpunkte: Was sie sind und wie du sie erkennst
Triggerpunkte sind lokal begrenzte Muskelkrämpfe, die schlecht durchblutet sind, Stoffwechselabbauprodukte anreichern und chronisch werden können. Charakteristisch ist oft ein „übertragener Schmerz“ — also Schmerzen an entfernten Stellen, z. B. zieht ein Triggerpunkt im Gesäß ins Bein und imitieret so einen Bandscheiben-S1-Schmerz.
Typische Merkmale:
- lokale Knubbel oder empfindliche Stellen in der Muskulatur
- Schmerzen, die in andere Körperregionen ausstrahlen
- Druck auf den Punkt reproduziert den Schmerz
Behandlungsmöglichkeiten zuhause und in der Praxis:
- Druck und Massage (z. B. mit Tennisball, Triggerball oder Massagepistole)
- Dry-Needling / Trigger-Akupunktur (durch Fachpersonal)
- gezielte Faszientechniken und physiotherapeutische Maßnahmen
Ursachen: primär vs. sekundär — das große Bild
Citak unterscheidet zwischen primären Ursachen (Grundprobleme) und sekundären Auslösern (Trigger).
Primäre Ursachen:
- Fehlstatik und biomechanische Ungleichgewichte (z. B. Beckenschiefstand)
- muskuläre Dysbalancen zwischen Antagonisten (z. B. Gluteus vs. Adduktoren)
Sekundäre Trigger:
- akute Belastungen (Heben, falsche Bewegung, Sportverletzungen)
- Stress (führt zu erhöhter Muskelspannung)
- entzündliche Prozesse oder metabolische Probleme, die vorhandene Schwachstellen aktivieren
Wichtig zu verstehen: oft verhält es sich so, dass ein primäres Problem jahrelang „stumm“ existiert und durch einen kleinen sekundären Trigger plötzlich Schmerz sichtbar wird.
Drei Maßnahmen, die fast immer helfen (Sofort-Selbsthilfe)
- Wärme gezielt aufs Gesäß, nicht direkt auf die Lendenwirbelsäule — viele Schmerzen kommen vom Gluteus.
- Trigger-Druck: mit Tennis- oder Triggerball punktuell in das Gesäß drücken, bis sich die Spannung löst.
- Gezielte Dehnung der Gesäßmuskulatur kombiniert mit Adduktoren-Dehnung als Antagonist.
Diese einfachen Schritte lindern akute Beschwerden häufig deutlich — insbesondere, wenn Schmerz aus Muskel/Faszie stammt.
Rolle von Training: was hilft — und was nicht als alleinige Therapie
Krafttraining ist wichtig für Gesundheit und Prävention, aber es ist kein Allheilmittel gegen chronische Rückenbeschwerden. Aufbau der Muskulatur reduziert Schmerzen und verbessert Funktion — löst aber nicht immer die zugrunde liegende Ursache. Besonders klassische „sichtbare“ Trainingsroutinen treffen oft nicht die tiefliegenden Dysbalancen oder die spezifischen Triggerpunkte.
Fazit: Trainieren ja — aber gezielt und ergänzt durch Ursachenforschung und Therapie.
Ernährung & Silent Inflammation
Chronische, stille Entzündungen („Silent Inflammation“) erhöhen die Schmerzbereitschaft: Sehnen und Ursprungsansätze können leichter gereizt werden. Eine entzündungsärmere Ernährung (weniger Zucker, weniger verarbeitetes Fleisch, mehr Antioxidantien) kann die Reizschwelle senken und die Effektivität konservativer Therapien erhöhen. Nahrungsergänzungen wie Omega-3 und Vitamin D bilden dabei eine sinnvolle Basis.
Prävention für den Alltag – praktische Tipps fürs Büro
- Achte auf aufrechte Haltung: Monitorbildschirm in Augenhöhe, Schultern entspannt.
- Wechsel zwischen Sitzen und Stehen (Stehschreibtisch oder kurze Stehphasen).
- Stelle einen Timer für mikro-Pausen: bewusst dehnen, atmen, eine Minute gehen.
- Nutze Laufpads oder kurze Spaziergänge in den Pausen, um die Muskulatur aktiv zu halten.
- Kleine, regelmäßige Pausen verhindern eine starre Zwangshaltung und sind oft effektiver als sporadische, lange Trainings.
Warnsignale (Red Flags) — wann du sofort zum Arzt solltest
Sofortige ärztliche Abklärung ist nötig bei:
- neu aufgetretener Muskelschwäche (z. B. Fußheberschwäche, Fuß schleift beim Gehen)
- Taubheitsgefühlen, Blasen- oder Mastdarmstörungen
- plötzliche, massive Funktionseinschränkungen
Diese Symptome können auf ernsthafte neurologische Probleme hinweisen und erfordern rasche Abklärung.
Konkreter 4-Wochen-Plan (Starter): was du tun kannst
Woche 1: Schmerzlinderung & Diagnostik
- Wärme aufs Gesäß, täglicher Triggerball-Einsatz, leichte Dehnungen.
- Wenn Schweregrad hoch: ärztliche Abklärung der Red Flags.
Woche 2–3: Mobilität & Ausgleich
- Zwei kurze Einheiten pro Woche mit gezielten Übungen für Gluteus-Medien, Adduktoren und Körpermitte.
- Tägliche Mobilitätsroutine (5–10 Minuten).
Woche 4: Stabilisierung & Training
- Einführung moderater Kraftübungen (Hip-Thrusts, einbeinige Kniebeuge, Planks).
- Fokus auf Symmetrie: Antagonisten stärken, Bewegungsqualität prüfen.
Take Aways
- Nicht jeder Bandscheibenbefund ist schmerzverursachend — Bildgebung allein führt häufig in die Irre.
- Triggerpunkte und muskuläre Probleme sind sehr häufige Schmerzquellen und lassen sich oft konservativ beheben.
- Die Sechs-Quadranten-Methode ist ein schneller Weg, um Schmerzursachen einzugrenzen.
- Wärme aufs Gesäß, punktueller Druck, Dehnung und gezielte Mobilität helfen akuten Schmerzen.
- Achte auf Warnsignale wie Muskelschwäche oder Sensibilitätsstörungen — dann sofort ärztlich abklären.
- Prävention: regelmäßige Bewegung, gezieltes Training beider Muskelketten, entzündungsarme Ernährung.
Mehr erfahren im healthwise Podcast von sunday natural
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Prof. Dr. med. Musa Citak ist Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie sowie ausgewiesener Experte für Regenerations- und Stoßwellenmedizin.
Sein Ansatz verbindet modernste Diagnostik mit innovativen Therapie-verfahren: Im Zentrum stehen nicht nur klassisch chirurgische oder medikamentöse Eingriffe, sondern regenerative Technologien wie die Transkranielle Pulsstimulation (TPS), die er als ganzheitliches Modul innerhalb der Stoßwellentherapie etabliert hat. Er sieht Schmerzen, Arthrose und neurodegenerative Erkrankungen als komplexe Prozesse, die durch gezielte Stimulation von durchblutung- und gewebeaktivierenden Mechanismen beeinflusst werden können.
Citak plädiert dafür, dass Behandlungsstrategien individuell und breit angelegt sein müssen — das bedeutet: Anatomie, Stoffwechsel, Belastungsstruktur und Regeneration müssen gemeinsam betrachtet werden. Sein Ziel ist es, Menschen nicht nur von akuten Beschwerden zu befreien, sondern ihre Leistungsfähigkeit, Mobilität und Lebensqualität langfristig zu sichern.
Mehr über Prof. Dr. Musa Citak und seine Praxis : https://citak.de/ueber-prof-musa-citak/prof-dr-med-musa-citak
138 Die Rückenrevolution. Mit Prof. Dr. Musa Citak
[Prof. Dr. Musa Citak] (0:00 - 0:27)
Da wir wirklich viele Rückenschmerzen nur auf ein oder zwei Muskeln beschränken können, macht es immer Sinn, zum Beispiel Wärme nicht auf die Lendenwirbelsäule, sondern auf das Gesäß zu legen. Auch wenn sich das so anfühlt, als ob der Schmerz in der Mitte ist. Und halt auch Dehnübungen für Gesäßmuskeln macht und am besten gleich auch für die Adduktoren mitmacht als Antagonist.
Das hilft fast immer.
[Nils Behrens] (0:31 - 1:26)
Herzlich Willkommen zu HEALTHWISE, dem Gesundheitspodcast präsentiert von Sunday Natural. Ich bin Nils Behrens und in diesem Podcast erkunden wir gemeinsam, was es bedeutet, gesund zu sein. Wir tauchen ein in Themen wie Medizin, Bewegung, Ernährung und emotionale Gesundheit. Immer mit einem weisen Blick auf das, was uns wirklich guttut.
Rückenschmerzen sind für viele ein ständiger Begleiter und trotzdem werden sie oft nicht ernst genommen. Dabei können sie das Leben nicht nur einschränken, sondern komplett auf den Kopf stellen. Wer versteht, woher der Schmerz wirklich kommt, kann ihn gezielt bekämpfen und genau darum geht es heute.
Prof. Dr. Musa Citak ist Orthopäde, Wirbelsäulenexperte und einer der führenden Spezialisten für komplexe Rückenerkrankungen. Zehn Jahre lang litt er selbst unter chronischen Rückenschmerzen, bis er eine eigene Diagnose- und Therapiemethode entwickelt hat. Die Sechs-Quadrant-Methode.
In seinem Buch „Die Rückenrevolution“ zeigt er, wie man Schmerzauslöser präzise lokalisiert, unnötige Operationen vermeidet und selbst aktiv werden kann. Und deswegen sage ich herzlich willkommen, Prof. Dr. Musa Citak.
[Prof. Dr. Musa Citak] (1:26 - 1:29)
Hallo Nils, vielen Dank.
[Nils Behrens] (1:29 – 1:31)
Musa, wie rückenfreundlich war denn eigentlich dein letzter Sonntag?
[Prof. Dr. Musa Citak] (1:31 – 1:45)
Das letzte Wochenende war eigentlich super.
Freitag bin ich mit Freunden essen gegangen. Am Samstag war ich auf dem Hamburger Dom, hab viel Spaß gehabt. Und Sonntag war ich im Schwimmbad und hab eigentlich gar nicht an meinen Rücken gedacht.
[Nils Behrens] (1:45 - 1:55)
Das ist sehr gut, das ist sehr gut. Wenn du sagst Hamburger Dom, also für die, die nicht aus Hamburg kommen, das ist ja so eine Art Kirmes, sage ich mal, sowas. Und ich glaube, das rückenfeindlichste, was man da machen kann, ist die wilde Maus.
[Prof. Dr. Musa Citak] (1:55 - 1:57)
Da war ich sogar drauf.
[Nils Behrens] (1:57 - 1:59)
Da warst du drauf? Und dein Rücken hat's ausgehalten?
[Prof. Dr. Musa Citak] (1:59 - 2:00)
Auf jeden Fall.
[Nils Behrens] (2:00 - 2:06)
Sehr gut. Warum sind 90% aller Rücken-OP-Indikationen eigentlich nicht notwendig?
[Prof. Dr. Musa Citak] (2:07 - 8:07)
Das ist ein sehr komplexes Thema, was wirklich viele, viele Faktoren hat. Es ist halt nicht so einfach, diese Frage zu beantworten. Ich versuche es mal.
Im Grunde genommen fängt das Problem schon dort an, wo der Patient zum Arzt geht. Der Patient geht zum Arzt, weil er Rückenschmerzen hat. Nun haben wir das Problem, dass der Arzt Rückenschmerzen oder allgemein Schmerzen gar nicht messen kann.
Es gibt bis heute kein Gerät, wo man jemanden rein tut, und da kommt zum Schluss raus, der Rückenschmerz entsteht genau hier. Was machen wir? Wir machen eine Untersuchung und dann machen wir eine Bildgebung.
Und da fängt meistens das größte Problem an, was wir haben, weil sehr, sehr häufig haben wir hier strukturelle Veränderungen ab 20, 30 Jahren, wie zum Beispiel eine Bandscheibenvorwölbung, einen Bandscheibenvorfall. Nun ist das Problem, dass wir eine Diagnose im Raum haben, die auch operativ behandelt werden kann. Das heißt, der Patient ist wegen Schmerzen zum Arzt gegangen und der Schmerz hat nun eine Diagnose gestellt, die im Raum steht.
Und das Dilemma fängt sozusagen jetzt an. Das ist ein Problem. Nun ist es so, dass nicht jeder Bandscheibenvorfall einen Schmerz verursacht.
Also es ist meistens so, dass es sogar sehr selten ist, dass ein Bandscheibenvorfall einen Schmerz verursacht. Das weitere Problem ist, dass wir natürlich auch in der Orthopädie Spezialisierung haben.
Der eine macht Fußchirurgie, der eine macht Kniechirurgie. Nun ist es so, dass wenn ein Patient, weil auf seiner Tür ja auch Orthopädie steht, zu einem Fußchirurgen zum Beispiel geht und dann sagt, ich habe Rückenschmerzen, das kann ein lieber netter Arzt sein und auch Mitleid haben, machen wir mal Leitlinientherapie, erst mal vielleicht Physiotherapie, Schmerzmittel. Wenn es nicht besser wird, kriegen die dann ein MRT und dann haben wir eine Diagnose im Raum.
Und ab hier ist natürlich für den Fußchirurgen, er muss es abgeben. Zum Beispiel zum Neurochirurgen, ob eine OP-Indikation steht. Und schon haben wir eine Überweisung mit Bandscheibenvorfall, bitte um weitere Abklärung, OP-Indikation.
Das ist das eine Problem. Das andere Problem ist, dass die meisten Ärzte gar nicht konservativ ausgebildet werden. Die meisten Patienten wissen nicht, wenn sie zum Arzt gehen, zum Beispiel zum Orthopäden, dass der Orthopäde in seiner klinischen Ausbildung eine rein operative Ausbildung erhält.
Das bedeutet, er lernt nur, wie man OP-Indikationen stellt und operiert. Wie man ein Problem konservativ löst, wird einem gar nicht beigebracht. Das muss der Arzt, wenn er Interesse daran hat, nach seiner Fachausbildung oder während seiner Fachausbildung sich selbst beibringen mit Kursen am Wochenende, seinen Urlaub dafür aufgeben.
Und man muss natürlich auch als Arzt relativ früh wissen, auf was spezialisiert man sich. Möchte man lieber eine Operation, in die operative Schiene gehen, dass man sagt, okay, ich mache jetzt zum Beispiel nur noch Knieprothesen als Orthopäde. Oder ich möchte mich jetzt so eher auf manuelle Medizin, wo ich jetzt Menschen einrenke, spezialisieren und vielleicht ein bisschen Akupunktur.
Und das muss man halt alles außerhalb, in seiner Freizeit machen. Und das zweite Problem, da die Schulmedizin Schmerzen nicht messen kann und der Patient mit Schmerzen zum Arzt geht, gibt es ja eine Leitlinie für Schmerzen. Und die Leitlinie ist eigentlich rein medikamentös.
Das heißt, es ist ein Problem, der Patient möchte seine Schmerzen loswerden und die Ärzte, wenn er jetzt nicht beim Schmerztherapeuten ist und einfach die Schmerzmittel möchte, dann bleibt eigentlich den meisten Orthopäden nur die Operation übrig. Das bedeutet, wenn wir jetzt ein paar Fallbeispiele mal durchgehen, wir haben einen Menschen, der hat Rückenschmerzen, der geht zum Orthopäden. Der Orthopäde nimmt es ernst oder nicht ernst, weil er eine andere Spezialisierung hat und macht ein MRT und da ist ein Bandscheibenvorfall.
Ab dem Tag ist das Problem, okay, diese Bandscheibe steht im Raum und das prägt sich extrem im Kopf des Menschen ein. Ich habe immer noch Patienten, die sagen, ich habe Bandscheibe, seit 20 Jahren. Und das brennt sich so ein und diese Menschen leben dann mit dieser Diagnose und sind halt ständig blockiert.
Wenn jetzt nicht richtig untersucht werden kann, ist dieser Schmerz wirklich ein Bandscheibenproblem oder ist es kein Bandscheibenproblem, das machen eigentlich die wenigsten, weil es nicht notwendig ist.
[Nils Behrens] (8:08 - 8:12)
Oder auch häufig gar nicht die Zeit dafür da ist, weil man muss ja auch mal gucken, was kriegt man dann eigentlich bezahlt.
[Prof. Dr. Musa Citak] (8:13 - 10:03)
Das stimmt auch natürlich, da hast du vollkommen recht Nils. Es ist halt, die Medizin ändert sich. Wir leben in einer Zeit, wo alles schneller ist.
Auch der Arzt-Patient-Kontakt ist sehr viel schneller. Und das Einfachste ist dann natürlich eine Überweisung auszustellen, wenn man jetzt nicht spezialisiert ist in dieser Materie Rückenschmerz. Dann haben wir natürlich, der Schmerz kann natürlich von der Bandscheibe kommen, ist aber total, total selten.
In der Regel kommt der Schmerz jedoch meistens von Muskelfaszien, Sehne. Wenn man ein Muskelfaszien-Sehnenproblem übersieht, verklagt wird, passiert nichts. Wenn man einen Bandscheibenvorfall übersieht, verklagt wird, da passiert schon was.
Das heißt, das eine ist unwichtig, weil es keine Konsequenz hat für den Arzt. Das andere ist wichtig. Wir sehen immer wieder, oder wir hören immer wieder Patienten, die kommen zu uns mit Rückenschmerzen, sagen, ich war vorher bei Dr. A, und dann war ich bei Dr. B, und Dr. A hat den Bandscheibenvorfall übersehen. Der hat mir gar kein MRT gemacht. Das war ein ganz schlechter Arzt. Also im Grunde genommen, wir versuchen selbst jetzt bei uns, natürlich ein MRT nicht sofort zu machen, weil das blockiert komplett den Ablauf, wenn man plötzlich diese Diagnose im Raum hat.
Da Bandscheibenprobleme zu 90 Prozent eh keine Schmerzen machen, spielt es eigentlich auch keine Rolle. Ein MRT brauchst du wirklich nur, wenn du neurologische Ausfälle hast, wie Taubheit, Sensibilitätsstörungen.
[Nils Behrens] (10:05 - 11:15)
Ja, es ist total interessant, was du erzählst. Ich hatte hier auch schon mal ein Podcastgespräch mit dem Dr. Alfen, und der wiederum hat sich jahrelang durch endoskopische Bandscheiben-OPs einen Weltruf gemacht, weil er dieses Verfahren perfektioniert hat, dass man durch den Kanal geht und das Ganze minimalintensiv diesen Bandscheibenvorfall bearbeiten kann. Das hat er selbst einen bekommen und hat dann festgestellt, dass das Problem auch anders zu lösen ist.
In seinem Fall hat er es durch den Aufbau der Tiefenmuskulatur, also durch einen gezierten Aufbau der Tiefenmuskulatur, geschafft, dieses Problem zu lösen. Das ist genau das, was du gerade sagst. Im Grunde genommen sind die Schmerzen häufig über die Muskulatur zu lösen und nicht über den Nerv, der von der Bandscheibe getriggert wird.
Ich fand, das trifft mit dem ganz gut. Du hast ja eine persönliche eigene Historie. Ich habe es gerade zum Eingang gesagt, du hast zehn Jahre lang deinen Schmerz gehabt und du sagst ja auch tatsächlich in deinem Buch gleich am Anfang, du wirfst der Schulmedizin schon vor, dass sie dich zehn Jahre lang im Stich gelassen haben.
Was war der Wendepunkt für dich?
[Prof. Dr. Musa Citak] (11:16 - 13:05)
Also als Schulmediziner, zu dem Zeitpunkt, also zu der Zeit des Wendepunktes, war ich ja Professor der Medizinischen Hochschule Hannover, war durch und durch ein Schulmediziner. Ich habe davor fast alle schulmedizinischen Therapien ausprobiert, sage ich mal. Und war auch sehr lange bei einem Chiropraktor, der mich halt regelmäßig eingerenkt hat.
Und was mir hier aufgefallen ist, es war halt immer super ein erleichterndes Gefühl. Und irgendwann mal wurden die Abstände, wo ich das Einrenken brauchte, immer kürzer und kürzer und kürzer. Dass ich fast gefühlt einmal einen Zeitpunkt erreicht habe, wo ich wirklich fast täglich eigentlich eingerenkt werden könnte.
Und dann war mein Chiropraktor nicht da und er hatte eine Vertretung. Und dann hat er mich eingerenkt, dann wurde es plötzlich nicht besser. Dann bin ich nochmal zum Schulmediziner gegangen.
Im Endeffekt kann man ja wirklich sagen, wenn man zum Orthopäden geht, kriegt man ja nur drei Therapien vorgeschlagen. Ibuprofen, Physiotherapie, OP, wenn man im MRT einen Bandscheibenvorfall hat. Da ist ja wenig Luft für andere Therapien.
Oder halt, damit ist es für dich gegessen. Das Problem schon gelöst. Am Anfang bin ich halt, wenn man lange genug Rückenschmerzen hat, dann spricht man ja auch mit vielen Menschen.
Dann sagt zum Beispiel der eine, ey, wohin gehst du Physiotherapie? Da, oh nein, bist du verrückt. Du musst zu denen gehen, die die erste Bundesliga machen.
Da gehörst du doch hin.
[Nils Behrens] (13:06 - 13:11)
Oder in Hamburg war das früher auch immer so, du musst zum Physiotherapeuten vom HSV gehen.
[Prof. Dr. Musa Citak] (13:11 - 16:23)
Dann lag ich da und wurde halt von den Profis behandelt. Das berichte ich auch sehr ausführlich in meinem Buch. Plötzlich hatte ich so einen Gedankengang.
Dieser Mann, der ist ja spezialisiert, gesunde Menschen zu behandeln, die ja nichts haben. Ich meine, ein Profifußballer, was soll der schon haben? Und ich bin ja ein Krüppel, ich kann ja kaum gehen.
Da habe ich plötzlich gemerkt, ich bin dort falsch. Ich meine, ich bin kein Profisportler, ich kann kaum fünf Schritte ohne Schmerz gehen. Und dann habe ich das beendet.
Und dann hatte ich nochmal eine Physiotherapie bekommen. Da habe ich gesagt, okay, jetzt suche ich mir den nahesten aus meinem Haus. Da habe ich geguckt und war erschrocken, dass quergegenüber eine Physiotherapie war, die mir noch nie aufgefallen ist.
Da habe ich gesagt, okay, da gehst du jetzt hin und arbeitest dieses Rezept ab. Da bin ich hingegangen. Als ich reinkam, war alles so esoterisch eingerichtet.
Ich habe gedacht, hier bist du falsch. Ich gehe schnell raus und als ich gerade rausgehen wollte, kam eine nette Dame, hat gesagt, Sie müssen ja Herr Citak sein. Ich so, ja.
Da habe ich in meinem Kopf gedacht, Mist, die hat mich erwischt. Und dann kam sie rein, hat mich hingesetzt, war auch total nett. Dann hat sie meinen Puls gefühlt.
Sie hat mir an die Zunge geguckt. Und ich habe gedacht, ich bin doch nicht zum Arzt gekommen. In dem Moment wusste ich gar nicht, dass sie eine TCM, also traditionelle chinesische Medizinuntersuchung mit mir durchführt.
Und dann hat sie gesagt, also ich habe gedacht, die ist irre. Da hat sie auch noch gesagt, ich mache jetzt so Akupunktpressur.
Ja, Akupressur mit einem Stift. Das ist so ähnlich wie Akupunktur, nur ohne Nadeln, weil ich ja keine Nadeln machen darf. Ich habe gedacht, okay, das ist eine Hexe hier.
Ich muss eigentlich sofort raus, aber ich bin ja ein höflicher Mann. Bleibe ich hier. Lass es einmal über mich ergehen.
Und dann komme ich nie wieder hierher, weil ich bin Schulmediziner. Das funktioniert nur bei Verrückten. Da habe ich mich hingelegt und das hat so wehgetan.
Während der Therapie habe ich gedacht, du bist dumm. Wieso bist du, hast du gesagt, Akupunktur ist nichts für dich? Bist du ehrlich gewesen?
Bist du rausgegangen? Ich habe es einfach über mich hergehen lassen. Das hat echt wehgetan.
Am nächsten Tag bin ich aufgestanden. Es wurde besser. Ich habe gedacht, das kann nicht damit zusammenhängen.
Das ist jetzt ein dummer Zufall hier. Dann habe ich das wieder gemacht und wieder gemacht. Da war ich echt relativ gut schmerzarm, sage ich mal.
Da hat es bei mir Klick gemacht. Es ist nicht nur das Skalpell, was Probleme lösen kann. Das war wirklich diese Physiotherapeutin, die mich auf die andere Seite gelockt hat, sage ich mal.
[Nils Behrens] (16:23 - 16:52)
Du beschreibst es auch ganz gut in deinem Buch. Du hast am Anfang ein paar Fälle von Menschen, die alle eine massive Fehldiagnose hatten. Mir fällt der eine ein, mit dem bist du auch befreundet, ein anderer Orthopäde, der kam ja irgendwie mit...
Der hatte so schlimme Schmerzen im Rücken, dass er den Notarzt gerufen hat. Er war schon im Krankenhaus. Da hat ihn ein Neurochirurg für die OP fertig gemacht.
Er dachte, das kann nur Bandschleim sein. Am Ende waren es Nierensteine. Klar, die Region ist gleich, wo der Schmerz war.
[Prof. Dr. Musa Citak] (16:53 - 17:11)
Es ist unfassbar. Das Problem ist halt wirklich, es gibt so viele Ursachen für Schmerzen. Viele Patienten machen den Fehler, sie haben Rückenschmerzen.
Der Nachbar sagt, geh mal dorthin. Der hat mir super geholfen. Er geht dorthin und nichts passiert, weil die Ursache eine ganz andere war.
[Nils Behrens] (17:12 - 17:25)
Deswegen hast du in deinem Buch letztendlich auch diese Sechs-Quadranten-Methode erfunden. Oder zumindest erläuterst du sie da. Kannst du uns und unseren HörerInnen erläutern, was die Sechs-Quadranten-Methode ist?
[Prof. Dr. Musa Citak] (17:29 - 18:16)
Das Schwierigste, was ich am Anfang erzählt habe, ist herauszufinden, kommt der Schmerz von der Bandscheibe oder ist der Muskel, Faszien, Sehne? Irgendwann mal, ich habe sehr intensiv Patienten untersucht und nach jedem Patienten reflektiert und nachgedacht, und mir Notizen gemacht. Irgendwann mal bin ich drauf gekommen, eigentlich ist es ja total simpel.
Einen Schmerz, der von der Bandscheibe ausgelöst wird, den kannst du in der Peripherie durch Drücken nicht reproduzieren. Das heißt, der Muskel tut ja gar nicht weh. Hier sagt immer der Patient, der einen echten Bandscheibenproblem hat, ja, da ist der Schmerz, aber nicht, wenn Sie drücken.
[Nils Behrens] (18:16 - 19:01)
Vielleicht darf ich an der Stelle für unsere HörerInnen einhaken. Weil diese Bandscheibe muss man sich ja vorstellen wie so ein kleines Gelkissen, was von so einem dicken Gummiring umhüllt ist. Und das, was passiert bei einem Bandscheibenvorfall ist, dass dieser Gummiring in dem Sinne ein bisschen undurchlässig wird, dann kommt ein kleines bisschen von dieser Flüssigkeit raus und diese Flüssigkeit drückt auf den Nerv.
Dafür nur einmal ganz kurz zum Verständnis, da kann man von außen nicht manipulieren, weil letztendlich dieser Druck der Flüssigkeit auf den Nerv sozusagen unabhängig davon ist, ob man jetzt da irgendwie drumherum irgendwas interveniert, sozusagen. Das ist im Grunde einfach Fakt.
Ein mechanisches Problem, was man aber nicht durch eine andere von außen zugefügte Mechanik beeinflussen kann.
[Prof. Dr. Musa Citak] (19:01 - 19:15)
Genau so ist es, ja. Also das Problem entsteht im Körper an der Bandscheibe oder an der Wirbelsäule und den kannst du halt nicht durch äußeres Drücken reproduzieren, den Schmerz.
[Nils Behrens] (19:16 - 19:23)
Genau, und das, was du jetzt machst, du drückst und dann, wenn die Leute sagen, oh, jetzt tut es weh, dann weißt du, dass es nicht die Bandscheibe ist.
[Prof. Dr. Musa Citak] (19:24 - 21:16)
Zumindest mit größter Wahrscheinlichkeit. Eigentlich, das, was wir machen, ist total simpel. Und dann ist mir irgendwann mal aufgefallen, dass es Regionen gibt, also ich habe ja den ganzen Rücken ja am Anfang immer abgedrückt, wirklich so Millimeter für Millimeter durchgegangen.
Das habe ich damals auch bei mir versucht. Als ich Rückenschmerzen hatte, da stand ich mal drei Stunden vorm Spiegel und habe versucht, bei mir diesen Schmerz zu reproduzieren. Weil ich konnte, weil ich habe es ja nicht verstanden.
Und bei mir habe ich es nicht geschafft damals, weil ich an die falschen Stellen gedrückt habe. Ich habe ja damals, wie die meisten, auch an der Wirbelsäule herumgedrückt. Dann irgendwann mal habe ich halt gemerkt, dass ja eigentlich 60 Prozent aller Auslöser vom Gesäßmuskel kommen.
Und dann habe ich durch die Dokumentation gemerkt, dass wir mehrere Quadranten haben und jedem Quadranten eigentlich einen Muskel zuordnen können. Und so hat sich dann halt diese Sechs-Quadranten-Methode entwickelt, mit dem ersten Quadranten zum Beispiel für den Gluteus Medius. Das ist unten am Po.
Und wenn der aktiv ist, dann weißt du, okay, dieser Muskel ist betroffen. Du kannst diese Übung machen, du kannst hier die Wärme machen, du kannst hier dein Kinesio-Tape machen. Und es ist supersimpel durchzuführen.
Eine Rückenuntersuchung, ob es wirklich Bandscheibe ist oder nicht, kriege ich jetzt unter einer Minute raus. Ich muss halt nur die sechs Quadranten durchgehen. Und dann ist es halt entweder ein Bandscheibenvorfall, weil ich den Schmerz nicht reproduzieren kann, das ist aber extrem selten, oder es ist eine Mischform, die gibt es ja auch.
Ein bisschen Schmerz von der Bandscheibe und ein bisschen vom Muskel.
[Nils Behrens] (21:17 - 22:16)
Und ich möchte ganz kurz, weil ich finde, das ist so schön in deinem Buch dargestellt. Und wenn man diese Darstellung, diese visuelle Darstellung leider nicht hat, was im Podcast natürlich schwierig ist. Es ist ja im Grunde genommen so, du hast ja, wenn man so will, diesen Hüftknochen in erster Linie sehr stark genommen.
Man sieht ja von hinten sozusagen den unteren Teil der Wirbelsäule und dann das Becken. Das ist ja im Grunde eigentlich das, was man in erster Linie sieht. Und da hast du dann ein Raster drübergezogen.
Und dann hast du an dieser Stelle deine sechs verschiedenen Punkte, wo man drücken kann. Und wenn du weißt, da wird der Schmerz reproduziert, dann weißt du, was die Ursache ist. Also, simple as that.
Ich fand das wirklich beeindruckend, ehrlich gesagt. Als ich das so in deinem Buch gelesen habe, dachte ich so, das ist ja schon sehr genial.
Jetzt habe ich meine Frage, ist aber trotzdem, viele Leute haben ja auch so Verspannungen im Nacken. Wie gehen die denn damit einher?
[Prof. Dr. Musa Citak] (22:17 - 23:14)
Das ist, also wir haben, das Raster hat ja mit einem einzigen Punkt begonnen. Den nenne ich A-Plex. Das ist halt der höchste Punkt vom Beckenkamm, sage ich mal.
Und die Patienten, die Schulternackenschmerzen haben, das ist noch viel, viel komplexer. Das ist, das ist, unterer Rücken, würde ich sagen, also habe ich sicherlich zu 99 Prozent verstanden. Es gibt immer wieder Rückenschmerzen, da sieht alles von außen ähnlich aus, aber es funktioniert bei denen nicht.
Das ist aber wirklich nur noch ganz, ganz wenige. Aber Schulter-Nacken ist nochmal eine richtige Herausforderung, weil wir hier einmal das Schulterblatt haben, die Brustwirbelsäule, die Halswirbelsäule, Schultergelenk, Kiefer und alles kommt zusammen.
[Nils Behrens] (23:14 - 23:19)
Also das, nur für mein Verständnis wäre da nicht mit abgedeckt bei der Sechs-Quadranten-Methode.
[Prof. Dr. Musa Citak] (23:19 - 24:09)
Das mit der Sechs-Quadranten-Methode hört exakt am, also ich nenne den Punkt, den ich für die Schulternackenschmerzen identifiziert habe, Susa. Und das ist halt der höchste Punkt des Schulterblattes. Und dieses im Grunde genommen, nach unserer Quadranten-Methode haben wir ja den Quadrant 3, der geht ja hoch, das ist ja der Rückenstrecker, und der endet genau an diesem obersten Punkt.
Und von dort nach da kommt dann das nächste Buch, weil das ist zu komplex. Das konnte ich jetzt nicht, weil da ist Schwindel, Tinnitus, da sind so viele Symptome, Migräne, das ist so komplex, da wird es in drei Jahren wahrscheinlich das nächste Buch geben, weil das passte da nicht mehr rein.
[Nils Behrens] (24:10 - 24:20)
Okay, dann lass uns doch mal darüber sprechen, es gibt ja wirklich im Zusammenhang mit den Rückenschmerzen sehr viele Mythen. Was würdest du denn sagen, ist der größte Mythos im Zusammenhang mit Rückenschmerzen, den du gerne aus der Welt schaffen würdest?
[Prof. Dr. Musa Citak] (24:22 - 25:41)
Es gibt einige Mythen, aber ganz besonders am Herzen liegt mir der Mythos Krafttraining.
Es ist ja auch super, Krafttraining, wir sagen ja nicht, dass Krafttraining schlecht ist, sondern der Mythos ist, dass man mit Krafttraining den Rückenschmerz los wird. Wenn wir Patienten, also Krafttraining ist super, Krafttraining bei muskulären Problemen reduziert auch massiv den Rückenschmerz, aber es löst das Problem nicht. Es konserviert den Schmerz nur.
Das heißt, wenn man irgendwann mal zeitlich, beruflich weniger Sport macht, kommt der wieder zurück, der Schmerz. Und das hören wir ja immer wieder von Patienten, ja eigentlich bin ich in meinem Gym, aber jetzt Baby geboren, wir haben nicht mehr so viel Zeit, und jetzt habe ich wieder Rückenschmerzen, das heißt Muskelaufbau, Muskeltraining ist super, aber es ist viel schöner, keine Schmerzen zu haben. Um nochmal darauf zu kommen, wie mein Wochenende war, ich musste gar nicht an meinen Rücken denken.
Krafttraining soll man machen, ist auch wichtig, aber nicht als Schmerztherapie.
[Nils Behrens] (25:41 - 26:12)
Interessant. Das war eben genau das, was der Dr. Alfen eben sagte, er sagt nur, das Problem ist aus seiner Sicht eben halt, dass die bei dem normalen Krafttraining in den seltensten Fällen wirklich gezielt die Tiefmuskulatur angesprochen werden kann. Also er sagt eben halt, die Muskulatur ist schon wichtig, nur das, was du als Krafttraining machst, also was ich heute Morgen im Gym gemacht habe, ich habe auch Rückentraining gemacht heute Morgen im Gym, aber ich schaffe es eben halt nicht über dieses Rückentraining, also damit sieht mein Rücken gut aus, aber für meine Wirbelsäule bringt es nichts, sondern weil ich eben halt die Tiefmuskulatur nicht gezielt angesteuert bekomme.
[Prof. Dr. Musa Citak] (26:14 - 28:10)
Natürlich, wenn man, also das Größte, also anders gesagt, ich denke, dass wenn ein Mensch stehen kann und gehen kann, hat er per se genug Kraft in den Muskeln. Das Problem ist nicht, dass man zu wenig Kraft hat, sondern dass Antagonisten unterschiedlich kräftig sind. Das heißt, entgegengesetzte Muskelgruppen, zum Beispiel am einfachsten, jeder weiß, wer Rücken trainiert, muss auch Bauch trainieren.
Wer den Gluteus trainiert, muss auch die Adduktoren trainieren. Das sind ja entgegengesetzte Muskelgruppen. Was wir sehen, wir analysieren ja, wir machen ja auch Prävention bei uns, dass es immer eine Diskrepanz manchmal gibt, also nicht bei jedem, sondern dass ein Muskel stärker ist als der andere.
Aber jetzt per se zu sagen, Krafttraining für alle funktioniert manchmal, manchmal nicht. Und wenn man einen echten Bandscheibenvorfall hat, wo der Schmerz auch aus der Bandscheibe kommt, und dann Krafttraining macht, wird er meistens schlimmer. Das heißt, Krafttraining funktioniert nur bei Muskel-Faszien-Sehnenproblemen, sind ja eh bis zu 90%.
Das heißt, nur noch bei 90% wirkt es und verbessert auch den Schmerz, aber es löst das Problem nicht. Wenn man irgendwann mal keine Zeit mehr hat, kommt es wieder zurück. Das heißt nicht, dass man jetzt kein Krafttraining machen soll, um Gottes Willen.
Jeder soll ins Gym gehen und für seine Gesundheit was tun. Der Körper muss benutzt werden. Wer rastet, der rostet.
Und in einer Zeit, wo wir wirklich alle am Schreibtisch sitzen, umso wichtiger ist es halt, sich zu bewegen und seinen ganzen Körper zu benutzen. Aber ich sehe das nicht als nachhaltige Schmerztherapie, sondern einfach wie Ibuprofen. Man nimmt es, dann ist vorübergehend der Schmerz weg.
Wenn man damit aufhört, kommt er meistens aber wieder zurück.
[Nils Behrens] (28:11 - 28:12)
Also was löst das Problem?
[Prof. Dr. Musa Citak] (28:14 - 28:52)
Die Ursache zu finden. Und die Ursache zu beheben. Und dann ist das, die Ursache kann ja wirklich eine Blockierung sein.
Kann eine Sehnenentzündung sein. Kann vielleicht auch Rheuma sein. Eine Entzündung kann es sein, eine bakterielle Entzündung.
Es gibt so viele Ursachen. Und wenn man diese primär, also wenn man jetzt diese Ursachen nicht findet, dann ist Krafttraining super, weil der Schmerz wird ja wirklich deutlich besser. Aber das Problem ist noch da.
[Nils Behrens] (28:52 - 29:40)
Ja, das beschreibst du ja in deinem Buch auch sehr gut. Und ich glaube auch tatsächlich, dass das der Punkt ist, diese Ursachenforschung ist mit Sicherheit die valideste Variante, weil jeder kennt das Thema auch. Ich hatte das auch mal als Beispiel in meiner Zeit, als ich noch für den Lanserhof gearbeitet hatte, da hatten wir dann wirklich zu diesem Fall, dass Menschen, die dann eben halt eine massive Lebensmittelunverträglichkeit und eine Überlastung ihres Darms immer wieder hatten, dass das das Problem war, dass diese Darmprobleme zu einer sozusagen Stimulierung und Verkürzung des Hüftbeugers gekommen ist. Und dass dadurch, im Grunde eigentlich, dass dann immer der Darm verkrampft war, dann einfach irgendwann dieses Hüftbeugerproblem kam und dadurch die Rückenschmerzen kamen.
Das heißt aber, dass man eine Lebensmittelunverträglichkeit oder eine falsche Ernährung sozusagen da zu Rückenschmerzen führt. Ich meine, da denken ja kaum drei einer drüber.
[Prof. Dr. Musa Citak] (29:40 - 30:07)
Nein, also es ist wirklich so, dass es die Ursachen können so vielfältig sein, wie du gerade erwähnt hast. Und in der heutigen Schulmedizin können wir halt nicht gewährleisten, dass jetzt bei jedem, der mit Rückenschmerzen kommt, eine Unverträglichkeitsanalyse erst mal vorher gemacht wird. Das sind halt die letzten Schritte, wenn man gar nicht mehr vorankommt.
Es gibt auch so viele seltene Stoffwechselerkrankungen.
[Nils Behrens] (30:08 - 30:19)
Was würdest du denn sagen, ist der, wenn wir jetzt mal das Thema Ursachenforschung nehmen, du hast dich ja mit dem Thema sehr tief auseinandergesetzt, was ist die typischste Alltagsauslöser, würdest du sagen, den die meisten Patienten übersehen?
[Prof. Dr. Musa Citak] (30:19 - 31:14)
Also bei Ursachenforschung, als ich mich mit den Ursachen sehr intensiv beschäftigt habe, habe ich eigentlich gesehen, dass wir die Ursachen in zwei Gruppen einteilen müssen. Wir haben die primären Ursachen und die sekundären Ursachen. Die sekundären Ursachen sind die, die den Schmerz provozieren dann.
Die primäre Ursache ist das Grundproblem, was wir haben. Die primäre Ursache bei den meisten Muskelfaszien-Sehnenschmerzen, wenn sie jetzt nicht durch seltene Erkrankungen sind, eigentlich die Fehlstatik. Dass der Körper nicht perfekt ist.
Jetzt kann einer natürlich sagen, wer ist denn gerade? Dann sage ich natürlich, die geraden sind alle in der Bundesliga. Die haben halt einen perfekten Körper und die wurden halt nicht ausselektiert und haben halt dieses ganze Training überstanden.
[Nils Behrens] (31:16 - 31:27)
Das ist so ein bisschen dieses Phänomen, man sagt ja immer vom Schwimmen kriegt man so einen schönen Körper, weil die ganzen Profischwimmer immer so einen schönen Körper haben. Aber vielleicht sind die auch nur deswegen Profischwimmer geworden, weil sie so perfekte Körper dafür haben.
[Prof. Dr. Musa Citak] (31:27 - 31:55)
Genau so ist es ja meistens. Wir machen ja viele Nachwuchstalente und da siehst du halt, wenn das Talent da ist, aber der Körper nicht dafür, werden die zwischen 14 und 17 durch Unfälle, Schmerzen einfach ausselektiert. Also Talent ist nicht alles.
Und die, die übrig bleiben, sind halt wirklich Gott gesegnet mit einem guten Körper.
[Nils Behrens] (31:56 - 32:30)
Boris Becker ist das beste Beispiel. Der hatte ja nie den Körper für diese Art von extremer sportlicher Belastung. Der hat einfach nur Talent und einen eisernen Willen gehabt, sag ich mal so.
Das sieht man ja heute als Resultat, dass er im Grunde dadurch auch einen massiven Raubbau an seinem Körper eigentlich dann betrieben hat und genau deshalb geht es ihm heute ja körperlich auch so schlecht. Also weil er eigentlich, das ist genau das Beispiel, was du sagst, der hat es eben halt über Jahre geschafft, einfach seine mangelnde physische Voraussetzung über Willenskraft und Talent sozusagen dann irgendwie zu kompensieren.
[Prof. Dr. Musa Citak] (32:30 – 32:33)
Das rächt sich dann mit einer Hüftprothese mit 40 Jahren.
[Nils Behrens] (32:33 – 32:42)
Aber durch mein ständiges Unterbrechen von dir sind wir jetzt von abgekommen. Du sagst, es gibt zwei Gründe. Es gibt die primären und sekundären.
Primär hast du gerade gesagt, wir sind schief.
[Prof. Dr. Musa Citak] (32:42 - 32:43)
Ja, meistens.
[Nils Behrens] (32:43 - 32:45)
Wir sind nicht völlig symmetrisch.
[Prof. Dr. Musa Citak] (32:45 - 35:36)
Ja, wir sind nicht völlig symmetrisch und wir haben immer ein bisschen Beckenschiefstand. Beckenschiefstand ist so komplex. Wenn ich mir überlege, mein alter Chef im Krankenhaus, der hat Becken, seine Hände an den Becken gemacht, hat gesehen, rechts ist 2 cm tiefer, hat er einfach 2 cm Schuhe erhöhen gemacht.
Für ihn war das Problem gelöst. Für ihn war halt ein Mensch nur ein Skelett. Interessant beim Beckenschiefstand ist, der kann auch sich tagsüber ändern.
Das heißt, das haben wir manchmal bei Patienten, dass Beckenschiefstand erstmal rechts tiefer ist und dann vielleicht nach ein paar Tagen ausgeglichen. Es ist ein System, was sich selbst einstellt. Durch Mechanismen im Körper, wo er halt eine Rückmeldung kriegt, zum Beispiel Kiefergelenk, Sehnen, wo halt ständig die Kräfte gemessen werden, weil der Kopf will immer in der Mitte stehen vom Körper.
Und dann muss man halt manchmal die einen Muskeln mehr anspannen, damit der Kopf in der Mitte ist und die anderen Muskeln lockerlassen und solche Fehlinformationen zum Beispiel oder Kiefergelenksprobleme, das ist ja ein großes Beispiel, führen dazu, dass eine Seite mehr Spannung hat die ganze Zeit. Die sekundären Ursachen sind, was eigentlich der Patient nur mit dem Schmerz in Verbindung setzt. Das heißt so, zum Beispiel, ich hab was Schweres getragen und dann hat es mir den Rücken geschossen.
Also ich wollte was aufheben. Oder ich hab Golf gespielt am Wochenende und plötzlich hab ich seitdem Schmerzen. Die sekundären Ursachen oder halt die Triggerursachen für den Schmerz können halt auch viele Gründe haben.
Ein Unfall kann da vorliegen. Wie gesagt, falsches Bewegen, einmal am Wochenende, Rasengemäht. Also es ist wirklich die sekundären Ursachen können viele sein.
Stress zum Beispiel. Stress ist für mich eine sekundäre Ursache. Das heißt, wir haben ein Grundproblem.
Dann kriegt man Stress. Stress ist ja, sag ich mal, da ist der Mensch ja, sag ich mal, das ist ja, da sind die Muskeln enorm angespannt. Also bei Stress steigt die Anspannung der Muskulatur, weil das ja natürlich ein Kampfverhalten ist.
Man muss jetzt sich wehren. Und dann kann natürlich ein, zum Beispiel ein Triggerpunkt, der schon da ist, plötzlich aktiv werden. Dass es sich halt richtig verkrampft.
Und dann hat man halt durch Stress einen sekundären Trigger. Aber den hätte man nicht, wenn man den primären Trigger nicht hätte. Und da versuche ich das halt nochmal zu differenzieren.
[Nils Behrens] (35:38 - 36:17)
Nehmen wir doch jetzt mal dein Buch. Du hast dann da diese verschiedenen Quadranten. Man kann dann eben halt, wenn man die Punkte sich dann eben halt genauso sucht und dann eben halt auf die verschiedenen Punkte drückt und dann sieht man eben welcher Punkt sozusagen den Schmerz verstärkt, dann hat man ja dann eigentlich so eine erstmal eine grundsätzliche Ursache oder zumindest eine gewisse Diagnostik, woher der Schmerz kommt.
So, und dann machst du ja Vorschläge dazu in deinem Buch, wie man dann quasi diesen Punkt dann behebt. Wenn ich jetzt mal diese sechs Quadranten nehme, was würdest du sagen, ist der häufigste und erstmal, ja, was ist der häufigste?
[Prof. Dr. Musa Citak] (36:18 - 36:23)
Der häufigste Quadrant ist Quadrant 1. Das ist der Gluteus Medius.
[Nils Behrens] (36:24 - 36:28)
Der ist so oben auf diesen Hüftknochen dann drauf. Oder auf dem Beckenknochen.
[Prof. Dr. Musa Citak] (36:28 - 36:37)
Also viele wissen, also wenn man sich ein Bild im Internet anguckt über die Wirbelsäule oder über Gesäß, vielen wird nicht klar, wie hoch der Beckenkamm ist.
[Nils Behrens] (36:37 - 36:46)
Da war ich auch überrascht, weil du schreibst ja tatsächlich, dass man ungefähr nur drei Zentimeter unterhalb des letzten Rippenbogens den Punkt hat.
[Prof. Dr. Musa Citak] (36:46 - 38:06)
Da habe ich auch eine nette Geschichte, was ich dir gleich erzählen kann. Also bei mir, das kann jetzt keiner im Podcast sehen, ist ja wirklich hier oben, da endet fast schon die Lendenwirbelsäule. Das ist ja fast schon bei der Brustwirbelsäule.
Das ist auch das, was mir irgendwann mal aufgefallen ist. Wir suchen an der falschen Stelle den Schmerz. Interessant ist, ich hatte mal zwei Patienten, die hintereinander kamen.
Beide haben auf dieselbe Stelle gezeigt und waren vorher bei unterschiedlichen Orthopäden. Die Person, die die Stelle mit Hüfte beschrieben hat, kam mit einem Becken-MRT. Die Person, die die Stelle als Wirbelsäule oder Rücken beschrieben hat, kam mit einem Wirbelsäulen-MRT.
Ja, Lendenwirbelsäule-MRT. Das fand ich an dem Tag so beeindruckend, dass der Patient schon eigentlich die Region, wo das MRT durchgeführt wird, feststellt.
Das ist halt auch wirklich für die Ärzte total schwierig. Wo ist was? Wenn mir, zu mir ein Patient kommt und sagt, ich habe Rückenschmerzen, dann frage ich immer, wo ist ihr Rücken?
Oder wo ist ihre Hüfte für Sie? Weil für mich ist Hüftschmerz immer Leisten-Schmerz. Und das ist halt nicht so.
[Nils Behrens] (38:06 - 38:54)
Ich habe das eigentlich meistens immer so, als ich noch so regelmäßig Marathon gelaufen bin, dann hatte ich auch immer diese massiven Hüftschmerzen. Und ich würde die eben so beschreiben, wie du es auch sagst. Im Leistenbereich, da oben in diesem Gelenk sozusagen, dass ich da eben wahnsinnige Schmerzen hatte.
Insbesondere beim Treppensteigen, das war dann schon immer irgendwie so ein Punkt. Und da sind wir dann eben tatsächlich auch in einem anderen Bereich. Aber ich habe jetzt mich selbst dabei erwischt, wie ich schon mehrfach immer von dem Hüftknochen gesprochen habe.
Aber das stimmt ja gar nicht. Das ist ja der Beckenknochen, der da ist. Von daher, ich merke ja selbst, wie ich auch, obwohl ich das Buch kenne, immer wieder in die falsche Terminologie reingehe.
Was würdest du sagen, du hast ja wirklich in deinem Buch einige Tipps zur Selbsthilfe. Könntest du sagen, es gibt drei Übungen oder drei Maßnahmen, die fast immer helfen?
[Prof. Dr. Musa Citak] (38:55 - 39:33)
Da wir wirklich viele Rückenschmerzen auf ein oder zwei Muskeln beschränken können, macht es immer Sinn, zum Beispiel Wärme nicht auf die Lendenwirbelsäule sondern auf das Gesäß zu legen. Auch wenn sich das so anfühlt, als ob der Schmerz in der Mitte ist. Die Gesäße triggern zum Beispiel da, wo es weh tut, drückt, entweder mit einem Tennisball oder mit einem Triggerball oder einer Faszienrolle, das, was man halt gerade dahat.
Und halt auch Dehnübungen für Gesäßmuskeln macht und am besten gleich auch für die Adduktoren mitmacht als Antagonist. Das hilft fast immer.
[Nils Behrens] (39:34 - 40:36)
Das ist wirklich sehr lustig, weil das, was du jetzt gerade beschreibst, also ich merke halt einfach wirklich so, es gibt diese eine Yoga-Übung, die heißt der herabschauende Hund und da ist man ja im Grunde genommen wie so ein Zelt aufgestellt. Und das ist ja im Grunde genommen eigentlich genau das, dieser Punkt, der da eigentlich mit am meisten durch angesprochen wird, also sprich eben halt dieser Gesäßbereich da und deswegen, also es geht ja irgendwie genau über diesen Po-Zenit sozusagen und dann runter die Beine.
Und ich merke das immer wieder, wie gut mir das tut. Ich habe das mittlerweile wirklich auch in meine nahezu Tagesroutine eingebaut, dass ich sie morgens immer mit so einer ganz kleinen Yoga-Routine, aber dann eben halt vor allem in diesen herabschauenden Hund dann eben halt mal so einen Augenblick verweile, weil es eben halt so schön ist. Aber lass uns doch mal wirklich über dieses Thema Triggerpunkte sprechen, weil das ist ja ein großes Thema bei dir im Kapitel.
Wie erkennt man sie dann selbst und wie kann man sie gefahrlos behandeln? Du hast eben wahrscheinlich schon gesagt, man kann da eben halt in dem Augenblick, wo man dann diese verschiedenen Triggerpunkte, die dann in deinem Buch beschrieben sind, abtastet und da wo das Schmerz ist, da geht man dann rein. Ist das richtig?
[Prof. Dr. Musa Citak] (40:36 - 45:15)
Ja, das ist richtig. Triggerpunkte, also jetzt bei uns in Deutschland kümmern sich ja um die Triggerpunkte eher Faszientherapeuten, Osteopathen. Ärzte machen das ja eher weniger. Triggerpunkte, wenn man das Konzept einmal verstanden hat, dann kann man schon wirklich vielen Menschen helfen.
Ich glaube, am einfachsten ist, wenn ich Triggerpunkte als Muskelkrampf auf einem kleinen Segment beschreibe. Das heißt, wir haben zum Beispiel den Gesäßmuskel und wir beschreiben am besten Schulternacken, weil jeder hat schon mal irgendjemanden massiert, der Schulternackenschmerzen hat. Wenn man mit dem Daumen dann über die Muskulatur geht, dann fühlt man ein Knubbel.
Dieser Knubbel ist der Triggerpunkt. Und der Triggerpunkt ist wie ein kleiner Krampf im Muskel, der natürlich auf der einen Seite schlecht durchblutet wird, auf der anderen Seite zu viele Stoffwechsel-Abfallprodukte hat, übersäuert und irgendwann mal chronisch wird. Das größte Problem ist, dass dieser kleine Krampf im Muskel den Muskel insgesamt verkürzt.
Wir haben ja Patienten, die sagen, ich habe so verkürzte Adduktoren. Primär ist ja erstmal der Triggerpunkt, der halt ein Krampf ist und der muss gelöst werden durch Drücken. Das ist ja die einfachste Methode.
Höchstwahrscheinlich haben das Menschen schon vor 30.000 Jahren gemacht, da wo es weh tut, einfach nur zu drücken, bis sich der Schmerz verbessert. Heutzutage machen wir das sehr gerne mit Akupunktur, mit Trigger-Akupunktur, Dry-Needling, extrem effektiv. Man geht halt mit der Nadel direkt in den Trigger rein und der löst sich automatisch.
Man kann den mit anderen Faszientechniken lösen. Nun, der Triggerpunkt ist auch meiner Meinung nach das größte Problem, warum der Rückenschmerz, der muskulär ist, mit dem Bandscheibenvorfall verwechselt wird. Der Musculus gluteus medius, also der Triggerpunkt, hat ja nicht nur einen lokalen Druckschmerz, sondern einen übertragenen Druckschmerz.
Der hat nicht nur einen lokalen Schmerz, sondern einen übertragenen Schmerz. Das heißt, wir haben im Muskel ein Problem, aber das kann ins ganze Bein ziehen. Wenn man sich die Triggerpunkte vom Gluteus medius anguckt, daneben den Nervenschmerz vom Bandscheiben S1 anguckt, das sieht gleich aus.
Das heißt, der eine, den nennen wir in der Schulmedizin Pseudoradikulären Schmerz, sieht nur so aus, den anderen radikulär. Und das sind halt die Triggerpunkte. Und das muss man natürlich als Arzt oder als Patient oder Therapeut verstanden haben, dass ein Triggerpunkt einen Bandscheibenvorfall simulieren kann.
Und da hat man halt plötzlich seinen radikulären Schmerz, passt perfekt zum MRT-Bild, und da hat man schon wieder seine OP-Indikation. Und da macht es natürlich immer erstmal Sinn, die Muskulatur zu behandeln und alle Triggerpunkte aus der Welt zu schaffen. Und dann gucken, ob diese Triggerpunkte oder dieser übertragene Schmerz besser wird.
Interessant ist, ich beschäftige mich ja jetzt echt seit 10 Jahren mit Triggerpunkten. Einige Patienten sagen, es strahlt nicht aus. Einige beschreiben das mit Kribbeln.
Einige mit einem komischen Gefühl wie Ameisenlaufen. Das sind alles, wenn man so zwei Minuten nur für den Patienten Zeit hat, hört sich das alles wie ein neurologisches Symptom an. Ganz interessant ist zum Beispiel Schulternacken.
Da haben wir einen Muskel identifiziert, der macht immer Kribbeln in den Fingern, wenn der Triggerpunkte hat. Und die Patienten kommen alle mit einem Halswirbelsäulen-MRT. Weil die sagen, das kribbelt mir hier so.
Vom Oberarm zum Hand. Und dann gucken wir natürlich als erstes auf diesen Muskel und gucken, ob der aktiv ist oder einen Triggerpunkt hat. Es ist extrem wichtig, sich mit Triggerpunkten auseinanderzusetzen.
[Nils Behrens] (45:17 - 45:29)
Das habe ich jetzt glaube ich nicht ganz verstanden, weil du sagtest gerade so, die meisten Leute, die ja neurologische Ausfälle im Arm haben, kommen mit einem Halswirbel-MRT. Aber was ich nicht ganz verstanden habe, ist das jetzt falsch?
[Prof. Dr. Musa Citak] (45:30 - 45:57)
Nein, wir haben ja zum Beispiel, wenn wir ein Bandscheibenproblem in der Halswirbelsäule haben, das macht ja neurologische Symptome und das zieht der in den Arm. Wenn es aber ein Patient kommt, nur das Symptom beschreibt, ich habe Schmerzen in den Armen, oder Kribbeln in den Fingern, dann denken die meisten nicht, dass es auch ein Triggerpunkt sein kann. Sondern man macht als erstes ein MRT und hat schon sofort seinen Bandscheibenvorfall.
Und es passt wieder alles so schön.
[Nils Behrens] (45:58 - 46:32)
Okay, das heißt also, die brauchen gar keinen MRT, weil sie eben haben eigentlich den Triggerpunkt woanders in der Muskulatur. Alles klar, verstanden. Ich bin ja ein großer Freund, also ich habe toi toi toi selten irgendwelche Schmerzen, aber ich mag einfach per se gerne in solche Themen auch mit so einer Massagepistole reinzugehen.
Ich habe da so eine, die hat so einen relativ spitzen, kurzen Daumen sozusagen, so einen Aufsatz, und dann ist das wie so ein kleiner Mini-Presslufthammer, also dann gehe ich da immer gerne in diese Punkte so rein, die mich in irgendeiner Weise triggern.
[Prof. Dr. Musa Citak] (46:33 - 46:34)
Ja, auf jeden Fall, ja.
[Nils Behrens] (46:34 - 46:36)
Ist das was, wo du sagen würdest, das kann man gut machen?
[Prof. Dr. Musa Citak] (46:36 - 47:07)
Ja, auf jeden Fall. Also, wir haben natürlich in der Praxis andere Geräte, aber für zu Hause ist es super. Wenn man wirklich chronische Schmerzen hat, sollte man wirklich sowas ausleihen oder sich auch selbst anschaffen.
Es macht halt total Sinn, diesen Bereich mit dieser Pistole immer wieder zu massieren, sage ich mal. Es bringt auf jeden Fall sehr viel.
[Nils Behrens] (47:08 - 47:17)
Ja, also mir tut es immer grundsätzlich gut, und ich merke auch, dass es dann meistens besser wird. Welche Rolle spielt denn eigentlich Ernährung bei diesem ganzen Thema?
[Prof. Dr. Musa Citak] (47:18 - 48:30)
Wir haben halt festgestellt, die primären Ursachen, machen eine Silent Inflammation, eine stille Entzündung irgendwo im Körper. Interessant ist beim Gluteus, dass der Ursprung und Ansatz entzündet ist. Das ist eigentlich eine Sehnenentzündung.
Der ist inaktiv, genau wie ein Bandscheibenvorfall da ist, aber inaktiv vom Schmerz ist, kann auch eine Sehnenentzündung inaktiv sein. Die ist da. Wenn man jetzt eine inaktive Sehnenentzündung zum Beispiel durch Fehlernährung, weiß ja jeder, zu viel Fleisch, zu viel Zucker und alles was dazu gehört, ist es halt wie eine Arthrose, die einfach aktiviert werden kann, schneller aktiviert werden kann.
Das heißt, wir haben halt diese Silent Inflammation im Muskel und dann hat man sich viel ernährt und dann reicht ein kleinerer Trigger, sekundäre Ursache aus, um das zu aktivieren. Das heißt, es kommt alles zusammen in unserem Schmerzkonzept.
[Nils Behrens] (48:31 - 49:16)
Also wenn ich es richtig verstehe, dann ist es also so, dass die Entzündung sozusagen, diese Silent Inflammation eigentlich schon da ist und wenn ich dann auch noch entzündungsfördernde Lebensmittel zu mir nehme, dann ist es so ein bisschen wie Öl ins Feuer gießen. Und andersrum gibt es ja verschiedene Dinge, die eben halt besonders entzündungshemmend sind, also wahrscheinlich das erste, worauf jeder kommt, sind immer so Blaubeeren irgendwie sowas so.
Das heißt also, wenn ich jetzt irgendwie Blaubeeren zu mir nehme, könnte es tatsächlich sein, dass eine in Anführungsstrichen gewisse, also wenn ich insgesamt darauf achte, dass meine Ernährung entzündungsarm, beziehungsweise dann eben idealerweise antioxidativ sogar eben halt antientzündlich ist, könnte es sein, dass ich damit auch meine Symptome etwas nach unten bringe?
[Prof. Dr. Musa Citak] (49:16 - 49:58)
Auf jeden Fall. Ich habe letzte Woche sogar einen Patienten gehabt, was du vorhin auch angesprochen hast, mit einer Glutenunverträglichkeit. Der hat seinen Rückenschmerz durch zehn Jahre strikte Ernährung in Schach gehalten. Und dann hat er jetzt letzte Zeit es wieder ein bisschen, sage ich mal, ein bisschen mehr Brot gegessen und es kam halt zurück.
Ernährung ist wichtig, aber es löst das Problem nicht. Es ist wie Muskeltraining. Es konserviert den Schmerz.
Schöner ist, die Silent Inflammation aus dem Weg zu schaffen.
[Nils Behrens] (49:58 - 50:11)
Du hast in deinem Buch ja auch einige Seiten zum Thema Nahrungsergänzungsmittel drin. Ist das, also was würdest du sagen, ist da so der größte vielleicht Heilsbringer dabei für dich aus deiner Sicht?
[Prof. Dr. Musa Citak] (50:12 - 50:59)
Also ich bin ja der Meinung, dass jeder Omega 3, Vitamin D, das ist eigentlich glaube ich in unserer Gesellschaft die Basis. Omega 3, Vitamin D würde ich sagen. Magnesium auch.
Das ist halt so für mich persönlich so wie das Wassertrinken. Das ist so die Basis Nahrungsmittel, die wir jedem empfehlen. Dann haben wir natürlich die antiinflammatorischen Nahrungsergänzungen, die halt die Entzündung reduzieren.
Da gibt es ja ganz viele, wie zum Beispiel Kurkuma, Schwarzkümmelöl und wie sie nicht alle heißen.
[Nils Behrens] (50:59 - 51:03)
Ich bin ja Fan von Asaxanthin, das funktioniert bei mir sehr gut.
[Prof. Dr. Musa Citak] (51:04 - 51:33)
Und man kann das natürlich zusätzlich nehmen und die Silent Inflammation werden definitiv besser. Diese ganzen Nahrungsergänzungen sind ja heute vielleicht in Pillenform, aber der Mensch wusste es ja die letzten tausende Jahre und hat bestimmte Nahrungsmittel zu bestimmten Problemen schon damals eingenommen. Wir machen es halt nur noch effektiver.
[Nils Behrens] (51:34 - 51:55)
Oder eben halt nicht, je nachdem wie man sich ernährt und damit auseinandergeht. Ich habe hier die Frage aufgeschrieben, welche alternative Therapie aus deiner Sicht am sinnvollsten ist. Da würde ich jetzt einfach mal das Thema gesunde Ernährung und vielleicht auch die passenden Nahrungsergänzungsmittel jetzt auch mit auf die Liste setzen.
Was würdest du noch mit draufpacken?
[Prof. Dr. Musa Citak] (51:56 - 53:45)
Bei den alternative Therapien müssen wir wirklich aufpassen. Jedes Problem hat seine eigene beste Lösung. Das bedeutet, wenn wir zum Beispiel Chirotherapie nennen, manuelle Therapie, am besten ist, wenn der Patient wirklich eine echte Blockierung hat.
Eine echte Blockierung ist, man bewegt sich, es blockiert sich, dann geht man zum Chiropraktor, der renkt einen ein und das Problem ist für immer weg. Das heißt so, Therapie und Problem passen super zusammen. Wenn aber, wie bei mir, man einmal im Monat irgendwann mal dahingehen muss, oder einmal die Woche, dann ist die Lösung nicht die richtig optimale.
Es erleichtert das Leben, man kriegt Linderung, Schmerzlinderung, aber es ist nicht die beste Lösung für dieses Problem. Dann haben wir natürlich viele Therapeuten, die können nur eine Therapie. Das heißt, wenn du einen Hammer hast, sieht alles aus wie ein Nagel.
Wenn einer jetzt, sage ich mal, erzählt von Bauchschmerzen, der wird genauso eingerenkt wie einer, der Fußschmerzen hat zum Beispiel. Das heißt, man kann nicht verallgemeinern, das ist die beste alternative Therapie oder Akupunktur ist die beste Therapie aller. Jedes Problem braucht eine spezifische Lösung.
Wenn wir jetzt ein Muskelproblem haben, brauchen wir eine Muskeltherapie. Was ist eine Muskeltherapie? Dazu würde ich erzählen, die Physiotherapie, die Faszientherapie, vielleicht die Triggerakupunktur.
Wenn wir ein Faszientproblem haben, dann würden wir erst lieber die Faszientherapie nehmen. Wenn wir ein Sehnenproblem haben, würden wir lieber Sehnentherapie nehmen.
[Nils Behrens] (53:46 - 54:15)
Oder auch, wenn du jetzt sagst, Muskeltraining löst nicht immer das Problem, aber ich glaube, dass wenn du massive Disbalancen hast, kann es natürlich auch das das Problem sein. Wenn ich jetzt, sage ich mal, ich nenne das immer die Disco-Pumper, also die Leute, die abends eben nur damit sie im Club gut aussehen, sich die Brust die ganze Zeit dann aufpumpen und dadurch dann alles nach vorne gezogen wird sozusagen, weil eben halt diese Brust dann eben halt immer größer wird und irgendwie sowas immer mehr an sich zieht und der Rücken dann eben halt nicht im Ausgleich dann gemacht wird, hast du natürlich auf kurzer Lange auch ein Problem.
[Prof. Dr. Musa Citak] (54:16 - 54:32)
Die haben wir relativ häufig. Denen sage ich immer, nicht nur Übungen machen, wo der Kraftvektor nach oben oder vom Körper weg ist, sondern auch in die entgegengesetzte Richtung. Das vergessen ja dann die meisten.
Dann hat sich das Problem schon meistens gelöst.
[Nils Behrens] (54:32 - 55:28)
Es sieht halt nicht ganz so gut aus auf den ersten Blick. Oder was heißt, also die meisten trainieren das, was man optisch eben halt gut aussieht. Deswegen trainieren ja Männer auch so wenig die Beine.
Was ja einfach immer total zu kurz gesprungen ist, weil es einfach so dumm ist, weil der größte Muskel und damit der größte ja auch Verbraucher von Kalorien ist. Also jemand, der ein sehr ausgeprägtes Bein und wie du sagst auch Gluteus Muskulatur hat, ist halt derjenige, der auch sich insgesamt mehr erlauben kann, weil er eben halt mehr Verbrennung dann sozusagen damit hat. Also es ist interessant, Frauen trainieren immer sehr...
Also Frauen sind ja sowieso häufig sehr viel schlauer, aber bei denen ist immer dieses Bauch, Beine, Po einfach so. Also alles, was unten ist, eigentlich sowas, was die sehr stark trainieren und die Männer ignorieren das. Also ich sehe das immer bei mir im Gym.
Also alles, was da für die unteren Extremitäten ist, da muss ich mich eher dann sozusagen dann irgendwie warten, dass eine Frau dann da fertig ist mit dem Training, als dass ich da warten muss, dass ein Mann da mal das Gerät blockiert.
[Prof. Dr. Musa Citak] (55:28 - 55:44)
Ja, da hast du vollkommen recht. Das ist ein großes Problem. Das sehen wir auch in der Praxis hin und wieder Männer, aber wirklich gesagt, noch nie Frauen. Hast du vollkommen recht.
[Nils Behrens] (55:45 - 55:55)
Sag mal, was sind denn jetzt sozusagen für dich die Warnsignale oder das Warnsignal schlechthin, wo du sagen würdest, jetzt ist aber wirklich der Zeitpunkt, gehen wir zum Arzt?
[Prof. Dr. Musa Citak] (55:57 - 56:11)
Also wir haben ja unsere Red Flags, das ist Taubheit in den Füßen zum Beispiel. Fußheberschwäche.
Das ist, wenn man halt den Fuß nicht mehr hochkriegt.
[Nils Behrens] (56:17 - 56:24)
Fußheberschwäche, ich habe das noch nie gehört. Das heißt also, ich sitze, also ich stehe und dann kann ich den Fuß nicht heben oder war das schon relativ fortgeschritten?
[Prof. Dr. Musa Citak] (56:25 - 56:32)
Das merkst du gar nicht. Du kannst den Fuß, du hast eine Schwäche. Schwäche bedeutet zum Beispiel, wenn du gehst, dass du den Fuß schleifst über den Boden.
[Nils Behrens] (56:33 - 56:34)
Ich verstehe.
[Prof. Dr. Musa Citak] (56:34 - 57:39)
Dass du ihn nicht richtig anheben kannst im normalen Gang. Das hat mir auch schon, dass ein Patient drei Monate später gekommen ist, weil er drei Monate den Fuß nicht hochgekriegt hat und der hat einen Bandscheibenmassenvorfall, der muss sofort operiert werden. Und das hat ihn aber erst mal nicht so gestört.
Irgendwann hat er gesagt, dann musst du mal zum Arzt gehen. Damit und das ist natürlich ein absolutes OP-Indikation, weil das ist ja im übertragenen Sinne, wenn der Warnschein im Vorfall größer wird, fast ein Querschnitt irgendwann mal. Also wenn es wirklich neurologische Symptome sind, die Red Flags, Blasenstörung, Mastdarmstörung, Muskelschwäche zum Beispiel, dass plötzlich auffällt, dass ein Oberschenkel irgendwie kleiner ist als der andere.
Obwohl man eigentlich das Gefühl hat, dass man beide gleich gut trainiert. Das sind schon Zeichen von neurologischen Problemen, die natürlich auch andere Ursachen haben können, aber das sollte man definitiv abklären.
[Nils Behrens] (57:40 - 58:05)
Also ein Freund von mir, der hat gerade letzte Woche genau den Fall gehabt, der hat im Gym trainiert und hat dann so eine so eine, ja er saß an der Brustmaschine, dann hat er erst gedacht so, oh jetzt habe ich gerade hier die Gewichte unterschiedlich aufgeladen. Obwohl sie eben halt beide isoliert sind, aber das war es nicht so. Und er konnte auf einmal von heute auf morgen seine rechte Brust nicht mehr ansteuern.
So, das wäre jetzt so ein Fall, wo du sagen würdest. Sollte man mal zum Arzt gehen.
[Prof. Dr. Musa Citak] (58:05 - 58:06)
Ja, auf jeden Fall.
[Nils Behrens] (58:07 - 58:20)
Okay. Was würdest du sagen, sind so die Präventionstipps, die du für den Arbeitstag jetzt allen unseren HörerInnen nochmal mitgeben würdest? Gerade welche, die eben viel im Büro sind und sitzen.
[Prof. Dr. Musa Citak] (58:20 - 59:47)
Ja, bei der Arbeit ist es immer wichtig, sag ich mal, wie sitzt man? Zum Beispiel, wir haben Rückenprobleme, die haben Menschen, die so ein bisschen nach vorne gebeugt sind. Ich nenne sie mal Zahnarztprobleme, weil ich irgendwann mal so viele Zahnärzte hintereinander hatte mit dem gleichen Problem.
Dann natürlich Menschen, die am Schreibtisch sitzen, müssen halt extrem drauf aufpassen, wie die Schultern sind. Manchmal ist es so, dass man, wenn man arbeitet, extrem vertieft ist und ohne zu merken die Schultern anhebt.
Ja, das merkt man selbst nicht und das sind natürlich Zwangshaltung eigentlich, dass man wirklich Zwangshaltung vermeidet, dass der Monitor perfekt ist, dass man einen guten Stuhl hat, am besten, dass man immer wieder stehend, sitzend arbeiten kann, dass man, wenn man ein sehr konzentrierter Mensch ist, auch sich mal einen Wecker stellt für eine kleine Übung zwischendurch. Dass man sich einmal mal dehnen und strecken kann, dass man nicht in einer Zwangshaltung verfällt und es sind wirklich vier Stunden vorbei und man hat es nicht mal gemerkt, weil man halt so einen Stress hat, eine Deadline hatte oder irgendwas anderes. Das ist total wichtig, dass man bewusster wird mit dem Problem.
[Nils Behrens] (59:48 - 59:56)
Ich habe so ein Laufpad unter meinem Schreibschloss. Ich gehe dann sozusagen sehr häufig beim Arbeiten. Das würde du sagen, kommt auf die positive Liste.
[Prof. Dr. Musa Citak] (59:57 - 1:00:06)
Auf jeden Fall. Es gibt ja auch als Fahrrad und das ist sicherlich eine gute ...
[Nils Behrens] (1:00:06 - 1:00:49)
Da habe ich noch gar nicht drüber nachgedacht. Interessant. Mich macht eigentlich das Einzige, wenn ich mich würde, das noch mehr nutzen, wenn meine Schritte gezählt werden würden.
Das Problem ist, dass alles, was meine Schritte zählt, also ich habe hier alle meine Devices an den Händen und wenn ich dann sozusagen auf diesem Laufband gehe, zählt das nicht. Weil meine Hände liegen ja ruhig sozusagen auf der Tastatur.
Ja, habe ich auch schon mehrfach gehört. Ich müsste dann irgendwie ans Knöchelgelenk machen, was mir dann doch ein bisschen zu freaky ist. Aber insofern muss ich es mir einfach merken, dass ich es gemacht habe.
Wenn jetzt jemand gerade, der das hört, aktuell gute Rückenschmerzen hat, was ist sozusagen dein Notfallplan für die ersten 48 Stunden?
[Prof. Dr. Musa Citak] (1:00:52 - 1:01:12)
Für mich ist das dann wahrscheinlich ein Hexenschuss. Das heißt, es ist ein Höllenschmerz, der einen in die Knie zieht, zwingt, dass man wirklich sich kaum bewegen kann. Ich weiß nicht, jemand, der einen Hexenschuss hatte, will es nie wieder haben.
Das ist wirklich so, was Schlimmeres kann man sich nicht vorstellen.
[Nils Behrens] (1:01:12 - 1:01:33)
Ich hatte sehr häufig Hexenschüsse. Ich habe immer Angst davor, wenn ich meine Dusche abziehe. Wenn ich den dann sozusagen, du kennst doch das so, wenn man diese Duschwand abzieht, dann muss man ja auch mal so runtergehen.
Und ich denke immer, eines Tages, wahrscheinlich passiert es auch, weil ich schon so lange Angst davor habe, dass wenn ich nach ganz unten gehe, dass ich dann mir auf einmal in dieser Situation so einen Hexenschuss reingehe und ich dann auf einmal so unwürdig nackt in der Dusche liege.
[Prof. Dr. Musa Citak] (1:01:36 - 1:02:57)
Okay. Kann ich mir nicht vorstellen, aus dem Grund, weil du ja regelmäßig Sport machst.
Sport ist schon wirklich extrem gut Prävention für diese Hexenschüsse. Im Endeffekt, Hexenschuss hat eigentlich zwei Ursachen, für mich jetzt. Wenn man im Internet guckt, weiß man nicht, was ein Hexenschuss ist, weil man schulmedizinisch sieht alles wie vorher aus.
Aber Hexenschuss hat eigentlich zwei Ursachen. Die erste Ursache ist wirklich ein akuter Bandscheibenvorfall. Ist aber, glaube ich, gefühlt ein Promille oder weniger.
Und der andere ist einfach ein plötzlich aufgetretener akuter Triggerpunkt. Der Muskel hat sich zu sehr verkrampft. Und er kommt nicht mehr aus dem Krampf raus.
Im Endeffekt ist ein Hexenschuss wie ein Wadenkrampf. Aber nur an einer anderen Stelle. Dann ist natürlich das Wichtigste, den Muskel identifizieren und wirklich diese Muskelkrämpfe projizieren den Schmerz meistens in die Lendenwirbelsäule.
Dass man immer denkt, man muss die Wärme auch dort machen. Wärme, leichte Bewegung der Gesäßmuskulatur und wirklich Dehnübungen, Dehnübungen mit kurzen Dehnphasen, keine langen Dehnphasen machen, dass man jetzt versucht jetzt drei Minuten nach reinzugehen. Sondern eher kurze Dehnphasen dann wieder lockerlässt, weil mehr hält man auch nicht aus in dem Moment.
[Nils Behrens] (1:02:57 - 1:02:59)
Ich meine, herabschauender Hund ist das dann.
[Prof. Dr. Musa Citak] (1:02:59 - 1:03:29)
Ja, und dann wirklich dort drückt, wo es geht und natürlich, wenn man das zu Hause hat, vielleicht doch ein Schmerzmedikament nimmt, wobei beim echten Hexenschuss hilft Ibuprofen meistens nicht. Und dann halt abwartet, bis der Hauptschmerz weg ist. Wenn der Hauptschmerz weg ist, dann hat man ja noch diesen restlichen Schmerz.
Und da kann man dann halt vielmehr Übungen machen und sich bewegen.
[Nils Behrens] (1:03:30 - 1:04:07)
Ich kann jetzt nur noch sagen, vielen Dank für das Gespräch. Ich möchte allen, ich glaube, man hat es jetzt im Gespräch gemerkt, wie hilfreich es ist, dann wirklich auch dein Buch zu haben, weil es eben halt die ganzen visuellen Darstellungen hat und vor allem dann die passenden Lösungen zum passenden Problem sozusagen oder zur passenden Ursache. Es heißt „Die Rückenrevolution“ und es ist im ZS Verlag erschienen und es hat eben diese vielen praxisnahen Leitfäden für, ich sage jetzt mal, die meisten Rückenschmerzen, sodass man sie nicht nur verstehen kann, sondern idealerweise auch loswerden kann.
Und ich sage deswegen noch einmal, vielen Dank.
[Prof. Dr. Musa Citak] (1:03:58 – 1:04:01)
Danke. Nils, es hat mir echt viel Spaß gemacht heute mit dir.
[Nils Behrens] (1:04:05 – 1:04:08)
Hast du eigentlich ein Lieblingssupplement?
[Prof. Dr. Musa Citak] (1:04:08 - 1:04:32)
Oh ja, was ich ja vorhin erzählt habe, ich nehme eigentlich immer Omega 3 und Vitamin D und dann mache ich hin und wieder mal Kuren für ein, zwei Monate, wo ich dann halt eher damit abziele, gegen die Silent Inflammation vorzugehen. Hier nehme ich meistens Kurkuma oder Schwarzkümmelöl.
[Nils Behrens] (1:04:32 - 1:04:57)
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