Glutathion: Wirkung, Mangel und Dosierung

Glutathion oder reduziertes L-Glutathion ist das wichtigste zelluläre Antioxidans und wird auch als "Master-Antioxidans" bezeichnet. Alles über Wirkung, Mangel, den besten Wirkstoff S-Acetyl-Glutathion und die richtige Dosierung.

Steckbrief Glutathion

Chemischer Name

γ-L-Glutamyl-L-cysteinylglycin

Physiologische & bioaktive Formen

reduziertes L-Glutathion

Wirkung

Antioxidans
Entgiftung
Synthese der Gewebshormone Eicosanoide

Mangel Symptome

Müdigkeit, Infektanfälligkeit, Schwäche, Stimmungsschwankungen,  Entzündungen

Mangel Risikien/Erhöhter Bedarf

Abnehmende Synthese im Alter
Stress, Leistungssport
Belastungen mit Umweltgiften
Rauchen, Dorgen
Chronische Infekte
Mangelernährung Protein-arm

Vorkommen

Körpereigene Synthese aus den drei Aminosäuren Glutamin, Glycin und Cystein

Bioverfügbarkeit

Keine gute Bioverfügbarkeit in der reinen Form, da Glutathion wie ein Peptid verdaut wird.
Gute Verfügbarkeit in speziellen Formulierungen und als S-Acetyl-Glutathion.

Dosierung

Ergänzung: 100-250mg
Erhöhter Bedarf: 250-500mg
Therapie: 1000-5000mg

Überdosierung

Keine Überdosierung bekannt

Nebenwirkungen

Keine Nebenwirkungen bekannt

Einnahme

Wasserlöslich, getrennt von Mahlzeiten

Kofaktoren

Glutathionsynthese: Magnesium, Mangan, Zink
Wirkung: Selen, Vitamin C
Recycling:  Vitamin B2,  Vitamin B3, Alpha-Liponsäure



Worauf achten

Premium-Wirkstoff statt Billigimport, keine Zusätze

Was ist L-Glutathion?

Glutathion oder auch L-Glutathion (vom chemischen Namen γ-L-Glutamyl-L-cysteinylglycin) ein körpereigenes zelluläres Antioxidans, dass vom Körper aus den drei Aminosäuren Glutamin, Glycin und Cystein gebildet wird. Das Tripeptid Glutathion wirkt als Radikalfänger, schützt Gehirn und Nerven und verhindert die Peroxidation von Lipiden. Oxidativer Stress durch einen zellulären Glutathion-Mangel ist einer der Hauptfaktoren vorzeitiger Zellalterung und kann zu zahllosen systemischen Symptomen führen. Glutathion ist dabei nicht nur selbst ein machtvolles Antioxidans, es reaktiviert auch andere wichtige Antioxidantien wie Vitamin C, Vitamin E und Alpha-Liponsäure, weshalb Glutathion oft als das „Master-Antioxidans“ bezeichnet wird. Glutathion spielt außerdem eine zentrale Rolle in der Entgiftung.

Was ist reduziertes Glutation?

Biologisch aktiv ist nur das sogenannte reduzierte Glutathion. Dieses reduzierte Glutathion ist in der Lage, ein Elektron an Freie Radikale abzugeben und sie damit unschädlich zu machen. In diesem Prozess wird das Glutathion zu Glutathiondisulfid (GSSG) oxidiert und muss erst wieder in reduziertes Glutathion zurückverwandelt werden, um als Antioxidans zu wirken.

Glutathion Wirkung - das Master-Antioxidans

Ob Zellalterung, kognitiver Verfall oder Krankheit – überall spielt oxidativer Stress eine zentrale Rolle. [1, 2] Freie Radikale werden vom Körper zwar auch zur Krankheitsbekämpfung eingesetzt, aber eine übermäßige Belastung mit freien Radikalen zerstört die Zellen und damit die Grundlage unserer Gesundheit. [3–5]

Um dies zu vermeiden, verfügt der Körper über ein ganzes System von Antioxidantien, von denen einige über die Nahrung aufgenommen werden müssen – wie Vitamin C und Vitamin E – andere vom Körper selbst produziert werden können, wie das Glutathion. [6]

Glutathion nimmt eine ganz besondere Stellung unter den Antioxidantien ein und gilt vielen als das „Master-Antioxidans“. [7, 8] Der Grund ist, dass Glutathion benötigt wird, um die anderen Antioxidantien zu reaktiveren. Ohne Glutathion würde also das gesamte antioxidative System des Körpers schnell in einer Sackgasse landen. [9, 10]

Die Bedeutung des Glutathion für unser Wohlbefinden ist so groß, dass sich der Gesundheitszustand im hohen Alter recht gut aus dem zellulären Glutathion-Spiegel vorhersagen lässt. [11]

Glutathion ist wichtig für

  • Immunsystem
  • Entgiftung
  • Bildung der Gewebshormone Eicosanoide

Glutathion-Mangel

Ein Glutathionmangel kann ganz grundsätzlich durch verschiedene Faktoren entstehen, z. B.:

  • Mangelernährung: Fehlen der Grundbausteine zu Bildung von Glutathion, dies sind die Aminosäuren Glutamin, Glycin und Cystein
  • Alter oder Genetik: Eine verminderte körpereigene Synthese
  • Erhöhter Bedarf: Zu hoher Verbrauch von Glutathion

 

Glutathion kann vom Körper selbst synthetisiert werden. Jedoch nimmt die Fähigkeit zur Glutathion-Synthese im Alter stark ab und die hohe Belastung mit Stress und Umweltgiften führen bei vielen Menschen zu chronisch niedrigen zellulären Glutathion-Spiegeln. Krankheit, Umweltgifte,

Stress, Leistungssport, Rauchen, Strahlenbelastung und viele andere Umstände führen zu einem erhöhten Verbrauch an Glutathion, der vom Körper nicht immer ausgeglichen werden kann. [12, 13]

Glutathion wird besonders in Entgiftungsreaktionen verbraucht, weshalb die steigende Belastung mit Umweltgiften die Glutathion-Vorräte rasch erschöpfen kann. [14] Viele giftige und schädliche Substanzen, denen wir täglich unweigerlich ausgesetzt sind, erfordern erhebliche Mengen an Glutathion, um durch Entgiftungsprozesse ausgeschieden zu werden.

Ein Glutathion-Mangel führt zu einer hohen Belastung durch freie Radikale und birgt die Gefahr von oxidativen Zellschäden, Zellalterung und einer Einschränkung der Immunabwehr und Entgiftungsfunktion. Dies kann zu zahllosen akuten und chronischen Symptomen führen. [15]  Glutathion birgt so ein großes präventives Potenzial. Insbesondere Menschen mit einer hohen Belastung durch Stress, Gifte und chronische Leiden können sehr von einer zusätzlichen Einnahme von Glutathion profitieren.

Glutathionspiegel erhöhen

Um den Glutathionspiegel auf oralem Wege zu erhöhen, sind grundsätzlich zwei verschiedene Ansätze denkbar:  

  1. Direkte Supplementation von Glutathion
    Als Glutathion oder S-Acetylglutathion

  2. Indirekte Supplementation der Glutathion-Ausgangstoffe
    Glutamin als L-Glutamin
    Glycin als L-Glycin
    Cystein als L-Cystein,  N-Acetyl-Cystein (NAC) oder N-Acetyl-Cysteinamid (NACA)

Glutathion Bioverfügbarkeit

Die orale Aufnahme von Glutathion ist eine komplizierte Angelegenheit. Denn als Tripeptid kann Glutathion vom Körper verdaut werden wie ein Eiweiß, wodurch es nicht intakt in die Zellen gelangen würde. Lange Zeit war die orale Verfügbarkeit von reduziertem Glutathion daher umstritten. [21]

Studien zeigen jedoch, dass es einerseits spezielle Transporter für Glutathion gibt, die das Glutathion durch die Darmwand und in Zellen schleusen [22]  und das zweitens der Glutathion-Spiegel in allen Geweben und den Blutkörperchen durch die langfristige Einnahme von reduziertem L-Glutathion zuverlässig erhöht wird. [23] Andere Forschungen zeigen außerdem, dass oral aufgenommenes L-Glutathion rasch an Proteine gebunden wird und in der Leber gespeichert wird, weshalb die tatsächliche Aufnahme nicht anhand des Blutspiegels zu beurteilen ist. [24, 25] Die Ergebnisse vieler Verfügbarkeits-Studien sind darum möglicherweise unvollständig und irreführend.

Die Glutathion-Aufnahme kann jedoch noch weiter erhöht und verbessert werden, indem spezielle Glutathion-Wirkstoffe verwendet werden, die das Glutathion an verschiedene Seitengruppen binden, die es schützen und so besser verfügbar machen. [26]

S-Acetyl-Glutathion ist eine solche stabile Form von Glutathion, welche die Aufnahme im Darm nochmals deutlich erhöht. [27] Studien zeigen außerdem eine direkte Aufnahme in Zellen und eine starke Wirkung auf das Immunsystem.[28, 29]

 

Welche Form?

Ein genauer relativer Vergleich der beiden Wirkstoffe ist derzeit mangels entsprechender Studien nicht möglich.

S-Acetyl-Glutathion ist stabiler und zeigte in Studien eine bessere Bioverfügbarkeit und sofortige Erhöhung der Plasmaspiegel nach einmaliger Gabe. Es eignet sich vor allem für die schnelle Erhöhung des Glutathion-Spiegels.

L-Glutathion zeigt bei regelmäßiger, langfristiger Einnahme von mehr als 4 Wochen vermutlich eine ähnlich gute Wirksamkeit und ist dabei deutlich günstiger. Es eignet sich daher besonders gut für die langfristige Einnahme.

Direkte Supplementation als bioaktives S-Acetyl-Glutathion

Mit S-Acetyl-Glutathion wurde der weltweit erste stabile Glutathion-Wirkstoff entwickelt, der die Magen-Darm-Passage unbeschadet übersteht und intakt vom Körper aufgenommen wird. [16]

Die angehängte Acetylgruppe (COCH3) schützt das Glutathion von der schnellen Zersetzung im Magen-Darm-Trakt. Denn S-Acetyl-Glutathion verhält sich im Darm wie eine lipidähnliche Verbindung und wird durch sogenannte Chylomikronen aufgenommen. Chylomikronen transportieren das Glutathion durch die Darmwand und über das Lymphsystem direkt in den großen Blutkreislauf.

Nach der Aufnahme kann die schützende Acetylgruppe vom Körper problemlos und ohne Energieaufwand abgespalten werden, wodurch bioaktives reduziertes Glutathion freigesetzt wird, welches sofort für alle seine schützenden biologischen Funktionen verfügbar ist.

Glutathion-Dosierung

Je nach Anwendungsfall werden folgende Dosierungen empfohlen:

L-Glutathion

300 - 400mg 900mg - 1500mg
S-Acetyl-Glutathion:

100mg - 250mg 500mg - 1000mg

Glutathion Kofaktoren

 Glutathion wirkt im Verbund mit einer Reihe von anderen Nährstoffen. Die reine Supplementierung mit reduziertem Glutathion ist ausreichend für die Wirksamkeit, da es sich jedoch um einen Stoff-Kreislauf handelt, kann eine gleichzeitige Optimierung der Kofaktoren die Wirksamkeit noch steigern.

Förderung der Bildung von L-Cystein:

  • Vitamin B6 [17]
  • Vitamin B12 [17]
  • Folat [17]
  • SAM [17]

Förderung der Bildung der Enzyme, die für die Glutathionsynthese notwendig sind:

  • Zink [18]
  • Magnesium [19]
  • Mangan

Förderung der Bildung von Enzymen, die für die antioxidative Wirkung von Glutathion (Glutationperoxidase) wichtig sind:

  • Selen
  • Vitamin C

Förderung der Bildung von Enzymen, die für die entgiftende Wirkung von Glutathion (Glutathiontransferase) wichtig sind:

  • Selen

Wiederherstellung von verbrauchtem (oxidiertem) Glutathion:

  • Vitamin B2
  • Vitamin B3
  • Alpha-Liponsäure

Weitere Nährstoffe, die Glutathion steigern:

  • Vitamin E [20]

 

 

Quellen

  1. Abdollahi M, Moridani MY, Aruoma OI, Mostafalou S (2014) Oxidative stress in aging. Oxidative medicine and cellular longevity 2014:
  2. Harman D (2003) The Free Radical Theory of Aging. Antioxidants & Redox Signaling 5:557–561
  3. Sies H (2018) On the history of oxidative stress: Concept and some aspects of current development. Current Opinion in Toxicology 7:122–126
  4. Lin MT, Beal MF (2006) Mitochondrial dysfunction and oxidative stress in neurodegenerative diseases. Nature 443:787–795
  5. von Zglinicki T (2002) Oxidative stress shortens telomeres. Trends in Biochemical Sciences 27:339–344
  6. Sies H (1997) Oxidative stress: oxidants and antioxidants. Exp Physiol 82:291–295
  7. Bains VK, Bains R (2015) The antioxidant master glutathione and periodontal health. Dent Res J (Isfahan) 12:389–405
  8. Piste P (2013) Cysteine–master antioxidant. International Journal of Pharmaceutical, Chemical and Biological Sci-ences 3:143–149
  9. Mukai K, Isozaki T, Nagaoka S (2007) Kinetics of Vitamin E Regeneration by Water-Soluble Antioxidants in Micellar Dispersions. Bulletin of the Chemical Society of Japan 80:1331–1334
  10. Gul M, Kutay FZ, Temocin S, Hanninen O (2000) Cellular and clinical implications of glutathione.
  11. Lang CA, Mills BJ, Lang HL, Liu MC, Usui WM, Richie J, Mastropaolo W, Murrell SA (2002) High blood glutathione levels accompany excellent physical and mental health in women ages 60 to 103 years. Journal of Laboratory and Clinical Medicine 140:413–417
  12. Pizzorno J (2014) Glutathione! Integr Med (Encinitas) 13:8–12
  13. Marí M, Morales A, Colell A, García-Ruiz C, Fernández-Checa JC (2009) Mitochondrial Glutathione, a Key Survival Antioxidant. Antioxid Redox Signal 11:2685–2700
  14. Engström KS, Strömberg U, Lundh T, Johansson I, Vessby B, Hallmans G, Skerfving S, Broberg K (2008) Genetic Variation in Glutathione-Related Genes and Body Burden of Methylmercury. Environ Health Perspect 116:734–739
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  27. Fanelli S, Francioso A, Cavallaro R, d'Erme M, Putignano P, MIraglia N, Mosca L (2018) Oral Administration of S-acetyl-glutathione: Impact on the Levels of Glutathione in Plasma and in Erythrocytes of Healthy Volunteers. International Journal of Clinical Nutrition & Dietetics 134
  28. Galzigna L, Rizzoli V, Schiappelli P, Moretto C, Bernareggi A (1994) S-acetyl- and S-phenylacetyl-glutathione as glutathione precursors in rat plasma and tissue preparations. Enzyme Protein 48:98-104
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