

Wie sehr bestimmt dein Mikrobiom dein Leben? mit dr. paul hammer
Der Darm ist weit mehr als nur ein reines Verdauungsorgan. Er fungiert als ein hochkomplexes Ökosystem, das unser gesamtes Wohlbefinden von der Stimmung bis hin zur Schlafqualität maßgeblich beeinflusst. In dieser Folge von HEALTHWISE spricht Host Nils Behrens mit dem Systembiologen, studierten Molekulargenetiker sowie Gründer und CEO des Unternehmens Biomes Dr. Paul Hammer über die Bedeutung und Analyse des Mikrobioms.
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Die absolute Individualität des Mikrobioms
Dr. Paul Hammer betont, dass jeder Mensch ein absolut eigenes Mikrobiom besitzt, das so einzigartig wie ein persönlicher Fingerabdruck ist. Im Gegensatz zum Daumenabdruck hat das Mikrobiom jedoch die Besonderheit, dass es sich stetig ändert und anpasst. Was wir essen, wirkt daher bei jeder Person unterschiedlich, da die Energieaufnahme aus der Nahrung individuell variiert.
Es gibt laut Dr. Paul Hammer nicht das eine, universell gesunde Mikrobiom, da die optimale Zusammensetzung von Alter, Geschlecht und Lebensweise abhängt. Für eine präzise Beurteilung vergleicht man den Einzelnen deshalb mit einer gesunden Subgruppe ähnlicher Personen. Entscheidend für die Gesundheit ist eine gute Diversität innerhalb dieses komplexen Ökosystems, was Fachleute als Eubiose bezeichnen.
MEHR ZUM THEMA: DER darm-kompass
das mikrobiom als zweites Gehirn
Das Mikrobiom fungiert wie ein eigenes Organ und wird von Dr. Paul Hammer als das zweite Gehirn bezeichnet. Über die Darm-Hirn-Achse und den Vagusnerv beeinflusst es biochemische Reaktionen im gesamten Körper. Stoffwechselprodukte wie kurzkettige Fettsäuren und Botenstoffe wie Serotonin oder GABA spielen dabei eine zentrale Rolle.
Bestimmte Bakterien haben laut Dr. Paul Hammer einen direkten Einfluss auf unsere Stimmung und darauf, ob wir eher positiv oder ängstlich gestimmt sind. Wir fühlen buchstäblich mit dem Darm, was sich im Alltag etwa durch das bekannte Bauchkribbeln zeigt. Ein gesundes Mikrobiom ist somit nicht nur für die Verdauung, sondern auch für das Immunsystem und den Schlaf extrem wichtig.
Moderne Analyse durch DNA und KI
In der modernen Analytik wird heute die DNA der Mikroben digitalisiert und untersucht, anstatt Bakterien lediglich unter dem Mikroskop zu betrachten. Dr. Paul Hammer erklärt, dass klassische Stuhlanalysen lediglich etwa 15 % der Mikroorganismen identifizieren können. Durch DNA-Sequenzierung lässt sich hingegen das gesamte Mikrobiom nahezu vollständig erfassen.
Mithilfe von KI-Modellen und zehntausenden Datensätzen werden heute komplexe Muster im Darm erkannt. Es geht dabei weniger um einzelne Bakterienarten als vielmehr um das Verständnis funktionaler Muster. Die Vision von Dr. Paul Hammer ist es, individuelle mikrobielle Muster zu verstehen und die persönliche Gesundheitsvorsorge durch gezielte Ernährung zu unterstützen.
Checkliste: Tipps für ein diverses Mikrobiom
- Auf diverse und ballaststoffreiche Ernährung achten.
- Regelmäßig neue Gemüsesorten ausprobieren und kaufen.
- Den Anteil an Zucker und verarbeiteten Lebensmitteln reduzieren.
- Mahlzeiten öfter selbst kochen oder dünsten.
Umgang mit Prä-, Pro- und Postbiotika
Präbiotika dienen als wertvolles Futter für die Darmbakterien und bestehen primär aus wasserlöslichen und unlöslichen Ballaststoffen. Probiotika sind hingegen nützliche, lebende Bakterienstämme wie etwa Bifidobakterien oder Laktobazillen. Relativ neu in der Forschung sind Postbiotika, bei denen es sich um inaktivierte Fermentationsprozesse handelt.
Dr. Paul Hammer warnt davor, dauerhaft hohe Mengen an Probiotika ohne vorherige Analyse einzunehmen. Zu wenige Stämme in hoher Dosierung könnten andere wichtige Bakterienarten im Darm verdrängen und kontraproduktive Ergebnisse liefern. Erst eine Mikrobiomanalyse zeigt die individuellen Schwachstellen auf und hilft dabei, die wirklich passenden Stämme auszuwählen.
Checkliste: Lebensstil und Umweltkontakt
- Regelmäßig den direkten Kontakt mit der Natur suchen.
- Keine Angst vor „Dreck“, da dieser das Immunsystem stärkt.
- Den Austausch mit anderen Menschen und Tieren pflegen.
- Den Kontakt zu Haustieren nutzen, um mikrobielle Diversität zu erhöhen.
TAKE AWAYS
- Das Mikrobiom ist absolut individuell und verändert sich dynamisch über die gesamte Lebensspanne.
- Der Darm beeinflusst als „zweites Gehirn“ maßgeblich die Stimmung, den Schlaf und das Immunsystem.
- Moderne DNA-Sequenzierung ermöglicht eine deutlich umfassendere Analyse als klassische Ansätze.
- Künstliche Intelligenz hilft dabei, komplexe Muster im Mikrobiom zu verstehen und Gesundheitsrisiken vorherzusagen.
- Ein natürlicher Lebensstil mit viel Außenkontakt und diverser Ernährung ist der Schlüssel zur Darmgesundheit.
Mehr erfahren im healthwise Podcast von sunday natural
Produktempfehlungen von sunday natural
Dr. Paul Hammer ist Systembiologe, studierter Molekulargenetiker sowie Gründer und CEO des Unternehmens Biomes. Er ist dafür bekannt, mit Hilfe modernster DNA-Sequenzierung und KI-Algorithmen personalisierte Mikrobiomanalysen durchzuführen und dadurch das komplexe Ökosystem des Darms messbar zu machen.
Weitere Informationen über seine Arbeit und die Tests finden sich unter biomes.world.
[Dr. Paul Hammer]
Ich muss steriler leben und dann bin ich gesünder. Nach dem Motto, nee, ist falsch, du musst im Austausch mit anderen Menschen, mit anderen Tieren, mit der Natur sein, im Dreck auch sein, um dein Immunsystem zu stärken.
Also dieses Mindset und diese Learnings anzunehmen, die wir ein bisschen verloren haben in unserer industriellen Lebensweise über die letzten Dekaden, ein, zwei Jahrhunderte, wieder da mehr Säugetier werden, so wie wir es eigentlich mal waren.
Und das auch dazu zu stehen und so zu leben.
[Nils Behrens]
Herzlich willkommen zu Healthwise, dem Gesundheitspodcast präsentiert von Sunday Natural.
Ich bin Nils Behrens und in diesem Podcast erkunden wir gemeinsam, was es bedeutet, gesund zu sein.
Wir tauchen ein in Themen wie Medizin, Bewegung, Ernährung und emotionale Gesundheit.
Immer mit einem weisen Blick auf das, was uns wirklich gut tut.
Wir reden immer über Ernährung, Schlaf, Stress, aber das wichtigste Spiel im Gesundheitsspiel sitzt still und heimlich in deinem Darm.
Wer seine Mikrobiomsignatur versteht, kann Gesundheit und Leistungsfähigkeit gezielt steuern.
Dr. Paul Hammer ist Systembiologe, Bioinformatiker, Gründer und CEO von Biomes, einem der führenden Unternehmen für personalisierte Mikrobiomanalyse.
Mit einer Datenbank aus über 7900 Studien und modernster DNA-Sequenzierung macht er das lange ungeliebte Darmuniversum mess- und nutzbar.
Sein Credo, Gesundheit ist kein Einheitsprogramm, sondern ein Biosystem, so individuell wie dein Fingerabdruck.
Und deswegen sage ich herzlich willkommen, Dr. Paul Hammer. Ja, hi, danke Nils, tolle Einführung, freue mich aufs Gespräch.
Ja, Paul, wir haben ja vor einiger Zeit, ich glaube es ist jetzt 2021 gewesen, haben wir ja schon mal das Vergnügen gehabt, ein Podcast zu machen.
Nee, 2021.
[Dr. Paul Hammer]
Entschuldigung, so weit sind wir noch nicht.
[Nils Behrens]
2021 haben wir schon mal gesprochen und in der Vorbereitung für diese Folge habe ich dann überlegt, ob ich die gleichen Fragen nochmal stelle.
Aber auch ich habe mich weiterentwickelt, habe ich festgestellt. Sehr gut.
Und deswegen schauen wir mal, ob du dich auch weiterentwickelt hast. Schauen wir mal, ich bin gespannt.
Du, meine erste Frage ist meine Sonntagsfrage.
Und Sonntag ist ja so ein Ruhetag. Wenn dein Mikrobiom heute ein Sonntagsfrühstück wählen könnte, was würde es bestellen und warum?
[Dr. Paul Hammer]
Ah, sehr gute Frage, richtig lustig. Ich sage mal so, die Realität sieht anders aus als der Wunsch meines Mikrobioms.
Ich glaube, wenn mein Mikrobiom bestellen dürfte, wäre es etwas, das ballaststoffreich ist, sowas wie Hafer, eingetunkt in Kefir oder Joghurt, dazu ein paar Blaubeeren oder Brombeeren mit Polyphenolen, ein paar Nüsse als Topping und die Freaks hauen noch vielleicht Sauerkraut drauf.
[Nils Behrens]
Du meintest fermentierte, um so klug zu scheißen, war das schon im Kefir mit drin, ne?
[Dr. Paul Hammer]
War schon im Kefir mit drin, hast du recht, aber hat nochmal so ein extra Booster.
Die Realität sieht anders aus. Also ich schlafe sonntags, gerade sonntags ist ja der Cheating-Tag eigentlich.
Ich schlafe gut lange, meistens, hoffentlich, wenn es geht und dann ausgiebig frühstücken oder eher brunchen.
Und da liebe ich eher ein Rührei und gutes Brot und Käse und solche Sachen.
Ich meine, was ich auf jeden Fall verzichte, ist so Weißbrot und süße Sachen.
Das mache ich eigentlich gar nicht mehr. Marmelade, Nutella und Wurst auch nicht mehr.
Aber ja, eigentlich geht es noch besser.
Gut, wir sind doch Genussmenschen. Absolut, das Leben ist auch noch zum Leben da. So sieht es aus.
Also du brauchst einfach auch den Genuss und die Ruhe und die Stressfreiheit.
[Nils Behrens]
Du sagst, dein Mikrobiom ist so individuell wie ein Fingerabdruck. Was heißt das konkret für mich im Alltag?
[Dr. Paul Hammer]
Das heißt erstmal, jeder Mensch hat sein eigenes Mikrobiom, wie sein eigenes Fingerprint.
Der Unterschied ist zum Daumen, dass es sich ändert und anpasst.
Und im Alltag bedeutet das, was du isst, wirkt nicht genauso bei dir wie bei mir.
Das heißt, wenn wir beide genau identisch das gleiche Essen essen, nimmst du zum Beispiel anders Energie auf, nimmst entweder mehr oder weniger Energie aus der Nahrung auf, obwohl die Energiemenge genau die gleiche ist.
Oder du hast vielleicht eine Nahrungsunverträglichkeit oder eine allergische Reaktion.
Oder dein Medikament wirkt halt anders bei dir als bei mir.
Das heißt, was bei deinem Freund funktioniert, muss nicht bei dir funktionieren. Oder es äußert sich anders.
Das heißt, das Mikrobiom hat im Alltag einen großen Einfluss darauf, wie Lebensmittel oder Medikamente auf uns wirken.
[Nils Behrens]
Dann lass uns mal auf den Test eingehen. Wie unterscheidet sich denn ein datengestützter Mikrobiom-Test von dem, was wir sozusagen als klassischen Stuhltest kennen?
[Dr. Paul Hammer]
Ja, massiv einiges. Wir arbeiten ja seit acht Jahren online, seit 15 Jahren arbeiten wir in dieser Technologieplattform mit Biomes.
Und wir haben prinzipiell den Unterschied, dass wir die DNA der Mikroben analysieren.
Also wir machen die Zellen kaputt von den Mikroben, vor allem von den Bakterien, holen die DNA raus, digitalisieren diese DNA, haben dann digitale DNA-Fragmente und die gucken wir uns an.
Wo kommen die her, von Mikroben A, B, C? Zum Schluss haben wir ein kunstspezifisches Mikrobiota-Profil.
Und da sind ja bis zu tausend verschiedene Bakterienarten alleine auf Bakterienlevel da drin.
Und dann gucken wir halt mit einer automatisierten Interpretationspipeline und mittlerweile auch mit einem AI-Model rein, okay, was bedeutet das für den einzelnen User?
Die klassische Stuhlanalytik war ganz anders.
Du musstest erstmal große Mengen schaufeln, in einen Tube packen, dann hast du es versendet und dann hat man das ausplatiert auf Agarschalen, also Nährstoffboden, und dann hat man geguckt mikroskopisch, was wächst denn da, und hat die ausgezählt, die Kolonien, naja auch die einer CFU, Colony Forming Units.
Und zusätzlich hat man noch ein paar Marker, kann man analysieren, das macht man heute auch noch, Calprotectin zum Beispiel als Entzündungsmarker oder Zonulin als Darmbarriere-Marker.
Also da gibt es verschiedene Marker, die man dann noch nutzen kann.
Wir erfassen das gesamte Mikrobiom, praktisch sämtliche Bakterien und andere Mikroorganismen, und die klassische Stuhlanalytik ist so bei maximal 15%, die überhaupt mit diesem mikroskopischen Ansatz und der Kultivierung identifizieren können.
[Nils Behrens]
Mich würde mal persönlich interessieren, jetzt in meinem Fall ist es so, man hat ja, sag ich mal grob vereinfacht, zwei große Stämme, die Firmicutes und die Bacteroidetes.
[Dr. Paul Hammer]
Ja, da sind noch mehr, da sind noch mehr. Ja, aber ich sag mal so die großen Kolonien.
Ja, viel um Taxonomie-Rank, Level hast du recht, da sind die sehr dominant, gerade in der westlichen Welt, aber es gibt deutlich noch mehr.
[Nils Behrens]
Okay, aber wenn ich, ich möchte es ja hier, im Sinne unserer HörerInnen, möchte ich es jetzt ja hier ein kleines bisschen vereinfachen.
Ja klar. Und normalerweise, wenn man jetzt so ganz vereinfacht davon spricht, dann sagt man, okay, die sollten einigermaßen ausgeglichen sein.
[Dr. Paul Hammer]
Verhältnis zwischen 1 und 3 Firmicutes zu Bacteroidetes. Also sollten nicht mehr, dreimal mehr Firmicutes haben als Bacteroidetes.
[Nils Behrens]
Okay. Ja. Okay, aber ideal ist ausgeglichen, oder?
[Dr. Paul Hammer]
Ja, zwischen 1 und 3 wäre ideal, 1 und 1 ist superideal. Ja.
Aber zwischen 1 und 3 ist eigentlich okay, so ist aktuell der Wissenschaftsstand, in der Realität sehen wir es ganz anders.
Also alleine, wir haben ja schon 60.000 Datensätze erhoben von Menschen da draußen, also breit über die ganze Population, von sehr jung bis sehr alt, von dick bis dünn und gesund bis krank.
Und wir sehen gerade in der westlichen Welt dort, dass das Verhältnis viel höher ist, also dass man viel mehr Firmicutes hat als Bacteroidetes.
[Nils Behrens]
Okay, weil das ist nämlich bei mir auch der Fall.
Bei mir ist es so, ich glaube, ich habe 82% Firmicutes oder so, also von daher, ja, ja, schon echt richtig viel.
Und wenn man das sich anschaut, dann müsste ich eigentlich, sage ich mal so, so rein von der, ich sage mal, groben Wissenschaft, nicht solchen Experten wie du, müsste ich eigentlich massiv übergewichtig sein und mich nur von kurzkettigen Kohlenhydraten ernähren.
Ja, das ist gut. Und das, was ich gesehen habe, ist, dass wenn ich dann eine Zeit lang mal Probiotika und so was zu mir nehme, dass das dann irgendwie auf ein tatsächlich 1 zu 1 Level dann wieder verändert.
Und in dem Moment, wo ich aufhöre, springt das wie so ein Flummi, wie so ein Gummi dann wieder zurück in seine alte Position.
[Dr. Paul Hammer]
Ja, du, ja, das ist so. Gerade unsere westliche Ernährungsweise, Lebensweise fördert die Firmicutes.
Wir essen ja sehr viele Kohlenhydrate in unserer Welt hier.
Und dadurch, du sagst es, Firmicutes können komplexe Kohlenhydrate und einfache Kohlenhydrate viel besser verstoffwechseln.
Du kannst viel besser Energie aufnehmen aus der Nahrung, als wenn du jetzt weniger Firmicutes hattest.
Evolutionär gesehen war das eigentlich ein Vorteil.
Jetzt im aktuellen Überfluss in der Welt, den wir erleben und überall Verlockungen nach Süßen und Kohlenhydraten haben.
Das ist ein bisschen blöd, weil wir wollen ja alle schlank und schön bleiben.
Aber eigentlich evolutionär gesehen sogar ein Vorteil.
Aber daher kommt es, genau. Und du kannst es, gutes Stichpunkt, über deine Ernährung oder auch deine Supplements super optimieren wieder.
Wenn du das siehst nach so einer Analyse, davon habe ich eigentlich zu viel und mit einer Vergleichsgruppe an Gesunden wäre es eigentlich besser, wenn ich weniger habe.
Und mit den richtigen Lebensmitteln kannst du das wieder in Ordnung bringen.
[Nils Behrens]
Viele denken denn bei der Verdauung in erster Linie an den Darm, sage ich mal so.
Aber er beeinflusst ja auch den Schlaf, die Stimmung, das Immunsystem, oder bin ich da falsch?
[Dr. Paul Hammer]
Absolut richtig und noch viel mehr. Das ist Wahnsinn. Wir decken ja immer mehr Funktionen auf.
Das Darm-Mikrobiom ist das zweite Gehirn. Es ist wie ein eigenes Organ.
Es lebt in uns, es verändert sich dynamisch im Laufe des Lebens.
Es hat sich über die Millionen Jahre der Evolution mit uns entwickelt.
Und es ist natürlich für die Verdauung sehr, sehr wichtig, für die Nährstoffaufnahme sehr wichtig.
Aber es bildet ja auch die Darmbarriere, die Darmschleimhaut.
Und dann hat es natürlich über Stoffwechselprodukte, wie kurzkettige Fettsäuren, Butyrate, Acetate, wie Botenstoffe, Serotonin, GABA als Einflüsse und auch Vitamine Einflüsse, dann auch biochemische Reaktionen, teils über den Vagusnerv, Darmhirnachse, aber dann auch über die Blutbahn in verschiedenste Organe.
Und dann, ja, du sagst es, haben bestimmte Bakterien Einfluss auf unseren Schlaf, wie gut wir schlafen, auf unsere Stimmung, ob wir eher positiv sind oder negativ, ob wir eher ängstlich sind oder vorangehen.
Da gibt es ganz spannende Experimente mit Mäusen, wo man die Mikrobiome austauscht, von wagemutigen Mäusen und, sagen wir mal, ängstlichen Mäusen.
Und man kann diese Verhaltensweisen ändern, einfach indem man die austauscht.
Das ist so spannend, wie unser Mikrobiom auch unser Verhalten, unsere Gefühlswelt auch steuern kann.
Wir fühlen ja auch mit dem, gerade wenn man verliebt ist mit dem Darm, wir haben mit dem Bauchgefühl Bauchkribbeln, ist halt auch unser peripheres Nervensystem.
Und deswegen großen Einfluss an verschiedensten Funktionen, unter anderem Schlaf und Stimmung.
[Nils Behrens]
Ja, sind total spannend. Also ich finde, gerade was du sagst, so Stimmung, ich meine, jeder kennt das vielleicht so, dass man, wenn man so ein Bauchkribbeln hat, oder sich insgesamt sozusagen merkt, dass gerade die Verdauung, da irgendwas so im Argen liegt, dass das auf die Stimmung geht.
Aber wir reden ja wirklich jetzt nicht darüber, dass man es spürbar im Darm merkt, sondern dass man tatsächlich, deswegen, also dieses Maus-Experiment ist total spannend, dass man auch alleine...
[Dr. Paul Hammer]
Auch mit Übergewicht, dem haben sie jetzt auch gemacht. Dicken Mäusen und dünnen Mäusen, die sind dann dünn geworden, die dicken Mäuse.
Also da siehst du auch den Einfluss von der Energieaufnahme.
[Nils Behrens]
Leider hat man es nie vergleichbar mit dem Menschen so geschafft.
[Dr. Paul Hammer]
Ja, ist halt schwierig, weil der Mensch ist natürlich ein Komplexer, den kannst du nicht in den Käfig stellen und wir machen dann mal ein Experiment und jetzt ist so nur das und das.
Wir sind ja doch sehr individuell freilebende Individuen halt, und mit den Verlockungen kannst du das nicht ganz so hart machen.
Aber wir sehen es natürlich auch bei Menschen, gerade auch in unseren Datensätzen mittlerweile, welches Mikrobiom was wie fördert.
[Nils Behrens]
Was würdest du sagen, ist die häufigste Fehlinterpretation, die Menschen über ihr Mikrobiom haben?
[Dr. Paul Hammer]
Puh, da gibt es einige, ja. Also zunächst glaubt man ja, oder reden viele da draußen, es müsste ein gesundes Referenzgenom beim Humangenom angenommen, Referenzmikrobiom geben, so nach dem Motto.
Wir kennen das ja noch gar nicht, das gesunde Mikrobiom.
Eigentlich total falsch, weil es gibt nicht ein einziges gesundes Mikrobiom.
Wir beide können absolut gesund sein, aber wir haben ein eigenes individuelles, wie gesagt, Fingerprint-Mikrobiom, ja, und das ist abhängig von unserer Lebensweise, von unserer Ernährungsweise, von unserem Alter, von unserem Geschlecht.
Viele äußere Faktoren haben Einfluss auf unser Mikrobiom.
Wir können beide gesund sein, aber es kann unterschiedlich sein.
Ja, deswegen, das ist immer noch so eine Diskussion, die da draußen hervorgeht, wo ich sage, hey, das ist der falsche Ansatz.
Wir sollten eigentlich viel lieber, und wir nennen es bei Biomes The Power of Community, wir vergleichen dich dann mit Männern in deinem Alter, die gesund sind und sich ähnlich ernähren wie du, und dann haben wir einen Vergleich mit einer gesunden Subgruppe.
Das ist ein viel besserer Ansatz, anstatt jetzt zu sagen, hey, eigentlich musst du genau so dein Mikrobiom aussehen.
[Nils Behrens]
Es ist so ein bisschen vergleichbar wie so Hotelbewertungsportale, weißt du?
Wenn du dann irgendwie manchmal so, also ich bin ja jemand, der eine Zeit lang wirklich sehr, sehr viel gereist ist, auch beruflich, und wenn du dann immer mal die Bewertungen siehst und die Leute immer so begeistert sind, dann denkst du immer so, in welchem Hotel waren die?
Das hat nichts mit meiner Lebenswelt zu tun.
Aber es ist natürlich was anderes, wenn du jetzt irgendwie einen gewissen Lebensstandard gewohnt bist oder aber, sage ich mal so, wenn dir gewisse Dinge auch wichtig sind, sage ich mal so was, dass dann, also jeder hat seine anderen Präferenzen, jeder hat andere Urlaubsvorstellungen so.
Und von daher, die einen finden es eben halt total toll, dass da so ein großer Community-Faktor ist, die anderen möchten es irgendwie lieber, dass es schön sauber ist oder der Ausblick toll oder keine Ahnung was.
Und ich finde, das ist so ein ganz gutes Beispiel.
[Dr. Paul Hammer]
Guter, super Beispiel.
[Nils Behrens]
Weil du kannst nicht sagen, ein gut bewertetes Hotel passt für jeden.
[Dr. Paul Hammer]
Nee, gibt's auch. Super auf den Punkt gebracht, so kannst du das ausdrücken.
Ja, und dann gibt's noch andere Fehlinterpretationen, so nach dem Motto, hey, wenn ich dieses eine Bakterium habe, dann geht's mir gut und dann bin ich perfekt, sage ich mal, eingestellt.
Nee, das Mikrobiom ist ein komplexes Ökosystem. Da geht's darum, dass das ganze Ökosystem gesund ist, dass du eine gute Diversität hast, dass du verschiedene Funktionen, Eubiose heißt es, dass du die verschiedenen Funktionen abbildest.
Und nicht nur, jetzt gibt's ja einen Run auf Akkermansia zum Beispiel, das ist ja in den USA, da kommt jetzt nach Europa auch rüber.
Ist ein super Bug, laut ein paar Studien konnte man ein paar gute Ergebnisse zeigen, gerade auch mit Immunsystem und abnehmen.
Aber alleine nur Akkermansia funktioniert nicht.
[Nils Behrens]
Magst du kurz erklären für unsere Hörer, was das ist?
[Dr. Paul Hammer]
Akkermansia ist ein spezielles Bakterium, was praktisch als super Bug, also als super Mikrobe identifiziert wurde.
Wir haben nicht nur Artensterben auf den Feldern und in den Wäldern, sondern auch bei uns im Darm.
Da sieht man es jetzt immer weniger. Und deswegen kann man es aber jetzt durch neue Supplementherstellung, das ist ein anaerobes Mikroorganismus, wenn ich es richtig erinnere.
Ich würde jetzt nicht falsch sagen, aber ich glaube, deswegen war die Kultivierung so schwierig.
Und man hat es jetzt hinbekommen. Es gibt einen USA-Anbieter, der kommt jetzt auch nach Europa.
[Nils Behrens]
Wir haben das auch. Ach, ihr habt es auch?
[Dr. Paul Hammer]
Wunderbar. Großartig, ja. Und das kann man supplementieren.
Und bis zu einer gewissen Menge ist das auch super.
Unterstützt wirklich dein Immunsystem und auch deine ganzen Funktionen und Darmbarriere und all die Sachen.
Allerdings, es geht immer um das Gleichgewicht.
Du hast nichts davon, wenn du einen super dominierenden Bakterienstamm hast und der Rest ist dann unterdominiert.
Sondern die müssen im Verhältnis in Balance sein. Und das ist das Thema auch bei Probiotika.
Das ist auch eine falsche Wahrnehmung. Oder auch Antibiotika. Beides eigentlich, kann man sagen.
Antibiotika als Medikament, um böse Bakterien loszuwerden. Aber es zerstört halt nicht nur böse Bakterien, sondern auch die guten Bakterien.
Das ist nochmal ein Fehlglaube, was draußen viel rumläuft.
Aber auch Probiotika. Es macht keinen Sinn, dauerhaft Probiotika in hohen Mengen zu nehmen, mit hohen Dosen.
Weil du nur wenige Stämme da drin hast, die natürlich andere wichtige Stämme, bis zu 1000 verschiedene Bakterienarten haben wir, im Darmmikrobiom verdrängen.
Und dann hast du irgendwann ein kontraproduktives Ergebnis. So ging es mir im Übrigen.
Also persönlich, ich habe die Erfahrung, Beginn meiner Karriere mit dem Mikrobiom gemacht.
Ich bin ja eigentlich Molekulargenetiker. Ich hatte gar nicht so viel mit Mikroben zu tun.
Ich habe dann mehr Probiotika tonnenweise reingeballert.
Ich war eigentlich nie krank. Ich hatte nie Probleme auf Toilette zu gehen mit der Verdauung.
Oder auf einmal ging es los.
Ich hatte Verdauungsprobleme. Ich wurde krank. Ich habe eine Mikrobiomanalyse gemacht.
Und meine Diversität ist natürlich extrem gedroppt. Weil ich halt über Monate Probiotika in hohen dosierten Dosen genommen habe.
Deswegen wirklich vorher eigentlich reingucken, was fehlt mir.
Und dann auch sich an den Kuren halten. Das ist deutlich gesünder.
[Nils Behrens]
Wenn ich aber jetzt tatsächlich mal, wir wollen ja, dass unsere HörerInnen jetzt auch was mitnehmen und ihren Darm und Gesundheit wirklich verbessern.
Wenn du jetzt persönlich eine Reihenfolge ansetzen würdest. So, Ernährung, Bewegung, Fasten, Probiotika.
Wie würdest du die Priorität setzen? Also nur mal die vier. Ernährung, Bewegung, Fasten, Probiotika.
[Dr. Paul Hammer]
Ja, da fehlt mir ein wichtiges. Oder fast sogar zwei wichtige. Also das eine wichtige, Ernährung, ganz klar.
[Nils Behrens]
Aber der fehlt dir ja nicht.
[Dr. Paul Hammer]
Der fehlt nicht. Der ist da. Der ist da.
Der ist auf Platz 1. Deswegen fangen wir mit dem an.
Der zweite Platz ist für mich wirklich rausgehen in die Natur und Kontakt haben mit der Umwelt.
Das ist Bewegung. Das ist Bewegung, ja. Bewegung kannst du im Fitnessstudio machen.
Okay. Ja, das ist keine vergleichbare Bewegung, als wenn ich im Wald gehe oder in den See vielleicht schwimmen gehe.
Weil du da natürlich mit natürlichen Mikrobiomen in Kontakt kommst, Bakterien aufnimmst.
Wenn du jetzt im sterilen Gym läufst, kriegst du vielleicht Kontakt noch von deinen Mitmenschen. Ist auch gut, ja.
Weil auch, ich sag auch immer, Knutschen ist gut.
Liebe ist gut. Kontakt mit Menschen ist gut. Kontakt mit Haustieren ist super.
Hunde gehen raus, gehen in den Dreck, bringen Mikroben mit. Ihr kuschelt.
Du nimmst praktisch die Mikroben dann auf von deinen Haustieren.
Deine Diversität steigt. Dein Immunsystem wird stärker eingestellt. Also alles, was irgendwie mit Kontakt hat, ist gut.
Aber lieber draußen gehen in der Natur, als jetzt im Gym.
Bewegung an sich ist aber auch gut, weil du natürlich deinen Darm in Bewegung bringst, deinen ganzen Organismus in Bewegung bringst.
Die Darmwände werden besser durchblutet, auch besser, sag ich mal, vitalisiert.
Und im Darm ist Bewegung drin. Die Verdauung geht besser. Du durchmischst es praktisch besser wie so ein Mixer.
Deswegen ist das auch gut. Probiotika hatte ich ja schon gesprochen. Das ist gut, wenn du es wirklich brauchst.
Gerade wenn dir spezielle Laktobazillen, Bifidobakterien, Akkermansia oder so eine Sachen fehlen, dann kannst du das damit supplementieren.
Würde ich aber vorher immer eine Analyse machen und gucken, brauche ich es wirklich oder habe ich es?
[Nils Behrens]
Das ist ja generell die Philosophie bei uns, auch immer Messen machen, weil einfach wirklich so wild drauf los supplementieren, ist immer eine schlechte Idee.
[Dr. Paul Hammer]
Ja, absolut. Da geht ja auch das Umdenken hin und ihr seid da Vorreiter mit. Finde ich klasse.
Fasten finde ich auch gut. Muss man aber gucken, wann man es macht, wie man es einbaut.
Wenn man gerade eine Stressphase hat, sollte man nicht fasten, weil dann solltest du auch die Energie haben.
Es hängt immer ein bisschen von deinen Lebenseinstellungen an. Ich liebe Scheinfasten. Mache ich selber ein, zweimal im Jahr.
Ist ein bisschen angenehmer als das Dauerfasten.
[Nils Behrens]
Vielleicht nur kurz zur Aufklärung, auch für unsere HörerInnen. Das Scheinfasten ist so, dass man bei ungefähr 650 Kalorien am Tag bleibt, aber verteilt auf drei Mahlzeiten, sodass man mehr oder minder den Effekt des Fastens erzielt, aber trotzdem weiterhin was isst.
Das ist ein bisschen alltagstauglicher.
Meistens macht man das für fünf Tage. In der Regel kann man dann auch weiterarbeiten und teilnehmen.
[Dr. Paul Hammer]
Das ist eigentlich super, muss ich sagen. Kommt mir sehr gelegen.
Das reinigt dann einmal die Organe von innen, weil die sich nicht so viel mit Verdauung beschäftigen müssen und die ganze Zeit zugepumpt werden mit Nährstoffen, sondern sich reinigen können.
Du gehst nicht mehr so oft auf Toilette, weil du viel weniger zu verdauen hast.
Die Autophagie beginnt, also die Selbstheilung und das Aufräumen der Zellen einfach gesprochen und der Fettabbau.
Du gehst irgendwann in die Ketose rein.
Das ist eigentlich ideal. Ein-, zweimal im Jahr mache ich das. Manche machen es viermal.
Zu oft braucht man es aber auch nicht.
[Nils Behrens]
Ich versuche vier und schaffe meistens drei.
[Dr. Paul Hammer]
Ja, das ist super. Das ist so die Reihenfolge. Und Stress vermeiden fehlt noch.
Und dazu gehört für mich auch Schlafen. Gesunder Schlaf, zur Ruhe kommen, den Stress, den du dir selber machst, wird auch dein Mikrobiom irgendwann spüren.
Gönnt euch ein Power-Nap.
Und wenn es auch zwei Power-Naps mal sind, dann gönnt ihr zwei Power-Naps. Das fehlt mir da noch drauf.
Aber Ernährung ist auf jeden Fall Platz 1.
[Nils Behrens]
Ich finde es ganz interessant, weil du das gerade nochmal so ansprichst, Stress vermeiden.
Wir hatten das im Gespräch mit dem Prof. Andreas Michaelsen, der ja auch ein großer Fan des Scheinfastens ist.
Und der hat gesagt, wie wichtig das ist, ob wir Stress haben oder nicht beim Essen.
Das heißt also, dass wenn man entspannt ist, die Mikronährstoffe viel besser aufgenommen werden können, als wenn ich im Stress bin.
Absolut. Aber das hat wahrscheinlich nichts mit dem Mikrobiom zu tun, oder?
Wissen wir, woran das liegt?
[Dr. Paul Hammer]
Weniger mit dem Mikrobiom. Wenn du Stress hast, hast du ja Cortisolwellen, hast du ja Stresshormone, die deinen Körper rauspuschen.
Und dann ist die Durchblutung im Darm nicht so gut.
Die Aufnahmefähigkeit ist nicht so gut. Das ist ja ein komplexer Zusammenhang zwischen Mikrobiom, Darm-Epithel-Zellen, Darmbarriere.
Das wird dann nicht so effizient sein.
Und deswegen ist Stress frei. Brunchen, wie am Anfang gesagt, ausgiebig brunchen am Sonntag, ausschlafen ist eigentlich ideal.
[Nils Behrens]
Du arbeitest ja wirklich mit Millionen Datenpunkten. Gibt es eine einfache Routine, die quasi jeder machen sollte, unabhängig von dem Testergebnis?
[Dr. Paul Hammer]
Ja, also das, was wir gerade besprochen haben. Ernährungstechnisch, darauf achten, dass ich divers esse. Das wissen wir ja auch.
Viel Ballaststoffe. Ballaststoffe sind ja das Futter für die Mikrome.
[Nils Behrens]
Finde ich ganz interessant, wir hatten hier den Henning Sartor im Gespräch.
Und der hat, also ich weiß, dass wir sowieso ungefähr nur die Hälfte der empfohlenen Ballaststoffe zu uns nehmen.
Das heißt, empfohlen sind glaube ich 30.
31 Gramm am Tag.
[Dr. Paul Hammer]
31 Gramm am Tag.
[Nils Behrens]
Wir sind bei 16, glaube ich, im Schnitt, oder 15 sogar. 15 im Schnitt in Deutschland.
Und der Henning Sartor hat sogar von 100 gesprochen.
Und ich finde das schon echt wahnsinnig faszinierend. Ich meine, so ein Brokkoli hat 9% Ballaststoff, wenn ich es richtig weiß.
Das heißt also, wenn ich jetzt nur versuche, meine Ballaststoffe über Brokkoli die 100 Gramm hinzunehmen, dann müsse ich über ein Kilo Brokkoli essen, um es zu schaffen.
[Dr. Paul Hammer]
Das ist krass, das kriegst du nicht hin. Ich meine, da kann man ja nachhelfen.
Da gibt es ja Supplements, oder Flohsamenschalen oder so.
Wir haben selber ein Präbiotikum, da ist es ja drin. Da haben wir auch Akazienfasern und so.
Damit geht es einfacher.
Es gibt ja auch die wasserlöslichen und wasserunlöslichen, muss man auch gucken, die sollten auch im Verhältnis sein.
Aber Ballaststoffe kann jeder zu sich nehmen. Hilft dir bei der Verdauung.
Wird dir dein Darm danken, deine Darmmikrobiome danken, und du kannst auch besser aufs Toilette gehen.
[Nils Behrens]
Und wo trennt sich für dich die Spreu vom Weizen?
Was soll ich erst machen, nachdem ich meine Mikrobiomanalyse verstanden habe?
[Dr. Paul Hammer]
Vor allem die Supplement-Einstellung. Gerade wenn wir über Probiotika reden.
Echte, nützliche, lebende Bakterien aufzunehmen, die sind meistens mikroverkapselt, da haben wir eine magensaftresistente Verkapselung drum, Monatskur meistens, morgens eine Kapsel, abends eine Kapsel, und dann siedeln die sich hochdosiert irgendwann im Darm an, die Kapsel geht auf, über den pH-Wert.
Und da solltest du vorher eigentlich wirklich eine Mikrobiomanalyse machen und gucken, fehlt mir überhaupt was? Wo sind meine Schwachstellen?
Und welche Stämme sind denn die richtigen?
Um dann zu gucken, welche Rezeptur ist denn jetzt die beste für mich?
Das ist eigentlich so der main advantage, also der Hauptvorteil von so einer Mikrobiomanalyse, das Einstellen des Supplements und natürlich auch die richtigen Lebensmittel.
Wie gesagt, am Anfang haben wir ja drüber gesprochen, was bei dir gut wirkt, muss nicht bei mir gut wirken.
Also wir sehen auch, welche Lebensmittel bei dir besser gehen und nicht so gut sind.
Geht dann auch hin, mehr so ein therapeutischer Ansatz, ja, dass Leute, die so eine Vorstufe von Diabetes haben, Typ 2 Diabetes oder sogar schon Typ 2 Diabetes haben, dass man die dann auch optimiert mit den richtigen Lebensmitteln, dass die dann weniger Glucose-Releases haben im Blut.
Also da gibt es, das sind so die Hauptmerkmale.
Woran wir arbeiten, ist eigentlich noch weiter, unsere Vision ist ja sogar zu sehen, zu prädikten, vorherzusagen, nur anhand des Profils von dem Kunden, ob du einer Entwicklung einer bestimmten Krankheit bevorstehst, ja, und dass man da gleich entgegenwirken kann, halt indem man dann das Mikrobiom so modelliert und optimiert, dass sie sich nicht weiterentwickeln kann.
[Nils Behrens]
Total spannend, da würde ich gleich noch drauf ankommen, aber generell, wenn wir jetzt schon bei Zukunftsprädiktion sind, wie ändert sich denn das Mikrobiom über die Lebensspanne?
Das heißt, was heißt es für einen fitten 20er, gestressten 40er oder vielleicht einen fitten 60+, ich weiß es nicht.
[Dr. Paul Hammer]
Also erstmal geht es ja los mit der Geburt. Der erste Kontakt ist ja bei einer normalen Vaginalgeburt mit dem Vaginalschleim deiner Mutter, dann nimmst du dann die Bakterien, auch die Darmbakterien von deiner Mutter auf, das ist deine erste Impfung.
Die ist eigentlich sehr wichtig, wissen wir mittlerweile, Kaiserschnittkinder wissen man ja auch empirisch, dass die halt nicht so eine Lebenserwartung haben, öfter krank sind und so.
[Nils Behrens]
What? Meine Tochter ist Kaiserschnitt.
[Dr. Paul Hammer]
Wenn du eine gute Hebamme hattest, dann hat sie die eingerieben mit dem Vaginalschleim danach, das macht man heutzutage.
Und dann ist es, also das ist die erste Impfung sozusagen, der erste Kontakt, und dann hat man drei Stufen, Säugling, Kleinkind, Kind.
Das hängt dann davon ab, wie du aufwächst, wie du im Dreck spielst, also das ist alles, was wir auch schon wissen, der Dreck ist besser, bitte wascht euch nicht so, seid nicht so Helikoptereltern und lasst eure Kinder wirklich, vor allem die Kleinkinder, die nehmen ja alles im Mund, ist ja, für unsere Erwachsene ist es schon eklig, wenn die Türklinken, ablecken und weiß ich was.
Ist bewusst so, von der Natur so vorgegeben, machen andere Säugetiere genauso, die essen sogar den Stuhl noch von ihren Eltern, weil die damit halt praktisch ihr Mikrobiom aufbauen.
Also dann praktisch trainierst du dein Mikrobiom, du nimmst Mikroben auf, mit 15 ungefähr ist es dann erwachsen, dann ist es relativ stabil, man hat so zwei Drittel Core-Mikrobiom, ein Drittel ist ein bisschen dynamischer und in den Zwanzigern, sag ich mal, das verzeiht mehr, ja das ist noch, kennen wir ja, da können wir mal Junkfood essen und auch mal eine Alkoholparty machen, da sind wir schneller recovered, das ist gut, sag ich mal, dynamischer und flexibler.
Ist aber so natürlich, wenn ich es dauerhaft mache, dann wird es schlechter, ja, also das ist ja Grundbasis, wie ich mit dem Vierziger halt dann aushalte, wie es mir dann geht, weil die Vierziger sind ja meistens wirklich die gestressten Lebensjahre, hast Familie, hast Arbeit, wenig Schlaf, Zeitmangel, immer Stress, ja, und hier hängt es dann wirklich davon ab, wie schaffst du mit dem Stress umzugehen, hast du deine Ruhephasen, wie ist deine Ernährung, schaffst du es dir trotzdem gesund zu ernähren, wenn du das hinbekommst, dann baust du die Basis für die Sechziger auf, ja, wenn du da in den Vierzigern dich gut verhältst, dann hast du auch ein fittes Mikrobiom in den Sechzigern und das wird dir dann in den Sechzigern auch helfen, ja, länger gesund aktiv sein zu können, ja, nicht so die Alterskrankheiten zu schnell zu bekommen oder gar nicht zu bekommen, ja, fitter einfach zu sein, deswegen, also die Basis legst du dann in den Vierzigern eigentlich, ob du es schaffst, dann dieses stressige Leben gut zu meistern.
[Nils Behrens]
Würdest du sagen, es gibt Lebenssituationen, in denen dein Mikrobiom besonders feingetuned werden sollte, das heißt also auf Reisen, Schwangerschaft oder vielleicht auch Schichtarbeit?
[Dr. Paul Hammer]
Ja, also, erster Grund natürlich, wenn du krank bist und Medikamente nehmen musst, also das ist natürlich, da solltest du deinen Körper pflegen, macht man ja auch, ja, und dann auch gerade Antibiotika, kannst ja gleich eine Probiotikakur auch mitzunehmen, da macht es auf jeden Fall Sinn, dein Mikrobiom zu stärken, weil es hilft dir auch beim Recoveren, bei der Regeneration, beim Heilen, aber die Dinge, die du ansprichst, Reisen kennen wir ja alle, wir in der westlichen Welt sind sehr sterile Lebensmittel gewohnt, jetzt fliegen wir mal nach Asien oder Afrika, kennen wir alle, haben wir schon alle durch, essen mal nicht so steriles Lebensmittel und auf einmal sind wir über der Klobrille.
Ja, so kann man es nennen, hängt man über der Klobrille.
Ja, da kann man natürlich vorher ein bisschen trainieren, auch sein Mikrobiom, wenn man es halt diverser aufstellt, dann ist es auch, schützt es auch vor Pathogenen, oder vor Keimen, die man nicht so kennt.
[Nils Behrens]
Dazu eine kleine Anekdote bei mir, ich war mit meiner Tochter in Indien und wir haben da wirklich wahnsinnig drauf geachtet, weil das ist ja so, Indien und Ägypten, würde ich sagen, sind so die großen Klassiker sozusagen von Montezumas Rache und wir haben wirklich immer drauf geachtet, dass wir nicht irgendwie Obst, was wir nicht selbst geschält haben, oder sonst was irgendwie so zu essen, unter anderem eben halt auf ganz viele Sachen sehr stark geachtet und sind sehr gut durchgekommen.
Dann bin ich tatsächlich zurückgeflogen mit der Lufthansa, hatte dann irgendwie sogar ein Business Class Ticket und dann ist am nächsten Morgen sozusagen, kurz bevor wir in Frankfurt gelandet sind, gab es Frühstück und da gab es so frisch aufgeschnittene Mango und alles so sehr exotische Früchte zum Frühstück und dann hat es mich dann zu Hause so richtig erwischt.
Und natürlich, weil letztendlich, die Lufthansa mag vielleicht einen anderen Standard grundsätzlich haben, aber am Ende nutzen die dann auch die Küche oder die Sachen, die dann da sind, weil meine Tochter hat es nicht gegessen, aber sie meinte dann noch so zu mir, Papa, ich denke, wir essen kein Obst aus Indien.
Oder kein Obst, was wir nicht selbst geschnitten haben aus Indien.
Da dachte ich, der Lufthansa wird schon okay sein.
[Dr. Paul Hammer]
Fehlannahme, ja genau. Die haben das natürlich in Indien beladen. Wahrscheinlich kommt es da auch vor.
Wo sollen die Mango her haben? Also klar, da habt ihr gut drauf aufgepasst.
Kann ja auch immer passieren, weil das ist natürlich ein ganz anderer Lebensstandard an wie man die Lebensmittel herstellt, wie man die lagert.
Also ich meine, ich habe Fleisch schon rumhängen sehen, da sind die Fliegen rumgeflogen bei 30 Grad Hitze.
Ich glaube in Äthiopien war das. Also da gehst du da natürlich nicht hin.
Ein Punkt, was du noch gesagt hast, Schwangere. Das ist natürlich auch super spannend. Schwangere haben natürlich eine Doppelbelastung.
Ich meine, die kriegen ein Kind. Da wächst ein zweiter Mensch ran.
Und da kannst du natürlich auch den Schwangeren unterstützen mit einem richtigen Mikrobiom.
Die könnten da Analysen machen. Bis hin dann auch für das Fötus, für das Kind.
Dann ist das auch ein guter Start.
Gerade dann, wenn eine natürliche Geburt ist oder dann halt die erste Impfung stattfindet.
Macht auf jeden Fall Sinn, auch mit Schwangeren da Acht drauf zu geben.
[Nils Behrens]
Du nutzt ja Hochdurchsatzsequenzierung und KI-Algorithmen. Also an sich, das klingt ja schon irgendwie nach absoluter Science-Fiction.
Wie übersetzt ihr diese Komplexität in etwas, was der Mensch auch tatsächlich nutzen kann?
[Dr. Paul Hammer]
Ja, das ist eine super Frage, weil Leben, Mikrobiom, Ernährung ist so komplex.
Das kann ja kein einzelner Mensch mehr auswerten. Ich war da selber auch sehr naiv, wo wir vor 15 Jahren haben angefangen, die Technologieplattform zu entwickeln.
An der Technikhochschule in Wildau bei Berlin. Da haben wir noch damals so IF-Abfragen gemacht.
Wenn Mikrobe A hoch oder runter ist und B hoch oder runter, dann nimm den Textbaustein und zeig den in dem Report hin.
Das war total naiv zu glauben, dass man damit die Komplexität von einem Mikrobiom oder Ernährung darstellen kann.
Heute im Zeitalter von Large Language Models GPT, Perplexity, wie sie alle heißen, haben wir jetzt diese Modelle und können eigene Modelle kreieren.
Und wir haben ein Modell trainiert mit unseren 60.000 Datensätzen und die holen die Komplexität raus, weil es geht nicht um einzelne Bakterien, es geht immer um Patterns, also Muster.
Und das können wir jetzt mit diesen Modellen herausbringen und dann in einer Sprache übersetzen und das ist auch spannend, weil wir sammeln ja nicht nur Mikrobiota-Profile, sondern wir wissen ja auch, was für ein Mensch dahinter ist, wenn er uns bei der Aktivierung die Informationen gibt, was wir immer empfehlen, weil wir ihn dann viel besser auch guiden können.
[Nils Behrens]
Das dauert doch relativ lange. Also ich erinnere das jetzt so, ich habe ja quasi das jetzt das dritte Mal, glaube ich, dritte oder vierte Mal bei euch gemacht und es wurde ja auch immer komplexer von den Fragen.
Also ich würde mal sagen, dass das Fragebogen ausfüllen, also ich würde behaupten, das hat mindestens zehn Minuten gedauert.
[Dr. Paul Hammer]
Ja, fünf bis zehn Minuten, je nachdem, wie viel du angibst.
Wir fragen über den Lebensstil natürlich, also Basics, Geschlecht, Alter, Gewicht, so eine Sachen, dann Lebensstil, Lebensweise, Ernährungsweise, wie oft du Sport machst und dann gehen wir auch ein bisschen ins Klinische rein, ob du Erkrankungen hast, welche Medikamente du nimmst.
Diese Daten, diese Metadaten, die helfen uns gerade, diese Modelle zu trainieren und die noch besser zu machen.
Also jeder, deswegen heißen wir Biomes.world, jeder unserer Kunden ist eigentlich ein Citizen Scientist, also ein Bürgerwissenschaftler, wenn er uns die Daten natürlich datenschutzkonform und anonymisiert zur Verfügung stellt und eine Einwilligung gibt, dann können wir die nutzen, um unsere Modelle zu sehen und die besser zu machen.
Mittlerweile sind die so gut, dass wir praktisch Vorhersagen machen können, wenn wir nur das Profil haben, ob das ein Mann ist, wie alt der ist und wie der sich ernährt oder ob der bestimmte Erkrankungen hat.
Also wir können jetzt sozusagen umdrehen bis hin zu diesen Prediction Models.
Genau, und das machen wir mit AI, Hochdurchsatzsequenzierung, nennt sich die Basistechnologie dahinter im Labor, also wir nehmen ja, wir senden praktisch ein Sample Collection Kit raus, dann nimmst du einen minimalen Abschnitt vom benutzten Toilettenpapier.
[Nils Behrens]
Das macht mich auch überrascht, also wirklich so, ich erinnere auch noch so Stuhlproben einschicken mit so richtig so einer kleinen Kelle.
[Dr. Paul Hammer]
Genau, das brauchen wir nicht mehr, wir sind DNA basiert, jeder hat CSI schon geguckt, ja, da reichen minimale Mengen, wir sind ja auf der Molekularebene unterwegs.
Und dann vom benutzten Toilettenpapier ist auch wichtig, weil da ist durchmischt praktisch die beste repräsentative Bild von deinem Stuhl, anstatt irgendwo nur was rauszupicken jetzt.
Und 100 Millionen Bakterien ungefähr dran.
Das ist in so einen DNA stabilisierenden Puffer und dann geht es in unsere Labore, wir machen die Zellen kaputt und dann Hochdurchsatzsequenzierung heißt, wir digitalisieren wirklich die gesamte DNA der Bakterien.
Gibt zwei Verfahren, ich will gar nicht so tief reingehen, das eine ist 16S, da geht man nur auf die Bakterien-Levels rein und wenn man Shotgun-Whole-Genome-Sequencing macht, Shotgun-Whole-Genome-Sequencing nennt sich das, dann guckt man praktisch untargeted sämtliche DNA, die da drin ist, also auch dann Bakteriophagen, Viren, Pilze bis hin zu Lebensmittelrückständen, also wir können dann auch sagen, hey, du hast übrigens als letztes gegessen das und das, wurde nicht verdaut.
Und sozusagen können wir dann auch aus einer Schulprobe sehen.
[Nils Behrens]
Sehr spannend, sehr spannend. Aber meine Frage jetzt sozusagen, wie übersetzt ihr das, dass der Mensch tatsächlich nutzen kann?
[Dr. Paul Hammer]
Genau, das ist natürlich dadurch, dass wir wissen, wer eigentlich vor uns steht, können wir mit dem Modell die Sprache dann darstellen, die der Mensch dann auch versteht.
Wenn natürlich ein Ernährungswissenschaftler vor uns sitzt, den können wir anders sprechen und darstellen, als jetzt meine Mutti.
Und da gehen wir immer mehr hin in userspezifische Reports.
Das geht dann bis zum Layout. Wird es dann irgendwann gehen? Aktuell noch nicht.
Aktuell sieht das Layout immer gleich aus, aber die Inhalte ändern sich userspezifisch.
Aber dass die Schriftgröße sich anpasst, die Farben und was weiß ich was.
[Nils Behrens]
Das heißt also, wenn ich ein bisschen älter bin und die Augen vielleicht nicht mehr so gut sind, dann wird, okay, okay, sehr spannend.
Aber sag mal, wenn du jetzt, du sagst so viel über das Thema Prognosen.
Wo würdest du sagen, seid ihr denn in Sachen Prognosen wirklich schon relativ weit bewährt?
Und wo würdet ihr sagen, wo ist der Anfang? Aber da ist ein Riesenpotenzial.
[Dr. Paul Hammer]
Also alle Erkrankungen, die mit Autoimmunerkrankungen zu tun haben, weil 70 Prozent der Immunzellen liegen ja auch im Darm.
Mehr wird sehr viel reguliert. Und Stoffwechselerkrankungen wie Typ 2 Diabetes, da haben wir zum Beispiel drei Publikationen noch draußen.
Da haben wir ein eigenes Modell noch vor GPT veröffentlicht sozusagen, wo wir mit einer Accuracy von damals 85 Prozent, jetzt sind wir über 90 Prozent, Vorhersagen machen können, ohne irgendwas über den Spender der Probe zu wissen.
Hey, bei dir sieht alles super aus oder hey, du bist auf dem Weg in eine Entwicklung von Diabetes oder du hast schon Diabetes.
Dass wir da eine relativ gute Hervorsage machen können.
Und das wird mit vielen, vielen weiteren Erkrankungen gehen. Wir alleine haben in unserem Datenpool in diesen 60.000 Proben mittlerweile über 200 Krankheiten mit mindestens 50 Proben.
Also wir haben da eine riesen Meta-Biome-Datapool aufgebaut, Real-World-Datapool, den wir natürlich nutzen können, um diese verschiedenen Prediction-Tools für die verschiedenen Erkrankungen zu nutzen.
[Nils Behrens]
Würdest du sagen, dass man den Großteil der Predictions, die man da machen kann, auch dann, wenn sie zumindest zu einem frühen Zeitpunkt dann irgendwie predicted werden, auch tatsächlich verhindert werden können?
Ja, also bei vielen Krankheiten ja, die für das Mikrobiom mitgesteuert werden, ja. Hm, total spannend.
Was würdest du sagen, wie groß ist der Einfluss von Antibiotika oder Medikamenten auf das Mikrobiom?
Also hängt ein bisschen von der Dosis und der Länge ab, aber ansonsten sehr groß.
Also Antibiotika ist relativ klar, sag ich mal so, man sagt ja immer Napalm für den Darm, also.
[Dr. Paul Hammer]
Ja, ja. Aber Medikamente, so grundsätzlich? Zytostatika, also Chemotherapie ist natürlich extrem scheiße, ja klar.
[Nils Behrens]
Der Grund, warum man sie nehmen muss, ist aber auch extrem scheiße.
[Dr. Paul Hammer]
Ja, natürlich. Ja, und deswegen macht man so eine schonende Kur dazu.
Ja, also ist immer gut, auch bei Antibiotika, dass du versuchst dein Mikrobiom gleich irgendwie zu, irgendwie abzufedern, ja, dass es nicht komplett kaputt geht.
Aber ja, da hängst du wirklich von den Wirkstoffen ab, ja.
Müssen auch nicht nur Medikamente sein, wenn du zu viel Zucker dauerhaft isst, hat das auch einen schlechten Einfluss auf deine Bakterien und fördert eher die negativen, schlechten Bakterien.
Alles, was wir oral aufnehmen, hat letztendlich auch Einfluss auf unser Darmmikrobiom.
[Nils Behrens]
Gibt es denn universelle Lebensmittel, die fast jedem gut tun? Ja, ja klar, also.
Du hast es an dem Sonntagsfrühstück schon ein bisschen abgerissen.
[Dr. Paul Hammer]
Ja, da habe ich es schon gemacht, also Ballaststoffreiche, diverse, natürliche Lebensmittel, also Gemüse, kannst du, auch Früchte, klar nicht zu viele Früchte, aber diverse Früchte, gerade dunkle Früchte.
[Nils Behrens]
Aber dieses Thema, was du immer so kursiert, 30 Pflanzenstoffe die Woche, das ist schon auch...
[Dr. Paul Hammer]
Ja, also es ist schon, ja, es ist umso mehr, umso besser, aber ich sage mal, wir haben den Ansatz, versuch mal 5 verschiedene Gemüsearten und 5 verschiedene Fruchtarten, Obstarten, am Tag irgendwie, wenn du das hinbekommst und wenn du einkaufen gehst einmal die Woche, versuch mal eine Gemüseart oder ein Obst mal anders zu kaufen, als du sonst kaufst, dass du diese Varietät drin hast.
[Nils Behrens]
Also ich kaufe, glaube ich, es ist so gut wie nie, dass ich im Supermarkt bin und ich Blaubeeren mitnehme.
Ja, schade, die sind gut. Nein, nein, sag ich ja, ich nehme die immer mit.
Also die sind immer Teil meines Einkaufskorps. So, das heißt also, du sagst mir, dann nimm doch einfach mal Himbeeren oder Brombeeren oder...
[Dr. Paul Hammer]
Oder mal was Exotisches, was auch immer. Also die Basis kannst du immer haben, die kann auch immer variieren, also gerade die Einheimischen, Apfel ist super, hat ja auch Ballaststoffe drin, ja, kannst ja super also Apfel, also heimischen, saisonalen würde ich immer bevorzugen, aber klar, so dunkle Beeren, Polyphenole sind immer gut, Brombeeren liebe ich, Stachelbeeren-Saison ist auch mal cool.
So ein bisschen Varieté drin, ja.
Toll, toll.
[Nils Behrens]
Was würdest du denn sagen ist problematisch? Klar, Zucker ist klar, gibt es noch was anderes, wo du sagen würdest, Mensch, das ist schon wirklich...
[Dr. Paul Hammer]
Ja, ja, zu viel Kohlenhydrate, also dieser Mix schon ist schon richtig, jetzt auf Makroebene, ja, Proteine...
[Nils Behrens]
Wobei zu viel Kohlenhydrate, das finde ich jetzt ja tatsächlich, also jetzt hier meine These, dadurch, dass so Brot auch so in Ungnade gefallen ist, weil jetzt kommen wir mal kurz wieder zum Thema Ballaststoffe, weißt du, wenn du ein richtig gutes Vollkornbrot hast, also ich meine, mehr Ballaststoffe in komprimierter Form geht ja fast gar nicht.
[Dr. Paul Hammer]
Ja, das ist super, ja klar, also das heißt ja nicht, dass du keine Kohlenhydrate mehr essen sollst, wir essen ja bloß, ich glaube im Durchschnitt über 50 Prozent am Tag, ja, und wenn du so auf 30, 40 kommst, wäre ja schon super.
Gutes Brot, da sagst du es, ja, wenn du ein gutes Brot, Sauerteigbrot zum Beispiel noch nimmst, ein Kornbrot, ein Saatbrot.
[Nils Behrens]
Also ich habe das gerade jetzt wieder am Wochenende, wir haben ja hier überall in Berlin diese Zeit vor Brotläden, also wenn du dann wirklich so ein richtig gutes Vollkörniges Brot dann irgendwie hast, was dann irgendwie auch noch eine Mischung aus Dunkelroggen, da alles irgendwie sowas hat, und wenn du da so eine Scheibe isst, du merkst doch so richtig, wie gut es dir tut.
[Dr. Paul Hammer]
Absolut, ja, absolut, und früher als Jugendlicher habe ich Weißbrot gegessen, Toastbrot, mit Nutella drauf oder Ketchup.
Genau, du solltest es vermeiden, aber du sagst es, also achtet auch auf die Qualität, vor allem nicht so hoch verarbeitet, ja, das ist eigentlich das Entscheidende in der industriellen Verarbeitung.
[Nils Behrens]
Und da komme ich zu einem ganz entscheidenden Punkt, weil du hattest ja vorhin auch, noch mal kurz auf deinen Porridge hast du ja noch mal Sauerkraut mit drauf getan, so, und ich war, ich mache hier regelmäßig immer in diesem Zusammenhang, stelle ich immer wieder die These in den Raum, dass ich immer sage, wenn du ein Sauerkraut kaufst, was nicht gekühlt ist, dann ist es mausetot, so, und da wurde ich jetzt neulich irgendwo, hat jemand was in den Kommentaren geschrieben, das würde nicht so stimmen, so, deswegen, jetzt habe ich ja den Experten hier, jetzt kannst du noch mal mir recht geben oder nicht, also wie ist es dann mit diesen, gerade diesen ungekühlten, sage ich mal probiotischen Lebensmitteln, also fermentierten Lebensmitteln vor allem, Kimchi, Sauerkraut, wenn das irgendwo, Kombucha auch, wenn das, diese Sachen, wenn die irgendwo ungekühlt stehen, beziehungsweise ungekühlt gelagert werden können, bringt das was für den Darm oder nicht?
[Dr. Paul Hammer]
Die Frage ist ja, wie kaufst du das Sauerkraut, ja, wenn es pasteurisiert ist, dann sterben ja die Bakterien ab, ja, dann sind zwar Postbiotika noch, ja, du hast die Stoffwechselprodukte drin, ist auch okay, besser als nicht, aber besser natürlich, wenn du frisches Sauerkraut hast und die Bakterien haben bestimmte Temperaturbereiche, wo sie sich besser verstoffwechseln und vermehren, das ist ja eher bei Raumtemperatur anstatt bei gekühlt, da ist es eher verlangsamt, da ist der Stoffwechsel runtergefahren, aber eigentlich ist die Frage, wie stellst du es her oder wo bekommst du es her?
[Nils Behrens]
Okay, es ist also nicht der entscheidende Faktor, gekühlt oder nicht gekühlt, der entscheidende Faktor ist pasteurisiert. Ja, genau, genau.
Okay, sehr gut, sehr gut.
Das heißt aber, wollen wir vielleicht einmal ganz kurz noch mal zur Sicherheit drauf eingehen, weil wir benutzen die ganze Zeit diese drei Worte, es gibt ja Präbiotika, Probiotika und Postbiotika.
Kannst du jetzt einmal ganz kurz noch mal zur Sicherheit und unsere Hörerin mit abholen, was ist was?
[Dr. Paul Hammer]
Genau, also Präbiotika ist das Futter für die Bakterien. Das ist Ballaststoffe.
Vor allem Ballaststoffe, es gibt die wasserlöslichen und wasserunlöslichen Ballaststoffe, wasserlöslich, kennen wir ja alle Flohsamenschalen zum Beispiel, Hülsenfrüchte, geht so auf wie ein Gel, wenn man das mal im Wasser macht, sieht man das ja auch nach einer Zeit, und so ist es auch im Darm.
Super für die Darmschleimhaut, produziert, also die Bakterien essen das, produzieren kurzkettige Fettsäuren.
Super, und dann gibt es die wasserunlöslichen, das sind bestimmte Gemüsearten, Nüsse, so eine Sache, Saaten, also Samen, die sind eher wie eine Bürste, die reinigen einmal auf, fördern so ein bisschen auch die Darm Bewegung.
Die sind auch sehr wichtig und fördern halt auch die Zusammenhänge.
Präbiotika. Dann haben wir Probiotika, das sind praktisch nützliche, einzelne Bakterienstämme.
Wie die Akkermansia, was wir vorhin gesprochen haben, aber auch Bifidobakterien, Laktobazillen, gibt es ganz verschiedene Unterarten.
[Nils Behrens]
Im Grunde meine ich das, was wir früher aus der Werbung immer kannten mit linksdrehenden Joghurtkulturen und Actimel und wie sie alle heißen.
[Dr. Paul Hammer]
Genau, eigentlich Joghurtkulturen, Kefirkulturen.
[Nils Behrens]
Wobei da wiederum das Problem ist, dass so viel Zucker dabei ist.
[Dr. Paul Hammer]
Zucker ist so viel dabei und die sind nicht magensaftresistent.
Also du hast natürlich, unsere Magensäure ist ja auch ein Schutz vor fremden Mikroorganismen.
Wir sind ja ständig umgeben, überall leben die ja.
Wir sind ja wie in der Matrix. Und die schützen uns ja auch davor.
Und du müsstest es extrem hochdosiert nehmen, damit überhaupt unten was ankommt.
Also das ist das eine. Und natürlich zu viel Zucker, zu viel industriell verarbeitet.
Wenn du die jetzt rein mikroverkapselt, magensaftresistent kapselt nimmst, dann ist es wirklich wie eine Kur.
Und dann kommt auch unten wirklich was an und dann siedeln die sich an und dann hängt es ein bisschen von deiner Lebensunternehmungsweise ab, ob sie da bleiben oder ob sie wieder weggehen.
Wenn du mit Junkfood und Alkohol beginnst, dann gehen die natürlich wieder weg.
Aber wenn du, sag ich mal, die Lebensmittel dich ordentlich ernährst, gesund ernährst, dann bleiben die ein Leben lang.
Das ist alles Probiotika. Und dann haben wir die Postbiotika, relativ neu. Das sind praktisch inaktivierte Fermentationsprozesse.
Du erzeugst Biomasse mit bestimmten probiotischen nützlichen Stämmen. Du kannst eigentlich alles fermentieren.
Also Sauerkraut kennen wir ja, Kimchi, aber du kannst auch, wir haben sowas von Haferfermentiertes.
Wir haben fermentiertes Ingwer, haben wir schon mal gemacht. Und Massen mit speziellen Laktobazillen, wie viele Bakterien kannst du das machen?
Und dann inaktivierst du, aber die lebenden Zellen hast du aber noch die wertvollen Stoffwechselprodukte.
Diese kurzkettigen Fettsäuren, die Vitamine, die Botenstoffe. Nimmst die dann auf, die tun dem Darm auch richtig gut, weil die über den Darm dann auch über die Darmbarriere dann auch in die Blutbahn gehen oder halt auch interagieren auch mit den einzelnen Mikroben im Darm.
[Nils Behrens]
Da fängt es ja gerade, das ist ja in den USA schon ein Riesenthema, jetzt hat Pamela Reif und noch zwei, drei andere Stars in Deutschland jetzt ja gerade nachgelegt sozusagen.
Das sind ja diese Getränke, die dann halt postbiotische Getränke dann so sind.
[Dr. Paul Hammer]
Aber da auch immer auf die Inhaltsstoffe achten. Gerade die sind dann immer gesüßt oder irgendwelche Zusätze, weil es ja besser schmecken soll.
Der Geschmack ist halt auch schon wichtig für uns Menschen.
Aber manchmal verliert es dann halt an Wirkung. Deswegen immer drauf achten. Aber es gibt mittlerweile gute Produkte.
Also die Entwicklung, wenn ich mir vorstelle vor 20, 30 Jahren, wo wir jetzt sind und wo wir hingehen, großartig eigentlich.
Also wenn du dich damit beschäftigst, das Angebot, was wir bekommen, kannst du echt richtig, richtig gut.
[Nils Behrens]
Das ist schon wirklich interessant, wenn du überlegst, das ist jetzt seit vielen Jahren dieser Protein-Hype.
Es gibt ja selbst Chips und Eis und alles Popcorn mit Protein.
Alles wird mit Protein jetzt besser und ja auch signifikant teurer.
Das ist ja auch immer das Witzige. Wenn du dir mal anschaust, wie viel teurer das dann ist, wenn du dann irgendwie auf einmal so einen normalen Schokoriegel hast versus einen Proteinriegel, das ist schon wirklich interessant.
Aber egal.
Also auf jeden Fall, Protein war so der große Hype, der jetzt ja auch schon ein paar Jahre anhält.
Dann würde ich sagen, dass der gerade aktuell auf dem Zenit oder vielleicht noch nicht ganz ist, Elektrolyte, würde ich jetzt so sagen.
Und ich habe so das Gefühl, dass das Thema Ballaststoffe the next big thing eigentlich so ist.
Und dass das jetzt sozusagen, wenn ich jetzt so meine Prediction, jetzt hier keine Darm-Prediction, aber meine Gesundheitsmarkt-Prediction ist, dann würde ich sagen, dass auf jeden Fall das Thema Ballaststoffe jetzt wirklich so das Thema, was jetzt noch kommen wird, ist.
[Dr. Paul Hammer]
Auch diese Fermentationssachen, also da wird viel mehr kommen noch. Da geht es ja gerade los, diese Postbiotika.
Und die haben, da gibt es wirklich schöne Studien auch schon, wie die Symptome mildern bei Reizdarm-Patienten auch.
Also das ist jetzt auch therapeutisches Essen. Also wir kommen wirklich dahin, auch jetzt wirklich Symptome auch zu bearbeiten und nicht nur gesund zu halten.
Das ist natürlich auch, da wollen wir ja eigentlich hin, präventiv Krankheit verhindern.
Aber ja.
[Nils Behrens]
Aber Reizdarm finde ich ein ganz spannendes Wort, weil das ist für mich ja immer so ein Kessel Buntes, für.
Der Arzt hat eigentlich keine Antwort. Ja.
[Dr. Paul Hammer]
Und letztens mit einem Gastroenterologen, Chefarzt gesprochen hier und er meinte, ja wir machen eine Darmspiegelung oder eine andere.
Und bei vielen finden wir keine anatomischen, strukturellen Veränderungen. Dann schicken wir die dann nach Hause.
Eigentlich müsstet ihr dann kommen, weil dann liegt es meistens wirklich am Mikrobiom.
[Nils Behrens]
Am Mikrobiom oder aber, und das finde ich eigentlich so eine der Dinge, ich habe jetzt ja, ich war über zehn Jahre quasi im Lanserhof, wo ja das Thema Darm eigentlich hauptsächlich im Mittelgrund steht.
Und natürlich wissen meine ärztlichen Kollegen das alles. Aber ich persönlich habe in dieser ganzen Zeit beim Lanserhof nie das Wort SIBO gehört.
[Dr. Paul Hammer]
Also die Dünndarmfehlbesiedelung.
[Nils Behrens]
Und das ist ja, ich würde mal sagen, wahrscheinlich 60% der Reizdarmfälle hat ja ein SIBO Problem.
[Dr. Paul Hammer]
Kann auch, ja genau.
[Nils Behrens]
Kann man das sozusagen bei euch auch irgendwo sehen oder ableiten?
[Dr. Paul Hammer]
Man kann es indirekt ableiten so ein bisschen, ja. Aber du kriegst es ja mit, du hast ja eher so einen Blähbauch.
Ist ja der Dünndarm ist fehlbesiedelt.
Der Dünndarm hat ja deutlich weniger Bakterien als der Dickdarm.
Und wenn du jetzt zum Beispiel auch zu viel Probiotika nimmst, dann kann es sein, dass die sich im Dünndarm schon ansiedeln.
Wenn die Kapseln zu früh aufgehen auch.
und dann kannst du halt Fehlbesiedelung, ist dann blöd, dann kannst du halt SIBO bekommen und das hast mit also Ausstoßungen, mit Blähungen, Schmerzen zu tun.
Also das Unschön können wir indirekt nur sehen, weil wir vor allem im Dickdarm das Mikrobiom messen, where es ja eigentlich auch hingehört.
Man macht es eher mit Atmung, diagnostiziert SIBO.
[Nils Behrens]
Und wie ist das Thema, das ist ja auch ein großes, verbreitetes Problem, dieser sogenannte Leaky Gut, das heißt, dass die Darmbarriere oder die Darmschleimhaut sozusagen durchlässig wird.
Ist das etwas, was man im Test ableiten kann?
[Dr. Paul Hammer]
Ja, das kann man ableiten. Das sehen wir auch an den Bakterien, die da sind.
Du hast ja meistens sehr entzündungsfördernde Bakterien drin, vermehrt Entzündungshemmende kaum.
Da kannst du dann auch über die Ernährung, Postbiotika machen wir dann meistens zunächst, bevor du in den Probiotika reingehst.
Da musst du auch langsam rangehen, also nicht direkt mit der vollen Ladung, was natürlich alles auch empfindlicher ist.
Und dann sukzessive das, daher haben wir einigen schon geholfen, auch dann durch die richtige Ernährung, dann weniger Symptome zu haben.
Das lernen die Menschen dann auch, was tut mir gut, was tut mir nicht gut.
Und wenn du es dann aufgebaut hast, wenn du es geschafft hast, wieder ein stabiles Mikrobiom zu haben mit wenigen Entzündungen, dann kannst du dich auch wieder normal oder diverser ernähren.
Aber ansonsten ja.
[Nils Behrens]
Ich empfehle ja wirklich dann sehr häufig Freunden von mir, wenn die so Symptome davon haben, dass sie mal auch so eine Zeolithkur machen.
[Dr. Paul Hammer]
Wie ist deine Meinung dazu? Ja klar, also hilft auch. Einmal sauber sozusagen rausholen den Dreck, sag ich mal so.
Ja, definitiv.
[Nils Behrens]
Wie sollen wir denn mit Stress umgehen, wenn unser Mikrobiom auf jede Cortisolwelle reagiert?
Gibt es Wege, dieses Signal, ich sag jetzt mal, umzulenken?
[Dr. Paul Hammer]
Ja, du, Bewusstsein entwickeln, Stress haben wir alle Menschen. Die Frage ist, wie gehen wir damit um und achten wir trotzdem auf uns.
Nehmen wir uns trotzdem mal zurück, atmen mal tief durch, gehen mal einen Spaziergang, versuchen den Kopf freizukriegen.
Vor allem ernähren uns nicht hektisch, nebenbei, sondern nehmen uns die Zeit für eine bewusste Ernährung und eine gesunde Ernährung.
Wenn ich das schaffe, irgendwie trotz dem Stress, den ich habe, irgendwie diese Momente für mich zu nehmen, dann wird es auch meinem Mikrobiom gut tun.
Wenn ich das nicht mache, dann wirst du auch Probleme in deinem Mikrobiom bekommen.
Also es ist wirklich eher so ein Mindset, also erstmal Erkenntnis, okay, ich bin gerade gestresst, ich bin sehr gestresst, ich muss mich runterfahren, ich nehme mir die Zeit.
Vielleicht brauche ich Unterstützung, gerade bei Kinderbetreuung oder so eine Sache oder den Termin sage ich mal ab, der ist jetzt nicht so wichtig.
Und was das Mikrobiom auch mag, ist natürlich Routine.
Also nicht einfach die ganze Zeit snacken und zwischendurch, sondern drei Mahlzeiten am Tag, vielleicht auch dein Schlaf, vielleicht ist es nicht super, die Nacht bin ich wach und die nicht, sondern so ein paar Strukturen drin haben, das tut gut.
Sehr gut, sehr gut.
[Nils Behrens]
Wenn du nur drei Wochen Zeit hättest, um, sage ich mal, ein Mikrobiom zu resetten, was wäre dein Plan?
[Dr. Paul Hammer]
Drei Wochen, realistisch gesehen, ist viel zu kurz, dafür ist das Ökosystem zu komplex und dauert viel länger, aber na klar, du kannst ein Reset, gibt es ja, es gibt ja Stuhltransplantationen, das macht man natürlich medizinisch, das ist jetzt die harte, die extremste Variante, also einmal komplett reinigen, macht man sogar mit Antibiotika, cool, das ist ein klinischer Kontext, gerade wenn du mit Clostridium difficile, ein böses Bakterium, Krankenhauskeim hast, den kriegst du auch nicht los mit Antibiotika, da macht man sowas.
Kann ich nicht empfehlen, ist wirklich eine absolute Klinik, jetzt mal für normale Menschen, wie wir, die gesund sind, ja, was kannst du machen?
Auf jeden Fall erstmal auf schlimme, also nicht so gesunde Sachen verzichten, also Zucker, Alkohol, Rauchen, Transfette, Kaffee auch.
Ja, würde ich auch versuchen runterzumachen, hat auch einen Einfluss, ist ja, wir haben ja nicht nur Mikrobiome im Darm, wir haben das auch in der Lunge, im ganzen Körper, auf der Haut, im Mundraum, im Mund beginnt ja auch schon die Verdauung, ja, also, auf diese einfache Lebensmittel, hochverarbeitete Lebensmittel verzichten, dann natürlich gesunde Lebensmittel, divers machen, also wirklich auch mal in den See gehen, mal einen Baum umarmen, so Sachen, ja, richtig schön mal mit deiner Freundin oder Partner sich mal liebhaben, knutschen, mit seinem Haustier kuscheln, so Sachen, und dann mal nicht jeden Tag vielleicht auch duschen, ja, also ich empfehle maximal einmal am Tag duschen, ist auch nicht schlimm, wenn man mal zwei oder drei Tage mal nicht duscht, so sind wir ja aufgewachsen die letzten Jahrhunderte, Jahrtausende, nicht so super steril leben, und dann kann sich das sukzessive erhöhen, aber drei Wochen ist eigentlich zu kurzfristig, dafür ist es zu stabil, unser Mikrobiom.
[Nils Behrens]
Du weißt ja, ich bin ja großer Longevity-Verfechter, wie siehst du die Rolle des Mikrobioms in der Longevity-Debatte?
Ist es aus deiner Sicht ein Trend oder tatsächlich auch ein Gamechanger?
[Dr. Paul Hammer]
Also das Mikrobiom ist ein wichtiger Bestandteil des kompletten System Mensch und Umgebung, es hat einen großen Einfluss, deswegen ist es sehr, sehr wichtig, das zu optimieren für Longevity, aber man darf es nicht nur einzeln betrachten.
Es ist immer eine Kombination aus deinem Humangenom, aus deinem Hormonhaushalt, Botenstoffhaushalt, also dein ganzes System als Gesamtheit zu betrachten, was dann wieder einzelne Untersysteme hat, die extrem komplex sind, wie halt das Mikrobiom.
Aber klar, geht es dem Menschen gut, geht es dem Mikrobiom meistens gut, und ist das Mikrobiom sehr gesund, geht es dem Menschen sehr gut.
Also es hängt natürlich eng zusammen. Deswegen gehört es dazu zur Longevity, es darf meines Erachtens nicht fehlen, wenn man auf Biomarker Discovery geht, sollte man das Mikrobiom immer im Auge behalten.
Wir empfehlen ja auch so zwei bis dreimal im Jahr eine Analyse zu machen.
[Nils Behrens]
Was würdest du sagen, sind die größten Fehlannahmen, die die Menschen über die Darmgesundheit haben und welche Dinge sollten sie sofort tun, um das zu korrigieren?
Ich glaube, die Dinge, die wir korrigieren sollten, haben wir ganz gut eben schon in den drei Wochen vor dem Programm gesprochen, aber vielleicht nochmal abschließend so eine Fehlannahme?
[Dr. Paul Hammer]
Ja, da gibt es auch einige Fehlinterpretationen, also zum Beispiel, wenn man jetzt, was wir auch schon gesagt haben, ein Bakterium so hochstellt, das brauche ich jetzt, und wenn ich das habe, bin ich gesund.
Nein, es ist wirklich dieses Ökosystem, diese Balance zwischen allen Bakterien ist extrem wichtig.
Auch die Fehlinterpretation zu glauben, der Darm ist nur da um eine Verdauung.
Für wie? Verdauung? Nein, es ist für Stimmung, für Schlaf, für Immunsystem extrem wichtig.
Diese Fehlinterpretation, was wir auch gerade hatten, wie oft ich muss steriler leben und dann bin ich gesünder, so nach Motto, nee, ist falsch, du musst im Austausch mit anderen Menschen, mit anderen Tieren, mit der Natur sein, im Dreck auch sein, um dein Immunsystem zu stärken.
Also dieses Mindset und diese Learnings anzunehmen, die wir ein bisschen verloren haben in unserer industriellen Lebensweise über die letzten Dekaden, ein, zwei Jahrhunderte, wieder da mehr Säugetier werden, so wie wir es eigentlich mal waren.
Und das auch dazu zu stehen und so zu leben.
[Nils Behrens]
Was wäre dein Nummer 1 Tipp in Sachen Ernährung, wo du sagen würdest, das wird man wahrscheinlich die meisten jetzt sofort merken.
Also würdest du jetzt sagen, ist es das Fermentierte oder ist es vielleicht... Ich würde eher verzichten.
[Dr. Paul Hammer]
Also klar, also Dinge verzichten, einfach nur überarbeitete Lebensmittel, Weißbrot und so eine Sachen.
Also nicht 100% verzichten, aber sehr low dosiert, Zucker reduziert essen.
Und dann ja diverser, nicht verarbeitete Lebensmittel, dass wir wirklich mal einmal die Woche was Neues kauft, an Gemüse, selber mal kocht oder dunstet.
Kochen und Dunsten ist gut, Fermentation, dass man sich mal ran traut, selber mal Kombucha oder Kefir zu Hause ansetzen, weil dann sind die alle noch lebend.
[Nils Behrens]
So eine Sachen kann man machen. Ich habe eine Zeit lang immer Kombucha selbst gemacht und dann bin ich irgendwann mal auf Kimchi umgestiegen und dann ist mir dieser Kimchi-Fermentationsbehälter explodiert.
[Dr. Paul Hammer]
Das ist ein richtiger Knall.
[Nils Behrens]
Das ist ein richtiger Knall und vor allem tausend kleine Splitter.
Also wir sind, als wir aus der Wohnung ausgezogen sind, habe ich immer noch Splitter von dieser Explosion.
[Dr. Paul Hammer]
Da hast du Glück gehabt, dass du nicht in dem Raum warst zu dem Zeitpunkt.
[Nils Behrens]
Absolut.
[Dr. Paul Hammer]
Super gefährlich, deswegen bitte immer den Deckel offen lassen, dass das Gas sich verflüchtigen kann.
[Nils Behrens]
Paul, es hat viel Spaß gemacht. Vielen Dank für das Gespräch.
Ich kann jetzt nur dieses Angebot von dir ans Herz legen.
Einmal so eine Mikrobiomanalyse von, ich habe es gerade festgestellt, ich habe es wahrscheinlich mein Leben lang falsch ausgesprochen, ich sage mal Biomess, aber Biomes haben wir auf Deutsch und Biomes auf Englisch.
Biomes. Also da einfach mal wirklich auf solide Daten zu setzen, anstatt einfach nur dem Bauchgefühl zu vertrauen und dann einfach mal so zu gucken.
Biomes.world kann man eben halt sich da eben einen Test bestellen. Paul, danke, dass du da warst.
Danke Nils, hat richtig Spaß gemacht.
[Dr. Paul Hammer]
Hast du ein Lieblingssupplement persönlich? Wir haben ein neues Präbiotika.
Da sind Akazienfasern drin.
Also ein Präbiotika ist das. Ja, Akazienfaser.
[Nils Behrens]
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