

Herzintelligenz - Emotionale Gesundheit stärken. Mit Reiner Krutti
Seit Jahrtausenden gilt das Herz als Quelle von Emotionen und Weisheit. Während die moderne Medizin oft die mechanische Funktion in den Vordergrund stellt, geht es in dieser Folge von HEALTHWISE um die faszinierenden Zusammenhänge zwischen unserem Herzempfinden und unserem Wohlbefinden. Host Jason Raffington spricht mit Reiner Krutti, dem Gründer von HeartMath Deutschland, über das Kohärenztraining und wie die Interaktion zwischen Herz und Gehirn unser tägliches Erleben beeinflussen kann.
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Das Herz als intelligentes Kommunikationszentrum
Reiner Krutti beschreibt das Herz in seinem Ansatz als weit mehr als eine rein mechanische Pumpe. Er betrachtet es als einen rhythmischen Impulsgeber, der über das Gefäßsystem mit dem gesamten Körper interagiert. Ein Kernaspekt seines Trainings ist das Modell eines komplexen Nervenzell-Netzwerks im Herzen – oft metaphorisch als ‚kleines Gehirn‘ bezeichnet.
Laut Krutti ermöglichen diese spezialisierten Strukturen eine intensive Wechselwirkung mit dem Nervensystem. Besonders spannend: Er verweist auf Untersuchungen, nach denen ein Großteil der Impulse vom Herzen Richtung Gehirn gesendet wird. Im Gespräch erklärt er, wie dieser Informationsaustausch unsere innere Balance beeinflussen kann.“
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Die vier Wege der Herz-Gehirn-Verbindung
In der Arbeit von Reiner Krutti werden vier Wege beschrieben, über die Herz und Gehirn im Austausch stehen könnten. Neben der neurologischen Verbindung über den Vagusnerv thematisiert er auch biophysikalische Impulse wie die Druckwelle des Pulses. Ein besonders interessanter Aspekt seines Modells ist die biochemische Ebene: Er beschreibt das Herz als Teil eines komplexen Botenstoff-Systems, bei dem unter anderem Oxytocin eine Rolle spielt – ein Hormon, das in der Psychologie oft mit dem Aufbau von Vertrauen assoziiert wird.
Faszinierend ist zudem Kruttis Ansatz zum elektromagnetischen Feld des Herzens. Er vertritt die Ansicht, dass die elektrischen Impulse des Herzens eine feine Resonanz erzeugen, die weit über den Körper hinaus spürbar sein kann.
HRV und Herzkohärenz als Schlüssel zum Wohlbefinden
Ein zentraler Begriff in der Arbeit von Reiner Krutti ist die Herzratenvariabilität (HRV). Sie gilt in seinem Modell als ein Indikator für die Fähigkeit unseres Organismus, auf äußere Anforderungen zu reagieren. Ein Herz, das flexibel schlägt und nicht metronomisch starr bleibt, wird oft mit einer besseren Anpassungsfähigkeit assoziiert. Krutti beschreibt diese Flexibilität als eine Art innere Reserve, die auch unser Empfinden von Fokus und mentaler Klarheit unterstützen kann.
Während die HRV die Variation misst, beschreibt die Herzkohärenz die Qualität des Rhythmusmusters. In Momenten von Ausgeglichenheit zeigt das Herz ein harmonisches Muster. Reiner Krutti erläutert im Podcast, wie wir durch gezielte Übungen diesen Zustand der Kohärenz aktiv fördern können, um unsere allgemeine innere Balance im Alltag zu stärken.
CHeckListe: Vorteile der Herzkohärenz
- Unterstützung der inneren Ruhe: In stressigen Momenten hilft die Technik dabei, die emotionale Mitte leichter wiederzufinden.
- Förderung von Ruhephasen: Das Training unterstützt den Körper dabei, schneller in einen Zustand der Entspannung und Regeneration zu finden.
- Mentale Ausgeglichenheit: Die Harmonisierung von Herz- und Atemrhythmus kann das Empfinden von Fokus und Klarheit im Alltag fördern.
- Stärkung des Körpergefühls: Die Praxis ermöglicht einen besseren Zugang zur eigenen Wahrnehmung und fördert ein stimmiges Gesamtbefinden.
Die Praxis des Kohärenztrainings im Alltag
Um die innere Balance im Alltag zu fördern, empfiehlt Reiner Krutti die Technik des herzfokussierten Atmens. Dabei wird die Aufmerksamkeit bewusst in die Herzgegend gelenkt, während man sich vorstellt, ruhig durch den Herzraum ein- und auszuströmen. Ein gleichmäßiger Atemrhythmus unterstützt dabei, das Zusammenspiel der körpereigenen Regulationssysteme sanft zu harmonisieren.
Besonders wirkungsvoll ist die Anwendung in stressigen Momenten oder als Vorbereitung auf wichtige Termine. Reiner Krutti betont, dass regelmäßiges Üben dabei hilft, den Körper in einen Zustand tiefer Entspannung zu führen und so die Regeneration zu unterstützen. Schon wenige Minuten täglich genügen, um ein stabileres inneres Gleichgewicht und ein gesteigertes allgemeines Wohlbefinden zu fördern.
Checkliste: 5 Schritte zum herzfokussierten Atmen
- Fokus finden: Lenke deine Aufmerksamkeit ganz bewusst auf den Bereich deines Brustbeins, um bei dir selbst anzukommen.
- Anker setzen: Lege optional eine Hand auf das Herz, um die körperliche Wahrnehmung dieses Bereichs zu unterstützen.
- Herzatmung: Nutze deine Vorstellungskraft: Stelle dir vor, wie der Atem sanft durch die Herzgegend ein- und ausströmt.
- Rhythmus halten: Atme etwas langsamer und vor allem sehr gleichmäßig – finde deinen ganz persönlichen Wohlfühl-Takt.
- Gefühlsebene: Verbinde die Atmung mit einem stärkenden Gefühl wie Dankbarkeit oder Wertschätzung, um die Übung abzurunden.
Die Bedeutung des Lifestyles
Dennoch bleibt der persönliche Lebensstil das Fundament jeder Behandlung. Ausreichend Schlaf unterstützt die natürlichen Regenerationsphasen des Körpers. Ergänzend empfiehlt sie die gezielte Zufuhr von Vitamin C, das als Antioxidans die Zellen vor oxidativem Stress schützt und eine normale Kollagenbildung für eine gesunde Hautfunktion unterstützt. Zu ihren Lieblings-Präraten gehören außerdem Omega-3-Fettsäuren (DHA/EPA), die ab 250mg täglich einen Beitrag zu einer normalen Herzfunktion leisten, sowie Vitamin D, das zur normalen Funktion des Immunsystems beiträgt.
TAKE AWAYS
- Das Herz verfügt über ein komplexes Geflecht aus Nervenzellen und steht in einem kontinuierlichen, intensiven Dialog mit unserem Gehirn.
- Der Herzrhythmus erzeugt ein messbares Feld, das laut Experten die Qualität unserer inneren emotionalen Balance widerspiegeln kann.
- Die Herzratenvariabilität (HRV) dient als Indikator für die Fähigkeit des Körpers, flexibel auf tägliche Anforderungen zu reagieren.
- Dieser Zustand beschreibt ein harmonisches Zusammenspiel der Rhythmen, das wir als angenehme innere Ausgeglichenheit und Klarheit wahrnehmen.
- Schon kleine, bewusste Atempausen im Alltag können uns dabei unterstützen, unsere körpereigene Regenerationsfähigkeit und das allgemeine Wohlbefinden zu fördern.
Mehr erfahren im healthwise Podcast von sunday natural
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Reiner Krutti ist Gründer, Geschäftsführer und Ausbildungsleiter von HeartMath Deutschland sowie ein führender Experte für Herzintelligenz und Kohärenztraining. Er verbindet wissenschaftliche Forschung mit praktischen Methoden, um Menschen zu einer besseren Selbstregulation und emotionalen Balance zu verhelfen.
Mehr unter: www.heartmathdeutschland.de
(0:00 - 0:23) Aber ich kann dafür sorgen, dass mein System resilient ist. Und darum geht es. Egal, was im Außen passiert, je resilienter mein System ist, desto weniger schadet mir das, was von außen kommt. Je nachdem, welche Qualität es natürlich hat. Ich kann ein Autounfall haben, nützt mir Resilienz nicht so viel. Aber alles, was wie so eine emotionale Belastung ist, ist eine innere Resilienz der beste Schutz, den ich aufbauen kann.
[Jason Raffington] (0:23 - 1:50)
Herzlich willkommen zu Healthwise, dem Gesundheits Podcast präsentiert von Sunday Natural. Mein Name ist Jason Raffington und in diesem Podcast erkunden wir gemeinsam, was es bedeutet, gesund zu sein. Wir tauchen ein in Themen wie Medizin, Bewegung, Ernährung und emotionale Gesundheit. Immer mit einem weisen Blick auf das, was uns wirklich gut tut.
Seit Jahrtausenden gilt das Herz als Quelle von Emotionen, Mut und Weisheit. Und bis heute klingt das in unserer Alltagssprache nach. Wir handeln von Herzen. Etwas ist eine Herzensangelegenheit und manchmal nehmen wir uns Dinge sehr zu Herzen. Gleichzeitig beschreibt die moderne Medizin das Herz oft nüchtern als Muskelpumpe und Taktgeber des Körpers. Doch ist das Herz wirklich nur eine Pumpe oder spielt es eine aktive Rolle dabei, wie wir Emotionen verarbeiten, wie wir denken und wie wir Stress regulieren? Genau hierzu forscht das HeartMath-Institut in den USA seit Jahrzehnten mit dem Anspruch, das Zusammenspiel von Herz, Nervensystem und Gehirn nicht nur zu erklären, sondern auch praktisch nutzbar zu machen. Mein heutiger Gast ist Reiner Krutti. Er ist Gründer, Geschäftsführer und Ausbildungsleiter von HeartMath Deutschland und ein führender Experte für Herzintelligenz und Kohärenztraining. Heute sprechen wir darüber, wie die Kommunikation zwischen Herz und Gehirn physiologisch funktioniert, was Herzkohärenz bedeutet und wie man die Intelligenz des Herzens nutzen kann, um unsere Gesundheit nachhaltig zu verbessern. Herzlich willkommen, Reiner. Ja, Reiner, wir starten ja mal mit einer Sonntagsfrage. Und meine Frage an dich ist, was tust du sonntags für deine Herzgesundheit?
[Reiner Krutti] (1:51 - 2:41)
Genau, was tue ich sonntags für meine Herzgesundheit? Also ich gehöre zu den Eulen und deswegen habe ich so im Alltag unter der Woche nicht ausreichend Zeit, um so in den Alltag zu starten, wie ich das möchte. Das heißt, sonntags ist für mich der Moment, wo ich einfach wirklich in meinem Rhythmus sein kann, weil unter der Woche sind halt schon E-Mails da, da klingelt dann schon das Telefon. Das heißt, ich nehme mir viel Zeit. Gerade im Winter ist es wunderschön. Wir haben einen schönen Kamin, da setze ich mich vor den Kamin und lasse einfach nur mal so meine Gedanken fließen, einfach nur mal präsent zu sein und habe dann einfach auch mehr Raum für Zeit mit mir, also Zeit für die Verbindung mit mir. Und das ist, was für mich der Sonntag besonders ausmacht. Und dann Zeit mit der Familie, also viel Verbindung. Also ich glaube, das ist so wesentlich, was den Sonntag unterscheidet, dass ich Zeit zur Verbindung mit mir selber und mit anderen Menschen habe.
[Jason Raffington] (2:42 - 2:52)
Das klingt gut. Also es ist eher die die entspanntere Form, um das Herz zu unterstützen, also nicht Ausdauertraining und sich anstrengen, sondern eher runterkommen und Entspannung. Das klingt gut.
[Reiner Krutti] (2:52 - 2:59)
Genau, wobei natürlich Bewegung schon auch einen wichtigen Aspekt darstellt. Aber dann ist es eher mal längerer Spaziergang oder so.
[Jason Raffington] (3:00 - 3:16)
Reiner, für die Leute, die noch nie von HeartMath gehört haben, ich habe es jetzt ganz kurz angeschnitten im Intro, aber vielleicht kannst du nochmal erklären, was das HeartMath-Institut ist und wie du dazu gekommen bist, für HeartMath zu arbeiten beziehungsweise den deutschen Zweig zu eröffnen.
[Reiner Krutti] (3:17 - 7:19)
Ja, gerne. Also HeartMath wurde 1991 gegründet und zwar von einer Gruppe von Menschen, inspiriert vor allem von Doc Childre, so heißt dieser Hauptgründer. Und es ist eine Gruppe von Menschen gewesen, die schon jahrelang zusammen meditiert haben, zusammen Persönlichkeitsentwicklung gemacht haben. Und bei ihrer Arbeit war das Herz immer im Zentrum. Und sie haben sich schon lange gefragt, wenn, du hast es auch eingangs gesagt, unsere Sprache so viel über das Herz sagt, wenn in allen religiösen oder spirituellen Traditionen das Herz eine ganz besondere Rolle spielt, dann muss das einen Grund haben. Und vielleicht haben wir, und das war so die Frage, mit unseren westlichen wissenschaftlichen Messmöglichkeiten, Methoden, Forschungsmethoden die Möglichkeit, dem auf den Grund zu gehen. Und das war die Inspiration für das HeartMath-Institut. Und sie haben ganz spannende Entdeckungen dann eben gemacht, was wirklich zeigt, warum das Herz eine ganz besondere Rolle spielt, eben auch bei dem Entstehen von Emotionen, bei der Selbstregulation, aber auch auf einer spirituellen Ebene. Und ich denke, das wird ja auch dann Teil des Podcasts heute sein. Und haben dann sehr viel publiziert auch, weil ihnen was das wichtig. Also ich glaube, im Westen braucht man häufig so eine wissenschaftliche Anbindung, dass man eben die Dinge auch erklären kann. Wir wollen das verstehen. Wir wollen es nicht nur erfahren, wir wollen es verstehen, wie das funktioniert. Und wir brauchen häufig auch so, damit wir uns darauf einlassen können, mal was wirklich auszuprobieren, wollen wir erst mal vorher so die wissenschaftliche Erklärung haben. Und es war im Prinzip auch mein Weg dahin, weil ich war lange Zeit in der Automobilindustrie, bei einem französischen Hersteller, und ich hatte sehr viel Stress, sehr viel Druck, sehr viel Energie dort gelassen. Und mir hat es gleichzeitig immer so irgendwie an dem letzten Sinn, an der letzten Bedeutung gefehlt. Es hat Spaß gemacht, war eine spannende Zeit. Es war in der Mitte der 90er Jahre. Und gleichzeitig war es eben auch sehr, sehr, sehr kräftezehrend. Und was mir am meisten gefehlt hat, war die Möglichkeit, im Alltag meinen Stress zu regulieren. Damals gab es schon so die ersten Seminare rund um das Thema Work-Life-Balance, auch mit der Idee, okay, wenn du tagsüber viel Stress hast, musst du abends was für den Ausgleich tun. Was mir aber gefehlt hat, war, wenn mein Chef anruft und sagt, Leute, wir brauchen noch bis zum Monatsende dieses und dieses Ergebnis. Und ich mir gleichzeitig denke, wir haben eigentlich schon alles gemacht. Wir haben wirklich schon überall im Team, wir haben eigentlich keine Möglichkeit mehr, da noch was zu machen. Da kommt ein extremer Druck auf, weil ich weiß, die Erwartung ist da. Aber nach unten kann ich nichts mehr weitergeben. Das heißt, unser Mittelmanagement war ja echt immer so diese Position, die quasi so als Tampon das auffangen mussten. Und da hat mir was gefehlt, mich regulieren zu können. Ich bin dann ausgestiegen, bin dann in eine andere Richtung gegangen, habe einen Ausbildung als Heilpraktiker und Osteopath gemacht und dann gleichzeitig gemerkt, aber dieses Thema beschäftigt mich noch. Wie kann man im Alltag Stress regulieren und wie kann ich dann quasi jetzt meine beiden Welten zusammenbringen? Und ja, da kam ich durch den berühmten Zufall auf ein Buch von einem französischen Arzt, David Servan-Schreiber. Und Servan-Schreiber hat in seinem Buch so wunderbar geschrieben, dass unser Körper viel enger mit unserem emotionalen Gehirn verbunden ist, also unser Verstand mit unserem emotionalen Gehirn verbunden ist, weshalb es über den Körper wesentlich einfacher und effektiver ist, Emotionen zu regulieren. Und das Herz spielt eine ganz besondere Rolle, schreibt er. Und dann beschreibt er eine Methode, wo man auch am Bildschirm schauen kann, was sich verändert im Herzrhythmus, wenn man gewisse Übungen macht und wie man das zu Stressregulationen nutzen kann. Und das ist genau das, was ich immer gesucht habe. Und man kann es auch noch messen. Ich bin ja so ein Zahlen, Daten, Fakten Mensch. Und da hat er eben über das HeartMath Institute und die Arbeit von HeartMath geschrieben. Und dann kam dann eins aufs andere. Es hat dann einige Jahre gedauert, weil es war 2005, habe ich das Buch gelesen und 2013 gab es dann die Gründung von HeartMath Deutschland.
[Jason Raffington] (7:21 - 7:43)
Da geht ja eigentlich schon hervor, dass du das Herz als mehr als nur eine Pumpe ansiehst. Wie würdest du das Herz denn beschreiben? Was würdest du denn sagen, ist die Aufgabe des Herzens? Also ich meine, das ist jetzt wahrscheinlich, könntest du wahrscheinlich sehr weit ausholen, aber wenn du das jetzt kurz und knapp versuchst zu erläutern, wenn jemand dich fragt, was ist denn das Herz für uns? Warum brauchen wir das?
[Reiner Krutti] (7:44 - 10:27)
Ja, also wenn man es klinisch kardiologisch uns anschauen würde, würde man sagen, das Herz ist eine Pumpe, das dafür zuständig ist, vor allem das Blut durch den Körper zirkulieren zu lassen. Jetzt darf man sich mal vorstellen, wenn man die ganzen Blutgefäße aus dem Körper rausnimmt, hintereinander weglegt, dann kommen wir, da gibt es unterschiedliche Schätzungen, die einen sagen 40.000 Kilometer, die anderen sagen 100.000 Kilometer. So, jetzt haben wir eine Pumpe in der Größe einer Gartenteichpumpe, so groß ist das Herz ungefähr, und diese soll eine Flüssigkeit dicker als Wasser, weil Blut ist ja dicker als Wasser, 40.000 Kilometer weit pumpen. Da kommen wir so physiologisch an die Grenzen. Jetzt ist dieses Beispiel natürlich auch nicht ganz richtig, weil der Blutkreislauf ist ja nicht nur linear, sondern das habe ich auch parallel. Dennoch weiß man mittlerweile, dass das Herz nicht alleine zuständig ist für die Zirkulation des Blutes, sondern dass es noch andere Stellen gibt, vor allem auch die Gefäße selber, die für den Blutkreislauf sorgen. Dann stellt sich die Frage, aber warum dieses kontinuierliche, was wir als Pumpen bezeichnen, und da ist eher die Idee mittlerweile, dass das Herz den Rhythmus auf dem Blutkreislauf aufschwingt, also wie so ein Dynamisator, der für eine Dynamik sorgt und dadurch Informationen durch den Körper transportiert. Also das ist eine ganz wesentliche Aufgabe, das Herz als Kern von einem rhythmischen oder einem Taktgeber im gesamten System. Und dann wissen wir mittlerweile seit den 80er Jahren, dank eines Forschers namens Andrew Armour, dass es im Herzen 40.000 bis 50.000 Neuronen gibt. Neuronen sind Nervenzellen, die wir auch im Kopf haben, also im Gehirn haben, und dass diese Neuronen ganz unterschiedliche Funktionen haben und es eine ganz enge Kommunikation zwischen Herz und Gehirn gibt. Also man geht davon aus, dass über 80 Prozent der Kommunikation zwischen Herz und Gehirn aufsteigende Kommunikation ist. Das kann man wissen, wenn man den Vagusnerv durchschneidet, so einer der Hauptkommunikator zwischen Kopf und Körper. Und der Vagusnerv hat über 80 Prozent aufsteigende Nervenfasern, und Nervenfasern können nur in eine Richtung funken. Und daran sieht man, es gibt viel mehr Information, die nach oben steigt als die nach unten steigt. Jedes Organ sendet Informationen, aber das Herz-Kreislauf-System hat eine ganz besondere Aufgabe in dieser Kommunikation, weil der Rhythmus des Herzens, der ja dann vom Gehirn empfangen wird, hat einen ganz wesentlichen Einfluss darauf, wie wir fühlen, wie wir klar denken können und auch noch für andere Systeme.
[Jason Raffington] (10:28 - 10:58)
Das ist interessant, weil häufig denken wir ja, dass unser Gehirn sozusagen die Hauptzentrale in unserem Körper ist und alles andere steuert. Aber jetzt sagst du, dass das Herz eigentlich viel mehr Informationen von unten nach oben sendet. Also, es ist ein sehr, sehr intelligentes System. Und HeartMath benutzt ja auch die Bezeichnung Herzintelligenz und spricht, glaube ich, auch vom Herzgehirn, weil es halt eben dieses sehr komplexe System, das sehr komplexe Organ ist. Vielleicht kannst du auch noch mal erklären, was man noch unter dem Begriff Herzintelligenz versteht.
[Reiner Krutti] (10:59 - 12:28)
Ja, gern. Also, vielleicht nochmal wichtig, es ist vor allem das Zusammenspiel, das wir brauchen. Also, es geht jetzt nicht darum, das Gehirn, tun wir jetzt weg, jetzt haben wir nur noch das Herz, das wäre so das andere, extrem aus dem reinen Gehirnzentrierten in ein rein herzzentriertes. Sondern es geht darum, dass diese beiden, dass wir quasi zu einer, wir nennen es mittlerweile so, Herz-Gehirn-Kohärenz kommen. Also, zu einem guten Zusammenspiel, da kann man nachher vielleicht ja nochmal drauf eingehen. In den 70ern gab es einen Wissenschaftler, Karl Pribram, der gesagt hat, unser Gehirn ist ein Mustererkennungssystem. Das heißt, es bekommt ganz viele Informationen in Form von Mustern. Und in Abhängigkeit von diesen Mustern fällt das Gehirn Entscheidungen. Und wenn eben dieses Gehirn keine Informationen bekommt, dann ist es eben auch nicht in der Lage, Entscheidungen zu fällen. Deswegen braucht das Gehirn absolut den Körper, auch um Entscheidungen fällen zu können. Das kleine Gehirn im Herzen ist letztendlich nicht nur, wie soll ich sagen, diese Neuronen, die haben unterschiedliche Eigenschaften. Diese Neuronen können zum einen Informationen aufnehmen, also das heißt, die haben Wahrnehmungsfähigkeiten, Informationen verarbeiten, weiterleiten, ja, Kurzzeit- und Langzeitgedächtnis. Und deswegen kann man sagen, im Herz wohnt eine gewisse Intelligenz inne. Weißt du, wann das Herz anfängt zu schlagen im Mutterleib, bei einem werdenden Baby? Schon mal gehört?
[Jason Raffington] (12:28 - 12:31)
Ich glaube, bevor das Gehirn sich ausgebildet hat.
[Reiner Krutti] (12:32 - 13:31)
Genau, also nach drei Wochen, 21 Tage, 21 bis 25 Tage, und da ist überhaupt noch kein Gehirn angelegt. Das Herz ist auch das Letzte, was aufhört. Also wenn das Herz aufhört, dann sind wir tot. Und das heißt also, das Herz begleitet uns und hat einfach noch eine gewisse Mystik, der wir noch gar nicht so richtig auf die Spur gekommen sind. Da gibt es jetzt so die ersten Ansätze. Und wenn man dann nochmal zurückgeht in die Ideen der verschiedenen religiösen Traditionen, zum Beispiel im Christentum ist das Herz auch der Ort, wo Gott zu uns spricht. Also es scheint eben auch wie so ein Tor zu sein zu spirituellen Themen. Aber da wollen wir jetzt glaube ich gar nicht erst mal reingehen. Aber Herzintelligenz bedeutet, dass wir in Verbindung mit dem Herzen Zugriff zu Informationen haben, die wir rein über den Verstand nicht so einfach kriegen. Nehmen wir das Beispiel Intuition. Intuition wird halt eher dem Herzen zugeschrieben als dem Gehirn zum Beispiel.
[Jason Raffington] (13:33 - 13:42)
Ja, das hört man ja auch wieder in der Sprache. Also man soll auf sein Herz hören. Man soll Entscheidungen erst mal nicht aus dem Kopf treffen, sondern tun, was das Herz einem sagt.
[Reiner Krutti] (13:43 - 14:35)
Genau. Und es gab ja dann diese Zeit der Aufklärung rund um Descartes. Ich denke, also bin ich so. Und da gab es eben Blaise Pascal, der dann gesagt hat, okay, aber le coeur a des raisons que la raison ne connaît pas. Das ist ein Wortspiel auf Französisch, weil raison sowohl Gründe wie auch Verstand heißt. Das heißt, wenn man das übersetzt, heißt es, das Herz hat seine Gründe, die der Verstand nicht kennt. Und ich glaube, das kennen wir alle, dass wir so diese, wenn man sagt, das ist meine Herzensentscheidung und das heißt, dass der Verstand vielleicht sagt, mach das lieber nicht, das ist gefährlich oder was wollen die Leute denken oder was auch immer dann vom Gehirn kommt oder vom Verstand kommt. Aber hier weiß ich nicht, muss es machen, auch wenn es vielleicht total absurd klingt oder überhaupt für die anderen nicht nachvollziehbar ist. Aber ich weiß es. Also hier ist mehr ein Wissen. Ich würde mal sagen, hier ist Wissen und hier ist Glauben.
[Jason Raffington] (14:36 - 14:46)
Ja, du hattest gesagt, das Herz kommuniziert über Neuronen mit dem Gehirn. Gibt es noch andere Wege, wie wie der Informationsaustausch zwischen Herz und Gehirn stattfindet?
[Reiner Krutti] (14:46 - 17:40)
Genau, es gibt vier Kommunikationswege. Zum einen eben über die Nervenbahnen, über diese Neuronen und den Vagusnerv. Dann gibt es den biophysikalischen Kommunikationsweg. Also ich kann ja hier Puls messen. Ich kann am Spann unten am Fuß Puls messen. Wenn ich ins Gehirn reingreifen könnte, könnte ich da auch Puls messen. Das heißt, jede Zelle weiß auch über die Blutdruckwelle, in welchem Rhythmus, in welchem Muster das Herz schlägt. Das ist der zweite Weg. Der dritte Weg ist biochemisch, weil das Herz in den 80er Jahren, glaube ich, oder 90er Jahren wurde das Herz auch als Hormon-produzierendes Organ, also Hormondrüse qualifiziert. Da wurde ein Hormon gefunden, das heißt ANF, atrialer natriuretischer Faktor, das beispielsweise bei der Stressregulation hilft. Und man hat im Herzen auch die Produktion von Oxytocin, also unser Beziehungshormon, festgestellt. Das heißt also, der hormonelle Weg ist ein sehr langsamer Weg, aber auch ein Weg, über den das Herz mit dem Körper kommuniziert. Und dann wird ja die Kontraktion des Herzens durch elektrische Impulse erzeugt. Und das ist ja kontinuierlich, so 60 mal, 80 mal pro Minute wird ein elektrischer Impuls erzeugt und dadurch entsteht ein elektromagnetisches Feld. Und dieses magnetische Feld, das das Herz produziert, ist zum einen wesentlich größer als das Magnetfeld, das das Gehirn produziert. Auch das Gehirn hat ja Stromfluss. Auch da wird ein Magnetfeld produziert. Aber das vom Herzen ist deutlich, deutlich größer, deutlich intensiver. Und das ist mit modernen Magnetometern, so heißen diese Messinstrumente, nur so in zwei bis drei Metern Abstand rund um den menschlichen Körper messbar. Es gibt unterschiedliche Aussagen. Die einen sagen so ein Meter, die anderen sagen zwei bis drei Meter. Das hängt in aller Regel davon ab, wie messfein diese Magnetometer sind. Weil muss man Leute halt in Kabinen stecken, wo sonst keine Magnetfelder sind, um das wirklich messen zu können. Und das heißt also, wenn ich mit jemandem am Tisch sitze oder mit einer Gruppe mit Menschen am Tisch sitze, dann sitzen wir gegenseitig in diesen elektromagnetischen Feldern. Und auch da findet eine Form von Kommunikation statt. Rollin McCraty, das ist unser Forschungsdirektor vom HeartMath Institute, der sagt, wir können uns das Magnetfeld des Herzens wie so eine Trägerwelle vorstellen. Trägerwelle kennt man vom Radio. Wenn man sein Radio auf eine bestimmte Frequenz einstellt, 103,7, dann ist es die Trägerfrequenz. Und dann darauf werden dann Nachrichten, Musik oder sonst irgendwas draufgelegt und kommt dann, weil wir Sender und Empfänger auf die gleiche Frequenz eingestellt haben, entsteht dann eine Kommunikation. Und dieses Magnetfeld des Herzens dient eben der Trägerwelle, was den Vorteil und den Nachteil hat, dass ich kontinuierlich das, was im Inneren ist, nach außen sende, ob ich das will oder nicht. Und manchmal will ich es ja nicht. Ich will ja nicht, dass jemand merkt, dass ich Angst habe oder ich will nicht, dass jemand merkt, dass ich wütend bin. Aber unbewusst kriegen wir das auf jeden Fall mit.
[Jason Raffington] (17:41 - 17:58)
Ich glaube, viele kriegen das auch bewusst mit und merken, wenn man zum Beispiel einen Raum betritt oder jemand gegenüber hat einfach schlechte Laune, dann spürt man das manchmal auch. Und vielleicht ist das ja auch der Grund, dass man einfach dieses Magnetfeld wahrnimmt, weil sich dann eben die Schwingungen entsprechender Emotionen verändern und man merkt, irgendwas stimmt hier nicht.
[Reiner Krutti] (17:59 - 18:07)
Genau. Diese, was wir als so dicke Luft eher chemisch bezeichnen, ist eher etwas, was wir auf einem anderen als in fünf klassischen Wahrnehmungssinnen wahrnehmen.
[Jason Raffington] (18:07 - 18:27)
Ja, und das, was du auch gesagt hast, dass das Herz auch Oxytocin produziert. Im Englischen ist es ja das Love-Hormon, das Liebes-Hormon. Das ist dann ja auch wieder, man spürt es im Herzen. Und ich glaube, allgemein denkt man eher, dass es im Gehirn produziert wird, hauptsächlich. Aber wie du sagst, ist das Herz eben auch diese Hormondrüse, die eben dafür verantwortlich ist, dass wir dieses Hormon ausschütten.
[Reiner Krutti] (18:27 - 19:04)
Genau. Und dann ist ja die Frage, wo sind die Hauptrezeptoren? Da bin ich jetzt kein Spezialist drin, aber das eine ist ja, wo wird es produziert und wo hängen dann die Rezeptoren, wo es angedockt wird? Da wird natürlich das Wesentliche im Gehirn angedockt. Und die Beziehung, die Verbindung gehen wir natürlich dann auch mit unserem Verstand ein. Deswegen ist ja, glaube ich, das Wesentliche, was ich verstehe, ich muss erst mal mit mir in Verbindung sein. Also Kontakt ist ja nicht direkt eine Verbindung, sondern eine Verbindung entsteht dann, wenn ich mit mir in Verbindung bin und dann eben auch wirklich von Herz zu Herz mit dir in Verbindung gehe. Das ist was anderes als nur dieser oberflächliche Kontakt.
[Jason Raffington] (19:06 - 19:31)
Also man kann jetzt schon sehen, dass das Herz eine sehr große Rolle für die Regulation unserer Emotionen spielt, beispielsweise auf verschiedene Wege. Wir sprechen später auch darüber, wie man das noch ein bisschen gezielt kontrollieren kann. Also verschiedene Atemtechniken, verschiedene Konzentrationsmöglichkeiten. Welchen Einfluss kann das Herz denn noch auf unsere Gesundheit nehmen? Welche Bereiche werden da angesprochen?
[Reiner Krutti] (19:33 - 22:58)
Also mein Herz ist natürlich erst mal selbst etwas, wo ganz viel Medizin darauf achtet, dass es dem Herzen gut geht. Wir schauen ja viel mehr auf die Gesamtintegration. Und man kann die Aktivität des Herzens nutzen, um einen Spiegel zu kriegen für die Aktivität des autonomen Nervensystems. Und unser autonomes Nervensystem im Biologieunterricht ist ja der Teil von unserem Nervensystem, der ohne unser bewusstes Zutun, deswegen ja autonomes Nervensystem, macht es selbst, ohne dass wir eingreifen müssen, über 90 Prozent unserer Körperfunktionen steuert. Und dieses autonome Nervensystem hat zwei Äste, nämlich den Sympathikus und den Parasympathikus. Der Sympathikus ist der Teil, der für die Aktivität zuständig ist. Sobald wir aktiv sind, wenn wir die Treppe hochsteigen oder auch so jetzt wie wir beide hier sitzen, haben wir trotzdem so eine Grundaktivität. Das wird vom Sympathikus gesteuert, der dann auch, wenn es kritisch wird, dafür zuständig ist, dass wir in bedrohlichen Situationen flüchten oder kämpfen können. Also, die Kampf- und Fluchtreaktion wird auch von dem Sympathikus gesteuert. Das heißt, der aktiviert uns und verbraucht Energie. Und dann gibt es den Parasympathikus, der häufig so als Gegenspieler bezeichnet wird, wobei, passt nicht so ganz, die Hauptaufgabe von Parasympathikus ist, Energie zur Verfügung zu stellen. Zum einen steuert er unter anderem die Verdauung. Das heißt, über die Verdauung gewinnen wir neue Energie. Aber der Parasympathikus ist insgesamt dafür zuständig, die Systeme herunterzufahren. Also wenn wir zum Beispiel nach einer stressigen Situation wieder zur Ruhe kommen, dann ist es gut, dass der Parasympathikus sehr aktiv sein kann und die Systeme schnell wieder runterfahren kann, damit wir nicht unnötig Energie verbrauchen. Und der Parasympathikus ist natürlich ganz wichtig für unsere Gesundheit. Was man zum Beispiel weiß, ist, wenn ein unteraktiver Parasympathikus, also wenn er zu wenig aktiv ist, dass wir tendenziell zu mehr Entzündungen neigen. Es gibt so diesen mittlerweile, so diesen Begriff von Inflammation. So diese Inflammation, habt ihr wahrscheinlich auch schon einiges in anderen Podcasts darüber gemacht und dieses schnell vorzeitige Altern. Und da spielt eben auch der Parasympathikus eine Rolle, weil die Aktivität des Vagusnervs, der Parasympathikus wird über den Vagusnerv, also als absteigende Information reguliert. Der sorgt dafür, dass Entzündungen eher unten gehalten werden. Andersherum, wenn ich halt einen schwachen Parasympathikus habe, dann mache ich eher die Türen auf für Entzündungen. Der Parasympathikus sorgt dafür, dass wir uns wirklich erholen, wenn wir nachts schlafen. Wir wissen von Langzeit-HRV-Messungen, wo man über 48 Stunden die Herzaktivität misst, aber nicht, um das als EKG auszuwerten, sondern eben zu schauen, was macht das autonome Nervensystem in unterschiedlichen Momenten, dass man dann auch in den Tiefschlafphasen sieht, dass diese Menschen keine parasympathische oder kaum parasympathische Aktivierung mehr haben. Und dann schlafen die zwar, aber es findet keine Regeneration statt. Das ist so ein bisschen das Fatale, wir dürfen durchschlafen nicht mit erholsamen Schlaf verwechseln.
[Jason Raffington] (22:59 - 23:30)
Ja, ich glaube, da ist auch gerade nochmal ein wichtiges Stichwort gesagt, und zwar HRV. Und letztendlich, wenn wir über diese beiden Äste sprechen, Parasympathikus und Sympathikus, ist ja nicht einer gut und der andere schlecht, sondern es geht um die Balance zwischen beiden. Das heißt, wir wollen, dass beide gut funktionieren, dann funktionieren, wenn sie funktionieren sollen. Und vielleicht kannst du auch nochmal, wir hatten das schon in vorigen Episoden, also müssen wir gar nicht so tief da einsteigen, aber vielleicht kannst du trotzdem nochmal den Begriff HRV erklären und den dann auch mit einem anderen wichtigen Begriff von HeartMath abgrenzen, und zwar der Herzkohärenz.
[Reiner Krutti] (23:30 - 28:10)
Ja, gerne. Und ich finde es ganz wichtig, was du sagst. Es gibt ja ganz viele Bücher mittlerweile rund um den Vagus und den Parasympathikus. Und ich glaube, der hat in den letzten Jahren auch zum Glück ganz viel an Bedeutung gewonnen, dass man sich mit dem Vagusnerv auseinandersetzt. Und gleichzeitig hat man oft den Eindruck, aber der Sympathikus ist so der Bad Guy und der Parasympathikus der Good Guy. Und das stimmt natürlich überhaupt nicht, sondern wenn überhaupt irgendwas bad ist, das ist unsere kontinuierliche Überinterpretation von Situationen als stressreich. Und das sind halt unsere Prägungen. Und der Sympathikus macht dann seinen Job, der macht den so gut er kann, nämlich er sorgt dafür, dass wir in den Kampf- oder Fluchtmodus kommen. Und das macht auf Dauer natürlich krank. Wie Rollin McCraty von HeartMath so sagt, wenn der Parasympathikus nicht mehr funktioniert, haben wir echte Probleme. Wenn der Sympathikus aber auch nicht mehr funktioniert, dann machen wir gar nichts mehr. Und das ist genau das, was wir beobachten können über die HRV-Messungen, komme ich gleich noch dazu, dass bei Menschen in der Regel zunächst der Parasympathikus schwächer wird, der Sympathikus noch funktioniert und wenn die dann so richtig ausgebrannt sind, im Burnout hängen, in der Stressdepression hängen, dann funktioniert der Sympathikus halt auch nicht mehr. HRV ist im Prinzip nichts anderes als das Phänomen, dass unser Herz kontinuierlich dabei ist, zu beschleunigen und wieder abzubremsen. Das heißt, wenn man sich das über 60 Sekunden anschaut, wenn man die EKG zum Beispiel über 60 Sekunden anschaut, dann sieht man, die Abstände zwischen den Herzschlägen, die sind nie gleich. Vor allem nicht aufeinander vor den Herzschlägen und das ist sehr gesund, das hat also nichts mit Rhythmusstörungen zu tun. Und sind im Prinzip ein Anpassungspotenzial, weil auch wenn wir im Tiefschlaf sind, dann liegen wir ja ganz ruhig da, haben wir eine Variabilität und das ist, wenn man sich das so vorstellen möchte, wie ein Fußballtorwart, der auf einen Elfmeter wartet, der steht ja auch nicht da wie die deutsche Eiche fest angewurzelt, sondern ist in so einer leichten Pendelbewegung. Und diese Pendelbewegung sorgt dafür, dass wir so eine Grundflexibilität haben und je größer diese Pendelbewegung auch in Ruhe ist, desto größer die Grundflexibilität, die Anpassungsfähigkeit. Und deswegen kann man über die HRV-Messung einfach nur gucken, in welchem Ausmaß, in welcher Amplitude schwingt das Herz. Zum Beispiel in Ruhe kann das sein, dass es zwischen 50 und 70 Herzfrequenz ist. Das heißt, das Herz beschleunigt Richtung 70, dann verlangsamt es wieder Richtung 50, dann habe ich zum Beispiel eine 20er Amplitude. Und dann kann es aber sein, dass es nur zwischen 70 und 72 zum Beispiel schwingt. Dann habe ich eine deutlich kleinere Amplitude. Und wenn ich das in Vergleich setze mit der Durchschnitts-Amplitude von meiner Altersgruppe, dann habe ich da eine Aussage über meine eigene Variabilität im Vergleich zu meiner Referenzgruppe. So, ich bin jetzt 58 und ich gucke halt, wie hat ein Mann mit 58 im Schnitt in Ruhe eine Variabilität. Ich brauche natürlich dann immer das identische Messprotokoll, damit ich vergleichen kann, ob es eine Ruhe ist oder eine provozierte tiefe Ein- und Ausatmung. Das sind ganz unterschiedliche Werte dann. Und dann kann ich sagen, okay, wenn jemand eine niedrige Variabilität hat im Vergleich zu seiner Referenzgruppe, dann hat er ein deutlich erhöhtes Risiko für im Prinzip sämtliche Gesundheitsthemen, vor allem aus dem chronischen Gesundheitsbereich oder chronischen Krankheitsbereich von Rheuma über Herz-Kreislauf-System, über Krebs, über eben alles, was eben mit Entzündung auch zu tun hat. Da gehört ja auch der rheumatische Komplex mit dazu, reduziertes Immunsystem. Wir wissen aber auch, dass diese Menschen eine größere Schwierigkeit haben mit schwierigen Situationen, also emotional schwierigen Situationen. Die HRV ist wie so eine Resilienzreserve, eine emotionale Resilienzreserve. Und ganz neue Studien zeigen, dass sogar so die exekutiven Funktionen, also das, was wir vor allem hier so im präfrontalen Cortex haben, dass wir als Menschen planen können, vorausschauen können, uns Ziele setzen können, dass diese exekutiven Funktionen auch abhängig sind von einer guten Variabilität. Und das ist für mich der Grund, weshalb die Herzratenvariabilitätsmessung in den letzten 10, 20 Jahren so viel an Bedeutung gewonnen hat, weil wir wissen, es geht ja um das autonome Nervensystem. Die HRV durchzieht unser gesamtes Leben und es ist klug zu wissen, wo stehe ich. Und es ist noch klüger zu wissen, wie kann ich damit umgehen und wie kann ich den Nutzen, um eben eine bessere Ausgangsbasis für Gesundheit, emotionales Gleichgewicht, aber auch für kognitive Leistungsfähigkeit zu schaffen.
[Jason Raffington] (28:10 - 28:40)
Also es geht letztendlich darum, anpassungsfähig zu bleiben. Ich denke da immer an den Spruch von Darwin, Survival of the fittest bedeutet nicht Überleben des Stärksten, sondern Überleben des Anpassungsfähigsten. Und das spiegelt sich eben sehr gut in der HRV wieder. Und ich finde es auch noch mal wichtig, dass du sagst, man muss seine HRV mit seiner Altersgruppe vergleichen. Weil wenn jetzt ein Teenager seine HRV mit jemandem mit Anfang 60 oder 70 vergleicht, dann vergleicht man Äpfel und Birnen. Also das ist dann nicht gleichzusetzen.
[Reiner Krutti] (28:40 - 28:42)
Genau, ganz wichtig. Genau, ja.
[Jason Raffington] (28:43 - 28:53)
Und HeartMath spricht ja auch von der Herzkohärenz. Was ist das jetzt für ein Begriff oder wie unterscheidet sich die Herzkohärenz von der HRV?
[Reiner Krutti] (28:54 - 31:13)
Genau, also im Prinzip kann man die Herzratenvariabilität nach zwei Hauptkategorien auswerten. Das eine ist quantitativ, wo ich gesagt zwischen die Amplitude zwischen 60 und 80 oder 50 und 70 schlägen oder zwischen 70 und 72. Und es gibt jede Menge verschiedene Kennzahlen. Also wenn jemand mit einer Pulsuhr eine Smartwatch misst oder es gibt ja Ringe, die HRV messen, dann wird in der Regel eine bestimmte Kennzahl gemessen und da steht aber dann HRV. Aber die HRV ist nicht eine Kennzahl, sondern es gibt ganz, ganz viele Kennzahlen. Das ist alles quantitativ. Die Entdeckung, die das HeartMath-Institut Anfang der 90er-Jahre gemacht hat, ist, dass wenn man die HRV sich in Echtzeit über einen Zeitraum anschaut, dass es unterschiedliche Muster gibt. Es kann sehr chaotisch sein, wie zum Beispiel das Relief der Dolomiten oder auf der anderen Seite sehr harmonisch, gleichförmig schwingend, fast schon wie eine Sinuswelle. Und beides ist HRV. Beides ist eine Variabilität, aber das Muster des Herzrhythmus, und da kommen wir auf die qualitative Frage, kann sehr chaotisch sein oder sehr harmonisch. Und was sie festgestellt haben, ist, wenn jemand innerlich sehr ausgeglichen ist oder ganz bewusst über Atmung, über gleichmäßiges Atmen, etwa vertieftes Atmen, herzfokussiertes Atmen und dann auch noch eine bestimmte Herzensqualität mit hinzunimmt, also zum Beispiel Mitgefühl fühlt oder Wertschätzung oder Fürsorge oder Dankbarkeit fühlt, dass dann der Rhythmus des Herzens zu einem sehr, sehr gleichförmigen Schwingen wird. Also fast schon sinuswellenförmig. Die Sinuswelle besteht ja wirklich aus ganz, ganz identischen Wellen. Jetzt sind wir keine Maschinen, erzeugen also keine reinen Sinuswellen, aber es kann schon sehr, sehr gleichförmig aussehen. Und das wurde dann 1995 im amerikanischen Kardiologenjournal auch veröffentlicht, weil das war wirklich bahnbrechend, dieser Unterschied, weil man hat sich bis dahin und auch heute hauptsächlich quantitativ mit der HRV auseinandergesetzt und hier kommt eben dieser qualitative Aspekt und dieser Zustand von dem gleichförmigen Schwingen haben sie dann als Kohärenz oder als Herzkohärenz bezeichnet.
[Jason Raffington] (31:14 - 31:27)
Ja, es macht dabei ja auch keinen Unterschied, ob man eine hohe HRV hat, also man kann eine hohe HRV haben, die kohärent schwingt und man kann eine hohe HRV haben, die inkohärent schwingt.
[Reiner Krutti] (31:27 - 31:40)
Genau, also ich nehme ein Beispiel vor, ich kann zwischen 50 und 70 Herzfrequenz schwingen, gleichförmig schwingen oder sehr chaotisch sein, oder ich kann zwischen 70 und 72 sehr gleichförmig schwingen oder sehr chaotisch sein.
[Jason Raffington] (31:41 - 31:47)
Kannst du nochmal erklären, was dann jetzt genau die Vorteile von einer hohen Kohärenz im Vergleich zu einer niedrigen Kohärenz sind?
[Reiner Krutti] (31:48 - 34:29)
Wenn man sich dann anschaut, wie entsteht Kohärenz? Kohärenz entsteht in Form einer Synchronisation des autonomen Nervensystems, aber nicht Synchronisation wie so Synchronschwimmer, dass alle das Gleiche machen, sondern genau der Anteil im autonomen Nervensystem, der jetzt aktiv zu sein hat, ist aktiv und der andere hält sich zurück. Und wenn ich in Ruhe bin und in einem Gefühl von Wertschätzung, gibt es überhaupt keinen Grund für den Sympathikus aktiv zu werden. Das heißt, der hält sich zurück und dieses gleichförmige Schwingen wird vom Parasympathikus gesteuert. Es ist so ein bisschen, wenn man sich überlegt, wie Wellen an der Nordsee. Und wir haben ja dann die Tiden, Ebbe und Flut, das sind eher so die langfristigen Zyklen. Dann haben wir die normalen Wellen. Das ist eher so die klassische HRV, die vor allem im Schwingen, in kurzfristigen Veränderungen nur vom Parasympathikus erzeugt werden können. Und der Sympathikus verschiebt eher so das Gesamtniveau. Also wenn wir beispielsweise von jetzt auf nachher wütend werden, dann reduziert sich die kurzfristige Variabilität. Aber das Pulsniveau geht nach oben. Also wenn das Sympathikus einmal feuert, dann kann das einen Effekt haben von 60 bis 90 Sekunden. Solange wirkt sich einmal Sympathikus Aktivität aus. Parasympathisch, wenn der Parasympathikus einmal feuert, also Nerven feuern ja über diese Synapsen, dann ist es nach einem Herzschlag, anderthalb Herzschlägen verpufft. Das heißt, der Parasympathikus muss immer wieder feuern, um quasi kurzfristige Regulation der Herzrate machen zu können. Andersrum ausgedrückt, dieses kurzfristig gleichförmige Schwingen wird vom Parasympathikus erzeugt und wir aktivieren durch Kohärenzübungen den Parasympathikus. Das hat zwei wesentliche Vorteile. Der eine Vorteil ist, wir schicken den Sympathikus in den Urlaub vorübergehend. Der darf sich ausruhen das ganze System, das hinten dran hängt. Und der Parasympathikus wird aktiviert und dadurch trainiert. Wir kennen ja aus dem Körper immer diese Idee use it or lose it. Und es gilt eben nicht nur für Muskeln, es gilt auch für Nervenverbindungen. Und durch regelmäßiges Kohärenztraining trainieren wir den Parasympathikus, wir stärken den Vagusnerv mit all den Vorteilen, die es hat, einen gut funktionierenden Vagusnerv zu haben. Nämlich die Nachteile, die wir haben, haben wir vorher besprochen. Und wenn wir den Parasympathikus trainieren, und da gibt es mittlerweile ganz viele Studien, die zeigen, wenn man den regelmäßig trainiert, dann wird die HRV größer mit all den positiven Aspekten, die da hinten dran stehen.
[Jason Raffington] (34:29 - 34:47)
Wenn du jetzt sagst, wir wollen den Parasympathikus trainieren, da denke ich jetzt auch an Entspannungsübungen. Aber ist das gleichzusetzen? Kann man sagen, dass eine hohe Kohärenz gleichzusetzen ist mit einer hohen Entspannung, weil beides ja irgendwie den Parasympathikus unterstützt?
[Reiner Krutti] (34:48 - 36:27)
Wir sind da auf einem anderen Spektrum im Rahmen des Parasympathikus. Kohärenz ist mehr eine Gelassenheit kombiniert mit einer erhöhten Achtsamkeit. Wir haben einen YouTube-Kanal und da gibt es ein paar Videos, zum Beispiel aus dem französischen Fernsehen, wo man sieht, wie französische Kampfpiloten genau diese zum Beispiel herzfokussierte Atmung trainieren. Und die Ausbilderin bringt es so schön auf den Punkt. Sie sagt, Kohärenz ist ein Zustand mit einer erhöhten Achtsamkeit verbunden mit einer Gelassenheit. Und das ist im Prinzip Kohärenz. Also Kohärenz ist nicht primär Entspannung. Es baut aber überhöhte Anspannung ab. Ich vergleiche das immer so mit einem Muskel, ohne jetzt wirklich ganz großer Spezialist zu sein, aber mit einem Muskel, der total kalt ist, der vielleicht total entspannt ist, aber total kalt, der will nicht direkt 100 Prozent Leistung abgeben. Das ist so die totale Entspannung. Auf der anderen Ebene haben wir den Muskel kurz vor dem Krampf. Also maximale Anspannung. Und was wir wollen, ist irgendwo mittendrin. So einen Grundtonus, weil von da aus ist der Muskel am leistungsfähigsten. Und genau das wollen wir in unserem inneren System auch haben. Wenn wir uns vorstellen, Sonntagnachmittags auf der Couch, vielleicht auch noch schwer gegessen, da sind wir total entspannt. Aber wenn dann jemand direkt von uns eine körperliche oder mentale Leistung fordert oder wir müssen uns emotional auf etwas einstellen, ganz schwierig. Wir müssen uns erst mal innerlich aufbauen. Und Kohärenz ist, ich bin da. Also ich habe gestern mit einer Kollegin gesprochen, die ist Tierärztin, die meinte so wie Katzen. Katzen, die vermeintlich entspannt sind, aber die sind hoch kohärent, weil die sofort da sind. So ein Zustand ist das.
[Jason Raffington] (36:27 - 36:52)
Ja, das heißt, das ist auch relevant für beispielsweise für Sportler, also die ja dann auch aktiv sind und die können auch in einem kohärenten Zustand sein. Die sind dann nicht, sagen wir es mal auf dem Spielfeld, Fußballer, die sind jetzt nicht super entspannt, sondern die sind da, die sind in hoher Kohärenz. Das heißt, sie können gute Entscheidungen treffen, schnell reagieren, sind anpassungsfähig. Also es ist jetzt wirklich nicht so, dass man auf der Couch liegen muss, um hohe Kohärenz zu erreichen.
[Reiner Krutti] (36:53 - 38:36)
Genau. Wenn man jetzt natürlich bei einem Fußballspieler im Spiel messen würde, würden wir bei dem natürlich durch seine körperliche Aktivität ganz viel auch Sympathikus-Aktivität, dann würden wir keine sehr hohe Kohärenz messen. Da sprechen wir dann von operationaler Kohärenz, weil durch die Sympathikus-Aktivität er einfach nicht messbar ist. Aber für den Fußballspieler gibt es nun ein gutes Beispiel. Ich hatte vor einigen Jahren das Glück, mit dem Alain Sutter zu arbeiten. Alain Sutter ist auch einer von unseren HeartMath-Coaches. Die Älteren von uns kennen Alain Sutter, war Schweizer Fußball-Nationalspieler. Ich glaube, bei der WM 94 in den USA war er auch dabei, hat auch mal ein Jahr lang bei Bayern München gespielt. Und er hat es so schön beschrieben in Phasen, wo er heute, wo er das Kohärenz nennt, damals kannte der den Begriff einfach noch nicht, wo er wirklich total mit sich in Verbindung war. Da habe er eine innerliche Verlangsamung erlebt, eine innerliche Entschleunigung. Und er hatte alle Zeit der Welt, den gegnerischen Verteidiger auszuspielen. Und in den Momenten, wo er halt nicht so optimal mit sich verbunden war, sagt er, da habe er keine Chance gehabt, da war der Verteidiger einfach schneller. Und das ist auch das, was Kohärenz bringt, so eine innere Verlangsamung, um dann im richtigen Moment Entscheidungen zu fällen, ohne aber viel nachdenken zu müssen. Weil dann bin ich eben hier wieder mit dem Herzen verbunden und kann einfach intuitiv die Dinge machen. Und jetzt ist natürlich klar, wenn ein Fußballspieler am Rennen ist, dann kann der, währenddessen macht er keine HeartMath-Übungen. Aber was man natürlich machen kann, die haben immer wieder Momente, wo die durchschnaufen, wo sie stehen, wo sie sich neu orientieren, ein paar Atemzüge, herzfokussiertes Atmen. Golfer machen das zum Beispiel, vor dem Schlag, ein paar Atemzüge, herzfokussiertes Atmen und dann überlastet es ihren Körper, weil die Körperintelligenz viel besser ist, als wenn sie mit Verstand versuchen würden, den Körper zu steuern. Das funktioniert ja dann nicht.
[Jason Raffington] (38:37 - 39:04)
Ich kann mir auch gut vorstellen, dass es in Situationen, die emotional sehr geladen sind, sei es im Job oder mit dem Partner, mit der Partnerin, dass man, wenn man in einem kohärenten Zustand in so eine Konversation reingeht, wahrscheinlich gelassener ist, sich besser ausdrückt, vielleicht nicht so reaktiv ist und dadurch eben die Situation nicht eskalieren lässt, dass man einfach ruhiger und gelassener bleibt. Genau.
[Reiner Krutti] (39:04 - 40:19)
Und deswegen empfehlen wir, was wir PrEP nennen, also Prepare, das heißt vorbereiten. Das heißt, wenn ich weiß, ich habe jetzt ein wichtiges Gespräch mit der Lebensgefährtin, mit dem Lebensgefährten auf der Arbeit, dass ich mich dann vorher schon innerlich darauf vorbereite. Das Spannende ist, wenn man in Unternehmen Trainings gibt und fragt, wie bereitet ich euch denn auf Meetings vor? Dann kommt ganz viel inhaltlich. Ich gucke die Tagesordnung an von diesem Mal, was habe ich dazu beizutragen und so, aber ich höre selten: Und dann gehe ich vor dem Meeting nochmal in mich und schaue, dass ich mich innerlich wirklich fokussiere, ausrichte. Es gibt Leute, die das machen, aber es sind leider ganz wenige. Aber das ist eigentlich das Wesentlichste überhaupt, wenn ich mit anderen Menschen in Verbindung bin, dass ich gucke, aus welchem inneren Zustand heraus gehe ich in die Verbindung? Bin ich gut bei mir? Weil je mehr ich bei mir bin, desto mehr kann ich den anderen bei sich sein lassen, kann gut reagieren, aber muss nicht überreagieren. Und das ist ein ganz wesentlicher Aspekt, was wir dann eben auch kohärente Kommunikation nennen, dass ich, bevor ich in die Kommunikation gehe, mich mit mir selber verbinde und dann eben mehr auch aus dem Herzen heraus spreche.
[Jason Raffington] (40:20 - 40:43)
Das haben wir auch schon anfangs angesprochen. Das ist ja auch das, was man ausstrahlt, unter anderem auch eben über die elektromagnetische Strahlung. Und dann denke ich jetzt beispielsweise auch an Lehrer oder Lehrerinnen, die mit vielen Kindern zusammenarbeiten, wenn die auch schon diese Ruhe und Gelassenheit ausstrahlen oder Eltern, die mit ihren Kindern kommunizieren, Kinder, die vielleicht quengeln, wenn man selber diese Ruhe in sich trägt. Das macht bestimmt einen großen Unterschied.
[Reiner Krutti] (40:45 - 41:35)
Ich erinnere mich noch, vor einigen Jahren hatte ich eine Teilnehmerin in einer Ausbildung und die hatte ein kleines Kind und die hat am Abend des ersten Tages gesagt, das probiere ich jetzt mal aus bei meinem Kind, weil sie immer versucht hat, ihr Kind auch über Worte zu beruhigen, so gut zuzureden. Und sie hat dann am nächsten Tag gesagt, an diesem Abend hat sie nur die Übung gemacht. Sie hat mit dem Kind überhaupt nicht geredet, also nicht viel geredet, zumindest nicht versucht, es zu überreden, sondern einfach in den Arm genommen und hat ihre Übung gemacht. Und sie hat gesagt, es war ein Unterschied wie Tag und Nacht, weil vorher war sie eher gestresst. Das Kind hört nicht auf zu weinen und das ist ja wie so eine Spirale. Dann wird es immer schwieriger und dann versucht man immer mehr, also forciert, man versucht mit Kraft, das Kind zu beruhigen und es funktioniert halt nicht. Das ist dann diese Spirale und dann stresst man sich gegenseitig.
[Jason Raffington] (41:37 - 42:14)
Ja, wir haben es jetzt schon öfter gehört, dass man das auch trainieren kann, dass man bestimmte Übungen machen kann. Und du hattest auch schon ein paar Dinge genannt. Atemübungen, sich emotional fokussieren, positive Gedanken zu haben. Vielleicht können wir da jetzt auch noch mal ein paar konkretere Beispiele nennen oder das mal durchgehen. Wir hatten auch vorher schon drüber gesprochen, dass wir auch tatsächlich mal eine Session zusammen machen. Das ist dann wie eine geführte Meditation, richtig, wo du dann oder du kannst du vielleicht besser erklären, wie genau das abläuft, dass wir das die ZuhörerInnen sich das vielleicht ein bisschen besser vorstellen können, weil das klingt jetzt alles vielleicht relativ abstrakt, herzkohärent, HRV und vielleicht machen wir das dadurch ein bisschen greifbarer.
[Reiner Krutti] (42:15 - 45:39)
Ja, vielleicht gehen wir erst mal über die Übungen und dann überlegen wir, wo man das überall machen kann, im Alltag zum Beispiel. Perfekt. So die Einstiegsübung ist herzfokussiertes Atmen und da steckt im Namen schon drin, was wir tun. Das heißt, wir bringen einen Teil unserer Aufmerksamkeit oder wesentlichen Teil unserer Aufmerksamkeit in unsere Herzgegend. Was wir empfehlen, ist, wenn man mit so Aufmerksamkeit verlagen in den Körper noch nicht viel Erfahrung hat, dass man die Hand so gut hier auf das Brustbein legen kann. Unser Herz schlägt ja eigentlich ziemlich zentral und direkt hinterm Brustbein. Das heißt, wenn man die Aufmerksamkeit in der Herzgegend bringt, bringt man sie im Prinzip erst mal zum Brustbein. Es geht nicht darum, dass wir zwingend das physische Herz spüren müssen. Es kann sein, dass die Wahrnehmung sich so verändert, dass wir dann auch mehr von Herzschlag wahrnehmen. Muss aber überhaupt nicht sein. Es geht erst mal so um diesen Herzraum hier wahrzunehmen und dann, und das ist eine reine Vorstellung, stelle ich mir vor, dass ich durch die Herzgegend ein- und ausatme. Es ist gut, die Ausatmung so etwas zu verlangsamen, aber ohne sich dabei anzustrengen. Langsam und vor allem gleichmäßig zu atmen und die Aufmerksamkeit in der Herzgegend zu halten und sich wie gesagt vorzustellen, dass die Luft durch die Herzgegend einströmt. Und ich stelle mir sogar so vor, die Luft strömt durch die Herzgegend ein und strömt bis in den Bauch. Also ruhig die Zwerchfellatmung mit nutzen. Also nicht die Luft hier oben im Brustraum festhalten. Wirklich sich vorzustellen, die strömt durch die Herzgegend ein und dann strömt sie nach unten und beim Ausatmen geht es in die andere Richtung. Und vielleicht machen wir das einfach mal gemeinsam. Ja und vielleicht ist es gut, dafür die Augen zu schließen oder den Blick etwas unscharf zu stellen, um so ein bisschen die Eindrücke von außen weg zu filtern. Und dann lade ich dich ein, wenn du möchtest, deine Hand auf dein Brustbein zu legen. Und dann bring deine Aufmerksamkeit in deine Herzgegend. Du kannst die Ausatmung wie einen Aufzug nach unten verwenden, um mit jeder Ausatmung etwas mehr von deiner Aufmerksamkeit in deine Herzgegend zu bringen. Und stell dir dann vor, wie du durch deine Herzgegend ein- und ausatmest. Nutz gern weiter die Zwerchfellatmung. Ruhiges, gleichmäßiges Atmen. Und noch ein paar Atemzüge, Herzfokus und Herzatmung. Okay, danke schön.
[Jason Raffington] (45:41 - 46:19)
Also ich kenne diese Übungen schon. Ich mache die jetzt tatsächlich auch schon seit, ich glaube, zwei oder zwei, drei Monaten. Und du hast mir auch so ein Bio-Feedback-Gerät zukommen lassen, was ich dann auch testen konnte. Vielleicht kannst du auch noch mal erklären, was diese Bio-Feedback-Geräte machen, was der Sinn davon ist. Und wie wir gesehen haben, man braucht die nicht unbedingt. Also es geht auch so. Und diese Übungen kann man ja auch jetzt tatsächlich unterwegs machen. Also ich hoffe, unsere ZuhörerInnen konnten da jetzt vielleicht auch mitmachen und waren jetzt nicht zu konzentriert bei irgendwas, wo sie nicht mal kurz atmen konnten. Aber ich denke, da kann jeder sich mal kurz die Zeit nehmen und ein bisschen sich aufs Herz konzentrieren.
[Reiner Krutti] (46:20 - 50:21)
Genau. Also das ist quasi so die jederzeit und überall Technik. Ich habe gesagt, französische Kampfpiloten nutzen das beispielsweise auch, wenn sie schon im Flieger sitzen und sich auf den Start vorbereiten, aber auch in kritischen Situationen, im Flugzeug. Weil da geht es ja wirklich darum, aus dieser erhöhten Achtsamkeit, aber inneren Ruhe heraus Entscheidungen zu fällen und nicht in Hektik oder Panik Entscheidungen zu fällen. Es gibt ein wunderbares Projekt bei unseren niederländischen Kollegen von HeartMath Benelux, mittlerweile HeartMath Europa, die 50.000 oder noch mehr Polizisten in den Niederlanden trainiert haben. In dem Video auf unserer Homepage, auf dem YouTube-Kanal, wird noch von 34.000 Polizisten gesprochen. Das ist aber schon einige Jahre her. Und die lernen eben auch, diese herzfokussierte Atmung auf der Fahrt zum Einsatz anzuwenden. Da kann man sich vorstellen, dass das Mikrofon, das Funkgerät läuft, das Martinshorn läuft. Das geht ziemlich hektisch zu. Die machen es mit offenen Augen und die machen das natürlich nicht mit Biofeedback. Die machen keine Messung parallel, weil es geht hier darum, um die Regulationsfähigkeit. Als HeartMath angefangen hat mit den Studien und dann gesehen hat, man kann durch solche Übungen, das Muster im Herzen verändern, haben sie Leute im Labor gehabt, die haben dann während den Übungen die Messungen gemacht. Die Leute haben im Labor dann gesehen, das ist ja spannend, wie sich das Muster im Herzen verändert. Dann wurden die nach Hause geschickt zum Üben und kamen dann so alle ein, zwei Wochen wieder zurück, um dann wieder zu messen, während sie üben. Und da haben sie gesagt, wir würden zu Hause auch gern die Möglichkeit haben, das zu messen. Gerade wenn man neu mit so etwas anfängt, dann kann es sein, dass man noch keine Veränderung fühlt, weil es teilweise subtil ist und es braucht, um Veränderung wahrzunehmen. Und es gibt Menschen, die sich sehr weit von ihrem Körper entfernt haben und einfach so diese feine Veränderung nicht fühlen können. Die spüren nichts mehr. Und da ist Biofeedback eine unheimliche Unterstützung, weil ich sofort weiß, hey, das, was ich tue, funktioniert auch. Als ich zum ersten Mal gesehen habe, wie sich mein Herzrhythmus durch so eine Übung verändert hat, wow, das funktioniert tatsächlich. Auch wenn ich schon so eine Idee hatte, ja, das könnte, ich merke so ein bisschen Unterschied, aber da war es für mich klar, es funktioniert tatsächlich. Und das ist jetzt über 20 Jahre her. Ich mache es immer noch einmal am Tag mit Messung, weil ich mittlerweile diese Messung nutze, um Informationen für mich zu kriegen, nicht um zu sagen, heute war ich nicht so gut, sondern heute war, ging es nicht so gut, in Kohärenz zu kommen. Was ist denn heute los? Und da komme ich mir auf die Spur. So nutze ich es mittlerweile. Und am Anfang ist es eine unheimliche Hilfe, um feintunen zu können, um erstmal eine Bestätigung zu kriegen, hey, das funktioniert tatsächlich. Und mit dem Wissen, was es dann für positive Konsequenzen für mich hat, dann bleibe ich dabei, weil darum geht es ja. Anfangen ist nicht das Thema, aber dran zu bleiben, um wirklich Veränderungen zu erzeugen, da brauche ich manchmal unterschiedliche, auch extrinsische Motivationsfaktoren. Und das Messen ist halt ein ganz wesentlicher. Also für mich war es am Anfang totaler Turbo auf meine Motivation, meine Übungstreue. Das heißt, ich sehe, wie es sich verändert in Echtzeit, kriege ein Feedback, kann auch ein akustisches Feedback mir holen. Das heißt, ich kann meine Übung mit geschlossenen Augen machen und nutze es dann als Trainingsmoment. Und dann gibt es halt den Alltag. Und ich hatte mir am Anfang zum Beispiel angewöhnt, jedes Mal, bevor ich jemand angerufen habe, heute würde man sagen, bevor man jemand eine Sprachnachricht macht, einfach ein paar Atemzüge, herzfokussiertes Atmen zu machen. Der Inhalt wird anders. Ich komme mehr auf den Punkt. Und wie wir vorhin gesagt haben, die ganze energetische Schwingung, die sich dadurch in mir verändert, die ist halt auch in der Sprachnachricht mit drin. So, das sind zum Beispiel Momente. Und dann habe ich einen Anker, und wenn es so zwei, drei Atemzüge sind, aber ich brauche irgendwelche Anker im Alltag, wenn ich das mache, dann mache ich vorher ein paar Atemzüge, herzfokussiertes Atmen.
[Jason Raffington] (50:21 - 51:04)
Ja, ich finde das richtig gut. Also durch dieses Biofeedback-Gerät fand ich es auch nochmal sehr anschaulich, weil man dann halt wirklich gesehen hat, was sich verändert, schon allein durch die Atmung. Aber dann gibt es noch einige weitere Übungen, wo man dann noch Emotionen mit einbaut, wie zum Beispiel Dankbarkeit oder man denkt an, also ich mache das immer, ich denke dann an Personen, die mir wichtig sind oder an schöne Situationen. Und das sehe ich dann direkt im Gerät. Also für die ZuhörerInnen, das ist einfach so ein Ohr-Clip, so ein kleines Ding, was man sich ans Ohr macht. Und dann sieht man auf dem Handy das Biofeedback. Man sieht dann sozusagen die Daten. Man sieht einen Score, also man sieht Punkte. Das geht von null bis, ich weiß nicht, was der Maximalscore ist, den man bekommen kann.
[Reiner Krutti] (51:04 - 51:08)
Zehn, aber das habe ich jetzt noch nie gesehen, aber es kann zweistellig werden.
[Jason Raffington] (51:08 - 52:07)
Ja, genau. Und dann sieht man eben, wie stark man in Kohärenz ist. Dann kriegt man da eben eine Zahl und das ist dann sehr spannend. Und ich habe dann auch Experimente gemacht und habe meine Atmung unregelmäßig gemacht, habe dann einfach mal ganz schnell geatmet und einmal tief eingeatmet, dann die Luft angehalten. Und dann habe ich gemerkt, okay, mein Score geht runter. Dann habe ich mir positive Gedanken gemacht, ging er wieder hoch. Dann habe ich mal was Schlechtes gedacht, dann ging er runter. Und das zeigt dann auch wirklich, wie stark unsere Gedanken unsere Physiologie beeinflussen. Und ich finde es sehr, sehr eindrücklich. Und ich mache das auch jeden Tag einmal. In der Regel entweder morgens oder abends. Da habe ich jetzt tatsächlich noch keinen komplett festen Rhythmus, aber einmal am Tag mit Gerät und häufig, wenn ich unterwegs bin, wenn ich in der Bahn sitze und irgendwo hinfahre oder vor dem Podcast habe ich das heute auch gemacht. Da hatte ich nicht so viel Zeit, aber das braucht nicht lange. Wir haben die Übung ja gerade zusammen gemacht. Das sind ein paar Atemzüge, mal kurz konzentrieren und ich fühle mich danach immer besser. Also ich muss nicht mehr dieses Feedback sehen. Ich merke schon, ich spüre das jetzt schon.
[Reiner Krutti] (52:08 - 54:51)
Genau. Und das ist so, wie wenn ich anfange zu laufen. Die meisten Leute kaufen sich dann eine Pulsuhr, weil es ganz schwierig ist zu beurteilen, in welchem Pulsbereich bin ich denn unterwegs? Und relativ schnell ist man dann so erfahren, dass man sagt, jetzt weiß ich, jetzt laufe ich eher bei einem 130er Puls oder jetzt bin ich eher bei einem 150er Puls. Viele behalten dann die Pulsuhr weiter. Aber sie haben eigentlich schon das Gefühl, sie haben schon erreicht, was sie mit dieser Pulsuhr erreichen wollten, nämlich über das Außen besser wieder mit sich selber in Kontakt zu kommen. Und für mich ist das, was wir mit unserem Biofeedback-System machen, wir sind die Pulsuhr für emotionale Zustände, wenn man so möchte. Wie du es schon beschreibst, am Anfang war es nicht so klar, wo stehe ich jetzt gerade? Mittlerweile habe ich ein gutes Gespür. Bin ich jetzt eher bei 3 Kohärenz oder bei 7 Kohärenz? Also ich kann auch nicht sagen, ich bin bei 3,5 oder 3,7, ist auch vollkommen egal. Es geht ja um die Tendenzen und es geht auch vor allem darum zu schauen, wie verändert sich es bei mir im Zeitverlauf und wie ist es vorher, bevor ich die Übung mache und dann während ich die Übung mache? Und jede positive Veränderung im Sinne von einer ansteigenden Kohärenz ist eine Form von Training. Und wir haben ja ganz viele emotionale Reaktionsmuskeln, die haben wir uns antrainiert, schon von klein auf. Wir nennen es dann Glaubenssätze oder was auch immer. Und die werden ganz schnell von innen an getriggert. Und jedes dieser emotionalen Reaktionsmuster hat auch eine bestimmte HRV-Musterprägung. Und dann haben wir dominante HRV-Musterprägungen. Ich komme aus einer Angstfamilie. Meine Großmutter, kriegsgeprägt, sagt jeden Morgen zu mir, als ich in die Schule gegangen bin, die haben bei uns im Haus gewohnt, Reiner, immer aufpassen. Was entsteht natürlich in so einem kleinen Reiner? Ein massives Gefühl von Unsicherheit. Die Welt ist bedrohlich. Und das war lange, lange Zeit ganz der Kern von meiner HRV, von meinem HRV-Muster. Und ich durfte über Jahre, und das ist ein Prozess, ein ganz langer Prozess, da langsam herausüben, um ein vertrauensvolleres Grundmuster zu etablieren. Und mir hat es unheimlich geholfen, das immer wieder zu messen, weil dadurch blieb ich dran. Es gab immer auch mal Phasen, wo ich dann weniger geübt habe. Aber durch das Messen hatte ich einfach viel, viel mehr Trainingsmotivation, und dann verändert sich im Laufe der Zeit was. Das heißt, ich habe sowohl den momentanen Effekt, wie du beschreibst, ich mache die Übung und es fühlt sich anders an. Und ich komme mit der Zeit in ein anderes Grundmuster, eine andere Grundschwingung, dass ich mehr eine Grundgelassenheit habe. Und die trainiert man sich an, indem zum einen der Parasympathikus stärker wird, aber zum anderen eben auch dieses Grundmuster, dieses HRV-Grundmuster sich verändert.
[Jason Raffington] (54:52 - 55:34)
Es gibt ja auch eine sehr hilfreiche App von HeartMath. Ich weiß nicht, ob es die auch auf Deutsch gibt. Also ich habe bisher nur die englische Version gesehen. Da gibt es einige dieser Meditationen, das sind dann so geführte Meditationen. Man kann auch Audiobooks hören von HeartMath und ja, es gibt Kurse direkt da drauf. Also man kann wirklich sehr viel lernen. Es ist sehr ergiebig. Ich benutze es jetzt, wie gesagt, schon seit ein paar Monaten und bin immer noch nicht durch mit dem ganzen Content. Es ist extrem spannend. Und man braucht tatsächlich auch dieses Biofeedback-Gerät nicht, weil man das auch über die Kamera am Handy machen kann. Vielleicht kannst du auch noch mal kurz hier erklären, wie das funktioniert. Weil das ist, glaube ich, dann vielleicht der erste Kontaktpunkt für viele, die sich jetzt noch nicht direkt so ein Gerät zulegen.
[Reiner Krutti] (55:34 - 57:58)
Ja, genau. Ja, also das ist die HeartMath App. Die heißt dann, wenn man im App Store schaut, HeartMath App. Und die gibt es mittlerweile nur auf Englisch. Wir hoffen, dass wir die auch mal auf Deutsch bekommen. Aber die ist relativ einfach erklärt. Also wenn man so ein bisschen Englisch spricht, kann man damit wunderbar arbeiten. Zumindest für den Messaspekt. Also ich meine natürlich die Audiobooks, E-Books, da muss man schon so ein bisschen besser Englisch sagen. Wir haben auch jede Menge Content bei uns auf der Homepage auf Deutsch. Und gemessen wird im Prinzip mit der Kamera vom Smartphone. Das heißt, man legt den Finger auf die Kamera. Am Ohrläppchen ist es so, dass da quasi die Pulswelle abgegriffen wird über so einen Photoplethysmografen. Und das Gleiche passiert eben auch mit der Kamera vom Smartphone, die über den Finger dann die Pulswelle abgreift. Das heißt, wir messen in der App jetzt nicht EKG, das wäre zu kompliziert, sondern wir messen den Abstand zwischen den Pulswellen. Und jeder Herzschlag und jede Pulswelle sollten mehr oder weniger übereinstimmen. Für Biofeedback reicht das vollkommen. Von der Qualität her. Und dann kann man über diese Kameramessung eben auch sehen, in welchem Niveau von Kohärenz bin ich. Also ich sehe in Echtzeit meinen Herzrhythmus und bekomme, wie du gesagt hast, über diesen Kohärenzwert angezeigt, bin ich eben in einer niedrigen Kohärenz, mittlere Kohärenz oder hohe Kohärenz und kann da die Messungen machen. Was man natürlich dazu sagen muss, den Finger immer so platziert zu haben auf der Kamera ist auf Dauer anstrengend. Das heißt also, ein Teil der Aufmerksamkeit ist dann dabei, das zu machen. Ich finde, als Einstieg ist es wunderbar. Deswegen ist bei der HeartMath App auch die erste Woche kostenfrei, um das einfach mal auszuprobieren. Das ist super spannend. Wirklich, ich lad euch ein das einfach mal zu machen und zu gucken, bringt mir das einen Vorteil oder nicht? Es geht ja nicht darum zu messen, nur um des Messens willen. Aber für viele Menschen bringt es halt einen Vorteil. Und mit der HeartMath App kann man es einfach wunderbar machen. Eine Woche lang und danach wird halt entweder ein Abonnement gebührfällig oder aber ich kaufe mir dem Sensor, so wie du einen hast. Und dann ist die Nutzung der App lebenslang kostenfrei. Der Sensor hat natürlich den großen Vorteil, er ist viel bequemer. Ich klebe den ans Ohrläppchen und habe dann diese entweder per Kabel oder die Verbindung über Bluetooth mit dem Smartphone und muss mich nicht darum kümmern, dass quasi die Verbindung zwischen Finger und Kamera bleibt. Aber für das Ausprobieren ist es wunderbar.
[Jason Raffington] (57:59 - 58:54)
Genau so habe ich auch angefangen. Wie du schon sagst, ist es jetzt nicht so praktisch, weil man den Finger die ganze Zeit auf dem Handy lassen muss. Aber ja, um es kennenzulernen, ist es wirklich super. Und es gibt spannende Übungen für verschiedene Themenbereiche, einerseits um die innere Ruhe zu trainieren, dass man das kann man dann natürlich vor stressigen Situationen machen oder wenn man schon gestresst ist. Ich habe das auch schon gemacht. Und nach der Arbeit, ich kam nach Hause und war ja einfach fertig. Und dann habe ich mich erstmal hingesetzt und die Übungen gehen drei bis fünf Minuten. Also es ist wirklich nicht viel. Und ich habe mich danach einfach viel besser gefühlt. Der andere ist zur Unterstützung von Manifestationen für die, die sich für Manifestationen und die Themen interessieren. Ich glaube, Joe Dispenza nutzt auch HeartMath Techniken, also für die, die ihn kennen. Also es ist wirklich, ja, wirklich, wirklich spannend. Und ich kann es auch nur empfehlen, das mal auszuprobieren. Wie du sagst, es ist ja auch erst mal kostenfrei und schadet nicht, es mal zu testen.
[Reiner Krutti] (58:55 - 1:00:06)
Ja, also ich glaube, was wir lernen dürfen, ist, wie bringen wir uns in innere Zustände, die das, was wir erreichen wollen, bestmöglich unterstützen. Darum geht es. Es ist eigentlich das, was wir als Selbstregulation bezeichnen. Ich bin dann nicht mehr abhängig vom Außen, sondern ich kann in mir Dinge kreieren, Zustände kreieren, die mir helfen, das zu tun, was ich tue. Bei Manifestationen ist es ja eben, wie man mittlerweile weiß, nicht nur Mantra sagen oder Affirmationen sagen, sondern ich muss es fühlen, muss den Zustand, den Ist-Zustand haben, schon fühlen. Und der erste Schritt ist, und das ist die herzfokussierte Atmung. Ich muss raus aus jeglichem Stressmuster, weil Stress ist immer die andere Richtung von dem, was ich haben will. Und dann, wie du auch beschrieben hast, geht es um, ich verbinde mich mit etwas, was in mir genau dieses Gefühl erzeugt hat in der Vergangenheit, das ich haben möchte. Du sagst, ich denke an etwas und übers Denken ins Fühlen komme. Ich denke, so machst du es dann wahrscheinlich auch, dass du, ich denke an einen lieben Menschen und verbinde mich mit dem Gefühl, dass ich für diesen Menschen habe. Deswegen, glaube ich, ganz wichtig. Es geht nicht nur ums positive Denken. Das positive Denken ist der Weg zum Fühlen. Das ist einfach nur nochmal wichtig. Kommt ins Fühlen, Leute, kommt ins Fühlen.
[Jason Raffington] (1:00:06 - 1:00:23)
Genau, und es geht, so wie ich das verstehe, auch nicht darum, dass man negative Gefühle überschattet oder ignoriert, weil es ist ja auch wichtig, dass man alle Gefühle zulässt und erforscht und dann nicht versucht, das irgendwie mit etwas Positivem wegzudrücken. Aber ich glaube, wir können dann damit besser umgehen.
[Reiner Krutti] (1:00:24 - 1:01:40)
Genau, und das sind zwei Aspekte. Das eine ist, es ist nicht immer der richtige Moment, meine Gefühle auszuleben. Ich habe ein riesengroßes Thema mit Wut gehabt früher und ich kam häufig wütend nach Hause und meine Kinder haben leider ganz viel von dieser Wut abgekriegt, weil ich damals nicht in der Lage war, zu regulieren. Und deswegen, ja, Gefühle auszuleben ist gut, aber da, wo es eben angemessen ist, wo sie hingehören. Und der zweite Aspekt ist, wir haben ja häufig einen Widerstand gegen diese unangenehmen Gefühle. Wenn wir zum Beispiel traurig sind oder auch Angst haben, dann ist da ein großer Widerstand da, der uns ja genau raushaben will aus diesem Gefühl. Und Kohärenz kann auch helfen, diesen Widerstand zurückzunehmen. Das heißt, dass ich wirklich die Trauer dann auch wirklich zulassen kann und nicht gegen die Trauer gehe. Und dann kann ich auch mit einem gewissen Maß an Trauer in einen kohärenten Zustand kommen, weil dann ist es wieder stimmig. Der Widerstand, da gibt es immer die Diskrepanz zwischen was will ich und was habe ich. Und das ist hoch inkohärent. Aber wenn es mir gelingt, über Kohärenzübungen die Trauer wirklich zuzulassen, dann habe ich wieder eine Stimmigkeit, dann habe ich wieder eine Kohärenz.
[Jason Raffington] (1:01:42 - 1:02:07)
Ja, das ist wirklich spannend. Also HeartMath Deutschland macht selbst ja kein Research. Das ist dann ja eher die Aufgabe von HeartMath USA. Auf deren Website findet man auch extrem viele Informationen, wie auch in der App. Gibt es gerade einen Bereich, den du besonders spannend findest? Weißt du, an was HeartMath aktuell gerade forscht oder was findest du noch spannende Bereiche, die wir vielleicht noch nicht angesprochen haben?
[Reiner Krutti] (1:02:07 - 1:07:13)
Ja, also es gibt die Global Coherence Initiative, also die globale Kohärenz Initiative. Und die finde ich total faszinierend. Wir sind alle miteinander verbunden. Und wir haben ja schon über das Magnetfeld des Herzens gesprochen. Und da gibt es dann so die Verbindung erstmal ich mit mir, aber dann auch ich mit dir. Das was wir auch als soziale Kohärenz nennen. Und dann gibt es sehr spannende Beobachtungen, die zu Forschungen führen. Und zwar gibt es das Global Consciousness Project von Roger Nelson von Princeton University. Der hat auf der ganzen Welt Computer installiert gehabt. Mittlerweile ist das Projekt, wurde jetzt vom HeartMath Institute übernommen, er hatte damals eben Computer, die immer 0 1 0 1 0 0 1 0 1 produziert haben. Also ganz zufällig. Und wenn man die verschiedenen Computerzahlen, die Daten analysiert, sollte da kein Muster entstehen. Das sprich, es sollten nicht mehr Nuller als Einser sein. Es ist wie so quasi modernes Münzwerfen. Wenn ich in einer großen Zahl das mache, dann sollte ich genauso viel Kopf wie Zahl haben. Aber das ist einfach dieses Zufallsprinzip und hat dann aber festgestellt, Roger Nelson, dass zu unterschiedlichen Zeitpunkten plötzlich Muster und wirklich deutlich signifikante Muster aufgetreten sind, zum Beispiel bei 9-11 oder aber als Lady Di tödlich verunglückt ist. Also quasi immer dann, wenn die Welt aufschreit, emotional aufschreit. Das Schöne ist, was er festgestellt hat, bei wenn die Welt positiv aufschreit, zum Beispiel bei bei Eröffnungsspielen von Olympiade, dass es dann noch größere Auswirkungen hat, als wenn die Welt vor Angst aufschreit. Aber immer dann, wenn es Massen Emotions Phänomene gibt, dann reagieren diese Computer. Wie kann es sein? Wie kommuniziert der Mensch mit Maschine? Eine Vermutung ist, dass es über das Magnetfeld der Erde geht. Also was wir wissen, ist, dass wir Menschen sehr stark bei Magnetfeld Veränderungen reagieren, die ja häufig auch von Sonnenaktivität beeinflusst werden. Wenn es starke Sonnenwinde gibt, die Sonnenwinde prallen auf auf eine Schicht des Planeten, der Erde und bringen dann diese Schicht ins Schwingen. Und eine dieser Schwingungsfrequenzen, es liegt bei 0,1, sind es nicht die Schumann-Frequenzen, sondern eine andere Frequenz, weil die Schumann-Frequenzen eher mit den Gehirnwellen übereinstimmen. Und dieses Magnetfeld der Erde, von dem ich spreche, schwingt eher in der Frequenz, also in der Hauptfrequenz von 0,1 Hertz und 0,1 Hertz ist das Haupt Schwingungsmuster für die meisten Menschen, wenn die in einem kohärenten Zustand sind. Da kann man sich dann eben fragen, okay, 0,1, 0,1, jetzt haben wir die Idee der Trägerwelle. Ich muss genau beim Radiosender genau auf die gleiche Frequenz einstellen, dann entsteht Kommunikation. Warum hat das Magnetfeld der Erde 0,1 und warum hat unsere Herzfrequenz 0,1? Spannende Fragen. Und eine Hypothese ist eben, dass wenn Menschen massenweise eine starke emotionale Reaktion haben, dann wird ja ganz viel über das Magnetfeld deren Herzen produziert. Ob das nicht eine Beeinflussung des Magnetfelds der Erde hat und das dann wieder über die Magnetinformationen in den Rückwirkungen auf diese Zufallsgeneratoren. Und um das genau zu erforschen, hat HeartMath dann weltweit mittlerweile sieben oder acht große Magnetometer installiert, die das Magnetfeld der Erde messen, zeitsynchronisiert. Auch die NASA holt sich schon Daten vom HeartMath-Institut, weil diese zeitsynchronisierten Systeme existieren. Und dann gibt es mittlerweile dieses Global Consciousness Project 2.0, wo viele Menschen, ich habe auch so ein Ding zu Hause, so einen kleinen Zufallszahlengenerator haben und die dann weltweit Informationen generieren, an das HeartMath-Institut senden, wo dann geschaut wird, gibt es irgendwelche Korrelationen? Im Moment ist es nur auf Korrelationsebene. Das ist ganz wichtig. Wir haben überhaupt kein Beweis für irgendwas. Aber man sieht superspannende Korrelationen. Und wenn jemand da Bock hat, da als, wie nennt man das, Bürgerwissenschaftler da mitzumachen. Es gibt die Seite von der Global Coherence Initiative und dann kann man für 300 Dollar oder so sich so ein Gerät bestellen, zu Hause anschließen. Und man sieht dann eben auch, ob das eigene Gerät in einem Kohärenzniveau ist. Kohärenz bedeutet einfach nur, dass es entweder mehr 0 oder mehr 1 ergibt. Das heißt, ob es raus ist aus dem kompletten Zufallssystem. Und da wird halt jetzt ganz viel geforscht. Es gibt noch nicht viel zu sagen, aber es gibt schon erste Tendenzen, die zeigen, da scheint echt was dran zu sein.
[Jason Raffington] (1:07:13 - 1:07:31)
Ja, das ist total spannend. Kann man auch sagen, oder gibt es da vielleicht schon Untersuchungen zu, dass wenn es bestimmte Sonnenwinde gibt und sich das Magnetfeld verändert, da hast du ja gesagt, das beeinflusst auch unsere Gesundheit. Kann man sich davor irgendwie schützen, z.B. indem wir Kohärenz trainieren? Können wir da so ein bisschen Resilienz aufbauen?
[Reiner Krutti] (1:07:31 - 1:08:17)
Genau, also das ist sicherlich ein ganz wichtiger Aspekt, dadurch entsteht kein Schutzschild. Aber es geht ja wieder über das autonome Nervensystem. Und wenn quasi diese Solarwinde dafür sorgen, dass mein System mehr belastet ist, also gestresst ist, dann ist es wesentlich, dass ich alle anderen Stressfaktoren rausnehme. Ich kann ja natürlich das, was von außen kommt, nicht stoppen. Aber ich kann dafür sorgen, dass mein System resilient ist. Und darum geht es. Egal, was im Außen passiert, je resilienter mein System ist, desto weniger schadet mir das, was von außen kommt. Je nachdem, welche Qualität es natürlich hat. Ich kann ein Autounfall haben, dann nützt mir Resilienz nicht so viel. Aber alles, was wie so eine emotionale Belastung ist, ist eine innere Resilienz der beste Schutz, den ich aufbauen kann.
[Jason Raffington] (1:08:17 - 1:08:53)
Ja, ich denke doch gerade an das Beispiel vom Mond, dass viele bei Vollmond nicht gut schlafen können. Und da kann man sich jetzt vielleicht auch nicht 100% vor schützen. Aber wenn man weiß, okay, heute Nacht werde ich wahrscheinlich nicht so gut schlafen, dann versuche ich zumindest, an anderen Stellschrauben zu drehen, um meinen Stress zu reduzieren oder gut zu essen, vielleicht am nächsten Tag einen Mittagsschlaf zu machen. Also das ist, glaube ich, ganz sinnvoll, wenn man sich einfach diesen Einflüssen bewusst ist. Und viele haben wahrscheinlich dieses geomagnetische Feld noch gar nicht auf dem Schirm. Also das war jetzt vielleicht nochmal eine sehr hilfreiche Information, dass das auch nochmal ein Einflussfaktor ist und wie wir uns davor noch ein bisschen schützen können.
[Reiner Krutti] (1:08:53 - 1:10:00)
Und wir sind in einer Hochphase von Solaraktivität schon seit einigen Monaten. Es wird aber noch eine Weile dauern. Und ich meine, wenn man sieht, was in der Welt gerade passiert, so alles, man hat so das Gefühl, es wird immer verrückter. Ja, und was ein russischer Forscher so am Ende des Ersten Weltkrieges entdeckt hat, beispielsweise ist, dass die schlimmsten Schlachten immer bei erhöhten Solaraktivitäten stattgefunden hat. Und er hat dann versucht, zurückzublicken. Was waren denn so die größeren Ereignisse, sowohl positiv wie auch negativ? Und das ging immer mit einer erhöhten Sonnenaktivität einher. Und jetzt sind wir eben wieder in dem Sonnenhoch. Also ist es kein Wunder, dass das ganz viel passiert, sowohl im Negativen wie auch im Positiven. Und was glaube ich, unsere Aufgabe ist, immer wieder zu versorgen, dass wir bei uns bleiben. Bei all dem, was passiert, uns immer wieder neu mit uns verbinden, immer wieder in diese Herzensverbindung zuerst mit uns selber gehen, persönliche Kohärenz und dann mit unserem Gegenüber. Und wenn es uns gelingt, persönliche und soziale Kohärenz aufzubauen, die globale, die kommt dann von alleine, wenn es genug Menschen tun.
[Jason Raffington] (1:10:02 - 1:10:50)
Ja, das ist wirklich spannend, super, super spannendes Thema. Und es kam immer mal wieder der Begriff spirituell auf. Vieles davon wissen wir aus spirituellen Traditionen. Aber wie du anfangs auch gesagt hast, wir in der westlichen Welt, wir wollen ja, wir wollen Science, wir wollen, dass die Wissenschaft das supportet. Und deshalb finde ich das extrem spannend, dass HeartMath, das, was wir schon lange eigentlich wissen, viele von uns intuitiv auch spüren, jetzt auch mit Studien, da gibt es extrem viele Studien auf PubMed, für die, die auch mal genauer nachlesen wollen, dass das mit Studien eben untermauert wird und dass wir versuchen zu erklären oder es erklären können teilweise, wie diese Phänomene oder diese Gefühle zustande kommen oder diese Intuition zustande kommt. Gibt es von deiner Seite noch abschließende Worte, Empfehlungen oder Impulse, die du unseren ZuhörerInnen mitgeben möchtest?
[Reiner Krutti] (1:10:52 - 1:12:18)
Also das, was ich gerade gesagt habe, kümmert euch um euch selber. Die Verbindung fängt bei euch an. Und wichtig ist eben auch, wenn man diese Übungen im Alltag, auch in schwierigen Situationen nutzen möchte, ist es gut, die in stressfreien Momenten zu üben. Also sich wirklich zu überlegen. Also ich mag so diese Idee, der Tag hat 96 Viertelstunden. Und eine dieser Viertelstunden zu investieren für Selbstregulation geht auch in einem ziemlich vollgepackten Alltag. Und dann noch klug zu überlegen, was mache ich im Alltag, wo ich vielleicht parallel noch herzfokussiert atmen kann. Unter der Dusche, beim Geschirrspülen, beim Geschirrspüler ein- und ausräumen. Gibt es ganz viele Situationen. Du sagst es in der Bahn oder wenn ich im Auto fahre an der Ampel oder auch so beim Autofahren mit offenen Augen. Das regelmäßig zu üben, dadurch stärkt ihr eure innere Resilienz und seid dann auch in der Lage, in schwierigen Situationen auf diese erhöhte Resilienz zurückzugreifen. Resilienz kann man trainieren. Ist es nicht, ich habe es oder ich habe es nicht. Ich kann sie trainieren, ich kann sie aufbauen. Das ist so die Einladung, das regelmäßig zu tun. Paar Minuten am Tag und dann eben auch das nutzen in Momenten, wo es schwierig wird und immer auch daran zu denken. Ich kann es beeinflussen und dadurch habe ich auch eine Verantwortung dafür zu sorgen, dass ich so gut ich kann mich reguliere, um nicht einfach nur im Außen die anderen als Stressregulationssystem zu verwenden.
[Jason Raffington] (1:12:19 - 1:12:39)
Das finde ich gut. Also eine Viertelstunde klingt auf jeden Fall machbar. Ich denke auch fünf Minuten helfen schon. Ja, super. Reiner, vielleicht kannst du noch zum Schluss sagen, wo unsere ZuhörerInnen mehr über HeartMath, über dich, über eure Arbeit herausfinden können. Also wir werden auf jeden Fall auch die Websites verlinken, aber vielleicht nennst du sie trotzdem mal kurz.
[Reiner Krutti] (1:12:39 - 1:13:20)
Genau, also wir haben eine Homepage, heißt www.heartmathdeutschland.de. Da ist eben alles auf Deutsch. Wir haben einen YouTube-Kanal. Wenn man da HeartMath Deutschland eingibt, findet man da auch jede Menge Videos. Wenn jemand so wie du auch sehr viel über die Forschungen vom HeartMath-Institut erfahren möchte, ist eben alles auf Englisch. Dann gibt es die Homepage www.heartmath.org. Es gibt www.heartmath.com, aber für die Forschungsseite, für die Institute-Seite ist www.heartmath.org. Da gibt es eine Research Library. Da findet man Tonnen von Studien, wenn man eben jetzt nicht auf PubMed schauen will. Da findet man alles und man kann uns gerne eine E-Mail schreiben. Also wenn man mehr wissen möchte, [email protected] und wir freuen uns über jede Nachricht, die wir kriegen. Super.
[Jason Raffington] (1:13:21 - 1:13:22)
Reiner, vielen Dank für deine Zeit.
[Reiner Krutti] (1:13:23 - 1:13:24)
Ja, sehr gerne, Jason. Dankeschön.
