

Spaziergang zur Unsterblichkeit. Mit Nils Behrens
Longevity wird oft mit Laborbedingungen und Silicon Valley assoziiert, doch ein vitaler Lebensstil beginnt bei der Integration einfacher Prinzipien in den Alltag. Es geht dabei nicht um das ewige Leben, sondern um die Unterstützung der körperlichen und geistigen Leistungsfähigkeit, um bis ins hohe Alter aktiv zu bleiben. In dieser Folge von HEALTHWISE spricht Host Jason Raffington mit Nils Behrens, Longevity-Experte, Buchautor und Strategic Brand Partner von Sunday Natural, über alltagstaugliche Strategien für ein langes, bewusstes Leben und die Konzepte hinter seinem Buch "Spaziergang zur Unsterblichkeit".
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Gesundheit als Freiheit
Nils Behrens betont, dass Langlebigkeit oft missverstanden wird. Ihm geht es nicht primär um die reine Lebensdauer, sondern um die Förderung einer vitalen Lebensspanne, um so lange wie möglich aktiv am Leben teilnehmen zu können. Für ihn bedeutet Gesundheit körperliche Unabhängigkeit – wie die Fähigkeit, spontan Sport zu treiben oder unbeschwerte Wanderungen in der Natur zu genießen. Sobald diese Beweglichkeit verloren geht, verliert die reine Lebensverlängerung an Bedeutung.
Nils Behrens beschreibt seinen Ansatz als einen Spaziergang durch verschiedene Bereiche, von der Bewegung über die Ernährung bis hin zum mentalen Wohlbefinden. Er möchte seinen Lesern eine Toolbox an die Hand geben, aus der sich jeder die passenden Impulse für den eigenen Alltag aussuchen kann. Dabei setzt er auf das Verständnis biologischer Zusammenhänge statt auf dogmatische Regeln. Ziel ist ein Lebensstil, der die natürliche Vitalität unterstützt und sich dabei leicht und authentisch anfühlt.
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Ernährung: Zurück zu unverarbeiteten Lebensmitteln
In der komplexen Welt der Ernährung rät Nils Behrens zu einer Rückbesinnung auf das Wissen unserer Großeltern: Bevorzugt das essen, was die eigene Großmutter noch als echtes Lebensmittel erkannt hätte. Hochverarbeitete Produkte mit langen Inhaltslisten weisen oft eine geringere Nährstoffdichte auf. Nils Behrens betont zudem, dass alle Makronährstoffe - Kohlenhydrate ebenso wie Fette und Proteine - ihre Daseinsberechtigung haben.
Besonderes Augenmerk legt er auf Proteine, da diese eine zentrale Rolle für den Körper spielen: Proteine tragen zur Erhaltung von Muskelmasse bei – eine wichtige Basis, um auch im Alter aktiv zu bleiben. Viele Menschen nehmen seiner Erfahrung nach nicht ausreichend Eiweiß zu sich, um diesen natürlichen Erhalt der Muskulatur optimal zu unterstützen. Auch bei den Fetten kommt es auf die Qualität an: Er nutzt die Analogie eines Gin Tonics, um das Verhältnis von Omega-3 zu Omega-6 zu verdeutlichen und empfiehlt, auf eine ausreichende Versorgung zu achten, da beispielsweise die Omega-3-Fettsäuren EPA und DHA zu einer normalen Herzfunktion beitragen.
Checkliste: Optimierung von Ernährung & Supplementierung
- Großmutter-Regel beachten: Primär unverarbeitete, natürliche Lebensmittel essen.
- Omega-Verhältnis prüfen: Das Verhältnis von Omega-3 zu Omega-6 auf idealerweise 1:4 optimieren.
- Protein-Synergien nutzen: Eier mit Kartoffeln für eine deutlich höhere biologische Wertigkeit kombinieren.
- Gezielt supplementieren: Hochwertige Quellen für Omega-3 (DHA) wie Algenöl zur Erhaltung einer normalen Gehirnfunktion oder Creatin zur Erhöhung der körperlichen Leistung bei Schnellkrafttraining konsumieren.
Training für Muskulatur und Beweglichkeit
Muskulatur ist laut Nils Behrens kein Selbstzweck, sondern ein wesentlicher Faktor für die allgemeine Vitalität und die Sicherung der Mobilität. Er erklärt, dass ein effizientes Krafttraining immer bis an die Grenze der muskulären Ermüdung gehen sollte. Nur wenn ein echter Wachstumsreiz gesetzt wird, kann der Körper die Erhaltung der Muskelkraft bis ins hohe Alter optimal unterstützen. Dabei ist das Training mit dem eigenen Körpergewicht oft ebenso effektiv wie der Gang ins Fitnessstudio.
Innerhalb seiner Prioritätenliste steht die Beweglichkeit an oberster Stelle, noch vor Kraft und Ausdauer. Mobile Gelenke sind die Voraussetzung, um sportliche Übungen auch im Alter geschmeidig und aktiv ausführen zu können. Nils Behrens rät dazu, den Körper regelmäßig mit neuen Bewegungsmustern herauszufordern, um auch die geistige Agilität zu fördern. Ein maximaler Bewegungsradius bei den Übungen sorgt zudem für ein integriertes Beweglichkeitstraining während der Krafteinheiten.
Die Kraft der Routinen und des Atems
Um langfristige Veränderungen zu etablieren, setzt Nils Behrens auf feste Rituale statt auf kurzfristige Willenskraft. Er empfiehlt beispielsweise die „Ein-Liegestütz-Regel“, bei der man sich verpflichtet, täglich mindestens eine Liegestütze zu machen. Diese Hürde ist so niedrig, dass sie auch an schlechten Tagen bewältigt werden kann und die Gewohnheitskette nicht abreißt. Ein weiteres wertvolles Ritual ist für ihn der kurze Spaziergang nach jeder Mahlzeit, um dazu beizutragen, dass der Blutzuckerspiegel nach dem Essen weniger stark ansteigt.
Ein oft unterschätzter Hebel für das Wohlbefinden ist die bewusste Atmung. Nils Behrens beschreibt Atemtechniken als effektive Methode, um einen positiven Beitrag zur normalen Funktion des Nervensystems zu leisten. Die sogenannte „physiologische Seufzeratmung“ kann innerhalb von Sekunden helfen, das System bei Aufregung sanft zu unterstützen. Auch Techniken wie das „Box-Breathing“ fördern den Fokus und die normale psychische Funktion in stressigen Alltagssituationen.
Grundlagen für eine gesunde Atmung
- Fokus auf die Ausatmung legen: Da viele Menschen im Alltag zu flach atmen, hilft es, sich primär auf ein vollständiges Ausatmen zu konzentrieren. So wird die Lunge geleert und kann sich beim nächsten Atemzug wieder optimal füllen.
- Das Nervensystem positiv beeinflussen: Um Stress zu reduzieren und zur inneren Ruhe zu finden, sollte man darauf achten, dass die Ausatmung länger als die Einatmung ist. Dies kann einen Beitrag zur Entspannung und zur normalen Funktion des Nervensystems leisten. Um sich hingegen zu aktivieren, sollte die Einatmung betont und die Ausatmung verkürzt werden.
- Regelmäßigkeit aufbauen: Ein bewusstes, tägliches Atemtraining (selbst wenn es nur kurz ist) kann die bewusste Wahrnehmung der Atmung schärfen und so das allgemeines Wohlbefinden über den Tag hinweg fördern.
- Vitalität im Alltag erhalten: Gerade in geschlossenen Räumen oder langen Meetings hilft eine bewusste, tiefe Atmung dabei, Müdigkeit und Ermüdung entgegenzuwirken. Anstatt erschöpft in den „Sekundenschlaf“ zu sinken, hilft der Sauerstoff-Kick, die Konzentration und den Fokus aufrechtzuerhalten.
TAKE AWAYS
- Longevity im Fokus: Longevity zielt auf die Maximierung der gesunden Lebensjahre ab, nicht auf die reine Lebensdauer.
- Muskulatur als Basis: Eine gut trainierte Muskulatur trägt wesentlich zum Erhalt der Beweglichkeit bei und unterstützt die normale Funktion des Immunsystems bis ins hohe Alter.
- Mindset & Biologie: Die innere Einstellung ist entscheidend: Ein positives Mindset kann dazu beitragen, die Vitalität und die normale psychische Funktion langfristig zu erhalten.
- Soziale Verbindung: Einsamkeit ist ein massiver Stressfaktor. Ein starkes soziales Netz fördert das allgemeine Wohlbefinden und ist ein essenzieller Baustein für eine ganzheitliche Gesundheit.
Mehr erfahren im healthwise Podcast von sunday natural
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Nils Behrens ist Longevity-Experte, Buchautor und Host des Gesundheitspodcasts HEALTHWISE. Er war langjährig für den Lanzerhof tätig und ist heute Strategic Brand Partner von Sunday Natural. In seinem Werk „Spaziergang zur Unsterblichkeit“ schlägt er die Brücke zwischen wissenschaftlicher Forschung und praktischer Anwendung im Alltag.
Mehr über Nils Behrens und seine Arbeit finden Sie unter nilsbehrens.de.
[Nils Behrens] (0:00 - 0:10) Also immer dieser Moment, wenn du glaubst, dass du eben halt für viele Dinge zu alt bist, dann wirst du auch schneller alt, während wenn du eine positive Einstellung zum Leben hast, dass du dann eben halt nicht so schnell alterst.
[Jason Raffington] (0:10 - 1:10) Herzlich willkommen zu HealthWise, dem Gesundheitspodcast präsentiert von Sunday Natural. Mein Name ist Jason Raffington und in diesem Podcast erkunden wir gemeinsam, was es bedeutet, gesund zu sein. Wir tauchen ein in Themen wie Medizin, Bewegung, Ernährung und emotionale Gesundheit.
Immer mit einem weisen Blick auf das, was uns wirklich gut tut. Für viele klingt Longevity oft nach Silicon Valley und Selbstoptimierung auf Rezept. Aber was passiert, wenn man das Thema aus dem Labor holt und auf einen ganz normalen Sonntagsspaziergang verlegt oder in anderen Worten in unseren normalen Alltag integriert?
Darüber spreche ich mit meinem heutigen Gast. Nils Behrens ist Host des Gesundheitspodcasts HealthWise, Longevity Experte und Strategic Brand Partner von Sunday Natural. In seinem Buch Spaziergang zur Unsterblichkeit beschäftigt er sich nicht mit dem Traum vom ewigen Leben, sondern mit der Frage, wie wir möglichst lange gesund, klar und beweglich bleiben.
Dabei verbindet er wissenschaftliche Erkenntnisse und Alltagserfahrungen und immer mit einem wohltuenden Misstrauen gegenüber jedem Trend, der mehr Stress als Gesundheit erzeugt. Herzlich willkommen, Nils.
[Nils Behrens] (1:11 - 1:22)
Vielen Dank, Jason. Es ist wirklich, ich muss dir jetzt wirklich sagen, es fühlt sich für mich so ein bisschen surreal an, erstens von dir anmoderiert zu werden und zweitens, das können jetzt nur die Leute sehen, die auch das Video schauen, auf der anderen Seite zu sitzen.
[Jason Raffington] (1:23 - 1:31)
Ja, es ist auf jeden Fall schön, wieder zusammen zu sitzen. Die letzte Session, die wir zusammen hatten, war das Weihnachtsspecial vor ein paar Monaten. Und ja, jetzt sind wir wieder hier.
[Nils Behrens] (1:31 - 1:38)
Und gestartet sind wir mit dir als Experten eigentlich, was ja auch nach wie vor, ich würde sagen, du mehr Expertenstatus hast als ich, aber trotzdem danke für die Anmoderation.
[Jason Raffington] (1:39 - 1:55)
Ja, jetzt haben wir mal Rollen getauscht. Aber wie immer starten wir auch hier mit der Sonntagsfrage. Und zwar würde ich gerne von dir wissen, wie dein letzter Sonntag aus Longevity-Sicht aussah.
War er eher gesundheitsförderlich oder war er ein bisschen sabotierend vielleicht sogar?
[Nils Behrens] (1:55 - 2:41)
Nein, mein letzter Sonntag war sehr schön. Wir hatten ja überraschend schönes Wetter. Es war zwar sehr, sehr kalt, aber es war sehr schön. Und ich war tatsächlich in Potsdam. Ich dachte immer, wenn ich mal irgendwann nach Berlin ziehen würde, würde ich nach Potsdam ziehen, weil ich es da so wahnsinnig schön finde. Und wir waren da in der Kunst, wir waren im Barberini-Museum. Und ich finde, dass tatsächlich ja so Inspiration, gerade Kunst und allen drum und dran, ja wirklich etwas ist, was einen irgendwie ganz auf andere Gedanken bringt. Und von daher ist es irgendwie schön, wie die mentale Gesundheit ist. Also von daher, ich würde dem auf jeden Fall eher ein Pluszeichen in Sachen Longevity als ein Negativzeichen geben. Und wir waren da noch wirklich länger spazieren.
Also wir haben uns wirklich dann in Potsdam noch ein bisschen fußläufig weiter angeschaut. Also von daher, der Spaziergang hat auch mit einer Rolle gespielt.
[Jason Raffington] (2:41 - 3:08)
Klingt sehr gut. Klingt sehr gut. Ja, wir wollen heute über dein Buch sprechen, Spaziergang zur Unsterblichkeit.
Der Titel ist ja schon mal sehr interessant. Also mit Spaziergang verbinde ich irgendwie Leichtigkeit, aber zur Unsterblichkeit, das klingt dann schon ein bisschen schwieriger. Vielleicht kannst du uns erzählen einerseits, wie du auch zu dem Titel gekommen bist, aber auch, warum du das Buch überhaupt geschrieben hast.
Es gibt ja schon das ein oder andere Longevity-Buch da draußen. Wie kamst du dazu?
[Nils Behrens] (3:08 - 5:44)
Ja, also diese Idee des Spaziergangs ist es, dass ich wirklich eigentlich meine Leser mitnehmen möchte. Auf, ich sage jetzt mal immer so, wie eine große Ausstellung, wie so eine Expo oder sonst was, wo es dann eben halt verschiedene Welten gibt. Und ich glaube einfach nicht daran, dass man mit erhobenen Zeigefingern den Leuten sagen muss, so ist das und hör auf das zu machen, mach mehr das und so weiter.
Also dieses Dogma, was eben halt sehr häufig ist. Und ich nehme dich einfach wirklich oder meine Leser an die Hand und dann gehen wir durch die verschiedenen Welten. Und die erste Welt, die man da betritt, ist das Thema Sport und Bewegung.
Dann gehen wir ein bisschen durch die Ernährungswelt. Dann gehen wir durch das Thema Schlaf, dann über das ganze Thema Atmung und Recovery hin zu mentaler Gesundheit und dann am Ende dann noch über die sozialen Kontakte reden. Und überall versuche ich auf anschauliche Weise, meinen LeserInnen zu erklären, warum diese Bereiche positiv oder negativ für ein langes, gesundes Leben sind.
Und dann kann jeder für sich entscheiden, wie ein bisschen dann vielleicht bei Ikea in der SB-Abteilung, was man in seinen Wagen packt und was nicht. Weil ich bin fest davon überzeugt, dass es erst mal für die Leute Sinn machen muss. So, das heißt also, dass sie einfach ein Verständnis dafür aufbauen, weil jeder weiß, dass Sport gesund ist. Aber was bedeutet es eigentlich? Warum können wir langfristig nicht gesund altern, wenn wir keine Muskulatur mehr haben? Weißt du, wenn wir einfach nicht mehr genügend Kraft haben, um uns dann irgendwie selbst aus dem Bett zu heben, dann ist klar, dass es dann mit dem langen, gesunden Alter nicht mehr richtig klappt. So, und da schaffe ich es eben halt hoffentlich über Bilder dann ein Verständnis für aufzubauen. Und dann kannst du eben halt sagen, okay, habe ich verstanden. Dann muss man sehen, wie es in dein persönliches Leben passt.
Wenn ich sage, gehe immer um die gleiche Uhrzeit schlafen und stehe immer um die gleiche Zeit auf und du bist aber Schichtarbeiter, dann ist es natürlich ein bisschen schwierig, das eben halt in deinem Leben zu implementieren. Und dann ist es eben halt grundsätzlich eben halt auch so, dass man dann auch für sich sehen muss, wie viel möchte man auch gleichzeitig machen. Weil ich möchte jetzt auch keinen Stress auslösen. Und ich finde auch vor allem, und das ist eigentlich mein wichtigster Satz, ich finde, das Leben muss sich auch immer noch nach Leben anfühlen. Und deswegen nehme ich ja die Leute einfach mit dieser Leichtigkeit eines Spaziergangs mit. Und ich bin mir ganz sicher, dass dieses Buch jeder versteht und es trotzdem nicht trivial ist. Und das finde ich so spannend. Ich hatte gestern einen Anruf mit meinem Vater, das hat mich total gefreut, der eigentlich nie Bücher liest. Und der erzählte mir da ganz stolz, dass er schon 60 Seiten gelesen hat und sagte, das ist ja schon wirklich interessant, was du da schreibst.
[Jason Raffington] (5:45 - 6:38)
Interessant, was du machst beruflich. Ja, das ist spannend. Also du gibst sozusagen eine Toolbox an die Hand. Du zeigst Möglichkeiten auf, wie man seine Gesundheit unterstützen kann, wie man ein langes, gesundes Leben leben kann. Aber ich finde auch wichtig, was du sagst. Das Leben soll sich nach Leben anfühlen.
Weil viele Leute, die auf dieses Longevity-Movement von draußen draufschauen, also das kriege ich selber mit, weil ich ja auch sehr viele dieser Dinge auch selber in meinem Alltag mache. Und dann gucken Freunde drauf und sagen, das macht doch gar keinen Spaß. Du kannst auch hier mal irgendwie den Döner essen, was ich auch mache. Ich esse auch mal gerne was in Anführungszeichen ungesundes. Aber trotzdem für viele, die von außen auf dieses Movement draufschauen, denken, man verbietet sich zu viel. Es macht keinen Spaß mehr.
Das kann doch nicht schön sein. Also das ist, finde ich, einen guten Ansatz. Und vielleicht kannst du auch noch mal genau erklären, was du denn genau unter dem Begriff verstehst, Longevity. Was meinst du denn damit?
[Nils Behrens] (6:38 - 8:12)
Naja, das Lustige, der erste Satz in einem Longevity-Buch ist, ich hasse Longevity. Und ich glaube, das ist jetzt nicht nur kokettieren sozusagen, sondern es ist tatsächlich so, dass ich finde, erst mal Punkt eins, dass der Begriff Langlebigkeit uns eigentlich auf die falsche Fährte bringt. Weil mir geht es nicht darum, die Länge meines Lebens zu maximieren, sondern mir geht es einfach nur darum, die gesunde Länge meines Lebens zu maximieren.
Und für mich ist es einfach so, dass ich bin der festen Überzeugung, dass Gesundheit Freiheit bedeutet. So die Tatsache, dass ich jetzt irgendwie mehrere Stunden durch Potsdam laufen konnte, verdanke ich ja der Tatsache, dass mein Körper das auch noch so mitmacht und nicht die Knie wehtun oder ich müde werde oder keine Ahnung was. Und so schreibe ich es auch, dass ich eben halt spontan auch irgendwie mit Freunden Paddelspielen gehen kann und zwei Stunden lang da irgendwie dem Ball hinterherjage. Das sind ja alles die Freiheiten, das zu tun. Ich hatte neulich einen guten Freund von mir angerufen und gefragt, ob er mit mir Paddelspielen gehen könnte und er hat gesagt, das machen seine Knie nicht mit. Ich war jetzt gerade mit anderen Freunden Ski laufen und da gibt es einen, der fährt viel, viel besser Ski als ich, aber der musste immer noch drei Stunden aufhören, weil auch dem die Knie wehten.
Das ist eben diese Freiheit, die meiner Meinung nach dann eben halt verloren geht und diese Freiheit möchte ich eben halt möglichst nicht verlieren. Und das ist für mich der entscheidende Punkt, solange ich diese gesundheitliche Freiheit behalten kann, ist für mich alles gut und dann möchte ich gerne dieses Leben, was in Freiheit ist, so lange wie möglich auch erhalten. In dem Augenblick, wo ich diese Freiheit verloren habe, habe ich gar kein Interesse mehr daran, das ins Unendliche auszuweiten.
[Jason Raffington] (8:13 - 8:33)
Ja, ich glaube, was bei vielen auch ein bisschen verloren geht, ist einfach die Connection, dass man schon früh anfangen muss, was dafür zu tun, dass man eben diese Freiheit sich lange erhält. Man denkt vielleicht so, ja, mir geht es doch jetzt gut, warum soll ich denn jetzt ins Fitnessstudio gehen? Aber wenn man es eben vorher nicht macht, dann holt der Körper sich das später zurück und dann zahlt man später den Preis.
[Nils Behrens] (8:33 - 9:35)
Ja, und ich glaube, ein Satz, den ich ja wirklich wahnsinnig oft in dem Zusammenhang benutze, ist ja immer dieses entschuldigende Englisch. Ich kriege ja immer Kommentare in dem Podcast, dass ich zu viel Denglisch rede, aber es ist eben halt, es hört sich im Deutschen nicht so gut an. If you don't use it, you lose it.
Das heißt also, alles, was du nicht benutzt, verlierst du dann. Und das ist eben halt zu 80 Prozent auch richtig. Man kennt das von Fremdsprachen.
Wenn du die lange nicht mehr angewendet hast, dann, wenn du mal Französisch gesprochen hast, das dann 30 Jahre lang nicht mehr tust, dann kannst du es nicht mehr, im Zweifelsfall so. Und so ähnlich ist es eben halt mit ganz vielen Fähigkeiten, die der Körper hat. Allerdings muss man sagen, selbst wenn ich zum Beispiel alles so weitermache wie bisher, baut sich die Muskulatur trotzdem ab. Und das heißt also, da ist es eben halt noch mal mehr, nicht nur alles erhalten und nutzen, wie man es hat, sondern man muss es ja darüber hinaus auch immer wieder weiter fordern, weil sonst kann man eben halt die sogenannte Sarkopenie, also den Muskelverfall, auch nicht aufhalten. Das heißt also, nur alles so weitermachen wie bisher reicht leider in den meisten Fällen auch nicht, aber es ist auch gar nicht so viel mehr, was man machen muss.
[Jason Raffington] (9:36 - 10:25)
Ja, ich würde gerne mal in ein paar von diesen Themenfeldern reingehen, die du schon genannt hast. Also du sagst beispielsweise Ernährung, Atmung, Mindset. Aber fangen wir vielleicht mal mit der Ernährung an. Also das ist, denke ich, für viele klar, dass Ernährung eine extrem wichtige Rolle in unserer Gesundheit spielt. Aber trotzdem sind viele immer noch sehr verwirrt, was das Thema angeht. Also die Frage, was soll ich essen, hat sich bestimmt jeder schon mal gestellt. Und ich kann es gut nachvollziehen. Es gibt hunderte Ernährungsformen da draußen oder Diäten oder irgendwelche Versprechen oder Lebensmittel, die auf einmal schlecht und gefährlich sind. Gluten, Milch, Fleisch und so weiter. Also es ist klar, dass man verwirrt ist. Aber vielleicht kannst du uns sagen, was ist denn der gemeinsame Nenner? Weil irgendwo muss man sich ja orientieren können. Was braucht der Mensch? Was sind denn die Bausteine, auf die wir achten sollten?
[Nils Behrens] (10:25 - 14:01)
Ja, also es ist ganz lustig. Ich habe das allererste Buch, an dem ich mal mitschreiben durfte, war ein Kochbuch. Die Gesundküche neuster Stand habe ich im Rahmen des Lanzerhofs gemacht. Und da habe ich diesen Satz reingeschrieben. Umso mehr man sich mit dem Thema Ernährung beschäftigt, umso verwirrter wird man aber auf einem höheren Niveau. So und ich glaube, so ist es auch. Und das, was man sagen muss, was viele Leute dann ja sagen, Mensch, die haben ja wirklich alle keine Ahnung. Mal sind Eier gesund, mal sind sie quasi das Ungesündeste, was du machen kannst. Und jetzt sind sie auf einmal wieder gesund. Das sind so Dinge, da muss man fairerweise sagen, das sind ja alles Beobachtungsstudien, weil wir eben halt keine Labormäuse sind. Und deswegen man eben halt nicht unter Laborbedingungen gucken kann, was wirklich isoliert für Menschen gut ist oder schlecht ist. Das, was man aber grundsätzlich sagen kann, und ich finde, das ist etwas, was sich durch das gesamte Buch durchzieht, dass ganz vieles von dem, was wir heute wissen, gesund ist, eigentlich unsere Großeltern auch schon wussten.
So, das heißt, dieser Satz, den man auch immer hört, alles, was deine Großmutter nicht als Lebensmittel identifiziert hat, solltest du auch nicht essen. Und damit kommen wir dann eben halt in die Inhaltsliste von so vielen Dingen, die man im Supermarkt kaufen kann. Also in dem Augenblick, wenn man auf der Inhaltsliste Dinge findet, die man nicht weiß, was sie sind, ist es dann eben halt dann doch irgendwie nicht mehr das, was die Großmutter akzeptieren würde. Deswegen kommen wir erstmal zum großen Thema Bausteine. Es gibt eben halt die großen, sozusagen Makronährstoffe. Das ist eben ganz einfach gesprochen. Das ist eben halt Protein, Fett und Kohlenhydrate. Und da gehe ich auch einzeln in vielen Bereichen rein. Und das, was ja immer so interessant ist, dass die Kohlenhydrate ja auf einmal so die persona non grata sind. Das ist ja das, wo wir immer sagen, oh mein Gott, auf gar keinen Fall und bitte nicht. Und da kläre ich eben halt auch zu auf, dass das so nicht richtig ist, weil letztendlich ist es so, dass 20 Prozent unserer Energie geht ins Gehirn. Und unser Gehirn will eben halt Kohlenhydrate haben. Die brauchen die Energie. So, und dann kann man sagen, ja, aber es gibt ja auch Low Carb und keine Ahnung was. So, das heißt, dann kann man das über Ketonkörper dann auch machen. Ja, das funktioniert, wenn du einen gesunden Körper hast. Und wenn du eben halt in einem wirklich guten Stoffwechsel bist, sozusagen, dann springt dein Körper irgendwann von sozusagen der einen Verbrennung in die andere rüber. Und dann hast du eben halt diese Ketonkörper.
Nur das Problem ist, dass wenn du aus einem, ich sage mal, stark übergewichtigen Bereich kommst und dein Stoffwechsel insgesamt nicht mehr so wunderbar funktioniert, dann geht das nicht so einfach so. Und dann hast du, dann leidest du schon sehr, wenn dein Körper, insbesondere dein Gehirn, weil das ist der Hauptverbraucher und das ist der, der auch zuerst sich immer sein Recht holt, wenn der dann eben halt nicht mehr gut versorgt ist. Und deswegen finde ich das immer sehr schwierig, wenn Leute dann eben halt der Meinung sind, dass sie jetzt irgendwelchen Glaubenssätzen hinterherlaufen können und einfach mal so sagen, so nee, ab heute esse ich gar keine Kohlenhydrate mehr. So, das halte ich eben halt erstmal für einen sehr mutigen Weg, sage ich jetzt mal einfach so. Und deswegen, alle diese Makronährstoffe haben ihre Daseinsberechtigung, Punkt eins. Punkt zwei gibt es dann ja die sogenannten Mikronährstoffe und das sind eben halt das, was wir eben zum Beispiel auch bei Sunday Natural in Form von Supplements verkaufen, aber was ja grundsätzlich eben halt auch in einer guten Ernährung drin sein soll. Das sind eben halt die Vitamine, das sind eben die Mineralstoffe, das sind die Pflanzenstoffe. Und um deine Frage jetzt kurz zu beantworten, ich glaube alles, was du selbst zubereitest, was du selbst kochst, was du sozusagen mit gutem Gewissen als gesunde Ernährung auch identifizierst, ist erstmal gut. So, und da muss man dann eben halt sagen, okay, es kommt eben halt auch ein bisschen darauf an, welche Fette man zum Beispiel reintut und sowas, aber da würde ich jetzt erstmal, das würde ich erstmal hier aufhören, um es nicht zu komplex zu machen,
[Jason Raffington] (14:01 - 15:00)
Ja, also ich glaube, was du ganz am Anfang gesagt hast, Lebensmittel, die unsere Großeltern noch kennen oder erkennen würden, sind schon mal die richtige Wahl und ich glaube, das ist auch eine der Gemeinsamkeiten zwischen vielen verschiedenen Ernährungsformen, also Ernährungsformen, die gut sein können, die gut funktionieren können, denn manche sagen, oh, vegan funktioniert für mich super, die andere Person sagt Paleo, die andere sagt Low Carb, High Carb und ich glaube, die Gemeinsamkeit ist einfach, dass der Fokus auf frischen, unverarbeiteten Lebensmitteln liegt, also wenn diese Ernährungsformen gut gemacht, gut durchgeführt, gut geplant sind, denn keine Ernährungsform wird sagen, ja, iss diese verarbeiteten Lebensmittel oder kauf dir diese Tiefkühlpizza. Also absolut, alle diese Formen haben diese Gemeinsamkeit, dass der Fokus eben auf echten Lebensmitteln liegt.
[Nils Behrens] (15:00 - 15:49)
Und es gibt ja jetzt gerade, weil es lief jetzt gerade Super Bowl und dabei gab es einen Spot mit Mike Tyson, dem Boxer, und der erzählte dann darüber, wie eiscremesüchtig er war und wie glücklich er jetzt dafür ist, dass er eben halt wirklich den Weg zu echten Lebensmitteln zurückgefunden hat und dann beißt er da wirklich so richtig schön in einen Apfel rein oder in eine Karotte und es knackt so richtig und man kriegt in dem Augenblick, wo man dieses Geräusch hört, richtig Lust, auch selbst jetzt gerade was Schönes, Frisches zu essen. Und nicht irgendwie was Frittiertes oder irgendwas, was schon, ja, durch die ganze Industrieküche dann einfach mal so gelaufen ist. Und ich finde, wenn man sich wirklich auch mal darüber nachdenkt, wie schön es ist, einfach in so eine schöne, frische Karotte, die auch wirklich noch nach Karotte schmeckt, reinzubeißen, dann weiß man, dass das auf jeden Fall die richtige Ernährung ist.
[Jason Raffington] (15:50 - 15:58)
Ja, und du hast ja auch schon die Mikronährstoffe erwähnt und es ist ja auch bekannt, dass je höher der Verarbeitungsgrad eines Lebensmittels ist, desto weniger Nährstoffe da drin sind.
[Nils Behrens] (15:58 - 17:21)
Ja, absolut, absolut. Und ich finde es auch so interessant, ich habe ja vieles von dem, was ich in dem Buch habe, schon mal in einer Keynote oder, ja, einer Keynote, die ich regelmäßig mal auf Bühnen gehalten habe. Das habe ich dann noch mal weiter nachrecherchiert. Und ich finde es so spannend auch zu sehen, da ist zum Beispiel immer dieser schlechte Ruf von rotem Fleisch, jetzt kann man darüber sprechen, über das ethische und nachhaltige und allen anderen von Fleisch, das wollen wir jetzt aber hier an dieser Stelle mal ausklammern. Aber grundsätzlich zu sagen, dass rotes Fleisch gleich krebserregend ist, ist einfach nicht richtig, sondern es kommt eben halt auf den Verarbeitungsgrad an. Wenn ich jetzt ein Rindertatar esse, also rohes Rindfleisch sozusagen, einfach nur ein bisschen gewürzt und angemacht, dann hat das überhaupt gar keinen, null krebserregenden Charakter. Also in dem Augenblick, wo ich es eben halt dann auf den Grill lege und es schwarz angebraten ist oder in dem Augenblick, wo ich es zu einer Salami verarbeite oder keine Ahnung was, dann fangen eben halt an diese ganzen Negativprozesse dann eben halt auch zu kommen und dann stimmt das auch alles, dass rotes Fleisch einfach wirklich keine gute Idee ist zu essen. Und deswegen sage ich eben halt auch, so eine Salami ist wirklich, ich liebe Salami persönlich, ich bin damit groß geworden mit Salami-Broten und so, aber Salami zu essen ist halt einfach wirklich keine gute Idee und eine noch dümmere Idee ist, sie dann, wenn sie schon hochverarbeitet ist, auch noch auf eine Pizza zu legen und dann nochmal zusätzlich zu erhitzen. Also dadurch entsteht noch sozusagen das, was schon an negativen Stoffen da drin ist, wird nochmal negativer potenziert und es ist tatsächlich in Deutschland die beliebteste Pizza, außer in Sachsen-Anhalt, da ist es Pizza Hawaii.
[Jason Raffington] (17:21 - 17:51)
Da muss ich lachen, als ich das gelesen habe, also es hat mich erstmal gefreut, dass du das im Buch erwähnst, weil ich finde das auch immer schwierig, wenn immer noch Leute sagen, ja Fleisch ist ungesund, ja das ist einfach so eine pauschale Aussage, ich meine es kommt immer auf die Zubereitung an, wie du schon sagst und das finde ich gut, dass du das da nochmal betonst oder hervorhebst.
[Nils Behrens] (17:51 - 18:55)
Ich finde man muss generell in diesem Zusammenhang auch eine Sache mal klar machen, weil häufig sind ja auch so Studienergebnisse, die sage ich mal eine Tendenz ergeben, häufig auch so gerade von der Presse auch immer so hochstilisiert. Das heißt, also mein Lieblingsbeispiel, da habe ich mich mit Bas Kast jetzt auch gerade darüber unterhalten, der dann sagt eben halt zum Beispiel das Thema Multivitamine verkürzen das Leben, das ist so eine typische Bildzeitungsheadline. Und dann hat er zitiert auf diese Studie, wo er dann sagt, so dass irgendwie Leute, die Multivitamine genommen haben, versus die, die keine Multivitamine genommen haben, hatten dann eben halt tatsächlich eine höhere Sterberate, aber der Unterschied lag bei 7 Prozent. Wenn wir dann gucken bei einer Beobachtungsstudie sind 7 Prozent im normalen Schwankungsbereich. Natürlich springt eine Bildzeitung darauf, aber das ist so irrelevant, dass man sagen muss, da gibt es ganz andere Ko-Faktoren, die Rolle spielen, sodass man diese Aussage nicht pauschalisieren kann. Wenn es sozusagen so hochgespielt wird, muss man natürlich dann auch mal genau gucken, wie viel Unterschied ist da wirklich, wie ist die Studie durchgeführt, wie ist die Fallzahl, all das sind natürlich auch so Dinge, die ich finde da in dem Zusammenhang ganz, ganz relevant sind. Und deswegen komme ich eben halt zu dem Punkt, dass man sich auch nicht da so wahnsinnig machen sollte und sagen würde, oh, ich darf jetzt das und das nicht mehr tun.
[Jason Raffington] (18:57 - 19:21)
Ja, generell dieses Verteufeln ist ziemlich gefährlich, glaube ich, und es war ja auch eine lange Zeit nicht nur, also jetzt sind es die Kohlenhydrate, die gerne verteufelt werden, früher war es das Fett, du hast es kurz schon angeschnitten. Das ist ja heute teilweise auch noch so, dass Leute so Low-Fat-Produkte bevorzugen. Viele von uns wissen inzwischen, dass Transfette nicht gut sind, aber was gibt es noch bei Fetten, worauf wir achten sollten, weil das hast du auch schon erwähnt, es gibt verschiedene Fette.
[Nils Behrens] (19:22 - 21:26)
Also das, was ich versucht habe, ist in meinem Buch alles immer anhand von Analogien und Beispielen zu erzählen und gerade im Zusammenhang mit dem Thema Fett finde ich es ganz spannend, weil man kann sich vorstellen, wir wissen ja, dass wir aus Zellen bestehen und jede Zelle hat eine sogenannte Zellmembran, das ist also eine Ummantelung der Zelle und die besteht aus Fett. Und diese Zellmembran sollte idealerweise ein Verhältnis von 1 zu 4 haben, Omega 3 zu Omega 6, das heißt also ein Teil Omega 3, vier Teile Omega 6, vier Teile Omega 6. Und wenn man sich das dann eben halt anschaut, dann bin ich eben auf die nicht so Longevity-artige Analogie des Gin Tonics gekommen, das heißt ein guter Gin Tonic sollte idealerweise ein Teil Gin haben, vier Teile Tonic.
So und wenn du dir die heutige Ernährung anschaust, dann ist es so, dass dadurch, dass wir so viele Fette eben halt durch verarbeitete Lebensmittel zu uns nehmen, kommen wir auf ein Verhältnis von ungefähr 1 zu 15. Wenn wir beide jetzt hier aufstehen, dann runtergehen in die Bar und wir sehen, wie der Barkeeper uns dann zwei Gin Tonic macht und wir sehen, dass der 15 Teile Tonic reintut und ein Teil Gin, dann würden wir uns wahrscheinlich beschweren und das tut unser Körper auch. Und deswegen ist es eben halt so wichtig, dass wir einen Gegenpol setzen, dass wir einfach sehen, dass wir dieses Verhältnis wiederherstellen und wenn wir es nicht schaffen, die einen Fette zu reduzieren, müssen wir halt die anderen Fette gegenhalten.
Und so ist es eben halt bei dem Omega-3, dass wir einfach wirklich das zusätzlich supplementieren müssen, weil es eben halt zu wenig in unserer Nahrung vorkommt und wenn dann dann eben halt sehr viel eher in fettigen Fischen, die dann häufig andere negative Faktoren mit reinbringen, das heißt also gerade so ein typischer Aquakultur-Zuchtlachs ist wahrscheinlich das giftigste Lebensmittel, was wir überhaupt im Supermarkt finden können oder kaufen können und von daher sollten wir eben halt wirklich darauf achten, dass wir da aus guten Quellen noch weiteren Omega-3 supplementieren. Aber da sieht man eben halt so, warum das wichtig ist, weil ganz ohne Fett kann der Körper nicht leben, aber die meisten Fette, die wir aufnehmen, sind halt die Falschen.
[Jason Raffington] (21:26 - 22:47)
Ja, du sagst schon, was wichtig ist. Das Verhältnis ist häufig ausschlaggebend. Es ist nicht so, dass Omega-6 automatisch schlecht ist, aber wenn sie eben im Missverhältnis zu Omega-3 im Körper vorkommen, dann wird es eben problematisch.
Und du hast die Lebensmittelquellen angesprochen von Omega-3. Es ist tatsächlich schwierig, weil wie du schon sagst, Fische sind heutzutage auch sehr belastet und wenn man dann zu viel Fisch isst, hat man andere Probleme. Je kleiner der Fisch, desto besser kann man sagen, würde ich sagen. Also wenn man Fisch essen möchte, dann vielleicht lieber Sardinen als jetzt den riesigen Thunfisch, weil der frisst dann die kleineren Fische und frisst deren Belastung mit auf. Aber ja, Supplementierung ist für die meisten wahrscheinlich tatsächlich eine gute Idee und was, glaube ich, heute häufig auch noch missverstanden wird, ist das Omega-3 aus pflanzlichen Quellen. Vielleicht ist dir das Problem auch bekannt, dass halt Leute häufig denken, wenn ich Chiasamen oder Walnüsse esse, habe ich eine tolle Omega-3-Quelle, aber das ist eben die Vorstufe von den Omega-3s von DHA und EPA. Und diese Form wird sehr schlecht, also ALA ist in Nüssen und Chiasamen zum Beispiel enthalten, aber der Körper kann es ja nur sehr schlecht umwandeln und deshalb ist das keine gute Quelle. Also vor allem für Leute, die vegan leben, ist das eben wichtig zu wissen, dass die Chiasamen und Walnüsse eben nicht die gute Omega-3-Quelle sind und es steht manchmal auf den Packungen drauf und das finde ich irreführende Werbung.
[Nils Behrens] (22:47 - 23:09)
Total, total. Wobei, ich möchte hier nochmal eine Lanze für grundsätzlich eben halt vegane Omega-3-Quellen schon brechen, weil unser Algen, also unser Omega-3 kommt ja überwiegend aus Algen zum Beispiel. Also von daher, das ist ja schon gut, weil letztendlich kommt ja der Omega-3 von dem Fisch, kommt ja daher, dass sie eben halt gerade auch unter anderem diese Algen essen. Also von daher ist es nicht alles so, aber du hast halt absolut recht.
[Jason Raffington] (23:09 - 23:25)
Also der Vollständigkeit halber, also wir haben jetzt schon Kohlenhydrate angesprochen, wir haben über Fette gesprochen, dann sind noch die Proteine da. Die sind ja derzeit gefühlt sehr gehypt. Viele sprechen darüber, dass wir mehr Protein zu uns nehmen sollen, das ist extrem wichtig. Warum ist das wichtig? Warum brauchen wir das?
[Nils Behrens] (23:25 - 30:00)
Naja, letztendlich sind Proteine ja die Bausteine für unseren Körper. Wir hatten jetzt gerade am Anfang schon gesagt, dass das Thema Muskulatur halte ich für die beste Absicherung für ein gesundes Altern. Mich hat ja neulich in einem anderen Interview jemand darauf reduziert, dass ich sagte, ich bin der Meinung, dass Muskulatur der entscheidende Longevity-Faktor ist.
Dann sage ich so, nein, es ist die entscheidende Absicherung, sodass ich eben halt gut durchs Leben komme, weil der Hauptgrund, warum wir altern, sind Entzündungen. Und Entzündungen entstehen in erster Linie durch Ernährung und durch Stress. Die Muskulatur kann helfen, diese Entzündung eben halt auch zu reduzieren, weil gerade wissen wir, dass Sport eben halt auch gut dafür ist, eben halt um Stress abzubauen. Aber trotz allem geht es mir eigentlich da in erster Linie darum, dass Muskulatur einfach dafür sorgt, dass wir uns weiterhin durchs Leben bewegen können. Und damit wir eben diese Muskulatur nicht abbauen, brauchen wir eine ausreichende Menge an Proteinen. Und das finde ich ganz spannend, da ist jetzt die amerikanische Empfehlung für Ernährung ja wirklich komplett umgestiegen. Also die hat ja eigentlich die Ernährungspyramide, kann man sagen, fast einmal auf den Kopf gestellt. Und das, was man eben halt früher immer der Meinung war, dass eben halt da unten diese sehr kohlenhydratlastigen Sachen sind, die wurden halt ein bisschen reduziert. Und jetzt sind ja nach unten eher die Proteine und die Fette gekommen. Was heißt das ganz konkret? Ganz konkret hieß es, dass wir früher die Empfehlung hatten, die in Deutschland auch zum Teil immer noch vorherrscht und die Amerikaner jetzt angepasst haben, dass die von 0,8 Gramm Protein pro Kilo Körpergewicht jetzt auf 1,6 bis 2 Gramm gegangen sind. Das heißt also, ich wiege jetzt im Augenblick 87 Kilo.
Das heißt also, wenn ich das mal einfach rechne, müsste ich eben 87 Kilo mal 2 rechnen. Das heißt also, ich brauche dann eben halt dementsprechend 174 Gramm Protein pro Tag. Das heißt, das ist schon nicht wenig. Wenn man sich jetzt überlegt, dass so ein, bleiben wir mal beim Fleisch Thema. Ich glaube, Rindfleisch hat einen Proteinanteil von 23 Prozent ungefähr. Das heißt, kann sich ja jeder ausrechnen, wie viel Rindfleisch ich essen müsste, damit ich eben halt 187 Gramm Protein zu mir nehme. Das heißt also, wenn ich jetzt üblicherweise, sagen wir jetzt mal, ein Steak bestelle, dann hat das irgendwas zwischen 200 und 250 Gramm. So, wenn ich das mal 23 rechne, dann, um es jetzt einfacher zu machen, dann sage ich mal so, bei so einem 200 Gramm Steak, ein bisschen aufgerundet, habe ich 50 Gramm Protein. Das heißt, damit habe ich nicht einmal ein Drittel meiner Proteinzufuhr dann eben halt erfüllt. Das heißt also, das ist schon wirklich relativ viel. Das heißt ohne, also ich tracke momentan gerade einfach, weil es mich auch interessiert, alles, was ich zu mir nehme. Und ich bin überrascht, wie gut es dann doch teilweise geht. Gerade, wie du schon sagst, ich esse auch viel Eiern. Durch Eier, durch Hülsenfrüchte, durch solche Sachen kommt man dann doch auf mehr, als ich früher immer dachte. Ich dachte immer so, da komme ich ja nie drauf, aber ich komme doch ganz gut drauf. Nichtsdestotrotz, ich supplementiere da auch, dass ich eben halt dann das nochmal zusätzlich aus Proteinshakes dann irgendwie dazuhole. Nichtsdestotrotz finde ich diesen Hype, der im Augenblick da ist. Also für mich ist das Absurdeste überhaupt sowas wie Proteinchips oder Proteinpopcorn. Das ist einfach totaler Wahnsinn. Oder aber eben halt auch, also alles, was man eigentlich klassischerweise als ungesund eigentlich betrachten muss. Sorry to say, also diese Tatsache, dass man jetzt irgendwie der Meinung ist, dann irgendwie mehrere Schokoriegel am Tag dann irgendwie zu essen, weil man sagt, da sind ja Proteine drin. Trotzdem würde man ja nicht auf die Idee kommen, zwei, drei Snickers jeden Tag zu essen, wo jetzt kein Protein drin ist, nur weil man jetzt draufschreibt, da sind ja auch Proteine drin. Das ist schon irgendwie, und ja, das sind ja nur künstliche Süßstoffe deswegen, aber trotzdem. Es ist irgendwie ein bisschen absurd, mit welcher Leichtigkeit die Leute jetzt anfangen, ihr in Anführungsstrichen, Schuldbewusstsein zu reduzieren und Süßigkeiten oder ungesunde Lebensmittel zu sich zu nehmen, nur weil da Proteine drin sind.
Ja, und ich finde gerade den Proteinpudding, ich habe den tatsächlich auch, ich mag den auch total gerne und dachte mir, so ist ja super.
Und da habe ich nochmal verglichen, wenn du jetzt so einen griechischen Joghurt nimmst, da gibt es eben halt auch wirklich von einem Hersteller sozusagen, der hat nahezu die gleichen Werte wie Skyr. Skyr finde ich immer so ein bisschen freudlos sozusagen, weil es mir immer so ein bisschen zu trocken ist, aber da gibt es einen griechischen Joghurt, der schmeckt wie ein richtig guter Joghurt. Und der hat viel mehr Protein drin als der Proteinpudding und ist zehntausendmal besser.
Also gerade diese Zubereitungsart des griechischen Joghurts ist mit Sicherheit die gesündeste Art überhaupt, wie soll ich sagen, Dairy-Produkte, wie heißt es denn hier, Milchprodukte zu sich zu nehmen. Weil eben halt dann auch immer der ganze Prozess der Verarbeitung und allem Drum und Dran auch immer so gut ist für die Darmkulturen und allem Drum und Dran. Das heißt, du hast die Möglichkeit, ein viel proteinreicheres Lebensmittel zu dir zu nehmen, als diesen Proteinpudding, der auch noch gut schmeckt. Weißt du, dann tust du da ein paar Blaubeeren rein, hast du noch Antioxidantien, hast du ein tausendmal besseres Lebensmittel, als wenn du jetzt diesen hochverarbeiteten Proteinpudding dann wieder zu dir nimmst.
Ich möchte eine Sache, das ist wirklich mein Highlight, auch noch ergänzen. Auch etwas, was ich erst in der Recherche des Buches gelernt habe, zum Beispiel das Ei ist ja der Referenzwert für das Thema Proteine. Das heißt also, da hat man einfach gesagt, das Ei hat aufgrund der Zusammensetzung der Aminosäuren einen Referenzwert von 100. Rindfleisch hat, glaube ich, einen Referenzwert von, ich glaube, 72 oder irgend so etwas, also weniger, das im Körper ankommt. Und das, was ich so spannend finde, ist, da kommen wir jetzt wieder zum Anfang unseres Ernährungsgespräches, dass wenn du Eier mit Kartoffeln kombinierst, es tatsächlich auf 130 steigt. Das heißt also, du hast eine 30-prozentige Steigerung der Proteinverfügbarkeit, obwohl in den Kartoffeln ja eigentlich in dem Sinne gar keine Proteine drin sind. Also nur durch die Verbindung von diesen komplexen Kohlenhydraten mit den Proteinen entsteht eben halt dieser Effekt. Und wenn man sich dann, da sind wir auch wieder bei unseren Großeltern, das anschaut, ist das ja so, das klassische Bauernfrühstück war dann schon einfach echt eine ziemlich gute Idee. Und genauso siehst du es eben halt in Indien, da kombinierst du eben halt Linsen mit Reis. In Südamerika ist es dann Bohnen mit Mais. In arabischen Ländern ist es dann eben Hummus mit Brot. Also du siehst eigentlich, dass diese ganzen alten traditionellen Gerichte damals auch ohne Biochemie und Wissenschaft einfach intuitiv gut waren.
[Jason Raffington] (30:02 - 32:14)
Ja, das ist total spannend. Wie gesagt, echte Lebensmittel sollten auf jeden Fall die Priorität sein für die, die es nicht schaffen, aus welchen Gründen auch immer. Keine Zeit zu kochen, keine Lust zu kochen, nicht die Fähigkeit, nicht die Skills. Da gibt es dann eben Proteinpulver. Man kann damit auch kochen oder backen. Also das finde ich persönlich auch ganz spannend.
Das mache ich auch selber ganz gerne. Oder abgesehen von Proteinpulvern, also sei es jetzt Whey oder vegane Proteinpulver, gibt es auch noch die essentiellen Aminosäuren. Und das finde ich vor allem im Bereich Sport auch sehr spannend.
Da gibt es ein spannendes Positionspapier von der International Society of Sports Nutrition war es, glaube ich. Das kam 2023 raus und dann haben sie eben verglichen, wie gut Whey-Protein im Vergleich zu essentiellen Aminosäuren abschneidet in Sachen Muskelbiosynthese, also Muskelaufbau. Wie stark fördern diese Produkte den Muskelaufbau. Dann haben sie gesehen, dass die EAAs, also die essentiellen Aminosäuren stärker den Muskelaufbau stimulieren als Whey-Protein. Und da wirken ca. 3 Gramm EAAs wie 20 Gramm Whey. Also man braucht viel weniger von diesen essentiellen Aminos. Ich sage das nur, weil manche Leute vielleicht keine Lust haben, diese großen Shakes immer zu trinken. Ich meine, man kann es sich auch in Wasser einrühren, ich finde, das schmeckt nicht so lecker. Aber so ein paar Kapseln essentieller Aminos, oder die gibt es auch als Pulver bei uns, ist vielleicht für manche Leute einfacher. Was sie auch gefunden haben, ist, dass eine Kombination von beiden noch besser wirkt. Also wenn man die EAAs mit dem Whey kombiniert, natürlich sollte man trotzdem auch ein bisschen einen Energieüberschuss haben, weil es braucht Energie, um Muskeln aufzubauen.
Man kann jetzt nicht einfach super wenig essen und nur Protein reinschmeißen und hoffen, dass die Muskeln wachsen. Also man muss schon was tun und natürlich auch diesen Trainingsreiz setzen. Aber das finde ich auch nochmal einfach interessant zu wissen.
Es gibt, oder im Hinterkopf zu behalten, es gibt Möglichkeiten die Proteinzufuhr zu unterstützen, weil wie du sagst, es ist nicht einfach. Wenn man es nicht bewusst macht, ist es schwer. Und deshalb denke ich auch, viele Leute nehmen zu wenig Protein zu sich, weil es ist häufig auch einfach nicht die verfügbarste Option. Wenn du unterwegs bist und sagst, ich will schnell was essen, es gibt überall Bäcker. Du kannst ja überall Teilchen oder Brot oder Sandwiches holen, aber Protein kommt zu kurz.
[Nils Behrens] (32:14 - 33:50)
Total. Ich habe das wirklich eine Zeit lang immer gemacht. Ich habe in meinem letzten Job, als ich noch für den Lanzerhof tätig war, bin ich immer sehr früh morgens geflogen. Und dann am Flughafen München bin ich da immer in diesen Supermarkt. Und dann habe ich auch mal versucht, mir irgendwas morgens zum Frühstück zu holen, was ich während der Autofahrt, man sollte ja eh sich eigentlich Zeit nehmen zum Essen und allem Drum und Dran, was ich während der Autofahrt irgendwie zu mir nehmen kann, was proteinreich ist, gesund ist, nicht hochverarbeitet ist. Das ist selbst in einem gut sortierten Supermarkt schwer zu finden.
Und deswegen ist es nicht einfach, genau sowas zu machen. Und deswegen bin ich tatsächlich jetzt mittlerweile sehr viel wieder bei den Proteinshakes. Und ich persönlich habe jetzt für mich festgestellt, dass ich zum Beispiel, wenn ich den klassischen, also ich mache normalerweise mein Whey-Protein mit alkoholfreier Mandelmilch, kombiniere ich das immer gerne. Und dann kombiniere ich das gerne mit so einem Teelöffel voll Flohsamenschalen. Und das habe ich für mich festgestellt, dadurch ist die Sättigung nochmal viel, viel länger da. Wenn ich nur den Proteinshake habe, dann ist die Sättigung nicht so lange, während eben halt diese Ballaststoffe nochmal mit rein zu geben, tatsächlich dazu führt, dass ich sehr lange dann eben halt auch satt bleibe. Und deswegen, ja, da sind wir wieder bei der Vorbereitung. Da sind wir wieder bei dem sogenannten Meal Prepping. Also so ein bisschen sich vorher darüber nachzudenken, wie man sich dann eben halt auf der Reise oder unterwegs dann irgendwie versorgt. Das macht schon irgendwie Sinn.
[Jason Raffington] (33:50 - 34:07)
Ja, apropos Vorbereitung. Also wenn wir jetzt über Verhaltensänderungen reden, sei es Ernährung, sei es mehr Bewegung oder, keine Ahnung, regelmäßig meditieren. Wie geht man da ran? Also für viele ist es wahrscheinlich schwierig, einfach so was Neues zu starten, aber du beschreibst es im Buch. Du sagst kleine Schritte, richtig?
[Nils Behrens] (34:08 - 36:35)
Genau, genau. Also ich persönlich kann auch sagen, hier zum Beispiel das Thema Meditation. Wir haben da irgendwie immer so einen hohen Anspruch an uns und denken, dass in dem Moment, wo wir meditieren, unser Kopf komplett im Leerlauf sein muss und wir an nichts denken. Und regen uns dann tierisch auf, dass das nicht funktioniert und fangen dann an, unzufrieden zu sein und dann lassen wir es. Und dazu zwei Sachen. Das eine ist, das ist nicht das originäre Ziel bei Meditation, wirklich an nichts zu denken.
Man muss nur eben halt sehen, ich finde da dieses Gleichnis ganz schön, dass man einfach sagt, das sind so wie Wolken, die dann am Himmel kommen. Und dann muss man sich aber auch einfach wieder vorüberziehen lassen, also den Gedanken nicht festzuhalten, weil in dem Moment, wo man es weiterziehen lässt, ist dann eben halt auch wieder der blaue Himmel. Also sprich dann eben halt dieses an nichts Denken dann wieder da und dann kommt die nächste Wolke.Das ist halt einfach so. Aber ich glaube, der entscheidende Punkt ist, dass man sich nicht eben halt an einer Wolke festhält. Das ist so der grundsätzliche Punkt.
Aber ich kann für mich persönlich sagen, dass ich jetzt zum Beispiel viel besser den Zugang dazu gefunden habe über das Thema Atmung. Das heißt also, ich finde, wenn man sich nur auf seine Atmung konzentriert, dass man da eigentlich viel besser an nichts denkt. Nämlich nur an die Konzentration auf die Atmung, als dass man jetzt eben halt tatsächlich sich eben halt das vornimmt, jetzt sage ich mal sowas hier so in diesem Meditationsleerlauf zu gehen.
Und ich habe meinen persönlichen Meditationszugang, wo ich das erste mal gemerkt habe, okay, jetzt bin ich da, jetzt verstehe ich es, im Eisbad witzigerweise gefunden. Ich habe das dann morgens, als ich noch in Hamburg wohnte, hatte ich dann auf meiner Terrasse im Winter dann eben halt so eine Eistonne stehen. Und wenn du dann einmal drin bist und dann wirklich versuchst, richtig zur Ruhe zu kommen, dann merkst du, wie du dann tatsächlich in diesen komplette Meditationsflow eigentlich so reinkommen kannst.
Und das hat wirklich dazu geführt, dass ich dann teilweise wirklich so sechs, sieben Minuten in dieser Eiswanne drin saß, was auch an der Grenze ist, das sollte man eigentlich gar nicht mehr so gesund. Aber da merkt man, dass man manchmal unter solchen Extremsituationen dann tatsächlich erst mal dieses Gefühl dann eigentlich so richtig hat. Und bei mir war es dann so, dass ich dadurch dann ein viel besserer Meditator, also auf jeden Fall viel besser in Meditation wurde.
[Jason Raffington] (36:35 - 36:59) Ja, das ist interessant, dass du das sagst. Also ich finde, das macht Sinn. Ich habe das auch häufig gehabt, dass ich dann einfach mich nur auf die Atmung konzentriert habe, mache ich immer noch. Und manchmal versuche ich einfach, meinen Herzschlag zu spüren. Da merke ich dann auch einfach, wie ich zur Ruhe komme, nach innen gehe und einfach nur versuche zu merken, wie mein Körper so ganz leicht wippt mit dem Herzschlag. Und das bringt mich total zur Ruhe, also ich finde das ganz hilfreich. Weil ja, wie du sagst, man kann einfach schwer an wirklich nichts denken.
[Nils Behrens] (36:59 - 37:26)
Genau, man kann schwer an nichts denken. Und das ist ganz lustig, ich hatte mal so ein Technical Device, das hieß Muse. Und das war ein Stirnband, was du dir so in das Ohr gelegt hattest, was den Pulsschlag gemessen hat und eben halt angeblich auch deine Gehirnströme. Und das war ganz spannend. Das hat dann akustisch den Herzschlag dir als Trommel reingegeben. Und dann musstest du dich darauf konzentrieren, dass die Trommel langsamer wird.
[Jason Raffington] (37:27 - 37:28)
Ach so, Biofeedback-Gerät.
[Nils Behrens] (37:28 - 37:48)
Ganz genau. Und das war total spannend, also wie gut das funktioniert, wenn man sich wirklich dann versucht, da so reinzugeben. Oder es gab einen anderen Modus, da war es dann zum Beispiel so, dass man dann Regen hörte.
Und wenn man dann wirklich sich komplett entspannt hat und komplett eben halt in die, ich denke, an nichts mehr Phase kam, dann hat der Regen aufgehört.
[Jason Raffington] (37:49 - 38:18)
Das ist cool. Das kann ich mir auch vorstellen, dass das hilfreich ist. Ja, nochmal zur Alltagstauglichkeit, also wie du so Verhaltensänderungen startest, integrierst.
Hast du da noch ein paar Tipps, abgesehen jetzt von Meditation, wie man Veränderungen beginnt? Weil häufig, man nimmt sich was vor, das kennen wir ja alle von den, viele von uns von den Neujahrsvorsätzen. Dann macht man das drei, vier Tage und dann hört man wieder auf. Aber wie schaffen wir das, dass wir Gewohnheiten langfristig, dass wir dranbleiben?
[Nils Behrens] (38:19 - 41:31)
Ja, ich glaube, es sind immer Routinen. Es sind einfach immer die Dinge, die man routiniert macht. Und bei mir war es zum Beispiel auch so, ich hatte dann einen Helm, der angeblich das Haarwachstum anregen sollte. Den musste man dann irgendwie eine halbe Stunde tragen. Ich habe dann festgestellt, dass ich den, wenn ich es regelmäßig machen wollte, abends meistens dann doch vergessen habe. Und deswegen habe ich es dann tatsächlich erst morgens gemacht, dass ich dann erst nach dem Aufstehen sozusagen diesen Helm aufgesetzt habe. Und dann hatte ich eine halbe Stunde lang diesen Helm auf und saß noch im Bett. Und dann habe ich dann angefangen, da dann zu meditieren. Und wenn du das dann irgendwann mal so etabliert hast, dann ist das eben etwas, was du dann auch nicht mehr missen möchtest. Das Gleiche ist mein absoluter, also wirklich für mich fast nicht mehr verhandelbar, und ich merke auch so richtig, wie ich dann nervös werde mittlerweile, dieses Zehn-Minuten-Spaziergehen nach dem Essen. Also das brauche ich. Also ich habe wirklich das Gefühl, egal was ich esse, egal wie schwer, wie leicht, wie schnell, ich brauche diese Bewegung nach dem Essen mittlerweile so sehr, weil es einfach dann irgendwann so drin war. Aber es ist halt etwas, was du dir erstmal als Ritual schaffst, dass du einfach weißt, dass du nach dem Essen sagst, jetzt gehe ich einfach nochmal zehn Minuten um den Block. Und hier gerade bei uns hier bei Sunday, da haben wir nochmal dieses Gleisdreieck. Das ist ein sehr schöner Park, der hier dann ja angelegt wurde.
Und einmal nur kurz durch diesen Park gehen und wieder zurück, das ist für alles gut. Das ist für deinen Blutzucker gut, das ist für deine mentale Gesundheit gut, das ist einfach für alles wirklich total gut und wichtig. Und deswegen, ich glaube, man muss erstmal eine Zeit lang eben halt in diese Rituale kommen und man sollte sie idealerweise zu einem Zeitpunkt setzen, der für dich gut passt und der nicht jeden Tag anders ist. Und deswegen, ich bin damals auch erst zum Marathonläufer geworden, als ich angefangen habe von abends auf morgens zu switchen, dass ich morgens das eben halt mache, weil morgens eben halt seltener was dazwischen kommt. Und so kann man es eben halt mit ganz vielen Dingen machen, dass man eben halt sagt, okay, das fange ich jetzt an als festes Ritual. Und das sind so Dinge, die ich auch im Buch schreibe, so als kurzen Hack zum Beispiel. Ich erzähle das auch immer regelmäßig, ich mache jeden Tag eine Liegestütze. Und diese eine Liegestütze ist natürlich total lächerlich, weil es bringt natürlich jetzt nicht, wenn du nur eine machst. Aber meistens macht man dann irgendwann auch mehr. Aber wenn ich jetzt sage, ich mache jeden Tag 40 Liegestütze, dann würdest du das irgendwann, wenn du dich nicht mehr so fühlst, auch nicht machen. Das heißt also, ich kann dir sagen, ich habe heute Morgen 10 gemacht. Ich habe gestern Abend noch trainiert und dadurch hatte ich dann gemerkt, dass meine Muskulatur jetzt nicht noch mehr Trainingsreiz haben möchte. Nichtsdestotrotz weiß ich eben halt, das ist für mich mein Versprechen an mich selbst, jeden Morgen Liegestütze zu machen. Und mal sind es dann eben halt nur 10, mal sind es dann eben halt auch 60. Das ist eben halt immer so ein bisschen Tagesfassung. Aber selbst wenn ich krank bin und ganz wenig geschlafen habe, kann ich eine machen. Und diese eine, wenn ich die als nicht verhandelbar dann irgendwann für mich dann so in mein Leben integriert habe, dann hast du eben halt den Vorteil, dass sie dann auch bleibt.
[Jason Raffington] (41:31 - 41:36)
Also du machst es sozusagen so einfach wie möglich, dass du halt wirklich was startest.
[Nils Behrens] (41:36 - 42:17)
Ja, ich hatte das wirklich eine Zeit lang, hatte ich dann immer gesagt, dass ich irgendwie jeden Tag eine mehr mache. So zum Beispiel. Und dann kommst du irgendwann mal, ich glaube, ich habe dann irgendwie bei 60 oder 70 oder sowas dann aufgehört. Weil ich dann merkte, dass es dann auch nur, um es hinter mich zu bringen, auch zu schnell wurde. Und dann fängst du auch an, gerade unaufgewärmte Muskeln, da wird ja sowieso jeder hier aufschreien und sagen, Qa morgens aus dem Bett, als erstes dann Liegestütze, kann ja nicht sein. Das ist halt einfach keine gute Idee, wenn du die dann auch noch schnell ausführst.
Und deswegen ist es so, dass wenn man sich gut in seinen Körper reinfühlt, dann kannst du immer die Anzahl machen, die du dann im Augenblick gerade für dich sich gut anfühlt. Und dann ist auch alles okay.
[Jason Raffington] (42:19 - 42:25)
Apropos Liegestützen und Bewegung und Sport. Wie viel Sport brauchen wir denn eigentlich, um ein gesundes, langes Leben zu führen?
[Nils Behrens] (42:27 - 47:20)
Es ist eigentlich dann doch weniger, als man so denkt. Und der einzige Unterschied, den man heutzutage eben halt weiß, weil früher haben wir immer gedacht, dass das Thema Herz zu trainieren das Wichtigste ist, weil die meisten Leute vorzeitig ja versterben aufgrund von einem Herzvorfall, sage ich mal so. Herzinfarkt zum Beispiel, sage ich mal so.
Und das Thema ist auch nach wie vor nicht falsch. Nichtsdestotrotz können wir das, was wir für unser Herz tun können, ich sage mal 80 Prozent unserer Herzgesundheit, können wir durch Alltagsbewegung auch erreichen. Das sind immer diese angeblichen 10.000 Schritte, wo 7.000 auch eigentlich tatsächlich reichen. Das heißt also, diese 10.000 Schritte sind ja aus einer Marketingkampagne für einen Schrittzähler irgendwann entstanden. Aber die Tatsache ist, 7.000 am Tag ist so das, was so jeder machen sollte und was dazu führt, dass man eben halt sein Sterblichkeitsrisiko eben halt schon mal deutlich reduzieren kann. Und das, was ich eben halt schon anfangs eben halt sagte, ist viel wichtiger, ist eben halt eine gute Muskulatur eben halt zu haben.
Und da ist es in der Regel so, dass es gar nicht so sehr diese Zeit ist, die man investieren muss, sondern man muss eben halt in ein gutes Training investieren. Und ein gutes Training, da kann ich jetzt wirklich von mir sprechen. Ich fand das ganz lustig, es war jetzt gerade so dieser Trend auf Instagram, dass man eben halt so Bilder rausgesucht hat von vor 10 Jahren, 2016.
Und da sieht man, wie ich ein Foto von mir im Gym gemacht habe und ich in einem ganz anderen muskulären Zustand war als heute. Also ich bin heute deutlich muskulöser. Da sieht man eben halt, da bin ich damals das, was ich eigentlich mein Leben lang gemacht habe.
Ich bin ins Gym gegangen, weil es irgendwie dazugehört und habe dann immer 3x10 Wiederholungen gemacht. Und meistens das Gewicht mal ein bisschen gesteigert, aber auch nicht groß. Und das ist kein effizientes Training, sondern du musst immer darauf achten, dass du an eine Ermüdung gehst sozusagen.
Also der letzte, der zehnte, und es müssen ja nicht 10 sein, aber die letzte Wiederholung muss so sein, dass du eigentlich keine Elfte mehr schaffst. Und deswegen gibt es ja dieses angebliche Gespräche zwischen Arnold Schwarzenegger und Muhammad Ali, wo er dann fragte, wie viel Liegestütze schaffst du denn eigentlich? Und dann meinte er so 2 bis 3.
Und dann meinte er dann so, wie 2 bis 3? Und dann meinte er dann so, du schaffst nicht mehr 2 bis 3? Und dann meinte er doch, aber ich fange erst dann an zu zählen, wenn ich nicht mehr kann.
Und das ist da, wo das Wachstum entsteht. Und deswegen will ich einfach nur sagen, dass wenn du genau an diese Grenzen gehst, dass du wirklich nicht mehr kannst. Da gibt es jetzt mittlerweile auch so neue Geräte. Ich war gestern Abend gerade wieder in so einem E-Gym. Da ist es zum Beispiel so, dass die einen Trainingsmodus haben, der dann immer Max Out heißt. Das heißt, da machst du nichts anderes, als dass die Wiederholung sich steigern immer. Das heißt, du fängst mit einer bestimmten Kilozahl an und dann kommen immer 4 Kilo dazu.
Also jede Wiederholung kommen immer wieder 4 Kilo dazu. Solange bis du dann irgendwann wirklich das nicht mehr heben kannst. Und das ist eben halt das, was ich meine. Das ist eine Art, wie man effizient trainiert, weil du dann eben halt den Muskeln eine komplette Erschöpfung bringen kannst. Und das einmal sozusagen für den ganzen Körper dann durchzuführen, und ich habe es dann eben halt in dem Fall gestern drei Zirkel sozusagen gemacht, aber immer Max Out, führt eben halt dazu, dass dann eben ein Wachstumsimpuls entsteht. Kann sich ja auch jeder vorstellen, weil der Körper will dann ja für das nächste Mal vorbereitet sein für diese Herausforderung. Wenn dieses 3x10 keine Herausforderung ist, entsteht auch kein Wachstum mehr. Und deswegen würde ich sagen, wenn man ganz ideal trainiert, sage ich immer, dann sollte man, wenn man es 5 Tage die Woche macht, solltest du 2 Tage auf Ausdauer trainieren und 3 Tage auf Kraft. Dann ist man da schon sehr, sehr gut aufgestellt. Nichtsdestotrotz, und das ist für mich nochmal ganz, ganz wichtig zu sagen, sollte man neben Kraft und Ausdauer vor allem in seine Beweglichkeit investieren. Und das ist eben halt etwas, was ich glaube, die meisten Leute vernachlässigen. Weil irgendwann kommt man eben halt an den Punkt, wenn man seine Beweglichkeit verliert, dann verliert man einen der wichtigsten Faktoren, um die anderen beiden Sachen überhaupt zu trainieren. Kann sich jeder vorstellen. Wenn dein Knie nicht mehr beweglich ist, kannst du nicht laufen gehen. Wenn dein Ellbogen dir weh tut oder deine Schulter, kannst du ganz viele von den Übungen für den Oberkörper, Kraftübungen nicht ausführen. Und deswegen ist es eben halt schon elementar, ich sage jetzt mal von der Priorisierung, ist es so, dass das Wichtigste überhaupt ist, deine Beweglichkeit aufrecht zu erhalten, dann in deine Kraft zu investieren und dann eben halt aber die Ausdauer. Als Sport kann man eigentlich auch viel über seine Alltagsbewegung machen.
[Jason Raffington] (47:20 - 47:50)
Also es ist eine schöne Balance aus verschiedenen Aspekten. Und ich glaube, was auch ganz hilfreich ist, was ich selber auch erst zu spät angefangen habe, ist mir aufzuschreiben, wie viel Gewicht ich bei welcher Übung nutze. Ich bin auch gerne einfach ins Gym gegangen und habe gemacht, worauf ich gerade Lust hatte. Es war schon anstrengend, aber ich habe diese progressive Steigerung nicht so bewusst gemacht. Und jetzt versuche ich es mir wirklich mal aufzuschreiben und dann nach zwei, drei Wochen verändere ich das Gewicht, damit ich eben diesen Reiz immer wieder setze und dann halt auch entsprechend stärker werde.
[Nils Behrens] (47:50 - 47:50)
Total.
[Jason Raffington] (47:51 - 48:33)
Und das mit der Beweglichkeit fand ich auch spannend. Während Corona, als die Gyms schließen mussten, habe ich angefangen, Yoga zu machen zu Hause und habe da auch nochmal ein ganz neues Körpergefühl entwickelt und auch eine starke Kraftsteigerung wahrgenommen. Weil da halt der Fokus ja auf Mobility war, aber es war doch eher so ein Power-Yoga, so ein Kraft-Yoga, schon sehr anstrengend auch.
Aber es war einfach mal ein ganz neuer Reiz. Und ich glaube, es ist wichtig, dem Körper auch immer mal wieder was Neues zu tun zu geben. Weil wie du schon gesagt hast, Use it or Lose it und manche Bewegungsmuster, die machen wir im Gym halt nicht. Vor allem, wenn wir immer die gleichen Übungen machen. Das heißt, den Körper mal wieder in ein neues Umfeld sozusagen zu schubsen und zu sagen, hey, mach das mal, lern das mal. Ist auch fürs Gehirn, glaube ich, sehr wichtig.
[Nils Behrens] (48:34 - 48:34)
Total.
[Jason Raffington] (48:34 - 48:35)
Neue Sachen machen.
[Nils Behrens] (48:35 - 49:45)
Ich finde es so interessant, ich trainiere in Hamburg in einem Gym, wo immer so eine Art 1 zu 10 Personal Training ist. Das heißt, da läuft immer jemand rum und guckt dann eben halt auch mal so drauf. Der Johannes Walter war ja auch mal im Podcast. Und da ist es zum Beispiel auch so, dass die Beinpresse, da war ich immer so, dass ich dann immer mehr Gewicht hatte. Immer mehr Gewicht hatte dann irgendwie sowas. Und dann kam er irgendwann bei mir an und meinte so, Nils, du benutzt gar nicht die sogenannte Range of Motion. Das heißt also, die gesamte, wie heißt es auf Deutsch? Den gesamten Bewegungsumfang, danke. Den gesamten Bewegungsumfang nutzt du gar nicht aus. Und dann hat er mir das mal so eingestellt oder mir gezeigt, wie tief ich eigentlich runtergehen muss. Also wie tief ich meine Beine anwinkeln muss. Und dann musste ich erstmal, ich glaube, 40 Kilo wieder runternehmen, weil es in dem Teil sonst gar nicht mehr funktioniert hätte. Und das trainiert natürlich zwei Sachen. Wenn du dann eben halt diesen maximalen Bewegungsradius dann eben halt auch ausnutzt unter Kraft, dann hast du dann natürlich auch nochmal ein zusätzliches Beweglichkeitstraining dann dabei. Und deswegen kann man eben halt auch Dinge dann auch gleichzeitig machen.
[Jason Raffington] (49:46 - 50:14)
Du hattest, ja, wir haben jetzt über Gym gesprochen und über Bewegungen im Fitnessstudio. Aber für viele ist es vielleicht, ja, viele gehen vielleicht noch nicht ins Fitnessstudio, aber wollen mehr Sport machen, wollen sich mehr bewegen. Wo fängt man dann an? Weil ich weiß aus Erfahrung von Freunden, das ist halt auch eine Hemmschwelle, zu sagen, okay, ich melde mich jetzt an und dann gehe ich da hin. Ich war da noch nie, wo muss ich hin? Wie benutze ich diese ganzen Geräte? Ist Gym wirklich der erste Schritt oder wo steigt man dann am besten ein?
[Nils Behrens] (50:14 - 52:33)
Nein, also gerade was das Thema Eigenkörpergewichtstraining betrifft, das ist unfassbar effektiv. Und ich finde das ganz interessant. Es war mal so ein Trend, da gab es einen großen Artikel in der New York Times drüber, über dieses Sieben-Minuten-Training.
Und das ist dann ein weltweiter Hype geworden. Und das ist deswegen so toll, weil das waren zwölf Übungen, die man immer für 30 Sekunden ausgeführt hat. Das heißt also, dadurch hast du keine Vorgabe gehabt, wie viel man denn eigentlich machen muss. Und das waren dann eben halt tatsächlich auch wieder diese Liegestütze für 30 Sekunden lang. Mach Liegestütze. Und dann muss man gucken, wie viel man eben in 30 Sekunden schaffen kann. 30 Sekunden lang Kniebeugen, 30 Sekunden lang Plank. Das ist eben halt diese, ja, Planke, dieses statisch auf dem Boden liegen. Und da gibt es eben halt insgesamt zwölf Übungen. Da gibt es ganz viele Apps, die man da auch im App Store zu finden kann. Und das habe ich zum Beispiel mal zwei Jahre lang jeden Tag gemacht. Also wirklich jeden Tag. Und ich glaube, dass auch tatsächlich da meiner Meinung nach eine der großen Motivationen immer hinterliegt, dass man diese Kette nicht abreißen lassen möchte. Dass man so einen, im Englischen heißt das Streak, also dass man einfach wirklich so eine lange Folge von Wiederholungen dann hinbekommt. Und das fand ich einfach total super. Ich bin nach zwei Jahren, also wirklich taggenau nach zwei Jahren, nachdem ich gestartet bin, hatte ich einen Fahrradunfall. Und habe mir dann unter anderem ein paar Sachen gebrochen, die dann dazu führten, dass ich dann eben halt diesen Streak unterbrechen musste.
Aber nichtsdestotrotz, ich fand das einfach wirklich total spannend, das auch so durchzuziehen. Das heißt, ich werde es nie vergessen, ich bin dann morgens irgendwie in Paris zum Beispiel gewesen, war dann laufen. Und auf einmal stelle ich fest, dass ich dann, wenn ich vom Laufen zurückkomme, gar keine Zeit mehr habe, um irgendwas zu machen. Mein Hotelzimmer war zu klein, um da die Übungen zu machen. Das heißt, also ich war dann wirklich oben am Trocadero, mit Blick auf den Eiffelturm und habe dann da mein sieben-Minuten-Training dann da ausgeführt. Das ist ein Moment, den werde ich nie vergessen. Aber das sind natürlich auch so Situationen, die entstehen dann dadurch. Ich will nur einfach sagen, das ist etwas, was jeder machen kann. Und ich glaube, die meisten von unseren ZuhörerInnen, selbst die etwas sportlicher sind, werden überrascht sein, wie sehr man ins Schwitzen kommen kann, wenn man diese sieben Minuten wirklich ernsthaft ausführt.
[Jason Raffington] (52:33 - 53:07)
Ja, ich kenne das. Ich habe das mit vier Minuten gemacht. Das waren diese Tabata-Sets. Da macht man dann, wie du sagst, immer diese 30 Sekunden. Und das habe ich für vier Minuten durchgemacht. Eine Zeit lang. Ich glaube zwar auch, während Corona muss man viel zu Hause machen. Keine andere Wahl. Aber ich glaube auch für Leute, für die das noch neu ist, weil man muss auch wissen, okay, welche Übungen mache ich? Wie mache ich eine Kniebeuge richtig? Das klingt vielleicht für viele so, ja, ist doch easy. Aber für manche ist es halt etwas komplett Neues. Kann man nicht erwarten, dass man das einfach weiß. Aber selbst für die, die keine Vorerfahrungen in Sachen Sport haben, ist natürlich auch einfach, was du auch schon erwähnt hast, die Alltagsbewegung extrem wichtig.
[Nils Behrens] (53:08 - 54:25)
Ich finde halt einfach, wenn du dich mit Leuten unterhältst, dann kommt immer so, ja, das müsste ich auch mal machen. Damit müsste ich auch mal anfangen. Und dann sind sie dann schon so, ja, damit muss ich mich mal beschäftigen. Nein, du musst dich gar nicht mit beschäftigen. Da kannst du jetzt direkt, während wir hier reden, kannst du schon mal gucken im App Store, kannst du dir dann eben halt schauen, sieben-Minuten-Training, kannst dir dann eine App runterladen, die idealerweise nichts kostet, so, dass du nicht nochmal die nächste Hürde hast, oh, die kostet jetzt aber drei Euro, so, sondern einfach runterladen und dann auch nicht nur auf dem Telefon lassen, sondern dann eben halt auch sagen, die probiere ich heute noch aus und dann einfach mal machen.
Und das, was ich eben halt ganz schön fände bei der App, die ich damals immer benutzt habe, die gibt es leider nicht mehr, sonst könnte ich sie empfehlen, die war eben halt von dem, der dieses Training erfunden hat. Und da wurde auch immer gesagt, bitte achtet da drauf, zum Beispiel bei der Kniebeuge, wie du es so richtig sagst, dass man eben halt sein Gewicht eher hinten auf dem Fersen hat und nicht eben halt vorne, dass die Knie auf gar keinen Fall über die Zehen sozusagen gehen, sondern dass man eben die Kniebeuge eher so macht, dass man sich hinten auf einen Stuhl setzt, so. Solche Sachen werden in der Regel dann bei den guten Apps auch miterklärt und dadurch so die üblichsten Fehler werden dadurch dann idealerweise auch so vermieden.
Aber das ist trotz allem, also ich finde nicht dieses, ja, ich müsste mal, sondern jetzt, do it now, also jetzt anfangen und nicht warten. Das, glaube ich, ist der entscheidende Punkt.
[Jason Raffington] (54:25 - 54:50)
Ja, und es gibt ja auch tonnenweise Videos auf YouTube, also es gibt genug Ressourcen, daran sollte es nicht scheitern. Überhaupt nicht. Wir hatten auch vorhin schon kurz über das Thema Atmung gesprochen im Rahmen der Meditation.
In deinem Buch beschreibst du es auch, dass es wichtig für Longevity ist, was viele vielleicht nicht auf dem Schirm haben. Wir atmen, wir machen es häufig nicht bewusst. Wieso ist Atmung so wichtig und was machen die meisten vielleicht sogar falsch?
[Nils Behrens] (54:51 - 1:01:31)
Ich finde ja, dass genau wie du sagst, nur wenn wir es automatisch machen, machen wir es nicht automatisch gut. Und ich hatte mal ein Interview mit einem Menschen, der eine spezielle Sauerstofftherapie erfunden hat und der hatte mir dann diesen Satz gesagt, Atmen ist wie Autofahren, die meisten glauben, sie könnten es gut. Und wenn man sich eben anschaut, wie es auf den deutschen Straßen aussieht, sieht man, dass nicht nur gute Autofahrer unterwegs sind.
Und so ähnlich ist es eben mit der Atmung auch. Bei mir war es ganz konkret so, dass ich in einer Messung gleich am Anfang meiner Zeit am Lanzerhof festgestellt habe, dass ich zu flach atme. Das machen ganz viele Leute in der heutigen Zeit. Das liegt zum einen daran, dass viele diese Bauchatmung verloren haben, weil es ja auch ästhetisch nicht so gut aussieht, sozusagen den Bauch rauszustrecken. Zum anderen aber auch Menschen, insbesondere jetzt wie ich, die sehr kommunikativ sind, die halten intuitiv immer ein ganz klein bisschen Atmen zurück, damit sie schnell antworten können. Und von daher ist es immer so, dass ich zu flach atme. Was hat das für eine Konsequenz bei mir gehabt? Dass, wenn ich in einem Meetingraum war für eine längere Zeit, dass ich immer der Erste war, der in so einen Sekundenschlaf gefallen ist. Das heißt also, dass ich einfach eine Unterversorgung des Gehirns mit Sauerstoff hatte. Und da hatte ich dann auch gefragt, was soll ich denn jetzt da machen und mehr einatmen? Und dann haben die gesagt, nee, du musst dich einfach nur auf deine Ausatmung konzentrieren, weil in dem Augenblick, wenn nicht alle ohnmächtig werden, ist noch genügend Sauerstoff da. Und das merkt man dann, wenn man sich wirklich gezielt auf seine Ausatmung konzentriert, dass dann die Lunge auch komplett leer ist und dann sich auch wieder komplett füllt.
Und das fand ich eben halt erstmal so grundsätzlich für mich eine der größten Veränderungen, die mein Leben wirklich bereichert haben, weil es natürlich nicht schön war, irgendwie damit zu sitzen und irgendwie wegzudämmern. Und was ich aber, warum ich dem Ganzen ein extra Kapitel gegeben habe, das machen eigentlich die meisten, ich sage jetzt mal Longevity-Experten, Bücher, wie auch immer, machen das Thema Atmung so ein bisschen mit in das ganze Thema Regeneration irgendwie so ein bisschen mit rein. Und ich finde es so faszinierend, dass das die einzige Möglichkeit ist, sehr schnell auf dein autonomes Nervensystem Einfluss zu nehmen. Und damit ist das gar nicht mehr so autonom. Und gerade, weil ich auch sagte, dass die Hauptgründe für das Thema Altern einmal an dem Thema Stress und an Ernährung liegt, müssen wir ja gucken, wie wir unseren Stress reduzieren. Und da kannst du mit zwei Minuten, dich auf die Atmung konzentrieren, tatsächlich den Stress komplett runterfahren. Es gibt eben die effizienteste Methode, die die Forschung jetzt ergeben hat, das ist in der Forschung, die lief unter Leitung von Andrew Huberman, den kennen die einen oder anderen eben halt auch, weil es der größte Gesundheitspodcaster der Welt ist, die nennt sich die physiologische Seufzeratmung. Und die funktioniert einfach so, dass man zweimal einatmet und dann lange ausatmet. Das heißt also, man atmet einen tiefen Atemzug ganz normal ein, dann einen zweiten noch hinterher, das fällt immer nicht so ganz so einfach, der ist auch nicht so lang und tief wie der erste, und dann lange ausatmet. Das kann man sich generell merken, dass wenn man sein Nervensystem nach unten fahren möchte, dass die Ausatmung immer länger sein muss als die Einatmung, beziehungsweise andersrum, wenn man sich eben halt aktivieren möchte, dass man dann eben halt, das kennen eben halt auch Leute, die dann eben halt wirklich so anfangen, viel, viel einzuatmen, kürzer auszuatmen, also das ist eben halt dann die Möglichkeit, sich zu aktivieren. Und das, was ich aber auch da wieder so spannend finde, wir waren zwar jetzt die ganze Zeit dabei, was unsere Großmütter schon wussten, aber wir sehen das bei den Kindern, wenn die sich insbesondere, also kleine Kinder, wenn die sich total aufregen und anfangen wirklich so in so einen Hyperventiliermodus anzukommen, dann weinen die auf so eine bestimmte Art, die weinen so. Und das ist genau das, es ist im Grunde genommen eigentlich genau das, du zweimal ein- und dann lange aus. Und auch das ist etwas, was wir intuitiv als Menschen, als Kinder schon gemacht haben und dann, weil wir im Alltag vielleicht idealerweise nicht mehr so viel rumheulen, aber dann verloren haben. Aber im Grunde genommen eigentlich ist das nichts anderes. Die sind total aufgeregt und versuchen sich dadurch intuitiv nach unten zu regulieren. Und das ist eben halt das. Aber du kannst insgesamt über das Thema Atmung ganz, ganz viel machen.
Und bei mir war es am Anfang auch wieder die Sinnfrage, wie viel Sinn macht es, wenn ich mich jetzt morgens fünf Minuten auf meine Atmung konzentriere, wenn der Tag doch irgendwie 24 Stunden hat. Das ist ja nur ein Bruchteil des Ganzen. Da sagen aber auch die Studien, dass Menschen, die sich regelmäßig eben halt auf ihre Atmung konzentrieren, regelmäßig ihre gesunde Atmung üben, insgesamt besser werden. Das heißt also, dass die Atemqualität über den Tag tatsächlich besser ist, wenn du dich einmal konzentriert, bewusst auf deine Atmung konzentrierst. Dann ist die unbewusste Atmung auf einem höheren Qualitätsniveau.
[Jason Raffington]
Ja, das ist spannend. Hast du noch andere Atemtechniken, die du gerne empfiehlst?
[Nils Behrens]
Meine persönliche Lieblingsatemtechnik ist tatsächlich das sogenannte Box-Breathing, weil ich mache das wirklich total gerne in so Alltagssituationen, wo ich nichts anderes machen kann oder auch vielleicht manchmal nichts anderes machen will. Also mein Klassiker in der Zeit, als ich noch sehr viel geflogen bin, war immer diese Landephase. Da muss ich den Laptop zumachen, Handy hat auch noch nicht funktioniert und meistens dauert die ja mindestens fünf Minuten. Und da habe ich mich dann immer auf das sogenannte Box-Breathing konzentriert und das funktioniert ganz einfach. Die Anzahl der Sekunden ist variabel, 4, 5, 6. Ich habe immer fünf Sekunden. Ich habe fünf Sekunden eingeatmet, fünf Sekunden die Luft angehalten, fünf Sekunden ausgeatmet, fünf Sekunden die Luft angehalten und dann wieder von vorne. Deswegen kann man sich das eben halt wirklich wie so ein Viereck vorstellen mit vier gleichen Seitenlängen. Und dann gibt es auch dazu Apps. Ich habe das tatsächlich auch mit einer App immer gemacht, die das zum einen visualisiert hat. Das Visualisieren mochte ich aber nicht, weil ich immer gerne die Augen dabei geschlossen habe, die es aber auch akustisch unterstützt hat. Das heißt also, du hast da immer so einen kleinen Schlag, so einen Gong-Schlag gehabt und hast tatsächlich dann auch nochmal zur Unterstützung die Geräusche beim Ein- und Ausatmen noch dabei gehabt, damit du weißt, dass du auf der richtigen Achse bist. Aber das mag ich total gern und das ist einfach so schön, weil es die Anzahl der Atemzüge pro Minute halt deutlich reduziert und man deswegen eben halt so schön runterkommt und weil es eben halt diese Konzentration auf diese vier Schenkel sozusagen, Schenkel sind es nur im Dreieck, aber vier Seitenlängen, einfach dazu führt, dass du auch wirklich da sehr, sehr gut abschalten kannst.
[Jason Raffington] (1:01:31 - 1:02:04)
Ich habe das gerne nach dem Sport benutzt oder in Cooldown-Phasen zwischen Sets auch und da merke ich oder habe gemerkt, dass es halt auch echt schwer ist teilweise. Also du kriegst da schon Atemnotgefühl, also du hast das Gefühl, du musst atmen. Natürlich hält man viel länger aus, der Körper suggeriert dir aber, okay, du brauchst jetzt sofort den Atemzug, sonst kippst du um, aber es ist gar nicht so einfach.
Ich denke, wenn man es jetzt in der Ruhephase macht, wenn wir es jetzt so machen würden, dann würde es gehen, aber natürlich, wenn dein Körper angestrengt ist und viel CO2 produziert, dann hast du natürlich den Drang zu atmen.
[Nils Behrens] (1:02:04 - 1:03:18)
Also die größte Herausforderung ist für mich, da schreibe ich auch drüber, das ist so die bekannteste Atmung, um möglichst schnell sich zu beruhigen, aber auch um möglichst schnell einzuschlafen, das ist eben halt die Navy Seals haben, die nutzen die Technik angeblich eben halt sehr viel, das ist die 4-7-8-Atmung, das heißt vier Sekunden einatmen, sieben Sekunden Luft anhalten und acht Sekunden ausatmen. Und mein großes Problem ist genau, was du sagst, dass ich mit der gleichen Intensität, mit der ich einatme, dann auch ausatme und dann geht das einfach nicht, dass du doppelt so lange ausatmen kannst. Das heißt, du musst dich dann wirklich darauf konzentrieren, dass du dir den Atem beim Ausatmen länger, besser einteilst. Aber deswegen, ich habe damit immer noch so meine Probleme, deswegen nutze ich das sehr, sehr selten. Was ich häufig nutze, ist eben diese physiologische Seufzeratmung, die nutze ich wiederum sehr gerne, weil sie auch so unauffällig schnell mal mit integrierbar ist und vor allem, es reichen zwei, drei Atemzüge, um sofort einen Effekt zu haben. Und ich mache das sogar, als ich noch regelmäßiger Golf gespielt habe, dass ich vor dem Abschlag tatsächlich das ein-, zweimal gemacht habe, um einfach wirklich runterzufahren, konzentriert zu sein, fokussiert zu sein, um dann den Schlag gut auszuführen. Ob es was gebracht hat, bin ich mir nicht sicher.
[Jason Raffington] (1:03:21 - 1:03:41)
Atmung finde ich echt super, weil das kannst du in den Alltag integrieren, wie du schon sagst, in verschiedensten Situationen, nicht nur im Landeanflug, sondern auch, wenn du in einem Meeting sitzt und gerade nichts sagen musst. Keiner merkt, dass du gerade Atemübungen machst. Und statt einfach da zu sitzen und dich zu ärgern, dass das Meeting so langweilig ist, kann man ein bisschen nach innen gehen, ein bisschen Arbeit an sich selber machen.
[Nils Behrens] (1:03:41 - 1:04:16)
Total, total. Und ich meine, wir sitzen ja hier im Podcaststudio, was leider keine Sauerstoffzufuhr von außen hat. Und ich habe das wirklich so, dass ich, wenn ein Gast persönlich da ist, nie, aber wenn ich in einem Online-Podcast teilweise sitze und mein Gast sehr viel redet, dass ich dann auch echt meine Probleme habe, weil ich eben merke, dass die Sauerstoffbereiche eben so runtergehen. Und dann muss ich mich tatsächlich auch auf meine Atmung konzentrieren, damit ich eben wach und aufmerksam bleibe. Weil das geht schon echt schneller, als du denkst, wenn du dein Lungenvolumen nicht voll ausnutzt, dass du dann einfach echt anfängst, sehr müde zu werden.
[Jason Raffington] (1:04:18 - 1:04:38)
Abgesehen von den Themen Ernährung, Atmung und Bewegung sprichst du auch über Stress in deinem Buch. Oder genauer gesagt, gezielten Stress, Hormesis. Und das hatten wir ganz kurz angeschnitten. Ich glaube, du hast über Eisbäder geredet. Aber vielleicht erzählst du noch mal, was das ist, warum wir das brauchen. Müssen wir uns in eine Eistonne setzen?
[Nils Behrens] (1:04:39 - 1:07:45)
Wir müssen uns nicht in eine Eistonne setzen. Und tatsächlich ist es auch so, dass es für Frauen nicht ganz so prädestiniert ist wie für Männer. Hat aber verschiedene Faktoren, die mit dem Zyklus zu tun haben. Aber was ist Hormesis? Hormesis ist im Grunde eigentlich nichts anderes, als was ich dir gerade auch so beim Sport erzählt habe.
Wenn ich jetzt diese ganz normalen 3x10-Wiederholungen mache, die keinen Stress so auslösen, setzen sie ja keinen Reiz. Und so ähnlich kannst du es eben mit vielen anderen Dingen auch machen. Die Eistonne setzt dich in eine besondere Stresssituation. Genauso funktioniert es aber auch mit Wärme. Ich war gestern Abend noch in der Sauna. Also auch Wärme, dass du eben halt in einen 95° heißen Raum dich reinlegst für längere Zeit, ist ja eine Art von Stress, die deinen Körper in eine Extremsituation bringt. Fasten ist ein anderes Beispiel, wo man eben halt sagt, okay, das ist eben eine Extremsituation. Das, was momentan gerade so angesagt ist, das Hyrox-Training. Eben halt auch da, wo ja Ausdauer und Kraft kombiniert werden in einer sehr schnellen Folge. All das sind sogenannte Stressoren, die dich danach dann einfach resilienter machen. D.h. also, das sind Extremsituationen, die dich dafür vorbereiten, in anderen Extremsituationen besser zu reagieren. Und deswegen bin ich da ein großer Fan von, solche Dinge zu tun, die einen immer wieder aus der Komfortzone etwas rauslocken und dann eben halt eine Art von Stress ausgeben. Also, ein Freund von mir sagt auch regelmäßig, dass Alkoholtrinken auch eine Art von Hormesis ist. Da bin ich jetzt nicht ganz so sicher, ob das wirklich so der Fall ist. Aber nichtsdestotrotz, also das sind eben halt Dinge, die sehr, sehr gut sind, besser mit Stress umgehen zu können. Wenn du eben halt ihn gezielt an einer anderen Stelle auslöst, weißt du eben halt auch, wie der Körper es dann schneller runterregulieren kann. Das ist so ein bisschen wie, du ja auch daran erkennen kannst, dass jemand, der sehr gut trainiert ist, häufig sehr schnell nach dem Training wieder in einen Ruhepuls geht. Das heißt also, ich kann jetzt irgendwie einmal lossprinten und danach dann, ich sage mal, 30 Sekunden stehen bleiben. Und dann kannst du eben halt zwei verschiedene Leute dann messen, die genau gleich schnell gelaufen sind, wie schnell man dann wieder in den Ruhepuls kommt. Es gibt hier ein Training, das heißt Beat 81. Das ist so eine Art Cycling-Training, wo es nur um den Puls geht. Und da wirst du immer dafür belohnt, also wenn du sehr viel im hohen Bereich trainiert hast. Und wo ich dann immer merke so, naja, aber für die Unsportlichen ist dieser hohe Bereich viel schneller zu reichen als für mich. Ich sehe das ja wirklich so bei mir, die sogenannte Zone 4, also von den Trainingszonen, die beginnt bei mir bei 160 Schlägen.
Das ist wirklich nicht einfach, meinen Körper auf 160 Schläge hoch zu bekommen. Da muss ich schon echt über längere Zeit wirklich sehr schnell laufen oder sehr schnell Radfahren oder keine Ahnung was. Während jemand, der komplett untrainiert ist, das kennt man ja, dass der, wenn der einmal anfängt zu sprinten oder sowas, das dann eben halt anfängt sein Herz zu rasen. Das heißt, ich finde es immer total ungerecht, ich bin da immer total weit abgeschlagen in diesem Ranking, weil ich glaube, ich einfach sehr gut trainiert bin.
[Jason Raffington] (1:07:46 - 1:07:47)
Das ist ja an sich was Positives.
[Nils Behrens] (1:07:48 - 1:07:48)
An sich ja.
[Jason Raffington] (1:07:49 - 1:08:01)
Also dieser Hormesisreiz, das kann auch zu viel sein. Du hast es auch schon erwähnt, man soll sich jetzt nicht zu lange in den Eisbad setzen, das kann natürlich auch nach hinten losgehen. Also muss man da natürlich auch gucken.
[Nils Behrens] (1:08:01 - 1:09:07)
Das war so ein Thema, als dieses sogenannte HIIT-Training aufkam. Das ist ja nichts anderes als das Hyrox-Training. Das heißt also dieses Intervall, das intensive Intervall-Training sozusagen. Da waren dann viele Leute überrascht, wie schnell sie dann dadurch Fitness aufbauen können, wie schnell sie da auch Muskeln aufbauen bzw. Fett abbauen. Nichtsdestotrotz ist das immer die Extremsituation. Das heißt also, ich würde dieses HIIT-Training immer nur als Kirsche auf der Torte sehen und nie als die Basis. Du brauchst eine andere Basis. Du kannst nicht ausschließlich deinen Körper dreimal die Woche, fünfmal die Woche nur über diese Extremsituation trainieren, sondern du brauchst eine Basisarbeit, auf der du diese Extreme dann irgendwie aufsetzen kannst. Wenn du regelmäßig moderaten Ausdauersport machst, wenn du regelmäßig deine Kraft aufbaust, dann ist HIIT eine perfekte Ergänzung. Aber ausschließlich nur eben halt in dieses Stresstraining zu gehen, wird langfristig eben halt dazu führen, dass du dann eigentlich die Entzündung deines Körpers dann eher nochmal wieder weiter befeuerst.
[Jason Raffington] (1:09:07 - 1:09:33)
Und wenn man auch nicht die Regeneration priorisiert, also wenn man nicht genug Rest-Days einbaut, dann hat man natürlich auch ein Problem. Was du auch sagtest, was glaube ich auch nochmal wichtig ist, dass natürlich gewisse Reize für den Körper trotzdem nicht gut sind. Also ich sollte jetzt zum Beispiel nicht in die Sonne schauen und dann denken, ah, das ist ein Reiz, der meine Sicht hinterher besser macht. Oder Musik extrem laut hören, was dann meine Hörvermögen verbessert. Im Gegenteil, da gibt es natürlich Sachen, die uns auch schaden.
[Nils Behrens] (1:09:33 - 1:10:18)
Es sind nicht alle Stressoren richtig. Also das ist definitiv so. Und deswegen glaube ich, da muss man dann eben halt schon sehr genau gucken, was eben halt die richtigen Stressoren für einen sind.
Nichtsdestotrotz, ich bin ein großer Fan davon und es ist eben halt genau wieder ein Teil, von dem man sehen muss, wie gut man ihn integrieren kann. Bei mir ist das der Teil, jetzt gerade zum Beispiel beim Thema Hittraining, das ist der erste Teil, der bei mir immer wieder hinten rüberfällt, wenn ich nicht so viel Zeit habe. Das heißt, ich mache es sehr, sehr gern und ich merke auch einfach, dass diese Verbindung von Kraft und Ausdauer in so einer extremen Situation total gut für mich ist.
Aber ich würde sagen, ich komme nicht, wie ich gerne wollte, einmal die Woche dazu, sondern eher einmal im Monat. Und dafür fokussiere ich mich aber eben halt auf die Basisarbeit, sprich eben Kraft und Ausdauer vernünftig zu trainieren und Beweglichkeit.
[Jason Raffington] (1:10:19 - 1:10:33)
Gut. Ich würde gerne zum Abschluss noch über das Thema Mindset und Lebenshaltung sprechen. Und ich frage mich, was Menschen, die gesund altern, von denen unterscheidet, also in Sachen Mindset, die eben nicht so gesund altern oder spielt Mindset überhaupt eine Rolle?
[Nils Behrens] (1:10:33 - 1:13:34)
Total. Und das ist wirklich sehr, sehr spannend, dass Menschen, die sich zu alt für etwas fühlen, auch tatsächlich schneller altern. Das heißt also, wenn ich jetzt sage, das ist ja alles schön, was der Nils hier erzählt, aber so ein Hyrox-Training, da bin ich ja zu alt für, dann weißt du schon, dass da eigentlich schon was im Argen liegt. Also immer dieser Moment, wenn du glaubst, dass du eben halt für viele Dinge zu alt bist, dann wirst du auch schneller alt, während wenn du eine positive Einstellung zum Leben hast, dass du dann eben halt nicht so schnell alt wirst. Da gibt es eine ganz spannende Studie, die eigentlich im Nachhinein über Nonnen gemacht wurde. Das heißt also, die Nonnen haben Tagebücher geführt und dann hat man gesehen, die Nonnen, die ein sehr positives Tagebuch geführt haben, haben insgesamt länger gelebt, als die, die ein negatives Tagebuch geführt haben.
Das Gleiche ist auch meine Lieblings, wie soll ich sagen, geheime Kraft für ein gesundes Mindset und für ein langes glückliches Leben ist ja meiner Meinung nach Neugier. Weil ich glaube ganz sicher, dass Menschen, die neugierig sind, sind auch gierig aufs Leben, sind gierig auf die Dinge, die auf einen zukommen, bleiben offen dafür, für Veränderung. Das Ganze, was mit uns im Augenblick passiert, wir hatten eben gerade ja eine kleine Mini-Aufklärung zum Thema Künstliche Intelligenz. Da kann man jetzt aber sagen, oh Gott, das ist unser Ende, vielleicht ist es das auch, ich weiß es nicht. Oder aber man muss es erstmal dann irgendwie offen dafür bleiben und gucken, wie kann ich es für mich nutzen, wie kann ich daraus was ziehen, was macht es vielleicht besser in meinem Leben. Und das sind so Dinge, die halte ich für wahnsinnig wichtig. Deswegen, also für mich, ich kann gar nicht oft genug sagen, das schreibe ich auch wirklich nochmal drin über das Thema, ich habe da wirklich eine kleine Lobhymne zum Thema Neugier in dem Buch, weil ich auch da das Gefühl habe, das wird uns so abtrainiert. Und das ist so schade. Und selbst wenn man sagt, okay, warum ist es schade, oder man glaubt nicht an die Studien, dass Menschen, die neugierig sind, länger leben, dann kann ich eben halt ein Versprechen geben, der Hauptgrund, warum uns als Kind sechs Wochen Sommerferien so lange vorkamen, während heute sechs Wochen in der Routine im Flugvergehen vergehen, liegt an der Summe der neuen Eindrücke.
Das heißt also, dass es eben halt tatsächlich so, dass die subjektive Wahrnehmung von Zeit eine andere ist, wenn man viele neue Eindrücke hat. Während des Moments, wenn du jetzt etwas Neues hast, kann es eben halt sein, dass du das eben halt total genießt und dann die Zeit wie im Flug vergeht. Nichtsdestotrotz ist es so, das kennt, glaube ich, jeder, der mal irgendwie in einen neuen Urlaubsort fährt, dass man denkt nach zwei Tagen, boah, ich hab das Gefühl, ich bin schon ewig hier, weil zu viele neue Eindrücke sind.
Und dann merkt man das nach hinten raus, auch wenn die Zeit dann doch schneller vorbei ist, weil dann die Routine entsteht. Und deswegen kann ich nur da sagen, selbst wenn man all diese Studien nicht glaubt, weiß man einfach, dass das subjektive Zeitempfinden ein besseres ist. Deswegen maximiert eure neuen Eindrücke und dann werdet ihr automatisch gefühlt länger leben.
[Jason Raffington] (1:13:36 - 1:13:53)
Ja, total spannend. Also ich glaube auch, dass Mindset und Neugier ein extrem großer Hebel sind. Und wenn man dann irgendwie in so eine Monotonie verfällt und nichts Neues mehr macht, immer nur die gleichen Dinge macht, die gleichen Bewegungen macht, dann altert man schneller.
[Nils Behrens] (1:13:53 - 1:15:10)
Ich erzähl da eben halt auch dieses Beispiel von Arnold Schwarzenegger, der dieses Stay hungry, dieses Hungrigbleiben wirklich erzählt. Und wenn man sich anschaut, wie viele Leben der schon hat, also nicht nur die drei großen als Bodybuilder, Schauspieler und Gouverneur, sondern was der auch so ständig immer wieder in Aktivitäten macht, was er macht zur Förderung von sportlichen Aktivitäten in Amerika, zum gesünderen Schulessen. Jetzt hat er seit ein paar Jahren diesen sogenannten Pump Club, wo er wirklich jeden Tag mit neusten Studienleuten eben halt dazu motiviert, ein besseres, gesünderes Leben zu führen.
Das sind alles so Dinge, der erfindet sich permanent immer noch wieder neu und der ist auch schon Mitte 70. Und das ist einfach wirklich, also ich glaube nach wie vor, dass wir beide nicht im Armdrücken gegen Arnold Schwarzenegger antreten wollen. Und das ist doch toll, dass du im Grunde genommen jemanden hast, der ja eindeutig jetzt sozusagen im Renten- Seniorenalter ist und noch immer zum einen so eine körperliche Fitness mit sich bringt, da kann man sagen, ja okay, ehemalige Bodybuilder noch Schauspieler, sag ich mal so, aber auch dieses ständig sich wieder neu empfinden, ständig wieder auch für Neues interessieren, ständig wieder neue Impulse setzen. Das ist doch das, was wir eigentlich auch wollen und das ist doch das, was ein langes Leben auch lebenswert macht.
[Jason Raffington] (1:15:11 - 1:15:33)
Total. Ja, wir haben jetzt viele spannende Bereiche schon angesprochen und es gibt noch viele weitere in deinem Buch, also ich kann es wirklich nur jedem ans Herz legen, da mal reinzuschauen. Gibt es trotzdem noch etwas, was du unseren ZuhörerInnen mitgeben möchtest, vielleicht als Startpunkt, wenn man sich jetzt doch aktiver für ein langes, gesundes Leben einsetzen möchte oder ja irgendeinen anderen Impuls?
[Nils Behrens] (1:15:34 - 1:17:03)
Ja, ich ende tatsächlich in meinem Buch mit den 4 Ls und die subsumieren das ganz gut und da kommt eine Komponente rein, über die wir noch gar nicht gesprochen haben. Diese 4 Ls waren mal ursprünglich 3, die habe ich von Florian Langscheid mal quasi übernommen, der sich lange mit dem Thema glückliches Alter und glückliches Leben auseinandersetzt und die 3 Ls waren Laufen, Lernen, Lachen. Laufen steht eben für Sport und Bewegung sozusagen, das heißt nicht wirklich wörtlich Laufen, sondern steht eben für die Beweglichkeit, für die Aktivität.
Das Thema Lernen ist tatsächlich dieses Thema, ein lebenslanges Lernen, lebenslang offen bleiben, lebenslang neue Dinge in sein Leben zu integrieren und Lachen ist eben halt wirklich der Punkt, der ganz, ganz wichtig ist, die soziale Komponente, weil auch das sehen wir, dass der allerwichtigste Faktor für ein langes Leben gute soziale Kontakte sind, weil Einsamkeit andersrum so ungesund ist, wie 15 Zigaretten am Tag rauchen und das meine ich nicht nur metaphorisch, sondern da gibt es auch Studien zu, dass es da eben halt wirklich biochemische, physische Symptome für gibt, was Einsamkeit mit dem Körper und mit dem Menschen machen und das 4. L, da hatten wir tatsächlich eine Zuschauerin, als sie mal den Vortrag gehalten hat, da zugegeben, die sagte, es fehlt ein L und ich so, welches fehlt denn? Und dann sagt sie, Lieben. Und letztendlich ist es doch so, dass das letzte L der Grund ist, warum es sich auch lohnt, ein langes, gesundes Leben zu führen, weil nur wenn man eben halt liebt und geliebt wird, macht das Ganze ja auch wirklich auf Dauer Spaß.
[Jason Raffington] (1:17:04 - 1:17:06)
Wunderbarer Abschluss, danke Nils.
[Nils Behrens] (1:17:06 - 1:17:07)
Ich danke fürs Gespräch.
[Jason Raffington] (1:17:11 - 1:17:14)
Hast du ein persönliches Lieblingssupplement?
[Nils Behrens] (1:17:14 - 1:18:53)
Du, es ist glaube ich das gleiche, was du auch hast, hatte ich zumindest in Erinnerung, es ist eindeutig Creatin. Und warum? Weil Creatin wirklich nicht für meine Muskulatur, dafür ist es auch gut, sondern wirklich für meine geistige Leistungsfähigkeit und ich merke das einfach immer wieder, wenn ich es nicht nehme, wie ich dann so in so eine, ich sage jetzt mal, kognitive Müdigkeit, Pause dann irgendwie gerate und in dem Augenblick, wo ich es dann eben halt nehme, ich das nicht mehr habe.
Es heißt also, es sorgt ja einfach dafür, dass dann vor allem dein Gehirn, ich habe es ja gesagt, du brauchst 20 Prozent der Energie, also größte Einzelverbraucher und das Creatin sorgt eben halt wirklich dafür, dass das Gehirn unter anderem gut mit Energie versorgt wird und deswegen bin ich gerade so nervös, will ich jetzt mal so sagen, weil ich ja immer nur das Creatin von Creapure kaufe und das ist eben halt ein Markenrohstoff, der aus Deutschland kommt, alle anderen kommen aus China und deswegen bin ich eben halt immer so hinterher, dass ich eben halt das Deutsche bekomme, aber es ist momentan aufgrund des weltweiten Hypes und Nachfrage tatsächlich eins der Rohstoffe, die am schwersten so zu bekommen sind, weil eben die Nachfrage so groß ist und deswegen bin ich ganz froh, dass ich noch ein bisschen Creatin gebunkert habe. Sehr gut.
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