

Was bedeuten mg-Angaben auf Nahrungsergänzungsmitteln?
Auf Nahrungsergänzungsmitteln können mehrere Milligramm-Angaben stehen, ohne dass sie sich widersprechen. Eine Zahl kann die Gesamtmenge eines Rohstoffs oder einer chemischen Verbindung bezeichnen, eine andere nur den darin enthaltenen Nährstoff. Deshalb ist die größte Zahl auf der Verpackung nicht automatisch die wichtigste. Für einen sinnvollen Vergleich muss zuerst geklärt werden, was die Angabe bezeichnet und ob sie pro Kapsel, pro Portion oder für die gesamte tägliche Verzehrsmenge gilt.
Das Wichtigste auf einen Blick
- Rohstoffmenge und Nährstoffmenge sind nicht dasselbe. Ein Rohstoff kann nur zu einem Teil aus dem gesuchten Nährstoff bestehen.
- Signalwörter: Formulierungen wie „davon Magnesium“, „davon EPA“ oder „davon Cynarin“ schlüsseln auf, wie viel eines bestimmten Bestandteils in der Gesamtmenge enthalten ist.
- Bezugsgröße: Die Inhaltsstofftabelle bezieht sich bei Nahrungsergänzungsmitteln grundsätzlich auf die empfohlene tägliche Verzehrsmenge (Tagesdosis) und nicht zwingend auf eine einzelne Kapsel.
- NRV-Bedeutung: Eine Angabe wie „80 % NRV“ ist keine weitere Menge. Sie zeigt, wie viel Prozent des gesetzlichen Nährstoffbezugswertes die Tagesportion liefert. Für Magnesium beträgt dieser Referenzwert 375 mg.
- Vergleichbarkeit: Produkte lassen sich nur sinnvoll vergleichen, wenn dieselbe Bezugsgröße verwendet wird.
Warum ist die größte mg-Zahl nicht immer entscheidend?
Die größte Milligrammzahl beschreibt oft das Gesamtgewicht eines Rohstoffs oder einer chemischen Verbindung. Der tatsächlich enthaltene Nährstoff macht davon möglicherweise nur einen Teil aus.
Das ist besonders häufig bei Mineralstoffen zu beobachten. Magnesium, Calcium oder Zink werden in Nahrungsergänzungsmitteln meist nicht isoliert eingesetzt, sondern als Bestandteil einer chemischen Verbindung. Neben dem Mineralstoff enthält diese Verbindung weitere Bestandteile, die ebenfalls zum Gesamtgewicht beitragen.
Magnesiumbisglycinat besteht beispielsweise aus Magnesium und Glycinat. Für die Verbindung führt die chemische Datenbank PubChem die Summenformel C₄H₈MgN₂O₄ auf. Das Magnesium ist somit nur ein Bestandteil. Vereinfacht lässt sich das so darstellen:
Gesamtgewicht der Verbindung = Mineralstoff + weitere Bestandteile der Verbindung
Stehen auf einem Produkt beispielsweise 765 mg eines magnesiumhaltigen Rohstoffs und 150 mg Magnesium, werden diese Werte deshalb nicht addiert. Die 150 mg Magnesium sind bereits in der größeren Gesamtmenge enthalten. Das National Institute of Health (NIH) verwendet für diesen reinen Nährstoffanteil den Begriff "elementares Magnesium" und grenzt ihn ausdrücklich vom Gesamtgewicht der chemischen Verbindung ab.
Auf welche Portion beziehen sich die Mengenangaben?
Die Nahrungsergänzungsmittelverordnung schreibt vor, dass auf der Verpackung eine empfohlene tägliche Verzehrsmenge angegeben werden muss. Die verpflichtende Nährstofftabelle bezieht sich immer auf diese Tagesdosis. Zusätzlich können Hersteller die Mengen freiwillig pro Kapsel oder Einzelportion ausweisen.
Besteht die empfohlene tägliche Verzehrsmenge beispielsweise aus zwei Kapseln, nennt die Pflichtangabe die Nährstoffmenge für beide Kapseln zusammen. Am Beispiel unseres Magnesium Glycinat Depot finden sich beide Bezugsgrößen: Eine Kapsel liefert 150 mg Magnesium, während die empfohlene tägliche Verzehrsmenge aus zwei Kapseln besteht und damit 300 mg Magnesium liefert.


Merksatz: Prüfe bei jeder Mengenangabe zuerst die Bezugsgröße (pro Kapsel, pro Portion oder pro Tagesdosis).
Was bedeutet NRV bei Nahrungsergänzungsmitteln?
NRV steht für Nutrient Reference Value, auf Deutsch Nährstoffbezugswert. Für Vitamine und Mineralstoffe legt die europäische Lebensmittelinformationsverordnung einheitliche Referenzwerte für Erwachsene fest. Für Magnesium beträgt der NRV 375 mg pro Tag.
Der NRV gibt an, wie viel Prozent dieses gesetzlich festgelegten Wertes die empfohlene Tagesportion liefert. Die Prozentzahl ist keine zusätzliche Inhaltsstoffmenge.
Rechenbeispiel: Enthält die empfohlene Tagesportion eines Produkts 300 mg Magnesium, ergibt sich folgende Rechnung:
300 mg Magnesium / 375 mg NRV × 100 = 80 % NRV
Die 80 Prozent werden nicht zu den 300 mg addiert. Sie beschreiben dieselbe Menge lediglich aus der Perspektive des gesetzlichen Richtwertes.
Ist der NRV eine persönliche Einnahmeempfehlung?
Nein. Der NRV ist ein standardisierter Wert für die Lebensmittelkennzeichnung und keine individuelle medizinische Empfehlung. Der persönliche Nährstoffbedarf kann unter anderem von Alter, Geschlecht, Ernährung und der gesundheitlichen Situation abhängen.
Der NRV ist außerdem keine gesundheitliche Höchstmenge. Ein Produkt mit 80 oder 100 Prozent NRV ist deshalb nicht automatisch für jede Person passend, während ein Wert über 100 Prozent nicht allein anhand der Prozentangabe gesundheitlich als schädlich bewertet werden kann.
Warum sind 765 mg Rohstoff nicht gleich 765 mg Magnesium?
Weil sich die 765 mg auf den gesamten magnesiumhaltigen Rohstoff beziehen (die Verbindung inklusive Glycinat und ggf. Oxiden) und nicht ausschließlich auf das elementare Magnesium.
Das Prinzip gilt für viele Nährstoffe
Das Prinzip der unterschiedlichen Bezugsgrößen und Verbindungen ist nicht auf Magnesium beschränkt. Auch bei anderen Mineralstoffen, Omega-3-Produkten (Gesamt-Fischöl vs. EPA/DHA-Anteil) und Pflanzenextrakten kann die Gesamtmenge eines Rohstoffs deutlich höher sein als die Menge der isolierten, aktiven Nährstoffe.
Beim Vergleich der Zahlen für eine einzelne Kapsel unseres Magnesium Glycinat Depots bedeutet das konkret:
| Angabe | Bedeutung |
| 765 mg | Magnesiumhaltiger Rohstoff (Gesamtgewicht) pro Kapsel |
| 150 mg | Darin enthaltenes elementares Magnesium pro Kapsel |
| ca. 19,6 % | Tatsächlicher Magnesiumanteil bezogen auf die 765 mg |
Vergleiche immer dieselbe Bezugsgröße und denselben Inhaltsstoff. Prüfe beispielsweise, wie viel elementares Magnesium beide Produkte pro Kapsel oder pro empfohlener Tagesportion liefern. Die Gesamtmenge eines Rohstoffs lässt sich nicht sinnvoll mit dem reinen Nährstoffgehalt eines anderen Produkts vergleichen.
„Davon“ zeigt, welcher Anteil einer größeren Gesamtmenge auf einen bestimmten Bestandteil entfällt. Bei einem Omega-3-Öl kann beispielsweise die gesamte Ölmenge angegeben werden und darunter separat, wie viel EPA und DHA darin enthalten sind. Bei einem Pflanzenextrakt, der 500 mg wiegt, können beispielsweise „davon 25 mg“ eines standardisierten Pflanzenstoffs ausgewiesen sein.
Nein. Ein hoher NRV-Wert sagt zunächst nur aus, wie hoch die enthaltene Nährstoffmenge im Verhältnis zum gesetzlichen Referenzwert ist. Er ist kein Qualitätsmerkmal. Für die Beurteilung sollten neben dem NRV auch die tatsächliche Nährstoffmenge, die chemische Form des Rohstoffs und der individuelle Bedarf berücksichtigt werden.
Magnesium ist nur einer von mehreren Nährstoffen, bei denen die genaue Dosierung und die richtige Verbindung besondere Aufmerksamkeit verdienen. Worauf es bei der täglichen Versorgung ankommt, zeigt unser ausführlicher Ratgeber über die Wirkung und den Tagesbedarf wichtiger Mineralstoffe. Darüber hinaus erfährst du in unserem separaten Beitrag detailliert, welche Vitamine der Körper täglich braucht und wie du sie sinnvoll ergänzen kannst.


