Informationen zur Podcastfolge Nr. 173 Skin Longevity. Mit Dr. Liv KraemerInformationen zur Podcastfolge Nr. 173 Skin Longevity. Mit Dr. Liv Kraemer

Skin Longevity. Mit Dr. Liv Kraemer

Unsere Haut ist weit mehr als eine bloße Verpackung, sie ist das Dashboard unserer inneren Gesundheit. Wer die Signale seines größten Organs versteht, kann Zellen gezielt vor oxidativem Stress schützen. In dieser Folge von HEALTHWISE spricht Host Nils Behrens mit der Dermatologin und Longevity-Expertin Dr. Liv Kraemer über die Haut als Frühwarnsystem, effektive Wirkstoffe wie Retinol und den massiven Einfluss von Zucker auf die Hautalterung.

Die Folge HEALTHWISE auf YouTube

Die Haut als Frühwarnsystem und schützende Barriere

Dr. Liv Kraemer beschreibt die Haut als ein essenzielles Frühwarnsystem für unseren Körper. Sie bezeichnet das Organ als das Dashboard unserer inneren Gesundheit. Man sieht zwar keine alternden Organe, aber die alternde Haut zeigt uns deutlich den Einfluss von Schlaf, Ernährung und Umwelt. Die Haut dient somit als perfekter Einstiegspunkt, um Menschen für ihre allgemeine Gesundheit zu sensibilisieren.

Die Expertin vergleicht die Hautbarriere mit einer stabilen Backsteinmauer gegen Bakterien und Pilze. Diese Mauer sorgt dafür, dass im Idealfall nichts Unerwünschtes eindringt. Dr. Liv Kraemer warnt jedoch, dass die Produktion aufgrund natürlicher Alterungsprozesse von unten nach oben langsamer wird. Die Haut wird dann großporiger, fahler und verliert ihre schützende Widerstandskraft.

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UV-Schutz als Fundament gegen Hautalterung

Täglicher Sonnenschutz ist laut Dr. Liv Kraemer das absolute Fundament jeder Hautpflege. Sie betont dabei besonders die Gefahr durch UVA-Strahlen, wobei A für Aging steht. Dabei geht es nicht um Sonnenbrand, sondern um die kontinuierliche Belastung durch das Tageslicht.

Die UVA-Energie dringt auch durch Fensterglas tief in die Haut ein, was oxidativen Stress in den Zellen auslöst. Dr. Liv Kraemer erklärt zudem, dass die Kollagenspirale durch diese Strahlung buchstäblich ausleiert. Wenn die Bindungen der Spirale reißen, entsteht das gefürchtete "Sagging" – das Absacken des Gewebes.

Skincare: Pragmatismus und Wirkstoffe

Effektive Hautpflege ist für Dr. Liv Kraemer kein kurzer Quick-Fix, sondern erfordert eine fortlaufende Anwendung. Es geht nicht darum, sich einfach etwas ins Gesicht zu schmieren, um einen oberflächlichen Effekt zu erzielen, der jedoch nur temporär hält. 

"Actives" wie Vitamin-A-Derivate, Ceramide oder Fruchtsäure helfen dabei, die Haut in einem guten Zustand zu erhalten. Kontinuität ist hierbei wichtiger als die Anzahl der verwendeten Produkte. Man sollte niemals direkt mit Retinol beginnen, da dieser Wirkstoff wie schweres Hanteltraining wirkt. Hautschüppchen oder Trockenheit sind keine Allergie, sondern ein Zeichen dafür, dass die Haut auf das Training reagiert.


Die Dermatologin empfiehlt einen pragmatischen Ansatz mit wenigen, aber hochwertigen Inhaltsstoffen: 

  • Reinigungsschaum mit Fruchtsäure: Morgens und abends verwenden, um die Hautoberfläche zu klären.
  • Sonnenschutz (Tagespflege): Ein leichter Schutz mit SPF 30 und besonders hohem UVA-Filter, der zusätzlich Inhaltsstoffe wie Niacinamid, Antioxidantien und Präbiotika enthält. Eine separate Tagescreme ist nicht nötig.
  • Overnight Smoother (Nachtpflege): Ein wässriges Serum mit Fruchtsäure. Später einmal wöchentlich abends ein Retinol- oder Retinal-Serum, das idealerweise mit Bakuchiol kombiniert ist.

Kollagenabbau, Ernährung und der Feind Zucker

Ein großer Feind der Hautgesundheit ist laut Dr. Liv Kraemer der gewöhnliche Haushaltszucker, da er die Hautalterung beschleunigt. Auch der natürliche Verlust von Gesichtsfett und Hyaluronsäure lässt die Haut mit der Zeit einfallen. Dr. Liv Kraemer sieht die Einnahme von Kollagen-Supplements kritisch, solange die restliche Lebensweise nicht optimiert ist. Wer gleichzeitig viel Zucker isst, betreibt ein "Plus-Minus-Spiel", das nur dem Portemonnaie schadet. Sie rät stattdessen zur gezielten Zufuhr von Aminosäuren.

Eigenverantwortung und Verhaltensänderungen

Wirkliche Langlebigkeit entsteht laut Dr. Liv Kraemer durch bewusste Verhaltensänderungen und echte Eigenverantwortung. Sie erklärt anschaulich, dass Falten durch ständige, oft unbewusste Bewegungen entstehen. Longevity bedeutet für sie, diese Mechanismen zu hinterfragen und simple Feedback-Mechanismen zu nutzen: Klebt man sich beispielsweise einen einfachen Tesafilm auf die Zornesfalte oder um den Mund, spürt man sofort einen Zug, wenn man die unbewusste Bewegung machen will.

Die Expertin fordert dazu auf, wieder selbst die Kontrolle über die eigene Gesundheit zu übernehmen. Es gibt keine "Magic", die allein durch teure Behandlungen beim Arzt entsteht, wenn die Hausaufgaben nicht gemacht werden. 

TAKE AWAYS

  • Dashboard-Check: Die Haut spiegelt das innere Wohlbefinden sowie die Schlaf- und Regenerationsphasen wider.
  • UVA-Schutz: Täglicher Sonnenschutz, auch in Innenräumen bei Tageslicht, wirkt der natürlichen Hautalterung entgegen.
  • Zucker-Stopp: Auf Zucker zu verzichten unterstützt ein normales Hautbild und die natürliche Vitalität der Zellen.
  • Einfachheit:  Wenige, effektive Produkte nützen mehr als lange Routinen.

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Dr. Liv Kraemer ist eine international anerkannte Fachärztin für Dermatologie und Expertin für Longevity-Medizin. Sie macht sich insbesondere für einen pragmatischen, wissenschaftlich fundierten Ansatz stark, die Haut durch gezieltes Training gesund zu halten, statt sie zu operieren. Sie ist die Gründerin der Dr. Liv Skin Longevity Clinic in Zürich und Autorin des Buches „Skin Longevity“. 

Mehr über sie erfährst du hier: drliv.com.

[Dr. Liv Kraemer]

Warum hat Oma gesagt, guck nicht böse? Weil, wenn du die Bewegung nicht kontinuierlich machst, kommt die Falte nicht. Und darum geht's, um Behavior Changes. Und dementsprechend, es geht immer, was wir machen, um Behavior Changes. Hinterfragen, warum wir es machen, verbessern. Das ist Optimierung, das ist Fortschritt und das ist das, was für mich auch Longevity bedeutet.

[Nils Behrens]

Herzlich willkommen zu Healthwise, dem Gesundheitspodcast, präsentiert von Sunday Natural. Ich bin Nils Behrens und in diesem Podcast erkunden wir gemeinsam, was es bedeutet, gesund zu sein. Wir tauchen ein in Themen wie Medizin, Bewegung, Ernährung und emotionale Gesundheit. Immer mit einem weisen Blick auf das, was uns wirklich gut tut.

Die Haut ist das größte Organ unseres Körpers und gleichzeitig das am meisten Missverstandene. Zwischen Cremes, Trends und Versprechen stellt sich die Frage, was davon zahlt wirklich auf die Gesundheit ein und was ist nur Hoffnung? Dr. Liv Kraemer ist Fachärztin für Dermatologie, Gründerin einer Skincare Longevity Klinik in Zürich und international anerkannte Expertin für gesunde Hautalterung. In ihrem neuen Buch „Skin Longevity“ verbindet sie Dermatologie, Longevity-Medizin und Alltagstauglichkeit fernab von Quick-Fixes und Beauty-Mythen. Ihr Ansatz: Haut nicht operieren, sondern trainieren – von innen sowie von außen. Und deswegen sage ich: Herzlich Willkommen, Frau Dr. Kraemer.

[Dr. Liv Kraemer]

Herzlichen Dank, dass ich da sein durfte.

[Nils Behrens]

Wir sitzen hier bei Ihnen ganz kuschelig im... das ist schon das Wartezimmer hier, oder?

[Dr. Liv Kraemer]

Ja, das ist das Wartezimmer. Das Wartezimmer sollte eigentlich auch so sein, dass man eben nur one-to-one hier ist und dass man sich eigentlich wohlfühlt. So ein bisschen wie bei Oma zu Hause. So meet the Girls Club, obwohl es sind nicht nur Girls, sondern auch Boys, weil viele Männer interessiert natürlich auch Haut, weil meistens haben sie sich irgendwas dann stibitzt von ihren Freundinnen oder irgendwie im Duty-Free-Shop gekauft und mittlerweile wollen sie halt mehr, weil sie merken: Hey, ich merke da was und da kann ich auch was tun und das muss nicht kompliziert sein. Keep it simple.

[Nils Behrens]

Absolut, absolut. Also ich weiß auch, dass ich irgendwann mal angefangen habe, die Creme von meiner Frau zu klauen und da war ich Anfang 30 und heute ist es mittlerweile dann echt unvorstellbar, ohne irgendeine Creme aus dem Haus zu gehen.

[Dr. Liv Kraemer]

Ich hoffe, es ist ein UV-Schutz.

[Nils Behrens]

Es ist nicht immer ein UV-Schutz. Ich weiß, dass die Dermatologen das alle immer sagen, aber bei mir ist es so, dass ich sagen würde, Hälfte des Jahres UV-Schutz, Hälfte des Jahres nicht.

[Dr. Liv Kraemer]

Uh, da stoßen Sie glatt mir einen Dolch ins Herz, weil es geht eigentlich darum, man möchte was gegen Kollagenabbau oder für die Straffheit der Haut machen. Man möchte keine Pigmente und keine Rötungen haben. Und wenn man dann keinen Sonnenschutz benutzt, keinen UVA-Schutz, das ist so wie den Müll auf die Straße schmeißen und sich beschweren, dass es draußen stinkt. Weil die Müllabfuhr weniger kommt, das sind DNA-Reparaturmechanismen, und Sie weiterhin einfach Sachen aus dem Fenster schmeißen. Das heißt, Sie sind, kommen wir jetzt zum Longevity-Part, für sich verantwortlich. Das heißt, es geht darum: Sie sind in dieser Hülle, Sie werden da drin geboren und Sie gehen aus dieser Hülle. Und es ist an der Zeit, dass Leute sich bewusst sind oder bewusst werden, dass sie wieder Responsibility für sich übernehmen und dann auch für die Haut.

Und dann kommen meistens so Diskussionspunkte wie: „Aber ich brauche mein Vitamin D.“ Also erstens kann man einen Gentest machen, einen SNP-Test, und gucken: Wie viel Vitamin D brauchen Sie und nehmen Sie überhaupt auf? Lassen wir das mal beiseite. Aber es geht auch darauf, viele diskutieren dann: „Oh, 4 % des Bodyareals, das ist mein Gesicht.“ Man hat die sogenannte Neunerregel. Das ist die Verbrennungsregel. Das heißt, der Kopf hat 9 % meiner Körperoberfläche. Mein Arm hat 9 %, mein anderer Arm hat 9 %, mein eines Bein hat 18 %, das andere auch. So, die Hälfte des Kopfes ist meistens mit Haaren belegt. Das heißt, gehen wir mal auf 4 %. Bei Männern machen wir mal 6 % draus. Das heißt, 6 % an der frischen Luft beim UV von der Sonne nimmt nur über 6 % das UV-Licht auf. Ich halte lieber meinen Arm raus, das sind 9 %, vielleicht sogar mein Bein, das sind dann noch mal 18 %, das ist wesentlich höher, als mein Gesicht der Sonne auszusetzen und dann Falten, Rötungen und Pigmente sozusagen zu züchten.

[Nils Behrens]

Absolut, absolut. Also don't get me wrong. Aber wir sind jetzt hier gerade im Januar in Zürich. Ich habe heute nicht viel Sonne gesehen.

[Dr. Liv Kraemer]

UVA – A wie Aging. Ich sage immer so bei meinen Patienten, wenn sie mit diesem Argument kommen: „Ihrem Kind bringen Sie doch Folgendes bei: Die Sonne scheint – Tag. Die Sonne scheint nicht – es ist nachts.“ Also, wenn die Sonne nicht scheint, ist es nachts. Das gilt auch mit dem UV-Schutz. Es geht nicht um UVB, wie in der Mitte des Tages der volle Peak, sondern UVA – A wie Aging. Es kommt mit der Sonne, bleibt dort und geht mit der Sonne.

[Nils Behrens]

Okay, ich werde meine Skincare-Routine jetzt auch schon an diesem Punkt einmal überdenken. Aber meine allererste Frage ist normalerweise immer, und ich habe ja auch noch keine Frage gestellt, eine Sonntagsfrage. Und deswegen frage ich mal: Wie gesund war Ihre Haut am letzten Sonntag? Und merkt man der Haut eigentlich an, ob jemand Ruhe hat oder Stress?

[Dr. Liv Kraemer]

Da ich ja mein Training, mein Skintraining immer gleich mache und Sonntag ein typischer Fruchtsäure-Tag ist, ist das eigentlich immer gleich. Und das ist eben die krasse Routine, weil es ist wie Sport, keep going. Man merkt natürlich, ich sage immer, die Haut ist das Dashboard des Longevity-Funnels oder das Dashboard Ihrer Gesundheit. Das heißt, wenn ich nicht gut gegessen habe und Pickelchen oder Rötungen um den Mund habe, schlecht geschlafen habe – ich sehe es an meiner Haut. Um die Frage zu beantworten: Wenn ich also am Samstag mit meinem Mann vielleicht gegessen habe und dann vielleicht noch einen Wein mit ihm getrunken habe, ich sehe es. Ich merke es. Und wenn ich gut geschlafen habe, sehe und merke ich das auch. Und meistens sonntags schlafe ich relativ lange und gut, denn mein Hobby ist Schlaf. Ich liebe schlafen. Und da ich dann meistens das Glück habe, am Sonntag auch mal 10 Stunden oder 11 Stunden schlafen zu können, bin ich happy und meine Haut auch.

[Nils Behrens]

Sehr gut, sehr gut. Ja, ich kann das sehr gut nachvollziehen. Ich war früher ein bisschen abgebrühter. Ich habe in meinem Rekordjahr mal 137 Flüge in einem Jahr gehabt. Und von daher war ich ein bisschen abgebrühter, was so Morgenflüge betrifft. Ich bin heute Morgen um 7 Uhr von Berlin hierher geflogen und ich wache dann immer so gegen 3 Uhr auf und denke immer so: Jetzt hast du den Flug verpasst. Also ich bin da nicht mehr so cool wie früher, weil ich jetzt nur noch, keine Ahnung, vielleicht 5-mal, 10-mal im Jahr oder sowas fliege, wenn überhaupt. Ich fahre jetzt sehr viel Bahn. Dann merke ich immer, dass ich deswegen dann nicht so gut schlafe.

[Dr. Liv Kraemer]

Ja, das glaube ich Ihnen sofort.

[Nils Behrens]

Das sieht man.

[Dr. Liv Kraemer]

Und man merkt, meistens ist es dann so ein bisschen... Flugluft ist nochmal ganz schwierig. Also meine Vielflieger-Patienten oder die viel unterwegs sind, da merkt man es auch, weil das Cortisol-Level auch noch hochkommt. Also da spielen noch andere Sachen eine Rolle. Sehr kritisch. Oder alle Flugbegleiter oder so haben wirklich Probleme mit der Haut, weil sie durch dieses „Up in the Air“, stärkere UV-Strahlung, trockenere Luft und so weiter, vielem ausgesetzt sind, ist schon nicht ganz einfach.

[Nils Behrens]

Aber das Lustige ist ja, dass dieser Begriff der Stewardessenkrankheit ja eigentlich nicht von diesem Stress her kommt, sondern weil man der Meinung war, dass früher Stewardessen eben halt Frauen waren, die überproportional stark immer geschminkt waren und deswegen viel auf ihrer Haut haben. Oder bin ich da falsch?

[Dr. Liv Kraemer]

Nein, das ist korrekt. Und das Interessante ist, was man jetzt wieder herausgefunden hat – das hat ja auch viel mit Rötungen um den Mund zu tun. Und das hat aber auch mit Stress zu tun, denn jetzt haben ja viele Studien herausgefunden, das beschreibe ich auch im Buch über Rötungen, dass es auch mit dem Darm zu tun hat. Weil der Darm, sag ich immer, fängt am Mund an oder hört auf, je nachdem von wo man guckt. Und dementsprechend, wenn das Darmrohr 6-8 Meter leichte Inflammation hat, dann sehe ich das auch am Anfang meines Darmrohres. Insofern spielt das, was wir jetzt wissen und zum Teil durch Studien endlich belegen können, auch damals schon eine Rolle, also die wussten es auch schon vorher, weil eben „Up in the Air“ ist halt dann doch recht stressig. Mit dem Wechseln auch des Jetlags und so weiter, also des Schlafens, spielt es eine große Rolle.

[Nils Behrens]

Sie schreiben, dass die Haut ein sichtbarer Marker für unseren biologischen Alterungsprozess ist. Was zeigt uns die Haut früher als andere Organe?

[Dr. Liv Kraemer]

Also es ist ein Frühwarnsystem, sage ich dazu.

[Nils Behrens]

Wirklich?

[Dr. Liv Kraemer]

Absolut. Es ist das Dashboard, wie ich gesagt habe oder immer sage, von unserer inneren Gesundheit. Literally das Frühwarnsystem. Weil viele sagen: „Oh, ich habe was Falsches gegessen, ich habe da Pickelchen.“ Dann sage ich: „Ach nee, lieber den Darm nicht angucken, weil Gott sei Dank sieht man den nicht.“ Man sieht also keine alternden Organe, aber man sieht die alternde Haut. Und deswegen ist eigentlich Skin ein guter Entrypoint für Sachen, um Leute zu sensibilisieren, auf Sachen zu achten, ob es nun das Essen ist oder ob es der Schlaf ist oder ob es auch Pollution, also Umweltverschmutzungen sind. All das spielt eine extreme Rolle, die auf der Haut sichtbar ist, und da wir alle relativ, ich würde mal sagen, was unser Aussehen betrifft, immer doch sehr picky sind, das doch dazu bewegt, doch mal mehr für uns zu machen, was wir nicht sehen, und deep dive reinzugehen.

[Nils Behrens]

Ja, das ist schon wirklich sehr interessant, wie viel man da bereit ist, eben halt zu tun im Vergleich zu anderen Gesundheitsthemen.

[Dr. Liv Kraemer]

Was schade ist, aber das Problem ist: Was wir nicht sehen, wollen wir nicht sehen und wollen wir uns auch nicht mit beschäftigen. Deswegen sind so Measurements halt auch immer wichtig, weil nur das zeigt eigentlich auch die Realität. Aber eben bei der Haut ist es ein guter Entrypoint. Und meine Erfahrung mit meinen Patienten ist, wir fangen immer sehr oberflächlich an, die wollen immer alle so deep dive und Bluttests und das. Da sage ich: „Nein, nein, nein, erst mal langsam.“ Das ist wie so... das ist immer das Problem unserer Society, wir wollen immer gleich deep dive und diskutieren über Kleinigkeiten.

[Nils Behrens]

Und am liebsten Quick-Fixes.

[Dr. Liv Kraemer]

Und Quick-Fixes. Da sage ich: „Das ist wie beim Sport. Vielleicht erst mal anfangen.“ Wir können uns tausend Jahre unterhalten, ob diese Hantel gebogen ist, rechtwinklig, geriffelt, nicht geriffelt. Nehmt eine Wasserflasche, zwei Liter reinpacken und benutzt sie. Und mit Skincare ist es auch. Erst mal anfangen. Wenn Leute sagen mit Sonnenschutz: „Oh ja, welcher Sonnenschutz und SPF?“ Dann sage ich: „Benutzen Sie ihn 365 Tage? Nein? Don't discuss with me.“ That's the case. Also das heißt, ich liebe Pragmatismus, ich liebe Einfachheit, ich liebe simple, ich liebe Science. Und Wissenschaft ist einfach in den meisten Fällen. Und wie Sie es ja auch machen, es geht darum, es einfach zu erklären und zugänglich zu machen.

[Nils Behrens]

Wenn wir aber jetzt die Haut betrachten, dann denken die Leute bei Hautalterung immer sofort an Falten. Was ist aus medizinischer Sicht denn der größere Gegner: die Falten oder der Funktionsverlust?

[Dr. Liv Kraemer]

Also für die Medizin sind die Falten völlig egal. Also völlig couldn't care less. Funktionsverlust ist ein guter Punkt, guter Ausdruck. Den finde ich jetzt wirklich gut. Weil die Haut ein Backsteingebäude ist. Wir können das Epidermis nennen, mit Keratinozyten und Interzellularsubstanz. Wir machen es einfach, und das sage ich im Buch, das sage ich meinen Patienten: Es ist eine Backsteinmauer. Das ist die Barriere, was immer viele total durcheinanderbringen. Eine Barriere. Bakterien, Pilze, ich sage immer: Die lieben uns, wir lieben sie, wir sind nie alleine. Das heißt, wir sind von einer chinesischen Mauer umgeben. Das ist perfekt, nichts geht rein, nichts geht raus. Das ist, wofür die Haut da ist. So. Das Problem ist, dass wir oben alles geballert bekommen mit Pollution und sonst irgendwas, was mit unserer Haut passiert. Das heißt, die Backsteine gehen kaputt. Die Haut ist intelligent, die tauscht das nicht einfach aus, sondern die Produktion erfolgt von unten nach oben. Und auf einmal bleibt die Haut schön dick und stabil. Meinen Patienten sage ich immer: Da unten sind kleine Arbeiter, die sind zuständig für die gleiche Dicke, und die gucken gar nicht, die produzieren. Aber jetzt kommt's: Ab dem 13. Lebensjahr...

[Nils Behrens]

13? Da habe ich angefangen, Pickel zu kriegen.

[Dr. Liv Kraemer]

Korrekt, dann fängt die Großporigkeit an. Dann sage ich immer zu meinen Patienten: Die kleinen Jungs da unten werden fauler. Das heißt, die Produktion wird langsamer. Weniger Produktion von unten, weniger Abschuppung von oben, mehr tote Zellen bleiben oben drauf. Die Haut wird großporiger, fahler, trockener. Und jetzt kommt's: die Barriere dünner. Und das ist, was wir als Großporigkeit, Trockenheit, Roughness nennen. Und was hat man früher gemacht? Serum, Creme drauf. Wasser entweicht. In dem Buch habe ich das schön draufgemalt, wo die Produktion weniger wird und die Barriere dünner. Und ich sage immer, es ist wie die Muskulatur. Die wird kürzer. Und meine Haut wird dünner. Dann kann ich Chichi machen, Spa, ah Serum, Creme. Es fühlt sich so toll an. Etwas, was sich gut in dem Moment anfühlt, ist Spa. Sport fühlt sich meistens nie gut an. Warum lieben wir Sport? Weil wir wissen, wie das Endergebnis ist. Deswegen machen wir es. Weil wir wissen, wie gut wir uns fühlen. Weil wir wissen, wie gut wir uns anschauen im Spiegel. Und Skincare ist genauso. Skincare ist nicht: Ich mache was drauf und sehe den Effekt. Das nenne ich die Spanx-Unterhose. Super. Hyaluronsäure. Geil. Aber es geht um Actives. Das heißt, ich muss versuchen, diese Produktion anzuregen. Und die Haut dicker. Die Barriere dicker zu machen. Inhaltsstoffe wie Ceramide und irgendwelche anderen Sachen, die reparieren. Warum wollen Sie reparieren? Weg mit dem Teil. Wieder wie die Natur. Keep the production going. Und das ist dieser Cell-Turnover, den ich im Buch beschreibe. Und das spielt auch keine Rolle, was für Probleme Sie haben. Das ist wie im Fitnesscenter. Meine Güte, ich packe Sie alle auf den Stepper. Danach packe ich Sie aufs Weightlifting. Und dann kommt die Personifizierung. Und das mache ich mit meinen Patienten auch. Das heißt, ich fange erst mal langsam an. Das Level-System, das ich auch im Buch beschreibe. Was ich auch mit meinen Produkten dann gemacht habe. Und so fange ich an, langsam, systematisch die Haut wieder dicker zu machen mit einfachen, einfachen Sachen.

[Nils Behrens]

Sie beschreiben das ja auch, die Haut als Minimalistin. Warum ist weniger Pflege oft mehr Longevity? Warum scheitern wir genau an diesem Punkt? Wegen der Quick-Fixes, oder?

[Dr. Liv Kraemer]

Ja, die meisten wollen immer Quick-Fixes. Zum Beispiel, sie kommen zu uns Ärzten und sagen: „Ich will Microneedling. Ich will das.“ Da sage ich: „Das ist ungefähr so, als wenn Sie zum Trainer kommen und sagen: Hey, ich will aussehen wie du. Ich will diesen Body haben. Ich will Arnold Schwarzenegger sein. Aber ich mache jetzt einmal Bootcamp und danach nie wieder.“ Das ist so: nichts machen, boom, was machen – da sage ich, außer Spesen und Schmerzen ist nichts gewesen – und dann wieder nichts. Leute müssen lernen, so wie bei allen anderen. Wir haben es beim Sport ja gelernt. Dass wir sagen: „Okay, wir fangen langsam an. Keep going continuously.“ Nicht tausend Sachen, keep it simple. Ich sage immer, man braucht drei Produkte. Das ist, was ich meinen Patienten auch immer mitgebe.

[Nils Behrens]

Und welche drei sind das?

[Dr. Liv Kraemer]

Ich habe die sozusagen, was ich mit meinen Patienten im One-to-One gemacht habe, weil ich die Sachen nicht finden konnte. Ich ordne das, was sie mir mitbringen. Und gewisse Sachen konnte ich nicht finden und habe es dann im Labor selber gemacht. Das heißt, ich habe angefangen, ein Level-System zu entwickeln, das aus drei Produkten besteht. Ein Schaum, der Fruchtsäure enthält, den toten Zellmüll vorsichtig wegnimmt. Und da es ein Schaum ist und die Oberfläche groß ist, können Sie den jeden Tag ganz entspannt benutzen und lösen die toten Zellen. Lieben Männer genauso wie Frauen.

[Nils Behrens]

Aber es ist ein Fruchtsäurepeeling, richtig?

[Dr. Liv Kraemer]

Nein, ich mag das Wort Peeling nicht. Weil Peeling suggeriert bei Ihnen: Ich nehme was weg. Es geht darum, was ich immer erkläre: Es geht erst mal um die Inhaltsstoffe, dann natürlich um die Qualität und die Konzentration, in der richtigen Formulierung, in der richtigen Reihenfolge. Und was ich gebe, ist Ihnen Inhaltsstoffe in der richtigen Reihenfolge, sodass Sie wie im Fitnesscenter Ihren Weg finden, ohne kompliziert 1000 Produkte benutzen zu müssen.

[Nils Behrens]

Ich habe eine leichte Rosazea und mir wurde immer gesagt, dass ich da auf gar keinen Fall an Fruchtsäure denken darf.

[Dr. Liv Kraemer]

Dann sage ich Ihnen als Gegenfrage: Interessant, weil wenn Sie eine krasse Inflammation und Rosazea haben, mache ich als Arzt ein Fruchtsäurepeeling. Wie kann das sein, dass ich ein Hardcore-Fruchtsäurepeeling bei Ihnen machen kann, um etwas zu heilen, anstatt Low-Dose-Fruchtsäure, den pH-Wert zu senken, vorsichtig anzufangen zu trainieren, um dann die Haut wieder dicker zu bekommen? Warum macht man bei der Rosazea Isotretinoin als Tablette, Roaccutan als Tablette, um die Haut dicker zu bekommen? Dann können Sie auch Retinol Low-Dose benutzen. Worauf ich hinaus möchte: Die Medizin oder die Dermatologie – oder umgekehrt, Skincare ist die kleine Schwester der Dermatologie. Wenn ich etwas als Arzt mache, um Hardcore Push um zu heilen, dann kann ich auch Low-Dose on an everyday base machen, selbstkontrolliert im Driver Seat sitzen und wissen: „Hey, okay, jetzt ist es mir zu stark, jetzt zu wenig, jetzt lasse ich den Schaum länger drauf, jetzt wasche ich ihn mir ab.“ Dadurch reduziere ich ja auch den pH-Wert. Also es gibt verschiedene Aspekte.

[Nils Behrens]

Und mache ich das morgens oder abends?

[Dr. Liv Kraemer]

Sie machen das morgens und abends. Sie brauchen nur drei Produkte. Ich habe den Schaum morgens und abends und am Morgen einen Sonnenschutz. Mehr brauchen Sie nicht. Da sagen Sie: „Ich brauche noch eine Tagescreme.“ Wo schwimmt der UV-Faktor drin? In einer Konsistenz, in einer Base.

[Nils Behrens]

Das ist ja lustig. Ich benutze tatsächlich auch im Sommer keine Tagescreme, sondern nur die UV-Schutz-Creme.

[Dr. Liv Kraemer]

Das reicht völlig aus. Und man kann dann natürlich an den UV-Schutz noch spezifizieren. Sie müssen sich vorstellen, das ist eine Suppe und da schmeiße ich UV-Schutz rein, also Filter. Und der UVA muss besonders hoch sein. Weil der SPF besteht – und das erkläre ich auch im Buch –, weist nur auf den UVB-Schutz hin. Das hat historische Gründe. Ich liebe Historie, da lernt man extrem viel. Warum ist der SPF auf den Markt gekommen? Weil die Leute zeigen wollten, wie reich sie sind. „Hey, ich arbeite nicht in einer Fabrik, ich bin braun, look, ich habe den Luxus, Urlaub zu haben.“ „Warst du nicht im Urlaub und bist nicht braun? Oh mein Gott, warst du überhaupt im Urlaub?“ Das ist doch die deutsche Frage. Und in Asien, warum war das so? Weil früher der, der Geld hatte, wusste, nicht in einer Fabrik arbeiten konnte, also den Luxus von Zeit haben und den in der Sonne verbringen. In Asien war es so, sie waren weiß, wenn sie Geld hatten. Warum? Weil sie nicht auf dem Reisfeld arbeiten mussten, wo sie braun waren. So, Menschen sind ein bisschen komisch. Wie auch immer, der SPF wurde dann vom Staat inkludiert, wo man sagt: „Hey, du warst so lange in der Sonne, sss-sss, ja, braten einmal links, einmal rechts“, dass auf einmal Hautkrebs verstärkt wurde. Das heißt, es wurde ein SPF eingeführt, der sich auf UVB – B wie burning – bezieht. Verbrennen, Hautkrebs. So, aber komischerweise, hm, innen drinnen kriege ich trotzdem Falten. Man sieht diesen Truckfahrer und so weiter. Das ist doch komisch. SPF brauchen Sie nicht drinnen, aber Sie brauchen den UVA-Schutz. Das heißt, Sie brauchen Sonnenschutz. Und A wie Aging ist Ihr Enemy. Weil A wie Aging so eine starke Energie ist, die durch das Fenster durchgeht, tief in die Haut, und das erkläre ich auch – nicht nur die Zellen kaputt macht. Ich sage meinen Patienten immer: Die Zellen sind stabil. Ab dem 13., 14. Lebensjahr, wenn die Zellen instabiler, durch Hormone instabiler, Stress instabiler, kommt die starke Sonne, macht bumm, die Zelle geht kaputt, ganz banal gesagt, und kotzt den Zellmüll aus. Und was ist die Kotze? Inflammation, Rötungen und Kotzbrocken, dunkler Fleck. Und nicht nur das, sondern geht die starke Sonne noch tiefer und die Kollagenspirale ist wie eine Spirale und die hat Bindungen. Und dann macht's knacki, knacki, knacki und sie leiert aus. Das heißt, wir kriegen das Sagging. Nun, was ich gesagt habe: Drei Sachen macht der UVA-Schutz weniger, indem Sie einfach den Sonnenschutz, UVA-Schutz, einen hohen UVA-Schutz benutzen, und zwar jeden Tag. Und es reicht ein SPF 30, das ist das Minimum. Weil das ist keine lineare Kurve. Viele denken: „Woah, 60, 100 ist doch geil.“ Da sage ich: „Wieso? Der Unterschied zwischen SPF 30 und SPF 50, oder umgekehrt, der Unterschied zwischen SPF 30 und SPF 60 ist nicht 30. Ist genau 1 %. Und der Unterschied zwischen SPF 30 und SPF 50 ist weniger als ein 1 %.“ Das heißt, mein Sonnenschutz, den ich gemacht habe, hat einen SPF 30. Und warum? Er ist leicht, und ich habe da halt noch Niacinamid und ein paar Antioxidantien reingemacht, so ein paar Präbiotika. Das heißt, er fühlt sich einfach an. Männer lieben das, weil sie einfach das draufmachen und sagen: „Super, ich kann es auch nachcremen.“ Und das ist, was ich als Dermatologin will. Ich will ja, dass Sie, je öfter Sie eincremen, umso besser geschützt. Und da spielt der SPF keine Rolle.

Dementsprechend, ja, es reicht völlig aus. Waschen, Sonnenschutz. Zwei Produkte. Am Abend auch, gleich waschen. Und dann habe ich halt ein Serum entwickelt, das nennt sich Overnight Smoother, wo ich auch wieder eine sehr leichte Hyaluronsäure gewählt habe als Grundlage, und Fruchtsäure reingemacht habe. Und die Konsistenz ist so, dass es vorsichtig zur Ablösung kommt und die Produktion gesteigert wird. Und es gibt genug Studien, die zeigen, dass die Haut dadurch dicker wird und auch Kollagen produziert. Und in der Praxis gehe ich dann noch stärker. Da kann ich auch rezeptpflichtige Produkte benutzen. Das, was ich als rezeptpflichtig mache, kann ich auch wieder verleichtern, verflüssigen, sage ich jetzt mal, und dann dem Patienten oder Nicht-Patienten zugänglich machen, weil er nicht zu mir kommen muss. Ich sage immer, das ist der Grund, warum ich das Buch geschrieben habe: You don't need to come to me. Du brauchst keinen Skintrainer persönlich. Du musst mich nicht persönlich sehen. Du kannst es selber anfangen. Get your life back under control. Get in the driver's seat.

[Nils Behrens]

Ich habe mal gelernt, dass es zumindest verlässliche Studien eigentlich nur über drei Wirkstoffe gibt, was das Thema Hautalterung angeht.

[Dr. Liv Kraemer]

Über was, Entschuldigung?

[Nils Behrens]

Über das Thema Hautalterung.

[Dr. Liv Kraemer]

Ja.

[Nils Behrens]

Retinol.

[Dr. Liv Kraemer]

Absolut.

[Nils Behrens]

Habe ich jetzt aber in keinem von Ihren Produkten gerade...

[Dr. Liv Kraemer]

Doch, das ist Level 2. Jetzt kommt es auf die Reihenfolge an. Sie fangen nie mit Retinol an. Retinol ist wie Hanteltraining.

[Nils Behrens]

Okay, man hat drei Produkte, aber es gibt mehr als drei.

[Dr. Liv Kraemer]

Es gibt insgesamt... genau. Sie fangen mit Level 1 an. Das sind diese drei Produkte. Nach sechs bis acht Wochen merken Sie, es wird ein bisschen smoother. Sie sagen: „Es reicht mir.“ Es ist wie im Fitnesscenter: Warm-up, hey, mehr will ich nicht. Manche sagen: „Nee, hey, a little bit more push.“ Und dann kommt ein weiteres Produkt am Abend hinzu. Das ist mein Level-2-Produkt und das ist ein Retinol, Retinal, Bakuchiol. Und dann machen Sie... sieben Tage hat die Woche. Sie gehen sieben Tage in die Fitnesscenter. Das heißt, sieben Tage Overnight Smoother. Aber Sie fangen mit Retinol einmal in der Woche an. Montag. Und beim Retinol müssen Sie wissen, oder bei allen Vitamin-A-Produkten: Ich pushe die Produktion von unten und oben gehen die toten Zellen weg. Aber es ist postponed, es ist eine verzögerte Reaktion. Das heißt, Sie machen es Montag drauf. Nicht Dienstag, nicht Mittwoch, nicht Donnerstag. Nein, Freitag merken Sie Ihren Muskelkater. Und je nach Strength... ich als Arzt kann Hardcore geben, aber man kann auch... ich sage mal, es ist wie ein Hanteltraining. Der Stick ist das Vitamin A. Die 150 Kilo meiner Hantel ist Isotretinoin, die Tablette. Die kleine Hantel von 500 Gramm bis 12 Kilo sind frei erhältlich. Und ich gebe meinen Patienten meistens ein bisschen stärkere Hanteln, aber oft ist es auch so, dass der Muskelkater, nämlich die Reaktion, das Peeling, zu unangenehm ist, dann gehe ich auch auf mein Produkt selbst mit meinen Patienten. Man muss aber nicht stark gehen, man kann auch leicht. Und natürlich musste ich mich den EU-Kosmetikdirektiven anpassen, sodass ich dann halt das Retinol, Retinal genommen habe mit Bakuchiol.

[Nils Behrens]

Haben Sie beides drin, Retinol und Retinal?

[Dr. Liv Kraemer]

Ja.

[Nils Behrens]

Warum?

[Dr. Liv Kraemer]

Weil es mittlerweile sehr schöne Studien auch über Retinal gibt. Retinal ist ja die Vorstufe vom Retinol. Spielt eigentlich auch gar keine Rolle, weil Sie dürfen laut EU-Kosmetikdirektive nur auf 0,3 % kommen. Das ist the max. Und es spielt eigentlich keine Rolle in welchen Konzentrationen. Man kann ein bisschen das umgehen, indem man das Bakuchiol hinzugibt, was kein Vitamin A ist, nicht zur Familie gehört, aber ähnlich wirkt, um es ein bisschen zu potenzieren. Trotzdem macht es keinen Sinn... oder es hat einen Sinn, warum die EU-Kosmetikdirektive die hohen Retinole aus dem Markt genommen hat. Warum? Weil die meisten Leute keine Idee haben, wie Retinol funktioniert. Sie trainieren, sie heben die 50-Kilo-Hantel und wissen nicht, was ein Muskelkater ist und blamen dann das Produkt oder gehen dann zum Arzt und sagen, sie haben eine allergische Reaktion. Das ist keine allergische Reaktion, das ist der Muskelkater. Das heißt, ich pushe und merke fünf Tage später eine leichte Trockenheit, ein Peeling, das nenne ich Muskelkater. Und wenn Sie ein anderes Produkt an diesem Tag nehmen, zum Beispiel die Fruchtsäure, dann reagiert die stärker. „Ach nee, Sport und Sport gibt Doppelmuskelkater.“ Und das Problem war, deswegen sind viele Produkte vom Markt verschwunden, weil die Reihenfolge nicht eingehalten wurde und weil die Leute übertrieben haben. Beim Retinol war es so, dass die Leute den ganzen Körper damit eingeschmiert haben und Jugendliche es gemacht haben, die im Schwangerschaftsalter sind. Und wenn ich das über ein größeres Areal, ein Retinol auftrage, geht es in den Körper und ich pushe. Wenn ich pushe, ist das für mich als Erwachsener oder als Jugendlicher gar kein Problem. Aber wenn ich ein Baby in mir trage, das braucht neun Monate. Das darf ich nicht pushen. Das ist die einzige Problematik, die entstanden ist. Und was wir am Anfang gesprochen haben über die Körperoberflächenregelung, gilt halt auch für Krebs. Richtig angewandt, macht absolut Sinn und deswegen hat man das zurück in die Hände des Dermatologen, des Trainers gepackt und sagt: „Schau mal, ich muss dich informieren, du darfst nicht schwanger werden, wenn du das machst, bei hochdosierten medizintechnischen Sachen.“ Bei leichteren ist das kein Problem. Aber die meisten kriegen keine schöne Haut, wenn sie nur Retinol anwenden. Deswegen habe ich es bewusst in das Level 2 gepackt, weil nur dann macht es Sinn. Sie pushen von unten und die Haut wird nie schön. Deswegen brauchen Sie einen Smoother, um die Produktion zu steigern und die Haut dicker und stabiler zu machen.

[Nils Behrens]

Okay, das habe ich verstanden. Das, was mich trotzdem – ich habe zwei Fragen eigentlich dazu. Das eine ist, Sie haben gesagt, Hyaluron am Abend.

[Dr. Liv Kraemer]

Nein, Hyaluronsäure ist nur der Carrier, ist die Konsistenz. Sie müssen sich vorstellen, Sie haben Gemüse und Sie haben eine Suppe. Die Suppe kann fettig, ölig oder leicht sein. Das sind die Konsistenzen oder auch in der Medizin Galenik genannt. Da habe ich auch im Buch eine Abbildung dazu. Und ein Serum ist... der Unterschied zwischen einem Serum und einer Creme ist nur, dass das Serum wässrig ist und die Creme cremig. Das ist der einzige Unterschied. Früher gab es nur Galeniken. Es gab nur Konsistenzen. Da viele tote Zellen oben drauf waren, mehr Wasserverlust stattfand, habe ich ein Wasser draufgepackt, das verpuffte. Also hat man es getrappt mit einer Creme. Da habe ich auch eine wunderschöne Abbildung: Serum, Creme. Ein paar Stunden später war alles genauso trocken wie vorher. Nochmal fettiger. Deswegen gab es die reichhaltigen Cremes. „Und das Serum ist stärker.“ Nein, das Serum ist nicht stärker. Das Serum ist nur eine wässrige Variante von der Creme, die ich danach benutze. Die Frage ist: Grundsuppe. Was schwimmt da drin? Ich kann in ein Serum genauso wie in Creme oder Öle Retinol reinpacken. Ich habe mich entschieden, nicht in eine Creme oder Öl das Retinol reinzunehmen, sondern in eine wässrige Grundlage. Also in eine Hyaluronsäure mit einer wässrigen Lösung. Warum? Weil dann nicht nur Leute das benutzen können, die sozusagen alterungstechnisch was brauchen, sondern auch Patienten, die zum Beispiel eine leichte Rötung haben oder sogar zu Pickeln neigen. Weil dann dürfen Sie auf gar keinen Fall fettige Grundlagen benutzen, weil es, sage ich auch auf meinen Social Medias, wie so ein Treibhaus obendrauf ist, wo die Bakterien drunter Party machen. Das heißt, es kommt darauf an, nicht nur auf die Inhaltsstoffe, sondern auch, wo schwimmen sie drin und dann die Reihenfolge, um dann das Ergebnis zu bekommen, wie im Fitness, dass Sie sich wohlfühlen in Ihrer Haut mit möglichst wenig Sachen.

[Nils Behrens]

Okay, das heißt, das ist eigentlich nur ein Carrier.

[Dr. Liv Kraemer]

Korrekt.

[Nils Behrens]

Mich wundert das immer so, weil normalerweise wird ja die Hyaluronsäure, wenn sie sozusagen in den anderen Cremes drin ist... sie macht ja im Grunde genommen eigentlich nichts anderes, als dass sie meine Haut so ein bisschen aufplustert.

[Dr. Liv Kraemer]

Ich nenne es... wenn ich jetzt eine Hyaluronsäure herstellen würde, vielleicht mache ich das noch irgendwann, würde ich sie, wenn ich dann nicht irgendwie in Brand-Probleme komme, Spanx bezeichnen. In Amerika kennt jeder so nach dem Motto: „Oh, I'm wearing Spanx.“ Jeder Mann kennt die auch, das sind die Unterhosen, wo wir Frauen sie anziehen, damit wir besonders noch die letzten zwei Zentimeter weggedrückt bekommen, um in unser Kleid reinzupassen. Spanx sind sensationell. Hat man ein hottest Date, hat man ein wichtiges Meeting. Das ist die Hyaluronsäure. Ich mache sie aufs Gesicht, je nach Kilodalton, je nach Größe des Moleküls, kann sie wirklich wie so ein Tightening machen. Man kennt das aus Social Media, wo man macht es drauf und dann zieht es quasi wie nach hinten. Jeder spürt den Effekt. Das ist Spanx. Das ist Hyaluronsäure. Love it. Das Problem ist nur, wenn Sie es immer machen, das ist so wie, Sie wollen nur die Spanx-Unterhose anhaben, blöderweise muss man sie abends abwaschen. Das ist wie die Unterhose ausziehen. Dann macht es blutsch. Das ist genauso auch. Hyaluronsäure ist super für den Spanx-Effekt. Für den Mega-Effekt. Aber nicht langfristig.

[Nils Behrens]

Nee, deswegen. Mich wundert das, weil ich das schon häufiger gesehen habe, dass in Abendprodukten Hyaluron drin ist und denke immer so, warum?

[Dr. Liv Kraemer]

Es ist nur der Carrier. Es ist ein reiner Carrier. Es ist für nichts anderes. Ich könnte auch ein... die meisten wässrigen Lösungen sind nun mal Hyaluronsäure-Moleküle. Weil Wasser macht nichts. Wasser ist dann nicht gut. Je nachdem. Sie können Öl in Wasser, Wasser in Öl, lamellar... da gibt's tausend Sachen, da können wir uns einen ganzen Podcast unterhalten.

[Nils Behrens]

Ja, aber dann wenn aber quasi die Hyaluronsäure die Spanx sind, dann benutze ich doch jetzt mit Ihrem Carrier-Produkt dann abends Spanx.

[Dr. Liv Kraemer]

Sie haben das Gefühl, dass es angenehm ist. Der Sofort-Effekt. Das ist nice to have. Interessiert mich nicht. Für mich interessiert die Wirkung, die ich reingepackt habe mit der Fruchtsäure, die drin schwimmt.

[Nils Behrens]

Okay. Gut. Dann komme ich mal zum anderen Punkt, den Sie gerade angesprochen haben. Weil gerade im Zusammenhang mit der Vitamin-A-Säure, also mit dem Retinol, das ja im Grunde genommen eigentlich alles irgendwie dann doch in unseren Körper reingeht. Weil ich finde das Interessante – aber die Leute, die jetzt nur den Podcast hören und nicht sehen, sehen nicht, dass Sie mit dem Kopf so eine zweifelnde Bewegung machen. Aber ich komme deswegen so drauf, weil gerade die Frauen, die in den Wechseljahren sind, kennen das ja sehr häufig, dass dann eben halt die Hormonersatztherapie sehr häufig eben halt über so Dermasticks dann auch gemacht wird. Das heißt, man sieht ja, dass man nur durch das Auftragen sozusagen auf der Haut auch eben halt gezielt Hormone in den Körper zum Beispiel geben kann.

[Dr. Liv Kraemer]

Ich nicke. Gut.

[Nils Behrens]

Deswegen, seitdem ich das sozusagen wahrgenommen habe, denke ich viel mehr darüber nach, was ich mir eigentlich auf meine Haut schmiere.

[Dr. Liv Kraemer]

Darf ich ganz kurz?

[Nils Behrens]

Ja, bitte.

[Dr. Liv Kraemer]

Also gut. Erstens muss man unterscheiden: Was bringe ich auf die Haut auf? In welcher Lösung ist es? Das heißt, wie carry ich das rein? Und wie groß sind die Moleküle? Wir hatten uns vorher schon ein bisschen unterhalten, wie groß Moleküle sein können und wie weit das irgendwie resorbiert wird, ob nun durch den Darm oder durch die Haut. Hormone sind nun mal noch mal anders, als jetzt so große Moleküle, die auf bestimmten Sachen wirken. Das heißt, auf dem Backsteingebäude der Epidermis. Fruchtsäure will ich gar nicht, dass sie durchgeht. Die meisten Inhaltsstoffe, die ich auf die Haut mache im kosmetischen Bereich, möchte ich doch gar nicht, dass sie tief reingehen. Warum nicht? Und das ist vielleicht entscheidend, was Sie am Anfang gesagt haben. Ist denn Skincare gegen Falten? Nein. Keine Creme macht Falten weg. Auch keine Dr. Liv Creme. Oh um Gottes Willen, nein. Wofür sind Cremes da? Für ein schönes Tischtuch. Schön gebügelt, ohne braune, rote Flecken. Das macht Skincare. Und das ist auch der entscheidende Punkt, wenn es um Skin Health geht. Es geht nicht um Falten. Es ist jeder sein Unterschied. Als Beispiel: Ich sitze lieber an einem Tisch, wo die Tischdecke schön weiß ist und der Tisch ein bisschen wackelt. Couldn't care less. Anstatt an einem Tisch zu sitzen, der gar nicht wackelt und die Tischdecke schmutzig ist. Die Kombination ist ideal, wenn ich beides haben könnte. Aber wenn ich mich entscheide... wenn ich es auf die Haut übertrage, ist die Oberfläche die Tischdecke. Das ist meine Haut. Und das kann Skincare. Und das muss nicht tief reingehen. Also jeder, der behauptet: „Oh, meins ist besonders tief“, wofür? Das ist die Oberfläche. Es geht um die Oberfläche. Wir wollen eine schöne glatte Oberfläche. Das ist Skincare. Etwas, was tief geht, interessiert gar nicht. Darf es auch gar nicht, weil es wäre dann nicht Skincare, es wäre dann – dann kommen wir zur Hormonersatztherapie – Pharma. Und pharmakologische Sachen sind Sachen, die dann delivery-technisch tief reingehen und dementsprechend als Pharmaprodukt deklariert werden. Dementsprechend ist das... der Vergleich nicht ganz korrekt, sondern man muss da gut unterscheiden und nicht alles in einen Topf werfen. Zudem ist es auch so, was aber definitiv korrekt ist, es kommt auf die Körperoberfläche an. Also wie viel meines Körpers kann ich bedecken und wie viel geht dann rein? Wenn es heißt, auch nur wenig reingeht über dem Gesicht, 4 %, wenn ich das über den ganzen Körper schmiere, macht es einen großen Unterschied. Und deswegen sind ja auch viele Produkte zum Beispiel auch nicht für Körperprodukte geeignet, sondern halt bewusst nur Face Products. Aber ich muss immer sagen, diese Diskussion, wenn ich da anfange reinzugehen, dann stelle ich immer eine Gegenfrage. Weil dann fange ich immer als pragmatistischer Mensch immer an zu sagen: „Ach echt?“ Ich lehne mich gerade zurück und gucke Sie so ein bisschen an und denke, oh, lächle und sage: „Okay, Ihre Hose, mhm, ist eine gefärbte Jeanshose. Lassen Sie mich überlegen. Die Farbstoffe, 2 mal 18 Prozent Ihrer Körperoberfläche. Did you think about, wo Sie die gekauft haben? Hat man schon mal überlegt, welche Produkte Sie benutzen? Oder noch anders, ich kann noch provokativer sein, I love it: Sie haben heute einen Geschirrspüler benutzt. Sie haben gerade bei mir eine Tasse Tee getrunken. Diese Tasse habe ich im Geschirrspüler gewaschen. Haben Sie schon mal überlegt, wie viele Geschirrspülprodukte da auch auf dieser Tasse drauf sind?“ Also, worauf ich hinaus möchte: Man kann extrem tief in Sachen reingehen. Da kommt mein Pragmatismus wieder hin, wo ich sage: Keep it simple. Fange erst mal an, leichte Sachen, man sieht den Unterschied und dann tief reingehen. Macht absolut Sinn. Aber nicht schon mit Deep Dive anfangen, wenn es über ein anderes Thema geht.

[Nils Behrens]

Sehr gut, sehr gut. Ich möchte auf ein Thema reingehen, was auch sehr kontrovers diskutiert wird. Das Thema Kollagen. Wir hatten es eben gerade schon gelernt, dass es etwas ist, was über die Zeit sich abbaut. Ist das auch schon ab 13. Lebensjahr dann?

[Dr. Liv Kraemer]

Da muss ich sagen, kenne ich die Zahlen jetzt nicht aus dem Kopf, deswegen halte ich mich da zurück. Aber es ist erwiesen, dass Kollagen einfach über die Zeit... das ist ja vergleichbar mit einer Triple-Helix. Im Buch beschreibe ich das als eine Feder, eine Sprungfeder, dass die Matratze, die uns schön puffy macht, sozusagen aus zwei Komponenten besteht. Ich kann Dermis, Subkutis sagen, oder ich kann sagen, das ist eine Matratze. Und jeder Matratzenvertreter kann das sehr kompliziert noch sagen, und warum seins besser ist. Let's pragmatisch sagen wir: Schaumstoff und Spirale. Die Spirale, die Feder, ist das Kollagen. Unter dem Mikroskop sieht das aus wie eine Spirale, Triple-Helix. Und was passiert? Sie wird, einfach gesagt, länger. Und sie wird abgebaut. Also absolut korrekt. Aber es sind mehrere Sachen, die im Gesicht passieren. Und das ist ein Unterschied. Und dementsprechend ist auch wichtig zu wissen, was will man. Man hat das Kollagen, was länger wird. Aber das ist nicht, was die meisten Menschen dann sehen. Sondern sie sehen auch: „Oh, mein Gesicht fällt so ein.“ Und das ist der Schaumstoff im Gesicht. Das heißt, ich habe mein Tischtuch, hängt über diesem Schaumstoff, prall gefüllt. Deswegen sagt man ja auch nicht umsonst, der, der gut gegessen hat, hat weniger Falten. Das heißt, man hat es so prall drüber. Das ist der Schaumstoff, das Fett. Und das geht mit der Zeit auch verloren. Hyaluronsäure, Glibbermasse und das Fett gehen verloren. Und deswegen fällt die Haut so ein. Das Ozempic Face ist nichts anderes, außer dass man anstatt wie eine Crash-Diät schnell diese Schaumstoffmasse verliert und dementsprechend dann so eingefallen ist. Ich sage mal als Beispiel so ein typisches... ich nehme mal Männer dafür als Beispiel, sorry, so typisch Midlife-Crisis-Männer, die von heute auf morgen gut essen, nicht essen, dann Ironman rein und alles machen. Hardcore, fettverbrennenden Sport betreiben. Geiler Body, aber irgendwie das Gesicht fällt so ein. Weil das Fett im Gesicht halt auf einmal weg ist. Das ist etwas, was man sieht und sofort bezeichnet als: „Oh Gott, es ist wie eingefallen.“ Das hat nichts mit Cremes zu tun. Da wird auch eine Creme nie aufbauen. Das ist das, wenn Sie dann sagen, okay, man geht zu einem Dermatologen, der dann was in die Tiefe reinspritzt. Man nennt das Filler. Und ich fülle es, ich refille. Und das ist das Problem. Wenn Sie an der Stelle füllen, wo Sie was sehen, dann füllen Sie es. Ich bezeichne es im Buch als Zoo. Man kann nämlich alles etwas überfüllen. Entweder die Bulldogge oder, wenn Sie hier oben zu füllen, die Katze. Aber das Problem ist halt, nichts von oben kann runterkommen. Das heißt, eine Creme, eine Hyaluronsäure oder ein Kollagenserum wird niemals irgendwas unten aufbauen. Und dann soll sich jeder selber entscheiden, ob er selber was aufplustert oder nicht. Aber – und das ist entscheidend, was viele vergessen – kommt das Kollagen ins Spiel. Das Kollagen hat auch... das ist wie ein Hänger, der Bügel geht runter. Das ist der Schaumstoff. Aber das Kleid, mein Strickkleid, wird auch länger. Und ich kann selber schon was dafür tun, mehr Strick ins Strickkleid zu machen. Nämlich durch Fruchtsäure und Retinol können Sie, bei Level 1 und Level 2, können Sie quasi mehr Strick ins Strickkleid machen. Und dadurch wird Ihre Haut schon tighter. Und jetzt, das ist wahrscheinlich was, worauf Sie hinauswollen: Wie kann ich es von innen machen?

[Nils Behrens]

Das ist für mich zweierlei. Das ist für mich zweierlei. Also ich finde, das Kollagen ist ja wirklich seit Jahren in der Beauty-Welt schon so ein Heilsversprechen dann eigentlich immer. Und wenn man es mal medizinisch anschaut, dann wird ihm ja doch wirklich einiges auch falsch zugeschrieben, muss man ja sagen. Und das haben Sie ja, glaube ich, gerade ganz anschaulich erklärt. Sie erklären eben halt aber auch sehr klar, warum eben halt die Cremes, Kollagen in Cremes eben halt nicht dort ankommen, wo es eigentlich ankommen soll. Und da haben Sie eben halt dieses Bild von der Matratze eben halt dann auch so. Ich wollte eigentlich genau auf das rein, was Sie eben wollten. Wenn Kollagenverlust aber eben halt so ein zentrales Alterungsthema ist, welche Lebensstilfaktoren zerstören denn unser Kollagen am effektivsten?

[Dr. Liv Kraemer]

Das klingt mir eigentlich immer wie aus dem Gewehr geschossen das Wort „Zucker“ in den Mund. Warum? Weil Zucker ist... ich hatte mal bestimmt schon vor zehn Jahren ein Interview mit CNN, wo ich gesagt habe: „Sugar, the enemy of beauty.“ Weil man muss sich vorstellen, es ist Karamellisierung. Das heißt, Zucker setzt sich an den Zellen fest und karamellisiert sie. Und dementsprechend ist das, was auch mit dem Kollagen passiert, mit allem. Das heißt, es geht schneller kaputt. Das ist wie so ein... ich mag immer den Vergleich mit einem kandierten Apfel. Wenn der runterfällt, zerspringt der. Das ist, wenn Sie zu viel Zucker essen, passiert das mit Ihrer Zelle. Auf der Haut sehen Sie es nicht sofort. In den Gefäßen sehen Sie es. Sie sehen es eigentlich überall. Es gibt so wunderschöne Videos auf Social Media, wo wie Zucker in den einzelnen Organen benannt wird. Welche Erkrankungen daraus resultieren. Und wenn Sie die eine Sache haben wollen, die Sie wirklich sagen: „Womit fange ich heute an?“ Vielleicht am Montag. Nicht am Sonntag. Sonntag ist immer noch Family Time und Heititaiti. Montag sind alle so: „Oh, ich habe zu viel gegessen, ich habe zu viel gemacht.“ Montag. Montag mal einen Tag einlegen, alles, was süß und mehlig ist, weglassen. Weil nicht nur, weil Zucker draufsteht, ist Zucker drin, sondern Zucker hat, was ich auch im Buch erwähne, so viele tausend Namen. Kohlenhydrate genannt.

[Nils Behrens]

Kohlenhydrate.

[Dr. Liv Kraemer]

Zucker gehört zu Kohlenhydraten. Das sind wie so... und man muss auch bedenken, dass Kohlenhydrate sind wie so kleine Kreise, wie so, wie sagt man, Lametta aneinandergereiht. Und der Körper schafft es, die Dinge zu zerhacken. Und ein kleines Kügelchen ist dann die Glukose. Das heißt, vom Außen des Körpers ist es vielleicht nicht der Zucker, sondern ein Zweifach-, Dreifachzucker. Im Körper wird es aber zur Glukose gemacht. Weil das ist unser Energielieferant. Und viele sagen: „Brauche ich, ich brauche Energie.“ Da sage ich: „Ja. Aber du hast so viel Energie, wo der Körper sich daraus seine Energie nehmen kann. Da musst du nicht die short kind of energy base wie Zucker nehmen oder alle anderen Namen, die du dafür benennst.“

[Nils Behrens]

Wobei man muss eben halt fairerweise sagen, das, was man sieht, wenn die Menschen sich sehr, sehr stark low-carb ernähren, dass dann häufig die Ballaststoffe dann eben halt auch irgendwie zu kurz kommen.

[Dr. Liv Kraemer]

Aber auch das ist dann immer so, wenn ich etwas low-sugar mache, dann nehme ich halt auch extrem stark ab. Es hat alles wieder miteinander zu tun. Sich auf eine Sache zu konzentrieren... Ich bin sehr speziell. Ich laufe auch so, wie ich auf Social Media bin, mit meinen kompletten Handschuhen und so. So laufe ich auch durch die Gegend. Es ist nicht gemacht. Mein Mann lacht immer: „Wenn du so rausgehst, gehe ich nicht mit dir weg“ oder so. Aber ich bin halt auch, was Ernährung betrifft, sehr extrem. Auch dann, nicht jeder muss es so extrem machen. Es geht um die Sensibilisierung, für sich das Richtige zu finden und nicht Extreme zu machen. Ich mache die Extreme, weil I know it und ich mache Keto-Diät seit ungefähr 20 Jahren. Und das würde ich keinem meiner Patienten anraten, weil es bedarf relativ viel Kontrolle und relativ viel Wissen über einzelne Inhaltsstoffe und den gesamten Citratzyklus mit den ganzen Zyklen, die Sie gut beherrschen müssen. Das heißt, es ist nicht für jedermann. Das heißt, wieder bullet-mäßig „das ist gut, das ist nicht gut“ – Bullshit. Es gibt nicht schwarz-weiß. Es gibt, und das ist Longevity, es gibt nicht krank-gesund. Es gibt die 50 Shades of Grey. Das ist Longevity. Und ich denke, das ist unser... sowohl bei Ihnen als auch bei mir, es geht darum, Wissen zu vermitteln, möglichst einfach, in einfachen Worten, dass es für jeden einfach ist, für sich selber das rauszuziehen und für sich zu machen. Und nicht sagen: „Die Blaubeere ist gut.“ Weil 365 Tage Blaubeeren zu essen, ist Bullshit, weil die kommt aus Peru. Davon haben wir wieder ganz andere Probleme. Sondern lokal essen, möglichst selber kochen, und Corona hat uns das gelehrt. Und dann supplementieren mit gewissen Sachen. Es gibt bestimmte Substanzen. Und auch testen. Weil wenn man was... entweder nimmt man was Low-Dose, das kann man über längere Zeit haben. Wir haben die Diskussion mit Zink gehabt. Oder man packt den Kühlschrank voll, hochdosiert. Das sollte man aber gut kontrolliert machen mit jemandem, so kurmäßig, und isst davon. Und so sollte man eigentlich davon ausgehen und das machen. Und man muss nicht selber auch der absolute Spezialist sein. Dann nimmt man sich einen Trainer. Wenn ich nicht gut trainieren kann, dann nehme ich mir einen Trainer. Wenn ich mit der Haut nicht zurechtkomme, nehme ich mir einen Trainer, den Dermatologen. Wenn ich nicht gut essen kann, nehme ich mir einen Ernährungsberater, den Trainer. Es gibt die Leute, die sich damit beschäftigen und sie helfen Ihnen gerne, den Weg zu bereiten und mit Ihnen die Schritte zu machen. Aber es fängt immer bei Ihnen an.

[Nils Behrens]

Sie empfehlen in Ihrem Buch die Nahrungsergänzungsmittel nicht als ersten Schritt, sondern als Ergänzung. Wie das Wort Nahrungsergänzung an dieser Stelle auch so richtig sagt. Wann macht ein Supplement aus Ihrer Sicht denn wirklich Sinn?

[Dr. Liv Kraemer]

Ich denke für uns alle, es geht nicht um krank und gesund. Wir ernähren uns relativ gut. Ich finde immer das eine Comic, das ist immer ganz süß, das habe ich auf LinkedIn mal gepostet, wo da sitzen drei Neandertaler am Feuer und sagen: „Hey, wir haben uns noch nie so lokal ernährt. Wir haben uns noch nie so organic ernährt. Keiner hat so frische Luft gehabt, und trotzdem werden wir nur 30.“ Das hat sehr viel Sinn, weil es geht erst mal einzelne Sachen, lokal, selber kochen und so weiter machen, das ist erst mal Nummer 1. Aber es geht um Optimierung, und jetzt kommen wir in die Longevity, sozusagen das High-Performing, sage ich mal. Es geht nicht forever leben, mein Gott, ich will nicht forever leben. 88, das reicht mir. Aber ich will gesunde 88 werden und ich will gesunde 90 werden, mit möglichst meiner gleichen Brainpower, dass ich dann keine Brillen brauche, dass ich auch muskulaturgut bin, und dafür kann man optimieren. Und Sie haben vorhin Hormone erwähnt. Viele Leute sagen: „Das sind die Hormone.“ Da sage ich: „Hm, komisch.“ Das ist wie ein Rad, wie ein Schweizer Uhrwerk. Mehrere Rädchen drehen sich, bevor der große Zeiger sich dreht. Wenn Sie immer alle Rädchen perfekt machen, dann ob das eine Rädchen ausfällt, spielt gar nicht so einen Entscheid. Macht auch, ja, aber es ist nicht der entscheidende Faktor. Warum sage ich das? Auch ich nehme noch Hormonersatztherapie. Ich habe auch immer gemerkt, ich gehe jetzt auf die 50 zu, ich merke, oh, meine Gelenke werden so, tun ein bisschen weh, ich muss Pipi nachts, ich kann nicht einschlafen, ich habe keine Hitzewallungen, weit entfernt. Aber deswegen fing ich an, mich damit zu beschäftigen und auch zu supplementieren. So, warum habe ich Muskelprobleme? Weil ich extrem schlecht im Sport bin. Ich bin... mein Exercise could be much better. Mein Mann sagt immer, du siehst aus wie ein Gipfeli, weil ich es noch nicht mal schaffe, richtig gerade zu stehen, weil ich immer vorne übergebeugt arbeite. So, das heißt, das ist meine Weakness und das sehe ich, wenn meine Hormone ausfallen. Meine Haut? Nada. Da sieht man gar nichts. Warum? Weil ich mein Skincare-Programm extrem gut beherrsche. Meine Haut ist dick und stabil. Wenn ich das nicht gemacht hätte, würde ich runterrutschen, die toten Hautzellen draufmachen und die Trockenheit spüren, weil die Hormone nämlich wegbrechen. Und das geht... es geht immer ums große Ganze und es geht darum, dass man sich damit beschäftigt und sich auch bewusst wird, wenn das eine wegfällt, wie wichtig es ist. Deswegen Krankheit, man merkt dann, wenn ein Organ ausfällt, wie wichtig es ist. Und deswegen liegt es an uns, für uns zuständig zu sein und nicht zum Arzt zu gehen und zu sagen: „Ich will die Tablette. Ich habe jetzt so viel gegessen, ich will die Cholesterin... ich will die Blutdruck-Tablette.“ Ja, aber wieso hast du die Blutdruck-Tablette? Wieso hast du das Cholesterin? Weil du dich nicht mit dir beschäftigt hast. „Ja, ich kann's nicht.“ Dann such dir Hilfe. Es gibt Bücher, es gibt Podcasts, es gibt YouTube und es gibt Ernährungsberater. Und es gibt viel Halbwissen, aber man kann sich... und viele Ärzte haben Angst vor ChatGPT. Ich sage: „Wieso denn? Das ist doch super, lass doch den Patienten informiert sein. Und du als Spezialist guidest den und sagst: Das ist richtig, das ist falsch, aufgrund der und der Tatsache. Aber lass doch den Menschen informiert sein.“ Und das kommt auch zur Blutabnahme. Das heißt ja, dass in Ihrem Buch, dass Sie das beschreiben mit dem großen Blutbild. Ich musste so schmunzeln, ich konnte fast nicht mehr. Warum? Weil ein großes Blutbild in dem Kopf unserer... bei uns Ärzten ist: Da ist alles drin. Ich als Arzt sage: Naja, da ist ein bisschen viel über... Also wenn der schlecht ist, dann haben Sie echt ein anderes Problem, dann haben wir definitiv eine andere Ausgangslage.

[Nils Behrens]

Dann reden wir nicht mehr über Langlebigkeit, sondern über Short-Term-Abhängigkeit.

[Dr. Liv Kraemer]

Das heißt... aber dann die Leute fordern. Sie fordern: „Ich will... ich will das Blutbild, ich will das.“ Sage ich: „Wieso?“ Die Krankenkasse ist eine Versicherung. Und das verstehen viele nicht. Eine Versicherung ist etwas ganz Tolles. Das ist in deutschsprachigen Ländern noch was ganz Megas. Es ist ein Privileg, das wir haben. Und wir zerstören uns das. Ich habe in vielen Ländern gearbeitet. In Amerika, in verschiedenen anderen Ländern. In the UK, das haben die Leute nicht. Eine Versicherung ist dafür da: Brennt das Haus, es baut es wieder auf. Es hilft Ihnen, das Haus aufzubauen. Aber Sie sind zuständig dafür, die Rohre selber zu legen, den Strich neu zu machen, zu gucken, dass alles funktioniert. Das ist mit dem Körper genauso. Das heißt, die Insurance, die Krankenversicherung, zahlt Ihnen in deutschsprachigen – ich sage deutschsprachigen, nicht Europa – in deutschsprachigen Ländern alles, damit Sie wieder gesund werden. Ja, Sie müssen ein bisschen warten. So what? Aber es wird nie so lange sein, dass es Ihnen nicht wieder gut geht. Man kann sich darüber streiten. Aber Sie sind für sich zuständig, dass, wie gesagt, Ihre Gesundheit hält. Und dann kommt es zur Blutabnahme. Warum soll der Arzt und die Krankenkasse und die Allgemeinheit für Ihre Optimierung zahlen? Wenn Sie möchten, dass Sie optimieren, machen Sie einen Bluttest. Machen Sie einen Bluttest. Es gibt verschiedene Anbieter, auch online. Es gibt verschiedene Anbieter Walk-in. Es gibt verschiedene Anbieter, auch große Blutlabore. Oder sprechen Sie den Arzt doch an und sagen Sie: „Passen Sie mal auf. Sie sind der Spezialist. Ich sehe es, dass es über die Insurance nicht geht, weil der Arzt sagt, es geht nicht.“ Er sagt deswegen, es geht nicht, weil er Ihnen eigentlich das so gerne über die Insurance geben würde, aber er kann es nicht, weil er das nämlich selber zahlen muss. Dann können Sie dem Arzt doch sagen: „Schauen Sie mal, ich würde das gerne haben. Ich zahle es doch selber. Was würde es denn kosten, dass ich die und die Sachen von Ihnen gemessen bekomme?“ Glauben Sie mir. Jeder Arzt wird happy sein, sagen: „Mach ich selbstverständlich. Ich setze mich mit Ihnen auch zusammen und erkläre Ihnen das.“

[Nils Behrens]

Ja, 100 %. Ich bin ja immer dieses Messen, Machen, Messen. Das zieht sich so durch die letzten 150 Folgen sozusagen durch, dass ich das immer wieder so sage. Aber letztendlich einfach so blind supplementieren... es gibt ein paar Sachen, die mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit die Leute brauchen. Also die Wahrscheinlichkeit ist, ich sage jetzt mal Omega 3, Vitamin D, hatten wir eben gerade schon auch so das Thema.

[Dr. Liv Kraemer]

Obwohl auch, und das muss man auch immer bedenken: alles in Maßen.

[Nils Behrens]

Alles in Maßen, alles in Maßen. Nein, aber nichtsdestotrotz, also ich sage mal so Omega 3, Vitamin D, Zink, da ist schon eine sehr hohe Wahrscheinlichkeit.

[Dr. Liv Kraemer]

Magnesium, total. Also es gibt viele Sachen, die man auch so bucketmäßig selber für sich machen kann und man merkt, es geht einem besser.

[Nils Behrens]

Aber nichtsdestotrotz, ich bin auch immer ein großer Fan davon, es lieber einmal wirklich vernünftig zu gucken, wo man steht. Weil Sie hatten eben gerade kurz das Thema Zink angesprochen. Ich habe zum Beispiel über eine Zeit lang habe ich zu viel Zink eingenommen, weil wir so Gummis hatten, so Gummibärchen sozusagen mit Vitamin C und Zink. Und ich dachte immer so, Mensch, während der Erkältungszeit über den Tag verteilt, passt schon.

[Dr. Liv Kraemer]

Ist ja lecker.

[Nils Behrens]

Ist ja lecker, und ich habe jetzt auch nicht crazy viel gegessen, aber ich habe eben halt über den Tag die empfohlene Zinkdosis deutlich überschritten, weil ich eben halt noch zusätzlich nicht drüber nachgedacht habe, dass in meinem Supplement-Stack auch noch mal Zink drin ist.

[Dr. Liv Kraemer]

Und auch, dass Sie vielleicht noch Nüsse essen und so, und solche Sachen.

[Nils Behrens]

Und von daher hatte ich dann eben halt, was ja gleicher Rezeptor ist, dann auf einmal gar keine Kupferwerte mehr da. Und das ist eben halt das Problem, dass „viel bringt viel“ eben halt nicht immer richtig ist, sondern dass es eben halt dazu führt, dass, wie alles, die Dosis macht das Gift.

[Dr. Liv Kraemer]

Korrekt. Und eben deswegen auch zum Arzt gehen und sagen: „Ja, aber dann halt nicht über die Insurance abrechnen lassen, sondern privat.“ Und das ist auch... ich meine, man investiert in sich und das hat nichts damit zu tun, „oh, der will nicht“. Das System ist so, das System ist krank/gesund. So. Man selber ist für sich zuständig. Und wie Sie richtig sagen, man kann gewisse Sachen auch durch Eigenwissen so ein bisschen supplementieren und dann überprüfen lassen ab einem bestimmten Punkt. Oder halt long-term, also immer... ich bin ein Feind von so kurartigen Sachen, dass man auch wieder mal Pause hat, weil der Körper muss auch wieder selber dafür zuständig sein. Den Kühlschrank nicht überfüllen, nie gut, sondern füllen und wieder abarbeiten.

[Nils Behrens]

Das ist ja witzigerweise, ich hatte heute gerade ein Gespräch mit dem Longevity Center mit der Frau Dr. Pfeiffer und da haben wir genau über das Gleiche gesprochen, dass sie lässt zum Beispiel sonntags alle Supplemente weg, weil sie eben halt dem Körper ab und zu mal wieder das Zeichen geben möchte, dass...

[Dr. Liv Kraemer]

Man muss auch pragmatisch sein. Man denkt doch nicht immer daran, tausend Sachen zu nehmen. Also, wenn ich meine Tasche habe, dann denke ich dran. Es ist natürlich auch sehr komplex und deswegen macht es auch Sinn, mal so einen Plan zu machen für sich oder halt so bestimmte Systeme reinzupacken. Deswegen mag ich Systeme ganz gerne, weil es ist natürlich noch komplexer. Man kennt ja den Dunning-Kruger-Effekt, so Mount Stupid. Am Anfang denkt man, man weiß alles und danach fällt man ab und denkt: „Oh Gott, ich weiß gar nichts.“ Und dann fängt man an, wieder langsam das Wissen anzuhäufen. Dementsprechend ist es so, am Anfang denkt man, man kann das und weiß, und dann fängt man an, wie Sie richtig sagten, dann merke ich: „Oh shit, also Zink ist ja... da ist ja noch mehr, ich muss ja tiefer“, und dann merkt man, oh, das sind Pathways, das sind Zyklen, und die wirken alle miteinander ein. Deswegen auch so Bullet-mäßig „das ist gut für das“ gibt es nicht, weil wenn ich da zu viel mache, ja, es ist ein Uhrwerk. Auf einmal stoppe ich aber woanders. Und deswegen sind dann halt Trainers in dem Sinne doch schon mal ganz gut oder halt selber sich einlesen. Wie gesagt, Low-Dose fine. Die Schweiz zum Beispiel ist da sehr, sehr strikt. Die Supplements in der Schweiz gelten zum Beispiel als Nahrung, und hier wird zum Beispiel Zink bewusst auf 5,3 reduziert, weil man möchte, dass die Leute nicht in eine Kupfer-Deficiency kommen. Aber es ist letztendlich, man kommt ja an Informationen gut ran, aber auch da bitte beachten, ChatGPT ist nur ein Gemisch von dem ganzen Schnickischnacki, was die Menschen auf dem Web geschrieben haben, und nochmal zusammengequirlt. Für Grobinformationen gut, aber wie jeder für sich es weiß in seinem Spezialgebiet, wenn man dann doch reinguckt, merkt man, dass da Fehler drin sind. Und so muss man das für Einzelnen halt auch betrachten. Aber ich mag Supplementierung und die Chrono-Nutrition spielt auch eine Rolle. Also ich finde bei meinen Patienten, wo ich richtig deep dive reingehe, dann sage ich auch, okay, es kommt drauf an, wann Sie was einnehmen. Wo ist die Bioverfügbarkeit am höchsten? Bleiben wir beim Zink. Zink hat eine höchste oder eine hohe Bioverfügbarkeit am Abend. Deswegen nimmt man es am Abend. Vielen wird schlecht.

[Nils Behrens]

Wollte ich gerade sagen, am besten wirkt es auf den nüchternen Magen, den meisten wird aber schlecht.

[Dr. Liv Kraemer]

Genau, theoretisch. Da sage ich immer, okay, dann nehmen Sie halt das mit oder nach dem Essen. Und dann kann man sagen, okay, dann nehmen Sie eine höhere Dosis, dann geht nur die Hälfte rein. Da gibt es schon Optionen. Also ich sage meinen Patienten immer: „Am Abend, nach dem Essen.“ Weil jeder, der Zink schon mal auf den nüchternen Magen genommen hat, weiß, wie es ist.

[Nils Behrens]

Und wie schnell es ist. Ich bin immer überrascht, wie schnell einem auch so schlecht davon wird. Also das ist, bei mir wirkt es relativ... also ich rede da wirklich über Minuten eher.

[Dr. Liv Kraemer]

Bei mir ist es immer ein bisschen abhängig, aber ja, also ich merke das auch. Relativ schnell.

[Nils Behrens]

Wenn wir jetzt mal bei dem Kollagen-Thema noch mal bleiben, weil auch da ist es ja so, dass das als Supplement angeboten wird und da sind viele Menschen jetzt gerade verunsichert. Was spricht denn medizinisch dafür und was dagegen?

[Dr. Liv Kraemer]

Also Kollagen ist so, es gibt bovines, also Rinder, und es gibt marines Kollagen. Das sind die Unterscheidungen. Es gibt auch die vegetarischen, aber die haben herausgestellt, dass die nicht die Ergebnisse bringen, die wir eigentlich haben wollen.

[Nils Behrens]

Genau, es gibt eigentlich entweder vom Rind oder vom Fisch oder Schwein... Eierschalen. Und dann die veganen, die es gibt, das sind ja dann die sogenannten, die hier auch aus der Schweiz, die Aktivatoren sozusagen.

[Dr. Liv Kraemer]

Wo ich immer lächeln muss, wo ich sage, cutest word. Netter Marketing-Joke. Alles ist aktiviert. So, bleiben wir vielleicht mal bei dem, wo Studien gut, also halb gut da sind. Weil wenn man sich das leider genau anguckt, ist es wirklich so, dass die Studien relativ klein gehalten wurden, also mit wenig Studienteilnehmern, und sie meistens sehr industriegetrieben waren. Nichtsdestotrotz, man konnte einen Effekt zeigen. Und ja, es gibt bei marinen besser als bei bovinen. Und es zeigte, dass man dadurch wirklich ein Enhancement gestalten konnte. Für mich ist es so, es ist meistens ein bisschen... man muss zu sich selber stehen. Ich habe ein Problem, wenn Leute sagen: „Nein, Skincare darf nicht an Animals getestet sein. Nein, auf gar keinen Fall, ich bin absoluter Veganer oder so halb, oder ich gucke zumindest, dass Tiere geschützt sind.“ Da sage ich: „Was glauben Sie, ist marines oder bovines Kollagen?“ Es stammt aus Tieren. Und das Problem ist, wenn die Menge produziert wird, die die Menschen verlangen, und das ist ein riesen Billion-Dollar-Business, dann ist es so, dass die Leute... denen es auf einmal egal ist. Und diese Schalentiere werden zum Teil dafür gezüchtet. Bei Rindern ist das ein bisschen anders, weil wir essen sie halt auch. Das heißt, es bleibt viel Haut und so weiter zurück. Das heißt, man kann da auch Wiederverwertung machen. Hört sich schlimm an, aber ich sage immer, früher hat man ein ganzes Mammut geschlachtet, man hat alles ausgenommen. Jetzt nehmen wir nur das Filet. Also das ist auch pervers.

[Nils Behrens]

Vom Mammut?

[Dr. Liv Kraemer]

Vom Mammut. Aber zurückzunehmen: Also wenn man sagt, ja, ich möchte es, ja, ich mache es, dann aber auch bitte konsequent in allen anderen Aussagen bleiben und nicht sagen: „Oh Gott, Skincare darf nicht an Animals getestet sein, oder Animals ist da so ganz besonders, da lege ich meinen Augenfokus drauf.“ Sondern sagen: „Nein, I'm killing for beauty.“

[Nils Behrens]

Sie hatten heute schon einmal ganz kurz in dem Gespräch das Wort Dalton auch benutzt, in einem etwas anderen Zusammenhang, aber nichtsdestotrotz, das ist ja ein ganz spannender Punkt, weil diese Kollagene, das schreiben Sie ja auch in Ihrem Buch, müssen dann eben halt ja schon auf eine gewisse Größe runtergebrochen sein. Weil sonst bringt es gar nichts. Warum ist das so? Warum muss das so weit runtergebrochen werden?

[Dr. Liv Kraemer]

Weil Sie die Penetration müssen Sie ja irgendwie gewährleisten und die Aufnahmen der einzelnen Proteinstränge. Ich glaube, wenn mich nicht alles täuscht... da halte ich mich ein bisschen zurück, warum eine bestimmte Kollagenart einen Peak hat und die andere nicht. Ich glaube, das weiß man gar nicht ganz genau, warum es dort den Peak gibt. Es muss also etwas sein, dass es dann besser zugänglich gemacht wird für den Körper, der es aufnehmen kann und verwerten kann. Und da gibt es eine bestimmte Kilodalton-Nummer, die dann dafür ideal ist. Das heißt, man muss sich das so vorstellen, wenn ich so ein riesenlanges Molekül habe, das kommt dann gar nicht durch, das wird hinten ausgeschieden. Es muss ja durch die Wand durch. Und die Wand, die Darmwand hat verschiedene Ein- und Zugänge und das muss so eine Größe haben, dass es halt durch den Darm reinkommt und dorthin gelangt, wo ich es haben möchte.

[Nils Behrens]

Ich erzähle es immer ein bisschen wie so ein Wollknäuel. Weil am Anfang sind das so diese ganzen Stränge noch miteinander verwoben, dann bricht man sie immer weiter auf und irgendwann hat man dann die Wolle so in einer Darreichungsform, dass man sie verarbeiten kann.

[Dr. Liv Kraemer]

Dass man sie noch bestricken kann.

[Nils Behrens]

Ja, aber wenn ich sie dann anfange, nur noch so 3-cm-Wollstücke abzuschneiden, dann kann ich ja damit gar nichts mehr machen. Da kann ich kleine Knoten machen, aber einen Pullover stricke ich damit nicht mehr.

[Dr. Liv Kraemer]

Genau.

[Nils Behrens]

Also von daher gibt es wahrscheinlich genau diesen Sweet Spot, mit dem ich eben vernünftig häkeln kann.

[Dr. Liv Kraemer]

Genau. Perfekte Darstellung, genau so ist es. Und dementsprechend, jeder muss es für sich entscheiden. Wenn Sie mich fragen würden, nehme ich Kollagen? Nein, ich nehme aber z. B. Aminosäuren zu mir, die dann das Kollagen bilden.

[Nils Behrens]

Okay.

[Dr. Liv Kraemer]

Vielleicht noch eine Sache beim Kollagen allgemein. Wenn ich sage, wenn Sie das nehmen und dann kommt... das ist mein Punkt, dann würde ich davon ausgehen, wenn Sie Ihre Haut komplett unter Kontrolle haben. Absolut. Mit allen Sachen, die Sie von außen einfach Level 1, Level 2 gemacht haben, und dann sagen: „The last little sweet“, dann macht es sicher Sinn.

[Nils Behrens]

Und da genau sagen Sie das entscheidende Wort. Wenn ich mich nur von Sweets ernähre, dann kann ich es auch lassen, ehrlich gesagt.

[Dr. Liv Kraemer]

Genau. Und vor allem auch da, das finde ich so absurd, wenn man sich das auf dem Markt anschaut, wie viele Kollagenprodukte es auch gibt, die dann tatsächlich Süßstoffe oder Gummibärchen drin sind oder sonst irgendwie was. Und man sagt: „Okay, Moment, jetzt ist das Hauptproblem, was wir ja drüber gesprochen haben, die Verzuckerung der Haut, treibe ich voran, um meine Haut, meine Kollagene zu reparieren?“ Es ist ein Plus-Minus-Spiel. Das ist wirklich total... Weil das, was Sie zugeben, machen Sie gleich wieder kaputt. Dann lassen Sie es doch sein. Das ist besser für Ihr Portemonnaie.

[Nils Behrens]

Das habe ich nicht bis zum Ende ausgeführt. Ich habe ja vorhin gesagt, es gibt drei Sachen, zu denen es Studien gibt gegen Hautalterung, und das dritte wäre Vitamin C gewesen.

[Dr. Liv Kraemer]

Das finde ich immer ganz süß. Da könnte ich jetzt ganz, ganz lange drüber reden, aber ich glaube, ich weiß nicht, wie unsere Zeit da ist. Also Vitamin C auf der Haut, muss ich immer lachen, is the biggest... muss ich wirklich lachen, weil da gibt es bessere Antioxidantien als das Vitamin C. Die Idee vom Vitamin C, die Idee von Antioxidantien ist korrekt, aber ich muss sagen, wenn Sie Kollagenproduktion machen wollen oder was gegen Pigmente, dann... oder bewusst für Kollagenproduktion, dann nehmen Sie das Vitamin C als Tablette. Und dann mag ich immer das Beispiel von den Seefahrern, Skorbut. Da sind die Zähne ausgefallen, weil sie kein Kollagen produzieren konnten, weil kein Vitamin C da ist. So, wird uns nicht passieren, wir essen genug Vitamin C. Aber wenn Sie etwas pushen wollen, brauchen Sie Vitamin C. Als Beispiel: Wenn wir jetzt Behandlungen, sogenannte Bootcamps machen, also bei Behandlungen, zum Beispiel Microneedling, Radiofrequenz... dann, wenn Sie da etwas pushen, um neues Kollagen zu produzieren, brauchen Sie auch das Gasolin. Also im Endeffekt, dann müssen Sie auch bewusst intensiver Vitamin C hinzufügen. Und das sind die entscheidenden Punkte, wo man sagt, es gibt diese Supplements, die man bewusst zu Sachen hinzufügt, um es zu optimieren und wieder Gas nochmal reinzumachen, damit der Ferrari auch nicht mit Töff-Töff fährt, sondern mit 98er Benzin und dann Gas gibt.

[Nils Behrens]

Naja, aber es ist im Grunde auch vergleichbar, wie Sie Ihre Creme zusammengestellt haben, wo Sie dann eben sagen, Sie sind limitiert mit Retinol und Retinal und deswegen haben Sie eben noch etwas dazu getan, was eben auch den Effekt verstärkt. Das ist ja... das war für mich auch ein ganz interessantes Learning in der Recherche für mein Buch, zum Beispiel mit dem Thema Eiweiß. Also das Hühnerei gilt ja als Referenzwert von 100 sozusagen, was das Thema Eiweiß betrifft. Und das Witzige ist, wenn man das Ei mit Kartoffeln kombiniert, dann geht der Wert von 100 auf 130. Obwohl eigentlich in der Kartoffel ja per se jetzt kein Eiweiß drin ist, aber dadurch eben halt die Bioverfügbarkeit, also durch diese Komplexität sozusagen, eben halt der Eiweißwert steigt. Also deswegen, man kann ja schon durchaus Dinge kombinieren und witzigerweise das Bauernfrühstück, wie das Wort schon sagt, hat ja eine lange Historie und genauso weiß man es eben halt mit Linsen und Reis und solche Sachen. Also von daher, das ist schon sehr spannend, dass eigentlich unsere Vor-Vor-Vorfahren eigentlich das schon intuitiv gemacht haben, was heute die Forschung eigentlich irgendwie erst bewiesen hat.

[Dr. Liv Kraemer]

Wir haben leider, muss man auch dazu sagen, wir verschönigen immer, wie es früher war. Also da wurde auch viel, sage ich mal, Schlechtes gemacht und Leute umgebracht mit tausend Sachen, die sich dann rauskristallisiert haben. Deswegen, ich unterscheide immer so: Ja, wir wussten vieles und haben vieles richtig gemacht durch Try and Error. Und dann die Wissenschaft hat dann gezeigt, okay, was es wirklich war. Was ich auch immer ganz schön finde, ist halt zum Beispiel beim Kochen. Warum, was, wie passiert? Zum Beispiel, warum ist das Sugo so gesund? Und zwar, dann hat man die Tomate, die selber an sich, naja, nicht besonders viel Antioxidantien enthält. Aber wenn ich die Tomate über längere Zeit schön langsam gare, schmore, über Sugo zu bekommen, dann geht die Haut kaputt und das Lycopin kommt hervor und zugänglich für uns Menschen. Und so kann man eigentlich herausfinden... deswegen ja, es gibt sehr viele Sachen, die man gelernt hat oder die die Oma und Großoma so absolut natürlich gemacht haben und die wir jetzt gelernt haben, okay, das macht eigentlich absolut Sinn. Oder warum hat die Oma gesagt, guck nicht so böse? Sie hatte noch kein Botox. Die hat halt immer gemault. Ja, aber es geht darum, was ist Botulinumtoxin? Sie sind Bewegungen zwischen den Augenbrauen. Wenn ich meine Augenbrauen nonstop zusammenziehe, ist das wie Sit-ups machen. Nur bei Sit-ups muss ich mich konzentrieren. Die Augenbrauen zusammenziehen machen Sie wie auf Autopilot, ich würde mal sagen, zehnmal pro Stunde. Rechne ich auch im Buch aus. Falten sind Six-Packs. Weil wenn Sie diese Bewegung zehnmal machen pro Stunde, 10 Stunden wach sein, 100-mal pro Tag, pro Woche 700, Sie haben einen krass geilen Six-Pack zwischen den Augenbrauen. Nur sagt keiner: „Geiler Six-Pack“, sondern alle sagen: „Doofe Falte.“ Warum gibt es die Patches? Sie kleben es drauf. Warum? Weil Sie merken: Geht nicht mehr, mache ich nicht. Oder den Augen Patches, ich kann nicht mehr kneifen, also kann ich diese Bewegung nicht machen kontinuierlich und ich kriege die Falte nicht mehr. Warum hat Oma gesagt: „Guck nicht böse“? Weil wenn du die Bewegung nicht kontinuierlich machst, kommt die Falte nicht. Oma sagt das nicht mehr, weil jetzt rennen alle zum Dermatologen und Botulinumtoxin injiziert man in den Muskel, nicht in den Nerv, relaxiert diesen Muskel. Dadurch, dass die Muskulatur relaxiert, können Sie nicht mehr trainieren und wenn Sie weniger trainieren, kann die Falte sich auch regenerieren. So wie der Six-Pack weggeht, geht auch die Falte weg. Das heißt, Botox macht nicht die Falte weg, sondern die Bewegung, die kontinuierliche Bewegung, die die Falte weggehen lässt. Deswegen kann auch keine Creme Falten wegmachen, weil das ist eine kontinuierliche Bewegung. Aber Sie können es. Sie brauchen kein Botulinumtoxin. Sie müssen nicht zu uns Ärzten kommen. Sie können einfach, und das beschreibe ich auch im Buch bei den Fragen und Antworten, machen sich einen Tesafilm hier drauf. Haben Sie Falten um den Mund? Das ist durch, weil Sie dann ständig die Kussmund-Bewegung machen und die Falten sind 90 Grad davon. Tesafilm draufkleben. Sie merken: Geht nicht mehr, mache ich nicht mehr, ich höre es auf. Feedback-Mechanismus. Und darum geht es. Um Behavior Changes. Und dementsprechend, es geht immer, was wir machen, um Behavior Changes, Hinterfragung, warum wir es machen, verbessern. Das ist Optimierung. Das ist Fortschritt und das ist das, was für mich auch Longevity bedeutet.

[Nils Behrens]

Total, total. Ich finde es auch wirklich total interessant. Ich habe eine sehr gute Freundin in Berlin, die macht dieses Thema Face Yoga mit „All You Can Face“ und bei der ist das genauso. Die sagt eben halt wirklich so, wenn man sich regelmäßig um seine Muskulatur im Gesicht kümmert und das eben halt im Sinne von Entspannung eben halt auch da so tut, dann braucht man kein Botox, dann braucht man das alles nicht.

[Dr. Liv Kraemer]

Und es geht darum, wenn man sagt, ich kann mich damit jetzt nicht beschäftigen, dann ist das okay. Also auch ich habe mir selber das gespritzt.

[Nils Behrens]

Ja, aber.

[Dr. Liv Kraemer]

Aber es geht darum, ich sage meinen Patienten auch, ich mache Ihnen das nicht, weil versuchen Sie es doch erst mal selber. Weil wenn Sie merken: Geht nicht mehr, mache ich es nicht mehr, gewöhnt man es sich ab und Sie brauchen es auch nie wieder. Und Face Yoga ist super, weil Sie natürlich... aber es ist sehr schwierig, deswegen macht es Sinn, zu einem Trainer zu gehen, der das beherrscht. Weil man kann so viele Fehler machen.

[Nils Behrens]

Auch da wieder falsch machen.

[Dr. Liv Kraemer]

Weil auch da, wenn ich den einen Muskel falsch trainiere, dann mache ich mir eine Falte. Also ich glaube, wir haben vor kurzem auf dem Instagram habe ich gepostet, das Hängebauchschweinchen. Das ist so ein Hängebauchschweinchen, was runterhängt, also kann ich den Muskel hochziehen. Und dadurch trainieren, wenn ich das achtmal morgens, achtmal mittags, achtmal abends mache, kriege ich eine schönere Jawline. Einfach, weil ich dieses Hängebauchschweinchen trainiere und ihn straffe. Das heißt, es geht immer ums Ganze. Und jeder muss für sich entscheiden: Was kann er machen? Zeitlich, mental und für sich ordnen. Und dementsprechend, es fängt aber immer bei einem selber an, seine Entscheidung und dann auch konsequent durchziehen.

[Nils Behrens]

Wir gehen jetzt nochmal auf zusätzliche Reize. Wir sind jetzt sehr durch mit dem Trainingsprogramm, aber trotzdem, wenn wir jetzt so zusätzliche Reize haben. Sie haben es einmal angesprochen, das Thema Microneedling. Oder das Thema PRP. Wobei Microneedling, PRP sehr dicht beieinander häufig auch sein können, je nachdem, was man damit needelt. Aber so Lichttherapie, AHA, I don't know. Was würden Sie jetzt so sagen? Was ist das, wo Sie glauben würden, das ist gut? Oder kann man das nicht kategorisch sagen?

[Dr. Liv Kraemer]

Für mich sind Behandlungen, die wir Dermatologen machen, Bootcamps. Wie ich am Anfang schon erwähnt habe. Wenn die Haut nicht gut präpariert ist, ist es schade um Ihr Geld und meine Zeit.

[Nils Behrens]

Also erst mal die Hausaufgaben machen.

[Dr. Liv Kraemer]

Hausaufgaben machen und dann next. Keiner meiner Nicht-Patienten kann bei mir ein Fruchtsäurepeeling machen oder ein Microneedling. Ich schmeiße sie einfach raus. Weil ich sage, schade wirklich um meine Zeit und Ihr Geld. Weil die Hoffnung da ist, ich mache was und dann Magic. Das ist so wie, Sie rennen mit mir einen Marathon und dann sage ich, das bringt ja gar nichts. Machen Sie Ihre Hausaufgaben. Haben Sie die Hausaufgaben gemacht, und dann die Frage, was wäre dann gut? Und dann muss ich sagen, das kommt darauf an, was Sie wollen. Geht es um kleine Bewegungsfältchen, muss man sie relaxieren. Das ist Botulinumtoxin. Zornesfalte, um den Mund die Falten, Kinn, Augen, Nase hochziehen. Das sind Bewegungen, die Sie selber, selber ablernen können. Dazu brauchen Sie mich nicht. Wenn es aber doch nicht geht, gut. Der nächste Schritt ist, was gibt es anderes? Reden wir von Kollagen. Habe ich auch im Buch beschrieben mit den einzelnen Möglichkeiten, die man dann im Bereich Kollagen macht. Weil es geht um Hitze in der Tiefe. Wie wir uns am Anfang unterhalten haben, geht es um das... die Matratze. Und wir haben gesagt, das ist die Glibbermasse, das ist der Schaumstoff, das ist die Hyaluronsäure und das Fett in unserem Gesicht und die Spirale. Wir haben gesagt, die Spirale weitet sich, banal gesagt. Sie wird länger, leiert aus. Was machen Sie mit einem ausgelatschten Hängeshirt? So ein Strickkleid? Sie waschen es heiß. Und darauf beruhen alle Maßnahmen, die wir in der Medizin machen. Heiß, Hitze. Wie kriege ich Hitze in die Tiefe? Das heißt zum Beispiel, Microneedling, Radiofrequenz. Microneedling alleine ist nice. Microneedling funktioniert wie... kommt aus der Narbentherapie aus Indien, wo der Eisberg hoch oder tief, das ist die Narbe, hyper oder hypo drauf und ich packe da mit einem Eispickel da rein und dadurch denkt die Haut: „Hey, wir zerstören“, und fängt an Wachstumsfaktoren zu produzieren und neues Kollagen. So, das macht die Haut also im gleichen Niveau. Aber wir haben ja vorher gesagt, Kollagen machen Sie doch selber, Fruchtsäure und Retinol, richtig angewandt. Ein Jahr später merken Sie die Straffung. Warum brauchen Sie da Microneedling und viel Geld bezahlen? Dann sagen Sie: „Okay, aber Hitze.“ Dann kommen wir zum anderen Thema. Wie kriege ich Hitze in die Tiefe? Fraktionierter Laser. Was ist das? Laser, sehr komplex. CO2-Laser ist eine bestimmte Energielänge, die erst mal alles wegmacht. Das sah man ziemlich schlimm aus. Also die ersten Sachen, die wir gelasert haben, also vor ungefähr 20 Jahren, dann hat man fraktionierten Laser auf den Markt gebracht. Was heißt fraktioniert? Auch das beschreibe ich im Buch. Kleine Fraktionen. So, ich lasse also dazwischen verschiedene gesunde Teile stehen, damit die Haut sich regeneriert. Wer gut im Training ist, braucht oben nichts zerstören. Weil was will man? Die Hitze in der Tiefe. Aber da gibt es viel bessere Maßnahmen mittlerweile, nämlich Microneedling, Radiofrequenz. So, bevor ich dahin komme, gibt es aber auch noch die Option von HIFU, High Intense Focused Ultraschall. Wie funktioniert das? Hitze, Mikrowelle. Sie haben die Energie und sie targeten in der Tiefe. Blöd nur, dass Sie die Hitze nicht gut targeten können, den Ultraschall, sondern es landet im Fettgewebe. Deswegen gibt es oft sogenannte Fettatrophie, Auflösen von Fett. So, kommen wir also zum nächsten Schritt. Microneedling, Radiofrequenz. Ich gehe durch ein Backsteingebäude mit der Nadel. Die Nadel, erst wenn die Nadel drinnen ist, an der Spitze, gibt es einen Hitzeimpuls durch Radiofrequenz und dadurch, ganz banal gesagt, zum Schrumpfen des Kollagens und dadurch Tightening. Dann kommt wieder Instagram und sagt: „Ja, tiefer ist besser und ich habe gehört, die eine Firma hat auch mal Fettatrophie bekommen.“ Dann sage ich: „Ach nee, da braucht man nicht Medizin zu studieren.“ Wenn ich die Nadel richtig tief reingebe, weil tiefer ist besser, lande ich wo? Ah, im Fettgewebe. Mache ich da die Energie raus, was kriege ich? Eine Fettatrophie. So, auch da wieder. Nicht tief ist besser, nicht mehr ist besser, sondern gezielt ein System machen. Es gibt Bewusstseinsprotokolle und da soll man sich halten. Microneedling zu viel? Mein Gott, die Leute hauen sich die Nadel da rein, wo ich dachte: Seid ihr denn noch ganz deppert? Das ist Hilfe zur Selbsthilfe. Lasst doch die Haut auch mal heilen. Das heißt, meine Patienten maximal dreimal. Also vergessen Sie, dass sie es mehr bekommen. Warum? Weil es Hilfe zur Selbsthilfe darstellt, die Haut sich auch Zeit braucht, um zu regenerieren. Gilt auch für Microneedling, Radiofrequenz. Weniger ist mehr. Gezielt gut vorbereiten, dann die Therapie machen. Nicht tiefer ist besser, nicht mehr ist besser, sondern richtig. Und darum geht es. Richtige Sachen, richtige Reihenfolge.

[Nils Behrens]

Wenn Sie sich wünschen dürfen, was die HörerInnen aus dieser Folge mitnehmen, eine Sache, die sie ab jetzt anders machen würden. Welche Entscheidung würde langfristig am meisten auf die Skin Longevity einzahlen?

[Dr. Liv Kraemer]

Welche Sache? Ich würde sagen, get back in the driver's seat. Kommen Sie wieder zurück, holen Sie die Informationen von denen, die Sie brauchen und versuchen Sie wieder für sich zuständig zu sein. Nicht jemand heilt Sie. Nicht jemand macht das. Sondern Sie sind für sich zuständig und fangen Sie heute Abend an, indem Sie zum Beispiel den Zucker weglassen.

[Nils Behrens]

Ausgezeichnet, ausgezeichnet. Ansonsten ist die eine Sache natürlich, Ihr Buch zu lesen. Das Buch heißt „Skin Longevity: Der Schlüssel zu gesunder und strahlender Haut“. Was ich eben unseren HörerInnen hier sehr ans Herz legen möchte, ist im Ullstein Verlag erschienen. Ansonsten sage ich nur: Vielen Dank für das Gespräch.

[Dr. Liv Kraemer]

Vielen herzlichen Dank. Merci vielmal.

[Nils Behrens]

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